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STÖRUNG. EINE FRAGE DER KULTUR

STÖRUNG #2


EDITORIAL

BLEIBT STÖREND 2

Kaum ein Schwerpunkt der letzten fünf Jahre wurde so vielfältig und leidenschaftlich aufgegriffen wie Störung. Viele von uns erleben offenbar, wie notwendig eine Störung des aktuellen Systems ist. Denn das, was „Normalität“ genannt wird, ist vielfach moralisch und ethisch schlicht falsch. Es ist falsch, dass Kapitän*innen für die Rettung von Menschen ins Gefängnis sollen, Politiker, die Menschen ertrinken lassen, aber nicht. Es ist falsch, dass Autobahnen gebaut werden, während es für öffentlichen Verkehr und Radwege kein Geld gibt. Es ist falsch, dass Politiker, die über keinerlei demokratisches und verfassungstreues Gewissen zu verfügen scheinen, nach wie vor zu einer Wahl antreten dürfen. Das vorgeblich „Normale“ und „Gesetztestreue“ muss gestört werden, um zu zeigen, wie wenig es in unser aller Sinn ist. Ulli Stegbuchner, Autorin und Ärztin spricht im Interview gar von „massiven Störungen“, die es braucht, die wir als notwendig erachten sollten, um eine aus den Fugen geratene Welt zurecht zu rücken. Darüber und mehr schreiben die Autorinnen dieser Ausgabe: Barbara Blaha über den Think Tank der Vielen, Victoria Windtner über die Solidarisierung mit Mutterschweinen, Laura Dressel über störende Erinnerung, Julia Pühringer & Sara Köppl über verstörende Frauenbilder im Film.

In einer Konferenz der Störenden kommen Menschen zu Wort, die in Alltag, Berufsleben und Schule Normalität stören – Anke Schünemann und Ruth Karner schreiben dazu. Kristina Pia Hofer schreibt über Radikales Hören, das Team des Klangfestivals Gallneukirchen über eine Krawallmacher*in, Clara Gallistl & Kathrin Quatember entwerfen Handlungsanweisen für richtiges Stören; gemeinsam mit Fliegen – Sinnbild für immerwährendes Stören - tauchen diese Anweisungen im Heft auf. Die Linzer Gruppe FAXEN zeichnet verantwortlich für den künstlerischen Beitrag dieser Ausgabe, die wie immer wunderschön von Andrea Ettinger gestaltet wurde. #12 ist für ein Jahr die letzte, die ich verantworten darf, bevor ich in Bildungskarenz gehe. Die Kulturarbeiterin Renée Chvatal wird mich in diesem Jahr vertreten, sie stellt sich auf Seite 31 vor. Bleibt störend! Auf ein Wiedersehen ab September 2020. Wiltrud Hackl

Chefredakteurin, Geschäftsführerin gfk oö


STÖRUNG #2

ALLES EINE FRAGE DER KULTUR Ich bin im Grünen - in Tragwein im Mühlviertel – aufgewachsen und habe mich dort bereits früh im Jugend- und Kulturzentrum Malaria engagiert. Ich lernte was es bedeutet, wenn sich Jugendliche selbst organisieren und ein eigenes jugendkulturelles Programm auf die Beine stellen. Zur selben Zeit wurde ich auch aktiv in der Sozialistischen Jugend, wo mir der Freiraum für Jugend fernab von Konsumzwang sowie der Kampf gegen Rechts ein besonderes Anliegen waren und sind. Nach verschiedenen Stationen als Eisenhändler, SJ OÖ Landessekretär und SPÖ Wahlkampfkoordinator, Studium der Wirtschaftswissenschaften und Politischer Kommunikation, arbeite ich nun im Innovationshauptplatz der Stadt Linz und verbinde die Stadt mit den Kreativen. In meiner Freizeit connecte ich Jugendliche im Linzer Franckviertel mit Sport und Spaß und nenne das ganze Balltiger, ein besonderes Anliegen ist mir der Diskurs von Linken, Progressiven und Liberalen für eine fortschrittliche Gesellschaft. Alles eine Frage der Kultur eben. Die gfk ist für mich eine besondere Plattform, eine, die jenen Themen Raum gibt, die in unserer Gesellschaft viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten: Störung, Verschwinden, Nichtwissen, aufbereitet in einem sozialkritischen Kontext, belebt die gfk die oberösterreichische Kulturszene. Sie bietet aber vor allem jungen Künstlerinnen und Künstlern Plattform und Unterstützung. Die gfk bedeutet für mich auch Gemeinschaft, eine von völlig unterschiedlichen kritischen Personen, die sich für eine offene Gesellschaft und fortschrittliche Kulturpolitik einsetzen. Genau das ist der Grund warum auch ich mich in der gfk engagiere. Alles eine Frage der Kultur eben. Florian Koppler

Vorstandsmitglied der gfk oö

KONSTRUKTIV STÖREN Barbara Blaha

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GANZ NORMAL SCHWER Anke Schünemann

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FAMILIE = STÖRUNGEN IMMER UND ÜBERALL Ruth Karner

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KONFERENZ DER STÖRENDEN gfk oö

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MANCHMAL BRAUCHT ES MASSIVE STÖRUNGEN Ulli Stegbuchner

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RADIKALES HÖREN Kristina Pia Hofer

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VOM SPINNEN, VERNETZEN UND STÖREN Klangfestival

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VERSTÖRENDE FRAUENBILDER Sara Köppl, Julia Pühringer

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VERSAUT, STÖREND UND SOLIDARISIERT Victoria Windtner

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STEINGESCHICHTEN Laura Dressel

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VERANSTALTUNGEN

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MENSCHEN / IMPRESSUM / TICKETS

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STÖRUNG #2 BARBARA BLAHA

KONSTRUKTIV STÖREN DA SICH DER NEUE STIL AN EINEM URLAUBSVIDEO AUS IBIZA STÖRTE, STEHEN WIR VOR NEUWAHLEN. 4

Nach erfolgreicher Störung des konsensorientierten politischen Systems der 2. Republik, erklären sich die Störer selbst zum neuen Zentrum. Die mittlerweile äußerst tief gelegte Latte des politischen und menschlichen Anstandes wird durch den fortgesetzten Niveaulimbo weiter abgesenkt und hinterlässt eine gespaltene Gesellschaft. Die Entsolidarisierung trifft jene, die am Rande stehen, besonders hart: die Armen. Fast ungestört werden die Interessen der reichen SpenderInnen bedient. Es braucht daher dringend Impulse für eine bessere Politik – eine Politik zum Wohle der Vielen! Die Kurzregierung Türkis-Blau hat die Zutaten vermengt und nun ist angerichtet: eine Gesellschaft, in der man auf die Schwachen hinabblickt. Geschafft hat sie das durch eine ebenso alte wie einfache Strategie: Zunächst bedarf es dafür eines hinreichenden Maßes an rhetorischer Skrupellosigkeit. Man werfe alle Muslime in einen Topf und bringe sie bei jeder Gelegenheit in Verbindung mit Kriminalität, Frauenfeindlichkeit und Terror. Gleichzeitig deute man Arbeitslosigkeit und Armut als Ausdruck selbstverschuldeter Charakterschwächen wie Faulheit und Drückebergerei. Man unterstelle möglichst oft, dass Menschen, die aus dem Aus-

land kommen, ohnehin nur hier sind, um sich in der Mindestsicherung gemütlich einzurichten. Sind die negativen Zuschreibungen einmal verankert, ist der Rest ein Kinderspiel. Man erlasse Gesetze, die zur institutionellen Benachteiligung dieser Gruppen führen und verkaufe es als Akt der Gerechtigkeit. Weil sich Zivilgesellschaft und Opposition darüber empören müssen, hat man auch immer genug Lärm und Ablenkung, um seine eigene Klientel zu bedienen. Beispiele finden sich in der jüngeren Vergangenheit zuhauf: Auf der einen Seite stehen Maßnahmen wie die Kürzung der Mindestsicherung für kinderreiche Familien, die Ausweitung der Mangelberufsliste inklusive schlechtere Bezahlung als bisher, der 12-Stunden Tag und 1,50 Euro Stundenlohn für AsylwerberInnen. Auf der anderen Seite wird die Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen von 13 auf zehn Prozent gesenkt. So ersparen sich Hoteliers geschätzte 120 Millionen Euro auf Kosten der SteuerzahlerInnen. Gleichzeitig wird ein Konstrukt legalisiert, das es der Immobilienbranche ermöglicht, über verschachtelte Firmenstrukturen die Grunderwerbssteuer zu umgehen. Die Immobilienkonzerne profitieren in Millionenhöhe. Die Körperschaftsteuer soll in zwei Etappen von 25 auf 21 Prozent sinken. Die ohnehin gewinnstärksten Konzerne sind die größten Profiteure. Es ist eine realistische Einschätzung, dass diese Politik, die im Interesse der Eliten handelt, noch lange nicht vorbei ist. Die Spaltung der österreichischen Gesellschaft sitzt mittlerweile tief. Es braucht daher dringend eine weitere Störung, präziser: eine konstruktive Störung im Interesse der Vielen. Genau dazu wollen wir einen Beitrag leisten. Mit einem Think Tank, der unabhängig von par-


STÖRUNG #2 Barbara Blaha ist Gründerin und Geschäftsführerin von „Projekt 360 Think Tank der Vielen“, der Vorschläge für eine nachhaltigere und gerechtere Gesellschaft entwickelt und verbreitet. Sie ist Autorin und Mitglied des Universitätsrats der Universität Salzburg. Darüber hinaus hat sie den Kongress Momentum in Hallstatt begründet und ist dessen politische Leiterin.

teipolitischen Erwägungen handelt und auf Seiten der arbeitenden Menschen steht. Der fakten- und lösungsorientiert ist. Dessen Maßstab die sozialen und wirtschaftlichen Interessen der breiten Mehrheit sind. Der dieser Mehrheit eine Stimme verleiht und das Gemeinsame vor das Trennende stellt. Unsere Arbeit spielt sich an der Schnittstelle von Politik und Wissenschaft, Zivilgesellschaft und sozialen Bewegungen ab. Auf Basis fundierter Analysen entwickeln wir positive Perspektiven für eine nachhaltige und gerechte Gesellschaft. Wir wissen, dass wir unsere Vorschläge auch vermitteln müssen. Weil die Arbeit des Erklärens und Argumentierens so bedeutsam ist, werden bei uns Menschen aus der Wissenschaft gemeinsam mit jenen arbeiten, die das professionell vermitteln können. Indem wir fortschrittliche Perspektiven zur Diskussion stellen, leisten wir einen Beitrag zu einer lebenswerten Gesellschaft. Uns ist klar, das ist kein einfaches Unterfangen und wir werden viel erproben und lernen müssen. Es geht derzeit um viel. Es geht um den sozialen Frieden, um uns als Gesellschaft, als Gemeinschaft. Besonders die großen Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam lösen. Projekt 360 ist daher nicht nur ein Think Tank für die Vielen, sondern auch einer durch die Vielen. Ein Projekt wie unseres kann es nur geben, wenn es viele Menschen mit Normalbudget durch kleine Beiträge gemeinsam stemmen. Es kann aber auch nur funktionieren, wenn viele Menschen unsere Inhalte teilen, uns mit Geschichten und Beispielen versorgen, unsere Argumente weitertragen und uns als Quelle empfehlen. Wenn das Projekt Erfolg haben soll, dann kann das niemand für uns machen, das müssen wir gemeinsam schaffen.

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Der von Barbara Blaha geleitete Momentum Kongress wird von 10. bis 13. Oktober 2019 in Hallstatt tagen. Das diesjährige Thema lautet: Widerspruch. Mehr Informationen und Anmeldung unter http://momentum-kongress.org/. Projekt 360. Ein Think Tank der Vielen. projekt360.at


STÖRUNG #2

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FAXEN „Firedrake“


STÖRUNG #2 ANKE SCHÜNEMANN

GANZ NORMAL

SCHWER STÖREN MENSCHEN, DIE SCHWERER VERSTEHEN ?

Fast ein Viertel der österreichischen Bevölkerung kann nur unzureichend lesen und schreiben. Das sind rund 2.000.000 Menschen, die Schwierigkeiten haben eine Qualitätszeitung oder ein Buch zu lesen, Formulare auszufüllen, Gesundheitsratgeber zu verstehen, Kulturtipps zu folgen oder betriebliche Informationen zu beachten. Ganz zu schweigen von Packungsbeilagen, Gebrauchsanweisungen oder Verträgen. Fast alle veröffentlichten Texte nehmen darauf keine Rücksicht. Das Ergebnis: Texte werden weder gelesen noch verstanden. Rezipient*innen fühlen sich überfordert und auf jeden Fall nicht gemeint, sie geben auf und was sie nicht merken ist, dass ihnen damit letztlich die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sehr schwer bis unmöglich gemacht wird. Denn nur wer versteht, kann mitdenken, eine eigene Meinung bilden, weitere Fragen stellen und einen Prozess mitgestalten.

Wer profitiert vom Recht auf Information und Teilhabe? Österreich hat die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben, die beinhaltet, dass auch Informationen barrierefrei sein sollen. Damit soll die Teilhabe an der Gesellschaft gewährleistet werden. Informationen barrierefrei zu machen hat viele Dimensionen, z.B. Sprache, Brailleschrift, Barrierefreies Multimedia, Auditive Formen, Barrierefreie Informations- und Kommunikationstechnologie, Leichte Sprache. Auch wenn hier Menschen mit Beeinträchtigungen im Fokus stehen ist schnell klar, welche Vorteile sich für alle anderen oben beschriebenen Personen ergeben. Der Einsatz einer leicht verständlichen Sprache macht es sehr viel mehr Menschen möglich zu verstehen, besser und leichter zu leben und an der Gesellschaft teil zu haben. Was ist Leichte Sprache?

Das betrifft Menschen mit Behinderung, jene mit Lernschwierigkeiten, Personen mit rudimentären Deutschkenntnissen und alle, die Lesen kaum geübt haben, nachdem sie es einmal konnten. Dazu kommen noch funktionale Analphabeten, diese Gruppe allein umfasst angeblich bereits fast eine Million Personen in Österreich.

Das Regelwerk für das Sprachsystem Leichte Sprache umfasst alles, was das Lesen und Verstehen leicht macht. Es gibt Regeln für Verständlichkeit, Lesbarkeit, Layout, Produktion, etc. Barrierefreie Informationen in Leichter Sprache sind im Sprachniveau A1-B1 verfasst, je nach Ziel-

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STÖRUNG #2

gruppe. Dabei handelt es sich nicht um eine Raketenwissenschaft, das kann jede und jeder lernen und vor allem üben. Vorausgesetzt, man ist willens und in der Lage, sich auf diese Zielgruppe einzustellen. Stellt sich die schreibende Person die Frage „Möchte ich verstanden werden?“ und beantwortet diese mit „Ja“, nimmt sie den zusätzlichen Ressourcenaufwand in Kauf und übt das Schreiben ein wenig neu, dann steht einem leicht verständlichen Text nichts mehr im Wege. Für wen schreiben wir?

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In der Regel wird wie für ein Fachpublikum geschrieben, ganz normal schwer eben. Schreiber*innen und Herausgeber*innen wollen als Experte und Expertin ihres Fachs erscheinen und das Verständnis eines Textes wird der Zuhörerschaft überlassen. Viele sind sich Ihrer Zielgruppe auch gar nicht bewusst, oder es wird Rechtsverbindlichkeit vorgeschoben. Wie gelangt ein Text in eine leicht verständliche Version? Normal schwere Texte können von Fachkräften übersetzt oder gleich in Leichter Sprache verfasst werden. Produkte leicht lesbar und verständlich zu machen, ist immer ein zusätzlicher Aufwand. Übersetzungen kosten Geld, Printprodukte können umfangreicher werden, Abstimmungszeiten und Testschleifen ziehen Produktionszeiten in die Länge. Dann fragt schnell jemand: Lohnt sich das? Was im Grunde bedeutet: es stört den Normalfall. Es tauchen also zu Beginn in der Auseinandersetzung mit der Leichten Sprache viele Fragen auf. Stören Menschen, die die „schwere Sprache“ nicht oder nur schwer verstehen? Ist das Verstehen eines Textes die Angelegenheit der lesenden Personen oder derer, die den Text herausgeben? Ist es zu viel verlangt, sich an denen zu orientieren, die es einfacher brauchen? Was müsste passieren, bis Sie Geld dafür in die Hand nehmen, Ihre Publikation in eine leicht verständliche Sprache übertragen zu lassen? Wären Sie bereit, Ihr Corporate Design

auf Leichte-Sprache-Tauglichkeit prüfen zu lassen? Fürchten Sie Imageverlust, wenn Ihre Texte ein niedrigeres Sprachniveau aufweisen? Stellen sich Herausgeber*innen die Frage: Von wem möchte ich verstanden werden? Und ist ihnen die Dimension der Macht über die Teilhabe klar? Eine Frage der Solidarität, der Gnade oder einfach der Zielgruppenorientierung? Menschen, die schlecht lesen und verstehen können, als Störung zu empfinden, ist eine Haltungssache. Die Rollstuhlrampe vor einem öffentlichen Gebäude wird inzwischen als normal erlebt. Irgendwann wird es auch selbstverständlich sein, dass die im Gebäude angebotenen Texte auch in leicht verständlicher Form zur Verfügung stehen. Das kann auch bedeuten, dass Texte in verschiedenen Niveaus geboten werden. Die Kundschaft wählt selbst. Es ist ganz einfach. Ich mache meinen Job als Texterin richtig, wenn die von mir angesteuerten Rezipient*innen meinen Text positiv annehmen, weil sie ihn verstehen. Ich bin dafür verantwortlich, dass sie alle Informationen haben, die sie brauchen, um ihre Schlüsse daraus zu ziehen und handeln zu können. Dieses Ergebnis ist gewährleistet, wenn ich von Beginn an meine Zielgruppe im Fokus habe und dementsprechend schreibe. Der Einsatz einer leicht verständlichen Sprache ist kein Minderheitenprogramm und somit stört eigentlich niemand. Bis das verstanden wurde, dauert es nur noch ein bisschen.

Anke Schünemann hat Design und später PR und integrierte Kommunikation studiert. Sie arbeitet für das Bildungsinstitut FAB Organos und ist dort für Marketing, PR und Barrierefreie Kommunikation zuständig. organos.at


STÖRUNG #2 RUTH KARNER Entweder kommt ein Kind als Wunschkind oder als Überraschung. Die Überraschung stört meist alle Pläne, die davor da waren, das Wunschkind auf andere Art ebenso, weil es selten so kommt wie gedacht. Das ist die erste Lektion, die man mit Kind lernen darf: Ein Kind hält sich an keine Pläne. Grundsätzlich! Es beginnt bei der Idee zur Geburt, die wir haben: natürlich und spontan, in der Badewanne, usw. Die meisten Geburten waren im Nachhinein ganz anders. Oder bei ganz banalen Alltagsdingen wie wer-wann-wielange-wo schläft. Ob wir stillen oder nicht, wie wir uns arbeitsteilig das Le-

te Urlaub ansteht. Natürlich will es dann mit uns spielen, wenn wir mal gerne ein Gespräch führen wollen oder einen Kaffee vor uns parken. Das Kind will nicht allein einschlafen und wenn doch, wacht es im für uns blödesten Moment auf und hat geträumt. Das größere Kind mag ein Eis - und zwar jetzt! - und findet Wandern langweilig. Das Instrument, auf das wir jetzt 2 Jahre gewartet haben und für das lange Mails verfasst und Menschen belagert wurden, findet es nach zwei Mal Musikschule blöd. Es braucht zum Überleben nur wlan, das Smartphone oder den Computer und eine Pipeline zum Süßigkeitenschrank. Da kommt es dann plötzlich zur Umkehr der Geschichte des Störens: plötzlich stören wir das Kind! Ausgleichende Gerechtigkeit in der Familiendynamik, nehme ich an. Das irgendwann

9 ben organisieren, was man in den Schlafpausen des Kindes alles so erledigt, usw.

Schon mal den Freundeskreis mit Kindern befragt? Man kann beispielsweise wunderbar die Wäsche zusammenlegen neben dem Kind, aber hui, will mann oder frau ein Buch in die Hand nehmen oder gar den Computer einschalten, vorbei ist es mit der Ruhe. Das Kind stört! Es stört unsere Gedanken, unsere Pläne, Ziele und Vorhaben. Natürlich wird es genau dann krank, wenn der langersehn-

wirklich „erwachsene Kind“ stören dann sogar die Erwartungen der Eltern, die Werte und Moralvorstellungen und die Rollen in denen man gefangen bleibt. Erst sind die Eltern peinlich, wenn sie im falschen Outfit zur Schulfeier kommen, später stört alles was sie sagen und ihr anderes Tempo. Das Kind stört natürlich auch das Paar. Plötzlich bindet da jemand alle Aufmerksamkeit und braucht. Man ist jetzt Vater/Mutter in tiefer Liebe und entzieht sich damit automatisch der Partnerschaft. Man hat kaum Zeit zu zweit, keine romantischen Dinner, Actionoder Abenteuerurlaube, Hobbies mehr. Man ist gefangen im Versorgen, was eine Dürrezeit für die Liebe bedeutet. Alleinerzieher*innen sind gestört in ihren Dating-Möglichkeiten, weil sie alles allein tragen und es an Kraft und Kinderbetreuung fehlt. Das Kind stört natürlich auch die Gesellschaft. Es mag nicht zur Tante Käthe, weil die stinkt. Spielt viel zu laut und stört die Nachbarn. In einem Café hat man keine Ruhe. Am Arbeitsplatz stört es, dass


STÖRUNG #2

Eltern immer pünktlich wegmüssen, um die Kinder abzuholen oder sich gar in völlig unpassenden Zeiten Pflegeurlaub nehmen.

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Kinder haben, Familie sein stört! Aber wen, wobei und wozu? Wir leben in einer effizienten Leistungs- und Konsumgesellschaft, getrieben von Wettbewerb, Tempo und Kontrollwahn. Wir sind immer erreichbar und sehnen uns daher konstant nach Pausen. Wir stecken durch lebenslanges Lernen und Selbstverwirklichung in diversen Ego-Trips. Und da sind wir es uns und den Menschen, die wir lieben, nicht wert gestört zu werden? Aus meiner Erfahrung als Familienberaterin kann ich nur einladen, diese Störungen als großartiges Geschenk anzunehmen. Ich höre oft: „Das Kind will ja nur Aufmerksamkeit.“ Ich sehe das anders. Ein Kind lebt zu 100% im Moment, teilt sein Erleben, will unsere Werte, Grenzen, Ideen zur Welt erleben. Es will dabei sein, Nest haben und auch wieder weggehen und alleine entdecken können. Jemanden stören heißt eigentlich immer: ich will mit Dir eine Beziehung haben. Ich will spüren wer Du bist, wo du anfängst und aufhörst, Dich verstehen können in dem was Dir wichtig ist. Und ich will Dir zeigen wer ich bin, woran ich glaube, was mir grad wichtig ist. Wir könnten familiäre Störungen als Momente des Menschseins erkennen, die uns helfen herauszufinden wer wir sind. Das geht nur in Beziehung. Störungen dieser Art bringen uns in Kontakt miteinander und fordern uns, neue Wege und Lösungen zu leben. Das können Menschen, Familien, Firmen und dieser Planet wahrlich brauchen!

DAS KIND (...) SPIELT VIEL ZU LAUT UND STÖRT DIE NACHBARN. STÖRUNGEN DIESER ART BRINGEN UNS IN KONTAKT MITEINANDER. Ruth Karner, freie Praxis für psychologische Einzel-, Familienund Paarberatung. Bildungsarbeit für Eltern und Pädagog*innen. Zahlreiche geförderte Seminare bei den Kinderfreunden. ruthkarner.at

1 NICHTS TUN, WENN MAN AUFGEFORDERT WIRD, ETWAS ZU TUN, ES ABER NICHT TUN WILL.


STÖRUNG #2 2 NICHT LACHEN, WENN ETWAS NICHT LUSTIG IST.

Wer wird im Berufsleben, im Alltag, in der Schule als störend empfunden? Und wie notwendig sind diese vermeintlichen Störenfriede innerhalb unserer Gesellschaft? Diese Minikonferenz setzt sich einerseits mit der Thematik und mit Faktoren des Störens innerhalb eines auf Reibungslosigkeit, Funktionieren, Leistungsfähigkeit und Normalität getrimmten Berufs- und Schulalltags auseinander, andererseits will die Konferenz der Störenden – wie der Name schon sagt – jene zu Wort kommen lassen, die aus welchen Gründen auch immer als störend empfunden werden.

DO 24.OKT 15.00

KONFERENZ DER STÖRENDEN

KONFERENZ / RUNDGANG 15.00 Rundgang / 16.00 Vorträge de:central FAB / Eintritt frei

15.00 16.00 19.30

Start Rundgang und Gespräch mit Arbeiter*innen der Werkstätten von FAB Beginn Vorträge und Gespräche u.a. mit: Daniela Brodesser (Texterin, Autorin), Andreas Kaindlstorfer (Neurologe, Schlafexperte), Anja Krohmer (Kommunikationspsychologin), Veronika Natter (Soziologin), Ernst Puchberger (Kinderarzt), Anke Schünemann (Leichte Sprache) abschliessende Diskussion

3 LACHEN, WENN ETWAS NICHT ERNST GEMEINT SEIN KANN.

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STÖRUNG #2

ULLI STEGBUCHNER

INTERVIEW: WILTRUD HACKL

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ULLI STEGBUCHNER SCHREIBT ERZÄHLUNGEN, DIE STETS VON EINEM BRUCH GEKENNZEICHNET SIND, DER IM ERSTEN MOMENT STÖRT, ALLES DURCHEINANDERBRINGT, BIS SICH DIE GESCHICHTE UND IHRE PROTAGONIST*INNEN NEU FINDEN. Dadurch werden die Geschichten lebensnah und unerwartet wie unser Leben, das ja auch voller Brüche stecke, so die Autorin. Das Interview wurde zum Zeitpunkt des sogenannten „Ibiza-Skandals“ geführt.

Diese Brüche, die du beschreibst – wie notwendig sind die für deine Figuren? Ich denke gar nicht, dass es ein Ziel sein sollte, möglichst störungsfrei zu leben, vielleicht wünscht man sich das, aber ein Leben ohne Störungen gibt es nicht – weder in der Medizin noch im Alltag. Man muss auf Störungen und Unterbrechungen reagieren – und das bedeutet nicht zwingend, dass etwas schlechter wird. Auch wenn es in meinen Geschichten oft mit dem Tod endet, es geht trotzdem immer weiter. Leben braucht also Störung? Genau, oft sind Störungen ja auch notwendige Hinweise auf etwas. Wenn es ganz glatt und ruhig dahin geht, ist das zwar ganz angenehm, aber die eigentliche Entwicklung ereignet sich stets nach der Störung, nach dem Bruch. In den Naturwissenschaften etwa suchen Systeme stets nach Balance, Störungsimpulse werden bis zu einem bestimmten Grad ausgehalten, dann bricht alles zusammen und die Suche nach Ausgleich startet erneut. Sind deine Figuren auch auf der Suche nach dieser Balance? Ähnlich ja, mir kommt eher vor, dass die Figuren einen Ausgleich gefunden haben – allerdings in einer Art, die Leser*innen vielleicht als gar nicht so besonders schön empfinden. Die Figuren sehen die Chance auf etwas Neues, aber auch das Neue wird wieder gestört, und manchmal werden sie gar zerstört. Aber das ist nichts Schlimmes, es geht dennoch weiter, ich selbst habe nie das Gefühl, dass die Geschichten schlecht ausgehen. Unabhängig davon, wie oft diese Störungen auftreten, sie bewirken stets einen Neubeginn.


STÖRUNG #2

Was wäre so ein „Aus“, so eine Zerstörung? In der Geschichte „Damaged People“ hat die männliche Figur etwa einen Schlaganfall, und ich beschreibe wie beide, seine Frau und er, langsam ins Wasser gehen. Die Vermutung liegt nahe, dass sie ertrinken, aber im Grunde geht es in der Geschichte eher darum loszulassen. Störung bedeutet also nicht immer das Schlechteste, es bedeutet aber auch nicht, dass es „wieder gut“ wird in dem Sinn, wie wir uns das vielleicht wünschen. Das kommt ja auch auf die Definition von „gut“ an? Ja, und es ist die Frage, ob man wirklich dorthin zurückkehren will, in den Zustand vor der Störung. Ich glaube auch nicht, dass das ein gutes Ziel wäre. Bei Burn Out Patient*innen etwa besteht oft der Wunsch, wieder genau in den Zustand, in diese Leistungsfähigkeit zurückzukommen, die man davor empfand. Das ist nie der Fall und es wäre eigentlich desaströs, denn man würde ja wieder einsteigen in ein System, aus dem man gefallen ist. Was wäre das für eine Gesellschaft, in der Störungen nur als Chancen wahrgenommen würden? Das wäre unglaublich positiv, wir wären wahrscheinlich gelassener. Und wenn wir ehrlich sind – wir suchen doch auch ganz bewusst nach Störungen, wenn unser Leben einmal allzu ruhig verläuft. Weil sie uns das Gefühl von Lebendigkeit geben vielleicht? Und weil sie positiv sein können - Kinder zum Beispiel sind ja auch Störungen, das sind gute, positive Störungen. Aber Störungen generell nicht negativ zu sehen, ist schwierig, weil da ja oft diese Sehnsucht nach einem ungestörten Leben ist.

Auch politisch befinden wir uns offenbar gerade in einer massiven Phase der Störung… Ich hoffe, dass es eine Störung ist, ein Umbruch, dem etwas Besseres folgt. Und dennoch erlebt gleichzeitig ein Normalitätsbegriff ein Hoch – Politiker, an denen sich nichts reibt, die aalglatt sind, eben „normal“. Ja, das geht soweit, dass es plötzlich normal ist, rechts zu sein. Normalität verschiebt sich und es braucht eben massive Störungen wie den IbizaSkandal, um zu sehen, wie überhaupt nicht normal das alles ist. Das heißt, du hast Hoffnung? Absolut und immer.

Ulli Stegbuchner, geboren 1975 in Salzburg, ist Ärztin für Allgemeinmedizin und Arbeitsmedizin. Sie lebt seit 2007 in Linz. Die Liebe zum geschriebenen Wort besteht seit ihrer Jugend. Neben medizinischen Texten entstehen in unregelmäßigen Abständen Kurzgeschichten.

SA 19.OKT 19.00

NOCH EINEN MILCHKAFFEE, BITTE

LESUNG de:central / Salonschiff Frl. Florentine 19.00 / Eintritt frei

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4 SEI EIN PAPAGEI. WIEDERHOLE, WENN SÄTZE ODER HANDLUNGEN, MIMIKEN ODER GESTEN NERVEN.

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KRISTINA PIA HOFER

In den (westlichen, akademischen) Kulturwissenschaften spielt die Diskussion ums Sehen seit Jahrzehnten eine entscheidende Rolle. Dabei dreht es sich oft um die Verbindung von Sichtbarkeit und politischer Teilhabe: Wer ist wie zu sehen – und für wen? Wer kann überhaupt Bilder produzieren – und welche Inhalte, welche Gruppen und Individuen kommen darin zur Sprache? Welche Bilder erreichen welche Zuseher_innen – und lösen damit welche gesellschaftlichen Dynamiken aus? Welche Politiken der Repräsentation sind in bestimmten Bildern am Werk – wer spricht in wessen Namen? Ausgangspunkt vieler feministischer, kritischer Ansätze ist dabei die Beobachtung, dass visuelle Kultur eng mit gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen verwoben ist. Viele bildliche Repräsentationen, die aus dem Mainstream kommen, arbeiten mit dem Zeichensystem herrschender Vorstellungen darüber, was gesellschaftliche Differenz ausmacht, wer als anders oder fremd gilt, wie ‘Andere’ und ‘Fremde’ sich verhalten würden, und vor allem auch: wie jene ‘Fremden’ und ‘Anderen’ aussehen würden, und damit erkennbar seien. Diese Codes sind sehr oft vereinfachend, verzerrend, demütigend, gewaltvoll. Für die als ‘Anders’/’Fremd’ markierten Gruppen und Personen führt dies in ein Dilemma, das Johanna Schaffer (2008) als ambivalente Sichtbarkeit bezeichnet: um überhaupt am öffentlichen Diskurs um politische Rechte teilnehmen zu können, müssen Angehörige marginalisierter Gruppen für privilegierte Bevölkerungen als ‘Anders’ wahrnehmbar bleiben. Der Eintritt in die politische Sphäre der Sichtbarkeit bedeutet immer gleichzeitig den unvermeidbaren Eintritt in die Logik der gewaltvollen Codes. Eine zufriedenstellende Auflösung des Dilemmas

RADIKALES

HÖREN ÜBER MÖGLICHE POLITIKEN VON VIELSTIMMIGKEIT

ist nicht in Sicht; unterschiedliche Akteur_innen gehen jeweils über sehr unterschiedliche Strategien – wie z.B. die Forderung nach solidarischen, separatistischen safe spaces, in denen verletzende Zuschreibungen außer Kraft gesetzt werden sollen, oder aber auch mit dem Mittel der bewussten, exzessiven Übertreibung in der Performance der vermeintlichen Differenzmarkers – darauf ein. Die noch junge kulturwissenschaftliche Disziplin der Sound Studies stellt sich eine vermeintlich einfache Frage, die allerdings eine zusätzliche Strategie im Umgang mit den (bzw. eventuell auch für die Umgehung der) Schwierigkeiten von Sichtbarkeit anklingen lässt, nämlich: Eröffnet Hören andere Möglichkeiten, sich aufeinander zu beziehen? Ausgehend von strukturellen und materiellen Unterschieden zwischen Hören und Sehen als sinnliche Dynamiken machen Autor_innen wie Pauline Oliveros, Salome Voegelin und Brandon LaBelle das Akustische als alternatives Modell politischer Teilhabe produktiv. So beschreiben sie zum Beispiel Töne und Klangwelten – vor allem all jene jenseits


STÖRUNG #2

von Sprache und Musik – als in westlichen Denktraditionen weniger dicht codifiziert, und damit weniger eindeutig dechiffrierbar, als bildliche Darstellungen. Oder sie schlagen Hören als Naheverhältnis vor: es findet nur statt, wenn (mindestens) zwei physische Körper in Reaktion aufeinander schwingen – im Gegensatz zum überblickenden Sehen, das am besten aus einer gewissen Distanz zum Gegensatz funktioniert, und in der es dem (blickenden) Subjekt komplett egal sein kann, was das (angeblickte) Objekt dabei empfindet. Besonders wichtig in Bezug auf das politische Potential des Hörens ist das Fehlen einer Zentralperspektive: anders als im Blicken, das seit der Renaissance meist auf einen Fluchtpunkt hin organisiert ist und somit eine_n einzige_n privilegierte_n Betrachter_in impliziert, lässt sich Hörerleben nicht in lineare Teilung pressen – Schallwellen bewegen sich dynamisch im Raum, brechen sich an Oberflächen, und interagieren mit allem, was gleichzeitig auch noch da ist und Körper hat. Ein radikales Hören, so der Vorschlag, wäre sich dieser geänderten Bedingungen und der in ihnen angelegten Potentiale bewusst. Radikales Hören wäre ein radikal sozialer und transformativer Akt: ein Akt, der so sehr von einem gegenseitigen sich-aufeinander-Einlassen abhängt, dass vorgezeichnete Machtverhältnisse – vielleicht, vielleicht für eine Weile, vielleicht für gut – außer Kraft gesetzt werden können. Unser Abend im Central testet diese These aus den zeitgenössischen Sound Studies über Diskussion und Praxis, und zwar in Bezug auf eine mögliche Politik der Vielstimmigkeit. In einem (eher geordneten) Podiumsgespräch und im (sehr ungeordneten) gemeinsamen, polyphonen Tönen unter der Anleitung von Veza Fernández spüren wir folgenden Fragen nach: Unter welchen Bedingungen kann sich das emanzipatorische Potential eines radikalen Hörens entfalten, wenn viele Stimmen hörbar werden (sollen)? Welche Rolle spielt dabei Lautstärke – wer setzt sich durch, wer stört, wer übertönt wen und warum, und was passiert, wenn sich einzelne Stimmen gegenseitig verstärken und verweben?

15 Kristina Pia Hofer ist Musikerin und Medientheoretikerin mit Schwerpunkt Sound in audiovisuellen Beziehungen. Sie lehrt an der Universität für angewandte Kunst Wien.

FR 04.OKT 18.00

RADIKALES HÖREN EIN ABEND IN DISKURS UND PRAXIS kuratiert von Kristina Pia Hofer, u.a. mit Veza Fernandez, Ricarda Denzer, Denise Palmieri / 18.00 / im Central / Eintritt7/5


STÖRUNG #2

VOM SPINNEN, VERNETZEN UND STÖREN

JOHANNES OBERHUBER MAGDALENA ÜBLEIS-LANG MARLENE HAIDER TANJA FUCHS THOMAS AUER

Betrachten wir für den Anfang Störung als eine Unterbrechung des Alltags, der Routine und der Ordnung. In diesem Zusammenhang ist das KLANGFESTIVAL eine Krawallmacherin*. Ein Happening, das dieses Jahr zum elften Mal Klänge nach Gallneukirchen bringt, die am alltäglichen Ablauf kratzen und ihn so erweitern wollen.

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Das KLANGFESTIVAL hat sich etwas vorgenommen: Es will Menschen zusammenbringen, Denkhorizonte erweitern, gesellschaftliche Problemstellungen thematisieren, an- und verknüpfen. Das KLANGFESTIVAL denkt Identitäten weiter, bietet sich Individuen und Kollektiven als Nadelöhr an und findet Wege, wie sie beide, jeweils für sich, Knotenpunkte sein können. Identität ist ein Prozess, der Störungen integriert – wir wollen neue Identitätsstränge bilden, Unbekanntes einweben. Weaving In halt! Betrachten wir Störung als inhärent und Teil unserer Gesellschaft, dann lassen sich Parallelen zum Leitmotiv des Festivals, der WiederVerknüpfung, ziehen.

5 LESERBRIEFE SCHREIBEN.

Das KLANGFESTIVAL als Abweichung? Eine Abweichung von der Bahn kann Erfrischung sein: nicht dysfunktional, aber offen und experimentell. Vielschichtig, vielversprechend, überraschend – wir tragen also die Störung in uns und wollen sie bewusst einarbeiten – eine Sichtbarmachung? In der Halle X wird ein musikalisches Programm aus Elektronischen und Elektroakustischen Acts, Soundkollektiven, einer regionalen Weltpremiere, Contemporary Club sowie Kammermusik und Ekstase versammelt, über das Filmprogramm werden hier aktuelle politische Fragen zu Widerstand und Solidarität aufgegriffen. Ein Soundspace in der #Alten Nähstube entsteht in Zusammenarbeit mit Studierenden der mdw. Sie schaffen Raum für einen Workshop in Kooperation mit der Sozialen Initiative, für die Präsentation des ersten Zines zum KLANGFESTIVAL – das ewig Temporäre, zum Mitnehmen bitte! – sowie für die Bespielung der Soundinstallationen. Wir intervenieren, unterbrechen und befragen im Sinne radikaldemokratischer Denkansätze alltägliche Routinen. Gehen in den öffentlichen Raum, zeigen uns, zeigen die Wunden. Wir treten in Berührung – in unerwarteten Ereignissen, die Neues spürbar machen, die eingreifen. Wir strömen aus den Räumen raus, treiben aus den privaten Räumen – das KLANGFESTIVAL geht auf Konfrontation und nimmt Kontakt auf. Was ist dein Leiden? Warum sich gestört fühlen vom Unbekannten? Disharmonische, ungewohnte Klänge können (ver) stören und irritieren. Die Irritation ist eine Unterbrechung des Gewohnten. Sie regt an, Bekanntes


STÖRUNG #2

Wir optimieren, wir optimieren uns selbst, wir nisten, wo Luft bleibt. Aus einer unendlich verstrickten Zwischennutzungslogik können goldene Show-Momente, aber auch ungeplantes Schaudern, wiederum vakante Stellen und andere Verdrängungen entstehen. Was bleibt? Wir sind viele!

zu überdenken. Dadurch kann Raum für bisher Unbetretenes entstehen. Dadurch können sich Nischen öffnen und Perspektiven entwickeln. Das KLANGFESTIVAL stachelt an, über den Tellerrand zu blicken. Etwas Neues entwickelt sich gern spontan und überraschend: klebe die Wörter Intervention & Surprise zusammen, so entsteht „Interprise“. Ähnlich wie das berühmte Raumschiff interveniert auch das KLANGFESTIVAL und verschiebt dadurch vermeintliche Grenzen. Einflüsse von Außen? Das KLANGFESTIVAL reagiert mit dem Leitmotiv Weaving In auf die Tendenz der Ökonomisierung in allen Lebensbereichen. Der globalisierte Arbeitsmarkt hat Lohn- und Preisdumping zur Folge. Regionale Anbieter*innen können mit den veränderten Strukturen nicht mithalten. Die kleinen Geschäfte schließen. Die Folge ist, dass die Ortskerne ausgehöhlt werden. Der Einkauf verlagert sich an die Ortsränder. Leerstand entsteht. Das KLANGFESTIVAL nimmt sich dieser Leerstände an. Es flößt ihnen – vorübergehend – neues Leben ein. Es gibt den Leerständen neue Bedeutung, nutzt sie, bespielt sie, reanimiert sie. Was bleibt von einem temporären Spektakel, das Leerstände reaktiviert und aufwertet? Progressive Kunst und Kultur wirken an einem ambivalenten Ort zwischen Bestand und Leerstelle.

Störung ist die Ursuppe der Gesellschaft. Ohne Störung kein Urknall. Keine Ordnung, keine Wahrnehmung, keine Klänge, keine Veränderung. Klang besteht aus Frequenzen. Frequenzen stören sich gegenseitig konstruktiv und bringen neue Klänge zum Schwingen – das diesjährige KLANGFESTIVAL-Sujet zeigt diese Interferenzen. Zu sehen ist eine gestörte Form von sogenannten Chladnischen Klangfiguren – Wellenberge, die im Wasser aufeinandertreffen und Klang sichtbar machen. So erzeugt Störung Neues, entsteht Neues durch Störung, entstehen neue Muster und Klänge. Neue Verknüpfungen, neue Netze oder Netzwerke – Weaving In. klangfestival.at

PROGRAMM KLANGFESTIVAL FR 13.09.2019 Festivaleröffnung: Vabrassmas, Gischt, Musheen, Mermaid & Seafruit, Rojin Sharafi, Intervention#1 SA 14.09.2019 Soundspace, ZINE Präsentation, Screenings, Duo Hofmaninger/Schwarz, Ausländer, Gabbeh, Guili Guili Goulag, Katharina Ernst, Intervention#2, DJ* SO 15.09.2019 Filmbrunch: #KlappeAuf, Styx, DJ*, ausKLANG

FR 13.SEPSO 15.SEP

KLANGFESTIVAL

VON FREITAG BIS SONNTAG Soundspace, Zine Präsentation, Screenings, Musik, Filmbrunch de:central / klangfestival.at

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Seit 2004 arbeiten Clemens Mairhofer, Lucas Norer und Sebastian Six in der Künstlergruppe FAXEN zusammen. Raumakustische Experimente in Verbindung mit Alltagsgegenständen, skulpturale Assemblagen bzw. die physische Komponente von Klang sind zentrale Elemente musikalischer als auch visueller Kompositionen der Künstlergruppe FAXEN. Die Arbeiten thematisieren das Interesse an Momenten, in denen Lärm als Klang und Klang als Musik wahrgenommen wird und erforschen Unterschiede zwischen Hören und Zuhören. Der Themenbereich der Störung, als bis an die Grenze ihrer Kenntlichkeit ver- und bearbeiteter Signale, ist ein wiederkehrendes Motiv in den Arbeiten der Künstlergruppe FAXEN. Ein visuelles Beispiel für diesen Ansatz stellt die Serie untitled (widespread) dar. Hier wurden die Logos der Austria Tabak und – wie hier im Magazin zu sehen – der Voest Alpine als endlos wiederholbare Grafiken arrangiert. Zu sehen sind bis zur Unkenntlichkeit ausgelöste Logos, die eine optische Störung genieren, die als Interferenz oder Rauschen wahrgenommen wird.  Die Audio- & Videoinstallation Firedrake erkundet das kreative Potential, welches die Umgehung chinesischer Radio-Störsender bietet. Hier finden die Materialien zum Bau einer Anti-Störsender-Antenne als Instrumente für eine akustische Improvisation, neue Verwendung. FAXEN werden im Herbst gemeinsam mit der gfk auch eine Veranstaltung zu STÖRUNG anbieten. Details werden bekannt gegeben.

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STÖRUNG #2 SARA KÖPPL JULIA PÜHRINGER

VERSTÖRENDE FRAUENBILDER

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Filme nur von Frauen: Heuer lenkt der Filmschwerpunkt Frau.Macht.Film bereits zum fünften Mal den Blick auf Frauenfiguren, die aus Frauenperspektive geschrieben und erzählt werden in Filmen, die kaum reguläre Kinostarts haben. Eine machtvolle Intervention, die uns unsere eigenen Sehgewohnheiten vorführt. Die meisten Frauenfiguren, die wir im Kino sehen, wurden von Männern erdacht und geschrieben. Diese im Grunde banale Wahrheit ist ziemlich irritierend, je länger man sich mit ihr und den Konsequenzen, die sie zeitigt, beschäftigt. Die US-Komödie über vier unzufriedene Hausfrauen? Verfasst von zwei Männern. Der französische Arthousefilm über die glückliche Prostituierte, der Horrorfilm über eine durchgeknallte Mutter, der Kultfilm über die Sexgöttin (deren Darstellerin Wodka trinken musste, um die Nacktszenen zu ertragen) - sie alle wurden von Männern geschrieben und/oder inszeniert und: Das extra zu betonen, würde niemandem einfallen. Frau.Macht.Film wurde 2014 vom Moviemento in Kooperation mit dem Frauenbüro der Stadt Linz entwickelt. Ziel ist es, Frauen und ihre Leistungen in der Filmbranche sichtbar zu machen. Dafür unterbricht Frau.Macht.Film drei Tage lang das reguläre männerdominierte Kinoprogramm – denn wie die Welt gesehen wird, das wird von denen be-

stimmt, die die Bilder machen, und das sind, auch in der Filmbranche, überwiegend Männer. Das Bild von der Welt, wie wir es uns mit jedem Kinobesuch machen, stammt also in deutlich selteneren Fällen von Regisseurinnen und speist sich ebenso selten aus den Lebenswelten von Frauen und ihren Perspektiven darauf und Haltungen dazu. Und das macht wiederum einen Unterschied darin, wie wir diese Welt sehen, welche Rollen und Handlungsspielräume wir uns selbst geben, als Frauen, Männer und alle dazwischen. Von den 115 Filmstarts im Moviemento & CityKino in den letzten sechs Monaten waren nur 25 von Regisseurinnen - und dieses grobe Fünftel der Produktionen (ein tatsächlich schon überdurchschnittlich großer Frauenanteil) spiegelt das Angebot an Filmen von Regisseurinnen im Programm der österreichischen Filmverleiher und damit, was das österreichische Kinopublikum (vor allem im Mainstreamkino) zu sehen bekommt.


STÖRUNG #2

Aus den vielen großartigen Filmen von Frauen, die es nicht in den Verleih und zum regulären Kinostart schaffen, werden auch heuer wieder sechs Filme ins Programm von Frau.Macht.Film genommen. Die Filme werden bewusst nach feministischen Aspekten ausgewählt, sollen neue Perspektiven ermöglichen. Die Auswahl der Filme erfolgt dabei nicht nach den im Kinobetrieb sonst üblichen Kriterien, also vor allem dem erhofften Publikumserfolg. Die Programmrecherche zeigt, dass es genügend fantastische Filme von Frauen mit eindrücklichen Rollen für Frauen gibt, es aber für Regisseurinnen und Frauenthemen ungleich schwerer ist Aufmerksamkeit zu generieren – Filme von Männern werden in der Regel öfter (und besser) rezensiert und sind entsprechend präsenter – ein Problem, das auch vom Buchmarkt bekannt ist. Eine männlich dominierte Filmkritik tut dazu natürlich ihr Übriges. Das heißt aber auch: Unsere Perspektive ist verzerrt. Oder wie es die deutsche Filmemacherin und Filmprofessorin Jutta Brückner so perfekt formulierte: „Eine Gesellschaft, die kein Interesse hat an den Geschichten, die ihre Frauen zu erzählen haben, verarmt, und ihr Bild von sich selbst ist verzerrt“.

3D-Rerun von „Wonder Woman“ in der in Linz nie gezeigten englischen Originalversion. Eingebettet wurden die Filme in Publikumsgespräche, die heuer die deutsche Filmkritikerin Beatrice Behn moderieren wird. Es ist tatsächlich eine einmalige Gelegenheit – jeder Film läuft nur einmal. Wir zeigen Filme, von denen wir überzeugt sind, dass Sie sie gesehen haben sollten. Vertrauen Sie uns. Schauen Sie sich das an.

6 FUNDIERTE KRITIK POINTIERT GESETZT IN DEN SOZIALEN MEDIEN VERBREITEN.

Solange Filme von Frauen, deren Sicht auf die Welt heute noch gern weggelächelt oder als nicht ernstzunehmend dargestellt wird, noch als entweder frauenspezifisch gesehen werden – Filme von Männern aber nicht – und solange prominente Frauenfiguren tatsächlich noch als „unkonventionell“ – sprich ungewöhnlich gelten, ist es ein radikaler Akt, diese Sehgewohnheiten in Frage zu stellen und ihnen etwas - nämlich Filme – entgegenzustellen. Voriges Jahr waren das unter anderem der sensationelle Western „Marlina – Die Mörderin in vier Akten“, der herrlich wilde Sommerausflug „Ava“ die eindrückliche wie absurde Familienaufstellung „Er Sie Ich“, „Bar Bahar“, die Story einer arabischisraelischen Frauen-WG in Tel Avi oder auch ein

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7 GRENZEN SETZEN.

Frau.Macht.Film. findet heuer von Mittwoch 13. bis Freitag 15. November statt. Einer der Filme aus dem Programm greift den Jahresschwerpunkt der gfk „Störung“ auf. Details werden im Programmheft von Frau.Macht.Film bekannt gegeben. moviemento.at


STÖRUNG #2

VICTORIA WINDTNER

VERSAUT, STÖREND UND SOLIDARISIERT

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Rosa Pobacken übersät mit eingetrockneten Kotspritzern. Langsam gleitet die zerkratzte Haut an den Metallstäben entlang. Die Beine knicken ab; bis sich das gesamte Gewicht am Boden fängt. Ein kurzes Quieken ist zu hören. Unter der rosa Masse wurde ein Ferkel zerquetscht. Ist das Erdrücken von Ferkeln durch die Muttersau eine Störung? Stört die Sau das System, das schonungslos auf ihren weiblichen Körper zugreift? Stört das kapitalistische System die Sau? Oder die landwirtschaftliche Fleischproduktionsmaschine sich selbst? Ferkelmortalität ist jedenfalls ein zentrales Problem der gegenwärtigen Schweineindustrie. Die ökonomischen Verluste, weil Ferkel bereits während der Produktion aus unterschiedlichen Gründen sterben, sind einkalkuliert. Dass weibliche Schweine ihre Ferkel und somit das Produkt ihres Haltungszwecks töten, kann unter anderem auf die Haltungsbedingungen selbst zurückgeführt werden. Der Platz für Mutterschweine und ihre Ferkel wurde im Zuge der Industrialisierung der landwirtschaftlichen Tierproduktion immer kleiner und damit die Gefahr des Erdrückens immer größer. Die Antwort der Tierproduzent*innen auf den Platzmangel: Fixierung der Muttersau. Die Muttersau steht deshalb vor, während und nach der Geburt, im Fachjargon „Abferkeln“ genannt, in einem Metallkäfig, der nur noch den Bewegungsspielraum zwischen Stehen oder Liegen erlaubt. Die Autonomie der Reproduktionssau wird durch den in der Landwirtschaft liebevoll genannten „Ferkelschutzkorb“ sehr stark eingeschränkt. Interaktionen mit den Ferkeln sind nur mehr begrenzt möglich und den Mutterschweinen mangelt es immer mehr an Praxis im rücksichtsvollen Umgang mit ihrem Nachwuchs „Es gibt nicht mal mehr die Freiheit, sich für einen Moment dem zuzuwenden, was der einzige Lebenszweck ist -

den eigenen Ferkeln“, schreibt der Künstler und Philosoph Fahim Amir in seinem Buch Schwein und Zeit über die Situation der Mutterschweine. Das Zugreifen und Eingreifen auf und in männlich und weibliche Körper ist zentraler Moment des (Re)Produktionszyklus von Schweinefleisch. Die Künstlerin und Fotografin Jacqueline Korber beschäftigt sich mit menschlichen und nicht-menschlichen Körpern und hinterfragt Denktraditionen in Bezug auf Weiblichkeit und deren (Be-)Nutzung. Ein wirkmächtiges, aber zugleich ruhiges Bild aus ihrer Serie von Schlachthausfotografien, visualisiert die hegemoniale Macht und maximale Beherrschung anderer Körper. „berührEND“ zeigt eine weiße männliche Hand, die auf einem toten, für die Fleischverarbeitung zugerichteten, Schweinekörper liegt. Störung als widerständiger Akt Bis so ein Schweinekörper leblos an einem Metallhaken hängt, ereignen sich mehrfach Momente, in denen das lebendige Schwein versucht, der Beherrschung durch den Menschen etwas entgegenzusetzen. Fahim Amir schreibt über Reproduktionsschweine innerhalb „repressiver Haltungsformen“, die solange gegen technische Vorrichtungen stoßen, bis sie sich selbst verletzen. Ihre Verhaltensweisen, die von anderen Forscher*innen als psychische Störungen bezeichnet werden, betrachtet er als Akte des Widerstands, „als praktische Kritik der Verhältnisse“. Es reicht für Amir „sich der eigenen Beherrschung zu widersetzen“, um politisch aktiv zu sein; und das „Kontinuum an Widerstandsformen“ ist vielfältig und verläuft graduell. Deshalb schlägt der Philosoph vor „Tiere als politische Akteure des Widerstands zu fassen“ und erläutert: „Der Widerstand der Tiere ähnelt natürlich so gar nicht liberalen Vorstellungen zivilgesellschaftlicher Partizipation an bürgerlichen


Victoria Windtner forscht als Doktorandin an der Kunstuni Linz, befragt dominante Selbstverständlichkeiten und bedeutsame Nicht-Sichtbarkeit.

Jacqueline Korber, oben: berührEND, 2014 links: selfcaged, 2014

Selbstgesetzgebungsprozessen. Tiere verfassen keine Unterschriftenlisten, starten keine Bürgerinitiativen, gehen weder wählen noch kandidieren sie selbst. Der Widerstand von Tieren ähnelt mehr dem Widerstand von US-Sklav*innen vor dem amerikanischen Bürgerkrieg: individuelle und kollektive Arbeitsverweigerung, Sabotage, Flucht, Gewalt gegen ihre Besitzer*innen.“ Politische Solidarität Amirs Aussage hat das Potenzial, selbst auf Widerstand zu stoßen. Außerhalb landwirtschaftlicher Strukturen setzt sich so manche Störung auf gesellschaftlicher Ebene fort, wenn thematisiert wird, was hinter Stalltüren und Fabrikmauern vor sich geht. Menschen, die Vorgänge und Praktiken beschreiben, benennen, analysieren und gegebenenfalls kritisieren, werden gern als Tierschützer*in, Tierrechtler*in oder Tierliebhaber*in eingeordnet, um ihnen einen klar definierten Platz zuzuweisen. Ein Platz, an dem das persönliche Interesse für Tiere hervorgehoben, aber vermieden wird, das Thema mit Fragen der Kultur, Politik oder gesellschaftlicher Relevanz in Verbindung zu bringen. Vielleicht kommt dabei zum Ausdruck, was Amir

radikal nennt, wenn er behauptet: „Wenn es um Tiere geht, wird die Linke rechts“. Er meint damit, dass es in der Tierfrage, „keine Positionsbildung gibt, die sich qualitativ von derjenigen der Konservativen und Reaktionären unterscheidet. […] die sich von der Hegemonie bürgerlicher, liberaler Diskursbildung abhebt.“ Denn Tiere „scheinen für Linke den letzten politikfreien Raum darzustellen“, so Amir. In seiner „Streitschrift für eine Politisierung der Tierfrage auf der Grundlage eines leicht ‚verwilderten‘ Marxismus“, fordert er, diesen politikfreien Raum „zu politisieren und zu radikalisieren, zu analysieren und mit anderen Bezügen zu verbinden“ und plädiert schlussendlich für politische Solidarität gegenüber Tieren. In ihrem Werk selfcaged überführt Korber die Metallstäbe aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung in einen Käfig, der die Begrenzung von Denken symbolisiert. Der Metallbügel zwischen den Fingern vermittelt auf haptischer und metaphorischer Ebene das Potenzial zum Wandel. Mögen störende und widerständige Akte dazu beitragen, (Denk-)Käfige zu öffnen und unhinterfragte Denktraditionen zu durchlüften. Wie störend und widerständig wäre es, sich mit Mutterschweinen zu solidarisieren? Finden wir es doch heraus.

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PERFORMANCE

(AGAIN) HUNGER

Rastlosigkeit und Lethargie sind die Zustände, zwischen denen wir unseren unstillbaren Hunger fühlen: nah kommen wir uns so nah bis wir uns beinahe aufgegessen haben so nah bis unsere Nähe unerträglich geworden ist bis wir im wandeln gemeinsam werden wir durch das Verhandeln der Gegensätze In der Acht und Solidarität der Intimitäten (again) HUNGER sind radikale Intimitäten von unterschiedlichen aber voneinander abhängigen Zuständen, die unübliche Formen des Gemeinsamen erforschen, bis das Binäre transzendiert wird.

FR 08.NOV 18.00

(AGAIN) HUNGER

PERFORMANCE Veza Fernandes & Christina Lederhaas im Central / Eintritt 7/5

25 8 MACHTVOLLE SPRACHE VERWENDEN.

Veza Fernandez und Christina Lederhaas werden in ihren Arbeiten von kathartischem und emanzipatorischem Potential sowie von extremen emotionalen Zuständen, die sie zusammen mit ihren Körpern, ihren Eingeweiden und Stimmen generieren, bewegt.


STÖRUNG #2

LAURA DRESSEL

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9 SICH NICHT ANSCHEISSEN.

Die Errichtung der Linzer Nibelungenbrücke ab dem Jahr 1938 und die damit zusammenhängende Neugestaltung des stadtseitigen Donauufers (Brückenkopfgebäude und heutiges Heinrich-Gleißner-Haus) basierte, zumindest teilweise, sowohl beim Bau als auch beim Abbau der verwendeten Materialien auf Zwangsarbeit 1 ; auch wurden für die Bauprojekte Menschen aus Geschäften und Häusern vertrieben, eine dieser vertriebenen Familien wurde in Konzentrationslagern ermordet. Es gibt an den betroffenen Stellen jedoch keine Kennzeichnung, die auf diese Geschichte hinweist. Die Nibelungenbrücke wird von vielen Stadtbewohner_innen mehrmals täglich benutzt. Überquerungen, die zügig verlaufen, ohne von Erinnerungszeichen unterbrochen zu werden. Durch den Audiospaziergang Steingeschichten soll diese glatte Oberfläche des Vergessens gestört werden.

stehen. Sie kann einerseits als Aufruf verstanden werden, immer wieder neue, kurzweilige und dynamische Denkmäler zu errichten. Vielleicht vermag dadurch ein Stück weit der Effekt der Gewöhnung verhindert werden, den ein Denkmal auslösen kann, welches für die „Ewigkeit“ errichtet wird. Andererseits wird durch das Nicht-Vorhandensein eines Denkmals die Verantwortung auf Einzelpersonen oder Gruppen geschoben, die aus eigener Überzeugung Projekte anstoßen. Bleiben die Initiativen für eine Aufarbeitung der Geschichte aus, so legt sich wieder der Mantel des Vergessens über die Stadt. Im Frühjahr 2019 gab es immerhin eine geladene Ausschreibung für Erinnerungsprojekte in Linz, angelehnt an das Konzept der Stolpersteine. Gespannt erwarte ich die Ergebnisse.

Vergessliches Linz

Den Audiospaziergang Steingeschichten gibt es seit 2017. Bis jetzt ist er eine unsichtbare Linie, die nur für jene hörbar ist, die darüber Bescheid wissen. Ähnlich wie die Stolpersteine sollen ab Herbst 2019 Tafeln auf die Steingeschichten hinweisen und damit die alltäglichen Wege über die Brücke stören. Durch ein Nachdenken über die Zusammenhänge zwischen dem Heute und der Geschichte der Bauten entlang der Brücke entstehen Risse im Mantel des Vergessens.

Die Geschichte des Nationalsozialismus hat sich auf vielen Ebenen in die Stadt Linz eingeschrieben, sie hat sich in die Mauern, in die Materialien eingeprägt. Lassen sich die verschiedenen Zeitschichten in den Steinen ablesen? Was braucht es, um diese Zeichen lesbar zu machen? Nicht nur die NS-Zeit, sondern auch ihre Nachgeschichte hat Spuren im Stadtraum hinterlassen. Eine Reihe von temporären Interventionen, die die Erinnerung an die gewaltvolle Entstehungsgeschichte der Bauten anregten, sind in Reaktion auf die Abwesenheit eines dauerhaft vorhandenen Hinweises entstanden. Die Leerstelle bleibt be-

Erinnerung in Bewegung und durch Zuhören

Für die Steingeschichten habe ich Interviews geführt, in denen es um die Nibelungenbrücke und um die Brückenkopfgebäude geht, um die Steine und deren Herkunft, um Arbeitsbedingungen, heu-


10 RUHIG BLEIBEN.

te und damals, um Anerkennung: als Bürger_in, als Opfer, als mündiger und selbstbestimmter Mensch. Wer wird erinnert? Wer wird vergessen? Was wird erzählt? Wie wird mit dem materiellen und ideologischen Erbe der NS-Vergangenheit umgegangen? Was kann die Kunst dazu beitragen? Welche Rolle spielt die Kunstuniversität Linz, die sich seit 1947 in einem der Brückenkopfgebäude befindet und schließlich auch in das zweite Brückenkopfgebäude eingezogen ist? Die Geschichten werden durch das aktive Zuhören entlang des von mir vorgeschlagenen Erinnerungsweges lebendig. Die Hinweistafeln können dafür Anknüpfungspunkte und Anstoß sein. Der Inhalt wird jedoch erst erfahrbar, wenn Menschen den Weg auf sich nehmen und sich die Geschichten anhören. Auf den Steinen, welche ihre Geschichte mit sich herumtragen, gehen Menschen, die mit ihren Bewegungen die Geschichte vor Ort mitschreiben. Wenn sie zuhören, werden sie zu Störenfrieden der Vergesslichkeit. Manches ist verwischt. Ich spüre nach und lege offen. Ich zeige einen Ausschnitt, eine Auswahl an Stimmen. Diese Stimmen sind wie Fäden, die mich durch das Dickicht der Erinnerungen führen. Der Lärm auf der Brücke stört die Stimmen. Die Stimmen stören den Lärm. Sie stören sich gegenseitig. Manche sind lauter, manche weniger gut verständlich. Wer hört wem zu? Ich bin angestrengt, weil ich versuche, zuzuhören und gleichzeitig den Lärm auf der Brücke hören muss. Ich kann nicht weghören. Es ist ein langsamer, mühevoller Prozess, aber ich lasse nicht locker. 1 Rafetseder, Hermann (2014): Zwangsarbeit für den Linzer Brückenkopf. Archiv der Stadt Linz.

Laura Dressel lebt und arbeitet in Wien und Linz. Sie studierte Film an der Université de Bordeaux, an der Concordia University Montreal sowie Zeitbasierte Medien an der Kunstuni in Linz.

11 PROPS AN GROSSARTIGE FRAUEN – IMMER, JEDERZEIT, ÜBERALL.

SO 10.NOV 14.00

STEINGESCHICHTEN

HÖRSPAZIERGANG Treffpunkt: Brückenkopfgebäude Ost, Eingang / Dauer etwa 2 Stunden de:central / Eintritt frei

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VERANSTALTUNGEN

FILM / POETRY SLAM

LANGER TAG DER FLUCHT

28 12 BILDET BANDEN.

Zum zweiten Mal dürfen wir die Gastgeberin der gemeinsamen Abendveranstaltung des Langen Tages der Flucht sein. Diesmal zu Gast ist einerseits die Grazer Poetry Slammerin Asiyeh Panahi. Sie wurde 1998 im Iran geboren, verbrachte ihre Kindheit im Torbate Jam Flüchtlingslager und lernte das Alphabet in einer afghanischen Schule. Sie lebt seit 2014 mit ihrer Familie in Graz, besucht das Abendgymnasium und tritt als Poetry-Slammerin mit deutschen Texten auf, in denen sie von Flucht, Vertreibung, Heimatlosigkeit und Fremdheit aus der Perspektive einer jungen Frau erzählt. Darüber hinaus begrüßen wir die Linzer Filmemacherin Natalie Halla. Sie präsentiert ihren Dokumentarfilm NOWHERE, in dem sie die Geschichte ihres Adoptivbruders, der einst aus Vietnam flüchtete mit der aktuellen Situation von Bootsflüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos verknüpft. 40 Jahre nach seiner eigenen Flucht gibt der Mediziner ankommenden Flüchtlingen erste Hilfe und versorgt sie medizinisch. Kurz nach 20.00 laden wir zum Gespräch.

FR 27.SEP 18.00

LANGER TAG DER FLUCHT

FILM & POETRY SLAM coop. UNHCR, Arcobaleno, crosstalk und SOS Menschenrechte / im Central / Eintritt frei


VERANSTALTUNGEN LESUNG

DIE HINRICHTUNG DES MARTIN P.

Martin Pietsch ist 43 Jahre alt, hoffnungslos arbeitslos und gerade dabei, seine Beziehung gegen die Wand zu fahren. Als in einer Wohnanlage ein 17-jähriger Tschetschene ein kleines Mädchen tötet, brennen Pietsch die Sicherungen durch. Er reagiert sich in einem Hassposting gegen den Kindsmörder ab. Pietsch brüstet sich damit, ihn eigenhändig umbringen zu wollen – und erhält dafür euphorischen Zuspruch aus dem Netz. Womit er nicht rechnet: Er wird tatsächlich beim Wort genommen. Er soll den Täter hinrichten. Und bekommt dafür auch noch eine Menge Geld geboten. Und einen festen Job. Es wäre die Lösung all seiner Probleme. Aber natürlich wird Pietsch niemanden töten. Das kann er doch nicht! Oder? Kann er? Klaus Oppitz gelingt eine düstere Erzählung über Hasspostings und darüber, was passieren könnte, wenn ihre Verfasser tun dürften, was sie schreiben. Dabei blickt er tief in die Psyche sowohl der Täter als auch der Opfer – und fördert Unbequemes zu Tage. In Linz stellt er seinen Roman gemeinsam mit Schauspielerin Katharina Stemberger vor.

DI 15.OKT 20.00

DIE HINRICHTUNG DES MARTIN P.

LESUNG mit Klaus Oppitz & Katharina Stemberger im Central / Eintritt 14/12

Katharina Stemberger ist Schauspielerin, Professorin, Produzentin und zivilgesellschaftliche Akti­v istin; zahlreiche Theaterproduktionen, TV- und Kinofilme; gemeinsame Eigenproduktio­n en mit ihrer Familie, regelmäßige Mitwirkung an der Ganymed–Reihe im Kunsthistorischen Mu­s eum Wien; Vorstands­ vorsitzende des Integrations­h auses Wien und künstlerische Ko-Leiterin des Theaterfesti­v als Hin & Weg.

Klaus Oppitz ist, zusammen mit Robert Palfrader und Rudi Roubinek, Autor der ORF-Satire „Wir sind Kaiser“. Als Kabarettist steht er mit profil-Ressortleiter Michael Nikbakhsh auf der Bühne des Wiener Rabenhof Theaters. Bisher sind von Klaus Oppitz die satirischen Romane „Auswandertag“ und „Landuntergang“ erschienen, sowie die politische Zitatesammlung „Lösungen sind nicht die Antwort“.

13 ERGREIFT DAS WORT. UNTERBRECHT UND WIDERSPRECHT.

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Sorgenfrei unterwegs

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Egal ob Einkaufsbummel, Arbeitsweg oder Familienausflug – mit unseren modernen Fahrzeugen sind Sie komfortabel und sicher unterwegs, ganz ohne Stau- und Parkplatzsorgen.

Überzeugen Sie sich selbst! Ihren persönlichen Fahrplan finden Sie auf www.linzag.at/efa oder über die qando-App.


MENSCHEN / IMPRESSUM / TICKETS

RENÉE CHVATAL In einer immer komplexer werdenden Welt benötigt der Mensch Wege und Mittel, um sich und seine Umwelt zu verstehen und zu reflektieren. Sich mit dieser veränderten Umwelt auseinanderzusetzen und einen Ausgleich zu finden, wird unsere neue gesellschaftliche Herausforderung werden. Kultur und Kunst können dabei als Transportmittel und Spiegel mit demokratischer Funktion dienen. Wir haben das Bestreben, anders sein zu dürfen und gleichzeitig das Glück der Freiheit, Zugeständnisse zu machen und dem kreativen Charakter des Menschen nachzugehen, um daraus eine Gesellschaft zu kreieren, wie wir sie uns wünschen. Die Basis dafür bieten Kulturarbeiter_innen, die Konsument_innen und Künstler_innen zusammenführen und so eine

Möglichkeit des Austauschs bieten, um gesellschaftliche Entwicklung möglich zu machen. Kultur und Kunst sind eine Notwendigkeit. Die Politik in unserem Land muss verstehen und lernen, wie wichtig es ist Kultur und all jene, die dafür arbeiten, zu fördern und zu erhalten, denn Kultur wird durch uns alle geschaffen!

MENSCHEN IN DER GFK Ich durfte innerhalb der Freien Szene, speziell durch das Raumschiff, die großartige Diversität in Linz und in Oberösterreich kennen lernen und fand in ihr meinen Platz, konnte mich professionalisieren, mich ausleben

IMPRESSUM gfk Magazin Ausgabe 02 2019 · Juli 2019 Herausgeberin (F.d.I.v.): gfk oö. Gesellschaft für Kulturpolitik, Landstraße 36/3, 4020 Linz, +43(0)5772611-710 Chefredaktion: Wiltrud Hackl · Korrekturen/Lektorat: Katharina Emilia Kraher · Autor*innen dieser Ausgabe: Thomas Auer, Barbara Blaha, Renée Chvatal, Laura Dressel, Tanja Fuchs, Clara Gallistl, Wiltrud Hackl, Marlene Haider, Kristina Pia Hofer, Ruth Karner, Sara Köppl, Florian Koppler, Johannes Oberhuber, Julia Pühringer, Kathrin Quatember, Anke Schünemann, Magdalena Übleis-Lang, Victoria Windtner Grafisches Konzept & Gestaltung: honigkuchenpferd · Titelbild: FAXEN · Bildnachweis: 1, 6, 18, 19, 24 FAXEN · 2 Reinhard Winkler · 3 Marie-Christine Mirli · 5 Ingo Pertramer · 9 Sabine Starmayr · 13 privat · 15 Apollonia Theresa Bitzan · 17 Johannes Oberhuber, Mario Weisböck · 20 Sara Köppl · 23/24 Jaqueline Korber · 25 Gudrun Becker · 27 Hemma Stallegger-Dressel · 28 privat / Natalie Halla · 29 Ela Angerer / Daniela Maejschek · 31 Elisa Unger · Druck: Gutenberg, Linz

und gleichzeitig sinnstiftend beteiligen. Jetzt bekam ich die Möglichkeit, einen Schritt weiter zu gehen und mich für ein Jahr lang als stellvertretende Geschäftsführerin der gfk wieder ein Stück mehr einbringen. Machen wir uns stark für das, was uns wichtig ist!

VORSTANDSMITGLIEDER

der gfk oö.: Bettina Bayr-Gschiel, Susanne Blaimschein, Barbara Czernecki, Gerda Forstner, Christian Horner, Siegbert Janko, Reinhard Kannonier, Florian Koppler, Michaela Ortner, Thomas Philipp, Kathrin Quatember, Susanne Pollinger, Sabine Schatz, Roland Schwandner

Ermäßigung (mit Ausweis) für Pensionist*innen, Studierende, Schüler*innen, Asylberechtigte, Menschen mit BehindertenausKartenverkauf und Reservierun- weis, LINZ AG Ticket und Aktivpass. gen telefonisch 05 7726 11 710 Die gfk oö ist Kooperationsoder unter www.gfk-ooe.at oder partnerin der Aktion Hunger auf Kunst und Kultur. per Mail an info@gfk-ooe.at. Veranstaltungsort Anmeldung auch bei Central, Landstraße 36, Linz Veranstaltungen mit freiem Eintritt erwünscht. sofern nicht anders angegeben.

TICKETS

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13.SEP15.SEP FR 27.SEP 18.00 FR 04.OKT 18.00 DI 15.OKT 20.00 SA 19.OKT 19.00 DO 24.OKT 15.00 FR 08.NOV 18.00 SO 10.NOV 14.00

gfk-ooe.at

13.NOV15.NOV

KLANGFESTIVAL 2019 WEAVING IN klangfestival.at

LANGER TAG DER FLUCHT

FILM / POETRY SLAM

RADIKALES HÖREN WORKSHOP / MUSIK

DIE HINRICHTUNG DES MARTIN P.

Gallneukirchen

Eintritt laut Festival

im Central

Eintritt frei

im Central

Euro 7/5

im Central

Euro 14/12

Salonschiff Frl. Florentine

Eintritt frei

FAB Industriezeile

Eintritt frei

LESUNG Klaus Oppitz & Katharina Stemberger

NOCH EINEN MILCHKAFFE, BITTE LESUNG Ulli Stegbuchner

KONFERENZ DER STÖRENDEN RUNDGANG / TAGUNG

(AGAIN) HUNGER

im Central

PERFORMANCE

STEINGESCHICHTEN GESPRÄCH / HÖRSPAZIERGANG

FRAU.MACHT.FILM FILM / GESPRÄCH moviemento.at

Euro 7/5

Brückenkopfgebäude Ost, Hauptplatz

Eintritt frei

Moviemento

Eintritt laut Festival

14 MACHT KLAR, DASS DISKRIMINIERUNG IMMER UND ÜBERALL EINFACH SCHEISSE IST.

Österreichische Post / Sponsoring Post SPÖ OÖ Information Nr. 41 /2019 S.P. GZ 02Z034277 - VPA 4020

HERBST / WINTER 2019

Retouren an gfk oö Ges. für Kulturpolitik, Landstr. 36/3, 4020 Linz

Profile for OÖ Gesellschaft für Kulturpolitik

gfk magazin schwerpunkt störung #2|2019  

über STÖRUNG schreiben: Thomas Auer | Barbara Blaha | Laura Dressel | Tanja Fuchs | Clara Gallistl | Wiltrud Katherina Hackl | Marlene Haid...

gfk magazin schwerpunkt störung #2|2019  

über STÖRUNG schreiben: Thomas Auer | Barbara Blaha | Laura Dressel | Tanja Fuchs | Clara Gallistl | Wiltrud Katherina Hackl | Marlene Haid...

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