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Lautlos übers Wasser gleiten Interview mit Yves Bosshart, Bootbaumeister der Pro Nautik AG 2010 hat Greenline 33 als erstes in Serie gebautes Hybridboot die Bootsszene in Bewegung und Aufregung versetzt. 17 internationale Awards sind das Resultat. Viele halten sie für die Innovation schlechthin im Bootsbau der letzten Jahre. Die slowenischen Gebrüder Jakopin, visionäre Idealisten, welche auch im Bereich Windenergie tätig sind, und Prototypen für viele große Bootsfirmen bauen, haben mit der Kombination Diesel, Elektro- und Solarenergie ein stimmiges Gesamtkonzept geschaffen, welches den Nerv der Zeit trifft, preislich attraktiv ist und gegenüber den klassischen Motoryachten ganz konkrete Vorteile bietet. Wie sind Sie zum Thema Greenline und Hybridboote gekommen? Wir wurden darauf angesprochen. Unsere Firma Pro Nautik besteht seit 50 Jahren, unser Senior-Chef hat viele Kontakte. Der Besitzer von Seaway hat uns 2008 mit der Idee und den ersten Plänen in der Hand darauf angesprochen, ob wir Interesse am Projekt hätten. Da war der Prototyp gerade im Bau. Wir wussten auch nicht so recht, was uns da in der Green- und Hybridliga erwartet. Wie viel Schiffe in diesem Bereich zu verkaufen sind, war ein großes Rätsel. Wir rechneten mit einigen wenigen Schiffen pro Jahr. Wir entschieden uns, trotzdem mitzumachen. Nun haben wir innerhalb von zwei Jahren rund 30 Boote

verkauft. Das hat uns dann total positiv überrascht. Weltweit wurden 200 Boote verkauft, womit die Greenline 33 zur bestverkauften 10m-Motoryacht 2010 und 2011 gehört. Die Entwicklungszeit scheint relativ kurz im Vergleich zur Automobilbranche? Es ist nicht so kompliziert. Seaway konnte ihre Stärke, den Prototypenbau, voll zur Geltung bringen. Man braucht einen guten Yachtbauer, der den Unterwasserbereich beherrscht und berechnen kann, und einen guten Designer. Und Seaway hat den Vorteil der schnellen Entscheidungswege. So konnte man in weniger als zwei Jahren ein Hybridboot ent­ wickeln. Und hat auf Anhieb an der BOOT, der weltweit größten Bootsmesse in Düsseldorf, 2010 den Innovations-Award gewonnen. Welches sind die Hauptmärkte für Hybridboote? Die Boote wurden ganz gezielt für Mitteleuropa entwickelt, da hier das Umweltbewusstsein ausgeprägt vorhanden ist. Die großen Bootsmärkte wie Italien und Frankreich kommen erst noch. Holland steht bei den Hybrid-Booten momentan an erster Stelle. Da wurden rund 60 Hybridboote verkauft. Die Schweiz kommt an zweiter Stelle. Wie reagieren andere Bootswerften auf diesen Erfolg? Die beobachten uns ganz genau. Zum Beispiel französische Werften wie Jeanneau. Aber die großen Hersteller verhalten sich noch abwartend.

Wie sieht es mit den verschiedenen Modellen aus? Die Greenline 33 – die Zahl steht ja für 33 Fuß, knapp 10 Meter – weist ein ideales Verhältnis von Gewicht und Motorisierung aus. Die Greenline 40 benötigt bereits zwei Elektroantriebe, zwei Batterien, ist also nicht gleich effizient. Die Greenline 33 liegt bei 4,5 Tonnen Gewicht, die Greenline 40 bei acht Tonnen, obwohl das in der Yachtwelt «Leichtgewichte» sind. Der Greenline 33 liegt ein völlig neues Konzept zugrunde? Das ist das Entscheidende. Die Gebrüder Jakopin wollten ein Boot bauen, das auf das Wasserwandern ausgerichtet ist, wo nicht Tempo, sondern Gemütlichkeit und Naturnähe im Vordergrund stehen. Mit dem speziellen Gleitrumpf schippert man bei mittlerer Geschwindigkeit mit einer vollen Batterie und ein wenig Sonnenlicht von Romanshorn nach Lindau – einer kleinen Eis-Pause mit kurzem Zwischenladen – und wieder zurück (23km), also fast 46 km. Das Boot ist bequem, ideal für Geschwindigkeiten von 5 bis 15 Knoten. In Computersimulationen und Schlepptankversuchen wurde dafür ein spezieller Stufenrumpf entwickelt, der sich an Segelyachten orientiert. Das Ziel war ein stabiles, weiches Gleiten zu ermöglichen. Die zwei Kimmkiele verhindern das Rollen bei seitlichen Wellen. Das Boot liegt beinahe waagrecht und stoisch ruhig im Wasser, eine Folge des optimierten Verdrängungsverhaltens mit einem S-Schlag im Heckbereich, der das Boot hinten leicht anClean and Green | 17

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