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© Susanne Brüsch

wir das Zentrum des Berliner Bezirks Weißensee neu. Dieses liegt direkt an der 4-spurigen Berliner Straße, wo außerdem noch eine Straßenbahn fährt. Um dort innerstädtischen Flair hineinzubringen, Menschen in Cafés zu locken und zum Flanieren zu animieren, schlugen wir vor, den Autoverkehr umzuleiten. Das fand allerdings keine Zustimmung der Kommune. Dass Autos mehr Berechtigung haben als urbaner Lebensraum, zeigt, dass für zukunftstaugliche Verkehrskonzepte der Individualverkehr unbedingt erhalten bleiben muss, aber in einer anderen Form. Es sollte ein Mobilitätsmix sein, da Menschen unterschiedliche Bedürfnisse und Gewohnheiten haben. Und da der Mensch bekanntlich ein Faultier ist (lacht) sollte man ihn da abholen, wo er steht und neue Mobilitätsformen leicht zugänglich machen. Zum Beispiel an Schnittstellen wie Bahnhöfen und zentralen Plätzen. Das Auto wird dabei nicht verschwinden, sondern in Carsharing weiterhin für eine breite Masse zugänglich sein. Motorroller dienen für längere urbane Strecken. Pedelecs (Pedal Electric Cycles, also Elektrofahrräder die beim Treten unterstützen) decken kurze Strecken ab und sind ideale Flottenfahrzeuge für Mietsysteme, große Firmen und für Lieferdienste. Öffentliche Mietsysteme für Pedelecs und normale Fahrräder sehe ich für Touristen gleichermaßen wie für Einheimische. Ich denke es wird kein kompletter Sinneswandel von heute auf morgen stattfinden, sondern eine Verkehrsrevolution in kleinen Schritten.

standteil eines sinnvollen urbanen Verkehrskonzepts sind. Ich selbst liebe es, Fahrrad zu fahren und begeistere mich für Motorräder. Das hat sich während meines Auslandsjahrs in der Designabteilung des italienischen Motorradherstellers Cagiva noch verstärkt. Was ist Ihrer Meinung nach ein ideales Verkehrskonzept? Im Rahmen eines Uniprojekts konzipierten

Sie haben mehrere Konzepte für öffentliche Ladeinfrastruktur entwickelt. Wie wichtig sind Batterielade- bzw. Wechselstationen für den weiteren Erfolg von Pedelecs? Für den Individual-Fahrer, der ein eigenes Pedelec besitzt, sind öffentliche Stationen zum Laden oder Wechseln der Batterie nicht so entscheidend. Ich denke solche Konzepte werden sich zunächst bei Mietflotten oder im internen Betrieb von Firmen, Behörden, Flughäfen usw. etablieren. Ein guter Schritt in diese Richtung ist sicherlich die Einführung des EnergyBus Standards, der unterschiedliche Batterien mit unterschiedlichen Ladesystemen kompatibel macht.

Welche Rolle spielen Elektroautos? Zur Zeit sehe ich noch zu viele Probleme ungelöst. E-Autos verbrauchen genau so viel Platz wie ihre Benzinbrüder und ihre Ökobilanz ist auch nicht besser. Nach wir vor wird meistens nur eine Person mit einem eigentlich überdimensionierten Fahrzeug durch die Gegend fahren. Es ist toll, dass der Tesla, eine Rakete, die aussieht wie ein Ferrari, 400 Kilometer Reichweite schafft, das aber leider nur mit 90 km/h im Windschatten eines LKWs. Das passt eigentlich nicht zum Image, das der schnelle Flitzer vermitteln will… Die Geschwindigkeit und Reichweite bei Elektroautos ist für die meisten Strecken sicher völlig ausreichend, aber wenn schon ein Auto, dann soll es auch für den Fall der Fälle ausgelegt sein. Die Leute sind es gewöhnt, dass sie sich beim Autofahren keine Gedanken über die nächste Tankstelle machen müssen. Dann braucht man schon ein ausreichend dichtes Netz an Ladesäulen mit schneller Ladefunktion. Und das, wo man endlich die Parkuhren abgeschafft hat für ein ansehnlicheres Stadtbild … Ich denke, für den privaten Automobilverkehr müssen ganz neue Fahrzeugkonzepte her, die kleiner und leichter sind. Wie wird sich das Pedelec weiterentwickeln? Um genau diese Frage zu beantworten arbeite ich gerade an einer Studie die sich dem Pedelec in zehn Jahren widmet. Fest steht: Das EINE Pedelec der Zukunft gibt es nicht. Gestaltung und Funktion hängen immer von der Anwendung und vom Anspruch des Kunden ab. Batterie-Experten gehen davon aus, dass Akkus leistungsfähiger und billiger werden. Kleinere Akkupacks bei gleicher Leistung geben mehr Gestaltungsfreiheit, so dass neue Designs umsetzbar werden. Ich denke die Entwicklung wird in zwei Richtungen gehen: In naher Zukunft werden 50 Prozent des Fahrradmarktes – das wären rund 2 Millionen Pedelecs und E-Bikes im Jahr – 800 bis 1‘000 Euro kosten. Vorausgesetzt die Akku-Prognose tritt ein, sind Preise um die 2‘000 Euro für den Massenmarkt nicht mehr zu rechtfertigen. Gleichzeitig wird es mehr High-end Produkte geben, die weit über 2‘000 Euro liegen. Clean and Green | 35

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Das Magazin für Nachhaltigkeit,Energie und Mobilität

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