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Auf der Suche nach mir selbst Essen ist nicht das Problem Anke im Wunderland Bulimie - ein klirrend kalter Winter Die Sucht, mein Lehrer Es fing alles so gut an Das Tagebuch einer Borderlinerin Schnittstellen aus meinem Leben Steh noch nicht auf Kreuzigung und Auferstehung, all at once Mama, ich ess nicht mehr Nicht blond Wie sehr schränkt dich die Ess-StÜrung ein? BravoINK fragt - Betroffene antworten.

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Auf der Suche nach mir selbst Der Kampf gegen die Essstörung! Ich war schon immer ein zurückhaltendes Mädchen. Wenn mir jemand etwas gesagt hat, was ihm an mir nicht gefällt, dann habe ich noch viele Tage danach überlegt, wie ich das am besten ändern kann. Ich konnte auch noch nie mit jemandem über meine Probleme reden. Lieber habe ich tagelang alles in mich „reingefressen“. Erst viel später habe ich verstanden, dass ich nicht an allem schuld bin und das ich es, egal wie ich es mache, nicht jedem recht machen kann. Das war die wichtigste Erkenntnis, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Leider war ich davor der Meinung, ich müsse mich selber kaputt machen, weil ich mich nicht akzeptieren konnte und mir nicht erlaubt habe Fehler zu erlauben! Sommer 2009: Alles begann, als ich in den Sommerferien mit meiner Freundin drei Wochen lang im Urlaub war und danach 5 kg zugenommen hatte. Mir war schnell klar, dass ich die 5 kg so schnell wie möglich wieder loswerden wollte. Meiner Freundin ging es ähnlich, und darum haben wir beschlossen, gemeinsam eine Diät zu machen. Es gab jedoch einen Unterschied. Meine Freundin ernährte sich weiterhin regelmäßig und gesund, ich hingegen habe versucht, so wenig wie möglich zu essen, damit das Gewicht schnell nach unten geht. 19


Ich war nach kurzer Zeit schon sehr erfolgreich und nahm die 5 kg schnell wieder ab und hatte die Figur wieder, die ich vor dem Urlaub auch hatte. Doch das reichte mir nicht, ich fand, dass es immer noch zu viel war und setzte mir ein neues Ziel. Mittlerweile war das Abnehmen schon nicht mehr so leicht wie am Anfang. Ich musste viel Sport machen, damit ich Erfolg hatte. Mit dem immer dünner werdenden Körper kamen nicht nur die ersten positiven wie auch negativen Sprüche, sondern auch die ersten Sorgen der Lehrer. Sie riefen bei meinen Eltern an und erkundigten sich, warum ich denn immer dünner werden würde. Meine Eltern hatten das zwar gemerkt, aber Gedanken hatten sie sich bisher keine gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass sie alles mehr interessiert hat, außer ihrer eigenen Tochter. In der Schule wurde ich von meinen Mitschülern schon eine ganze Zeit davor gemobbt. Ich wurde erpresst, nur damit ich dazugehören konnte. Das wussten meine Eltern aber nicht, weil ich es ihnen nie erzählt habe, denn ich hatte ja ohnehin schon das Gefühl, dass sie sich nicht für mich interessieren, und darum wollte ich sie damit nicht auch noch belasten. Ungefähr nach einem guten halben Jahr hatte ich über 10 kg abgenommen, und es war deutlich zu sehen. Aber auch mein Körper machte nicht mehr alles so mit, wie ich es gerne gehabt hätte. Beim Sport musste ich öfter eine Pause machen, damit mir nicht schwindelig wurde und ich nicht umkippte. Mein Kreislauf machte mir in dieser Zeit die meisten Schwierigkeiten. Kaum 20


musste ich eine längere Zeit stehen, bin ich ohnmächtig geworden. Ich vermute, das lag daran, dass ich viel zu wenig getrunken habe. Meistens nicht mehr als einen halben Liter am Tag, weil ich mir einbildete, dass sich die Flüssigkeit auch in Fett umwandelt. Aber auch meine Hände und Füße sahen in dieser Zeit alles andere als gesund aus. Es musste nicht mal besonders kalt draußen sein und schon waren sie blau. Frühjahr 2010: Meine Einstellung gegenüber meinem Körper hatte sich nicht wirklich verbessert. Ich bin eher noch strenger gegenüber mir selbst geworden. Ich konnte mir einfach nicht eingestehen „normal“ zu essen. Ich hatte inzwischen einen enormen Druck von meinen Lehrern und Eltern. Sie erwarteten von mir, dass ich wieder zunahm. Das löste in mir eine sehr große Spannung aus. Auf der einen Seite wollte ich sie nicht enttäuschen, aber auf der anderen Seite habe ich gemerkt, dass ich in dieser ständigen Kontrolle über mein Gewicht meinen Lebensinhalt gefunden habe. Zumindest habe ich das bis dahin geglaubt. Der Sinn des Lebens lag in dieser Zeit für mich darin, mehrere Male am Tag auf die Waage zu gehen, mein Gewicht zu kontrollieren, viel Sport zu machen und so wenig wie möglich zu essen. Ich nahm die Welt mit völlig anderen Augen wahr. Ich beobachtete Menschen in der Stadt und empfand Normalgewichtige als völlig dick. Ich sagte mir: „So willst du nie wieder sein, also kannst du auch 21


nicht mehr ‚normal‘ essen.“ Ich begriff erst viel später, dass mein eigentliches Problem, was ich mit dem Essen entwickelt hatte, gar nicht unbedingt was mit meinem Körper zu tun hatte, sondern, dass es viel tiefer saß. Herbst 2010: Die Erwartung meiner Lehrer/Eltern, dass ich doch endlich wieder anfangen würde, „vernünftig“ zu sein und „normal“ zu essen, war mittlerweile so groß geworden, dass ich mir nicht mehr anders zu helfen wusste und nach dem Essen alles erbrochen habe. Anfangs ekelte mich das tierisch an, und es ging auch nicht richtig, aber mit der Zeit hatte ich so einige Tricks rausgefunden, die es mir etwas einfacher machten. Natürlich war es mir unendlich peinlich, dass es so weit gekommen war, aber ich habe das Erbrechen in dem Moment als einzige Möglichkeit gesehen. Mir war auch nicht bewusst, dass man davon sehr schnell zunehmen kann, was anfangs auch der Fall war und später etwas nachgelassen hat. Von dem anfangs hin und wieder mal Erbrechen schlitterte ich langsam in die Bulimie rein. Ich hatte in der schlimmsten Zeit bis zu sechs Fressanfälle am Tag, die mir körperlich sehr zu schaffen machten. In dieser Zeit hatte ich Gewichtsschwankungen von bis zu 10 kg in sehr kurzer Zeit. Hinzu kam, dass ich anfing mich selbst zu verletzen. Ich fühlte mich innerlich so schlecht, dass ich dachte, mir würde es besser gehen, wenn ich mich verletze. Doch dieses Gefühl hielt immer nur für einen kurzen Moment 22


an und danach endete es im Selbsthass. Ich hatte das Gefühl, mir würde alles zu viel! Die Lehrer, meine Eltern, die Schule ... Aber das Schlimmste war für mich, dass ich ständig lügen musste, wegen meiner Bulimie und den Erwartungen, denen ich nicht gerecht werden konnte. Frühjahr 2011: Nachdem ich meinen Körper nun fast zwei Jahre gequält habe und ihn immer mehr hasste, hatte ich allmählich genug von alledem. Ich hatte das Gefühl, nicht mehr die Kraft zu haben, ständig gegen mich selber anzukämpfen. Durch Zufall stieß ich im Internet auf die Seite einer Ex-Betroffenen. Ich schrieb ihr meine Geschichte, und sie half mir durch ihre Erfahrungen, ihre Denkweise zu Essstörungen und zum Leben auf den richtigen Weg. Ich hatte auf einmal eine ganz andere Vorstellung von allem und war auch bereit etwas verändern zu wollen. Sie hat mir die Augen geöffnet und gezeigt, dass man es schaffen kann! Deshalb stellte ich mir immer öfter die Frage, was ich eigentlich mit der Essstörung erreichen möchte bzw. suche? Ich spürte, dass ich innerlich eine Sehnsucht hatte, so anerkannt zu werden, wie ich bin und dass ich mich nicht andauernd verändern muss, nur damit ich es anderen recht mache. Mir wurde klar, dass ich die ganze Zeit versuchte Idealen nachzueifern, die es nicht wert waren. Ich dachte, ich muss so sein, wie die anderen mich gerne hätten und habe meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse dabei völlig vernachlässigt. 23


Ich war der Meinung, dass, wenn ich erst mal den „perfekten“ Körper habe, alles besser wird. Heute sage ich mir, zum Glück habe ich eingesehen, dass zum Glücklichsein nicht nur alleine der Körper gehört, sondern dass Körper, Geist und Seele im Einklang sein müssen und eins das andere beeinflusst. Herbst 2011: Seit dieser „Online-Therapie“ versuche ich soweit es mir gelingt, das umzusetzen, was ich in dieser Zeit verstanden habe. Natürlich gab es auch Rückfälle – die gibt es bis heute noch, aber ich habe gelernt, mit meinen verletzten Gefühlen anders umzugehen, als mit „nicht essen“ oder erbrechen. Ich glaube, das wichtigste an einer Essstörung ist, dass man anfängt seine Gefühle zu zeigen – auch in der Gegenwart von anderen. Denn was sich über Jahre im Inneren ansammelt ist später schwer wieder loszuwerden und braucht viel Zeit. Außerdem hat mir der Schulwechsel im Sommer 2011 sehr gutgetan. Ich hatte die Chance neue Leute kennenzulernen, die meine Vorgeschichte nicht kennen und denen ich jetzt zeigen kann, dass ich nicht mehr so unsicher bin wie noch vor zwei Jahren. Ich habe in meiner neuen Klasse auch Mitschüler/innen kennengelernt, denen ich den Verlauf meiner Essstörung komplett erzählt habe. So können sie mich auch besser verstehen, wenn ich mal einen Tag haben sollte, an dem es mir nicht so gut geht.

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Frühjahr/Sommer 2012: Mir geht es heute sehr gut. Ich bin wieder ein fröhlicher Mensch geworden, hinterfrage dennoch Dinge kritisch. Ich will nicht sagen, dass ich nie wieder in die Essstörung abrutschen kann, aber selbst wenn es so sein sollte, habe ich jetzt Möglichkeiten erlernt anders damit umzugehen. Ich habe eingesehen, dass das Leben viel zu kurz ist, um sich die ganze Zeit um Gewicht, Essen ... Gedanken zu machen. Ich habe angefangen, die wichtigen Dinge im Leben zu sehen ... Ich versuche mir Ziele zu setzen, die auch realistisch sind. Ich konnte durch den Schulwechsel meinen Abschluss erfolgreich machen. Das motiviert mich auch in der Zukunft weiter an mir zu arbeiten und niemals aufzugeben. Ich habe den Wunsch später einmal mit Tieren zu arbeiten. Ich denke, das ist durchaus umsetzbar. Allen, die noch ein Problem haben, zu sich und auch ihren Fehlern zu stehen wünsche ich, dass sie den Mut haben, so zu sein, wie sie eigentlich sind und sich nicht für andere verändern. Damit tut man sich selber keinen Gefallen. Man erkennt sich nach einiger Zeit noch nicht mal wieder!!

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Fachliche R

h meinen s wünsche ic a d ja – ia m na, good bye Good bye A troffenen. und allen Be n e n n ti n e li ng, K acht Hoffnu m , n e b e ri h sc enen ge t aber auch, , von Betroff iten. Es zeig e k h kungen c li g Dieses Buch ö M und ende Erkran e m g h e e W n t u z ig e st z rn gibt Mut, örungen e ngespinste, en von Essst nd keine Hir si rm o ie F S e . ll a se o ss n orm. da iag r üblichen N e hiatrische D d c n sy o p v e r“ in e e h c trifft sind leine Ausruts w. weniger“ k z „ b r r e h d e o m n h ie c Spinnere “, „iss einfa im Bereich h zusammen er 20 Jahren ic b d ü it iß se re „ in b in E h tzungen, ache nicht. Ic te, die Verle S h c r e sü d n h rn e e S K slösern, die den öglichen Au g und erlebe m ti n tä o v n e re g ö n h ru h Essstö isse, ... ic tgemeinte schen Erlebn r ...“ oder gu e b a t is rn te die traumati hen che „dein Hin ssen ein bissc rü E p S m e e d d it lö b m r lientInnen wie abe mit meinen K hen „jetzt musst ie m w sa , in n e e g m a e Auss e mich g d möglic ... und mach Ursachen un n e d n e g ie aufpassen“, rl efe e nach den ti auf die Such tze. rInnen, Lösungsansä r auch Lehre e b a , “ n e n In n „Expert bieten, kann uns, de Möglichkeit ie Dieses Buch d serer n e n In d eln, die in un k , Freun n ic e g tw ri n ö e h u e z g n A nkheit ist. ber eine Kra en begriffen ig e st urch n A ein Wissen ü im r ielleicht dad r meh v e d m n u im n e ft a b a h h Gesellsc hichten teil an den Gesc n e n n ö k ir W dnis finden. eren Verstän d n a ches. m e in e zu en dieses Bu n n rI to u A n e Ich danke all a

a Jahod Mag. Rahel

schen trum für Men Therapiezen kt ta in n eitung vo S) apeutische L ungen (ÖGE • psychother .intakt.at) w aft für Essstör w ch (w ls n el ge es un G ör en mit Essst terreichisch itglied der ös • Vorstandsm .or.at) (www.oeges


Foto: Nicole Kronlachner

sedxrugs

d n alfcontrol

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Jeder Buchband

hat einen eigenen

schwerpunkt für Jugendthemen

geschrieben aus

gelebten Erfahrungen, die Mut zum Leben machen! Bewerbung in

Das BravoINK®- Buchprojekt zur

Aufklärung, Prävention und Bildung junger Menschen! 180

sozialen netzwerken, sowie bei Präventionsvorträgen


Sex, drugs and selfcontrol ist eine Jugendbuchreihe aus anonymen Beiträgen. Geschrieben aus gelebten Erfahrungen von Menschen, die ihre prägenden Erfahrungen der Jugendzeit weitergeben. Es geht um Liebe und Freiheit und um den Preis den Menschen dafür bezahlt haben. Die Idee und der Anstoß zu dieser Buchreihe stammte von Bravo Birgit (www.bravo-birgit.at). Im Band 1 hat sie über ihre Zeit des Selbsthasses und der Selbstzerstörung geschrieben und gibt ihre Erfahrungen aus 14 Jahren Essstörung und 8 Jahren Drogenkonsum an junge Menschen weiter. Die Bücher geben Einblick in fremde Welten und die Beiträge ... - lassen Angehörige (Eltern, Freunde, ...) besser verstehen. - sind Hoffnungsspender bzw. Seelenarbeit für Betroffene. - sind richtungsweisend für junge Menschen, die nach Sinn suchen. BravoINK setzt bei Prävention auf Selbstwert und das Erkennen der eigenen individuellen Einzigartigkeit. Die Bücher sind auch Grundlage für Vorträge in Schulen, Jugend- und Präventionseinrichtungen. Diese Buchreihe setzt einen Impuls in eine neue Richtung von Prävention, mit Inhalten und Themen die: - junge Menschen ansprechen und bewegen - in einer junger Sprache verfasst sind - Problematiken aufzeigen und Lösungswege anbieten - Authentizität bieten - Ängste und Selbstzweifel abbauen - Mut zum Leben geben

Die Bücher können im Buchhandel oder online unter shop.bravoink.at bestellt werden.

Im Band II erzählen junge Menschen ihre Erlebnisse und Erfahrungen über Drogen, Essstörungen, Selbstzerstörung, Depressionen etc. und geben Einblick in ihr Leben. So erzählt ein Ex-User über den Tod seines Bruders, ein Mädchen über eine tödliche Freundschaft; ein Junge, der in einen Teufelskreis geriet; ein Mädchen über ihr erstes Mal, dass einen langen Leidensweg mit sich zog; Auszüge aus einem Tagebuch, das Einblick in die Welt von Ess-Störungen, Drogen und Selbstzerstörung gibt; Eine Pro Ana/Mia, die „Goodbye“ sagte, und noch viele weitere lehrreiche Dinge, die zum Nachdenken anregen.

Neue Projekte (Bände) Die Buchreihe setzt sich fort und weitere Bände können gemeinsam mit Schulen, Gemeinden, Präventionsstellen oder Organisationen entstehen. ISBN

Weitere Informationen zu diesem Buchprojekt unter: http://verein.bravoink.at Kontakt: Rüdiger Mayr (Projektleiter) Tel.: +43(0)676/ 3845524

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Sex, drugs and selfcontrol III

Zielgruppe für Vorträge und Bücher sind junge Menschen ab 12 Jahren, Angehörige und Therapeuten, Jugend- und Präventionseinrichtungen, Mittelschulen, sowie Berufsbildende mittlere und höhere Schulen.


Goodbye, Ana und Mia - Wege aus der Essstörung (Leseprobe)  

„Goodbye Ana & Mia – Wege aus der Essstörung“ ist der Titel von 3. Band der Buchreihe Sex, drugs and selfcontrol. In diesem Band erzählen Me...

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