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Als wir die Einladung für die Ausrichtung einer Ausstellung vom Marburger Kunstverein erhielten, war die erste Frage, die sich uns stellte, die nach einer möglichen Selektion. Welche Arbeiten könnten die Vielfalt der Fachbereiche, die unterschiedlichen Fakultäten und die Universität als selektive Werkschau abbilden? Sehr schnell wurde klar, dass bereits in diesem Stadium der Kuration ein »Weichenstellen«, welches die Perspektive und somit den Facettenreichtum der Werke sofort eingeschränkt hätte, wenig hilfreich sein würde. Zwar tragen die unterschiedlichen Fachbereiche zweier Fakultäten den Begriff des künstlerischen Schaffens schon im Namen — das Anschreiben, das uns vom Direktor der Marburger Kunst-Institution erreichte, sprach jedoch die gesamte Bauhaus–Universität Weimar an. Die mögliche Definition einer repräsentativen Arbeit in diesem Kontext konnte vielleicht schlicht und einfach die einer hervorragenden Idee, einer »Erfindung« oder die einer gelungenen wissenschaftlichen Untersuchung sein, ganz gleich aus welcher Fakultät oder aus welcher verbindenden Kollaboration diese auch immer stammt. Hier zeichnete sich auch schnell ab, dass wir es mit gänzlich unterschiedlichen Herangehensweisen und Tätigkeiten zu tun haben, von Interims–Ergebnissen bis hin zu finalen Werken. Wir wollten also keineswegs nur Arbeiten zeigen, die in der zeitgenössischen Kunst oder im Design verortet sind. Bei unserer Recherche, bei der Studierende und Mitarbeiter aller Fakultäten mithalfen, und bei der Frage, welche Arbeiten sie für wichtig halten,

»Das Schwierige ist nicht Dinge zu machen, sondern die Bedingungen zu schaffen, unter denen man sie machen kann.« (Constantin Brâncusi)

VORWORT von Prof. Markus Weisbeck, Mathias Schmitt & Michael Ott

Die Werkschau von Studierenden und Alumni der Bauhaus–Universität Weimar zeigt Arbeiten als Experimente, Fragmente und Skizzen.

Einen Vorschlag (engl. proposal) oder derer sogar viele zu unterbreiten, ist aus theoretischer Sicht als eine kulturtechnische Geste der Wissensorganisation zu begreifen, die auf eine prinzipiell offene Kommunikation und diskursive Verhandlung zielt und in einzelnen Fällen auch praktisch wirkt, wenn und wo sie Gegen– und Neben– sowie Ergänzungsvorschläge nach sich zieht. Vorschläge zu unterbreiten, bedeutet, Situationen auf Perspektiven hin auszuloten und solche hypothetisch oder experimentell auszutesten, die nicht schon immer gesetzt und bewährt oder bekannt sind und den Blick auf Unbekanntes und Mögliches ausrichten. Einen Vorschlagscharakter kann aber nicht nur ein sprachliches Gebilde annehmen. Auch Dinge, Objekte, Fotos, Installationen, Entwürfe, Skizzen, Sammlungen, Diagramme, Proben etc., so will es die Ausstellung 77 Proposals, können diese produktive Geste vollziehen und dabei an sich selbst eine mehr oder weniger tentative und exemplarische Vermittlung von Begrifflichkeit und Anschaulichkeit, von Abstraktion und Konkretion, von Planung und Zufall übernehmen, kurz: sie können wissensbildend agieren und zu praktischen wie epistemischen Anschlussreaktionen animieren. In der

Das Denken in Vorschlagsform von Prof. Dr. Christiane Voss

ergab sich nach und nach das immer schärfer werdende Panorama einer ersten subjektiven Selektion. Unterschiedlichen Medien folgten unterschiedliche Materialien und darüber hinaus unterschiedliche physische Größen. Um diese Vielfalt in ein schlüssiges szenographisches Bild zu überführen, entschieden wir uns rein formal für eine einfache »Farbzensur«. Selektiert wurden Arbeiten, deren äußeres Farbspektrum zwischen Schwarz und Weiß liegt. Ökonomisch wie auch zeitlich half uns diese Einschränkung auch bei der entstandenen Publikation, die im selben Farbraum realisiert wurde. Mit dem englischen Wort »Proposals« im Titel haben wir einen umfassenden Begriff gewählt, der die kaleidoskopartige Vielfalt betont und in Analogie zum Bauhaus in Weimar den Laborcharakter der Ausstellung hervorhebt. Ausstellung werden konkret 77 manifest gewordene Vorschläge aus den Bereichen der Architektur, des Bauingenieurwesens, der Medien und der Kunst/Gestaltung vor die Sinne gestellt, ohne dass dabei eine eindeutige Übersetzung des nahezu irrealen Spannungsraums mitvorgegeben wäre, der sich zwischen den allesamt in schwarz–weiß gehaltenen Exponaten aufspannt und zum eigentlich experimentellen Laboratorium der Ausstellung wird. Die räumlich und inszenatorisch ermöglichten Beziehungen und Wechselwirkungen, welche die Exponate nun untereinander eingehen, indem sie sich wechselseitig und vermittelt über die Affizierung von Rezipienten in Frage stellen, kommentieren, doppeln, ironisieren, dramatisieren oder auch ignorieren, bilden eine fragile ästhetische Verhandlungszone aus, in der die ursprüngliche Kontexteinbettung und damit auch Entstehungsgeschichte der einzelnen Vorschläge merkwürdig ungreifbar werden. Die Exponate haben die Orte und Grenzen ihrer fakultären Heimaten verlassen und bilden hier neu versammelt eine Art Migrations– Heer, bestehend aus lauter materialisierten Vorschlagsgesten ohne Markt und Abnehmer. Rezipienten sind zwar aufgefordert, sich ein Bild vom Ganzen der Ausstellung zu machen. Doch es bleibt unklar, um was für ein Ganzes es sich hier eigentlich handelt. Denn gemäß der kuratorischen Politik der egalitären Verteilung der Dinge im Raum werden chemische Materialproben, typographische Entwürfe und rätselhafte Dinge und Skizzen mit auf den ersten Blick als Kunstprodukte erkennbaren Artefakten gleichberechtigt nebeneinander präsentiert. Dieses räumliche Arrangement der Dinge und Präsentationen wird so selbst als eine wissensbildende und potenziell politische Operation greifbar, weil es durch sie überhaupt erst zu einem sinnproduktiven oder auch sinndurchkreuzenden, jedenfalls dynamischen Mit– und Gegeneinander des so Konstellierten kommt. Damit folgt die Ausstellung ihrerseits einem performativen Denken in Vorschlagsform, das zum einen die prekäre Identität von Proposals zwischen Wissenschaft, Technik und Kunst reflexiv hervorstellt und sich zum anderen in einer Art Re– Entry–Logik auch selbst verdoppelt, da die Ausstellung sowohl den Rahmen der migrierten Expo-

nate ausmacht als auch Exponat ihrer selbst wird. Die Frage, die sie nebenbei mitaufwirft, nämlich, wo Kunst aufhört und gegebenenfalls anders und wieder neu beginnt, bekommt dergestalt auch etwas Spielerisch–Experimentelles und fungiert mehr wie ein ironischer McGuffin der Ausstellung, denn als allzu ernste Leitfrage. Nicht zuletzt ihr eigener, paradox ziellos anmutender Vorschlagscharakter macht sie zu einem erfrischend ironischen Echolot zu den häufig so humorlosen Kunstbiennalen. Die 77 Proposals mögen aus medienphilsophischer Sicht betrachtet einer diagrammatischen Form der Wissensbildung entsprechen, die im Unterschied zu rein begriffstheoretischen Wissensbildungsprozessen aus der Verschränkung von Darstellung, Vorstellung und Praxis hervorgeht und auf die materielle Verfertigung von Wissen abhebt. Doch auch diese Einordnung wäre nur ein weiterer, und wie ich meine, unbefriedigender Versuch, das prinzipiell Offene, Unbestimmbare und Halbmethodische dieser migrierten Hybride auf eine Lesbarkeit festzulegen, die sie augenzwinkernd abwehren.

Ausstellung Alumni & Studenten Bauhaus–Universität Weimar

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Marburger Kunstverein 19. April — 30. Mai 2013

















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Tote Bag Daniel Burchardt

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Enchanted by the quiet Alexander Lembke

Vanitas Still Life Mothership Julien Simshäuser

Übergroße Stoff Tasche entstanden für die MY BAUHAUS IS BETTER THAN YOURS Ausstellung 2011 in Mailand, Italien.

Fotoserie aus einem Langzeitprojekt über die finnische Saunakultur. Es geht um ihre Tradition, radikale Veränderungen und ihre momentane Realität.

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Gipsskulptur Sabine Eichholz

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Port

Im Vanitas Stillleben kommen mehrere virtuelle Ready-made Objekte zu einem computergenerierten Rendering zusammen. Diese verkörpern die Vergänglichkeit des Lebens auf eine zeitgenössische Weise.

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Illustration & Mode — bildlich gesprochen Illustrationskurs Laura Ann Huber

Einmal im Jahr erscheint das studentische Magazin der Bauhaus-Universität Weimar, dessen Organisation, Redaktion und Gestaltung komplett in studentischer Hand liegt. Gezeigt werden studentische Arbeiten aller Fakultäten.

Vorausgesetzt man kennt die Techniken, kann Illustration unendlich viele Stimmungen und Welten erschaffen. Die Studierenden haben sich ein Repertoire an Techniken erarbeitet, mit dem sie sich vor allem dem Thema Mode näherten. (Arbeiten von Philip Lucas Bell, Judith Reischmann, Marian Bodenstein, Stefan Kowalczyk, Elisa Trebstein)

Betondünnschliffe aus Alkali– Kieselsäure–Reaktion (AKR) AN geschädigten Bauwerken F. A. Finger–Institut für Baustoffkunde (FIB) Weimar / Arbeitsgruppe Mineralogie

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Sauerstoffspeicherfähige Keramiken Manuel Heidenreich fa ku ltät bau i ngen i eurwesen

Als Materialsysteme für die keramische Sauerstoffspeicherung und –produktion kommen grundsätzlich alle Materialien in Frage, welche eine endliche Phasenbreite aufweisen. Dabei steht die Größe der Phasenbreite in direkter Relation zur Sauerstoffspeicherkapazität.

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Timber Framed Grid — El Lissitzky Meets Hilla & Bernd Becher Marius Beine

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Valencia Caroline Schlüter Betonschäden durch eine Alkali–Kieselsäure–Reaktion.

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Die Ideen der konstruktivistischen Bewegung kombiniert mit Fotos von Fachwerkhäusern aus Siegen von Hilla und Bernd Becher. Anstatt des vollen Bildes sind Teile zu sehen, die in einem Rastersystem neu angeordnet sind.

Plastikseminar Günther Herfurth

Die Prägung ist eine Weiterführung eines fotografischen Projekts, in dem es um die anonymen und immer gleichen Plattenbausiedlungen verschiedener Länder ging. Sie zeigt einen Ausschnitt aus dem Stadtplan von Valencia. Arbeit aus dem Plastikseminar bei Günther Herfurth.

MARBURGER KUNSTVEREIN

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Units of Time René Schwolow

Superspitze Grotesk Patrick Martin

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Behind the Sunset — Fotografische Lith–Prints Maik Gräf

Serie von Wanduhren mit schleichendem Uhrwerk. Bestehend aus drei einzelnen Modulen, die Stunde, Minute und Sekunde anzeigen, spielen sie mit unserer Wahrnehmung.

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L a Familia Johanna Hoppe

Eine Schrift, die geometrisch gestaltet ist und dennoch optisch so angepasst, dass ausgeglichene und für das Auge angenehme Formen entstehen. Ebenso bietet sie Alternativbuchstaben, deren Formen an Jugendstillettern angelehnt sind. Auf den Negativen, die Ausgangsmaterial der Serie darstellen, sind Wolkenformationen im Gegenlicht des Sonnenuntergangs zu sehen. Durch die Entwicklung der Bilder mit Lith-Entwickler in der Dunkelkammer, sind neue Bildwelten entstanden.

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Das Unbekannte Johannes Abendrot

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21 Felix Obée

Sechs Personen der Familie der Künstlerin abgeformt und abgegossen.

Mit den Worten: »Ich bin gleich wieder da…« verlässt der Student zu Beginn seiner Verteidigung unangekündigt den Raum und kehrt erst nach Ende der Vorstellung zurück. In den 20 Minuten Präsentationszeit bestand die Möglichkeit, Das Unbekannte kennenzulernen.

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Test VI/2 Michael Großmann

»picture that sound«. 20 verspiegelte Lautsprecher sind Ornament, sind Textur, sind ein Bild, sind 20 Bilder, sind ein Lautsprecher. »21« ist ein formelles Experiment, entstanden bei den Arbeiten an dem formellen Experiment »Diskokugel«.

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Meteorotopie Ina Niehoff

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Eine experimentelle Untersuchung zur Farbe Schwarz, ein Versuch Schwarz zu erzeugen. Die Arbeit ist als Testobjekt anzusehen, welche sich konsequent und ausschließlich mit der Farbe und ihrer Wirkung auseinandersetzt.

Semi-R andom-Formen — Ableitungen aus dem Chaospendel Christian Krüger

Wir können das Wetter nicht beeinflussen, es beeinflusst uns. Es verändert sich stetig und wiederkehrend.

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Magazijn–Allrounder Jens Zijlstra fa ku ltät gesta ltung

Grundlage der Formstudien ist filmisches Material eines sich bewegenden Chaospendels. Für den Teil der Serie, der ausgestellt ist, wurden zufällig gewählte Filmstills als Querschnittvorlagen zur Generierung von Rotationskörpern verwendet.

Die Verwendung hochwertiger Materialien und die fachmännische Fertigung gewährleisten hohen Komfort und Langlebigkeit. Die Tasche besteht aus sorgsam ausgewähltem Leder, recycelten Fahrzeuggurten und -schlössern und robustem Sonnensegeltuch im Innern.

Gemüse Friedemann Albert

Zucchini und Chinakohl aus Porzellan. Die Arbeit versteht sich als Teil einer gesamten gestalterischen Untersuchung von Gemüse.

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Bauhaus–Universität


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Spielhaus Fabian Onneken & Jan Keinath

Blowjob Benedikt Braun

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Gebäudelehre Prof. Schmitz

Ultrafreie Kunst thematisiert durch eine Kerze und einen Ventilator.

Am Anfang war ein Haus. Der Akt des Kopierens weckt die schlummernde Märchenhaftigkeit im Banalen. Die Aufdoppelung des Hauses schafft neue Möglichkeiten und Abhängigkeiten, welche Begriffe wie Oben und Unten, Dach und Boden etc. verwandeln.

Das Entwerfen von Gebäuden ist eine gestalterische Antwort auf ein Programm und eine spezifische Umgebung. Der Entwurfsprozess als Mittel zum Verständnis eines architektonischen Problems. Entwerfen ist mehr Hypothese als Antwort.

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H3045 & H2045 René Schwolow fa ku ltät gesta ltung

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Credo Shoe Concept Jennifer Rieker

Ohne Titel Kimberly Meenan

Hocker aus einem kombinierbaren Stecksystem.

Ein modulares System für langlebige Schuhe. Die Komponenten sind aus nachhaltigen Materialien und werden mit aufgedrucktem Schnittmuster geliefert. Der Nutzer lässt daraus das Lederteil fertigen und kann den Schuh anschließend ohne Klebstoff zusammenbauen.

Alltagsgegenstände in einer bestimmten Komposition arrangiert. Diese erzeugt eine Spannung zwischen historischen und religiösen Reliefbildern und einer Heiligsprechung des Alltäglichen

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BT5830 René Schwolow

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Untitled (in between, us) Marc Bredemeier

Down By The River — Näherung an einen Ort in Los Angeles Michael Kraus

Beistelltisch aus vier Steckelementen zusammengefügt.

Die Diplomarbeit versucht, im Verständnis von Entwurf als Prozess und geleitet von Beobachtungen, Bildern und stadträumlichen Referenzen, zu einer Architektur zu finden, die sich aus dem Thema eines Ortes entwickelt. Zwischenmenschliche Beziehungen als dynamische Systeme, die sich konstant verändern. Wie lebende Organismen haben diese Beziehungen einen Anfang, eine Lebensdauer und ein Ende.

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Stolen Music Florian Bräunlich

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Ikebana Katharina Hüttler

Der Ton einer Schallplatte wird physisch und nicht optisch erfasst, wodurch es möglich ist, das Medium in verschiedenen Materialien abzubilden und zu erfahren. Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Klang der Stoffe und der Vergänglichkeit durch Rotation.

Diese Fotografie ist eine Anlehnung an die japanische Kunst des Blumenarrangierens: Ikebana.

MARBURGER KUNSTVEREIN

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Die Schöne Martin Lang

The Family Hamlet Gordon Selbach

Ohne Titel Berit Schönfelder

Die Schönheit als Typeface enthüllt.

Zwei Häuser in den abgelegenen Tälern Cumbrias, an der Irischen See, sollen eine völlig zerstrittene Familie beherbergen. Das ‚Family Hamlet‘ untersucht, ob Architektur gestörte zwischenmenschliche Beziehungen beeinflussen kann. fa ku ltät gesta ltung

First Snow Ina Niehoff fa ku ltät gesta ltung

GefäSS der Noosphäre Peter Schwartz fa ku ltät gesta ltung

Meta Side Table Sebastian Schönheit

When it snows on me, it also snows on you. Kept first snow, melted now, from 2011/12 and 2012/13.

Diese Urne ist der Versuch, ein physisches Echo von Personen zu erhalten, die Erinnerung an einen Menschen in Form zu festigen. Grundgerüst dieser Form sind mehrere Ringe, welche für die unterschiedlichen Eigenschaften eines Menschen stehen.

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Bestehend aus horizontal und vertikal angelegten rechteckigen und runden Formen aus pulverbeschichtetem Stahl ändert sich Metas Form von delikat und dünn zu kräftig und voll, je nach Blickwinkel.

Ismen Raúl Kokott

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Flugversuch Jörg Brinkmann

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Ohne Titel Deborah Tschepe

Ismen, also diejenigen Wörter, welche mit -ismus enden, erheben mit einem gewissen »Absolutismus« den Anspruch, die Welt zu beschreiben. Sie sind Gedankengebäude mit einer gewissen inneren Logik, berufen sich aber oft auf selbsterschaffene Gesetze.

Ein Bild, das stark an die Oberfläche eines Meeres erinnert. Es ist Teil einer Serie, die sich mit der Qualität von Linien und Strukturen befasste und bediente sich der Technik der Radierung.

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Human Game and Mental Hunters Kristin Herzinger

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The Chicken Loop Florian Fischer

Mechanische Flügel auf dem Rücken, durch Muskelspannung gesteuert, wie bei einer modernen Prothese. Doch anstatt ein Körperteil zu ersetzen, werden durch die Flügelprothese neue Gliedmaßen hinzugefügt. Ein Fluggerät, mit dem man nicht fliegen kann.

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Rissheilender Mörtel / Beton Andreas Hecker

Albuminprint. Hergestellt aus dem Albumin der Eier des portraitierten Huhnes.

Ziel des Projektes war die Entwicklung von selbstheilendem Mörtel für Kunst- und Kulturdenkmäler, um die erfahrungsgemäße Lebensdauer von Mörtel von ca. 30 Jahren auf 80 Jahre zu erhöhen. 77 Proposals

Ein Film über Diana. Das Jagen ist ihre einzige Leidenschaft. Doch Jägerin zu sein, bedeutet nicht nur das Erlegen von Wild, sondern auch verantwortungsund respektvollen Umgang mit Tier und Wald.

Bauhaus–Universität


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40 Minutes of Bangladesh uncommented Philip Zeller

Shoes Anne Gorke

Seelenkiste — Auf der Suche nach Arkadien Matthias Prüger, Manuel Rauwolf & Ulrike Wetzel

Eine Flut an Eindrücken, eine erste Begegnung mit einem überwältigenden Land. Erinnerungen in bewegten Stills.

Anne Gorke für deepmello. Holzsohle und Rhabarberleder.

Eine mobile temporäre Schlaf- und Forschungseinheit, die Raum bietet, die Seele baumeln zu lassen, als Werkzeug auf der Suche nach uns Selbst. Die Einfachheit des Inneren lenkt nicht von der Erforschung der Potentiale möglicher Standorte ab.

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Gaze Franziska Wilke

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Vom L and Collection — Backpacks Wiebke Müller

Ich bin eine freie Maschine Andreas Sieling

Die Rucksäcke werden aus einer Kombination von Velours, Vintageleder und Baumwolle hergestellt. Diese Arbeiten sind aus einer Faszination für das satte Schwarz der Druckfarbe und den Kontrast zu den feinen Strukturen der Gaze entstanden.

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Sid & Chad Marie Burkard

Einen Nagel in Fliesen schlagen geht nicht. Was passiert, wenn man es doch versucht, weil man es kann, das zeigt dieses Werk. fa ku ltät gesta ltung fa ku ltät m ed i en

Portrait of Chance Moritz Wehrmann

Rouge Sur Blanc Lisa Dinges

Sid & Chad sind zwei Flaschen aus Porzellan. Ihre konvexen Formen sind kompakt und weich, gleichzeitig auch hohl und vital.

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Einen Selbstporträt des Künstlers, hergestellt aus einer Vielzahl von Würfeln.

Conbou high heel Wassilij Grod

Tiefes Rot trifft auf leuchtendes Weiß. Ein Rotweinglas aus Porzellan, das sich bescheiden dem klassischen Tafelservice anpasst, trotzdem auffällt und ein aufregendes visuelles und haptisches Erlebnis verspricht.

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Der Ast Johannes Siebler

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Bitumen–Köpfe Konstantin Bayer

Ein flexibles Möbelstück für drinnen und draußen. Wegen der Leichtigkeit sehr mobil.

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Die Installation besteht aus einem servogelenkten Sägeblatt, das auf einem Ast montiert ist. Die Säge bewegt sich jede Sekunde und arbeitet sich langsam durch die Jahresringe.

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Die genutzten Materialien bilden für den Künstler sowohl universelle Zusammenhänge als auch spezifische menschliche Verhaltensweisen ab.


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Ohne Titel Fabian Fontain

Formfassadenbausteine Hubert Schiefelbein

AB Florian Apel & Manuel Birnbacher

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Lines 45 Kilo

Der Bildhauer Hubert Schiefelbein entwickelte solche Formsteine in seiner Zeit als Professor für Bauplastik an der Hochschule für Architektur und Bauwesen (HAB) in Weimar.

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Van de Velde zum Selberbauen Lisa–Maria–Heiermann

Ein Still aus einer audiovisuellen Installation. Die Arbeit AB, in Kooperation mit dem Pathologischen Museum der Berliner Charité, beschäftigt sich mit dem Thema Krankheiten am und im menschlichen Körper.

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The spacedevice for the visualization of electro–magnetic waves Elena Galitsch

Inspiriert von Dieter Rams 606 Universal Shelving System. Ein Set minimalistischer Regale aus gefaltetem Stahl. Mit Linien dient es der Verwendung in der Küche oder im Bad. Mit einem geschlossenen Boden ist es ein ideales Bücherregal.

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Der Bausatz enthält acht Beton-Bausteine, mit denen sich zum Beispiel das Portal der Van-de-Velde-Werkstatt in Weimar nachbauen lässt.

Giegling

Die Installation ist eine Komposition eines Radiotransmitters und einer Zahl von Receivern in Kombination mit Licht. Der Nutzer dient durch seine Anwesenheit als Quelle der Irritation und hat Einfluss auf die Wellenübertragung. fa ku ltät gesta ltung

überNormative Jeremias Urban

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Horizonte Das in Weimar gegründete Plattenlabel Giegling entstand von Freunden aus einer gemeinsamen Musikleidenschaft für House und Techno, die ursprünglich für Gleichgesinnte in verlassenen Weimarer Gebäuden Partys veranstalteten.

Diagnostische Betrachtungen von heiligen Schriften nach Röntgen.

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Marius Müller–Weitersagen Jakob Hoff

Zeit-Weg–Gesetz — Maschine Adrian Palko

Die studentische Initiative präsentiert im Sinne einer Werkschau von Architektur, Kunst und Design unterschiedliche Theorien, Objekte und Berichte. horizonte versteht sich als open source und ist nur dem Engagement verpflichtet, neue Perspektiven zu eröffnen.

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Wohnungsbau Prof. Walter Stamm–Teske

Weitersagen singt Westernhagen.

Eine Videokamera, die jegliche Bewegung filmt, kombiniert mit einem Fernsehbildschirm, der das Bewegtbild überträgt, einem Scanner der es einscannt, einem PC, der es weitergibt und einem Drucker, der es ausgibt. 77 Proposals

Untersuchungen am Lehrstuhl Wohnungsbau. Visualisierung anhand von Modellen.

Bauhaus–Universität


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Digit WeAreMedienkuenstler

Selektion Prof. Markus Weisbeck, Mathias Schmitt & Michael Ott

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Das Denken in Vorschlagsform Prof. Dr. Christiane Voss

Eine medienphilosophische Perspektive auf die Ausstellung.

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Sieben Lichtleisten bilden mit 14 Neonröhren eine großformatige Digit-Anzeige. Die Ziffer zeigt wachsende Zahlenwerte an: Der Wert wird angezeigt, den die Lichtinstallation an Strom (Watt/Stunde) bis zu diesem Zeitpunkt verbraucht hat, um sich selbst darzustellen.

Kuratierung der ausgestellten Arbeiten aller Fakultäten der Bauhaus–Universität.

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FOToGR AFIEN Mathias Schmitt & Michael Ott

POSITIONEN BEZIEHEN Prof. Dr. Frank Hartmann fa ku ltät gesta ltung

Gestaltung Enno Pötschke & Frieder Oelze

Medienphilosophischer Essay. Inszenierung der Ausstellungsfotografie. Fotografie und Ausstellungskonzeption stehen in einem engen formellen Bezug und beeinflussten sich gegenseitig.

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Exponatlabels Merle Hagelüken

Die Gestaltung stellt in abstrahierter Weise die Kaleidoskophaftigkeit der Ausstellung dar.

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Arrangements Sebastian Schönheit & Ina Niehoff

Ein medienwissenschaftliches Studium, Schwerpunkt Exponatlabels. Ein Versuch, Arbeiten als Experimente, Fragmente und Skizzen mittels Text möglichst knapp zu beschreiben.

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Das Eminem Laboratorium Katrin Steiger Die Ausstellung der Bauhaus–Universität im Marburger Kunstverein inszeniert auf szenografische Weise den Raum durch einzelne Inseln, die als Exponatträger dienen. Bewusst wurden die Ausstellungsflächen und nicht die Wände thematisiert.

In einem Labor wird praktisch gearbeitet und geforscht. Eine Performance und Installation zum Eröffnungsabend der Ausstellung.

MARBURGER KUNSTVEREIN

77 Proposals


77 Proposals

Bauhaus–Universität

















Prof. Markus Weisbeck Prof. Dr. Christiane Voss Prof. Dr. Frank Hartmann fotografien Mathias Schmitt, Michael Ott (schmott photographers) gestaltung Frieder Oelze, Enno Pötschke druck Vier–Türme GmbH Benedict Press auflage 750 www.herbert.gd www.uni–weimar.de/gestaltung www.marburger–kunstverein.de

Besonderen Dank an

Ein Projekt von

von hier aus die Ordnung der Dinge oder gar die Grammatik des Seins zu befragen — und von welcher Position aus?

IMPRESSUM

texte

kret und eindeutig in eine Ontologie einzubinden, wie es in natürlichen Sprachen und hybriden Kulturen aber eben nicht möglich ist. Das Phantasma der ultimativen Signifikation taucht als Idee der Reinheit immer wieder auf, ebenso das Problem der Translation nicht nur zwischen Sprachen und Kulturen, sondern zwischen Ontologien, gerade unter den Prämissen ihrer um sich greifenden Algorithmisierung. Zu den Bedingungen der Möglichkeit infogener Existenz zählt nicht nur die berühmte systemtheoretische »Unterscheidung«, sondern auch die Ausdrucksmodalität im Universum aller möglichen Daten und zugehörigen Meta–Daten. Herausforderung ist die technologische Verdichtung epistemischer Räume. Identität löst sich in Richtung netzwerkartiger Gebilde auf, die flüchtig sind analog zur Metapher vom Schaum, der nur hält, solange sich seine Oberflächenspannung nicht verliert. Der Soziologe Bruno Latour spricht treffend von »Hybrid–Akteuren«, denn der Mensch handelt nicht von einer definitiven Position aus, sondern wird von ebenso den Dingen her bestimmt, die ihn artikulieren. Wer wollte es noch wagen,

Die Bauhaus–Universität, die Professorinnen und Professoren sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der vier Fakultäten, ohne deren Leitung diese Projekte nie entstanden wären. Christane Linsel, Herrn Pätzold und das gesamte Team des Marburger Kunstvereins. Die Werkstätten, insbesondere Jörg von Stuckrad (Druck) und Andreas Riese (Holz). Franziska Wilke und Jonas Mahlzahn für die Co–Kuration in der freien Kunst und Architektur, Doreen Erfurt und Manuel Heidenreich für die Beratung im Bereich Fakultät Bauingenieurswesen. Das Aufbauteam: Christian Krüger, Christoph Grumpelt, René Schwolow, Ina Niehoff, Katrin Steiger, Jens Zijlstra, Florian Bräunlich, Marc Bredemeier, Moritz Schell, Frederic Seybicke. Die Sponsoren für die Finanzierung.

Position beziehen von Prof. Dr. Frank Hartmann Die Abbildung aus dem Traktat des britischen Bischofs John Wilkins, An essay towards a real character, and a philosophical language (London 1668) zeigt sehr treffend, wie sich ausgehend von einem bestimmten Standpunkt Position verhandeln lässt und wie sich daraus die grammatikalischen Präpositionen ableiten. Bezugnahmen, Verhältnisse, Möglichkeiten der Position, von einem Häufchen Dreck inmitten des Universums her beansprucht, woher auch sonst? Wie so manche Gelehrte der frühen Neuzeit war dieser Bischof Wilkins besessen von der Vorstellung einer definitiven Sicherung von Bedeutung. »Real characters« wären für ihn Elemente einer idealen Sprache mit unzweifelhaften Bedeutungsvektoren. Ziel einer solchen Idealsprache — die Geschichte kennt hunderte von Entwürfen dazu — wäre es, alle Dinge des Universums so kon-

DANK An