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01/2011

Body-Bildung Körperwissen von Kopf bis Fuß

FOKUS Das männliche Gehirn zwischen Mythos und Wissenschaft

FEMININ Frauen an der Hochschule So starten Sie durch!

FREIE ZEIT Gehört, Gesehen und Gelesen


Vorwort

Gesagt, getan! Liebe Studentinnen, liebe Studenten, liebe Kolleginnen und Kollegen, als Nachfolgerin unserer Broschüre „FrauenInfo“ liegt Ihnen heute die erste Ausgabe der „Genia“ vor. Mit der Genia wollen wir einen Bogen von den Anfängen der Geschichte der Frauenbewegung schlagen, über den gesetzlich determinierten Gleichstellungsauftrag bis zu den Gender Studies an unserer Universität und anderen deutschen und internationalen Hochschulen. Der Name Genia knüpft an die Anfänge des Frauenstudiums an unserer Universität an. Er war der Spitzname von Jenny Gusyk, der ersten Studentin (siehe linke Seite) an der Kölner Universität. Inhaltlich wird die Genia Gleichstellung und Genderforschung im Blick haben, da für uns zum Wissenschaftsgebiet der Gender Studies der Themenkreis Gleichstellung unbedingt dazu gehört und Gleichstellungsarbeit und Genderforschung untrennbar miteinander verknüpft sind. Es ist daher nur folgerichtig, dass Wissenschaftlerinnen, die an einer Hochschule Gleichstellungsarbeit übernehmen, sich der Genderforschung zuwenden und auf der Basis ihrer Arbeit zu Forschungsergebnissen beitragen, aus denen sich eine breite Palette frauenfördernder Maßnahmen entwickeln lässt, deren Einsatz wiederum zur wissenschaftlichen Auswertung in die Forschung einfließen wird. Für dieses Ziel haben wir in den letzten Jahren eigene Lehrveranstaltungen entwickelt, die wir gemeinsam mit den Fakultäten/Dekanaten an unserer Kölner Universität geplant haben, aktuell veranstalten und umsetzen. 2006 haben wir mit dem „Interdisziplinären genderorientierten Lehrauftragspool“ (IGL) begonnen und bieten seit 2010 eine „Interdisziplinäre Veranstaltungsreihe zur Genderforschung“ sowie einen „Moot Court Gender & Diversity“ an. Das hat unseren Kontakt zu den Fakultäten vertieft und allgemein das Interesse am Forschungsgebiet Gender Studies gestärkt. Die aktuelle Genia greift Body-Bildung als Titelthema auf, stellt Körperwissen von Kopf bis Fuß vor, ist dabei wissenschaftlich, künstlerisch, allgemeinbildend sowie gesellschaftskritisch motiviert. Aber lesen Sie selbst! Das Team der Gleichstellungsbeauftragten informiert Sie an dieser Stelle selbstverständlich auch über Inhalte der eigenen Arbeit. Sollten Sie unser Programm noch nicht in allen Facetten kennen, bitte informieren Sie sich auch auf unserer Homepage. Sie werden sehen, dass die einzelnen Maßnahmen aufeinander aufbauen bzw. sich ergänzen. Mit der ersten Genia möchte ich mich gleichzeitig von Ihnen als Gleichstellungsbeauftragte verabschieden. Seit dem

1.4.2011 bin ich im so genannten (Un-)Ruhestand. Das Amt der Gleichstellungsbeauftragten habe ich in den letzten sechs Jahren gern ausgefüllt, um Frauen in schwierigen Situationen zu helfen. Unsere Arbeit hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die Universität 2007 zum zweiten Male mit dem Equality Prädikat ausgezeichnet wurde, dass unser Gleichstellungskonzept 2008 zum Sieg im sogenannten Professorinnenprogramm (Wettbewerb des Bundes und der Länder) verholfen hat und 2010 zum Erfolg im Wettbewerb „familie@unternehmen.NRW“ (Förderung durch das Land NRW und das EFRE-Programm der EU) führte. Durch das Professorinnenprogramm und das EUNRW-Projekt konnten Drittmittel eingeworben werden, die die Finanzierung einer Reihe von Projekten ermöglichen, wie z. B. das „Familien-Mentoring“, die Unterstützung von Wissenschaftlerinnen mit Kindern oder als Projektleiterinnen, das „MINT-Mentoring“, das „Managementprogramm für Professorinnen und weibliche Führungskräfte“ in unserem Female Career Center (FCC) und den „Moot Court Gender & Diversity“, um nur einige zu nennen. Sensibilisierung und Aufklärung durch Wissenschaft und Forschung – insbesondere an einer Universität – waren mir als Naturwissenschaftlerin besonders wichtig. Deshalb halte ich das Forschungsfeld der Gender Studies aus gleichstellungspolitischer Sicht für unverzichtbar und die Mitwirkung einer Gleichstellungsbeauftragten auch als Wissenschaftlerin für unabdingbar. Das Verständnis über den Zustand sowie die Entwicklung des Geschlechterverhältnisses ist an eine forschende, neutrale Offenlegung geknüpft und dient damit der Umsetzung des Gleichberechtigungsgedankens. Für meine Alma Mater wünsche ich Ihnen und mir, dass in allen Phasen von Forschung und Lehre die Gerechtigkeit immer einen Platz haben wird. Ich bedanke mich bei Ihnen für die erfolgreiche Zusammenarbeit und das konstruktive Vertrauen. Herzlichst, Ihre Heidrun Fußwinkel (Gleichstellungsbeauftragte der Universität zu Köln bis März 2011)

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Gebündelt FOKUS: Body-Bildung – Körperwissen von Kopf bis Fuß

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Das männliche Gehirn zwischen Mythos und Wissenschaft

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Sind Frauen die besseren MedizinerInnen?

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Newsflakes: Gender Gap in der Medizin

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Ausgedacht 9 Frauen-Körper: Ausbeutung in Entwicklungsländern?

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Hand und Fuß im Länderspiegel 12 Körperlandschaften 14

FEMININ 16 Das Auge liest mit – Schreibwerkstatt im Female Career Center

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In die Gendrobe schlüpfen 18 Zuckerschäume und Sprudelkeime – Eine Schülerin im Chemielabor

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2 Wochen, 5 Erlebniswelten und ganz viel Spaß an Wissenschaft

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Gender in Bewegung 23 Im Gespräch 25 Ungeniert 28 Weibliche Führungskräfte fördern und fordern

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Gehaltsverhandlungsstrategien 30 Das Gender Forum feiert Jubiläum 31 Gender-Report NRW 32

FREIE ZEIT 33 Gelesen 33 Literaturhaus Köln 36 Gehört/Gesehen 37 Angeklickt 38 Gemacht: Genderbaukasten 39

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Das männliche Gehirn

zwischen Mythos und Wissenschaft

„Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“, das versuchen AutorInnen immer wieder mit dem „natürlichen Unterschied“ zu erklären. Gerne wird in solchen medienwirksamen und populärwissenschaftlichen Publikationen auf die angeblichen Erkenntnisse der Gehirnforschung verwiesen. Die Genia untersucht in dieser Ausgabe fünf solcher pseudo- bis populärwissenschaftlichen Thesen rund um das Thema Gehirn und Geschlecht in Hinblick auf den Mann. Die Thesen sind in dieser Form in Büchern und Internetforen zu finden. Doch was davon ist Mythos und was Wissenschaft? Der Psychologe und Neurowissenschaftler Sebastian Ocklenburg nimmt Stellung. Von Sebastian Ocklenburg

1 Es gibt eine weibliche und eine männliche Gehirnhälfte.

Es gibt eine männliche und eine weibliche Gehinhälfte: Nein, es ist nicht so, dass eine Gehirnhälfte weiblich und die andere männlich ist. Diese These könnte aus der Tatsache heraus entstanden sein, dass es tatsächlich einige Fähigkeiten gibt, die primär von einer Hirnhälfte gesteuert werden. So stellten WissenschaftleDas männliche Gehirn ist rInnen fest, dass die linke Hirnhälfte bei den meisten Menschen bei seiner Entwicklung für die Verarbeitung von Sprache, logischem Denken und mathezunächst weiblich. matischen Fähigkeiten zuständig ist. Im Gegensatz dazu steuert die rechte Hirnhälfte bei den meisten Menschen das Erkennen von Gesichtern, Emotionen und das räumliche Denken. Einige dieser Fähigkeiten finden sich in gesellschaftlich verbreiteten Klischees über Männer und Frauen wieder. Aus diesem Grund lässt sich auf Internetseiten und in esoterisch angehauchten Ratgebern gelegentlich lesen, dass die linke Hirnhälfte die „männliche“ sei, die logischmathematisch denkt, während die rechte Hirnhälfte die „weibliche“ sei, die eher gefühlsorientiert und sozial denkt. Für diese Behauptungen gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Belege. Dass solche von Vorurteilen Männer denken rationaler geprägten Pauschalthesen wenig Sinn machen, erkennt man auch relativ als Frauen. schnell daran, dass sich die speziellen Fähigkeiten der beiden Hirnhälften keinesfalls alle den klischeehaften Vorstellungen über die Geschlechter zuordnen lassen. So ist die angeblich weibliche rechte Hirnhälfte für das räumliche Denken verantwortlich, eine Fähigkeit, die ja angeblich eher männlich ist, während die angeblich männliche linke Hirnhälfte die Sprachverarbeitung steuert, eine Domäne die klischeehaft als eher weiblich gilt. Ein weiteres Problem ist, dass eine bestimmte Fähigkeit keinesfalls bei allen Menschen von derselben Hirnhälfte gesteuert wird. So wird die Sprachverarbeitung zwar bei einem Großteil der Menschen von der linken Hirnhälfte gesteuert, bei 5% der Rechtshänder und 25% der Linkshänder nicht von primär von der linken, sondern von der rechten Hirnhälfte gesteuert.

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Das männliche Gehirn ist bei seiner Entwicklung zunächst weiblich: Diese These hat insofern einen wahren Kern, als dass der weibliche Entwicklungsweg sozusagen das Standardprogramm des menschlichen Embryos ist. Eine Differenzierung in männlich und weiblich erfolgt erst ab etwa der 7. Schwangerschaftswoche. Zu diesem Zeitpunkt beginnt bei genetisch männlichen Embryonen (die über ein X- und ein Y-Chromosom verfügen) der so genannte Hoden-determinierende Faktor (ein Protein das vom SRY-Gen auf dem Y-Chromosom codiert wird) die Ausbildung der Hoden zu steuern. Diese produzieren Testosteron, das wichtigste

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FOKUS Body Bildung – Körperwissen von Kopf bis Fuß

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männliche Geschlechtshormon. Testosteron zieht nicht nur eine Maskulinisierung des Körpers nach sich. Es wirkt außerdem auf die wachsenden Nervenzellen und formt so das männliche Gehirn. In Abwesenheit des Hoden-determinierenden Faktors entwickelt sich ein weiblicher Körper und es kommt zu Auswirkungen weiblicher Geschlechtshormone auf das Gehirn. Falls ein genetisch männlicher Embryo durch eine Störung nicht in der Lage ist, Testosteron richtig zu verarbeiten (z.B. beim so genannten Androgen-Insuffizienz-Syndrom), entwickelt sich ein weiblicher Körper und später auch eine weibliche Selbstwahrnehmung. Es muss jedoch dazu gesagt werden, dass diese Differenzierung sehr früh in der Schwangerschaft stattfindet, während sich die Entwicklung des Gehirns über den gesamten Zeitraum der Schwangerschaft erstreckt. Des Weiteren muss klar gesagt werden, dass solche vorgeburtlichen hormonellen Einflüsse nicht allein für eine eher typisch männliche oder eher typisch weibliche Gehirnentwicklung verantwortlich sind. Das Gehirn ist ein plastisches Organ, das sich auch nach der Geburt noch durch ganz persönliche Erfahrungen und Lerneffekte verändern kann. Solche individuellen psychologisch-sozialen Faktoren spielen zusätzlich zu biologischen Hormonfaktoren ebenfalls eine große Rolle bei der Hirnentwicklung.

Drogen wirken bei Männern stärker als bei Frauen.

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Männer haben spezielle Raumorientierungsareale.

Männer denken rationaler als Frauen: Wenn man unter Rationalität die Fähigkeit zu logischem Denken versteht, ist diese These klar falsch. Die Idee, dass Männer logischer denken können als Frauen, beruht auf ärgerlichen Klischees und entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Alle größeren Studien, die die Leistungen von Männern und Frauen mit gleichem Bildungsstand in Intelligenztests verglichen haben, sind zu dem gleichen Ergebnis gekommen: Es gibt keine nennenswerten Geschlechtsunterschiede in der Fähigkeit zu logischem Denken. Deutet man „rational“ jedoch als „wenig empfänglich für emotionale Signale“, könnte diese These einen wahren Kern haben. Dies zeigen Untersuchungen, in denen Geschlechtsunterschiede im Einfühlungsvermögen und der Sensibilität für emotionale Reize untersucht wurden. Die TeilnehmerInnen in solchen Studien müssen typischerweise die emotionalen Gesichtsaudrücke anderer Menschen auf Fotos beurteilen. Dabei zeigt sich, dass Frauen im Durchschnitt sensibler reagieren und die Gesichtsausdrücke schneller und korrekter beurteilen.

Grafik: maike.streit@gb.uni-koeln.de

Drogen wirken bei Männern stärker als bei Frauen: Diese These ist in dieser sehr allgemeinen und pauschalisierten Form sicherlich nicht wahr. Es gibt eine ganze Reihe höchst verschiedener biologischer und künstlich hergestellter Substanzen, die als Drogen missbraucht werden können und ihre Wirkung auf das Gehirn können sich auch individuell sehr unterschiedlich entfalten. Daher ist es unrealistisch zu erwarten, dass Drogen bei Männern generell stärker als bei Frauen wirken. Es gibt jedoch für einzelne biologische und Verhaltenseffekte spezifischer Substanzgruppen durchaus belegte Geschlechtsunterschiede. Dabei ist es jedoch so, dass es nicht generell stärkere Effekte bei Männern gibt. Vielmehr treten bestimmte Effekte stärker bei Männern auf, während andere deutlicher bei Frauen zu Tage treten. So ist zum Beispiel bekannt, dass männliche Cannabis-Konsumenten zu häufigerem und intensiverem Substanzkonsum neigen als Frauen. Zu den für Männer typischen Folgen zählen: Erhöhte Nahrungsmittelaufnahme, stärkere Veränderungen in der Aktivität des Herz-Kreislaufsystems, eine höhere Wahrscheinlichkeit von Panik- und Persönlichkeitsstörungen sowie stärkere Entzugserscheinungen. Im Gegensatz dazu treten bei Frauen häufiger Schwindelgefühle, Beeinträchtigungen der räumlichen OrientierungsFünf Thesen und Klischees fähigkeit, verminderte motorische Aktivität sowie Angst und depressive Zustände als Folge von Cannabis-Konsum über männliche und auf. Man vermutet, dass solche Geschlechtsunterschiede in der Drogenwirkung hauptsächlich durch männliche und weibliche Gehirne. weibliche Geschlechtshormone beeinflusst werden. Einschränkend muss jedoch gesagt werden, dass Cannabis-Konsum viele weitere Effekte hat, für die es keinerlei wissenschaftlich belegte Geschlechtsunterschiede gibt. Dazu zählt zum Beispiel eine verminderte Erinnerungs- und Lernfähigkeit. Auch andere Drogen haben geschlechtsspezifische Wirkungen. Beispielsweise gibt es Studien, die die Gehirnaktivität bei männlichen und weiblichen Drogenkonsumenten untersuchten. Es konnte gezeigt werden, dass Kokain-Konsumentinnen eine verminderte Aktivität in der Amygdala (einer Gehirnregion die mit der Verarbeitung von Emoti-

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onen zusammenhängt) zeigen, während es bei Männern zu ver-stärkter Aktivität in dieser Region kommt. Solche geschlechtstypischen Effekte wurden auch für eine ganze Reihe weiterer Hirnregionen und auch für andere Drogen, etwa Heroin, beobachtet. Diese Befunde sind sehr interessant, da sie darauf hindeuten, dass männliche und weibliche KonsumentInnen unterschiedliche Drogenwirkungen erfahren, weshalb auch die Entwicklung geschlechtsspezifischer Entzugsprogramme stärker gefördert werden sollte. Männer haben spezielle Raumorientierungsareale: Nein, es stimmt nicht, dass Männer spezielle Raumorientierungsareale im Gehirn haben, die Frauen sozusagen „fehlen“. Diese These könnte aus der Tatsache heraus entstanden sein, dass seit langem bekannt ist, dass es Geschlechtsunterschiede zu Gunsten von Männern in einigen psychologischen Labortests zum räumlichen Denken gibt. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich der mentale Rotationstest, bei dem die TeilnehmerInnen Bilder komplexer räumlicher Figuren betrachten und diese im Kopf rotieren müssen. Männer schneiden in diesem Test durchschnittlich gesehen besser ab als Frauen. Dies bedeutet aber natürlich nicht, dass es nicht auch Frauen gibt, die in diesem Test sehr gute Ergebnisse erzielen (oder Männer, die sehr schlecht sind). Des Weiteren gibt es viele weitere Tests zur räumlichen Orientierung bei denen es nur schwächere oder gar keine Geschlechtsunterschiede gibt. Außerdem gibt es auch räumliche Fähigkeiten (etwa die, sich möglichst gut an die Position bestimmter Dinge zu erinnern) bei denen Frauen durchschnittlich besser als Männer sind. Diese Tatsachen sprechen deutlich dagegen, dass es ein spezielles Raumorientierungsareal nur im männlichen Gehirn gibt. Ein zweiter Grund für das Entstehen dieser These könnte sein, dass es tatsächlich einige Geschlechtsunterschiede in der anatomischen und funktionellen Organisation des menschlichen Gehirns gibt. Ein solcher so genannter Sexualdimorphismus kann zum Beispiel im Planum temporale beobachtet werden, einem Hirnareal, das mit der Sprachverarbeitung in Zusammenhang steht. Dieses Areal ist bei den meisten Männern in der linken Hirnhälfte größer als in der rechten, während es bei Frauen in den meisten Fällen keine Asymmetrie gibt. Solche Geschlechtsunterschiede sind jedoch immer eher subtile Unterschiede, z. B. in der Größe von bestimmten Arealen, die aber an sich immer bei beiden Geschlechtern existieren. Es ist auch bei vie-

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len dieser Verschiedenheiten nicht klar, ob sie überhaupt eine Auswirkung auf die Funktionen des Gehirns haben. Über ein bestimmtes Hirnareal für Raumorientierung, das nur bei Männern erscheint, gibt es zumindest keinerlei wissenschaftliche Belege. Diese These ist auch in anderer Hinsicht problematisch. Raumorientierung im wirklichen Leben (z. B. beim Einparken oder während man anhand von bekannten Punkten den Weg zu einem bestimmten Ort sucht) ist ein hochkomplexer Vorgang, der große Teile des Gehirns beansprucht. Die moderne Neurowissenschaft ist immer mehr von der Idee abgekommen, dass bestimmte Funktionen von einem einzigen eng begrenzten Areal des Gehirns durchgeführt werden. Heutzutage geht man eher davon aus, dass komplexe Hirnfunktionen über weit verzweigte neuronale Netze gesteuert werden. Sebastian Ocklenburg ist Psychologe und Neurowissenschaftler und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für kognitive Neurowissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit dem Ursprung und den neurophysiologischen Hintergründen der Unterschiede zwischen den beiden Hirnhälften sowie den psychologischen Eigenheiten von Frau und Mann.

Hinweis: Die eröffnete Diskussion wird in der kommenden Ausgabe, mit einem weiteren Beitrag zum sogennanten ‘weiblichen Gehirn‘, fortgeführt.


FOKUS Body Bildung – Körperwissen von Kopf bis Fuß

Sind Frauen die besseren

MedizinerInnen?

Hängt die Versorgungsqualität einer Patientin oder eines Patienten davon ab, ob sie oder er von einer Frau oder einem Mann behandelt wird? Obgleich diese Frage nie im Zentrum der Versorgungsforschung stand, ist sie doch seit langem kontrovers diskutiert worden. Sie gab unserem Team an der Klinik II und Poliklinik für Innere Medizin der Universität zu Köln Anlass, ein Register von mehr als 5.000 Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 daraufhin zu untersuchen. Diese Patientinnen und Patienten wurden deutschlandweit von mehr als 3.000 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten versorgt, wobei die Gebietsbezeichnungen repräsentativ auf Allgemeinärztinnen und Allgemeinärzte, Internistinnen und Internisten und einige Diabetologinnen und Diabetologen verteilt waren. Von Prof.‘ Dr.‘ Ioanna Gouni-Berthold

Die Ergebnisse sprechen eine überaus eindeutige Sprache: In vielen Bereichen schnitten die Ärztinnen wesentlich besser ab als ihre männlichen Kollegen. Die PatientInnen der weiblichen MedizinerInnen erhielten mehr Diabetesschulungen und erreichten häufiger die objektiv messbaren Therapieziele, sei es beim Blutzucker, beim Blutdruck oder bei den Blutfetten – alles wesentliche Faktoren zur Vermeidung von Organkomplikationen oder vorzeitigem Tod. Und darüber hinaus waren all diese Ergebnisse unabhängig davon, ob die PatientInnen Männer oder Frauen waren: Beide erhielten die bessere Behandlung. Wie lassen sich diese Unterschiede erklären? Zahlreiche Gründe sind denkbar. Es ist bekannt, dass die Wege der Entscheidungsfindung bei Ärztinnen und Ärzten unterschiedlich sind, unabhängig vom Geschlecht. Beispielsweise erhalten die PatientInnen von männlichen Ärzten häufiger Herzkatheter nach akutem Myokardinfarkt im Vergleich zu den PatientInnen von Ärztinnen. Auf der anderen Seite wurde gezeigt, dass Ärztinnen den präventiven Maßnahmen eine größere Bedeutung beimessen und die Arzt-PatientenInnen-Beziehung anders geartet sein kann. Das, was man eine partizipatorische Entscheidungsfindung nennt, also das partnerschaftlich teilnehmende Einbeziehen der PatientInnen in den gesamten Diagnostik- und Therapieprozess, könnte bei Ärztinnen deutlicher ausgeprägt sein. Gerade der Diabetes mit seinen Auswirkungen auf die gesamte Lebensführung ist ein Beispiel für die Wichtigkeit der partnerschaftlichen Einbeziehung der PatientInnen in Therapieentscheidungen.

Obgleich Untersuchungen gezeigt haben, dass Ärztinnen und Ärzte in der Sprechstunde dieselbe Zeit für ihre PatientInnen aufwenden, verbringen sie diese Zeit offensichtlich mit unterschiedlicher Gewichtung. Ärztinnen legen ihre Schwerpunkte mehr auf Aufklärung und Beratung, wohingegen Ärzte eher Untersuchungen durchführen und Therapien erklären. Ärztinnen zeigen mehr Empathie, positive Zuwendung und eine stärkere Entwicklung von Partnerschaft als männliche Kollegen. Diese Eigenschaften sind bei der Behandlung von PatientInnen mit vielen chronischen Erkrankungen essentiell, da von der Therapietreue häufig das langfristige Behandlungsergebnis abhängt. Frauen sind wahrscheinlich nicht „die besseren Ärzte“, aber es ist nicht auszuschließen, dass die „weibliche Heilkunst“ in manchen Situationen die besseren Ergebnisse hervorbringt. Dies hat zumindest unsere Kölner Studie zur Versorgungsqualität von DiabetikerInnen gezeigt. Zuhören, Zuwenden und ein partnerschaftlicher Kommunikationsstil bringen vielleicht manchmal mehr als Laboruntersuchungen. Und sie sind zudem noch billiger!

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NEWSflakes Herzschmerz „Das Herz einer Frau ist ein Teil des Himmels, aber wie das Firmament wechselt es auch Tag und Nacht.“ Lord Byron „Philosophieren kann besser der Mann über das menschliche Herz, doch darin zu lesen, vermag besser die Frau“. Jean-Jacques Rousseau

Mit Frauenherzen haben sich Dichter und Denker seit jeher beschäftigt. Ein dänisches Sprichwort sagt dem weiblichen Herzen gar nach: „Das Herz einer Frau sieht mehr als die Augen von zehn Männern.“ Alles was mit dem Herz zu tun hat, wird im Volksmund oft mit Frauen und Weiblichkeit assoziiert. Anders ist es beim Herzinfarkt. Studien belegen, dass Frauen häufiger an den Folgen eines Herzinfarktes sterben als Männer. Der Grund liegt in erster Linie darin, dass die Symptome nicht erkannt oder falsch diagnostiziert werden. Das berühmte Stechen im linken Arm kommt zum Beispiel in der weiblichen Symptomatik nur selten vor. Erbrechen und Schmerzen in der Brust sind hier die Signale, die schnelles Handeln erforderlich machen.

Potenz(ielle) Unterschiede Bei weitem nicht das einzige, aber eines der bekanntesten Beispiele für den Gender Gap im Medizinbetrieb: Als das potenzsteigernde Medikament Viagra 1998, begleitet von einem enormen Marketingzirkus, in den Vereinigten Staaten die Marktzulassung erhielt, war der Jubel groß. Freude herrschte beim produzierenden wie profitierenden Pharmakonzern. Ebenfalls bei den Versicherungen, die nach langen Verhandlungen eingewilligt hatten, die Kosten für die verschreibungspflichtige Pille − zum Wohl ihrer männlichen Klienten und deren Frauen − zu übernehmen. Und natürlich bei den Patienten selbst, die nun endlich wieder ganz Mann sein konnten. Freude herrschte bei allen? Nein. Denn eine kleine Gruppe von Aktivistinnen bemerkte Unstimmigkeiten im Großen und Ganzen. Diese Unstimmigkeit bestand in einem logischen Gedankenspiel: Demzufolge mehr sexuelle Aktivität entweder zu einem rapiden Populationsanstieg führt oder die Notwendigkeit von Kontrazeptiva, wie etwa der Antibabypille, erhöht. Für die wiederum wollten die Versicherungen keine Kosten übernehmen. Kern der Problematik ist, wie immer beim Gender Gap, die Wahrnehmung. Viagra behandele eine Krankheit, Empfängnisverhütung sei hingegen eine „Lifestyle“-Entscheidung, so die Argumentation.

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Gender Gap in der Medizin

Recherche: die Redaktion

Andere Leidensumstände Bei Frauen wird die Diagnose von Formen einer Depression eher gestellt und eine entsprechende Behandlung eingeleitet, als bei Männern. Oft ist zu lesen, dass Frauen im Vergleich zu Männern doppelt so häufig an psychischen Störungen erkranken. Anstatt diesen Umstand allein auf biologische Konstitutionen zurückzuführen, werden zunehmend auch weitere „frauenspezifische“ Einflüsse (die in weitreichender Weise mit dem weiblichen Körper in Verbindung stehen) von Medizinerinnen und Medizinern berücksichtigt. Zu diesen zählen geschlechterspezifisches Rollenverhalten und Erwartungen, Unterschiede im sozialen Status sowie Einflüsse von Gewalt und Missbrauch. Dieses Umdenken verbessert nicht nur die Behandlung von Frauen, sondern öffnet auch die Diskussion über Depressionen bei männlichen Erkrankten, bei denen psychische Probleme oft noch geschlechtsnegativ stigmatisiert sind und als „Schwäche“ ausgelegt werden. An der AlbertLudwigs-Universität in Freiburg wurde zur „Aufklärung der Öffentlichkeit“ und für eine „verbesserte Versorgung Betroffener“ nun das „Bündnis gegen Depressionen“ gegründet, das speziell auch auf den Gender Gap hinweist.

Letztes Heilmittel: Quote „Die Gesundheitsberufe sind weiblich“ verkündete die Süddeutsche Zeitung noch 2005 und berichtete, dass eine Mehrheit des Personals im Gesundheitswesen weiblich ist. Fairerweise wurde damals schon erwähnt, dass dies vor allem auf die niedrigeren Karrierestufen zutrifft. Zum einhundertsten Weltfrauentag in diesem Jahr forderte der Deutsche Ärztinnenbund darum nun auch die Quote im Gesundheitswesen. „Frauen stellen nur 5,6 Prozent der W3/C4 Professuren und sind in Gremien, Vorständen und Leitungspositionen der Medizin genauso unterrepräsentiert wie in Wirtschaft und Wissenschaft“, kommentierte zwd.info.de.

Neue Studie: Moderater Kaffeekonsum schützt Frauen vor Schlaganfall Frauen, die mehr als eine Tasse Kaffee am Tag trinken, können ihr Schlaganfallrisiko senken. Das hat ein Team um Susanna Larsson vom Karolinska-Institut in Stockholm durch Beobachtungen an rund 35.000 Frauen in Schweden herausgefunden. „Möglicherweise schwächt Kaffee Entzündungen ab, reduziert oxidativen Stress und verbessert die Insulinempfindlichkeit“, so die Wissenschaftlerin.


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Ausgedacht Quiz

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© Max-Planck-Institut für experimentelle Endokrinologie

© Fritz-Haber-Institut und Konrad-Zuse-Institut, Berlin

©Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung

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© Stefan Jakobs / MPbpc

© Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin/Kinarm Ko Siwanowicz

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© Max-Planck-Institut für Biochemie/ Siwanowicz

© Max-Planck-Institut für Neurobiologie / Igor Siwanowicz

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© Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin, Münster

© Max-Planck-Institut für Kohlenforschung

In der Forschung werden Körper aller Art untersucht. Die Wissenschaft überschreitet dabei oft Grenzen, um bisher Unbekanntes zu erforschen und Ungesehenes sichtbar zu machen. Neben der rein wissenschaftlichen Dokumentation der Forschungsobjekte entstehen dabei oft auch Bilder mit überraschend ästhetischen Formen und Strukturen: abstrakte Kunstwerke aus einer dem menschlichen Auge verborgenen Welt. Die Max-Planck-Gesellschaft stellt Fotos aus ihrer Forschungsarbeit zur Verfügung, die einen faszinierenden Einblick in die Welt der Wissenschaft geben. Was ist hier zu sehen?

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5: Zellteilung 6: Venus; 7: Muskulatur; 8: Nervenzellen; 9: Säugetierzellen.

Auflösung: 1: Biokatalysatoren; 2: Chaos im Herz; 3: Gehirn und Hormone; 4: Gottesanbeterin


Frauen-Körper: Ausbeutung in Entwicklungsländern? In vielen Ländern der Welt produzieren Frauen den größten Anteil der Grundnahrungsmittel und Exportgüter. Unter oft verheerenden Arbeitsbedingungen ernten, pflücken, färben und nähen sie − darunter leiden Körper und Seele. Trotzdem werden viele Frauen weiterhin ausgebeutet und es bleibt der Verdacht, dass die sogenannten Industriestaaten ihren Wohlstand auf dem Rücken dieser Frauen austragen. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ So beginnt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948. Nach dem Willen der Weltgemeinschaft, damals vertreten durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen, sollte es also keinen Unterschied machen, ob ein Mensch arm oder reich ist, gebildet oder ungebildet durchs Leben geht, aus der Stadt oder vom Land kommt. Man hat als Mensch unveräußerliche Rechte und darf nicht als Objekt anderer behandelt werden. Doch auch sechzig Jahre später macht es für die Möglichkeit, ein friedliches, selbstbestimmtes und gesundes Leben führen zu können, einen großen Unterschied, wo und in welche Bedingungen hinein ein Mensch geboren wird und ob er als Junge oder als Mädchen auf die Welt kommt. Tag für Tag wird in vielen Ländern der Welt Frauen die Möglichkeit vorenthalten, ihre Potenziale auszuschöpfen und ihren eigenen Weg zu gehen. Erschreckend oft werden ihre Rechte als Menschen missachtet, etwa das Recht auf Freiheit und Sicherheit, das Recht darauf, nicht in Sklaverei gehalten zu werden, das Recht auf Eigentum, das Recht auf Gleichheit und Schutz vor dem Gesetz, das Recht auf politische Mitbestimmung, das Recht auf gesundheitliche Versorgung, das Recht auf freie Eheschließung und -scheidung oder auch das Recht auf Bildung. Frauen-Fakten Mädchen und Frauen sind nicht irgendwer. Sie sind unter anderem Töchter, Mütter, Schwestern, Großmütter, Ehefrauen, Witwen, Arbeiterinnen, Bäuerinnen, Ingenieurinnen, Ärztinnen, Lehrerinnen – sie stellen die Hälfte aller Menschen. Und wollte man der schlimmsten Armut auf der Welt ein Gesicht geben, wäre es ebenfalls ein weibliches. Von den derzeit knapp sieben Milliarden Menschen der Welt leidet etwa eine Milliarde permanent Hunger. Sieben von zehn dieser Menschen, die nicht mal einen US-Dollar pro Tag zum Leben haben, sind Frauen und Mädchen. Frauen haben kein Vermögen. Nur ein Prozent des globalen Vermögens gehört Frauen. In Entwicklungsländern produzieren Frauen achtzig Prozent der Grundnahrungs-

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mittel, besitzen aber nur zehn Prozent der Anbauflächen und weniger als zwei Prozent aller Landtitel. Tagein tagaus verrichten vor allem Frauen überall auf der Welt viele Arbeiten, die nicht entlohnt werden: Sie organisieren den Familienhaushalt, ziehen die Kinder auf, pflegen Angehörige und, und, und. Während Frauen in den Industriestaaten zusätzlich einer bezahlten Tätigkeit nachgehen können, ist dies Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern vielfach nicht möglich. Siebzig Prozent der unbezahlten Arbeit weltweit, liegt in Frauenhänden. Betrachtet man die ganze Welt, beziehen Frauen nur zehn Prozent der Einkommen. Den Menschen keine Bildung zu geben, ist in vielen Teilen der Erde ein großes und menschenverachtendes Problem. Besonders hart aber trifft es Mädchen und Frauen, denen oftmals sogar die spärliche Grundbildung vorenthalten wird, so sind zwei Drittel aller Analphabeten Frauen.

„Die Arbeit von Frauen wird vielerorts geringer bezahlt als die der Männer“ Die Arbeit von Frauen wird vielerorts geringer bezahlt als die der Männer. In vielen besonders schlecht bezahlten Branchen arbeiten überwiegend Frauen, die zusätzlich die Gefahren durch totale Abhängigkeit vom Arbeitgeber und den oft völlig unzureichenden Arbeits- und Gesundheitsschutz zu tragen haben. Jedes Jahr sterben etwa 600.000 Frauen infolge von Komplikationen bei einer Schwangerschaft oder Geburt. Weil sexuelle Selbstbestimmung für Frauen in vielen Teilen der Welt lediglich ein Wunschtraum ist, fehlt ihnen die Möglichkeit, den Zeitpunkt und die Zahl ihrer Schwangerschaften zu kontrollieren. Sie tragen außerdem ein größeres Risiko, sich mit HIV zu infizieren als Männer. Inzwischen ist die Hälfte aller HIV-Infizierten der Welt weiblich.


Bild: Teepflückerin aus Indien

Doch die seelische und körperliche Gesundheit von Mädchen und Frauen ist vielfach nicht nur durch eine allgemein mangelhafte medizinischen Versorgung gefährdet, sondern auch durch überkommene und menschenverachtende Traditionen und Praktiken der Unterdrückung und Misshandlung. Genitalverstümmelung ist vor allem in afrikanischen Ländern nach wie vor gefährliche und entwürdigende Praxis. Gewalt und sexuelle Ausbeutung innerhalb der Ehe sind nicht nur in armen Ländern der Welt Gang und Gäbe. Morde, die im Namen einer zweifelhaften „Ehre“ begangen werden, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Ausgrenzung von Geschiedenen und Witwen oder die systematische Ausgrenzung vom Gesundheitswesen sind weitere Stichworte für den Sachverhalt, dass Frauen einfach wegen ihres Geschlechtes viel zu oft gefährlich leben. Keine Entwicklung ohne Frauen Das große Missverhältnis zwischen der schwachen Position von Frauen in den meisten Gesellschaften und ihrem erheblichen Beitrag zum Bestehen derselben wurde lange nicht ganz gesehen. Heute weiß man zum Beispiel, dass es vor allem Frauen sind, die Bäuche füllen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass Frauen in Entwicklungsländern zwischen 60 und 80 Prozent und weltweit die Hälfte aller Nahrungsmittel erzeugen. Dennoch sind sie nicht vor Hunger geschützt. Frauen und Kinder sind am häufigsten unterernährt und von Mangelerkrankungen betroffen. Nicht wenige Hilfsorganisationen sehen den Schlüssel zur wirksamen Bekämpfung der Armut und zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung in den Händen der Frauen. Auch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, fordert mehr Einfluss für Frauen auf die Entscheidungsprozesse im Haushalt, am Arbeitsplatz und in der Politik. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor den ungeheuren wirtschaftlichen Folgen, den die Benachteiligung von Frauen beim Zugang zu Bildung, Land, Kapital und Lohnarbeit hat. Die Schwesterorganisation der Weltbank sieht darin einen Grund für mangelndes Wirt-

schaftswachstum und Hemmnisse in der Entwicklung von Volkswirtschaften. Bildung ist der Schlüssel Bisherige Erfahrungen in Entwicklungsländern haben gezeigt, dass es sich für die gesamte Gemeinschaft lohnt, Landfrauen zu stärken. Studien in Afrika, Asien und Lateinamerika zeigten, dass Familien besser genährt sind, wenn Frauen über mehr Geld verfügen und mehr Mitspracherecht dabei haben, wofür das Haushaltseinkommen ausgegeben wird. Dass Bildung das Schlüsselinstrument ist, ist eine weitere wichtige Erfahrung. Bildung für Frauen führt oftmals zu weniger Geburten, zu niedrigerer Kindersterblichkeit und zu einem besseren Gesundheitszustand und Lebensstandard für die gesamte Familie. Außerdem verbessert sich die Arbeitsproduktivität, wenn die Frauen Zugang zu Bildungs- und Weiterbildungsangeboten haben. Auch die Bildungssituation der Kinder verbessert sich, wenn Frauen wirtschaftlich unabhängiger sind und selbst Bildung genossen haben. Besonders Mädchen erhalten eher eine Schulbildung, wenn auch ihre Mütter zur Schule gehen durften. Und nicht zuletzt ist Bildung ein wesentlicher Faktor, wenn es darum geht, Frauen mehr Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Entscheidungsprozessen zu verschaffen und sie dazu zu befähigen, ihre persönlichen Rechte wahrzunehmen.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von: www.oeko-fair.de

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©TransFair e.V._Foto_C. Nusch

FOKUS Body Bildung – Körperwissen von Kopf bis Fuß


im Länderspiegel Recherche: die Redaktion

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Hand und Fuß

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Indien Hände haben Korea Anders geh in Indien in verschiedensten delt werden die Ha änKontexten ihre Finger im Spiel: Zur übndgesten auch in Korea: Die lichen Begrüßung werden die Hände zum linken Hand gilt hier Verwendung der Namaste-Gruß gehoben. Das bedeutet so viel beispielsweise als unhöflich, Dinge sollte wie: „Ich verbeuge mich vor dir!“ Und genau das rechten Hand geben man deshalb immer mit der ist es, was dann geschieht. Die Handflächen werden müssen mit beiden oder annehmen. Geschenke aneinander gelegt, und in Brusthöhe positioniert. werden. Bei Visitenkar Händen entgegengenommen Dann wird der Kopf leicht gesenkt. Doch gleichbeder anderen Person an. ten kommt es auf die Stellung rechtigt – wie es hier den Anschein haben mag – sind aber, entweder mit bei Normalerweise empfiehlt es sich die Hände nicht. Die linke Hand wird in Indien ausgenzunehmen oder weden Händen die Visitenkarte entgeschließlich zu hygienischen Zwecken gebraucht und austauschen, diese mitnn beide zur selben Zeit die Karten gilt deswegen als unrein. Deshalb ist es zu vermeiLinke kann zur Betonu beiden Händen zu berühren. Die den, jemanden mit der linken Hand zu berühren ng der Achtung des Ge den rechten Arm unters gen übe rs oder damit Essen zu reichen. Zu Festlichkeiten lein verwendet werde tützen, sollte aber niemals albemalen Frauen ihre Hände und Füße mit n. hobenem Zeigefinger Eine Person darf nie mit erHenna. Kunstvolle Blüten, Blumenher mit beleidigt man dieseangewinkt werden. Daranken, Mandalas oder Tiere Person. Heranwinken e echte lien in E dar f ma n n nur a zieren dann die Haut. mit der Schaufel, also Italie keit ist in It e der rt ö h h Ha e ndfl ic g äch ifl e und winkender Bew Handgre cornuta“, die der MetaleG r ie c gun henlan g nach unten hin. no as spra die „Ma Handzeichen, d bekannt ist, gilt sich chliche Vie d Die ß usas Hand. D ene als Teufelsgrudie schon auf etrr und geschri nicht nur auf lfalt bezieh sz , e auf non ebene Sprac gesprochene t und Rock e vulgäre Geste ar. Der Zeigefing spreizt, e w ein g m n b ls e a it de verbale Ko he, sondern und a d n st rt fi u o d räbern zu erden von der FaWerden die „Hör-t, kann nicn berühmten Wmmunikation genauso G n e ch w kis hierzula ht nicht kom orten Watzla sakte. Oder ihr bleibt. e Finger on gezeig der klein der Daumen auf Kopf einer Pers o etwa ein des „V nde und in d munizieren.“ wicks: „Man ls m d a e n d re − r h e wä Zeige- uictory“-Grußeen USA (wohe Während man lich hinte das beim gen wurd ner“ heims, dass sie betrosei. In Italien ist Humor ist kündet, nd Mittelfinges stammt) m r dieser Brauch it heißt die ter“ Ehemann er Scherz. Doch dlich: So Frieden und diese Ger seine Siegess gespreiztem szeiche ste in F ic „gehörn fieren ein üblich iversal verstän rluscon versta sie in G rankreic herheit verFotogra tlich nicht un mier Silvio Be such ri h noch es also echenland G nden wird, sig a offensichierte Italiens Preeinem Staatsbe egenteil sich zu nalisiertls die r rü te ig ü schock al als er bei is c e b k in s e z . M rs u H n h e e ie tz a m lt ch r t in e is ni e bei de bedeutet die n, denn verb gilt em span a n Grie hinter ein Finger hörnte. chen Handhaltun l Hölle!“: „Fahr zur g


Türkei Ein alter Aberglaube in der Türkeieibesagt, dass ein gel Hesteter Schwur durch das g wird. ben des Fußes ungülti beim Also Blick nach unten ar – Feilschen auf dem Baswie denn Füßeheben ist Fingerkreuzen!

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FOKUS Body Bildung – Körperwissen von Kopf bis Fuß im Al- ngenn o h ä c zur L uch die r nd S Engla chen Füßeern auf. Aermaße zu vert u p a t y g roße Körp e tertum bei den Ä die Idee, . Karl der G , und legt se ls n n g a e e Die ‘. n z m t . m u t s e u h s s r d n a e e n n m zu er nn Gru rt ‚gängig r en üb ernung uß da ß zu a Griechg der Entf ngenmaß F igenen Fu Jahrhunde n hatte, w ere . n ä te 9 u ig L n h 1 s ß e s s ic ü a e r f in im t d e M u h n s h e rten, . Leic volk z tische itlicht m noc einhe ie zu erwaschen Rau h das Fuß gebunden r arithme bis zum r e t ic e w e s d u z p e , ihm war im d ach dem taatskör n Reigen asenspit alle nachS N n e l Praxis ngenmaß ne an den England d von seiner itte einma t es dannä is Das L rtlichen Sin inrich I. in n Abstand mfasste. (Beschichte ls Maß zu , e u a ls e im wöte 1011 H ard, das d kten Arms dieser Vorger „Fuß“ rs J. Kölbe h r Y c e i s e it e r a t e B d s auf d thematike rschiedlic w r e ) a g m n s d u e u r z e m a a Willkü en seines e-Arm-Dau , dass kur ion des Mvon 16 unt 16 nennen Daum en – Nas wunderlichder Definit er Länge fußt. Statt er Frauen mach mehr ver mal nach hzehntel d Männern erichte üb cm und nicht ehrt: Dies uf ein Sec stehenden änner, B isst 30,48 ge die rückk den Fuß a reinander n zwölf M aß Fuß m e Fußlän ht der en, hinte reibunge eutige M 8,5 − ein rren erreic groß ere Besch ch. Das h uhgröße 4 nigen He lge entand n gänzli amit Sch sehr we en zufo ußfehle spricht d nur von en Myth um der F ent sächlich estätigt r wieder I. tat d. Unb ies abe Heinrich die t land wir reche d e von Thai gelten her Sicho ge- , sp größ c d s ers. S geln n i l a l a i r a o re p In Thh aus mdes Kör nstands auszuzieunauc er Teil inen A chuhe ochen der e ß Fü rigst lgeme die S gespr nde o ch au al us ied stä es als n zu den es Haus ird als a f Gegen , wenn ungen s g ß u n w i i e a u d t ne e i F t t hör treten r Schri Zeigen dem n Bele über ei ee lsche Das it mste rach Ein b B m r o . b a n . dort v m Ein f nden sche schli olge i aus hen. h empfu er Menine der dote zuf hießere uf einen ückte c c z a m e i k S höfl schlim , stellt ten Ane al eine m Fuß griffen, Mene noch sichtlichbestätig ar einm e mit d fst ange drohen reten, unabEiner un tion sogcher habigt. Zutie benfalls cheine t das dar. he Situa arbesu er geze choss. E uf Geldsdern. Da ist, solc kener Ben Säng e und s n, die a zu hin edruckt trun tretend e Pistol fzufalle fliegen eine g stätsbe auf ser ein ativ au m Weg die Sch n Maje also die en neg sie a s auf lten a e Füße sch wa, um König Verha and di Boden et ld des dieses Thail l am Bi renzt . In stil g eidigung besten alten. l h am

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Körperlandschaften

Licht trifft auf Schatten. Linien kreuzen sich. Hügel erheben sich. Diese Fotos irritieren. Welcher Teil des weiblichen Körpers wird hier gezeigt? Es sind eher Strukturen, die aufeinander treffen. Wie Landschaften. Körperlandschaften. Der weibliche Körper wird nicht ästhetisiert, sondern mikroskopiert. Nicht Harmonie, Schönheit oder Ganzheit werden präsentiert, sondern Körperregionen, die in ihrer entpersonalisierten Körperlichkeit für sich alleine stehen. Die Künstlerin Maren Koncans hat in ihrer Abschlussarbeit im Fachbereich Kunst den menschlichen Körper mit der Fotolinse untersucht.


FOKUS Body Bildung – Körperwissen von Kopf bis Fuß

Maren Koncans hat Sonderpädagogik mit Abschluss Lehramt mit den Fächern Kunst und Deutsch an der Universität zu Köln studiert und im letzten Jahr ihre Abschlussprüfung mit der Note 1,0 bestanden. „Mensch“ lautete der Titel der Abschlussprüfung für das Fachpraktikum Kunst, in dessen Rahmen die Akt-Fotos, von denen einige hier zu sehen sind, ausgestellt wurden. Die 26-Jährige ist derzeit Referendarin an der Heinrich-Böll-Schule in Frechen. In ihrer Freizeit fotografiert

und zeichnet sie mit Begeisterung Portraits. In der Ausstellung kreiste sie um die Frage, „wie man den Mensch neu interpretieren kann.“ Ein bisschen provozieren wollte Maren Koncans damit durchaus auch: „Ich finde der Körper ist etwas ganz Natürliches. Das künstlerisch umzusetzen, hat für mich nichts mit Obszönität oder Sexismus zu tun.“


Das Auge liest mit

Schreibwerkstatt im Female Career Center Texten wie ein Profi – das wollen viele Studierende können. Denn Jobs in der Medienbranche sind begehrt. Im Female Career Center feilten im vergangenen Semester einige Nachwuchsautorinnen mit Trainerin Barbara Dreifert an ihrer professionellen Schreibe. Behandelt wurden zum Beispiel: journalistische Gattungen, Überschriften oder Tipps für den Schreibprozess. Präzise, konkret und verständlich sollten journalistische Texte im Idealfall sein. Hier veröffentlichen wir eine Leseprobe von Michaela Butler in einem Vorher-Nachher-Vergleich.

nachher

mer Spuren der Rö rInnen auf den äologin im Buhlert. le hü Sc r ue ha Monsc mit Arch vorher für ein Projekt Kinder graben Region re ih en r ch tle rs Bu fo hüler er Von Michaela durchbrechen Monschauer Sc Eifeler Bergen rt man aufButler m enwald in den siu hö r nn na de Ta ym ie n w l-G Von Michaela he d ae ho ten Hin un r St. Mich mmen Mitten im dich ein lautes Kratzen die Stille. am Monschaue k in die Arbeit der archä„Frau Butler, ko rbei: he n. oc er tw d nd Ki ek un n oj e Pr vo ng lic r ei lä he nb lk ne hr Ei lt al ei sc in ei n et Ge en ne ie M as s ei og hm de t, om ol ln Im Ra lichkei „Archä ax. Auch Th en und jube hülern die Mög r dem Motto geregte Stimm etwas gefunden“, schreit M .“ – „Aber nein“, erwidert bot sich den Sc alpflege zu nehmen. Unte Jungen aus den Jahrgangsab be Gr ha n ei t ich m m r, d nk im r he un De st e de ichtig nimmt Si ologischen ein, das ist be Weltkrieg in e 17 Mädchen St 2. di rgraben.“ Vors m Pinsel. r m te ve en zu ro tz hr s n fu ha bi ei t er Sc gt ei “ n ne de ei it „Da lie d m an n m ih je t t er unserer Region die Menschen von der Steinz hinterlassen haben und inbestimm nen den und säub was Silke. „Da hat tlich sind. es an Spuren lle aus dem Bo st ihr die Fundstelle einzeich or nd Ke w stufen 5 bis 9, r La nt r de ra it ue ve m ha be sc nd Er Fu on üs he n m M sc t s de gi rs de lo ax ue M äo ng „Z ch Umgebu eses ar e Archäologin. Mitbürger für di z „Halt“, ruft di .“ wieweit sie als nnter Fundplat ka be en er its afi re gr be to n im Alter fo ei und l-Gymnasiums , wie Thema wurde Buhlert“ in der Gemarkung uer St. Michae ührung in das he ha nf m oc e sc Ei „I di tw r on s) n, ek ne M oj au ei s tte Pr dh de ch ha Na eit (Lan Mädchen hmen einer rr die Gelegenh n villa rustica 17 Jungen und ehn Jahren erfahren im Ra dem Motto „A r te einer römische h aufgesucht, wo die Schüle Schule zu waschen und zu Un . ht rz ie ss vie , s au es bi tli en r Tu hn uc nn ra de ze gI tra St n lo in um Pe hvo Simmerat erwiegend meln, später g von Archäo sammen mit nde aufzusam en Funden handelt es sich üb npfeiler und berufliche Allta Region“ untersuchen sie zu Nideggen, r in de e eg pfl al Oberflächenfu te en us serer ndenkm i den aufgeles sowie Hypoka chäologie in un Rheinischen Amt für Bode merath-Strauch. ese Weise besprechen. Be gel (tegulae und imbrices) in Sim eizung. Auf di n beim gi dh ica lo st an zie ru äo W ch la d ch oh Da vil Ar un w n he Be römisc aligen Fußboden einer römische über die ehem buli) für eine gen. In den den Fundplatz nden Hohlziegel (tu r, was die Oberflächenfunde s Tageslicht brin dieser spanne nd ha An le . hü en was sie alles an scherben auch römische en , ht ich gl sc tä ra r er de lernten die Sc ngsplatzes aussagen könn üb i d be n sin ramik lu zeigt, dass es Die SchülerInne n sich neben zahlreichen Ke ziegel für eine Fußbodenum die Rener dieses Sied den jungen Leuten auch ge stapel d Hohl geht, sondern en un “ st r de he ki ile ur uc r“ nd fe w zs tü Fu np g land und habe at us te un ch Erfahr n oder Griechen n. „Ich hätte wie Hypokaus irekt vor der Ha r Ben nicht um „S lie so „d ge l r Ita lo ge ga in äo t zie so ch of e ch Ar n es s Da ho d dass di Arbeit de . Nach de , erzählt Christia ng. „Ich war sc n Geschichte un ittelmeerregion hen Einordund Wandheizu tern antike Stätten besucht“ so etwas finden.“ Genau konstruktion vo t erst beim Urlaub in der M orisc st El hi ch n r au ne re l ei ih fe m Ei itteln. ie it r ch w dort m wir hier in de alpflegerin Petra Tutlies verm der le, Fundmelbeginnt und ni kumentation der Funde so gedacht, dass it en der Fundstel e km Do be ni d hm en Ar er un na nd en g ab aß de m ich un Bo tz gl ch e spre er Schu g möchte di es bei der tä die Schüler üb gesetz informiert. diese Erfahrun jungen Leuten zeigen, dass Rekonstruktion e di nung wurden tz um n hu er sc n nd s Denkmal d „Ich möchte de t um Schatzsuche geht, so r der Haustür beginnt und dungen und da s Interesse un r direkt vo äologen nich ga hülern ein rege f das Schutzch Sc so Ar e n es de di i be ss en und da “. im Hinblick au nblicke weckt von Geschichte laub in der Mittelmeerregion Diese neuen Ei r weitere Diskussionen, auch fassten sich die Schüler in im Ur be st be fü er n e t ra öß on ch st issen führen. da gi ni s An Re us r gaben tigen Erkenntn d anderen ich w fel“. Im Anschl izierten Fundstellen in ihre Ei zu rk nn pa ka ur a. e at rb ld un gebiet „N nen publ ng, Spiele u. chen nach Go scheinbare Sche mit verschiede Religion, Kleidu Plakate, die Selbst eine un gedacht, die Archäologen su e darauf gekommen, dass Gruppenarbeit wie römische Wohnhäuser, ive at rm ni er fo e m in är ist t im w ei rb en „Ich habe aufsammelt. Es gt Celine. „Ich und Sachthem ellten sie in mühevoller Kleina logischen Arbeitsmaterial st Schätzen“, sa und einfache Tonscherben lb n äo le Se st ol ch n. er r tv ar re nd er de m tie w ße in de en ie Abschl ne, Holzkohle n Funden und re Schüler, Eltern und Lehrer und zu dokum afieren. Das ei n de St ne it m ch ich au ze en m zu an m e m gr nd dann zusa he für ande alle kleinen Fu muss man beachten und foto der Projektwoc sehr mühsam, am letzten Tag n im Boden ge n. un de rb ur rfä w .“ Ve llt te dunkle acht Spaß 14, v. a. Schule ausges beit, aber es m pe von 10 bis ist alles viel Ar mer. Dort waeser Altersgrup resse an di te in In n de ei ra 6, ge ins Klassenzim der Archäse ss ck as da rü Kl , r zu te de ig es s ze in t ht da ts unterrich Übung ge Das Projek reits durch skutieren mit des Geschichts der praktischen vorsichtig die Funde und di hüler waren be r dieses ch ar w Na h rc du Da mit dem Beginn imatkunde besteht. Die Sc n aligen Bewohne entart. die SchülerInne ssenschaften über die ehem m d He rn gut informie gion zu senn ku un te he e El Do sc gi n d lo de un äo it g ch m Ar üge e Hinterla r direkten Re der Besprechun n die Schüler Incher und Ausfl ologin, was di eziell in können. Nach r Funde in ihre sp lte fü en g ha Fernsehen, Bü pe ag rie er ss up tk ng el au Gr W nu es te rd motivier eldungen mpfe im 2. en, Siedlungsplatz wie ihrer historischen Eino es leicht, diese e schweren Kä ndstelle, Fundm e an den Spur dingt durch di nahmen der Fu nder schon früh für ihr großes Interess n der Funde so aß n tio m ei tz ch hu au Sc r sibilisieren. Be le er Ki hü , die nen üb zeigten die Sc nen Informatio schutzgesetz. „Es ist wichtig dendenkmalpflegerin. „Auf hat. äologie-AG dieser Region n er hinterlassen s Projektes ist nun eine Arch t die Bo Denkmal hi är s l kl al da er s , tw d de es n“ un re W ng r erlassenschafte ie ltu die de n Resonanz de und der Erha be zu sensibilis Sorge tragen, dass die Hint egt werden.“ Er ive on s sit gi lle po Re re r r ltu de de d ku g r Auf Grun Erforschun nnen wir dafü achtet und gepfl e sich mit der diese Weise kö auch in der Zukunft noch be entstanden, di sst. fa en be hr s rfa be Er Vo r gie-AG n unsere n eine Archäolo archäologische Projektes ist nu d der Erhaltung des s de nz na so positiven Re r Region un Auf Grund der Erforschung de e sich mit der di , en nd ta ts en t. n Erbes befass archäologische

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FEMININ

Barbara Dreifert ist freie Journalistin, PR-Beraterin und Trainerin. Nach einem Volontariat beim Rheinischen Merkur war sie dort sechs Jahre als Redakteurin mit dem Schwerpunkt Sozialreportage tätig. Seit 1990 arbeitet sie freiberuflich für unterschiedliche Zeitungen und Zeitschriften und übernimmt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für einen wissenschaftlichen Verband. Als Trainerin vermittelt sie seit über zehn Jahren ihre Kenntnisse u. a. für die Themen „Pressearbeit“ und „Journalistisches Texten“. www.dreikomm.de

Michaela Butler hat nach dem Abitur und einer kaufmännischen Lehre den Euro-Studiengang „Angewandte Sprachen“ mit dem Schwerpunkt Dolmetschen/Übersetzen in Köln, Aix-en-Provence und London mit einem B.A. with Honours abgeschlossen. Nach einem Magisterstudium in Archäologie an der Universität zu Köln ist sie seit mehr als zehn Jahren als freiberufliche Übersetzerin und Fremdsprachenlehrerin tätig. Seit 2000 engagiert sich die Mutter von zwei Töchtern ehrenamtlich beim Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Derzeit absolviert sie ein wissenschaftliches Volontariat im Römerthermenmuseum Zülpich beim Landschaftsverband Rheinland (LVR). Michaela Butler hat an dem Schreib-Workshop teilgenommen, um wissenschaftliche Aufsätze in Zukunft lebendiger und interessanter gestalten zu können: „Das Female Career Center bietet eine gute Auswahl von Seminaren an, die gerade für Frauen eine gute Bereicherung neben dem Studium und als Vorbereitung für den Beruf darstellen. Frauen sind heute in der Familie und im Beruf mehr gefordert. Oft sind es Kleinigkeiten, die einem den Alltag erleichtern, zum Beispiel ein selbstsicheres Auftreten, eine kräftige Stimme, gezieltes Redetraining und pfiffige Ideen für kreative Texte. All dies kann man in den Seminaren schnell und effizient lernen.“

„Gute Leitung, spannendes Thema, interessante Beispiele, gute Erklärungen.“

Das Female Career Center (FCC) Das Female Career Center (FCC) wurde 2001 von der Gleichstellungsbeauftragten der Universität zu Köln initiiert. Es bietet Studentinnen, Absolventinnen, Wissenschaftlerinnen, Mitarbeiterinnen der Universität die Möglichkeit, ihr fachliches und persönliches Profil gezielt zu erweitern. Die hierfür speziell ausgewählten Seminare ergänzen das an der Hochschule erworbene Wissen um relevante Kompetenzen für eine Laufbahn in der Wirtschaft oder Wissenschaft. Die Referentinnen sind erfahrene und erfolgreiche Expertinnen. Sie vermitteln den Teilnehmerinnen Schlüsselqualifikationen und wertvolles Insiderwissen für das Studium, die Promotion und/oder den Beruf und wirken unterstützend bei der Wahrnehmung und Präsentation individueller Kompetenzen und deren professionelle Umsetzung in möglichen Berufsfeldern.

„Angenehme und konstruktive Atmosphäre.“ Um auf die Bedürfnisse der Zielgruppen (Studentinnen, Absolventinnen, Wissenschaftlerinnen und Mitarbeiterinnen) eingehen zu können, sind die Seminare in vier Module unterteilt. Darüber hinaus gibt es modulübergreifende Seminare wie z. B. „Stimme, Atem und Präsentation“,

„Grenzüberschreitungen im Studium oder am Arbeitsplatz“ oder „Speed Reading“ und seit dem Wintersemester 2010/2011 Seminare in englischer Sprache.

„Die Trainerin war sehr kompetent und aufgeschlossen.“ Zur Förderung weiblicher Führungskräfte an der Universität werden zusätzlich Managementseminare angeboten. Weitere Infos gibt es auf der Homepage der Gleichstellungsbeauftragten: http://www.gb.uni-koeln.de/projekte___angebot/fcc/ KONTAKT Anne Haffke, M.A. Projektkoordination Female Career Center E-Mail: fcc-gb@uni-koeln.de

„Hoher Praxisbezug, guter Seminaraufbau, viele Informationen in kurzer Zeit.“

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In die Gendrobe schlüpfen

Beim ersten Moot Court mit Gender-Schwerpunkt simulierten Studierende der Uni Köln eine Gerichtsverhandlung

17.06.2010, Verwaltungsgericht Köln, Gerichtssaal Nr. 2. Die Akten sind geöffnet, die Fenster verschlossen. Vor den Geräuschen der Großstadt, die draußen nahe am Appellhofplatz pulsiert. Und vor dem Alltag, in dem Blerina Krasniqi keine Robe trägt, keine Mandantin vertritt, keine Juristin ist – noch nicht. Blerina Krasniqi begrüßt das Gericht: „Wir treten mit dem Begehren auf, dass unsere Mandantin zum ehrenwerten Sitzungsdienst in der Staatsanwaltschaft im Rahmen des Rechtsreferendariats zugelassen wird und ihr dieser nicht auf Grund ihres Kopftuches verwehrt bleibt.“ Sie steht an einem Redepult, eine schwarze Robe über der roten Bluse und dem schwarzen Rock, zwei Kolleginnen sitzen neben ihr. Ihre Argumente trägt sie mit ruhiger und klarer Stimme vor. Paragraphen zitiert sie so locker, wie eine Wetterfee ihre Prognosen. Und die hagelt es nun: „Paragraph 30 JAG, Artikel 33 Absatz 2 GG, Landesverfassungsgesetz Artikel 80!“ Die Jurastudentin nimmt an dem ersten Moot Court der Gleichstellungsbeauftragten der Universität zu Köln teil. „In einem Moot Court übernehmen Studierende der Rechtswissenschaft die Rollen der Prozessparteien und verhandeln über einen fiktiven Fall“, erklärt Lea Junghans, selbst Juristin und Projektleiterin vom Büro der Gleichstellungsbeauftragten. Heute: ein Fall zum Kopftuchverbot im Rechtsreferendariat. Die Studierenden übernehmen Rollen und realitätsnahe Fälle, um erste praktische Erfahrungen zu sammeln. „Das Jurastudium ist sehr theorielastig, deswegen ist es toll, dass wir hier echte Praxisluft schnuppern können“, freut sich Blerina Krasniqi. Etwa 30 BesucherInnen verfolgen den simulierten Prozess im historischen Gerichtssaal, der mit seiner stuckverzierten hohen Decke, dem Kronleuchter und den mit rotem Samt gepolsterten Stühlen wie ein eleganter Ballsaal wirkt. Die Prozessbeteiligten haben sich gut eingerichtet: Rechts von der Richterbank sitzt Blerina Krasniqi mit ihrem Team der Klägerseite, links daneben das Team der Verteidigung. Den Vorsitz hat Richter Uwe Sievers vom Düsseldorfer Verwaltungsgericht. Im Jahr 2008 machte er mit einem ähnlichen Fall Schlagzeilen, bei dem verhandelt wurde, ob ein muslimisches Mädchen am Schwimmunterricht teilnehmen muss. Mit zwei Juristen und zwei Schöffinnen, beide Professorinnen mit Gender-Schwerpunkt der Uni Köln, richtet der Vorsitzende aber heute nicht über den

Sachverhalt, sondern über Vortrag, Argumentation, Auftreten und Diskussionsbeteiligung der Jurastudierenden. Ein gerechtes Urteil zu fällen wird schwierig, denn beide Parteien argumentieren auf hohem Niveau. Sie debattieren über die Neutralität des Staates, die durch religiöse Symbole gefährdet werden könnte und darüber, ob in diesem Fall eine Diskriminierung speziell von Frauen vorliegt. Deutsche Gesetze, Gesetze NRW, Verfassungsrecht. Signalrot eingebundene Gesetzesbücher stapeln sich auf den Tischen. Während die einen sprechen, schreibt die Gegenseite eilig Stichpunkte auf, um die Argumente dann beim eigenen Redebeitrag zu zerpflücken. Die Vorträge sind minutiös geplant: 25 Minuten hat jede Seite Zeit, um vorzutragen, dann wird diskutiert. Außerdem werden die Teams noch von Sachverständigen unterstützt. Experten, die Studierende der Humanwissenschaftlichen Fakultät mimen. In den Zuschauerreihen beobachten Eltern, KommilitonInnen und einige Anwälte, wie souverän die NachwuchsjuristInnen hier agieren. Denn das sehen Außenstehende, auch ohne das Verständnis für „mittelbare Diskriminierung“, den „objektiven Empfängerhorizont“ oder die „Ermächtigungsgrundlage“. Nach mehr als einer Stunde ist es soweit, Richter Sievers verkündet: „Wir ziehen uns dann jetzt zur Beratung zurück und werden eine Entscheidung treffen.“ Wie im echten Gerichtsleben − unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Teams warten sichtlich angespannt. „Darauf haben wir ja so lange hingearbeitet“, meint Burcu Cetinkaya vom Team der Klägerseite. Und dann heißt es: Bitte erheben, das Hohe Gericht fällt sein Urteil. Allerdings eines, das sich nicht an den Gesetzen und Paragraphen der Deutschen Justiz orientiert, sondern an der Überzeugungskraft der Teilnehmenden. „Beide Teams waren stark in der freien Diskussion, das gefiel uns sehr gut“, lobt die Jury. Doch ganz knapp gewinnt die Verteidigung, also die Fraktion gegen das Kopftuch. Ein bisschen enttäuscht klatschen die VerliererInnen. Aber Blerina Krasniqi freut sich vor allem, dass sie ihre Anspannung nun mit der Robe ablegen kann: „Es war eine super Veranstaltung!“ Die Akten werden geschlossen, die Fenster endlich geöffnet. Alle wollen nun raus in den Sommertag. Eines hat die junge Jurastudentin in jedem Fall gewonnen: Die Sicherheit, dass aus dieser Simulation einmal Realität werden soll. (AR)

Ge t i s nde r & Diver

Die Juristin Lea Junghans hat im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Gleichstellungsbeauftragten den „Moot Court Gender & Diversity“ auf den Weg gebracht und mit dem Aufbau eines umfassenden Informationsportals zum Thema „studieren, arbeiten und forschen mit Kind/ern“, das für ratsuchende Eltern eingerichtet wurde, die Universität dem Ziel einer familienfreundlichen Hochschule näher gebracht. Mütter und Väter haben diese Information genutzt und konnten sich zusätzlich für ein vertrauliches und unabhängiges Gespräch an sie wenden. Das Cornelia Harte Mentoring Familie ist ein weiterer Baustein auf dem Wege zu einer familiengerechten Universität. Es zielt darauf ab, Frauen und Männer, die hauptverantwortlich Familienarbeit leisten, in ihrer Uni-Karriere zu unterstützen. Die Mittel hierfür wurden von ihr im Wettbewerb „familie@unternehmen.NRW“ eingeworben. Ein universitätsinterner Wettbewerb mit einem Genderschwerpunkt in den Fakultäten ist der „Jenny Gusyk-Preis“, der 2010 erstmalig vom Rektorat ausgelobt wurde. Jeweils zwei vorher festgelegte Fakultäten können sich mit einem Projekt bewerben. Die Gleichstellungsbeauftragte unterstützt das Rektorat bei der Auslobung und der Bewertung der Wettbewerbsvorschläge. Lea Junghans ist inzwischen an eine andere Universität gegangen. Seit Ende des Jahres 2010 hat sie das Amt der Gleichstellungsbeauftragten an der Universität Flensburg übernommen. Nachfolgerin von Lea Junghans ist Maike Hellmig.

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Aktuelle Informationen dazu unter: www.gb.uni-koeln.de


Nachfolgerin von Lea Junghans ist Maike Hellmig. Sie ist ebenfalls Juristin. Bereits während ihrer Ausbildung engagierte sich die Rechtsassessorin Maike Helmig für sozialpolitische Themen, etwa als Redakteurin für das Magazin „ForumRecht“: „Die Erkenntnis, dass die Kategorie ‚Geschlecht‘ sozial konstruiert ist, hat mich in meiner Entscheidung für diesen Beruf in diesem Kontext gestärkt.“ Sie führt alle Projekte von Frau Junghans fort und entwickelt weitere. Der neue Moot Court Gender & Diversity wird „Die ausgebremste Sprinterin“ behandeln. Aktuelle Informationen dazu unter: www.gb.uni-koeln.de


FEMININ

Zuckerschäume und Sprudelkeime: Eine Schülerin im Chemielabor

Ein Erfahrungsbericht über die „Schnupperuni Chemie“ am 16. und 17. September 2010 von Lea Schumacher

Eigentlich habe ich gar nicht damit gerechnet, die Schnupperuni Chemie besuchen zu können − aber nach der Zusage war ich sehr gespannt, was mich erwartet. Ich besuche die 9. Klasse des Paul-Klee-Gymnasiums in Overath, und es war für mich das erste Mal, dass ich allein nach Köln fahren durfte, um das Abenteuer Uni zu wagen. 1. Tag: Als ich in der Universität ankam, war meine Freundin Jessica noch nicht da, weil ich vor lauter Aufregung viel zu früh gefahren war. Als sie und die anderen dann eintrafen, erhielten wir zuerst eine gelbe Mappe mit vielen interessanten Unterlagen (Zeitplan, Essensplan, und viele Informationen über das Fach Chemie). Um 10 Uhr wurden wir von Stefanie Grube, der Projektleiterin der „Schnupperuni“, begrüßt. Sie erzählte uns einiges über die Uni: zum Beispiel, dass die Universität schon 1388 gegründet wurde. Der erste Vortrag über Zuckerschäume wurde von Oleg Klems gehalten. Als erstes zeigte er uns einen Versuch mit Coca-Cola und Mentos. Wenn man ein Mentos in eine CocaCola-Flasche gibt, schäumt sie stark. Es gibt verschiedene Arten von Schäumen: Kugelschaum und Polyesterschaum. Um Schaum zu verfestigen, wird eine Flüssigkeit zwischen Luft eingeklemmt und eine Carboxylatgruppe hinzugegeben. Das war sehr interessant, aber manchmal auch etwas kompliziert für mich. Im zweiten Vortrag von Dr. Volker von der Gönna erfuhren wir, dass in Coca Cola anorganische Chemie drinsteckt. Alle Verbindungen, die keinen Kohlenstoff enthalten, bis auf wenige Ausnahmen, sind anorganisch. Eine dieser Ausnahmen ist Kohlensäure. Der Vortrag war einfach super interessant. Um 12:45 Uhr machten wir uns auf den langen Weg zum gemeinsamen Mittagessen. Das Essen in der Mensa war gut! Der letzte Vortrag für diesen Tag war von Judith Wölk über Keimbildung. Wenn ich etwa meinen Finger in ein Glas mit

Sprudelwasser halte, bilden sich kleine Bläschen (Keime). Dann erzählte sie uns etwas über ihre Arbeit. Jedes Jahr reist sie ungefähr zweimal in die USA, um verschiedene Versuche durchzuführen. Auch hier habe ich sehr gerne zugehört. Danach berichteten einige StudentInnen, wie es ist, an der Uni Köln Chemie zu studieren. Um 16 Uhr war der gemeinsame Ausklang. Der erste von zwei wunderschönen Tagen ging zu Ende. 2.Tag: Zuerst wurden wir natürlich wieder von Stefanie Grube begrüßt. Im Anschluss hörten wir dann einen Vortrag von Gerhard Seibold über Fermentation (Stoffumwandlung durch Mikroorganismen). Mikroorganismen sind beispielsweise Algen, Pilze oder Bakterien. Der letzte Vortrag von Prof. Dr. Bernd Goldfuß handelte von organischer Chemie in Coca-Cola. Im gestrigen Vortrag über anorganische Chemie lernten wir schon, dass alle Verbindungen ohne Kohlenstoff anorganisch sind. Kohlenstoff ist das Element des Lebens. Alle Verbindungen mit Kohlenstoff sind organisch, zum Beispiel auch Zucker, Vanillin oder Zimt. Nach der Mittagspause durften wir dann endlich experimentieren. In Partnerarbeit sollten wir herausfinden, welche Cola-Sorten wir vor uns hatten. Wir untersuchten sie mit unterschiedlichen Verfahren auf ihren Zuckergehalt. Am besten gefiel mir die Fehling´sche Probe. Mein größtes Highlight war die Riesenschaumsäule! Später wurden noch ein paar Schlussworte gesagt, bis wir dann schließlich unsere Urkunden bekamen. Ich habe diese zwei wundervollen Tage sehr genossen und

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mich schon erkundigt, wann es wieder die Möglichkeit gibt, die Uni über die „Schnupperuni“ kennen zu lernen. Mir haben diese zwei Tage viel gebracht − und vor allem haben sie mich für Chemie begeistert. Vielen Dank an alle, die sich so nett um uns gekümmert haben!!! Eure Lea

Lea Schumacher hat mit ihrem Bericht den GPS-Schreibwettbewerb gewonnen. Die Schülerin ist 15 Jahre alt und lebt mit ihren Eltern und zwei jüngeren Schwestern in Lohmar Honrath. Sie besucht die 9. Klasse des Paul Klee Gymnasiums in Overath.

Das Girls‘ProjectScience | Uni Köln (GPS) Als Koordinierungsstelle für Schülerinnen in Naturwissenschaft und Medizin 2001 von der Gleichstellungsbeauftragten der Universität zu Köln initiiert, ist es das Ziel des Girls‘ProjectScience (GPS), den Frauenanteil in mathematisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen nachhaltig zu erhöhen. Die regelmäßigen Veranstaltungen wecken, verstärken und fördern das Interesse an Naturwissenschaften und Medizin bereits im schulischen Kontext – bis hin zur Ermutigung zur Wahl eines naturwissenschaftlichen Leistungskurses und einem anschließenden Studium. Das Programm GPS bietet den Schülerinnen Navigation für spätere Entscheidungen: (neue) Wege werden aufgezeigt und Ziele angepeilt. Das eigene Selbstvertrauen wird gestärkt, vor allen Dingen durch den Kontakt zu anderen naturwissenschaftlich interessierten Mädchen und Studentinnen und durch das Kennenlernen von weiblichen Vorbildern. Zielgruppe sind Schülerinnen der Mittel- und Oberstufe aus Köln und Umgebung. Folgende Termine sind derzeit: • Schnupperuni Chemie für Schülerinnen der Klassen 7 und 8: September 2011 • Schnupperuni Physik für Schülerinnen der Klassen 7 und 8: Oktober 2011 Weitere Infos gibt es auf der Homepage der Gleichstellungsbeauftragten der Universität zu Köln: www.gb.uni-koeln.de/projekte___angebot/girlsprojectscience/ KONTAKT: Anne Schiffmann, M.A. & Isabel Wieschebrink, B.A. Girls‘ProjectScience | Uni Köln E-Mail: girlsproject-gb@uni-koeln.de

Fotos: maike.streit@gb.uni-koeln.de

Service


Die Gleichstellungsbeauftragte der Universität zu Köln

2 Wochen, 5 Erlebniswelten

und ganz viel Spaß an Wissenschaft

Sommerkindercamp 2010 an der Universität Köln Rund 70 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren lernten im diesjährigen Sommerkindercamp der MathematischNaturwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln Wissenschaft spielerisch kennen. Wie bereits in den vorherigen Jahren, fand das Camp in den letzten beiden Wochen der Sommerferien statt. Das Projekt ist in der Fachgruppe Didaktik der Mathematik und der Naturwissenschaften angesiedelt. Es wurde ursprünglich von der Gleichstellungsbeauftragten gemeinsam mit dem Fachbereich der Biologiedidaktik der damaligen Erziehungswissenschaftlichen Fakultät (heute Humanwissenschaftliche Fakultät) initiiert. Das Interesse der NachwuchsforscherInnen für die Fachbereiche Mathematik, Physik, Biologie, Chemie und Geologie wird schon frühzeitig geweckt und gefördert. „Die älteren Kinder werden schon einmal auf das kommende Schuljahr eingestimmt und den zukünftigen Erstklässlern wird die Angst vor dem genommen, was sie in der Schule erwartet“ erklärt Prof. Dr. Axel Klein, der das Sommerkindercamp koordiniert. Die Inhalte, die die NachwuchsforscherInnen in den einzelnen Wissenschaftsbereichen bearbeiten, sind vielfältig und den Altersgruppen entsprechend anspruchsvoll.

Im Mittelpunkt steht dabei die selbstständige Aneignung der Lerninhalte: anfassen, selber machen und Ursachen eigenständig „erforschen“. Während die betreuende Studentin einen Löffel mit einem Eiswürfel über eine Flamme hält, erklärt die junge Nachwuchswissenschaftlerin, was passiert: „Durch die Wärme ändert das Wasser, also der Stoff, seinen Aggregatzustand. Von Eis zu Wasser zu Dampf.“

„Die älteren Kinder werden schon einmal auf das kommende Schuljahr eingestimmt“ In der nächsten Wissenswelt zum Thema Geographie wird derweil ein Landschaftsmodel mit Flussläufen gebaut. In der Physikstunde geht es dann nach draußen zum Drachensteigen. Diese Mischung aus Spaß und Wissen kommt bei den Kindern sichtlich gut an − begeistert präsentieren sie ihre ersten eigenen Forschungsergebnisse. (ju)


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Gender in Bewegung Gender-Themen haben unter Studierenden Konjunktur. Trotzdem muss die Genderforschung Rückschläge einstecken. Von Johanna Böttges

„Gender and Gaming“, „Race, Class, Gender: Identitäre Achsen und deren Verhandlungen im US-amerikanischen Hip-Hop“ und „Neuere Literatur: Femmes fatales, Femme fragiles“ – von solchen Seminarthemen fühlen sich offenbar immer mehr Kölner Studierende und Lehrende angezogen. 41 „Genderspezifische Veranstaltungen“ verzeichnet die gleichnamige Broschüre der Gleichstellungsbeauftragten der Uni Köln für das laufende Semester. In den vergangenen Jahren sind es immer mehr geworden. „Wir können gar nicht mehr alle Veranstaltungen aufnehmen, weil der Platz in der Broschüre begrenzt ist“, erklärt die Projektkoordinatorin Monika Schoop vom Gleichstellungsbüro. „Gender“ bedeutet so viel wie „soziales Geschlecht“. GenderwissenschaftlerInnen betrachten Geschlecht als eine identitätsstiftende Konstruktion, die im sozialen und kulturellen Kontext hergestellt wird. Sie distanzieren sich so von einem biologischen „Geschlechtscharakter“, der Männer und Frauen „von Natur aus“ unterscheidet. „Es geht darum, gegen Stereotype anzuarbeiten und zu kritischem Denken anzuregen“, so Monika Schoop. „Wenn die Leute an der Uni Genderkompetenz erwerben, können sie später am Arbeitsplatz Diskriminierungen aktiv entgegenwirken.“ Gender ist eine Kategorie, die alle Lebensbereiche berührt – und alle wissenschaftlichen Disziplinen. Seit 2006 gibt es darum an der Uni Köln den Interdisziplinären genderorientierten Lehrauftragspool (IGL), den Monika Schoop betreut. WissenschaftlerInnen können sich dort um einen Lehrauftrag bewerben, wenn sie eine fachübergreifende Lehrveranstaltung mit Genderschwerpunkt planen. So soll Gender als Analysekategorie an allen Fakultäten etabliert und mehr Studierenden zugänglich gemacht werden. Das Interesse ist da – auch bei Studierenden der nicht geisteswissenschaftlichen Fakultäten, wo das Angebot an genderbezogenen Veranstaltungen bislang dürftig ausfällt. Es gebe immer wieder Anfragen von Studierenden anderer Fakultäten, die an Genderveranstaltungen

der Philosophischen oder Humanwissenschaftlichen Fakultät teilnehmen möchten, weiß Monika Schoop. Interdisziplinäre Angebote kommen gut an. Im vergangenen Sommersemester präsentierte darum erstmals eine Ringvorlesung aktuelle Fragen der Genderforschung in verschiedenen Disziplinen: Beeinflusst das Geschlecht die medizinische Behandlung? Wie viel subversives Potential bergen Komödien wie Verrückt nach Mary? Im Wintersemester steht die interdisziplinäre Veranstaltungsreihe zur Genderforschung unter dem Motto „Gender & Science“. Ziel ist es, zu zeigen, dass sich Genderforschung und „objektive“ Naturwissenschaften keineswegs ausschließen – sondern im Gegenteil vielversprechend ergänzen können. Mit solchen interdisziplinären Veranstaltungen will die Gleichstellungsbeauftragte auch die Vernetzung der Kölner GenderwissenschaftlerInnen fördern. „Im Moment hängt das Angebot an Einzelpersonen“, bedauert Monika Schoop. Ein interdisziplinäres Zentrum für Genderforschung ist geplant. Auch bundesweit gibt es widersprüchliche Entwicklungen. So werden etwa Emeritierungen gern dazu genutzt, Genderschwerpunkte zu streichen, wenn die Professur neu ausgeschrieben wird. „Aber es gibt auch Neukonzeptionen“, sagt Beate Kortendiek vom Netzwerk Frauenforschung NRW. So habe man an der Uni Aachen kürzlich zwei neue Gender-Professuren eingerichtet. Die Gender Studies bleiben eben Gegenstand ständiger Auseinandersetzungen. „Es ist ein Feld in Bewegung“, betont Beate Kortendiek. „Aber wir sind immerhin so weit, dass Genderaspekte nicht mehr ausgeblendet werden können.“ Mit freundlicher Genehmigung der philtrat, der Zeitung der StudentInnenschaft der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln.

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Im Gespräch „Persönliche Sympathie und berufliche Anknüpfungspunkte sind wichtig.“

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Seit 2001 unterstützt und fördert das Cornelia Harte Mentoring 2001 (CHM2001) Kölner Studentinnen in der Endphase ihres Studiums und Doktorandinnen der Universität zu Köln auf ihrem individuellen Karriereweg. Für die Personalentwicklung ist Mentoring heute in vielfältigen Formen ein etabliertes und profiliertes Instrument, das auf dem Kontakt und Austausch zwischen einer berufserfahrenen Person und einer Berufseinsteigerin/einem Berufseinsteiger basiert.

Grundlage des von der Gleichstellungsbeauftragen der Universität zu Köln initiierten und organisierten Mentoring-Programms ist die Zusammenführung mit einer Mentorin aus dem von der Mentee angestrebten Berufsfeld. Die Genia lud zwei Mentees zum Gespräch ein, um sie zu ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit dem CHM2001 zu befragen. Clara Losleben (CL)* promoviert im Bereich Betriebswirtschaftlehre, Sophia Ringel (SP)*steht kurz vor ihrem Abschluss im Fachbereich Regionalwissenschaften. Das Interview führte Juliane Ungänz. Genia: Was hat Sie dazu bewogen, am Cornelia Harte Mentoring teilzunehmen? SR: Der Impuls kam spontan. Ich habe mich beworben, weil ich finde, dass Frauen solche Angebote nutzen sollten, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Außerdem überzeugte mich, dass die Mentorinnen ganz individuell für jede Mentee gesucht und angefragt werden. CL: Bei mir war das ganz ähnlich. Ich habe davon gehört, mich informiert und sofort begonnen, meine Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen. Es war schlicht eine dieser Chancen, die du einfach nutzen musst. Genia: Das Prinzip des Mentoring war Ihnen also schon bekannt? Hatten Sie dann spezielle Erwartungen oder Ansprüche an das CHM-Programm? CL: Mentoring war mir durchaus ein Begriff. Gerade im BWL-Bereich gibt es da ja verschiedene Angebote. Daher hatte ich eine grobe Vorstellung. Die Erwartungen bildeten sich heraus, als ich die Bewerbungsunterlagen bearbeitete. Da habe ich doch sehr genau überlegt, wer ich eigentlich bin, was für Ziele ich habe und wer ich werden möchte. CL: Ja, genau. Diese Selbstreflexion ist schon sehr hilfreich. Und da man darüber nachdenkt, wen man als Mentorin möchte, erhält das noch eine weitere Ebene. Eine kritischere. Man geht für einen Moment von sich selbst weg. Denn wenn man eine Vorbildfigur sucht, landet man automatisch doch wieder bei sich. Den eigenen Stärken, Schwä-

chen und Träumen. Und es geht eben auch darum, nicht nur zu überlegen, was man will, sondern auch, wie man das formuliert. Man bewirbt sich ja mit dieser „Selbstreflexion“. Also liest man sich das noch mehrmals durch und erkennt so, dass Sachen herausstechen, die einem erst gar nicht so wichtig erschienen.

„Die Kommunikation mit den anderen Mentees gibt wirklich viele Einblicke und Anregungen“

Genia: Sind dabei dann auch Fragen aufgekommen, die Sie anfangs nicht bewusst beschäftigt haben? CL: Bei der Bewerbung war ich mir sehr sicher, was beziehungsweise wen ich will und habe in erster Linie versucht, diese Person dann in einem fiktiven Anschreiben von mir zu überzeugen. Aber bei den Treffen mit den Mentees merkte ich, dass mich viele Fragen der anderen Teilnehmerinnen auch angehen. Die Mentees befinden sich alle in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Das regt dazu an, auch mal über ganz andere Themen nachzudenken. SR: Die Kommunikation mit den anderen Mentees gibt wirklich viele Einblicke und Anregungen. Schon beim ersten Treffen zeigte sich eine super Gruppendynamik. Es ist sehr angenehm, wie gut sich alle Teilnehmerinnen verstehen. Durch den Altersunterschied und die verschiedenen Karrierebereiche entstehen immer wieder spannende Gespräche. So bin ich mit Wissenschaftsgebieten in Kontakt gekommen, die mir sonst völlig verschlossen geblieben wären. Außerdem ist sehr interessant zu hören, wie unterschiedlich schwierig es ist, Beruf und Familie je nach Fachgebiet miteinander zu verbinden. CL: Ja, und du kannst direkt beobachten, wie der Entschei-

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dungsprozess und Findungsprozess bei den anderen verläuft. Genia: Macht es sich denn bemerkbar, dass das Mentoring nur für Frauen konzipiert wurde? CL: Ja, schon. Gerade bei den Mentee-Treffen ist das sehr von Vorteil. Für das Mentoring selbst ist es passend, gerade wenn die Fragen, die dich interessieren, eher frauenspezifisch sind, aber man könnte sich natürlich statt einer Mentorin auch einen Mentor suchen. Hier spielt das Geschlecht dann eine andere Rolle. Während der MenteeTreffen besprechen wir aber oft ganz klar frauenrelevante Probleme, wie unsere Erfahrungen zu Geschlechterunterschieden im Berufsalltag. In der Gruppe herrscht einfach eine Offenheit, die meines Erachtens nicht vorläge, wenn es sich um eine gemischte Gruppe handeln würde.

„Das Schwierigste kommt erst nach der Bewerbung“ Genia: Wie genau war der Ablauf des Mentorings bei Ihnen? SR: Das Schwierigste kommt erst nach der Bewerbung. Du hast dich mit dir selbst auseinander gesetzt, dir Gedanken über die eigene Perspektive gemacht und dir überlegt, wie die Mentorin sein soll. Und dann beginnt die Suche nach genau dieser Person. Wenn du schon vorher jemanden im Auge hattest, die genau den eigenen Vorstellungen entspricht, muss ja auch die Person damit einverstanden sein. Die Bereitschaft ist eine wichtige Grundlage. Sollte diese nicht vorliegen, geht es eben wieder von vorne los und dann vergeht wieder Zeit für eine Umorientierung und erneute Suche. CL: Ein kritischer Faktor ist einfach nur die Zeit. Zeit, um die passende Mentorin zu finden. Zeit, um die Kontaktaufnahme zu realisieren und dann Zeit, um einen Termin zu vereinbaren. Die Mentorinnen sind voll in ihrem Berufsalltag eingebunden und da dauert es natürlich eine Weile, bis sich ein Termin findet. Und die Orientierung fällt gar nicht so einfach. Welche Mentorin passt am Besten auf die eigenen Vorstellungen? Namen dazu findet man ja nicht einfach so im Internet. Genia: Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre Mentorinnen ausgewählt?

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CL: Persönliche Sympathie und berufliche Anknüpfungspunkte sind wichtig. Eben darum dauert die Suche manchmal wirklich lange und ist alles andere als einfach. Du suchst ja eine bestimmte Persönlichkeit. Und mit den doch wenigen Informationen, die du am Anfang hast, ist das gar nicht so einfach. SR: Ja, das ist wirklich das Schwierigste. Ich habe eine kleine Tochter und wollte deswegen am liebsten eine Mentorin, die auch schon während ihres Studiums ein Kind bekommen hat. Und dann soll der Karriereverlauf natürlich passen. Das sind viele Punkte, die zusammen kommen müssen. Genia: Wenn die Mentorin dann gefunden ist, steht das erste Kennenlern-Treffen an. Wie verlief das? SR: Das erste Treffen mit meiner Mentorin war wirklich sehr nett. Ich habe natürlich versucht, mich mit meinen Fragen erstmal etwas zurückzuhalten. Ich hatte vorab schriftlich Fragen formuliert und ihr zukommen lassen, wobei für mich das Herantasten und Kennenlernen am wichtigsten war. Ich wollte nicht mit der Tür ins Haus fallen. Meine Fragen zielten in erster Linie auf ihren Lebensweg ab. Also habe ich mich meiner Mentorin einfach vorgestellt. Wer ich bin, was ich so mache, was mich interessiert und was meine Ziele sind. Auch sie hat ein bisschen was über ihr Leben erzählt. Genia: Wie formell oder informell ist der Umgang miteinander zwischen Mentee und Mentorin? SR: Das hängt wohl ganz von den jeweiligen Personen ab. Ich habe von einer anderen Mentee gehört, dass ihre Mentorin sehr organisiert und ergebnisorientiert ist. Entsprechend verlaufen die Gespräche da so, dass beide wirklich sehr konkret an Fragen und Problemen arbeiten. Bei anderen ist es persönlicher. Natürlich interessiert einen oft mehr, als man sich direkt zu fragen traut. Schließlich geht es ja nicht nur um einen bestimmten Beruf, sondern zum Beispiel auch darum, wie sich Familie und Beruf vereinen lassen und wie dann der Tagesablauf aussieht. Ich wollte wissen, wo da die kritischen Punkte sind. Genia: Erfüllt der Eindruck, den sie vom Leben und Arbeiten Ihrer Mentorin haben, Ihre Erwartungen daran, wie es bei Ihnen selbst später laufen könnte? Werden bestehende Befürchtungen vielleicht gestärkt oder ausradiert? SR: Ja und nein zugleich. Die Realität ist ja nun einmal oft härter, als die eigene Vorstellung. Einerseits bewunderst


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du die Mentorin dafür, wie sie das alles schafft, andererseits fragst du dich aber auch, ob du das genauso machen willst oder musst. Denn natürlich kannst du an einer Mentorin auch sehen, was aufgegeben werden muss, um alles – wie Familie und Karriere − unter einen Hut zu bekommen. Das und wie sie es trotzallem geschafft hat, ermutigt aber auch, sich selbst weiter anzustrengen. Denn das zeigt ja, dass es für Frauen immer noch schwer sein kann, in bestimmten Berufsfeldern aufzusteigen und zugleich für die Familie da zu sein, aber dass es nicht unmöglich ist. Durch den Austausch mit der Mentorin erfährst du ganz konkret, wie sich alles vereinbaren lässt. Es sind eben genau diese

persönlichen Erfahrungen und Tipps von denen man am meisten profitiert. Dinge und Ratschläge, die man nicht in Büchern, Berufsberatungsgesprächen oder dem Internet findet, sondern nur im Dialog.

*Auf Wunsch der Interviewteilnehmerinnen wurden ihre Namen von der Redaktion zum Schutz ihrer Privatsphäre und der Privatsphäre der z. T. prominenten Mentorinnen geändert.

Das Cornelia Harte Mentoring Spektrum Mentor, der; -s,-en. aus dem Griechischen. In der griechischen Mythologie taucht der Mentor in Homers Odyssee auf. Athene zeigt sich, während Odysseus auf zehnjähriger Irrfahrt ist, dessen Sohn Telemachos in Gestalt des Mentors, um ihm zu helfen und ihn zu beraten. Entsprechend steht der Begriff auch heute noch für einen erfahrener Berater bzw. Ratgeber

MENTORING – beidseitiger benefit Mentoring beschreibt ein Instrument, das heute vielfältig zur Personalentwicklung und Nachwuchsförderung, in Unternehmen und im Wissenschaftsbereich genutzt wird. Eine erfahrene Person, die Mentorin bzw. der Mentor, gibt Fachwissen und persönlichen Erfahrungsschatz an eine/einen Mentee – im Fall der Cornelia Harte Mentorings eine Nachwuchswissenschaftlerin weiter. Das Verhältnis zwischen Mentorin/Mentor und Mentee zeichnet sich durch gegenseitiges Geben und Nehmen aus. Die Mentee wird in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung beraten, unterstützt und gefördert. Die Mentorin/der Mentor erhält neue Anregungen vom akademischen Nachwuchs, einen Einblick in die aktuelle Forschung und die Möglichkeit dadurch über die eigene Arbeit und Ziele zu reflektieren. Nicht nur zwischen Mentorin/Mentor und Mentee entwickelten sich Kooperationsmöglichkeiten, sondern darüber hinaus entsteht ein Netzwerk aus Mentorinnen/Mentoren und Mentees. Es gibt heute eine Vielzahl von Mentoring-Programmen und –Formen: interne – wobei Mentorin/Mentor und Mentee im selben Unternehmen beschäftigt sind –, als auch externe, organisationsübergreifende, individuelle Mentorings (gekennzeichnet durch eine reine one-to-one Beziehung), Team-Mentorings (wobei eine Mentorin/ein Mentor eine Gruppe von Mentees begleitet) und viele weitere. DIE CORNELIA HARTE MENTORING PROGRAMME – Vielfalt für Erfolg Namensgeberin der Mentoring-Programme der Gleichstellungsbeauftragten ist Prof.‘ Dr.‘ Cornelia Harte (gest. 1998), die als erste Frau 1951 einen Ruf an die Universität zu Köln und später hier auch die erste ordentliche Professur erhielt. Die Programme richten sich an eine ausschließlich weibliche Zielgruppe. Über das Schülerinnen Mentoring Physik werden junge Frauen an Berufsfelder im naturwissenschaftlich-technischen Bereich Physik herangeführt. Das Cornelia Harte Mentoring 2001 richtet sich an Studentinnen und Doktorandinnen aller Fachrichtungen, die zur Zeit der Bewerbung an der Universität zu Köln immatrikuliert sind. Promovendinnen in der Endphase der Promotion, Postdocs und Habilitandinnen unterschiedlicher Wissenschaftsbereiche bietet das Cornelia Harte Mentoring PRO u. a. Coachings mit karriererelevanten Schwerpunkten. Das Cornelia Harte Mentoring PRO med ist auf die Ansprüche von Postdocs, Habilitandinnen und Leiterinnen von Forschungsgruppen in der Medizin ausgerichtet. Nicht fachspezifisch, dafür lebenssituationsspezifisch, wurde das Cornelia Harte Mentoring Familie konzipiert. Es wird forschend begleitet und unterstützt somit nicht nur die individuelle Situation von Berufstätigen mit Familienpflichten, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, sondern erforscht dabei strukturelle Problemstellen, um Lösungen aufzuzeigen. Das Cornelia Harte Mentoring MINT ist ein Mentoring-Programm mit dem Ziel der Erhöhung des Frauenanteils in MINT-Berufsfeldern und der Unterstützung der Karriereplanung von Frauen im MINT-Bereich. Zielgruppe sind Studentinnen und Doktorandinnen der Universität zu Köln mit Studium an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät oder, bei vorliegendem Interesse an einer beruflichen Perspektive im MINT-Bereich, der Disziplinen Jura und Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Alle Cornelia Harte Mentorings werden von einer Koordinatorin betreut. Die Mentorings sind jeweils zeitlich begrenzt. Ausführliche Informationen zu allen Cornelia Harte Mentorings, sowie zu Bewerbung und Kontakt, erhalten Sie auf den folgenden Seiten und jeweils aktuell auf der Homepage der Gleichstellungsbeauftragten: www.gb.uni-koeln.de

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Ungeniert

(Ge)schlechter Nachgeschmack

Die Kolumne

Die Generation „Du bist, was du isst“ ernährt sich nicht nur gesund, ausgewogen und umweltbewusst − sondern auch geschlechterkonform. Neben Gesundem und Genussvollem landen in unseren Einkaufskörben immer häufiger Artikel, die nicht nur auf den individuellen Geschmack, sondern auch auf unser Geschlecht verweisen.

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Analogkäse für das „Prekariat“, günstig für einige Cent in der Kilogrammpackung und Mini-Brokkoli, als SinglePortion zu drei Euro für TopverdienerInnen. Oder gibt es das etwa auch schon? (ju)

Food und Gender andersherum gedacht Weitläufig halten sich bis heute Mythen darüber, dass bestimmte Nahrungsmittel das Geschlecht ungeborener (und sogar noch nicht gezeugter) Babys beeinflussen würden oder, dass sich das Geschlecht des Kindes an den Ernährungsvorlieben der Mutter während der Schwangerschaft ablesen ließe. Und auch hier wird Weiblichkeit mit süßem und Männlichkeit mit saurem oder herzhaftem Geschmack in Verbindung gebracht. Werdende Mütter, die Fleisch bevorzugen, sind nach diesem Aberglauben „empfänglicher“ für Söhne. Wer sich eine Tochter wünscht, sollte noch vor der Empfängnis viele Milchprodukte zu sich nehmen – etwa Yoghurt und Eiscreme. Also genau das, was schon im Supermarkt eher in Rosa- und Pastelltönen daherkommt. Wissenschaftliche Belege gibt es für diese Experimente zur Beeinflussung des Geschlechts bis heute nicht.

Infografik: maike.streit@gb.uni-koeln.de

Gender Food sind Produkte, die es eigentlich schon gibt. Alltags- und Genussprodukte vom Wasser, über Bier und Cola, bis hin zur Schokolade. Letztere läuft bei einem großen Schweizer Schokoladenhersteller einmal in blauer und einmal in rosa Verpackung vom Band. Drin steckt in beiden Fällen die gleiche, zugegeben leckere, Mischung aus Milch, Fett und Kakao. Die blauen Tafeln sind jedoch für „kleine Ritter“ bestimmt, während die rosa Tafeln „kleinen Prinzessinnen“ gereicht werden sollen. Hier zeigt sich die Innovation des Gender Foods. Denn neu ist in erster Linie die Zielgruppenpositionierung. Ganz schön alt sind dabei die stereotypen Vorstellungen über die Wünsche und Bedürfnisse der Geschlechter. Zuckerfreie Cola in Grau und Pink für figurbewusste Frauen und zuckerfreie Cola für „echte“ Männer mit „echtem Geschmack“ in Schwarz. Dabei verspricht der Kauf nicht immer nur Lifestyle, sondern zum Teil auch geschlechtergerechte Nährstoffe. So informierte unlängst eine große Supermarktkette in einem kostenlosen Sonderheft darüber, dass zum Beispiel Soja „das Frauenfood schlechthin“ sei, weil die enthaltenen Phytoöstrogene regulierend auf den Hormonhaushalt wirkten. Ob die Wirkung der pflanzlichen Östrogene krebsvorbeugend oder -fördernd ist, darüber wird in der Krebsforschung jedoch noch gestritten. Männerlebensmittel seien hingegen besonders häufig cholesterinsenkend (Omega-3-Fettsäuren) oder potenzfördernd (Folsäure). Moment mal: Folsäure? War die nicht auch für die Schwangerschaft so wichtig? Oh, wie schön − dann müssen wir nun doch keine Trennlinie durch den Kühlschrank ziehen und können ab und zu sogar gemeinsam essen. Denn Folsäure und all die anderen Wirkstoffe für ein gesünderes, ein längeres, ein glücklicheres Leben waren immer schon in unseren Lebensmitteln enthalten. Aber auch bei Kolumbus hat es ja bekanntlich eine Weile gedauert, bis Zweifel an seiner „Entdeckung“ der „neuen“ Welt aufkamen. Und so wird sich auch Gender Food halten, bis wir unseren Blick auf etwas noch „Neueres“ richten. Wie wäre es zum Beispiel mit Class Food? Nicht für Schulklassen, sondern


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Weibliche Führungskräfte fördern und fordern Im November 2010 startete erstmalig die neue, innovative Seminarreihe „Managementprogramm für Professorinnen und weibliche Führungskräfte der Universität zu Köln“ des Female Career Centers. Elf Professorinnen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen erarbeiteten, trainierten und evaluierten in dreizehn Terminen individuelle Stärken, Schwächen, Chancen und Herausforderungen weiblicher Führungskräfte im Wissenschaftsbetrieb. Erfahrene Trainerinnen begleiteten die unterschiedlich strukturierten Termine. Der lange Seminarzeitraum – die letzten Veranstaltungen fanden am 18.02.2011 statt – ließ die Auseinandersetzung mit vielfältigen Themen zu, ermöglichte den Teilnehmerinnen die individuelle Weiterentwicklung und gab Zeit und Raum für einen der Schlüsselaspekte von Führung und Management, dem Netzwerken. „Netzwerke sind wichtig als Instrument zur Stärkung der Position von Führungskräften. Sie ermöglichen nicht nur einen interdisziplinären Austausch fachlicher Inhalte, sondern beinhalten das gesamte Erfahrungswissen der Teilnehmenden, welches gewinnbringend – auch die eigene Position stärkend – genutzt werden kann.“ erklärte Frau Dr.‘ Heidrun Fußwinkel, die Gleichstellungsbeauftragte der Universität zu Köln, in ihrer Begrüßungsrede zum Seminarauftakt. Die Gleichstellungsbeauftragte initiierte das Managementprogramm. Die Finanzierung des Programms wurde möglich durch das erfolgreiche Gleichstellungskonzept der Gleichstellungsbeauftragten im Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder. (ju) Aktuelle Informationen auf: www.gb.uni-koeln.de KONTAKT

Anne Haffke, M.A. Projektkoordinatorin Tel.: +49 (221) / 470 4830 Fax: +49 (221) / 470 5138 E-Mail: fcc-gb@uni-koeln.de www.gb.uni-koeln.de

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Gehaltsverhandlungsstrategien für Frauen 80% aller Kaufentscheidungen werden von Frauen getroffen. Sie stellen die Hälfte der Weltbevölkerung dar und verdienen doch deutlich weniger als Männer – obwohl Unternehmen glaubhaft versichern, dass sie Frauen und Männer gleich entlohnen. Was entspricht nun der Wahrheit? Sind die Statistiken gefälscht, reden die Unternehmen vorhandene Ungerechtigkeiten schön – oder ist die Ursache für die Gehaltsunterschiede bei den Frauen selbst zu suchen, die viel seltener als Männer nach einer Gehaltserhöhung Von Melanie Vogel fragen? Simone Denzler, Journalistin und Leiterin Kommunikation beim Equal Pay Day, sieht vielfältige Ursachen für die ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen. „Der Entgeltunterschied zwischen Frauen und Männern liegt seit Jahren bei etwa 23 Prozent. Selbst bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit verdienen Frauen durchschnittlich 8 Prozent weniger als Männer. Frauen arbeiten allerdings häufiger in Bereichen, in denen das Entgeltniveau niedriger ist und man muss immer wieder feststellen, dass typische Frauenberufe schlechter bewertet und bezahlt werden.“ Und ob mit oder ohne Familie und beruflicher Unterbrechung, Frauen versäumen zu oft, in Gehaltsverhandlungen geschickt zu taktieren. Bescheidenheit ist in Gehaltsverhandlungen keine Tugend, denn die führt dazu, dass sich Frauen mit einem niedrigeren Gehalt abspeisen lassen – vor allem auch deshalb, weil sie oft nicht wissen, was Männer in einer ähnlichen Position mit ähnlichen Qualifikationen verdienen, weiß die Journalistin. „Es fehlt an Transparenz“, kritisiert sie und rät dazu, dass Frauen sich bei der Information über bestehende Gehälter nicht an den meist niedrigeren Gehältern anderer Frauen orientieren, sondern an den Gehältern von Männern in vergleichbaren Positionen. Cécile Dutheil-Taimanglo, HR Directorin der Eaton Industries GmbH, hat “Fünf Schlüssel zum Erfolg” zusammen gestellt, die Frauen helfen, sich optimal auf die Gehaltsverhandlung vorzubereiten:

1. Schlüssel: Die Vorbereitungsphase Hier geht es nicht um die Frage „Was will ich?“ oder „Was hätte ich gerne?“, sondern um meinen Wert auf dem Markt für eine definierte Position, in einem bestimmten Industriezweig oder Sektor oder in einer ausgewählten Region. Entscheidend sind dabei die Kompetenzen und Potentiale, die ich als Bewerberin und potentielle Mitarbeiterin heute und morgen einem Arbeitgeber anbieten kann. Das bedeutet in der Konsequenz: Recherchieren Sie zuerst Ihren Marktwert zum Beispiel über http://www.lohnspiegel.de/main/ frauenlohnspiegel. Das Internet ist eine gute Quelle für Ihre Datensammlung, aber kann nur eine erste Orientierung liefern. 2. Schlüssel: Der Benchmark Vergleichen ist gut und wichtig, aber am Ende zählt: Sie sind einzigartig! Ihre Persönlichkeit, Ihr Engagement, Ihre Motivation und Begeisterung sowie Ihre Fähigkeiten sind Eigenschaften, die ein Gehaltsvergleich nicht reflektieren kann. Deshalb „verkaufen“ oder „vermarkten“ Sie Ihre Individualität und Besonderheiten an den neuen potentiellen Arbeitgeber, bevor die Gehaltsverhandlung ins Rollen kommt. Ihr Gesprächspartner soll von Ihnen so begeistert sein, dass die Vergütung nur noch eine Nebenrolle spielt.

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3. Schlüssel: Die Argumente Liefern Sie dem potentiellen Arbeitgeber Argumente dafür, dass er Sie zu dem von Ihnen gewünschten Preis (= Gehalt) einstellt. Beantworten Sie ihm – am besten ungefragt – folgende Fragen: • Was biete ich an? Warum bin ich die Richtige für diese Position? Was macht mich einzigartig? Warum würde die Firma einen Fehler tätigen, wenn sie sich nicht für mich entscheiden würde? Doch nicht nur Sie selbst und Ihr Können stehen im Mittelpunkt, sondern auch Ihre zukünftige, angestrebte Beziehung zu Ihrem Arbeitgeber. Finden Sie Antworten auf folgende Fragen: • Wer ist mein(e) künftige(r) ArbeitgeberIn? Was weiß ich über ihn? Warum würde die Chemie passen? Welche Kultur- und Wertesysteme prägen das Unternehmen? 4. Schlüssel: Die Strategie Sie kennen Ihren Marktwert - Minimum und Maximum. Jetzt definieren Sie Ihre Schmerzgrenze: Unter diese Linie dürfen Sie absolut nicht rutschen. Personaler werden Ihre Verhandlungskompetenzen und Fähigkeiten natürlich unter Feuer setzen. Dies ist auch gut so, denn in der Zukunft werden Sie täglich für Ihren Arbeitgeber das Beste geben. Verhandeln ist gut, wenn man weiß, was man will und realistische Erwartungen stellt. Seien Sie selbstbewusst. Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Sollten Sie eine Stelle unter Ihrer selbst definierten Schmerzgrenze unterzeichnen, werden Sie vom ersten Tag an nicht mit vollem Herzblut und Engagement bei der Sache sein. Langfristig werden Sie unglücklich und der neue Arbeitgeber auch. Keine gute Perspektive für eine langfristige Karriereentwicklung. 5. Schlüssel: Der Abschluss Heutzutage sind Nebenleistungen fast wichtiger als das Grundgehalt (Hinweis: Gute Firmen haben eine solide Gehaltsstruktur). Je nach Position gehören zu den Nebenleistungen Laptop, Firmenhandy, Weiterbildungsmaßnahmen, Firmenwagen oder Erfolgsbeteiligungen und können eine bedeutende Rolle spielen, wenn es um die Gewinnung von (weiblichen) Talenten geht. Fragen Sie einfach auch nach modernen Konzepten wie Mentoring/ Coaching für Frauen, sozialen Angeboten wie Zuschuss zu Kindergarten, Kinderkrippe oder nach Sport- und Freizeitangeboten. Sie beweisen hiermit erneut Ihr Interesse für die Firmenkultur.

Die women&work, Deutschlands größter Messe-Kongress für Frauen, fand erstmalig am 14. Mai 2911 von 10-19 Uhr im Plenargebäude in Bonn statt. Einige tausend top qualifizierte Frauen reisten aus ganz Deutschland und dem anliegenden Ausland an, informierten sich an den Messeständen der 60 Unternehmen, nutzten die Beratungsangebote auf der Karrieremeile und informierten sich in Vorträgen und Workshops über Karriereperspektiven und Qualifizierungsmöglichkeiten. Die nächste women&work wird am 5. Mai 2012 stattfinden.

Und ein Tipp zum Schluss: Sollte von der/ von dem PersonaleiterIn die „Colombo Frage“ kommen: „Warum sollen wir Sie einstellen?“, nutzen Sie die Technik des „Elevator Speech“. Seien Sie bereit, in zwei Minuten mit voller Begeisterung Ihren Gegenüber zu überzeugen. Sie dürfen sich weder über Wert, noch unter Wert verkaufen. Sie vermarkten Ihre Fähigkeiten und Persönlichkeit, und wenn Sie den Job wirklich wollen, sagen Sie es, aber bleiben Sie immer authentisch!


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Gender im Fokus Das Online-Journal Gender Forum feiert die 30. Ausgabe Literatur, Politik, Medizin: Das Online-Journal Gender Forum ist in vielen Fachrichtungen zu Hause. Viermal im Jahr diskutieren WissenschaftlerInnen unterschiedlichste Themen vor dem Hintergrund der Geschlechterforschung. Ende 2010 erschien mit „De-voted. Gender and Politics“ bereits die 30. Ausgabe – online frei zugänglich unter www.genderforum.org. Von Sebastian Schulz

Gegründet wurde das Gender Forum im Jahr 2002 von Prof.‘ Dr.‘ Beate Neumeier vom Englischen Seminar der Universität zu Köln, die sich gemeinsam mit einem Kollegium internationaler HerausgeberInnen um die Themenauswahl und Umsetzung kümmert. „Wir verfolgen einen internationalen Ansatz. Daher erscheint Gender Forum auf Englisch und im Internet. So ist die Zeitschrift immer allen zugänglich“, erläutert Beate Neumeier. Außerdem biete das Internet den Leserinnen und Lesern weitere tolle Möglichkeiten: „Wir sind zum Beispiel mit unserer umfassenden Gender-Datenbank gender Inn und anderen Seiten zum Thema verlinkt. So haben Sie schnell Zugriff auf Informationen, was die eigene wissenschaftliche Recherche und Arbeit enorm erleichtert.“ Wissenschaftlichen Austausch fördern Der Begriff „Forum“ kommt nicht von ungefähr: Der virtuelle Raum soll dazu anregen, Schranken abzubauen, sich untereinander zu vernetzen und auszutauschen. Dazu gehören auch Maßnahmen, die auf den ersten Blick eher ungewöhnlich für eine akademische Fachzeitschrift sind. So gibt es zum Beispiel seit kurzem eine Facebook-Seite von Gender Forum. Dazu Tobias Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof.‘ Beate Neumeier und im Redaktionsteam von Gender Forum: „So gut wie alle Studierenden und auch viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind bei Facebook angemeldet. Dort können sich gender-interessierte Nutzer und Nutzerinnen mit uns verlinken und bekommen so ständig aktualisierte Informationen zu unserem Journal. Außerdem kann schnell und unkompliziert mit uns Kontakt aufgenommen werden.“ Zudem wurde kürzlich die Webseite des Journals um eine Gender Studies Research List (gsrl) ergänzt. Dort können WissenschaftlerInnen eigene Forschungsprojekte eintragen und nach Leuten suchen, die im gleichen Bereich forschen. Das Profil von Gender Forum als einem modernen wissenschaftlichen Journal spiegelt sich in dem runderneuerten

Layout der Webseite. Hier lautet der Anspruch: Übersichtlichkeit und Lesefreundlichkeit statt endloser Bleiwüste. Auch 2011 erscheinen wieder vier Ausgaben, die ein großes Themenspektrum abdecken. Neue Leserinnen und Leser sind herzlich willkommen.

Mehr Informationen? Gender Forum: www.genderforum.org Gender Inn: http://db.genderinn.uni-koeln.de

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FEMININ

Erster Gender-Report „Geschlechter(un-)gerechtigkeit NRW: an Hochschulen“ „Die Geschlechterpyramide ist noch nicht ernsthaft ins Wanken geraten“ − das ist das Fazit des ersten nordrhein-westfälischen Gender-Reports, den das Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung im Dezember 2010 vorstellte. Frauen holen zwar insbesondere beim wissenschaftlich-künstlerischen Personal und der Besetzung von Professuren auf, sind aber noch lange nicht auf der Überholspur.

Demnach liegt der Anteil der Hochschulabsolventinnen mit 52 Prozent zwar über dem der männlichen Kommilitonen, bei den universitären Spitzenpositionen gibt es aber immer noch klaren Aufholbedarf. Der Frauenanteil in den Rektoraten beträgt 19 Prozent, in den Leitungsgremien der Fakultäten und Fachbereiche elf Prozent. Insgesamt liegt der Anteil der Professorinnen im Jahr 2008 bei 16,6 Prozent in Nordrhein-Westfalen und ist damit im letzten Jahrzehnt um sieben Prozent gestiegen. Trotz positiver Entwicklungen braucht es bei dem gegenwärtigen Tempo ein weiteres halbes Jahrhundert, um zu einem völlig ausgeglichenen Verhältnis zu kommen. „Das ist eine Verschwendung von Chancen und Talenten, die nicht länger mit einem Schulterzucken hingenommen werden darf“, sagte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze. Die Landesregierung hat sich selbst dazu verpflichtet, dass zukünftig 40 Prozent Frauen in Führungspositionen und Gremien vertreten sein sollen. „Hier sollten die Hochschulen nicht nachstehen“, appellierte Schulze. Beate Kortendiek, Mitherausgeberin des unabhängigen Gender-Reports und Koordinatorin des Netzwerks Frauenund Geschlechterforschung NRW ergänzte: „Um dem Ziel der geschlechtergerechten Hochschule näher zu kommen, sind zugleich gleichstellungspolitische Geduld wie Ungeduld erforderlich. Wir verbinden mit den vorgelegten Fakten, Analysen und den hochschulspezifischen GenderProfilen die Hoffnung, dass sowohl Fortschritte wie Handlungsbedarfe sichtbar werden.“

Download bereit unter www.geschlechtergerechte-hochschule-nrw.de/genderreport.html. Darin sind auch Einzelanalysen der jeweiligen Hochschulen zu finden. Das Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW ist ein vom Wissenschaftsministerium des Landes unterstützter Zusammenschluss von derzeit 180 Wissenschaftlerinnen an NRW-Hochschulen. Die Koordinierungsstelle hat ihren Sitz an der Universität Duisburg-Essen. Weitere Informationen über die Arbeit des Netzwerks unter: www. netzwerk-frauenforschung.nrw.de.

Ein Auszug aus dem Gender-Report in Bezug auf die Uni Köln

Tabelle 1.3: Frauenanteile bei Studierenden, Promotionen, hauptamtlichem wissenschaftlichem Personal und Professuren im Jahr 2007 nach Fächergruppen, Vergleich mit dem Durchschnitt der Hochschulen in Trägerschaft des Landes NRW (Differenz) Promotionen2 Hauptamtl. wiss. Professuren DurchFächergruppe Studierende3 Personal1 schnittl. AbU Köln Differenz U Köln Differenz U Köln Differenz U Köln Differenz weich. %

%-Pkte

%

%-Pkte

%

%-Pkte

%

%-Pkte

%-Pkte

sprach- und Kulturwissenschaften

68,5

-0,2

51,6

0,1

48,6

-1,7

27,3

-0,7

-0,6

rechts-, Wirtschafts- und sozialwissenschaften Mathematik, naturwissenschaften

48,0

3,1

32,4

-1,5

38,6

0,2

13,6

-3,7

-0,5

43,8

7,8

34,6

0,6

32,2

4,4

6,4

-3,7

2,3

Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften

60,7

-1,3

49,7

0,4

44,7

1,8

9,8

-5,5

-1,2

Kunst, Kunstwissenschaft

67,9

6,1

68,1

4,0

42,9

-1,1

35,0

10,0

4,7

1) ohne Professuren, 2) dreijahresdurchschnitt 2005–2007, 3) Ws 2007/08 Quelle: sonderauswertungen des lds nrW, referat 313, Amtliche Hochschulstatistik: studierendenstatistik, Prüfungsstatistik, Personalstatistik, eigene Berechnungen

Der Gender-Report wurde als Forschungsbericht erstmalig 2010 von dem Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung erstellt. Es ist geplant, diesen zukünftig im DreiJahres-Rhythmus zu veröffentlichen. Der Report steht zum

32 C – Gender-Profile der HoCHsCHulen in nrW


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Ge lesen Nach den Medien ist vor Sibirien

Lucy Fricke: „Ich habe Freunde mitgebracht“ Dieses Buch ist vor allen Dingen eines: sehr schnell gelesen. Die 190 Seiten von Lucy Frickes zweitem Roman „Ich habe Freunde mitgebracht“ bestehen hauptsächlich aus Small Talk der vier Hauptpersonen und ihren dazugehörigen Gedanken. Im besten Falle sind diese unterhaltend. Schade, verspricht doch der Roman eine Geschichte über den Gedanken des Älterwerdens in den Mitdreißigern, über das Flüchten aus Beziehungen, über Bindungsängste und Kinderwünsche – doch das Buch verliert sich zwischen den Seiten in belanglosen Aussagen. Lucy Fricke gewann 2005 den renommierten Kurzgeschichtenwettbewerb „Open Mike“ mit ihrer Erzählung „Winken bis nach Buenos Aires“. Eine beeindruckende Kurzgeschichte, die sowohl mit dem Ernst des Themas als auch mit ihrer Sprache überzeugt. In ihrem neuen Roman benutzt die Autorin allerdings nicht diesen leichtfüßigen, fließenden Tanz der Wörter. Eher wirken ihre Sätze in „Ich habe Freunde mitgebracht“ gestelzt, ihre Wortspiele teilweise sogar recht plump, wie der Satz: „So brutal, wie sie schweigen kann, wird er sich niemals prügeln können.“ Alle vier Hauptpersonen in Frickes Roman arbeiten in den Medien: Betty ist Regisseurin, Martha Nachrichtensprecherin im Hörfunk, Jon Schauspieler und Henning gar Comiczeichner. Doch Lucy Fricke zeigt den Leserinnen und Lesern: Nichts da, die Jobs helfen nicht, denn die Hauptfiguren sind allesamt unglücklich. Jede Person aus anderen Gründen, aber alle wohl, weil es darum geht, was es wohl heißt, erwachsen zu sein, für sich selber verantwortlich zu sein, sein Leben zu planen und diese Pläne zu leben. Im Wesentlichen geht es im Roman um Träume, die nie gelebt wurden. Leider ist die Antwort auf die Lebenskrisen in den 190 Seiten Fricke sehr einfach: Es ist nie zu spät, diese Träume zu leben. Diese Aussage steht tatsächlich schwarz auf weiß am Ende des Romans: „Ob es nicht irgendwann geheißen habe, man solle seine Träume leben, fragte Martha. Jon sagte leise, den Blick zu Boden gerichtet: „Sind wir damit nicht gerade alle auf die Schnauze gefallen?“ Betty meinte, in Wahrheit habe sie in ihrem ganzen Leben nie einen großen Traum gehabt, und keiner wusste, ob ihr das jetzt zum ersten Mal klarwurde. Für einen Moment war es sehr still in der Küche, bis Henning sagte, dass sie doch einfach nochmal von vorn anfangen könnten.“ Obwohl der gesamte Roman aus den Perspektiven der vier Hauptpersonen geschrieben ist – Fricke lässt schnell aufeinander folgend die vier ProtagonistInnen abwechselnd denken und sprechen – bleiben diese den Leserinnen und Lesern über den gesamten Roman hinweg fremd. Nur schwer ist vorstellbar, dass diese Personen auch außerhalb des Buches existieren könnten. Mehr sind sie wie wandelnde Klischees: Die Männer reden über nichts, aber trinken viel in sich hinein, die Frauen wollen Kinder und/oder fallen auf (fremdgehende) Männer herein. Selbst als Lucy Fricke schreibt, wie Martha während ihrer Moderation ihr Kind verliert, bekommen die LeserInnen doch keinerlei Emotionen geliefert. Als LeserIn empfindet man keine Trauer, keine Bestürzung – nicht in dieser Situation und auch nicht auf den anderen Seiten des Buches. Obwohl die Autorin viele relevante Probleme anspricht und beschreibt, bleibt auch nach 190 Seiten alles beim Alten. Oder glaubt wirklich jemand, die Lösung wäre, wie Frickes ProtagonistInnen in einem Bus nach Sibirien zu fahren? Vor allem hat man nach diesem Buch eines nicht erlebt: einen wirklichen Perspektivenwechsel. (SG)

Der Islam aus feministischer Sicht

Lucy Fricke Ich habe Freunde mitgebracht Rowohlt (September 2010) 190 Seiten 16,95 €

Alice Schwarzer: „Die große Verschleierung“ Alice Schwarzer ist die wohl bekannteste deutsche Frauenrechtlerin - für die Rechte von Frauen und gegen deren Unterdrückung hat sie immer schon gekämpft. Mit der Rolle der Frau im Islam beschäftigt sie sich bereits seit den siebziger Jahren intensiv und kritisch. „Für Integration, gegen Islamismus“ lautet der Untertitel des von ihr herausgegebenen Buches, bei dem es sich nicht, wie vielleicht von vielen erwartet, um eine Abrechnung mit dem Islam handelt. Vielmehr wird in den Texten verschiedener Autorinnen der Unterschied zwischen dem Islam als Religion und dem politisch wie teils fundamentalistisch motivierten Islamismus im Blick behalten. Dass dieser Abstand zusehends geringer wird, davor möchte „Die große Verschleierung“ warnen. In erster Linie beleuchtet der Sammelband den Islam jedoch aus feministischer Sicht, schließlich heißt die Herausgeberin Alice Schwarzer. Aufrüttelnd sind die Schilderungen, wie die in Deutschland gesetzlich vorgegebene und dadurch mögliche Gleichberechtigung von AnhängerInnen einer konservativen oder fundamentalistischen Ausrichtung des Islam konsequent untergraben und Gesetze unterlaufen werden zugunsten von Religion und Tradition. Demnach schneidet die islamische Religion aus dem feministischen Blickwinkel des Westens im Vergleich mit unserem eurozentrischen Verständnis von moderner und relativ emanzipierter Kultur dann wirklich schlecht ab. Dazu tragen auch Berichte von betroffenen Frauen bei, die zum Islam konvertiert waren oder im Irak miterleben müssen, wie sich seit Ende der Saddam-Diktatur die Situation für Frauen dramatisch verschlechtert. Neben diesen Schilderungen und den Aufsätzen von Alice Schwarzer selbst fällt positiv auf, dass es sich bei vielen der Essayistinnen um Expertinnen auf den Gebieten Islam, Integration und Frauenrechte handelt, zumal einige von ihnen, wie Khalida Messaoudi-Toumi oder Djemila Benhabib, aus den thematisierten arabischen Ländern stammen. Aber auch aussagekräftige Reportagen von Journalistinnen wie Antonia Rados oder Gabriele Vensky über Afghanistan bereichern diese Aufsatzsammlung. Nicht alle der Aufsätze sind aktuell, viele sind mehr als fünf Jahre alt, was an einigen Stellen einer Überarbeitung bedurft hätte. Spannend hingegen ist ein Essay von Alice Schwarzer aus dem Jahr 1979, in dem sie über die Situation der Frauen im Iran kurz nach der Islamischen Revolution berichtet. Sie beschreibt die Hoffnung der Revolutionärinnen, unter Khomeini im Einklang mit ihrer Religion und ihren Traditionen leben zu können. Und Alice Schwarzer prophezeit eben jenen Frauen eine Zukunft in einer islamistischen Diktatur und eine politische Führung, die die Trägerinnen der Revolution um ihr trügerisches Glück bringen wird. Recht behalten hat sie damals. Su/VA Alice Schwarzer Die große Verschleierung Kiwi (September 2010) 320 Seiten 9,95 €

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FREIE ZEIT

Am Verbrechen weiden Andrea Sawatzki liest: „Garou: Ein Schafs-Thriller“

Endlich traben sie wieder über die Weide des Verbrechens: Miss Marple, das klügste Schaf der Herde, Moppel the Whale, das Gedächtnisschaf, Sir Ritchfield, der Leitwidder, und all die anderen Schafe ermitteln in einem neuen Fall. Gemeinsam mit ihrer Schäferin Rebecca haben sie die irische Heimat verlassen und ihre ersehnte Europareise angetreten. In Frankreich beziehen sie Winterquartier im Schatten eines entlegenen Schlosses, und eigentlich könnte es dort recht gemütlich sein – wären da nicht die Ziegen auf der Nachbarweide, die merkwürdige Warnung eines fremden Schafes und das allgemeine Unbehagen vor dem Schnee. „Ein Mensch im Wolfspelz!“ – wispern Ziegen und Menschen. Zusammen erleben sie ein neues „wollsträubendes“ Abenteuer. Das Hörbuch ist angenehm puristisch. Ohne Sprecherensemble, dramatische Musik oder Geräuschkulisse. Eine klassische Lesung eben. Andrea Sawatzki, die man sonst eher als spröde Tatort-Kommissarin kennt, haucht dem Tier- und Menschenpersonal mit vielfältigen Klangfarben ihre Stimme ein: Die verrückten Ziegen meckern, der alte Widder schnauft, das junge Lamm blökt schüchtern. Die Sprecherin zaubert eine mysteriöse Winterlandschaft dahin, in der wir mit den Schafen durch das Schneegestöber des Unbekannten tapsen. In diesem diffusen Dunkel stößt sich die Zuhörerin schon mal − da entsteht das Gefühl, dass Übergänge und Verständlichkeit an der gekürzten Hörbuchfassung ein bisschen gelitten haben. Doch die charmante Andrea Sawatzki erleuchtet alles mit ihrer sensiblen Interpretation der literarischen Vorlage: Ihre Vortragsart trägt die klare Sprache und den Wortwitz von Leonie Swann über schneebedeckte Weiden. Das ist mindestens so schön wie mit der Hand durch watteweiches Fell zu streicheln – und spontan hüpfen da die Glücksgefühle. Die Rezensentin möchte zumindest einfach: „määähr“! Von dieser unspröden Andrea Sawatzki und der naiv-philosophischen Schafslogik, in der die Kommode das Lamm des Schrankes ist. (AR) Leonie Swann Garou: Ein Schafs-Thriller Gelesen von Andrea Sawatzki Audiobook (5 CDs) Random House Audio (Juli 2010) 19,95 € Ein literarisches Lebewohl vom Leben Ruth Klüger: „Unterwegs verloren“ „Mit dem Älterwerden weichen auch die Gespenster zurück.“ Der erste Satz ist symptomatisch für dieses Buch, denn in ihrer zweiten Autobiografie arbeitet sich Ruth Klüger nicht nur an ihrer Vergangenheit ab, sondern auch an ihrer Zukunft: dem Alter und seinem unausweichlichen Ende. Nachdem sie in dem hoch gelobten Bestseller „weiter leben“ beschrieben hat, wie sie nur knapp dem Tod im Konzentrationslager entkommen war, widmet sie sich in diesem Werk der zweiten Phase ihres Lebens in Amerika: Sie beschreibt die unglückliche Ehe in jungen Jahren, geprägt von Verzicht, Lieblosigkeit und Demütigung; den Kampf durch die patriarchalen Hierarchien der Universität; die komplizierte Beziehung zu den Söhnen und der Mutter; das verzerrte Verhältnis zur Heimatstadt Wien; den Bruch mit Martin Walser, weil moralische Werte die freundschaftlichen überwogen und die Auseinandersetzung mit dem Abschied – von verstorbenen Freunden genauso wie dem eigenen. Mal scharfzüngig analytisch, mal lakonisch, aber immer voller Authentizität erkundet sie ihre Identität als Mutter, Feministin und Jüdin. In ihren Erinnerungen ist Ruth Klüger schonungslos kritisch gegen sich und andere. So radikal bis unversöhnlich sie sich zeigt, so verletzlich macht sie sich. Das ist die Ambivalenz ihres Lebens. Der Widerstand scheint ihr Antrieb zu sein – die Kraft, die sie opponieren lässt, gegen antisemitische Ressentiments oder genderbedingte Benachteiligungen. Das erklärt auch ihren bisweilen trotzig anmutenden Zynismus. Einen beinahe zärtlichen Ton bekommt die Literaturwissenschaftlerin hingegen, wenn sie von ihrem Metier schreibt. Dann schillert ihre ungebrochene Liebe zur deutschen Sprache und Literatur durch, die ungeachtet der damit verbundenen Schrecken ganz rein in ihrem Herzen widerhallt. Die Gespenster der Toten weichen also zurück. Und mit ihnen Ruth Klüger. Denn ein bisschen liest sich ihr Buch wie ein Lebewohl vom Leben. Und der beginnt damit, dass sie einen dunklen Fleck ihrer Identität verwischt. Ganz bewusst lässt sie sich nach so langer Zeit ihr in die Haut gebranntes Mahnmal entfernen: die eintätowierte Nummer aus dem Konzentrationslager. Ruth Klüger mag in ihrem Leben so einiges unterwegs verloren haben – wir können in ihren Betrachtungen der Welt jedenfalls nur fündig werden. (AR) Ruth Klüger Unterwegs verloren Erinnerungen dtv (September 2010) 240 Seiten 9,90 € Mit Persönlichkeit zum Erfolg Sabine Asgodom: „Generation Erfolg“ Sabine Asgodom, deutsche Erfolgsautorin und Managementtrainern, hat gemeinsam mit dreizehn Trainerinnenkolleginnen dieses absolut brauchbare Buch mit vielfältigen Kapiteln zu diversen Aspekten der Persönlichkeitsentwicklung geschrieben. Ziel der Autorinnen ist es, Frauen zu ermutigen sich zu zeigen und Führungsaufgaben zu übernehmen – wobei mit Führungsaufgaben hier nicht nur die klassische „Karriere“, sondern die den jeweiligen individuellen Fähigkeiten und Wünschen entsprechende berufliche und persönliche Entwicklung gemeint ist. Die Lektüre dieses Buches fördert das Erkennen der eigenen Bedürfnisse und regt zur persönlichen Weiterentwicklung an. Es unterstützt die persönliche Weiterentwicklung, denn jede der Trainerinnen beschreibt konkrete Fälle aus ihrer Berufspraxis und damit, wie ein möglicher Erfolg oder eine Lösung aussehen könnte. Der Aufbau des Buches ist wie folgt: Jede der Autorinnen beschreibt in einem Kapitel ihren Arbeitsansatz zu einem jeweils eigenen Thema. Herausgekommen ist dadurch ein „Selbst-Coaching-Buch“ mit umfangreichen Themen wie: - Reden von den eigenen Stärken und die Freude am Erfolg - Warum Herzensbildung für eine Führungsposition von Interesse ist - Das Nutzen der eigenen Stimme - Selbstmotivation

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- Unternehmerisches Denken - Körpersprache - Eigene Ausstrahlung - Zeitmanagement - Die Suche nach „Lotsen“ - Die Balance zwischen Authentiziät und Professionalität

- Tipps zur Suche nach Mentoren oder Coaches - Das unverzichtbare Netzwerken - Der Erfolg des eigenen Lebens im beruflichen Dasein - Das persönliche Erfolgsrezept.


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Die vielfältigen Themen und die Auswahl der Autorinnen stellen sicher, dass für jede Leserin und jeden Leser etwas Ansprechendes dabei ist. Das Buch richtet sich vor allen Dingen an Frauen, allerdings würde ich auch dem ein oder anderen Mann die Lektüre ans Herz legen – denn selten habe ich in der sogenannten Ratgeber- Karriereliteratur etwas so Leichtes, Vielfältiges und ganz selten etwas so zügig Motivierendes gelesen. Wer es nicht beim Lesen belassen möchte, und in diesem Fall dann auch noch weiblich ist, dem möchte ich an dieser Stelle die Teilnahme an den vielfältigen Seminaren des Female Career Center (FCC) ans Herz legen, denn alle die im Buch behandelten Themen wurden hier über die letzten Jahre hinweg in Seminarform angeboten! (LS) Sabine Asgodom Generation Erfolg So entwickeln Sie Persönlichkeit Kösel-Verlag (Oktober 2010) 285 Seiten 19,99 € Sex & The City-Feminismus Daniela Daufeldt: „Karriere weiblich – Wie Frauen ihre Ziele erreichen, ohne sich zu verbiegen“ Selten stimmen Titel und Inhalt eines Buches so sehr überein, wie im Lebensratgeber von Karriere-Beraterin Daniela Daufeldt. So wird die Kernaussage „Frauen sollen sich nicht verbiegen“ auf fast 200 Seiten ausgebreitet. Die Autorin präsentiert in ihrem Buch ein „natürliches“ − eben nicht verbogenes − weibliches Verhalten. Und schon stöckelt das Klischee über die wahre Weiblichkeit wie ein Elefant auf Pumps ins Wohnzimmer. Eine gewisse Marion Sander, über die wir nicht mehr erfahren, als den Namen und ihre tragische Veränderung, ist dieser rosarote Elefant. Korrumpiert durch den Einfluss der kapitalistischen Hackordnung mutierte besagte Marion von natürlich weiblich zu kühl und sachlich. Das eigens entwickelte Thekla-Prinzip von Daniela Daufeldt und der Fragebogen am Ende des Buches sollen konkrete Selbsthilfe leisten, um derartigen „Vermännlichungen“ entgegenzuwirken. Humor ist ein Schlüsselfaktor in diesem Konstrukt. Der wird der Leserin jedoch spätestens bei den Fragen „Was ist ihr Wunschgewicht? Wie viel wiegen Sie heute? Wie viel werden Sie in einem Jahr wiegen?“ vergehen. Allgemein handelt es sich bei der versprochenen „weiblichen Karriere“ weniger um beruflichen Erfolg, als vielmehr um Zufriedenheit mit dem eigenen Körper, dem Partner, der Familie und der besten Freundin. Mit letzterer kann die Leserin dann auch über die wohlwollenden Zitate großer Männer im Buch philosophieren, die zu Daufeldts Glück nicht mehr erfahren werden, was ihnen hier in den Mund gelegt wird. (ju) Daniela Daufeldt Karriere weiblich – Wie Frauen ihre Ziele erreichen, ohne sich zu verbiegen Orell Füssli Verlag AG (2010) 192 Seiten 19,90 €

Wenn Frauen zur Ware werden

Chika Unigwe: „Schwarze Schwestern“ Efe, Ama und Joyce sitzen in einem kleinen, kargen Zimmer und betrauern den Tod von Sisi. Dass Sisi, eigentlich Chisom hieß und wie sie gestorben ist, wissen die drei Freundinnen nicht. Bis zu diesem Moment kennt keine die Geschichte der anderen. Ihre Namen legten sie mit ihrer Kleidung ab, als sie nach Antwerpen kamen, wo sie als Prostituierte ihre Körper verkaufen. Die Entscheidung für den Weg ins Rotlichtviertel war für jede der Frauen zwar eine bewusste, aber keine freiwillige. Efe, die ohne Mutter aufwuchs, bekam im Alter von 16 Jahren ungewollt ein Kind, zu dem sich der Vater nicht bekennen wollte und für das sie fortan allein sorgen musste. Mit dem Versprechen vom schnellem Reichtum lockte sie der Geschäftsmann Dele nach Belgien. Gleiches verhieß er den Freundinnen: Ama, die schon als Kleinkind regelmäßig von ihrem eigenen Vater missbraucht wurde und Joyce, die mit ansehen musste, wie ihre Eltern und ihr Bruder von Soldaten getötet wurden, die sie anschließend vergewaltigten. Die Hoffnung auf eine Zukunft in Wohlstand und die Vorstellung von Europa als eine bessere Welt brachte sie alle nach Belgien. Dort angekommen mussten sie jedoch feststellen, dass ihr Schicksal auch hier nicht in den eigenen Händen liegt. Doch die Freundschaft bewirkt Nähe in der Fremde und verbandelt sie zu „schwarzen Schwestern“. Unigwe erzählt in lakonischem Stil von den Geschichten der Ausgestoßenen aus Nigeria und dem Sudan. Diese schockierenden Portraits geben einen Einblick in eine Gesellschaft, in der Frauen als Ware gehandelt werden, in der es weder Hoffnung noch Auswege gibt. „Schwarze Schwestern“ (Originaltitel: Fata Morgana) ist der zweite Roman der Autorin nigerianischen Ursprungs. Die in Belgien lebende Professorin für Literaturwissenschaft gewann bereits zahlreiche Wettbewerbe und Preise für ihre Werke, so z. B. den Caine Prize for African Fiction im Jahr 2003. (Ju) Chika Unigwe: „Schwarze Schwestern“ Tropen bei Klett-Cotta (August 2010) 283 Seiten 19,95 €

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Literaturhaus Köln

Das Kölner Literaturhaus wurde 1996 auf Initiative von Kölner BürgerInnen als Verein gegründet und zählt heute mehr als 800 Mitglieder. Ein Programm mit rund 100 Veranstaltungen im Jahr bietet eine breite Palette von Möglichkeiten der Begegnung mit Literatur, mit bekannten Autorinnen und Autoren, vom LiteraturnobelpreisträgerInnen bis zur DebütautorInnen, mit wichtigen Trends und Themen, die die Gegenwartsliteratur prägen. In Deutschland gibt es viele Literaturhäuser, doch nur das in Köln wird von einer weiblichen Doppelspitze gelenkt: Und Geschäftsführerin Bettina Fischer und Programmleiterin Insa Wilke bekennen sich selbstbewusst zu einem gendersensiblen Führungsstil. „Wir wollen ganz bewusst konventionelle Rollenbilder hinterfragen“, so Bettina Fischer. Das zeigt eine Reihe wie „Frauen zur Zeit“. Auslöser war die Sozialstaat-Debatte um Peter Sloterdijk, die das Feuilleton im letzten Jahr austrug. Insa Wilke fragte sich, warum dabei keine Frauen zu Wort kommen. Interessiert hakte sie bei der Redaktion einer großen Wochenzeitung in Hamburg nach und bekam sinngemäß zur Antwort, es gäbe keine deutschen Denkerinnen, die sich qualifiziert dazu äußern könnten. „Es kann doch nicht sein, dass immer noch solche Denkmuster existieren!“, echauffierte sich die promovierte Germanistin und entwarf prompt eine Veranstaltung, die das Gegenteil beweist. Es ist eine Reihe entstanden, in der „scharfsinnige Frauen wie Gesine Schwan und Silvia Bovenschen über Phänomene unserer Zeit nachdenken.“ Im April diskutierten etwa Lisa Ortgies, Susanne Mayer, Sineb El Masrar und Tom Schimmeck in diesem Rahmen über die Situation der Medien. Natürlich sind auch in der Literaturgeschichte viele Vordenkerinnen zu finden, über die es nachzudenken lohnt. In einer Veranstaltung widmet sich das Literaturhaus etwa der Schriftstellerin und Salonière Rahel Levin Varnhagen. „In ihrem Salon realisierte sie ein soziales Experiment: eine Denkwerkstatt, in der Männer und Frauen, Adel und Bürgertum, Juden und Nicht-Juden aufeinandertrafen.“ Inspiriert und begleitet fühlen sich die Leiterinnen des Literaturhauses durch Schriftstellerinnen wie Romanheldinnen. Durch gescheite und wortgewaltige Frauen wie Hannah Arendt oder Gesine Cresspahl, die Protagonistin des Romanzyklus „Jahrestage“ von Uwe Johnson.

Dass der als intellektuell daherkommende Literaturbetrieb Geschlechterklischees bedient, verdeutlichen Mode-Vokabeln wie das „Fräulein-Wunder“. „Ich finde es schon befremdlich, dass Autorinnen wie Judith Hermann, Julia Franck und andere, die wirklich hervorragend schreiben können, unter dieses Label gesetzt werden“, meint Bettina Fischer. Eine Marketing-Inszenierung, die sich zwar an einem positiv konnotierten Weiblichkeitsbild orientiert: jung,attraktiv, modern und frech. Aber durch solche Etikettierungen die Schriftstellerinnen in ihrer Profession nicht ernstnimmt. Denn der Subtext lautet: Hier gestaltet das Geschlecht ein Genre. Abseits von solchen kulturkritischen Analysen legen die Gastgeberinnen Wert auf ein offenes Haus, das Menschen aller Altersklassen und Milieus anzieht. „Viele fühlen sich bei uns wie Zuhause“, schwärmt Insa Wilke. Außerdem distanziert sie sich von einer isolierten Kulturelite: „Wir wollen kein geschlossener Zirkel sein, das Publikum ist bei uns immer ganz dicht dran.“ Es sei beeindruckend zu beobachten, wie manche Veranstaltungen die Gäste nachhaltig beschäftigen. „Das ist dann eine Bewegung, die immer auch nach draußen geht“, erklärt Bettina Fischer. Auch die Lesungen finden zeitweise „draußen“ statt, an einem thematisch passenden Ort. Das Literaturhaus Köln bringt die Leselust in den Alltag, hier wird das einsame zu einem sozialen Lesen, das mit dem Leben der Lesenden verschmilzt. Die Kulturmanagerinnen betonen: „Wir wollen zeitgenössische Literatur in unserer Stadt haben!“ (AR) Weitere Infos unter: www.literaturhaus-koeln.de

Dr.‘ Insa Wilke Insa Wilke studierte Germanistik und Geschichte in Göttingen, Rom und Berlin. Nach dem 1. Staatsexamen promovierte sie über den Autor Thomas Brasch. Ihre Dissertation ist unter dem Titel „Ist das ein Leben. Der Dichter Thomas Brasch“ bei Matthes & Seitz erschienen. Danach wurde sie Literaturkritikerin für die ZEIT und die Frankfurter Rundschau und lehrte an der Freien Universität Berlin und Universität Hildesheim. Regelmäßig moderierte sie Veranstaltungen mit Größen der Literaturszene wie Ursula Krechel, Uwe Tellkamp und Bodo Kirchhoff. Seit Sommer letzten Jahres ist die 32-Jährige nun Programmleiterin des Literaturhauses Köln Bettina Fischer Bettina Fischer, geboren 1967 in Hamburg, ist nach dem Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Geschichte in Hamburg und Berlin, und mehrjähriger Verlagstätigkeit, seit elf Jahren Geschäftsführerin des Literaturhaus Köln e.V.

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hört Ge sehen Die andere Seite des Mondes Kunstsammlung NRW zeigt Künstlerinnen der Avantgarde Höhepunkt des Ausstellungsjahres am Grabbeplatz ist „Die andere Seite des Mondes“ – Künstlerinnen der Avantgarde. Im Mittelpunkt steht erstmals in dieser Form eine Riege von Künstlerinnen der 20er und 30er Jahre, die die avantgardistischen Strömungen Dadaismus, Konstruktivismus und Surrealismus mitgeprägt haben. Gezeigt wird eine exemplarische Auswahl von Werken unter anderem von Hannah Höch, Sophie Taeuber-Arp und Sonia Delaunay, deren Wege und europaweiten Netzwerke in dieser Ausstellung zum ersten Mal dokumentiert sind.

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Schauspielerin Karoline Schulze-Kummerfeld: 30. September Modeschöpferin Elisabeth Prantner: 7. Oktober Kirchenlehrerin und Heilige Teresa von Ávila: 25. Oktober Anwältin Liliana Uribe: 4. November Ringerin Khutulun: 22. November Journalistin Barbro Alving: 7. Dezember Physikerin Gisela Schütz: 16. Dezember

Genia Playlist

„Die andere Seite des Mondes“ – Künstlerinnen der Avantgarde 22.10.2011 – 15.01.2012 Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Grabbeplatz 5 40213 Düsseldorf www.kunstsammlung.de

Starke Frauen Die Portraitreihe bei WDR 5 „Sie sind beherzt und begeistert, forsch, furchtlos und fleißig. Starke Frauen tun das, was ihnen niemand zutraut,“ schwärmt Regina Tanne. Die Redakteurin der Radioreihe „Starke Frauen“ verspricht nicht zu viel, in den Radioportraits der Sendung „Neugier genügt“ in WDR 5 werden Ausnahmefrauen aus aller Welt vorgestellt. Neugier genügt – in WDR 5 von 10 bis 12 Uhr, darin zwischen 11.30 und 11.50 Uhr: Starke Frauen Sende-Termine für 2011 sind: Dressurreiterin Bianca Vogel: 27. Juli Komponistin Leni Alexander: 22. August Imkerin Agnes Flügel: 31. August

Jess Klein – “Flirting” Ani DiFranco – „Not a Pretty Girl“ No Doubt – “Just A Girl” Hot Water Music – “Tradition” Alix Olsen – “Gender Game” Sarah Jones – “Your Revolution” La Roux – “Bulletproof“ The Sundays – „I kicked a boy“ Dar Williams – “When I Was A Boy” Kimya Dawson – “Like Giants” Nirvana – “Been a Soon” Metric – “Gold Guns Girls” The Slits – “Typical Girls” Nina Simone – “Four Women” Tori Amos – “Rasperry Swirl” Thao – “Swimming Pools” Meradeth Brooks – “Bitch” India.Arie – “Video”

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Angeklickt careers4women: Neue Karriere-Plattform für Frauen Noch sind die Inhalte ein bisschen dünn, das soll sich aber bald ändern. Der Kölner Recruiting-Dienstleister access KellyOCG versucht mit careers4women eine neue Karriere-Plattform für Frauen zu etablieren. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen, Studentinnen und Berufstätige, die sich über „attraktive Arbeitgeber, News und Trends, sowie Möglichkeiten zum Netzwerken“ informieren möchten. http://www.careers4women.de/

Depression drüberleben: Das „Blogger Mädchen 2010“ Ein Foto, das ein Ausschnitt aus ihrem Leben ist: zunächst ästhetische Strukturen. Rote Balken bilden Quadrate, die kreisrunde Formen und längliche Balken umrahmen. Es sind Tabletten in einer Wochenkassette – die Reisedosis einer depressiven Frau. Sie plant einen Kurztrip nach Berlin, der in ihrem Alltag ein Ausflug in die Angst bedeutet. In ihrem Blog „drüberleben“ dokumentiert Kathrin ihr Leben mit einer Krankheit, die regelmäßig von Gesundheitsorganisationen und Medien zur neuen Zivilisationskrankheit ausgerufen wird: Depression. Die Nutzerinnen der Internetfeminismus-Plattform Mädchenmannschaft (http://maedchenmannschaft.net/) haben die junge Ham-

burgerin zum „Blogger Mädchen 2010“ gewählt. Täglich veröffentlicht die 25-jährige Hamburgerin durch Videos, Bilder und Texte Momentaufnahmen aus ihrem Leben „zwischen Dispo, Psychiatrie und Disko“. In diesen dichten Bild-Text-Miniaturen präsentiert sie sich selbst-

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bewusst in all ihrer Fragilität: „Ich bin eine normale junge Frau. Daran ändert keine Krankheit und keine Diagnose dieser Welt etwas.“ Sie leidet, sinniert, zweifelt, hadert, grübelt, flucht und scherzt – so kreist sie um das eigene Ich und kreiert ein kunstvolles Kaleidoskop ihres Seelenzustandes. http://drueberleben.wordpress.com/

Deutschland ein Frauenmärchen Frauen-Weltmeisterschaft in NRW-Städten Die besten Frauenteams der Welt kämpften vom 26. Juni bis 17. Juli 2011 in Deutschland um den Meistertitel. Trotz des Ausscheidens der deutschen Mannschaft im Viertelfinale, lieferte die WM spannende Spielmomente und weckte mehr Interesse und Begeisterung für den Sport als je zuvor. In Cafés, Kneipen und beim Public Viewing fieberten tausende ZuschauerInnen mit den Spielerinnen mit und kommentierten deren Performance angeregt. Elf der insgesamt 32 Spiele wurden in Nordrhein-Westfalen ausgetragen. Stars wie die Brasilianerin Marta Vieira da Silva, mehrfache Weltfußballerin des Jahres, oder die deutsche Rekordjägerin Birgit Prinz kickten dann auf NRW-Rasen. Der Präsidentin des Organisations-Kommitees der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011, Steffi Jones, wurden fünf Sportlerinnen als Botschafterinnen zur Seite gestellt, unter

anderem auch die gebürtige Euskirchenerin Silke Rottenberg, ehemalige Nationaltorhüterin. Aber nicht nur Sportlerinnen machten sich für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 stark. Sie erhielten prominente Unterstützung. Unter dem Motto die „Top 11 für 2011“ warben sechs weitere Damen für die WM: Die Schauspielerin, Autorin, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und Mitglied der 12. Bundesversammlung für das Land Nordrhein-Westfalen Renan Demirkan, die Schauspielerin Shary Reeves, die Moderatorin Dunja Hayali, die Sängerin Nena und die Olympiasiegerin im Fechten Britta Heidemann. Blog zum Mädchen- und Frauenfußball: www.womensoccer.de


FREIE ZEIT

Gemacht Genia Genderbaukasten: Spielerisch dekonstruieren Der Begriff Gender verweist auf die soziale Konstruktion von GeschlechterKonzepten, Stereotypen und -Verweissystemen. Männliche Geschlechtsorgane prädestinieren nicht für eine Karriere in Handwerk oder Naturwissenschaft und die Tatsache, dass man als Mädchen zur Welt kommt, macht es nicht zwingend notwendig, Barbies und Ballett zu mögen. Oft herrscht aber der Glaube vor, dass Begriffe wie weiblich oder männlich viel mehr bedeuten und auf scheinbar inhärente Talente, Vorlieben und Verhaltensweisen schließen ließen. Um dem entgegenzuwirken haben wir den „Genia Genderbaukasten“ entwickelt, der Jeder und Jedem – so einfach wie noch nie – die Dekonstruktion und Rekonstruktion der zwei berühmtesten Gendersymbole ermöglicht. Alles was benötigt wird, ist eine Schere. Schneiden Sie die eingezeichneten Grundformen aus und legen Sie sie neu zusammen. Die Beispiele zeigen, wie leicht sich diese internationalen Embleme von Weiblichkeit und Männlichkeit zu neuen, sinnvollen Bedeutungssystemen zusammensetzen lassen. Viel Spaß beim Dekonstruieren! Konzeption Genderbaukasten: ju

Außerdem freuen wir uns natürlich über Beispiele. Schicken Sie Ihr Gender-Puzzle an: gleichstellungsbeauftragte@uni-koeln.de

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Hinweis: Die Redaktion betont, dass die Verantwortung für Text- und Bildbeiträge bei den jeweiligen AutorInnen liegt. Ziel der vorliegenden Publikation ist es, vielfältige Themen und Standpunkte rund um den Themenkomplex „Gender“ anregend und leserInnenfreundlich zu präsentieren.

Impressum Dr.‘ rer. nat. Heidrun Fußwinkel (Gleichstellungsbeauftragte der Universität zu Köln bis 31.03.2011) Prof.‘ Dr.‘ Sabine Waffenschmidt (Kommissarische Gleichstellungsbeauftragte seit 01.04.2011) Eckertstraße 4 50931 Köln Tel.: 0221/ 470-4830 Fax: 0221/ 470-5138 E-Mail.: gleichstellungsbeauftragte@uni-koeln.de Redaktion: Anne Ritter (AR); und Juliane Ungänz (ju); AutorInnen: Vivien Albers (VA); Prof.‘ Dr.‘ Ioanna Gouni-Berthold; Johanna Böttges; Michaela Butler; Stefanie Grube (SG); Sebastian Ocklenburg; Susan Schahabi (Su); Larissa Schmitz (LS); Sebastian Schulz; Lea Schumacher Layout: Maike Streit Fotos: siehe Kennzeichnung Druck: Hausdruckerei der Universität zu Köln Ausgabe: Sommersemester 2011, 1. Auflage © Die Gleichstellungsbeauftragte der Universität zu Köln, 2011

www.gb.uni-koeln.de


GENIA – Universität zu Köln seit Jenny Gusyk ist die neue Zeitschrift der Gleichstellungsbeauftragten der Universität zu Köln. Genia, das war der Spitzname von Jenny Gusyk, der ersten Studentin an der Universität zu Köln. „Genia“ − vermutlich nannten ihre Kommilitonen sie so voller Hochachtung. Genia − ein weibliches Genie. Und Jenny Gusyk war tatsächlich eine Ausnahmeerscheinung, die ihr Abitur über den zweiten Bildungsweg erlangte und anschließend in sieben Semestern Volkswirtschaftslehre, Recht, Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte studierte. Am 25. Februar 1921 bestand sie ihr Diplom „mit Auszeichnung“ an der Universität zu Köln als einzige Frau unter 51 Absolventen. Geboren im Zarenreich, zugleich Jüdin und Türkin, aufgewachsen in Solingen, war sie eine Kosmopolitin frühster Stunde. Die Spuren von Jenny Gusyk verlieren sich in Auschwitz. Die Universität lobt seit 2010 einen universitätsinternen Wettbewerb mit einem Genderschwerpunkt aus. Der Wettbewerb trägt den Namen „Jenny Gusyk-Preis“. Der Sohn von Jenny Gusyk, der in Amerika lebt, freut sich und ist dankbar über die Würdigung seiner Mutter durch die Verwendung ihres Namens für diesen Preis.


GeniA - Uni Köln seit Jenny Gusyk