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FESTUNG EHRENBREITSTEIN Bilder des Wandels

FESTUNG EHRENBREITSTEIN Bilder des Wandels

Oliver Feinauer | Matthias Brand | Andrea Petry


September 2009

Rheinbastion Contregarde links Kurtine

Ravelin

Contregarde rechts Entrée-Gebäude Landbastion

Glacis

„Buga-Seilbahn“

Turm Ungenannt

Obere Terrassenbatterie Lange Linie

Niedere Terrassenbatterie

Johannisturm

Oberer Schlosshof

Hohe Ostfront Bastion Fuchs

4

INHALT

Niederer Schlosshof

Festungskirche Große Traverse

Gebeinhaus

Niedere Ostfront

Südlicher Abschnitt Felsenweg Fort Helfenstein


VOR- UND GELEITWORTE DIE HISTORISCHE FESTUNG

06 12

mit Zeitleiste

GLACIS

16

mit Rheintor und „Buga-Seilbahn“ (Rhein-Seilbahn)

LANGE LINIE

22

mit Turm Ungenannt, Feld- und Grabentor

RAVELIN

36

mit Hauptgraben

CONTREGARDE

40

mit Retiriertem Graben

KURTINE

44

mit Landbastion und Rheinbastion

OBERER SCHLOSSHOF

58

mit Hoher Ostfront, Festungskirche, Großer Traverse, Alter Seilbahn, Oberer und Niederer Terrassenbatterie

NIEDERER SCHLOSSHOF

80

mit Niederer Ostfront

SÜDLICHER ABSCHNITT

86

mit Felsenweg, Fort Helfenstein und Wetterturm

AUSSENBEREICH

98

mit Gebeinhaus, Johannisturm und Bastion Fuchs

BAUSTELLEN-IMPRESSIONEN FESTUNG ERLEBEN TEXT- UND FOTONACHWEIS DANKE

110 120 125 126

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VORWORT

V.l.n.r.: Andrea Petry, Oliver Feinauer, Matthias Brand

Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich freue mich sehr, dass Sie sich für unser Buch „Festung Ehrenbreitstein – Bilder des Wandels“ entschieden haben. Mit dem Kauf dieses Buches haben Sie nicht nur ein einzigartiges Dokument erworben, sondern leisten auch einen kleinen Beitrag zur finanziellen Unterstützung regionaler sozialer Einrichtungen, an die wir Autoren unsere Überschüsse aus dieser Publikation mit Freude weiterleiten. Wir Koblenzer sind sozusagen „mit der Festung Ehrenbreitstein groß geworden“. Sie ist aus Koblenz nicht wegzudenken und „wacht“ seit Generationen über unsere Stadt. Sie ist Teil unserer Geschichte. Mit ihr verbinden viele Koblenzer aber auch ihre ganz persönlichen Erinnerungen. Sei es an eine erste Sesselliftfahrt vom

Tal hinauf zur Festung, an Kinderspiele und Entdeckungstouren innerhalb der Festungsanlage, erste romantische Zweisamkeit beim Blick vom Brunnendenkmal in den Sonnenuntergang oder auch an einmalige kulturelle Genüsse hoch über dem Rheintal. Über die Stadt und die Landesgrenzen hinaus ist das Interesse der Menschen an diesem beeindruckenden Bauwerk seit Generationen ungebrochen. Sei es als Fundgrube für geschichtlich interessierte Menschen aus aller Herren Länder oder als touristisches Ausflugsziel mit einem unvergleichlichen Blick auf die mehr als 2.000 Jahre alte Stadt Koblenz, ihre belebte Altstadt und das weltbekannte Deutsche Eck am Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Die Zeit hinterließ jedoch leider deutliche Spuren an unserer „guten alten Festung“ und viele Bereiche der


Festungsanlage mussten nach und nach für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Doch dann bekam die Stadt Koblenz vor einigen Jahren den Zuschlag für die Ausrichtung der Bundesgartenschau 2011 und die Festung Ehrenbreitstein wurde Teil des BUGA-Geländes. Dieser für uns Koblenzer glückliche Umstand sorgte dafür, dass nun endlich finanzielle Mittel für die Durchführung der größten Baumaßnahme auf dem Ehrenbreitstein seit fast 200 Jahren zur Verfügung gestellt wurden und die gesamte Anlage umfassend restauriert bzw. saniert werden konnte. So kam es dann auch zu diesem Buch, denn eines war klar, die Baumaßnahmen würden die Festung – irgendwie – für immer verändern und dabei einmalige Einblicke in ihre innerste Struktur und in ihren Aufbau zu Tage bringen. Als ich seinerzeit die Idee zu diesem Buch hatte, konnte ich noch nicht vorhersehen, was neben einem gesunden Schuss Idealismus, einer guten Idee und einem groben Konzept notwendig sein würde, um dieses Vorhaben – möglichst vielen Menschen unwiederbringliche Einblicke in „unsere“ Festung Ehrenbreitstein zu ermöglichen – in die Tat umzusetzen, bedeuten würde. So erzählte ich Matthias Brand beim Koblenzer Neujahrsempfang der Wirtschaft 2009 von meinem Vorhaben und fragte ihn, ob er interessiert wäre an diesem Werk mitzuwirken. Die Idee und das Grobkonzept gefielen ihm sofort. Und so entwickelten und feilten wir fortan gemeinsam weiter an unserem Konzept. Dabei erhielt es völlig neue Perspektiven. Doch noch war unser Team nicht komplett. Es fehlte uns noch jemand, der persönlich zu uns passen und darüber hinaus in der Lage sein würde, unser zum Projekt gewordenes Konzept professionell umzusetzen. Im Winter 2009/2010 sprachen wir schließlich mit Andrea Petry und uns war sofort klar, dass wir mit ihr die richtige Frau für unser Projekt gefunden hatten. Auch sie brachte diesen gesunden Schuss Idealismus mit, den man für ein solches Projekt unbedingt benötigt, hatte gute Ideen und war drüber hinaus begeistert von dem Gedanken, sich in dieses Projekt einbringen zu dürfen und daraus ein Buch zu gestalten. Ich hätte nicht zu erwarten gewagt, dass es gelingen würde, aus einer Idee und einem groben Konzept ein so wundervolles Buch mit so beeindruckenden Bildern zu entwickeln und so zu gestalten, wie es uns letztlich in gemeinsamer Arbeit gelungen ist. Unser Buch begleitet und dokumentiert die größte jemals vom Land RheinlandPfalz durchgeführte Baumaßnahme auf dem Ehrenbreitstein. Dort wurden in den Jahren 2007 bis 2011 rund 45 Millionen Euro in Baumaßnahmen investiert. Dies sichert nicht nur den Erhalt der preußischen Festungsanlage für nachfolgende Generationen, sondern ermöglicht in vielen Bereichen eine völlig neuartige Nutzung, macht bisher unbekannte Teile der Festungsanlage für die Öffentlichkeit zugänglich und somit Geschichte für jeden erlebbar.

Wir bedanken uns bei den vielen Menschen, die es uns ermöglicht haben, diesen umfangreichen Bildband zu verfassen. Besonderer Dank gilt dem Finanzministerium Rheinland-Pfalz, der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Burgen, Schlösser, Altertümer, Rheinland-Pfalz und den Mitarbeitern der Bauunternehmen, die uns gerne ihre Handwerkskunst gezeigt und erläutert haben. Unter anderem wurden folgende Investitionen getätigt: • • • • •

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Glacis, Freianlagen Festungsplatz, Dächer, Fassaden, Infrastruktur und Sanierung Turm Aster, Treppenweg Infrastrukturmaßnahmen Innen, Grundleitungen für Wasser, Abwasser, etc. Große Traverse, Ausbau ausschließlich im Bereich der Kuppelsäle, Multifunktionale Nutzung für Ausstellung, Catering, sonstige Veranstaltungen, Ausbau des Ausgrabungsbereiches Lange Linie, Sicherung und Ausräumen von 2 Bombentreffern, sowie Herrichtung als Lager und für Schauräume zum Rundweg Festungsgeschichte, Vinothek, Überdachung Innenhof Rundweg Festungsgeschichte, Turm Ungenannt über Lange Linie und Contregarde rechts bis zum Ravelin 4 Brücken, Bestandteil des „Rundweg Festungsgeschichte“ zur Wiederherstellung von Brückenverbindungen zwischen den dort befindlichen Gebäuden Dächer, Sanierung ausgewählter Dächer und Fassaden Gebeinhaus, Sicherungsmaßnahmen zur Einsturzvermeidung Leitsystem mit Blindenleitweg vom Entrée-Gebäude bis zum Schlossplatz Infrastrukturmaßnahmen, Beleuchtung Hauptgraben und Weg zum Feldtor Anbindung Bauhof und Freilegung Grabenwehr, künftige Anfahrt und Parkplätze der Bediensteten

ca. 11,1 Mio. Euro ca.1,3 Mio. Euro 0,31 Mio. Euro 0,62 Mio. Euro

3,6 Mio. Euro 0,39 Mio.Euro

0,35 Mio.Euro 11,85 Mio. Euro 0,66 Mio.Euro 0,58 Mio. Euro 0,96 Mio. Euro 0,25 Mio. Euro

Wir erheben mit unserem Buch weder einen Anspruch auf Vollständigkeit in den von uns ausgewählten Abschnitten, noch wollen wir ein Geschichts- oder Baufachbuch schaffen. Wir möchten Ihnen lediglich ermöglichen, die Veränderungen „unserer Festungsanlage auf dem Ehrenbreitstein“ durch unsere Augen zu sehen und Sie einladen, die Faszination dieser Jahre zu erleben. Ich wünsche Ihnen, auch im Namen meiner Mitautoren Matthias Brand und Andrea Petry, viel Freude und spannende Augenblicke mit diesem Buch.

Herzlichst Ihr Oliver Feinauer

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Sehr geehrte Leserinnen und Leser, nach einer mehr als 3 Jahre dauernden Bauzeit präsentieren sich weite Teile der Festung Ehrenbreitstein pünktlich zur BUGA 2011 in einem attraktiven Zustand. Dies bedurfte einer gewaltigen Anstrengung aller am Bau Beteiligten. Die Geschichte des Ehrenbreitsteins ist geprägt durch eine über 3.000-jährige Nutzung. Bereits die Kelten siedelten oberhalb der Moselmündung. Zwischen der ersten Burganlage bis zur heute noch existierenden preußischen Festung liegen die komplette Zerstörung durch napoleonische Truppen und die Kriegsereignisse des 19. und 20. Jahrhundert. Die heute weitestgehend im historischen Zustand erhaltene Anlage stellt ein herausragendes Zeugnis europäischer Festungsarchitektur dar. Dieses Kulturgut zu erhalten und der Bevölkerung zugänglich zu machen ist eine kulturelle Aufgabe, die für die Landesregierung eine hohe Priorität besitzt. Dies bedarf des Einsatzes nicht unerheblicher finanzieller Mittel. Künftig wird sich der Ehrenbreitstein dem Besucher durch umfassende museale Angebote und mit einem hohen Erlebniswert präsentieren. Die vorliegende Zusammenstellung von einzigartigen Bilddokumenten und erläuternden Textteilen stellt ein beeindruckendes Zeitdokument dar. Es wird dem Anspruch der unter Denkmalschutz stehenden Anlage am nördlichen Zugang zum Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal in hohem Maße gerecht. Den Leserinnen und Lesern wünsche ich viel Freude bei der Lektüre. Ihr

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GELEITWORT Dr. Carsten Kühl Minister der Finanzen des Landes Rheinland-Pfalz


Liebe Leserinnen und Leser, in diesen Tagen, am 15. April 2011 öffnet mit der Bundesgartenschau in unserer schönen Stadt Koblenz eine spektakuläre Großveranstaltung ihre Tore, zu der in den drei Kernbereichen „Kurfürstliches Schloss“, „Blumenhof“ und „Plateau Festung Ehrenbreitstein“ 2 Millionen Besucher erwartet werden. Es ist eine einmalige Chance für die Stadt Koblenz, sich einem sehr interessierten Publikum von Nah und Fern zu präsentieren. Deshalb wird die Bundesgartenschau nicht nur ein halbes Jahr lang bis zum 16. Oktober 2011 die Koblenzer und ihre Gäste verwandeln, sondern bis dahin auch die ganze Stadt. Dabei wird die Festung Ehrenbreitstein eine bedeutende Rolle spielen. Das Plateau mit der Festungsanlage ist ein Markenzeichen von Koblenz und wichtiger Baustein im Unesco-Weltkulturerbe. Die Bedeutung des „nördlichen Tores“ zum Oberen Mittelrhein für Tourismus und Stadtmarketing wird dank der BUGA neue Impulse bekommen, denn die Festung und der Vorplatz wurden in den vergangenen Jahren zu einem attraktiven Ensemble gestaltet. Aus welcher Richtung man unsere schöne Stadt betritt, die Festung Ehrenbreitstein mit ihrer exponierten Lage 118 Meter über dem Rhein ist immer das erste markante Bauwerk, welches man erblickt. Seit rund 1.000 Jahren, als dort auf dem Ehrenbreitstein eine kleine Burganlage entstand, ist der Ort ein Wahrzeichen unserer Stadt an Rhein und Mosel. Die umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen sind in dem vorliegenden Buch umfangreich dokumentiert worden. Mit zahlreichen Bildern unterlegt, bietet dieses Werk interessante Einblicke hinter die Kulissen unserer Festung Ehrenbreitstein. Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre!

Es grüßt Sie herzlich Ihr

Joachim Hofmann-Göttig Oberbürgermeister der Stadt Koblenz

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April 2006

Das Glacis ist die vorderste Verteidigungslinie der Festung Ehrenbreitstein. Es handelt sich um eine flache Erdböschung mit einer buschartigen Bepflanzung. Diese Bepflanzung wurde im Falle einer Armierung gefällt und als Bau- oder Brennholz durch die Verteidiger verwendet. Das in der Erde des Glacis verbliebene Wurzelwerk machte es den Angreifern schwer, Gräben auszuheben. Aus Sicht des Angreifers endet das Glacis an der nördlichsten Mauer der Festung. Hinter diesem ersten Bollwerk liegt der gedeckte Weg, der sich vor dem Ravelin und den Contregarden im Hauptgraben befindet.

»Glacis« Im Norden der Festung Ehrenbreitstein erstreckt sich die einstige Angriffsfront, das Festungsglacis. Von hier aus wird heute überwiegend das Kulturdenkmal erschlossen.

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GLACIS

Im Rahmen der Baumaßnahmen wurde das Festungsvorgelände neu gestaltet und ermöglicht heute wieder die historische Blickrichtung über das langstreckte Festungsglacis. Das Festungsplateau Foto oben links: das Glacis vor der Baumaßnahme im Jahr 2006 mit dem altem Parkplatz und der Minigolfanlage. Ziel des „neuen Glacis“ ist es, die historische Blickrichtung (Feindsicht) auf die Festungsanlage über das langgestreckte Glacis wiederherzustellen.

Links: Der offizielle Baustart erfolgte am 4. Oktober 2007 per Spatenstich.

4. Oktober 2007

April 2011


April 2010

Sommer und Winter 2010

wurde dazu vollständig freigelegt und das Gelände zu einer offenen Rasenfläche. Auf dieser wurde ein Wegenetz angelegt, das dem Besucher aufregende Sichtverbindungen auf die Festungsanlage ermöglicht. Zudem wurden Parkplätze an den seitlichen Rändern im Westen und im Osten des Glacis angelegt, ein Entrée-Gebäude geschaffen und Bepflanzungen vorgenommen. Unterirdische Zisternen ermöglichen eine Bewässerung durch das Auffangen von Regenwasser. Für die Neugestaltung des Festungsglacis wurden rund 11,1 Mio. Euro aufgewendet. Die Maßnahme dauerte von Oktober 2007 bis zum Frühjahr 2011.

Ein Spielplatz entsteht. Hier: Bauphase bis zur Fertigstellung (großes Bild links) in mehren Schritten.

Das Feldtor ist heute der nördliche Hauptzugang zur Festung.

Oktober 2010

März 2011

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Juli 2010 Station der „Buga-Seilbahn“ (Rhein-Seilbahn)

»Buga-Seilbahn« Die „Buga-Seilbahn“ verfügt über eine Länge von knapp 850 Metern und kann bis zu 7.600 Fahrgäste pro Stunde befördern. Damit zählt sie zu einer der größten nicht alpinen Seilbahnen.

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GLACIS

BUGA-SEILBAHN

Durch die großen Panoramafenster der Kabinen und den Glasboden der Kabine Nummer 17 kann man einen lohnenswerten Blick auf das Obere Mittelrheintal erhaschen. Unten: die Jungfernfahrt der „Buga-Seilbahn“.

Am äußeren westlichen Rand des Glacis verbindet die neue „BugaSeilbahn“ die Koblenzer Altstadt mit der Festung Ehrenbreitstein. Ob die Seilbahn der Stadt Koblenz auf Dauer erhalten bleiben wird, ist augenblicklich noch ungeklärt. Zunächst ist vorgesehen, sie für drei Jahre zu belassen.

April 2010

April 2010


April 2010

10. Januar 2011

Nach erfolgreichen letzten Montagearbeiten und der ersten Probefahrt im April 2010 (Bild links) erreichte das große Hochwasser im Januar seinen Höchststand (oben) und ließ die Talstation und auch das Deutsche Eck im Wasser „schwimmen“. Die Buga-Eröffnung gefährdete dies aber nicht.

Innenstaatssekretär Roger Lewentz, Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas, Ministerpräsident Kurt Beck und Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig (v. l.) eröffneten die Buga-Seilbahn.

2. Juli 2010

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2008

April 2006

»Lange Linie« Die Lange Linie wurde als mächtiges Bollwerk mit Verteidigungsmöglichkeiten für Geschütze und Gewehre im nördlichen Festungsbereich errichtet. Hier beginnt auch der Rundweg zur Festungsgeschichte.

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LANGE LINIE

September 2008

Links oben: Eine alte Aufnahme vor Baubeginn: Im Vordergrund Lange Linie mit Turm Ungenannt; rechts oben: Feldtor, der Hauptzugang zur Festung; darunter: Ein Teil des neuen Festungsrundwegs wird angelegt.

August 2010

Januar 2011

Januar 2011


Oktober 2010

Über das Glacis kommend wird der Besucher über einen Hohlweg direkt zum Feldtor westlich der Langen Linie und damit zum Eingang der Festung Ehrenbreitstein geführt. Im weiteren Verlauf führt dieser Weg durch den Hauptgraben vor der Langen Linie zum Grabentor. Die Lange Linie und der Turm Ungenannt, am Ostrand des Plateaus, liegen etwas vor den Hauptwall geschoben. Ihre Geschütze sicherten einst den östlichen Hang und das seitliche Glacis. Die Kasematten der Langen Linie umschließen einen rechtwinkligen Lichthof. Zwei Reihen Geschützscharten sehen den Hang und die Höhe von Arzheim ein. In Richtung Glacis überragt eine Reihe von Geschützscharten die Grabenmauer. Die untere Reihe der Geschützscharten sicherte das Feldtor. Haubitzen waren in der Lage durch große Geschützscharten nahe des Grabentors über die Grabenmauer zu schießen.

Schwerer Bauverkehr zwängte sich durch die engen Zugänge der Festung. Ein Kran lieferte das benötigte Material für den Bau des neuen Glasdaches über dem großen Bombentreffer.

Zwischen 1867 und 1909 nahm die Lange Linie eine Arbeiterabteilung sowie eine Strafabteilung für Mannschaften der zweiten Klasse des Soldatenstandes auf. Gegen 1910 wurden dort Familienwohnungen für Unteroffiziere, Militärhandwerker und Beamte eingerichtet. Zudem sind Arrestzellen erhalten. Rechts: Das Grabentor an der Grabenmauer (unten eine alte Aufnahme) wurde von Bewuchs befreit. Die Baumeister von einst haben sich am Grabentor verewigt.

Vermutlich durch die Druckwelle des Bombentreffers im Innenhof der Langen Linie verursacht, klaffen breite Risse im Gewölbemauerwerk der Kasematten. Diese wurden verdämmt und über Verfüllröhrchen mit einem speziellen Injektionsmörtel verpresst, um den Kraftschluss im Gewölbe wieder herzustellen.

März 2010

März 2011

2008

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2006

»Lange Linie« Die östliche Seite der Langen Linie wird während der BUGA für Ausstellungen genutzt. (Rheinland-Pfalz-Haus)

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LANGE LINIE

GROSSER BOMBENTREFFER

Die Lange Linie ist „unter die Haube“ gekommen: Ein Glasdach wurde angebracht.

Ursprünglich war geplant, die durch den großen Bombentreffer verursachte Baulücke kostengünstig mit modernem Mauerwerk und Stahlbetondecken wieder zu schließen, um weiteren Depotraum für das Landesmuseum zu gewinnen. Nach Räumung der Schuttmassen erkannte man jedoch die einmalige Gelegenheit, welche diese Kriegswunde bietet, indem Sie dem Besucher quasi wie ein Schnitt durch eine Architektenzeichnung einen Einblick in die bauliche Konstruktion der Festungsanlage vermittelt.

September 2008

Oktober 2010

Februar 2011


Sommer 2010

2009

März 2011

Das Bruchsteinmauerwerk der Kasematten am Rand des Bombenkraters wurde so aufgearbeitet, dass die Besucherströme ungefährdet diesen Abschnitt des Festungsrundwegs passieren können. Hierzu wurden marode Teilflächen abgebrochen und in Anlehnung an den Bestand wieder aufgemauert, die auskragenden Reste des Gewölbemauerwerks im Kämpferbereich wurden rückwärtig in die ungeschädigte Bestandskonstruktion verankert. Abschließend wurden die Kraterwände noch zusätzlich mit einer dünnlagigen Spritzmörtellage versehen.

Der Bombenkrater bleibt erhalten und bildet mit der darin eingebauten Aufzugsanlage einen zentralen Bestandteil des „Festungsrundwegs“.

Die Lange Linie mit ihrem zweigeschossigen Gebäude und dem schmalen lang gestreckten Innenhof wurde im 2. Weltkrieg durch zwei Bombentreffer stark beschädigt. Im Rahmen der durchgeführten Maßnahme wurden für den Bereich Lange Linie, Turm Ungenannt und die Anlage des Festungsrundwegs rund 6,5 Mio Euro zur Verfügung gestellt. Oktober 2010

Oktober 2010

Februar 2011

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August 2010

»Lange Linie« Hier wird besonders deutlich, wie gut es gelungen ist, moderne Nutzungskonzepte mit historischer Bausubstanz in Einklang zu bringen. Der Besucher erhält darüber hinaus einen tiefen Einblick in Struktur und Aufbau einer preußischen Festungsanlage.

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LANGE LINIE

GROSSER BOMBENTREFFER Der große Bombentreffer wird zur behindertengerechten, vertikalen Erschließung des Festungsrundwegs genutzt. Hierzu quert eine Stegbrücke, die an einen Aufzug angeschlossen ist. Es wird dabei mit den modernen Baustoffen Beton und Stahl gestaltet, um Alt und Neu für den Besucher eindeutig erkennbar voneinander zu trennen.

September 2010

Oktober 2010

Februar 2011


August 2010

Die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten von 2009 bis 2011 umfassten zunächst die Sicherung sowie Ausräumung des großen und kleinen Bombentreffers, die Rekonstruktion der Kasematten als Lager beziehungsweise Schlafräume (Teil des Festungsrundwegs), darüber hinaus die Überdachung des rechteckigen Innenhofs sowie die Schaffung eines direkten Zugangs vom Turm Ungenannt über die wiederhergestellte „Rückzugsbrücke“ in die Lange Linie und weiter zur Contregarde rechts. Beide Gebäude wurden liebevoll und sachkundig von innen und außen vollständig restauriert.

Sandstrahlung der Sichtbetonflächen von Aufzugsschacht und Deckenuntersicht, um eine gewisse Rauigkeit zu erzielen und die Oberflächen der Zuschlagskörnung zum Teil freizulegen. Glatte Oberflächen sind in dem historischen Bauwerk nicht gewünscht.

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Juni 2008

April 2009

Kurtine

»Kurtine« Die Kurtine verbindet Rhein- und Landbastion.

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KURTINE

Die Arkaden der Kurtine am Oberen Schlosshof im direkten Vergleich: Vor der Sanierung (oben) und danach.

Der Putz musste vollständig entfernt werden, um die Kurtine später, nach Auftragen des neuen Putzes und des Anstrichs, im historischen Glanz neu erstrahlen zu lassen.

April 2009

Mai 2009


August 2009

Kurtine

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KURTINE

Während der Putz abgeschlagen wurde, war die Fassade der Kurtine von Planen abgedeckt um das Umfeld vor zu viel Staub und Dreck zu schützen.

Der über dem Tor der Kurtine angebrachte Adler mit dem Monogramm „FR“ entspricht etwa dem verschwundenen Original.


April 2010

März 2011

Viele Fassaden der Festungsanlage wurden umfangreich restauriert. Bei der Wiederherstellung hat man besonders darauf geachtet, dass die Fassaden wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurden. So wurden sie teilweise neu verputzt. Bei steinsichtigen Oberflächen mussten vor allem Fugen ausgeräumt und erneuert werden um zu gewährleisten, dass sich keine Steine lockern. Gesimssteine an Übergängen zu den Dächern waren auszutauschen und Einwuchs von Kletterpflanzen, der zur Lockerung des Mauerwerksverbundes führte, musste entfernt werden. Im Bereich des Oberen Schlosshofs wies der Putz erhebliche Schäden durch eindringende Feuchtigkeit auf. Teile der Schäden sind am nördlichen Teil der Oberen und Unteren Terrassenbatterie noch immer zu erkennen. Die alte Fassade (2008) im Vergleich zur verhangenen (2010) und restaurierten Front der Kurtine (Fotos Mitte und unten). Die Originalfassade wurde wiederhergestellt, die beiden oberen Stockwerke verputzt und in preußisch gelb gestrichen.

Einer der Treppenaufgänge, die von der rechten Seite der Kurtine zu den oberen Etagen führen. Sie dienten den Soldaten zur Verteidigung von Landund Rheinbastion.

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März 2011

Festung Ehrenbreistein - Bilder des Wandels  

Unser Buch begleitet und dokumentiert die größte jemals vom Land Rheinland-Pfalz durchgeführte Baumaßnahme auf dem Ehrenbreitstein. Dort wu...