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e talk Interview  ¯

Von Daniel Chardon und wibke sonderkamp

Intelligente STANDARDS für eine grünere Zukunft Ein wichtiges Thema für die Weiterentwicklung moderner Technologie, Smart Grids oder der Integration erneuerbarer Energieressourcen in das Stromnetz sind gemeinsame Standards. Nur mit branchen- und länderübergreifenden Grundlagen können Technologien und Endanwendungen miteinander und mit intelligenter Infrastruktur integriert werden. Clean&Geen sprach zu diesem Thema mit Dr. W. Charlton Adams. Er gehört zum Vorstand der IEEE-Organisation und ist ein Experte für den Bereich Smart Grids und Industriestandards. Standardorganisationen versuchen bei der Entwicklung weit vorauszuschauen und die technologischen und rechtlichen Grundlagen für Technologie und Produkte zu schaffen, die unsere Kinder in zehn, 20 oder 30 Jahren nutzen werden. Für was steht eigentlich IEEE? IEEE steht für «Institute of Electrical and Electronics Engineers». Die Organisation ist mit über 400.000 Mitgliedern die weltweit größte Vereinigung zur Technologieförderung. Rund 45 Untergruppen vereinen verschiedenste technische Gebiete wie IT, Energie-, Kommunikations-, Medizin- und Transporttechnik sowie Raumfahrt- und Nanotechnologie. Über Publikationen, mehr als 1.000 Konferenzen, Standards und Fortbildungsaktivitäten, ist IEEE weltweit anerkannt. Welche Rolle spielt die IEEE Standard Association? IEEE-SA ist eine weltweit führende Organisation zur Etablierung von Standards. Wir entwickeln und verabschieden Standards im Rahmen eines offenen Prozesses unter aktiver Beteiligung der Industrie und unter Berücksichtigung zahlreicher Interessengruppen. Ein 52 | Clean and Green

wichtiger Schwerpunkt sind dabei die Anforderungen für die Interoperabilität zwischen verschiedenen Technologien. Wir arbeiten dabei mit vielen Standardorganisationen, wie ISO, IEC oder ITU, rund um die Welt zusammen. Standards sollten möglichst grenzübergreifend einsetzbar sein – für Branchen wie für Regionen.

ropa, den USA und Asien. Die europäischen Regierungen arbeiten dazu bereits zusammen und haben ein entsprechendes EU-Mandat verabschiedet. Sie kooperieren auch mit USOrganisationen wie NIST, um Rahmenbedingungen abzustimmen. Denn letztendlich wollen alle Branchen ihre Technikprodukte in vielen Märkten verkaufen. Wie werden Standards in der Praxis interdisziplinär entwickelt? Das ist ein sehr komplexer Prozess – lassen Sie uns das Beispiel des Standard IEEE 2030™ betrachten, in dem es um eine Informationsgrundlage für das Zusammenwirken unterschiedlicher Komponenten von Smart Grids geht – von Energietechnik und -netzen, über IT und Kommunikation bis hin zu Endverbrauchergeräten.

Dr. W. Charlton Adams

Haben Standards und Standardorganisationen auch eine Vermittlungsrolle zwischen Technologie und Politik? Da sprechen Sie einen interessanten Punkt an. Noch vor 15 Jahren wurden Standards nur von der Industrie entwickelt. Heute gibt es viele Überschneidungen zwischen Politik, Industrie und Wissenschaft bei der Standardisierungsarbeit. Sie wird als Teil der wirtschaftlichen Entwicklung betrachtet und soll zur Verbesserung der Gesellschaft und unseres Lebensstandards beitragen. Beim Thema Smart Grid, also intelligenten Netzen und Infrastruktur, wird dies besonders deutlich. Dieser Bereich steht auch im Fokus der Regierungen in Eu-

Die Wurzeln zur Entwicklung von IEEE 2030 entwickelten sich aus der Arbeit zum Energy Independence Act im Jahr 2007 in den USA, als verschiedene Branchen realisierten, dass wir uns auf eine neue Generation der Stromerzeugung zubewegen und dazu die Effizienz unserer Netze genauer betrachten und sie mit neuen Fähigkeiten erweitern müssen. Es galt also in die Zukunft zu blicken und zu überlegen: Wie muss unser Netz in 20 oder 40 Jahren aussehen? IEEE 2030 ist ein Beispiel für Standards wie wir sie in Zukunft sehen werden. Es war einer der ersten Standards, der von Anfang an interdisziplinär entwickelt wurde und die schon erwähnten Branchen an einen Tisch brachte. Er soll eine schnellere Weiterentwicklung und Implementierung von Smart Grids unterstützen, von deren Vorteilen Unternehmen und Konsumenten weltweit profitieren können: größere Auswahlmöglichkeiten für Endver-

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Das Magazin für Nachhaltigkeit,Energie und Mobilität

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