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Die Vermessung des Waldes Greenpeace schl채gt ein Camp im Spessart auf

www.greenpeace.de


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Gesc he J ü rgens

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eit der ersten Stunde ist Gesche Jürgens, Waldkampaignerin bei Greenpeace, in der Kampagne zum Schutz alter Buchenwälder dabei. „Wälder gehen uns alle an! Sie spielen im Kampf gegen den Klimawandel, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und als Erholungsraum für uns Menschen eine zentrale Rolle. Doch ihr Erhalt und die damit verbundene Artenvielfalt sind vor allem durch menschliche Eingriffe in die Natur stark gefährdet. In einem reichen Industrieland wie Deutschland

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››

›› Wälder sind unsere grünen Lungen

sind nach wie vor zahlreiche Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht – auch in unseren Wäldern. Beim Waldschutz muss Deutschland daher endlich ein internationales Vorbild werden! Mit Kampfgeist und guter Laune setze ich mich dafür ein.“ Den Kampfgeist braucht sie auch, denn die Widerstände gegen mehr Schutz und eine nachhaltige Nutzung der deutschen Wälder, zum Beispiel von Seiten der Holzindustrie, sind zahlreich und hartnäckig – es bleibt viel zu tun…


Steckbrief Gesche J端rgens Heute: Waldkampaignerin bei Greenpeace Deutschland Fr端her: Greenpeace-Waldkampagne in San Francisco, Aktivistin bei Greenpeace USA, Deutschland und Spanien Erster Einsatz f端r den Umweltschutz: Im Bauch meiner Mutter auf einer Anti-Atomkraft-Demo

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Inhalt 01 02 03

Wald ist mehr als Holz

Warum sch체tzen wir die alten Buchenw채lder?

Campen ist mehr als Zelten

Was hat Greenpeace im Spessart gemacht?

Taten sind mehr als Worte

Wie kannst auch du aktiv werden?

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Wald mehr Holz 8


ist als Warum sch체tzen wir die alten Buchenw채lder? 9


0,5% unserer Buchenwälder werden derzeit in ihrer Entwicklung komplett sich selbst überlassen. Ungenutzte Buchenwälder sind jedoch lebensnotwendig für viele Tier- und Pflanzenarten. Denn diese benötigen große, ungestörte Gebiete in natürlichen Wäldern. Schauen wir mal, wer da so lebt...


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b prächtiger Feuersalamander oder putzige Waldmaus: In Buchenwäldern tummeln sich mehrere tausend Arten, die zum Bespiel im Totholz ihr Zuhause finden. Über tausend Käferarten fühlen sich hier wohl. Auch deshalb ist es wichtig. Und was aussieht, als hätte sich eine Koralle aus der Unterwasserwelt eingeschlichen, wächst in Wirklichkeit im unterfränkischen Spessart: Der Ästige Stachelbart ist ein seltener Pilz, der sich auf alten Baumstämmen ansiedelt. 13


Hamburg Berlin

Köln Frankfurt Würzburg

München

Wo liegt der Spessart?

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Der Spessart erstreckt sich über zwei Bundesländer (Bayern und Hessen)


Warum Greenpeace ein Waldcamp im Spessart errichtet hat, erz채hlt Gesche im Podcast.


Unsere Buchenw채lder in Zahlen Aufnahmef채higkeit von CO2 (in Mio. Tonnen)

1990 2008 2012

0,2

18

80


Das Alter der Buchen (im Vergleich zum Menschen)

300

140

50 12

Pflanzen & Pilzarten

4.320

35

75

6.715 Tierarten Pro Jahr kann eine Buche bis zu 1 Tonne CO2 aufnehmen

kg


Campe ist me als Ze 18


en ehr elten Was hat Greenpeace im Spessart gemacht? 19


D

Wald c amp

er Auftrag: Kartierung alter Bäume im Spessart. Campen im tiefsten Winter bei bis zu minus 20 Grad. Tägliche Arbeit im Wald von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang – sechs Wochen lang. Die Ausrüstung: Winterstiefel, dicke Mützen, Wollsocken, Schlafsäcke, Zelte und heißer Tee. Kluppen (ein Mess20

schieber), GPS-Geräte, Knetmasse, Zettel, Filzstift. Das Ergebnis: Im März 2012 werden nach insgesamt 45 Tagen die Zelte im Spessart fürs Erste abgebaut. Die insgesamt 94 Aktivisten haben die unglaubliche Anzahl von über 20.000 alten Bäumen erfasst und aus den Daten Kar-


Klirrende Kälte – nachts gefriert der Atem

ten und Grafiken erstellt. Diese Karten dokumentieren die Besonderheit des Gebiets und decken auf, wie sehr die industrielle Forstwirtschaft diese Wälder bedroht. Im Oktober dieses Jahres schlagen die Aktivisten die Zelte erneut in Bayern auf und kartieren in drei Wochen über 13.000 weitere Bäume. „Wir wollen mit unserer Kartie-

rung Transparenz in Bayerns öffentlichen Wäldern schaffen, die uns und den Bürgern noch immer von der bayerischen Landesregierung verweigert wird“, sagt Gesche Jürgens. „Bisher können die bayerischen Bürgerinnen und Bürger nicht erfahren, wo ihre weltvollen alten Wälder liegen und was mit ihnen passieren soll.“ 21


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Was ist Das Waldcamp? Lies mehr in unserem Blog

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b Regen, Schnee oder auch mal Sonnenschein: Der Tag im Waldcamp beginnt früh um 6.30 Uhr. Gleich nach dem Frühstück geht es los. Ausgerüstet mit Mess- und GPSGeräten stapfen die Aktivisten bis zum Einbruch der Dunkelheit durch den Wald und erfassen alle Bäume mit über 50 Zentimetern Durchmesser. Anschließend erstellen sie aus den Koordinaten der Bäume digitale Karten. Die dicken Bäume zählen zu den besonders wertvollen Beständen und sind durch die einseitige wirtschaftli-

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Video: Die Vermessung des Waldes

che Ausrichtung der Bayerischen Staatsforsten bedroht. Gesche erklärt, wie die Kartierung funktioniert: „Wir messen die Bäume mit einer sogenannten Kluppe auf Brusthöhe aus. Dann notieren wir diesen Brusthöhendurchmesser auf einem gelben, gut sichtbaren

Greenpeace Aktivisten, unterwegs mit GPS-Geräten und Maßbändern, dokumentieren ökologisch wertvolle Buchen und Eichen.

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Papier. Es wird mit einer Art Knetmasse am Baum befestigt, ganz schonend also. Uns folgen die Kartierer, die mit dem GPS-Gerät die Daten aufnehmen und das Papier anschließend wieder entfernen.“ Diese wenigen Flächen, die das beste Potential haben, zu Urwäldern von morgen zu werden, dürfen nicht unwiederbringlich 26


verschwinden. Daf端r setzen sich Aktivisten aus aller Welt ein: Neben den Aktivisten aus ganz Deutschland haben wir auch Unterst端tzung von Adriano aus Brasilien, Ilona aus Russland, Melanie aus Kanada, Topias aus Finnland, und Danielle aus den Niederlanden bekommen. 27


Wilder Wald statt Waldwildern „Die meisten Wälder sehen heute aus wie aufgeräumt – wilde Laubwälder, in denen man noch solche Prachtexemplare wie hier findet, sind selten geworden.“

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Video: DouglasienAktion 30


A ktionen

Bäumlein wechsle Dich

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ast 2.000 Setzlinge der Baumart Douglasie haben Greenpeace Aktivisten im Spessart durch junge Buchen ersetzt. Warum? Ganz einfach: Weil die Nadelbäume den ökologischen Wert geschützter Laubund Buchenwäldern herabsetzen. Mehr noch: Sie befinden sich mitten in einem Natura 2000-Schutzgebiet; ihre Pflanzung verstößt nach Auffassung von Greenpeace gegen europäisches Naturschutzrecht. Das Schutzgebiet, aus dem die Aktivisten die Setz-

linge entfernt haben, dient dem Erhalt des Lebensraumtyps der sogenannten bodensauren Buchenwälder. Die Douglasie kam in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Nordamerika nach Europa. In der Forstwirtschaft ist sie so beliebt, weil sie schnellen Gewinn bringt. Ihr Anbau wird mit der notwendigen Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel gerechtfertigt. Dabei können naturnahe Wälder mit ihrer Artenvielfalt und Dynamik darauf am besten reagieren. 31


die industrielle Bewirtschaftung zerstÜrt unsere Buchenwälder. 32


Die Buchensetzlinge, die die Umweltsch端tzer anstelle der Douglasien eingepflanzt haben, sind von genau der Art, die in diesem Wald nat端rlicherweise wachsen w端rde. Nach der Entnahme bekamen die Douglasien fachgerecht einen Wurzelschnitt und wurden gegossen.

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Das Geheimnis ist gel체ftet: Die Douglasien sind wieder aufgetaucht. Und zwar vor dem Bayerischen Staatsministerium f체r Ern채hrung, Landwirtschaft und Forsten. Im Gep채ck hatte Greenpeace neben den Setzlingen auch die EU-Beschwerde. Eine Aktion, die nachhal-

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tig Wirkung zeigt: In den europ채ischen Natura 2000-Schutzgebieten d체rfen erstmal keine weiteren Douglasien gepflanzt werden. Dieser Beschluss soll zumindest so lange gelten, bis es eine Grundsatzentscheidung der Europ채ischen Kommission dazu gibt.

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Skandal im Wertvolle Buche China ver 36


m Spessart! en werden nach rschifft. 37


Aktionen an unterschiedlichen Orte 38

Aktivisten setzen sich f端r d


en: Auch internationale Greenpeace

den Schutz alter Buchen ein.

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Taten mehr Worte 40


n sind als e Wie kannst auch du aktiv werden? 41


Mitmac hen

Wertvolle Wälder

D

ie Wälder des Spessarts stehen beispielhaft für die letzten alten Laubwälder Deutschlands. Der Spessart erstreckt sich auf über 200.000 Hektar und zwei Bundesländer: Bayern und Hessen. Hier findet man Wälder, die es ansonsten in Deutschland kaum noch gibt. Das Gebiet des sogenannten Heisterblocks etwa zählt mit seinen über 400-jährigen Eichen und etwa 180-jährigen Buchen zu den ältesten und schönsten größeren Waldflächen Mitteleuropas. Hier kann man die urwüchsige Schönheit alter Wälder bewundern. Die Wälder Deutschlands sind sonst meist junge Wälder – im Durchschnitt nur 77 Jahre.

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Bis auf die ältesten Buchenwälder über 180 Jahre – für die die Bayerischen Staatsforsten im Juni einen Einschlagsstopp verhängt hat – wird in den alten Laubwäldern über 140 Jahre weiter Holz gefällt. Jedes Jahr fällen die BaySF alte Buchen 44

und Eichen – unser nationales Naturerbe schwindet dahin. Über 700 000 Hektar bewirtschaften die BaySF – vor allem nach profitorientierten Kriterien. Dies hat Kosequenzen – nicht nur für den Wald, sondern auch für die Menschen die ihn lieben.


Mitmachen Und Baumpate werden Werde Baumpate für eine alte Buche im Spessart! Jeder Baumpate hilft, einem Baum symbolisch Schutz zu geben und fordert damit mehr Schutzgebiete. Einfach eine E-Mail an Melanie Manegold senden: melanie.manegold@greenpeace.de

fos Mehr In a em zum Th

tena p m u „Ba en“ t f a h c s

gibt‘s sonst noch was zu tun? Na klar! Schreibe einen Leserbrief an die regionale Zeitung und schildere deine Besorgnis über den Umgang mit unseren Wäldern. Frage deinen Abgeordneten, wie er/sie sich für den Schutz der letzten alten Buchenwälder einsetzt und dafür sorgt, das Ziel der Bundesregierung (10 Prozent der öffentlichen Wälder aus der forstlichen Nutzung zu nehmen) in ihrem Wahlkreis umzusetzen. Spare Papier. Das beste Holz und Papier ist das, welches gar nicht erst verbraucht wird. Engagiere dich in einer Greenpeace-Gruppe in deiner Region!


% Der Natur Raum geben Zehn Prozent der öffentlichen Wälder Deutschlands sollen nicht mehr forstlich genutzt werden. Lassen wir der Natur freien Lauf, so entstehen wertvolle Lern- und Erholungsflächen für uns Menschen und Rückzugsräume für einheimische Tiere. Bis klar ist, wo diese Flächen liegen, fordert Greenpeace einen Einschlagstopp für Buchenwälder über 140 Jahre. 46


Greenpeace ist nicht dagegen, dass der umweltfreundliche Rohstoffs Holz genutzt wird. Aber es ist wichtig, wie: Auf 90 Prozent der Fläche soll eine ökologische Waldnutzung stattfinden.

Diese verzichtet unter anderem auf Kahlschläge und den Einsatz von Pestiziden. Der Wert der Wälder als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und als Erholungsraum für uns Menschen bleibt erhalten.

Video: „Ein Herz für Buchen“

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Credits Redaktion und Produktion: Mirja Schneemann, Sara Westerhaus Fotos: Titel, 22-23, 25, 26-27, 28-29, 38, 39: Daniel M端ller; 2-3, 24, 43: Natalie Becker; 5, 14-15: Oliver Soulas, 6, 39, 43: Andreas Varnhorn; 12-13: Markus Mauthe; 12-13, 42-43: Michael Kunkel; 30, 32-33, 34-35, 36-37, 44: Bente Stachowske; 38: Falk Heller V.i.S.d.P.: Gesche J端rgens Fotoredaktion: Sonja Umhang Videoredaktion: Ariane Hildebrandt Grafik & Layout: plan p. GmbH, Hamburg


Die Vermessung des Waldes