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Kulturelle Evolution durch soziale Differenzierung kg 2009-2013

Vorbemerkung Everything of importance has been said before 1 by somebody who did not discover it. Whitehead

Warum noch ein Buch über kulturelle Evolution? Man könnte darauf hinweisen, dass die Ansätze zur Verwendung der Darwinschen Theorie in der deutschen Soziologie eher dünn gesät sind, dass sie nach Schulen gesondert erscheinen und wenig an theoretischer Konzeptintegration interessiert sind.2 Aber das alles wären nur Argumente dafür, sich an dem internationalen Stand der Theoriediskussion zu orientieren, der von angelsächsischen Beiträgen bestimmt ist (u.a. Campbell 1974, Sober & Wilson 1998, Richerson & Boyd 2005, Blute 2010.) Unter diesen Voraussetzungen können weitere Beiträge nur in der Herausarbeitung besonderer Aspekte bestehen, die (in bisherigen Anwendungen der Darwinschen Theorie auf kulturelle Phänomene) noch zu wenig beachtet wurden.3 Einen solchen Aspekt sehe ich in der Konfliktverarbeitung4 durch soziale Differenzierung und speziell in der These vom Ende traditioneller Formen der Konfliktexternalisierung in der modernen Gesellschaft, die ich in den folgenden fünf Kapiteln5 entfalten möchte.6 Dieses Programm habe ich zunächst unter dem Titel „Das Behagen in der Kultur und das Unbehagen in der Moderne“ und dann unter dem Titel „Ursachen der Zivilisation“ vorgestellt.1 Am Anfang stand das Motiv, kulturpessimistische Diagnosen der Moderne zurückzuweisen und zivilisatorische Errungenschaften in den Formen der Konfliktverarbeitung herauszuarbeiten. Beide Aspekte gehören auch weiterhin zu diesem Vorhaben. Was hinzugekommen ist, ist der Versuch, in den Formen sozialer Differenzierung den Mechanismus zu identifizieren, der sowohl die zivilisatorischen Errungenschaften wie auch das Unbehagen in der Moderne zu erklären vermag. Es handelt sich damit – vor dem Hintergrund der vielfältigen Bemühungen zur Synthese evolutionstheoretischer Ansätze in den Natur- und Kulturwissenschaften – auch um einen Beitrag zur Konzeptintegration: in diesem Fall zur Verbindung zwischen biologischer Evolutionstheorie und soziologischer Differenzierungstheorie.7

Vorläufige Gliederung / Inhaltsverzeichnis

1. Kulturelle Evolution als Theorieprogramm 1.1 Eröffnung 1.2 Abgrenzungen 1.3 Zugänge 1.4 These 1.5 Prospekt Grafische Darstellung 2. Nachahmung mit Abweichung 2.1 Definitionsprobleme 2.2. Merkmale kultureller Replikationseinheiten 2.3 Die eingebaute Tendenz zur Abweichung 2.4 Wodurch wird die Weitergabe beschränkt? (Rückbindung der KE an BE) 2.5 Wodurch wird die Weitergabe erweitert? 2.6 Methodologische Reflexion 3. Nischenkonstruktion mit Technik 3.1 Mehrebenenarchitektur 3.2 Ausbau der soziokulturellen Nische (Rückwirkung der KE auf BE) 3.3 Technische Verselbständigung von Handeln und Erleben 3.4 Technisierung und Organisation 3.5 Ausdehnung als Ordnungsproblem 3.6 Das Unbehagen an Technik 4. Konfliktverarbeitung durch Differenzierung 4.1 Mehrebenenselektion 4.2 Innenwelt und Außenwelt 4.3 Überwelt und Unterwelt 4.4 Historische Formationen sozialer Differenzierung 4.5 Das Mikro-Makro-Problem der Soziologie 5. Konflikte der Moderne 5.1 Diagnoseprobleme 5.2 Das Ende der Konfliktexternalisierung 5.3 Konkurrenz der Differenzierungsformen 5.3 Schluss Literatur Gesonderte Vorarbeiten

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Die ältere Fassung, die umfänglicher gegliedert ist und mehr Anmerkungen und Materialien als die Vorliegende enthält, ist aufbewahrt unter der Adresse: http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/archiv/kg-13-MonoExpo-alt.pdf

(Stand 8. Juni 2012)

Anmerkungen & Materialien


kg: Kulturelle Evolution durch soziale Differenzierung (Monographie-Projekt)

1. Kulturelle Evolution als Theorieprogramm8 Nothing about culture makes sense except in the light of evolution. Richerson & Boyd 2005 (im Anschluss an Dobzhansky 1973)

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und kultureller Evolution stehen – also von beiden Seiten bestimmt sind – sondern dass diese Position menschlichen Individuen die Freiheit verschafft, zwischen diesen Einflüssen zu wählen und auf sie zurückzuwirken.17

1.1 Eröffnung

1.4 These

Die Interpretation moderner sozialer Konflikte9 im Lichte der Darwinschen Evolutionstheorie – als Theorieprogramm (für empirisch überprüfbare Hypothesen). Offenheit dieses Programms – gegen Dogmatisierungen auf der einen Seite und Abwehrversuche (wg. „Sozialdarwinismus“) auf der anderen Seite. Anschluss an (und Beitrag für) Programme der Konzept integration (Theoriesynthese statt theoretisch angeleiteter Analyse).

Platzierung der Konfliktexternalisierungsthese - inkl. Bezug auf religiös-fundamentalistische Konflikte in der Moderne - mit Vorgriff auf Mehrebenenselektionstheorie18. - in diesem Kontext dann auch die evolutionstheoretische Refomulierung der Mikro-Makro-Unterscheidung in den Sozialwissenschaften (im Anschluss an Blute19)

1.2 Abgrenzungen Abgrenzung von der evolutionsblinden Gleichsetzung von kultureller mit sozialer Evolution (s. Titel)10 Abgrenzung von Entwicklungs- und Stadientheorien aus der älteren Rezeption – aber eingeschränkte Rechtfertigung durch EvoDevo (s. Blute 2010, 3ff) Abgrenzung von soziologischen Theorien, die methodologisch mit der Prämisse arbeiten, dass die angeborenen und erlernten Verhaltensmuster menschlicher Individuen auf individuelle Nutzenmaximerung reduziert werden könnten (Rational Choice) oder für die Erklärung sozialer Phänomene überhaupt irrelevant wären (funktionalistische Systemtheorie).11 Evtl. kurze historisch-semantische Ausführungen zu den Begriffen Kultur, Konflikt12, Zivilisation - mit Abgrenzung von hier nicht gemeinten Bedeutungen. 1.3 Zugänge Drei Zugangsweisen zu kultureller Evolution: 1. Abhängigkeiten der KE von BE13 2. Besonderheit der KE und 3. Koevolution von KE und BE (s. Blute 2010 7ff.) – ihre relative Berechtigung in der wissenschaftlichen Arbeitsteilung ist m.E. aber gebunden an übergeordnete Einheit.14 Im Folgenden geht es zwar vorrangig um KE i.S. des zweitgenannten Zugangs – als Vorschlag zur Wiederherstellung der Verbindung von soziologischer Differenzierungstheorie und Darwinscher Evolutionstheorie15 – aber in Kap. 2 wird mit Bezug auf Ontogenese die Rückbindung der KE an BE und in Kap. 3 mit Bezug auf „niche construction“16 mittels Technik die Rückwirkung der KE auf BE thematisch (auch i.S. der Gefährdung der ökologischen Nische). Der springende Punkt ist hier, dass menschliche Individuen nicht einfach nur im Schnittpunkt von natürlicher

Das neue Phänomen ist die Konkurrenz evoluierter Differenzierungsformen in der Moderne. Die evolutionstheoretische Erklärung 20 dieses Phänomens umfasst fünf Schritte : 1. Gruppenselektion als tief in der Naturgeschichte verankertes Errungenschaft, die die Verlagerung von Konkurrenzkonflikten von der Ebene der Individuen auf die Ebene ihrer Sozialsysteme (ingroup/outgroup-Verhalten) erklärt. 2. Symbolsprachliche Kommunikation, die die besonderen Formen menschlicher Sozialsysteme, die Markierung ihrer Außengrenzen und die interne Verarbeitung von Konflikten durch Binnendifferenzierung (ohne organische Differenzierung der Individuen) erklärt. 3. Die Verselbständigung von Handlungskomponenten der Kommunikation, die die enorme Ausdehnung menschlicher Sozialsysteme und die tradierten Formen der Konfliktexternalisierung (auf Kosten Anderer) erklärt. 4. Die komplementäre Verselbständigung von Erlebenskomponenten der Kommunikation (Öffentlichkeiten, Publika), die die (partielle) Verlagerung des Selektionsdrucks der äußeren in die innere Umwelt des Sozialsystems, in die historischen Formen ihrer Binnendifferenzierung erklärt. 5. Die globale Ausdehnung und interne Verdichtung menschlicher Sozialität in der Moderne, die das Ende traditioneller Formen der Konfliktexternalisierung, den Druck zur internen Verarbeitung von Konkurrenzkonflikten und schließlich die Ausdifferenzierung einer Metaebene der Konkurrenz historisch evoluierter Differenzierungsformen erklärt.

1.5 Prospekt kurze Charakterisierung der folgenden Kapitel: – Engführung des Transmissions-Konzepts in 2, hier geht es mit der Nachahmung in einem grundlegenden Sinne (der Tradierung) um Kultur, – Erweiterung des Technik-Konzepts in 3, hier geht es mit der Ausdehnung durch Technisierung auch um Konkurrenz und Konflikt, – Reformulierung des Differenzierungskonzepts in 4 , hier geht es auch um Zivilisation (als Gegenbegriff und Variante im Begriff der Kultur) – Diagnose gegenwärtiger Probleme im 5., Konsequenzen der Differenzierung unter den Bedingungen der Globalisierung.


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Damit jedes Kapitel auch gesondert (lesbar) verständlich bleibt, ist ein gewisses Maß an Wiederholung in der Darstellung unvermeidlich.

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2. Nachahmung mit Abweichung21 Das soziale wie das lebendige Ding möchte sich hauptsächlich ausbreiten, nicht organisieren. Die Organisation ist nur ein Mittel, dessen Ziel die Ausbreitung und die Wiederholung durch Fortpflanzung oder Nachahmung darstellt. Tarde 1890

Grafische Darstellung http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/archiv/kg-12-Grafik-Differenzierung.pdf

Durkheim argumentiert, als seien die Alters- und Generationsunterschiede ohne Bedeutung. Er spricht von homogenen Individuen und sucht die Auswirkung der verschiedenen möglichen Typen der Gruppe auf ihr Bewußtsein festzustellen. Alles, was er hierbei entdeckt, ist durchaus richtig, bleibt jedoch unvollständig: es genügt, sich für einen Augenblick eine in Wirklichkeit natürlich unmögliche Gesellschaft vorzustellen, in der alle Individuen das gleiche Alter hätten, eine Gesellschaft, die aus einer einzigen, sich ins Unendliche fortsetzenden Generation bestehen würde, um die ungeheure Bedeutung der AltersBeziehungen und insbesondere der Beziehungen von Erwachsenen zu Kindern zu erkennen. Hätte eine solche Gesellschaft jemals einen zwangmäßigen Konformismus gekannt? Würde sie die Religion oder zumindest die Religionen, die einen transzendenten Glauben voraussetzen, kennen? Würde man bei solchen Gruppen eine einseitige Achtung und ihre Auswirkungen auf das moralische Bewußtsein feststellen können? Piaget 1973: 113f.

2.1 Definitionsprobleme Es ist einigermaßen unumstritten, dass es ein kulturelles Pendant zur Weitergabe der Gene gibt: die Weitergabe lebensgeschichtlich erworbener Erfahrungen. Die umstrittene Frage ist hier aber, ob es ähnlich wie bei den Genen auch ein ontologisches Substrat, eine basale Einheit dafür gibt. Es geht um die „unity of types“ i.S. der allen Verschiedenheiten zugrundeliegenden Einheiten (s. Blute 2)22 – Erklärung für historische Kontinuität (keine Entstehung aus dem Nichts, sondern immer aus einem vorhergehenden Etwas), in der kulturellen Evolution. Es geht damit zugleich um ein basales Trägheitsmoment, das trotz aller Beschleunigung auch für Kultur anzunehmen ist, wenn sie mit der Darwinschen Theorie interpretiert werden soll) 2.2. Merkmale kultureller Replikationseinheiten Wie sind diese basalen Einheiten beschaffen, und wo sind sie zu verorten: in der Wahrnehmung, in der Kommunikation, in Beidem oder weder noch? Hier die (analoge) Unterscheidung zwischen symbolischen Informationseinheiten und materiellen Trägern (Cloak u.a.) Um die gesamte Diskussion über Definitionsprobleme bezüglich der Replikationseiten zu referieren, wäre hier noch einmal Kap. 5 in Blute 2010 heranziehen.23 Eckpunkte dafür sind 1. dass die Definitionsprobleme schon beim Konzept der Gene (also mit der Unterscheidung zwischen Informationseinheit und materiellem Substrat)


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anzusetzen sind, und 2. dass die kulturellen Äquivalente primär im Gebrauch der Sprache anzusetzen sind, bei der schon zwischen symbol. Informationseinheit und materiellem Substrat bzw. Medium der Transmission zu unterscheiden ist. 2.3 Die eingebaute Tendenz zur Abweichung Nachahmung hier aber auch als primordialer Konkurrenzkonflikt zwischen Nachahmern und Nachgeahmten. Also Nachahmung mit Abweichung – im Vorgriff auf die Folgekapitel ad 3. mit Bezug auf Konkurrenzvorteile durch Technisierung und ad 4. mit Bezug auf Techniken der Abweichungsunterdrückung und Konfliktvermeidung. Für lebendige Individuen als Träger der Replikationseinheiten geht es um „Kompetenzen“ (also die Mittel für Wettbewerb: „competition“). Hier verzweigen die Mittel immer schon in kopiergetreue Nachahmung („Imitation“) und Nachahmung mit Abweichung („Innovation“24). 2.4 Wodurch wird die Weitergabe beschränkt? (Rückbindung der KE an BE) Die Unterscheidung und Kombination von tendenziell uneingeschränktem Ansteckungsmodell (primär horizontal) und durch Rückbindung an ontogenetische Prozesse beschränktem Vererbungsmodell (primär vertikal). Mein spezieller Beitrag hier: Modifikation des Replikationsmechanismus mit Bezug auf ontogenetischen Engpass. Insofern geht es hier auch um die Rückbindung an und Einbettung der KE in BE. In dieser Hinsicht also (weitgehend auf dieses Kap. beschränkt s. Arg. in 1.) ein Rückbezug auf Evolutionsbiologie und –psychologie – insbesondere aber: EvoDevo-Theorie (Caroll) als Modifikation der dogmatisch auf Gene zentrierten Annahmen im Neodarwinimus. Empirisch kann die Beschränkung evtl. spezifiziert werden mit dem Argument, dass in dem, was hier sozial gelernt wird, noch kein Platz ist für die Unterscheidung zwischen präskriptiven und deskriptiven Aussagen (alles ist gut so, wie es ist – also sozialer Konformismus). Zugleich ist dieser ontogenetische Engpass zu kennzeichnen als Quelle für religiöse Orientierungen (mit allen Vor- und Nachteilen für die Stabilität sozialer Systeme). 2.5 Wodurch wird die Weitergabe erweitert? Während die Beschränkung der Weitergabe auf seiten der natürlichen Eigenschaften der menschlichen Wahr-

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nehmung (und ihrer Entwicklung) verankert ist, liegt die Erweiterung in den technisch erweiterten Mitteln der Kommunikation. In Abgrenzung zu theoretischen Ansätzen, die in dieser Hinsicht einseitig reduzieren (z.T. vorwegnehmend) ausführen, dass die Unterscheidung zwischen symbolischen Informationseinheiten und materiellen Trägern, die hier zunächst mit Bezug auf Replikationseinheiten eingeführt wird – in den Folgekapiteln evolutionstheoretisch ausgebaut wird: ad 3 i.S. der Verselbständigung von Handlungs- und Erlebensketten mit technischen Mittel und ad 4 i.S. der Gegenüberstellung von Organisationen der Makroebene und Differenzierungsformen (im Medium der Öffentlichkeit) auf der Metaebene.25 Im Kontext von Tradierung mittels „social learning“ dann auch Vorgriffe auf Individualisierungs- und Bildungsprobleme in der Moderne im 5. Kap.26 2.6 Methodologische Reflexion Im Anschluss an die Unterscheidung zwischen der genotypischen Informationseinheit und den phänotypisch geteilten Trägereinheiten (Gehirne und technische Kommunikationsmittel) zieht, ist Latour u.a. zuzustimmen, dass die Mikrofundierung der Sozialität auch die technischen Artefakte umfassen muss. (s. dazu ausf. Kap. 5 Blute). Methodologisch dient dieses Kap. also der Entfaltung von Mikrofundierung (s. Blute 2 und schon Tarde) – aber immer schon kombiniert mit dem Hinweis, dass im Folgenden (in demselben evolutionstheoretischen Rahmen) auch emergenztheoretisch argumentiert wird.27 Dies ist bereits in der doppelten („hybriden“) Trägerschaft der kulturellen Replikationseinheiten verankert. Ergänzend hier (im Kontext des Replikationsmechanismus und abgeleitet aus seinen Merkmalen) noch zu diskutieren: Campbells Begriff der Retention und Luhmanns Begriff der Restabilisation.


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3. Nischenkonstruktion mit Technik 28 Das Entwicklungsprinzip des Tiers ist das Prinzip der „Körperanpassung“; das Entwicklungsprinzip des Menschen ist das der "Körperausschaltung“ mittels künstlicher Werkzeuge. (Alsberg 1922 (19979: 27 ) Der Mensch ist indirekt domestiziert: er hat zuerst das Gehäuse geschaffen, dessen Haustier er anschließend werden konnte. (Blumenberg 2006: 540) Neither the historical record nor our understanding of the current role of technology in society justifies a return to the idea that a causal connection exists between advances in technology and the overall betterment of the human race. (Basalla 1988, 218)

3.1 Mehrebenenarchitektur Technisierung als kultureller Variationsmechanismus – der aber mehr ist als nur abweichende Replikation (Nachahmung mit Abweichung) sondern zugleich aktive Veränderung der ökologischen Nische = Replikation auf einer höheren Ebene29 (mit der in 4. dann zu entfaltenden Konsequenz, dass auch Selektion auf einer höheren Ebene zugreift). Mein besonderer Beitrag in diesem Kap.: die Ausbuchstabierung der Technikthesen im Hinblick auf den Ausbau des soziokulturellen Gehäuses auf mehreren Ebenen sowie die Unterscheidung zwischen nach Außen und nach Innen gerichteten Techniken und ihr Zusammenspiel. Die These vom Ausbau des soziokulturellen Gehäuses mit technischen Mitteln (Variation durch Technisierung) als Vorbereitung auf Mehrebenenselektion im 4. Kap. Die Technisierung stellt jedoch nur die Variation im Material zur Verfügung – die Ebenendifferenzierung selbst (die Verlagerung von Konkurrenzkonflikten auf eine andere Ebene) ist dann als Produkt der kulturellen Selektion zu beschreiben. (Hier also nur Vorgriff auf 4.) 3.2 Ausbau der soziokulturellen Nische (Rückwirkung der KE auf BE) Im Sinne der Darwinschen Theorie bilden Kap. 2 und 3 (Replikation und Variation, descent with modifikation) eine Einheit, denn beides findet auf der Mikroebene – den basalen Replikationseinheiten und ihren Trägern, den lebendigen Individuen – statt. Der springende Punkt ist hier aber, dass in der Ausbreitungstendenz und in der sozialen Kohäsion (Konformismus) der Mikroeinheiten bereits der Sprung auf eine andere Ebene (Sozialsysteme mit entsprechender Ausdehnungstendenz) angelegt ist. Die Entstehung einer höheren Ebene (der Replikation, Variation und Selektion) entwickelt sich auf der darunterliegenden Ebene.30 Und zwar doppelt mit technischen Mitteln : 1. durch

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äußere Ausdehnung (Größenwachstum, räumlich) und 2. durch interne Verdichtung (Netzverdichtung, zeitlich). Hier geht es also nicht um eine Entkoppelung der KE von BE (wie in der Philos. Anthropologie – bei Gehlen, Alsberg, Popitz etc. - konzipiert) sondern (zugleich weitergehend und im Darwinschen Paradigma bleibend) um Rückwirkungen der KE auf die BE – im Sinne der (riskanten) Veränderung der ökologischen Nische! 3.3 Technische Verselbständigung von Handeln und Erleben Im Kontext der Ausdehnung mit technischen Mitteln hier Strukturen bzw. Protostrukturen der Verselbständigung von Handlungs- und Erlebensketten. In dieser Hinsicht dann die Unterscheidung und das Zusammenwirken von Organisation (als Verkörperungen der Technisierungstendenz31) und Öffentlichkeit (im Vorgriff auf Ausf. in 4. als innergesellschaftliches Medium der Umweltselektion32). Zur Beschreibung der Protostrukturen von Märkten und Öffentlichkeiten gehört auch der Rekurs auf Verhaltensmuster in der Fortpflanzungskonkurrenz.33 3.4 Technisierung und Organisation Methodologisch dient dieses Kap. der Vorbereitung auf „Makrofundierung“ bzw. emergenztheoretische Argumentation, die aber vollständig erst entfaltet werden kann, wenn auch der Mechanismus der (kulturell innergesellschaftlichen) Selektion einbezogen. Hier wichtig, das Argument auszuräumen, dass die Übertragung Darwinscher Begriffe auf Kultur nicht angehe, weil zuviel Intentionalität im Spiel sei (so Gould, dagegen Schurz, und Blute34.) In den Kontext von Variation trotz Intentionalität gehören dann auch meine Ausführungen zur Unterscheidung zwischen evolutionstheorie-kompatiblen und inkompatiblen Anwendungen der Organismus-Analogie (im ZfS-beitrag) – s. dazu auch die Ausf. bei Blute im Zusammenhang mit EvoDevo und Lernen35 - mit Vorgriff auf innergesellschaftliche Selektion durch Binnendifferenzierung in 4. 3.5 Ausdehnung als Ordnungsproblem (Vorgriff auf 4.) Die Ausdehnung der soziokulturellen

Nische mit technischen Mitteln ist kein bewußter Zweck der menschlichen Individuen und Populationen. Sie ist besser zu verstehen als mehr oder weniger blinder Effekt ihrer Konkurrenz um Lebens- und Fortpflanzungschancen. (blind variation). Das wird deutlicher, wenn man sieht, dass mit jeder Ausdehnung ein Verlust an sozialer Ordnung (innerge-


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sellschaftlicher Selektion) einhergeht. Die gegebene soziale Ordnung ist mit den technisch erweiterten Formen der Sozialität nicht vereinbar, muss also erst wiederhergestellt werden. Noch unklar, ob und inwieweit ich hier schon oder erst in 4. auf räumliche und/oder zeitliche Verdichtung als erklärende Variablen für Konflikt und/oder Kooperation eingehe.36 3.6 Das Unbehagen an Technik Die These von der Ausdehnung der Sozialsysteme mit technischen Mitteln (Größenwachstum) zugleich als Vorgriff auf Ausf. zu Globalisierung im 5. Kap. Im Vorgriff auf die erst in der Moderne verfügbaren technischen Mittel der Hinweis auf Gefährdung der ökologischen Nische durch aggressive Überdehnung ... inkl. distanzierender Vorgriffe auf technik- (und Individualismus-) bezogene Unbehagensdiskurse in der Moderne

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4. Konfliktverarbeitung durch Differenzierung37 Dass die Gruppe eine Einheit bildet, das wird, insbesondere in primitiveren Epochen, durch die Kampf- und Konkurrenzlosigkeit innerhalb ihrer, im Gegensatz zu allem Verhältnis zu Außerhalbstehenden, bewirkt oder markiert. Es gibt nun vielleicht kein Einzelgebiet, auf dem diese Existenzform des konkurrenzlosen Nebeneinander, die Gleichheit der Ziele und Interessen, sich so rein und restlos darstellte, wie auf dem religiösen. Der hervorgehobene Friedenscharakter des inneren Gruppenlebens ist doch nur ein relativer. Mit der Mehrzahl der Strebungen auch innerhalb dieser ist doch auch die Bemühung verbunden, Mitstrebende von dem gleichen Ziel auszuschließen, das Missverhältnis zwischen Wünschen und Befriedigungen möglichst, wenn auch auf Kosten Anderer, zu verbessern, zum Mindesten in dem Unterschied gegen Andere den Werthmaßstab eigenen Thuns und Genießens zu suchen. Georg Simmel 1898 38 Wenn sich die Arbeit in dem Maß mehr teilt, in dem die Gesellschaften umfangreicher und dichter werden, dann nicht darum, weil die äußeren Umstände mannigfaltiger sind, sondern weil der Kampf um das Leben heißer ist. – Darwin hat zu Recht bemerkt, daß die Konkurrenz zwischen zwei Organismen um so heftiger ist, je ähnlicher sie einander sind. Da sie die gleichen Bedürfnisse haben und die gleichen Ziele verfolgen, rivalisieren sie überall. ... Ganz anders ist es dagegen, wenn die Individuen, die zusammenleben, verschiedenen Gattungen oder Arten angehören. ... Die Konfliktangelegenheiten vermindern sich ... mit den Gelegenheiten, sich zu begegnen, und das umso mehr, je weiter die Gattungen oder Arten voreinander ent39 fernt sind. Durkheim 1893

4.1 Mehrebenenselektion

In diesem Kapitel geht es darum, Mehrebenenselektion als missing link zwischen natürlicher und kultureller Evolution herauszustellen.40 Eingangs noch einmal rekurrieren auf die programmat. Hinweise in Kap. 1 auf Theoriesynthesen zwischen soziologischer Differenzierungstheorie und Biologie im Rahmen des evolutionstheoretischen Paradigmas. Ferner auf die in Kap. 2 mit Bezug auf Nachahmung (Replikation) und 3 (Variation) wiederholten Hinweise, dass das evolutionäre Grundprinzip (Vererbung mit Abweichung) in kulturellen Sozialsystemen erst durch Wirkungen eines entsprechenden Selektionsmechanismus manifest werden kann. 41 In dieses Kapitel gehört deshalb ein Exkurs über den langen Streit über Gruppenselektion (jenseits von kin selection nach Hamilton und reciprocity nach Trivers) und als fehlendes Glied in der Kausalerklärungskette die Differenzierung zwischen ingroup und outgroup und die Externalisierung von Konflikt in die Außenbeziehungen (bzw. auf eine symbolische Ebene). Es geht dabei um zwei Formen der Differenzierung (nämlich 1. Innen-Außen und 2. Oben-Unten) die bereits tief in der natürlichen Evolution verankerte For-


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men der Konfliktvermeidung42 (bzw. Erfolgssteigerung) darstellen und sich in der kulturellen Evolution reproduzieren.43

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(2.) der Hinweis auf primordiale Äquivalente in Steinzeitgesellschaften und (3.) posttraditionale (religiöse und säkulare) Äquivalente in fundamentalistischen Bewegungen der Moderne.

4.2 Innenwelt und Außenwelt Mit dem Bezug auf die Unterscheidung zwischen Innenwelt und Außenwelt des soziokulturellen Gehäuses (inklusive der trad. Formen der Innen-Außen-Moral44) erreiche ich den Kern meiner evolutionstheoretischen Argumentation (vor der hypothetischen Zuspitzung auf Probleme der Moderne in 5.). Es geht darum, wie die (tief in der natürlichen Evolution verankerte) System-Umwelt bzw. Innen-AußenUnterscheidung kulturell – also mittels symbolsprachlicher Techniken – in eine Mehrebenenunterscheidung – also Ebenendifferenzierung – transformiert und dann (von der höheren Ebene aus) als Binnendifferenzierung interpretiert – also (mitsamt dem darin verarbeiteten Konfliktpotenzial) zivilisatorisch reinternalisiert wird. (Letzteres hier aber wieder nur im Vorgriff auf Ausf. in 5.)45 Zur Erklärung (des Selektionsdrucks) für diese Transformation ist erneut auf die in 3. schon erwähnte Ausdehnung und Verdichtung hinzuweisen. 4.3 Überwelt und Unterwelt Zentrales Medium (Mechanismus) dieser kulturellen Transformation ist Religion46 - i.S. der Konstruktion einer handlungsmäßig nicht erreichbaren Sonderwelt oder Überwelt, die gewissermaßen die Funktion einer Super-Öffentlichkeit, einer virtuellen Klatschgemeinschaft, die die soziale Kontrolle, den innergesellschaftlichen Selektionsdruck, ins Transzendentale verlagert. Zur Erläuterung dieser kulturellen Verankerung innergesellschaftlichen Selektionsfunktion wäre hier noch einmal anzuknüpfen an das in Kap. 2 und 3 schon vorbereitete Thema der Differenzierung zwischen Handlungs- und Erlebensketten i.S. von Organisationen (als innergesellschaftliche Verkörperungen47 der Technisierung) und Öffentlichkeiten (als innergesellschaftliche Medien der Umweltselektion48). 4.4 Historische Formationen sozialer Differenzierung Hierhin gehört dann eine kurze Darstellung der historischen Grobformen sozialer Differenzierung (inkl. der Abwehr von Teleologie-Einwänden – s dazu evtl. auch schon in 1 und 3 mit Bezug auf organische Entwicklung)49 Zentral darin: Religion als paradigmatischer Fall für trad. Formen der Konfliktverarbeitung (1.) in verschiedenen historischen Formen von Ahnenverehrung bis zu Monotheismen – aber auch

4.5 Das Mikro-Makro-Problem der Soziologie Eher als Nebeneffekt der hier skizzierten Argumentation – und überleitend zur Diagnose von Problemen der Gegenwart – ergibt sich in diesem Kapitel eine Reinterpretation des Mikro-Makro-Problems durch Ebenendifferenzierung50 bzw. Mehrebenenselektion.51 Was in der Soziologie aus der Nahsicht stabiler Strukturen der Moderne als rein methodologisches Problem erscheint, muß als Folgeproblem der innergesellschaftlichen Konfliktverarbeitung betrachtet werden.52 Hierzu eine Rekonstruktion der Hobbeschen Lösung des modernen Problems sozialer Ordnung.53


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5. Konflikte der Moderne54 5.3 Konkurrenz der Differenzierungsformen ... he and all the rest of mankind are one community, make up one society distinct from all other creatures, and were it not for the corruption and viciousness of degenerate men, there would be no need of any other, no necessity that men should separate from this great and natural community and associate into lesser combinations. John Locke, Two Treatises of Civil Government 55 Das Ideal der menschlichen Brüderlichkeit kann sich nur in dem Maße erfüllen, in dem die Arbeitsteilung fortschreitet. Durkheim 1977, 447 Part of man's problem is that his intergroup responses are still crude and primitive, and inadequate for the extended extraterritorial relationships that civilization has thrust upon him. Wilson 1975, 565

5.1 Diagnoseprobleme In diesem Kapitel geht es darum, die im ersten Kap. versprochenen Erkenntnisgewinne der theoretischen Verbindung zwischen soziologischer Differenzierungstheorie und Darwinscher Evolutionstheorie durch Formulierung einer empirisch überprüfbaren Hypothese „einzulösen“.56 Deshalb hier eingangs noch einmal rekurrieren auf Probleme der Sozialwissenschaften57 mit der Diagnose gegenwärtiger Probleme (Auflistung großer Streitfragen mit Bezug auf Globalisierung, Fundamentalismus, Individualismus etc.) die durch evolutionstheoretisch distanzierte Sicht verbessert werden kann. 5.2 Das Ende der Konfliktexternalisierung Die These vom Ende der traditionellen Fomen der Konfliktexternalisierung (Innen/Außen-Moral) als Folge der globalen Ausdehnung und internen Verdichtung der menschlichen Gesellschaft. Zur Erklärung noch einmal Rekurs auf die in 3. skizzierten Probleme des Größenwachstums (inkl. interner Verdichtung) und die in 4. skizzierten Lösungen durch Ebenendifferenzierung: Auseinanderziehen der Ebenen des Handelns (von Individuen und Organisationen) und Befestigung einer symbolisch generalisierten Ebene des Erlebens (Metaebene sozialer Ordnung – mit Implikationen für die Austragung von Konkurrenz). Da in der Umwelt der modernen „Weltgesellschaft“ keine anderen Sozialsysteme zur Verfügung stehen, fallen alle Formen der Konfliktverarbeitung nach dem traditionellen Muster der Externalisierung sofort auf die beteiligten Akteure zurück und bedrohen die innere Ordnung. Die moderne Gesellschaft steht vor der Alternative, ihre Konfliktverarbeitungsmuster zu zivilisieren oder in Dauerkonflikten zu versinken.58

Ersetzung der traditionellen Formen der Konfliktexternalisierng durch die Alternative einer zivilisatorischen Internalisierung in Formen des regulierten Wettbewerbs oder Rückfall in die Verhaltensmuster älterer Differenzierungsformen, die unter den Bedingungen der modernen Weltgesellschaft nicht mehr nachhaltig funktionieren. Reinterpretation des „Kampfes der Kulturen“ (Huntington) als Konkurrenz der historisch evoluierten Differenzierungsformen in der Moderne. 5.3.1 Liberalismus / Fundamentalismus Hier auch die Debatte über zunehmende soziale Ungleichheit59 – bei abnehmender Ungleichheit im globalen Kontext. Das bei R.Münch mit Bezug auf den Freihandel platzierte Argument der Auflösung tradierter Doppelmoral (Brüderlichkeitsethik)60 Die kulturelle Alternative ist hier nicht zwischen Religion und Säkularismus, sondern zwischen an die Umstände der globalisierten Gesellschaft reflexiv angepassten und sich der Anpassung verweigernden Formen der religiösen Bindung zu sehen.61 S. meine Skizzen über Religion und Gewaltbereitschaft im Anschluss an Luckmann, Wade, Roy u.a. 5.3.2 Individualismus / Kollektive Selbstgefährdung Zur evolutionären Riskiertheit des modernen Individualismus einerseits die zunehmenden Probleme im Bildungssystem (und die Reduktion auf Konsumismus) andererseits die zunehmenden Probleme der kollektiven Selbstgefährdung in der ökologischen Nische.62 Individualisierung als Gegenpol zum Rückfall in tradierte Konfliktverarbeitungsmuster. (S. dazu auch Münch im Rekurs auf Durkheim und Weber.) 5.3 Schluss ...


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2012 „AM ANFANG WAR DIE DIFFERENZ“ EVOLUTIONSTHEORETISCHE ASPEKTE DER EBENENUNTERSCHEIDUNG IN LUHMANNS THEORIE SOZIALER SYSTEME Entwurf eines Beitrags für ein Sonderheft der Zeitschrift für Soziologie mit dem vorläufigen Titel „Interaktion – Organisation – Gesellschaft“ . http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/archiv/kg-12-Bielefeld-Beitrag_Materialien.pdf

2012 KONKURRENZKONFLIKTE – DER VERGESSENE GRUND SOZIOLOGISCHER DIFFERENZIERUNGSTHEORIE. Entwurf für einen Vortrag auf der Arbeitstagung der Sektion Soziologische Theorie über »Gründungsszenen soziologischer Theorie« im HanseWissenschafts-Kolleg, Delmenhorst 27./28.Januar 2012 http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/archiv/kg-12-Delmenhorst-Beitrag_Materialien.pdf

2011 MENSCHWERDUNG DURCH TECHNIK. EIN RÜCKBLICK AUF DIE ERSTE EVOLUTION. Entwurf eines Vortrags für die Matreier Gespräche zur Kulturethologie (3.-7. Dez. 2011) über das Thema „Enhancement – oder die Verbesserung des Menschen: Die zweite Evolution? http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/archiv/kg-11-Matrei-Beitrag.pdf

2011 SOZIOLOGISCHE ANTHROPOLOGIE UND DARWINSCHE EVOLUTIONSTHEORIE – Dieter Claessens‘ Beitrag zur Überwindung einer Denkblockade zwischen Geistes- und Naturwissenschaften – Vortrag für eine Tagung der DGS-Sektion Kultursoziologie über das Werk von Claessens im Febr. 2011 - (Vortragsentwurf mit Materialien) . http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/archiv/kg-2011-ClaessensVortrag.pdf

2010 DAS ENDE DER KONFLIKTEXTERNALISIERUNG - SOZIALER URSPRUNG, HISTORISCHE FOLGEN UND AKTUELLE PROBLEME RELIGIÖSER KONFLIKTVERARBEITUNGSTECHNIKEN – Skizzen und Vorarbeiten für eine evolutionstheoretische Untersuchung. http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/archiv/kg-10-Reli-Skizzen.pdf

2010 LEBENSLANG LERNEN - WARUM MENSCHEN ES IMMER SCHON KONNTEN, ABER ERST IN DER MODERNEN GESELLSCHAFT AUCH DÜRFEN UND SOLLEN – S. 91-121 in: Gilgenmann /Mersch/ Treml (Hg.) (2010): Kulturelle Vererbung. Erziehung und Bildung in evolutionstheoretischer Sicht - Beiträge zur Evolutionären Pädagogik 4 - Norderstedt: BoD-Verlag. http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/archiv/kg-09-LebenslangLernen.pdf

2008 TECHNISIERUNG

UND INDIVIDUALISIERUNG - WARUM DER BEZUG AUF MENSCHLICHE INDIVIDUEN FÜR EINE EVOLUTIONSTHEORETISCH REFLEKTIERTE PÄDAGOGIK UNVERZICHTBAR IST. S. 80-

99 in: Neue Pädagogik und alte Gehirne. Erziehung und Bildung in evolutionstheoretischer Sicht. Hg. J. Kurig / A.K.Treml, Berlin: Lit-Verlag. http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/archiv/kg-2007-EPI-Beitrag.pdf

2006 HOMO - SOCIOLOGICUS - SAPIENS. ZUR EVOLUTIONSTHEORETISCHEN REKONSTRUKTION SOZIOLOGISCHER MENSCHENMODELLE. Mit B. Schweitzer S. 348-371 in Heft 5, 2006 der Zeitschrift für Soziologie. http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/archiv/kg-bs-2006-Menschmodelle.pdf

2004 DIE UNWAHRSCHEINLICHE AUSDEHNUNG DER MENSCHLICHEN GESELLSCHAFT. Ein evolutionstheoretischer Ansatz zur Kritik des Luhmannschen Begriffs der Weltgesellschaft. (Abgelehnter Beitrag für einen Sonderband der Zeitschrift für Soziologie.) http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/archiv/kg-2004-EWG.pdf


kg: Kulturelle Evolution durch soziale Differenzierung (Monographie-Projekt)

Anmerkungen & Materialien 1 A.N.Whitehead zugeschrieben – zit. bei Merton 1973: 8 2 s. Luhmann, Stichweh, Wortmann, – M.Schmid, P.Meyer, Esser, - Müller? Kappelhoff? Baldus? 3 Also ein Aspekt, der zwar schon häufig benannt, aber noch nicht hinreichend reflektiert worden ist. S. dazu das Whitehead-Zitat eingangs des 1. Kap. 4 Noch auszuprobieren wäre, ob ich die Konflikthematik im Gesamttitel stärker zum Ausdruck bringe. Dafür hatte ich zunächst „Kulturelle Evolution und sozialer Konflikt“ vorgesehen oder etwas dynamischer: „Kultur, Konflikt, Zivilisation“... Der naheliegende Titel „Moderne (kulturelle) Konflikte im Lichte der Evolutionstheorie“ wäre schön, aber irreführend, weil damit eine soziobiologisch- oder evolutionspsychologisch-genetisch-zentrierte Perspektive erwartet würde und nicht eine Theorie der kulturellen Evolution i.e.S. der Unterscheidung bei Blute (2010, 3ff). – Zur Konfliktthematik s. evtl. auch nochmal den Titel von Dahrendorf 1994: „Der moderne soziale Konflikt“, mit der Frage, ob die Argumentation auch auf die Ebene kultureller Konflikte (Huntington) ausgedehnt werden kann. 5 Noch zur Untergliederung der 5 Kapitel: Eine strikt an der schrittweisen Entfaltung der Hauptthese orientierte Untergliederung dient 1. der Überprüfung der Kapitel-Gliederung selbst – zuviel Redundanz/Wiederholungen zwischen den Kapiteln würde eine andere, sparsamere Aufteilung der Kapitel nahelegen. 2. der Selektivität beim Einfügen vorhandener Texte – eine klare Untergliederung kann helfen, eine zu kompakte Übernahme von Textpassagen (mit Nebenaspekten, die nicht dem Fortgang der Darstellung dienen) zu vermeiden. Andererseits kann sich natürlich vom Material her auch eine Revision der Untergliederung ergeben. 6 An dieser Stelle – oder in 1.5 – wäre noch auf andere Aspekte hinweisen, die als Beiträge zur Theorie der kulturellen Evolution gesondert ausgearbeitet werden könnten: nämlich die Engführung des Transmissions-Konzepts (Kap.2) und die Erweiterung des Technik-Konzepts (Kap. 3), die hier jedoch – im Hinblick auf eine sparsame Argumentation - der evolutionstheoretischen Reformulierung des Differenzierungskonzepts (Kap. 4) und seiner Anwendung auf Probleme der modernen Gesellschaft (Kap. 5) untergeordnet werden sollen. 7 Dass es sich hier in gewisser Weise auch um die Wiederherstellung einer Verbindung handelt, die in einem früheren Entwicklungsstadium der biologischen und soziologischen Theorie schon gegeben und dann unterbrochen wurde, soll noch ausgeführt werden. 8

ad 1: Kulturelle Evolution als Theorieprogramm

9 Hier auch eine methodologische Bemerkung, warum ich Konflikt ins Zentrum stelle und nicht – was in empirischer Hinsicht durchaus naheläge: Konflikt und Kooperation als zwei Seiten menschlichen Verhaltens. Der Grund steckt in der theoretischen Prämisse, dass alle kulturellen Sozialsysteme konstitutiv darauf angelegt sind, im Inneren Kooperation herzustellen und Konflikte zu vermeiden. Konflikt ist also der verborgene Grund, der aufgedeckt (explizit gemacht) werden muss, um die Enstehung und Entwicklung menschlicher Sozialsysteme, sowohl ihren unwahrscheinlichen Ausbreitungserfolg wie auch ihre ökologische Riskiertheit zu verstehen. 10 Die Redeweise von sozialer Evolution operiert mit der Unterstellung, dass Sozialität eine Besonderheit menschlicher Lebewesen sei. Dazu Blute 2010: 164: „Not only is the important difference between humans and other animals not society and not interaction (members of many species live in groups the members of which interact socially), it is not the informational or symbolically encoded basis of the interaction. The important difference in some cases is how that information is acquired - whether via biological inheritance, that is to say genetically, or via sociocultural inheritance, that is to say by social learning (which is how a particular human language is acquired albeit not language in general). In

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both the genetic and the linguistic cases the meanings of symbols are roughly shared among members of a population - biological and sociocultural populations respec¬tively and in both cases the reason why they are shared is parallel - descent from a common ancestor - biological and sociocultural descent respectively.“ 11 Soziologische Erklärungen basieren auf Erkenntnissen über das menschliche Verhalten, die sie nicht selbst hervorgebracht haben. Das gilt aber auch umgekehrt für die Verhaltenswissenschaften, die häufig die soziale Dimension verkürzen. 12 Hier noch zu prüfen, ob ich Konflikt – auch in den Titeln immer schon zusammen mit dem Gegenbegriff Kooperation erwähne, oder dies erst im Text nachtrage. Dazu eine Passage aus Blute 2010, 80f. In the social sciences, historically, economists have emphasized competition over social (strategic) interaction although that has begun to change with game theory, an increasingly important part of microeconomics. Anthropologists, sociologists and political scientists on the other hand have emphasized social cooperation and conflict, traditionally in the form of functionalism and a variety of descendants of Marxism, even though common sense dictates that not all social relationships are cooperative nor are all antagonistic. There, too, game theory is becoming more prominent (Abell 2000). Instead of either the competition or the conflict versus cooperation approach to social relationships and interaction, this chapter adopts the biologists' three-cornered distinction among all three. This helps make clear some general principles under which these alternatives should be expected to be observed as well as their likely consequences. Some examples of the inferences that can be drawn are that things that are often seen as going hand in hand, such as environmental depletion and degradation, can be distinguished as consequences of different courses of action. On the other hand, some things which are traditionally seen as opposed, such as liberal and conservative views of crime as well as conflict and cooperation, may proceed hand in hand. We then go on to explore the use of such concepts in understanding the nature of proto-gender and gender differences and relationships - the most fundamental social relationship that exists among unrelated peers. Many social scientists may be surprised to learn that, far from being conservative, the most widespread evolutionary understanding of these differences and their relationship is more akin to a radical feminist than it is to a conservative (or a liberal) view although other possibilities exist, in particular, combinations of conservative and radical views. The social sciences can benefit from evolutionary theory by adopting their fundamental three-cornered distinction. However, with concepts such as the advantages of specialization particularly under crowding, of portfolio diversification, of economies of scale, of the existence of transaction costs and the economics of conflict - the former have contributed very significantly to how they can be used from there. We will see how the complexity of social relationships can be better appreciated by coming to understand the role of conflict in a cooperative context and that of cooperation in an antagonistic context.“ Zusammenfasssend Blute (2010, 110): “Rather than thinking of social interaction exclusively in terms of competition, which was historically the case in economics, or exclusively in terms of conflict and cooperation, which was historically the case in the other social sciences, biologists emphasize a tripartite distinction that suggests conditions under which they should obtain. With pure ecological competition, low densities/low frequencies favour "quantity" consumption/production while high densities/low frequencies favour "quality" consumption/production with a tradeoff between resource depletion and environmental degradation. But low densities/low frequencies also favour pure ecological competition whereas high densities/low frequencies favour social interaction whether antagonistic or cooperative showing the intimate relationship between the latter. Similar distinctions apply to purely social strategies. Given those kinds of basics, however, concepts derived from the social sciences such as the advantages


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of specialization particularly under crowding, of portfolio diversification, of economies of scale and of the existence of transaction costs and those of conflict have contributed significantly to their further development and use.“ 13 Hier thematisch relevant – aber soziobiologisch ansetzend: Sanderson, 2001, The evolution of human sociality – A Darwinian conflict perspective. 14 Abgrenzung von einer bloßen Übertragung Darwinscher Begriffe auf divergente Felder – ohne Einbettung und Wechselwirkungen – Darwins Anwendung auf natürliche Lebewesen und Arten als ein Sonderfall neben Anderen. 15 Hier auch die 4 universellen Faktoren nach Blute 2010, 15ff: constraints, chance, history and necessity – die ich paarweise in den folg. Kapiteln behandle. 16 Hier wäre aber nochmal bei Blute 166ff. nachzulesen, ob der Terminus „Niche Construction“ in dem Sinne von Systembildung, Schutzschirm vor Selektionsdruck etc. verwendet werden kann. 17 Blute (2010:205f) hat in diesem Sinne die Fragestellung formuliert: „There is no doubt that biological evolution can programme individuals and individuals can affect biological evolution. But is there any sense in which those latter influences can be understood in information as opposed to purely material terms? The same issue arises in sociocultural evolution. There is no doubt that cultural evolution can programme individuals and that individuals can affect sociocultural evolution. But is there any sense in which those latter influences can be understood in informational as opposed to purely material terms?“ 18 Blute 2010, 48: Religion has become something of an evolutionary battleground in the past decade or so - evolutionism opposing intelligent design creationism, evolutionary theories of religion as a generally harmful parasitic memeplex opposing evolutionary theories of religion as a biologically and/or socioculturally groupselected adaptation and so on. 19 S. dazu Kap. 6-8 bei Blute 2010 20 Noch prüfen, ob ich zur Entfaltung dieser Erklärungsschritte die Gliederung ändern muss.

21 ad 2: Nachahmung mit Abweichung [Universelle Faktoren (nach Blute): Natürliche Beschränkungen + Soziale Chancen, Gelegenheiten] Materialien: MVE-Dresden-Beitrag; Tarde-Rezension; EvolpädIndividualität u.a. 22 Während alle lebendigen Individuen auch dann zur menschlichen Art zählen, wenn sie phänotypische Abweichungen (Taubstummheit, keine Beine o.ä. ) aufweisen, weil diese Abweichungen nicht in ihrem genetischen Erbmaterial weitergegeben werden – müssen auch technische Artefakte zu Bestandteilen der menschlichen Sozialität gezählt werden, weil sie ebenso wie die menschlichen Gehirne als Träger der kulturellen Replikationseinheiten dienen.. 23 Auch M. Blute (2010: 113ff) kennzeichnet die Kulturelle Evolutiona als auf sozialem Lernen basierend. Damit wird die Differenz im Replikationsmechanismus jedoch nur unzureichend bestimmt – denn nicht alles, was sozial (also durch Kommunikation mit Anderen und nicht direkt durch Beobachtung des Geschehens) gelernt wird, wird auch vertikal (von Gneration zu Generation) tradiert. Vieles, was sozial gelernt wird, wird im wechsel der Generationen wieder vergessen. 24 Aufgrund der in der Moderne zur selbstverständlichen Hintergrundüberzeugung gewordenen Präferenz für Innovation (Neues) wird häufig verkannt, dass jeder Akt der Nachahmung auf der Ebene der individuellen Wahrnehmung schon eine Innovation (der kognitiven Strukturen) darstellt. – Zur Apologie der Imitation s. Girard ... 25 Dies als Ausführung der im 1. Kap. bereits angeführten These von der Freiheit des Menschen, zwischen natürlichen und kulturellen Einflüssen wählen und damit auf sie zurückwirken zu können. Das wichtigste Mittel in dieser Hinsicht ist die Emergenz

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symbiolischer Informationseinheiten in der Sprache und ihren technischen Erweiterungen, deren Variation aber mit den kognitiven Systemen lebendiger Individuen ausgelöst wird. 26 Hier oder erst in Kap. 5 dann aufzunehmen die Umkehrpersepktive von Mehrebenenselektion i.S. der (Re-)Internalisierung von sozialen Konflikten – nicht nur auf der Metaebene der Sozialsysteme sondern zugleich im kognitiven System der Individuen. In diesem Sinne evtl. auch den Hinweis bei Blute (2010: 158) aufnehmen, wonach nicht nur die verselbständigten Handlungsketten sozialer Systeme, sondern auch die verselbständigten Erlebensketten psychischer Systeme als Aggregatphänomene (in Folge von Umweltselektion) verstanden werden können: „... rational action on the part of individuals can similarly be seen as an aggregate phenomenon. The brain after all is known to be a massive parallel processor. Acts compete within individuals so that just as adaptation is achieved in evolution, not because it is what is sought, but because natural selection controls what evolves, it is similarly the case that competence is achieved in learning, not because it is what is sought, but because reinforcement and punishment control what is learned.” 27 Hier ist mir noch unklar, ob und inwieweit der Streit über Mikrooder Makrofundierung zusammenfällt oder noch zu unterscheiden ist von dem Streit über eine historisch-idiographische oder eine systematisch-strukturalistische Methode. Letztere ist ja auch in der Evolutionsbiologie selbst im Gang (Blute Kap.3). 28 ad 3 Nischenkonstruktion mit Technik Der Terminus „Nischenkonstruktion“ soll hier anspielen auf den „Ausbau des soziokulturellen Gehäuses“ (was hier aber als Titel zu lang). [Universelle Faktoren (nach Blute): Soziale Chancen + interne histor ische Beschränkungen, Pfade] Materialien: Matrei-2010, Evolpäd-Technisierung u.a. 29 s. dazu Blute Kap. 8.4 30 In diesem Sinne Blute 2011: 193 im Rekurs auf die “major transitions” (was hier aber fehlt, ist der explizite Bezug auf Konfliktverlagerung – diesbez. noch bei Smith/Szatmary nachsehen!): „If Maynard Smith and Szathmary are right that all new levels of complexity are composed of evolving entities at a lower level (prokaryotes in eukaryotes, cells in multicellular individuals, individuals in eusocial colonies, etc.) then the development of aggregate individuals could not proceed by any processes other than normal evolutionary ones at that lower level. Evolution on the lower level becomes the mechanism of development on the higher (Blute 1977; Buss 1987). In multicellular development for example, the cells and cell groups that express the strategies which have such complementary consequences for the collective of which they are a part must be being induced and constructing by means of heritable change (whether genetic, e.g. copy number changes or epigenetic), by being acted on and acting by means of selection pressures exerted on one another, and by engaging in motility in such a way that the collective life cycle as described is brought about. We might thus describe development as an encapsulated evolution, which is not to imply that the ecological environment including the demographic is out of the loop. On this view, whoever said that evolution never repeats itself could not be more wrong. It repeats itself virtually every time a collective individual in a lineage replicates. We saw in Section 2.3 that social learning cannot be reduced to psychological processes and in Section 5.6 not obviously to social psychological processes either. For example, to perpetrate a collective social identity like membership in a church rather than simply a single behaviour, norm or value, ego must normally provide alter linguistic instructions (and resources) on how to consume, to model herself on ego, and to produce, to instruct her recruit(s) to do likewise with respect to her, as well as about the appropriate demographic conditions under which to do each. From the perspective of the population of these sociocultural identities, when there are a lot of recruits but none of them know very much


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about what it means to be a church member, they need to concentrate on consuming, i.e. modelling themselves on existing members. However, when there are only a few recruits but ones who are well socialized into what it means to be a church member, they need to concentrate on producing, i.e. recruiting new members by teaching. Only by such flexible means will membership be truly socioculturally recursive, i.e. replicate socioculturally. From a mechanistic perspective however, this consuming requires "learning to learn" and producing requires "learning to teach", both of which must be taking place at a lower, i.e. psychological level within the same individuals (which as we have seen is also a selection process) and by way of social psychological interactions among them. This is unlike the case in Section 5.6 in which different individuals learn to teach and to learn. So the psychological and social psychological are part of what is going on but by themselves are not sufficient - the sociocultural ecology including the demographic matters too. Debates over levels of selection - whether such concepts are illegitimate, just different ways of looking at and talking about the same thing, or necessary for real understanding - date at least from the 1960s and show no evidence of having abated (e.g. Sarkar 2008). Where some see different levels, others see simply different scales. I expect more rather than less of this as evolutionary and developmental biology are brought more into interaction with each other as is taking place in "evo-devo". Among other reasons, that is because viewing selection as taking place at higher levels or more inclusive scales has necessary implications for understanding development at the lower or less inclusive.” 31 Mit der Bezeichnung von Organisationen als „Verkörperungen“ der Technisierung schließe ich einerseits an den Sprachgebrauch der „Korporation“ an, andererseits an Alsbergs These vom Ersatz der Körperanpassung der Individuen durch Technikanpassung in der KE. 32 Zu den Protostrukturen der Öffentlichkeit in einfachen Sozialsystemen gehört der schon vielfältig untersuchte „Klatsch“ – das gehört aber schon in Kap. 4. In Kap. 3 wäre allenfalls zu bemerken, dass schon der Klatsch in gewissem Umfang eine technische Verselbständigung des Erlebens gegenüber dem Handeln impliziert. Man redet schlecht über Abwesende, ohne die sonst drohende Gefahr reziproker Sanktionen, weil der Interaktionszusammenhang unterbrochen ist - unter absichtlicher Ausnutzung der Abwesenheit oder sogar unter absichtlicher Herbeiführung der Unterbrechung. 33 In vielen Abhandlungen über Konkurrenz wird der Unterschied zwischen geregelten und ungeregelten Formen der Konkurrenz vernachlässigt. Dieser ist prototypisch bereits in der natürlichen Evolution zu erkennen: in der Konkurrenz um Überlebenschancen einerseits und der Konkurrenz um Fortpflanzungschancen andererseits. Im ersten Fall geht der Selektionsdruck von der natürlichen Umwelt aus – er entzieht sich somit der Regelung im jeweiligen Sozialsystem. Im zweiten Fall wird der Selektionsdruck zwar auch durch die Knappheit bestimmter Ressourcen ausgelöst, die Selektion selbst ist aber immer schon im Sozialsystem selbst vorreguliert (primordial durch den Vorrang der „weiblichen Wahl“ bei der Entscheidung über Fortpflanzung). Dieser Fall stellt das Grundmuster für alle Formen des Wettbewerbs, also der kulturell regulierten Konkurrenz dar. Hier ist es stets das Publikum, das in der Rolle eines Dritten, nach systemintern (in Medien und Formen der Öffentlichkeit) entwickelten Kriterien über den Erfolg der Konkurrenten entscheidet. Das Wissen über diesen evolutionären Zusammenhang deutet sich noch an in der Rede von der „Gunst des Publikums“! Zur Ähnlichkeit der Verhaltensmuster in modernen Formen des Wettbewerbs mit denen der sexuellen Selektion auch Blute 2010, 101f: „As economists Coase (1937) and Williamson (1995) also made clear, however, markets have transaction costs which is in part what sexual competition is (although it would be helpful if the economics of transaction costs and the economics of conflict

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were more integrated with each other). When organisms turn from competing ecologically to competing sexually, they turn from optimizing in the narrow sense, i.e. ecologically, to playing social games. In a perfectly competitive market, we should expect these transaction costs or costs of antagonistic game playing to erode profits from specialization to zero. And that is exactly what we normally see in meiotic sex. The fact that only half of one's genes are placed in a sexual gamete as opposed to all of them in an asexual spore (there is a two-fold cost of sex) but that cost is normally exactly compensated for presumably by the advantages of ecological speciali¬zation so that meiosis is a two-division process from which four rather than two descendants emerge (i.e. there is equally a two-fold benefit). In some cases profits from the specialization and exchange above and beyond transaction and conflict costs remain - meiosis is followed immediately by one or more post-meiotic mitoses. In rare cases profits appear to be eroded below that - some eukaryotic protists have only a singledivision meiosis - which not surprisingly is rare and it is unclear whether it is derived (as spite) or primitive. In other cases as in female animals, while meiosis is a two-division process, the divisions are unequal and two small "polar bodies" are abandoned presumably a secondary derivation as an adaptation to the survival of rather than the numbers of grand-offspring.“ 34 Blute 2010 34f.: “As well as continuity, evolution requires random variation and selection resulting in change - whether linearly within a lineage (anagenesis) or that resulting in a diverging treelike pattern of dual or even multiple lineages (cladogenesis). As noted in the introduction, one of the most deceptively simple but difficult concepts for those coming new to evolutionary theory is to understand in what sense mutation or innovation more generally is "random" and hence that evolution, including cultural evolution, is Darwinian rather than Lamarckian. … As Campbell (1965) emphasized, the term "random" is ill-chosen. All random does mean in this context is "blind" or non-prescient. As also noted in the introduction, innovations are not necessarily oriented in the direction required for their successful spread. That is the case whether considering scientists publishing papers that will be cited, inventors obtaining patents that will be utilized, entrepreneurs founding new businesses that will succeed, or manufacturers introducing new products that will be successfully marketed (Blute 1979). On a statistical basis, most innovations fail and those that do succeed often do in a niche different from that which their inventor imagined. How, after all, could it be otherwise? It is not possible to know the future with any certainty until it is here.” 35 Eine intererssante Passage bei Blute 2010: 147 über die Einwirkung von Umwelteinflüssen auf organische Entwicklung mit Bezug auf Offenheit und Geschlossenheit (Flexibilität) und Lernprozesse, die in ihrem zirkulären Verlauf so evtl. auch auch die Entzwicklung menschlicher Sozialsysteme (also Superorganismen) übertragen werden kann: “An interesting twist on this "more change later than earlier" phe¬nomenon in biology arose in recent decades when it was pointed out that it does not apply to the very earliest stages (see discussion in Raff 1996: 190-210; Hall 1997). Elinson (1987:2) illustrated this in a particularly striking way by adding drawings of the three earliest stages (egg, blastula and gastrula) of three different vertebrates (salamander, chick and human) to the embryonic stages used by Haeckel to illustrate his version of the principle. The drawings show that the differences between groups are large at these very early stages and then decline before they increase again as commonly il-lustrated. This has been termed an eggtimer or hourglass pattern and the point of minimum difference "phylotypic", in vertebrates the "pharyngula", or viewed as a particular pattern of gene expression at that stage in animals, the "zootype". Elinson suggested that major changes may take place early because of major ecological shifts - for example to a terrestrial way of life necessitating large yolky eggs or maternally sup-


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plied nutrition although other differences such as those among different orders of amphibians or species of frogs are less readily explicable. Raff suggested a possible developmental constraints explan¬ation. A single-module, early-stage embryo is flexible. As it begins to become modularized, the modules interact with each other reducing flexibility. But later, more numerous fully formed modules are more inde-pendent of each other increasing flexibility again.” 36 S. dazu Ausf. bei Blute Kap. 4: “Density- and/or frequency-dependence may obtain between ecological competition and social cooperation as well as social conflict. “ (87f) Entsprechende Ausführungen auch bei Schurz nochmal nachlesen! Blute 89f. INGROUP/OUTGROUP-PATTERN! “In summary on social cooperation, cooperation is generally favoured under the same conditions that social conflict is - at high densities or when rare. It is not surprising then that they tend to go together - conflict in a cooperative context or cooperation in an antagonistic context. After all, even Marx saw cooperation within classes in the context of conflict between them and Lenski (1984), after Sumner, liked to speak of "antagonistic cooperation". Choi and Bowles (2007) and Bowles (2008) for example have termed this "parochial altruism" - arguing that the other side of conflict between groups of animals and humans including bands of hunter-gatherers, early tribal societies, ethno-linguistic groups and even modern nations is cooperation within them, or, put differently, that the other side of cooperation within them is conflict between them. 37

ad 4: Konfliktverarbeitung durch Differenzierung

[Universelle Faktoren (nach Blute): Interne historische Beschränkungen + äußere Umweltbeschränkungen, Selektionsdruck] Materialien: Delmenhorst-Beitrag, Reli-Skizzen, ZFS-IOG-Beitrag u.a. 38 Simmel, Zur Soziologie der Religion S. 111-123 in: Neue Deutsche Rundschau (Freie Bühne) 9. Jg. 1898, (Berlin). 39 Durkheim 1977, 306f. 40 An dieser Stelle wäre die einschlägige Literatur noch einmal zu überprüfen, inwieweit Mehrebenenselektion hier nur deskriptiv (als explanans) eingeführt wird – und inwieweit sie selbst zum Gegenstand der Erklärung (explanandum) – also unter dem Aspekt der Evolution emergenter Ebenen – betrachtet wird. S. dazu neben Richerson&Boyd, Sober&Wilson, E. Mayr v.a. auch Smith & Szatmari hinsichtlich der “major transitions” und ihre Weiterführung hinsichtlich kultureller Phänomene bei Wieser. 41 Blute 2010, 53: „the first law of cultural evolution is formally the same as the first law of biological evolution - the relative frequency of cultural alternatives in a population will not change unless some force like selection acts to change them.“ 42 Auch für Blute ist das zentrale Argument für zunehmende Komplexität innerhalb der natürlichen und der kulturellen Evolution die Vermeidung von Konkurrenzkonflikten: „…how can we reconcile the evidence from McShea and colleagues against cross-lineage trends towards increasing complexity with the argument that, because speciation is densitydependent, later-evolved species should tend to be bigger and probably more complex than earlier ones. The answer would seem to be that new species tend not to be competing with each other. If they did, perfectly, i.e. in all respects, according to the competitive exclusion principle, they could not coexist. There is a limit to the number of "me-too" drugs a market can support, for example. Instead, new species along with becoming reproductively isolated, normally diverge from each other in the way they act and the niche they occupy and that is the point of all three kinds of speciation. The allopatric do not compete for spatial reasons, the sympatric do not compete for ecological reasons, and the sexually selected do not compete for ecological reasons within one gender and social reasons within the other. (Blute 2010:187) …

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The single most important idea about the evolution of complexity introduced in the past decade or so was that of Maynard Smith and Szathmary (1995:3) who viewed the existence of complex individuals as a result of "major transitions in evolution". Such major transitions have in common that "entities capable of independent replication became able to do so only as part of a larger whole" (prokaryote cells incorporated into eukaryotes, protists in multicellular individuals, and solitary individuals in colonies with non-reproductive casts, for example). The components of new levels of organization and selection in their view could emerge by duplication, symbiosis or epigenesis. They thought that the advantage to individuals, similarity, a tendency to irreversibility, and many to suppress the selfish could commonly explain such transitions but often the advantages of a division of labour - "the efficiency of specialized organs" as well as the emergence of "new materials and mechanisms of heredity" (p. 12) were required as well. (Blute 2010: 189) 43 Blute 2010, 107ff über byproduct mutualism als Protostruktur arbeitsteiliger Spezialisierung, Binnendifferenzierung: In a "scramble" for food or offspring production, what one individual manages to consume/produce others do not and vice versa. This is the case even if there is no shortage of resources or of places for individuals. Scramble competition is by definition a "minus-minus" relationship. The same obtains in "perfectly competitive" economic markets - what factors of production or of product sales that one firm gets, others do not and vice versa. However, keep in mind that at its base, genetic heredity in the form of base-pairs is a discrete phenomenon and that a number of fundamental ecological dimensions such as density, scale, patchiness, kind of uncertainty, etc., control the evolution of life histories including both consumption and production. The simplest possible alternative scenario to a scramble, then, is two alternative strategies in which the life history of one kind of alternative is adapted to some ecological dimension in one way, and the other in the opposite way. Where that is the case, the advantage is often said to be reducing competition, avoiding interference, etc. The same is said about "monopolistic competition" in economic markets - differentiating products and segmenting markets is advantageous because one obtains a monopoly, at least temporarily, in a particular segment. However, more than avoiding competition or obtaining a monopoly in a segment is required for such specialization to be advantageous. All of half a niche is no better than half of all a niche unless the specialization is accompanied by greater efficiency which it commonly is in the human economic and sociocultural world and so too, almost certainly, in the biological - i.e. there are positively non-additive fitness interactions among specialists. Under these conditions, each alternative creates conditions which favour the other - as has been emphasized here under density/frequency dependence - quantity consumption/production will favour quality consumption/production and vice versa. The advantages of specialization turn a minus-minus relationship into a plus-plus relationship, in short, into byproduct mutualism. Hence, on the basis of the simplest form of selectionist thinking, byproduct mutualisms should be almost the norm rather than a rarity within a population whether biological or sociocultural. If the alternatives then additionally engage in trade - then we have a form of reciprocity in which different things are exchanged, whether at the same or different times, rather than the conventional form of evolutionary reciprocity in which the same things are traded at different times. I have suggested that a material exchange of this type at the cellular level is at the heart of eukaryotic sex. This does not mean that typically "cheating" in the form of sexual competition and selection over the benefits of this exchange does not ensue - normally typically transforming a plusplus relationship not back into a minus-minus one but into a zerozero one. At the same time, it is probably possible to view this interpretation of gender relations as readily from a group selection as from a byproduct mutualism perspective. The most recent and sophisti-


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cated analysis of the former is by Okasha (2006). A famous equation, the Price equation (1972), allows selection associated with character-fitness covariances on more than one level to be disaggregated, but such associations may not be causal. According to Okasha, however, with "contextual analysis" (essentially multiple regression), cross-level byproducts which are causal in nature can in theory be detected in both upward and downward directions between "particles" and "collectives". This would also seem to fit the case of genders and families as discussed above. Natural selection requires a positive character-fitness covariance. There is a positive character-fitness covariance in males and females which specialize ecologically (as opposed to those who do not). This is direct selection acting on individuals but which, when combined with recombination, as a byproduct, indirectly produces a positive character-fitness covariance in sexual families as opposed to the asexual. Similarly, there is a positive character-fitness covariance in families which recombine genes because of risk reduction (as opposed to those families who do not), but which, when combined with ecological specialization, as a byproduct, indirectly produces a positive character-fitness covariance among their members (at least overall or in the long run). In human societies, the division of labour between females and males has varied and changed socioculturally historically enormously. For example in foraging societies it has often been between hunting and gathering and this has been proposed to have left its mark on our genomes in the form of the well-known greater average male ability mentally to rotate objects in space and the less well-known greater average female ability at memory for spatial locations as in the child's card game "concentration" (e.g. Tottenham et al. 2003). In pastoral and agricultural societies exchange was commonly organized on a larger scale in the form of marriage exchanges between groups and as classical anthropology and the great Claude Lévi-Strauss (1969) in particular showed, it has left its mark on semantic systems for naming and addressing relatives in languages around the world in which "parallel" relatives such as mother's sister and father's brother are distinguished from "cross" relatives such as mother's brother and father's sister. The subtleties of interpretation of such systems has been recently undergoing a revival (Allen et al. 2008; Chapais 2008). In the west for a couple of decades after the Second World War, the division of labour between genders was largely between consumption and production - males worked outside the home and women cared for children at home. A great revolution has taken place subsequently with the majority of women even with young children having moved into the labour force, the ramifications of which are still being felt. What appears to be happening in the west is that any cultural norms about this matter are disappearing and individuals and their families are working it out on their own - learning by trial and error in interaction with each other what works for them. However, theoretically, we should not be surprised that successful partnerships are likely based on some division of labour (commonly still some difference in commitment to labour force participation versus household tasks, as well as great diversity of arrangements within the latter.) On theoretical grounds we should also not be surprised, however, that these are only arrived at with some considerable conflict, albeit in a cooperative context, an interpretation which essentially combines conservative and radical views of gender relationships.” 44

S. dazu schon das Simmel-Zitat oben. Zu Max Webers Markierung der traditionellen Doppelmoral und ihrer Überwindung in der modernen Gesellschaft (aus dem Abriß der universalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Mit- und Nachschriften 1919/20): „Ursprünglich stehen zwei verschiedene Einstellungen zum Erwerb unvermittelt nebeneinander: nach innen Gebundenheit an die Tradition, an ein Pietätsverhältnis zu den Stammes-, Sippen- und Hausgenossen unter Ausschluß hemmungslosen Erwerbs innerhalb des Kreises der durch die Pietätsbande miteinander Verbundenen: Binnenmoral – und absolute Hemmungslosigkeit des Er-

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werbstriebes im Verkehr nach außen, wo jeder Fremde ursprünglich Feind ist, dem gegenüber es keine ethische Schranke gibt: Außenmoral.“ (MWG III-6 S. 384) „Um noch einmal die Eigenart des okzidentalen Kapitalismus und ihre Ursachen zusammenfassend darzulegen, so sind folgendes die entscheidenden Züge. Nur er hat eine rationale Arbeitsorganisation geschaffen, die sonst nirgends vorkommt. Handel hat es überall und zu allen Zeiten gegeben, und er läßt sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen; ebenso finden wir in den verschiedensten Epochen und Kulturen Kriegsfinanzierung, Staatslieferungen, Steuerpacht, Amtspacht usw., nicht aber rationale Arbeitsorganisation. Ferner finden wir überall sonst: primitiv nebeneinander streng gebundene Binnenwirtschaft, so daß von irgendwelcher Freiheit des wirtschaftlichen Gebarens zwischen den Genossen des gleichen Stammes, der gleichen Sippe keine Rede ist, und daneben absolute Ungebundenheit des Handels nach außen; Binnenund Außenethik sind verschieden, und darüber steht absolute Rücksichtslosigkeit der Finanzgebarung. Nichts kann so streng gebunden sein wie die Sippenwirtschaft in China oder die Kastenwirtschaft in Indien, aber auch nichts so skrupellos wie der indische Außenhändler. Dagegen ist die Aufhebung der Schranken zwischen Binnenwirtschaft und Aussenwirtschaft, Binnenmoral und Außenmoral, das Eindringen des händlerischen Prinzips in die Binnenwirtschaft und die Organisation der Arbeit auf dieser Basis das zweite Charakteristikum des okzidentalen Kapitalismus. Endlich ist die Zersetzung der ursprünglichen wirtschaftlichen Gebundenheit zwar auch anderwärts eingetreten, so in Babylon; aber nirgends finden wir die unternehmungsweise Organisation der Arbeit wieder, wie sie der Okzident kennt.“ (MWG III-6 S. 349). 45 An dieser Stelle – und im Vorgriff auf die Analogie zu den zivilisatorischen Formen des Wettbewerbs – wäre hier in 4. auch auf sexuelle Selektion einzugehen, die in meiner Darstellung bisher immer nur allzu verkürzt i.S. von female choice zur Darstellung gekommen ist. Eine abrissartige Darstellung der Verzweigungsformen für die innerartliche Fortpflanzungskonkurrenz bei Blute (2010: 173f.): “... Darwin discovered sexual selection based on competition for mates as well as natural selection based on competition for survival and fecundity. The concept of sexual selection was more reluctantly received than that of natural selection. Secondly, he discovered (and Huxley named) two types of sexual selection which create two types of characteristics commonly observed in males intrasexual selection (sometimes called male-male competition) giving rise to weapons like fangs and antlers which are used to fight with and intimidate other males in competition over female mates, and intersexual selection (sometimes called female choice) giving rise to "ornaments" like bright colours and long tails which are attractive to females. The concept of intersexual selection or female choice was more reluctantly received than intrasexual selection or male-male competition. Thirdly, intersexual selection or female choice can be interpreted in two ways. It may be interpreted as the way in which females compete sexually for the best mate (best in a variety of possible senses), i.e. as female choice in a strict sense, sometimes called "active" female choice. Alternatively, it may be interpreted as another way in which males compete sexually (by attracting females), sometimes called "passive" female choice which would more accurately be termed manipulation by males rather than choice by females. The former interpretation was less common than the latter. In short, sexual as opposed to natural selection, female choice in the generic sense as opposed to male - male competition, and active as opposed to passive female choice all received a rough reception and slow acceptance (much but not all of this history is recounted in Cronin 1991) 46 Ich verwende hier (in funktionalistischer Perspektive) den Singular – im Bewußtsein der Angreifbarkeit durch historische Arg. der dann im nächsten Abschnitt zumindest grob Rechnung getragen werden soll.


kg: Kulturelle Evolution durch soziale Differenzierung (Monographie-Projekt)

47 S. schon in Kap. 3: Mit der Bezeichnung von Organisationen als „Verkörperungen“ schließe ich nicht nur an den Sprachgebrauch der „Korporation“ an, sondern auch an Alsbergs These vom Ersatz der Körperanpassung der Individuen durch Anpassung ihrer Werkzeuge in der ökologischen Nische. 48 S. schon den Hinweis auf Protostrukturen in Kap. 3 - Zu den Protostrukturen der Öffentlichkeit in einfachen Sozialsystemen gehört der schon vielfältig untersuchte „Klatsch“, der in gewissem Umfang schon eine technische Verselbständigung des Erlebens gegenüber dem Handeln impliziert. Man redet schlecht über Abwesende, ohne die sonst drohende Gefahr reziproker Sanktionen, weil der Interaktionszusammenhang unterbrochen ist - unter absichtlicher Ausnutzung der Abwesenheit oder sogar unter absichtlicher Herbeiführung der Unterbrechung. 49 An dieser Stelle evtl. auch die Ausf. von Blute Kap.8 über 3 Formen der Komplexität aufnehmen: 1. Ökologische Komplexität = Differenzierung der Arten in Abhängigkeit von einer isolierenden Umweltnische 2. Individuelle Komplexität = Entstehung neuer Individuen mit mehr Binnenkomplexität (für Blute auch ganze Sozialsysteme i.S. von Superorganismen) und 3. (für Blute ein Fall zwischen 1. und 2.) Soziale Komplexität = koalierende Individuen und Gruppen, die sich aber nicht zu einem festen Superorganismus zusammenschließen, sondern auch immer wieder desaggregieren. – Die Frage ist hier aber, ob dies noch eine adäquate Beschreibung für die binnendifferenzierte Globalgesellschaft ist. 50 In sozialwissenschaftlichen Theorien der Modernisierung ist der wichtigste Unterschied zwischen traditionellen und modernen Gesellschaften an den Freiheits- und Gleichheits¬rechten der Individuen festgemacht worden. Daher erscheint es nur schwer verständlich, dass Luhmann Ebenendifferenzierung generell als Freiheitsgewinn interpretiert hat, obwohl es sich doch – zumindest in den hierarchischen Formen, die in den letzten drei- bis sechstausend Jahren die Sozialsysteme der Menschheit dominierten – eher um Institutionen sozialer Ungleichheit und der Beschränkung individueller Freiheiten handelte. Die (paradoxe) Provokation* des Luhmannschen Arguments besteht wohl darin, dass all diese Beschränkungen dazu gedient haben, den Freiheitsspielraum im Inneren der soziokulturellen Gehäuse gegenüber dem Selektionsdruck der äußeren Umwelt erhöht haben. Allerdings hat erst die moderne Gesellschaft Formen der Ebenendifferenzierung hervorgebracht, in denen auch die Freiheitsspielräume der Individuen gegenüber dem Selektionsdruck im Inneren der soziokulturellen Systeme gewachsen sind. * In den Formulierungen, mit denen Luhmann Ebenendifferenzierung als Freiheitsgewinn interpretiert, ist nicht klar zu erkennen, ob es sich um eine gegen die Modernisierungstheorie gerichtete Provokation oder einfach nur um eine Übergeneralisierung von Beobachtungen handelt, die an der modernen Gesellschaft gemacht wurden. 51 S. dazu aber ausführlich Kap. 6-8 bei Blute 2010. – In diesem Kontext auch Auflösung des Streits über funktionalistischen Fehlschluss bzw. versteckte Teleologie in funktionalistischen Erklärungen – dazu Blute (2010: 142): „In a biological context, we say the function of the heart is to circulate blood but what we really mean is that once upon a time in a population of organisms there were individuals with hearts that did, and those with hearts that did not, circulate blood (or more realistically, which circulated it with varying degrees of efficiency). Those organisms with hearts that circu¬lated blood efficiently survived and reproduced at higher rates than did those with hearts that did not, and because of the principle of heredity, that offspring resemble their parents, members of the relevant popula¬tion today have hearts that efficiently circulate blood. The point is relevant as well of course to the long history of debates over functional explanations in anthropology and sociology. Functional statements about institutions such as political, economic or educational institutions, for example, would make sense only in the context of an implied selection process. To say that the function of political institutions is to reconcile conflicting interests would only make sense, whether or not

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they are true, in the context of claims about competing societies which differed in viability because of the presence or absence of political systems which performed in this way.“ 52 Hier geht es nicht nur um den Methodenstreit über Mikrofundierung oder Makrokonstitution, sondern auch über den quer dazu verlaufenden Streit über den Gesellschaftsbegriff (s. Schwinn, Göbel, Firsching, Tenbruck, Weber). Wenn soziale Differenzierung als Verarbeitungsform von sozialen Konflikten verstanden wird, dann spricht dies sowohl für Mikrofundierung (denn Konflikte werden ja stets von Individuen oder Kollektivakteuren ausgetragen) als auch für Makrokonstitution, denn der ultimate Grund für die Konfliktverarbeitung (Kooperation statt Konflikt) ist in dem Schutz zu erkennen, den die Gesellschaft als Sozialsystem vor dem Selektionsdruck der Umwelt bietet. 53 Das Dilemma der Hobbeschen Lösung des Ordnungsproblems ist, dass der Staat einerseits als Repräsentant der Öffentlichkeit (also auf der Seite verselbständigten Erlebens) andererseits aber auch als Akteur (auf der Seite verselbständigten Handelns – hier als sanktionsbewehrter Garant der öffentlichen Ordnung) auftritt – und in dieser Doppelrolle immer in der Gefahr steht, die evoluierten Errungenschaften der Differenzierung kollabieren zu lassen. 54

ad 5: Konflikte der Moderne Materialien: Reli-Skizzen, ZFS-IOG-Beitrag, Matrei 2012

55 Two Treatises of Civil Government II § 128 zit. nach der Ausgabe der Everyman's Library, London 1953, S. 181 – hier zit. aus Luhmann 1997, FN auf S.157. 56 Da ich hier nicht viel mehr als eine falsifizierbare Hypothese – zwar mit einigen Belegen für ihre Plausibilität aber ohne methodisch strenge Überprüfung – liefern kann, ist es vielleicht schon zu hoch gegriffen von einer „Einlösung“ zu sprechen. 57 Hier wäre zugleich anzuschließen und abzugrenzen von 1. den Weltgesellschaftskonzepten und Diagnosen der Luhmannschen Systemtheorie (s. v.a. Stichweh) 2. den Weltkultur-Diagnosen des soziologischen Neoinstitutionalismus (J. Meyer et al.). 3. den Rational Choice basierten Diagnosen mit Bezug auf globale Akteure (s. schon die Arg. zu Mikro/Makro in 4.5). 4. Netzwerktheorien Zum gesamten Spektrum s. auch Bonacker/Weller 2006 58 Rekurs auf die für die Moderne eher optimistischen Prognosen in Pinkers Geschichte der Gewalt. 59 Zuvor wäre hier – oder besser schon in 4. - die methodologisch verselbständigte Debatte über Theorien sozialer Ungleichheit vs. Theorien sozialer Differenzierung aufzugreifen – s. dazu den Band von Schwinn, Kroneberg & Greve. Die Inkongruenz der Theorieperspektiven (auf Ungleicheit und Differenzierung) kann durch evolutionstheoretische Mehrebenenanalyse aufgelöst werden: Bei der Beschreibung von Ungleichheit auf der Mikroebene der Individuen geht es stets um Ressourcenverteilungskonflikte, die durch soziale Differenzierung verarbeitet und auf eine höhere Ebene verlagert werden. Differenzierung vermindert Konkurrenzkonflikte in einem Sozialsystem – sei es durch Markierung der Außengrenzen oder durch verschiedene Schichten im Inneren oder durch Aufteilung in verschiedene Funktionsbereiche. Auf der Makroebene der Sozialsysteme bedeutet Ungleichheit also etwas ganz Anderes (als auf der Mikroebene): nämlich den Ausschluß von Konkurrenz. Nur Gleiches kann miteinander konkurrieren (Alte nicht mit Jungen, Bauern nicht mit Adligen, Unternehmer nicht mit Politikern). 60 Dazu auch Münch 2012: 143f.: „Unsere Analyse hat gezeigt, dass die funktionale Ausdifferenzierung der Weltwirtschaft aus dem segmentär differenzierten System der Nationalstaaten nicht adäquat als Herauslösung der Ökonomie aus jeglicher Art der normativen Strukturierung zu begreifen und zu erklären ist. Eine Erklärung dieses Vorgangs verlangt vielmehr die Erfassung des sich vollziehenden fundamentalen Strukturwandels von Solidarität und Gerechtigkeit, der die Aufhebung des Dualismus von inne-


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rer Brüderlichkeit und äußerer Unbrüderlichkeit, Binnen- und Außenmoral impliziert. Die Weltgesellschaft bil-det sich auf dem Boden der Welthandelsordnung als oberste Ebene in dem Mehrebenensystem von lokaler Gemeinde, subnationalen Regionen, Nationalstaat, supranationalen Zusammenschlüssen und globaler Vergesellschaftung heraus. Der Sinn der globalen Ordnung findet maßgeblich in den Prinzipien der Reziprozität und Meistbegünstigung seinen Ausdruck. Der von ihrer Herausbildung entfachte Konflikt zwischen globaler und nationaler Integration kann am ehesten zur weltweiten Respektierung einer legitimen Ordnung führen, wenn er im Rahmen der Welthandelsordnung, insbesondere im Rahmen des Streitbeilegungsverfahrens der WTO ausgetragen wird. Als Lösung des Konflikts zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern um die Teilhabe am Weltwohlstand zeichnet sich die konsequente Umsetzung der Prinzipien der Welthandelsordnung zusammen mit dem Platz schaffenden wirtschaftlichen Strukturwandel der Indus-trieländer im Zuge ihrer Öffnung für landwirtschaftliche und arbeitsintensive Produkte aus den Entwicklungsländern ab. Von den Industrieländern verlangt diese internationale Konfliktbewältigung die innere Umstellung von der desaktivierenden auf eine aktivierende Sozialpolitik. Auf diesem Wege gleichen sich innere und äußere Solidarität und Gerechtigkeit in der transnationalen Netzwerksolidarität sowie in den Prinzipien der Leistungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und Fairness einander an. Die Ungleichheit zwischen den in die Weltgesellschaft inkludierten Nationen nimmt ab, während sie innerhalb der Nationen zunimmt. Die Marginalisierung der Geringqualifizierten wird zu einem zentralen Problem der Industrieländer. Der beschriebene Wandel ist als Paradigmenwechsel zu begreifen, bei dem Prozesse der funktionalen Anpassung der normativen Strukturierung des wirtschaftlichen Handelns an die globale Vergesellschaftung und Machtverschiebungen im diskursiven Feld der Wirtschafts- und Sozialpolitik zusammenwirken.“ 61 Im Kontext der Auseinandersetzung mit trad. Formen der Religion einerseits, der Individualisierung (inkl. Gleichstellung der Frau und Hochschätzung der Individualität des Kindes) andererseits auch die Veränderung der Fortpflanzungsmuster als tiefgreifendste evolutionäre Errungenschaft der Moderne 62 Heute werden in den Wirtschaftswissenschaften Nobelpreise für die Entdeckung vergeben, dass Menschen ihren natürlichen Dispositionen folgend nicht immer nach dem Muster rationaler Nutzenmaximierung verfahren. Irgendwann werden die Wirtschaftswissenschaften auch darauf stoßen, daß eine ihrer theoretischen Prämissen, die Knappheit der Ressourcen, nicht bloß eine nützliche Modellannahme, sondern in den natürlichen Grundlagen des Lebens verankert ist.

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