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GOETHE-INSTITUT & PRIX JEUNESSE Qualit채tsfernsehen f체r Kinder Quality Television for Children


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Inhalt Contents

Vorwort Goethe-Institut Foreword Goethe-Institut .......... 04

Vorwort PRIX JEUNESSE Foreword PRIX JEUNESSE .......... 06

Qualit채t f체rs Kinderfernsehen Quality Television for Children .......... 08

Ein halbes Jahrhundert Half a century .......... 16

Rund um die Welt Around the World .......... 20

Wie funktioniert der Prix Jeunesse-Koffer? How Does the Prix-Jeunesse-Suitcase Work? .......... 22

Momentaufnahme: Ghana 2009 Snap-shot: Ghana 2009 ..........24

immer unterwegs, aber nie wirklich weg Always on the Road, but never out of reach ..........26


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Momentaufnahme: Ramallah 2012 Snap-shot: Ramallah 2012 ..........30

Kultur und Entwicklung Culture and Development .......... 32

Das Science Film Festival The Science Film Festival .........34

I GOT IT! — Neun Länder, eine Vision I GOT IT! — Nine Countries, One Vision ..........38

Öko-Geschichten aus Lateinamerika Eco- stories from Latin America .......... 42

Timeline Timeline .......... 46

Von München hinaus in die Welt From Munich out into the World .......... 48

Impressum Imprint .......... 52


VORWORT FOREWORD

Kinder sehen fern, überall auf der Welt. Und trotz Internet und Social Media ist in vielen Teilen der Welt auch heute noch das Fernsehen das wichtigste Leitmedium. Seit über 40 Jahren setzt sich der PRIX JEUNESSE dafür ein, dass Kinder weltweit internationale Qualitätsprodukte sehen können. Aufgabe des GoetheInstitutes ist neben der Förderung der deutschen Sprache auch die Förderung der internationalen kulturellen Zusammenarbeit und die Vermittlung eines umfassenden Deutschlandbildes. Qualitätsprodukte aus dem Fernsehbereich, aber auch gesellschaftliche Diskussionen zu medienrelevanten Themen, sind in diesem Spektrum Teil der Arbeit des Goethe-Instituts. Die vorliegende Broschüre gibt einen Überblick über das Engagement des Goethe-Instituts im Bereich Kinderfernsehen. Sowohl der PRIX JEUNESSE als auch die Zentrale des Goethe-Instituts sind in München angesiedelt. Dies hat auch dazu beigetragen, dass die gute und vertrauensvolle Kooperation leicht zu bewerkstelligen war. Anfänglich war die Zusammenarbeit überwiegend projektbezogen: Eines unserer Goethe-Institute weltweit suchte einen Experten für Kinderfernsehen und ließ sich dabei vom PRIX JEUNESSE beraten. Sehr schnell erkannten beide Partner, dass das Thema »Qualitätsfernsehen für Kinder«, das auch in der Gesellschaft immer mehr Bedeutung gewann, wesentlich stärker gefördert werden kann, wenn beide Institutionen ihre Netzwerke miteinander verbinden: hier das Netzwerk der Kinderfernseh-Experten aus Deutschland und dort das weltweite Netz der Kulturinstitute. Seither tourt der PRIX JEUNESSE-Koffer, der inzwischen zu einem Markennamen geworden ist, mit einer Auswahl der besten Programme des zurückliegenden Festivals durch die Goethe-Institute.

Auf allen Kontinenten arbeiten Fernsehmacher, Medienexperten und Pädagogen mit diesem Koffer. Die Präsentationen, Seminare und Workshops dienten vielen Praktikern als Anregung und die mit dem Koffer reisenden deutschen und internationalen Kinderfernseh-Fachleute sind zugleich Botschafter für Qualitätsfernsehen und Initiatoren eines intensiven interkulturellen Dialogs. Im Rahmen seiner Initiative Kultur und Entwicklung ist das Goethe-Institut nun von der Vermittler-Rolle in die Macher-Rolle gewechselt. In zwei Weltregionen (Südostasien und Südamerika) fördern wir aktiv hochwertige Produktionen im Kinderfernsehbereich. Auch über diese Großprojekte ist in dieser Broschüre mehr zu erfahren. Ich freue mich, dass mit der Publikation nun eine Dokumentation der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem PRIX JEUNESSE und dem Goethe-Institut vorliegt. Lassen Sie sich von der Lektüre inspirieren.


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Vorwort Goethe-Institut Foreword Goethe-Institut

Children watch television, all over the world. And despite the internet and social media, television is still the leading medium in many parts of the world. For over 40 years, the PRIX JEUNESSE has endeavored for children worldwide to be able to watch international quality content. The mandate of the Goethe-Institut in addition to promoting the German language is to foster international cultural cooperation and to offer a comprehensive window into Germany. Quality content from the television sector, as well as social discussion on media relevant themes, are part of the work of the Goethe-Institut in this spectrum. The present brochure offers an overview of the efforts of the Goethe-Institut in the field of children’s television. Both the PRIX JEUNESSE and the Goethe-Institut headquarters are located in Munich. This partly contributed to realizing the successful and trustful cooperation. Initially the cooperation was predominantly project based: one of our Goethe-Institutes worldwide would seek a children’s television expert and would be consulted by the PRIX JEUNESSE. Both partners quickly realized that the topic of “Quality Television for Children”, which also increasingly gained importance in society, could be facilitated much more effectively if both institutions complemented their networks: on one hand the network of children’s television experts in Germany and on the other hand a global network of cultural institutes. Since then the PRIX JEUNESSE-Suitcase, which has meanwhile became a brand name, tours with a selection of best programmes from preceding festivals through the Goethe-Institutes.

Television producers, media experts and pedagogues on all continents work with this suitcase. The presentations, seminars and workshops served the many participants as inspiration and the German and international children’s television experts who travel with the suitcase are both ambassadors for quality television and initiators of dynamic intercultural dialog. In the context of its initiative Culture and Development the Goethe-Institut has meanwhile furthermore stepped from the role as mediator into the role of producer. In two world regions (Southeast Asia and Latin America), we actively facilitate productions in the field of children’s television. More information on these extensive projects can also be found in this brochure. I am delighted that this publication now offers a documentation of the fruitful cooperation between the PRIX JEUNESSE and the Goethe-Institut. Please let yourself be inspired by the reading.

Johannes Ebert Generalsekretär des Goethe-Instituts Secretary General of the Goethe-Institut München, im Juni 2012


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VORWORT FOREWORD

Auftrag der Stiftung PRIX JEUNESSE ist es, weltweit die Qualität im Kinder-, Jugend- und Bildungsfernsehen zu verbessern und damit einen Beitrag für eine friedensorientierte Zukunft zu leisten. Kinder sind unsere Zukunft, ist eine vielberufene Weisheit. Gerade deshalb ist es wichtig, ihnen einen altersangemessenen Zugang zu Wissen und Kultur, eine gesunde Identitätsentwicklung und Offenheit für die Vielfältigkeit der Welt zu ermöglichen. Massenmedien können hier einen entscheidenden Beitrag leisten – aber auch genau das Gegenteil erreichen. Entsprechend zentral ist die qualitätsorientierte Auseinandersetzung mit dem, was wir jungen Menschen an Bildern, Deutungs- und Handlungsmustern anbieten. Im internationalen Kontext kann dies nur als Diskurs geführt werden, in der Auseinandersetzung mit den interessantesten und innovativsten Sendungen, die weltweit zum Wohle der Kinder produziert werden; und unter Einbezug der aktuellen Ergebnisse aus der Forschung. Doch so schön sich dies in der Theorie auch anhört, in der Praxis braucht es vor allem geeignete Orte, um diese qualitätsorientierten Diskussionen zu führen. Hier braucht es engagierte Partner, die nicht aus kommerziellem Interesse, sondern zum Wohle der Menschen und für ein gutes Miteinander arbeiten wollen; und es braucht die Zusammenarbeit in soliden Netzwerken. Aus diesem Grund ist die Kooperation zwischen dem Goethe Institut – einem der internationalsten und engagiertesten Netzwerke – und der Stiftung PRIX JEUNESSE so wertvoll. Die Zusammenarbeit dieser beiden Organisationen reicht bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Was mit vereinzelten Seminaren begann, ist heute zu einer kraftvollen und weltumfassenden Bewegung gewachsen. Der PRIX JEUNESSEKoffer, der die besten Kinderprogramme der letzten PRIX JEUNESSE International Festivals enthält, hat sich einen Ruf als einzigartige Inspirationsquelle für Kinderfernsehmacher rund um den Globus erarbeitet. Dies war nur möglich durch die Begeisterung von vielen Mitarbeitern der Goethe-Institute, die dem Kinderfernsehen in ihrer Weltregion frische Impulse verschaffen wollten. Eine großartige Qualität der Goethe-Institute ist dabei ihr neutraler Status als Kulturorganisation in den jeweiligen Gastländern.

2006 haben die Goethe-Institut Zentrale und die Stiftung PRIX JEUNESSE die Arbeit mit dem PRIX JEUNESSE-Koffer noch besser strukturiert. Alle zwei Jahre direkt im Anschluss an das Münchner Festival wird nun ein umfangreicher Koffer mit den besten Sendungen produziert und in großer Auflage den Instituten in aller Welt verfügbar gemacht. Dies hat den weltweiten Aktionsradius des Koffers erheblich vergrößert. Mittlerweile finden jährlich 30 bis 40 Seminare auf allen Kontinenten statt. Einen neuen Höhepunkt hat das Engagement des Goethe-Instituts im Bereich Kinderfernsehen in Südostasien mit dem Format »I Got It!« erreicht. Aus der Tradition der originär deutschen »Sendung mit der Maus« und »neuneinhalb« heraus wurde ein attraktives und für Kinder und Jugendliche bereicherndes Wissensformat in der Kooperation von neun Ländern geschaffen. Eine eindrucksvolle und absolut unterstützenswerte Initiative! Zusammen mit Ansätzen wie der Koproduktionsinitative »Contraseña Verde« in Lateinamerika sind sie ein starkes Signal in den Weltregionen, sich für das wertvollste Publikum stark zu machen. Das Goethe-Institut und die Stiftung PRIX JEUNESSE können mit Recht stolz auf eine erfolgreiche, gemeinsame Arbeit für Kinder rund um den Globus blicken. Und diese Erfolgsgeschichte findet schon dieses Jahr eine Fortsetzung mit dem PRIX JEUNESSE-Koffer 2012, der hoffentlich viele Kinderfernsehmacher erreichen und inspirieren wird. Wir freuen uns auf viele Jahre weiterer guter Zusammenarbeit!


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Vorwort PRIX JEUNESSE Foreword PRIX JEUNESSE

The mission of the PRIX JEUNESSE-Foundation is to improve the quality of children’s, youth and educational television worldwide and thereby make a contribution to a peace-orientated future. That children are our future is a much-vaunted wisdom. Especially for this reason it is important to offer them age appropriate access to knowledge and culture, healthy development of a sense of identity and openness to the diversity of the world. Mass media can make a decisive contribution to this – but can also achieve the opposite. Aptly central here is the quality-orientated engagement with what kinds of pictures, meanings and behavioural examples we offer. In an international context, this can only take place as discourse through engaging with the most interesting and innovative programmes that are produced with the welfare of children in mind and through taking under consideration the current findings in research. However ideal it might seem in theory, in reality, suitable venues are especially needed to conduct these quality-orientated discussions. Therefore committed partners are needed, who do not endeavour for commercial interests, but for the benefit of humankind and peaceful coexistence, with strong networks for the cooperation. For this reason, the cooperation between the Goethe-Institut – one of the most international and committed networks – and the PRIX JEUNESSE-Foundation is so valuable. The cooperation between these two organizations reaches back to the 70’s of the past century. What started as a few independent seminars has grown to become a powerful and worldwide movement today. The PRIX JEUNESSE-Suitcase, which contains the best children’s programmes from the preceding PRIX JEUNESSE International-Festivals, has a reputation of being a unique source of inspiration for children’s television producers around the globe. This was only possible through the enthusiasm of many colleagues at the Goethe-Institut, who wanted to give fresh impulses to children’s television in their region of the world. An excellent quality of the Goethe-Institut in this regard is its neutral status as cultural organization in the respective host countries.

In 2006 the Goethe-Institut headquarters and the PRIX JEUNESSE-Foundation further optimized the working structure of the PRIX JEUNESSE-Suitcase. Every two years directly in follow up to the festival in Munich, a comprehensive suitcase with the best programmes is prepared and made available in large numbers to institutes the world over. This has considerably increased the worldwide activity radius of the suitcase. Presently about 30 to 40 seminars take place every year on all continents. A new highlight in the efforts of the Goethe-Institut in the field of children’s television is the format “I Got It!” in Southeast Asia. From the tradition of original German programmes “Sendung mit der Maus” (The Programme with the Mouse) and “neuneinhalb” (nine and a half), an attractive and enriching edutainment format for children and youths was developed in cooperation with nine countries. An impressive and absolutely support worthy initiative! Together with approaches such as the co-production initiative “Contraseña Verde” in Latin America, they are strong signals of commitment to the most valuable audience in these world regions. The Goethe-Institut and the PRIX JEUNESSE-Foundation can justifiably be proud of the successful, joint effort for children around the globe. And the success story continues this year with the PRIX JEUNESSE-Suitcase 2012, which will hopefully reach and inspire many children’s television producers. We look forward to many more years of rewarding cooperation! Dr. Maya Götz Leiterin der Stiftung PRIX JEUNESSE Director of the PRIX JEUNESSE-Foundation München, im Juni 2012


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QUALITÄT FÜRS KINDERFERNSEHEN

GUTES KINDERFERNSEHEN IST EIN GESELLSCHAFTLICHER AUFTRAG

QUALITY FOR CHILDREN’S TELEVISION GOOD CHILDREN’S TELEVISION IS A SOCIAL RESPONSIBILITY

Wir brauchen gutes Kinderprogramm. Wer wollte dieser Aussage nicht zustimmen? Das ist er aber auch schon, der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich alle verständigen können. Die Macher, die Eltern, die Kritiker und nicht zuletzt natürlich die Kinder. Denn was gutes Kinderfernsehen ist, darüber scheiden sich die Geister. Eine Standortbestimmung aus der Sicht eines öffentlich-rechtlichen Programm-Machers. Gewinnmaximierung lautet das Prinzip der freien Wirtschaft. Daraus folgt für die privatwirtschaftlich organisierten Fernsehanbieter eine einfache Gleichung: Qualität ist, was dem Zuschauer gefällt. Die Quote und die daraus resultierenden Werbeeinnahmen entscheiden darüber, was »gutes« Kinderfernsehen ausmacht. Einer quantifizierbaren Definition von »Qualität« können und wollen sich öffentlich-rechtliche Redakteure ebenfalls nicht entziehen. Auch ihre Programme werden an der Quote gemessen. Ein Programm, das sein Publikum nicht erreicht, kann sich keiner leisten. Doch im Gegensatz zu den kommerziellen Sendern lautet der Auftrag der Kinderfernsehmacher bei der ARD, dem ZDF und dem KI.KA nicht Gewinnmaximierung,

sondern »Bildung, Information und Unterhaltung«. Und wo, wenn nicht im Kinderfernsehen ist dieser Programmauftrag sinnvoll und für unsere ganze Gesellschaft wichtig. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind der Öffentlichkeit verpflichtet. Public Value versus Shareholder Value. Von daher ist bereits die Werbefreiheit im Fernsehen ein Qualitätskriterium für das ganze Programm – unabhängig davon, ob Kinder Werbespots schätzen oder nicht. Alle reden immer davon, dass Kinder ernst genommen werden sollen. Natürlich! Aber Kinder sind auch schnell verführbar, weil sie die Konsequenzen ihres Tuns nicht so abschätzen können wie Erwachsene. Gib einem Kind beim täglichen Essen die Wahl zwischen Spaghetti und Karottengemüse und die Antwort wird klar sein: Spaghetti. Und zwar an sieben Tagen hintereinander. Unabhängig davon, ob das gesund ist. Ein Kind kann die Folgen seines Tuns nicht immer überblicken. Deshalb gibt es so etwas wie Elternverantwortung. Der Job des öffentlich-rechtlichen Fernsehmachers ist es, eine ausgewogene Ernährung bereitzustellen. Das muss natürlich schmecken. Aber es soll auch vitamin- und mineralstoffreich sein. Ein Beispiel: Politik zählt vielleicht nicht zu den Lieblingsthemen von Kindern. Doch sollen wir deshalb gar kein Angebot machen? Bei den Privaten sehe ich weit und breit kein Nachrichtenformat oder ein Infomagazin. Bei uns gibt es »neuneinhalb«. Natürlich sollen die Einzelsendungen emotional packend, spannend und unterhaltsam sein. Aber ein auf die Allgemeinheit gerichtetes Fernsehsystem hat darüber hinaus die Verantwortung fürs Ganze.


Qualität fürs Kinderfernsehen Quality Television for Children

10 Qualitätskriterien für gutes Kinderprogramm 1. Kinder in ihrer Lebenswelt ansprechen Kinder sehen nicht nur Kinderfernsehen. Doch gerade Programme, die direkt für sie produziert sind, sollten sie in ihrer persönlichen Lebenswelt ansprechen: Haben sie einen persönlichen Bezug zu den Themen und Figuren? Kommen ihnen die Schauplätze vertraut vor? Es ist unsere Aufgabe, auch die eigene Kultur zu zeigen - deutsche und europäische Bezüge herzustellen neben den internationalen (und oft amerikanisch oder japanisch dominierten) Lebenswelten.

2. Kindern SpaSS machen Fernsehen ist ein Unterhaltungsmedium. Das gilt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Deshalb muss Kinderfernsehen Spaß machen: den Kindern! Wer mit Kindern spielt, weiß, wie wichtig »Quatsch« ist und wie wichtig es ist, sie zum Lachen zu bringen.

3. Kindern Identifikation bieten Gute Programme müssen immer auch Identifikationsmodelle anbieten - Charaktere, mit denen sich die Kinder identifizieren können, weil sie Fähigkeiten besitzen, die der kleine Zuschauer auch gerne hätte. Diese Charaktere müssen klar strukturiert, sie müssen wiedererkennbar und positiv sein. Mit ihren ungewöhnlichen Fähigkeiten sollen sie auch dem Kind helfen, sich weiterzuentwickeln. Die Kinderwelt ist voller positiver Helden, vom kleinen Elefanten (»Die Sendung mit der Maus«) bis zu Willi Weitzel (»Willi wills wissen«).

4. Kindern die Welt zeigen und sie sich wundern lassen Mondlandungen, wilde Tiere, exotische Landschaften: Bereits kleinen Kindern öffnet sich heute über das Fernsehen das Tor zur Welt. Darüber hinaus entdeckt und erklärt das Fernsehen Dinge, die man mit bloßem Auge gar nicht erkennen könnte, zum Beispiel durch extreme Vergrößerungen kleinster Lebewesen, Zeitlupen oder Kamerafahrten durch den menschlichen Körper. Kinder können staunen. Gutes Kinderfernsehen zeigt Kindern die Wunder der Welt in einer für sie verständlichen Weise und erweitert damit ihren Horizont. Deshalb soll es auch die ganze Welt sein, nicht nur die gezeichnete. Also reale Bilder genauso wie inszenierte, Puppen wie Trickhelden. Alles eben.

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Qualität fürs Kinderfernsehen Quality Television for Children

5. Kinder informieren

9. Für Kinder erreichbar sein

Kinder interessieren sich für das, was auf der Welt passiert. Und sie bekommen mit, dass es eine heile Welt nicht gibt. In den Radionachrichten hören sie von Terroranschlägen und Kriegen, beim Zappen zwischen den Kinderprogrammen sehen sie Hungersnöte und Naturkatastrophen in der Tagesschau. Das Kinderfernsehen hat die Pflicht, ihnen Erklärmuster für das, was in der Welt passiert, mit an die Hand zu geben. Warum verbrennen Menschen die amerikanische Flagge? Warum gibt es immer wieder Flüchtlingsopfer im Mittelmeer? Was ist die Alterspyramide? Ein Format wie das Nachrichtenmagazin »neuneinhalb« erklärt die Nachrichten so, dass sie jeder versteht.

Gutes Kinderfernsehen spricht sein Publikum auf Augenhöhe an, nie von oben herab. Denn Kinder haben ein Gespür dafür, ob ihr Gegenüber sie ernst nimmt und für sie erreichbar ist. Wichtig für die Erreichbarkeit ist auch die Kommunikation jenseits der Fernsehsendung. Wie weit ist das Programm auch Ansprechpartner für die Kinder? Gibt es einen Internetauftritt zur Sendung? Kann man Fragen stellen? Gibt es Veranstaltungen, bei denen Kinder ihren »Helden der Kindheit« persönlich gegenüberstehen können? Auch diese Off-Air-Maßnahmen sind heute wichtige Faktoren.

6. Kindern etwas beibringen

10. Kinder motivieren und mobilisieren

Fernsehen ist keine Schule. Und systematisches Lernen ist mit diesem Medium auch nur bedingt machbar, denn es bietet immer nur einen Kommunikationsweg: den vom Sender zum Empfänger. Und doch kann Fernsehen sehr lehrreich sein. Hier verzeichnen die Formate den größten Erfolg, die auch Spaß am Lernen vermitteln (siehe oben) und ihre Sendungen nicht mit Faktenwissen überfrachten. Neben dem Klassiker »Die Sendung mit der Maus« haben sich Formate wie »Wissen macht Ah!« und »Willi wills wissen« inzwischen eine große Fangemeinde erschlossen. Dass deutsche Bildungsprogramme sogar im Ausland sehr gut ankommen (PISA zum Trotz), belegen die asiatischen Fassungen der »Sendung mit der Maus« in Japan und von »Wissen macht Ah!« in China mit großem Erfolg.

7. Kinder ästhetisch ansprechen Kinder sind offen. Ihr Geschmack ist noch nicht festgelegt. Und sie interessieren sich sprichwörtlich für alles. Die reiche Fantasie der Kinder braucht ästhetisches Futter. Hier kann es nicht fantasievoll genug zugehen. Deshalb ist Kinderfernsehen auch ein Quell der Innovation in allen Genres.

8. Kinder brauchen Ereignisse Gutes Kinderprogramm fällt aus dem Rahmen. Es gibt Gesprächsanlass, weil es in der Lebenswelt der Kinder ein Ereignis schafft. »Das musst du gesehen haben!«, lautet die Aufforderung der Mitschüler, und das ist die eigentliche Qualität dieser Kinderprogramme. Kinder wollen mitreden können über die Höhen und Tiefen der Internatsschüler auf Schloss Einstein (KI.KA) - das Fernsehen wird Gesprächsthema. Neben den Themen entscheidet hier vor allem die Produktionsart (Settings, Schnitte, Einsatz von Musik etc.), ob ein Programm von den Kids angenommen wird.

Es gibt eine Welt jenseits des Fernsehens. Eine Aufgabe des Kinderprogramms besteht auch darin, seinem Publikum Lust zu machen, selbst sein Umfeld zu entdecken und selbst aktiv zu werden. Wenn das Kinderfernsehen rund um die Fußball-WM berichtet, muss es auch ein Ziel sein, mehr Kinder auf die Bolzplätze zu locken. Kinder haben ein großes Interesse an Tieren und Umweltthemen. Ihr Fernsehprogramm sollte ihnen die Möglichkeiten aufzeigen, wie sie sich engagieren können. Wissensmagazine sollten nicht nur Antworten geben, sondern vor allem zum Fragen animieren. Denn »fragen« heißt »wissen wollen« - das ist von jeher das Maus-Prinzip. Nur wenn sie ermutigt werden, Fragen zu stellen, werden aus kleinen Kindern große Entdecker und Forscher. Es ist eine wichtige Aufgabe, Engagement statt Konsum zu fördern. Selber machen ist wichtiger als selber sehen! Fazit: Mehr Einsatz für gutes Programm. DER AUTOR Siegmund Grewenig ist Leiter des Programmbereichs »Unterhaltung, Familie und Kinder« beim Westdeutschen Rundfunk (WDR).


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We need good children’s programmes – who would not agree with this statement? But this is already the lowest common denominator on which everybody can agree: programme makers, parents, critics, and – last but not least, of course – the children. Because opinions divide on the question as to what good children’s television is. What follows is a statement of position from the viewpoint of a programme maker for public service television. The principle of free enterprise is the maximisation of profits. This results in a simple equation for television companies under private law: quality is whatever the viewer likes. The ratings, and the advertising income which results from them, decide what constitutes “good” children’s television. Public service TV producers are equally unable, and unwilling, to evade a quantifiable definition of “quality”. Their programmes, too, are measured by ratings. No one can afford to produce a programme which does not reach its audience. Yet in contrast to commercial broadcasters, the mandate of children’s television producers at the German public TV channels ARD, ZDF, and KI.KA (the children’s channel of ARD and ZDF) is not maximisation of profits, but “education, information, and entertainment”. And where else, if not in children’s television, is this programming mandate meaningful and important for our whole society? Public service broadcasters are accountable to the public. Public value vs. shareholder value: in television, this means that freedom from advertising is already a criterion of quality for the entire programme – regardless of whether children appreciate commercials or not. Everybody is always saying that children should be taken seriously. Of course! But children are also easily seduced because they cannot evaluate the consequences of their actions in the same way as adults. Give a child the choice between spaghetti and carrots for their daily meal and the answer will be obvious: spaghetti, and for seven days in a row at that, regardless of whether this is healthy. A child cannot always gain an overview of the consequences of its actions. That is why there is such a thing as parental responsibility. It is the job of a public service television producer to provide a well-balanced diet. Naturally, it must taste good. But it must also be full of vitamins and minerals. To take one example: politics is probably not one of children’s favourite topics. But does that mean we should not provide it at all? However hard I look, I cannot find a single news format programme or information magazine anywhere in the private sector. In our case, though, we have “neuneinhalb” (nine and a half). Of course individual programmes should be emotionally gripping, exciting, and entertaining. But, over and above this, a television network aimed at the general public has responsibility for its provision as a whole.

Ten criteria of quality for good children’s programmes 1. Communicate to children in their own life environment Children do not just watch children’s television. But precisely those programmes which are produced especially for them should address them in the context of their own personal life environment. Do they have a personal relationship to the subject matter and characters? Do the locations look familiar to them? It is also our task to show them their own culture – to provide German and European references in addition to international (and often U.S. or Japanese dominated) settings.

2. Make it fun for children Television is an entertainment medium. This applies equally for children and adults. So children’s television must be fun – for the children! Anyone who plays with children knows how important “messing about” is, and how important it is to make them laugh.

3. Provide children with role models Good programmes must also always provide role models – characters with whom the children can identify because they possess abilities the young viewers would also like to have. These characters must be clearly delineated, and they must be positive and easily recognisable. Their unusual abilities should also help the child to develop further. The world of children is full of positive heroes, from the little elephant in “Die Sendung mit der Maus” (The Programme with the Mouse) to Willi Weitzel in “Willi wills wissen” (Willi Wants to Know It All).

4. Show children the world and astonish them Moon landings, wild animals, exotic landscapes: even for very small children today’s television opens a window on the world. Moreover, television reveals and explains things which are quite impossible to observe with the naked eye, for example by extreme magnification of the smallest forms of life, slow-motion photography, or journeys with a camera through the human body. Children can be astonished. Good children’s television shows children the wonders of the world in a way they can understand, thus broadening their horizons. For this reason it should also be the whole world, not just the pictured world – which means real images as well as staged scenes, puppets as well as cartoon heroes. In other words, everything.


Qualit채t f체rs Kinderfernsehen Quality Television for Children

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Qualität fürs Kinderfernsehen Quality Television for Children

5. Give children information

9. Be accessible for children

Children are interested in what is going on in the world. And they notice at the same time that this world is not a safe one. They hear about terrorist attacks and wars over the radio; while zapping between children’s programmes they see famines and natural disasters on the Tagesschau news broadcast. Children’s television has a duty to place models of explanation for what is happening in the world within children’s grasp. Why do people burn the American flag? Why are there refugee victims in the Mediterranean over and over again? What is the age pyramid? A format such as that of the news magazine programme nine and a half explains the news in such a way that anyone can understand it.

Good children’s television addresses its audience at eye level – never from above looking down. Because children have a sense of whether the other person is taking them seriously and is accessible for them. Communication beyond the television broadcast itself is also important for accessibility. To what extent is the programme also a point of contact for the children? Does the programme have an internet presence? Can you ask questions? Are there events at which children can meet their “childhood heroes” face to face? These off-air events, too, are important factors today.

6. Teach children something Television is no school, and systematic learning is only possible to a limited extent with this medium, since it always offers only a one-way channel of communication: from broadcaster to receiver. And yet television can be very educational. Here, the formats which demonstrate the most success are those which also communicate the fun of learning (see above) and do not overburden their programmes with factual knowledge. In addition to the classic “Die Sendung mit der Maus” (The Programme with the Mouse), formats such as “Wissen macht Ah!” (Knowledge Makes You Go Ah!) and “Willi wills wissen” (Willi Wants to Know It All) have built up a large following of fans. That German educational programmes even go down very well abroad (despite PISA!) is demonstrated by the great success of the Asian versions of “Die Sendung mit der Maus” (The Programme with the Mouse) in Japan and “Wissen macht Ah!” (Knowledge Makes You Go Ah!) in China.

7. Appeal to children aesthetically Children are open-minded. Their tastes are not yet fixed. And they are interested in literally everything. Children’s rich fantasy needs aesthetic nourishment. In this respect it can never be fantastic enough. For this reason children’s television is also a source of innovation in all genres.

8. Children need events A good children’s programme is something out of the ordinary. It provides material for conversation because it creates an event in the children’s lives. “You have to watch that!” is the cry of fellow pupils, and that is the real quality of this particular children’s programme. Children want to be able to talk to one another about the highs and lows of the boarding school pupils at “Schloss Einstein” (Einstein Castle) – television becomes a topic of conversation. Besides subject matter, it is above all the manner of production (locations, editing, use of music, etc.) which decides whether a programme will appeal to children or not.

10. Motivate and mobilise children There is a world beyond the television screen. One of the tasks of children’s programming is also to instil in its viewers the desire to discover their own surroundings and become active themselves. If children’s television reports on the World Cup, then a further aim must be to entice more children onto the football pitch. Children have a great interest in animals and environmental topics. Their television programmes should point them towards opportunities for getting involved themselves. Factual magazine programmes should not only give answers, but above all stimulate questions. Because “asking” means “wanting to know” – that has been the principle behind “Die Sendung mit der Maus” (The Programme with the Mouse) right from the onset. Only when they are encouraged to ask questions do small children become great discoverers and researchers. Promoting commitment rather than consumption is an important responsibility. Doing is more important than watching! In summary: more commitment to good programmes. THE AUTHOR Siegmund Grewenig is Department Head of “Entertainment, Family and Children” at West German Broadcasting (Westdeutschen Rundfunk WDR).


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EIN HALBES JAHRHUNDERT… VOM FESTIVAL ZUR BEWEGUNG

HALF A CENTURY… FROM FESTIVAL TO MOVEMENT


Ein halbes Jahrhundert Half a Century

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Kann es sein, dass es im nächsten Herbst schon 50 Jahre her ist, dass wir mit den Vorbe­rei­tungen zum ersten PRIX JEUNESSE be­gonnen haben? Dann sind es aber auch tatsächlich 40 Jahre dieses halben Jahrhunderts, die ich selbst aktiv miterleben durfte. Es war wohl 1962/63 eine glückliche Konstellation, als die Ära der bastelnden Märchentanten ihrem Ende zuzulaufen schien und die jungen Helmut Oeller (späterer langjähriger Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunk) und Richard Dill (späterer langjähriger Koordinator Ausland der ARD) sehr schnell das Bildungspotential des Fernsehens erkannten. Mit der Idee eines internationalen Wettbewerbs für Kinder- und Jugendfernsehen sollten Produzenten von Kindersendungen ihre Werke weltweit vergleichen und so neue Ideen sammeln. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) und UNESCO konnten überzeugt werden, an diesem neuen Projekt mitzuwirken, das nicht nur Bayern ein Fenster in die internationale Medienwelt geöffnet hat. Den PRIX JEUNESSE auf die Beine gestellt zu haben, wird wohl als erste ambitionierte Lobby-Initiative für Qualität im Kinderfernsehen weltweit in die Geschichte eingehen. Bereits am ersten Wettbewerb 1964 beteiligten sich 24 Länder mit 64 verschiedenen Programmen. Es ist heute kaum noch vorstellbar, mit welchen technischen Unzulänglichkeiten wir damals zu kämpfen hatten. Briefe wurden auf der einzig vorhandenen mechanischen Schreibmaschine getippt und einen Adressenverteiler im heutigen Sinne hat es nicht gegeben. Immer wieder habe ich mich gefragt wie es nur möglich war, dass einer unserer Einladungsbriefe im tiefsten Weißrussland gelandet ist. Ein paar Wochen später hielten wir eine große MAZ-Schachtel mit einem kleinen Fernsehspiel für Kinder in den Händen. Das Fernseharchiv musste uns einen riesigen Raum zur Verfügung stellen, in dem wir die großen Film- und MAZ-Schachteln lagern konnten. Damals konnte ich nur davon träumen wie schön es wäre, wenn sich die Sendungen in kleinen Kuverts verschicken ließen. Dass wir bald per Telex und später per Fax kommunizieren konnten und die Programme immerhin schon auf Kassette eingereicht wurden, waren kleine Wunder, die uns das Leben erheblich erleichtert haben. Waren es in den ersten Jahren die Tschechen, die die meisten Preise mit nach Hause genommen haben, folgten bald schon die Skandinavier mit ihren herausragenden Produktionen und Geschichten für alle Altersgruppen. Mit dieser skandinavischen Welle ging ein deutlicher Ruck durch die Welt des Kinderfernsehens. Es waren die Skandinavier, die die Zielgruppe auf eine andere und besondere Weise ernst genommen und Tabus gebrochen haben. Dann kam »Sesame Street«: ein neues Format für eine neue Zielgruppe, die man bisher gar nicht im Blickfeld hatte. Und wir waren nicht wenig stolz, dass Kermit, Ernie und Bert ihre erfolgreiche Reise um die Welt beim PRIX JEUNESSE 1970 in München begonnen haben. Und wenn dann viele Jahre später die »Teletubbies« keinen Preis bekommen haben, dann war das vielleicht ein kleiner Eklat, dem Erfolg der Serie hat es jedoch keinen Abbruch getan.


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Wenn auch der Wettbewerb immer im Zentrum unserer Aktivitäten stand, ist kein Jahr vergangen in dem wir unser Netzwerk rund um die Welt nicht kontinuierlich ausgebaut haben. EBU und die AsiaPacific Broadcasting Union (ABU) sowie die Union of National Radio and Television Organizations of Africa (URTNA) oder die Arab States Broadcasting Union (ASBU) sind zu wichtigen Partnern des PRIX JEUNESSE geworden. Mit allen Partnern haben wir auf unterschiedliche Art und Weise die Qualität des Kinderfernsehens gefördert. Und wenn es heute einen World Item Exchange unter den Kinderprogramm-Machern in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika gibt, dann hat der PRIX JEUNESSE einen großen Anteil zu dieser Entwicklung beigetragen. Ein weiteres Kapitel ist die Zusammenarbeit zwischen dem PRIX JEUNESSE und dem Goethe-Institut, die schon in den frühen siebziger Jahren ihren Anfang genommen hat. Wenn man so will, standen sich zwei weltumspannende und initiative Netzwerke gegenüber, bei denen einfach nur noch der Klick auf den Auslöser fehlte, um eine Erfolgsgeschichte in Gang zu setzen. Dieser erfolgreichen Kooperation verdanken wir wichtige Initiativen wie den PRIX JEUNESSEKoffer, viele Workshops und Trainingskurse sowie den PRIX JEUNESSE Iberoamericano. Bei einer besonderen Koffer-Präsentation in Santiago de Chile, stellte mich der schon erwähnte Dieter Strauss Bernardita Prado vor und wir redeten uns an einem Abend die Kopfe über meinen langgehegten Wunsch einen regionalen PRIX JEUNESSE Wettbewerb in Lateinamerika, Asien und Afrika zu etablieren heiß. Es dauerte dann noch einige Monate, bis Bernardita und ihr Team uns das »Placet« für den ersten PRIX JEUNESSE Iberoamericano gaben. Dieser fand schließlich 2003 mit großem Erfolg in Santiago statt. Dass es später noch gelungen ist, mit dem Chinesischen Fernsehen CCTV die asiatische Version auf die Beine zu stellen, ist eine andere Geschichte. Auch wenn der PRIX JEUNESSE immer ein Wettbewerb für Kinderund Jugendfernsehen war, so hat er doch über die langen Jahre eine Transformation erlebt, wie sie in der Welt der Festivals selten sein dürfte. Es mag ein wenig pathetisch klingen wenn ich sage, dass der PRIX JEUNESSE zu einer Bewegung geworden ist, die zu einem kreativen Erfahrungsaustausch in allen beteiligten Ländern angeregt hat. Aber die Scharen von Fernsehmachern, die diese Plattformen genutzt haben, werden mir mit Sicherheit zustimmen. Manchmal wenn ich gefragt worden bin, was ich denn beruflich so mache, dann habe ich vielleicht ein bisschen zu selbstbewusst gesagt: Ich bin die Mutter Theresa des Kinderfernsehens! Abschließend – die kleine Sendung aus Weißrussland hat natürlich einen Preis bekommen. Wahrscheinlich den einzigen, der je nach Weißrussland gegangen ist. DIE AUTORIN Ursula von Zallinger ist ehemalige Generalsekretärin des PRIX JEUNESSE 1991-2005.

Can it really be that next autumn it is already 50 years since we began preparations for the first PRIX JEUNESSE? Then it has indeed also been 40 years of this half-century that I had the privilege to be actively involved. It must have been a favourable constellation in 1962/63, as the era of handicraft fairy tale tellers came to an end and a young Helmut Oeller (later the long-time television director of Bavarian Broadcasting) and Richard Dill (later the long-time foreign correspondence coordinator of the German public broadcaster ARD) promptly recognized the educational potential of television. With the idea of an international competition for children’s and youth television, it was intended to give producers the opportunity to compare their works worldwide and thereby to exchange new ideas. The support of the European Broadcasting Union (EBU) and UNESCO could be won for the project, so that it was not only Bavaria that opened a window to the international media world. To have put the PRIX JEUNESSE on its feet must surely go down in history as the first ambitious worldwide lobby initiative for quality in children’s television. For the first competition in 1964, 24 countries already participated with 64 different programmes. It is difficult to imagine in the present day, the technical challenges we had to cope with at the time. Letters were typed on the one available typewriter and a mail distribution system as we are used to today did not yet exist. Often I have wondered how one of our invitation letters ended up in deepest Belarus for example. A few weeks later we received a large box with a little television play for children in our hands. The station television archive had to provide us with a huge room to store the film packages and boxes we were receiving. Back then I could only dream how nice it would be to receive the films in small envelopes. That we could soon communicate via telex and fax, and programmes were being submitted on tapes were small wonders that made our lives considerably easier. Though it was the Czechs that took home the most prizes in the initial years, the Scandinavians soon followed with outstanding productions and stories for all age groups. With this Scandinavian wave there was a clear shift in the world of children’s television. It was the Scandinavians who took the target group serious in a fresh and unique way and who broke existing taboos. Then came “Sesame Street”: a new format for a new audience that no one had previously had in their sights. And we were not just a little proud that Kermit, Ernie and Bert started their successful journey around the world at the PRIX JEUNESSE in 1970. When many years later the “Teletubbies” did not receive a prize, that might have been a contentious outcome, but it certainly did not have a negative impact on the success of the series.


Ein halbes Jahrhundert Half a Century

Even though the competition was always at the centre of our activities, no year passed that we did not continuously extend our network around the world. EBU and the Asia-Pacific Broadcasting Union (ABU), as well as the Union of National Radio and Television Organizations of Africa (URTNA) and the Arab States Broadcasting Union (ASBU) became important partners of the PRIX JEUNESSE. Through different forms and approaches we endeavoured for quality in children’s television together with all our partners. And when there is a World Items Exchange today between children’s programme producers in Europe, Asia, Africa and Latin America, then the PRIX JEUNESSE has certainly contributed a great deal to such a development. A further chapter is the cooperation between the PRIX JEUNESSE and the Goethe-Institut, which already showed early signs of potential in the seventies. If you will, here were two worldwide and initiating networks meeting, and one just needed to click the release button to put in motion a success story. This fruitful cooperation is thanks to important initiatives such as the PRIX JEUNESSE-Suitcase, many workshops and training courses, as well as the PRIX JEUNESSE-Iberoamericano. During a special suitcase-presentation in Santiago de Chile, I was introduced to Dieter Strauss Bernardita Prado and we eagerly talked one evening about my long-time wish to have regional PRIX JEUNESSE competitions in Latin America, Asia and Africa. It took a few months subsequently for Bernardita and his team to be able to give us green light for the first PRIX JEUNESSE Iberoamericano. This finally took place with great success in Santiago in 2003. That we were also able to put an Asian edition on its feet with the Chinese broadcaster CCTV at a later date is another story. Even though the PRIX JEUNESSE has always been a competition for children’s and youth television, it has in fact undergone a transformation over the many years that few festivals in the world make. It might sound somewhat declamatory when I say that the PRIX JEUNESSE has become a movement, which has encouraged a creative exchange in all the participating countries. However, the scores of television producers who have used this platform will surely agree. Sometimes when I was asked what I do for a living, I perhaps too self-consciously replied: I am the Mother Teresa of children’s television! On a finishing note – the little programme from Belarus of course won a prize. Probably the only one to ever go to Belarus. THE AUTHOR Ursula von Zallinger is former Secretary General of the PRIX JEUNESSE 1991-2005

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RUND UM DIE WELT WIE KAM DAS KINDERFERNSEHEN IN DEN KOFFER

AROUND THE WORLD HOW CHILDREN’S TELEVISION GOT IN THE SUITCASE

»Dann lassen Sie sich doch was einfallen« war die lapidare Antwort von Christoph Wecker dem Direktor des Goethe-Haus in New York auf meinen wahrscheinlich ein bisschen zu überschwänglich geäußerten Wunsch, dem PRIX JEUNESSE unbedingt einen Auftritt in einem der schönsten Goethe-Institute der Welt ermöglichen zu können. Auch wenn es schon beste Kontakte zum »Sesame Street«-Team gab, bestand gerade New York aus einem weiten Feld von Machern, die erst von unserer Sache überzeugt werden mussten. Es musste also schon etwas Neues und Originelles sein, worauf Herr Wecker sowie sein Nachfolger Herr Becker und im Besonderen die New Yorker Medienszene anspringen würde. Warum also den PRIX JEUNESSE nicht einfach nach New York bringen? Den Wettbewerb in Kleinformat – »Wie in einer Schachtel« habe ich damals noch gemeint. Die »Goethe-House – Simulation« mit einer Auswahl der besten Sendungen des Wettbewerbs war ein riesiger Erfolg. Aus der kleinen Schachtel wurde schon bald ein großer PRIX JEUNESSE-Koffer, der nun schon seit 1993 mit fachmännischer Begleitung – Redakteure aus den ARD und ZDF Kinderabteilungen – seinen Weg um die Welt macht. In den ersten Jahren legten wir den Schwerpunkt vor allem auf Länder der Dritten Welt und hielten uns verhältnismäßig eng an das ursprünglich entwickelte Simulations-Konzept. Doch schon bald gingen wir dazu über verschiedene Koffer zu speziellen Genres oder Altersgruppen zusammen zu stellen. Der Koffer reiste nun auch nicht mehr nur in die Dritte Welt, sondern wurde auch aus hoch entwickelten Fernsehländern Europas oder den USA angefordert. All jene Fernsehmacher, die die Reise nach München nicht geschafft hatten, konnten sich so über die richtungsweisenden aktuellen, inhaltlichen und gestalterischen Trends informieren.

Zu den besonderen Koffer-Attraktionen gehören mit Sicherheit die Unternehmung »Koffer im Zug« von Dieter Strauss in Tunesien oder der durchaus skurrile Versuch, einen Kontakt zu dem Nordkoreanischen Kinderfernsehen herzustellen. Dieser Koffer bescherte mir zwar eine außergewöhnliche Reise, blieb aber schon sehr früh im Politikgeflecht hängen. Dauerabonnenten des Koffers waren von Anfang an Goethe-Institute wie New York und Chicago, Seoul, Manila, Montréal, Kairo, Jerusalem und immer wieder auch Beijing. Im Laufe der Jahre entwickelten sich enge Kooperationen zu den verschiedenen Goethe-Direktoren, die schnell zu Botschaftern unserer Initiative wurden und in einer Art Schneeballsystem immer wieder neue Kollegen von der Sache überzeugten. Genauso so wichtig, waren die jeweiligen Referenten der Zentrale, angefangen mit Klaus Vetter über Wolfgang Meissner bis hin zu Norbert Spitz. Durch den regelmäßigen Standortwechsel der Instituts-Direktoren konnten wir unser Koffer-Netzwerk kontinuierlich erweitern. Nach einigen Jahren hingen wir zu jedem Wettbewerb eine große Weltkarte mit vielen Stecknadeln auf, die zeigten wo der Koffer schon überall Station gemacht hatte. Die Karte wurde bald zu einem beliebten Fotomotiv für alle Teilnehmer, die sich vor »ihrer« Stecknadel fotografieren ließen. DIE AUTORIN Ursula von Zallinger ist ehemalige Generalsekretärin des PRIX JEUNESSE 1991-2005.


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“Then please come up with something” was the succinct reply of the Goethe-House director in New York, Christoph Wecker, in response to my exuberantly expressed wish to have a PRIX JEUNESSE presentation in one of the most beautiful Goethe-Institutes in the world. Even though we already had close contacts to the “Sesame Street” team, especially New York had a broad field of players we had to initially convince. It therefore needed to be something new and original, to win over Christoph Wecker and his successor Heinz Becker and especially the New York media scene. So why not simply bring the PRIX JEUNESSE to New York? The competition on a small scale – “like in a box” I meant at the time. The “Goethe-House Simulation” with a selection of the best programmes of the competition was a huge success. The small box soon became a large suitcase, which since 1993 has travelled around the world under the care of experts – senior producers from the children’s programmes departments of the German public broadcasters ARD and ZDF. In the initial years we focused especially on countries in the developing world and stuck quite close to the originally developed concept of a simulation. However, soon enough we put together different suitcases catered to specific genres or age groups. Thereafter the suitcase did not only travel to developing countries, but was also in demand in the highly developed television countries of Europe and the USA. All the television producers who could not make it to Munich, could still inform themselves this way about the current directions and trends in terms of content and design. The “Suitcase on a Train” by Dieter Strauss in Tunisia and the somewhat absurd attempt to establish contact with North Kore-

an children’s television must surely count among the especially noteworthy suitcase attractions. This latter suitcase outing did enable an extraordinary journey for me, but already in its early stages got stuck in political intricacies. Frequent subscribers of the suitcase were from the onset Goethe-Institutes in New York, Chicago, Seoul, Manila, Montreal, Cairo, Jerusalem and also Beijing. Over the course of several years, a close cooperation developed with various institute directors who quickly became ambassadors of our initiative and through a snowball effect were able to convince other colleagues of our mission. Equally crucial were the department experts at headquarters, starting with Klaus Vetter, Wolfgang Meissner and Norbert Spitz. Through the regular country rotation of the institute directors, we were able to continuously expand our suitcase-network. After a few years, we started to have a large map of the world at each competition with numerous pins showing where the suitcase has already visited. The map soon became a popular picture spot for all participants who wanted to take a picture with “their” pin. THE AUTHOR Ursula von Zallinger is former Secretary General of the PRIX JEUNESSE 1991-2005


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WIE FUNKTIONIERT DER PRIX JEUNESSE-KOFFER? EINE KURZE GEBRAUCHSANLEITUNG

HOW DOES THE PRIX JEUNESSE-SUITCASE WORK? A SHORT MANUAL


Wie funktioniert der Prix Jeunesse-Koffer? How Does the Prix Jeunesse-Suitcase Work?

Der PRIX JEUNESSE-Koffer richtet sich als ein ideales Fortbildungsinstrument an jeden, der im Bereich des Kinderfernsehen arbeitet, seinen Horizont erweitern und sich frische Inspiration für das eigene kreative Schaffen holen will. Jede interessierte Medienorganisation kann einen Workshop mit dem PRIX JEUNESSE-Koffer in ihrem Land initiieren. Gastgeber von Workshops mit dem Koffer sind häufig die Goethe-Institute, die in fast allen Hauptstädten der Welt vertreten sind. Da Workshops mit dem Koffer idealerweise Experten mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenbringen sollen – Vertreter von Sendern, freie Produzenten, Medienstudenten etc. – sind die Goethe-Institute eine ideale neutrale Plattform für diese Art von Austausch. Die Workshops werden von einem/r Experten/in moderiert, der mit dem PRIX JEUNESSE International Festival, seinen Zielen und Abläufen vertraut ist. Dies kann ein Experte aus dem Land oder der Region sein, in der der Workshop stattfindet, oder das PRIX JEUNESSE Büro hilft bei der Suche nach einem Referenten aus Deutschland. Die Workshops können je nach Interesse einen halben Tag oder auch vier bis fünf Tage dauern. Wie beim Festival in München laufen die Programmvorführungen in Blöcken, unterteilt nach Altersgruppen oder Genres. Im Anschluss an die Vorführungen werden die Programme von den Workshop-Teilnehmern intensiv diskutiert und auf ihre Stärken und Schwächen analysiert. Im Anschluss werden die Programme dann anhand der PRIX JEUNESSEBewertungskriterien beurteilt. Diese Programmbewertung ist ein besonderer Aspekt des PRIX JEUNESSE International Festivals: Alle akkreditierten Teilnehmer/innen können sich an der Wahl der Gewinner beteiligen, auf der Basis von speziellen Kriterien. Wahlscheine mit Informationen zum Bewertungssystem und Bewertungskriterien sind im Koffer enthalten. Abhängig von der Länge des Workshops und den speziellen Interessen der Teilnehmer/innen stellen die Workshop-Organisatoren eine Programmauswahl zusammen. Es können dabei Schwerpunkte auf bestimmte Altersgruppen oder Genres gelegt werden, oder man repräsentiert einen Querschnitt aus den Highlights des letzten Festivals (»Best of«). In der Zusammenarbeit mit dem Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) wurden des Weiteren Koffer erarbeitet, die spezielle Forschungsinhalte aufarbeiten. So unteranderem zu den Themen: Konflikt-Management, Humor im Kinderfernsehen, Fernsehen für Vorschulkinder und Geschlechterrollen im Kinderfernsehen. Alle Programme des PRIX JEUNESSE-Koffers sind, wenn nicht ohnehin englischsprachig, mit englischen Untertiteln versehen. Falls eine Übersetzung in die jeweilige Landessprache notwendig ist, befinden sich im Koffer englische Dialoglisten der Programme. Eine weitere Ergänzung ist der PRIX JEUNESSE-Koffer für Kids. Die Vorführungen für Schulklassen und Familien nehmen die Kinder mit auf eine einmalige, filmische Reise um die Welt. Um Sprachprobleme zu umgehen, enthält der Koffer hierfür eine Zusammenstellung von Programmen ohne Sprache. Vorführungen für Kinderpublikum sollen immer in einen medienpädagogischen und interkulturellen Lern-Kontext eingebunden sein.

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The PRIX JEUNESSE-Suitcase is the ideal support instrument for anyone involved in children’s television who would like to broaden their horizons and find fresh inspiration for their own creative work. Any media organisation can initiate a PRIX JEUNESSESuitcase workshop in their country. Host of workshops are often the Goethe-Institutes, which can be found in nearly all capitals of the world. Since workshops with the suitcase are intended to ideally bring together experts from different backgrounds – station in-house producers, independent producers, media students, etc. – the Goethe-Institutes act as an ideal neutral platform for this kind of exchange. The workshops are conducted by experts who are familiar with the PRIX JEUNESSE International festival, including its aims and operations. This can be a local expert or from within a region, or alternatively the PRIX JEUNESSE office can assist in finding an expert in Germany. The workshops can be arranged to last half a day or four to five days, depending on the requested context. Just as at the festival in Munich, the screenings are presented in blocks, divided by age group or genre. In follow up to the screenings, the programmes are discussed between the workshop participants and analysed for their strengths and weaknesses. Subsequently, the programmes are judged based on the PRIX JEUNESSE evaluation criteria. This evaluation of programmes is a special aspect of the PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL festival: all accredited participants can take part in choosing the winner on the basis of specific criteria. Voting cards with further information on the judging system and criteria are included in the suitcase. Depending on the length of the workshop and the specific interests of the participants, the workshop organizers put together the programme selection. A focus can be presented on requested age groups or genres, or a cross section of highlights from recent festivals can also be presented (“Best Of”). Furthermore, in cooperation with the International Central Institute for Youth and Educational Television (IZI), suitcase programmes are available with specific research content. Among the possible themes are: Conflict Management, Humour in Children’s Television, Television for Pre-School Children and Gender Roles in Children’s Television. All programmes of the PRIX JEUNESSE-Suitcase are either in English language or with English subtitles. In case translations in the local language are necessary, English language dialog texts are included in the suitcase. A further development is the PRIX JEUNESSE-Suitcase for Kids. These screenings for classrooms and families take children on a unique, cinematic journey around the world. To avoid any language problems, this suitcase presents a collection of programmes without dialog. Screenings for an audience of children should always be in a media-pedagogical and intercultural learning context.


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MOMENTAUFNAHME: GHANA 2009 PRIX JEUNESSE-KOFFER BESUCHT ACCRA

SNAP-SHOT: GHANA 2009 PRIX JEUNESSE-SUITCASE VISITS ACCRA

90 wissbegierige ghanaische Fernsehleute kamen im Februar 2009 zusammen, um zwei Tage lang Programme aus dem PRIX JEUNESSE-Koffer zu schauen und über Qualität im Kinderfernsehen zu diskutieren. Die Vorführungen sind unterteilt in Blöcke mit Programmen für Vorschulkinder, für 7-11 und 12-15-jährige. Die Teilnehmer erarbeiteten sich gemeinsam die speziellen Bedürfnissen jeder Altersgruppe und teilten sich zum Diskutieren in kleine Gruppen auf, in denen sie die Stärken und Schwächen der Programme aus aller Welt analysierten. Eine geballte Ladung an Inspiration für das Kinderfernsehen in Ghana! Ein Kooperationsprojekt von Goethe-Institut Ghana, Deutsche Welle Akademie und der Stiftung PRIX JEUNESSE, moderiert von Dani Leese (medienblau).

90 inquisitive Ghanaian television professionals came together in February 2009 to watch programmes from the PRIX JEUNESSESuitcase and to discuss quality in children’s programmes over the course of two days. The screenings were divided into sections for pre-school children, 7-11 year olds and 12-15 year olds. The participants deliberated on the special requirements of each age group together and then discussed and analyzed the strengths and weaknesses of the programmes from around the world in small groups. A concentrated dose of inspiration for children’s television in Ghana! A cooperation project between the GoetheInstitut Ghana, Deutsche Welle Academy and the PRIX JEUNESSE Foundation moderated by Dani Leese (medienblau).


Momentaufnahme: Ghana 2009 Snap-shot: Ghana 2009

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Das Goethe-Institut und der Prix Jeunesse-Koffer The Goethe-Institut and the Prix Jeunesse-Suitcase

immer unterwegs, aber nie wirklich weg

das Goethe-Institut und der PRIX JEUNESSE-Koffer

Always on the Road, but never out of reach the Goethe-Institut and the PRIX JEUNESSE-Suitcase

Deutschland im Spätsommer 1989. Erstaunt bis ungläubig verfolgt man in den abendlichen TV-Nachrichten die Bilder aus der Nachbarschaft. An den Grenzen zu Ungarn und zur tschechoslowakischen Republik fallen Schlagbäume und Grenzkontrollen. Tausende von DDR-Bürgern nutzen die unverhoffte Gelegenheit zu Besuchen im »Westen« oder erkunden gar die Möglichkeit, sich dort anzusiedeln.

samen Projekten, doch ist man sich der wachsenden Bedeutung der traditionellen wie auch der neuen Bildmedien bewusst. Und so stellt man dem Schwerpunktreferat für die Filmarbeit eine Arbeitseinheit zur Seite mit dem Anspruch, »Hörfunk, Fernsehen, Druckmedien« in die Dienste der Informations- und Austauscharbeit des Goethe-Instituts zu stellen. Gerade erst in München angekommen und zuständig für diesen neu geschaffenen Arbeitsbereich hatte ich das große Glück, Ende 1989 Ursula von Zallinger kennenzulernen, Leiterin des bereits 1964 vom Bayerischen Rundfunk ins Leben gerufenen internationalen Kinderund Jugendfilmwettbewerbs PRIX JEUNESSE International.

Die Zeichen der Zeit stehen auf Wandel. Noch aber ahnt niemand, dass nur wenige Wochen später auch die Mauer in Berlin fallen wird. Machtblöcke beginnen sich aufzulösen. Neugier und der Wunsch nach Dialog und Begegnung ersetzen mit jedem neuen Gespräch jahrzehntelang beidseitig gehegte Vorurteile und tiefsitzende Klischees.

Sehr schnell wird uns allen in München klar, dass diese ebenso einfühlsame wie umtriebige und weltgewandte Medienaktivistin in Europa und darüber hinaus – schon lange bevor die politischen Grenzen gefallen waren – ein professionelles Netzwerk von internationalen Fernsehfachleuten aufgebaut hatte. Eine Gemeinschaft von Produzenten ,Regisseuren und Autoren, deren einziges Ziel es ist, weltweit dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche ebenso unterhaltsames wie anspruchsvolles Fernsehen zu Gesicht bekamen. Vor allem aber auch ins Bild gesetzte Geschichten aus anderen Ländern und Kulturen mit ihren eigenen narrativen wie visuellen Mustern.

Auch das Goethe-Institut spürt den Umbruch und weiss, dass es als weltweit aktiver Kulturmittler auf diese epochalen Verwerfungen wird reagieren müssen. Noch spielt das Internet keine Rolle bei der Vorbereitung und der Durchführung von gemein-


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Als dann im Juni 1990 in München zum 14. Mal der einzige internationale Fernsehwettbewerb für Kinder- und Jugendprogramme stattfindet, wird allen Teilnehmern und Gästen vor Augen geführt: Qualitätssendungen für Kinder und Jugendliche sind von Natur aus grenzenlos und somit ideale Fenster auf Lebenswelten in anderen ‚Heimaten‘ unserer Erde. Ursula von Zallinger, Herz und Verstand hinter diesem Wettbewerb, pflegte schon seit Jahren Kontakte mit Kolleginnen und Kollegen in den Fernsehanstalten der ehemaligen Ostblockstaaten, in Asien, Amerika, Afrika, Australien und selbstverständlich auch in Europa, und für das Goethe-Institut war klar: Hier müssen wir als international tätige Kulturmittler, auch im Filmund Fernsehbereich, mit dabei sein. Wir waren und sind zwar keine Trittbrettfahrer, aber ‚Huckepack‘ hat uns Ursula von Zallinger schon mitgenommen damals auf ihre Reise in die ihr ja schon seit Jahren vertrauten internationalen Medienwelten. Und jeder wusste: Ursula ist immer unterwegs, aber nie wirklich weg. Souverän steuern sie und Kirsten Schneid, in einem kleinen Team von engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von München aus das Sichten, die Diskussionen, das Bewerten, den Austausch und die Prämierung herausragender, innovativer TV-Produktionen für Kinder und Jugendliche. Der PRIX JEUNESSE International schafft seit Jahrzehnten wertvolle, nachhaltig wirkende Arbeitskontakte zu Fernsehfachleuten und Fernsehanstalten weltweit. Und so erkannten wir sehr bald, dass wir in der Kooperation mit dem PRIX JEUNESSE International uns in einer win-win-Situation wiederfanden und quasi unschlagbar waren. Der PRIX JEUNESSEKoffer war dann nur mehr die natürliche Weiterentwicklung einer Zusammenarbeit, wo die herausragende und international anerkannte Arbeit einer bundesdeutschen Kinder- und Jugendinstitution in über 70 Ländern der Erde Ansprechpartner war für den Weg hin zu Programmmachern, Autoren und Bildungseinrichtungen. Über Jahrzehnte haben so Hunderte von TV-Programmmachern und Millionen von jungen Menschen weltweit ebenso selbstbewusst wie anspruchsvoll diese Möglichkeiten genutzt und ist der PRIX JEUNESSE-Koffer seit Jahren Mittel und Symbol zugleich einer beispiellosen, bislang einmaligen weltumspannenden Bildungs- und Unterhaltungsinitiative für qualitätsvolles Kinder- und Jugendfernsehen. Ich selbst hatte das Glück, 1990 und 1992 zwei PRIX JEUNESSE International Wettbewerbe in München unmittelbar miterleben zu können – dies war für mich Anregung und Ansporn

zugleich, internationalen Kulturaustausch in einem von politischen wie finanziellen Interessen stark geprägten Wettbewerb der TV-Bilder Wissen mit Neugier und Verstand immer auch mit Empathie und Herz zu verbinden. So wie Ursula von Zallinger es Jahr für Jahr vorlebt. Man hatte mich gebeten, ein paar Worte zu sagen über den Beginn der Zusammenarbeit zwischen dem PRIX JEUNESSE und dem Goethe-Institut vor nunmehr über 20 Jahren. Sehe nun, dass diese Zeilen über den Versuch einer kurzen Darstellung hinaus so etwas wie eine kulturpolitische Liebeserklärung geworden sind an den PRIX JEUNESSE und ihre ehemalige Generalsekretärin Ursula von Zallinger. Sei’s drum: ich stehe dazu. DER AUTOR Wolfgang Meissner war 1989-1993 Leiter des Fachbereichs »Hörfunk, Fernsehen, Druckmedien« in der Zentrale des Goethe-Instituts und ist seit 2007 Leiter der Goethe-Institute in Rabat und Casablanca, Marokko.

Germany in late summer 1989. Amazed and disbelieving one watches the evening news showing pictures from the neighbouring countries. On the border to Hungary and the Czech Republic barriers and border controls are falling. Thousands of GDR citizens use the unexpected opportunity to visit the “West” or even look into the possibility of settling down permanently. The signs of the times are changing. Nobody suspects yet though that only a few weeks later the Wall in Berlin will also fall. Power blocks begin to disintegrate. Curiosity and the desire for dialogue and congress replace decades of ingrained presumptions and deep seated clichés with every new conversation. The Goethe-Institut also senses the shift and is aware that as a worldwide active cultural mediator it will have to react to this epochal upheaval. The internet is yet to play a role in the preparation and implementation of cooperative projects,


Das Goethe-Institut und der Prix Jeunesse-Koffer The Goethe-Institut and the Prix Jeunesse-Suitcase

but one is aware of the increasing importance of traditional as well as new visual media. Consequently, the leading expert of the film department is provided with a new working unit under the designated title of “Radio, Television, Print Media” in service of the information and exchange effort of the Goethe-Institut. Recently arrived in Munich and responsible for this newly formed working unit, I had the great pleasure to meet Ursula von Zallinger toward the end of 1989, director of the international children’s and youth competition PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL since it was initiated by Bavarian Broadcasting (Bayerischen Rundfunk) in 1964. Very quickly we realized in Munich that this insightful, as well as active and urbane media activist has built up a network of international television professionals throughout Europe and far beyond – already long before the political borders fell. A collective of producers, directors and filmmakers whose sole goal it is to endeavor worldwide that children and youths are offered television that is equally entertaining, as it is enriching. In particular also that stories from other countries and cultures with their unique narratives and visual styles are included into the big picture. As the only international television competition for children and youth programmes at the time takes place in Munich for the 14th time in 1990, the participants and guests bear witness: quality programmes for children and youths are by their very nature borderless and therefore provide the ideal window into the world of other ‘native lands’ on our planet. Ursula von Zallinger, heart and mind behind the competition, had already established contact with colleagues at television stations in the former Eastern Bloc, Asia, America, Africa, Australia and certainly also in Europe for many years and for the Goethe-Institut it was clear: as an internationally active cultural mediator, including in the field of film and television, we have to be a part of this. We were and are not freeloaders, but Ursula von Zallinger did already at the time take us “piggyback” into her familiar journeys through the international media world. And everyone knew: Ursula is always on the road, but never out of reach. Expertly, she and Kirsten Schneid supervised a small group of passionate colleagues in Munich who manage the screenings, discussions, evaluations, exchanges and awarding of outstanding, innovative TV productions for children and youths.

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The PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL has managed important and sustained contacts with television professionals and television stations worldwide for decades. We therefore recognized very soon that through the cooperation with PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL we were in a win-win situation that was virtually unbeatable. The PRIX JEUNESSE-Suitcase was therefore a natural extension of the cooperation, in which the distinguished and internationally acclaimed efforts of a German state institution for children and youths active in over 70 countries of the world, acted as contact partner to programme producers, filmmakers and educational institutions. Over the course of several decades hundreds of TV programme producers and millions of young persons around the world have taken advantage of this opportunity and the PRIX JEUNESSE-Suitcase is both platform and symbol of this unparalleled and still unique worldwide education and entertainment initiative for quality children’s and youth television. I myself had the good fortune to experience two PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL competitions firsthand in Munich in 1990 and 1992 – it was both an inspiration and encouragement for me that international cultural exchange in a politically as well as financially crucial television competition, always combined knowledge with curiosity and understanding together with empathy and the heart. Just as Ursula von Zallinger demonstrates from year to year. I was asked to write a few words about the beginnings of the cooperation between the PRIX JEUNESSE and the GoetheInstitut, which took shape over 20 years ago. I see now that these lines attempting to give a short overview have become somewhat of a cultural-political declaration of love for the PRIX JEUNESSE and it´s former Secretary General, Ursula von Zallinger. Nevertheless: I stand by it. THE AUTHOR Wolfgang Meissner was Department Head of “Radio, Television, Print Media” at Goethe-Institut headquarters 1989-1993 and since 2007, Director of the Goethe-Institutes in Rabat and Casablanca, Morocco.


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MOMENTAUFNAHME: PALÄSTINENSISCHE GEBIETE 2012 PRIX JEUNESSE-KOFFER BESUCHT RAMALLAH

SNAP-SHOT: PALESTINIAN TERRITORIES 2012 PRIX JEUNESSE-Suitcase Visits Ramallah

Zum dritten Mal in Folge präsentierte das Goethe-Institut den PRIX JEUNESSE-Koffer in den Palästinensischen Gebieten und zeigte vom 4. bis 6. März 2012 eine Auswahl preisgekrönter Kinderfilme. In Kooperation mit dem Bayrischen Rundfunk und dem Institute for Modern Media/Educational TV fand zudem ein Workshop mit Markus Mörchen (Leiter des ZDF-Kindernachrichtenmagazins »logo!«) und palästinensischen Kinderfilmemachern in Ramallah statt. Ziel des Workshops war es, die Teilnehmer zu inspirieren und aufzuzeigen, wie Kinderprogramme interessant aber auch verständlich gestaltet werden können. Hierzu wurden neben den vom PRIX JEUNESSE gekürten Filmen auch eigene Produktionen der Workshop-Teilnehmer gezeigt und kritisch reflektiert. Im palästinensischen Kinderfernsehen fehlt es speziell an für Kinder entwickelten Sendeformaten, besonders aus dem eigenen Kulturraum. Da Kinder im Nahen Osten von Politik ganz unmittelbar betroffen sind, ist der Mangel an kindergerecht aufgearbeiteten Information besonders eklatant. Entscheidende Fragestellungen des Workshops behandelten die Sichtweise der Kinder selbst und konnten in Interviews mit vier Schülern aus Ramallah direkt besprochen werden. Der Workshop hat gezeigt, dass es engagierte und gute palästinensische Producer gibt, die anspruchsvolles Kinderfernsehen mit der notwendigen finanziellen Unterstützung umsetzten wollen und können.

For the third consecutive time the Goethe-Institut presented the PRIX JEUNESSE-Suitcase in the Palestinian Territories and screened a selection of award winning children’s films from the 4th to 6th of March, 2012. Furthermore, in cooperation with Bavarian Broadcasting and the Institute for Modern Media/ Educational TV, a workshop was conducted with Palestinian children’s programmes producers in Ramallah under Markus Mörchen (director of ZDF children’s news programme “logo!”). The aim of the workshop was to inform and inspire the participants how to create programmes for children entertainingly and accessibly. In addition to the PRIX JEUNESSE awarded films, the productions of the workshop participants were also viewed and critically reflected upon. In Palestinian children’s television there is a scarcity of programme formats specifically targeted at young audiences, especially from the local cultural environment. Since children in the Middle East are crucially affected by politics, the lack of child-friendly sources of information is particularly acute. Decisive points of the workshop took into consideration the perspectives of children themselves and could be approached directly through interviews with four pupils in Ramallah. The workshop demonstrated that there are passionate and capable Palestinian producers who would like to and would be able to produce quality children’s television with the necessary financial support.


Momentaufnahme: Ramallah 2012 Snap-shot: Ramallah 2012

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KULTUR UND ENTWICKLUNG

MEDIENPROJEKTE IM BEREICH DES KINDERFERNSEHENS

CULTURE AND DEVELOPMENT MEDIA PROJECTS IN THE FIELD OF CHILDREN’S TELEVISION

Das Goethe-Institut fördert mit seiner Initiative Kultur und Entwicklung durch spezifische Beratungs- und Bildungsprogramme Institutionen und Akteure aus Kultur, Medien und Gesellschaft vor allem in Ländern der Entwicklungszusammenarbeit. Kunst, Kultur und Bildung spielen eine entscheidende Rolle bei der Konstituierung von Gesellschaften und der Bewältigung der aktuellen globalen und regionalen Herausforderungen. Künstlerinnen, Kulturschaffende und Akteure der Medien sind Seismografen und zugleich Mitgestalter gesellschaftlicher Veränderungen. Doch um Gehör zu finden und agieren zu können, bedarf es einer selbstbewussten Stimme, einer professionellen Struktur und eines tragfähigen Netzwerks. Diese Erkenntnis bestimmt die Arbeit der Goethe-Institute insbesondere in den Ländern der Entwicklungszusammenarbeit und in Transformationsländern. Sie ist zugleich Ausgangspunkt der Initiative Kultur und Entwicklung: Die Programme der Initiative tragen zur Stärkung der kulturellen Infrastruktur und des Kultursektors bei. Sie wollen die Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur verbessern und die Entwicklung von Bildungs- und Wissensgesellschaften in den Gastländern unterstützen. Die Programme qualifizieren Kulturschaffende und beraten Kultureinrichtungen. Sie vernetzen die Akteure untereinander und mit entsprechenden Initiativen und Institutionen in Deutschland. Zu den Kooperationen mit

Kultureinrichtungen, Fernsehsendern oder Schulen tritt die Zusammenarbeit mit Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, mit Hochschulen und Ministerien. Im Einzelnen bietet das Goethe-Institut Workshops in den Genres der kulturellen Programmarbeit (Film, Musik, Bildende Kunst, Theater und Tanz, Literatur) und im Bereich Information und Bibliothek, ebenso modular aufgebaute Fortbildungsseminare zu Kultur- und Projektmanagement, zum Verlagswesen, für Museumspädagogen oder Kulturjournalisten, die mit Hospitationen in Kulturinstitutionen in Deutschland verbunden werden. Die Programme berücksichtigen Aspekte der Distribution und Vermarktung und verschaffen Zugang zu den internationalen Szenen. Veranstaltungen im Verbund mit den Akteuren zur Rolle von Kunst und Kultur in Deutschland und in den Gastländern verstärken Sichtbarkeit und Wirkung der Aktivitäten. Die Vielfalt der Programme bei Kultur und Entwicklung geht von folgenden Grundpositionen aus: Die Fortbildungsprogramme werden gemeinsam mit den lokalen Akteuren und Institutionen konzipiert. Künstlerische und kuratorische Fragestellungen werden unmittelbar mit technisch-organisatorischen Aspekten der kulturellen Praxis verknüpft. Die Autonomie von Kunst und Kultur wird respektiert und reflektiert und zu gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Herausforderungen in Beziehung gesetzt. Das Goethe-Institut hat im Rahmen der Initiative Kultur und Entwicklung zusammen mit seinen Partnern im Bereich des Kinderfernsehens geradezu paradigmatische Medienprojekte sowohl in Südostasien als auch in Lateinamerika konzipiert und realisiert.


Kultur und Entwicklung Culture and Development

The Goethe-Institut facilitates institutions and professionals from the field of culture, media and civic society through specific consultation and training programmes under its Culture and Development initiative, especially in development cooperation countries. Art, culture and education play a decisive role in the constitution of societies and in meeting the contemporary global and regional challenges. Artists, creative agents and professionals in media are both seismographs and shapers of societal change. However, to reach an audience and engage, it requires a confident voice, a professional structure and a sustainable network. This realization informs the work of the Goethe-Institutes, especially in development cooperation countries and transitional countries. It is furthermore the starting basis for the Culture and Development initiative. The programmes of the initiative contribute to the strengthening of cultural infrastructures and the cultural sector. They aim to foster the conditions for art and culture and to support the development of education and knowledge societies in host countries. The programmes qualify creative artists and advise cultural establishments. They connect professionals amongst each other, as well as with corresponding initiatives and institutions in Germany. In addition to the cooperation with cultural establishments, tele-

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vision stations or schools, comes the collaboration with development organizations, higher education and ministries. In detail, the Goethe-Institut offers workshops in the genres of the cultural programme (film, music, art, theatre and dance, literature) and in the area of information and libraries, as well as modular arranged training seminars for cultural management and project management, for publishing, for museum pedagogy or cultural journalists, which are connected to residencies at cultural institutions in Germany. The programmes take into consideration aspects of distribution and marketing and open access to the international scene. Events in collaboration with creative artists in the arts and culture scene in Germany and the host countries strengthen the visibility and effectiveness of the activities. The diversity of programmes in Culture and Development stems from the following basis: the development programmes are conceptualized in close cooperation with local professionals and institutions. Artistic and curatorial positions are attentively connected to technical and organizational aspects of cultural praxis. The autonomy of art and culture is respected and reflected and placed in relation to societal and economic challenges. In the framework of the Culture and Development initiative, the Goethe-Institut has conceptualized and realized paradigmatic media projects with its partners in the field of children’s television in Southeast Asia, as well as in Latin America.


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DAS SCIENCE FILM FESTIVAL

WISSENSVERMITTLUNG UND LERNEN KÖNNEN VIEL SPASS MACHEN

THE SCIENCE FILM FESTIVAL KNOWLEDGE COMMUNICATION AND LEARNING CAN BE FUN

Das Science Film Festival wurde erstmals 2005 vom GoetheInstitut Thailand unter der Leitung von Wilfried Eckstein initiiert. Im Jahr 2009 wurde es als regionales Wissenschaftsfilmfestival angelegt und schaffte den Sprung nach Kambodscha. Im Jahr 2010 organisierten Indonesien und die Philippinen die erste Ausgabe und 2011 stießen die Goethe-Institute in Malaysia und Vietnam ebenfalls als Veranstalter hinzu. Das Festival ist Filmen und Sendungen gewidmet, die technische und naturwissenschaftliche Zusammenhänge einem breiten, insbesondere jungen Publikum verständlich machen. So werden zahlreiche Sendungen aus verschiedenen Ländern beim Festival vorgestellt, bei dem unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt des Wissens aufeinander treffen. Eines der eindringlichsten Probleme im südostasiatischen Bildungssystem ist das abnehmende Interesse junger Menschen an naturwissenschaftlichen Kursen sowie wissenschaftlichen und technischen Berufsfeldern. Genau hier setzt das Science Film Festival als eine bildungspolitische Initiative des Goethe-Instituts an. Fernsehsender aus aller Welt werden aufgerufen ihre kindund jugendgerechten Wissenschaftssendungen einzureichen. Es kommen circa 50 von knapp 160 jährlich eingesendeten Filmen aus über 20 Ländern in die engere Auswahl. Diese werden dann in den teilnehmenden Ländern an die jeweilige Landesjury weitergegeben, welche eine Endauswahl für ihr Land bestimmt. So

gibt es in den verschiedenen Ländern ein Wissenschaftsfilmfestival das an die Bedingungen und Präferenzen des Landes angepasst ist. Die Organisatoren vor Ort sind Wissenschaftslehrer und NROs, die mit Herzblut und viel Engagement bei der Sache sind. Es gibt keinen Festivaldirektor, der vorgibt, welche Filme gezeigt werden sollen und alle Beteiligten können Ideen mit einbringen. Die ausgewählten Sendungen werden in die jeweiligen Landessprachen synchronisiert um den Zuschauern einen einfachen und direkten Zugang zu den wissenschaftlichen Inhalten und qualitativ hochwertiger Unterhaltung zu ermöglichen. Eine internationale Jury vergibt abschließend insgesamt sechs Preise. Damit die Kinder und Jugendlichen die teils komplexen Inhalte verstehen und behalten, werden nach jeder Vorführung Experimente vorgeführt oder Lernspiele gespielt, die ein Thema des gerade gezeigten Films aufgreifen und veranschaulichen. In regionalen und lokalen Workshops tauschen sich die Teams der Teilnehmerländer über die verschiedenen Experimente aus und entwickeln gemeinsam neue Ideen, wie sich Experimente zugleich unterhaltsam und informativ bei der Wissensvermittlung einbauen lassen. Durch dieses interdisziplinäre Konzept fördert das Festival eine Kultur des Wissenschaftsfilms, die Bildung und Unterhaltung wirkungsvoll mit einander verbindet und zeigt: Wissensvermittlung und Lernen können viel Spaß machen!


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Das Science Film Festival The Science Film Festival

»Das Science Film Festival ist genau das richtige Medium, um das Bewusstsein unserer Kinder für wissenschaftliche und ökologische Themen zu schärfen.« Dr. Anies Baswedan. Rector of Universitas Paramadina, Jakarta


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“The Science Film Festival is the right medium to raise our children’s awareness for scientific and ecological issues.” Dr. Anies Baswedan. Rector of Universitas Paramadina, Jakarta


Das Science Film Festival The Science Film Festival

Ein Netzwerk an renommierten Partner in allen beteiligten Ländern – lokale Ministerien, Universitäten, Schulen und NRO`s – trägt das Festival und sorgt unteranderem dafür, dass das Festivalangebot auch in entlegenen Regionen stattfinden kann. Die große Leistung des Festivals ist eine tiefgreifende Wirkung. Es erreicht eine große Anzahl von Schülern – die Gesellschaft von morgen. Besonders durch die Partnerschaft mit lokalen Bildungsministerien erreicht das Festival eine ernstzunehmende kulturpolitische Ebene. Es bietet eine Plattform des interkulturellen Austausches, bei dem unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt des Wissens auf einander treffen. Die Kinder werden dazu angeregt Dinge zu hinterfragen und eigene Sichtweisen zu entwickeln. Diese kritische Neugierde kann auf lange Sicht neue Denkanstöße geben. Das Festival steuert somit zu einer wissenschaftlichen Kommunikationsinfrastruktur bei und unterstützt die allgemeine naturwissenschaftliche Bildungsarbeit in Südostasien. Inzwischen erreicht das Festival jährlich über 240.000 Kinder und Jugendliche in Indonesien, Kambodscha, Malaysia, den Philippinen, Thailand und Vietnam. In den kommenden Jahren soll das Science Film Festival auf weitere südostasiatische Länder ausgeweitet werden. The Science Film Festival was initiated by the Goethe-Institut Thailand in 2005 under the directorship of Wilfried Eckstein and in 2009 it began a regionalization effort and made the jump to neighbouring Cambodia. In 2010 Indonesia and the Philippines organized their first editions and in 2011 the GoetheInstitutes in Malaysia and Vietnam joined as organizers. The festival is dedicated to films and television programmes that offer access to technological and scientific subjects to a broad public, with a particular focus on young audiences. Hereby numerous programmes from a diverse range of countries are presented, which offer different perspectives on the world of knowledge communication. One of the most pressing issues in the Southeast Asian educational system is the decreasing interest of young persons in scientific subjects, as well as scientific and technological careers. This is the premise of the Science Film Festival as an educational policy initiative of the Goethe-Institut. Broadcasters from around the world are invited to submit their scientific programmes suitable for a young audience. About 50 films from the roughly 160 programmes sent in from over 20 countries a year come into the shortlisted selection. These are then offered to the local pre-juries in the participating countries, who decide

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upon their final programme selection. Through this approach, a festival is organized in each country, which is able to adapt to the local conditions and preferences of each respective country. The local organizers in each country are science educators and NGOs who join the effort with great passion and commitment. There is no central festival director who determines which films must be shown and all participating partners are welcome to bring their ideas to the table. The selected programmes are synchronized in the corresponding local languages to enable unimpeded access to the scientific content and quality entertainment for young audiences. An international jury furthermore bestows six awards to the festival films. In order to assist the young audience in grasping some of the more complex themes amongst the films, there are fun experiments or learning games conducted in relation to the film subjects after each screening, which aim to further make the content accessible. In regional as well as local workshops, teams from participating countries exchange ideas and develop new ones on how to incorporate entertaining and educational games and experiments. Through this interdisciplinary concept, the festival facilitates a culture of science films, which effectively combines learning and entertainment and demonstrates: knowledge communication and learning can be fun! A network of high-profile partners in all participating countries – local ministries, universities, schools and NGOs – supports the festival and provides the opportunity to bring the festival programme to remote regions. The distinguished contribution of the festival is its far-reaching effect. It connects with a great number of pupils – the society of tomorrow. The festival achieves a serious cultural-political position especially through the partnership with local ministries. It offers a platform for intercultural exchange through which different perspectives on the world of science converge. The children are encouraged to question things and to develop their own perspectives. This critical curiosity can give new thought impulses in the long term. The festival thereby facilitates a science communication infrastructure and supports the broader science education effort in Southeast Asia. Currently the festival reaches over 240,000 children and youths in Cambodia, Indonesia, Malaysia, the Philippines, Thailand and Vietnam annually. In the coming years it is intended for the Science Film Festival to extend to additional Southeast Asian countries.


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»Was uns besonders begeistert ist das Konzept gemeinsam mit Kollegen aus anderen südostasiatischen Ländern ein Programm für Kinder produzieren zu können. Gerade dieser Austausch ist für uns eine tolle Chance, unsere Arbeit weiterzuentwickeln und zu verbessern.« Tuyen Hong, VTV 6, Vietnam “What makes us especially enthusiastic is to be able to produce a programme for children together with colleagues from other Southeast Asian countries. This dialogue is a great opportunity for us to further develop and improve our work.” Tuyen Hong, VTV 6, Vietnam


I GOT IT! — Neun Länder, eine Vision I GOT IT! — Nine Countries, One Vision

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I GOT IT! — NEUN LÄNDER, EINE VISION EIN WISSENSMAGAZIN FÜR KINDER VERBINDET EINE REGION

I GOT IT! — NINE COUNTRIES, ONE VISION AN EDUTAINMENT MAGAZINE FOR CHILDREN CONNECTS A REGION


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Ein weiteres Projekt der Goethe-Institute in Südostasien im Rahmen seiner Initiative Kultur und Entwicklung ist das erste regionale TV-Wissensmagazin für Kinder. Unter dem Motto »Neun Länder, eine Vision« hat das GoetheInstitut zusammen mit staatlichen und öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern aus Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, den Philippinen, Thailand und Vietnam das zehnminütige Magazin »I Got It!« (Ich hab`s) entwickelt. Wenn Kinder in Thailand, Kambodscha, Indonesien oder Vietnam fernsehen, stehen in der Regel Animationsfilme von Disney Channel, Nickelodeon oder Cartoon Network auf dem Programm. Jedoch nur ein Bruchteil dieser Sendungen vermittelt Bildung und Wissen. Die Protagonisten oder Moderatoren, die als junge Identifikationsfiguren dienen könnten, sind äußerst selten Kinder aus Südostasien selbst. Auch die Themen stehen kaum in einem Zusammenhang mit dem Alltag von Kindern, zum Beispiel in Thailand oder Malaysia. Besonders in Ländern mit einer schweren Vergangenheit oder einer politisch komplexen Gegenwart wie etwa Vietnam, Kambodscha oder Laos gibt es nur sehr zögerliche Ansätze, eigene Kindersendungen zu produzieren. In Deutschland sind Wissenssendungen für Kinder – etwa Sachgeschichten der »Sendung mit der Maus« und »Löwenzahn«, aber auch Kindernachrichtensendungen wie »neuneinhalb« und »logo!« – äußerst erfolgreich. Den Sendeanstalten in Südostasien fehlt es besonders an speziell ausgebildeten Kinderredakteuren, die wirklich wissen, wie Sendeformate für ein junges Publikum gestaltet werden. Bestärkt durch das Interesse unterschiedlicher Bildungsbehörden an neuen Möglichkeiten der Wissensvermittlung, starteten die Goethe-Institute in Südostasien im Juli 2009 ein Pilotprogramm, um die Produktion des ersten Wissensmagazins speziell für Kinder in Südostasien auf den Weg zu bringen. Unterstützt wurden sie von den UNESCO-Büros in Thailand und Kambodscha, dem Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen, Stiftung PRIX JEUNESSE, tvision GmbH, gomie GmbH und ZDF. Das Pilotprogramm wurde im Sommer 2010 erstmals ausgestrahlt. Sieben staatliche und öffentlich-rechtliche Fernsehsender aus sieben Ländern – National Television Kampuchea (Kambodscha), Televisi Republik Indonesi (Indonesien), Lao National

Television (Laos), Radio Television Malaysia (Malaysia), ABS-CBN Foundation, Inc. (Philippinen), Thai PBS (Thailand) und VTV 6 (Vietnam) – nahmen mit zwölf Redakteurinnen und neun Redakteuren daran teil. Inzwischen sind MRTV-4 (Myanmar) und Radio Televisyen Brunei (Brunei) dazugekommen. Ein Hauptbestandteil des Projektes ist die Unterstützung der lokalen Teams durch zwei Redakteurinnen aus dem deutschen Kinderfernsehen. Ute Mattigkeit und Maike Pies, Trainerinnen der Kölner Produktionsfirmen gomie GmbH und tvision GmbH begleiten die Produktionen von der Themenfindung über das Script, den Dreh bis hin zur Postproduktion. In der ersten Phase stand die berufliche Weiterbildung der Fernsehschaffenden im Mittelpunkt. In gemeinsamen Workshops wurde erarbeitet, wie man spannende Themen für eine junge Zielgruppe findet, Texte verfasst und eine geeignete Bildsprache findet, um Kinder auf Wissensthemen neugierig zu machen. Durch ein intensives Trainingsprogramm wurden digitale Produktionstechniken und das Format des Videojournalismus vermittelt, die den Beteiligten zeigten, dass qualitativ hochwertiges Kinderprogramm auch mit kostengünstiger Ausrüstung umgesetzt werden kann. Entstanden ist das zehnminütige Wissensmagazin »I Got It!« (Ich hab`s). Das Spektrum an Themen und Fragen, die beantwortet werden, ist breit gefächert: Wie funktioniert ein Regenwald? Was macht ein Berufspilot? Wie bekommt der menschliche Körper Energie? Warum sollen wir Abfälle wieder verwerten? Eine Staffel umfasst 26 Folgen. Nach einer gemeinsamen Abstimmung über die Inhalte, produziert jeder Sender die Inhalte von zwei bis vier Folgen, kann aber alle 26 nutzen und ausstrahlen. Das Besondere an diesem Projekt ist das einheitliche Erscheinungsbild der Serie, das in allen Ländern gleich ist und lediglich lokal adaptiert wird. Damit die Serie trotz des internationalen Ansatzes jeweils ein »lokales« Gesicht erhält, gestaltet jeder Sender die An-, Zwischen- und Schlussmoderation selbst. Alle Fäden dieser komplexen Koproduktion laufen bei dem regionalen Projektleiter für Wissensprojekte im Rahmen von Kultur und Entwicklung Andreas Klempin im Goethe-Institut Thailand zusammen. Das Projekt soll in Zukunft ermöglichen, dass die Produzenten eigenständig Formate produzieren und ihre jungen Zuschauer in den jeweiligen Ländern auch wirklich erreichen. Die Weiterbildung und das Netzwerk an Fachleuten aus den verschiedenen Sendern bilden die Grundlage einer erfolgreichen Fortsetzung. Das Wissensmagazin selbst soll sich auf lange Sicht finanziell selbst tragen. 2011 wurde bereits die zweite Staffel von »I Got It!« (Ich hab`s) produziert und in allen neun Teilnehmerländern von November 2011 bis Juni 2012 ausgestrahlt. Die dritte Staffel wird im Laufe des Jahres 2012 produziert.


I GOT IT! — Neun Länder, eine Vision I GOT IT! — Nine Countries, One Vision

A further project of the Goethe-Institutes in Southeast Asia within the framework of its Culture and Development initiative is the first regional TV-edutainment magazine for children. Under the motto “Nine Countries, One Vision”, the Goethe-Institut developed the ten-minute magazine “I Got It!” together with broadcasters from Brunei, Cambodia, Indonesia, Laos, Malaysia, Myanmar, the Philippines, Thailand and Vietnam. When children in Thailand, Cambodia, Indonesia or Vietnam watch television, it is often animated series from Disney Channel, Nickelodeon or Cartoon Network that are on the programme. However, only a fraction of these programmes are educational or disseminate knowledge. The protagonists or presenters, who could act as young role models, are rarely children from Southeast Asia. Also the themes are barely relevant to the everyday lives of children for example in Thailand or Malaysia. Especially in countries with difficult pasts or complex contemporary political realities, such as Vietnam, Cambodia or Laos, there are few attempts to produce local children’s programmes. In Germany, knowledge formats for children – for instance “Sendung mit der Maus” (The Programme with the Mouse) and “Löwenzahn” (Dandelion), as well as children’s news such as “neuneinhalb” (nine and a half) and “logo!” – are particularly successful. The broadcasters in Southeast Asia often lack specially trained children’s producers who are experts on how to create programme formats for young audiences. Encouraged by the interest of various educational authorities in new possibilities of knowledge communication, as well as through the experience of the Science Film Festival, the GoetheInstitutes of Southeast Asia commenced the pilot programme of the first regional edutainment magazine specifically for children in Southeast Asia in July 2009. Support for the project was given by the UNESCO offices in Thailand and Cambodia, the International Central Institute for Youth and Educational Television (IZI), the PRIX JEUNESSE-Foundation, tvision GmbH, gomie GmbH and ZDF. The pilot season was broadcast for the first time in the summer of 2010. Seven broadcasters from seven countries – National Television Kampuchea (Cambodia), Televisi Republik Indonesi (Indonesia), Lao National Television (Laos), Radio Television

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Malaysia (Malaysia), ABS-CBN Foundation, Inc. (Philippines), Thai PBS (Thailand) und Vietnam Television VTV 6 (Vietnam) – took part with 21 producers. In 2011 MRTV-4 (Myanmar) and Radio Televisyen Brunei (Brunei) joined the co-production. A central part of the project is the support of local teams through two producers from German children’s television. Ute Mattigkeit and Maike Pies, trainers from the Cologne based production companies gomie GmbH and tvision GmbH, accompany the productions from finding the themes, through to writing the scripts, through to shooting and finally post-production. Throughout the initial phase, the professional development of the television producers stood at the centre. In joint workshops it was explored how to find exciting themes for a young target audience, how to write scripts and how to find a suitable visual language to interest children in educational topics. Through an intensive training programme, the video journalism approach was encouraged, which demonstrated that quality children’s programmes could also be produced with affordable budgets. The result is the ten-minute edutainment magazine “I Got It!”. The spectrum of themes and questions tackled is broad: How does a rainforest work? Was does a pilot do? How does our body get energy? Why should we recycle? One season consists of 26 episodes. After a consensus over the themes, each station produces two to four episodes based on the agreed subjects, but broadcasts all 26 episodes. The particularity of this project is the shared identity of the series, which is the same in all countries but merely adapted locally. In order that the series always has a ‘local face’, albeit the international structure, each broadcaster produces the presenter parts specific to each country. All strings of this complex co-production are held together by Andreas Klempin, regional project manager for the Culture and Development Access to Knowledge projects, at the Goethe-Institut Thailand. The project should facilitate the independent development of formats by the producers in future, which genuinely reach out to young audiences in the respective countries. The on-going capacity building and the network of professionals from the various broadcasters form the basis for successful continuation. In the long term, the edutainment magazine should carry itself financially. In 2011 the second season of “I Got It!” was produced and broadcast in all participating nine countries between November 2011 and June 2012. The third season is being produced throughout 2012.


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CONTRASEÑA VERDE ÖKO-GESCHICHTEN AUS LATEINAMERIKA

CONTRASEÑA VERDE ECO-STORIES FROM LATIN AMERICA


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Im Juni 2012 feiert das Umweltmagazin »CONTRASEÑA VERDE« (PASSWORT: GRÜN) für Kinder in Lateinamerika sein Fernsehdebut. Wie rettet Yohangel (12) in Venezuela Meeresschildkröten vor dem Aussterben? Wie hilft Claudio (8) seiner GroSSmutter in Uruguay beim Energie sparen? Oder wie erzwingt Milagros (11) in Argentinien die Sanierung eines verseuchten Flusses? Das und vieles mehr zeigt die erste Staffel des neuen Magazins »CONTRASEÑA VERDE« (PASSWORT: GRÜN), das fünf lateinamerikanische Fernsehsender auf Initiative des Goethe-Instituts Buenos Aires produziert haben. Von frühestem Alter an verbringen Kinder viele Stunden vor dem Fernseher, dem Computer, mit dem Handy. Fernsehen und Internet sind somit bei der Verbreitung von Bildung und kulturellen Aspekten besonders wirksame Instrumente. Eine verantwortungsvolle Produktion im Rahmen dieser Medien muss sich daher des Einflusses bewusst sein, den sie auf Kinder und Jugendliche ausübt und die vermittelten Werte gewissenhaft überprüfen. Da Kinderfernsehserien in Lateinamerika überwiegend von anderen Kontinenten importiert werden, besteht die Gefahr, dass die jungen Zuschauer ihre eigene Realität nicht wahrnehmen und mit fremden kulturellen Modellen überdecken, was langfristig ihre Handlungsfähigkeit als emanzipierte Bürger einschränkt. Kontinentspezifische Produktionen hingegen bieten die Chance, die eigene Umgebung kindgerecht zu reflektieren und leisten somit

einen Beitrag, eine wirklichkeitsnahe Identität in der lateinamerikanischen Vielfalt aufzubauen. Das Thema Umwelt bietet sich für eine regionale Zusammenarbeit im Kinderfernsehbereich besonders an, da es globale Aspekte der Umweltproblematik in lokaler Differenzierung darstellt. Parallel dazu verfolgt die Förderung einer lokalen und gleichzeitig regionalen Kinderfernsehproduktion das Ziel der Weiterbildung der Fernsehschaffenden. Seit einem Jahr begleitet das Goethe-Institut Buenos Aires die Koproduktion der Fernsehsender Paka Paka (Argentinien), TV Brasil (Brasilien), señalcolombia (Kolumbien), TV Ciudad (Uruguay) und Vale TV (Venezuela) von dreizehn Minidokumentarfilmen, in denen Kinder zwischen 8 und 12 Jahren ihre eigene Umweltschutzinitiative vorstellen. Kinder als Protagonisten, die in der Vielfalt ihrer regionalen Lebensbedingungen eins gemeinsam haben: sie setzen sich aktiv für die Umwelt ein. In Workshops und Seminaren haben die Produzenten gemeinsam mit deutschen und lateinamerikanischen Experten des Kinderfernsehens das Format und die Inhalte der Sendung entwickelt. Drehbuch, Produktion und Postproduktion werden von zwei eigens engagierten Expertinnen, Aldana Duhalde (Argentinien) und Beth Carmona (Brasilien), z.T. vor Ort betreut. Das Ergebnis ist nicht nur eine kindgerechte und regional ausgerichtete Fernsehsendung, die zeigt, dass Kinder in Umweltschutzfragen entscheidende Handlungsträger sein können sondern gleichzeitig auch der Austausch und die Vernetzung der beteiligten Fernsehschaffenden. Eine zweite Staffel und eine Webseite sind in Vorbereitung.


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Öko-Geschichten aus Lateinamerika Eco-stories from Latin America

In June 2012 the environmental magazine for children “CONTRASEÑA VERDE” (PASSWORD: GREEN) celebrates its television premier. How does Yohangel (12) from Venezuela save sea turtles from extinction? How does Claudio (8) help his grandmother in Uruguay save energy? Or how does Milagros (11) in Argentina compel the cleaning up of a contaminated river? This and more is shown in the first season of the new magazine “CONTRASEÑA VERDE” (PASSWORD: GREEN), which is produced by five Latin American broadcasters as an initiative of the Goethe-Institut Buenos Aires. From the earliest age onward, children spend hours in front of the television, the computer or the mobile phone. Television and the internet are therefore particularly effective instruments in the dissemination of education and cultural aspects. A responsible production within such media must therefore be aware of its influence on children and youths and accordingly, conscientiously observe the disseminated values. Since children’s television in Latin America is predominately imported from other continents, the danger exists that young viewers do not perceive their own immediate reality and are imposed on by foreign cultural models, which in the long term may restrict their capacity to act as emancipated citizens. Continentspecific productions on the other hand offer the opportunity to reflect their own surroundings appropriately for children and

thereby contribute to creating an authentic identity within Latin American diversity. The environment especially offers itself as a suitable topic for regional cooperation in the area of children’s television, since global aspects of environmental challenges can be presented in a local context. At the same time, the facilitation of both a local and regional children’s production serves the aim of further developing the television professionals. For one year the Goethe-Institut Buenos Aires has accompanied the co-production between Paka Paka (Argentina), TV Brasil (Brazil), señalcolombia (Columbia), TV Ciudad (Uruguay) and Vale TV (Venezuela) of thirteen mini-documentaries, in which children aged 8 to 12 present their own environmental initiatives. Children as protagonists, who amidst the diversity of their living conditions have one thing in common: they actively endeavour for the environment. Through workshops and seminars, the producers developed the format and content of the programme together with experts in children’s television from Germany and Latin America. Script writing, production and post-production were accompanied (sometimes on location) by two passionate experts, Aldana Duhalde (Argentina) and Beth Carmona (Brazil). The result is not only a child-appropriate and regionally orientated television programme, which demonstrates that children can be decisive agents when it comes to environmental questions, but also the exchange and networking of the participating television professionals. A second season and website are in preparation.


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Timeline Diese Timeline zeigt die ersten PRIX JEUNESSE Veranstaltungen und PRIX JEUNESSE-Koffer in Kooperation mit dem Goethe-Institut in einem Land. This timeline shows the initial PRIX JEUNESSE events and PRIX JEUNESSE-Suitcases that took place in countries for the first time in cooperation with the Goethe-Institut.

Seminar 1978 Malaysia 1979 Kenia 1983 Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Mexiko 1991 Ecuador 1993 Kamerun Workshop 1987 USA 1989 Venezuela 1992 Elfenbeinküste 1993 Israel 1994 Singapur 1995 Philippinen, Brasilien, China 1996 Uruguay 1997 Griechenland, Indien Koffer 1993 USA 1996 Kuba 1997 Russland 1998 Brasilien, México, Bolivien, Pakistan, Südkorea, Libanon 1999 Israel, China, Chile, Südafrika, Nigeria 2000 Slowakei, Syrien, Tschechische Republik, Kolumbien 2001 Australien, Ägypten, Deutschland 2002 Serbien 2003 Litauen, Estland, Gaza, Palästina 2004 Marokko, Usbekistan, Kasachstan, Georgien 2005 Afghanistan, Bosnien Herzegowina, Tunesien, Polen 2006 Bangladesch, Äthiopien, Ukraine 2007 Indien, Jordanien, Sri Lanka, Peru 2008 Türkei, Venezuela 2009 Ghana, Thailand 2010 Irak, Italien 2011 Indonesien, Zypern


Timeline

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Seminar 1978 Malaysia 1979 Kenya 1983 Brazil, Argentina, Colombia, Mexico 1991 Ecuador 1993 Cameroon Workshop 1987 USA 1989 Venezuela 1992 Ivory Coast 1993 Israel 1994 Singapore 1995 The Philippines, Brazil, China 1996 Uruguay 1997 Greece, India Suitcase 1993 USA 1996 Cuba 1997 Russia 1998 Brazil, Mexico, Bolivia, Pakistan, South Korea, Lebanon 1999 Israel, China, Chile, South Africa, Nigeria 2000 Slovakia, Syria, Czech Republic, Columbia 2001 Australia, Egypt, Germany 2002 Serbia 2003 Lithuania, Estonia, Gaza, Palestinian Territories 2004 Morocco, Uzbekistan, Kazakhstan, Georgia 2005 Afghanistan, Bosnia Herzegovina, Tunisia, Poland 2006 Bangladesh, Ethiopia, Ukraine 2007 India, Jordan, Sri Lanka, Peru 2008 Turkey, Venezuela 2009 Ghana, Thailand 2010 Iraq, Italy 2011 Indonesia, Cyprus


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Von München hinaus in die Welt From Munich out into the World

VON MÜNCHEN HINAUS IN DIE WELT WIE HOLE ICH DEN PRIX JEUNESSKOFFER IN MEIN LAND?

Der PRIX JEUNESSE-Koffer trägt die inspirierende und kreative Atmosphäre des Münchner Festivals hinaus in die Welt, zu Medienschaffenden aller Länder und Kontinente. Der Koffer enthält die herausragenden und interessantesten Programme des Festivals. Workshops mit dem PRIX JEUNESSE-Koffer sind quasi eine Simulation des PRIX JEUNESSE International.

Um einen PRIX JEUNESSE-Koffer ins eigene Lang zu holen, kann sowohl das Goethe-Institut vor Ort als auch das PRIX JEUNESSE-Büro unter info@prixjeunesse.de kontaktiert werden. Eine Liste der verschiedenen Goethe-Institute findet sich auf www.goethe.de.

FROM MUNICH OUT INTO THE WORLD HOW DO I BRING THE PRIX JEUNESSESUITCASE TO MY COUNTRY? The PRIX JEUNESSE-Suitcase takes the inspiring and creative atmosphere of the Munich festival out into the world to media professionals in all countries and on all continents. The suitcase holds the most outstanding and interesting programmes of the festival. Workshops with the PRIX JEUNESSE-Suitcase are like a simulation of the PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL. To inquire about bringing the PRIX JEUNESSE-Suitcase to your country, please contact either your local Goethe-Institut or the PRIX JEUNESSE office at info@prixjeunesse.de. A list of worldwide Goethe-Institutes can be found at www.goethe.de.


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IMPRESSUM IMPRINT Danksagung Acknowledgements Wir danken nachstehenden Personen und Institutionen für ihre freundliche und sachkundige Unterstützung bei der Realisierung dieser Broschüre: We would like to thank the following persons and institutions for their helpful and informative support in the production of this publication:

Johannes Ebert Generalsekretär des Goethe-Instituts Secretary General of the Goethe-Institut

Wolfgang Meissner Institutsleiter Goethe-Institut Marokko Director Goethe-Institut Morocco

Dr. Maya Götz Leiterin der Stiftung PRIX JEUNESSE Director of the PRIX JEUNESSE-Foundation

Norbert Spitz Institutsleiter Goethe-Institut Thailand Director Goethe-Institut Thailand

Kirsten Schneid PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL – Festivalkoordinatorin PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL – Festival Coordinator

Enzio Wetzel Leiter des Bereichs Kultur und Entwicklung – Goethe-Institut Zentrale München Head of Department Culture and Development – Goethe-Institut Headquarters Munich

Ursula von Zallinger Ehemalige Generalsekretärin des PRIX JEUNESSE 1991-2005 Former Secretary General of the PRIX JEUNESSE 1991-2005 Siegmund Grewenig Leiter des Programmbereichs Unterhaltung, Familie und Kinder beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) Department Head of Entertainment, Family and Children at the West German Broadcaster (WDR) Franz Xaver Augustin Regionalleiter Goethe-Institut Südostasien, Australien und Neuseeland Regional Director Goethe-Institut Southeast Asia, Australia, New Zealand

Maren Niemeyer Referentin für audiovisuelle Medien – Goethe-Institut Zentrale München Audiovisual Media Head Department – Goethe-Institut Headquarters Munich Katrin Sohns Regionale Referentin Kultur und Entwicklung Goethe-Institut Südostasien Regional Coordinator Culture and Development Goethe-Institut Southeast Asia


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Website http://www.goethe.de http://www.goethe.de/entwicklung http://www.prixjeunesse.de http://www.goethe.de/sciencefilmfestival

Social Media Facebook: Goethe-Institut Culture & Development Southeast Asia PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL Asean Science Film Festival

Konzept und Redaktion Concept Elke Küchle Referentin des Generalsekretärs – Goethe-Institut Zentrale München Assistant to the Secretary General – Goethe-Institut Headquarters Munich

and Editors Andreas Klempin Karoline Schwarz

Marina May Referentin Kultur und Entwicklung - Goethe-Institut Zentrale München Culture and Development Department Expert – Goethe-Institut Headquarters Munich

Groupe Dejour Bureau für Gestaltung GbR In der Kupferfabrik / Brückenstr. 1 10179 Berlin Deutschland Germany www.gdbg.de

Inge Stache Kulturprogramm / Cinemathek – Goethe-Institut Buenos Aires Cultural Programme / Cinemathek – Goethe-Institut Buenos Aires

Design

Übersetzungen Translations Andreas Klempin

Eva Lautenschlager Bereich Film, Fernsehen, Hörfunk – Goethe-Institut Zentrale München Department Film, Television, Radio – Goethe-Institut Headquarters Munich Dr. Joerg Schumacher Institutsleiter Goethe-Institut Ramallah Director Goethe-Institut Ramallah Filistin Younes Programkoordinatorin Goethe-Institut Ramallah Cultural Programme Coordinator Goethe-Institut Ramallah Katherine Lorimer Bibliothekarin Goethe-Institut New York Reference Librarian Goethe-Institut New York

Bildrechte Image Cop yright Seite 5: Goethe Institut Seite 7, 22, 25: PRIX JEUNESSE Seite 9: WDR / Flash Film Seite 10, 14: BR Fernsehen / ARD Seite 11: WDR / Friedrich Streich Seite 13, 15: WDR Seite 16, 19: Foto Sesser Seite 20, 21, 46, 47: Groupe Dejour Seite 26: Goethe Institut Vietnam Seite 31: Goethe-Institut Ramallah Seite 33 - 39: Goethe-Institut Thailand Seite 42 - 45: Goethe-Institut Buenos Aires Seite:48,49: Kaleidoscope BD © 2012 Goethe-Institut Thailand


Goethe-Institut Thailand 18/1 Soi Goethe, Sathorn 1 Bangkok 10120 Thailand www.goethe.de/thailand


Goethe-Institut & Prix Jeunesse  

A history of cooperation between the Goethe-Institut and the PRIX JEUNESSE in Children's Television

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