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Die R채ume des boxenden K체nstlers


Titelbild: Aus den „Römischen Heften“ Gerald Brettschuh | 1982


Die Räume des boxenden Künstlers Museum Brettschuh

Projektübung · Sommersemester 2015 · Institut für Gebäudelehre · TU Graz Uli Tischler · Johannes Paar unterstützt von: Chrisitane und Gerald Brettschuh


Dokumentation der Lehrveranstaltung Projektübung „Die Räume des boxenden Künstlers“ im Sommersemester 2015 herausgegeben am Institut für Gebäudelehre | TU Graz, 2015 Institut für Gebäudelehre Lessingstraße 25/IV 8010 Graz Leitung: Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Architekt Hans Gangoly www.gl.tugraz.at www.facebook.com/Gebaeudelehre Lehrveranstaltungsleitung: Ass.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Architektin Uli Tischler Wahlfächer: Transformation Umnutzung Neuinterpretation | Leitung: Dipl.-Ing. Johannes Paar Workshop Bauaufmaß und Objektforschung | Leitung: Mag.phil. Christoph Breser Studienassistenz: Angelika Hinterbrandner


Einleitung 07 Ausgew채hlte Entw체rfe 15 Impressum 59 Lehrveranstaltung in Bildern 61


Die historisch wertvollen Gebäude am Hauptplatz der südsteirischen Gemeinde Arnfels bilden trotz intensiver Umgestaltungen der letzten hundert Jahren noch immer ein geschlossenes Ensemble. Dem Wunsch seiner Besitzer, dem Künstlerpaar Brettschuh – Muster folgend, soll es in eine Galerie mit Atelier für Gerald Brettschuh umgestaltet werden — und in Zukunft zu seinem Museum. Brettschuh, der sich selbst als „Maler, Sammler.. und Trinker“ bezeichnet, wurde 1941 in Arnfels geboren. Seit 1976 lebt und arbeitet er wieder dort. Als Mitbegründer der legendären Sterz-Schrift, ehemaliger Lehrer an der Universität für Angewandte Kunst Wien und aktiver bildender

Künstler mit internationalen Ausstellungen geht seine Bedeutung weit über Arnfels hinaus. Die Ansiedelung der Galerie am Ort der Entstehung seiner Kunst bietet die Chance von Authentizität und Bodenständigkeit, wobei grundsätzliche Fragen zur „Kunst des Ausstellens“ oder der „Ausstellung als Kunstwerk“ zu diskutieren sind. In direkter Auseinandersetzung mit dem Künstlerpaar, werden nicht nur die Möglichkeiten einer Transformation der historischen Substanz, sondern vielmehr auch die grundsätzliche Aufgabenstellung und das Potential „personenbezogener Museen“ reflektiert.

Uli Tischler


Schwarzplan

Schwarzplan Arnfels


Lageplan 1-500 | Bestand mit Abbruch


Bestand von auĂ&#x;en | Haus 14+15


Blick aus dem Garten auf die Bestandsh채user


Exkursion zum Blockhaus


Dachboden mit Nachtlager


Atelierraum im Blockhaus


Blick aus dem Dachboden auf den Montekogel


Blick Richtung Slowenischer Grenze


Ausgew채hlte Entw체rfe

Robert Atzwanger 20 Miroslav Krejcir 26 Karin Krenn 32 Lukas Malsiner 38 Michael Pleschberger 44 Eva Ploy 50 Klemens Sailer 56 Florian Schicho 62 Andrea T체chler 68


Robert Atzwanger Das neue Ausstellungsgebäude schiebt sich mittig zwischen Bestandsgebäude und Fels. Dadurch entsteht zwischen Bestand und Neubau ein erster Innenhof und ein zweiter, kleinerer Hof zum Fels hin. Die beiden langgestreckten Baukörper sind miteinander verschnitten und nach Süden ausgerichtet. Jeder dieser Gebäudeteile erhält ein großes Schaufenster und nimmt damit Bezug zur umliegenden Natur. Ein Baukörper orientiert sich zum Fels, der zweite auf die offene Wiese im Süden. Dämmbeton als Baumaterial nimmt Bezug auf die Felswand im Rücken des Gebäudes und verleiht dem Baukörper ein homogenes Erscheinungsbild.

Der lange schmale Raum bietet besonderen Platz für die Ausstellung von Gemälden. Die massive Ausstellungswand wird durch ein schmales Oberlichtband erhellt. Alle Öffnungen sind so angeordnet, dass kein direktes Sonnenlicht in den Raum trifft. Am Ende des Raumes befindet sich die Treppe ins Untergeschoss. Direkt über ihr gibt es ein weiteres Oberlicht, welches das natürliche Licht über seine große Fläche bis ins Untergeschoss bringt.

Hier befindet sich ein zusätzlicher Ausstellungsbereich für Gemälde. Das Untergeschoss beinhaltet außerdem das Bilderlager und Nebenräume. Ähnlich wie im Erdgeschoss finden wir auch hier eine große verglaste Öffnung, durch Vom Innenhof führt eine breite Treppe den Besucher in die man nach draußen zu einer breiten Treppenrampe geeinen höher liegenden Ausstellungsbereich. Unmittelbar langt, welche wieder nach oben und auf die Wiesenfläche nach dem Eintreten befindet man sich im ersten Teil der weiterführt. Ausstellung. Hier werden Skulpturen und Gemälde ausgestellt. Zum Felsen hin sind die Wandscheiben über Die Neugestaltung bzw. die Sanierung des Erdgeschosses große Glasflächen geöffnet. Direktes Sonnenlicht wird im Haus 15 ist so organisiert, dass Workshop- und Muvermieden und durch den Felsen im Hintergrund werden seumbereich getrennt voneinander begehbar sind. Der die Skulpturen besonders in Szene gesetzt. Der mittig im Workshopbereich kann in der warmen Jahreszeit über Raum freigestellte Lift führt in das Untergeschoss, das große Schiebetüren zum Innenhof hin geöffnet werden sich über eine Galerie in den Ausstellungsbereich öffnet. und erhält so direkten Bezug zum Innenhof.


Im Museum

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Ansicht und Schnitte

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Grundriss Erdgeschoss

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Modellserie auf Einsatzplatte

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Modellfoto Perspektive von S端dwesten

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Miroslav Krejcir Das Museum für Gerald Brettschuh in Arnfels besteht aus drei Gebäudevolumen, die über einen Gang miteinanderverbunden sind. Diese Volumen graben sich in den Fels hinein und werden teilweise von ihm verdeckt. Museum und Fels erscheinen daher wie Teile einer gemeinsamen Masse. In Größe und Materialität verstehen sich die Gebäudevolumen des Museums als Anlehnung an traditionelle Wirtschaftsgebäude eines typischen Bauernhofs. Nicht nur Fassaden, sondern auch innere Wände des Museums bestehen aus rotem Ziegelmauerwerk, einem traditionellen

Baumaterial der Region. Das ebenfalls traditionelle Ziegelgitter wird neu interpretiert und liegt als Filter vor den großen Öffnungen in der Fassade. Über diese Öffnungen werden neben einer besonderen Lichtstimmung im Innenraum auch die wichtigsten Sichtbeziehungen zur Umgebung hergestellt: Zum Felsen - dem Erkennungszeichen von Arnfels - genauso wie zur Wiese und zu den Bestandsgebäuden. Im Innenraum werden die Ziegel der Fassaden durch schwarz lackierte BlechElemente und durch Böden aus gespachteltem Beton ergänzt.


Der Hof

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Ansicht und Schnitt

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Grundriss Erdgeschoss

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Modell auf Einsatzplatte

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Modellfoto Perspektive von S端dwesten

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Karin Krenn Das Museum für den Künstler Gerald Brettschuh schmiegt sich an die Rückseite zweier Bestandsgebäude, in welchen Atelier, Foyer, sowie Seminarraum untergebracht sind. Der Komplex befindet sich in unmittelbarer Umgebung zum Hauptplatz und grenzt direkt an den markanten Arnfelser Fels.

verwendet. Die Eigenständigkeit und starke Reduktion des Baukörpers wird durch die Homogenität des Materials Stampflehm betont. Die selbsttragende Glasfassade auf der Ostseite des Museums ermöglicht durch Schaltung des Glases von transparent bis transluzent variable Belichtungssituationen mit Tageslicht, sowie Ausblicke und Bezüge zum umgebenden Fels. Je nach Art der Ausstellung kann somit die Präsenz des Felsens im Hintergrund verstärkt oder abgeschwächt werden. Zusätzlich bieten die Räume indirektes Tageslicht, das durch einen Schlitz in der Decke der oberen Räume nach unten fällt.

Durch die erhöhte Position des Baukörpers wird ein ungehinderter Durchblick vom Arnfelser Hauptplatz zum Fels ermöglicht. Von dort gelangt man durch den Empfang im Museumsfoyer zum Stiegenhaus mit Lift oder ins Freie zur Rampe, die den Fels entlangführt. Bei diesem Felsenweg tastet man sich langsam an das prägnante Ortsmerkmal heran. Stetig windet sich der Felsenweg im Hof hinauf, bis man das gesamte Gebäude, den Skulpturengarten und Die Struktur des zweiten Geschoßes wird geprägt von eiden Fels erfassen kann und schlussendlich direkt in das nem großen offenen Raum ohne trennende Elemente und erste Obergeschoß geführt wird. einer Tageslichtdecke, deren zweischichtiger Aufbau diffuses Licht im Inneren erzeugt. Der rückspringende FußDurch die Positionierung des Baukörpers in bewusstem boden und die Öffnung am schmalen Ende des Raumes Abstand zum Fels, die Angleichung des Gebäudevolu- mit Ausblick geben diesem Geschoß eine längs gerichtete mens an das Felsrelief, sowie die Anhebung des Gebäu- Orientierung. Der Besucher wird durch die langsame Hedes, wird Raum zwischen Fels und Bestandsgebäuden ranführung an die Natur und erst in weiterer Folge an die freigespielt. Dieser Raum gibt als Skulpturengarten einen Kunst von Gerald Brettschuh bewusst entschleunigt und ersten Einblick in die Kunst von Gerald Brettschuh – nach kann so die Kunstwerke in großer Ruhe in reduzierten und dem Besuch dient er der Reflexion des Gesehenen. Der neutralen Räumen betrachten und auf sich wirken lassen. Weg selbst wird als prägendes Element des Entwurfes


Modellfoto Perspektive von S端dwesten

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Grundriss 1tes Obergeschoss

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Grundriss Erdgeschoss

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Ansicht S端d

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Ansicht West und Schnitt

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Lukas Malsiner Das Museumsprojekt besteht aus der Umnutzung des 15er Hauses am Arnfelser Hauptplatz und einem Neubau. Das Bestandsgebäude wird im Erdgeschoss, ohne große Änderungen an der statischen Struktur, neu organisiert. Der Empfangsbereich für das Museum wird straßenseitig erschlossen, es entsteht ein Seminarraum, welcher für Vorträge sowie Workshops genutzt werden kann. Die hofseitige Fassade wird aufgelöst, damit der Innenhof im Sommer genutzt werden kann. Straßenseitig nimmt die Fassade im Erdgeschoss das Raster der alten Bausubstanz auf und erzeugt ein einheitliches Bild. Das Obergeschoss wird durch einen getrennten Zugang im Süden des 15er Hauses erschlossen. Der Neubau wird den Bestandsgebäuden gegenübergestellt und rückt dabei so weit ab, dass ein großzügiger Freiraum entsteht. Das neue Bauvolumen erstreckt sich über die lange Seite des Grundstücks und schmiegt sich an den Felsen. Der Baukörper besteht aus fünf Monolithen, welche sich in Form und Größe voneinander unterscheiden, ihren

Verbindungsräumen und einem vorgelagerten Wegenetz. Die Volumen der Monolithen sind nach außen hin geschlossen und werden nur über die Decken belichtet. Über mehrere Streuebenen wird das Licht gleichmäßig im Raum verteilt. Die Verbindungsräume zwischen den Monolithen sind im Gegensatz dazu völlig transparent oder zum Teil transluzent und haben lediglich eine massive Decke. Damit thematisieren sie den besonderen Bezug des Künstlers zu Natur und Umgebung. Der Neubau wird zentral erschlossen. Es bleibt jedem Besucher überlassen, welchen Bereich er als Erstes erkundet. Durch das An- und Abrücken der Monolithe und deren unterschiedliche Formen entsteht eine abwechslungsreiche Beziehung der Räume und Zugänge. Im nördlichen Bereich liegt ein Patio, welcher vom Gebäude und dem Fels umschlossen wird. Im südlichen Bereich liegt ein weiterer Ausgang, von welchen man in den Skulpturengarten gelangt.


Die Monolithen

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Ansicht und Schnitt

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Grundriss Erdgeschoss

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Modell auf Einsatzplatte

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Modellfoto Perspektive von S端dwesten

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Michael Pleschberger Das neue Museum für Gerald Brettschuh ist nicht sofort als Bauwerk greifbar. Hinter den Bestandsgebäuden am Arnfelser Hauptplatz ist auf den ersten Blick nur eine Parklandschaft wahrnehmbar. Eine Komposition aus Wasserbecken, Sitzelementen und Oberlichtern verteilt sich in diesem Park in einem unregelmäßigen Raster wie ein Vogelschwarm und lässt den Ort des Museums nur erahnen: Tatsächlich sind die Ausstellungsräume in den Untergrund eingebettet, einzig ein kleiner Baukörper steht als oberirdischer Ausstellungspavillon frei im Park. Über den neuen Haupteingang, der wie ein Dorn im alten Bestandsgebäude steckt, erreicht man das Foyer und gelangt in den Park. Dort führen zwei gegenläufige Rampen in die Ausstellungsräume im Untergeschoss und ermöglichen dem Besucher die freie Durchwegung. Der Zugang

zur ersten Rampe fluchtet auf die Achse des Haupteingangs. Betritt der Besucher das Museum über diese Rampe, kann er den Felsen erleben, da ein Teil der Wand zum Felsen hin ausgespart wurde und dieser zur neuen Wand wird. Bei der zweiten Rampe sind Öffnungen zum Bestandsgebäude hin vorgesehen, in denen Wandmalereien des Künstlers Platz finden. Die Rampenbereiche werden mit Cortenstahl verkleidet, kleine Öffnungen ermöglichen an bestimmten Stellen Einblicke in die Museumsräume. Im Inneren ist das Museum in weiß gefärbtem Beton gehalten, die Böden werden mit schwarzem Epoxidharz beschichtet. Somit kann nichts den Besucher ablenken, ruhig wird er durch die neuen Räume geleitet.


Schnittperspektive

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Ansicht und Schnitt

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ausstellung b

wc teek端che

konferenzraum empfang _ b端chertisch

GRUNDRISS EG

Grundriss Erdgeschoss

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Modellfoto Atmosph채re Museum

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abstellraum

wc

atelier

GRUNDRISS UG

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Grundriss Untergeschoss

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abstellraum

wc

atelier

ANSICHT HAUS 0 1

abstellraum

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wc

atelier

SCHNITT 1 0 1

Ansicht und Schnitt

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5

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Modellfoto Perspektive von S端dwesten

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Eva Ploy Das neue Museum für Gerald Brettschuh besteht aus zwei Bestandsgebäuden und einem Neubau. Die beiden Bestandsgebäude bilden die Straßenfront und stehen direkt am Hauptplatz von Arnfels. Auf der Rückseite ragt der Fels in die Höhe und bildet so eine starke, natürliche Grenze. Im Haus Nr. 15 finden Foyer mit Nebenräumen und ein großer Seminarraum Platz. Weiters befindet sich im Obergeschoss ein Atelier für den Künstler. Über den Skulpturenpark, der sich zwischen den Bestandsgebäuden und dem Fels befindet, gelangt man zum neuen Museum.

eindrücken. Während die große Box sehr hell und neutral – wie ein “White Cube“ in Erscheinung tritt, werden die Boxen in Bezug auf Materialität, Lichtkonzept und Deckengestaltung ganz unterschiedlich ausgeführt. Durch diese unterschiedliche Gestaltung der Boxen, wird Platz für alle Gemälde und Kunstwerke geschaffen.

Die große neutrale Box wird von drei der kleineren Boxen getragen und bildet das Obergeschoss. Somit ist das Erdgeschoss völlig offen. Die kleineren Boxen ziehen sich teilweise über beide Geschosse, oder drücken sich nur geringfügig durch die Geschossdecke, wodurch beispielsweise ein Podest entsteht, auf dem Skulpturen ihren Platz Das Museum für den boxenden Künstler steht vor der finden. großen Aufgabe, dessen vielfältige Werkeentsprechend zu präsentieren. Seine Gemälde wirken in verschiedenen Da der Fels eine ganz besondere Bedeutung für den Räumlichkeiten sehr unterschiedlich, beziehungsweise Künstler hat, spielt er auch im Konzept eine wichtige Rolle. benötigen sie bestimmte Atmosphären um wirklich zur Das neue Gebäude ragt in den Felsen hinein und der TrepGeltung zu kommen. penaufgang führt direkt am nackten Felsen hinauf. Um die Aufmerksamkeit für kurze Zeit von den Kunstwerken weg Das Konzept für das Museum ist daher nicht flexibel. und auf den Felsen hin zu lenken, ist die Treppe durch Es gibt eine große Box, in die sich vier kleinere Boxen eine Mauer vom restlichen Ausstellungsbereich getrennt.


Modellfoto Perspektive von S端dwesten

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3

1 ErschlieĂ&#x;un

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2

Ausstellung

Ausstellung

sraum 1.03

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Ausstellung

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Atelier

Grundriss 1tes Obergeschoss

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3

1 ErschlieĂ&#x;ung

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Eingang Brettschuh

Toilette

TeekĂźche Empfang

Putzkammer

Seminarraum

Grundriss Erdgeschoss

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Modell auf Einsatzplatte

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Ausstellungskonzept

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Klemens Sailer Drei Themen für Gerald Brettschuh - Zeichner, Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Vieles mehr - 1941 in Arnfels, in der Südsteiermark geboren und 1976 wieder nach Arnfels zurückgekehrt. Ein Mensch, der immer seinen Wurzeln treu geblieben ist. Die Themen, die er behandelt, stammen aus seinem Leben. Denn nur das, was er selbst fühlt, kann er auch malen. Durch die Überzeugung, dass das Leben die einzig wahre Inspirationsquelle ist, schafft er seit Jahrzehnten Werke als Zitate des Augenblicks, spontan, berührend und unverwechselbar. Der Wald Die Natur, welche Gerald Brettschuh so liebt, bekommt einen ganz großen Stellenwert. Der Wald dient in vielen Werken Brettschuhs als Inspirationsquelle, und soll daher auch für Besucher inspirierend wirken. Die Gebäudekörper sind auf den Wald ausgerichtet, die Erschließung des Museums erfolgt ausschließlich durch den Wald. Er wird somit zum Identifikationsort und Verknüpfungspunkt.

Der Fels Schon in seinen Kindheitstagen spielte Gerald Brettschuh am Arnfelser Felsen. Er ist ein wichtiger Bestandteil in Brettschuhs Leben. Diese Nähe zum Felsen wird auch im Entwurf spürbar. Das Museum ragt in den Felsen hinein, wodurch notwendige klimatische Bedingungen sowie optimale Lichtverhältnisse für seine Kunstwerke hergestellt werden. Die Fassade Diese wird vom Künstler selbst entworfen und stellt ein über Jahrzehnte hinweg verhülltes Geheimnis dar, welches voraussichtlich noch während seines Lebens großteils verdeckt bleibt. Vorfabrizierte Stahlbetonelemente mit eingelegtem Relief werden an der Innenseite des abgetragenen Felsen gestellt. Das anfangs noch tief in das Gestein ragende Relief kommt erst, bedingt durch das Abbröckeln des Arnfelser Opoc, im Laufe der Jahrzehnte ans Licht.


Blick in den Hof

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Grundriss 1tes Obergeschoss

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Grundriss Erdgeschoss

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Blick aus dem Museum

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Schnitte

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Modell auf Einsatzplatte

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Modellfoto Perspektive von S端dwesten

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Florian Schicho Das Haus am Fels, in dem die Werke des Künstlers Gerald Brettschuh ausgestellt sind, steht an einem speziellen Ort am Fuße des Arnfels. Auch die Nähe zum Hauptplatz und die Positionierung hinter der Häuserzeile an der Hauptstraße von Arnfels definieren die besondere Lage des Bauwerks. Beim nördlichen der zwei bestehenden Gebäude ist das Erdgeschoss entkernt. Es entsteht so ein durchlässiger Bereich mit Blickbeziehung zwischen dem Arnfelser Hauptplatz und dem neuen Museumsvorplatz im Innenhof.

hat. Die Fassade besteht aus unterschiedlichen Polycarbonat-Elementen, die eine differenzierte Lichtstimmung im Innenraum und ein geschichtetes Erscheinungsbild nach außen erzeugen. Bei Tag etwas verschlossen, zeigt das Museum nachts seine extrovertierte Seite und wirkt wie ein Leuchtkörper in die Umgebung. Das Museum wird über einen massiv erscheinenden Block betreten, in dem sich die Foyerfunktionen befinden. Der weitere Besucherweg führt entweder in den zur freien Wisenfläche orientierten Seminarraum, welcher über einen überdeckten Vorbereich verfügt, oder über eine Treppe in das Obergeschoss, das erste Museumsgeschoss. Der schlanke Baukörper sowie die Treppenführung geben den Weg durch das Museum vor. Vier große Dachöffnungen erhellen den Raum des zweiten Obergeschosses zusätzlich mit Tageslicht. Die länglichen Ausstellungsflächen sind flexibel bespielbar und durch Glaselemente strukturiert.

Das Bestandsgebäude durchschritten, eröffnet sich der Blick auf einen lang gestreckten, strengen Baukörper, der wie eine Scheibe an dem für den Ort so charakteristischen Felsen sitzt. Die offenen Bereiche unter dem Museum und dem Bestandsgebäude dienen als Aufenthaltsbereiche, in denen Skulpturen des Künstlers ausgestellt werden. Der großzügige Museumshof bietet Platz für unterschiedlichste Veranstaltungen, die große nördlich gelegene Bestandswand kann für Projektionen genutzt werden. In Richtung des Hanges sind Bereiche in der Fassade verglast, um den felsigen Außenraum als Teil der Ausstellung Der Baukörper des neuen Museums erscheint wie ein ro- in das Museum zu holen. tes Regal, das verschieden transluzente Bänder erhalten


Im Obergeschoss

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Ausstellung

r Atelie

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Grundriss 1tes Obergeschoss

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WC

PU

Backstage

Seminarraum

Skulpturen

Lift Foyer/Empfang

Vorbereich Seminarraum

Sitzgelegenheiten

MUSEUMSHOF

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Grundriss Erdgeschoss

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Blick von der StraĂ&#x;e


Ausstellung

Ausstellung

Skulpturen

Foyer

Seminarraum

Bilderlager

Ansicht West und Schnitt


Modell auf Einsatzplatte

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Modellfoto Perspektive von S端dwesten

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Andrea Tüchler Der Eingangsbereich im Bestandsgebäude am Hauptplatz ist zurückversetzt und verglast. An der linken Seite des Durchgangs befinden sich die Rezeption, rechts davon Büchertische und Sitzgelegenheiten. Der Bestand wird großteils verglast, um die Durchsicht auf den Felsen zu erhalten. Der Weg zwischen Bestand und Neubau ist überdachter Außenraum, während das Erdgeschoss des Museums zum Großteil verglast ist. Die Decke des ersten Ausstellungsbereichs ist in Richtung Hang abgeschrägt, um die Sichtmöglichkeit auf den Felsen zu erhöhen und den Bezug zu diesem zu betonen.

während der restliche Raum durch den Gitterrost den Blick in das untere Geschoss ermöglicht. Die Bilder werden hier mit künstlichem Licht in Szene gesetzt.

Der nächste und höchste Ausstellungsraum wird über natürliches gefiltertes Licht beleuchtet. Der Innenraum ist aus Sichtbeton und ohne weitere Öffnungen oder Bezüge nach außen. An diesen schließt der niedrigste Raum an, in dem Handskizzen und kleinere Gemälde gezeigt werden. Um die Ausstellungsfläche zu vergrößern, bieten sich hier variable Stellwände an. Es gibt zwei Fensteröffnungen, die größere orientiert sich zum Hang, während die zweite Im Erdgeschoss werden Skulpturen und Schnitzereien Fensteröffnung in der Achse der Durchfahrt liegt und eiausgestellt. Der Bereich, der nicht für die Ausstellung ge- nen Blick auf den Ort bietet. nutzt wird, steht dem Künstler als überdachter Arbeitsbereich zur Verfügung. Im zweiten Bereich befindet sich Im letzten Kubus werden mittlere bis große Gemälde der Aufgang in das Obergeschoss. Um eine visuelle Ver- ausgestellt. Da der Besucher das Museum über diesen bindung zwischen den Geschossen zu schaffen, besteht verlässt, ist dieser Bereich eingefasst, der Ausgang wird der Boden teilweise aus Gitterrosten. Die Rampe verläuft durch eine Wand abgegrenzt. Die Südwand ist aus transparallel zum Felsen, um diesen zu inszenieren. luzentem Glas, um vom angrenzenden Grundstück aus etwas von der Bewegung im Museum wahrzunehmen. Über Der Weg in den nächsten Kubus wird durch Oberlicht einen Steg verlässt der Besucher das Museum mit einem und Materialität des Bodens betont. Dieser ist betoniert, Spaziergang über den Fels.


Die Durchfahrtsachse

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Ansicht und Schnitt

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Grundriss Erdgeschoss

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Modell auf Einsatzplatte

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Modellfoto Perspektive von S端dwesten

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Impressum Broschüre zur Lehrveranstaltung „Die Räume des boxenden Künstlers“ SS 2015 Institut für Gebäudelehre Fakultät für Architektur / Technische Universität Graz Lessingstraße 25 / IV 8010 Graz www.gl.tugraz.at https://www.facebook.com/Gebaeudelehre Leitung Uli Tischler Johannes Paar Studienassistenz Angelika Hinterbrandner unterstützt von: Christiane und Gerald Brettschuh

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Modellfotoserie aller Arbeiten


Schlusspr채sentation und Ausstellung

"Die Räume des boxenden Künstlers" [Master Design Studio - Culture]  

Lehrveranstaltungsbroschüre zur Projektübung (Studio 2) im Sommersemester 2015 am Institut für Gebäudelehre der TU Graz.