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G OT T E SW E R K VO N J. G O T T E S W I N T E R G M B H , G R A F I S C H E R B E T R I E B S E I T 1 8 6 2

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Gotteswinter

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Das heißt aber nicht, dass wir die Debatte damit beenden wollen. Im Gegenteil. Wir bitten alle, die Stellung nehmen wollen, uns einfach eine E-Mail via gotteswerk@gotteswinter.de zu senden. Wir freuen uns auf Ihr Feedback und reagieren auch darauf. Versprochen. Bis dahin wünschen wir viel Spaß bei der Lektüre der zweiten Gotteswerk-Ausgabe, welche dem Thema „schwarz“ gewidmet ist. Ihr Helmut Gahse mit Team

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wir pflegen nicht nur die Druckkultur, sondern auch die Streitkultur und gestehen offen, dass die Neuauflage unseres Magazins unter dem Titel „Gotteswerk“ provoziert hat. Das war keine Absicht. Was wir eigentlich bezwecken wollten, ist ein lebhafter Dialog mit Ihnen. Der hat richtig Fahrt aufgenommen und viele wertvolle Impulse gesetzt. Für die Zukunft planen wir daher ein faires Unentschieden: Wir behalten den Titel bei – nicht aus Trotz, sondern weil er uns inspiriert und motiviert – und

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VEREHRTE KUNDEN, VEREHRTE LESER, verzichten dafür auf weitere Wortspiele im redaktionellen Teil.

Inhalt 4

BOARDERLINES Was passiert, wenn ein weltbekannter Snowboarder und Regisseur als Buchautor und -gestalter aktiv wird?

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DÜRFEN WIR UM DEN NÄCHSTEN STANZ BITTEN!? Die Stigler GmbH ist Meister der Druckveredelung.

ALLES ODER NICHTS Diese Ausgabe von Gotteswinter ist dem Phänomen Schwarz gewidmet.

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KONFETTI-TURBO So klein und doch so wichtig.


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Gotteswinter

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Profis im Portrait

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BOARDERLINES Was passiert, wenn ein Regisseur und weltbekannter Snowboarder als Buchautor und -gestalter aktiv wird?

Interview mit David Benedek – dem Macher von „Current State of Snowboarding“ INTERVIEW/TEXT Antje Hiel FOTOS David Benedek

David, Du bist ehemaliger Profi-Snowboarder, Mitbegründer einer Produktionsfirma und Regie-Student an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen. Wir wissen, dass der Snowboarder in Dir mit diesem Projekt dokumentieren wollte, wo die Snowboardszene aktuell steht und wohin sie sich entwickelt. Welche Mission hat der Art Director in Dir mit diesem Buch verfolgt?

Zuerst einmal ging es mir darum, mal ein komplettes redaktionelles Designprojekt umzusetzen - von Anfang bis Ende. Das hatte ich so noch nie gemacht. Ich war zwar die letzten 10 Jahre für die Kreativdirektion unserer Filme und anderer Projekte verantwortlich, aber dabei spielte Grafik eher eine untergeordnete Rolle. Das wollte ich mit dem Buch nachholen. Ein bißchen auch als Test für mich, ob ich es überhaupt schaffe, eine Gestaltungssprache zu konzipieren und über mehrere hundert Seiten durchzuhalten. Wo hast Du Deine Grafik Design-Kenntnisse erworben?

Da bin ich ein klassischer Autodidakt. Ausschlaggebend war witzigerweise ein Snowboardunfall

vor ca. 13 Jahren. Um den schrecklichen Sommer mit Gipsbein zu überbrücken, kaufte ich mir einen kleinen iMac und beschäftigte mich vier Monate ziemlich begeistert damit. Danach hatte ich das Glück, durch meine Sponsoren schnell in Kontakt mit sehr guten Designern zu kommen, von denen ich viel gelernt habe. Zudem war meine erste Filmproduktion anfangs bei Nemo Design in Portland einquartiert. Die haben den Grafiker in mir entscheidend gefördert und inspiriert. Welche Vorteile hat eine gedruckte Dokumentation im Vergleich zu den Filmen mit denen Du Dir in den letzten Jahren einen Namen gemacht hast?

Der große Vorteil einer Drucksache ist die Statik. Sie bewegt sich nicht und ist immer wieder veränderbar. Das ist natürlich auch gleichzeitig der größte Fluch (lacht), da man sich endlos mit schwachsinnigen Veränderungen quälen kann, für die ich wirklich ein großes Talent zu haben scheine ... Ein Film wird gedreht und danach ist nur noch wenig Raum für Veränderung, insofern erinnert mich Film eher an das Grafik-Design vor 40 Jahren: Wesentlich intensiver in der Planung und weniger Spielraum in der Umsetzung.


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David Benedek ...wurde 1980 in München geboren. Gleich nach dem Abitur stieg er ins internationale Profi-Snowboarder-Business ein. Während seiner 10-jährigen Profikarriere gewann er zahlreiche Contests, produzierte preisgekrönte Snowboardfilme und machte sich als Designer für Salomon, Swatch und in der Werbung interdisziplinär einen Namen. Seit 2005 leitet er mit seinem Bruder Boris die Münchner Filmproduktion Blank Paper Studios. Für sein Buchprojekt kaufte er sich 2009 ein Around-the-World-Ticket und besuchte die herausragendsten und einflussreichsten Boarder der letzten 25 Jahre auf ein Interview. Seit 2011 ist David hauptberuflich Regie-Student an der Münchner HFF.

Was war die größte gestalterische Herausforderung für Dich?

Kontinuität. Bei 450 Seiten ein stimmiges Gesamtkonzept zu finden, fiel mir nicht leicht. Mal fühlte es sich für 15 Seiten etwas klassischer an, dann wieder etwas zu prätentiös und übergestaltet ... bei einem so dicken Buch muss man einfach aufpassen, daß einem das eigene Konzept nicht entgleitet. Wir haben wirklich endlos Dummies gebaut, um einen guten Flow durch das gesamte Buch zu bekommen.

aus den regulären 2 Seiten ausbrechen wollte und unter allen Möglichkeiten schien diese am passendsten. Zusätzlich für das Format sprach auch das Problem, die japanische Übersetzung bei so viel Bildmaterial unterzubringen. In diesem Format funktioniert das sehr gut, da wir die Übersetzung platzsparend am Ende des Buchs anlegen konnten und die japanischen Leser trotzdem die korrespondierenden Fotos ansehen können. Worauf hast Du bei der Umsetzung am meisten Wert gelegt?

Wie

kamst

Du

auf

das

„Doppelbuch-

System“?

Es gab ja schon ein paar Doppelbücher dieser Art, von Irma Boom zum Beispiel oder auch Anke Jaaks. Mir war ziemlich schnell klar, dass ich gerne

Am wichtigsten war mir das Zusammenspiel von Inhalt und Format, auch zwischen den beiden Büchern. Dass die Gestaltung dem Inhalt gerecht wird und nicht meiner Profilneurose als Designer. Was die Verarbeitung angeht, waren wir natürlich


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Profis im Portrait


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ziemlich penibel. Wir hatten mehrere Proof-Runden und Andrucke, um den Durchschein-Effekt des dünnen Papiers zu testen. Ebenso wichtig war die Vorgabe, dass das Buch konstant und ohne Druck offen liegen bleiben sollte, egal an welcher Stelle. Seitdem kenne ich auch so schöne Worte wie Dispersionsleim.

der Abwägung, ob sie überhaupt machbar waren. Den Zeitaufwand, den unser Projekt verschlang wäre sicherlich nicht verantwortbar gewesen, wenn man bei Gotteswinter nicht selber begeistert hinter dem Projekt gestanden wäre. Gibt es schon ein nächstes Projekt? Wie sieht der „Current State of David Benedek“

Was hast Du an der Zusammenarbeit mit

aus?

Gotteswinter besonders geschätzt? Was

Also zuerst einmal bin ich ja Student. Der akademischen Herausforderung konnte ich mich bis jetzt noch nicht so widmen, aber mein Vorsatz für 2012 lautet: Weniger arbeiten, mehr studieren. In Zukunft trifft man mich also hoffentlich in Baskenmütze und mit Weinflasche beim Diskutieren. So stelle ich mir das zumindest vor.

war daran einzigartig?

Die geteilte Liebe zum Detail und vor allem der Wille, gemeinsam etwas Besonderes zu kreieren. Die Geduld, mit der Herr Weber von Gotteswinter unseren teils absurden Ideen begegnet ist, war wirklich einzigartig. Viele der Besonderheiten waren ja wirklich mit Kopfzerbrechen verbunden, mit


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Kunst am Kult Was „The Current State of Snowboarding“ besonders macht

Das Buch „The Current State of Snowboarding“ ist ein visionäres Beispiel für moderne Buchkunst. Es besteht aus zwei miteinander verbundenen Büchern, die Bilder, Geschichten und Interviews mit 23 der einflussreichsten und authentischsten Persönlichkeiten der internationalen Snowboard-Szene der letzten 30 Jahre beinhalten. Dokumentiert wird diese Bestandsaufnahme auf einem Ensemble handverlesener Papiersorten in verschiedenen Stärken, die auch drucktechnisch bemerkenswert sind. Jedes der beiden Bücher kann einzeln betrachtet werden. Synchron aufgeschlagen, ergeben sie eine eindrucksvolle, in sich schlüssige Komposition. Ein schönes, nicht nur nostalgisch wertvolles Werk für echte Snowboarder: Es hat nämlich nicht nur einen hohen künstlerischen Anspruch, sondern setzt auch inhaltlich Akzente, indem es auf die übliche zwangsjugendliche Allüre der Snowboard-Szene verzichtet und diesem Mikrokosmos ein differenziertes Profil verleiht.

Das Buch ist ab sofort exklusiv über http://www.currentstate.almostanything.com zum Preis von 89 Euro erhältlich. Ein Making of gibt es auf http://vimeo.com/36107913.

Technik im Fokus


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Abbildung im MaĂ&#x;stab 1:200

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Technik im Fokus

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Dürfen wir um den nächsten Stanz bitten!? Die Stigler GmbH ist Meister der Druckveredelung.

In ihrer Königsdisziplin, dem Laserschneiden und -gravieren, hat sie sich jetzt endgültig unschlagbar gemacht. TEXT Antje Hiel FOTOS Florian Schreiber

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ennen Sie diese typischen Gucklöcher auf den Schaufenstern von Tiffanys!? Sie sind schlicht unwiderstehlich - auch ohne die dahinter verborgenen Schätze. Das muss genetisch codiert sein. Denn durch Cutouts veredelte Drucksachen haben eine ähnliche Sog-Wirkung. Das weiß keiner besser als die Münchner Stigler GmbH – die solche Effekte am liebsten mit dem Laser erzeugt. Zu Recht, denn bei der Produktion sind keine teuren Stanzformen nötig und die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt: Dort, wo herkömmliche Systeme ihre Grenzen erreichen, wird es beim Laserschnitt erst richtig interessant. Denn das gebündelte Licht schneidet auch feinste Konturen mit hoher Präzision in Materialien aller Art – egal, ob es sich um unbedruckte, bedruckte oder auch geprägte Gegenstände handelt. Zudem sind keinesfalls nur radikale Schnitte möglich. Es besteht auch die Möglichkeit lediglich die oberste Schicht eines farbigen Papiers zu lasern und so mit den unterschiedlichen Schattierungen zu spielen. Am Ende steht in jedem Fall ein serienmäßiges Kunstwerk mit Unikatcharakter. Bei solchen Perspektiven entstehen bei einem ambitionierten Druckweiterverarbeitungs-Experten die großen Visionen. Für die Stigler GmbH waren sie Anlass genug, es nicht bei Stanzungen von der Grußkarte bis zum Geschäftsbericht bewenden zu lassen, sondern auch eigene Produkte zu entwickeln.

Zu diesem Zweck hat das Unternehmen jetzt aufgerüstet und sich den Rolls Royce unter den Laserschneide-Anlagen geleistet: Bei dieser Maschine wird der Laser nicht mechanisch in einer Ebene bewegt, sondern über Spiegel gelenkt. Das ist enorm präzise und schnell. Mit ihr kann Stigler jetzt neben Papier, Pappe und Karton auch verschiedenste Materialien von Holz, Acryl, Glas, Kunstleder bis hin zu Filz und andere Textilien in hervorragender Qualität kosteneffizient veredeln. Das schließt auch die Rundgravur von Flaschen und Gläsern ein – ob Einzelstück, kleine oder hohe Auflagen. Limits gibt es eigentlich nur noch im Volumen: Die Anlage kann nur Werkstücke bis zu einer Größe von 71 x 124 cm bearbeiten. Was das konkret heißt, muss man hautnah erleben: Privatleute, Bildungseinrichtungen, Agenturen und Unternehmen sind deshalb gleichermaßen herzlich eingeladen sich in der Münchner Heidemannstraße persönlich von den Vorzügen dieses Trennverfahrens zu überzeugen und die neue Laseranlage inklusive Coach stunden- oder tageweise zu buchen. Alternativ verbindet der Spezialist eine Live-Demo mit einem kostenlosen individuellen Testschnitt. Dafür ist lediglich eine Formatvorlage in Form einer Datei und ein Termin nötig. Beeindruckend einfach und einfach beeindruckend. So ist die Zusammenarbeit mit Stigler eben. www.stigler-gmbh.de


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ALLES ODER NICHTS Diese Ausgabe von Gotteswinter ist dem Phänomen Schwarz gewidmet.

Die (Nicht)-Farbe Schwarz ist in jeder Hinsicht ein Sonderling – physikalisch, kulturell und ästhetisch. Schwarz bedeutet physikalisch die Abwesenheit von (sichtbarem) Licht jeglicher Wellenlänge. Als Sinneswahrnehmung hat es aber durchaus die Qualität einer Farbe. Wie alle Farben wird sie von mindestens 50 verschiedenen Sehzentren im Gehirn „verarbeitet“ und mit allen anderen Wahrnehmungsarealen sowie mit tief verwurzelten Orientierungen, die man als Werte bezeichnen könnte, verknüpft. Mehr noch: Gerade Schwarz wird in unendlich vielen Facetten erlebt und benannt. Es übt im Positiven wie im Negativen eine beispiellose Anziehungskraft auf den Menschen aus. Fünf prominente Beispiele dafür sind hier beschrieben. TEXT Antje Hiel FOTOS Magdalena Wasiczek

BLACK BOX UND LATERNA MAGICA Der Neurobiologe Oliver Sacks räumt mit der Vorstellung auf, dass die Welt der Blinden in schwarz getaucht ist Für den weltbekannten Arzt und Wissenschaftler Oliver Sacks ist Schwarz eine ganz besondere Leidenschaft. Er brachte Licht in die Dunkelheit der „blinden Wahrnehmung“ und schrieb eine Menge sehr erfolgreicher populärwissenschaftlicher Bücher – unter anderem auch über die Fähigkeit des Gehirns Defekte wie Farbenblindheit auszugleichen. Sacks lernte in seiner wissenschaftlichen Laufbahn Dutzende Blinde kennen. Viele von ihnen halluzinieren und sehen Gesichter, Szenen, Tiere. Es gibt durch Unfälle Erblindete, deren visuelles Gedächtnis noch so präzise ist, dass sie Dachrinnen reparieren können. Umgekehrt gibt es Sehende, die die Bedeutung der Objekte in ihrem Sehfeld vergessen haben und deshalb vom Gehirn her blind sind. Sein Fazit: Schwarz existiert wie jede Farbe nicht für sich in der Welt, sondern wird von unserem Gehirn hervorgebracht. Ein prominentes Beispiel ist der frühere Patient und Künstler Jonathan Isaacson, der nach einem Verkehrsunfall keine Farben mehr sehen konnte und auch die Vorstellung davon verloren hatte. Nahrungsmittel kamen ihm grau und tot vor, seine Mitmenschen fand er „rattenfarbig“ und die Welt

erschien ihm wie „geschmolzenes Blei“. Malen war ihm unmöglich geworden. Mit der Zeit aber verwandelte sich, was er anfangs als Desaster erlebt hatte, auf eine seltsame Weise. Er hatte das Gefühl feiner zu sehen, empfand seine Wahrnehmung geradezu als privilegiert und fing wieder an zu malen. Diese Entwicklung bestätigte einmal mehr Sacks’ Vermutung: Der menschliche Organismus produziert auch Farbe, wenn keine Farbe mehr rezipiert werden kann. Er passt sich an und lässt mit dem, was ihm an Wahrnehmung geblieben ist, die reichste denkbare Welt entstehen. Ob diese Schwarzweiß oder bunt ist hängt von der Persönlichkeit des Betroffenen ab – nicht von den anatomischen Defekten. Sogar der Blinde sieht also gewissermaßen nur schwarz, wenn er schwarz sehen will.

DER SCHWÄRZESTE BUNTE HUND DER MODESZENE Seit nahezu sechs Jahrzehnten verleiht Karl Lagerfeld jeder Modesaison ein neues Farbspektrum. Er selbst ist immer in schwarz gekleidet. Leitfigur der Mode, Fotograf, Kostümbildner und Illustrator in einer Person - Karl Lagerfeld hat es geschafft zum berühmtesten Designer unserer Zeit und einer schwarz schillernden Kunstfigur zu avancieren. Im 57. Jahr (!) seiner Karriere als


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Technik im Fokus


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Couturier entwirft er insgesamt 14 Kollektionen pro Jahr für Chanel, Fendi und seine eigenen Label, fotografiert, führt Regie und modelt nebenbei selbst für Werbung von Volkswagen bis Cola Light. Und das mit mindestens 74 Jahren. Abgesehen von chronologischen Nebensächlichkeiten wie dem tatsächlichen Geburtsdatum gibt seine Erscheinung absolut keinen Anlass zu Spekulationen: Karl Lagerfeld heißt ausnahmslos schwarzer Anzug, weißer Stehkragen, dazu ein weißer, gepuderter Zopf, Sonnenbrille und schwarze Biker-Handschuhe. Schwarz ist sein Markenzeichen. Damit beweist er eine geradezu paradoxe Erhabenheit über die Modediktate, die er selbst definiert. Letztere muss er selbst offenbar nicht in Farbe sehen. Für „Karl den Großen“ fungieren die schwarzen Gläser seiner Sonnenbrille - die er so gut wie nie absetzt - nach eigener Aussage als mobiler Lidschatten, damit die Welt ein bißchen schöner aussieht. Auch schwarz sehen ist offenbar Geschmackssache.

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im Urknall und ein Ende in Schwarzen Löchern haben“. Letztere sind astronomische Objekte in deren Nähe die Gravitation extrem stark ist. Sie verfügen über ein Inneres, in dem die Raumzeit so stark verzerrt ist, dass nichts nach außen gelangen kann. Sie entspricht der Grenze, ab der die Fluchtgeschwindigkeit größer als die Lichtgeschwindigkeit wird. Die Grenze dieses Bereichs wird Ereignishorizont genannt. In diesen Ereignishorizont kann zwar Materie hineinfallen – deshalb der Begriff „Loch“-, aber elektromagnetische Wellen wie sichtbares Licht können diesen Horizont nicht verlassen - daher das Adjektiv „schwarz“. Mit einem thermodynamischen Argument konnte Hawking schon 1974 ableiten, dass diese Schwarzen Löcher nicht ewig bestehen, sondern Energie aussenden und dabei langsam verdampfen. Diese von den Schwerkraftmonstern ausgehende Strahlung wurde nach Hawking benannt. Sein Name ist damit auf ewig mit dem schwärzesten Schwarz des Universums verbunden.

ENTDECKER DES DUNKELSTEN GEHEIMNISSES DER GRAVITATION

SCHWARZFILM DER NEUESTEN GENERATION

Kein Name ist enger mit Schwarzen Löchern verbunden wie der Stephen Hawkings Praktisch jeder kennt dieses Jahrhundertgenie, das im Rollstuhl sitzt und nur über die Stimme eines Computers sprechen kann, den er mit den Augen steuert. Denn der Physiker Stephen Hawking regte mit Fragen wie „Was hat Gott getan, bevor er das Universum schuf?“ und den zwei Bestsellern „Eine kurze Geschichte der Zeit“ und „Das Universum in einer Nussschale“ ein breites Publikum zum Nachdenken über den Kosmos an. Seine Leidenschaft als Forscher gilt aber schwarzen Löchern. Der größte wissenschaftliche Verdienst des inzwischen 70-jährigen Engländers ist die mathematische Untermauerung der Erkenntnis, dass „Raum und Zeit einen Anfang

Als erster Solotaucher überhaupt erforscht StarRegisseur James Cameron den tiefsten und damit schwärzesten Ort der Weltmeere: Das Challengertief Total einsam, unwirklich, „wie auf dem Mond“. So beschreibt der studierte Physiker und Regisseur James Cameron den tiefsten Punkt der Weltmeere, dem er Anfang 2012 einen kurzen Besuch abstattete. Damit hat der 57-Jährige jetzt auch als erster Solo-Taucher Geschichte gemacht. Es ist über 50 Jahre her, dass sich Menschen so weit unten aufgehalten haben: Der Schweizer Tiefseeforscher Jacques Piccard und der US-Amerikaner Don Walsh hatten 1960 als erste und bislang auch letzte Besucher einen Punkt in 10.916 Metern Tiefe erreicht. Am Grund des


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Marianengrabens im Pazifischen Ozean ist es wegen der enormen Tiefe stets dunkel und es herrschen eisige Temperaturen sowie ein enormer Wasserdruck. Unter diesen Umständen war es dem Forscherteam damals unmöglich Fotos zu machen. Das soll sich mit dem von der National Geographic Society unterstützten Cameron-Projekt ändern, denn der Tauchgang war quasi eine Location-Besichtigung für das nächste 3D-Filmprojekt des abenteurlustigen „Multi-Visionärs“. Sein Motiv „Es waren 400 Menschen im All, aber kaum jemand in den großen Gräben“. Sein Film über die Tiefseegräben soll jetzt diese letzte unerforschte Grenze des Planeten Erde einem breiten Publikum zugänglich machen. Das Zeug dazu hat er fraglos: Der Regisseur und Drehbuchautor zählt zu den Großen der internationalen Filmgeschichte. Mehrmals hat er mit Filmen wie „Titanic“ oder „Avatar“ ein besonderes Gespür für massenwirksame Produktionen bewiesen. Die Sicht auf die ansonsten völlig im Dunkeln liegende Unterwasserwelt soll übrigens sein selbstentworfenes Mini-U-Boot mit hochauflösenden 3-D-Kameras und starken LED-Leuchten ermöglichen. Gesehen hat er auf seinem dreistündigen Pilottauchgang praktisch nichts. Aber ins Schwarze getroffen hat er trotzdem.

erschwinglichen Büchern. Zu Beginn hat sie sich als Kulturinstitution der Werktätigen mit bekannten Autoren wie Oskar Maria Graf oder Jack London einen Namen gemacht. Heute übernimmt die Büchergilde Gutenberg vorwiegend aktuelle Titel anderer Verlage in Lizenz und macht daraus buchtechnisch und ästhetisch anspruchsvolle Schmuckstücke für ihre Mitglieder. Außerdem produziert die edition Büchergilde seit 1998 auch eigene Titel – allesamt inhaltlich gute Bücher in technisch vollendeter Ausführung und nicht alltäglicher Ausstattung. Dabei macht der kunsthandwerkliche Anspruch den Unterschied. Der Verlag vertritt die Auffassung, dass Bücher auch sinnlich ein Genuß sein müssen, d.h. sie sollten auch gut aussehen und gut in der Hand liegen. Deshalb legt der Verlag Wert auf hochwertige Einbände, ausgesuchte Papiere, eine passende Typografie. Am Besten noch mit exklusiven Illustrationen namhafter Künstler. Das anspruchsvolle Unternehmen will auf diesem Weg das Werk großer Künstler bewahren, zeitgenössische Illustratoren präsentieren, Neuentdeckungen vorstellen und jungen Talenten eine Chance geben. Es bietet auch heute noch eine Plattform für die verschiedensten Stilrichtungen und Techniken. Beste Voraussetzungen also, die „Faszination Schwarzkunst“ publikumswirksam zu inszenieren.

SCHWARZKÜNSTLER MIT ROTER TRADITION Die Büchergilde Gutenberg wurde vor über 80 Jahren als gewerkschaftliche Initiative zur Arbeiterbildung gegründet. Heute ist sie eine Schatzkammer für Liebhaber des gedruckten Wortes In der Arbeiterbildung sind die Schwarzkünstler, Drucker und Buchhersteller, traditionell eine starke Kraft. Bestes Beispiel ist die Büchergilde Gutenberg, die seit 1924 für Lesekultur im besten Sinne steht. Ihr Ziel ist die Herstellung von inhaltlich anspruchsvollen, handwerklich ausgezeichneten und dennoch

Egal ob man schwarz als alles oder nichts empfindet - soviel steht fest: Schwarz ist die „Seele“ unseres Handwerks. Meisterschaft auf diesem Gebiet ist praktisch Ehrensache. Deshalb: Lernen Sie Schwarzkunst der neuesten Generation doch einmal hautnah kennen und schauen Sie bei uns im Joseph-Dollinger-Bogen vorbei. Wir zeigen Ihnen jederzeit schwarz auf weiß, was allein mit dieser Farbe möglich ist. Sehr gern sogar.


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Konfetti-Turbo SO KLEIN UND DOCH SO WICHTIG:

Dieses Werkzeug gehört zu den Bonsai-Riesen der Drucktechnik: Die Lochpfeife, profaner ausgedrückt, der Papierbohrer.

Er besteht aus Schneide, Rohr und einem Schaft zum Spannen. Das ist alles was man braucht, um in einer Druckerei der angeblichen Lieblingsbeschäftigung der Spezies Mann nachzugehen: Löcher bohren. Und die braucht man in der Druckindustrie ständig – vorwiegend zur Herstellung von Blocks und Schreibwaren, aber auch für Kataloge, Broschüren und Bedienungsanleitungen sowie Anhänger und Etiketten. Seine Funktionalität ist so schlicht wie ergreifend: Anders als der immer klemmende Tischlocher kann er ganze Stapel an Papier, Kunststoff- oder Metallfolien, Leder, Stoff und Gummi zuverlässig in einem Arbeitsgang bohren. Der Grund: Es ist keine Manpower im Spiel, der Antrieb erfolgt vielmehr über eine Spindel. Unter diesem Druck trennt die Ringschneide des hohlen Bohrers das Material kreisförmig, das Bohrgut wird durch den Druck nach oben aus dem Rohr abtransportiert und durch eine Öffnung in der Spindel nach außen abgeführt. Je nach Bedarf sind bis zu 20 Spindeln parallel im Einsatz. Dadurch entsteht in Sekundenschnelle eine Menge Konfetti. Ein Grund mehr diesen David unter den Druckwerkzeugen zu feiern.

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Kommt Ihnen das bekannt vor? Wenn ja, dann werden Sie in der dritten Ausgabe garantiert etwas erfahren, was sie darüber noch nicht wussten. Wenn nicht, dann sagen wir nur soviel: Das ist unser nächster kleiner Wichtigtuer unter den elementaren Werkzeugen.


Elementar im Detail

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Übrigens

10,2

Mona Lisa

hat keine Augenbrauen

Tbit/s

auf einer Farbe das war der Glasfaserrekord, den das Fraunhofer Heinrich Hertz Institut in Berlin 2011 unter Laborbedingungen vermeldete. Jetzt setzt die Telekom noch eins drauf und pustet zum ersten Mal in einer realen Umgebung eine 512 Gbit/s Übertragung über einen Wellenlängenkanal im unternehmenseigenen Glasfasernetz. Das entspricht einer gleichzeitigen Übertragung von 77 Musik-CDs, und damit einem vier Mal größeren Volumen als bisher möglich. Die Daten wurden im März 2012 mit Lichtgeschwindigkeit auf eine Strecke von 734 km von Berlin nach Hannover und zurück geschickt.

3 4 2kg

Geheimtipp für den Dancefloor:

Katzenurin leuchtet unter Schwarzlicht.

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Persönlich J. Gotteswinter GmbH

Joseph-Dollinger-Bogen 22 80807 München Tel.: 089 32 37 07-0 Fax: 089 32 37 07-10

Ihr Gotteswinter-Verkaufsteam: v.l.n.r. Helmut Gahse, Georg Biskupek, Bernd Weber, Eugen Skulesch

online www.gotteswinter.de

mobil Unsere Broschüre gibt es nun auch im virtuellen Kiosk.

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J. Gotteswinter GmbH, Grafischer Betrieb, Joseph-Dollinger-Bogen 22, 80807 München, Tel.: 089 323707-0, Fax: 089 323707-10, service@gotteswinter.de, www.gotteswinter.de

Impressum GOTTESWINTER Magazin der J. Gotteswinter GmbH, Grafischer Betrieb, www.gotteswinter.de, V.i.S.d.P.: Helmut Gahse REDAKTION Bernd Weber, Florian Herrmann, Gregor Türk, AUTOREN Antje Hiel, David Benedek FOTOGRAFEN Florian Schreiber, Magdalena Wasiczek ART DIREKTION & DESIGN FEUER AG, Balanstraße 73, Gebäude 9, 81541 München, Tel.: 089 358050 - 3, office@feuer-ag.de, www.feuer.ag. Klimaneutral gedruckt, ID-Nr. 53116-1206-1003, ID-Nr. unter www.climatepartner.com eingeben und CO2-Ausgleich einsehen.

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