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INHALT

Wir Globetro er

WIR GLOBETROTTER

Liebe Freunde ..................................................................................................................... 1 Neumitglieder...................................................................................................................... 2 Reisegrüße ........................................................................................................................... 4 Regionaltre en .................................................................................................................... 6 Überregionale Globetrottertreffen ...................................................................................... 7 Die besonderen Highlights zum 35. Sommertreffen.......................................................... 8 www.globetrotter.org bietet immer wieder Neues .............................................................9 Reisekultour Das Reisebuch ...................................................................................................................11 Reiseführer kurz vorgestellt ..............................................................................................15 Die besten Reiseberichte 2009 .........................................................................................17 Reimer Schermuly: Begrenztes Reisen .............................................................................18 Unterwegs Die Philippinen – Teil 1 Hartmut Krüger................................................................................................................21 Drei auf einen Streich Herbert Schmidt................................................................................................................27 Himba, Altglobis und !Koisan Uli Blümel .........................................................................................................................34 Kosrae, ein Gottesstaat im Pazifik - Teil 2 und Schluß Stefan Jäger .....................................................................................................................41 Nepal – Land der kontrastreichen Schönheiten Hans Peter Neuber ...........................................................................................................47 Indische Feinschmeckereien Hansjörg Hinterreiter ......................................................................................................53

a sendeantrag gestellt ... und der dzg deine neue Adresse ni t mitgeteilt? Das ist s ade, denn die Post sendet Dir den Trotter leider ni t na ! Von jeder Aussendung befördert die Post 20–30 Trotterexemplare ins

Nirwana. Im besten Fall teilt sie uns immerhin deine neue Adresse mit. Do man e Mitglieder verlieren wir so für immer ...

Unbekannt verzogen sind zuletzt:

Peter Ave

Bettina Wagner

Iris, Rita Simon

Thomas Timmer

Graefestr. 7, 10967 Berlin Bauerschaft 14, 45129 Essen

Eva Minster

Susannenstr. 26, 20357 Hamburg Lindenstr. 29, 65375 Oestrich Winkel Südfeld 5, 59174 Kamen TROTTER 135

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WIR GLOBETROTTER

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TROTTER 135


REISEKULTOUR

Warnhinweis in Nambia, Afrika 10 TROTTER 135

Foto: Ulla Siegmund


DAS REISEBUCH

Reiseberichte für die zweite Runde gesucht! Die dzg ist zum zweiten Mal Partner des Wettbewerbs. Norbert Liebeck vertritt die dzg in der Jury. Globetrotter, die am Wettbewerb teilnehmen möchten, können ihre Texte jetzt einreichen. Nach dem Erfolg des Vorjahres und des kürzlich erschienen Buches Die besten Reiseberichte (ISBN 978-3-937274-50-8) haben die Veranstalter sich entschieden, die Ausschreibung zu wiederholen. Bis zum 30.06.2009 haben Nah- und Fernreisende Zeit, ihre Erlebnisse in 2.000 – 7.000 Worten niederzuschreiben und über http: //diebesten2009.autoren-ohne-grenzen.de einzureichen. Details zur Ausschreibung sind zu finden unter www.autoren-ohne-grenzen.de.

Die besten Reisebilder 2009 Bis zum 15. Juni 2009 können sich Interessenten zur Teilnahme am elften El Mundo Wettbewerb bewerben! Gesucht werden die besten Reise-Diavorträge in den Kategorien Gesamtvortrag, Fotografie und Abenteuer. Jeder Teilnehmer kann sich mit einem Vortrag bewerben. Dazu müssen einge-

reicht werden: zehn ausgewählte Fotos plus schriftliche Beschreibung des Vortrages (etwa eine Seite) sowie ein kurzer Lebenslauf. Die Gesamtdauer eines Vortrages darf 30 Minuten mit maximal 160 Bildern nicht überschreiten. Der gesprochene Text muss live und in deutscher Sprache vorgetragen werden. Aus den eingereichten Vorschlägen werden 11 bis 13 Vorträge für die Teilnahme am Wettbewerb ausgewählt. Die Entscheidung der Jury bei der Vorausscheidung und das Urteil der Jury beim Wettbewerb ist unanfechtbar; der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mehr Informationen siehe www.elmundo.at.

Die besten Reisenden 2008 Etablierte, Postmaterielle und Moderne Performer konsumieren zwar oft bewusster und kaufen häufiger umweltgerechte Produkte, aber sie belasten aufgrund ihres Lebensstils – häufigere Fernreisen – die Umwelt mitunter weitaus stärker. Dagegen führen im Milieu der Traditionsverwurzelten die Maximen der Sparsamkeit und Bescheidenheit oft dazu, dass weniger konsumiert wird und besonders klimaschädliche Fernreisen selten unternommen werden. Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage zum Umweltbewusstsein in Deutschland 2008. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), Referat Öffentlichkeitsarbeit Berlin, service@bmu.bund.de, www.bmu.de.

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REISEKULTOUR

Die besten Reiseberichte 2009


REISEKULTOUR

Begrenztes Reisen oder: Mit dem Motorroller zum Kilimandscharo! R E I M E R S C H E R M U LY- O P I T Z ( M

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Ich lache und singe, manchmal schreie ich laut gegen den Fahrtwind, jubele vor Freude und habe dieses unglaublich intensive Gefühl, endlich wieder unterwegs zu sein! Der Motor brummt gleichmäßig unter mir und die Strasse zieht sich in weiten Bögen immer weiter hinauf, dorthin, wo über dem runden, kahlen Gipfel hinter leichtem Morgennebel verheißungsvoll die Sonne schimmert … Wieder unterwegs! Wenig später lockt ein Rastplatz mit weiter Aussicht über verschleierte Täler. Ich liege im Gras neben meinem schwerbepackten Motorroller und genieße die Wärme auf der Haut. Ein kleiner Käfer krabbelt auf meiner Jacke, irgendwo blökt eine Kuh, ein perfekter Tag! Meine Gedanken schweifen ab, versinken in der Vergangenheit und liebgewordene Bilder tauchen auf … damals, der Mount Kenia, der Weg durch das Hochmoor im Nebel, aus dem seine zwei Gipfel herausschauten, geschmückt mit leuchtendem Gletschereis … oder die so unglaublich intensive Landschaft Ladakhs - fast höre ich wieder diese eigentümliche, schwebende Tempelmusik, die in meinem Kopf untrennbar mit dem spröden Zauber seiner Landschaft verbunden ist… oder die stille Hütte, in der ich während der Überquerung der Rocky Mountains Zuflucht und Schutz fand … oder … oder … Wie herrlich war es, unterwegs zu sein! Und wie gut, in der dzg Gesinnungsgenossen zu finden, die diese Sehnsucht teilten, mit denen ich Stunden und Abende erzählen, schwärmen, spinnen und albern konnte! Die Nächte am Tresen oder am Feuer, ich werd sie nicht vergessen! Wenn nur diese Mistkrankheit nicht gewesen wäre, die mir langsam und unmerklich meine Sehkraft stahl und meine Welt zusammenschrumpfen ließ wie Dörrobst! Erst verbot der Arzt und - später - meine Vernunft mir die hohen Berge und das Fliegen, dann kamen verschiedene Sehstörungen und eine extreme Medikamentenabhängigkeit dazu, die meine Bewegungsfähigkeit immer weiter einschränkten, bis ich irgendwann oft nur noch 18 TROTTER 135

stundenweise am Leben „draußen“ teilnehmen konnte… Wie kann man trotzdem den Kopf auf den Schultern behalten? Na ja, ich versuchte, zu ersetzen: den Flieger durch ein Faltboot (ist ja auch wirklich ökologischer … höhö!), die hohen Berge durch Musik aus aller Welt (Google: TFF Rudolstadt – SUPER!) und so verzückte mich die Loire fast ähnlich wie damals der Indus. Später im Kajak die heftige Durance – geiles Wildwasser mit extremem Erlebniswert! Oder die Kanadier-Wintertour im Januar 95: Hochwasser und Eisschollen auf der Weser … Früher hab ich mal diesen Spruch gehasst: »Deutschland ist doch auch schön …« Das sagten dann meistens Leute, die vor der Welt Angst hatten. Wenn die Welt kleiner wird, klingt er aber anders. Wie gut, dass die Bilder im Kopf bleiben, die Erinnerungen an Düfte, Klänge, Stimmen … ich war da! Ich konnte nicht alles ersetzen, ich musste von vielem Abschied nehmen: Wanderungen immer nur in Reichweite meiner Kühlbox, in der die Medikamente sind und die ich alle paar Stunden nehmen muss. Und wenn überhaupt: Entweder langweilige flache Wege … oder mit zwei Stöcken und gaaaanz langsam, da ich nicht mehr sehen kann, wie hoch der Stein vor meinen Füßen ist… viele schmerzhafte Stürze gehören deshalb auch zu meinen Erinnerungen… Abschied - es »geht« so einfach nicht mehr. Vieles geht langsamer oder anders, gewiss, aber so eben nicht mehr! Abschied von der Berechenbarkeit des Lebens. Die Krankheit schlägt oft urplötzlich zu und anstatt – wie geplant – in XY zu sein, finde ich mich mal wieder im Sechsbettzimmer (Station 47) der Medizinischen Hochschule wieder. In den schlimmsten drei Jahren insgesamt fast 20 Operationen. Zum Schluss geht fast gar nichts mehr. Trotzig fange ich an, Bier selbst zu brauen. Schmeckt klasse und so habe ich auch was für »drinne«,


REISEKULTOUR

Thron am Okavango, Afrika

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Foto: Ulla Siegmund


DIE PHILIPPINEN – MEINE LIEBE ZU DEN 7.000 INSELN IM SONNENLICHT

Die Philippinen – meine Liebe zu den 7.000 Inseln im Sonnenlicht Teil 1: Mindoro und Mindanao

Die Philippinen sind ein Inselarchipel mit mehr als 7.000 Inseln. Die Vielfalt der Landschaften, Menschen, kulturellen Einflüsse und Entwicklungen ist riesig. Über 80 Sprachen werden hier gesprochen. Zwölfeinhalb Jahre habe ich in den Philippinen gearbeitet. Bin fast in allen Provinzen und Städten gewesen, bin gewandert und mit dem Auslegerboot von Insel zu Insel gefahren. Bin immer wieder mit allen möglichen Flugzeugen geflogen, habe getaucht, bin gesegelt, habe Golf gespielt und bin mit dem Auto, Bus, Jeepney, Tricycle und Motorrad herumgefahren. Ich habe viele Filipinos kennen gelernt, aus allen Gesellschaftsschichten, verschiedener Rasse oder kultureller Heimat, Steinzeitmenschen und moderne, international aktive Geschäftsleute, arme Leute und Minister. Ich habe viele

Freunde gewonnen und geheiratet. Habe ungezählte Taifune erlebt, Überschwemmungen, zwei Vulkanausbrüche, zwei Erdbeben, zwei Staatsstreiche und vieles, vieles mehr. Dann ist es schwer, einen Reisebericht zu schreiben, der naturgemäß ziemlich an der Oberfläche, möglichst noch auf der Schokoladenseite des Landes, bleiben muss. Wenn ich nur einfach gereist wäre, wäre es leichter. So biete ich hier nur eine begrenzte Auswahl aus meinem großen Erinnerungsschatz.

35 Jahre dzg

1974 – 2009

Der Globetrotter-Club: Die Deutsche Zentrale für Globetrotter ist mit etwa 800 Mitgliedern in mehr als 20 Ländern und mit bald 3000 Mitgliedern seit der Gründung die größte Gemeinschaft von Globetrottern in Europa auf ideeller und nicht-kommerzieller Basis und der älteste Globetrotterverein neben dem englischen Globetrotters Club, nach dessen Vorbild er 1974 gegründet wurde. Die Globetrotter-Zeitschrift DER TROTTER ist die am längsten erscheinende ReiseZeitschrift Deutschlands und die älteste nach Merian.

Mindoro: Touristen, Strände, Urwald und die Mangyan 100 Kilometer südlich von Manila liegt Mindoro, eine Insel von 100 Kilometern Durchmesser mit dem höchsten Berg Mount Halcon (2.587 Meter). Sie ist eine der unerschlossensten In-

Das Selbstreise-Handbuch gilt als »… beispielhaft für eine Kategorie von Reiseführern … Einführungen in die Kunst des Reisens… « [FAZ] Das erste, älteste und bis heute bestehende Globetrottertreffen wird von uns seit 1974 organisiert. Es ist in der öffentlichen Wahrnehmung das bedeutendste seiner Art und diente anderen Treffen als Vorbild. Auf das Treffen wurde international hingewiesen; die Besucher kamen aus den Niederlanden, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Polen, Rußland, der Tschechei, Großbritannien ...

Wir feiern das »kleine Jubiläum«: 25. bis 29. Juni 2009 35. Sommertreffen der Globetrotter in Hachenburg TROTTER 135

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UNTERWEGS

H ART M U T K R Ü G ER


DREI AUF EINEN STREICH

Drei auf einen Streich Kanutour, Kreuzfahrt und Radtour im Nordwesten Kanadas und in Alaska – Teil 1: Kanuabenteuer auf dem Teslin River

Drei auf einen Streich – das wollte ich im Sommer 2008 realisieren, denn wenn es schon in die Ferne geht, muss es sich auch lohnen mehr Geld auszugeben. Viel wird es immer, weil ich stets alleine reise mit dem Vorteil der Unabhängigkeit. Ich wollte eine Kanutour auf dem Yukon River, eine Kreuzfahrt zu den Aleuten und eine Radtour auf stillgelegten Bahntrassen im südlichen British Columbia (BC) miteinender kombinieren, wozu ich 77 Tage Zeit hatte. Soweit der Plan. Am 16. Juni geht es dann los. Der kanadische Ferienflieger Air Transat bietet Frankfurt – Vancouver und zurück für 900 Euro (einschließlich Rail+Fly) am günstigsten an, wobei Rad und Campingausrüstung kostenlos mitgenommen werden können. Das Fahrrad samt sechs Taschen mitzunehmen erweist sich mehrfach als Problem. Bei uns fängt es schon damit an, dass nicht jeder IC der Deutschen Bahn Räder mitnimmt und dass man nicht auf jedem Bahnsteig einen Aufzug vorfindet und

beim Umsteigen Rad und Gepäck getrennt mit jeweiliger »Aufsichtslücke« befördern muss. Im Flughafen muss man nach Aufzügen suchen, um zum Abfertigungsschalter zu gelangen. Um 20 Uhr hebt die Maschine ab. Es ist ein Nachtflug, obwohl die Sonne nicht untergeht. Höhepunkt ist der Flug über Südgrönland bei freier Sicht. Aus der endlosen weißen Eismasse ragen einige dunkle Berggipfel heraus. Die riesigen Gletscher sehen aus wie Flüsse aus Eis, besonders eindrucksvoll, wenn zwei Gletscher sich zu einem vereinen. Nach etwa zehn Flugstunden – meine »innere Uhr« zeigt bereits sechs Uhr an – ist Vancouver erreicht. Es dauert noch zweieinhalb Stunden, bis ich mein gebuchtes Hotel Patricia im Rotlichtviertel per Bus erreiche. Im öffentlichen Bus bekommt man nur gegen Münzen ein Ticket. Die kann man sich aber vor der Reise nicht besorgen. Aber der Fahrer ist großzügig und nimmt alle neu angekommenen Touristen mit. Außen

Museumszug bei Skagway TROTTER 135

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UNTERWEGS

HERBERT SCHMIDT


UNTERWEGS

Himba, Altglobis und !Koisan Begegnungen in Namibia ULI BLÜMEL

Reisebeschreibungen über Namibia gibt es genügend, weshalb ich hier mehr über unsere Begegnungen berichten möchte. Meine Frau Gisela und ich waren Ende November 2007 bereits zum vierten Mal in Namibia, zuvor 1996, 1998 und 2003. Am Flughafen von Windhoek werden wir von Tas und Susette van Solms abgeholt. Tas ist weißer Namibier deutsch-britischer Herkunft und seine Ehefrau burischer Abstammung. Sie werden uns ins Kaokoveld begleiten. Bei der Autofahrt nach Kamanjab im Nordwesten des Landes erfahren wir mehr über die Beiden. Tas war früher Offizier der südafrikanischen Armee. Im Norden Namibias war er bei Aktionen gegen die Guerilla dabei und befehligte unter anderem Himba und !Khoisan als Spurensucher und Kämpfer. Dann war er letzter Stadtkommandant der südafrikanischen Exklave Walvis-Bay, wo er bis zur Übergabe an Namibia im Jahre 1994 wohnte. Natürlich verteidigt Tas die Politik der Rassentrennung in gewisser Weise und versucht uns davon zu überzeugen,

dass Politik und Lebenswirklichkeit oftmals zweierlei waren. Sein persönliches Verhalten Farbigen gegenüber ist jedoch respektvoll. Er wird offensichtlich von ihnen respektiert, soweit wir dies beurteilen können. Zu seinen besten Freunden zählten bereits zu Zeiten der Apartheit schwarze Mitbürger, über die er in unserer Gegenwart nie abfällig oder herablassend redet. Tas erkennt die neuen politischen Machtverhältnisse an und hat sich ihnen weitgehend angepasst, dennoch ist er der Regierung gegenüber kritisch eingestellt, wie dies bei den meisten Weißen offensichtlich der Fall ist. Die Erfolge, und da ist beispielhaft die starke Verbesserung des Straßenbaus zu erwähnen, werden kaum erwähnt, vermeintliche Rückschritte, wie zum Beispiel im Schulwesen das Schulgeld und Abschaffung freier Lernmittel, gern hervorgekehrt. Tas ist der Auffassung, dass man früher nicht alles falsch gemacht habe. Die Tatsache, dass die Mehrheit der Bevölkerung völlig entrechtet gewesen sei, möchte er hingegen nicht

Himba klassisch und modern, Cousine und Cousin in Opuwo 34 TROTTER 135


KOSRAE, EIN GOTTESSTAAT IM PAZIFIK

Kosrae, ein Gottesstaat im Pazifik Teil 2 und Schluss: Das große Kanurennen STEFAN JÄGER

Am Sonntag bleiben die Geschäfte geschlossen (Foto von Stefan Jäger) Taurollen mit neuem Tauwerk, allerdings schon so lange, dass die Tropensonne den Kunststoff bröseln lässt. Das Boot der Fischereiaufsicht steht, seit jeher unbenutzt, in einem Schuppen neben den klimatisierten Büros der Behörde. Außer den Sportfischern der Ressorts fuhren in den letzten Wochen vielleicht zwei oder drei Freizeitfischer zum Fang hinaus. Die Inselleute essen Thunfisch oder Makrelen in Tomatensauce lieber aus der Dose. Das große Kanurennen Alles ändert sich am 8. September, dem Liberation Day. Drei ganze Tage dauern die Feiern zum Befreiungstag und den Höhepunkt bildet das Kanurennen. Hier setzen die Insulaner eine Energie frei, die wir ihnen nie zugetraut hätten. Schon seit Tagen hören wir frühmorgens noch vor Tagesanbruch das Plätschern der Paddel neben unserem Schiff. Wir sehen Mannschaften in der Mittagshitze im Kanu schwitzen und abends, wenn wir in der Plicht beim Sundowner sitzen, trainieren sie immer noch, Männer und Frauen, unermüdlich. Heute nun wird es ernst. Sogar der Gouverneur sitzt mit seiner Mannschaft im Kanu und eröffnet das Rennen. Mitten im Gewimmel taucht der Pastor auf und gebietet Ruhe. Alles TROTTER 135

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UNTERWEGS

Der Tag des Herrn Bleischwer in der windstillen Hitze lastet der Sonntag auf der Insel. Heute sind alle noch gelähmter als sonst. Nur aus der Kirche klingt vierstimmig, laut und klar das Lob Gottes. Zwei gut besuchte Gottesdienste am Vormittag und zwei am Nachmittag füllen die Kirche fast bis zum letzten Platz. Jüngere bis 35 werden in der Sonntagsschule erwartet. Außer Beten ist heute alles verboten: Baden, Tauchen, Fischen, Kanufahren, Muscheln sammeln – einfach alles. Alle Geschäfte sind geschlossen und ein Reiseführer empfiehlt: »Fragen sie in ihrem Hotel nach, ob auch am Sonntag Mahlzeiten serviert werden!« Fromme Familien kochen die Reissuppe für den Sonntag bereits am Samstag. Trotzdem leiden viele Einheimische unter starkem Übergewicht und einige sterben schon mit 45 an Diabetes. Alle schätzen die fetten, aus den USA viel zu billig importierten Hühnerteile minderer Qualität und die noch viel fetteren turkey tails mit Reis sehr. Aus der Trägheit des Sonntags scheinen viele auch während der Woche nur zögerlich zu erwachen. Arbeit hat in großen Teilen der Südsee nur einen geringen Stellenwert. Auf unseren Reisen um die Insel entdecken wir drei schöne, der Größe der Insel angemessene, von Japan erbaute Fischereihäfen. Einer liegt nicht weit von unserem Ankerplatz entfernt. An den Schwimmstegen schaukeln die zwei Tauchboote der Ressorts und einige Fischerboote. Die meisten scheinen kaum je benutzt zu werden, einige sind mit Regenwasser vollgelaufen und versinken. Das ebenfalls von Japan 1991 gespendete Hafengebäude mit Fischhalle, Kühlräumen und Eismaschine gammelt ungenutzt vor sich hin, nebenan verrosten zwei kleine Kühllaster. Schlingpflanzen wachsen durch die Führerkabine. Weitere Boote, darunter das der Polizei, verrotten im Gestrüpp. Auf der anderen Seite des Hafengebäudes liegen die zwei Schiffe von Marine Resources. Man sieht es ihnen an, dass es in der einheimischen Sprache kein Wort für »Unterhalt« gibt. Auf dem Kai liegen große


NEPAL – LAND DER KONTRASTREICHEN SCHÖNHEIT

Nepal – Land der kontrastreichen Schönheit Wie ein Königreich »vereinnahmt« wird …

Was hatten wir nur für wunderbare Vorstellungen von unserer ersten Reise nach Nepal! Majestätische Berge im Himalaya, Stille und Ungestörtheit abseits der Zivilisation auf den Trekkingpfaden, buddhistische Klöster voller Mystik, Meditation und Kunst und die sprichwörtliche Freundlichkeit der Nepalesen, die zwar zu den ärmsten Völkern der Welt gezählt werden, jedoch dafür umso reicher im Herzen geblieben sind. Viel der erwarteten Schönheit fanden wir, doch fanden wir auch die Krakenarme der Hässlichkeit. Über beides soll nun berichtet werden. Wir, das sind Sonja (meine Lebensgefährtin), Tochter Mira und ich selbst, Peter. Da wir ansonsten eher Nordland-Wanderer sind, war die Planung dieser beruflich bedingten Reise (ich sollte nepalesische Musik aus Klöstern und Folklore »einfangen«) vom Ziel geprägt, möglichst

viel vom Land und den Menschen auf hautnahe Weise zu erleben. Dazu empfahl mir der deutsche Nepal-Experte Michael Henkel (Henkalaya-Reisen) den Annapurna-Rundtreck. Nach einem ruhigen Flug mit Zwischenstopp in den Emiraten landeten wir am frühen Morgen in Kathmandu, nachdem uns während der Annäherung durch starken Dunst leider ein erster Blick auf die Himalaya-Kette verwehrt worden war. Den gesamten folgenden Tag verbrachten wir zunächst mit einem touristischen Standardprogramm: der Besichtigung von diversen Tempelanlagen in Kathmandu, speziell der Stupa. Faszinierend, wie es der Massentourismus nicht vermag, diese tief spirituelle Atmosphäre in den meist buddhistisch geprägten Stätten zu schmälern. Während die Häuser um die großen Tempelanlagen meist gepflegt waren, zeigte sich bei diesen ersten

Die Familie Neuber vor der Stupa TROTTER 135

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UNTERWEGS

HANS PETER NEUBER


UNTERWEGS

Sonja, Mira und Gehlo

Mit Mulis unterwegs 50 TROTTER 135


INDISCHE FEINSCHMECKEREIEN

Indische Feinschmeckereien

Ein Zug der Indian Railways Auf unserem Weg durch Nordindien sahen wir im Zug nach Varanasi erstmals eines jener geheimnisvollen Ladies Compartments. Im Reiseführer waren diese Waggon-Abteile als rettende Inseln für weibliche Reisende ohne männliche Begleitung beschrieben. Daraus musste man schließen, dass dort allein reisenden Frauen Plätze unter Männern nicht zuzumuten sind und entsprechend sah dieses von außen auch aus: Eine mit Wellblech verkleidete, uneinsehbare

Kabine für vielleicht sechs Personen mit großer Aufschrift an der Schiebetür: »Ladies only!« Die Indian Railways waren mir und meinen beiden Begleitern Peter und Frank sonst schon recht vertraut und weil es nicht immer möglich war, eine Sitzreservierung zu bekommen, hatten wir bereits ausführlich Bekanntschaft mit Stehplätzen gemacht. Im Gang beispielsweise, von Mumbai bis nach Jaipur und gleich eine ganze Nacht lang.

Reise-Mails an die dzg Sendest Du von Deiner Reise E-Mails na Hause, an Freunde? Dann nimm bitte die dzg in Deinen Verteiler auf: redaktion@globetrotter.org. Dort interessieren si viele für Deine Reiseerlebnisse! Tipp zur Spam-Vermeidung: Gib die Verteileradressen nur unter BCC

(Blind Copy) ein, ni t unter „An“ oder „CC“. Tipp: Laß Dir bei der dzg Deine persönli e Adresse Mein.Name@Globe trotter.org einri ten, als Weiterleitung oder mit Mailbox, dann au mit Spamilter. Kontakt siehe Impressum oder www.globetrotter.org

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UNTERWEGS

HANSJÖRG HINTERREITER


Der Trotter 135 Auszug