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Another day in Paradise G

relle Scheinwerfer trommeln eine Lichterorgie auf ein Trike. Einige Tausend Watt Gelb, Rot, Blau und obligatorisches Weiß zaubern das ganze Farbenspektrum auf einen Boom-Fighter X 11 und lassen es in eigenartigem Glanz erscheinen. Je nach Blickwinkel erscheinen unheimliche Totenköpfe aus dem Nichts, um mit geändertem Blickwinkel wieder im Dunkel der Lackierung zu verschwinden. An diesem Trike gibt es immer wieder etwas zu entdecken. Es tauchen Fragen auf, deren Antworten man bei detaillierter Betrachtung selbst findet. Erst als der lapidare Satz „Kaffee ist fertig“ den Raum erfüllt, finden wir zurück in die Wirklichkeit, entfesseln uns von Airbrush-Kunst in höchster Vollendung und befreien uns von einem Fahrzeug, in dem die Technikverliebtheit einer ganzen Werksmannschaft zu sehen ist. Das hauseigene Café liegt eine Etage höher. Von hier hat man einen herrlichen Blick über den riesigen Ausstellungsraum. Ja, so sieht das ideale Wohnzimmer eines Trikers aus – bequem vom Tresen auf die Fahrzeuge blicken, die das liebste Hobby ausmachen. Reto Schatzmann, Geschäftsführer der Gooddrive AG, hat sich hier in Gretzenbach im Solothurn-

„Another day in paradise!“ Dieser Ohrwurm von Phil Collins bekam für uns eine ganz andere Bedeutung, als wir die Firma Gooddrive AG in der Schweiz besuchten. Beim ehrfürchtigen Gang durch die geräumigen Hallen entdeckten wir ein einmaliges Custom-Trike. Die Lampenmaske gibt dem Trike einen eigenständigen Charakter. Und wie in alle Lackteile sind auch hier die Totenköpfe einlackiert.

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Das Reich von Tom Anliker. Hier entstehen die einmaligen Airbrush-Motive.

Das ist keine Aufnahme von allen jemals in der Schweiz zugelassenen Trikes sondern die ganz normale Flotte der Firma Gooddrive.

ischen einen Traum erfüllt. Seinen ganz eigenen Traum – und er lässt uns Triker als Kunden oder auch nur als Besucher daran teilhaben. Es gibt viele Superlative, mit denen man diesen Trikehimmel beschreiben könnte, aber sie würden der Realität nicht gerecht. Fakt ist, ein so großes, perfekt ausgestattetes und gut durchorganisiertes Trike-Geschäft findet man in Deutschland nicht. Reto Schatzmann ist seit einigen Jahren unheilbar dem Trike- und Bike-Fieber verfallen. Der 40-jährige Aargauer hatte zuvor zusammen mit einem Partner eine Computer-Firma in Brugg aufgebaut. Dann wollte er sich einer neuen Aufgabe widmen. Die Leidenschaft von Reto Schatzmann galt schon immer Autos und 400 Quadratmeter Werkstatt, ausgestattet mit allem, was man benötigen könnte. Wer möchte nicht in einer so sauberen Werkstatt arbeiten?

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Motorrädern, lernte er doch in seiner Jugendzeit den Beruf des Mechanikers. So war es kein Zufall, dass er irgendwann auch mit Trikes konfrontiert wurde. Schon nach der ersten Fahrt war er ein besessener Fan und wusste: Das wird meine Zu-

kunft sein. Trikes sind die ideale Verbindung von Arbeit und Freizeit, sie machen Spaß und binden die Familie ein. Im Juli 2002 gründete er die Firma Trike Center GoodDrive AG in Holderbank (AG). Eng verknüpft mit den Geschicken der Firma Gooddrive ist die Firma Moto Center Birrer. Nicht stehen bleiben lautete die Devise. Deshalb begann das Moto Center Birrer vor 10 Jahren mit dem Verkauf von EASY-Trikes und vor 6 Jahren konnte der Generalimport von Boom-Trikes für die Schweiz und Lichtenstein übernommen werden.

Aber auch technisch ist das Trike allererste Sahne. Geschickt versteckt in den Rückleuchten sind die zwei Augen einer Rückfahrkamera. Das Display befindet sich vorn in der Tankattrape. Mit einem Schalter kann man zwischen linker und rechter Kamera schalten. Der Motor hat die gigantische Leistung 170 PS des Power-Fighters. Eine Eigenentwicklung ist die aggressive Lampenverkleidung. Tom hat dafür eine Polyesterform entwickelt, so dass die Verkleidung nun als Einzelteil für jeden Fighter nachrüstbar ist. So ergänzen sich die vielen Umbauten und Details zu einem harmonischen Ganzen, zu einem ganz besonderen Einzelstück. Trikefahren ist ein Hobby, bei dem das gemeinsame Fahrerlebnis wichtig ist. Dieser Punkt gehört bei der Firma Gooddrive zur Firmenphilosophie. Im hauseigenen Café finden jeden dritten Freitag im Monat Treffs zum „Benzin reden“ statt. Dort werden dann gemeinsame Ausfahrten besprochen, über gemeinsame Urlaubspläne nachgedacht oder einfach nur Tagesausflüge diskutiert.

Mit dem Grundgedanken „gemeinsam sind wir stärker, effizienter, größer und besser“ sind das Trike Center GoodDrive AG und das Moto Center Birrer GmbH eine Partnerschaft unter dem gemeinsamen Namen GoodDrive AG eingegangen. Dieser Zusammenschluss ermöglichte mehr Dienstleistungen und einen modernen und zeitgemäßen Service. Die Firma Trike Center GoodDrive AG (bisher in Holderbank AG) und das Moto Center Birrer (bisher in Wallbach AG) haben nun ihr gemeinsames Domizil in Gretzenbach/SO gefunden. Die GoodDrive AG hat seit dem 1. Januar 2005 den Generalimport von Boom-Trikes übernommen, die Standorte Holderbank und Wallbach wurden aufgelöst. 750 Quadratmeter umfasst allein der Ausstellungsraum. „Wir haben immer alle Modelle auf Lager. Bei uns kann sich ein Trike-Interessent alles anschauen und

muss nicht nach Prospekt kaufen!“ erklärt uns Reto Schatzmann. „Selbstverständlich können wir jedes Trike nach Wunsch aufbauen. Dafür steht uns eine 400 Quadratmeter große Werkstatt zur Verfügung. Dort widmet sich der Werkstattleiter Oliver Birrer mit seiner über 10-jährigen Trike-Erfahrung den Dreirädern. Für individuelles Lackdesign ist Tom Anliker verantwortlich. Sein Bereich mit eigener Spitzkabine befindet sich im Untergeschoss.“ Tom hat auch das Design des außergewöhnlichen Trike mit den Totenkopfapplikationen entwickelt. Sie sind überall im Lack zu finden. Sie sind teilweise so geschickt versteckt, dass man den richtigen Blickwinkel treffen muss, um die einlackierten Motive zu entdecken. Sogar in den Radsternen der Felgen oder den Bohrungen im Gasgriff entdeckt man das Hauptmotiv.

Der Blick vom hauseigenen Café fällt immer auf Trikes. Hier fühlt man sich wohl.

Im Untergeschoss steht die Vermietflotte bereit für die ersten Sonnenstrahlen.


Die Radkränze der Räder sind ebenfalls lackiert, natürlich mit dem alles bestimmenden Totenkopfmotiv.

Liebe zum Detail: Sogar in den Bohrungen der Griffarmaturen findet man das Totenkopfmotiv.

Dieser Schriftzug sagt den Eingeweihten: 170 PS.

„Es hat sich mittlerweile rumgesprochen, dass die Schweiz eine zwar kleine aber sehr aktive Trike-Szene hat, erklärt uns Reto Schatzmann. „Zu unseren Veranstaltungen können wir immer mehr deutsche und französische Besucher begrüßen. Und so manch deutscher Kunde aus der Grenzregion nimmt die Anfahrt in Kauf, um bei uns Inspektionen machen zu lassen.“ Dass Entfernungen keine wichtige Rolle spielen, um dort hinzufahren, wo man sich wohl fühlt und man Vertrauen in das Werkstattpersonal hat, kann man nachvollziehen. Das ist in anderen Branchen ähnlich. In der Automobilbranche ist heute bei den Händlern in vielen Fällen mehr Schein als Sein. Ein Glaspalast strahlt noch keine Kompetenz aus. Diese muss beim Kunden hart erarbeitet werden. Die Firma Gooddrive in der Schweiz ist sicher Europas Paradebeispiel, wie man Service, Kundennähe und Begeisterung für das Hobby unter ein zeitgemäßes und geräumiges Dach einer außergewöhnlichen Infrastruktur bringt. Tja, manchmal muss man nur an seine Träume glauben, damit sie Realität werden. Martin Franitza Gemeinsame Ausfahrten stehen bei der Firma Gooddrive regelmäßig im Terminkalender.

Gooddrive Sonderanfertigungen • Frontmaske • Armaturenbrett mit Geschwindigkeits- u. Drehzahlmesser, Öltemperatur – Öldruckund Wassertemperaturmesser, Zeituhr und Kompass, diverse Anzeigen (Blinker, Licht usw.) • Tankattrappe mit integriertem Monitor für Kameras hinten und diversen Bedienelementen • Umbau Kotflügel hinten links und rechts: je eine Rückfahrkamera in Blinkerglas eingebaut • Lenker mit innenliegender Kabelführung. Diverse Tipschalter (Blinker, Hupe, Umschalten Rückfahrkamera) • Gasgriff von Gooddrive • Fahrer- und Beifahrersitz bestickt • seitlich ausgefräster Schriftzug mit lackiertem Streckgitter hinterlegt in Motorabdeckung • Lüftungsgitter mit lackiertem Streckgitter hinterlegt. • Doppel-LED-Ringe mit Blinker, Brems- und Positionslicht, Rückfahrt- und Nebellicht.

2006 wurde Seit unserem Besuch im Dezember wurden Sitze Die ziert. fi modi das Trike nochmal anderen bestickt und das Trike erhielt einen Lenker.

• Felgenbett hinten und vorn poliert, Felgenstern lackiert • Motor: Peugeot 2.0S, Tuning auf ca. 170 PS. Offener Luftfilter. Spezial-Auspuffanlage • Sämtliche Bedienelemente sind elektronisch gesteuert (nicht mehr über Relais) • automatische Blinkerrückstellung. Anlasser über Tipschalter betätigt • Lackierung: schwarz/cobold-blue Candi. Airbrush mit Totenköpfen und Tribals, ca. 12 Lackschichten

Das Goodrive-Team (unten links bis rechts): Tom Anliker (Lackierung/Airbrush, Freelancer), Reto Schatzmann (Geschäftsführer), Martina Schatzmann (Administration, Werbung), oben links bis rechts: Patrick Stäuble (Mechaniker), Cuno Siegrist (Administration, Werbung, Allrounder), Oli Birrer (Betriebsleiter).

Dieser frische Bursche lacht von der Anhängerkupplung.

In die rechte Leuchte ist ein Auge der Rückfahrkamera eingelassen.

wie in einem Flugzeug: 10Fast Heft 2 / 2007 Das Cockpit des Custom-Trikes.

In die Tankattrappe ist der Monitor der Rückfahrkamera eingelassen.

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Trike Magazin Titelstory  

Titelstory im Trike Magazin über GoodDrive AG, Schweiz

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