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01/2014 März JCVP Kanton Luzern

Das «C»


Inhalt

Editorial

Editorial 3

JCVP – In der Kürze liegt die Würze

Thema Das «C» der CVP aus historischer Sicht

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Was bedeutet eigentlich «christlich»?

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Christlich leben

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Andere Länder – andere christliche Parteien

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Schweiz Das Volk hat entschieden

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Gesichter der JCVP Olivier Bucheli

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Kanton Ich störe mich am Parlamentsdefizit

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Wo der Schuh in Frankreich drückt

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Kriens JCVP Kriens sorgt für neues Zentrum

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Neuer Einwohnerrat in Kriens

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Gastkolumne 22 Patronatskomitee 23 Impressum 23

JCVP, das ist die Abkürzung der Jungen ChristlichDemokratischen Volkspartei. Aus der Abkürzung ist das demokratische Element nicht ersichtlich, trotzdem nennen wir uns nicht JCDVP. Denn in der Kürze liegt die Würze. Bei Abkürzungen wird auf etwas verzichtet, um gleichzeitig etwas zu gewinnen. Aus diesem Grund hat die ChristlichDemokratische Partei des Kantons Luzern in ihrem Vorschlag fürs Parteiprogramm darauf verzichtet, das C explizit als «christlich» auszuschreiben. Weil ihr klar war, dass das C im Namen für «christlich» steht. An der DelegiertenverTobias Käch, Präsident sammlung wurde über diese Anpassung diskutiert. Klar war, JCVP Kanton Luzern dass das C ein elementarer Bestandteil des Parteinamens und -programms ist. Denn für die drei namensgebenden Buchstaben C, V und P waren jeweils drei bis sechs Unterpunkte zur Verdeutlichung aufgeführt. Viele der Formulierungen wurden diskutiert und einige neue Vorschläge dafür gemacht. Auch das ausgeschriebene C wurde gefordert. Die Forderung fand eine Mehrheit unter den Delegierten, worauf «christlich» wieder ausgeschrieben wurde. Die NLZ hat ebenfalls abgekürzt (sehr wahrscheinlich um der Würze in der Suppe willen) und ihren Frontseiten-Artikel «Luzerner CVP streicht Begriff «christlich» aus Parteiprogramm» von einem Journalisten schreiben lassen, der nicht vor Ort war. Das Hörensagen musste ausreichen. Dabei wurde einiges nicht so wiedergegeben, wie es war. Das hat bei der CVP für viel Unmut und Erklärungsbedarf gesorgt. Auch wenn die Presse zu Beginn negativ war, so konnte zumindest dank den diversen Richtigstellungen, sowie Radioberichten, die eigene Sichtweise dargestellt werden. Zudem kam es auf breiter Ebene zu interessanten Gesprächen über das C. Das C steht für christlich-ethische Werte, Werte wie Selbstverantwortung, Subsidiarität, Solidarität und Nachhaltigkeit. In kurzen Sätzen ausgedrückt heisst dies, dass wir... ...auf Eigenverantwortung bauen in Familie, Beruf, Staat und Gesellschaft. ...zuerst auf Einzelne, Private, Gruppen und die unterste Ebene des Staates setzen. ...für Mitverantwortung sind, wenn Mitmenschen, Gruppen oder Gemeinden und Regionen überfordert sind. ...eine Politik vertreten mit ökonomischer, ökologischer sowie sozialer Verantwortung und dabei stets einen anständigen Umgang mit politisch anders Denkenden pflegen! Die Debatte um das C im Namen wird auch in der JCVP geführt. Die aktuelle Ausgabe des Jmpuls ist genau diesem Thema gewidmet. Und da eine Diskussion kein Monolog sein soll, freuen wir uns auf Rückmeldungen!

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Thema

Thema

Das «C» der CVP aus historischer Sicht Wer hätte gedacht, dass eine Rechtsschule das «C» massgebend beeinflusst hatte? Und dass vor dem «C» ein «K» in der Parteiabkürzung dominierte? von Mike Bacher, Präsident der Jungen CVP Obwalden, Assistent für Rechts- und Staatsphilosophie an der Universität Luzern

In den vergangenen Jahren gab das «C» im Parteinamen der CVP regelmässig Anlass zu Diskussionen. Nicht selten werden diese als ein Phänomen der letzten Jahre angesehen und mit dem Hinweis versehen, dass sie ein Zeichen des angeblich abnehmenden Einflusses der Religion in der Gesellschaft seien. Die Frage, welche Grundwerte die Partei vertritt und wie diese im Parteinamen repräsentiert werden sollen, reicht allerdings bis weit in die Anfänge der konservativen Bewegung in der Schweiz zurück. Sie gehört mit der Geschichte der CVP untrennbar verbunden. Wie weiter nach den Franzosen?

Nachdem die französischen Revolutionstruppen 1798 auch in die Eidgenossenschaft einmarschiert waren, um ihre «Errungenschaften» einzuführen, ging mit der «Alten Eidgenossenschaft» auch deren rechtliches und politisches System vorläufig unter. Erst mit der Vertreibung der französischen Herrschaft konnten 1814/15 die vorrevolutionären Zustände wiederhergestellt werden («Restauration»). Die Anhänger der Revolution waren allerdings damit nicht einverstanden 4

und forderten eine Weiterentwicklung des Staates auf Basis der revolutionären Ideen. Diese Auseinandersetzung sollte in der Folge den Nährboden für die Herausbildung des modernen Parteiwesens in der Schweiz bilden.

müssen sich mit der historischen Entwicklung des Rechtes auseinandersetzen und zugleich den «Volksgeist» darin aufspüren, um es auf dieser Grundlage weiterzuentwickeln.

Wie weiter mit der Gesetzgebung?

Dieser Gedanke wurde speziell in der Schweiz positiv aufgenommen. Denn gerade die ununterbrochene Rechtsentwicklung der Eidgenossenschaft seit dem Spätmittelalter begünstigte Forschungen in diesem Bereich. Dies führte dazu, dass im Wintersemester 1839/40 auch der junge Luzerner Philipp Anton von Segesser (18171888) nach Berlin reiste, um dort Savigny zu hören. Er freundete sich mit ihm an und blieb zeitlebens ein Anhänger der historischen Rechtsschule. Sie war es, die den theoretischen Hintergrund für sein grosses Werk, nämlich die Sammlung aller (Katholisch-) Konservativen nach der Niederlage im Sonderbundskrieg 1847, lieferte. Allerdings ergänzte von Segesser diese Konzeption um eine wesentliche Nuance. Für ihn waren zwei Elemente für die Identitätsfindung eines Volkes zentral: neben dem Recht auch die Religion. Während das Recht die äussere Form der Staatsentwicklung darstellt, beeinflussen die religiösen Grundlagen die innere Überzeugung. Bezogen auf die Eidgenossenschaft handelte es sich dabei um das Christentum. Dies sollte allerdings nicht heissen, dass die Religion direkt auf das Recht wirkt. Vielmehr betonte von Segesser,

Vorläufig ist dabei festzustellen, dass dieser Kampf zwischen Revolution und Restauration besonders die Rechtswissenschaft betraf, da die Gesetzgebung und Gesetzesanwendung als Schlüsselbereiche für die Verwirklichung der jeweiligen Staatsidee betrachtet wurden. Zum Eklat kam es dabei 1814 in Deutschland. Der Heidelberger Professor Anton Friedrich Justus Thibaut (1772-1840) hatte ein einheitliches Gesetzeswerk für ganz Deutschland gefordert. Gemäss den damals noch aktuellen Vorstellungen soll es sich dabei um ein möglichst vollständiges Werk handeln, das alleine auf der Vernunft basiert. Dagegen wandte sich nun der junge Professor Friedrich Carl von Savigny (1779-1861). In seiner berühmt gewordenen Antwortschrift «Vom Beruf unserer Zeit für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft» entwickelte er ein von Grund auf neues Rechtsbewusstsein, das im Laufe der nächsten Jahrzehnte im deutschsprachigen Europa die Rechtswissenschaft neu konzipierte: die historische Rechtsschule. Grundidee derselben war es, dass das Recht eng mit der Geschichte und der Überzeugung eines Volkes zusammenhängt. Der Gesetzgeber und die Richter

Was machte von Segesser daraus?

dass die seit mehr als einem Jahrtausend geltende christliche Übung dazu geführt habe, dass die grundlegenden Werte und Anschauungen des Christentums in den Volksgeist Eingang gefunden haben, und wir alle somit – bewusst oder unbewusst – eine christliche Prägung besitzen. Wie wurde daraus die CVP?

Eine auf dieser Idee basierende Partei müsse nach von Segesser deshalb, neben dem Konservativismus als geistigen Hintergrund und dem Föderalismus als staatsordnendes Prinzip, im Speziellen auch die christlichen Werte als gesellschaftliches Fundament berücksichtigen. Diese drei Elemente waren es, die schliesslich 1912 die Grundlage der «Schweizerischen Konservativen Volkspartei (KVP)» wurden. Nicht umsonst waren in dieser Zeit viele führende Parteihäupter – nicht zuletzt der Gründungspräsident Adalbert Wirz (1848-1925) – bekennende Anhänger der historischen Rechtsschule Segesser’scher Prägung. Während in den ersten Jahrzehnten der KVP das erste Prinzip von Segessers im Parteinamen Eingang fand, wurde ab 1957 (Konservativ-Christlichsoziale Volkspartei) und besonders ab 1970 (Christlichdemokratische Volkspartei) das dritte Element – nämlich die christlichen Werte – besonders betont. Damit wurde auch gegen Aussen dokumentiert, dass die CVP zum christlichen Erbe steht, welches die Gesellschaft bis heute prägt und charakterisiert. 5


Thema

Thema

Was bedeutet eigentlich «christlich»? Das Wort «christlich» treffen wir in unserem Alltag oft an. Ich wage aber zu behaupten, dass wir uns selten fragen, was «christlich» für uns bedeutet. von Eva-Maria Habermacher

Auf den ersten Blick verbinden viele Menschen das Wort «christlich» mit jemandem, der oft in die Kirche geht. Diese Bedeutung ist sicherlich auch historisch gewachsen, als mehr Leute als heutzutage regelmässige Kirchengänger waren. Zudem verbinden viele das Wort mit dem Namen Jesus Christus. Doch was bedeutet es noch? Was sagt der Duden?

Zuerst möchte ich mich den sogenannten «harten Faktoren» zuwenden und eine Definition zu Rate ziehen. Wenn man den Duden befragt, was «christlich» bedeutet, kommen unter anderem folgende Erklärungen: Christlich bedeutet zum einen, im Christentum verwurzelt und verankert zu sein. Auf der anderen Seite wird es eng mit der Kirche verbunden: «der christlichen Kirche entsprechend, kirchlich.» Eine weitere Definition lautet: «sich zum Christentum bekennend und der Lehre Christi entsprechend.» Es gibt auch eine Steigerung dieses Wortes: christlich, christlicher, am christlichsten. Natürlich ist es spannend herauszufinden, was uns die Bibel über das

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«christlich sein» sagt. So können wir beispielsweise im Neuen Testament erfahren, wie die ersten Menschen «christlich» wurden. In einigen Textpassagen ist geschildert, wie die ersten «christlichen» Menschen auf Jesus trafen. Dieser sprach sie an und forderte sie auf, alles hinter sich zu lassen und ihm sowie seiner Lehre zu folgen. So wurden diese Menschen die ersten Christen. Und was bedeutet «christlich» in unserem Alltag?

Wenn wir uns den «weichen Faktoren» zuwenden, gibt es sehr viele verschiedene Arten, wie das Wort «christlich» ausgelegt werden kann. Meiner Ansicht nach gibt es betreffend die verschiedenen Meinungen bezüglich der Bedeutung des Wortes kein richtig oder falsch. Ich denke, es hängt von vielen Einflussfaktoren ab, wie wir das Wort selber für uns definieren: Beispielsweise in welchem Umfeld wir aufgewachsen sind, welche Werte uns mitgegeben wurden und vieles mehr. Wenn man Menschen im Bekannten- und Verwandtenkreis anfragt, was für sie christlich ist, bekommt man viele verschiedene Antworten. «Christlich heisst ein guter Mensch zu sein», war zum Beispiel ein häufig genannter Satz. Auf die Nachfrage was denn ein guter Mensch sei, haben die meisten zuerst eine Weile nachgedacht. Schliesslich kamen alle zu einem ähnlichen Ergebnis: Ein guter

Auch die Weitergabe von Traditionen ist für mich etwas Christliches.

Mensch und somit in den Augen vieler ein christlicher Mensch ist jemand, der sich für die anderen (und gleichzeitig häufig Schwächeren) tatkräftig einsetzt und sich nicht selber in den Mittelpunkt stellt. Anstelle von «gut» habe ich auch oft das Wort «anständig» gehört, wobei die Beschreibung für einen «anständigen Menschen» jener des «guten Menschen» im Kern sehr ähnelte. Für andere wiederum bedeutet christlich, dass man getauft und Mitglied der Kirche ist. Was heisst es für mich persönlich?

Wenn ich das Wort «christlich» höre, denke ich in erster Linie an eine rechtschaffene Person, die nicht sich selber sondern die Personen um sich herum ins Zentrum stellt. Obwohl ich an Gott glaube, sind für mich auch Menschen

(Bild: Eva-Maria Habermacher)

«christlich», die nicht regelmässige Kirchengänger sind. Wobei ich persönlich mit der Kirche viele «christliche» Traditionen verbinde. Für mich ist «christlich» keine Religionszugehörigkeit sondern ein Lebenskonzept. Die Weitergabe dieses Lebenskonzeptes sowie der Traditionen in der Gemeinschaft ist für mich im «christlichen» Sinne tätig zu sein. Für mich ist also «christlich» ein sehr positives und auch modernes Wort, denn «christliche» Menschen brauchen wir. Und so kann die JCVP stolz sein, ein «C» in ihrem Namen zu tragen.

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Thema

Thema

Christlich leben Was bedeutet das «C» in unserem Parteinamen für den Alltag? Wie setze ich es um?

bedeutet christlich auch Verantwortung zu übernehmen für die Natur, für eine langfristig lebenswerte Welt.

von Madeleine Piazza

Neugierig sein

Wenn eine Frau in grösster Not von ihrem Ehemann wegläuft, weil sie es bei ihm nicht mehr aushält, dann bricht sie gemäss Kirche mit dem Versprechen der Ehe. Ist dieses Verhalten also unchristlich? Dürfen wir einer Frau in dieser Situation beistehen, sie in ihrem Vorhaben unterstützen? Ist das christlich? Wenn ein junger homosexueller Mann zu seiner Neigung steht, sich öffnet und versucht, damit ein normales Leben zu führen, dann handelt er nicht nach den Geboten der Kirche. Wie sollen wir mit ihm umgehen? Ihn verachten und für seine Neigung bestrafen? Oder ihn mittragen und ihn als Menschen annehmen, so wie er ist? Sie merken, worauf ich hinaus will: Oberster Wert in einer christlichen Gesellschaft ist für mich Solidarität. Wir nehmen die Menschen so, wie sie sind. Egal welcher Hautfarbe, welcher sexuellen Orientierung und welchem Geschlecht er oder sie angehört. Christlich bedeutet, jeden Menschen als Individuum ernst zu nehmen und anzunehmen. Christlich sein heisst, nicht auszugrenzen. Wir tragen Verantwortung füreinander und miteinander für unsere Welt. Daher

Christlich im Alltag bedeutet auch, Offenheit für andere zu zeigen. Wer mit einer offenen Haltung anderen gegenübertritt, entdeckt in jedem einzelnen kleine Schätze, einen unfassbaren Wert an Erfahrungen, Wissen, Weisheiten. Diese zu tolerieren und dankbar zu reflektieren, bedeutet für mich christliches Handeln. Nicht vorurteilsvoll aufeinander zuzugehen, sondern dankbar im Wissen darum, Neues zu lernen und zu verstehen. Den Menschen kennenzulernen, neugierig zu sein, von anderen in diesem Sinne für das eigene Leben profitieren zu können, stellt für mich ein Grundwert des Miteinanders dar.

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Dankbar und unbeschwert sein

Jeden Tag können wir unser ChristSein in den kleinen Dingen im Leben zeigen: Im Bus den Platz für Betagte frei geben, beim Bäcker der Verkäuferin mit einem Lächeln unseren Dank aussprechen, respektvoll mit dem Strassenwischer umgehen, den Kindern ein Vorbild beim Überqueren des Fussgängerstreifens sein, die alleinstehende Nachbarin zu einem Znacht einladen, im Büro dem Kollegen für die geleistete Arbeit danken.…Manchmal muss man über seinen Schatten springen und natürlich gelingt es uns

Der Dom thront über allem - ob man deshalb besonders christlich lebt in Florenz?

nicht immer gleich gut, diese Werte zu leben. Aber als Grundhaltung in den Alltag eine gewisse Dankbarkeit zu integrieren, hilft ungemein, einfacher durchs Leben zu kommen. Denn wie heisst es so schön: So wie man in den Wald ruft, so kommt es zurück. Wenn wir selber mürrisch und schnippisch durch den Alltag gehen, müssen wir uns nicht wundern, wenn andere auch so mit uns umgehen. Alles in allem heisst für mich Christ sein auch, sich selber nicht so wichtig zu nehmen. Denn wenn wir uns selber nicht allzu wichtig nehmen, ist in unserer Wahrnehmung Platz für andere. Sei das in grossen Fragen wie bei der Zuwanderung in unser Land oder in kleinen Dingen wie dem Platzmachen im Bus – wer sich selber

(Bild: Shirin Grünig)

nicht allzu wichtig nimmt, lebt leichter und unbeschwerter. Respektvoll sein

In diesem Sinne gibt uns das «C» in unserem Parteinamen einen Leitfaden, wie wir miteinander umgehen sollen. Nämlich in einer Art und Weise, wie es Jesus schon mit seinen Mitmenschen tat. Jeden Menschen annehmen, wie er ist. Das «C» hat für mich nichts mit den Dogmen der römisch-katholischen Kirche zu tun, nichts mit den zum Teil haarsträubend konservativen Ansichten von Päpsten und Bischöfen und auch nichts damit, ob wir nun jeden Sonntag in die Messe gehen. Das «C» soll für uns ein Leitfaden für ein respektvolles, tolerantes Miteinander sein.

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Thema

Thema

Andere Länder – andere christliche Parteien In der Schweiz gibt es die CVP. Aus Deutschland kennt jeder die CDU. Doch noch in vielen anderen Ländern gibt es christliche Parteien. von Yanick Minder

Welche Parteien neben der CVP nennen sich noch christlich? Welche Werte verfolgen sie? Wie gross ist ihr politischer Einfluss? Nachbarländer CDU (Deutschland): Die

CDU (Christliche Demokratische Union Deutschlands) wurde nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Berlin gegründet. Seit der Gründung steht die CDU in Deutschland für alle Menschen, auch Nichtchristen, offen. Heute ist die CDU die zweitgrösste Partei Deutschlands mit einer Mitgliederzahl von ca. 470‘000 Personen und einem Durchschnittsalter von 59 Jahren. Der Frauenanteil liegt bei ca. 26 Prozent. Die christliche Prägung ist in der Gründungsgeschichte verwurzelt. Im Jahre 1945 traten Katholiken der Deutschen Zentrumspartei, die seit 1870 existierte, und evangelische Christen in einer politischen Bewegung zusammen, aus der dann die CDU hervorging. Laut einer Studie einer Universität in Berlin vom Jahre 2005 bekennen sich 84 Prozent der Mitglieder zur katholischen oder evangelischen Konfession, 16% gehören keiner Religion an. Da sich die CDU für eine Verankerung des christlichen Glaubens in der EU, für die allgemeine Bewahrung christlicher 10

Symbole im öffentlichen Raum und für die Erhaltung christlicher Feiertage einsetzt, merkt man, dass christliche Werte in der Partei wichtig sind. ÖVP (Österreich): Die ÖVP (Österreichische Volkspartei) wurde im April 1945 in Wien gegründet. Seit der Gründung stellte die Partei in 13 von 28 Regierungen den Bundeskanzler, was sehr bemerkenswert ist. In der aktuellen Koalitionsregierung mit der SPÖ (Sozialdemokratische Partei Österreichs) gehören u.a. der Vizekanzler, der Aussenminister, die Innenministerin und der Finanzminister der ÖVP an. Heute hat die Partei rund 700‘000 Mitglieder. Obwohl kein «C» im Parteinamen vorhanden ist, sieht sich die ÖVP als eine christdemokratische Partei. Das Grundsatzprogramm der Partei vertritt seit der Gründung von 1945 folgende Werte: Freiheit, Verantwortung, Leistung und Sicherheit. Benelux

In Belgien gibt es insgesamt drei christliche Parteien, für den flämischen, deutschen und französischen Landesteil je eine. Ich habe mich für die CD&V (Christen-Democratisch en Vlaams, auf Deutsch Christlich-Demokratisch und Flämisch) entschieden, da sie bei uns kaum bekannt ist. Gegründet wurde die Partei im Jahre 1869 als Katholische Partei. Nach dem 2. Weltkrieg gliederte sich die Katholische Partei in die im August 1945 gegründete Christelijke Volkspartij CVP (Christliche Volkspartei) ein. CD&V (Belgien):

2001 änderte die CVP ihren Namen in CD&V. Mit einer Mitgliederzahl von 70‘000 Mitgliedern ist die CD&V die grösste Partei im flämischen Gebiet und dominiert dort die Politik. Eines ihrer grössten politischen Ziele ist das Leben mit christlichen Werten in der Gesellschaft. Die zwei bekanntesten Gesichter der CD&V sind der mehrmals wiedergewählte Ministerpräsident von Flandern Kris Peeters sowie der Senator und Kirchenrechtler Rik Torfs. Torfs machte Schlagzeilen als er 2010 seine eigene Partei kritisierte, da der christliche Wert nach seiner Meinung zu kurz käme. CDA (Niederlande): Die CDA (Christen Democratisch Appèl, auf Deutsch Christlich-Demokratischer Aufruf) wurde aus dem Zusammenschluss von zwei protestantischen und einer katholischen Partei im Jahre 1980 in Den Haag gegründet. Sie ist mit der deutschen CDU zu vergleichen. Bis 2010 war sie die stärkste Partei in den Niederlanden, erlitt aber Ende 2010 eine schwere Wahlniederlage und fiel auf den vierten Platz zurück. Heute hat die Partei rund 59‘000 Mitglieder. 1994 hatte sie noch 100‘000. Die wichtigsten Werte der Partei sind öffentliche Gerechtigkeit, geteilte Verantwortlichkeit im politischen Sinne und Solidarität. In ihrem Grundsatzprogramm steht, dass sie politische Fragen auf eine christlich-demokratische Weise beantworten möchten. Der Mensch sei Verwalter der von Gott geschaffenen Welt, auch der Staat

habe sich so zu verhalten. Die Natur und die Umwelt müssten geschützt und respektiert werden, sodass «die Früchte der Schöpfung allen zu Gute kommen». Skandinavien KD (Finnland): Die

KD (Kristillisdemokraatit, auf Deutsch Finnische Christdemokraten) sind eine christliche-konservative Partei in Finnland. Gegründet wurde die Partei im Jahre 1958 unter dem Namen «Christlicher Bund Finnlands». 2001 erfolgte dann die Umbenennung in «Christdemokraten». Mit einer Mitgliederzahl von ca. 13‘000 und sechs Abgeordneten im finnischen Parlament, ist die KD eher eine kleine Partei in Finnland. Die KD ist konservativ geprägt, vertritt in sozialen Fragen aber linke Ansichten. Das Programm basiert auf dem christlichen Menschenbild. Die Partei betont den christlichen Glauben als Grundlage für ihre politische Arbeit, die Familie als das wichtigste der Gesellschaft und die Verantwortung für den Frieden in Finnland. Zugleich sprechen sich die Christdemokraten gegen gleichgeschlechtliche Ehen, Abtreibungen, Sterbehilfe und Scheidungen aus. Sie fordern Achtung der Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit, was eher die linke Seite der Partei wiederspiegelt. KD (Dänemark): Die KD (Kristendemokraterne, auf Deutsch Christdemokraten) wurde 1970 in Aarhus aufgrund von Protesten gegen die Legalisierung von 11


Thema

Schweiz

Das Volk hat entschieden Die JCVP Schweiz bedauert die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative. Den Entscheid gilt es zu akzeptieren und umzusetzen. von Jean-Pascal Ammann Abtreibungen und Pornografie gegründet. Sie ist eine sehr kleine Partei mit einer Mitgliederzahl von 24‘000. Das Grundsatzprogramm enthält folgende wichtige Punkte: Verteidigung christlicher Werte, Schutz von Ehe und Familie, Bewahrung der Schöpfung, Bekämpfung von Alkohol- und Drogenmissbrauch, Schutz des ungeborenen Lebens von Anfang an, Verbot aktiver Sterbehilfe, Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Zusammenarbeit mit anderen christdemokratischen Parteien in Europa. Wegen dieser Grundsätze wurde die Partei von Königin Margrethe zur religiösesten Partei der Nation erklärt. Südamerika

Die PDC (Partido Demócrata Cristiano, auf Deutsch Christdemokratische Partei) ist eine politische Partei die im Jahre 1957 in Santiago de Chile gegründet wurde. Seit der Gründung bis 2000 hatte die Partei drei Staatspräsidenten in Chile. Die Partei wurde ab 1978 bis 1985 unter dem Diktator Augusto Pinochet verboten. Die PDC ist eine der vier grossen Parteien in Chile, mit einer Mitgliederzahl von 113‘000. In der aktuellen Regierung unter Präsidentin Michelle Bachelet vertreten 20 von insgesamt 120 Parlamentsabgeordneten und 6 von 38 Senatoren die Partei. Das Grundsatzprogramm der Partei basiert auf christlichen und familiären Überlegungen. Folgende Punkte strebt die Partei PDC (Chile):

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an: Gleichstellung von Mann und Frau, Verhinderung von Gewalt innerhalb der Familie, neue Familiengesetze, Einführung besonderer Familiengerichte, ein neues Adoptionsgesetz, der Erhalt christlicher Werte in Chile und eine bessere religiöse Aufklärung in der Schule. Naher Osten

Die FL (Forces Libanaises, auf Deutsch Libanesische Kräfte) wurde 1990 in Maarab, im Osten Libanons, gegründet. Zuvor (seit 1977) war sie die christliche Miliz vom Präsidenten Bachir Gemayel, der später ermordet wurde. Im Libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990) spielte die Miliz eine wichtige Rolle. Während dieser Zeit repräsentierte die Miliz die Christen des Libanon. Im Jahre 1990 wandelte sich die Miliz unter Samir Geagea in eine Partei. Erst Anfang 2005 erlangte die Partei die volle Bewegungs- und Meinungsfreiheit, da sie zuvor von der pro-syrischen Regierung stark unterdrückt wurde. Die Partei sieht sich selber als nationalistisch und konservativ. Die FL sieht sich als Vertreterin der Christen im Libanon, die rund 39 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Durch eine Koalition mit kleineren Parteien gewann die Partei 72 von 128 Sitzen im Parlament, was ein grosser Gewinn für die Christen im Land darstellt. Der jetzige Staatspräsident Michel Sulaiman ist der erste christliche Staatschef im Nahen Osten. FL (Libanon):

Eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer hat sich für die SVP-Initiative ausgesprochen. Die SVP steht nun in der Verantwortung. Ihre Initiative ist sehr schwammig formuliert, es ist absolut unklar, wie hoch die Kontingente sein sollen. Diese Unsicherheit ist Gift für die Schweizer Wirtschaft. Mich stört diese destruktive Haltung der SVP: Das Parlament soll die Umsetzung ihrer Initiative regeln und unsere Diplomaten sollen irgendetwas Neues mit Brüssel aushandeln. Es würde mich nicht überraschen, wenn sich die SVP dann wieder dagegen ausspricht. Deshalb muss die SVP jetzt klare Worte finden, wie ihre Initiative umgesetzt werden soll. Die SVP darf sich nicht vor den Konsequenzen drücken und muss Lösungen für die kommenden Probleme aufzeigen. Problematische Distanz

Wie konnte es zu diesem Ja kommen? Das Parlament hat die Sorgen der Bevölkerung zu wenig ernst genommen. Es ist in den letzten Jahren ein Trend hin zu einem Berufsparlament erkennbar, die Nähe zur Bevölkerung geht abhanden. Das Milizprinzip existiert in der Politik nur noch auf dem Papier. Die JCVP Schweiz erachtet diese Entwicklung als besorgniserregend. Wie es auch gehen könnte

Die Demokratie muss sich weiterentwickeln. In den Kantonen Graubünden und Wallis werden zusammen mit den Parlamentariern Ersatzleute gewählt, sogenannte Suppleanten. Wieso soll man dieses Modell nicht auch auf eidgenössischer Ebene einführen? Suppleanten entlasten die Parlamentarier und machen so Milizpolitik wieder möglich. Das Milizprinzip hat die Schweiz stark gemacht und ermöglicht Politiktätigkeit und gleichzeitige Verankerung in einem Beruf. Zudem würde die Politik transparenter, denn jeder Parlamentarier beschäftigt in irgendeiner Form bereits heute persönliche Mitarbeiter. Eine Volkswahl würde sie legitimieren. Und nicht zuletzt sinken durch die Aufgabenteilung die Abhängigkeit einzelner von ihrer Stellung in der Politik und damit auch der Profilierungszwang, der in den letzten Jahren immer unverzichtbarer geworden ist. Ich bin überzeugt, dass ein SuppleantenModell die Politik wieder volksnäher machen würde und es auch jungen Kräften die Möglichkeit böte, sich zu engagieren. Die Antwort auf den vergangenen Abstimmungssonntag muss mehr Demokratie sein.

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Gesichter der JCVP

Kanton

Olivier Bucheli, wohnhaft in Rain, ist 24 Jahre alt und studiert Unternehmensführung auf der Masterstufe an der Universität St. Gallen. Neben dem Studium und der Politik engagiert sich Olivier als Vize-Präsident in der Studentenschaft der HSG. In seiner Freizeit spielt er Tennis und Golf.

Ich störe mich am Parlamentsdefizit

1. Warum interessiert dich die JCVP und was sind deine politischen Schwerpunkte?

Im letzten Jmpuls hat Jean-Pascal Ammann die Forderung vorgestellt, dass Verordnungen einem Veto unterstellt werden sollen. Damit soll u.a. das Machtgleichgewicht zwischen Parlament und Verwaltung wiederhergestellt und der Charakter von Gesetzen bewahrt werden.

Der Beitritt zur JCVP Luzern war ein bewusster Entscheid. In der JCVP sehe ich die grösste Übereinstimmung mit meinen persönlichen politischen Überzeugungen. An der JCVP finde ich spannend, dass sie Personen mit den unterschiedlichsten politischen Ansichten vereint. Im Unterschied zu anderen Parteien entstehen dadurch angeregte Debatten. Ich bezeichne mich als bürgerlich und stehe für einen föderalistisch aufgebauten, demokratischen Rechtsstaat Schweiz ein. Neben dem Milizsystem sind dies die Pfeiler, auf welchen die Demokratie unseres Landes steht. Diese gilt es zu erhalten. Meine Interessen liegen vorwiegend in den Bereichen Asyl-, Sicherheits-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik.

Olivier Bucheli

2. Wie kann die JCVP mehr junge Menschen begeistern?

Die einfachste Art, Leute für etwas zu begeistern, ist sie betroffen zu machen. Wir als JCVP Luzern müssen den jungen Menschen zeigen, dass jede Entscheidung, die vom Parlament oder vom Volk gefällt wird, ihre Zukunft betrifft und beeinflusst. Indem wir auf aktuelle Themen und Probleme aus der Politik, Wirtschaft oder dem sozialen Leben eingehen und lösungsorientierte Massnahmen erarbeiten, zeigen wir den Jungen, dass sie die Entscheidungen nicht nur hinnehmen müssen, sondern sie auch beeinflussen können. 3. Was bedeutet das «C» für dich?

Das «C» ist für mich sehr wichtig. Im heutigen Kontext steht das «C» nicht nur für das Versprechen, anderen Menschen mit Respekt und Verantwortung zu begegnen. Das «C» ist für mich auch ein Zeichen, dass die CVP einen konservativen und bürgerlichen Ursprung hat. Auch wenn dies nicht von allen CVPlern gerne gehört wird, erinnert mich das «C» stets daran, für die schutzwürdigen Werte des Föderalismus, des Milizprinzips und des Mittelstands konsequent einzustehen. 4. Was möchtest du im Vorstand der JCVP Kanton Luzern erreichen?

Im Bereich Marketing und Kommunikation möchte ich mit Hilfe der modernen Kommunikationsmittel (Social Media, Webpage) viele junge Menschen ansprechen und sie für unsere Politik begeistern. Ich sehe darin nicht nur eine grosse Chance, sie über unser Tun und Wirken zu informieren, sondern auch deren Anliegen aufzunehmen. Ich möchte erreichen, dass die JCVP Luzern eine Vorreiterrolle im Bereich Social Media übernimmt und sich dadurch deutlich von anderen Parteien abhebt. 14

Die JCVP Schweiz fordert, dass Verordnungen einem Veto unterstellt werden sollen. Ich will, dass das Parlament seine Verantwortung wahrnimmt. Eine Replik. von Renato Bucher

Wer gibt den Ton an?

Ein relativ einfacher Grundsatz im Staat lautet: Die Legislative (das Parlament) macht Gesetze, die Exekutive (der Bundesrat mit der Bundesverwaltung) führt aus. Allerdings kann weder der Bundesrat noch die Verwaltung ohne oder sogar entgegen gesetzlicher Bestimmungen tätig werden und z.B. Verordnungen erlassen. Oder anders gesagt: Alle Verordnungen der Verwaltung werden durch das Parlament überhaupt erst möglich gemacht. Nun will die JCVP Schweiz erreichen, dass Vorgaben des Parlaments sinngemäss umgesetzt und überambitionierte Verordnungen zurückgewiesen werden. Hierfür braucht das Parlament aber kein Vetorecht. Es reicht, wenn es ganz einfach seine Aufgabe erfüllt – Gesetze zu machen. Wenn das Parlament genaue Vorstellungen hat, wie etwas umgesetzt werden soll, kann es die Gesetze mit der entsprechenden Detailliertheit machen. Wenn es aber der Exekutive einen Spielraum belässt, wie eine Regelung umgesetzt werden soll, hat das Parlament keinen Grund, sich zu beschweren – denn schliesslich hat gerade es selber den «überambitionierten» Verordnungstext überhaupt ermöglicht. Wenn ich einem Architekten den Auftrag gebe, er solle mir «irgendein» Haus bauen, beschwere ich mich nachträglich auch nicht, wenn mir die Farbe nicht gefällt. Wohin führt das Veto?

Der Vorschlag der JCVP Schweiz ist im Ergebnis geradezu kontraproduktiv: Das Parlament würde noch mehr aus der Pflicht genommen. Anstatt seriöse, sorgfältige Gesetzgebung zu betreiben, dürfte es wohl oftmals heissen: «Ach, warum sollen wir alles so genau im Gesetz regeln – wir schauen, was die Verwaltung für eine Verordnung vorschlägt, und wenn’s uns nicht passt, dann legen wir ein Veto ein!» Ein Vetorecht würde das Parlament im Ergebnis nicht stärken, sondern schwächen. Es könnte seine Verantwortung relativ einfach an die Verwaltung abschieben. Ich will aber ein Parlament, das macht, wofür es gewählt ist: Seriöse, sorgfältige Gesetzgebung – und nicht bloss (wie leider immer öfters) Politmarketing für die nächsten Wahlen – zu betreiben. Ich wünschte mir, dass Leo Müller seine Kollegen hierzu anhält. Bewährte Grundsätze unseres Staatsaufbaus unter dem Deckmantel der Demokratiestärkung über den Haufen zu werfen, kann hingegen keine L��sung sein. 15


Kanton

Kanton

Wo der Schuh in Frankreich drückt Während meines Auslandaufenthalts versuchte ich den Puls der Grande Nation zu spüren und bemerkte einige Themen, die ihr Herz schneller schlagen lassen. von Severin Zumbühl Ich hatte die Ehre, ein Auslandsemester an der Universität Rouen in Nordfrankreich verbringen zu dürfen. Einige Eindrücke von Land und Leuten werden im folgenden ersten Teil meines Erfahrungsberichts skizziert. Politik und Wirtschaft in der Krise

Die französische Politik wird im Moment durch drei grosse Themen dominiert. Das erste und wohl wichtigste ist das Unvermögen der Regierung unter Staatspräsident François Hollande, die drängenden wirtschaftlichen Probleme zu lösen und Reformen einzuleiten. Der Staatspräsident ist relativ zum Parlament ziemlich mächtig; verbunden mit dem zentralistischen Regierungssystem Frankreichs macht ihn das zu einer exponierten Zielscheibe und zum zentralen Verantwortungsträger in der Politik. Mit der aktuellen Zustimmungsrate von nur 15 bis 20% gilt Hollande heute als der unpopulärste Präsident seit 50 Jahren. Viele Kommentatoren sind sich einig: Es bräuchte tiefgreifende Strukturreformen, vom Bildungswesen über das Arbeitsrecht bis zu den politischen Institutionen. Dazu ein Beispiel: Die Kathedrale prägt das Stadtbild von Rouen – Laizismus hin oder her.

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(Bild: Severin Zumbühl)

Das Schweizerische Arbeitsrecht umfasst (je nach Zählweise) nur etwa 250 Artikel. Das französische Arbeitsgesetz, der code de travail, besteht hingegen aus über 3500 Artikeln – Ausdruck eines sehr stark regulierten und unliberalen Arbeitsmarktes. Dazu kommt das tiefe Rentenalter 62. Das zweite grosse Thema ist das Erstarken der EU-feindlichen, rechten – nicht wenige Kommentatoren sagen rechtsradikalen – Partei Front national, die in Umfragen Zustimmungsraten von 24% erhält. Die beiden anderen grossen etablierten Parteien, die linke Parti socialiste und die rechte UMP, kommen auf lediglich 19 resp. 22%. Ein Grund für das Erstarken der Partei, die im Parteienspektrum mit der Schweizer AUNS vergleichbar ist, ist die wirtschaftliche Schwäche und die hohe Arbeitslosigkeit Frankreichs (im Moment 11%, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 25%). Das Steuerärgernis

Ein weiteres Dauerthema in der französischen Politik sind die sehr hohen Steuern, die der Regierung sogar einen Rüffel der EU-Kommission eingebracht haben. Die Schmerzgrenze ist sowohl für die Wirtschaft als auch für die Gesellschaft erreicht; der vielzitierte Begriff dazu lautet ras-le-bol fiscal, zu Deutsch etwa «Schnauze voll von den hohen Steuern». Der Laizismus, «Staatsreligion» Frankreichs

Passend zum Thema dieser Ausgabe – das «C» – möchte ich auf ein wichtiges Staatsprinzip Frankreichs eingehen, nämlich den Laizismus: die Trennung von Staat und Religion. Diese Trennung wird in Frankreich wie folgt umschrieben: Der Staat garantiert die Religions- und Kultusfreiheit. Der Staat verhält sich allen Religionsgemeinschaften gegenüber neutral und anerkennt, bevorzugt und subventioniert keine davon; deshalb müssen die Kirchen ihre Steuern selber einziehen. Die Staatsangestellten (und auch alle Schüler bis zur Matura!) müssen auf sichtbare religiöse Zeichen und Bekleidungen, insbesondere das Kopftuch, verzichten. Seit 2008 gilt in Frankreich ausserdem ein generelles Burka-Verbot im öffentlichen Raum. Auch in der Schweiz gibt es Stimmen, die eine stärkere Laizisierung fordern. Deshalb ein kurzer Vergleich: Das Verhältnis zwischen Staat und Religion ist in der Schweiz Sache der Kantone; in keinem Kanton gibt es eine vollständige Trennung. Im Kanton Luzern werden die römisch-katholische, die evangelisch-reformierte und die christkatholische Landeskirche als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt. Sie dürfen Steuern erheben, die vom Kanton eingezogen werden, und haben eine eigene Verfassung sowie ein Parlament mit Gesetzgebungskompetenz für ihre Belange. Die Fortsetzung meines Erfahrungsberichts folgt in der nächsten Ausgabe des Jmpuls. 17


Kriens

JCVP Kriens sorgt für neues Zentrum Ganz alleine haben wir es nicht geschafft. Aber auch dank uns sagten 57% Ja zum Zentrumsprojekt «Zukunft Kriens – Leben im Zentrum». von Michael Krummenacher

Schweizer Pilze Täglich frisch auf Ihrem Tisch

Das Thema Zentrumsgestaltung mobilisierte die Krienser Bevölkerung, wie die hohe Stimmbeteiligung von 60% zeigt. In den kommenden Jahren (von Herbst 2014 bis 2018) soll nun das Projekt bestehend aus den folgenden vier miteinander verflochtenen Teilprojekten umgesetzt werden: •• Wohnpark Teiggi / Gemeindehaus-Areal mit zentral gelegenem Wohnraum für Jung und Alt; •• Feuerwehr / Werkhof Eichenspes mit zeitgemässen Räumen und Infrastrukturen nach 40-jährigem Provisorium in der Schappe Süd; •• Kultur / Jugend / Gewerbe Schappe Süd (mit Musikschule) als neuer gesellschaftlicher Mittelpunkt für Vereins- und Kulturanlässe mit Realersatz für bisherige Räume;

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•• Zentrum Pilatus als Anlaufstelle für die Bevölkerung unter einem Dach. Nutzen aus dem Projekt

Volkswirtschaftlich bringt das Zentrumsprojekt einen Investitionsschub durch private Investoren und durch die Gemeinde von gesamthaft rund 130 Millionen Franken. Das generiert neue Steuereinnahmen und Wachstum für das Gewerbe. Der Wachstumseffekt alleine für die Gemeinde wird auf rund CHF 0.6 Mio. Mehreinnahmen jährlich geschätzt, was rund die Hälfte der Mehrkosten in der Laufenden Rechnung kompensieren würde. Trotz der Unterstützung fast aller Parteien war das Ergebnis des Urnengangs bis am Schluss äusserst knapp. Die SVP, welche das Projekt primär aus finanzpolitischen Überlegungen nicht wie vorgesehen realisiert haben wollte, kämpfte mit einer fragwürdigen Kampagne mit irreführenden Plakaten gegen das Projekt an. Aktiv im Abstimmungskampf dabei

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Die JCVP Kriens engagierte sich stark für diese wichtige Abstimmung. Als Mitglied im Komitee «Kriens hat Zukunft» entwarf man einen Flyer, der an sämtliche Krienser Haushalte verteilt wurde. Zusammen mit der CVP verteilte die JCVP auch Schöggeli und Flyer an den Bushaltestellen in Kriens und suchte den Kontakt mit der Bevölkerung. Die Skepsis war zu spüren und deshalb der Einsatz umso wichtiger. Zusammen mit der JUSO und den Jungen Grünen wurde via Social Media vor allem den jungen Krienserinnen und Kriensern die Abstimmung schmackhaft gemacht. Mit einem frechen Seitenhieb wurde auf das irreführende SVP-Plakat hingewiesen. Die JCVP Kriens freut sich über das Abstimmungsresultat und ist gespannt auf die Entwicklung von Kriens in den nächsten Jahren.

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Kriens

Neuer Einwohnerrat in Kriens Seit dem 1. Januar 2014 ist Davide Piras der neue JCVPVertreter im Krienser Parlament. Er löste Daniel Piazza nach rund 7-jährigem Einsatz ab. von Davide Piras Ohne lange Umschweife ergreife ich gleich selbst das Wort. Ich bin 32 Jahre alt und arbeite bei ANDRITZ HYDRO als Maschineningenieur FH im Bereich Neubau und Revision von Wasserkraftwerken. Nach meiner Weiterbildung im Bereich MBA und glücklicher Hochzeit mit Heidi möchte ich mich zukünftig verstärkt in der Gemeindepolitik engagieren und die Erfolgsgeschichte der JCVP Kriens – 30 Jahre im Einwohnerrat – weiterführen. In meiner Freizeit bin ich beim Joggen durch Kriens oder beim Wandern in den Bergen anzutreffen. Weil’s Spass macht

Viele in meiner Umgebung fragen mich, warum ich in der JCVP Kriens tätig bin. Die Antwort ist ganz einfach: Politik auf Gemeindeebene ist spannend, abwechslungsreich und gleichzeitig volksnah. Als ich vor acht Jahren den ersten Kontakt mit der JCVP hatte, gefiel mir der Ansatz unserer Jungpartei: Sachpolitik steht vor der Parteipolitik. Ich sehe dies als eine der Hauptstärken unserer Partei. Die JCVP Kriens trägt bis heute diese wertvolle und einzigartige Haltung, die in der ganzen Partei geschätzt wird. Seit der Volksschule bin ich vielseitig in Kriens vernetzt. Als Jungwacht-Kind, Leiter und Alt-Leiter oder als Volleyballspieler, Trainer und Vorstandsmitglied war und bin ich in Kriens aktiv. Nun ist die Gemeinde Kriens – der grösste Verein von allen – an der Reihe. In meiner Kindheit konnte ich von einem funktionierenden Gemeindewesen und -system profitieren. Heute gibt mir die JCVP die Möglichkeit, mich selbst zu engagieren und mich für die Krienser Bevölkerung einzusetzen. Ganz besonders liegen mir die Jungendarbeit sowie die Vereine (weit über 100 in Kriens!) am Herzen. Diese Freiwilligenarbeit verdient eine besondere Achtung.

(Bild: JCVP Kriens)

Mit SuperDavide und Pippi Langstrumpf kann der JCVP Kriens nichts mehr passieren. (Bild: JCVP Kriens)

Weil ich Krienser bin

Und zu guter Letzt: «Piras – von wo bist du?» Da wurden schon viele Nationalitäten genannt! Von Somalia, aufgrund der vielen Seepiras(t)en, bis zum alten Griechenland. Die Lösung: Als italienischer Secondo wohne ich seit meiner Geburt in Kriens. Dank einem gesunden Umfeld, einem funktionierenden Schulsystem und der guten Schweizer Wirtschaft konnte ich mich zu dem entwickeln, der ich heute bin – ein Maschineningenieur-Jungwächtler-JCVPler aus Kriens.

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Gastkolumne

Patronatskomitee

«Christlich» aus theologischer Sicht Diese Kolumne ist eine Auftragsarbeit. Der Titel ist nicht von mir. Zuerst dachte ich mir, dass wir Theologen ja nichts anderes tun, als uns mit dem «C» zu befassen, vor allem wenn es um ethische Fragen geht. Aber eben, wir tun das nicht aus theologischer, sondern aus reformierter oder katholischer Sicht. Wenn man nach Chur telefoniert, ist die Antwort klar: Das «C» ist durch die katholische Tradition hinreichend geklärt. Es gibt eine offizielle katholische Antwort, an die sich alle Katholiken halten müssen. (Natürlich gibt es auch andere katholische Antworten als die Churer Antwort!) Nun ist aber Chur reformiert. Wenn wir uns am Telefon verwählt haben, könnte die von Markus Arnold, Antwort auch lauten: Das Christliche ist in der Dozent für Theologische Person von Jesus Christus begründet, so wie Ethik an der Uni Luzern er uns durch das Neue Testament vermittelt wurde. Auf dieser Basis muss ich durch meine ganz persönliche Beziehung zu Jesus dieses «C» mit Leben füllen. Ist der reformierte Pfarrer freikirchlich orientiert, könnte die Antwort knapp lauten: Worin das «C» für die Politik besteht, das steht alles bereits in der Bibel. CVP-Politiker/innen haben es einfacher. Sie reden munter drauflos, sprechen von «unserem christlichen Menschenbild». Auch von «unseren christlichen Werten» ist da gern die Rede. Wenn man nachfragt, was das konkret heisse, folgt meistens das Schweigen im Walde. Dabei gibt es Grundlagen. Ende 2010 wurde ein Papier der CVP Schweiz zu diesem Thema vom Vorstand angenommen. In diesem Papier wird darauf verwiesen, dass es nicht einfach «unsere» christlichen Werte gibt. Wir teilen sie mit anderen Menschen guten Willens, die sich auch für Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit und Solidarität einsetzen. Diese Werte bilden den roten Faden durch die ganze Bibel. Das «C» ist für uns nicht eine Sammlung von Bibelzitaten. Es ist der Geist der Bibel. Ebensowenig gibt es «das» christliche Menschenbild. Auch christliche Menschenbilder sind plural. Darum politisieren Christinnen und Christen in verschiedenen Parteien. Im Zentrum jeder C-Politik muss aber die Menschenwürde stehen. Für die CVP sind zudem Subsidiarität (Eigenverantwortung) und Solidarität (soziales Handeln) wichtige Prinzipien, die sich ergänzen. Freiheit im christlichen Sinne ist kein Freipass sondern ein Auftrag: Immer das Ganze, das Gemeinwohl muss im Auge behalten werden. Daran haben wir unser Handeln auszurichten. Das Papier ist natürlich ausführlicher und gerade darum lesenswert: www.cvp.ch/fileadmin/ Bund_DE/downloads/positionspapiere/11-01_posp_c_endfassung_d.pdf 22

Herr Christian Blunschi, Vizepräsident CVP Kt. Luzern, Emmenbrücke Herr Markus Dürr, Alt-Regierungsrat, Malters Frau Ida Glanzmann-Hunkeler, Nationalrätin, Altishofen Frau Kathrin Graber, Einwohnerrätin, Kriens Herr Konrad Graber-Wyss, Ständerat, Kriens Herr Guido Graf, Regierungsrat, Pfaffnau Herr Marcel Hurschler, Finanzchef CVP Kt. Luzern, Sempach Herr Pirmin Jung, Präsident CVP Kt. Luzern, Eschenbach Frau Luzia Kurmann, Regierungsstatthalterin, Buchs Herr Christoph Lengwiler, Alt-Kantonsrat, Kriens Herr Ruedi Lustenberger, Nationalrat, Romoos Frau Erna Müller-Kleeb, Kantonsrätin, Rickenbach Frau Marlis Roos Willi, Kantonsrätin, Geiss Herr Martin Schwegler-Fasching, Präsident KAB Wohnraumgenossenschaft, Menznau Herr Anton Schwingruber, Alt-Regierungsrat, Werthenstein Herr Xaver Vogel, Zentralpräsident KAB Schweiz, Menzberg Herr Franz Wicki, Alt-Ständerat, Grosswangen Herr Franz Wüest, Kantonsrat, Ettiswil Herr Pius Zängerle, Kantonsrat, Adligenswil

Impressum Auflage 1630 Exemplare Redaktionsleitung Shirin Grünig, Impasse de la Forêt 7, 1700 Fribourg, jmpuls@jcvp-lu.ch Redaktion Jean-Pascal Ammann, Renato Bucher, Eva-Maria Habermacher, Till Haechler, Tobias Käch, Yanick Minder, Daniel Piazza, Madeleine Piazza, Andreas Weber, Severin Zumbühl Gestaltung Debby Bürgisser, debbybue@bluewin.ch Präsident der JCVP Kanton Luzern Tobias Käch, Sonnenhofmatte 5, 6020 Emmenbrücke, tobiaskaech@jcvp-lu.ch Adressverwaltung Lukas Graf, Halde 22, 6263 Richenthal, lukasgraf@jcvp-lu.ch Inserateverwaltung Martin Fischer, art.fischer@bluewin.ch

Der «Jmpuls» erscheint viermal jährlich zuhanden der Abonnenten, der Mitglieder der JCVP Kanton Luzern sowie der Spender des «Jmpuls» und der JCVP Kanton Luzern. Die Abonnementskosten betragen CHF 10.00. Die Verlegerin ist die JCVP Kanton Luzern. Redaktionsschluss für den «Jmpuls» 02/2014: 30. April 2014


AZB 6110 Wolhusen keine Adressberichtigungen

Termine 24.03.2014 AWG/JCVP Bildungsveranstaltung 05.04.2014 JCVP CH Delegiertenversammlung in Luzern 25.04.2014 JCVP LU Kantonalversammlung 18.05.2014 Abstimmungssonntag 30.05.2014 JCVP LU Stamm Ă„nderungen bleiben vorbehalten und werden kommuniziert. www.jcvp-lu.ch


Jmpuls 01 2014 web