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Gotteswerk

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COLOR VICTIM Wanderer zwischen Erleuchtung und Verdammnis Diese Ausgabe vom Gotteswerk ist der „schizophrenen“ CMYK-Farbe Gelb gewidmet

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hysikalisch betrachtet ist Gelb die Farbe, die wahrgenommen wird, wenn Licht mit Wellenlängen zwischen 565 und 575 nm ins Auge fällt. So simpel ist

die Welt der Farbe Gelb allerdings nur unter diesem As-

pekt. Wie alle Farben löst sie tatsächlich einen Tsunami an körperli-

chen Reaktionen aus, die die Wahrnehmung mehr oder weniger entscheidend beeinflussen. Das Besondere an Gelb ist, dass keine andere Farbe so widersprüchlich erlebt wird – und zwar nicht nur kulturell bedingt, sondern auch abhängig von der Farbausprägung: In seiner reinsten Ausprägung vitalisiert es wie keine andere Farbe, jedoch die kleinste Eintrübung lässt es hässlich oder gar giftig erscheinen. Vier Beispiele, die die Bedeutungs-Bandbreite des launischen „Yellow“ beleuchten.

HIMMLISCHER IRRTUM Seit Jahrtausenden verehrt und dennoch eine Sinnestäuschung: Die Sonne ist gar nicht gelb

Seit Jahrtausenden verehren die Menschen die Sonne rund um den Globus als Lebenspenderin mit magischen Kräften. Die im Zenith stehende Sonne wird interkulturell mit Gelb assoziiert und spielt weltweit eine tragende Rolle in der Religion, der Kunst und im täglichen Leben. Umso erschütternder erscheint folgende Tatsache: Nichts an der Sonne ist gelb. Auch nicht das Sonnenlicht. Eigentlich verhält es sich nämlich so: Im Grunde ist Sonnenlicht weiß. Es besteht aus einer Mischung aus Licht aller Wellenlängen. Bei Eintritt in die Erdatmosphäre wird dieses allerdings durch Moleküle, Wassertropfen oder Eiskristalle gestreut: Die kürzesten Wellen des Lichts – und damit die Blauanteile - werden größtenteils „abgelenkt“ und lassen den Himmel blau erscheinen. Als direktes Sonnenlicht bleiben die roten und grünen Anteile übrig, die in Kombination die Farbe Gelb ergeben. Und weil wir gerade dabei sind: Wenn die Sonne untergeht und sich der Blickwinkel des Betrachters in die Diagonale verschiebt bzw. verlängert, werden auch die Grünanteile gestreut und nur die längsten roten Lichtwellen bleiben übrig. Daher erscheint die untergehende Sonne rot. Die Moral von der Geschicht: „Perception is the reality!“

Kundenmagazin Gotteswerk 3.2013  

Kundenmagazin Gotteswerk 3.2013  

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