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uf den a n e s heis wir sc

n e h c r a m z n i pr


INHALT

Warum wir immer noch und wieder auf den Märchenprinz scheißen

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Ein Kampf seit mehr als 100 Jahren – und er geht weiter

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Geschlechtergerechte Sprache

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Hausfrau - Mutter - Sexikone - und am Besten alles in einem Niedrigeinkommen = Fraueneinkommen Frauenquoten – Ein Schritt für Frauen an die Spitze zu gelangen Ganze Männer gehen in Karenz

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Nicht mit mir, nicht mit ihr, nicht mit uns. Gegen Sexismus und sexuelle Belästigung Prekarisierung ist weiblich. Fair statt Prekär

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Ausbeutung zum Schnäppchenpreis

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Migrantinnen haben's doppelt schwer

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Internettipps - Frauenlinks

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ch und wieder Warum wir immer no iBen. auf den Marchenprinz sche

Frauen werden in vielen Lebensbereichen benachteiligt und diskriminiert: zu Hause, im Kindergarten, in der Schule, auf der Uni, am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis.

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Noch immer wirken viele Rollenklischees, die Frauen und Mädchen ein bestimmtes Bild davon aufzwängen, wie sie sein und was sie tun sollen, und die sie schon im Kindesalter in bestimmte Schubladen mit Puppen stecken.

Frauen und Madchen sollen schon sein, sich anpassen, nicht laut sein und sich mit dem zufrieden geben was sie bekommen. Vor allem sollen wir Frauen auf den Märchenprinz warten, der uns auf seinem Pferd abholt und uns auf sein Schloss bringt.

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Dieses Märchen geht für Frauen jedoch selten gut aus. Ökonomische Abhängigkeit, Doppelbelastung, Rollenklischees, Sexismus, Diskriminierung im Job und andere Dinge hindern viele Frauen daran ein selbst bestimmtes Leben zu führen.

Deshalb scheiBen wir auf den Marchenprinz. „Immer noch“ und „wieder“, weil diese Broschüre überarbeitet wurde und nun zum dritten Mal aufgelegt wird. Das große Interesse an unserer Kampagne hat uns gezeigt, dass sich viele Frauen keine Märchen mehr erzählen lassen wollen. Eure GPA-djp Jugend-Frauen

Redaktion: Sabrina Gallistl, Barbara Kasper, Barbara Marx, Verena Mischitz

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als 100 Jahren r eh m it se pf am K in E und er geht weiter von Barbara Kasper

2011 jährt(e) sich der internationale Frauentag zum 100. Mal. Viele Forderungen wurden bereits umgesetzt, viele liegen noch auf dem Tisch. Feminismus und der Kampf um Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen ist aktueller denn je.

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1911 fand er zum ersten Mal im Kampf um Gleichberechtigung und Wahlrecht statt. Millionen von Frauen in Dänemark, Deutschland Österreich, Schweiz und USA nahmen teil und forderten ausreichenden Mutter- und Kinderschutz, den Achtstundentag und gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Die Wurzeln liegen aber vor 1911. Die Tradition geht auf die Arbeiterinnenbewegung zur Wende des 19./20. Jahrhunderts zurück. Frauen der Arbeiterinnenklasse wurden seit Beginn des Kapitalismus doppelt ausgebeutet – als Frauen und in der Fabriksarbeit. Zum einem mussten sie schlecht bezahlte, unter menschenunwürdigen Bedingungen, oftmals gesundheitsschädliche und gefährliche Arbeit in Fabriken verrichten. Zum anderen waren sie für den Haushalt und die Kinder zuständig. Die schulische Bildung in der Kindheit kam oft viel zu kurz.

Kampfen und solidarisieren Es gab zahlreiche Frauenkämpfe, um bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und bessere Arbeitszeiten. Ein Ergebnis war die Festlegung eines internationalen Frauentages bei der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 auf die Initiative von Clara Zetkin. Fixiert wurde der 8. März als Internationaler Frauentag aber erst 1921. Einerseits soll dieses Datum an den Streik der New Yorker Arbeiterinnen der Firma „Cotton“ (1908) erinnern. Sie wurden von den Aufsehern in der Fabrik eingeschlossen, um zu verhindern, dass sich andere mit ihnen solidarisierten. Unter ungeklärten Umständen brach ein Feuer in den Hallen aus, bei dem 129 Frauen ums Leben kamen. Andererseits war der Streik der Textilarbeiterinnen in St. Petersburg am 8. März 1917 ausschlaggebend für die Februarrevolution.

Kleine, groBe Erfolge Nach dem ersten Weltkrieg wurden Frauen mehr Rechte zugeschrieben. Durch ihren Einsatz im ersten Weltkrieg

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konnten die leidigen Argumente, dass Frauen nicht die gleiche körperliche und geistige Leistung wie Männer erbringen konnten endlich aus dem Weg geräumt werden. Auch innerhalb der sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien hatten Frauen ihr Recht auf Partizipation und Mitbestimmung erkämpft.

Frauenwahlrecht

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Nicht über Nacht und ohne Kampf, aber in den folgenden Jahren erreichten die Frauen in verschiedensten Ländern Europas das Wahlrecht. In Österreich erreichten sie es bspw. 1918, in vielen anderen nach dem zweiten Weltkrieg, in der Schweiz erst 1971, in Portugal und Spanien, aufgrund der Diktatur, erst Mitte der 70er und in Liechtenstein sogar erst 1984.

Ruckschlag 1932 wurde der Frauentag von den Nazis verboten und durch den Muttertag ersetzt. Dieser vertrat ihr Rollenbild der Frau als Hausfrau und Mutter eher.

Doch der Kampf geht weiter Vor und nach dem 2. Weltkrieg war der Frauentag eng mir den Kämpfen der Arbeiterinnen, Gewerkschaft und Sozialistinnen verbunden. In den 70ern entwickelte sich der Internationale Frauentag zu einem Tag der Frauensolidarität und öffnete sich für Frauen aller Schichten und politischer Ausrichtungen.

Vieles wurde umgesetzt Wesentliche Verbesserungen für Frauen hat es in Österreich erst in den 70ern gegeben. Bruno Kreisky brachte ein neues Familienrecht, nachdem der Mann nicht mehr das Oberhaupt der Familie, der Frau und der Kinder war und somit der Frau auch nicht mehr verbieten konnte arbeiten zu gehen. Auch die Fristenlösung und die pensionsrechtliche Absicherung für die Zeit der Kindererziehung wurden in dieser Zeit ermöglicht. Weiters wurde die Karenz auch für Väter ermöglicht, Mehrarbeitszuschläge für Teilzeitbeschäftigte und das einkommensabhängige Kindergeld. Eines der jüngsten Errungenschaften sind die Einkommenstransparenz und die Transparenz bei Stellenangeboten, die zur Schließung der Einkommensschere von Frauen und Männern dienen soll.

Wir sind noch lange nicht fertig All das sind wichtige Errungenschaften. Doch noch immer verdienen Frauen um rund 1/3 weniger als Männer und sind auch in Führungspositionen unterrepräsentiert, obwohl wir in Österreich mehr Studienabgängerinnen als Studienabgänger haben. In den Top 200 Unternehmen in Österreich sind bspw. nur 9 Prozent der Aufsichtratsmitglieder Frauen. Auch im Nationalrat sind die Frauen mit 50 Abgeordneten von 183 unterrepräsentiert. Wir sehen also, es ist viel passiert, aber noch lange nicht genug! In diesem Sinn „Brot und Rosen“!

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Geschlechtergerecht

e Sprache von Barbara Marx

Immer wieder wird die Forderung nach einer geschlechtergerechten Sprache als feministischer Unfug belächelt. „Frauen seien eh mitgemeint.“, heißt es dann beschwichtigend und damit ist die Sache meist erledigt. Doch das ist sie ganz und gar nicht!

Unsichtbar! Sprache hat Einfluss auf unser Denken und eine Gesellschaft, in der Frauen nur „mitgemeint" sind, kann wohl kaum den Anspruch auf Geschlechtergleichheit erheben. Frauen und ihre Leistungen in der Sprache sichtbar zu machen, bedeutet, sie auch in der Gesellschaft sichtbar zu machen. Denn entgegen gewissen (sprachlichen) Vorurteilen, waren und sind nicht alle Politiker, Wissenschaftler, Künstler oder Revolutionäre nur Männer. Eine Menge Frauen, die damals und heute Wichtiges geleistet haben, dürfen nicht mehr länger nur „mitgemeint“ sein. Wir wollen historische und soziale Gerechtigkeit statt männlichem Vorherrschaftsdenken!

tergerecht formulieren? Doch wie kann ich in der Prax is geschlech Wenn überhaupt nur Frauen gemeint sind, ist es am einfachsten, ausschließlich die weibliche Form zu verwenden. Handelt es sich tatsächlich um eine gemischtgeschlechtliche Gruppe, von der die Rede ist, dann bietet sich das so genannte „BinnenI“ an, wie zum Beispiel in „SchülerInnen“. Eine andere Möglichkeit ist, von „Schülerinnen und Schülern“ zu sprechen oder eine neutrale Formulierung zu verwenden, wie zum Beispiel „Studierende“. Eine Möglichkeit findet sich jedenfalls immer.

So geht es nicht weiter! Daher fordern wir: ► Geschlechtssensible Pädagogik als eigene Schwerpunktsetzung in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen ► Geschlechtsneutrale Formulierungen in allen Unterrichtsmaterialien; besondere Beachtung der vermittelten Rollenbilder und Identifikationsfiguren in Schulbüchern ► Überwinden der Vorurteile in Bezug auf technische und naturwissenschaftliche Begabung von Frauen

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► Förderung von jungen Frauen in männlichen dominierten Schultypen, Studienrichtungen und Lehrberufen

Tipps: www.frauensprache.com Trömmel-Plötz, Senta, 2007: Frauensprache – Sprache der Veränderung. Frauenoffensive


Sexikone Hausfrau - Mutter m und am Besten alles in eine

von Verena Mischitz

Erinnern wir uns an die typischen Werbungen aus den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Was sehen wir? Frauen in schönen Kleidern, perfekt geschminkten Lippen und Modelmaßen stehen in der Küche und zaubern ein Abendessen für ihren hart arbeitenden Gatten. Doch müssen wir, um dieses Bild zu erhalten, wirklich so weit in die Vergangenheit gehen?

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Auch heute sieht man in den verschiedensten Produktanpreisungen schöne Frauen die anscheinend in ihrer Rolle aufgehen, nur eines hat sich geändert: die schönen Kleider sind durch nackte Haut ersetzt worden.

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atze an Frauen - nein ihre Korper - kurbeln die Ums Ob es nun um den Verkauf von Beautyartikeln oder um Autos oder gar Waschmittel geht, im Mittelpunkt steht immer ein Körper der als „perfekt“ bezeichnet werden kann. Doch hinter der straffen Haut und den großen Brüsten steht in den meisten Fällen etwas ganz anderes: ein guter Computer. Die Realität spielt in den Hochglanzmagazinen dieser Welt schon lange keine Rolle mehr, doch nicht die Abbildung verfälschter Frauen an sich ist der größte Gefahrenfaktor unserer Zeit in diesem Bereich: viel gefährlicher ist es, wie sich dieses Bild in den Alltag eingebrannt hat und – teilweise sogar unterbewusst – beeinflusst. Egal ob in der Schule, auf der Uni, in der Freizeit oder am Arbeitsplatz, steht es Männern anscheinend noch immer frei Frauen aufgrund ihres Aussehens zu bewerten. Anzügliche Bemerkungen sind leider noch immer keine Seltenheit und im schlimmsten Fall führen die „geilen Titten“ zu handgreiflicher sexueller Belästigung.

ein Madchen!"

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"Sei

Schon Judith Butler brachte es in ihren Thesen auf den Punkt: Der Satz bei der Geburt „Es ist ein Mädchen.“, bedeutet viel mehr „Sei – werde – handle – wie ein Mädchen.“ Doch wie ein Mädchen oder eine Frau zu handeln hat wird von der Gesellschaft vorgeschrieben. Ob es sich nun um Werbung oder um Bemerkungen im Alltag und in der Berufswelt

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handelt, eine Frau ist oft nur ein Objekt bei welchem es „lustig“ ist nur auf das Aussehen zu reduzieren oder sich anzüglich darüber zu äußern. Doch was niemand in der Gesellschaft vergessen darf, sind die Statistiken deren Zahlen eine beängstigende Entwicklung an den Tag bringen: Die Zahl der an Anorexie oder Bulimie leidenden Mädchen und Frauen wird nicht kleiner, ebenso wenig wie die Zahl der sexuellen Belästigungen am Arbeitsplatz. Egal welche Zeitschriften betrachtet werden, Diättipps, Make-up Anleitungen etc. stehen sehr hoch im Kurs und ganz ehrlich, solche Werbemittel werden nicht dazu beitragen die Situation zu verbessern.

es Gemeinsam gegen Klische Und genau aus diesem Grund ist es nicht nur wichtig sondern eine gesellschaftliche Verpflichtung gegen Missstände anzukämpfen. (Nackte) Frauen sollen nicht als Umsatz steigernde Sexikonen herhalten müssen, der „Witz“ über den „prallen Arsch“ soll nicht als solcher gelten dürfen und Beschwerden weiblicher Arbeitnehmerinnen sollen ernst genommen und (strafrechtlich) verfolgt werden. Die Generation der heutigen Frauen (und auch Männer!) muss dafür kämpfen, dass ihre Töchter nicht mehr in Klischees gedrängt werden! Angefangen bei verbalen Äußerungen, über die Werbemittel bis hin zur „typischen weiblichen/männlichen“ Berufswahl. Wehren wir uns - für uns selbst und für nachkommende Generationen!

er fordern wir: So geht es nicht weiter! Dah ► Verbot von sexistischer bzw. frauendiskriminierender Werbung ► Mehr Sensibiliesierungsmaßnahmen über die Thematik Rollenbilder. Frauen können alles und müssen in kein 90-60-90 Schema passen ► Ansprechpersonen für Frauen, die Opfer von sexueller Belästigung in Schulen, Unis oder Betrieben wurden ► Verstärkte Aufklärung, dass „grapschen“ oder „anzügliche Witze“ keine Lappalien sind sondern Gewalt gegen Frauen darstellen ► Stärkung von jungen Frauen sich gegen sexuell Übergriffe physischer und psychischer Natur zur Wehr zu setzten

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Niedrigeinkommen = Fraueneinkommen von Barbara Kasper

weniger Frauen verdienen 25,5 % Die Unterschiede zwischen den Löhnen und Gehältern von Frauen und Männern sind seit Jahrzehnten in Diskussion. Der Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist bereits in den Gründungsverträgen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft aus dem Jahr 1957 verankert und wurde 1975 durch den Grundsatz des gleichen Entgelts bei gleicher oder als gleichwertig anerkannter Arbeit konkretisiert. Dennoch verdienen Frauen in Österreich noch immer um 25,5% weniger als Männer, das zeigt auch der Frauenbericht 2010 auf. Im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsstaaten zählt Österreich zu jenen Ländern mit sehr großen geschlechtsspezifischen Unterschieden. Obwohl die Erwerbsbeteiligung von Frauen in den letzten 10 Jahren unter den 15–64-jährigen auf 68,6% (2008) gestiegen ist und sich der der Männer annähert, hat sich im Hinblick auf die Einkommensunterschiede nicht sehr viel getan.

Teilzei tarbeit Der Grund der hohen Erwerbsquote von Frauen liegt hauptsächlich an der vermehrten Teilzeitarbeit (2008: 41,5%), welche sich durch das geringere Stundenausmaß an Arbeit, aber auch an einer generell schlechteren Bezahlung gegenüber Vollzeitjobs, auf die starken Einkommensunterschiede auswirkt. Langfristig gesehen wirkt sich Teilzeitarbeit auch stark auf die Pension und somit verstärkt auf Altersarmut aus. Doch allein damit ist es nicht getan, Einkommensvorsprung beruht nicht auf Arbeitszeit allein.

Frauenberufe Ein entscheidender Punkt ist, dass Frauen in Niedriglohnbranchen wie im Handel, Dienstleistungs- und Sozialbereich und Beherbergungs- und Gaststättenbereich überdurchschnittlich öfter vertreten sind als in besser bezahlten Branchen, wie dem Bauwesen,

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Bergbau, Wasser –und Energieversorgung. Aber auch innerhalb der einzelnen Branchen und Berufe verdienen Frauen wesentlich weniger als Männer, wobei die Unterschiede im öffentlichen Dienst geringer ausfallen als in der Privatwirtschaft. Hinzu kommt, dass Frauen besser bezahlte Jobs, Leitungsfunktionen, ChefInnenposten oder Vorstandsposten oft verwehrt bleiben. (Mit Hilfe der Frauenquote soll das in Zukunft verhindert werden)

Karenz Berufsunterbrechung wegen Mutterschutz/ Obwohl sich in den letzten 15 Jahren in Österreich die traditionellen Rollenvorstellungen verändert haben, hat dies aber kaum Auswirkungen auf das Verhalten der Männer bzw. die geschlechtliche Arbeitsteilung. (vgl. Frauenbericht 2010, S. 435) Trotz der fünf verschiedenen Kinderbetreuungsgeldvarianten (eine davon einkommensabhängig) sind es immer noch vorwiegend die Frauen, die nach der Geburt des Kindes zuhause bleiben. Zwar kann zusätzlich zum Bezug des Kinderbetreuungsgeldes dazuverdient werden, was auch viele Frauen nutzen, dennoch darf nicht vergessen werden, dass 36,3% der Frauen, die vor der Geburt des Kindes erwerbstätig waren, noch 32 Monate nach der Geburt des Kindes ohne jegliche Erwerbstätigkeit bleiben. Dies führt nicht nur dazu, dass Frauen vom Partner abhängig sind, sondern auch zu z. B. geringeren Pensionsanspruch aufgrund verlorener Versicherungsjahre. Außerdem werden der Einstieg in den Job und auch der Aufstieg immer schwieriger, je länger diese Pause andauert.

und Beruf Vereinbarkei t von Familie Eine partnerschaftliche Aufteilung, wie das Kind oder die Kinder betreut werden, wer wie was macht ist notwendig, um die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern zu verringern. Denn nicht nur die Mütter, auch die Väter sind geeignet sich um ein Kind zu kümmern, es zu versorgen und Verantwortung zu übernehmen. Dazu braucht es ein ausreichendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen, auch schon für die ganz Kleinen von 0–3 Jahre. Außerdem müssen Frauen die Möglichkeit und das Recht auf Teilzeitarbeit mit Rückkehrrecht auf Vollzeit haben. Das soll verhindern, dass Frauen nach der Karenz auf einen weniger qualifizierten Arbeitsplatz wechseln müssen, weil sie ihre Arbeitszeitwünsche beim/ bei der bisherigen ArbeitgerberIn nicht realisieren können.

fordern Interesse fur andere Berufe Von x-vielen Berufen wählen Frauen, wie auch Männer viel zu häufig die für sie angeblich typischen Berufe wie Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Friseurin. Frauen haben zwar bei der beruflichen Ausbildung deutlich aufgeholt, bewegen sich aber viel zu oft in den einkommensniedrigen Branchen.

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Frauen und Mädchen müssen schon bei der beruflichen Erstausbildung als auch bei der Laufbahn, sei es bei der Lehre, in der Schulausbildung oder Universität, stärker unterstütz werden, damit ihnen auch Jobs mit guten Einkommensperspektiven in Aussicht stehen. Schon in der Kindheit sollten Mädchen nicht in ein Schublade mit Puppen gesteckt werden, sondern auch die technischen oder handwerklichen Interessen gefördert werden..

► http://www.frauen.bka.gv.at/ - Publikationen zum Download ► http://www.statistik.at/web_de/presse/045435 ► Babyalarmbroschüre - ÖGJ

n! So darf es nicht wei tergehe : wir ern ford b hal Des ► Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit – Schließung der Einkommensschere ► Geschlechtsneutrale Bewertung von Arbeit ► Bessere Anrechnung von Betreuungszeiten für den Penionsanspruch ► Maßnahmen, die die Aufstiegschancen von Frauen ermöglichen und fördern ► Flächendeckende, öffentlich finanzierte und kostenlose Kinderbetreuungseinrichtungen ► Gezielte Berufsberatung von Mädchen und jungen Frauen, um auch die „typischen“ Männerberufe interessant zu machen

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Frauenquoten Ein Schritt fur Frauen an die Spitze zu gelangen

von Barbara Kasper

Es ist kein Geheimnis, dass Frauen trotz steigender Erwerbstätigkeit und verbesserter Ausbildung in Top-Positionen wie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien usw. unterrepräsentiert sind, in manchen Bereichen kaum oder gar nicht vertreten. Das mag vielleicht am traditionellen Rollenbild der Frau als Hausfrau und Mutter liegen, aber auch an den Rahmenbedingungen wie zum Beispiel bestehende Männernetzwerke, lange Arbeitszeiten, nicht vorhandenen Kinderbetreuungseinrichtungen usw. bis hin zur „Gläsernen Decke“, die Frauen daran hindert an Spitzpositionen zu gelangen.

Her mit der Quote! Frauenquoten – welche es in unterschiedlicher Form und Verbindlichkeit gibt - sind erwiesenermaßen die effizienteste Methode zur raschen Steigerung des Frauenanteils. So stieg der Frauenanteil im Parlament in Costa Rica nach nur einer Wahl von 19 auf 35%. Weltweit gibt es inzwischen 46 Staaten, die Frauenquoten entweder in der Verfassung und/oder im Wahlgesetz verankert haben. Im März 2011 hat sich die Österreichische Bundesregierung zu Frauenquoten in Aufsichtsräten in staatsnahen Unternehmen verpflichtet. Vorerst sollen die Aufsichtsräte bis 2013 mit mindestens 25 % Frauenanteil besetzt sein, bis 2018 wurde ein Ziel von 35 % vereinbart. Das ist zumindest mal ein erster guter Weg in die richtige Richtung zu einem Frauenanteil von 50 % in allen Bereichen. In Österreich gibt es nur in den Gleichbehandlungsgesetzten für den öffentlichen Dienst verbindliche Frauenquoten von mittlerweile 45%.

Warum Frauenquoten sinnvoll sind Aussagen wie „Möchtest du nur wegen einer Quote diesen Job bekommen?“, oder „Mit einer Frauenquote werden ja die Männer diskriminiert.“, können wir alle, denk ich, echt nicht mehr hören. Eine Frauenquote soll ja nicht schlechter qualifizierte Frauen Männern vorgezogen werden. Im Gegenteil, eine Quote soll qualifizierten Frauen ganz einfach die gleichen, fairen Chancen auf bestimmte Posten ermöglichen. Freiwillig ist es nämlich offensichtlich nicht möglich, das haben wir in den vergangenen Jahren deutlich gesehen. Da passiert gar nichts. Da heißt es dann: „Es gibt ja keine Frau, die sich dafür interessiert oder qualifiziert ist.“ usw. Das ist schlicht und ergreifend Schwachsinn. Frauen sind heutzutage top-qualifiziert und sehr gut ausgebildet, immerhin gibt es in Österreich mehr Studienabgängerinnen als Abgänger. Die Frauenquote soll „Old-Boys-Networks“ aufbrechen und direkte Diskriminierung verhindern. Es gibt Frauen, die für Spitzenjobs qualifiziert sind, sich dafür interessieren und Verantwortung übernehmen wollen, man muss ihnen nur eine gerechte und faire Chance ermöglichen. Wirtschaftsminister Mitterlehner sowie Frauenministerin Gabi Heinisch-Hosek betonten außerdem den wirtschaftlichen Aspekt, es wäre ein qualitativer Nachteil auf Frauen in Spitzenfunktionen zu verzichten. Diesem Potential muss eine Chance gegeben werden. www.frauenfuehren.at 12


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Ganze Manner gehen in Karenz von Sabrina Gallistl

Die Väter von heute kümmern sich mehr als je zuvor um ihre Kinder. Besonders engagiert sind die Väter vor allem am Spielplatz und bei Sonntagsausflügen. Die Knochenarbeit wie Füttern, Pflegen und Waschen erledigen aber die Mütter. Das heißt, Spaß haben ist Sache des Vaters – sich darum zu kümmern, dass das Kind sauber ist, keinen Hunger hat, zu erziehen, etc. ist dann Sache der Mutter. Hausarbeit ist nicht mehr nur Aufgabe der Frauen. Frauen und Männer sind gleichwertige Partner einer Beziehung, warum also die Arbeit nicht gleichwertig aufteilen? Auf Argumente wie „Das war schon immer so!“ zu achten, ist völlig sinnlos. Wenn alles noch so wäre wie es immer war, würden wir heute noch in Höhlen hausen und mit Steinen handeln. Ich denke, dass viele Väter gerne in Karenz gehen würden, es aber aus verschiedenen Gründen nicht tun. Die einen können es sich finanziell nicht ermöglichen, andere wiederum sorgen sich vielleicht um ihre Arbeitsstelle. Viele plagt die Sorge, dass sie nach einer Rückkehr in den Berufsalltag mit Einkommensverlusten rechnen müssen und der berufliche Aufstieg schwerer wird. Leider ist genau das für die meisten Frauen, die nach einer Babypause aus der Karenz in den Beruf zurückkehren, schon immer bittere Realität. Diese Probleme werden sich erst dann ändern, wenn es zu einer Selbstverständlichkeit wird, dass auch Väter zuhause bleiben, eben im Rahmen der Karenz oder, wenn ihr Kind krank ist. Die Zeit mit dem Kind in der Babypause ist wertvoll und kein Vater sollte aus Angst vor negativen Reaktionen und Kopfschütteln anderer darauf verzichten müssen. Es muss zur Normalität werden, dass auch Väter gefragt werden „Wie lange gehst du in Karenz?“.

Quellen

www.arbeiterkammer.at/berufundfamilie/karenz.htm www.maennerinkarenz.at

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nicht mit uns r, ih it m t ch ni , ir m it Nicht m ng Gegen Sexismus und sexuelle Belastigu von Barbara Kasper

Tag für Tag werden Frauen mit einer Art der sexuellen Belästigung konfrontiert, sei es am Arbeitsplatz, auf der Uni, in der Schule, im Verein oder im privaten Umfeld. Ganz oft werden solche Vorfälle tabuisiert oder es wird einfach nicht darüber gesprochen. Zum einen, weil sich Frauen selbst viel zu oft denken sie würden überreagieren oder, weil Frauen, die sich wehren nicht zu selten als „Zicken“ bezeichnet werden oder Dinge wie „Jetzt sei doch nicht so, das war ja nur ein Scherz.“, zu hören bekommen. Doch das eigene Gefühl zählt und auf das sollte frau auch hören.

Was ist Sexismus?

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Sexismus äußert sich in vielen Facetten, wie durch Plakatflächen oder Modeinserate die das Ideal von schönen, dünnen Frauen zeichnen, Werbespots, die uns an die Waschmaschine verbannen, Lohnunterschiede, die uns ein eigenständiges, unabhängiges Leben erschweren oder Rollenklischees, die uns auf unsere Rolle als Mutter und Powerfrau vorbereiten. Allgemein gesagt sprechen wir immer dann von Sexismus, wenn Menschen allein aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden. Meistens sind davon Frauen betroffen und spüren es in Form von sexueller Belästigung.

Was ist sexuelle Belastigung? Sexuelle Belästigung zeigt sich in verschiedensten subtilen Formen. Das können sexuelle Annäherungsversuche jeder Art in Form von Gesten und Äußerungen sein, sexistische Bemerkungen, sexuell abfällige Bemerkungen oder Anspielungen, die eine andere Person gegen dich richtet. Entscheidend dabei ist, sobald du diese Äußerungen, etc. als beleidigend empfindest, dich bedroht, erniedrigt oder belästigt fühlst handelt es sich um sexuelle Belästigung. Entscheidend dabei ist immer dein subjektives Gefühl, niemand muss sich so etwas gefallen lassen oder kann dir vorschreiben was oder wie viel du „aushalten“ musst.

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Sexuelle Belästigung äußert sich oft in der Sprache durch Verniedlichungen wie Hase, Pupperl, Prinzessin oder Beschimpfungen wie „Schlampe“, „Hure“. Auch die „Guten Schmähs“, bei denen es sich um Bemerkungen über unsere Brüste oder Hintern der Kollegin, oder blöde Witze handelt. Auch Poster, Sticker oder sonst irgendetwas mit (halb)nackten Frauen drauf können unangenehme Gefühle hervorrufen und zählen zu einer Art der sexuellen Belästigung.

Warum?

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Sexuelle Belästigung wie auch andere Formen der Diskriminierung haben mit Machtverhältnissen zu tun. Sie sind Demonstrationen von Macht und meist dort zu finden, wo Abhängigkeitsverhältnisse und Machtansprüche bestehen, wie zum Beispiel am Arbeitsplatz, auf der Universität oder in der Schule.

Als sexuelle Belastigung am Arbeitsplatz/Schule/Uni gelten: ► Poster von Pin-ups im Arbeitsbereich (auch am PC) ► pornografische Bilder am Arbeitsplatz (auch am PC bzw. Mousepad) ► Anstarren, taxierende Blicke ► anzügliche Witze, Hinterherpfeifen ► anzügliche Bemerkungen über Figur oder sexuelles Verhalten im Privatleben ► eindeutige verbale sexuelle Äußerungen ► unerwünschte Einladungen mit eindeutiger (benannter) Absicht ► Telefongespräche, Briefe oder E-Mails (oder SMS-Nachrichten) mit sexuellen Anspielungen ► Versprechen von beruflichen Vorteilen bei sexuellem Entgegenkommen ► Androhen von beruflichen Nachteilen bei sexueller Verweigerung ► zufällige/gezielte körperliche Berührungen (z.B. Po-Kneifen und -Klapsen) ► Aufforderung zu sexuellen Handlungen ► exhibitionistische Handlungen 15


Wehr dich! Auch wenn du Angst hast, überwinde dich und sag klar und deutlich NEIN. Sollte dir das nicht gelingen, gib dir nicht selber die Schuld für einen Übergriff. Schuld hat immer der Täter, weil er deine Grenzen nicht respektiert.

Hilfe Um das nicht alleine durchstehen zu müssen, kannst du dir auch Hilfe bei KollegInnen, VertrauenslehrerInnen, deinem/r BetriebsrätIn, MitsschülerInnen, StudienkollegInnen holen. Oft hilft es schon dem Täter klar zu machen, dass Andere von seinem Verhalten wissen.

Beratungsstellen Anwältin für Gleichbehandlung/Gleichstellung in der Arbeitswelt: Aus ganz Österreich zum Ortstarif: 0800/20 61 19 gaw@bka.gv.at

themenspezifische Beratungseinrichtungen fur dein Bundesland findest du unter:

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www.frauenratgeberin.at www.frauenberatung-freiraum.at

Broschuren: Gemeinsam gegen sexuelle Belästigung (GPA.djp Jugend) http://www.bundesregierung.at/DocView.axd?CobId=32038

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eiblich. Prekarisierung ist w Fair statt Prekar!

von Barbara Marx

Ende der 1960er Jahre begann in Österreich der Wandlungsprozess von einer Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Die Ausweitung a-typischer Beschäftigung ist ein charakteristisches Merkmal dieses Wandels. A-typisch bedeutet unselbständige Erwerbsarbeit, die nicht einem Normalarbeitsverhältnis (Vollzeit, unbefristet, geregelte Arbeitszeit und Einkommen, Interessensvertretung) entspricht. Im Vergleich der letzten zehn Jahre stieg in Österreich die Zahl der Erwerbstätigen von 3,79 Mio auf 4,25 Mio (2008). Der überwiegende Anteil mit 64% entfiel dabei auf Frauen. Die Zunahme der Frauenerwerbsquote (von 1,65 Mio Frauen 1998 auf 1,95 Mio im Jahr 2008) ist allerdings zum größten Teil auf die Zunahme von Teilzeitarbeit zurück zu führen, während gleichzeitig ein Abbau von Vollzeitarbeitplätzen stattfand. Teilzeit, oder eine Sonderform davon, die geringfügige Beschäftigung wurde lange Zeit als „Allheilmittel“ für die Doppel- bzw. Dreifachbelastung von Frauen propagiert, anstatt bezahlte und unbezahlte Arbeit neu zu verteilen. Übersehen wurde meist, dass diese Einkommen in der Regel nicht existenzsichernd sind und auch die Systeme der sozialen Sicherung (z.B. Pensionsversicherung) nicht auf längerfristige a-typische Beschäftigung ausgerichtet sind.

Prekarisierung der Gesellschaft Die Zunahme von Beschäftigungsformen, die zu Problemen der sozialen Absicherung führen und die damit verbundenen Unsicherheiten, werden auch als „Prekarisierung einer Gesellschaft“ bezeichnet. Darunter fällt auch die Zunahme von Mischformen zwischen unselbständiger und selbständiger Arbeit. Freie Dienstverträge, Werkverträge und Freelancing sind dabei die häufigsten Erscheinungsformen. Auch diese sind geprägt durch oft nicht ausreichende soziale Absicherung, Planungsunsicherheit für die Betroffenen oder fehlende Mindeststandards im Bereich von Arbeitsrecht und Interessensvertretung.

Arbeitsdruck Eine grundlegende Veränderung im Hinblick auf die Prekarisierung, ist auch eine Zunahme des Arbeitsdrucks. Technologische Veränderungen haben begonnen in vielen Branchen die Grenze zwischen Er-

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werbsarbeit und Privatleben zu verwischen. ArbeitnehmerInnen, die 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche für das Unternehmen erreichbar und auf Abruf sind, sind keine Seltenheit mehr. All-in Verträge, die pauschal Arbeitszeit, Überstunden und teilweise sogar auch Spesen abgelten, findet man nicht mehr nur in Chefetagen. Der Output pro Arbeitsstunde ist in den letzten zehn Jahren massiv angestiegen, während die Anzahl an Krankenstandstagen bzw. ArbeitnehmerInnen, die ihren Urlaub nicht mehr (voll) konsumieren sinkt. Immer mehr ArbeitnehmerInnen, selbst wenn diese selbst noch nicht von prekären Beschäftigungen oder Arbeitslosigkeit bedroht sind, sind bereit Abstriche zu machen, selbst wenn das Unternehmen Rekordgewinne verzeichnet, aus Angst um den Arbeitsplatz. Verschärfungen im Bereich der Arbeitslosenversicherung, im Sinne einer „aktivierenden“ Arbeitsmarktpolitik, tragen ebenfalls dazu bei, dass ganz besonders junge Menschen, MigrantInnen und Frauen mit Betreuungspflichten trotz Erwerbsarbeit verstärkt armutsgefährdet sind (Stichwort: „Generation Praktikum“, „Working Poor“).

Fazit Individuell sind diese Probleme schwer lösbar, weshalb auch die Bedeutung von Gewerkschaften wieder zunimmt. Die Integrierung Freier Dienstverträge in die Sozialversicherung war ein wichtiger Schritt, dennoch müssen noch viele andere Fragen wie die Bewertung von Tätigkeiten (Frauenberufe, besonders Gesundheits- und Sozialbereich), die Zukunftsperspektive von jungen Menschen und vieles andere dringend diskutiert und angegangen werden! Wandel bedeutet Veränderung, aber nicht zwangsläufig den Verlust von hart erkämpften Rechten!

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ppchenpreis na ch S m zu g un ut be Aus von Barbara Kasper

Während wir in Österreich schon einiges geschafft haben müssen Frauen in Osteuropa, Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika oft unter brutalen Arbeitsbedingungen und zu Hungerlöhnen arbeiten – vor allem in der Textilindustrie. Schon beinahe die Hälfte aller ArbeitnehmerInnen ist weiblich. Doch wir Frauen bekommen weder gleichen Lohn für gleiche Arbeit noch haben wir entscheidend mehr Einfluss auf Wirtschaft und Politik gewonnen. Das gilt in vielen Industrieländern, besonders aber in ärmeren Ländern und Entwicklungsländern.

Schmutzige Kleidung In vielen Ländern Asiens wie Bangladesh, Pakistan oder Indien stellen Frauen 80 bis 90 Prozent der Arbeitskräfte in der Bekleidungsindustrie. Oft beginnen schon Kinder dort zu arbeiten, um die Familien zu unterstützen oder, weil der Vater beispielsweise krank wird, stirbt oder die Familie verlässt. So auch bei Kalpona Akter aus Bangladesh. Sie begann mit 12 Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter in einer Textilfabrik zu arbeiten. Dort arbeiten über 2 Millionen Menschen in Textilfabriken, 90 Prozent davon sind Frauen. Sie bekamen ca. € 3 pro Monat, einschließlich Überstunden maximal 9–10 € (in den 90er Jahren). „Das ist aber viel zu wenig, man hat nichts zu essen. Oft bezahlen die Firmen nur alle drei Monate oder gar nicht.“, erzählt Kalpona in einem Video. Dafür musste Kalpona, so wie viele andere Frauen in der Bekleidungsindustrie 14-15 Stunden am Tag arbeiten, es gibt auch 21 Stunden Schichten, manchmal bis zu 15 Tage am Stück. Die Frauen werden gezwungen Überstunden zu machen und kommen so oft nur zu drei Stunden Schlaf, auch Mutterschutz gab es nicht. Für 50 Personen gab es eine Toilette und für die ganze Firma nur einen Notausgang.

Geringer Fortschritt 2006 gab es in Bangladesh ein massives Aufbegehren und 800.000 bis 900.000 ArbeiterInnen (überwiegend Frauen) blockierten fast alle Hauptsraßen, um für ihre Arbeitrechte zu kämpfen. Es gab Änderungen im Hinblick auf Bezahlung und Versammlungsfreiheit. Immerhin bezahlen laut Kalpona Akter jetzt 90 Prozent pünktlich, 80 Prozent bezahlen einen Mindestlohn von € 20, und 30 Prozent gewähren Mutterschutz. Viele folgen internationalen Standards, Gewerkschaften sind aber immer noch nicht erlaubt, nur Wohlfahrtskomitees, in denen ArbeiterInnen kein Stimmrecht haben. Es hat sich hier zwar einiges getan, dennoch müssen Frauen in vielen Ländern noch immer unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Hungerlöhnen arbeiten.

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Zu niedrige Mindestlohne

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Die gesetzlichen Mindestlöhne in asiatischen Ländern reichen nicht aus, um den Grundbedürfnissen nach Nahrung, Wohnen, Bekleidung, Bildung und Gesundheit nachzukommen. In Ländern wie Indien, Sri Lanka, Vietnam, Bangladesh, Pakistan und Kambodscha erreicht der gesetzliche Mindestlohn noch nicht einmal international definierte Armutsgrenzen. Außerdem wird er auch oft missachtet, wodurch Arbeiterinnen noch niedrigere Nettolöhne bekommen. Generell werden Frauen sowieso schlechter bezahlt als Männer. In Kambodscha beispielsweise liegt der Verdienst von Frauen bis zu 40 Prozent unter dem von Männern.

Frauen leisten viel - fur: weniger Geld Vor allem in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara hängt der Kampf gegen die Armut entscheidend von mehr Gleichberechtigung der Frauen ab. Dort leisten Frauen rund 70 Prozent der Arbeit in der Landwirtschaft, doch sie verfügen nur über ein Achtel der Landtitel. Rund drei Viertel der unbezahlten Arbeit in Schwarzafrika wird von Frauen geleistet. Die Männer dagegen besetzen fast drei Viertel aller entlohnten Arbeitsstellen. Noch drastischer wird die Benachteiligung von Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen deutlich. Nur 12 Prozent der Spitzenjobs werden von Frauen besetzt. Genauso hoch ist ihr Anteil in den Parlamenten.

Die Kampagne Die „Clean Clothes Campaign – CCC“, die Kampagne für Saubere Kleidung ist ein europaweites Netzwerk, das sich weltweit für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie einsetzt. Dieses Netzwerk scheut auch nicht davor zurück bekannte Bekleidungsmultis wie KIK, Levi’s, Northland, Mammut, New Yorker, C&A, H&M, Nike, Billabong und viele andere anzukreiden. Denn Arbeitsrechtsverletzungen in den Zulieferbetrieben dieser Bekleidungsunternehmen sind weniger die Ausnahme als die Regel. Denn obwohl sich viele selbst einen Verhaltenskodex auferlegen, der Gewerkschaftsfreiheit, Mindestlöhne und Überstundenregelungen in den Zulieferbetriebe festschreiben, ist oft sehr ungewiss, ob diese auch eingehalten werden.

Quellen:

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http://www.welthungerhilfe.de/frauen-gleichberechtigung-afrika.html http://www.cleanclothes.at/ http://mode.cleanclothes.at/start.asp?ID=238522 http://www.sauberekleidung.de/ccc-50_materialien/ccc-51_aktionsmaterial.html http://www.sauberekleidung.de


, s doppelt schwer n be ha n ne Migrantin von Barbara Kasper

Sie sind hochqualifiziert, gut ausgebildet, auf Managementebene kaum zu finden und schlechter bezahlt als gleichwertig qualifizierte Kolleginnen und Kollegen. Dass Frauen in vielen Lebenslagen und in unserer Gesellschaft generell benachteiligt werden ist nichts Neues. Doch Frauen, die nicht aus Österreich stammen haben es gleich doppelt schwer – sie sind nämlich Frauen und haben Migrationshintergrund. Zwei Faktoren, die in unserer Gesellschaft, im Bildungsweg und Arbeitsweg einige Hürden aufstellen.

Wer kennt sie nicht, die Reinigungskraft die eigentlich Ingenieurin ist,

die Küchenhilfe, die eigentlich Krankenschwester ist oder die Taxifahrerin, die Ärztin ist. Einen Job zu machen, für den man nicht oder besser gesagt überqualifiziert ist, deprimiert und demotiviert genauso, wie für ein und denselben Job weniger Lohn zu bekommen als der Kollege. 28 Prozent der Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund fühlen sich für ihren aktuellen Job überqualifiziert, bei den in Österreich geborenen sind es rund 10 Prozent. Generell waren Frauen häufiger überqualifiziert als Männer (32% gegenüber 25%)*. Arbeitssuchende qualifizierte MigrantInnen werden beim AMS oft als „Ungelernte“ eingestuft, wenn sie keine Anerkennung von Abschlüssen oder Berufserfahrung im Heimatland vorweisen können.

Anerkennungsschwierigkeiten Mona kam aus Rumänien nach Österreich, hat eine abgeschlosene Ausbildung als Diplomkrankenschwester und die österreichische Staatsbürgerschaft. Trotzdem arbeitet sie in einem kleinen Eiscafé quasi als Hilfsarbeiterin, weil ihre Ausbildung in

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Österreich nicht anerkannt wurde. Sie hätte Prüfungen und Teile der Ausbildung wiederholen müssen, um den geltenden EU-Anerkennungsrichtlinien zu entsprechen. Viele scheitern aber auch daran in ihrem gelernten Job arbeiten zu können, weil die Informationen wie die Anerkennung des Berufs funktioniert fehlen oder einfach schlecht sind – auch auf Beratungsseite. Zusätzlich werden die Antragsstellerinnen mit zu hohen Kosten für Beglaubigungen und Gebühren belastet, die ihr (Über)Leben zusätzlich belastet.

Wer nicht am Schalthebel sitzt... kann auch nicht steuern. Frauen erleben es seit Jahrzehnten, Jobs zu machen für die sie zu wenig bezahlt bekommen oder überqualifiziert sind. Zieht man hier seine Schlüsse können sich Migrantinnen, überspitzt gesagt, nicht allzu große Hoffnungen auf bessere Aufstiegschancen machen. Es sei denn ArbeitgeberInnen und PolitikerInnen sehen und nutzen endlich die Fähigkeiten und Qualifikationen von Migrantinnen und Frauen, vereinfachen die Berufsanerkennung und geben ihnen die Chance auf die richtigen Jobs, für die sie auch qualifiziert sind. Denn Intelligenz und Qualifikation hängen bestimmt nicht vom Geschlecht und der Herkunft ab. Hier wird auf ein fachliches und gesellschaftliches Potenzial verzichtet, dass bereits in Österreich angekommen ist.

Quelle: * Statistik Austria: Statistisches Jahrbuch für Migration & Integration, Zahlen.Daten.Indikatoren 2010

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nlinks Internettipps - Fraue ► www.frauenfakten.at Die Internetplattform bietet einen Überblick über alle in Österreich tätigen Frauennetzwerke, Gruppen und Vereine. ► www.frauennotrufe.at Informationen über Beratungs- und Hilfsangebote für Frauen und Mädchen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. ► www.frauensache.at Institut für frauenspezifische Psychotherapie, Supervision, Coaching und Weiterbildung ► www.frauensoldaritaet.org Verein zur Förderung von Frauenrechten international. ► www.frida.at Gemeinnütziger Verein zur Förderung und Vernetzung frauenspezifischer Informations- und Dokumentationseinrichtungen in Österreich. ► www.johanna-dohnal.at ► www.onb.ac.at/ariadne frauenspezifische dokumentarische Serviceeinrichtung an der Österreichischen Nationalbibliothek ► www.gpa-djp.at/frauen Die GPA-djp Bundesfrauenabteilung ist in Frauenangelegenheiten das Kompetenzzentrum der GPA-djp. ► www.jugend.gpa-djp.at/frauen ► www.frauen.bka.gv.at/ Website der Bundesministerin für Frauen

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es gibt vieles, fur das es sich lohnt, organisiert zu sein!

Impressum: HerausgeberIn: Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier. Bundesjugendabteilung, Alfred-Dallinger Platz 1, 1034 Wien Medieninhaber: Verlag des Ă–GB GesmbH, Johann-BĂśhm-Platz 1, A-1020 Wien / Redaktion: Sabrina Gallistl, Barbara Kasper, Barbara Marx, Verena Mischitz Koordination: Barbara Kasper / Layout: modularplus.com / Kontakt: Tel.: 05 0301 21510, Mail: jugend@gpa-djp.at. www.jugend.gpa-djp.at

Wir scheissen auf den Märchenprinz  

Infobroschüre zum Thema strukturelle Gewalt an Frauen

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