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2013

Greenpeace Deutschland blickt zur端ck

www.greenpeace.de


Liebe Förderinnen und Förderer,

Untersuchungshaft wurden sie auf Kau-

liebe Leserinnen und Leser,

tion entlassen. Kurz vor Weihnachten Erleichterung: Auch die Artcic 30 kom-

ich blicke bei der jährlichen Rückschau

men bei Putins Amnestie frei. Sorge be-

immer gerne auf das Gute. Aber die völ-

reitete mir nicht nur das Schicksal der

lig unangebrachte Härte, mit denen rus-

mutigen Frauen und Männer. Mich be-

sische Behörden unseren Aktivisten seit

unruhigt auch immer noch das Signal,

September begegnen, erfüllt mich mit

das mit diesem Vorgehen ausgesandt

tiefer Sorge. Die Greenpeace-Aktivisten

wird: Der Kampf ums letzte Öl wird

wollten friedlich an einer Ölplattform

gnadenlos werden. Rücksichtslos ver-

von Gazprom protestieren, um auf die

folgen die großen Energiekonzerne ihre

Zerstörung der Arktis durch die Ener-

wirtschaftlichen Interessen. Menschen

giekonzerne aufmerksam zu machen.

und Umwelt sind ihnen dabei egal.

Den 28 Aktivisten und zwei Journalis-

Ähnlich verhält es sich bei den jährli-

ten – von uns „Arctic 30“ genannt –

chen Klimakonferenzen: Trotz des ver-

wurde dafür zunächst bandenmäßige

heerenden Taifuns auf den Philippinen

Piraterie, dann Rowdytum vorgewor-

gibt es im November in Warschau keine

fen. Nach mehr als zwei Monaten in

ehrlichen Schritte hin zu einem wirksa-

2


Greenpeace bewirkt Veränderungen. Weltweit. Danke, dass Sie das möglich machen! men Klimaschutzabkommen. Die Ver-

2020 für seine europäische Neuwagen-

handlungspositionen einzelner Staa-

flotte. Die EU verbietet übergangsweise

ten werden von Lobbyinteressen der

vier besonders bienengiftige Pestizide,

Kohle- und Ölindustrie blockiert. In

und nach zwei Jahren Einsatz vor Ort

einem „walk out“ zeigen Greenpeace

stimmt Baden-Württemberg für einen

und andere Nichtregierungsorganisa-

„Nationalpark Schwarzwald“ – auch

tionen ihren Protest und verlassen die

Erfolge der Greenpeace-Arbeit.

Konferenz – ein deutliches Signal an

Die Ereignisse in Russland lassen ah-

die Politik, keine faulen Kompromisse

nen, dass wir in der Umweltarbeit

als Klimaschutz zu verkaufen.

schwierigen Zeiten entgegenblicken.

Es gibt 2013 jedoch wirkliche Lichtbli-

Wir werden uns nicht einschüchtern

cke: In Indonesien bewegt unsere Arbeit

lassen – die Umwelt braucht Men-

Asiens größten Zellstoffproduzenten

schen, die sich einsetzen! Danke, dass

dazu, die Rodungen in den letzten Re-

Sie an unserer Seite sind!

genwäldern zu beenden. VW, Europas größter Autokonzern, verkündet nach mehrjähriger

Ihre Brigitte Behrens

Greenpeace-Kampagne

verbindliche CO2-Reduktionsziele ab

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Inhalt 01

Winter

Buchenwälder – Schutz für alle über 140-jährigen Gift in Regenjacken Atempause für den Wald Unbändiger Hunger nach Fleisch Fukushima – Die unendliche Katastrophe Zankapfel Energiewende

02

Frühjahr Save the Arctic VW lenkt ein Energiewende – Kampf der Kohle Ein Schiff für Gorleben Felsbrocken gegen Fischfang Hochwasser – raues Klima Gezi-park – Für Bäume und Demokratie


Zum Titel: Ein Schwan stirbt im Öl. Mit der Ballett-Parodie prangert Greenpeace Schweiz Gazprom an. Der Sponsor der Classical Highlights in Zürich bedroht die Arktis durch seine Ölförderungen. Über zwei Monate lang saßen 30 Menschen unschuldig in russischen Gefängnissen, weil sie darauf aufmerksam gemacht haben.

03

Sommer

Braunkohle – Gezeichnetes Land Kein Walfleisch durch Deutschland AKW Tricastin abschalten! Pestizidcocktails als Medizin? Pestizide töten Bienen

30 Jahre Mauerflug Greenpeace im Herzen Hamburgs

04

Herbst

Umweltschutz lässt sich nicht einsperren Fischerei – Weichen neu gestellt Endlich: Nationalpark Schwarzwald

Klimaschutzkonferenz – Enttäuschung international

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Winter Die Aktionen im Überblick Buchenwälder

Outdoor-Kleidung

Fukushima


r 2013 Wälder werden abgeholzt, Gewäs­ ser verseucht, unser Fleischkonsum belastet die Umwelt. Mit gewaltfreien Aktionen engagiert sich Greenpeace weltweit dafür, unsere Lebensgrund­ lagen zu retten – damit es auch morgen noch Regenwälder und gesunde Lebensmittel gibt.

Energiewende


B u che n

Schutz f端r alle 端


w채 l de r

체ber 140-J채hrigen


D

ie alten deutschen Buchenwälder, unsere künf­ tigen Urwälder, brauchen mehr Schutz. Obwohl dieser 2007 von der Bundesregierung beschlossen wurde, hapert es an der Umsetzung. Damit es besser wird, protestiert Greenpeace 2012 gegen den Ein­ schlag im Spessart durch die Bayerischen Staatsforsten und Anfang 2013 im niedersächsischen und hessi-

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schen Staatswald. Dazu kartieren Greenpeacer die Waldbestände in aufwendiger Detailarbeit, zum Beispiel im Reinhardswald in Hessen. Ergebnis: Auch in diesen Bundesländern werden wertvolle Waldgebiete durch intensive forstliche Nutzung entwertet. Ergo: Die Bundesländer müssen beim Waldschutz nachlegen, in Hessen beispielsweise werden we-


Greenpeace informiert, kartiert und protestiert – für den Schutz deutscher Buchenwälder.

niger als drei Prozent des Staatswaldes der Natur überlassen. Zudem werden Daten zum Zustand der Wälder unter Verschluss gehalten. Deswegen reicht Greenpeace bereits im März 2012 Klage gegen den zuständigen Landes­ betrieb Hessen-Forst ein. Für öffent­ liche Buchenwälder, die älter als 140 Jahre sind, fordert Greenpeace einen befristeten Einschlagstopp. 11


O ut doo r- K l e i d u n g

Gift in Regenjacken O utdoor-Kleidung enthält gesundheitsschädliche per- und polyfluorierte Schadstoffe (PFC). Das deckt eine Greenpeace-Studie Ende 2012 auf. Im Oktober 2013 testet Greenpeace erneut. Diesmal werden Regenjacken und andere Outdoor-Produkte wie Handschuhe nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus der Schweiz, Österreich, den USA und China unter die Lupe genommen. Leider mit sehr ähnlichen Ergebnissen. Neu daran: Greenpeace belegt, dass die getesteten Artikel einige Gifte auch in die Luft ausdünsten. Besonders hoch sind die Werte an flüchtigen PFC bei Firmen wie Schöffel und The North Face. Bereits vorherige Greenpeace-Tests hatten ergeben, dass giftige Chemikalien bei der Textilproduktion auch alltäglicher Kleidung – wie beispielsweise Jeans – die Abwässer und die Ware selbst belasten. Deswegen fordert Greenpeace von Textilherstellern, Risikochemikalien durch umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen.

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i n do n es i e n

E

Atempause für den Wald

rfolg nach mehrjähriger Kampagne mit vielen Aktionen und Gesprächen: Asiens größter Zellstoff- und Papierproduzent APP verpflichtet sich, die Rodungen in den letzten Regenwäldern Indonesiens zu beenden. Greenpeace hat zahlreiche deutsche Unternehmen

im Vorfeld davon überzeugen können, den Einkauf von Papier bei APP auszusetzen – darunter Adidas, MontBlanc, Metro und T chibo. Wir werden die Entwicklung vor Ort beobachten und dokumentieren, ob und wie APP seinen Versprechungen nachkommt. 13


Monatlich isst der Deutsche durchschnittlich fünf Kilo Fleisch und Wurst – das ist zu viel!

Lesen Sie mehr Fünf Gründe, weniger Fleisch zu essen

Schluss mit Billigfleisch


Um w e ltsch ä d l i che r Ko n s u m

Unbändiger Hunger nach Fleisch

W

ir essen zu viel Fleisch: 61 Kilo Fleisch verzehrt ein Deutscher durchschnittlich im Jahr. Bei Schweinefleisch gehören wir zu den Spitzenverbrauchern weltweit. Das ist nicht nur ungesund, es schadet auch Umwelt und Klima: Nutztierhaltung ist für 18 Prozent aller Treibhausgas­emissionen verantwortlich, konventionelle Futtermittelerzeugung belastet Böden und Gewässer. Und außerdem:

Massentierhaltung ist oft Tierquälerei! Ein wesentlicher Grund, warum wir so viel Fleisch essen können: Es ist zu billig. Greenpeace veröffentlicht 2013 eine Studie, die zeigt, wie mit Steuern und Umweltabgaben Fleisch aus umweltbelastender Massentierhaltung verteuert und der Verbrauch so letztlich gesenkt werden könnte. Denn es gibt zwar ein Menschenrecht auf Nahrung. Aber kein Recht auf billiges Fleisch. 15


FUKUSHIMA

Die unendliche Katastrophe


Das Greenpeace-Messteam findet immer noch radioaktive Hotspots in bewohnten Gebieten.

S

chnee liegt auf den Pl채tzen von Fukushima-Stadt, eine blasse Wintersonne scheint auf die H채user und B채ume. Ist die Ecke des Spielplatzes, in der sich das Schmelzwasser sammelt, radioaktiv belastet? Wahrscheinlich. Die Frage ist, wie hoch. Die Greenpeace-Atomexperten schlagen die Jackenkragen hoch und beginnen mit den Messarbeiten.

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Auch im Februar und Oktober 2013 sind internationale Strahlenmessteams von Greenpeace wieder in der Region um Fukushima unterwegs. Einer der Schwerpunkte: Tamura, eine Stadt, die teilweise evakuiert wurde und in die nun nach der Dekontamination die Menschen zur체ckkehren sollen. Das spart Entsch채digungszahlungen!

Doch die Hartn채ckigkeit von Greenpeace zeigt Wirkung: Einige radioaktive Hotspots, auf die Greenpeace hingewiesen hatte, wurden inzwischen beseitigt. Und Japan verschiebt im Oktober seinen Zeitplan f체r das Wiederbesiedeln der evakuierten Stadtgebiete: Greenpeace-Messungen hatten ergeben, dass die Strahlenbelastung noch zu hoch ist. 19


Die Menschen leben fern jeder Normalit채t

Eindr체cke von Vor Ort Unterwegs in Fukushima

Die Katastrophe geht weiter


Die Lebensbedingungen der Menschen in den betroffenen Regionen sind weit entfernt von der Normalität. Zwar scheint, dass die Dekontaminierungs­ arbeiten nun gründlicher ablaufen, aber: Überall stapeln sich die Säcke mit kontaminiertem Erdreich – eine einfache Lösung zur sicheren Entsorgung ist nicht in Sicht. Auch im havarierten Kraftwerkskomplex Fukushima Daichii geht die Katastrophe schleichend weiter. Die Lage ist noch lange nicht unter Kon­ trolle. Grundwasser dringt in die Anlage, vermischt sich mit radioaktivem Kühlwasser. Im August und September schlagen Tanks mit hoch kontaminiertem Wasser leck, es fließt ins Meer. Fukushima bleibt ein Fass ohne Boden.

Die Atomkatastrophe verseuchte weite Teile der Präfektur Fukushima. Bis heute gelangt Radioaktivität ins Meer.

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B ed r oh t e r F o rtsch r i t t

Zankapfel energiewende

S

ie ist kein Selbstläufer, die Energiewende! Denn obwohl sie notwendig für Umwelt und Wirtschaft ist, gibt es viele Kräfte in Deutschland, die ihr gern ein Bein stellen würden. Im März startet Bundesumweltminister Peter Altmeier mit seinem Konzept

Greenpeace-Besuche bei Politikern mahnen: Deutschland braucht eine ambitionierte Energiewende.


zur „Strompreisbremse“ einen Frontalangriff auf den Ausbau der Erneuerbaren. Zwar scheitert er fürs Erste, aber auch im Wahlkampf und bei den Koalitionsverhandlungen im Herbst bleibt seine Linie klar: Zu viel Erneuerbare Energie treibe den Strompreis in die Höhe, sagt er. Das ist falsch. Zu viel Industrieförderung hält den Strompreis hoch, belegen Greenpeace-Studien. Auch bei der neuen Regierungskoalition, die sich Ende 2013 formt, gibt es für uns noch viel zu tun. Deutschland braucht die Energiewende!


Frühja Die Aktionen im Überblick Arktis

Kohlekampagne

Endlagersu


ahr 2013

uche

Um unabhängig zu sein, nimmt Greenpeace keine Gelder von Parteien, Politik und Industrie. In Deutschland spenden allein rund 588.00 Menschen regelmäßig an die Organisation. Mit deren Unterstützung kann Greenpeace auch große Konzerne und deren Umweltsünden angehen!

Meeresschutz


arktis

Save the


D

ie Arktis, eines der letzten Naturparadiese der Erde, ist in Gefahr: Die Ölkonzerne Shell und Gazprom planen, dort nach Öl zu bohren. Um das zu verhindern, startet Greenpeace Anfang 2012 eine Kampagne und fordert die Errichtung eines internationalen Schutzgebiets in der so genannten Hohen Arktis, in dem industrielle Fischerei sowie Ölund Gasförderung verboten sein sollen. Denn ein Ölunfall in arktischen Gewässern wäre kaum unter Kon­trolle zu bringen und hätte unabsehbare Folgen für Mensch und Natur. Das sehen viele Menschen genauso wie Greenpeace, sie unterstützen die Kampagne: Ihre 2,7 Millionen Unterschriften bringt ein Greenpeace-Team auf einer Expedition im April 2013 an den Nordpol. Im Eiswasser werden diese in einer Kapsel aus Glas und Titan auf dem Meeres­ grund versenkt. Im gleichen

Expedition zum Nordpol: Greenpeace verewigt dort 2,7 Millionen Arktisschützer.

Monat formieren GreenpeaceAktivisten gemeinsam mit Bürger­ innen und Bürgern in weltweit 280 Städten „I love Arctic“Menschenbanner in Form von Herzen. Auch die GreenpeaceJugendlichen be­ teiligen sich an den Protesten im Rahmen des Evangelischen Kirchentags in Hamburg mit einem schwimmenden Banner auf der Alster. Mitte Mai kommt der Arktische Rat im nordschwedischen Kiruna zusammen. Die teilnehmenden Arktisanrainer stimmen weder verbindlichen internationalen Vereinbarungen zu noch wird dem Ölrausch in der Region Einhalt geboten. Eine Enttäuschung auf ganzer Linie. 29


Eisbär-Nachbildung „Paula“ macht aufmerksam: Um ihre Artgenossen in der Arktis steht es schlecht. Das animiert Jung und Alt zum Protest.

Link Werde Arktisschützer

Von der Zerstörung der Arktis sind die Eisbären besonders betroffen. So reist Paula, eine täuschend echt aussehende Nachbildung eines Eisbären, im Sommer durch deutsche Städte und macht auf den Verlust ihrer Heimat aufmerksam.


Greenpeace-Kinder beteiligen sich mit Petitionen und Straßentheater an der Tour. Bei Aktionstagen, zum Beispiel an 35 deutschen Tankstellen, informieren Greenpeacer Autofahrer mit Aufklebern an den Zapfsäulen über

die Gefahren für die Arktis. Selbst die Hamburger Elbphilharmonie wird im August zum Ort des Protests. Greenpeace-Aktivisten hängen ein Banner in Form eines nach unten deutenden Pfeils: „Wäre hier Öl, Shell würde bohren“.


Kopenhagen Weltweit schlagen die Herzen f端r die Arktis, Menschen auf allen Kontinenten bringen das zum Ausdruck.

Link ilovearctic_thebook 32

Berlin


London Auckland

Hamburg Washington


V e r keh r skampag n e

VW lenkt ein


Kampaigner Wolfgang Lohbeck war jahrelang hartnäckig. Das zahlt sich aus: 2013 beschließt VW echte Klimaziele!

Ü

ber Jahre drängt Greenpeace den größten europäischen Autokonzern Volkswagen, als Marktführer Verantwortung beim Klimaschutz zu übernehmen. Beim Genfer Autosalon im März dann erste positive Signale, der VWChef verkündet: „Volkswagen bekennt sich dazu, den CO2-Ausstoß der europäischen Neuwagenflotte bis 2020 auf 95 Gramm pro Kilometer zu senken.“ Nach weiteren Gesprächen dann der Durchbruch – in einer gemeinsamen Erklärung von Volkswagen und Greenpeace erklärt VWChef Dr. Martin Winterkorn: Volkswagen werde alles daran setzen, das 95-Gramm-Ziel „ohne Wenn und Aber“ zu erreichen – die Formulierung ist entscheidend. Denn durch Rechentricks ließe sich das Ziel aufweichen. Ein guter erster Schritt! 35


E n e r g i e w e n de

T

KAMPF DER KOHLe

od aus dem Schlot“ ist der Name einer Studie, die Greenpeace im März veröffentlicht. Sie zeigt auf: Feinstäube aus deutschen Kohlekraftwerken sind statistisch für den vorzeitigen Tod von rund 3100 Menschen verantwortlich. Somit wird klar: Kohleverstromung beschleunigt nicht nur die Klimazerstörung und torpediert 36

die Energiewende, sie ist auch gesundheitsschädlich für die Menschen. Bereits vor Jahren rechnete Greenpeace detailliert vor, wie ein Umstieg auf saubere, erneuerbare Energiequellen ablaufen kann – und dass dazu ein Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2040 machbar und notwendig ist. Das mag von allen Verantwortlichen lange müde belächelt worden


Greenpeace fordert: Raus aus der Kohleverstromung!

sein, aber langsam kommt Bewegung in die Sache. Am 12. April schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Kampfansage an die Kohle: Die Atomenergie scheint besiegt, jetzt schießen sich die Aktivisten von Greenpeace auf die Kohlekraftwerke ein  … Die Kohleindustrie sieht sich einer Kampagne ausgesetzt  ...“ Schön, dass sie es ge-

merkt haben! Nun wird es Zeit, etwas zu ändern, wenn Angela Merkel nicht als Kohlekanzlerin in die Annalen der Geschichte eingehen will. Greenpeace bleibt am Ball!

Link Die Studie „Tod aus dem Schlot“ finden Sie hier 37


E n d l age r s u che

Ein Schiff f端r

Gorleben


E

s ist eine skurrile letzte Reise: In Stücke zerlegt, auf elf große Tieflader verteilt, zieht die Beluga im Mai 2013 ins Wendland. Das 24 Meter lange ehemalige Aktionsschiff von

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Greenpeace war 20 Jahre lang für den Umweltschutz unterwegs. Auf Flüssen und Meeren war sie gegen Wasserverschmutzung, für die letzten Urwälder und gegen die radioaktive Ver-


Das alte Greenpeace-Schiff Beluga findet einen neuen „Hafen“: den Wald von Gorleben. Dort mahnt es „Atomkraft ist nicht sicher“.

seuchung im Einsatz. Nun hat sie zum ersten Mal kein Wasser unterm Kiel. Ihr letzter Hafen ist Gorleben – nahe des Salzstocks, in dem nach dem Willen vieler Politiker künftig hoch radioak-

tiver Atommüll gelagert werden soll. Der Bug weist in Richtung des oberirdischen Zwischenlagers. Die Beluga mahnt: „Atomkraft ist gefährlich. Das Atommüllproblem ist ungelöst. Und 41


Greenpeace-Kampagnengeschäftsführer Roland Hipp (kl. Bild unten, rechts) und Waldbesitzer Andreas Graf von Bernstorff weihen die Beluga ein. Sie dient jetzt als Mahnmal.

der Salzstock in Gorleben ist als Endlager nicht geeignet.“ Der Ort ist mit Bedacht gewählt, denn seit über 35 Jahren ist Gorleben ein Symbol für den Widerstand gegen die Atomkraft in Deutschland. 42


Im Frühjahr 2013 nimmt die Debatte um die Endlagerung erneut an Fahrt auf: Die Politik plant, per Gesetz nach einem geeigneten Endlager zu suchen. Allerdings wird das dafür notwendige „Standortauswahlgesetz“ verabschiedet, bevor Grundfragen der

Atommülllagerung geklärt sind. Die Kommission dazu nimmt erst 2014 ihre Arbeit auf. Greenpeace ist weder mit vielen Inhalten des Gesetzes, noch mit der Reihenfolge des Prozesses einverstanden – und wird deshalb die Arbeit der Kommission von außen begleiten.

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M ee r essch ut z

Z

Felsbrocken gegen Fischfang

um Schutz vor zerstörerischen Fischfangmethoden wie der Grundschleppnetzfischerei versenken Greenpeace-Aktivisten im Mai 2013 tonnenschwere Steine in der Ostsee nahe der polnischen Stadt Kolberg. In dem ausgewiesenen Natura 2000-Schutzgebiet ist Fischfang eigentlich verboten. Greenpeace handelt, weil die Politik nichts

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tut. Auf den Felsbrocken haben Tausende Menschen für einen effektiven Meeresschutz unterschrieben. Auch Kleinfischer aus Polen unterstützen die Aktion.


hoch wasse r

Raues Klima E

s ist Ende Mai. Nach dem ohnehin feuchten Monat gehen in kurzer Zeit extreme Niederschläge über Deutschland nieder. Donau, Saale und Elbe treten über die Ufer, ein weiteres „Jahrhunderthochwasser“ zieht seine Bahn durch die Republik. Extreme Regenfälle sind in Folge des Klimawandels in den letzten Jahrzehnten häufiger und heftiger geworden. Greenpeace setzt sich nicht nur für einen effektiven Klimaschutz ein, Aktivisten packen auch diesmal wieder mit an, transportieren Sandsäcke und fahren auf Deichwache.

Link Jetzt Fördermitglied werden 45


gez i - pa r k

Für Bäume und Demokratie

W

ochenlang liegt immer wieder Tränengas in der Luft von Istanbul. Die westliche Welt blickt ungläubig auf die Bilder bru­taler Gewalt, mit der die Polizei in der Türkei friedliche Proteste im ganzen Land zer-

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schlägt. Demonstranten werden mit Wasserwerfern geradezu von der Straße gefegt. Tränengas und Gummigeschosse sorgen für unzählige Verletze, mehrere Menschen kommen ums Leben. Begonnen hatte alles mit Protesten gegen das Abholzen des


Die türkische Regierung geht brutal gegen Massenproteste vor. Im Greenpeace-Büro werden Verletzte versorgt.

kleinen Gezi-Parks im Zentrum Istanbuls. Aber bald weiten sich die Proteste aus. Es geht um Meinungsfreiheit, Menschen­ rechte und Demokratie. Greenpeace Türkei, das sein Büro gleich neben dem Park hat, ist ein kleiner Teil dieser

Bewegung. Während der Proteste werden in den Büroräumen Verletze medizinisch versorgt. Der Geschäftsführer von Greenpeace International, Kumi Naidoo, fordert von der türkischen Regierung ein Ende der Gewalt. 47


somme Die Aktionen im Ăœberblick Braunkohle Lausitz

Walfleisch

Tricastin


er 2013 Seit 40 Jahren k채mpft Greenpeace gegen den Walfang, seit 체ber 30 Jahren ist er international verboten. Aber Island, Japan und Norwegen halten sich nicht daran, das Schlachten geht weiter. Immerhin: 2013 konnte Greenpeace verhindern, dass isl채ndisches Walfleisch 체ber Hamburg nach Japan verschifft wird.

Bienen


B r au n koh l e au s de r Lau s i t z

Gezeichnetes Land

W

ie Wüsten erstrecken sich Abraumhalden bis zum Horizont. Verwaiste Dörfer warten auf ihre Abbaggerung. Die Lausitz, eine Region südöstlich von Berlin, ist von der Braunkohle geprägt. Das riesige Kraftwerk Jänschwalde

pustet mehr Kohlendioxid in die Luft als die deutsche Hauptstadt. Die Abgase aus den Kühl­ türmen enthalten zudem Schwefeldioxid, Feinstaub, Quecksilber und Arsen. Auch 2013 ist Greenpeace wieder aktiv, um sich gegen die­ sen klimaschädlichsten


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Greenpeace-Aktivisten nehmen Wasserproben, demonstrieren und kippen Politikern roten Schlamm vor die Füße: Braunkohle ist der klimaschädlichste Energie­träger. Schluss damit!

aller Energieträger einzusetzen. Im Fokus der Kampagnenarbeit: die Pläne des Energiekonzerns Vattenfall, noch weitere Tagebaue zu erschließen. Greenpeacer und Bürger vor Ort sammeln 120.000 Einwendungen gegen den neuen Tagebau Welzow Süd II. Am Tag der Übergabe im September protestieren 40 deutsche

und schwedische GreenpeaceAktivisten auf den Gleisen zwischen Tagebau und Kraftwerk und fordern „Raus aus der Braunkohle“. Der schwedische Staatskonzern Vattenfall zweifelt inzwischen selbst an seinem deutschen Braun­kohle­geschäft, dessen Verkauf steht aktuell zur Diskussion. 53


Nicht nur das Verbrennen der Braunkohle ist umweltsch채dlich, auch der Abbau. Wie wenig die Betreiber die Auswirkungen im Griff haben, zeigt ein rostbrau-

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ner Schlamm, der das Biosph채renreservat Spreewald bedroht. Diese sogenannte Verockerung der Spree ist eine direkte Folge des Braunkohletagebaus. Es han-


delt sich um Eisenoxid aus den Braunkohlehalden – seit der großen Elbeflut im Sommer ist sein Eindringen kaum zu stoppen. Greenpeace ist mit Messteams vor Ort, ihre Ergebnisse belegen: Sämtliche von den Behörden eingeleiteten Maßnahmen greifen nicht. Greenpeace bringt den Schlamm zum Potsdamer Landtag, denn: der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke ist bekennender An-

hänger der Braunkohle. Er hat mit seinem Amt auch die Verantwortung für die Umweltschäden durch den Braunkohletagebau übernommen.

Link Erleben Sie Umweltzerstörung durch BraunkohlE

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Wa l fa n g Is l a n d

Kein Walfleisch durch Deutschland

F

rozen Fish“ steht in den Frachtpapieren – tatsächlich aber hat die Cosco Pride in sechs Containern isländisches Finnwalfleisch geladen, als sie am 5. Juli die Hamburger Hafengrenze passiert. Greenpeace-Aktivisten protestieren in Schlauchbooten gegen die sinnlose Jagd auf Finnwale und den Handel mit Walfleisch. Es soll im Hamburger Hafen umgeladen und nach Japan verschifft werden. Durch den Protest aufmerksam geworden, beschlagnahmt die Zollfahndung

Ist gegen Walfleisch in Hamburg: Kampaignerin Iris Menn.

zunächst die Fracht wegen uneindeutiger Deklaration. Sie gibt sie wenige Tage später aber wieder frei – alle Papiere sind vorhanden. Wieder protestieren Aktivisten, um den Weitertransport 57


Die Greenpeace-Aktionen bewirken, dass das Walfleisch zurück nach Island gebracht werden muss.

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nach Japan zu verhindern. Daraufhin verweigern die Reedereien „Evergreen Line“ und „Samskip“ den Transport des Walfleisches. Sie schicken es nach


Island zurĂźck, wo es am 21. Juli ankommt. Ein erster Erfolg! Deutschland braucht ein Gesetz, das die Durchfuhr von Walfleisch generell verbietet. Denn wenn

Island Schwierigkeiten mit der Verschiffung seines Walfleisches bekommt, hĂśrt vielleicht irgendwann das sinnlose Waleschlachten auf! 59


F r a n k r e i ch

AKW abschalten! N

och erzeugt Frankreich 75 Prozent seines Stroms mit Atomkraft – aber auch im europäischen Atomland Nr. 1 schwindet die Begeisterung. Im Sommer 2011 wünschten sich 77 Prozent der Franzosen einen zügigen Atomausstieg. Präsident Hollande kündigte 2012 an, den

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Atomstromanteil auf 50 Prozent zu drosseln. Passiert ist recht wenig. Deshalb klettern am 15. Juli mehrere Dutzend GreenpeaceAktivisten aufs Gelände des französischen Atomkraftwerks Tricastin. Sie fordern das Aus für die vier über 30 Jahre alten maroden Meiler.


pest i t z i de

Pestizidcocktails als Medizin?

B

is April 2013 kauft Greenpeace in mehreren Ländern, auch in Deutschland, importierte pflanzliche Heilmittel aus China zur Untersuchung auf Pestizidrückstände ein. Erschreckend: Die Produkte aus den chinesischen Supermärk-

ten enthielten mehrheitlich regelrechte Pestizidcocktails. 32 der 36 getesteten Proben wiesen drei oder mehr Wirkstoffe auf, viele enthielten Rückstände oberhalb der von der EU zuge­ lassenen Höchstmengen, einige davon sind akut gesundheitsschädlich.

Chinesische Heilmittel können zu viele Pestizide enthalten. 61


La n dw i rtschaf t

Pestizide tรถten bienen


G

reenpeace-Aktivisten sprühen Bilder lebloser Bienen auf den Asphalt und markieren den „Tatort“ mit Kreide: Im Juni protestieren sie bei den Baumarktketten Obi, Praktiker und Toom in 50 deutschen Städten gegen den Verkauf von Insektenvernichtungsmitteln. Denn diese Chemikalien sind nicht nur für Schädlinge, sondern auch für Bienen lebensgefährlich. Nach Spritzmitteleinsätzen finden Imker immer besonders viele Bienen, die entweder orientierungslos umherirren und nicht zurück 63


Europaweit sind circa 20 Prozent der Bienen gestorben

in ihre Stöcke finden oder sogar gleich sterben. Wie schlecht es den für den Menschen so lebenswichtigen Insekten geht, belegen eindeutige Zahlen: Europaweit sind in den letzten Jahren circa 20 Prozent der Bienen gestorben, in Deutschland sind es teilweise sogar bis zu 30 Prozent. Greenpeace-Proteste bei der Aktionärshauptversammlung von Bayer in Köln und bei der Schweizer Konzernzentrale von Syngenta in Basel prangern die Chemieriesen an, die mit ihren Pestiziden Milliardenumsätze auf Kosten der Bienen machen. 64

In einer europaweiten Petition ruft Greenpeace zu Unterschriften gegen diesen unverantwortlichen Pestizideinsatz auf und fordert als Sofortmaßnahme das Verbot von sieben besonders gefährlichen Giften. Vier davon hat die EU inzwischen übergangsweise verboten: Imidacloprid, Clothianidin von Bayer und Thiamethoxam von Syngenta sowie Fipronil von BASF. Diese Maßnahme ist ein erster Schritt. Langfristig wird allerdings nur die Umstellung auf eine biologische Landwirtschaft das Problem wirklich lösen können.


Greenpeace-Aktionen in ganz Europa bekr채ftigen die EU, vier besonders bienengiftige Pestizide zu verbieten. Ein erster Schritt!

LINK Jetzt online spenden 65


G r e n ze n lose r P r ot est

30 Jahre Mauerflug

M

itten im kalten Krieg, 1983: Atomares Wettrüsten von Ost und West, Atombombentests und die ständige Bedrohung eines atomaren dritten Weltkriegs beherrschen die Nachrichten. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs kontrollieren die vier Atommächte gemeinsam den Berliner Luftraum. Greenpeace-Aktivisten entwickeln einen Plan: „Lasst uns

mit einem Heißluftballon diesen Luftraum besetzen – als Zeichen gegen die atomare Bedrohung, als Appell für einen Abrüstungsvertrag“. Nach Monaten der Vorbereitung und Tagen des Wartens auf den richtigen Wind ist es am 28. August so weit: Der Ballon „Trinity“ erhebt sich in Westberlin, zwei Aktivisten schweben über die geteilte Stadt und landen auf der anderen Seite der Mauer.

Mit einem Ballon fliegen Gerd Leipold und John Sprange vor 30 Jahren über das geteilte Berlin (linkes Bild v. l.). Ihre Botschaft: „Stoppt Atomwaffentests“! 66


Link Online Paper „Mauerflug“


Greenpeace-Deutschland ist umgezogen. In der Ausstellung im neuen Domizil sind Besucher herzlich willkommen.


Umz u g i n d i e H afe n c i t y

Greenpeace im Herzen von Hamburg

S

eit September 2013 mietet Greenpeace Büros im „Wissensquartier“ der Hamburger Hafencity. In einem Neubau, der modernsten Ansprüchen an Umwelt- und Klimaschutz gerecht wird, arbeiten nun der Verein, die Genossenschaft Greenpeace Energy und die Umweltstiftung Greenpeace unter einem Dach. Auch die Ehrenamtlichen aus Hamburg bezie-

hen hier ihr lokales Gruppenbüro. Eine Dauer­ ausstellung im lichten Atrium bietet für jeden Interessierten einen guten Überblick über die GreenpeaceThemen und aktuellen Kampagnen der Umweltschützer. Highlight darin: eine begehbare Weltkarte, auf der Besucher an ausgewählten Orten über QR-Codes Fotogeschichten zu Greenpeace-Aktionen und -Erfolgen aufrufen können. 69


HERBST Die Aktionen im Ăœberblick Arktis II

Fischereikampagne

Nationalpar Schwarzwa


ST 2013

rk ald

30 Menschen kommen ins Gefängnis, weil sie die Arktis schützen wollen! Gleichzeitig scheitern die Klimaschutz­ verhand­lungen und einer der schlimmsten Wirbelstürme verwüstet die Philippinen. Greenpeace fordert: Ölkonzerne raus aus der Arktis! Klimaschutz jetzt!

Klimaschutzkonferenz


A r k t i s II

Umweltschutz l채sst sich nicht einsperren


D

ass die Ölmultis um die Ausbeutung der letzten Ölreserven kämpfen würden, war vorhersehbar. Seit Jahren bereiten sich Konzerne wie Shell und Gazprom vor, um an das Öl der Arktis zu kommen. Aber keiner rechnete mit der Härte, die dem friedlichen Protest von 30 mutigen

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Greenpeacern und Journalisten seitens der russischen Behörden entgegenschlug. Greenpeace engagiert sich gegen die Pläne, denn: Unzählige Pannen und Verzögerungen zeigen, wie unbeherrschbar die Gefahr für eines der letzten Naturparadiese bei einem Unfall sein würde.


Die Küsten­wache war sofort zur Stelle Greenpeace-Aktivisten wollten friedlich an einer Ölplattform protestieren. Aber russische Einsatzkräfte beendeten die Aktion mit brutaler Härte.

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Alle 30 wurden festge足nommen und erst der Piraterie, dann des Rowdytums angeklagt.


Natürlich muss die Aufmerksamkeit dorthin gelenkt werden, wo das Unrecht geschieht: auf die Ölplattformen. So machten sich im September 2013 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten mit dem Greenpeace-Schiff „Arctic Sunrise“ auf den Weg in die Petschorasee, um an der Ölplattform Prirazlomnaya von Gazprom zu protestieren. Dort fanden bereits vor einem Jahr Proteste statt. Diesmal war die russische Küstenwache sofort zur Stelle. Sie rammte die Schlauchboote, maskierte Männer bedrohten die Aktivisten mit Schusswaffen und Messern. Zwei GreenpeaceKletterer wurden sofort festgehalten. Einen Tag später enterte ein russisches Sonderkommando die „Arctic Sunrise“, setzte die restlichen 28 Menschen fest und schleppte das Schiff in eine Bucht nahe Murmansk. Alle 30 Umweltschützer kamen dort in Untersuchungshaft. Die Anklage der Ermittlungsbehör-

den lautete zunächst auf Piraterie, worauf in Russland bis zu 15 Jahre Haft stehen. Absurd, denn wir meinen: Nicht die Greenpeacer hatten sich mit ihrem friedlichen Einsatz für den Schutz der Arktis strafbar gemacht, sondern die Behörden, die kein Recht hatten, das Schiff außerhalb russischer Hoheitsgewässer zu entern. Die Empörung schlug weltweit Wellen, die Solidarität mit den Aktivisten beeindruckte: Mehr als zwei Millionen Protestmails, Postkarten, aber auch Briefe von Friedensnobelpreisträgern, Organisationen und hohen Politikern forderten die Freilassung der so genannten „Arctic 30“. In 50 Ländern fanden sofort nach Bekanntwerden der Vorfälle Mahnwachen und Demon­ stra­ tionen vor russischen Vertretungen und Gazprom-Niederlassungen statt. In Russland selber kümmerte sich kontinuierlich ein GreenpeaceTeam darum, die schwierigen 77


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Hart war das Leben in den Gefängniszellen von Murmansk. Ein Greenpeace-Team kümmerte sich vor Ort rund um die Uhr um die Gefangenen. Sie versorgten sie mit Briefen, Lebensmitteln und warmer Kleidung.

Haftbedingungen der unschuldig Inhaftierten ein wenig zu erleichtern. Über sie gelangten Nachrichten von Familienangehörigen, unterstützende Post unzähliger Sympathisanten, aber auch warme Kleidung und zusätzliche Lebensmittel in die kalten, teils durchgehend be-

leuchteten Zellen. Das Verfahren zog sich hin: zahlreiche Verhandlungen, Überführung der „Arctic 30“ von Murmansk nach St. Petersburg, Änderung der Anklagen auf Rowdytum – was nach russischem Recht immer noch sieben Jahre Freiheitsentzug bedeuten kann. 79


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Frei nach 71 Tagen Haft! Am 29. November verließ Colin Russel als letzter der „Arctic 30“ das Gefängnis auf Kaution. Zwei Monate lang hatten überall in der Welt solidarische Protestaktionen stattgefunden.

Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace-International am Internationalen Seegerichtshof: Am 22. November ordnete das Gericht an, dass Russland Schiff und Besatzung freilassen muss. Russland verweigerte.

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Ab Ende November erste Fortschritte: Nach und nach wurden alle Inhaftierten auf Kaution freigelassen. Nach über zwei Monaten konnten die „Arctic 30“ nun wenigstens von ihren An­ gehörigen besucht werden, sich in St. Petersburg bewegen und die Ereignisse der letzten Wochen zusammen verarbeiten. Kurz vor Weihnachten profitierten auch die „Arctic 30“ von der 82

Amnestie. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der russischen Verfassung ließ Putin tausende Gefangene frei – darunter auch unsere Leute. Das Greenpeace-Schiff „Arctic Sunrise“ befindet sich noch in Russland – obwohl der Internationale Seegerichtshof bereits Ende November urteilte, dass Besatzung wie Schiff umgehend freizugeben sind.


Ab dem 20. November kamen nach und nach alle 30 auf Kaution frei. Kurz vor Weihnachten dann Erleichterung: Putins Amnestie gilt auch für die „Arctic 30“!

Endlich wieder Rennen, Luft und Licht! 83


F i sche r e i

Weichen neu gestellt D

ie jahrelange GreenpeaceArbeit zur EU-Fischereipolitik hat sich gelohnt, im Sommer 2013 wird die Reform der gemeinsamen Fischereipolitik auf EU-Ebene beschlossen! Die wichtigsten Ergebnisse: Die Bestände der kommerziell genutzten Fischarten sollen bis 2020 wieder auf84

gebaut, der Rückwurf von unbeabsichtigt mitgefangenen Fischen schrittweise verboten und die viel zu große EU-Fangflotte abgebaut werden. Bei der Quotenvergabe werden künftig ökologische Kriterien berücksichtigt: Die Fischer, die am schonendsten fangen, sollen bevorzugt werden.


Reg i o n a l kampag n e B A D E N -W Ü RTT E M B E R G

Endlich: Nationalpark Schwarzwald

E

s ist ein frühes Weihnachtsgeschenk: Am 28. November beschließt der Landtag in Stuttgart den ersten Nationalpark des Bundeslandes, den „Nationalpark Schwarzwald“. Ein wirklicher Erfolg der jahrelangen Kampagne der Umweltbewegung in BadenWürttemberg. Auch Greenpeace

hatte sich in den letzten zwei Jahren für den Park eingesetzt, besonders über die regionalen ehrenamtlichen Greenpeace-Gruppen. Damit darf sich nun auch in einem von Deutschlands waldreichsten Bundesländern endlich alter Waldbestand natürlich entwickeln. Solche Wälder braucht Deutschland.


K l i ma“ sch utz ” ko n fe r e n z

Enttäuschung international

W

ollen wir die schlimmsten Auswirkungen des Klima­ wandels stoppen, müssen wir die Erderwärmung auf maximal zwei Grad begrenzen, mahnen führende Klimawissenschaftler. Dafür bleiben nur noch wenige Jahre. Noch stoßen wir jährlich weltweit mehr Treibhausgase aus,

als im Jahr davor – spätestens in sechs Jahren muss sich dieser Trend umkehren. Bis zur Mitte des Jahrhunderts muss der weltweite Treibhausgasausstoß nahe Null liegen – eine sehr ambitionierte Vorgabe! Trotzdem endete die internationale Klimaschutzkonferenz in Warschau enttäuschend: Anstatt weitere Schritte 87


Nicht mal ein Zeitplan konnte verabschiedet werden

Allen Aktionen zum Trotz: Die Klimaschutzkonferenz endete ohne Ergebnis.

zum Senken der Treibhausgase zu beschließen, blockierten Länder wie Polen, Indien und Kanada jeglichen Klimaschutz. Japan und Australien verkündeten, ihre bereits zugesagten Klimaschutzziele nicht einhalten zu wollen, Brasilien musste zugeben, dass seine Regenwälder wieder schneller abgeholzt werden, und die Industriestaaten konnten sich nicht einigen, wie sie die Finanzierungszusage für die vom Klimawandel betroffenen Entwicklungsländer umsetzen wollen. Nicht einmal ein Zeitplan für das weitere Vorgehen konnte verabschiedet werden! Selbst der verheerende 89


In verschiedensten Sprachen machte Greenpeace klar: Kohlekraftwerke zerstören das Klima.

Taifun auf den Philippinen konnte die Delegierten nicht wachrütteln. Greenpeace-Aktivisten begleiteten die Konferenz mit verschiedenen Protestaktionen wie Projektionen an mehreren polnischen Kohlekraftwerken und einer Banner­aktion auf dem Dach einer zeitgleich stattfindenden Kohlekonferenz. Weil keine Ergebnisse erreicht wurden, verließen Greenpeace und andere Nichtregierungsorganisa­ tionen unter Protest die Klima­ konferenz – ein deutliches Signal an die Politik, keine faulen Kompromisse als Klimaschutz zu verkaufen. 90


Credits Redaktion: Alexandra Boehlke, Anja Oeck, Ortrun Sadik Fotos:

Titel: Nicolas Fojtu, S.2: Suse Walczak, S. 6/7: Michael Kunkel, Bente Stachowske, Daniel Müller, Andreas Schoelzel, S. 8/9: Michael Kunkel, S. 10: Michael Löwa, S. 11: Chris Grodotzki, Andreas Varnhorn, S. 12: Bente Stachowske, Marcus Meyer, S. 13: Ulet Ifansasti, S. 14: Christoph Piecha/Stefan Klein (Montage), S. 16 – 21: Daniel Müller, S. 22/23: Paul Langrock, Andreas Schoelzel, S. 24/25: Christian Aslund, Andreas Schoelzel, Bente Stachowske, Konrad Konstantynowicz, S. 26/27: Greenpeace, S. 28/29: Christian Aslund, S. 30: Mauricio Bustamante, Falk Heller, Dörthe Hagenguth, S. 31: Falk Heller, Fred Dott, Jörg Modrow, S. 32/33: Kajsa Sjölander, Dario Mitidieri, Inge Teunissen, Fred Dott, Gordon Welters, Robert Meyers, S. 34/35: Fred Dott, Maria Feck, S. 36: Bernd Arnold, S. 37: Andreas Schoelzel, S. 38 – 43: Bente Stachowske, S. 44: Konrad Konstantynowicz, S. 45: Bente Stachowske, Daniel Müller (2), Mike Schmidt, S. 46/47: Volkan Cagali, S. 48/49: Paul Langrock, Jörg Modrow, Micha Patault, Maria Feck, S. 50/51. Paul Langrock, S. 52/53: Daniel Müller (3), Bertram Boelkow, Gordon Welters (2), S. 54/55: Bente Stachowske, S. 56/57: Daniel Müller, S. 58/59: Jörg Modrow, S. 60: Micha Patault, S. 61: Piao Ri Quan, S. 62/63: Fred Dott, S. 65: Michael Würtenberg, Falk Heller, Maria Feck, Bente Stachowske, S. 66: Andreas Schoelzel , S. 67: Greenpeace, S. 68: Dörthe Hagenguth (4), Bente Stachowske, S. 70/71: Will Rose, Pedro Armestre, Luis Scheuermann, Konrad Konstantynowcz, S. 72/73: Will Rose, Denis Sinyakov (2), S. 74/75: Greenpeace, Dmitri Sharomov, S. 76: Vladimir Baryshev (4), Igor Podgorny (2), Dmitri Sharomov (3), S. 78/79: Dmitri Sharomov, S. 80/81: Igor Podgorny, Bodo Marks, Ruben Neugebauer, Chris Grodotzki, Bence Jardany (2), Martin Katz, Greenpeace (2), John Cobb, Mathew Sumner, Jean Chung, Marc Perri, S. 82/83: Dmitri Sharomov (4), Vladimir Baryshev (2), Igor Podgorny, S. 84: Pedro Armestre, S. 85: Martin Storz, S. 86: Dawid Sypniewski, S. 87: Konrad Konstantynowicz, S. 88/89: Konrad Konstantynowicz (2), Bogusz Bilewski, S. 90/91: Bente Stachowske (2), Konrad Konstantynowicz (2), alle © Greenpeace

V.i.S.d.P.: Ortrun Sadik Fotoredaktion: Conny Boettger Grafik & Layout: plan p. GmbH, Hamburg


Greenpeace Deutschland blickt zur端ck

2013


Greenpeace Jahresrückblick 2013  

Greenpeace Deutschland blickt zurück.

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