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Objektreportage: Design ist die beste Verteidigung


wurde 1999 ein Projektwettbewerb unter zwölf Architekten aus der ganzen Schweiz ausgeschrieben, aus dem das Projekt der GMT Architekten AG als Sieger hervorging. Das Ausbildungsgebäude F ist ein Neubau, der an Stelle eines früheren Zeughausgebäudes errichtet wurde. Wegen der unmittelbaren Nähe zur Autobahn hatte sich der Ersatz des alten Bestandes an dieser Lage aufgedrängt. Die Bauzeit für den Neubau betrug rund ? Jahre. Es wurde Ende Januar diesen Jahres fertig gestellt und der Generalstabsschule übergeben. Anschließend erfolgten aufwändige Einrichtungsarbeiten für die taktische Simulationsanlage, die in diesem Frühjahr abgeschlossen werden konnten. Das neue Ausbildungsgebäude F ist eine multifunktionelle Anlage, in der einerseits Offiziere von großen Verbänden, unter Einsatz modernster technischer Einrichtungen strategische Operationen üben und die andererseits auch als Schulgebäude für die Lehrgänge der Generalstabsschule dient. Die Verlängerung des dreigeschossigen Volumens über die bestehende Struktur hinaus akzentuiert den neu geschaffenen Eingang an der nordöstlichen Ecke des Areals und bildet den Auftakt und Abschluss der Erschließungsachse. Dabei reduziert die Lage des lang gestreckten Riegels die Lärmbelastung der Autobahn auf dem gesamten

Wenn moderne Baumaterialien mit auszubildenden Offizieren zusammentreffen, dann bleibt nur eins zu hoffen: dass der Architekt das nötige akustische Verständnis hatte, um Auszubildende und Ausbilder vor einem Hörschaden zu bewahren. Dass dies optimal gelingen kann, hat die GMT Architekten AG aus Luzern bei der Generalstabsschule der Schweizer Armee in Kriens, eindrucksvoll bewiesen. „Beim Areal in Kriens handelt es sich um ein früheres eidgenössisches Zeughaus“, beschreibt der Projektleiter, dipl. Architekt Thomas Marti, das Objekt. „Seit 1995 wird es für die Ausbildung im Zusammenhang mit dem AAL, dem Armee-Ausbildungszentrum Luzern genutzt. Das ganze Areal, dessen Bebauung 1874 begann gilt als schützenswertes Ensemble, mit einer großen Vielfalt an exemplarischen Bautypen aus verschiedensten Epochen“, so Marti weiter. Als man 1995 das frühere Zeughausareal für das Taktische Trainings-Zentrum der Generalstabsschule umnutzte, waren die neuen Anlagen vorerst in Provisorien untergebracht. Kurze Zeit später konnte das erste neue Ausbildungsgebäude E eröffnet werden. Da danach aber immer noch Unterkunftsmöglichkeiten für die beübten Stäbe und ein weiteres Ausbildungsgebäude fehlten,

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Areal. Die dreischalige, beidseitig sichtbar belassene Betonfassade wird auf der sich verschlossen präsentierenden Ostseite nur durch einen großen abgestuften Rahmen unterbrochen, in dem alle verglasten Flächen zusammengefasst sind und der entlang der Autobahn ein starkes Zeichen hinterlässt. Hier sind vorrangig technische Räume angeordnet. Die zum alten Zeughaushof hin orientierte Westfassade mit den Arbeitsräumen signalisiert Offenheit und Transparenz, dabei ist sie so gestaltet, dass im Innern ein blendfreies Arbeiten möglich ist. Dank einer klaren Struktur, durchgehend verlegten Doppelböden und untergehängten Decken kann das Gebäude multifunktional genutzt werden. Die innere Organisation des Gebäudes ist übersichtlich und zweckmäßig. Im Untergeschoss liegen die Übungsräume der Offiziere, im Erd- und im ersten Obergeschoss befinden sich die weiteren Ausbildungsräume, die auch als Unterrichtsräume genutzt werden können. Das oberste Stockwerk ist den Büros der Ausbildner der Generalstabsschule, einem großen Analyse- und Besprechungsraum sowie einem Schulungsraum vorbehalten. Die große Treppe in der lichten Halle verbindet kaskadenförmig das Erd- mit dem zweiten Obergeschoss. Die Auswahl der Materialien beschreibt Architekt Marti so: „Hier bei der Anlage für die Armee waren einfache, gut zu unterhaltende und dauerhafte Materialien gefragt.“ Deshalb fiel die Wahl auf Sichtbeton als Wandoberfläche in den allgemeinen Räumen. Die Konnotation zur Wehrhaftigkeit wurde dabei als Zugabe gerne entgegengenommen. „Die Kombination des Sichtbetons mit der Heradesign Akustikplatte war für uns dann fast zwingend“, erklärt Marti die Entscheidung für dieses Produkt. Nicht nur Design und Nachhaltigkeit waren hier gefragt sondern auch eine ausgezeichnete akustische Lösung. Die Akustikplatten kamen an der Decke des obersten Geschosses zur Anwendung. Sie dienen als Absorptionsfläche für die große Treppenhalle und die Büroräume, die in diesem Geschoss keine untergehängten Decken haben. Bodenbelag aus Hartbeton,

Sichtbetonwände und eine große Glasfront:: alles harte Oberflächen und so wurde das Deckenmaterial zur Korrektur der Raumakustik verwendet. Um der außerordentliche Gestaltung der Treppenhalle - mit der schräg abgestützten Kaskadentreppe, den beleuchteten Deckenrändern und dem großflächigen Fenster zur Autobahn – den richtigen Rahmen zu geben, wurden die Platten in klassischem weiß gewählt und vollflächig verlegt. Der graue Bodenbelag, die Sichtbetonwände und die dunkelgrau lasierten Betonstützen kontrastieren mit den weißen Elementen der Decke, der Leuchtenbänder und der untergehängten Decken in den unteren Geschossen sowie den anthrazitfarbigen Geländern und Fenster- und verglasten Türkonstruktionen. Die farbigen Akzente werden durch die vorbeifahrenden Fahrzeuge auf der Autobahn gesetzt. Der Einsatz des Deckensystems zeigt Wirkung: die ganze Anlage wurde bei der Eröffnung und seither im Betrieb, gerühmt. Auch bei großen Übungen bleibt der Lärmpegel in der Treppenhalle trotz den vielen harten Oberflächenmaterialien angenehm tief. „Grundsätzlich“, so Marti, „suchen und verwenden wir immer wieder zeitgenössische Materialien, die ihren Eigenschaften Ausdruck geben können und deren Oberflächen auch einen dekorativen Charakter aufweisen.“ Die hier eingesetzten Materialien drücken Dauerhaftigkeit und Stabilität aus. Sichtbeton in der Treppenhalle und Möbeleinbauten aus anthrazitfarbigen zementgebundenen Spanplatten prägen den Eindruck im Innern. Die einzigen Farbakzente findet man in den WC-Anlagen. Hier ist der Sichtbeton gelb lasiert, WC-Trennwände bestehen aus maisgelben, zementgebundenen Spanplatten und die Waschtische sind in eine blaue Glasplatte eingelassen. Bei diesen modernen Ausbildungsmethoden und Schulungsräumen braucht sich die Schweiz wohl keine Sorgen um die Landesverteidigung zu machen. Hier macht stramm stehen und marschieren wohl jedem Soldaten Spaß. 3


Projektdaten Architekt: GMT Architekten AG, Luzern

Produkt: Herakustik® fine, 35 mm, 1200x600mm, weiß, 620m2

Mitarbeiter: Thomas Marti, dipl. Architekt FH / SIA / SWB Roland Hergert, dipl. Architekt ETH / SIA Jsabella Kistler, dipl Architektin FH / SWB

Montage: Englisch verlegt, sichtbare Befestigung mit Schraube und Unterlagsscheibe

Bauherr: Schweizerische Eidgenossenschaft Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS armasuisse Immobilien, Kriens

Verlegung der Platten: Anliker AG, Generalunternehmung Emmenbrücke

Bauabwicklung: Wettbewerb 1999 Projekt und Baubotschaft Parlament 2001 Generalunternehmerausschreibung 2004 Baubeginn September 2005 Bezug Februar 2007

Fotos: Priska Ketterer, Schweiz

Verlegung: Infrasafe AG, Littau

Fassade Nord

Fassade Ost

Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

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