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dacht? Die meisten der politischen Probleme, vor denen wir heute stehen, wurden von Männern geschaffen. Es ist schwierig für jemanden, der ein Problem verursacht, der Teil des Problems ist, sich selbst zu korrigieren. Wir sahen es als wichtig an, die aktive Beteiligung von Frauen in allen Führungspositionen zu erhöhen. Ich halte keine Vorlesung, komme zu keiner Konferenz ohne starke Beteiligung von Frauen, und zwar auch Beteiligung in Führungspositionen. Wenn Sie nur ein paar Frauen in einer bestimmten Gruppe haben, neigen diese dazu, sich wie Männer zu benehmen. Aber wenn viele Frauen anwesend sind, eröffnen sie eine ganz neue Ebene von Interaktion, verändern Sie die Dynamik und die Art der Lösungen. Wann hat die Diskussion über Nachhaltigkeit angefangen? Sie begleitete mich von Beginn weg. Mein Universitätskurs zur Nachhaltigkeit beginnt 1776. In diesem Jahr erfand James Watt die Dampfmaschine, 1776 veröffentlichte Adam Smith «The Wealth of Nations», das erste Ökonomie-Buch und 1776 wurden die Vereinigten Staaten von Amerika gegründet, das erste Land, dessen Gründung schon auf den Prinzipien des kommerziellen Eigeninteresses basiert. Bis 1960 lebten wir in einem weitgehend uneingeschränkten Universum. Niemand dachte je über die Weltbevölkerung nach, über das Ende des Ölzeitalters, über Wasserknappheit u.ä. Es gab ein gewisses Maß an lokalem Bewusstsein wie 1952, als die

Menschen in vielen britischen Städten vor lauter Kohlestaub die Sonne nicht mehr sehen konnten. Aber das Bewusstsein ging nicht darüber hinaus. 1972 veröffentlichte der Club of Rome seinen Bericht «Grenzen des Wachstums». 1973 löste die OPEC-Ölkrise eine lebhafte, letztlich aber wenig fruchtbare Debatte zu den Wachstumsgrenzen aus. Und im Juni 1972 wurde das United Nations Environment Programme (UNEP, deutsch: UN-Umweltschutzprogramm) geschaffen, welches den Beginn der Phase des Umweltbewusstseins symbolisiert, in welcher wir uns heute noch befinden. Was bringt Menschen dazu, weiter zu denken? Jeder Mensch hat zwei Träume: der erste ist der Traum von der Unsterblichkeit. Dies ist Traum und ein Alptraum zugleich. Aber wir leben ihn auf unterschiedliche Weise, entweder durch Kinder, Religion, durch Schreiben von Büchern oder eine lehrende Tätigkeit. Der zweite Traum ist derjenige vom Fliegen, symbolisiert durch den fliegenden Teppich. Dem Fliegen am nächsten kommt das Auto. Als meine 80-jährige Mutter mir die Autoschlüssel gab, weil ich sie aufgrund

Eric Britton

ihres Gesundheitszustandes aufgefordert hatte, mit dem Autofahren aufzuhören, sagte sie zu mir «Du schneidest mir meine Flügel ab». Wenn wir also den Menschen ihr Auto wegnehmen, nehmen wir ihnen auch die Erfüllung eines magischen Traums. Deshalb reagieren die Menschen so sensibel darauf. Car-Sharing z.B. ist eine Lösung, welche nur eine Minderheit anspricht. Aber es ist eine wesentliche Voraussetzung, um von der alten zur neuen Mobilität zu gelangen. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht die Lösung des Problems. Wir müssen viel weiter zurückgehen. Zu unserem Lebensstil, wie wir leben und arbeiten. Es braucht andere Städteplanungen.

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Das Magazin für Nachhaltigkeit,Energie und Mobilität

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