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VERSCHWINDEN. EINE FRAGE DER KULTUR

VERSCHWINDEN #2


EDITORIAL

Das zweite Halbjahr des Verschwindens ist angebrochen und wir sind immer noch da. Und wie all jene, die noch nicht verschwunden sind, haben wir die Verpflichtung, laut und stark gegen das Verschwinden aufzutreten: von Errungenschaften in Sozial- und Kulturpolitik, demokratischen Strukturen, Meinungs- und Pressefreiheit und erschütternd vielem mehr. Was wir aktuell erleben, ist Geschichtsunterricht pur: wer sich jemals fragte, warum es vor 80 Jahren so schnell ging mit dem Verschwinden von Menschlichkeit, kann es heute

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VERSCHWINDET NICHT! hautnah in Österreich und Europa miterleben. Wohin etwa verschwindet die Selbstverständlichkeit, mit der Menschen in Sicherheit Menschen in Not helfen? Eine Frage, die im Programm u.a. am Langen Tag der Flucht mit der Videoarbeit If I had Land under my Feet thematisiert wird. Ein Projekt, das 400 auf ihrer Flucht ertrunkene Menschen zurück in unser Blickfeld holt, Andrea Pollach schreibt darüber. Auch der künstlerische Beitrag setzt sich sehr direkt mit dem Verschwinden von Menschen auseinander. Volker Weihbold beschäftigt sich in seinen Fotografien mit Menschen, die immer wieder vom Verschwinden bedroht sind - Menschen auf der Flucht oder Menschen, die obdachlos sind. Li Gerhalter eröffnet das Magazin mit einem Text über eine Strategie gegen das Verschwinden: Archivieren und Beforschen, in ihrem Fall von Frauennachlässen. Über das Nicht-Präsent-Sein von Dramatikerinnen in der deutschsprachigen Theaterliteratur sprechen wir im November u.a. mit Clara Gallistl und Margarete Affenzeller.

Vom Verschwunden-Sein eigener Körperteile und der ständigen Suche danach, das Verschwundene dennoch zu fühlen schreibt Walter Mathes. Während viele von uns als Lebende alles dafür tun, um möglichst lange präsent zu sein, können wir mit unsereins als tote Körper nicht mehr viel anfangen; im Gegenteil sollen diese möglichst rasch verschwinden. Ein Umstand, auf den wir im November mit einer Veranstaltung mit dem Barbarafriedhof und einem Interview mit Clemens Frauscher eingehen. Viele Kooperationsveranstaltungen warten außerdem – eine davon bereits im August: die gfk ist Partnerin der 10. Ausgabe des wunderbaren Klangfestivals in Gallneukirchen, Kuratorin Tanja Fuchs schreibt darüber. Danke allen, die an dieser Ausgabe mitgearbeitet haben und allen, die sie lesen. Verschwindet bloß nicht! Wiltrud Hackl Chefredakteurin, Geschäftsführerin gfk oö


VERSCHWINDEN #2 »VERSCHWINDEN IN DER NÜTZLICHKEIT? SICHERLICH NICHT!« Wir sind immer noch mitten drin – im Verschwinden. Merkt ihr es? Wieviel von dem verschwindet, was für die soziale und kulturelle Identität eines demokratischen Landes steht und von Bedeutung ist? Egal ob Kulturpolitik oder Familienpolitik – wir haben es vor allem in Oberösterreich in den letzten Monaten hautnah miterlebt. Wurde mit den Kulturinitiativen der Anfang in Punkto Kürzungen gemacht, wurde bei Familien rasch im negativen Sinn nachgezogen. Uns Frauen trifft es dabei doppelt – die Streichung von Nachmittagsbetreuung im Kindergarten lässt uns einerseits aus der Arbeitswelt und hinterm Herd verschwinden, während die 60-Stunden-Woche uns die Zeit für die Familie stiehlt und uns im Hamsterrad der reinen Nützlichkeit verschwinden lässt. Kultur- und Familienpolitik haben vieles gemeinsam – sie stehen auch für eine mögliche kritische Haltung, für Herzensbildung, für Mut und Rückhalt, für Solidarität. Es überrascht also nicht, wenn ausgerechnet eine rechtskonservative Politik sich dieser Felder als erstes bemächtigt und versucht, die kritischen Geister dort zum Verschwinden zu bringen. Das scheint auf den ersten Blick einerseits mit Sparmaßnahmen zu gelingen. Andererseits wird gerade dadurch Widerstandskraft geweckt, das haben sowohl Kulturarbeiter_innen als auch Menschen, die im Familien- und Sozialbereich tätig sind, in den letzten Monaten gezeigt. Verschwinden ist nichts Plötzliches, wir können es miterleben und wir können einschreiten während wir es beobachten. „Verschwindet nicht!“ zu rufen wird jetzt allerdings zu wenig sein. Aufstehen und Handeln sind angebracht - Projekte wie Kulturpolitik wagen!, dieses Magazin und das Programm der gfk sollen euch dazu Antrieb sein. Susanne Pollinger Vorstandsmitglied der gfk oö, Geschäftsführerin der Kinderfreunde OÖ

ENTSCHEIDUNGEN UND ZUFÄLLE Li Gerhalter

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(AM) ORT DES VERSCHWINDENS Clemens Frauscher

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WEG Walter Mathes

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DIE MENSCHEN HINTER DEN ZAHLEN Andrea Pollach

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VERSCHWINDEN IN DER MITTE Kathrin Quatember

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DIE WEISSEN

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Luis Stabauer VERSCHWUNDENES TAUCHT WIEDER AUF Tobias Humer

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DAS VERSCHWINDEN DER ANDEREN Maria Herold

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NIE NICHT KEINE STILLE Tanja Fuchs / Abu Gabi

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VERANSTALTUNGEN

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MENSCHEN / IMPRESSUM / TICKETS

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VERSCHWINDEN #2 LI GERHALTER

ENTSCHEIDUNGEN VON SELBSTZEUGNISSEN UND IHREM NICHT/VERSCHWINDEN

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Im Oktober 1914 schrieb die 19jährige Wienerin Bernhardine Alma in ihr Tagebuch: „Ich werde von nun an mehr hereinschreiben; wenn ich sonst in Jahren mein Tagebuch lesen werde, werde ich mir ja gar keinen Begriff meines Mädchenlebens machen können.“ Ob sie die Einträge später tatsächlich wieder gelesen hat, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass sie auch in den folgenden sieben Jahrzehnten beinahe täglich geschrieben hat. Bis 1979 füllte sie schließlich 47 Bände, die auf abertausenden Seiten Leben, soziales Umfeld und Gedanken der Verfasserin dokumentieren. All diese Bücher sind heute in der Sammlung Frauennachlässe archiviert. Diese Einrichtung am Institut für Geschichte der Universität Wien hat es sich zur Aufgabe gemacht, Selbstzeugnisse speziell von Frauen zu sammeln, zu dokumentieren und damit der Forschung zugänglich zu machen. Aufzeichnungsformen wie Tagebücher, Briefe, aber auch Haushaltsbücher, Poesie- oder Fotoalben zählen aktuell in den Kulturwissenschaften zu anerkannten Quellen, auf deren Grundlage vielfältigen Forschungsfragen nachgegangen werden kann. Das Material, das zur Auswertung zur Verfügung steht, beeinflusst insgesamt nichts weniger als die Auswahl darüber, welche Themen überhaupt beforscht werden können. Selbstzeugnisse gelten

dabei für alltags-, sozial- oder emotionalgeschichtliche Fragestellungen mitunter als besonders verheißungsvoll. Endlich können auch Personen in den Blick genommen werden, deren eigene Stimmen zuvor nicht gehört wurden. Das Leben von Frauen im Allgemeinen, aber insgesamt auch das von Männern aus mittleren und unteren Gesellschaftsschichten oder Angehörigen von sogenannten Minderheiten wurden ja in den Geschichtswissenschaften lange Zeit kaum beforscht. Als seit den 1970er Jahren der Fokus zunehmend auch auf Personengruppen wie Bergbäuerinnen und -bauern, Senner_innen, Holzknechte, „Häusler“ etc. gelegt wurde, sahen sich Forscher_innen mit der Schwierigkeit konfrontiert, genügend Spuren aus deren Leben zu finden. Sie waren in den herkömmlichen Archiven schlichtweg nicht dokumentiert worden. Sie waren verschwunden. Die Lösung dieses Quellenproblems bestand einerseits darin, fehlendes Wissen in Form von gezielten lebensgeschichtlichen Interviews nachzufragen, aufzuzeichnen und damit selbst herzustellen. Andererseits wurde begonnen, Aufzeichnungen wie Tagebücher oder Briefe zu suchen, die von den jetzt in das Forschungsinteresse gerückten Menschen zu einem früheren Zeitpunkt selbst angefertigt worden waren.


VERSCHWINDEN #2

UND ZUFÄLLE Im Zuge dessen wurden einschlägige Einrichtungen neu gegründet, bereits bestehende wie Stadt- und Regionalarchive etc. erweiterten ihre Bestände in diese Richtung. Diese Entwicklung ist verstärkt ab den 1990er Jahren zu beobachten – und entsprechend umfangreich sind mittlerweile die lebensgeschichtlichen Schätze, die hier gehoben und geborgen wurden und damit einem konkreten Verschwinden (oder Verschwindenmachen) erfolgreich entgegengewirkt werden konnte. Paradoxerweise – und gleichzeitig auch logisch – zeigt sich jetzt aber gerade dort, wo es darum geht, etwas zu bewahren, auch die Kehrseite der Medaille. So kann am Beispiel von Sammlungen und Archiven für Selbstzeugnisse plastisch gezeigt werden, um welch fragile Angelegenheit es sich handelt, wenn es darum geht, Erinnerung zu bewahren bzw. historisches Wissen für die Forschung zugänglich zu machen. Die Voraussetzungen dafür sind an zahlreiche Entscheidungen sowie an Zufälle geknüpft und Gefahren des Verschwindens lauern an vielen Ecken. Die grundgelegte Voraussetzung ist jene, dass überhaupt Selbstzeugnisse verfasst wurden. Wer hatte um 1914, als die oben zitierte Berhardine Alma in ihr Tagebuch schrieb, überhaupt die Gelegenheit dazu? Der soziale Hintergrund dieser jungen Frau war gutbürgerlich, entsprechend berichtete sie auch von den wechselnden Dienstmädchen der Familie. Von diesen jungen Frauen hingegen liegen keine Tagebücher vor. Dass sie ebenfalls geschrieben haben, ist nicht auszuschließen, wahrscheinlich ist es aber nicht. Hatten sie genügend Zeit? Hatten sie das Geld, um sich ein schönes Tagebuch

Li Gerhalter ist Historikerin und seit 2000 Betreuerin der Sammlung Frauennachlässe. Dabei von 2006 - 2011 Senior Scientist der Forschungsplattform der Universität Wien.

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zu kaufen? Hatten sie überhaupt Interesse daran, über sich zu schreiben? Alles fraglich. Sich ausführlich und reflexiv selbst zu dokumentieren, war um 1900 eine für das Bildungsbürger_ innentum übliche Praktik, zu der von Erziehungsberechtigten oder in der Schule angeregt wurde. Frauen, die ihren Lebensunterhalt als Dienstmädchen verdienten, hatten kaum Gelegenheit gehabt, eine längere Schulbildung zu absolvieren. Die sozioökonomische Gegebenheiten beeinflussen in starkem Maß, wer welche schriftlichen Spuren hinterlässt – bzw. hinterlassen kann. Entsprechend sind in den aktuellen Sammlungsbeständen Angehörige bürgerlicher Schichten auch bei weitem stärker vertreten als alle anderen. Und das, obwohl Angehörige der sogenannten ländlichen Unterschichten in den Anfängen im hauptsächlichen Interesse der alltagsgeschichtlichen Forschungen standen.

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Die nächste Voraussetzung, aus Selbstzeugnissen etwas über frühere Leben zu erfahren, ist die entsprechende Gestaltung der Inhalte, die darin zu finden sind. Es ist vielleicht überraschend festzustellen: gerade Tagebuchaufzeichnungen sind häufig verwunderlich ereignisfrei. Sie ergehen sich möglicherweise in langatmigen Schilderungen des Wetters, der gelesenen Lektüre – oder aber sind dermaßen kryptisch gehalten, dass sie für Außenstehende kaum verständlich sind. Die Schreiber_innen brauchen ja nicht viel zu erklären, sie wissen, um wen oder was es sich handelt. Nachlebenden fehlt das Wissen, was hier gemeint sein könnte, hingegen zumeist. (…) Dass die Texte von Selbstzeugnissen auch nachträglich immer noch umgeschrieben, gekürzt oder zerstört werden können, verkompliziert die Sache zusätzlich – womit gleichzeitig eine weitere Voraussetzung angesprochen wäre, die gegeben sein muss, damit lebensgeschichtliche Aufzeichnungen in ein Archiv gelangen: sie müssen zuvor (oft über einen langen Zeitraum) aufbewahrt worden sein. Bernhardine Alma plante das ja bereits als junge Frau – und hielt auch an dem Vorhaben fest. Was wäre aber gewesen, hätte sie öfters die Wohnung gewech-

selt? Hätte flüchten müssen? Oder wäre „als altes Weiblein“ beim Lesen ihrer Jugendtagebücher mit deren Inhalten so wenig einverstanden gewesen, dass sie sie verärgert wegwerfen wollte? Ein besonders großer Schritt ist schließlich die Entscheidung der derzeitigen Besitzer_innen der persönlichen Aufzeichnungen, diese auch der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Dabei findet jedenfalls eine Transformation statt, bei der die ehemals für andere Zwecke angefertigten Aufzeichnungen ihren Charakter grundlegend verändern. Mit dem Eingang in eine Sammlung werden sie zur Quelle. Die größten Entscheidungen, die dabei wiederum getroffen werden müssen, sind jene der Auswahl. Alles Schriftliche zu übergeben, das ein Mensch in seinem ganzen Leben hinterlassen hat, wäre wohl weder möglich noch sinnvoll. Stattdessen werden verschiedene Formen erhalten, andere nicht. Auch von Bernhardine Alma liegen uns ausschließlich ihre Tagebücher vor. Diese hat sie einige Tage vor ihrem Tod an ihre Nachbarin übergeben. Alles andere ist – wie die Schreiberin selbst – inzwischen verschwunden. Was wir von uns selbst dokumentieren – und was wir verschwinden machen, liegt also vor allem auch im eigenen Ermessen. Eigentlich beruhigend.


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CLEMENS FRAUSCHER IM INTERVIEW MIT WILTRUD HACKL

(AM) ORT DES

VERSCHWINDENS

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Clemens Frauscher, für Dich als Verwalter eines Friedhofs – welche Bedeutung hat der Begriff des Verschwindens? Aus meiner Sicht gibt es mehrere Ansatzpunkte: das eine ist das Verschwinden des Leichnams – also des Körpers vom Tod bis zur vollständigen Verwesung, ein Prozess, der im Boden stattfindet. Dann der Trauerprozess, das unterschiedlich rasche Verschwinden der Trauer. Und noch längerfristig die Erinnerung, die verschwindet. Wenn Gräber nicht mehr gepflegt werden, die Schrift auf den Grabsteinen nicht mehr nachgezogen wird oder die Gräber nicht mehr verlängert und schließlich aufgelassen werden. Man könnte sagen: Verschwinden ist allgegenwärtig auf einem Friedhof. Ab wann ist für Dich ein Mensch verschwunden? Das kann lang vor und auch lang nach dem Grabstein sein. Manche sind schon verschwunden, bevor sie gestorben sind. Aber es gibt auch Menschen, die nicht verschwinden, an die man sich erinnert, egal ob der Grabstein noch da steht oder nicht. Viele Kulturen pflegen einen anderen Umgang mit Toten, in manchen sind die toten Körper schön gekleidet bei der eigenen Trauerfeier anwesend. Bei uns verschwinden sie aktuell sehr schnell, kommt mir vor. Ist unsere Kultur weniger körperlich geworden, wenn es um den Tod geht? Das ist ganz eindeutig der Fall. Die Hausaufbahrung gibt es auch auf dem Land nur mehr selten. Und nur noch bei wenigen Sargbegräbnissen wird darum ersucht, diesen zu öffnen. Es geht aber noch weiter: wenn Bestatter Ange-

hörigen das Angebot machen, bei der Abholung den Toten gemeinsam anzukleiden, wird das wenig angenommen. Als ich etwa 18 Jahre alt war und meine Oma starb, habe ich das noch ganz anders erlebt: meine Eltern haben uns geholt, damit wir beim Ankleiden der Oma dabei sind. Das gibt es heute nicht mehr. Viele wollen nicht einmal mehr den Sarg bei der Begräbnisfeierlichkeit dabei haben. Der aktuelle Trend geht nicht nur in Richtung Kremation, sondern dahin, dass auch der Sarg nicht mehr bei der Feierlichkeit anwesend ist. Der Leichnam geht dann aus dem Krankenhaus direkt zur Kremation und bei der Urnenverabschiedung kann die Angehörigen nicht mehr das Gefühl beschleichen: da drin liegt er oder sie. Tote Körper verschwinden also einerseits schnell und unbemerkt, auf der anderen Seite leisten sich Viele zu Lebzeiten ein Nicht-Verschwinden, tun alles dafür, dass der Körper mithilfe von Pharma- und Kosmetikindustrie erhalten bleibt. Verrotten dadurch Menschen weniger schnell? Birgt das Platzprobleme für Friedhöfe? Ist bei uns nicht der Fall, das kommt eher in Gegenden vor, wo der Boden generell kein guter Boden für Verrottung ist, feucht-lehmige Böden zum Beispiel. Bei uns verwesen Körper unterschiedlich schnell, abhängig davon, wie schottrig der Platz grad ist oder ob ein Baum neben der Grabstätte steht, der Flüssigkeit entzieht. Allerdings kommt es bei der Kremation durchaus in Einzelfällen zu Problemen: bestimmte Körper verbrennen aufgrund ihres hohen Fettanteils oder anderer Stoffe wie Medikamente nur mehr unter speziellen Voraussetzungen.


Wird der menschliche Körper – zumindest in so reichen Gegenden wie Mitteleuropa – also zum Sondermüll? Ich denke nicht, dass es den Menschen bewusst ist, und selbst wenn, ist es ihnen egal. Nach dem Motto: hinter mir die Sintflut. Niemand wird gesund leben, nur damit er hernach dem Tod nicht zum Problem wird. Wenn der ökologische Fußabdruck im Leben schon einer großer war, wird er im Tod auch egal sein. Digitalisierung spielt zunehmend auch bei Begriffen wie Abschiednehmen und Verschwinden eine Rolle. Verzögern virtuelle Kondolenzbücher das Verschwinden eines Menschen? Ich glaube nicht, dass virtuelles Verabschieden das Verschwinden hinauszögert, grade durch die hohe und laufend aktualisierte Dichte an Virtuel-

nehmend an die Hinterbliebenen, es wird nur noch ganz selten der Verstorbenensarg angesprochen. Je nachdem, ob und woran man glaubt, wohin verschwindet deiner Meinung nach eine Seele, ein Charakter, Energie oder ein Geist? Dass es irgendwas danach gibt, dass es nicht zu Ende ist nach dem Tod, so wie der Mensch ja auch nicht aus dem Nichts entsteht, daran glaube ich fest, aber was und wie genau ist persönliche Interpretation und es bleibt jedem selbst überlassen zu glauben was er/sie will. Ich kombiniere für mich da Weisheiten aus unterschiedlichen Religionen und auch aus dem, woran Naturvölker glauben, nämlich dass ohnehin alles mit allem verbunden ist etwa. Wenn z.B. Menschen die Anwesenheit ihrer Verstorbenen spüren oder indianische Völker gemeinsam mit ihren Ahnen feiern - das ist für mich alles nachvollziehbar.

Clemens Frauscher ist Liegenschaftsverwalter des Linzer Barbarafriedhofs und arbeitet mit Künstler_innen, Kulturarbeiter_innen oder der Linzer Biene zusammen. Mit der gfk das erste Mal 2015 (Peter Arlt’s Klappakademie). Diesmal steht eine Minikonferenz auf dem Programm zum Umgang mit Körpern im Leben und im Tod u.a. mit dem Thanatologen und Notfallpsychologen Martin Prein.

lem kann man Erinnerungen zunehmend schwerer halten. Ich bin ein sehr technikaffiner Mensch, deshalb ist es auch im Beruf natürlich Thema. Wir bereiten aktuell so eine Art Wiki mit QR Code auf Grabsteinen bekannter Menschen vor. Ich kann mir vorstellen, so etwas für alle Menschen anzubieten, aber nicht als neues, rein virtuelles Geschäftsmodell, sondern immer parallel zum realen Grab bei uns am Friedhof. Ist ein Friedhof ein Ort, an den man seine Trauer auslagern kann, ein Ort eher für die Lebenden und nicht für Toten? Auf alle Fälle. Dahingehend hat sich z.B. auch die Begräbnislithurgie verändert. Sie richtet sich zu-

Ist der Friedhof für dich ein Ort voller Geister? Als Arbeitsplatz ist der Friedhof ein Ort, der mich diesbezüglich nicht mehr nervös macht. Ich gehe täglich auch abends über den Friedhof, das war ganz am Anfang, wenn es sehr dunkel war und die flackernden Kerzen unheimliche Schatten erzeugten, durchaus etwas gewöhnungsbedürftig. Ein Schamane hat mir einmal erzählt, dass, wenn man schon daran glauben möchte, dass es Geister gibt, diese ganz sicher nicht auf dem Friedhof zu finden sind sondern eher dort, wo die Menschen verstorben sind. Und soweit ich weiß sind nur wenige Menschen auf dem Barbarafriedhof selbst verstorben.

DO 08.NOV 16.00

(AM) ORT DES VERSCHWINDENS DISKURS & FRIEDHOFSFÜHRUNG St. Barbara Gottesackerstiftung, Friedhofstraße 1 / Eintritt frei

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WALTER MATHES

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Etwas Neues, Bionisches wird mir in Kürze angemessen: meine Prothese, den rechten Unterschenkel ersetzend, soll auf der Sohle mit Sensoren ausgestattet werden. Und die Übertragung der solcherart gewonnenen Informationen auf eine entsprechend sensible Körperstelle soll das Gefühl direkt am Ort des Geschehens – nämlich dort wo die Sohle den Boden trifft – erzeugen und nicht wie bisher ein Stockwerk höher am Stumpfende, am Rand des sog. Prothesenschaftes durch bis zu 20 mm Silicon und diverse Materialien des Kunstbeins hindurch. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte den Unterschenkel im Verlauf des Lebens bei Arbeit, Sport oder Spiel eingebüßt, könnte dieser Vorgang eine Art Erinnerungstheater sein: die Übertragung von Sensationen von der neuen Abnahmestelle – eben dort, wo mir Druck-, Stech- oder Rüttelmotoren mit ihren Aktivitäten einen Eindruck vom Geschehen auf der Fußsohle geben – zu einer brachliegenden, nicht mehr benützten, gelangweilten und/ oder mit Phantomschmerzen um sich schlagenden Region im Gehirn. Eine neue Theatergruppe übernähme ein stillgelegtes Theater. Aber ich habe mich ja selbst amputiert, wie die Amnion-Krankheit oder das Amnion-Band-Syndrom [ICD 10 Q79.8.] auch genannt wird. Die Verbindungen zwischen Fötus und Eihaut hatten sich um diverse Gliedmaßen gelegt und sie ein- resp. abgeschnürt. Wie lange bestand also eine Fußsohle und das dazu gehörige Abbild im Gehirn und wäre eine Erinnerung daran noch aktivierbar? Oder sind die Gehirnregion Fußsohle und die dazugehörigen Nerven verschwunden? Oder hat sich durch den jahrzehntelangen Prothesengebrauch eine Art Blindenstock, der die Verortung und das Gefühl Fußsohle-trifft-auf-Boden über eine Behelfsbrücke überträgt, gebildet? Welche Art von Fremdsprache wäre nun ein sich ins neuronale Blickfeld schiebendes bionisch generiertes Fußsohlengefühl? War etwas verschwunden und wäre jetzt wieder da? Meine persönliche, durch Gewohnheit gewachsene fühlende Sohle ein gepolstertes, gestütztes Stumpfende in einem Carbon-Schaft - bekäme einen sprechenden Boden dazu, und ich würde die Signale nicht mehr nur gedämpft durch etwa 40 cm übereinandergeschichtete Kunststoffe erahnen, sondern deutlich und

genau wie von dort unten an einer neuen, noch zu definierenden Stelle wahrnehmen. Die verschwundene Verbindung zwischen Stumpfende und Boden würde nicht mehr durch eine Anhäufung von Material und meine Phantasie, sondern durch Information überbrückt; neue und zusätzliche Information – eine, die durch die Nachahmung verschwundener Nervenleitungen erzeugt wird. Ob sich das dann so anfühlt wie eine im Tonstudio irrtümlich in den Kopfhörer gespielte Hinterbandkontrolle – bei der die Stimme mit einer Verzögerung von etwa einer Drittelsekunde ins Ohr geliefert wird – sehr irritierend. Immer auf der Suche nach dem Verschwundenen oder zumindest nach der Möglichkeit es kleiner zu machen: von Haken und Stelzen zu elektronisch von Muskelreizen gesteuerten Prothesen, und weiter zur bionischen Nachahmung des Nerven- und Wahrnehmungsgeschehens. Mir als pränatal Versehrtem ist ja der/das Moment des Verschwindens meiner Finger und meines Unterschenkels kein bewusster Begriff – ich träumte mich bis vor wenigen Tagen auch immer als zweibeinig – und das Erkennen und Benennen des Fehlens, des Verschwundenseins war eine kulturelle, erlernte Leistung; Kinder sind ja nicht nur kreativ und grausam, sondern auch unbekümmert. Das bewies sich sowohl in den tollen Ideen, die mir zugetragen wurden, wie ich mich denn außer zu Fuß noch fortbewegen könnte, als auch darin, dass ich mich eigentlich nicht sehr eingehend damit beschäftigt habe, warum ich als einziger im Turnunterricht eine lange Hose trug und warum ich nie im städtischen Schwimmbad des Heimatortes sondern mit der Familie 10 km weiter südlich öffentlich schwimmen ging. Ab der späteren Pubertät deutete ich bei Begegnungen in Schwimmbädern und ähnlichen Einrichtungen die insbesondere weiblichen Blicke dahingehend, dass sie meiner Badehose gelten würden. Die zentrale Prägung bestand aber in der Scham ob der Unzulänglichkeit, des Mangels an Würde und Zugehörigkeit ... und den resultierenden, bislang wenig zureichenden Kompensationen. Dafür nun eine Bionik zu finden, ein Sensorium und eine Schnittstelle zur Verarbeitung zu bauen, fühlt sich lohnend an.


Walter Mathes ist Theaterpädagoge, Kunsttherapeut, Schauspieler, Lehrer für Deutsch als Fremdsprache, Graphiker, Autor, Cartoonist (Augustin, Salzburger Fenster, Watzmann, ... ), Ausstellungen u.a.: MOVENS Sonis Laden Wels 2017, Wasser|Punkt|Farbe Stadtturmgalerie 2016, Körper & Köpfe Graz 2009, Ich behindert ÖHTB-Kunstpreis Essl-Museum 2007, Theater, Film und Funk u.a. für Schauspielhaus Wien, Renaissancetheater, Theater Phönix.


VERSCHWINDEN #2 ANDREA POLLACH

Andrea Pollach ist freie Drehbuchautorin, Öffentlichkeitsarbeiterin, Filmvermittlerin und Vorstandsmitglied bei FC Gloria – Frauen Vernetzung Film.

DIE MENSCHEN HINTER DEN ZAHLEN

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Welche Bilder bleiben im Kopf? Welche verschwinden? Für welche Situationen haben wir überhaupt Bilder? Für das Sterben im Mittelmeer, dem flüchtende Menschen tagtäglich ausgesetzt sind, haben wir oft keine Bilder mehr, weil es nur allzu leicht passiert, dass hinter den stetig steigenden Zahlen und Statistiken die Menschen verschwinden. Manche Bilder brennen sich dann doch ins öffentliche Bewusstsein ein, wie das des syrisch-kurdischen Flüchtlingskindes Aylan Kurdi, das nach dem Untergang eines Schlepperboots tot an einem Strand in der Türkei angeschwemmt wurde. Dieses Bild hat der Künstler TK1968+ zum Ausgangspunkt für eine Aktion im öffentlichen Raum genommen. 400 - the image behind (Sie suchten den Frieden und fanden den Tod) visualisierte mittels eines vervielfachten Piktogramms des toten Flüchtlingskindes eine statistische Zahl von auf der Flucht ums Leben gekommenen Menschen. Die Piktogramme wurden auf Schaufenster von Geschäftslokalen in der Wiener Glockengasse geklebt, in der Absicht, über ein Jahr lang die Zahl der Toten sichtbar zu machen und so das Abstrakte der Unbegreiflichkeit zu entheben.

ZUR VIDEOARBEIT “IF I HAD LAND UNDER MY FEET” VON LOTTE SCHREIBER UND TK1968+ Basierend auf diesem Projekt entstand eine performative Aktion, aus der die Videoarbeit If I had land under my feet hervorging, realisiert von TK1968+ und der Filmemacherin Lotte Schreiber. Die unfassbare Zahl der Toten sollte durch die Anwesenheit realer Personen in einer öffentlichen Straße fühlbar werden. Fast 200 TeilnehmerInnen versammelten sich dafür und folgten einem choreografierten Ablauf. Die Konzeption und Organisation dieses Filmdrehs versteht das Regieduo als politischen Akt im konkreten Sinn: als Dokumentation einer künstlerischen Aktion und gleichzeitig als eigenständiges filmisches Statement. Zu Beginn fängt die Kamera wartende Menschen in lockerer Atmosphäre ein, lachende Gesichter, Gespräche, Blicke. Das nächste Bild zeigt aus einiger Entfernung, wie diese Menschen in exakten


VERSCHWINDEN #2

Reihen auf einer leeren Straße Aufstellung genommen haben. Ein Ensemble, das eine unbestimmte Menge symbolisiert, in der sich die Individuen auflösen. Ein weiteres Mal geht die Kamera durch die Reihen, nun sind die Blicke ernster, in die Kamera oder in eine unbestimmte Ferne gerichtet, sie kommt den Gesichtern nah. Wieder blickt die Kamera aus der Distanz auf die Menschenreihen, nun verschwinden die Personen nach und nach buchstäblichen von der Bildfläche, durch filmische Manipulation verblassen sie da und dort, eine nach der anderen bis zur Unsichtbarkeit. Die Reihen lichten sich schnell, am Ende gehen die wenigen Verbleibenden von der Straße auf den Gehsteig, im Weggehen verschwindet auch ihr Abbild. Den konkreten politischen Kontext erhalten die konzentrierten Schwarzweiß-Bilder durch Texte. In der Mitte des Films stehen sich zwei Zitate gegenüber. Dem ersten, einer Textpassage aus Ulysses von James Joyce über Ertrinkende und die (Un)Möglichkeit der Rettung, entstammt auch der Filmtitel. Knapp hundert Jahre älter ist das zweite Zitat aus einem aktuellen Zeitungsartikel, das konstatiert, dass die Zahl derer, die im Mittelmeer ertrinken, immer schneller steigt, während sich die EU immer hermetischer verschließt. Am Ende des Films sind über dem Bild der leeren Straße die Namen von Männern, Frauen und Kindern zu lesen, die auf der Flucht ums Leben gekommen sind. Im Anschluss werden die an der Performance Teilnehmenden namentlich genannt. Von der Willkommenskultur des Herbstes 2015 war man im Frühjahr 2016, zum Zeitpunkt des Filmdrehs, schon weit entfernt. Nun, zwei Jahre später, finden die Rettungsboote mit geflüchteten Menschen an Bord kaum mehr einen Hafen, der sie aufnimmt. Die Lösungen, die der europäischen Politik vorschweben, sind so fern von humanitären Grundsätzen und mitmenschlichem Handeln wie schon lange nicht mehr.Dieser fehlenden Empathie der westlichen Gesellschaften setzt If I had land under my feet ein begreifbares Mitgefühl entgegen. Die Akteur_innen, die sich für ein temporäres

Mahnmal versammelt haben, haben am eigenen Leib gespürt, was für uns oft nicht mehr nachvollziehbar ist. Die Teilnehmer_innen bildeten für eine bestimmte Zeit eine Gemeinschaft, die ein Gefühl der Verbundenheit erzeugte. Einzelne haben es als schmerzhaft empfunden, wenn der benachbarte Mensch plötzlich weggegangen ist: „Es sind mir fast die Tränen gekommen, als die Person neben mir verschwand. Ich hab mich so verlassen gefühlt.“ Ein Plädoyer, die empathischen Leerstellen unserer Gesellschaft wieder zu füllen. ifihadlandundermyfeet.org

Wir zeigen If I Had Land Under My Feet im Rahmen des Langen Tags der Flucht. Lotte Schreiber ist anwesend und steht für Gespräche zur Verfügung. Danach präsentiert der syrische Autor Omar Khir Alanam auf Einladung des Vereins arcobaleno sein soeben erschienenes Buch Danke! Wie Österreich meine Heimat wurde. Mehr zum Langen Tag der Flucht unter www.langertagderflucht.at

FR 28.SEP 18.00

LANGER TAG DER FLUCHT FILM / LESUNG / GESPRÄCH im Central / Eintritt frei

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KATRHIN QUATEMBER

Egal ob im Wahlkampf oder drum herum: Der Begriff Mitte – meist in Verbindung mit gesellschaftlich – inflationiert im öffentlichen Diskurs seit Jahrzehnten. Das Konzept der starren Mitte, die dasteht wie ang’stiedelt à la Fels in der Brandung wird als erstrebenswertes Nonplusultra präsentiert. Hört und liest man bei jenen nach, die für sich selbst beanspruchen, die Mitte zu repräsentieren, wird’s nicht unbedingt einfacher. Abseits wissenschaftlicher Definitionen der Mitte wollen viele mittig sein. Die Mitte könnte man gemeinhin als die Mehrheit von Integrationswilligen bezeichnen, die einander beim Sich-in-die-Mitte-Drängen gegenseitig auf die Zehen treten weil es dort immer gar recht eng ist. (…) In diese Mitte möchte man sich uneingeschränkt integrieren. In ihr aufgehen. Verschwinden, ohne an Wichtigkeit einzubüßen. (…) Will unauffällig sein, aber nicht unsichtbar. Armut macht unsichtbar, die Mitte unauffällig. Und je unauffälliger, desto besser. (…) Ideologisch wird’s noch komplizierter. Ist man als Mitte doch recht stolz drauf, entweder keine Meinung zu haben, unpolitisch oder objektiv zu sein. Gerne beruft man sich auf die Rechtsstaatlichkeit als das auf alles anzuwendende Maß aller Dinge. Moral und Empathie sind ergo irrelevant und keine notwendigen Kategorien, wie man in einer Gesellschaft miteinander umgeht. Intellektualität ist anstrengend, Selbstreflexion hat keinen Mehrwert. (…) Recht verräterisch wird es, wenn es um die Unverbrüchlichkeit humanistischer Prinzipien geht, die ja einmal ein Element der Mitte, des Konservativen darstellte – man kann es Nächstenliebe nennen oder auch anders. Diese Unverbrüchlichkeit gerät schon seit einiger Zeit gehörig ins Wanken. Und verschwindet immer mehr unter Forderungen nach Vernunft. Als ob Vernunft das Ersaufenlassen von Flüchtlingen, das Beschneiden von Arbeitnehmer_innenrechten und Armenfeindlichkeit als Grundvoraussetzung hätte.

Kathrin Quatember ist u.a. als Historikerin, Bildungs- und Kulturarbeiterin und Bloggerin (fireredfriederike.com) tätig. Außerdem ist sie Ansprechpartnerin für das gfk Projekt Kulturpolitik wagen! - mehr dazu auf gfk-ooe.at

VERSCHWINDEN

VERSCHWINDEN #2


IN DER MITTE

VERSCHWINDEN #2

Spannend, wenn man sich die Genese dieser Erzählung genauer anschaut: Das Hochziehen von Mauern, die Forderung nach einer Festung Europa, das Verteufeln des Feminismus und die Ethnisierung gesellschaftlicher Problemlagen kennt man als Rechtsaußenpositionen. Die sich selbst als revolutionär präsentierende „Neue Rechte“ ballert diese Botschaften seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten als Kontrapunkt zum behaupteten „linkslinken“ Mainstream in den medialen Äther. Mit Erfolg. Die Narrative finden sich mittlerweile in liberalen Medien, werden von bürgerlichkonservativen Journalist_innen übernommen und gehen auf im Selbstverständnis der Mitte, als wären sie immer schon Teil selbiger gewesen. Ungleichheitsdenken wird vernünftig, Biologismen werden zu „das war immer schon so, wehrt euch nicht dagegen“. Es entsteht der Eindruck, als wäre die Erleichterung darüber, was man (wieder) sagen darf, äußerst groß. Verschwindet nun die Rechte in der Mitte? Oder die Mitte ganz rechts außen? Teilt sie sich in eine humanistische und inhumane Mitte? Nun, hier kommt ein wesentlicher Punkt ins Spiel: Reicht es zu beteuern, man sei Mitte? Auch wenn man noch so sehr Rassist_in, Sexist_in, Chauvinist_in ist? Reicht es, sich zu empören, wenn man als Rassist_in, Sexist_in, Chauvinist_in – gemeinhin Teilideologien rechtsliberaler bis rechtsextremer Denkweisen – benannt wird, um Mitte zu sein? Reicht es wiederum, sich zurückzulehnen, zu sagen „ich bin zwischen pro-contra“, „unpolitisch“ oder „Hauptsache, ich hab’ meine Ruh“? Dem Drang also nachzugeben, in der Mehrheit aufzugehen. Zu verschwinden im Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch nach ökonomischem Erfolg und ideologischer Beliebigkeit, derer man sich bedient bar jeder Prinzipien und Moral – je nachdem, was grad opportun erscheint. Das, was fehlt: Das Addendum des unverbrüchlich Menschlichen. Das Menschliche, das die grundsätzliche Gleichwertigkeit als notwendig anerkennt, um nicht in die Barbarei abzurutschen. Weder Streben nach persönlichem und ökonomischem Erfolg noch Befindlichkeiten oder der Wunsch nach Wähler_innenstimmen sind wichtig genug, um den Humanismus zu kübeln. Ist die Mitte rohe Bürgerlichkeit? Ich bejahe das. Ihr wohnt nichts Empathisches (mehr) inne. Das Libertäre hat sich gewandelt in einen brachialen Sozialdarwinismus, der Verantwortung externalisiert, Solidarität zur längst überkommenen Idee erklärt und verschwindet im beliebig Vernünftigen. Ihre Proponent_innen werden sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, das Ihre zum „das haben wir nicht kommen sehen“ beigetragen zu haben.

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Volker Weihbold ist Redaktionsfotograf der Tageszeitung Oberösterreichische Nachrichten und u.a. APA-Fotopreisträger. Die Fotografien im gfk Magazin zeigen Menschen in einer Umgebung, die von Faktoren wie Flucht oder Obdachlosigkeit bestimmt und in ständiger Auflösung begriffen ist. Menschen und Umgebungen, die immer öfter mit der Forderung nach „sie sollen verschwinden“ konfrontiert sind: wohnungslose Menschen aus dem Stadtbild, flüchtende Menschen von den Grenzen Europas. Es ist diesmal bewusst kein künstlerischer Blick auf das Schwerpunktthema, sondern ein journalistischer Blick, der festhält.

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VERSCHWINDEN #2 LUIS STABAUER

ÜBER ERINNERUNGEN,

DEN ROMAN „DIE WEISSEN“ SOWIE TAUSENDFÜSSLER UND ANDERES GETIER 18

Im Roman Die Weißen leben einige der Figuren in den 1930er und 40er Jahren im sogenannten Negerdörfl, einer Armen- und Arbeitersiedlung in Wien-Ottakring. 1950 verschwand es. Das Negerdörfl wurde geschleift, an seiner Stelle steht heute ein großer Gemeindebau, der Franz-Novy-Hof. Die Erinnerungen verschwanden nicht. Zeitzeugen leben noch. Im Roman ist es vor allem Ernst, der im Negerdörfl Freunde fand, sich erstmals verliebte und sich zwei Mal vor den Nazis verstecken konnte. Das zweite Mal, nachdem er gerade noch dem „Spiegelgrund“ und somit der NS-Tötungsmaschine und den Euthanasie-Ärzten Illing und Gross entkommen konnte. Über dreißig Jahre später sollte Ernst von Gross in der Justizanstalt Stein wegsperrt werden, damit er ihn nicht belasten könne. Mit Hilfe der Tageszeitung Kurier und eines kritischen Mediziners konnte er befreit werden und die Suche nach juristischer Gerechtigkeit aufnehmen. * Wo sind die Hoffnungen von damals hingekommen, wohin sind die Ideen einer neuen Gesellschaft verschwunden? Tausende Füße hatten sich erhoben, tausende Hände hatten die Fahnen getragen, Hoffnungen ge-

boren, tausende Ideen gezündet, tausende Leiden hatten Pate gestanden: für Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit. Ein Tausendfüßler kriecht aus einem Spalt der Geschichte. Bewegt sich langsam. Schritt für Schritt. Biegt sich, kommt vorwärts. Blut- und bodenleckend. Benützt Hilfsmittel. Tausendfüßler beobachten und können beobachtet werden: Am Fahrrad. Alle Füße treten willig in die Pedale. Jede Eigenwilligkeit ändert den Rhythmus, bremst, ist nicht erlaubt; das Tausendfüßlerfahrrad fällt um, wirft die Füße ab. Vorwärts, wir sind das Volk, ruft der Kopf aus dem Graben. Mist an Händen und Beinen. Schuhe. Schon das Anprobieren ist eine Qual. Sind sie zu groß, oder haben die Füße unterschiedliche Größen, ist Hinken unausbleiblich; tick tock, tick tock, beim Zuschnüren ist Hilfe angesagt. Und Abmarsch. Pistolen. Wer tausend Füße hat, muss ja wohl auch tausend Hände haben, bewaffnet sich, zum Schutz; Tausendfüßler haben Vorbilder. Kandidaten, Mandatare, Scharfmacher, Menschenhasser und Möchtegernpräsidenten gehen auch mit Schießprügel herum. Umarmungen mit tausend Beinen. Berührungen


VERSCHWINDEN #2

ohne Gefühle. Die Weibchen holen sich den Samen ab, pflegen die Brut. Frauen haben am Herd zu bleiben, zur Verfügung zu stehen. Eigene Fehltritte werden verschwiegen, Lebensborn wird wieder gedacht. Nicht alles war schlecht. Tausende Kreuze als Waffen, hoch- und dafürgehalten. Knieet hin im Namen der Verführer, Ihr seid die neuen Auserwählten! Mit unserem Gezeter beleidigen wir. Für euch. Wir sind eure Stimme. Ihr seid unser Volk. Kommt die Zeit, rufen wir unsere Verwandten: Hundertfüßler treten auf. Gute Jäger, schnell, wendig und giftig. Verpisste Kultur, verschissene Andersdenkende, Gutmenschen, Linkslinke, euer Hass und eure Gräuelpropaganda; ab jetzt wird zugebissen, Blausäure rinnt in eure Wunden. Arbeiter sehen zu, heben das Glas, applaudieren. Langsam bewegen sie ihre tausenden Beine. Brechen die eigene Macht, verabschieden ihre abgehobenen Führer. Sind bereit für Neues.* Im Roman Die Weißen mäandern Gedanken und Episoden von 1934 bis in die Gegenwart. Die beiden Hauptpersonen hatten ihre Eltern durch die Austrofaschisten und die NS-Herrschaft verloren, aber sie gaben nie auf. Immer mehr begannen sie durch ihre Erinnerungen die Hintergründe zu verstehen. Franzi, Ernsts Wahlschwester und zweite Hauptfigur engagiert sich noch im hohen Alter in der Flüchtlingsarbeit. Solidarität ist ihr immer noch kein Fremdwort, die Anliegen ihres von den Nazis geköpften Vaters blieben Teil ihres Lebens. Sie weiß, das Verschwinden eines Bildes des Demokratiemörders aus dem Parlamentsklub macht noch keine Demokratie. Ewiggestrige haben neue Posten. Die Schützengräben sind Boote, die Bomben fallen immer noch, nicht bei uns. Viele fühlen sich bedroht und bauen Mauern gegen den Süden. Im Gleichschritt mit Trump, Putin und Orbán marschiert die österreichische Regierung im neoliberalen Sumpf und erntet dafür Applaus. Auch und trotz des Verschwindens vieler Ideale, die sie aus dem Elternhaus mitgenommen haben, erkennen Ernst und Franzi: Ein neues Vorkriegsklima macht sich in der Gesellschaft breit. Es regt

LUIS STABAUER lebt und schreibt in Wien und Seewalchen am Attersee. Er beschäftigt sich mit zeitgeschichtlichen Fragen, im Speziellen mit Bewegungen und Menschen aus Europa und Lateinamerika. Neben zahlreichen Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, zwei Fachbüchern und einer Biografie erschien 2018 sein dritter Roman: Die Weißen.

19 auf, regt auch an. Dabei gäbe es jenseits der Propaganda einen wünschenswerten Zustand: die Resonanz untereinander, mit der Gemeinschaft und mit denen da draußen. Sie zu transportieren, über sie zu räsonieren, sie mit der Waffe der Feder zu säen, ist das wichtigste Motiv im Roman „Die Weißen“. Zukunft und Geschichte, wir brauchen euch beide. Aus den Tiefen der Abgründe mögen uns Flügel erwachsen, aus der Verlogenheit ein Lachen, aus der Blindheit Erkenntnis, aus der Ignoranz Fürsorge. „Steht auf!“

DI 25.SEP 19.00

LUIS STABAUER DIE WEISSEN

LESUNG / GESPRÄCH Musik: Reinhart Sellner im Central / Euro 7/5


VERSCHWINDEN #2

TOBIAS HUMER

TAUCHT WIEDER AUF 20

ÜBER ALTE UND NEUE SICHTBARKEIT GESCHLECHTLICHER VIELFALT

Wenn Gesellschaften sich verändern, verbreitet sich neues Wissen und altes verschwindet. Vieles, was für Menschen vor zweihundert Jahren alltäglich war, ist heute nicht mehr geläufig. Der Alltag verändert sich, die Welt in der wir leben ist eine andere. Doch nicht alles; was verschwunden ist, soll verschwunden bleiben. Das Wissen um geschlechtliche Unterschiede bei Menschen war und ist in allen Kulturen der Welt eine grundlegende Erkenntnis. Geschlecht und Geschlechtsmerkmale sind anscheinend wichtig, sie gehören zu den Grundfesten von Gesellschaften auch hierzulande. Nicht alle mögen glücklich sein darüber, doch es ist schwer zu leugnen. Erstaunlich deshalb, wie beschränkt das Wissen darüber immer wieder ist. Vielfalt ist Realität, intergeschlechtliche Menschen leben seit jeher mit unterschiedlichsten Kombinationen an Geschlechtsmerkmalen, die von den normierten Vorstellungen weiblicher bzw. männlicher Körper abweichen - Individuen und

Familien fanden einen Umgang damit, ebenso wie Richter, Beamte und Institutionen. Im preußischen Landrecht von 1794 gab es beispielsweise einen eigenen „Zwitterparagraphen“, in dem geregelt war, wie juristisch mit intergeschlechtlichen Menschen umgegangen werden sollte. Im 20. Jahrhundert begann Intergeschlechtlichkeit dann zu verschwinden. Die medizinische Wissenschaft glaubte plötzlich zu erkennen, dass alle Menschen entweder Mann oder Frau seien, egal wie die äußerlichen Geschlechtsmerkmale beschaffen seien. Es komme nur darauf an, das wahre Geschlecht festzustellen, das erst an den Keimdrüsen, später an Chromosomen oder Hormonen festgemacht werden sollte. Die körperlichen Abweichungen wurden in vielfältigen Diagnosen klassifiziert und Zwitter gab es nicht mehr. Als Krankheit oder Störung klassifiziert, wurde natürlich sofort die Frage gestellt, ob diese denn heilbar seien. Durch den enormen medizinischen Fortschritt und die neuen technischen und phar-


VERSCHWINDEN #2

mazeutischen Entwicklungen wurden dann auch scheinbare Lösungen gefunden. In den 1950er Jahren wurde in den USA und Europa begonnen, intergeschlechtliche Kinder kosmetischen Genitaloperationen, Sterilisationen und Hormonbehandlungen zu unterziehen. Endlich war es dann geschafft: Die Existenz von intergeschlechtlichen Menschen war oft nicht einmal diesen selbst bewusst, nach geheimen Operationen im Kindesalter und Schweigegeboten an die Eltern - Zwitter und Hermaphroditen gab es in der Pflanzen- und Tierwelt oder der Mythologie, aber mit uns Menschen hatte es nichts mehr zu tun. Aber Verschwundenes taucht manchmal auch wieder auf. Seit den 1990er Jahren gibt es Widerstand gegen die medizinischen Methoden, Betroffene organisieren sich, verschaffen sich Gehör. Sie klagen die Behandlungen und die Tabuisierung von Intergeschlechtlichkeit öffentlich an. Und die Bemühungen sind erfolgreich: medizinische Behandlungskonzepte verändern sich (langsam aber doch), die Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit steigt und die Rechte intergeschlechtlicher Menschen werden mehr und mehr wahrgenommen und geschützt. Mittlerweile gibt es in vielen Ländern die Möglichkeit, einen alternativen Geschlechtseintrag zu führen und auch in Österreich wird dies gerade umgesetzt, nachdem dies vom Verfassungsgericht diesen Juni entschieden wurde. Es bleibt nun spannend, wie unsere Gesellschaft darauf reagieren wird und ob sich bald auch mehr Einzelpersonen trauen können, aus der Unsichtbarkeit aufzutauchen ohne verletzt zu werden.

Tobias Humer hat den Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich (VIMÖ) sowie die Plattform Intersex mitbegründet und ist dort nun seit mehreren Jahren in unterschiedlichster Form aktiv. www.plattform-intersex.at www.vimoe.at

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MARIA HEROLD

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Die Konstruktion der Anderen und das Kultivieren des Otherings auf gesellschaftlicher, kultureller und politischer Ebene ist gerade für jene wertvoll, die vorgeben, die Anderen verschwinden lassen zu wollen. Ohne die jeweils Anderen wären sie jedoch selbst schon längst verschwunden. So wird fleißig weiter konstruiert und tagtäglich überschlagen sich Headlines darüber, dass Andere zu uns wollen, wieder weg müssen, den Arbeitsmarkt gefährden, Sozialleistungen ausnützen, die eigenen Werte zerstören. Es scheint, als würde von allen Seiten das Wir von den Anderen bedroht. Die Anderen - der beste Sündenbock für politisches Versagen, soziale Unfähigkeit, unmenschliche Ungerechtigkeit. „Verschwinden sollns!“ liest man in sozialen Medien, während krampfhaft nach Exotismen gesucht wird, um eine Abgrenzung deutlich zu machen. (…) Es wird bewusst darauf geachtet, dass uns das Unsere nicht genommen wird. Die Angst davor, dass das Wir nicht mehr uns gehört, sondern von Anderen gekapert, benützt und beschmutzt wird, lässt die Frage offen, was das Wir überhaupt ist. Wird dieses Wir als so schwach empfunden, dass es so einfach genommen und verändert werden kann? Besitzt es so wenig Eindeutigkeit, dass es nicht fähig ist, sich alleine abzugrenzen? (…) Vielleicht verschwinden die Grenzen und eine Postglobalisierungs-Ära nähert sich, in der wir alle nach einem neuen Anderen suchen müssen um zu wissen wer Wir sind, um uns selbst wiederfinden zu können? Auch im Kunst- und Kulturbetrieb setzt man sich derzeit mit der Debatte des Otherings in europä-

ischen Kulturinstitutionen auseinander. Wie werden Kunst und Kultur aus verschiedenen Regionen der Welt präsentiert? Wie zeitgenössisch, wie traditionell, wie exotisch, von wem und in welchem Kontext? Im Rahmen des Creative Europe Projektes Dis-Othering – Beyond Afropolitan & Other Labels veranstaltet kulturen in bewegung dazu eine Gesprächsreihe in Graz, Linz, Wien und St. Pölten. Die zentralen Themen der Gesprächsreihe Let’s talk about Dis-Othering – A self-reflection on cultural identity sind kulturelle Identitäten und gegenwärtige Praktiken des Otherings in heimischen Kulturinstitutionen. Die Diskussion in Linz findet in Kooperation mit dem Afrofuturisms Festival der Stadtwerkstatt kuratiert und organisiert von Sandra Krampelhuber (Infobox rechte Seite) - und der gfk oö statt. Dis-Othering – Beyond Afropolitan & Other Labels Mit Dis-Othering soll ein Konzept vorgeschlagen werden, bei dem sozialer Identitätsaufbau nicht auf der Konstruktion des Anderen, sondern durch Projektion auf das Selbst erfolgt. Wie ein Boomerang. Anstatt nach den Fehlern, Fantasien und Ängsten anderer Menschen zu suchen und diese abzuwehren, werden deren Realitäten bewusst wahrgenommen und einverleibt. Es geht darum, die Fülle der Variablen, die uns ausmachen, anzuerkennen und zu verkörpern. Bei dem Projekt geht es nicht um das Produkt des Anderen, vielmehr stellt es Überlegungen zu den von Gesellschaft und Institutionen angewandten Methoden an, die das Andere konstruieren und kultivieren. Es geht um den Prozess der Kommerzialisierung des Anderen und die damit einhergehenden Formen der Bevormundung, die im Kulturbereich vorzufinden sind. Übersetzung aus dem Englischen Originalzitat: Künstl. Leiter Bonaventure Soh Bejeng Ndikung


VERSCHWINDEN #2

Internationales Festival

TREFFPUNKT AFRIKA IV AFRICAN FUTURISMS Symposium. Musik. Film 21. - 22. September 2018 Die vierte Ausgabe von Treffpunkt Afrika der Kulturvereinigung Stadtwerkstatt mit dem heurigen Themenschwerpunkt „African Futurisms“ gibt Einblicke in afrikanische Zukunftsvisionen und Utopien im Bereich art & culture. Die eingeladenen Künstler_innen und Kulturschaffenden werden uns in ihrer der Rolle als Time Travellers futuristische Projekte näher bringen und Raum zur Diskussion bieten. Im Focus steht dabei die zeitgenössische Kunstavantgarde Afrikas sowie der afrikanischen Diaspora in Europa. Kuratiert und organisiert wird das Festival von Sandra Krampelhuber. Veranstaltungsorte sind die Räumlichkeiten der Stadtwerkstatt (Nightline) und des AEC (Symposium, Filme).  newcontext.stwst.at/treffpunkt_ afrika_und_cinema_africain

Diese Veranstaltung findet im Rahmen des Creative Europe Projektes Dis-Othering – beyond Afropolitan & other labels statt, das vorherrschenden Praktiken des Otherings in europäischen Kulturinstitutionen entgegenwirkt. Das Projekt umfasst Ausstellung, Symposien, Festivals, Diskussionsrunden, Performances, ein ResidencyProgramm sowie eine Studie zu Diversitätsfragen in europäischen Kulturinstitutionen und Webauftritt.

SA 22.SEP 14.00 Filmstills aus Hello Rain / NGA 2018 / Regie: C.J. Obasi

LET´S TALK ABOUT DIS-OTHERING

A SELF-REFLECTION ON CULTURAL IDENTY AEC Seminarraum / Eintritt frei

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TANJA FUCHS / ABU GABI

24 KLANGNEUKIRCHEN Verschwindend gewagt - so zeigt sich das KLANGFESTIVAL seit seinem Debut im Sommer 2008. Auf dem dreitägigen Festival des Kulturvereins Klangfolger, das von 24.-26. August 2018 sein 10-jähriges Jubiläum feiert, treffen Musik, Performance und multiversale Sparten der Kunst auf das unbekannte X, die definierte Variable, die Zehn nach der verschwundenen Neun. Was bedeutet das Verschwinden für das KLANGFESTIVAL #10? Sounds like a rabbit Vor 10 Jahren verwirklichte die Ursuppe der heutigen Klangfolger_innen erstmals, was ihnen im ländlichen Kulturangebot zu knapp war - wüste, wilde und komische Klänge in all ihrer Schönheit und Genießbarkeit. (…) Zur Motivation, progressive zeitgenössische Kunst auf dem Land zu repräsen-

tieren, kam für das KLANGFESTIVAL 2016 ein weiterer kulturpolitischer Aspekt hinzu - die Bespielung zwischennutzbarer Leerstände. Durch eine neue Plattform in den Räumlichkeiten der „Alten Nähstube“ direkt im Ortskern Gallneukirchens ergab sich auch der Vereinsname Klangfolger, der sich auf den Begriff Kulturfolger bezieht: Pflanzen oder Tiere, welche aufgrund von vom Menschen verursachter Landschaftsveränderungen ihrem ursprünglichen Lebensraum entschwinden. Wie Feldhasen in den Stadtraum, ziehen die Klangfolger_innen in die Leerstelle und befüllen diese mindestens mit Klang. So bringen sie seitdem nicht nur internationale wie regionale Künstler_innen und interessiertes Musikpublikum nach Gallneukirchen, sondern auch zahlreiche neugierige Locals, die gemeinsam die neue Vereinszentrale beleben. 2018 wird nicht nur diese neu kontextualisiert als Ausstellungsraum für zeitgenössische Malerei, Street Art und installative Medienkunst - sondern auch die ehemalige Gallneukirchner Feuerwehrhalle. Sie wird aus ihrem Leerstandsschlaf geholt und


Mit diesen Worten beschreibt der Musiker und Komponist Conrad Schnitzler nicht nur eine körperliche Bewegung, sondern auch einen Raum, der erst durch das ihn Umgebende erkennbar wird. Mancher Räume werden wir uns erst bewusst, wenn wir uns in ihnen oder um sie bewegen, sie füllen oder akustisch erschließen. Ohne Leere kein Raum, ohne Luft kein Klang. Das vermeintlich Undefinierbare bekommt eine neue Bedeutung und Weite. Ich möchte Teil einer Klangbewegung sein

zum Main-Spot für Konzerte. Zudem lädt die Ruine zu Schloss Riedegg am Samstag zu Performancekunst und Naturidylle. Intermediale Galaxien „Der Weltraum, heißt es, ist groß. Verdammt groß, (…)“, ist in Douglas Adams’ intergalaktischem Reiseführer zu lesen, doch selbst das Universum - die große Unbekannte - verschwindet. Dem klangfestivalschen Astronomen Vinzenz Landl zufolge werden in vielen Jahren zunächst keine neuen Sterne mehr entstehen. Die übrigen stürzen in schwarze Löcher oder werden aus ihrer Galaxie geschleudert und kühlen aus. Die verbleibenden Atome zerfallen, die letzten schwarzen Löcher strahlen ihre Energie aus und letztlich stellt sich ein thermodynamisches Gleichgewicht ein. Nichts bewegt sich, das Universum ist verschwunden. Rechnerisch passiert dies in 10 Septendezilliarden Jahren (106 Nullen). Viel zu groß um je begreifbar zu werden. Einfacher wäre es also zu sagen: das Universum, das Leben und der ganze Rest sind in x Jahren weg. „Wenn ich die Hand aufmache und dann is da nichts drin, dann ist das schon intermedia. Die Luft die ich atme ist schon ein Ereignis und die Töne die ich mache, lösen sich in Luft auf.“

Das KLANGFESTIVAL #10 geht nicht auf die Suche nach dem Undefinierten, sondern feiert dessen Zauber. Kunst und Mensch bewegen sich als Schwingungen und Körper durch neu begreifbare Räume und bringen diese zum Zittern. Ebendiese Bewegungen zeichnen eine individuelle Bedeutung des Wortes Verschwinden - auflösen, was trennt, das vermeintlich Unkombinierbare verbinden, das Ungenutzte anpacken und damit temporär neue Sphären eröffnen und zu besetzen - für das experimentelle Moment. www.klangfestival.at

Tanja Fuchs ist Musikerin, Producerin, DJ und Kuratorin, lebt in Wien und ist beim Klangfestival #10 gemeinsam mit Magdalena Landl hauptverantwortlich für die Programmkuration. Als Abu Gabi oder mit dem post-rave Duo DVRST steht sie am Crossfade zwischen experimentellem Kunst- und Clubkontext.

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THEORIE / GESPRÄCH

GESPRÄCH

In seinem neuesten Werk setzt sich der britische Autor und Literaturwissenschaftler Terry Eagleton mit dem Verhältnis von Philosophie und Alltagserfahrung auseinander. Er bietet eine humanistische, für das praktische Zusammenleben der Menschen taugliche Variante des Denkens. Angesichts einer Gesellschaft, deren Mitglieder sich weitgehend als materialistisch definieren und eines von emanzipatorischen Inhalten befreiten New Materialism an den Universitäten hält Eagleton an einer Politik der Materie fest, die für die Veränderung der Umstände eintritt. Der Buchpräsentation folgt ein Gespräch mit dem Autor und der Philosophin Aloisia Moser, KU Linz (angefragt). Lesung und Gespräch werden übersetzt (englisch / deutsch).

Den 100. Geburtstag der Republik Österreich nehmen wir zum Anlass, um über Demokratie und Frauenrechte zu sprechen. Als zeitlichen Rahmen beginnen wir in dieser gemeinsamen Veranstaltung der SPÖ Bildung, des Jahoda Bauer Instituts und der Gesellschaft für Kulturpolitik OÖ im Revolutionsjahr 1848, beleuchten die demokratiepolitischen Umbrüche in 1918 und 1968 und beschäftigen uns schließlich mit 2018 – diskutieren den Status Quo, fragen nach, wo Österreich heute frauenrechtsund demokratiepolitisch steht. Details zu Ablauf und Gesprächsteilnehmer_innen folgen.

MI 17.OKT 19.00

SO 11.NOV 11.00

TERRY EAGLETON

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TERRY EAGLETON MATERIALISMUS THEORIE / GESPRÄCH im Central / Eintritt frei

SONNTAGSMATINEE

SONNTAGSMATINEE GESPRÄCH im Central / Eintritt frei


SPAREN UND SAMMELN Sparen und Sammeln waren über Generationen hinweg Kulturtechniken, die sich als Strategien gegen das Verschwinden von Kunst, Geld, Geschichte etc. etabliert hatten. Seit einiger Zeit ist festzustellen, dass ausgerechnet die beiden es selbst sind, die einem Wandel unterworfen sind. Das Geschäftsmodell einer Bank wird durch die fortschreitende Digitalisierung heute anders gelebt als noch vor einigen Jahren. Das Nullzinsumfeld verhindert, dass Sparer für ihre Einlagen belohnt werden können. Zudem stehen in öffentlichen Museen weniger Platz für Depots und weniger Budgets für Ankauf und Präsentation von Objekten zur Verfügung. Welche Notwendigkeit sieht eine gegenwärtige Gesellschaft in Sparen und Sammeln? Welche gesellschaftspolitische Größe wohnt den beiden

Begriffen inne, wenn wir sie als Gegenentwürfe zu Begriffen wie Verbrauchen oder Nutzen betrachten? Was wird in Museen als sammlungswürdig erachtet, worauf wird noch gespart? Diese und weitere Fragen erörtern wir in dieser Kooperationsveranstaltung mit der Sparkasse OÖ. Als Expert_ innen informieren die designierte Vorstandsdirektorin der Sparkasse Oberösterreich, Stefanie Huber und der Direktor des Volkskundemuseums Wien, Matthias Beitl.

DI 30.OKT 19.00

SPAREN & SAMMELN

GESPRÄCH Sparkasse OÖ Promenade 11-13, 4020 Linz Eintritt frei / Anmeldung erbeten

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Was zählt, sind die Menschen. www.sparkasse-ooe.at

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26.06.18 10:34


GFK GUESTS / KONZERT

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LITERATUR / KONZERT

BRIAN AUGERS OBLIVION EXPRESS

FRITZ OSTERMAYER &VIENNA REST IN PEACE

Brian Auger war ein preisgekröntes Wunderkind am Jazz-Piano, eine Ikone im Swinging London der 1960er Jahre, ein früher Vertreter des Fusion Jazz, der Godfather des Acid Jazz und ist seit 2014 Mitglied in der Hammond Organ Hall of Fame. Die Anthology-Tour Back To The Beginning vereint über 50 Jahre von Brian Augers Grammy-gekröntem Schaffen. Die Auswahl reicht von seinem beliebten Jazz-Piano-Trio über klassische Songs und Geheimfavoriten von Julie Driscoll & The Trinity und The Oblivion Express, seinem Jazz-Fusion-Projekt aus den 1970ern, bis zu seltenen Aufnahmen und Material aus seinem letzten Album Live in Los Angeles mit Alex Ligertwood, dem originalen Sänger von Oblivion Express (später Sänger von Santana).

Fritz Ostermayer, künstlerischer Leiter der Schule für Dichtung und Sammler von morbidem Zeugs, öffnet an diesem herbstlichen Abend die Kammern seines Archivs und präsentiert Texte über die traurigsten Instrumente der Welt. Musikalisch wird er dabei begleitet von der Musikgruppe Vienna Rest In Peace, die mit ihrem gleichnamigen Debütalbum ein „herrliches Stück Größenwahn“ (Wiener Zeitung) geschaffen und sich mit „hinterfotzigen Todesschlagern“ (Der Standard) selbst zur besten Allerheiligenband überhaupt gekrönt hat. Beste Voraussetzungen somit für einen denkwürdigen Abend, voller todtraurig-skurriler Geschichten und dunkelgrauer Lieder zum bitteren Lachen und süßen Weinen.

MI 24.OKT 20.00

OSTERMAYER & DO 25.OKT FRITZ VIENNA REST IN PEACE 20.00

BRIAN AUGERS OBLIVION EXPRESS

KONZERT Karten auf centrallinz.at

LESUNG / KONZERT Salonschiff Frl. Florentine / Warteliste


LITERATUR

THEORIE / FILM / GESPRÄCH

Die Kritikerin, Autorin und Theatermacherin Clara Gallistl inszeniert einen Abend über die österreichische Autorin Veza Canetti und gegen das Verschwinden von Frauen* in der Kunst: „Jänner, 1939. Das Ehepaar Canetti erreicht auf der Flucht vor dem nationalsozialistischen Faschismus London. Für Elias Canetti ein wesentlicher Einschnitt, für Veza Canetti das Ende ihrer literarischen Karriere. Elias erhält 1981 den Nobelpreis für Literatur. Veza geht als “Frau von …” in die Literaturgeschichte ein.“ (aus einem Text von Clara Gallistl für das gfk Magazin 0118).

In Donna Haraways Büchern wimmelt es von Cyborgs, Primaten, Hunden und Tauben. Die Grenze zwischen Mensch und Maschine sowie zwischen Mensch und Tier verschwimmt. In ihrem neuen großen Buch ruft die feministische Theoretikerin das Zeitalter des Chthuluzän aus, das eben nicht wie im Anthropozän - den Menschen ins Zentrum des Denkens und der Geschichte stellt, sondern das Leben anderer Arten und Kreaturen, seien es Oktopusse, Korallen oder Spinnen. Und nicht nur das: Es sollen neue Beziehungen entstehen, quer zu Vorstellungen biologischer Verwandtschaft.

Nach einer Einführung von Clara Gallistl in das Werk der Schriftstellerin, einer Performance von Veza Fernandez und einer Lesung u.a. aus Die Schildkröten folgt ein Publikumsgespräch u.a. mit Theaterredakteurin Margarete Affenzeller über das Nicht-Präsentsein von Frauen* in der deutschsprachigen Literatur.

Gezeigt wird u.a. Fabrizio Terranovas Film Donna Haraway: Story Telling for Earthly Survival (2016) und begrüßen die Autorin zu einem Skype-Gespräch. Eine Kooperation mit der Reihe relatifs, ausgerichtet von Karin Harrasser und Anne von der Heiden, Kunstuniversität Linz.

DI 20.NOV 20.00

DI 06.NOV 18.00

VEZA CANETTI

VEZA CANETTI LITERATUR im Central / Euro 7/5

UNRUHIG BLEIBEN...

UNRUHIG BLEIBEN IM CHTHULUZÄN THEORIE / FILM / GESPRÄCH im Central / Eintritt frei

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Gute Zeiten für Nachtschwärmer Mit Bim Bim, Bus und AST sicher durch die Nacht

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Machen Sie die Nacht zum Tag und nutzen Sie am Wochenende und vor Feiertagen die neue „Nachtspur“ der LINZ AG LINIEN für Ihre sichere und bequeme Heimfahrt. Eine Bus- und zwei Straßenbahnlinien stehen für Sie im Halbstundentakt zur Verfügung. Ergänzend bringt Sie das Anruf-Sammel-Taxi (AST) direkt bis zur Haustür – seit über 30 Jahren. Nähere Infos auf www.linzag.at/nachtverkehr


MENSCHEN / IMPRESSUM / TICKETS

CHRISTIAN HORNER Bücher liest Christian Horner gerne im Abstand von einigen Jahren erneut – um festzustellen, wie das gleiche Buch jedes Mal eine neue Welt und neue Blickweisen eröffnet. Generell ist die Auseinandersetzung mit Sprache aktuell eines jener Themenfelder, die ihn faszinieren und Fragen aufwerfen: Sprache als wesentliches Mittel zur Kommunikation, Linguistik als Wissenschaft, die deutlich macht, wie Denken funktioniert und was Sprache im menschlichen Gehirn bewirkt: „Zahlen, Daten, Fakten bedeuten für sich nichts. Erst unsere Erfahrungen und daraus resultierende Deutungsrahmen bestimmen unser Denken und Handeln. Kunst und Kultur drücken das in Wort, Bild und schöpferischem Schaffen aus.“ Sprache hat auch eine wichtige Rolle in der bisherigen Berufs-

laufbahn des 56jährigen gespielt: aktuell ist er als Geschäftsführer einer gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft tätig, davor u.a. als Mordermittler, Betriebsrat, parlamentarischer Mitarbeiter, stellvertretender Kabinettchef im Innenministerium, als Kanzlersekretär bei BK Faymann, Büroleiter bei Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider, SPÖ-Orts-

MENSCHEN IN DER GFK parteivorsitzender in Neuhofen an der Krems. Neben Politik und Sprache sind Kunst und Kultur wichtige Themenbereiche für das langjährige gfk Vorstandsmitglied: ganz praktisch, wenn er einerseits Erlebnisse und Erfahrungen aus 10 Jahren Morder-

IMPRESSUM gfk Magazin Ausgabe 02 2018 · August 2018 Herausgeberin (F.d.I.v.): gfk oö. Gesellschaft für Kulturpolitik Landstraße 36/3, 4020 Linz, +43 (0) 5772611 - 710 Chefredaktion: Wiltrud Hackl Autor_innen dieser Ausgabe: Tanja Fuchs, Li Gerhalter, Wiltrud Hackl, Karin Harrasser, Maria Herold, Tobias Humer, Walter Mathes, Andrea Pollach, Kathrin Quatember, Luis Stabauer Gestaltung & Layout: honigkuchenpferd Bildnachweis: Titelbild: Volker Weihbold · 1, 7, 16, 17 Volker Weihbold · 2, 15, 26 Reinhard Winkler · 3 privat · 6 C P Habart Alexander · 11 Walter Mathes · 13 Lotte Schreiber, TK1968+/ sixpack · 19 privat · 21 M. Gerersdorfer · 23 kulturen in bewegung | C.J. Obasi · 25 Julia Pia Huemer, Thomas Plattner · 26 Promedia · 28 TonART promotions, Wolfgang Gosch, Magdalena Blaszczuk · 29 Clara Gallistl, Fabrizio Terranova · 31 GEPA /Christian Walgram Druck: Gutenberg, Linz

mittlung mit Regisseur Thomas Roth teilt und an Drehbüchern mitarbeitet. Aber auch als politische Haltung, wenn er meint, dass er ein Fan von Kunstinitiativen und Künstler_innen sei, unabhängig ob und wie berühmt sie bereits seien: „Durch Interesse und Wertschätzung entsteht Neues, die gfk kann dazu ein wenig beitragen und damit auch ich.“

VORSTANDSMITGLIEDER

der gfk oö.: Susanne Blaimschein, Barbara Czernecki, Gerda Forstner, Christian Horner, Siegbert Janko, Reinhard Kannonier, Florian Koppler, Michaela Ortner, Thomas Philipp, Susanne Pollinger, Roland Schwandner

TICKETS Kartenverkauf an der Abendkassa oder nach telefonischer Vereinbarung im gfk Büro Kartenreservierung www.gfk-ooe.at oder per email info@gfk-ooe.at oder telefonisch 05 7726 11 710

Ermäßigung (mit Ausweis) für Pensionist_innen, Studierende, Schüler_innen, Asylberechtigte, Menschen mit Behindertenausweis, LINZ AG Ticket und Aktivpass. Die gfk oö ist zudem Kooperationspartnerin der Aktion Hunger auf Kunst und Kultur. Veranstaltungsort Central, Landstraße 36, Linz sofern nicht anders angegeben.

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24.08.26.08. SA 22.SEP 14.00 DI 25.SEP 19.00 FR 28.SEP 18.00 MI 17.OKT 19.00 MI 24.OKT 20.00 DO 25.OKT 20.00 DI 30.OKT 19.00 DI 06.NOV 18.00 DO 08.NOV 16.00 SO 11.NOV 11.00 DI 20.NOV 20.00 DO 29.NOV 20.00

KLANGFESTIVAL #10 MUSIKFESTIVAL

LET´S TALK ABOUT DIS-OTHERING

Gallneukirchen

AEC

Euro 10/15/30

Eintritt frei

GESPRÄCH

LUIS STABAUER DIE WEISSEN

im Central

Euro 7 / 5

im Central

Eintritt frei

TERRY EAGLETON MATERIALISMUS

im Central

Eintritt frei

BRIAN AUGERS OBLIVION EXPRESS

im Central

centrallinz.at

LITERATUR / MUSIK

LANGER TAG DER FLUCHT FILM / LESUNG / GESPRÄCH

THEORIE / GESPRÄCH

KONZERT

FRITZ OSTERMAYER & VIENNA REST IN PEACE LITERATUR / KONZERT

SPAREN & SAMMELN GESPRÄCH

Salonschiff Frl. Florentine Sparkasse Promenade

DONNY J. HARAWAY UNRUHIG BLEIBEN IM CHTHULUZÄN im Central

Warteliste

Eintritt frei

Eintritt frei

THEORIE / FILM / GESPRÄCH

(AM) ORT DES VERSCHWINDENS GESPRÄCH / SPAZIERGANG

SONNTAGSMATINEE GESPRÄCH

VEZA CANETTI SZENISCHE LESUNG / GESPRÄCH mit Clara Gallistl, Margarete Affenzeller u.a.

NAKED LUNCH KONZERT

Barbarafriedhof

Eintritt frei

im Central

Eintritt frei

im Central

Euro 7 / 5

im Central

Euro 18/ 14

Österreichische Post / Sponsoring Post SPÖ OÖ Information Nr. 16/ 2018 S.P. GZ 02Z034277 - VPA 4020

HERBST / WINTER 2018

gfk-ooe.at

Retouren an gfk oö Ges. für Kulturpolitik, Landstr. 36/3, 4020 Linz

Profile for OÖ Gesellschaft für Kulturpolitik

gfk02_2019_VERSCHWINDEN  

Tanja Fuchs zum Klangfestival #10 | Li Gerhalter über Frauennachlässe | Wiltrud Hackl im Interview mit Clemens Frauscher über das Verschwind...

gfk02_2019_VERSCHWINDEN  

Tanja Fuchs zum Klangfestival #10 | Li Gerhalter über Frauennachlässe | Wiltrud Hackl im Interview mit Clemens Frauscher über das Verschwind...

Profile for gfk_ooe
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