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Vorwort: Unsere fast 4 wöchige Bike-Tour auf Madagaskar, die wir zu zweit vom 31. Mai bis 29. Juni 2016 unternommen haben, war für uns bis dahin die schönste Fahrradreise. Die landschaftlichen Eindrücke und auch die meist freundlichen Menschen, die wir auf dieser Reise getroffen haben, bleiben uns für immer in positiver Erinnerung! Madagaskar ist zudem eine für Radfahrer ideale Insel, da es noch wenig motorisierten Verkehr gibt. Dagegen ist das halbe Land zu Fuß auf den Straßen der Insel unterwegs. Auf unserer Tour haben wir gefühlt 10.000 Madagassen gegrüßt. Einzig in und um Antananarivo ist es ratsam dem Verkehr und Chaos auszuweichen. Wir haben im Vorfeld der Reise fast 2 Monate verbracht die Tour zu planen und zu organisieren. Das war zwar ziemlich aufwendig, aber jede dafür investierte Minute hat sich mehr als gelohnt.

Zum Tourverlauf: Wir haben uns nach längeren Recherchen entschlossen unsere Tour von Antananarivo nach Sarodrano (ca. 15 km südlich von Tulear) durchzuführen. Bei der Planung der Etappen haben wir uns an den Verlauf der Nationalstraße RN7 orientiert und versucht, dort wo es strategisch machbar war, MTB Strecken einzubauen. Von Antananarivo nach Antsirabe hatten wir ein Auto mit einem Fahrer bei uns, da wir uns die ersten Tage akklimatisieren wollten und vor allem dem chaotischen Verkehr in und um Antananarivo auszuweichen. Von Antsirabe bis Ambalavao waren wir alleine unterwegs. Ab Ambalavao hatte man uns geraten ein Begleitauto zu buchen, da der Süden Madagaskars unsicher sei. Wir konnten dies bis auf den sehr eigentümlichen Ort Mahaboboka, der später beschrieben wird, nicht verifizieren. Mit unserem heutigen Wissen würden wir erst ab Ranohira ein Begleitauto nehmen. Trotzdem konnten wir uns auf der gesamten Tour mit dem Fahrer gut absprechen, sodass wir die Strecken ungestört gefahren sind. Von Sarodrano nach Antananarivo haben wir uns dann in drei Tagen mit dem Auto zurück bringen lassen, weil Inlandsflüge zum damaligen Zeitpunkt oft kurzfristig in Madagaskar abgesagt wurden und wir sicher gehen wollten, dass wir am Tag unserer Rückreise nach Europa wieder rechtzeitig in Antananarivo sind.


Kulturschock? Wenn man am Flughafen von Antananarivo ankommt, ist man sich zunächst nicht ganz sicher, ob es eine gute Wahl war auf Madagaskar eine Radtour zu planen. Für uns war Madagaskar die ersten zwei, drei Tage sehr fremd. Wir waren die ersten Tage ausschließlich damit beschäftigt die mannigfaltigen Eindrücke um uns herum einzuordnen. Man muss wissen, dass Madagaskar zu den 10 ärmsten Ländern der Welt gehört. Viele Menschen in Madagaskar haben nicht mal das Geld, um sich Schuhe zu kaufen. Der Großteil der Madagassen, vor allem auf dem Land, hat weder Strom noch Heizung. Das Kochen und Wärmen wird fast zu 100% mit Brennholz oder Holzkohle durchgeführt. Wasser ist vor allem im Süden des Landes Mangelware. Um zu überleben müssen die Menschen, meistens Kinder, mühevoll Wasser von entfernten Wasserstellen transportieren. Ein ganzes Land ist auf der Insel zu Fuß unterwegs, da sich die allerwenigsten eine Busfahrt leisten können und die Mehrheit kein Auto besitzt. Europäische Radfahrer treffen auf staunende Madagassen: Als wir im Vorfeld über die Plattformen GPSies und Google Earth unsere Tour geplant haben, waren wir davon überzeugt, dass wir größtenteils alleine in der Natur mit unseren Rädern unterwegs sein würden. Weit gefehlt! Es kam oft vor, dass wir während unserer Essenspausen am Wegesrand von zufällig vorbeikommenden Madagassen über die gesamte Zeit der Pause angestarrt wurden. Zunächst dachten wir noch die Staunenden wollten etwas von uns. Wir haben den Betrachtern verschiedene Dinge (Kekse, Wasser, Zigaretten etc.) angeboten. Aber jeder hat mit einer verneinenden Geste abgewunken. Für die meisten waren wir einfach exotischer Fernsehersatz. Die meisten Madagassen haben zudem sehr viel Zeit. Stress spielt in Madagaskar kaum eine Rolle. Manchmal kam es auch vor, dass Rad fahrende Kids über mehrere Kilometer mit uns gefahren sind nur um unsere Räder und unser Outfit zu bestaunen. Uns ist all die Wochen nichts abhanden gekommen. Es gab auch keinen Moment der Angst oder eines unangenehmen Gefühls. Wenn man Menschen als Menschen begegnet, ist das zu 99% immer entspannt und nach diesem Motto haben wir uns auch auf Madagaskar bewegt. Trotzdem sollte man in Madagaskar sowohl in der Stadt als auch auf dem Land nicht nachts mit dem Rad unterwegs sein. Wir sind bei unseren Touren immer bei Sonnenaufgang gestartet und haben noch vor Sonnenuntergang unser Ziel erreicht. Fotos: Da wir während der Tour möglichst wenig Gepäck mitnehmen wollten, haben wir auf einen Fotoapparat verzichtet. Alle nachfolgenden Bilder wurden mit dem Handy fotografiert. GPS Tracks: Die GPS Daten der Tour können unter https://www.gpsies.com/mapFolder.do?id=66155 heruntergeladen werden.


Etappen Etappe 01: Ampefy – Antsirabe 150 km | 2.617 hm | bis Faratsiho mit dem Auto

Etappe 02: Vulkansee Rundtour 53 km | 566 hm

Etappe 03: Antsirabe – Ambositra 92 km | 916 hm

Etappe 04: Ambositra – Antoetra – Sous Mada 59 km | 788 hm

Etappe 05: Sous Mada – Ambohimahasoa 88 km | 1.225 hm

Etappe 12: Ihosy – Ranohira 90 km | 888 hm

Wanderung & MTB Tour im NP Isalo Etappe 13: Ranohira – Sakaraha 108,15 km | 1.171 hm | bis Ilakaka mit dem Auto

Etappe 14: Sakaraha – Auberge de la Table 118 km | 708 hm | bis Mahaboboka mit dem Auto

Etappe 15: Auberge de la Table – Sarodrano 46 km | 438 hm

Etappe 06: Ambohimahasoa – Ranomafana 44km | 744 hm

Wanderung im NP Ranomafana (1 Tag) Etappe 07: Rundtour Ranomafana Richtung Osten ca. 45 km

Etappe 08: Ranomafana – LacHotel 55 km | 1.241 hm

Etappe 09: Lac Hotel – Fianarantsoa 52 km | 875 hm

Etappe 10: Fianarantsoa – Ambalavao 82km | 1.546 hm

Trekking Andringitra & Tsaranoro Tal (3 Tage) Etappe 11: Ambalavao – Ihosy ca. 100 km | 1.523 hm | Start 40 km mit dem Auto

Legende: Auto Wanderung Asphalt Erdstraßen/Pfade


Ankunft Tana, 2 Uhr nachts: Der Flughafen ist sehr klein, die Ankunftshalle chaotisch und komplett überfüllt. Wir brauchen über zwei Stunden, um aus dem Flughafen raus zu kommen. Es gab unzählige Warteschlangen und Kontrollen. Ziemlich fertig verlassen wir die Ankunftshalle. Gott sei Dank wurden wir vom Fahrer der Agentur Priori abgeholt. Alleine wären wir hilflos gewesen. Unvergesslich das Geldwechseln! Europäische Brieftaschen sind nicht für Afrika gemacht. Mit einem dicken Packen Geld, den wir kaum in unserer minimalistisch gehaltenen Radler-Brieftasche verstauen können, geht es zum Auto. Auf dem Weg dorthin versuchen Jugendliche von uns und den anderen Neuankömmlingen ein paar Ariarys zu erbetteln. Nach einer 20 stündigen Anreise kann das recht mühsam sein. Am nächsten Morgen bauen wir unsere Bikes auf der Veranda des Hotels zusammen. Wir kaufen eine Simkarte und wechseln große Ariaryscheine in kleinere. Danach packen wir die Fahrräder ins Auto und fahren mit unserem Fahrer Parany von Tana in Richtung Ampefy. Auf dem Weg dorthin besuchen wir den sehr beschaulichen „Lemurs Park“. Es handelt sich dabei eher um einen Lemurenzoo in Miniaturform als um einen Park. Viele Menschen gehen die Straße entlang, die meisten sind barfüßig. Überhaupt ist es eine Fülle an Eindrücken, die wir noch kaum verarbeiten können. Wir kommen am frühen Abend in Ampefy im „Hotel Kavitaha Ampefy“ an. Die Lage des Hotels ist traumhaft und unser Zimmer liegt direkt am Ufer. Nach dem Essen fallen wir komplett übermüdet in den Tiefschlaf. Tag 2: Wir besuchen mit dem Auto Geysire und den sehr schönen Lily-Wasserfall in der Nähe Ampefys. Die Straßen dorthin sind schlecht. Immer wieder treffen wir Kinder ohne Schuhe, Karrenwagen, die so beladen sind, dass man glaubt sie kippen jeden Moment zur Seite. Links und rechts der Straße Papayafelder. Die Erde ist rot. Langsam begreifen wir, was Madagaskar sein könnte ...


Lily-Wasserfall


Geysire von Analavory


Etappe 01: Ampefy – Antsirabe | 150 km, 2.617 hm


Tag 3: Heute beginnt unsere Fahrradtour. Dieser erste Abschnitt sollte die „Akklimatisierungsfahrt“ sein, damit wir uns an das Klima, an die Menschen und an die fremde Kultur gewöhnen können. Ab Ampefy lassen wir uns und die MTBs nach Faratsiho bringen, da wir im Vorfeld unserer Planung nicht herausfinden konnten, ob es in Faratsiho eine Unterkunft gibt. Da die Strecke ohne Zwischenstopp bis Antsirabe nicht an einem Tag zu machen gewesen wäre, wollten wir auf Nummer sicher gehen und hatten bis Antsirabe ein Begleitauto gebucht. Es ist eine durchwegs gut befahrbare Asphaltstraße mit nur einem kurzen größeren Anstieg. In Faratsiho gibt es zu unserer Überraschung ein einfaches Hotel (Stand: Juni 2016), sodass man die Strecke von Ampefy nach Antsirabe auf zwei Tage aufteilen könnte und kein Auto brauchen würde! Von Faratsiho fahren wir auf einer Erdstraße weiter, die zum Teil überschwemmt war, weil es die Tage vorher heftig geregnet hat. Wir kommen dabei schneller voran als unser wirklich verdammt guter und sympathischer madagassischer Fahrer. Landschaftlich ist dieser Abschnitt sehr schön! Es gab bis Ambohibary keine größeren Anstiege mehr. Von dort lassen wir uns mit dem Auto nach Antsirabe bringen, wo wir in der sehr schönen Hotelanlage „Chambres du Voyageur“, die einen wundervollen Garten besitzt, übernachten. Es gab bei uns in der Low Season keinen Restaurantbetrieb. Aber in Antsirabe muss man nicht hungern. Es gibt einige gute Restaurants. Wir lassen uns über das Hotel eine Pizza bringen, weil wir zu müde sind, um in die Stadt zu gehen.


Etappe 02: Vulkansee Rundtour | 53 km, 566 hm


Tag 4: Ab heute sind wir ohne Begleitfahrzeug und damit auf uns alleine gestellt. Wir unternehmen zu einem Vulkansee eine MTB-Rundfahrt. In und um Antsirabe gibt es ähnlich wie in Tana relativ viel Verkehr. Aber er ist bei weitem nicht so chaotisch wie in Tana. Ist man einmal (7-8 km) außerhalb von Antsirabe lässt der Verkehr sehr schnell nach. Auf dieser Rundfahrt kommen wir über einen MTB Track zum schön gelegenen 300 m tiefen Vulkansee „Lac Tritriva“, wo wir von einigen freundlichen Kindern und Jugendlichen begrüßt werden, die uns Souvenirs verkaufen. Unbedingt Radschloss mitnehmen, um eine kurze Wanderung oder ein Bad im glasklaren See zu machen! Beim Rückweg kommen wir an einem großen und interessanten Viehmarkt vorbei, wo Zebus und Schweine zum Verkauf angeboten werden.


Unterkunft „Chambres du Voyageur“


Lac Tritriva


Viehmarkt in Antsirabe


Etappe 03: Antsirabe – Ambositra | 92 km, 916 hm


Tag 5: Um 5 Uhr geht unser Wecker, der uns aus dem Schlaf reißt! Wir packen unsere Sachen und gehen Frühstücken. Ab heute beginnt die eigentliche Tour. Beide sind wir etwas nervös, da wir für die nächsten Wochen auf uns alleine gestellt sein werden. Welche Überraschungen werden uns begegnen? Wie werden wir von einer uns fremden Umwelt aufgenommen? Welche Pannen wird es geben?... Fragen über Fragen, die in den nächsten Wochen beantwortet werden. Wir brechen in dichtem Nebel auf. Von der Landschaft sehen wir zunächst nur wenig. Anfangs etwas Verkehr. Es geht immer entlang der asphaltierten RN7. Wir begegnen Menschen, die zu Fuß unterwegs sind und uns freundlich mit einem „Salamo“ (madagassisch: „Hallo“) begrüßen. Wir grüßen freundlich zurück. Dieses „Ritual“ wird uns die nächsten Wochen auf unserer Reise begleiten. Da Sonntag ist, sind viele auf dem Weg zur Kirche. Nach und nach lichtet sich die Nebeldecke. Es gibt Terrassenfelder, keinen Wald, eine 2002 zerstörte Brücke, die durch eine andere ersetzt wurde. In Ambositra angekommen können wir unsere Unterkunft, das Hotel „Artisan“, zunächst nicht finden. Zwei Jugendliche bieten uns ihr Hilfe an. Etwas skeptisch nehmen wir ihre Hilfe an. Sie führen uns über unzählige Stufen zum Hotel. Wir verabschieden die beiden mit einem Trinkgeld. Am Eingang und im Areal des Hotels treffen wir auf Wach-und Polizeipersonal. Wie sich später herausstellt, gehört dieses zur Sicherung eines Lokalpolitikers und dessen Gesellschaft, die ein Fest im Hotel feiern. Am Nachmittag machen wir noch einen Spaziergang durch die Stadt. Am Hauptplatz sind viele Menschen, die eine Schulvorführung aufmerksam verfolgen. Es herrscht eine ausgelassene und fröhliche Stimmung.


Etappe 04: Ambositra – Antoetra – Sous Mada | 59 km, 788 hm


6. Tag: Nach der eher anstrengenden Tour vom Vortag ist heute eine kurze Strecke geplant. Zuerst bis Ivato auf der asphaltierten RN7, dann weiter auf einer landschaftlich sehr schönen und gut befahrbaren Erdstraße zunächst zu unserer neuen Unterkunft „Sous le Soleil de Mada“, wo wir unser Gepäck lassen. Wir fahren weiter zum Holzschnitzerdorf Antoetra. Auf dem Weg dorthin sehen wir immer wieder sehr einfache Häuser. Die Menschen dort scheinen sehr arm zu sein. Wir treffen auf Kinder in zerfetzter Kleidung und ungewaschenen verfilzten Haaren. Sie fragen uns, ob wir Seife mit dabei hätten. Wir können ihnen nur etwas zum Essen anbieten. Im Dorf Antoetra angekommen, machen wir eine interessante Dorfbesichtigung mit einem lokalen Guide. Er zeigt uns u.a. die genial konzipierte Bauweise der Holzbehausungen des Dorfes. Diese wurden ohne einem einzigen Nagel aufgestellt und sind als mobile Module ab- und wieder aufbaubar, sodass man früher während einer nomadischen Lebenshaltung die Behausungen an einem Ort ab- und an einem anderen Ort wieder aufgebaut hat. Wir verlassen von der Bauweise der Häuser beindruckt das Dorf in Richtung Unterkunft. Diese wird von einem jungen Franzosen und seiner Mutter gut geführt. Die Anlage ist sehr entlegen, fernab jeglicher Zivilisation. Wir genießen die Abgeschiedenheit und den Sonnenuntergang.


Etappe 05: Sous Mada – Ambohimahasoa | 88 km, 1.225 hm


Tag 7: Wir fahren von unserer Unterkunft bis nach Ivato. Von dort geht es auf der RN7 weiter. Der erste Abschnitt dieser Strecke ist landschaftlich nichts Besonderes, aber je mehr man sich Ambohimahasoa nähert, um so mehr verwandelt sich die Landschaft in einen wunderschönen Regenwald. Immer wieder sehen wir einige Baustellen, bei denen versucht wird, den Belag der RN7 zu reparieren. Entlang der Strecke treffen wir Kinder, die auf verschiedene Weise versuchen Geld für ihre Familie zu verdienen. Zum einen reparieren sie Schlaglöcher, um von den vorbeikommenden Autos ein kleines Trinkgeld zu erhalten, zum anderen verkaufen sie Essbares wie z.B. gekochte Eier. Da wir Hunger haben, beschließen wir etwas zu kaufen. Unter den Kindern gilt das Gesetzt des Stärkeren. Es wird geschubst, gedrängelt und gestoßen. In weniger als 2 Minuten umringen uns 15 Kinder. Die Entscheidung, wer der „Auserwählte“ sein soll, überfordert uns. Wir beschließen nach diesem Erlebnis in Zukunft nur mehr bei Erwachsenen zu kaufen. Das Ziel dieser Tour ist das einfache aber sympathische „Lemur Forest Camp Ialatsara“ auf knapp 1.700 hm. Wir sind die einzigen Gäste. Der Chef, der Englisch spricht, sieht, dass wir ziemlich abgekämpft sind und bietet uns sofort eine warme Mahlzeit an, die bäuerlich aber reichhaltig ist. Er ist ein angenehmer und ruhiger Besitzer, der fast 2 Meter misst. Die Unterkunft ist urig, wie auf einer entlegenen Bergalm und in der Nacht hört man das Tierleben des Waldes, so dass man sich unbedingt Ohropax bereit halten sollte, sonst wird das mit dem Schlaf etwas schwierig. Fließendes, warmes Wasser gibt es nicht, aber der Besitzer bietet uns dafür warmgekochtes Wasser an.


Etappe 06: Ambohimahasoa – Ranomafana | 44 km, 744 hm


Tag 8: Zunächst geht es der RN7 entlang, nach einiger Zeit biegen wir auf eine sehr ruhige und schöne Erdstraße Richtung Ranomafana ab. Kaum Menschen, zuerst Landwirtschaft, dann Regenwald. Eine sehr einsame Gegend – wir sind (fast) alleine mitten im Nirgendwo. Es regnet und wir ziehen unsere Regenkleidung an. Die Piste verläuft für längere Zeit neben einem wunderschönen Fluss. Wir machen eine Pause, um die Aussicht zu genießen und sehen erste Lemuren direkt neben der unbefahrenen Straße. Ebenfalls neben der Straße entdecken wir die kleinste Chamäleonart Madagaskars, ohne dass uns ein Guide oder sonst jemand darauf hinweist. Wir sind ein bisschen stolz auf uns. Anscheinend fördert das viele Radfahren die Aufmerksamkeit :-) Kurz vor dem Ort Ranomafana kommt man am Eingang des Nationalparks vorbei. Hier organisieren wir uns für den nächsten Tag einen Local Guide, ohne den man den Park nicht betreten darf. Unser Guide ist eine selbstbewusste junge Frau, die uns am nächsten Morgen mit dem Auto vom Hotel abholen will. Für uns der perfekte Deal! Noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir das Hotel „Chez Gaspard“. Eine sehr hübsche Anlage, mit warmen Wasser und sauberen Bungalows.


NP Ranomafana


Tag 9: Nach dem Frühstück werden wir, wie ausgemacht, von der jungen NP Führerin abgeholt und zum Eingang des Nationalparks gebracht. Mit ihr machen wir eine 5 stündige, nicht sehr anstrengende, Wanderung durch den Park. Der Wanderpfad führt durch dichten Regenwald zu einem beeindruckenden Wasserfall. Immer wieder beobachten wir verschiedene Lemurenarten. Auch die kleinste Chamäleonart sehen wir wieder. Zurück im Hotel waschen wir zunächst unsere gesamte Radbekleidung. Jeder mehrtägige Aufenthalt an einem Ort muss dafür genutzt werden, da das Klima im Hochland recht kalt und feucht ist und die Wäsche nur langsam trocknet. Mittlerweile haben wir auch die madagassische Art Kleidung zu trocknen zu schätzen gelernt und legen die nasse Wäsche auf die Sträucher vor unserem Bungalow. Für westliche Touristen war das sicher ein gewöhnungsbedürftiger Anblick, die Sympathie der Angestellten hatten wir aber recht schnell auf unserer Seite. Vor der Dämmerung spazieren wir noch durch den kleinen Ort und essen in einem „Hotely Gasy“ zu Abend.


Etappe 07: Ranomafana Richtung Osten | ca. 40 km, 450 hm


Tag 10: Da wir bereits am Vortag den NP besucht hatten, unternehmen wir heute „nur“ eine kurze und sehr entspannte Radtour von Ranomafana in Richtung Ifanadiana auf der RN12 (40 km, 450 hm hin und zurück). Die kleine Straße ist ausnahmsweise gut asphaltiert und bietet tolle Ausblicke in die fruchtbare Landschaft. Kaum Verkehr, immer wieder treffen wir Menschen auf der Straße, die uns freundlich grüßen. Da wir keinen Zeitdruck haben, besuchen wir auch noch ein Arboretum mit einer Vielzahl an endemischen Pflanzen. Ein Arbeiter zeigt uns ein großes Chamäleon, das wir ohne ihn wohl nie entdeckt hätten. Zurück im Hotel heißt es Vorbereitungen für den nächsten Tag zu treffen: Räder waschen, Ordnung ins Wäschechaos bringen und für die Weiterfahrt zu packen. Am Abend treffen wir dann im Hotelrestaurant auf eine etwas „eigenartige“ Touristengruppe. Autistisch starren sie auf ihre Handys. Niemand spricht miteinander, niemand grüßt. Wir haben das Gefühl, dass keiner von ihnen auf Madagaskar bisher wirklich angekommen ist. „Unbegleiteten“ Kontakt mit den Einheimischen scheinen sie auch noch nicht gehabt zu haben. Wir sind froh alleine unterwegs zu sein und beschließen ins Dorf auf ein Bier zu gehen.


Etappe 08: Ranomafana – Lac Hotel | 55 km, 1.241 hm


Tag 11: Wir fahren vom Ort Ranomafana einige Kilometer zurück zum Nationalparkeingang und eine Asphaltstraße entlang Richtung Fianarantsoa. Bei einem kleinen Dorf biegen wir auf eine Lehmstraße ab. Das Sträßchen ist gut befahrbar und die Landschaft herrlich einsam. Wir passieren kleine Bauernhöfe. Eukalyptuswälder und Reisterrassen wechseln sich ab, erste Teefelder werden sichtbar. Immer wieder Leute, die uns grüßen. Bereits am frühen Nachmittag erreichen wir das „Lac Hotel“, eine wunderschöne Anlage direkt am See. Markus hat Geburtstag und wir beschließen einen kleinen Aufpreis für einen Bungalow direkt am Ufer zu bezahlen. Der Bungalow besteht beinahe ausschließlich aus Fenstern. Direkt vom Bett aus sieht man zwei kleine Inselchen, auf denen sich zwei Lemuren tummeln. Der Hotelmanager erzählt uns, dass er sie dorthin ins „Exil“ geschickt hat, nachdem sie die Hotelgäste ohne Unterlass belagert hatten. Zwischen den Inselchen wurde eine kleine Brücke zur Erweiterung ihres Territoriums gebaut. Für uns war dieser Ort magisch. Eine Oase der Ruhe nach den anstrengenden Etappen. Wir verbringen den restlichen Nachmittag auf der Terrasse mit herrlichem Blick auf den See.


Etappe 09: Lac Hotel – Fianarantsoa | 52 km, 875 hm


Tag 12: Wir lassen unser Gepäck zunächst im Lac Hotel und machen eine MTB Runde rund um Sahambavy. Auf Wirtschaftswegen geht es zu Beginn durch die Teefelder der größten Teeplantage Madagaskars. Wir landen inmitten von Reisfeldern und glauben nicht mehr weiterzukommen. Mit Gesten versuchen wir einen der Reisbauern nach dem Weg zu fragen. Er winkt uns freundlich weiter (unter Beobachtung der gesamten Großfamilie) und tatsächlich, nach einer kurzen (ca. 300 m) Tragepassage über die Reisfelder geht es auf kleinen Lehmpisten weiter. Der Track führt durch Wälder – es ist sehr hügelig, ein Auf und Ab. Irgendwann treffen wir madagassische Mädchen, die wahrscheinlich noch nie Weiße auf einem Rad gesehen haben und schreiend vor uns flüchten. Es ist eine eher anspruchsvolle Tour. Im Hotel wieder angekommen, packen wir unser Gepäck auf die Räder und fahren weiter nach Fianarantsoa. In Sahambavy passieren wir einige Taxibrousse, die bis über das Dach mit Menschen, Tieren und diversen Gegenständen beladen sind. Nach Sahambavy führt der Weg entlang der einzigen Eisenbahnstrecke, die das Hochland mit der Ostküste verbindet. Kurz vor Fianarantsoa fährt dieser geschichtenumwobene Zug sogar an uns vorbei. Laut Fahrplan hätte er bereits frühmorgens starten sollen ... wir sehen ihn am späten Nachmittag. In Fianarantsoa übernachten wir in der Oberstadt im „Tzara Guesthouse“. Dieses Hotel hat eine fantastische Küche und einen grandiosen Pina Colada aus frischgepresster Ananas! Im hinteren Bereich gibt es einen kleinen aber sehr gepflegten Garten. Wir verbringen den Abend mit Pina Coladas auf der Hotelterrasse und genießen den schönen Blick auf die Kathedrale von Fianarantsoa.


Etappe 10: Fianarantsoa – Ambalavao | 82 km, 1.546 hm


Tag 13: Diese Tour war sicherlich eine der anstrengendsten, aber gleichzeitig auch eine der landschaftlich schönsten. Besonders am Ende dieser Etappe gab es einige Schiebepassagen mit viel Geröll und Steigungen von über 18 %. Zunächst treffen wir viele Schüler und Feldarbeiter auf dem Weg, immer wieder kleinste entlegene Örtlichkeiten. Es dürften bisher kaum Touristen durchgekommen sein. Wir sind die Neuigkeit des Tages. Bei einer Pause spricht uns ein älterer Herr an. Er fragt uns, mit dem Finger auf ein paar Häuser am Hügel zeigend, ob wir mit in sein Dorf kommen möchten. Er ist der Bürgermeister. Mitten im Nirgendwo kommt uns auch ein Taxibrousse entgegen, dessen Fahrer uns mit Händen und Füßen zu verstehen gibt, dass wir umkehren sollen, da es keine Straße nach Ambalavao gibt. Ein Hinweis, der sich als wahr erweisen wird. Die Landschaft und die Menschen entschädigen aber für die Strapazen. Vor Ambalavao wird der Weg immer unwegsamer und einsamer. Wir kommen an einem entlegenen Bauernhof vorbei. Der Bauer bricht beim Vorbeifahren in schallendes Gelächter aus. Wir fühlen uns wie Außerirdische. Zum Schluss der Tour gibt es kurze steile Schiebepassagen. Landschaftlich ist der letzte Teil ein Traum! Wir kommen noch vor der Dunkelheit frierend nach Ambalavao im „Hotel Tsienimparihy Lodge“ an. Eine sehr nette Belegschaft mit einem sehr sympathischen chinesischen Besitzer, der selbst den ganzen Tag wie ein Wahnsinniger arbeitet. Die Angestellten des Hotels waren auf ihren Chef sehr stolz, weil er nicht nur Anweisungen gab, sondern selbst mit an gepackt hat.


Trekking: Andringitra & Tsaranoro Tal (3 Tage)


Tag 14 bis 16 (3-tägige Trekkingtour durch den NP Andringitra): Dieser ca. 31.000 ha große Nationalpark war für uns eindeutig eines der Highlights auf Madagaskar. Die Anfahrt zum Nationalparkeingang ist wegen der schlechten Straßenverhältnisse etwas abenteuerlich. Nach Ankunft machen wir eine kurze Wanderung mit unseren versierten und sehr sympathischen Guides Angelo und Jean Claude. Die beiden kennen nicht nur die Gegend, sondern auch die Menschen dort sehr gut. In der ersten Nacht übernachten wir bei der einzigen! am Nationalparkeingang liegenden Unterkunft „Tranogasy“. Am nächsten Morgen geht es in den eigentlichen Nationalpark. Zunächst ist es eher flach. Nach und nach wird es aber steiler. Immer wieder sehen wir gigantische Granitblöcke. In der Ferne kann man zwei große Wasserfälle ausmachen, die für Madagassen eine mythische Bedeutung haben. Dichter Nebel kommt auf, es ist feucht kalt. Nach einigen Stunden wird die bergige Granitlandschaft von einer steppenartigen Gegend, in der Palmen wachsen, abgelöst. Bevor wir den Campingplatz erreichen, müssen wir noch einen kleinen Bergbach durchwaten. Jetzt gibt es Essen und warmen Tee, der bei ca. 5 Grad notwendig ist. Zu uns stoßen noch andere Wandergruppen mit ihren Guides und Trägern.


Trekking: Andringitra & Tsaranoro Tal (3 Tage)


Tag 14 bis 16 (3-tägige Trekkingtour durch den NP Andringitra): Am nächsten Morgen wachen wir bei strahlendem Sonnenschein auf. Heute geht es hinab in das für Kletterer weltbekannte Tsaranoro-Tal mit Afrikas größter Kletterwand (600 m). Kurz bevor wir aufbrechen, bekommt einer der Träger im Camp einen epileptischen Anfall. Andere Träger müssen ihn festhalten, damit er sich nicht selbst verletzt. Der Vorfall hat uns alle etwas geschockt. Wir verabschieden uns von Jean Claude, dem fantastischen lokalen Guide. Ab nun sind wir „nur“ mehr mit Angelo unterwegs. Im Gegensatz zu gestern ist es heute richtig heiß. Der Ausblick auf das Tsaranoro-Tal, mit seinen gigantischen Felswänden ist einmalig! Im Tal unten angekommen, sehen wir riesengroße Mangobäume. Am frühen Nachmittag erreichen wir das zweite Camp (Camp Tsarasoa). Am frühen Abend machen wir mit Angelo noch einen kürzeren Spaziergang in Richtung Camp Catta, wo wir eine Gruppe von Katta Lemuren beobachten können. Am nächsten Tag unternehmen wir noch eine dreistündige Tour auf den nahegelegenen Chamäleon-Berg. Dort angekommen genießen wir neuerlich, diesmal von der anderen Seite des Tales, den tollen Ausblick. Am Nachmittag fahren wir mit dem Auto wieder nach Ambalavao zu unserer Unterkunft zurück. Wir nehmen eine Frau mit ihrem Säugling mit. Die junge Frau hat sich richtig schön gemacht, um ihre Verwandten in Ambalavao zu besuchen. Während der holprigen und kurvenreichen Fahrt muss sich die Arme plötzlich übergeben.


Etappe 11: Ambalavao – Ihosy | ca. 100 km, 1.523 hm


Tag 17 (Stadtbesichtigung von Ambalavao): Heute ist unser erster „freier“ Tag in Madagaskar. Nach einem ausgedehnten Frühstück gehen wir auf den Markt von Ambalavao. Hier ist fast alles zu bekommen – von Gemüse bis zu Hühnern, Vodoo Hölzern, Heuschrecken, Kleidung, Holzkohle u.v.m. Auf dem Weg zum Markt treffen wir auf Jugendliche, die uns voller Stolz zeigen, dass sie als Preis bei einem Fußballspiel eine Ziege gewonnen haben. Die Ziege wird lautstark durch die ganze Stadt getrieben. Wir besuchen noch die einzige Papierfabrik Madagaskars und eine Seidentuchmanufaktur. Am selben Abend treffen wir Percy, der uns als Fahrer die nächsten Tage begleiten wird. Am darauffolgenden Morgen lassen wir uns dann die ersten 40 km mit dem Auto Richtung Ihosy führen, da die gesamte Strecke an einem Tag zu weit gewesen wäre. Heute wissen wir, dass man diese Etappe auf zwei Tage aufteilen kann, da es in Ankaramena mehrere einfache Unterkünfte für Fernfahrer gibt. Mit dem Rad geht es dann der RN7 entlang. Nach einigen Anstiegen verändert sich die Landschaft völlig: trockene Grassteppe und kaum Besiedlung. Es wird zunehmend wärmer. Vor Ihosy werden wir zum ersten Mal von zwei Polizisten aufgehalten, die auf Französisch versuchen von uns Schmiergeld zu erpressen. Wir stellen uns dumm. Sie sehen, dass wir müde und erschöpft sind und lassen uns schließlich weiter fahren. In Ihosy treffen wir Percy – unseren sehr lieben Fahrer – wieder. Wir übernachten in einem einfachen Hotel.


Etappe 12: Ihosy – Ranohira | 90 km, 888 hm


Tag 18: Heute geht es immer der RN7 entlang Richtung Ranohira und dem Isalo Nationalpark. Zunächst gilt es ein Hochplateau zu erreichen, danach soll es laut Karte flach werden. Auf der kurvenreichen Bergstraße begegnen wir immer wieder Madagassen, die diesen Weg zu Fuß machen. Mit dem Rad ist man nur ein wenig schneller. Über eine halbe Stunde begleitet uns ein junger Mann, der neben uns herläuft – den ganzen Berg hoch. Knapp vor dem Plateau trennen sich unsere Wege. Oben angelangt, wird es wie erwartet flach und soweit das Auge reicht Steppenlandschaft. Den Nationalpark Isalo kann man schon von der Ferne erkennen. Die 90 Kilometer sind ohne Steigungen schnell gemacht: Bereits am frühen Nachmittag erreichen wir unsere Unterkunft „Isalo Ranch“, die am Rande des Nationalparks gelegen ist. Wir haben ein Bungalow mit Blick auf die Sandsteinformationen des Parks. Vor allem die Abendstimmung ist mit ihrem wunderbaren Farbenspiel ein Erlebnis.


Wanderung & MTB Tour: NP Isalo | ca. 30 km


Tag 19: Heute ist eine kurze Wanderung und eine Fahrradtour im Isalo Nationalpark geplant. Das Besondere an diesem NP ist, dass er zwei Gesichter hat. Das „Dach“ des Parks ist relativ trocken. Eine Steppenlandschaft mit Palmen, die von bizarren Sandsteinformationen durchbrochen wird. Der Boden ist extrem sandig – keine leichte Ausgangssituation für eine Fahrradtour ... Wir treffen unseren Local Guide beim NP Büro und starten mit der Wanderung durch das „Innere“ des Parks. Hier herrschen Canyons mit kleinen Bächen und Wasserfällen vor. Überall ist es grün, zum Himmel hin sieht man die hellen Sandsteinsteilwände. Danach geht es mit den Rädern weiter. Unser Guide, der viel über die Besonderheiten des NPs erzählen konnte, war leider alles andere als ein Radfahrer. Sein Rad mussten wir erst mal reparieren, bevor es losgehen konnte. Unvergesslich wie wir in Slow Motion hinter ihm her gefahren sind. Auch für ihn musste die Situation etwas schwierig gewesen sein, schließlich hatte der Park horrende Gebühren für den Radausflug verlangt. Vor Sonnenuntergang überredet uns Percy noch einen Ausflug zum „Isalo Fenster“ zu machen. Wir sind schon spät dran, weil wir uns bei einem Bier mit ihm verplaudert hatten. Gerade noch schaffen wir den Sonnenuntergang. Eigentlich hätten wir weiter plaudern können ... für uns waren viel zu viele Touristen hier!


Etappe 13: Ranohira – Sakaraha | 108 km, 1.171 hm


Tag 20: Wir beschließen, dass Percy uns zunächst bis zur Saphirgräberstadt Ilakaka bringt und wir erst danach mit den Bikes bis Sakaraha weiterfahren. Ilakaka ist eine sehr chaotische und wahrscheinlich auch nicht ganz ungefährliche Stadt. Die Leute dort leben ausschließlich von den Saphirminen. Auch Prostitution und Glückspiel haben sich angesiedelt. Vor ein paar Jahren gab es an dieser Stelle nur eine Handvoll Bauern und einige Hütten. Heute ist das komplette Umland zerfurcht. Wir besichtigen eine der Minen. Mit einfachen Mitteln werden die Saphire aus dem Boden geschürft. Ganze Berge aus Sand werden per Hand und Schaufel verschoben. Nach der Besichtigung fahren wir mit den Bikes weiter bis Sakaraha. Es gibt kaum Steigungen. Auf dem Weg treffen wir auf eine Schar von Falken. Weit und breit nur Steppenlandschaft, Termitenhügel, kaum Verkehr - wir und die Vögel. Einige Kilometer vor Sakaraha sehen wir dann die ersten Baobabs, die uns ab nun bis Tulear begleiten werden. In Sakaraha angekommen, spazieren wir vor Einbruch der Dunkelheit noch durch den Ort. Wir machen ein paar Polaroids von Schülerinnen und schenken ihnen die Fotos - was für ein Spektakel!


Etappe 14: Sakaraha – Auberge de la Table | 118 km, 708 hm


Tag 21: Wir hatten bereits vor der Reise gelesen, dass es in diesem Streckenabschnitt und rund um die Ortschaft Mahaboboka immer wieder zu Überfällen gekommen ist. Nicht nur Touristen, sondern auch Taxibrousse wurden ausgeraubt. Wir beschließen erst kurz nach Mahaboboka mit den Bikes weiter zu fahren. Unweit der Ortschaft gibt es eine „illegale“ Rumbrennerei, die direkt neben der Hauptstraße liegt. Wir sehen wie junge Männer, wahrscheinlich teilweise unter Drogen, die Zuckerrohre zerstampfen. Ein beißender Alkoholgeruch macht sich breit. Frauen und Kinder verkaufen den schwarzgebrannten Rum an die vorbeifahrenden Autos. Alkohol zu brennen ist in Madagaskar eigentlich verboten. Wie das nur die Polizei übersehen konnte?! Diese Gegend war der einzige Abschnitt unserer Tour, wo wir froh waren nicht mit dem Rad unterwegs zu sein. Wir konnten weder die Gegend noch die Menschen wirklich einschätzen. Aufgefallen ist uns, dass hier alle Hütten mit Dornen- oder Holzzäunen umgeben waren. Das hatten wir bisher nirgendwo auf der Insel gesehen. Überhaupt waren die Menschen hier durch die Trockenheit sehr arm. Kurz vor unserer Unterkunft „Auberge de la Table“ sehen wir noch eine interessante Ziegelbrennerei.


Etappe 15: Auberge de la Table – Sarodrano | 46 km, 438 hm


Tag 22: Heute steht die letzte Etappe unserer Tour auf dem Plan. Beate fühlt sich nicht gut. Der Wind und der schnelle Klimawechsel (von 8° auf 30°) haben sich bemerkbar gemacht. Zunächst geht es Richtung Tulear, nach einigen Kilometern biegen wir auf eine Lehmstraße ab, die uns Richtung Sarodrano und zu unserer neuen Unterkunft „Eden Eco Lodge“ bringt. Auf der Strecke passieren wir den Punkt des südlichen Wendekreises und eine „heilige“ Wassergrotte. In der direkt am Meer gelegenen Lodge bleiben wir für zwei Nächte. Wir sind beide ziemlich müde. Wir legen uns an den Strand. Plötzlich bemerken wir Heuschrecken, die zunächst vereinzelt und dann zu Zigtausenden über die Landschaft herfallen und Himmel und Boden verdunkeln. Unser erster Impuls ist uns in der Lodge in Sicherheit zu bringen, bis wir bemerken, dass keine einzige Heuschrecke uns berührt. Ein wahrlich apokalyptisches Schauspiel! Dieses Schauspiel hat mehr als 2 Stunden gedauert. Überhaupt war die Lodge ein Ort der Tiere. Am Morgen sitzen wir z.B. beim Frühstück auf der Veranda und sehen plötzlich einen gestreiften langen Schwanz unter unserem Tisch hervorstehen. Ein Katta Lemur war auf Entdeckungstour. Außerdem gab es jede Menge zutraulicher Katzen und Hundewelpen. Wäre die Magenverstimmung nicht gewesen, hätten wir es noch mehr genießen können.


Rückfahrt mit dem Auto: Tulear – Tana (3 Tage)


Tag 25-27: Da die madagassischen Inlandsflüge zum Zeitpunkt unserer Reise sehr unzuverlässig waren, flogen wir nicht von Tulear nach Tana zurück. Das Risiko war uns zu groß den Rückflug nach Europa zu verpassen, sodass wir den Rückweg bis Tana mit dem Auto durchgeführt haben. Am ersten Tag fahren wir bis Fianarantsoa. Es ist Nationalfeiertag und ein ganzes Land ist auf den Beinen, um den Tag zu feiern. Auf der gesamten Strecke treffen wir immer wieder Familien, Schulklassen, ganze Dorfgemeinschaften in farbenprächtigen Gewändern. Alle haben sich hübsch gemacht und ihre beste Kleidung für diesen Tag ausgepackt. Es herrscht teilweise ausgelassene Stimmung, einige sind schon ziemlich betrunken. Am nächsten Tag geht es weiter bis nach Antsirabe. Die RN7 ist auf diesem Abschnitt sehr beschädigt, sodass wir mit dem Auto nur sehr langsam weiter kommen. Es gibt viele Schlaglöcher und manchmal ist es schwierig daran vorbei zu kommen. Am Abend schauen wir uns gemeinsam mit unserem Fahrer Percy ein Fußballspiel der Europameisterschaft (Italien gegen Spanien) an. Zur Freude von Markus gewinnen die Italiener 2:0. Der Restaurantbesitzer, der längere Zeit in Italien gearbeitet hatte, war an diesem Abend begeistert einen italienischen Gast in seinem Lokal zu haben.


Nationalfeiertag


Rückfahrt mit dem Auto: Tulear – Tana (3 Tage)


Am letzten Tag fahren wir weiter nach Antananarivo, unserem Reiseziel. Auf dem Weg dorthin besuchen wir noch eine Aluminiumgießerei im Ort Ambatolampy. Der Ort befindet sich auf halber Strecke zwischen Antsirabe und Antananarivo. Hier bekommen wir einen Einblick, wie weit die gesundheitliche Ausbeutung von Arbeitskräften gehen kann. Mit einfachsten Mitteln und unter erschwerten Arbeitsbedingungen werden Aluminiumgegenstände wie Töpfe, Teller, Besteck etc. hergestellt. Es stinkt durch das Schmelzen von Aluminiumschrott unglaublich. Die Luft in der Arbeitsstätte ist voll mit giftigen Gasen. Die Arbeitsbedingungen sind unter jedem Niveau. Für die Arbeiter, die mit dem glühenden Aluminium hantieren, gibt es weder Handschuhe, noch Atemmasken, nicht einmal Schuhe. Einige von ihnen sehen sehr müde und teilweise auch krank aus... Wir verlassen die Gießerei sprach- und fassungslos. Am frühen Nachmittag in Antananarivo angekommen, gehen wir noch etwas Essen, verstauen unsere Bikes wieder in unsere Radtaschen, lassen uns mit dem Auto zum Flughafen bringen und verabschieden uns herzlich von unserem tollen Fahrer und Guide Percy. Es geht nach einer wunderschönen und herzergreifenden Reise mit dem Flugzeug über Paris wieder zurück nach Wien.


Aluminium-GieĂ&#x;erei


Packliste: Was sollte man für eine 4-wöchige Fahrradtour auf dieser Strecke im Juni (Südwinter) mitnehmen? 1) Das eigene Fahrrad, denn in Madagaskar sind Leihräder Mangelware und meist in einem sehr schlechten Zustand. Vielleicht ist das bei Radurlaubsveranstaltern anders. Das konnten wir leider nicht überprüfen. Wir hatten unsere 26-er Carbon MTB Hardtails mit 2,2 Reifenbreite mit. 2) Werkzeug; Front- und Rücklicht für Notfälle, wenn man noch spät unterwegs ist; Fahrradpumpe; jeweils zwei Fahrradwasserflaschen; Fahrradschloss; 2 Ersatzschläuche. Im Nachhinein würden wir einen Faltersatzmantel mitnehmen, da so etwas auf Madagaskar nur sehr schwer zu bekommen ist. 3) Wir hatten einen Gepäcksträger am Sitzrohr angebracht, auf den wir jeweils einen 30 Liter Rucksack in Regenhülle verpackt mit Schnellspanner gespannt haben. Das bringt den Vorteil, dass man den Rucksack nicht immer auf dem Rücken über eine so lange Zeit tragen muss. Darin hatten wir das Wichtigste zum Anziehen. Vorne am Lenker hatten wir unsere wasserdichte Lenkertasche, in der wir alle Wertgegenstände (Geldtasche, Handy, Reisepässe etc.) mitführten. 4) Navigationsgerät und Landkarte in Papierform (falls das Gerät ausfällt). 5) Eine externe Akku Power Bank für elektronische Geräte, da Strom in Madagaskar manchmal über viele Stunden ausfällt. 6) Wichtige Seiten aus dem Reiseführer haben wir vor unserer Reise abfotografiert und auf unsere Handys gespeichert, sodass wir nicht die Bücher in unserem Gepäck mitschleppen mussten. Kleidung: Im Juni kann es auf Madagaskar je nachdem, wo man sich auf der Insel aufhält, von 0 bis 35 Grad haben. Wir hatten auf unserer Tour die gesamte Bandbreite. In und um Ranomafana war es kühl und regnerisch. Den Tiefpunkt der Temperaturen erreichten wir in der Gegend von Ambalavao und im Nationalpark von Andringitra. Im Süden (um Tulear) hatten wir dann bis zu 35 Grad. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit vor allem im Inland sollte man auf Baumwollkleidung vorwiegend verzichten.


Jeder von uns hatte jeweils folgende Kleidungsstücke mit: 2 Radhosen; 2 Radtrikots; 1 Beinlinge; 1 Ärmlinge; 1 leichter Fleecepullover; 1 Regenjacke; 1 Softschelljacke; 2 Paar Socken; 1 Regenhose; 1 Helm; 1 Radbrille; 1 Radhandschuhe; 1 lange dünne Trekkinghose mit Zipp; 2 T-Shirts; Unterwäsche; 1 Paar Sportschuhe (besser als Radschuhe, da man abends nur schwer mit Radschuhen in den Ortschaften unterwegs sein kann und man sich dabei einige Gramm spart); jeweils ein Paar Wanderschuhe für die Wanderungen in den Nationalparks (hätte man auch weglassen können). Sonstiges: Medikamente, Erste Hilfe Set, Sonnencreme, Antimückenspray für den Körper und für die Kleidung (Nobite), Moskitonetz, Zusammenfaltbarer 5 Liter Wasserbehälter, um Wäsche zu waschen (wichtig!), wichtige Telefonnummern auf Papier und im Handy gespeichert, die Kopien unserer Reisepässe in Papierform und auf dem Handy (dies erleichtert es, wenn man sie verliert), genügend Trinkwasser, das man fast überall auf Madagaskar in abgefüllten verschlossenen Plastikflaschen kaufen kann. Unterkünfte: Es gibt in Madagaskar für jeden Geldbeutel Unterkünfte – von einfach bis luxuriös. Wir hatten bei unserer Tour einfache bis Mittelklasseunterkünfte (mitteleuropäisches Niveau). Das Essen war meistens gut bis sehr gut. Wildcampen würden wir nicht empfehlen, da es nicht ausgeschlossen ist, dass es nachts zu Überfällen kommt. Danke! Wir möchten uns bei Percy, unserem umsichtigen Begleiter, Guide und sehr zuverlässigen Fahrer bedanken. Er hat uns immer ans Ziel gebracht und dabei, trotz seiner Profession als Autofahrer, einen echten Radlerstolz entwickelt. Desweiteren danken wir Herrn Stadelmann von der Agentur Priori, der uns im Vorfeld der Reise, bei der Planung der Strecken sehr behilflich war!


Über uns: Beate Hecher wurde 1972 in Villach, in Österreich geboren. Sie studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit arbeitet sie als Grafikdesignerin in Wien. Markus Keim wurde 1969 in Sterzing, in Italien geboren. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck und Theaterwissenschaft an der Universität von Bologna. Von 1999 bis 2005 war er Schauspieler im theatercombinat wien. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit arbeitet er als Lehrer an einer Sprachschule für Migrantinnen. Er lebt und arbeitet in Wien.

Seit 2008 arbeiten wir auf künstlerischer Ebene zusammen. Die gemeinsam entwickelten Arbeiten wurden auf internationalen Festivals und Veranstaltungen in über 50 verschiedenen Ländern gezeigt. Gleichzeitig sind wir leidenschaftliche Radfahrer und unternehmen mit unseren MTB‘s immer wieder Fahrradreisen in unterschiedliche Gebiete der Erde. Einige unserer künstlerischen Konzepte und Arbeiten wurden u.A. auch durch diese Fahrradrundreisen inspiriert. Kontakt: markus.keim@gmx.at beate.hecher@chello.at


Impressum: 1. Auflage Eigenverlag, Wien Fotos: © Beate Hecher & Markus Keim Satellitenbilder: © Google Earth © 2018 Beate Hecher & Markus Keim


Madagaskar per Bike  

"Madagaskar per Bike" beschreibt anhand von Karten, Texten und Fotos eine einmonatige Reise, die wir zu zweit durch Madagaskar im Juni 2016...

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"Madagaskar per Bike" beschreibt anhand von Karten, Texten und Fotos eine einmonatige Reise, die wir zu zweit durch Madagaskar im Juni 2016...

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