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Gabriel Tarde oder die Erfindung und Nachahmung eines Klassikers KLAUS GILGENMANN Wenn Menschen in ihrer gegenwärtigen Umwelt nichts Neues mehr entdecken, das sie für nachahmenswert halten, wenden sie sich ihren Ahnen zu und entdecken erneut, was diese einmal motivierte. Für viele aktuelle Themen und Fragestellungen, die heute in den Sozialwissenschaften diskutiert werden, wird neuerdings auf Theorien eines Autors Bezug genommen, der lange in Vergessenheit geraten schien und auch nicht als Gründer einer soziologischen „Schule“ hervorgetreten ist: Gabriel Tarde (1843-1904). Seine Überlegungen werden herangezogen im Bezug auf Fragen der Theoriekonstruktion wie der nach den Grenzen der Sozialität, ihren Elementareinheiten sowie der Verknüpfung zwischen Mikro- und Makrophänomenen, aber auch im Bezug auf zeitdiagnostische Fragen wie Globalisierung, Verstädterung, Verbrechen, Technisierung und Individualisierung. Gibt es also eine „Tardemania“ in den Sozialwissenschaften? Das wird man zumindest für den deutschsprachigen Raum nicht behaupten können. Obwohl Tarde ursprünglich in Deutschland fast zeitgleich rezipiert wurde, sind bisher nicht mehr als drei von Tardes zwölf größeren Publikationen auf deutsch erschienen: Die Gesetze der Nachahmung (zuerst 1890, Ffm. 2003, 2009), Die sozialen Gesetze (zuerst 1898, Leipzig 1908, unveränderter Nachdruck Marburg 2009) und jüngst Monadologie und Soziologie (zuerst 1893, Ffm. 2009). Zeitgleich ist ein Band mit „Materialien zu Gabriel Tarde“ von Borch und Staeheli (Ffm. 2009) herausgegeben worden, der 14 (zum größeren Teil schon andernorts veröffentlichte) Beiträge aus der internationalen Diskussion zur Wiederaufnahme von Tardes Theorieangebot für das deutsche Fachpublikum zusammengestellt hat. Die darin enthaltene Bibliographie verzeichnet 21 Bücher und über 200 Artikel Tardes. Die beiden zuletzt genannten Veröffentlichungen „Monadologie und Soziologie“ (im Folgenden: MuS) und der Materialienband „Soziologie der Nachahmung und des Begehrens“ (im Folgenden: SNB) sind – in dieser Reihenfolge – Gegenstand dieser Rezension.1 Darüber hinaus muss auf das – in vielen Beiträgen als Tardes Hauptwerk angesehene – Buch „Die Gesetze der Nachahmung“ (im Folgenden: GdN) Bezug genommen werden. Im Blick auf den MaterialienBand soll zunächst auf die ältere Tarde-Rezeption und dann in mehreren Schritten auf die neuere Rezeption eingegangen werden. Mit Bezug auf Letztere ist vorweg als auffälligster Punkt zu vermerken, dass Vertreter verschiedenster Theorieansätze auf Beiträge Tardes Bezug nehmen - allerdings nur, um die jeweils eigene Position in dieser Konkurrenz zu stärken und nicht in einer Weise, die geeignet wäre, die Theorielandschaft durch eine neue Synthese zu verändern (also i.S. Tardes eine Erfindung zu machen). Die Wiederentdeckung Tardes verläuft als spiegelbildliche Umkehrung des holistischen mainstreams der Durkheim-Tradition zugunsten einer mikrofundierten Methodologie (i.S. Tardes als „GegenNachahmung“). Die meisten Beiträge positionieren sich in dieser Alternative auf der Seite Tardes. Diese Tendenzumkehr befreit jedoch noch nicht von dem Dichotomi-

1 Ich danke Hartmann Tyrell für kritische Begleitung und ergänzende Hinweise bei dieser Rezension.

sierungszwang des Anti-Naturalismus, den beide Strömungen in gewisser Weise teilen und den Vertreter der Mikrofundierung – zu Unrecht – auch Tarde unterstellen. Deshalb werden nach Auffassung der Rezensenten wichtige Anschlussmöglichkeiten, die in Tardes Werk enthalten sind, immer noch vernachlässigt. In dieser Hinsicht ist vor allem Tardes Beitrag zur Theorie der kulturellen Evolution erst noch zu entdecken – zum Teil auch gegen von ihm selbst vorgenommene Abgrenzungen gegenüber der darwinschen Theorie. Tardes „Monadologie und Soziologie“ Der zuerst 1893 erschienene Essay MuS stellt eine wissenschaftstheoretische Programmschrift dar,2 in der Tarde seine in GdN materialreich entfaltete Theorie des Sozialen in relativ lockerer Form gegen die aufkommende Soziologie Durkheims (s. „Regeln der soziologischen Methode“, in Buchform zuerst 1895) positioniert.3 Während der Schwerpunkt in GdN noch auf der Beschreibung der Vielfalt der Nachahmungsphänomene und ihrer Verknüpfungen liegt, sind die Ausführungen in MuS auf eine theoretische Rekonstruktion der Elementareinheiten focussiert, aus denen Nachahmungsketten bestehen. Damit verbindet sich in methodologischer Perspektive auch eine Stoßrichtung gegen die darwinsche Evolutionstheorie, die auf dem damaligen Entwicklungsstand noch keine Klarheit über die genetischen Elementareinheiten hatte, die der natürlichen Evolution zugrunde liegen, und mit dem Mechanismus der Umweltselektion einseitig funktionalistischen Erklärungen den Vorzug zu geben schien. Tarde bringt seine Distanz zum zeitgenössischen Funktionalismus zum Ausdruck, in dem er in spekulativer Weise an die Naturphilosophie der frühen Neuzeit anknüpft und sich im Blick auf die Bezeichnung der Elementareinheiten auf die leibnizsche Monadenlehre bezieht.4 Im Rekurs auf die Monadenlehre sieht Tarde einen Weg, den begrifflichen Dualismus von Materie und Geist zu überwinden und „zugleich die außergewöhnliche Vervielfältigung rein geistiger Akteure der Welt“ (MuS S. 17) zu erklären. Nachahmung ist für Tarde die kulturelle Ausprägung einer universellen Wiederholungstendenz, die bereits in der unbelebten Natur in der Wellenbewegung, in der belebten Natur in der Erblichkeit zu finden ist. Dementsprechend verschieden sind die Einheiten, die durch diese Tendenz verknüpft werden. Die Reduktion auf irgendwelche Letztelemente lehnt er ausdrücklich ab. Jedes Element, jedes Ereignis, das sich wiederholt, kann selbst schon als ein Zusammengesetztes, also als soziales Element betrachtet werden („Am Grunde eines jeden Dings liegt jedes wirkliche oder mögliche andere Ding.“ MuS 51). Nicht die stoffliche

2 Der deutschen Ausgabe ist ein furioses Plädoyer Bruno Latours vorangestellt, indem er nicht nur zur Rehabilitation einer zu Unrecht vergessenen Theorie sondern zur Neubegründung der Soziologie im Sinne dieser Theorie aufruft (8) – mehr zu Latours Tarde-Rezeption unten. 3 So wird in F. Kellers Beitrag im Materialienband Tardes Monadologie und Soziologie als vorweggenommene Fundamentalkritik an Durkheims Konzeption der Soziologie interpretiert (232f). 4 Bei Leibniz findet sich der Ausdruck erstmals 1696, wesentliche Komponenten schon im ‹Discours de Metaphysique› 1686. Sogar der Terminus Evolution taucht schon bei Leibniz auf. – Tardes Bezug auf Leibniz Begriff der „fensterlosen“ Monade sollte nicht allzu wörtlich sondern als Ausdruck für eine Ausrichtung der Sozialtheorie genommen werden, in der die Geschlossenheit der Individuen, die Nachahmungshandlungen vollziehen, immer schon für Unterbrechung und Variation in den sozialen Verkettungen sorgt.


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Substanz, sondern ihr sozialer Charakter ist für Tarde das gemeinsame Moment der Monaden. Vor diesem Hintergrund kehrt Tarde die in den Sozialtheorien seiner Zeit (und in versteckter Form bis heute) beliebten Organismus-Analogien um: „Alle Wissenschaften scheinen dazu bestimmt, Zweige der Soziologie zu werden. Ich weiß sehr gut, dass so mancher durch fehlgeleitete Gelehrigkeit dazu gebracht worden ist, … in den Gesellschaften Organismen zu sehen; doch in Wahrheit ist das genaue Gegenteil der Fall - die Organismen sind durch die Zelltheorie zu Gesellschaften besonderer Art geworden, …“ (MuS 51) Dies richtet sich zunächst gegen Spencer, aber auch gegen Durkheim, der die Organismus-Analogie in veränderter Terminologie (Über die Teilung der sozialen Arbeit, zuerst 1893) weitergeführt hat. Da Sozialität immer schon in den kleinsten Einheiten enthalten ist, findet Tarde es „immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie Wissenschaftler, die sonst bei jeder Gelegenheit wiederholen, dass nichts sich selbst erschaffen kann, plötzlich ganz beiläufig, als handele es sich um eine Selbstverständlichkeit, zugeben, dass einfache Zusammenschlüsse von verschiedenen Wesen neue, eigenständige Wesen hervorbringen können.“(MuS 63) Tardes Bezug auf Individuen als soziale Monaden ist unvereinbar mit einer funktionalistischen Theorie sozialer Differenzierung: „Die Wahrheit ist, dass die Differenz durch die Differenzierung, die Veränderung durch das Verändern entsteht; …. bisher ist nicht bewiesen — noch wird je bewiesen werden -, dass der Unterschied und die Veränderung in der Welt zu- oder abnehmen. Wenn wir einmal die soziale Welt betrachten und somit die einzige, welche wir von innen kennen, so sehen wir Akteure, Menschen, die viel differenzierter, viel individueller charakterisiert, viel reicher an beständiger Veränderung sind als der Regierungsapparat, die Glaubens- oder Rechtssysteme, selbst als die Wörterbücher und Grammatiken, welche aus ihrem Wettbewerb hervorgehen.“ (MuS 67f) Gesellschaft ist für Tarde auch nicht zu erklären als Aggregation von Individuen oder als emergenter Effekt einer Vielzahl individueller Handlungen. Seine Monaden sind keine Abstraktionen vom Typ des homo oeconomicus sondern lebendige, d.h. in sich schon hochdifferenzierte – und ab ovo „erfinderische“, also Variation erzeugende - Wesen. Insofern ist seine mikrotheoretische Perspektive auch kaum anschlussfähig für eine individualistische Handlungstheorie.5 Für Tarde sind soziale Makrophänomene das leicht zu Beschreibende, das schwer zu erklären ist, weil die wirkliche Komplexität in den Mikrophänomenen steckt. Man müsse erkennen, „dass Ordnung und Einfachheit seltsamerweise im Zusammengesetzten erscheinen, obwohl sie seinen Elementen fremd sind, und dann wieder in neuen, überlegenen Zusammenschlüssen verschwinden und diese wiederum in weiteren und so fort. Jedoch haben wir bei den sozialen Evolutionen und Zusammenschlüssen, welchen wir selbst angehören, den Vorteil, beide Enden der Kette, den niedrigsten und den höchsten Baustein des Gebäudes, zu gleicher Zeit begreifen zu können; wir sehen deutlich, dass Ordnung und Einfachheit nur von kurzer Dauer sind, lediglich Retorten, in denen sich gewissermaßen die elementare

und wirksam verwandelte Verschiedenheit sublimiert.“ (MuS 75f) Die Verschiedenheit der menschlichen Individuen (wie anderer Monaden) ist für Tarde grundlegend, während in den Sozialsystemen gleichzeitig (komplementär) Prozesse der Homogenisierung und der Differenzierung zu beobachten sind. Homogenisierung ist der Preis, den die Individuen für die Vorteile zu zahlen haben, die ihnen die Zugehörigkeit zu einem sozialen Organismus bieten. Tarde definiert die menschliche Gesellschaft als den „in mannigfaltigen Formen auftretende[n] gegenseitige[n] Besitz von allen durch jeden Einzelnen.“ (MuS 87) So fasst er seine Ausführungen zur Eigenständigkeit und Eigendynamik der Mikroeinheiten des Sozialen zusammen in einer Umkehrformel zur Cartesianischen Denktradition:„Anstatt des Berühmten cogito ergo sum sage ich mit Vorliebe: »Ich begehre, ich glaube, also habe ich.«“ (MuS 89) Dies ist als überspitzter Ausdruck eines philosophischen Essays belächelt worden.6 In den folgenden Formulierungen wird eine Interpretation der kulturellen Evolution vorweggenommen, wie sie Norbert Elias ausgeführt hat: „…man muss die soziale Welt betrachten, um zu beobachten, wie die Monaden offen und lebendig voneinander Besitz ergreifen, indem sie ihr flüchtiges Innenleben voreinander zur Schau stellen. Dies ist die Beziehung par excellence, das typische Haben, dessen Entwurf oder Spiegelbild alles Übrige ist. Durch Überzeugung, durch Liebe und Hass, durch persönliches Prestige, Glaubensgemeinschaften und Gemeinschaften von Freiwilligen, durch die gegenseitige Bindung eines Vertrages, jenes engmaschigen Netzes, welches sich endlos erstreckt, halten sich die sozialen Elemente - und werden ihrerseits gehalten - auf tausenderlei Art; und aus ihrem Wettbewerb entsteht schließlich das Wunder der Zivilisation.“ (MuS 94) Trotz des spekulativen Charakters der Schlusspassagen der Monadologie ist hervorzuheben, dass Tarde gerade mit diesen Formulierungen Anschlussmöglichkeiten sowohl an die neuere soziologische Theorie wie auch an neuere Evolutionstheorie gelegt hat. In soziologischer Perspektive kann das Begehren, Besitzen-Wollen mit dem Konzept der Erwartungsstrukturen (und Theorieäquivalenten bis hin zu den property rights) übersetzt werden und in evolutionstheoretischer Perspektive mit dem Konzept der sexuellen Selektion, die als modifizierendes Moment kultureller Gruppenevolution erst in jüngster Zeit wiederentdeckt wurde. Die Herausgeber der Tarde-Materialien haben daher aus gutem Grund Tardes Begriff des Begehrens als Komplementärbegriff zu dem der Nachahmung in den Titel ihres Diskussions-Bandes gesetzt.

5 S. aber die Hinweise im Materialienband bei Alliez 130, Möbius 255 auch auf Boudon als Wegbereiter für die Wiederentdeckung Tardes.

6 Manchem heutigen Leser mag dagegen Erich Fromms vergleichsweise triviales Plädoyer mit umgekehrter Stoßrichtung in den Ohren klingen.

Materialien zu Tardes „Soziologie der Nachahmung und des Begehrens“ In ihrer Einleitung des Materialien-Bandes geben die Herausgeber Staeheli und Borch an, dass sie den Schwerpunkt bei der Auswahl der Beiträge nicht in der Wiederentdeckung Tardes als soziologischer „Klassiker“ sehen, sondern in seiner Bedeutung als „Wegbereiter einer neuen, lange nur minoritären Soziologie, die auch für das Verständnis gegenwärtiger Gesellschaften von Belang ist.“ (SNB 7). Damit


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nehmen sie einen Anspruch auf, der von vielen Autoren formuliert wird, die sich an Tardes Wiederentdeckung beteiligt haben und ihn als Vorläufer der Theorietradition feiern, der sie selbst nahestehen. Es handelt sich um eine enorme Breite verschiedenartiger, heute vielfach miteinander konkurrierender Theorieansätze: Rational-Choice-Theorie, Poststrukturalismus, Akteur-Netzwerk-Theorie, neodarwinistische Mem-Theorie, Neoinstitutionalismus und Luhmannsche Systemtheorie. Zur Rezeption der Tardeschen Soziologie vor ihrer Wiederentdeckung Der von Borch u. Stäheli edierte Sammelband ist, um es in den Worten von Latour zu sagen, Teil des wundersamen Unternehmens, einen toten oder doch totgesagten Autor „auferstehen zu lassen“ (SNB 41). Das macht es für den Band unvermeidlich, die Todesumstände zum Thema zu machen und rückblickend der zeitgenössischen Rezeption von Tardes Oeuvre einiges an Aufmerksamkeit zu widmen. Für die Tardemanen von heute – und Latour voran – liegt aber, was die Todesumstände angeht, ein Mordfall vor, und Émile Durkheim, der jüngere und zunächst weit weniger erfolgreiche, lange in der Provinz lehrende „Emporkömmling“ (SNB 39), war der Täter und ‚Totsager’. Die Anlage der Durkheimschen Soziologie war bekanntlich direkt konträr zu der Tardes. Man kann es verkürzt so sagen: Die Sozialpräposition, die bei Tarde die bestimmende war, war die des Zwischen, und Tarde hatte kein Problem damit, seine Soziologie der Nachahmung eine „Inter-Psychologie“ zu nennen. Für Durkheim dagegen, der das Gebäude seiner Soziologie gegen die Psychologie errichtete, war das Soziale das Kollektive; ihm subsumierte er mittels der Kategorien von ‚Exteriorität’ und ‚sozialem Zwang’ die handelnden Individuen. Und der Streit, den Durkheim offensiv mit Tarde suchte, hatte nicht zuletzt mit der Frage zu tun, ob dem Handeln, das sich in Übereinstimmung mit kollektiven Gewohnheiten, Sitten und Normen vollzieht, der „Ausdruck Nachahmung angemessen ist“, wie es in Durkheims Regeln heißt. Im Selbstmord (1897) ist es dann vor allem Tardes Massentheorie, die von Durkheim attackiert wird. Die ‚Einleitung’ von Borch und Stäheli zeichnet den Streit adäquat nach (SNB 18ff.); zugleich macht sie die durchaus kontingenten intellektuellen und disziplinären Kampfkonstellationen der Zeit sichtbar, in denen Durkheims Soziologie sich durchsetzen konnte – mit dem Effekt, dass Tarde „als der große Verlierer“ dem (in den Augen der Sieger) legitimen Vergessen anheim fiel. Unter den Vorzeichen von Holismus und Reduktionismus wird der seinerzeitige Streit um la chose sociale auch bei Susanne Lüdemann (SNB 107ff.) wieder zur Sprache gebracht.7 (Auf den von Lüdemann und anderen Tarde unterstellten Antinaturalismus ist im Folgenden noch einzugehen. ) Lehrreich ist die Studie von Felix Keller (SNB 226ff.), die ebenfalls den Gegensatz zwischen Tarde und Durkheim aufgreift, ihn aber auf sein Weiterwirken bei Ferdinand de 7 Lüdemann verweist auch auf die Tarde-Rezeption bei René Girard. Leider bin ich in der in der Soziologischen Revue publizierten Rezension nicht auf diese für eine Kulturevolutionstheorie höchst interessante Rezeption eingegangen. Mit seiner (im Vergleich mit Tardes postmodernen Anhängern) „entharmlosenden“ Deutung der Nachahmung als Begehren, als konflikterzeugende Aneignungsmimesis verweist Girard auf den ursprünglich gewaltsamen Charakter sozialer Systembildungen, der in Opfer-Mythen und –Riten zum Ausdruck kommt.

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Saussure hin befragt, nämlich auf die Gegensätzlichkeit (und doch Einheit) von langue und parole hin. Saussures Sprachtheorie ist wiederholt auf die beiden soziologischen Antipoden rückbezogen worden: auf Durkheims ‚soziale Tatsache’, was die langue angeht, auf Tarde bezüglich der parole. Allerdings zeigt Keller eindringlich, dass die coincidentia oppositorum, die sich damit andeutet, komplexer gelagert ist, als es zunächst den Anschein hat. Von einer bruchlosen Weiter- und Zusammenführung der sprachbezogenen Ausgangspositionen Tardes und Durkheims bei Saussure kann nicht die Rede sein. Die Soziologie ist wohl nie wieder so ‚transnational’ gewesen, wie sie es vor und um 1900 war. So war es fast selbstverständlich, dass man Tarde in den USA zur Kenntnis nahm und dies im Zuge des seinerzeit florierenden Nachahmungs-Suggestions-Diskurses ausgiebig tat. Über „Tarde in Amerika“, nämlich über seine zunächst beträchtliche Präsenz dort informiert der glänzende (bereits 1993 engl. publizierte) Aufsatz von Ruth Leys (SNB 62ff.). Hier sei zum Rezeptionsschicksal Tardes in den USA nur zweierlei festgehalten, zum einen die damnatio memoriae, wie sie in Talcott Parsons’ The Structure of Social Action von 1937 an Tarde exekutiert worden ist. In diesem Buch, das der internationalen Soziologie bleibend ihre ‚Klassiker’ beschert und sanktioniert hat, wird Tarde nur ein einziges Mal erwähnt: in einer Fußnote innerhalb der Durkheim-Darstellung (SNB 66f.). Nach Ansicht der Herausgeber ist Parsons Theoriesynthese „mit der Tradition Tardes und ihrem Schwerpunkt auf der Frage, wie die hypnotische Suggestion die Idee von einem distinktiven Selbst untergräbt, unvereinbar“. Ist Tardes Theorie als ein „Untergraben“ der Idee eines distinkten Selbst zu verstehen? Die Lektüre seiner Monadologie macht deutlich, dass Tarde das Individuum ähnlich wie Simmel als eine immer schon in sich selbst distinktive Einheit betrachtet. Mit der Somnambulismus-Metapher liefert Tarde keineswegs Argumente, um (wie in der Luhmannschen Systemtheorie) von menschlichen Individuen abzusehen. Tardes Begriff der Nachahmung liegt jenseits der Unterscheidung zwischen bewussten und unbewussten Handlungsmotiven, nicht aber jenseits von Individuen mit ihren ungleichen Anlagen und Lebensgeschichten als divergenten Antriebskräften sozialer Operationen. G.H. Meads Auseinandersetzung mit Tarde und der Nachahmungs-/Suggestionstheorie wird im Beitrag von Leys kritisch beleuchtet. Er zeigt, wie sehr Meads „taking the role of the other“ gegen die Nachahmung – im Sinne von „hypnotischer Verschmelzung, Entdifferenzierung und Gleichheit“ (SNB 85) – konzipiert ist und wie sehr es Mead, noch was die Nachahmung selbst angeht, auf die Stärkung und die Differenz des Selbst ankommt. Ihm ist die Nachahmung ein komplexes Sozialphänomen, das „auf bereits vorhandenen Elementen (...) beruht statt auf der Auflösung von Grenzen, auf zeitlicher Verzögerung statt auf unmittelbarer Kommunikation, auf Distanz statt auf Verschmelzung sowie auf kognitiver Selbstdarstellung statt auf blinder emotionaler Identifikation“ (SNB 86). Interdependenzunterbrechung ist die Meadsche Botschaft, die auch von Demokratie propagierenden Impulsen mitbestimmt ist. Während Tardes Soziologie in Frankreich der Schulen bildenden Theoriepolitik Durkheims unterlag, wuchs sein Einfluss in der amerikanischen Soziologie der Chicago-


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Schule (v.a. Park und Burgess Stadtsoziologie – s. die Beiträge von Borch und Czarniawska) und über Cooley und G.H.Mead auf den symbolischen Interaktionismus. Dies geschah freilich nicht i.S. von Schulenbildung, sondern eher i.S. der intellektuellen Anregung, die z.T. auch zu ganz anderen Ergebnissen führte. Im Blick auf die neuere Rezeption Tardes in der nordamerikanischen Soziologie ist noch hinzuweisen auf den Beitrag von Czarniawska (SNB 372-396) in dem Tardes Beitrag zur Organisationssoziologie und die Verarbeitung des Nachahmungsbegriffs im neoinstitutionalsitischen Isomorphie-Konzept behandelt wird. Im Rekurs auf die zeitgenössische Theorielandschaft um 1900 heben die Herausgeber in einer knapp gehaltenen Skizze hervor, dass die Tarde-Rezeption in der deutschen Soziologie zunächst fast zeitgleich bei Vierkandt, Simmel, v.Wiese und Tönnies erfolgte. Der Band zeigt das vor allem für Ferdinand Tönnies; dessen Auseinandersetzung mit Tarde der umfängliche Beitrag von Peter-Ulrich Merz-Benz gewidmet ist. (SNB 180-225) Der Autor vertritt die Ansicht, dass man über dessen geschichtstheoretische Umdeutung des Nachahmungskonzepts (Sitte vs. Mode i.S. von Gemeinschaft vs. Gesellschaft) etwas über Tarde erfahren könne, was sonst verborgen bleibe. Jenseits dieses Beitrags bleibt Max Weber ungenannt, was in ideengeschichtlicher Perspektive verwundert, da in dessen Wirtschaft und Gesellschaft Tarde seinerseits ausdrücklich erwähnt wird.8 Unberücksichtigt bleibt in dem Materialienband auch die Rezeption von Tardes Nachahmungskonzept in der Tradition der philosophischen und soziologischen Anthropologie.9 Was schließlich Georg Simmel angeht, der mit Tarde korrespondierte, so verweisen Borch und Stäheli (SNB 29) zu Recht auf die ausgesprochen freundliche Rezension, die Simmel Tardes Les lois de l’imitation im Jahr nach ihrem Erscheinen (1891) gewidmet hat. Man muss aber hinzusetzen, dass ‚aus eigenen Stücken’ auch Simmels Über sociale Differenzierung, ebenfalls 1890 erschienen, das Nachahmungsthema aufgegriffen hat; sie tut es im Kapitel „Das sociale Niveau“ vom Begriff der ‚Masse’ her mit grundlegenden Sozialitätsüberlegungen, die dann u.a. auch auf das Thema der Mode führen. Damit aber nicht genug: was Simmel, wie auch Borch und Stäheli sehen, von Tarde scheidet, ist, dass für ihn die Nachahmung eine ‚soziale Form’ neben anderen (Konkurrenz, Herrschaft usw.) darstellt. Dass Tarde die „relative Bedeutung“ der Nachahmung „nun gleich für eine absolute“ nimmt, „dass er mit diesem neugefundenen Schlüssel alle Rätsel der Soziallehre meint ohne Rest erschließen zu können“, das hält Simmel für „psychologisch wohl begreiflich“, aber zumindest in dem Sinne, wie er das soziologische Geschäft verstand, für inadäquat. Wichtig ist nicht nur, dass die Form/Inhalt-Unterscheidung des Sozialen, auf die die Simmelsche Soziologie gebaut ist, sich hier (in der Rezension von 1891) wohl erstmals artikuliert. Von Bedeutung ist ebenso, dass überall dort, wo Simmel später seine ‚sozialen Formen’ beim Namen nennt 8 Die Nachahmung, „auf deren Bedeutung G. Tarde berechtigtes Gewicht legt“, wie es im Blick auf’s ‚soziale Handeln’ in den „Soziologischen Grundbegriffen“ (1972, 11) heißt, kommt auch darüber hinaus – in Berührung zumal mit der Massenthematik – wiederholt zur Sprache, und im Kontext der Behandlung von ‚Sitte’ und ‚Konvention’ findet sich die Problematik von „Neuerung“ und „Nachahmung“ mit Nachdruck aufgeworfen. 9 S. v.a. Plessner 1948, 1961 mit Hinweisen auf Verarbeitung des Nachahmungskonzepts schon bei Scheler (1913) und Rothacker (1934). S. außerdem Claessens 1980.

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und sie, bewusst unverbindlich, aufzählt, die Nachahmung ausdrücklich mit von der Partie ist. Simmels ‚große’ Soziologie von 1908 ist auf die Nachahmung (als „Form der Vergesellschaftung“) indes nicht gesondert zurückgekommen, und so wird man sagen dürfen: die Arbeit an dieser Form war in seinem Sinne, auch wenn das ungesagt bleibt, teilweise wenigstens schon von einem anderen: von Tarde getan worden. Im Hinblick auf die neuere deutsche Tarde-Rezeption weisen die Herausgeber darauf hin, dass Tardes Vorleistungen für eine Theorie der Öffentlichkeit bei Habermas nur marginal Berücksichtigung finden. Dasselbe gilt allerdings auch für Luhmann, der Tarde (in einer FN S.603 in der Gesellschaft der Gesellschaft) als Differenztheoretiker erwähnt und dabei übersieht, dass Tardes Ausgangspunkt nicht bei einer binären Konstruktion (Sein oder Nichtsein) sondern bei einer quantitativen Differenz (mehr oder weniger Haben) liegt. Balke macht in seinem Beitrag (SNB 135-163) deutlich, dass Differenz bei Tarde anders als bei Latour nicht Negation sondern Varianz meint. Tardes Wendung gegen den Ausgangspunkt bei Identitäten entspricht der evolutionstheoretischen Kritik am Essentialismus der Arten i.S. der genetischen „Reproduktion mit Abweichung“, also nicht i. S. eines kognitiven Konstruktivismus,10 sondern i.S. des ontologischen Gradualismus der darwinschen Evolutionstheorie. »Die Soziologie ist aus dem keineswegs täuschenden Gefühl geboren, dass die Gesellschaft, als ganze genommen, etwas sehr Reales ist, genauso real wie die Materie für den Chemiker oder das Leben für den Biologen. Aber dieses nachhaltige Gefühl des sozialen Realismus hat unglücklicherweise zur Vorstellung der Gesellschaft als Organismus geführt. Man glaubte, aus der Gesellschaft einen komplexen Organismus machen zu müssen, um sie als ein reales Wesen (être réel) darstellen zu können, dessen Realität jenseits der Realität der Individuen in Betracht gezogen werden kann, aus denen sie besteht. Es ist nutzlos, sich mit dieser Metapher weiter abzugeben« (Tarde 1901: 458) Tardes vermeintlicher Antinaturalismus und die Ausdehnung des Sozialen Den wichtigsten Beitrag zur Wiederentdeckung von Tarde schreiben die Herausgeber Deleuze und Guattari zu, die in Tardes Herausstellung sich selbst verändernder Wiederholungen einen zentralen Baustein für ihre Differenztheorie gesehen haben. In diesem Sinne soll der Rekurs auf Tarde auch dazu dienen, die gängige Mikro-Makro-Unterscheidung der Soziologie neu zu durchdenken. (Entsprechende Hinweise finden sich auch in den Beiträgen von Balke und Alliez, dem Herausgeber von Tardes Werken.) Für Deleuze sind Makrophänomene immer schon als Referenzsysteme in den Mikroeinheiten der Kommunikation enthalten. In dieser Deutung zeigen sich auch Parallelen mit der luhmannschen Systemtheorie, in der die Mikro-Makro-Unterscheidung ganz aufgelöst erscheint. Diese Deutung hat jedoch den Nachteil, dass die evolutionär höchst bedeutsamen Größenunterschiede menschlicher Sozialsysteme damit gar nicht mehr thematisierbar sind. In der Umdeutung der Makroebene zu einer Sphäre symbolischer Phänomene (die wohl besser als 10 In offenkundigem Gegensatz zu obigem Tarde-Zitat über die „Gesellschaft als etwas sehr Reales“ behauptet Schillmeyer in seinem langen Nachwort zu MuS, Tarde habe versucht, „sich gegen jedwede Ontologie zu immunisieren - die soziologische eingeschlossen.“ (MuS 113)


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Meta-Ebene zu bezeichnen wäre) verschwindet das – nicht auf Sinnoperationen reduzierbare – Phänomen unwahrscheinlich großer sozialer Einheiten, also die Ebene kulturtechnisch erweiterter Gruppen und Organisationen, die Tarde durchaus im Blick hatte. Eine ähnlich große Bedeutung für die Wiederentdeckung Tardes messen die Herausgeber Bruno Latour zu. Dieser geht mit der Inanspruchnahme Tardes als Ahnherrn seiner AkteurNetzwerk-Theorie noch einen Schritt weiter als Deleuze und Guattari. Unter Berufung auf dessen Monadologie wird unterstellt, dass Tarde nicht nur die Unterscheidung zwischen großen und kleinen Sozialsystemen, sondern auch die zwischen kulturellen Sozialsystemen und natürlichen Dingen als theoretisch irrelevant aufgelöst habe. Die Herausgeber weisen sehr zu Recht daraufhin (SNB 35), dass diese Konsequenz nicht vereinbar ist mit Tardes Unterscheidung zwischen drei Formen der Wiederholung: Schwingung in der physischen Welt, Vererbung im organischen und Nachahmung im sozialen Leben. (GdN 11, 31, MuS 99f.) Latours fundamental-reduktionistische Interpretation der Monadologie i.S. einer Ausdehnung des Sozialitätsbegriffs auf Geräte und andere nicht lebende Dinge weist Parallelen zu einer reduktionistischen Tendenz im Neodarwinismus auf, in der Gene als eigenständige Agenten der Selektion (für die die lebenden Organismen nur Vehikel sind) interpretiert werden. Die Übertragung dieser Perspektive auf Phänomene der kulturellen Evolution ist von R. Dawkins (1976) mit der sogenannten Memtheorie vorgeschlagen worden. Auch dafür wird Tardes Nachahmungskonzept bereits als Vorläufer gesehen (Marsden, 2000) – zu Unrecht, wie in dem Beitrag von Schmid (SNB 280ff) überzeugend dargelegt wird. Der logische Fehler, der bei Dawkins in der Verwechslung der Gene als selbstreplizierende Informationsträger mit interaktionsfähigen Akteuren liegt, ist bei Latour in der Verwechselung von Wechselwirkungen mit Sozialität zu erkennen. Wechselwirkungen zwischen Individuen und Objekten in ihrer Umwelt bilden keine Sozialsysteme. Hier wird der Fehler der Abstraktion von lebendigen Individuen, der in der Makroperspektive mit der Unterstellung eigendynamischer Sozialsysteme gemacht wird, in der Mikroperspektive wiederholt. Latours Überdehnung des Begriffs des Sozialen verstellt aber den Blick auf den spezifischen Beitrag, den Tarde im Unterschied zu Durkheim (der sie axiomatisch in seine Theorie einführt) zur Erklärung der Bedingungen der Möglichkeit von menschlicher Sozialität geleistet hat. Tarde insistiert dagegen auf der für die Dynamik der Gesellschaft konstitutiven Bedeutung sozialer Mikroeinheiten. Statt der ihm unterstellten Ausdehnung des Begriffs des Sozialen sind bei Tarde wichtige Hinweise zur historischempirischen Ausdehnung des Sozialen zu finden, die in der Soziologie sonst eher vernachlässigt werden – möglicherweise gerade wegen der auffälligen Nähe zu der Ausdehnungstendenz aller natürlichen Populationen. Tarde hat darin wie Darwin eine natürliche Tendenz gesehen, die ihre Grenze nur in der Konkurrenz mit anderen Populationen findet: „…weshalb jedes soziale Gebilde, das einen mehr oder weniger klar umrissenen Charakter hat — ein Industrieerzeugnis, ein Gedicht, eine Formel, eine politische Idee oder sonstige Erscheinung, die eines Tages in einem Winkel irgendeines Hirns auftauchte -, wie Alexander der Große von der Welteroberung davon träumt, sich tausend- und millionenfach zu vermehren und überall auszubreiten, wo es

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Menschen gibt; und nur durch das Hindernis seiner nicht weniger ehrgeizigen Rivalen kann es auf seinem Weg aufgehalten werden.“ (MuS 99, s. auch GdN 41) In seiner Einleitung zur Monadologie behauptet Latour, Tarde betrachte „das Große lediglich als eine karikaturhafte Reduktion der Vielheiten, aus denen es sich zusammensetzt.“ (MuS 12) Im Gegensatz dazu hat Tarde in den technisch erweiterten Nachahmungsketten schon die Grundlage für eine globale Ausdehnung der menschlichen Gesellschaft gesehen – und zwar in einem durchaus emphatischen Sinne: „aus den Gesetzen der Nachahmung ergibt sich die Notwendigkeit eines Schrittes nach vorne in Richtung auf ein fernes, trotz scheinbarer, wenn auch nur zeitweiliger Rückschläge immer leichter zu erreichendes Ziel, nämlich die Geburt einer einzigen Gesellschaft, ihr Wachsen und ihre universelle Ausdehnung.“ (GdN 18 mit entspr. Ausf. 387ff) Als gemeinsames Hintergrundmotiv der skizzierten (Fehl)Interpretationen bei der Wiederentdeckung Tardes ist die Unterstellung einer antinaturalistischen Methodologie (also gewissermaßen auch ein Ahnherr des „cultural turn“) anzusehen, die im Beitrag von Lüdemann (SNB 107-124) plakativ ausgeführt und der von den Herausgebern nicht widersprochen wird. Diese Deutung kann sich aber bei näherer Betrachtung nur darauf stützen, dass Tarde sich gegen eine verkürzte Übertragung evolutionsbiologischer Konzepte auf kulturelle Sozialsysteme gewandt hat. Wenn die Rede von „Tardes anti-naturalistischer Soziologie der Nachahmung“ stimmen würde, dann müsste er eine genetische Veranlagung zur Nachahmung ausgeschlossen haben. Dagegen findet sich bei ihm ausdrücklich die (erst neuerdings in der biologischen Forschung empirisch abgesicherte) Annahme, „dass es im Nervensystem eine angeborene Neigung zur Nachahmung gibt.“ (GdN 108 - mehr zu den organischen Grundlagen im letzten Abschnitt.) Tarde hat seine Theorie des Sozialen als eine in die natürliche Evolution eingebettete, zugleich aber im Medium der symbolischen Kommunikation und ihrer technischen Erweiterungen sich ausprägende Sonderevolution konzipiert. In diesem Sinne ist seine Theorie nicht anti-naturalistisch aber anti-darwinistisch positioniert. Als darwinistisch erscheint ihm – vor dem Hintergrund des damaligen Entwicklungsstandes der darwinschen Theorie – was für viele Sozialwissenschaftler bis heute als Ablehnungsgrund taugt: die Verwendung der evolutionstheoretischen Begriffe in einer Weise, die in der biotischen Sphäre beobachtete Mechanismen nur auf die kulturelle Sphäre ausdehnt. Dagegen hat Tarde nach Möglichkeiten gesucht, die Phänomene der menschlichen Gesellschaft in ihrer kulturellen Eigenart zu beschreiben, anhand von Prozessen, die so nur in der kulturellen Sphäre zu beobachten sind, obwohl sie durch natürliche Lebensprozesse ermöglicht worden sind und an diese Voraussetzungen gebunden bleiben. Nachahmung als »missing link« zwischen Theorien der organischen und der kulturellen Evolution Die Vorleistungen Tardes für eine soziologische Theorie der kulturellen Evolution sind nicht zu erkennen, wenn man nur nach einer analogen Übertragung der Begriffe der darwinschen Theorie auf Phänomene der Kultur sucht oder diese reduktionistisch den für die natürliche Evolution geltenden Prinzipien subsumiert. So erscheint Tardes Nachahmungskonzept weit unter Wert, wenn es als Vorläufer der


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der Memetik betrachtet wird.11 Es gehört zu den Verdiensten des Beitrags von Schmid (SNB 280-310 - dem einzigen Beitrag, in dem der Schwerpunkt auf Tardes Beitrag zur Evolutionstheorie liegt) Tardes Nachahmungskonzept von der Gen-Mem-Analogie von Dawkins abgegrenzt zu haben – jener Version der neodarwinistischen Theoriebildung, in der Individuen nur noch als Vehikel ihrer (genetischen oder symbolischen) Replikationseinheiten erscheinen. Tardes Nachahmungskonzept ist primär kommunikationstheoretisch aber weder anti-naturalistisch noch anti-individualistisch angelegt.12 Bei keinem der frühen Soziologen ist die grundlegende Bedeutung der Kommunikations- und Verkehrsmittel für das Verständnis der menschlichen Sozialität so deutlich herausgestellt wie bei Tarde. Die Herausgeber verweisen nicht nur auf Tardes Bedeutung für neuere Theorien der Kommunikation sondern auch darauf hin, dass Tardes Konzept in der Rezeption für mikrosoziologische Ansätze nach dem Modell der Interaktion unter Anwesenden (symbolischer Interaktionismus, Wissenssoziologie) nicht aufgeht, sich vielmehr von vornherein auch auf Medien der Massenkommunikation bezieht. Tardes zeitdiagnostische Weitsicht erweist sich an der gegen LeBons Massentheorie gewendeten Unterscheidung zwischen Masse als Versammlung und als Publikum. (Ausführungen dazu finden sich in den Einzelbeiträgen von Papilloud, Lüdemann, Borch und Staeheli). Zu den zentralen Erkenntnissen, die aus erneuter TardeLektüre zu gewinnen sind, muss gerechnet werden, dass Nachahmung nicht nur als grundlegender Mechanismus der Replikation sondern zugleich als Mechanismus der (räumlichen und zeitlichen) Ausdehnung des Sozialen aufgefasst wird. Bei vielen Rezipienten ist unbemerkt geblieben, dass Tarde den Ursprung des Nachahmungspotenzials in primordialen Verwandtschaftsstrukturen eng gekoppelt an den genetischen Replikationsmechanismus verortet. Damit hat Tarde ein konstitutives Moment der kulturellen Evolution herausgearbeitet, das in natürlichen Voraussetzungen beim Menschen (Gehirn und Sprachgebrauch) verankert ist und zugleich die besonderen Bedingungen der kulturellen Evolution ermöglicht. Seine Theorie ist nicht nur als Einwand gegen eine zu enge Koppelung von organischer und kultureller Evolution zu verstehen, sondern auch als Entdeckung eines fehlenden Verbindungsstücks („missing link“). Denn Nachahmung ist eine kognitiv höchst voraussetzungsvolle Operation, die bei anderen Lebewesen in dieser für die soziale Systembildung folgenreichen Form so nicht vorkommt. Die Einheit und Besonderheit von natürlicher und kultueller Evolution kann in Begriffen einer Theorie der Kommunikation (besser als mit jeder Handlungstheorie) beschrieben werden. Die Besonderheit der kulturellen Evolution lässt sich dann anhand der Variation und Selektion technisch erweiterter Kommunikationsmittel historisch spezifizieren. Der Ausgangspunkt dieser Beschreibung ist allerdings schon bei der gestischen Kommunikation anzusetzen, die in der Sozialität vieler Lebewesen Verwendung 11 S. den Hinweis auf Marsden 2000 in mehreren Beiträgen. 12 Auch die Herausgeber merken an, dass Tardes Begriff der Kommunikation nicht wie bei Luhmann als pure Verknüpfung von Sinnoperationen, sondern immer auch als materielle Verknüpfung im Blick auf die räumliche und zeitliche Reichweite der zur Verfügung stehenden Mittel angelegt ist.

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findet und auch zum Fundament der menschlichen Kommunikation gehört. Schmid weist in seinem Beitrag (SNB 301) auf die Rekonstruktion des Übergangs von einfacher Gestenkommunikation zu symbolsprachlicher Kommunikation in Tomasellos Experimenten über das Nachahmungspotenzial bei Schimpansen und Kleinkindern hin.13 Im Hinblick auf die evolutionäre Einbettung ist es wichtig, nicht erst von der Gegebenheit der Sprache auszugehen und dann historische Umbrüche anhand der Verwendung technisch erweiterter Kommunikationsmittel (von oralen zu Schriftkulturen etc.) zu rekonstruieren, sondern bereits den Übergang von gestischer Kommunikation zu symbolischer Kommunikation zu betrachten, die erst in menschlichen Sozialsystemen in elaborierter Form vorkommt und von jedem Individuum ontogenetisch nachvollzogen wird. Tardes Anti-Darwinismus – ein Missverständnis Die Herausgeber des Materialienbandes heben hervor, dass Tardes Theorieprogramm nicht nur deshalb lange Zeit „vergessen“ bzw. marginalisiert werden konnte, weil sie dem theoriepolitischen Imperialismus der Durkheim-Schule unterlag, sondern auch, weil sie mit der Focussierung auf Nachahmung sich in kontraintuitiver Weise gegen das Selbstverständnis der Moderne stellte, in dem der Innovation der Vorrang gegeben wird. Tarde hat selbst in dieser Hinsicht geschwankt und die (auch von ihm hochgeschätzten) Innovationen zunächst auf individuelle Geniestreiche zurückgeführt - allerdings auch in GdN schon mit der Einschränkung, „dass jede Erfindung und jede Entdeckung aus dem Zusammentreffen von schon vorhandenen, meist von anderen übernommenen Kenntnissen in einem Gehirn besteht.“ (389). Erst in der auf deutsch leider noch nicht vorliegenden „La logique social“ (1893) wird ausführlicher dargestellt, wie Erfindungen durch Kombination erfolgreicher Nachahmungsketten zustandekommen. Diese Schwankungen lassen sich auch darauf zurückführen, dass Tarde das einzige Theorieangebot seiner Zeit, in dem Nachahmung und Innovation eine ähnlich prominente Rolle spielen für seine Zwecke nicht anschlussfähig fand. Angesichts der vielfältigen Anschlussmöglichkeiten seiner Theorie an die darwinsche Evolutionstheorie in ihrer heutigen Gestalt muss es aber als erneutes Missverständnis angesehen werden, wenn Tarde auch noch zum Ahnherrn der bis heute in den Sozialwissenschaften verbreiteten Ablehnung der darwinschen Evolutionstheorie gerechnet wird. Allerdings hat Tarde selbst an diesem Missverständnis mitgewirkt, indem er sich als Kritiker der Theorie der natürlichen Selektion und ihrer Übertragung auf die menschliche Kultur profilierte. Tardes Distanzierung von der darwinschen Theorie hat viel damit zu tun, dass in ihrer damaligen Rezeption das teleologischfunktionalistische Element – Spencers „survival of the fittest“ als soziales Fortschrittsversprechen – dominierte und der mikroevolutionäre Unterbau der Populationsgenetik noch unentwickelt war. Tarde meinte voraussehen zu können, dass „die Theorie der natürlichen Auslese jeden Tag an Boden verliert“ und wollte stattdessen der Weiterentwicklung der darwinschen Theorie i.S. einer „Evolution durch Zusammenschluss elementarer Organismen zu komplexeren Organismen“ den Vorzug geben 13 Der auch bei Tomasello zu findende Hinweis auf organische Grundlagen des Nachahmungspotenzials in den von Gallese und Rizzolatti entdeckten Spiegelneuronen fehlt allerdings im ganzen Band.


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(MuS 29 – damals unter Bezug auf einen Lamarckisten namens Perrier). Seine Nachahmungstheorie ist auch deshalb nicht kompatibel mit der dawkinsschen Mem-Theorie, weil gerade diese Strömung der neodarwinistischen Theorietradition sich zugleich mit der Reduktion von Individuen auf ihre Trägerfunktion (für Gene und Meme) durch dogmatische Ablehnung von Gruppenevolution auszeichnet. Es gehört zu den Stärken des schon erwähnten Beitrags von Schmid (SNB 280-310) Tardes Nachahmungskonzept von der Memetik abgegrenzt zu haben. Andererseits werden auch in diesem einzigen Beitrag in dem Materialienband, der sich auf die Bedeutung Tardes für eine soziologische Theorie der kulturellen Evolution konzentriert, nicht alle heute zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt, um das Missverständnis seiner antidarwinistischen Positionierung aufzulösen. Schmid schreibt: „Tardes Vorwurf an Darwin lautet also keineswegs, dass er eine Übertragung vom Sozialen zum Naturalen bzw. Biologischen vorgenommen habe, …. Der Vorwurf ist vielmehr, dass die Übertragung vom Sozialen aufs Biologische an einem falschen Modell des Sozialen orientiert sei. …Tarde zufolge sind Wettbewerb, Konkurrenz, Rivalität und Konflikt nur Varianten des einen von zwei Grundtypen sozialer Beziehung. Der andere Typ ist Kooperation, dem in ökonomischen Begriffen der Terminus der Arbeit. …Das Argument ist mithin, dass es erst durch Kooperation überhaupt zu jenen Einheiten komme, die dann in den Wettbewerb um knappe Ressourcen eintreten. In diesem Sinn setzt der »struggle for existence« Kooperation voraus. Was den Körper eines Individuums »fit« macht, ist die Kooperation zwischen den Organen. Insofern die Einheiten der Selektion über Kooperation entstehen, geht Kooperation dem Wettbewerb begriffslogisch voraus. Tarde fasst seine Kritik an Darwin schlüssig zusammen, indem er sagt, dass Darwins »Selektionismus« durch ein Modell ersetzt werden müsse, welches Tarde mit dem Etikett »evolution par association« (1884: 613) versieht.“ In dieser Argumentation wird jedoch verkannt, dass Kooperation und Konkurrenz in evolutionstheoretischer Perspektive (anders als in der Perspektive der betroffenen Individuen) keine gegensätzlichen Kräfte sondern zwei Seiten derselben Dynamik darstellen. Schon bei Darwin ist zu erkennen (Mayr 1993) und in Theorien der Gruppenselelektion explizit modelliert (Sober/Wilson 1998, Oddling-Smee et al. 2003), dass interne Kooperation eine Bedingung des Erfolgs in der Konkurrenz zwischen Sozialsystemen ist. Es macht also evolutionstheoretisch keinen Sinn, einen Primat der Kooperation oder der Konkurrenz zu behaupten. Tardes Idee, dass der rasche soziale Wandel, der seine Zeitgenossen beunruhigte, zurückzuführen sei auf die Wirkung kleiner und kleinster Einheiten, hat ihre natürlichen Parallelen in der darwinschen Evolutionstheorie, insbesondere in der Annahme einer graduellen Veränderung und Ausdifferenzierung der Arten – obwohl die dem zugrunde liegende kleinste Einheit noch nicht entdeckt (bzw. die Mendelsche Vererbungslehre noch nicht mit der darwinschen Theorie verbunden) war. Eine zweite Quelle seiner Auffassung war die „Psychologie der Massen“. Tarde distanziert sich von der Ausführung dieser Ideen bei Darwin und Le Bon – übernimmt jedoch die Grundidee der Erklärung sozialen Wandels „von unten“ (statt wie Durkheim „von oben“ – von der Gesamtheit her). Allerdings hätte er von der darwinschen Theorie auch lernen können, dass es nicht zwingend ist, sich

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für das Eine und gegen das Andere zu entscheiden, sondern beides zu kombinieren. In vielen Beiträgen, die sich heute auf Tarde (im Blick auf eine mikrotheoretische Begründung) berufen, geschieht dies immer noch unter der Voraussetzung, dass man sich zwischen Mikro- und Makroperspektive entscheiden müsse. Dabei wird übersehen, dass in der modernen Evolutionstheorie ein Theorieangebot vorliegt, das alle Voraussetzungen dafür erfüllt, Mikro- und Makroperspektiven zu verbinden. Der Wiederanschluss an die darwinsche Evolutionstheorie eröffnet den Sozialwissenschaften ein begriffliches Instrumentarium, das aus der falschen Alternative bottom up oder top down herausführt. Es geht um die Verbindung der Frage, wie etwas entstanden ist, mit der Frage, welche Funktion es für die Reproduktion der jeweiligen Gruppe oder Gesellschaftsform hat. In Tardes meistzitiertem Werk über die Gesetze der Nachahmung finden sich zahlreiche Hinweise auf die Mechanismen der kulturellen Evolution: zuerst der Mechanismus der Vererbung durch Nachahmung, dann der Variation durch misslingende Nachahmung und bewusste Erfindung und schließlich der Selektion durch Konkurrenz der Überzeugungen und Wettbewerb der Ideen. In der Monadologie liegt der Fokus dann auf den basalen Einheiten der Replikation - seien es nun Gene oder Überzeugungen. Nachahmung wird von Tarde – in Übereinstimmung mit der neueren Forschung der Evolutionsbiologie - als etwas evolutionär höchst Anspruchsvolles beschrieben, das die Besonderheit der kulturellen Evolution ausmacht und kognitive Fähigkeiten verlangt, die im Tierreich nur bei den Hominiden anzutreffen sind. Neuerung hingegen als etwas höchst Beschränktes, als unbeabsichtigte Abweichung vom Idealfall der Nachahmung – im Unterschied zur beabsichtigten Neuerung, die zwar immer schon zum Ausbau der soziokulturellen Nische des Menschen gehört, aber erst in der Kultur der Moderne gewissermaßen systematisch zu Ehren gekommen ist. Tardes Konzept ist mit dem heutigen Entwicklungsstand der darwinschen Evolutionstheorie besser als mit dem seiner Zeit zu vereinbaren. Einerseits ist der Rekurs auf Mikroeinheiten jenseits lebendiger Organismen in der neodarwinistischen Synthese zum festen Theoriebestandteil geworden.14 Andererseits ist auch die Ausdehnung des Gesellschaftsbegriffs auf Organismen (die Umkehrung der Spencerschen Analogie) und Aggregationen von Organismen auf mehreren Ebenen in Theorien der Mehrebenenselektion aufgenommen worden.15 Insofern handelt es sich bei der Rezeption dieses Werks nicht nur um die Rehabilitation eines vergessenen Autors, sondern auch um die Rekonstruktion eines verschütteten Zugangs der Soziologie zur Evolutionstheorie.

14 In ihrem Beitrag zur Theorie der kulturellen Evolution (2005 S.265 FN 29) führen Richerson und Boyd die Entdeckung kultureller Selektion durch Ideen-Wettbewerb auf G.Tarde zurück. Im 5. Kap. der GdN entfaltet Tarde seinen Begriff der Selektion im Sinne innergesellschaftlicher Konkurrenz: „Gesellschaften organisieren sich durch Übereinstimmung oder Gegenüberstellung von Überzeugungen, die sich gegenseitig verstärken oder begrenzen. Daraus bestehen vor allem ihre Institutionen. Und diese funktionieren hauptsächlich über den Wettbewerb oder die Konkurrenz von Begehren und Bedürfnissen.“ (GdN 165) Entsprechende Hinweise auf Tarde auch bei v.Hayek 1937. 15 So im Beitrag von Czarniawska S. 377 FN 8 mit Bezug auf S.J. Gould.


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