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11. März Fukushima

Die Katastrophe Eine Dokumentation über das Reaktorunglück in Fukushima und die begleitenden Reaktionen und Kampagnen von Greenpeace im Überblick

www.greenpeace.de


Vorwort

11. März vor einem Jahr – drei Katastrophen erschüttern Japan und seine Bevölkerung: ein Erdbeben, ein Tsunami und der Unfall im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Irgendwann werden die Aufräumarbeiten zumindest oberflächlich abgeschlossen sein. Doch die starke Kontaminierung von weiten Teilen des Landes, wird das Leben der Menschen nachhaltig beeinträchtigen. Damit das Vergessen weltweit nicht zu schnell einsetzt, werden an dieser Stelle der Ablauf der Katastrophe, die Arbeit von Greenpeace und die Reaktionen der Bundesregierung noch einmal zusammengefasst.


Inhalt

Tag X

Der 11. M채rz in Fukushima

Seite 04

Ausnahmezustand

Die Tage nach der Katastrophe Seite 14

Die Energiewende

Die Monate danach Seite 36

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Fukushima 11. M채rz 2011

Tag X Erdbeben, Tsunami und der SuperGau im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ersch체ttern Japan.

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Tag x

Fukushima, 11. März

Fukushima, 11. März

Erdbeben

Tsunami

Ein Erdbeben der Stärke 9 erschüttert um 14.46 Uhr Ortszeit die Region Fukushima. Am AKW-Standort Fukushima Daiichi mit 6 Atomreaktoren erfolgt eine automatische Schnellabschaltung der Blöcke 1, 2 und 3. Die Blöcke 4, 5 und 6 sind zu diesem Zeitpunkt nicht im Leistungsbetrieb.

Um 15.30 Uhr überrollt ein Tsunami Fukushima Daiichi.

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Fukushima, 11. März

Nuklearer Notfall Der AKW-Betreiber TEPCO meldet einen „nuklearen Notfall“. Es gibt Hinweise auf unmittelbare Erdbebenschäden in den Reaktorblöcken - unabhängig vom Tsunami.

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Tag x

Fukushima, 11. März

Keine Information Abends ruft die japanische Regierung einen nuklearen Notstand aus, dieser wird als „Vorsichtsmaßnahme“ bezeichnet. Tatsächlich gibt es keine verlässlichen Informationen über den Zustand der Reaktoren.

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Tag x

Fukushima, 11. März

hohe Strahlung Die Arbeiter dürfen wegen der hohen Strahlung das Reaktorgebäude 1 vorerst nicht mehr betreten. Während sich die Situation in den Reaktoren dramatisch zuspitzt, versuchen die japanische Regierung und die Internationale Atomenergie Organisation (IAEO) die Lage herunter zu spielen, es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Greenpeace-Kernphysiker Heinz Smital kommentiert:

„Die tausendfach erhöhte Strahlung deutet auf eine zumindest partielle Kernschmelze hin.“ Fukushima

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Tag x

Greenpeace-Energieexperte Thomas Breuer besucht Flüchtlingslager in Yonezawa Fukushima, 11. März

Evakuierung Die Evakuierung der Bevölkerung in einem Radius von zwei Kilometern um das Atomkraftwerk wird angeordnet. Einige Stunden später erweitert der japanische Premierminister die Evakuierung auf einen Radius von drei Kilometern und fordert Bewohner im Umkreis von zehn Kilometern auf, in den Häusern zu bleiben und Türen und Fenster geschlossen zu halten. Noch hoffen die Menschen, in den Notunterkünften, irgendwann wieder nach Hause zurückkehren zu können. 12

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Die Folgen der Evakuierung: Tausende Japaner harren in 端berf端llten Notunterk端nften aus.

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Ausnahmezustand Ummittelbar nach der Katastrophe: Greenpeace Deutschland richtet sich f端r Wochen auf 24 Std./7-TageArbeitsschichten ein. Es werden Infoservices f端r Medienvertreter und B端rger installiert und drei Kampagnenteams mit den Zielen Atomausstieg und Energiewende mobilisiert. Alle arbeiten rund um die Uhr, um die Menschen in Japan zu unterst端tzen, Anfragen der Medien zu beantworten und die Energiewende in Deutschland voran zu treiben.

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Fukushima, Tag 1

explosion in fukushima Eine Wasserstoffexplosion zerstört das Reaktorgebäude von Reaktor 1. Die Strahlenwerte übersteigen Grenzwerte. Premierminister Naoto Kan ordnet eine Evakuierung im 20 Kilometer Radius um das Kraftwerk an, jedoch bleiben 475 Patienten in Krankenhäusern und Altersheimen in der Sperrzone zurück.

Deutschland , Tag 1

Mahnwache in Berlin Greenpeace initiiert eine Mahnwache vor dem deutschen Kanzleramt, um mit verstärktem Druck auf das große Risiko Atomkraft - auch in Deutschland - hinzuweisen. Bundeskanzlerin Merkel kündigt an, angesichts der Katastrophe in Japan die deutschen AKW auf ihre Sicherheit überprüfen zu lassen.

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Energierunde bei Greenpeace: Vom 11. M채rz bis 7. Juni werden alle Mitarbeiter im Haus t채glich um 9.45 Uhr 체ber die Neuigkeiten rund um Fukushima und zu allen Greenpeace-Aktivit채ten informiert. 16

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Ausnahmezustand

Deutschland , Tag 1

Deutschland, Tag 1

Hotline

Japtic

Greenpeace installiert unter der Telefonnummer der Pressestelle eine 24- StundenHotline für Journalisten, die im Schichtbetrieb betreut wird. Die Telefone klingeln rund um die Uhr. Die Hotline wird bis zum 14. April aufrecht erhalten. Für die FukushimaArbeit werden die Personalressourcen mit zusätzlichen externen Kräften aufgestockt.

Es wird ein interner Emaildienst (JAPTIC) eingerichtet, über den das ganze Haus vom 11. März bis 23. Mai rund um die Uhr über neueste Entwicklungen rund um Fukushima und die Energiewende informiert wird.

Morgendliche Entscheiderrunde: Kampagnengeschäftsführung, Projektleiter und Führungskräfte entscheiden morgens über die tagesaktuelle Arbeit von Greenpeace Deutschland. 18

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Ausnahmezustand

Fukushima , Tag 2

Fukushima , Tag 3

Flugzeugträger dreht ab

Wasserstoff-explosion

Der Flugzeugträger USS Ronald Reagan wird kontaminiert, er befindet sich einige 100 Meilen vor der japanischen Küste.

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Reaktor 3 wird durch eine heftige Explosion zerstört. Man geht von einer Wasserstoffexplosion aus. Allerdings deuten geschmolzene Stahlträger und Teile von weit verstreutem Kernbrennstoff auf eine atomare Explosion hin. Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital kommentiert: „Der Reaktorkern ist so heiß, dass er viele Wochen lang das Potenzial hat durchzuschmelzen. Es ist ein ständiges Ankämpfen. Wenn man die Sache aufgibt, ist in wenigen Stunden die Kernschmelze passiert.“ Der Betreiber TEPCO will seine Mitarbeiter wegen zu großer Gefahren abziehen und das Kraftwerk aufgeben. Die japanische Regierung fordert aber, dass weiter um eine Eindämmung der Katastrophe gerungen wird.


Fukushima , Tag 4

Deutschland , Tag 4

Erneute Explosion

Moratorium

Reaktorgebäude 4 wird durch eine Wasserstoffexplosion zerstört. Der japanische Premierminister ordnet bei einer Pressekonferenz an, dass die 136.000 Personen, die in 20 bis 30 Kilometer Entfernung vom Reaktor leben, in geschlossenen Häusern bleiben sollen.

Die Bundesregierung beschließt nach dem GAU in Fukushima ein Moratorium für Atomkraftwerke: Die sieben ältesten AKW in Deutschland werden für drei Monate abgeschaltet.

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Greenpeace-Kampagnenteams arbeiten parallel an zwei grundlegenden Zielen: Atomausstieg und Energiewende. Dabei bewerten sie u.a. die Entscheidungen der Ethikkommission der Bundesregierung, geben Updates zur politischen Entwicklung oder schreiben eine Anleitung zur Energiewende - den „Plan“. Darüber hinaus findet eine breit angelegte Mobilisierung der Bevölkerung auf der Straße und im Internet statt.

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Ausnahmezustand

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Ausnahmezustand

Tobias Riedl ist Atomexperte bei Greenpeace Deutschland. Er erklärt, was passiert, wenn ein Atomkraftwerk abgeschaltet wird.

Fukushima , Tag 5

Den Spezialisten in FukushiStudie ma gelingt es trotz WasserEine Studie der japanischen zufuhr nicht, die Brennstäbe Regierung belegt, dass auch in den Reaktoren 1, 2 und 3 in einer Entfernung von mehr ausreichend zu kühlen. Beals 30 Kilometern vom Atom- sonders gefährlich ist die kraftwerk eine gefährliche Entwicklung in Reaktor 3. Strahlung von über 100 Milli- Dort betrifft die Kernsievert (mSv) pro Tag auftreschmelze plutoniumhaltige ten kann. Die Regierung hält Brennstäbe. Sollte eine Kerndie Studie zunächst unter schmelze zur Beschädigung Verschluss. Der Abwurf von des Reaktordruckbehälters Wasser aus Hubschraubern führen und Plutonium zur Kühlung der Anlage, wird entweichen, befürchten wegen zu hoher Strahlungs- Experten eine massive Verwerte über dem Reaktor abseuchung und eine enorme gebrochen. Gefährdung der Bevölkerung durch das hochgiftige Spaltmaterial.

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Deutschland , Tag 10

Das Lügen geht weiter An die sieben ältesten Atommeiler und den Pannenreaktor in Krümmel wird von Greenpeace-Aktivisten der Spruch „Das Lügen geht weiter“ projiziert. Womit auf die Unwahrheiten aufmerksam gemacht wird, welche die Bundesregierung und die Atomkonzerne über die Atomkraft weiterhin verbreiten. Fukushima

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Kampagnengeschäftsführung, Projektleiter und Führungskräfte entscheiden morgens über die tagesaktuelle Arbeit von Greenpeace Deutschland.

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Ausnahmezustand

Deutschland , Tag 11

Fukushima, Tag 11

Atomgipfel

skandalös

Nach dem Atomgipfel in Berlin kündigt Merkel an, zwei Kommissionen zur AKW-Sicherheit einzusetzen: Die Ethikkommission und die Reaktorsicherheitskommission.

Die internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) hat nach Recherchen von Greenpeace eine Wasserstoff-Explosion im Abklingbecken des Reaktors 4 in Fukushima nicht veröffentlicht. GreenpeaceAtomexperte Heinz Smital kommentiert:

„Die Informationspolitik der internationalen Atomenergiebehörde ist skandalös. Eine Wasserstoffexplosion im Brennelemente-Lagerbecken muss veröffentlicht werden. Bei jeder Explosion wird Radioaktivität freigesetzt, die Atomanlagen werden weiter zerstört.“

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Ausnahmezustand

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Medienarbeit: Greenpeace-Mitarbeiter produzieren AudioPodcasts und Webfilme für das Internet. Greenpeace-Kampaigner sind als Interviewpartner äußerst gefragt, sie geben allein in der ersten Woche 700 Interviews. Auch in den folgenden Wochen geben bis zu 16 GreenpeaceExperten unzählige Interviews.

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Fukushima, Tag 14

geheimer Bericht Ein geheimer Bericht der japanischen Atomenergie Kommission wird der Regierung vorgelegt. Danach müssten bei ungünstigen aber realistischen Annahmen, Gebiete bis zu einer Entfernung von 250 Kilometer vom Reaktor evakuiert werden. Damit wäre auch der Großraum Tokio betroffen, mit über 30 Millionen Einwohnern. Erst im Februar 2012 wird dieser Bericht öffentlich erwähnt. 32

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Greenpeace belegt, dass allein aufgrund der großen Freisetzung von Radioaktivität die Katastrophe die höchste Stufe der internationalen Atomunfallskala (INES) erreicht hat, so wie bisher nur die Katastrophe von Tschernobyl. Die Einstufung ist eindeutig. Heinz Smital kommentiert: „Die Atomindustrie und die internationale Atomenergiebehörde IAEO haben nach dem Atomunfall in Tschernobyl immer beteuert, dass ein so schwerer


„Die INES-Skala wurde nie für einen derartigen Fall entwickelt.“

Störfall nicht in einem westlichen AKW geschehen kann. Die gefährliche Selbstzufriedenheit der Atomlobby und der IAEO über Jahrzehnte hinweg hat zur äußersten Katastrophe für die Menschen in Japan geführt. Weiter betont er: „Die INES-Skala wurde nie für einen derartigen Fall entwickelt, da die Atomindustrie und die IAEO ein solches Szenario als unmöglich erachteten.“ Fukushima

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Ausnahmezustand Fukushima, Tag 16

hohe Belastungen Greenpeace Messungen weisen hohe Belastungen nach und fordern eine Ausweitung der Evakuierungszone, speziell des Ortes Iitate, in ca. 40 Kilometer Entfernung. Heinz Smital kommentiert: „Wer Atomkraftwerke betreibt, sollte in der Lage sein, Messwerte richtig anzugeben. Spätestens jetzt sind Zweifel an der Zuverlässigkeit und Kompetenz von TEPCO angebracht.“

Fukushima, Tag 19

IAEO bestätigt Die IAEO bestätigt die hohen Messwerte von Greenpeace und legt der japanischen Regierung nahe, die Evakuierung von Iitate zu erwägen. Zwei Tage später wird diese Empfehlung wieder zurückgenommen. Am 22 April wird die Evakuierung jedoch angeordnet.

Fukushima, Tag 21

neue Grenzwerte Nach einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen juristischen Bewertung, entsprechen die neuen Grenzwerte der EU-Kommission für japanische Lebensmittel nicht geltendem Recht. Gemäß der Greenpeace Rechtsexpertise stellt die EU-Durchführungsverordnung für radioaktives Cäsium eine Verschlechterung des Schutzniveaus dar. „Dem Verbraucher wird nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima ein Mehrfaches an radioaktivem Cäsium zugemutet. Das entspricht nicht dem vorbeugenden Gesundheitsschutz, es ist sogar rechtswidrig“, sagt Manfred Santen, Chemiker bei Greenpeace. Fukushima

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Die Energiewende

Noch Monate danach sind die schwerwiegenden Folgen der Atom-Katastrophe für die Bevölkerung in Japan täglich zu spüren. Und Deutschland ist auf dem Weg zur Energiewende.

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Die Energiewende

Der Unfall wird offiziell als katastrophales Ereignis auf der höchsten Stufe 7 der internationalen Atomunfallskala (INES) eingestuft.

Fukushima, 11. April

Gesundheitsgefährdende Radioaktivität Strahlenschutzexperten von Greenpeace stellen rund 60 Kilometer von Fukushima entfernt deutlich gesundheitsgefährdende Radioaktivität im Boden fest. Die Greenpeace-Teams entdeckten auch in Gemüseproben aus Gärten und in einem Supermarkt radioaktive Belastungen, die die behördlichen Grenzwerte überschreiten. Dazu Thomas Breuer, Leiter des Klima- und Energiebereiches von Greenpeace Deutschland: „Die Menschen in Fukushima City und in Koriyama müssen Langzeitfolgen befürchten, Kinder sind besonders gefährdet. Die japanische Regierung muss endlich handeln. Es fehlen klare Informationen und ausreichende Maßnahmen, um die Bevölkerung zu schützen. Die Regierung kann nicht so tun, als gehe das Leben einfach weiter.“ Fukushima

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Die Energiewende

Deutschland , 14. April

Deutschland, 15. April

GreenpeaceEnergiekonzept

Deutschland ist erneuerbar

Einen Tag vor dem Energiegipfel in Berlin übergibt Greenpeace den Ministerpräsidenten aller 16 Bundesländer das neue Greenpeace-Energiekonzept „Der Plan“. Dieses bestätigt: Die Stilllegung der 17 deutschen Atomkraftwerke kann bis 2015 erfolgen und ein Ausstieg aus klimaschädlicher Kohle bis 2040.

Wenige Stunden bevor sich Regierung und Opposition zum Energiegipfel treffen, erscheint der Schriftzug „Deutschland ist erneuerbar“ auf der Wand des Kanzleramts. Greenpeace-Aktivisten fordern: Ein Atomausstieg bis 2015 ist möglich. Die Teilnehmer des Energiegipfels müssen jetzt den Aufbruch in das Zeitalter der Erneuerbaren Energien wagen.

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Fukushima , 15. April

Fukushima , 22. April

finanzielle Kompensation

Ausgeweitete Evakuierung

TEPCO erklärt sich bereit, eine finanzielle Kompensation von 1.000.000 Yen – ca. 9.500 Euro pro Familie – zu zahlen. Die tatsächliche Auszahlung wird an ein kompliziertes Verfahren gebunden, sodass bis zum 31. Oktober 2012 nur zehn Prozent der Antragsformulare korrekt ausgefüllt sind.

Teile der stark verstrahlten Region außerhalb der 20 Kilometer Zone werden evakuiert.

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Kumi Naidoo, Gesch채ftsf체hrer Greenpeace International, fordert die Energiewende in Deutschland.

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Die Energiewende

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Fukushima, 28. April

Fukushima, 2. Mai

Rainbow Warrior II vor Tokio

radioaktive Strahlung

Auf der Route nach Fukushima hat das Greenpeace Schiff, die Rainbow Warrior II, die Gewässer außerhalb Tokios erreicht. An Bord sind Strahlenexperten, sie wollen das Meer rund um die zerstörte Atomanlage auf Radioaktivität untersuchen. Doch es hapert an der Bereitschaft der japanischen Regierung, unabhängige Messungen zuzulassen.

Bei einer Pressekonferenz wird von einem Regierungssprecher erklärt, dass Daten über die radioaktive Strahlung zwar der United States Army aber nicht der eigenen Bevölkerung zur Verfügung gestellt worden sind, weil man Panik fürchtete.

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Japan, 4. Mai

Protest auf den StraSSen Auf den Straßen Tokyos demonstrieren Greenpeace-Aktivisten für eine japanische Energiewende. In Deutschland übergeben Aktivisten gleichzeitig einen offenen Brief des Geschäftsführers von Greenpeace International, Kumi Naidoo, an Botschafter Dr. Takahiro Shinyo. Darin fordert er, dem GreenpeaceSchiff Rainbow Warrior II Strahlenmessungen in den Küstengewässern vor dem AKW zu erlauben.

Deutschland, 11. Mai

Risikobewertung Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Risikobewertung belegt: Zwei Monate nach dem Erdbeben in Japan ist weder die Freisetzung von Radioaktivität noch die Gefahr einer weiteren Kernschmelze gebannt. Greenpeace-Experten messen Strahlenbelastung in Küstengebiet vor Fukushima

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Die Energiewende

Japan, 12. Mai

Radioaktive Algen Radioaktivitätsmessungen von Greenpeace an Algen vor Japans Ostküste haben hohe Kontaminationen ergeben.

Aktion „Gipfelsturm“ findet in 16 Bundesländern statt. Ziel: Energiewende.

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Deutschland, 17. Mai

Gipfelsturm

Rund 150 Jugendliche stehen auf den höchsten Gipfeln der 16 Bundesländer und rufen die Energiewende in ganz Deutschland aus. „Die Entscheidung, die die Politiker heute treffen, unter der müssen die nicht mehr leiden, sondern wir. Es ist unsere Zukunft und wir wollen nicht auf dem ganzen Atommüll sitzen bleiben.“

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Fukushima, 26. Mai

Weitere Ergebnisse der Messungen Greenpeace stellt einen bislang unveröffentlichten Bericht zum Reaktorunglück in Fukushima vor. Der Report zeigt, wie unvollständig und zum Teil fehlerhaft die Einschätzungen japanischer, internationaler und deutscher Aufsichtsbehörden und Atominstitutionen in Bezug auf den Atomunfall gewesen sind. Weitere Ergebnisse der Messungen von der Rainbow Warrior II haben ergeben, dass sich in Fisch und anderen Meeresfrüchten vor der Küste Fukushimas die Radioaktivität anreichert.

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Die Energiewende Fukushima, 27. Mai

TEPCO: Bevölkerung getäuscht Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie bestätigt, dass TEPCO bereits in den ersten Stunden nach dem Erdbeben von den Kernschmelzen gewusst und die japanische und internationale Bevölkerung seitdem bewusst getäuscht hat.

29. Mai, Deutschland

Tag des Endberichts Greenpeace-Aktivisten protestieren auf dem Brandenburger Tor am Tag des Endberichts der Ethikkommission. Sie befestigen ein Transparent mit der Aufschrift „Jeder Tag Atomkraft ist einer zu viel“.

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Die Monate danach

Deutschland, 31. Mai

Koalition beschlieSSt

Schwarz-gelbe Koalition beschließt „Siebenplus-eins-Lösung“.

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Fukushima

Die deutschen Atomkraftwerke sollen bis spätestens Ende 2022 abgeschaltet werden. Die sieben ältesten derzeit abgeschalteten Atommeiler und das Atomkraftwerk Krümmel werden nicht wieder ans Netz gehen. Die Bundesnetzagentur verzichtet im August auf ein Reservekraftwerk.


Die Energiewende

Japan, 14. Juli

Ausstieg aus der Atomkraft Der japanische Ministerpräsident kündigt den schrittweisen Ausstieg aus der Kernkraft an. Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling spricht von „einem guten Tag für das japanische Volk und dem Beginn einer weltweiten Energiewende.“

Japan, 26. August

Energiewende Japan startet in die Energiewende: Fünf Monate nach dem GAU von Fukushima sprechen sich die Abgeordneten einstimmig für den Gesetzentwurf des bisherigen japanischen Regierungschefs Kan aus.

Japan, November

Simulationen Simulationen von TEPCO legen nahe, dass die Kernschmelzen viel schneller und vollständiger waren als bisher dargestellt.

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Die Energiewende

Deutschland, 24. November

Fukushima-Opfer in Gorleben Fukushima-Opfer demonstrieren auf Einladung von Greenpeace in Gorleben gegen den Castor-Transport.

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Fukushima

Japan, Dezember

Japan, 25. Januar 2012

cold shutdown

Gouverneur kritisiert

Die IAEO erklärt für alle Reaktoren von Fukushima den Zustand „cold shutdown“, obwohl nicht klar ist, wo sich der Kernbrennstoff befindet und in welchem Zustand die Reaktoren sind.

Der Gouverneur von Fukushima, Yuhei Sato, kritisiert, dass nach neuen Plänen von TEPCO, Bewohner im Westen und Süden der Präfektur Fukushima von Kompensationszahlungen ausgeschlossen werden sollen.


M채rz 2012 Greenpeace k채mpft weiter f체r die Energiewende und f체r den schnellen Ausstieg aus der Atomenergie. In Deutschland und weltweit...


Impressum Redaktion: Janna Prüßner Fotos: Titel, S. 4/5, S. 9: DigitalGlobe; S. 6/7: Andrew MacColl; S. 8/9, 10: TEPCO; S. 12/13, 38: Christian Slund; S. 15 unten: Peer Kugler; S. 16/17, 18/19, 26/27: Dörthe Hagenguth; S. 11, 15 oben, 20, 22/23, 25, 29, 30/31, 33, 34, 45u.l., 49: Greenpeace; S. 21, 44, 45r., 46, 48: Jeremy Sutton-Hibbert; S. 25: Stefan Schorr; S. 32: Masaya Noda; S. 36/37: Noriko Hayashi; S. 40: Andreas Schoelzel; S. 41: Daniel Mueller; S. 42/43, 50: Gordon Welters, S. 45: Chiaki Oshima; S. 46/47: Falk Heller V.i.S.d.P.: Michael Pauli Grafik & Layout: plan p. GmbH, Hamburg Fotoredaktion: Max Seiler Videoredaktion: Ariane Hildebrandt