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17.04.2013 REGENBOGENKINO mittwoch/wednesday 18:00 UHR

Masamadre + Y la memoria somos nosotras Mariana Ares Ana Barry AR, 2012 65 min spanisch mit dt. UT Argentinien Selbstorganisation Kollektive Prozesse

Paola Figueroa-Cancino Angela Rubiano Tamayo CO, 2012 31 min spanisch mit dt. UT achiote-audiovisual. blogspot.de Kolumbien Selbstorganisation Kollektive Prozesse

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In Masamadre erzählen Bewohner_innen die Geschichte der von ihnen aufgebauten informellen Siedlung Maria Elena im Stadtteil La Matanza am Rand von Buenos Aires. Gemeinschaftlich kämpfen sie seit den 80-er Jahren für die Behebung existenzieller Not – Nahrung, Gesundheit und Wohnraum. Neben visuellen Eindrücken über den Alltag im Gesundheitszentrum und den Gemeinschaftsküchen erhalten die Zuschauer_innen auch spannende Einblicke in die Emanzipationsprozesse der Frauen im Viertel. Einst als Versorgerinnen zuständig für die Reproduktionsarbeit und wenig an den Entscheidungsprozessen beteiligt, wandelte sich ihre Rolle hin zu führenden Protagonistinnen im Kampf gegen strukturelle Armut.

Masamadre tells the story of the residents of Maria Elena, an informal settlement that they built in the neighbourhood of La Matanza on the outskirts of Buenos Aires. Since the 1980s they have been fighting collectively to secure their basic needs – food, health and living space. Beside visual impressions of the everyday life in the health centre and the communal kitchens, the audience also gains insight into women's emancipation process . Initially used as mere providers for reproductive work and having very little to say in the decisionmaking process, they have over time become leading protagonists in the fight against structural poverty.

Um Empowerment-Strategien von Frauen geht es auch im zweiten Film: Seit über 10 Jahren treffen sich die Bäuerinnen aus dem Munizip Inzá in südlicher Region Cauca (Kolumbien) in Gärten, Innenhöfen, Küchen und öffentlichen Plätzen, um über ihre Probleme zu diskutieren. Durch die Prämisse, kollektive Lösungen für die gemeinsamen Probleme zu finden, ist ihnen die Entwicklung von Strategien gelungen, die sie dazu ermutigen, sich der Gewalt und der Armut zu stellen, sich auszubilden, den Boden zu bearbeiten und ein würdevolles Leben zu führen. So verwirklichen sie die femenismos campesinos.

The second film also relates to empowerment strategies of women: For over a decade now the peasant women from Inzá - Cauca department (Colombia) - get together in vegetable gardens, courtyards, kitchens and public spaces to speak about their problems. Through the maxim to seek collective solutions. they have developed strategies that give them strength to oppose violence and poverty, to get an education, to farm their land and live a dignified live. Realizing the femenismos campesinos.


EISZEIT 1 17.04.2013 mittwoch/wednesday 18:30 UHR

Die Ausbildung Der 20-jährige Jan (Joseph K. Bundschuh) ist ein introvertierter junger Mann, der im letzten Jahr seiner Ausbildung in einem mittelständischen Betrieb steht. Seine Mutter (Anja Beatrice Kaul), eine engagierte Gewerkschafterin, arbeitet im selben Betrieb. Wegen ihres Engagements im Betriebsrat gerät sie von Seiten der Betriebsleitung immer mehr unter Druck. Jan will alles richtig machen – aber was ist das Richtige, wenn durch Umstrukturierungen der Druck auf die Mitarbeitenden wächst, wenn Entlassungen an der Tagesordnung stehen und der Personalchef (Stefan Rudolf ) mit Argusaugen über alles wacht? In rasanten Autofahrten und intensivem Konsum sucht Jan einen Ausgleich. Als die Zeitarbeiterin Jenny (Anke Retzlaff) in seine Firma kommt, entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte. Doch Jennys Aufenthalt ist von kurzer Dauer und Jan ist gefangen in seiner Unfähigkeit, Entscheidungen zu fällen, in seiner Angst, seinen Arbeitsplatz, seine Liebe, seinen Status zu verlieren. Der Film stellt die Schwierigkeiten von Selbstorganisierungsprozessen sehr realistisch dar. Darauf werden der Regisseur Dirk Lütter und der Journalist Peter Nowak eingehen, der in seinen Artikeln über Arbeitskämpfe in diesen schwer organisierbaren Branchen unter Anderem in der Jungle World, der Taz und dem Neue Deutschland berichtet.

The Film directed by Dirk Lütter tells the story of the 20-year-old Jan (Joseph K. Bundschuh). The introverted young man stands in the last year of training in a medium-sized company. While trying to please everybody, he is torn between conflicting demands of adaptation. His mother (Anja Beatrice Kaul) is a dedicated trade unionist and works for the same company. As a consequence of her involvement in the works council she gets more and more under pressure. Jan tries very hard not to make mistakes. But the right thing often remains unclear in times of restructuring when pressure on employees becomes unbearable and layoffs are on the daily agenda. To make matters worse the manager (Stefan Rudolf ) watches over all incidents like a hawk. Jan finds relief in rapid car rides and intense shopping trips to the mall. When temporary worker Jenny (Anke Retzlaff) joins the company, a tender love story unfolds between Jenny and Jan. But Jenny leaves the company soon and Jan stays caught up in his inability to make decisions and his anxiety to lose his job, love and status. After the screening director Dirk Lütter and journalist Peter Nowak will discuss the difficulties of selforganization processes. Peter Nowak has published articles about labor disputes in the Jungle World and Taz and other news platforms.

Dirk Lütter DE,2010 85 min deutsch die-ausbildung.com peter-nowakjournalist.de Prekäre Arbeitsverhältnisse Anpassung Gewerkschaft Zeitarbeit Harvest of Loneliness S.56 « Big sweep up in subcontracting S.44 « Gäste: Dirk Lütter Peter Nowak

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17.04.2013 eiszeit 2 mittwoch/wednesday 18:45 UHR

Harvest of Loneliness Gilbert Gonzalez Vivian Price Adrian Salinas US/MX, 2010 56 min spanisch mit engl. UT harvestofloneliness.com Gastarbeiter_innen Rassismus Ausbeutung Mexiko Duvarlar - Mauern - Walls » S.28 ¡Viva México! » S.58

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Verborgen im kollektiven Gedächtnis der Minderheiten, in der amerikanischen Gesellschaft ist die Geschichte der Millionen mexikanischen Männer und Frauen, deren Leben vom Gastarbeiterprogramm mit den USA geprägt wurde: dem Bracero-Programm. Das Programm wurde angesichts des kriegsbedingten Mangels an Arbeitskräften in den USA entwickelt, auch um aufkommende gewerkschaftliche Bestrebungen in den USA zu unterbinden. Der Film verfolgt dokumentarisch den Weg der Männer, die zwischen 1942 und 1964 regelrecht in die USA importiert wurden, um dort als billige, leicht verfügbare und vor allem auch gut kontrollierbare Arbeitskräfte ausgebeutet zu werden. Im Film kommen ehemalige Arbeiter des Bracero Programms zu Wort und erzählen von ihren Erfahrungen. Aber auch die damals zurückgelassenen Ehefrauen und Familien bekommen erstmals die Gelegenheit, öffentlich über ihre Entbehrungen und die Situation in den männerverlassenen Dörfern zu sprechen. Ehefrauen und Familien wussten nicht, ob und wenn ja, wann die Arbeiter zurückkehren würden oder wo die Männer genau hingebracht wurden. Die Familien waren stark gestresst und wurden teils auf ewig auseinandergerissen.

Hidden within the historical accounts of minorities, workers and immigrants in American society, is the story of the millions of Mexican men and women who experienced the temporary contract worker program known as the Bracero Program. Established to replace an alleged wartime labor shortage, research reveals that the Bracero Program intended to undermine farm workers unionization. Harvest of Loneliness shows how several million men, in one of the largest state managed migrations in history, were imported from 1942 to 1964 to work as cheap, controlled and disposable workers. The documentary features the men speaking of their experiences and addresses what to expect from a new temporary contract worker program. Harvest of Loneliness also focuses on the voices of wives and families who were left behind and forced to readjust, as an untold number of villages were virtually emptied of men as they supplied workers for the largest US agricultural corporations. Wives and families, not knowing if or when their men would return or where they were going to work, were deeply distressed. Family separation became an ongoing periodic experience for many villages and for many the separation became permanent. Over the 22 years of the Bracero Program, the economy and living standards of the villages remained virtually unchanged.


regenbogenkino 17.04.2013 mittwoch/wednesday 20:30 UHR

raising Resistance „Das Soja-Modell ist Mord am Volk“, steht auf dem Schild einer Demonstrantin in Asunción, der Hauptstadt Paraguays. Aus allen Landesteilen sind Campesinos angereist und demonstrieren für ihre Rechte, auch Menschen aus Santa Rosa. Santa Rosa liegt in der Soja-Zone im Osten des Landes. Der Dokumentarfilm erzählt von Protest und Widerstand der dort lebenden Campesinos gegen die Massenproduktion von Gen-Soja vor ihrer Haustür. Diese bedroht existentiell die Lebensgrundlage der Kleinbauer_innen. Paraguay ist weltweit der viertgrößte Exporteur gentechnisch veränderter Sojabohnen. Ziele der nährstoffreichen und beliebten Gen-Bohnen sind Europa und China, wo es als Futtermittel und Pflanzenöl zu einer Grundlage der industriellen Lebensmittelproduktion geworden ist. Die sozialen und gesundheitlichen Kosten der möglichst billigen Sojaproduktion tragen jedoch die Campesinos: Für den großflächigen Gen-Sojaanbau mit dem starken Einsatz hochgiftiger Pflanzenschutzmittel werden Millionen Hektar Wald gerodet, Böden und Gewässer vergiftet. Ganze Dorfgemeinschaften fallen dem zum Opfer und den Campesinos fehlt fruchtbares Land um Grundnahrungsmittel anzubauen. Zum jährlichen La Via Campesina Aktionstag am 17. April zeigen wir Raising Resistance in Anwesenheit der Regie.

The words, „The soy model is murder of the people‘ is written on the sign of one of the protesters in Asunción, the capital city of Paraguay. From all parts of the country including Santa Rosa, which is located in the soy zone east of Paraguay, Campesinos are demonstrating for their rights. This documentary is about protest and resistance of the Campesinos, the small farmers, against the aggressively expanding production of genetic soy. The production next to their homes deeply threatens their existence by destroying the basics for subsistence economy. Paraguay is the fourth largest exporter of genetically modified soybeans in the world, supplying primarily Europe and Asia for the industrial production of food. Soybeans are mainly used as animal feed and vegetable oil. The Campesinos have to bear the social and health related costs of the cheap soy production, which is that the growing of genetic soy needs larger cultivable areas. Millions of hectares of forest are cleared and soil fertility and water quality are badly affected by high doses of toxic plant protection chemicals. Whole village communities fall victim to this, and maybe it will hit the last generation of independent farmers. Raising Resistance shown on the International Day of Peasants La Via Campesina on April 17th in the presence of the director.

Bettina Borgfeld David Bernet DE/CH, 2011 84 min spanisch/guaraní/ portugiesisch/ englisch mit dt. UT raising-resistance.com viacampesina.org Landraub Umweltzerstörung Gentechnik Arbeitsbedingungen Gäste: Filmemacher_innen

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17.04.2013 eiszeit 1 mittwoch/wednesday 20:45 UHR

¡Viva México! Nicolas Défossé MX, 2010 120 min spanisch mit dt. UT vivamexicofilm.com Mexiko Zapatistas Widerstand soziale Missstände

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Anfang Januar 2006: In den Bergen im Südosten Mexikos versammeln sich tausende indigene Zapatista, um ihren Wortführer Subcomandante Marcos, auch Delegado Zero genannt, zu verabschieden. In den kommenden sechs Monaten wird er das Land bereisen, um von den verschiedenen Formen des Widerstands mexikanischer Frauen, Männer und Transgender, die für ein gerechteres Mexiko kämpfen, zu lernen. Von Chiapas bis Quintana Roo, von Yucatan bis Oaxaca, von Nayarit bis Colima, von Michoacan bis Guerrero – von einem zum anderen Ende des Landes über Mexiko Stadt folgt der Film seiner Reise, die das Gesicht des anderen Mexikos abzeichnet, eines fern ab der Welt der TV-Shows. Der Film zeigt verschiedene Frauen, Männer und Transgender in ihrem alltäglichen Kampf sich Gehör zu verschaffen, um auf die herrschenden Missstände in ihrem Land aufmerksam zu machen. Die Reise ist aber auch mit Risiken verbunden. Sie ist eine Provokation gegen jene, die die Wirtschaft und das Image des Landes kontrollieren, indem sie die Samen der Rebellion und die Solidarität unter den Menschen nährt. Was als isoliertes Gemurmel beginnt, entwickelt sich zu einem Ruf von hunderttausenden Stimmen: ¡Viva México!

January 1, 2006: In the mountains of southeastern Mexico thousands of indigenous Zapatistas prepare to say farewell to their spokesman Subcomandante Marcos, also known as Delegado Zero. In the following six months he will travel across the country to learn about the resistance of Mexican men, women and transgender who are fighting for more justice in Mexico. From Chiapas to Quintana Roo, from Yucatan to Oaxaca, from Nayarit to Colima, from Michoacan to Guerrero, from one end to another via Mexico City, the film follows his journey that traces the face of the other Mexico, a face much different from the one TV shows us every day. The film shows women, men and transgender in their every day struggle to make themselves heard, to draw attention to the widespread grievances in the country. This journey is not without risks. By irrigating the seeds of rebellion and solidarity of the people, it is a provocation against those who control the country's economy and its image. What starts as an isolated murmur will become a clamor of hundreds of thousands of voices: ¡Viva México!


EISZEIT 2 17.04.2013 mittwoch/wednesday 21:00 UHR

Deutsch-Südwas?! + Die leere Mitte Der Film Deutsch-Südwas?! -Erinnerung an einen deutschen Völkermord streift durch vergangene koloniale Realitäten und deren Kontinuitäten in der Gegenwart. Er versucht, die Konturen deutscher Herrschaft in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika nachzuzeichnen und gibt Einblicke in heutige Kämpfe Schwarzer Menschen um Gehör, um Anerkennung und um einen dekolonialen Perspektivwechsel innerhalb der weißen, deutschen Mehrheitsgesellschaft. Der Film Die Leere Mitte beobachtet über einen Zeitraum von 8 Jahren die architektonischen und politischen Veränderungen am Potsdamer Platz in Berlin. Auf einem leeren Minenfeld zwischen den Grenzen des Kalten Krieges entsteht ab 1990 langsam ein Hauptquartier internationaler Konzerne. Gleichzeitig werden viele Menschen, insbesondere Migrant_innen und andere Minderheiten, an den Rand der Stadt gedrängt. Der Film versucht Geschichten aufzufinden, die nach wie vor von dieser Mitte ausgeschlossen bleiben. Seine Form ist eine Archäologie der Amnesie – in der nicht Erinnerungen ausgegraben werden, sondern Auslöschungen von Erinnerung. Anschließend diskutieren Vorstandsmitglied des ISD-Bund und Autorin, Sharon Dodua Otoo, Politikwissenschaftler/Aktivist Joshua Kwesi Aikins, sowie die Filmemacher_innen von Deutsch-Südwas? die Filme sowie deren Thematik.

The Film German South-what?! Recalling a German genocide, roams over past colonial realities and their continuities in the present. It tries to trace the outlines of German domination in the former German colony of German South-West Africa (Deutsch-Südwestafrika) and gives insight to today’s struggles of Black people to be heard, for recognition, and for a decolonialized change of perspective within the white, German mainstream society. The documentary The Empty Centre observes the political and architectural changes at Potsdamer Platz in Berlin over the course of eight years. On an empty minefield in between the boundaries of Cold War, slowly headquarters of international corporations have emerged since 1990. At the same time, people, especially migrants and other minorities, have been dislodged to the outskirts of the city. The film tries to find stories that stay excluded, in one way or the other, from this center. Its form of expression is that of an archeology of amnesia – not one where memories are excavated, but the obliteration of memories. After the screening board member of ISD-Bund and author Sharon Dodua Otoo, political scientist and activist Joshua Kwesi Aikins will discuss together with the filmmakers of German South-what?! the implications of the film.

Nikolai Alber Hilke Rusch DE, 2012 37 min Hito Steyerl DE, 1998 62 min deutsch mit engl. UT Flucht Asyl Rassismus Armut Mare Chuiso S.18 « Halfmoon files S.14 « Revision S.47 « Gäste: Sharon Dodua Otoo Joshua Kwesi Aikins Nikolai Alber Hilke Rusch

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Mittwoch/Wednesday  

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