Page 1

P.b.b ZNR 02Z032679 Logistikzentrum Steiermark

Studienjahr 2011/12, Heft 2, Mai 2012

G e Wi t t e r Zeitschrift der Fakult채tsvertretung GeWi an der Uni Graz

Blitzeinschlag

GeWitter braut sich neu zusammen, Seite 4-5

Was wurde aus ...

Ex-Sturm-Kicker Gilbert Prilasnig im Interview, Seite 6-7

Kreative GeWis Met-Schmied im Portr채t, Seite 22-23

Museumstour

Kooperation mit UniGraz@Museum, Seite 24-25

GeWittra-Comic Eine neue Superheldin stellt sich vor, Seite 29

w ch s n

t! nk u er p

P O

tze 체 n un ie zur r e d od ie ende t. l l W r o g nv ane? udie brin n i S hik St ng Sc EOP eiflu ST rzw 0-19 Ve ite 1 Se

E T S

e em Th


Seite 2

GeWitter 05/12

Donnerwetter

von Markus Schicker

W

ährend überall Wutbürger ihren Unmut kundtun, sind wir mucksmäuschenstill, während man sich allerorts empört, zucken wir teilnahmslos mit den Schultern. Was ist los mit uns? Hat unser Bildungssystem schon jegliches eigenständige Denken abgetötet? Haben uns die letzten Jahre, in denen unsere Proteste von Politik und Universität schlichtweg ignoriert worden sind, mut- und kraftlos gemacht? Mir reicht es! Ich habe genug davon, dass uns niemand ernst nimmt. Ich habe es satt, dass sich die österreichischen Universitäten zunehmend gegen ihre eigenen Studierenden wenden, anstatt mit uns gemeinsam gegen bestehende Ungerechtigkeiten zu kämpfen. Ich finde es befremdlich, wenn ich sehe, wie die Verantwortlichen an unseren Unis willenlos und ohne sich zu wehren jeden Schwachsinn, der von der Regierung beschlossen wird, umsetzen. Zum Donnerwetter noch einmal – so kann es nicht weitergehen!! Das GeWitter und die FV GeWi wollen die momentane Situation an unserer Uni nicht mehr widerstandslos hinnehmen. Wenn du genauso unzufrieden bist wie wir, dann melde dich unter der Adresse donnerwetter@oehunigraz.at, damit wir gemeinsam nach Ideen, Lösungsvorschlägen etc. suchen können. Wer stumm bleibt, der wird nicht gehört!!!!

impressum GeWitter - Zeitschrift der Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz. Medieninhaberin, Herausgeberin und Verlegerin: Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Universität Graz, Schubertstraße 6a, 8010 Graz Chefredaktion: Markus Schicker, Layout: Christoph Reicht, Lektorat Maga. Mihatsch Coverfoto: Christoph Reicht, Druck: Universitätsdruckerei Klampfer; Auflage: 7.500 Stück, MitarbeiterInnen in dieser Ausgabe: Jennifer Brunner, Marcela Dvorakova, Kevin Eberhard, Christoph Grabuschnig, Tanya Kaindlbauer, Heidi Kofler, Melanie Penz, Johannes Rausch, Sebastian Scherzer, Astrid Schmölzer, Nora Steinbach, Ruperta Steinwender, Sara Sternat, Leopold Lindenbauer Karin Talaber, Kristian Tisch, Marlies Weixelbaumer, Sandra Zivanovic Genderformen & Political Correctness: In unseren Artikeln verzichten wir zugunsten der besseren Lesbarkeit auf geschlechtsspezifische Formulierungen. Bei sämtlichen Anredeformen sind selbstverständlich beide Geschlechter angesprochen.


Seite 3

GeWitter 05/12

Inhalt

Alles neu Das GeWitter-Team stellt sich vor

4-5

Die Schnitzeljagd des 21. Jahrhunderts – Geocaching

20-21

Meine Eltern wissen nicht, was ich tue – Eine Reportage

Ehemalige GeWis Was wurde aus... Gilbert Prilasnig?

6-8

Kreative GeWis Honigwein-Brauer Engelbert Schmied

22-23

Buchrezension Extrem laut und unglaublich nah

Das Gute liegt so nah GeWitter stellt die Uni-Museen vor

24-25

Comic Heidi Kofler erweckt “GeWittra” zum Leben

Sevenahalf Records Das Grazer Label im Porträt

9

Schwerpunkt: STEOP 10-19 Interviews, Reportagen und Hintergründe

Uni-Bibliotheken Fachbibliothek Germanistik

25

26-27

28

29

30-31 Fortbildung GeWi-Kurse und Bildungspass-Seminare


Seite 4

GeWitter 05/12

Alles ist neu beim GeWitter Neues Layout, neue Gesichter, neues Konzept, neuer Kampfgeist, neuer Mut, neu, neu, neu, alles neu! von Markus Schicker

S

eit Ende Jänner bilden Beatrice Maierhofer, David Hobelleitner und ich das neue FV-GeWi-Vorsitzteam. Da niemand von uns für eine politische Partei tätig ist, bin ich in der glücklichen Position, auf parteipolitischen Hickhack keine Rücksicht nehmen zu

müssen (für ÖH-Zeitschriften eine Seltenheit, wenn nicht sogar ein Novum). Das GeWitter kann mehr uni-bezogen sein und ihr könnt euch stärker einbringen. So soll das GeWitter in Zukunft allen etwas bringen und für alle etwas Interessantes dabeihaben. Was ist neu am neuen GeWitter? Es gibt nun Themenschwerpunkte (in diesem Heft die STEOP, in der nächsten Ausgabe behandeln wir das Thema Auslandssemester). Neben den Themenschwerpunkten findet ihr immer wiederkehrende Serien wie „Kreative GeWis“ (falls ihr GeWis kennt,

die außergewöhnlich sind, meldet euch) und „Was wurde aus …?“ (hier werden ehemalige GeWis vorgestellt), Kurzgeschichten über das Studierendenleben von Kristian Tisch (die Autorin schreibt unter einem Pseudonym), eine Comicseite (unsere neue Comicheldin heißt GeWittra) und vieles mehr. Kooperation mit dem UniGraz@Museum Ach ja, bevor ich es vergesse: Wir haben eine Kooperation mit den Unimuseen, deshalb werdet ihr in Zukunft regelmäßig Berichte über Ausstellungen und Veranstaltun-


Seite 5 Das GeWitterTeam: 1. Reihe (v.l.): Marcela Dvorakova, Johannes Rausch, Christoph Grabuschnig, Markus Schicker 2. Reihe (v.l.): Melanie Penz, Marlies Weixelbaumer, Sandra Zivanovic, Kevin Eberhard, Tanya Kaindlbauer; Nicht auf dem Foto aber trotzdem dabei: Jennifer Brunner, Kornelia Hoffmann, Heidi Kofler, Irene Mihatsch, Christoph Reicht, Sebastian Scherzer, Astrid Schmölzer, Amila Softić, Nora Steinbach, Ruperta Steinwender, Karin Talaber, Kristian Tisch, Leopold Lindenauer, Sara Sternat. Foto: Reicht

gen des UniGraz@Museums im GeWitter finden. Mag. Dr. phil. Nikolaus Reisinger, der Leiter der Universitätsmuseen, und Mag. Franz Stangl, der Kustos des UniGraz@Museums, haben zugestimmt, dass die Studierenden der GeWi, also ihr, als Gegenleistung im kommenden Februar eine Ausstellung im UniGraz@Museum machen dürfen. Lasst euch also etwas einfallen und meldet euch bei uns, denn bis Oktober sollte einmal ein Grundkonzept stehen! Dankeschön Zum Abschluss möchte ich noch meinem neuen Team für die tolle Unterstützung in den letzten Wochen danken und Bea und David dafür, dass sie mir freie Hand bei unserer Arbeit gelassen haben. Euch GeWis wünsche ich viel Spaß beim Lesen – ich hoffe, ihr seid nicht typisch österreichisch und könnt euch an Neuerungen erfreuen.

GeWitter 05/12

Wir suchen ... ComiczeichnerInnen und Redaktionsmi-

tarbeiterInnen. Du zeichnest gerne und möchtest dein Talent der ganzen Welt – oder zumindest der ganzen GeWi-Welt – zeigen? Dann schicke ein paar deiner Werke an gewitter@oehunigraz.at, Betreff: Comics. Obwohl unser Redaktionsteam schon relativ groß ist, suchen wir immer noch nach guten Schreiberlingen. Wenn du Lust hast mitzumachen, dann schicke uns eine Textprobe an obige Adresse unter dem Betreff: Redaktionsmitarbeit. MitarbeiterInnen für unsere Ausstellung im UniGraz@Museum. In dir schlummert ein kleiner Van Gogh? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um ihn aufzuwecken, denn das UniGraz@Museum und wir geben dir die Chance, deine Meisterwerke auszustellen. Wenn du also gerne zeichnest, malst, fotografierst oder sonst irgendwie künstlerisch begabt bist, dann melde dich bei uns! Schreibe uns deine Ideen, Konzepte etc. an gewitter@oehunigraz.at, Betreff: UniGraz@ Museum. Talentierte Regisseure und Regisseurinnen, Kameraleute und SchauspielerInnen. Wofür? Erstens: Es wäre super, wenn in Zukunft GeWitter-Interviews und -Reportagen mitgefilmt werden würden. Zweitens: Wir könnten Kurzfilme drehen und dann auf unserer Homepage und auf unserer Facebook-Seite (www.facebook. com/gewitterzeitschrift) präsentieren. Drittens: Die FV GeWi möchte in Zukunft ihre Veranstaltungen mittels Videos besser bewerben. Meldet euch unter gewitter@ oehunigraz.at, Betreff: Film

GeWit ter Zeitschrift der Fakultätsvertretung GeWi an der Uni Graz


Seite 6

GeWitter 05/12

Was wurde aus ... Gilbert Prilasnig? In einer neuen Serie ist das GeWitter einstigen Studierenden der Geisteswissenschaftlichen Fakultät auf der Spur. von Christoph Grabuschnig

W

as wurde eigentlich aus ehemaligen Studenten der Geisteswissenschaftlichen Fakultät? Das GeWitter geht dieser Frage in den kommenden Ausgaben nach und besucht Absolventen bei ihrer jetzigen Tätigkeit. Den Anfang macht Gilbert Prilasnig, ehemaliger Fußballprofi beim SK Sturm Graz und jetziger Unternehmer. Der 38-Jährige sprach mit uns über Studium, sportliche Erfolge und soziales Engagement. Herr Prilasnig, erst einmal herz-

lichen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, dem GeWitter ein Interview zu geben. Kennen Sie unsere Zeitschrift? Die Zeitschrift kenne ich, muss aber ehrlich gestehen, dass ich sie nie wirklich gelesen habe. Wir sitzen im „Peppone“, das Sie 2011 als „Don Camillo“ übernommen haben. Wie kam es dazu? 2011 ging der Vorgänger mit dem Lokal in Konkurs und eine Gesellschaft, der ein Freund von mir vorsteht, hat das Lokal übernommen. Dieser Freund hat mich gefragt, ob ich mich an der Gesellschaft beteiligen will. Aus namensrechtlichen Gründen haben wir das Lokal dann in „Peppone“ umbenannt. Für mich war es ein spontaner Schritt, in das Unternehmen einzusteigen, selbst bin ich ja nicht in der Gastronomie tätig, sondern fungiere nur als stiller Teilhaber. Mein Betätigungsfeld ist nach wie

Gilbert Prilasnig im Gespräch mit GeWitter-Redakteur Christoph Grabuschnig.

vor der Fußball. Zuvor haben Sie an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Uni Graz Sprachwissenschaft studiert. Hat Sie das Thema “Studieren” schon immer gereizt? Ich habe mich 1993 für das Studium der Linguistik inskribiert, 2011 habe ich das Studium dann abgeschlossen. Und warum Sprachwissenschaft? Ich hatte immer ein Interesse an Sprachen im Allgemeinen. Das Studium war ja damals ein Kombinationsstudium. Ursprünglich hat mich die Indogermanistik fasziniert. In diesem Bereich vor allem ältere Sprachen und Ortsnamenskunde. Generell habe ich viele Lehrveranstaltungen gemacht, die mich interessiert haben, um später auf ein breites Spektrum zurückgreifen zu können. Herr Prilasnig, eine persönliche Frage: Wie erging es Ihnen als

Foto: Steinwender


Student? Wie konnten Sie mit der Doppelbelastung als Profifußballer und Student umgehen? Wenn man für ein Studium 18 Jahre benötigt, kann man sich das ungefähr ausmalen, wie sich der Spitzensport mit einem Studium vereinbaren lässt. Oft fielen Seminare oder Vorlesungen mit der Trainingszeit zusammen. Da war es für mich besonders schwierig, eine Prüfung abzulegen. Andererseits muss ich sagen, dass die Professoren immer sehr kooperativ waren. Hier kam mir vor allem die Tatsache zugute, dass die Linguistik damals ein relativ kleines Institut war und man somit ein persönlicheres Verhältnis zu den Professoren aufbauen konnte. Als ich am Höhepunkt meiner Karriere war, versuchte ich trotzdem, ein bis zwei Lehrveranstaltungen im Semester zu belegen, das war dann schon genug. Im Jahr 2001 ging ich dann ins Ausland zu Aris Thessaloniki und später nach England. Während dieser Zeit ruhte auch das Studium. Als ich von Griechenland zurückkam, belegte ich ein Jahr lang auf der Uni Klagenfurt einige Lehrveranstaltungen auf der Slawistik. Im Jahr 2005 begann ich dann wieder ernsthaft, im Fach Linguistik zu studieren. Zu dieser Zeit spielte ich in Leoben Fußball und somit verbrachte ich auch wieder mehr Zeit in Graz. Die Sprachwissenschaft wurde Anfang des neuen Jahrhunderts in ein Einzelstudium umgewandelt, und das kam mir sehr entgegen. Alle von mir in den 90er-Jahren absolvierten Lehrveranstaltungen konnten dem ersten Abschnitt und sämtli-

che Wahlfächer angerechnet werden. Als ich zwei Jahre später von Leoben nach Horn ging, um meine Profikarriere dort ausklingen zu lassen, konnte ich bereits mit dem Schreiben meiner Diplomarbeit beginnen. Welches Thema hatte denn eigentlich Ihre Diplomarbeit? Meine Arbeit behandelte den Zusammenhang zwischen Sprache und Bewegung, dargestellt am Beispiel der Heileurythmie. Heileurythmie ist eine Bewegungstherapie, die auf Sprache basiert. Es gibt für jeden Sprachlaut eine korrelierende Gebärde. Dies wird therapeutisch eingesetzt. Die Wahl fiel auf dieses Thema, weil ich im Laufe meines Lebens selbst schon

“Von der STEOP halte ich nichts. Oft dauert es länger, zu verstehen, was man wirklich machen möchte.” Gilbert Prilasnig

mit Heileurythmie in Kontakt gekommen bin und auch nach einer Verletzung diese Therapie in Anspruch genommen habe. Damals habe ich ganz tolle Erfahrungen damit gemacht. Hätten Sie sich nach dem Abschluss Ihres Studiums auch vorstellen können, in diesem Bereich, z. B. als Lektor oder in einem Verlag, tätig zu sein? Nein, eher nicht. Die Linguistik ist aufgeteilt in allgemeine und angewandte Linguistik sowie Indogermanistik. Ich habe mich dann auf die praxisorientierte angewandte Linguistik spezialisiert, hier vor allem auf den Bereich klinische Linguistik. So bin ich dann auch auf mein Diplomarbeitsthema gekommen. Gerade in diesem Bere-

ich, wo es durchaus Jobmöglichkeiten gibt, hätte es mich schon gereizt zu arbeiten. Ich bin aber derzeit immer noch im Fußballgeschäft fest verankert. Ich spiele aber mit dem Gedanken, mich in diesem Thema postgradual weiterzubilden. In dieser Ausgabe behandeln wir das Thema “Studieneingangsphase”. Was halten Sie davon? Davon halte ich gar nichts. Man kann einen Menschen nicht an seinen Leistungen zu einem bestimmten Prüfungstermin messen. Zudem ändern sich ja auch die persönlichen Interessenslagen und die eigene Reife. Oftmals dauert es einfach länger, bis jemand wirklich versteht, was er machen möchte. Deshalb sollte hier nicht schon zu Beginn mehr oder weniger „ausgesiebt“ werden. Ich sehe das ja auch in unserer Akademie beim SK Sturm: Hier wird die „Oberstufe“ (14- bis 18-Jährige) als Akademie geführt, in welche sehr viele Talente aufgenommen werden wollen. Wir haben da klarerweise ein Auswahlverfahren, weil wir nur begrenzte Plätze haben. Dennoch wird niemand, der das nicht geschafft hat, dann sein Leben lang davon ausgeschlossen sein, zu Sturm Graz zu kommen, wenn er sich in seiner sportlichen Leistungsfähigkeit weiterhin gut entwickelt. Ich denke, als junger Mensch braucht man eine Chance, um sich zu entwickeln. Diese Chance wird einem durch solche Regelungen im universitären Bereich zum Teil genommen. Bitte weiterblättern!


Seite 8 Ich habe bei Ihnen den Eindruck, dass Sie ein sozialer Mensch sind. Was mir bei der Recherche zu Ihrer Person imponiert hat, ist Ihre Vielseitigkeit. Sie sind sozial sehr engagiert, sind beispielsweise Trainer der österreichischen „Homeless“Fußballmannschaft, ein von der UNO und der UEFA unterstütztes Straßenfußballtunier. Seit wann machen Sie das und was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gereizt? Das mache ich seit dem Jahr 2004. Am Anfang wusste ich nicht, was auf mich zukommen würde. Ich wusste nur, dass 2003 zum ersten Mal in Graz ein „Homeless“Worldcup ausgetragen wird. Der „Homeless“-Worldcup ist ein Grazer Projekt, das von Harald Schmied und Mel Young ins Leben gerufen wurde. Das Ganze wurde vor allem durch das internationale Netzwerk der Straßenzeitungen möglich gemacht.

“Ich kann mir heute ein Leben ohne den ‘Homeless-Worldcup’ nicht mehr vorstellen.” Gilbert Prilasnig

Harald Schmied arbeitete damals bei „Megaphon“, als er diese Idee gehabt hat. Ich selbst bin sehr schnell in diese Aufgabe hineingewachsen und ich kann mir heute ein Leben ohne den „Homeless“-Worldcup nicht mehr vorstellen. Ich bin in den Planungen für das österreichische Team miteingebunden. Wir haben im Rahmen dieses Projekts schon sehr viele positive Erlebnisse gehabt. So ist es immer schön zu sehen, wie einzelne Spieler durch ihre Teilnahme eine ganz neue Lebenskraft entwickeln. Solche Erlebnisse machen den besonderen Reiz dieses Engagements aus. Wer kann am „Homeless“Worldcup teilnehmen? Es gibt gewisse Kriterien, die über

die Spielberechtigung entscheiden. Jeder Spieler darf auch nur einmal am Worldcup teilnehmen, da er im nächsten Jahr idealerweise die Spielberechtigungskriterien nicht mehr erfüllen sollte, weil er oder sie das Leben besser in den Griff bekommen hat. Altersgrenze gibt es keine, das Mindestalter liegt aber bei 16 Jahren. Es dürfen Asylwerber mitspielen, Menschen, die obdachlos

“Es ist erstaunlich zu beobachten, welche emotionalen Höhenflüge die Teilnehmer durchmachen.” Gilbert Prilasnig

sind, das heißt, keine eigene Wohnung haben und in einer sozialen Einrichtung schlafen, oder auch ehemalige Drogen- bzw. Alkoholabhängige, die einen Entzug hinter sich haben. Dazu kommt, dass die Teilnehmer auch eine Affinität zu Fußball haben sollten. Es ist sicher spannend zu beobachten, welche Entwicklung die Teilnehmer durchmachen. Kann man hier das ausgereizte Sprichwort „Fußball verbindet“ wörtlich nehmen? „Fußball verbindet“, das hört man immer wieder. Das trifft zu einem gewissen Grad auch beim „Homeless“-Worldcup zu. Dennoch denke ich, dass die Spieler vor allem ihr eigenes Selbstwertgefühl steigern können. Sie werden dort nach dem, was sie können, und nicht nach dem, was sie sind, beurteilt. Es ist wirklich erstaunlich zu beobachten, welche emotionalen Höhenflüge die Teilnehmer durchmachen. Zu einem gewissen Grad ist das natürlich auch gefährlich, da die Gefahr besteht, nach dem Worldcup wieder in ein Loch zu fallen. Daneben fördert die Teilnahme natürlich die Teamfähigkeit, weil diese Personen in ihrem Leben durchwegs Einzelkämpfer waren. Wie wird es in diesem Bereich weitergehen?

GeWitter 05/12

Dieses Jahr wird es einen Worldcup in Mexico City geben. Wir rechnen dort mit einem regen Zuschauerinteresse, es werden Tausende Besucher erwartet. Im letzten Jahr haben wir zudem in Österreich ein Projekt namens „Goal“ gestartet, das den Worldcup in Österreich erweitern soll. Dabei legen wir vor allem Wert darauf, dass Fußball bei sozialen Einrichtungen langfristig angeboten werden kann. Bisher steht und fällt ein solches Projekt mit einem Zivildiener, der dort arbeitet und ein Interesse am Fußball hat. Wenn der nach einem Jahr wieder weggeht, ist das also wieder vorbei. Das wollen wir ändern. In dieses Projekt sollen auch ehemalige „Homeless“-WorldcupSpieler miteingebunden werden, um ihnen nach dem Hype bei der Weltmeisterschaft andere Möglichkeiten zu bieten. Eines dieser Ziele ist, eine „Streetliga“ in Österreich veranstalten zu können. Mit dem Projekt „Goal“ haben wir im Rahmen von „Projekte gegen Armut“ im letzten Jahr den zweiten Platz belegt und konnten uns so eine finanzielle Basis schaffen, um damit starten zu können. Mit dem Geld haben wir uns beispielsweise eine mobile Streetsoccer-Anlage angeschafft.

blitzinfo Mag. phil. Gilbert Prilasnig geboren am 1. April 1973 in Klagenfurt. Karriere: mit zwölf Jahren beim VST Völkermarkt (wo er auch das Gymnasium besuchte); 1991 Wechsel zu Sturm Graz bis 2001. Größte Erfolge: zweimal österreichischer Meister und dreimal Cup-Sieger, dreimalige Teilnahme an der UEFA Champions League; weitere Stationen in Griechenland, Kärnten und England, Leoben, Polen und Niederösterreich. 16 Spiele für das österreichische Nationalteam. Nebenbei: Linguistik-Studium an der Universität Graz. Seit 2004 Teamchef der österreichischen „Homeless“-Nationalmannschaft; seit 2011 auch als Unternehmer aktiv; Prilasnig lebt in einer Lebensgemeinschaft und hat zwei Kinder.


Seite 9

„Ich wollte nie ein Jazzsänger werden!“ Auf dem Grazer Label “Sevenahalf Records” veröffentlichen unter anderem “Sawoff Shotgun” ihre Alben. Ein Porträt! von Johannes Rausch

G

raz ist die selbst ernannte Genusshauptstadt Österreichs. Dass auch für musikalischen Genuss gesorgt wird, verdanken wir nebenbei auch Georg Hartwig, dem Labelbesitzer des Grazer Indie-Labels Sevenahalf Records. Angefangen hat alles in London. Hartwig, in Graz geboren, studierte ebendort Kunstgeschichte, Romanistik („Ich glaub, ich war insgesamt bei einer Vorlesung dabei!“) und danach zwei Jahre Jazzgesang an der Kunstuniversität. Allerdings: „Ich wollte nie Jazzsänger werden!“ Daraufhin packte ihn das Fernweh und er zog nach London, um in der britischen Metropole

Tontechnik zu studieren. Schließlich kam ihm die Idee von einem Label und er gründete im Jahr 2001 ein solches namens Sevenahalf Records. Ein Jahr später kehrte er wieder nach Österreich zurück und nistete sich in seinem Grazer Tonstudio ein. Der Grund, ein Label zu starten, war für ihn „eher aus einer Notwendigkeit heraus anstatt aus Enthusiasmus, weil ich meine eigenen Sachen an die Öffentlichkeit bringen wollte“. Liebhabereibetrieb Die erste reguläre Albumveröffentlichung, nach einem Sampler, ist jene von den Pumali Panthers, einem Musikprojekt von Hartwig und Thomas Wanker. Hartwig, der später auch noch mit seiner anderen Band Monk auf Sevenahalf Records zwei Alben veröffentlichen wird, spielt Keyboard, Bass und beteiligt sich als Sänger sowie Produzent. Am bekanntesten auf jenem Label ist wahrscheinlich das aus Graz stammende Geschwister-Trio namens Sawoff Shotgun, das sich auch in Deutschland einen Namen gemacht hat: Sonia, Susi und Monica Sawoff untermauern auf ihrem zweiten Werk „For Our Sanity“ ihren Ruf als Klassenbeste im musikalischen Kreuzfeuer aus Punk und Elektronik mit Texten unterhalb der Gürtellinie – „I’m not much of a dancer, but hey, I know how to fuck“ heißt es im Song „Not

Label-Chef Georg Hartwig. Foto: Rausch

much of a dancer“. Was bedeutet für Georg Hartwig ein Label? „Ein Label ist ein großer Liebhabereibetrieb. Für mich geht es sich aus, aber bei den ersten zwei, drei Veröffentlichungen einer neuen Band kann es sein, dass du keinen Groschen davon siehst.“ Über den Produktionsstandort Graz im Zusammenhang mit innovativer Pop-Musik meint er, dass Festivals wie das Spring oder Elevate „frischen Wind“ in die Stadt bringen. Außerdem sei „Enthusiasmus für neue Dinge hier nicht unbedingt gegeben. Positiv ist jedoch, dass die Stadt nicht hektisch ist.“ Frischen Wind bringt auch Georg Hartwig mit seinem Label in die Stadt, auf dem er stets anspruchsvolle, stilsichere, ja charmante Lo-Fi-Pop-Musik unter die Hörer bringt. Die nächste Veröffentlichung auf Sevenahalf Records steht übrigens schon fest: Das neue, dritte Album der erwähnten Sawoff Shotgun wird im Herbst erscheinen. Laut Hartwig das „eindeutig beste“.

gewinnspiel Die GeWitter-Redaktion verlost drei Alben „For Our Sanity“ von Sawoff Shotgun. Wer auf folgende Frage die richtige Antwort weiß, schickt ein Mail mit Betreff „Gewitter Gewinnspiel“ an folgende Adresse: gewitter@oehunigraz.at! In welchem Jahr ist das Album „For Our Sanity“ von Sawoff Shotgun erschienen?


Seite 10

GeWitter 05/12

Achtung, Baustelle! Studieren auf eigene Gefahr Wie viel Orientierung die STEOP tatsächlich gibt und welche Stolpersteine noch aus dem Weg geräumt werden müssen! von Tanya Kaindlbauer

A

lles ist still. Nur das Ticken einer Armbanduhr ist unerträglich laut zu hören. Lauter als sonst. Trotzdem fällt der Blick immer öfter auf die viel genauere Zeitanzeige des Laptops. Denn der Zeiger nähert sich immer schneller der Geisterstunde. Angespannt liegen die Finger auf der Tastatur … Was sich wie der Anfang einer Horrorgeschichte liest, ist in Wirklichkeit die Geschichte von Gregor. Er ist Anglistikstudent

an der Karl-Franzens-Universität und alles andere als erfreut über die neue „Studieneingangs- und Orientierungsphase“, kurz STEOP. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch meldet er sich auf UNIGRAZonline an, um zu sehen, ob er einen der heiß begehrten STE-

OP-Kursplätze ergattert hat. Aber er hat kein Glück. Er weiß, dass er nun in seinem zweiten Semester nicht alle Lehrveranstaltungen belegen kann, die er eigentlich absolvieren wollte. Denn in vollem Umfang weiterstudieren darf er nur, wenn er alle vorgesehenen Lehrveranstaltungen des STEOPProgrammes positiv absolviert hat. Und das ist meist gar nicht so einfach: Es scheitert bereits am Überblick.

STEOP – kann man das essen? Und den sollte die Orientierungsphase eigentlich ja geben. Fragt man Studierende nach den genauen Regelungen der STEOP, so bekommt man meist nur einen fragenden Blick. Fragt man Lehrende, so trifft man auf überdrehte Augen und Ablehnung gegenüber

der Multiple-Choice-Prüfung in manchen Fächern der Geisteswissenschaften. Diese Methode sei zwar notwendig, um den Massen an Studierenden Herr zu werden, andererseits sei sie aber auch nicht gegenstandsadäquat. Geht man in eine der Orientierungslehrveranstaltungen (ebenfalls Teil der STEOP), so bekommt man von einem Institut den gesamten Lehrkörper vorgestellt und von einem an-

deren das Curriculum vorgetragen. Einen einheitlichen Überblick scheint es nicht zu geben. Im Online-System der Uni findet man sich als Erstsemestriger schon gar nicht oder nur schwer zurecht. Nach Erklärungen oder gar Anleitungen sucht man vergeblich. Hier besteht eindeutig noch Verbesserungsbedarf.


Seite 11 Ein Kurzüberblick: Mit Beginn des Wintersemesters 2011/12 hat der Nationalrat die STEOP an elf österreichischen Unis, die keine besonderen gesetzlichen Zugangsbeschränkungen haben, gestartet. Betroffen sind all jene Studierenden, die sich ab diesem Zeitpunkt zu einem Bachelor-, Diplom- oder Lehramtsstudium angemeldet haben. Dabei sieht das Gesetz (§ 66 UG) nur mindestens eine Prüfungswiederholung vor. Theoretisch ist also jeder, der eine STEOP-Prüfung zum zweiten Mal nicht schafft, für das jeweilige Studium gesperrt. Und zwar lebenslänglich. Die Unis können aber individuell einen dritten Prüfungsantritt erlauben, was in Graz auch sofort umgesetzt wurde; im Gegensatz zu Linz und Wien. Mittlerweile hat man aber auch dort nachgegeben und einen weiteren Prüfungsantritt „unter bestimmten Voraussetzungen“ erlaubt. Auch das Ausmaß der Prüfungen unter diesen verschärften Bedingungen ist höher als an allen anderen Universitäten. In Graz habe man sich für eine „Softversion der STEOP“ entschieden, um den Studierenden so weit wie möglich entgegenzukommen, so GeWi-Studiende-

kan Eberhart. Er sei vor allem von den Orientierungslehrveranstaltungen „positiv überrascht“ (siehe Interview ab Seite 12). „Ob die STEOP als Ganzes sinnvoll ist, muss man jedoch erst evaluieren.“ Ziel der STEOP ist es jedenfalls, einen Überblick über das jeweilige Studium zu vermitteln. Das soll helfen, die Studierendenmassen „richtig zu portionieren“. Und das möglichst schnell und einfach.

Eigentlich ein schöner Gedanke. Nur wie so viele schöne Gedanken scheitert dieser für einige an der Umsetzung. Die STEOPWATCH (ÖH) evaluierte nach einer zweimonatigen bundesweiten Umfrage die Rückmeldungen von rund 2300 Studierenden: Als „unorganisiert“, „ungerecht“ und „willkürlich“ wurde hier die Eingangsphase größtenteils bekrittelt. Außerdem baue sie „nur unnötig Druck auf“ und werde in einigen Instituten oft als „Knock-outPhase“ gehandhabt. 70 Prozent der Befragten befanden die STEOP sogar für nicht orientierungsgebend. Nur rund 20 Prozent hielten sie für „insgesamt sinnvoll“. Vor allem der Wegfall der Beihilfen und des Versicherungsschutzes war für viele ein Thema: Sollte man eine Prüfung nicht rechtzeitig (= gleich im ersten Semester) bestehen oder keinen Fixplatz in Kursen mit immanentem Prüfungscharakter bekommen, kann das für manche zum großen Problem werden. STEOP-Härtefälle Genaue Zahlen für STEOP-AbsolventInnen gibt es für Graz zwar noch nicht, trotzdem melden

sich schon Studierende, die mit Härtefällen zu kämpfen haben (siehe Interviews mit Betroffenen). Beispielsweise werden nicht in allen Fächern alle Lehrveranstaltungen der STEOP auch im Sommersemester angeboten (z. B. Pädagogik, Geschichte, Kunstgeschichte) und das, obwohl in § 66 des Universitätsgesetzes steht: „Die gesamte Studieneingangsund Orientierungsphase hat ein Semester zu umfassen.“ D. h., es

GeWitter 05/12

müssten jedes Semester genügend Lehrveranstaltungen und genügend Lehrveranstaltungsplätze angeboten werden, um die STEOP innerhalb eines Semesters absolvieren zu können. In Graz ist es möglich, eine gewisse Anzahl an ECTS-Punkten vorzuziehen, deshalb kann man laut Studiendekan Eberhart auch im Sommersemester ohne Zeitverlust mit dem Studium beginnen. Vorsichtig muss man bei Studienwechseln sein. Wer sich gleich seine ECTSPunkte aus anderen Studien anrechnen lässt, läuft Gefahr, nichts mehr außer der STEOP studieren zu können. Lehramtsstudentin Ute Trojer zieht sogar den Vergleich zwischen „Pest und Cholera: Entweder man rechnet sich die Voraussetzungs-LVs an und riskiert damit quasi die Sperrung vom Studium oder man legt ein ‚Sandelsemester‘ ein.“

STEOP-Baustelle Die STEOP ähnelt also einer großen, unfertigen Baustelle. Vor dem Betreten sollte man sich gut informieren, den Kontakt mit den Bauleitern nicht scheuen und sich Zeit für eine mögliche Umleitung nehmen. Der Grundstein der STEOP-Baustelle ist jedenfalls gelegt und wie stabil dieses Fundament letztendlich sein wird, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Voraussichtlicher Baustopp: 2015.


Studiendekan Helmut Eberhart stellte sich den Fragen der GeWitterSeiteFoto: 6 Redakteure. Steinbach

GeWitter 05/12

Studiendekan im Interview Studiendekan Helmut Eberhart sprach mit dem GeWitter über die STEOP, gebundene Wahlfächer und seine Studienzeit. von Markus Schicker und Leopold Lindenbauer GeWitter: Ist es gewährleistet, dass die Studierenden in den LVs der STEOP einen Fixplatz zugeteilt bekommen? Eberhart: Ja. Es ist natürlich so, dass es hier schon zu möglichen Verzögerungen kommen kann. Aber diese liegen sicherlich nicht in einem so dramatischen Bereich, dass man sagen kann, die haben überhaupt keine Chance, sondern innerhalb dieser beiden Semester müssen sie auf jeden Fall reinkommen. Es gibt auch wenige Massenfächer, wo es Probleme geben kann. Hinlänglich bekannt ist, dass es auf der Anglistik Probleme gibt, weil die Anglistik extrem stark nachgefragt ist. Das hängt auch ein bisschen mit dieser Zweifächer-Lösung zusammen, weil die Anglistik als Zweitfach sehr beliebt ist. Das größte Problem ist allerdings der Zustrom zum Lehramt: Noch gewisse Probleme mit der Zahl der Studierenden gibt es auf der Geschichte, aber hier ist es so, dass die Einführungslehrveranstaltungen Vorlesungen sind, da ist das leichter in den Griff zu kriegen. Bleiben wir gleich einmal bei der Anglistik/Amerikanistik, dort gibt es in der STEOP nur LVs mit immanentem Prüfungscharakter,


Seite 13 was dazu führt, dass nicht alle Studierenden in die Lehrveranstaltungen reinkommen. Wäre es da nicht gescheiter, diese LVs zumindest teilweise in Vorlesungen umzuwandeln? Aus meiner Sicht wäre es wohl denkbar, zumindest einen Teil dieser Lehrveranstaltungen als Vorlesungen anzubieten, damit es nicht zu so vielen Verdoppelungen von Lehrveranstaltungen kommen muss, aber ich tu mir auch schwer, für ein fremdes Fach zu sprechen, was die zu tun haben und was sie in ihrem Curriculum nicht zu tun haben. Meiner Einschätzung nach sollte es möglich sein, nachdem es in anderen Sprachfächern auch gelungen ist, sprich bei der Slawistik z. B., also könnte es hier (bei der Anglistik, Anm.) auch funktionieren, zumindest teilweise. Studien wie z. B. die Geschichte oder die Kunstgeschichte bieten ihre VOs aus der STEOP nur im Wintersemester an. Wie sollen die Studierenden, die im Sommersemester ein Studium beginnen, die Prüfung absolvieren? Die Geschichte bietet ihre Massenlehrveranstaltungen wechselweise an. Je nach Fachbereich einmal im Winter-, einmal im Sommersemester. Es kann aber sein, dass die STEOP nur einmal im Jahr angeboten wird. Innerhalb der vorgesehenen zwei Semester muss dies jedenfalls möglich sein. UGO erfasst nicht, ob ich eine LV als freies oder als gebundenes Wahlfach machen möchte, das führt dazu, dass sich die Studierenden kompliziert über die einzelnen Institutssekretariate anmelden müssen. Wird es dafür in Zukunft eine bessere Lösung geben? Das ist eher ein Systemproblem. Da kann ich jetzt nicht sagen, ob das in einer bestimmten Form korrigierbar ist. Denn wir haben natürlich immer wieder das Problem, dass gerade im ersten Abschnitt gebundene Wahlfächer gleichbehandelt werden müssen wie Pflichtfächer und wenn

die Studierenden das nicht als Kennzahl draufhaben, weil sie das Fach nicht inskribiert haben, fallen sie unter Umständen raus, wenn sie mit einer fremden Kennzahl ins-kribieren. Da hilft immer, und das machen ja ohnehin fast alle, dass man sich dann händisch anmeldet. Es mag auf den ersten Blick etwas kompliziert klingen, aber ich glaube, dass das eine Praxis ist, die so halbwegs funktioniert. Wir merken bei der ÖH-Arbeit, dass sich viele Studierende kaum mehr auskennen. Es gibt die STEOP, es gibt die gebundenen Wahlfächer, es gibt das GeWiBasismodul. Glauben Sie nicht, dass das etwas kompliziert ist für jemanden, der gerade aus der Schule kommt? Ja. Uneingeschränkt ja. Es ist kompliziert. Das ist mit der Grund, warum man versucht, möglichst

GeWitter 05/12

ist, das kann und will ich jetzt nicht beantworten, das wird man erst sehen, wenn man das ganze System einmal evaluiert. Es ist ja im Gesetz auch eine Gesamtevaluation vorgesehen – bis Ende 2015, glaube ich. Bis 2016 lauft die STEOP. Was danach passiert, weiß ich nicht. Die STEOP ist ja vom Gesetzgeber auch nur befristet eingeführt worden. Durch die STEOP machen die Studierenden ihr gebundenes Wahlfach nun in der Regel später. Hat es dadurch nicht seinen eigentlichen Sinn verloren – nämlich dass man problemlos innerhalb des ersten Jahres auf sein gebundenes Wahlfach wechseln kann? Es ist so: Das gebundene Wahlfach hat jetzt natürlich nur mehr zum Teil diesen Effekt, weil es keine Studienabschnitte mehr gibt. Ich hab jetzt für das Wahlpflichtfach

Leopold Lindenbauer und Markus Schicker Foto: Steinbach

viel davon abzufangen, von dieser komplizierten Art des Aufbaus der Curricula, die aber aus verschiedensten Gründen kompliziert sind. Das System mit den gebundenen Wahlfächern und dem GeWi-Basismodul war meine Idee und zu dieser Doppelgleisigkeit des Studiums stehe ich nach wie vor. Bei der STEOP, sage ich offen, kann man jetzt einmal auf jeden Fall schon positive Erfahrungen ziehen, zumindest bei den Orientierungslehrveranstaltungen. Ob die gesamte STEOP sinnvoll

das ganze Studium hindurch Zeit. Wer daran denkt, sich später zu verändern, nach einem Jahr zu wechseln, der soll vielleicht wirklich im ersten Jahr beides absolvieren und dann habe ich genau die Möglichkeit, die man früher hatte, als wir die Studienabschnitte gehabt haben. Das wird ja nicht möglich sein, wenn ich Fächer habe, in denen die STEOP über ein Jahr geht (man kann inkl. STEOP 40 ECTS absolvieren, Einführungsphase und gebundenes Bitte weiterblättern!


Seite 14 Wahlfach umfassen jedoch 48 ECTS, Anm). Nein, das geht. Ich kann jedes Fach für sich absolvieren. Selbst dort, wo man nicht gleich reinkommt, wo ich den Ausgleich brauche. Im Sommersemester haben wir ja erfahrungsgemäß immer wesentlich weniger Erstinskribenten als im Winter, das ist genau dieser Ausgleich, den wir brauchen, um den Studierenden zu ermöglichen, spätestens im Sommersemester entsprechende Lehrveranstaltungen zu absolvieren. Das muss gewährleistet sein. Laut § 59 Abs. 3 des Universitätsgesetzes stehen den Studierenden pro Semester drei Antritte zur Verfügung, in der STEOP sind mindestens zwei Antritte pro Semester vorgesehen. Wie wird das in Graz geregelt, schließlich müssen die Studierenden ja auch die STEOP ihres gebundenen Wahlfaches durchlaufen? Die Studierenden sind natürlich auch im Wahlpflichtfach in der STEOP, da wir ja ein Zweifächermodell haben. Die STEOP bedeutet aber lediglich, dass bestimmte Lehrveranstaltungen, die es auch zuvor gab, nun als Teil einer STEOP gelten. Was Sie gerade gesagt haben, bedeutet also eine doppelte STEOP? Na ja, sicher ist es das. Ob sich der Gesetzgeber das so gedacht hat? Na ja, sicher, wenn wir das Zweifächermodell haben, dann liegt dem natürlich auch zugrunde, dass die STEOP auch verdoppelt ist, das ist klar, weil ich ja beides machen muss. An manchen (Universitäten, Anm. d. Red.) wird es viel, viel rigider gehandhabt, bei uns gibt es natürlich auch Kollegen, die eine eher rigidere Handhabung befürworten würden. Also ich sage, solange wir mit dieser Lösung alle gut leben können, sollten wir sie beibehalten und es wird natürlich erst die Evaluierung zeigen, ob es auch sinnvoll war und was es den Studierenden bringt.

Wenn Sie die jetzige Situation an den Unis mit Ihrer eigenen Studienzeit vergleichen, glauben Sie, dass sich die Unis und speziell die GeWi in die richtige Richtung bewegen? (lacht) Das ist jetzt eine tückische Frage. Wenn ich das jetzt privat salopp formuliere, dann sage ich “Nein”. Das Studium hat damals vier Jahre gedauert bis zum Doktorat – als Mindeststudiendauer. Ich habe damals in fünf Jahren

“In meiner Studienrichtung waren wir 30 bis 40 Studierende. Heute sind es an die 500!” Helmut Eberhart

studiert und habe mein Doktorat in der Hand gehabt. Heute benötigen Sie eine Mindeststudienzeit von drei Jahren bis zum Bachelor, zwei Jahre bis zum Master und noch einmal drei Jahre bis zum Doktorat. D. h., Sie haben acht Jahre Mindeststudienzeit bis zum Doktorat und das möchte ich mir anschauen, wer das packt. Insofern ist die Überfrachtung auch mit Lehrveranstaltungen, mit Einzelprüfungen für die GeWi vielleicht nicht ganz das Optimale.

Erinnert sich im Gespräch mit GeWitter an seine Studienzeit zurück: Helmut Eberhart. Foto: Steinbach

GeWitter 05/12

Es mag jetzt unterschiedlich zu bewerten sein, das sage ich auch einmal klar, denn es kann sein, dass das in der Sprachausbildung ein bisschen anders ausschaut, dass man dort sagt, wir brauchen sogar diese vielen Lehrveranstaltungsprüfungen, um den Stand der Ausbildung besser zu kontrollieren. In vielen GeWi-Fächern könnte man das vermutlich lockerer handhaben, aber ich sag es ganz offen, das würde auch nicht mehr funktionieren in der Masse. Das muss man ganz klar sagen. In meiner eigenen Studienrichtung waren wir damals vielleicht 30 bis 40 Studierende – insgesamt. Wir hatten damals vielleicht ein bis zwei Abschlüsse pro Jahr. Heute sind es an die 500 Studierende (auf der Volkskunde bzw. Europäischen Ethnologie, Anm.) und 20 bis 25 Abschlüsse pro Jahr, da rechne ich die Bachelorabschlüsse gar nicht dazu. Das ist eine Katze, die sich in den Schwanz beißt, und es ist genau das, was ich immer wieder von Studierenden höre – die Idealvorstellungen einer Universität, gerade die Idealvorstellungen eines geisteswissenschaftlichen Studiums, die aber heute mit einer Massenuniversität des Jahres 2012 einfach nicht mehr kompatibel ist.


Seite 15

GeWitter 05/12

OL: Protokoll eines Abends Ich bin Student, holt mich hier raus! Ein Bericht über die Orientierungslehrveranstaltung für Lehramtsstudierende.

FlowerPower im Landesschulrat? Grafik: Kofler

von Kristian Tisch (kri.tisch@gmx.at)

I

ch bin Student, holt mich hier raus, Erstfassung: „Grüß Gott. Zunächst wird Ihnen nun Dr. Hinteregger vom Landesschulrat aktuelle schulische Themen erläutern“, spricht leise eine vornehme ältere Dame zu mir. Grüß Gott! Gott im Himmel, wohin führt mich das? Das ist also meine erste Lehrveranstaltung… 1.3.2012. Es ist kurz nach 17 Uhr. Die Aula der KF-Uni ist überfüllt, wir Studenten haben alle Sitzreihen besiedelt, sogar die seitlichen Sitze sind besetzt. Zum Glück nur eine kurze Einleitung. Sie, Frau Pauritsch, stelle uns Dr. Hinteregger vom Landesschulrat vor, der nun zu uns sprechen werde. Aha. Powerpoint in Dunkelgrün mit weißer Schrift erschlägt mich. Landesschulinspektor begrüßt mich auf der KFU. Warum niemand von der KFU selbst? Wurde das Personal eingespart? Geht’s den Unis echt so schlecht? Dr. Hinteregger beginnt mit: „Wie Sie an meinen Haaren sehen, bin ich ein alter 68er.

Und als alter 68er muss ich Ihnen sagen, ich hab ja selbst …“ Moment. Ein 68er vom Landesschulrat, der Landesschulinspektor ist? Was ist passiert? Langes, graues Haar = 68er, so seine eigene Annahme? Wow, hier stimmt die Eigenwahrnehmung echt nicht mit der Fremdwahrnehmung (alter Mann mit Anzug, Friseurtermin verpasst) überein. Wie angekündigt nimmt er Stellung zu schulischen Themen. Politisch positioniert er sich klar. 68er halt. Gesamtschule. Zentralmatura. Schule = toll. 68er?!? Halt! In der Aula beginnen die ersten iPhone-Akkus zu glühen. Frontalvortrag. Während auf Folie drei schon viele den Selbstverständlich-hör-ich-Ihnen-zu-HerrLehrer-Blick aufsetzen, verlassen einzelne Studenten den Raum. Klopause, nehm ich an. Wie in der Schule. Einzig die Ansprache an das Publikum hat sich von „du“ auf „junge Menschen“ und „werte Kollegen und Kolleginnen“ geändert. Schön, dass sich der Landesschulinspektor als einer von uns fühlt, als junger Mensch, als Lernender, als Kollege. Wie lange er als junger Mensch wohl zuhören hat müssen? Halt. Wie kann man als 68er Landesschulinspektor sein? Wann genau hat er seine Ideale verraten? Dies zu erörtern, fänd ich jetzt viel interessanter

als die Zentralmatura. Aber bitte. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Das wird der spannendste Moment des gesamten Nachmittags/Abends sein. Das und meine Suche bzw. das Auffinden der Kaffeemaschine im Raucherzimmer der Theologie. Vorne spricht der Landesschulinspektor von den Erwartungen des Landesschulrats an seine künftigen Lehrerinnen und Lehrer. Gähn. So wie ich hoffen viele, dass nach dem Landesschulrat wirklich wichtige Fragen beantwortet werden und ich seh das Augenrollen vieler, als tatsächlich auf „Hat noch jemand Fragen?“ eine Hand nach oben geht. „Was bietet der Landesschulrat Lehrerinnen und Lehrern?“ Es folgt betretenes Schweigen. Wenn ich nicht so weit weg sitzen würde, hätte ich vielleicht erkannt, dass Schweißtropfen auf der Stirn des ach so coolen Landesschulinspektors entstehen. Und ein großes Fragezeichen in seinem Gesicht. Lachen im Publikum. So lange, bis ihm die rettende Idee kommt: „Die Schule bietet ihnen …“ Schön, dass er hier so geschickt ausweichen konnte, freut er sich. Das Lächeln auf seinem Gesicht und das schwungvolle Streichen durch das lange, silbrige Haar zeigen es. Eindeutig 68er. Die anderen Fragen bekomm ich nicht mit, muss mich kurz auf das Mädel hinter mir Bitte weiterblättern!


Seite 16 konzentrieren. In ihrem Buch dürfte sie an eine lustige Stelle geraten sein, sie schmunzelt, kichert verhalten und grinst mich an. Nicht wegen des Landesschulinspektors und seiner ungeschickten Manöver. Sondern einfach so. Das Wort wird an Mag. Pauritsch zurückgegeben, die nun deutlich ausführt, woher sie kommt, was sie nicht alles tut. Zum Glück macht sie das so leise, dass sie weder den Publikumsschlaf stört noch meinen Gedankengang, der sich um die beiden Studentinnen rechts vor mir dreht. Auch die Kopfhörer der iPhones, die versteckten Bücher und die Notizen der nächsten Prüfung fühlen sich recht wohl bei dem monotonen Vortrag. Es gibt kaum etwas, das mich nun dazu bringen würde, meine Aufmerksamkeit doch auf vorne, auf die Präsentation oder auf die Vortragende zu richten. Butterbrotpapier raschelt leise. Wenn ich mir nun einen Bleistift ins Ohr rammen könnte, dürfte ich den Raum dann verlassen?, frage ich mich. Ich denke darüber nach, wie man auf die Idee kommt, eine Serie zu entwickeln, die „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ heißt. Ich bin mir sicher, der Produzent war ursprünglich Student und musste auch so leiden. Ich würd jetzt recht viel tun, diesen Raum, diese Lehrveranstaltung verlassen zu dürfen. Spinnen essen, mich nackt in Kakerlaken wälzen, alles – nur diese Teilnahmebestätigung möchte ich haben. Moment, wenn ich diese erste LV schon so schrecklich finde – ist das ganze Studium so? Will ich überhaupt Student sein? Kann ich nicht bitte beim Schlecker ums Eck arbeiten? So schlecht zahlen die gar nicht. Und intellektuell wird man auch gefordert, bei den Preisanpassungen. Inflation und so. Nein, Schluss mit der Sinnkrise. Inskribiert bin ich, da muss ich jetzt durch, denk ich, nehm mein Geldbörserl und schleich mich hinaus. Irgendwo hier wird es doch

wohl Kaffee geben, irgendetwas, das meine Augen gewaltsam öffnet, irgendetwas, das mich nicht einschlafen lässt. Ich kann mir ja schlecht Zahnstocher in die Augen stecken. Andererseits – könnte ich dann die Lehrveranstaltung verlassen? Dürfte ich wegen Krankheit fehlen? Wird mir wegen bereits bestehender Teilnahmslosigkeit die Lehrveranstaltung anerkannt? Ich schleich mich also aus der Aula raus und suche Kaffee. Quer durch das Gebäude, finde die Bibliothek, plaudere mit dem Portier, der mir schließlich den heißen Tipp gibt: Zwei Türen weiter gibt’s Kaffee, einen Stock höher ist die Kaffeemaschine sogar im Raucherzimmer. Ich teste beides. Nach einer halben Stunde wage ich mich wieder in die Aula, in der Hoffnung, die Lage habe sich nun gebessert. Leider treffe ich auf ein Camp der Hoffnungslosigkeit, voller verwahrloster, regloser Körper, die hingebungsvoll tagträumen, von jenen unbeschwerten Stunden in der Universität, von

GeWitter 05/12

denen so viel geschwärmt wurde, vor allem von jenen alten 68ern, die sich liebevoll an ihre glückliche Uni-Zeit zurückerinnern. Die langweiligen Frontalvorträge haben damals anscheinend noch nicht existiert. Ich komme gerade rechtzeitig, um die Studentenzahlen zu hören, und vergewissere mich, dass mein Sitznachbar noch lebt. Er atmet noch, zeigt jedoch sonst keine erkennbaren Lebenszeichen. Dann, wie die Erfüllung eines Gnadengesuchs, die erlösenden Worte: Pause. Nach der Pause werden die Anwesenheitsbestätigungen ver-


Seite 17 teilt. Ein verwirrtes Raunen geht durch die Aula. Schlagartig verlässt mehr als die Hälfte der Anwesenden den Saal. Ich schau meinen Sitznachbarn an. Er lebt doch! Blickt mich mit Achselzucken an, kontrolliert die Teilnahmebestätigung, die blanko ausgestellt wurde, und packt seine Sachen. Ich denke nach: Wenn ich einen Obdachlosen mit einem Kaffee bezahlt hätte, dass er sich für mich hier reinsetzt und mir einen Zettel mitbringt, dann, ja dann hätte ich auch eine glückliche Uni-Zeit verbracht, vielleicht im Café Fotter oder im Bierbaron … Ich hätt ihm auch sagen können, dass es hier warm ist bzw. anfangs noch warm war.

Traum- oder alptraumhafte Orientierungslehrveranstaltung?

Grafik: Kofler

Das ändert sich schlagartig. Sitzreihe um Sitzreihe werden Teilnahmebestätigungen verteilt und Studierende, also junge Menschen und werte Kolleginnen und Kollegen, suchen das Weite. Ist es Zufall, dass dabei der Beitrag über PBV – Pädagogische Berufsvorbildung – und SPA – Schulpraktische Ausbildung – gehalten wird? Ich mein, nicht, dass dies besonders wichtig wär für künftige LehrerInnen … Was ist der Sinn dieser LV, die mit 0,5 ECTS angesetzt ist? Geht es um die Beschäftigung jener Personen, die vorne vortragen müssen? Fehlte ihnen in ihrem Vertrag, in ihrer Lehrverpflichtung, genau so ein bisserl, sodass sie sonst weniger verdient hätten? Oder ging es darum, künftigen Lehrerinnen und Lehrern einen Eindruck davon zu vermitteln, wie fad ein Frontalvortrag sein kann? Dann könnte dies doch durchaus eine wertvolle Lehrveranstaltung sein, quasi Lernen durch Erleben, nicht durch lehrerzentrierten Unterricht. Es müsste nun also eine Conclusio folgen … Tatsächlich folgt der Vortrag der ÖH, die den undankbaren letzten Platz in der Vortragsreihe bekommen hat. Mutig kämpft der junge Bursch um die Aufmerksamkeit des letzten noch an-

GeWitter 05/12

wesenden Publikumsdrittels. Als ich die Lehrveranstaltung inmitten seines Vortrags verlasse – ich halt es einfach nicht mehr aus, bitte lasst mich hier raus! – ist noch ca. ein Viertel aller Sessel besetzt. Ob die jungen Menschen dort noch leben, kann ich jedoch nicht beantworten. Gott im Himmel, bitte erlöse uns. Hol uns hier raus! Aber vielleicht bin ich ja einfach nur zu kritisch … Endfassung Lieber Redakteur, hier meine Endfassung. Das Original, das tatsächliche Protokoll des Abends, ist nicht druckbar, weil zu lang und ausführlich. Daher anbei die überarbeitete Version: Orientierungslehrveranstaltung für Lehramtsstudierende, Allgemeiner Teil, Protokoll eines Abends. 1. 3. 2012. Es ist kurz nach 17 Uhr. In die Orientierungslehrveranstaltung für Lehramtsstudierende sind zahlreiche Studierende gekommen. Die Aula der Karl-Franzens-Universität ist gefüllt. Es ist für so manche die allererste Lehrveranstaltung an einer Universität. ORätin Mag. Pauritsch eröffnet mit der Vorstellung des Landesschulinspektors HR Dr. Hinteregger, der zu aktuellen Problemen der Schule Stellung nimmt. Die Themen reichen von LehrerInnen-Ausbildung über Gesamtschule bis zu Zentralmatura. Dabei spricht er von Erwartungen an künftige Lehrer. Darauf folgt der Vortrag von ORätin Mag. Pauritsch über die Organisationsstruktur der Universität sowie über Verwaltungsabläufe. Mag. Hirschmann nennt in ihrer Präsentation aktuelle Daten und Fakten des Lehramtsstudiums. Nach der Pause erklärt Mag. Kohl schlussendlich die Pädagogische Berufsvorbildung und die Schulpraktische Ausbildung. Im darauffolgenden Vortrag der ÖH werden Rechte und Pflichten der Studierenden erläutert. Die Lehrveranstaltung endet.


Seite 18

GeWitter 05/12

Nachgefragt: STEOP Drei Studierende, Ute Trojer, Ronja Jenko und Gregor Knapp, über die negativen Begleiterscheinungen der STEOP. von Sebastian Scherzer

G

eWitter: Hallo Gregor, was ging bei deiner STEOP schief? Gregor: Bei uns auf der Anglistik ist es so, dass man nicht immer Fixplätze bekommt bzw. es auch im ersten Semester lange Wartelisten gibt. Davon sind auch die STEOP-Fächer betroffen und in einem STEOP-Fach hab ich eben keinen Fixplatz bekommen. Dadurch kann ich die LV erst dieses Semester machen. Aber bis ich diese LV abgeschlossen habe, kann ich nur eine bestimmte Anzahl von ECTS-Punkten vorziehen. Ich glaube, es sind 31. Und über diese Grenze warst du als braver Student natürlich recht schnell drüber. Ja, unter anderem, weil ich Geschichte als gebundenes Wahl-

fach genommen habe und es da ein paar ziemlich punkteintensive Vorlesungen gibt. Ein anderes Problem war, dass ich eines der Fächer, die im UGO als Ergänzungsfach gelistet werden, als freies Wahlfach besucht habe. Am Ende des Wintersemesters hat man mir dann das Fach als Ergänzungsfach angerechnet und es zu den Punkten dazugezählt.

“Auf der Anglistik bekommt man nicht immer Fixplätze. Davon sind auch STEOPFächer betroffen.” Gregor Knapp (21), Anglistik

Welche Folgen hatte das dann? Ich habe dann bei der Sekretärin nachgefragt – sie meinte, dass sie nicht glaubt, dass man mich in der Mitte des Semesters aus irgendeinem Kurs rauswerfen würde. Das ist aber gleich am Anfang passiert. Ich hab mich im Anmeldezeitraum für mehrere LVs der Anglistik angemeldet und aus einer wurde ich dann nach Anmeldeschluss rausgeworfen, nachdem

ich schon einen Fixplatz zugeteilt bekommen hatte, was selbstverständlich ärgerlich ist. Ich hab zuerst der Sekretärin von der Anglistik geschrieben, was man da machen kann. Am nächsten Tag hat sie dann gesagt, sie wird das dem Professor weiterleiten und hat mich zur Studienund Prüfungsabteilung geschickt. Von dort wurde ich dann zum Dekanat geschickt. Die wiederum haben mir gesagt, ich soll zum Institut, zur Sekretärin, damit sie der Studienabteilung einen Antrag darauf schreibt, dass die LV quasi „umgemeldet“ wird. War dir vor Semesterbeginn bewusst, dass du Probleme durch die STEOP kriegen könntest? Ich wusste, dass ich nur eine bestimmte Anzahl an Punkten vorziehen kann und dass es knapp werden könnte. Ich hatte gehofft, dass ich eine Vorwarnung von UGO bekomme, wenn ich diese Grenze überschreite. Dann hätte ich aus meinem gebundenen Wahlfach eine Vorlesung mit fünf ECTS-Punkten auslassen bzw. sie später machen können.

G

Ronja Jenko (18, Französisch) im Gespräch mit Sebastian Scherzer.

Foto: KK

eWitter: Hallo Ronja, welche Probleme hat die STEOP bei dir verursacht? Ronja: Ich konnte aus privaten Gründen nicht zu einer STEOP-Prüfung antreten. Da ich in meinem Studium vor Abschluss der STEOP nur 33,5 ECTS-Punkte vorziehen darf, konnte ich mich im Sommersemester nur für wenige LVs anmelden – ich wollte eigentlich mehr machen, bin aber aus vielen LVs, zu denen ich mich angemeldet hatte, wieder rausgeflogen. Wie war das eigentlich genau bei der Anmeldung?


Seite 19

GeWitter 05/12

P schafft Probleme G

eWitter: Hallo Ute, bitte erzähl von deinen Problemen mit der STEOP! Ute: Ich habe schon ein Alte-Geschichte-Studium abgeschlossen. Nebenher habe ich Latein und Altgriechisch auf Lehramt studiert. Mit Altgriechisch war ich allerdings nicht so glücklich und daher bin ich im Wintersemester 2011 im Lehramt auf Latein und Geschichte umgestiegen. Verständlich – und daraus hat sich dann ein Problem ergeben? Ja. In Latein hatte ich schon die Prüfungen, die man als Voraussetzungen für die LVs im zweiten Semester braucht. Um aber auch in Geschichte etwas anderes als Vorlesungen machen zu können, hab ich mir ein Proseminar und eine Übung aus Alte Geschichte anrechnen lassen. Das Problem war, dass ich nun zu viele ECTS hatte, weil man nur 40 ECTS inklusive STEOP vorziehen darf. Da ich zur Prüfung für die STEOP-LV in Geschichte erst Ende Jänner antreten durfte, war ich derweil von allen Aktivitäten im Studium gesperrt. Kein Professor konnte mir eine Note geben, ich konnte mich zu

keiner Prüfung anmelden und das hätte fast zu Problemen mit einem Praktikumsplatz geführt, weil ich ja offiziell die Voraussetzungen nicht hatte. Gott sei Dank war die Professorin der STEOP-Prüfung so nett und hat meine Prüfung in-

Ich hab mich angemeldet, innerhalb der Anmeldefrist, bin ein paar Tage später aber von UNIGRAZonline wieder rausgeworfen worden. Dann hab ich mich an die Professoren gewandt, aber die wussten auch alle nicht, was zu tun ist, es hat irgendwie niemand wirklich verstanden. Sie haben versucht, mich noch einmal anzumelden, es aber auch nicht geschafft. Die Sekretärin hat es dann auch versucht, das ging aber genauso wenig. Sie hat mir dann aber irgendwann geschrieben, dass ich eben die Anforderungen der STE-

OP noch nicht erfülle. Was hast du dann gemacht? Dann bin ich in die ÖH zur Sprechstunde von der GeWi. Wir sind da dann ein-einviertel Stunden gesessen und haben versucht, irgendeine Lösung zu finden, sind aber nicht wirklich auf eine gekommen, obwohl am Schluss vier Leute da waren, die sich um mich gekümmert haben. Komplizierter wird alles noch, weil ich nach diesem Semester auf mein gebundenes Wahlfach wechseln will. Damit es aber nicht als „richtiger“ Studienwechsel zählt, muss

“Kein Professor konnte mir eine Note geben und ich konnte mich zu keiner Prüfung anmelden.” Ute Trojer (24), Lehramt

nerhalb einer Woche korrigiert, ansonsten hätte ich mich im Februar für keine einzige LV anmelden können. Jetzt bist du aber sicher nicht die einzige Lehramtsstudentin, die eines ihrer Fächer gewechselt hat – das Problem dürfte also öfter auftreten … Oh ja. Vor allem im Bereich Pädagogik hat es eine eigene Prüfungsliste mit Leuten gegeben, die das Zweitstudium gewechselt haben und aufgrund von zu vielen LVs vom Studium gesperrt waren. Das Problem ist, dass sich das System

nicht überlisten lässt. Man ist als Student auf die Gnade der Professoren angewiesen, was in meinem Fall noch einmal gut gegangen ist. Die Schwierigkeiten sind also aufgetreten, weil du dein Studium möglichst schnell abschließen wolltest, was die Uni ja eigentlich unterstützen sollte. Ich bin da auch nur schrittweise dahintergekommen, wie das mit der STEOP läuft, aber im Endeffekt ist es eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Entweder man rechnet sich die VoraussetzungsLVs an und riskiert damit quasi die Sperrung vom Studium oder man legt ein „Sandelsemester“ ein, weil man ohne die Voraussetzungs-LVs so gut wie nichts machen kann. Das führt dann wieder zum Vorwurf, Studenten seien faul, was in dem Fall aber wirklich nicht unsere Schuld ist!

Leserbriefe Auch du hast etwas zu sagen? zum Thema STEOP oder anderen Dingen, die dich beschäftigen? Dann sende deinen Leserbrief an gewitter@oehunigraz.at!

ich innerhalb eines Jahres alle LVs aus meinem gebundenen Wahlfach und aus der Einführungsphase der Romanistik absolviert haben. Aufgrund der STEOP klappt das jetzt aber nicht? Nein, ich kann nicht direkt auf mein gebundenes Wahlfach wechseln, sondern nur einen tatsächlichen Studienwechsel machen. Die Begründung war, dass ich nicht alle Proseminare, die ich von der Sprachwissenschaft brauche, dieses Semester machen kann, weil mir die eine Prüfung aus meiner STEOP fehlt.


GeWitter-Redakteur Kevin Eberhard auf der nicht ganz einfachen Suche nach sogenannten “Caches�. Fotos: Kaindlbauer


Seite 21

GeWitter 05/12

Die Schnitzeljagd des 21. Jahrhunderts ich zwischen zwei Zweigen steckend eine kleine Dose. Das muss er doch sein! Ja, der Cache war gehoben. Jubelnd beschließe ich daraufhin, meine Caching-Karriere auf ihrem Höhepunkt zu beenden.

eocaching ist sozusagen eine elektronische Schnitzeljagd, bei der online präsentierte Verstecke („Caches“) gesucht und gefunden werden können. Bestenfalls trägt sich der Finder in ein Logbuch ein und dokumentiert so seinen Erfolg. Durch Zufall aufs Geocaching gestoßen, will ich diesen weitgehend unbekannten Trend nun ausprobieren. Nach kurzer Suche im Internet finde ich auch die offizielle Homepage und wähle als Anfänger einfachere Caches am Uni-Campus aus. Mithilfe der Geocaching-App, die ich mir auf mein Smartphone geladen habe, kann ich mir die Standorte meiner ausgewählten Caches genau anse-

hen. Siegessicher komme ich vor dem Hautgebäude unserer Uni an. Der erste Cache namens „Redeverwendungen“, Schwierigkeitsstufe 2,5 von 5, ist ein Mystery-Cache. Das bedeutet, um zu den Koordinaten zu gelangen, muss ich zuvor einige Rätsel lösen, was mir dank Google gleich gelingt. Während ich die herablassenden Blicke der Muggel auf mir spüre, versuche ich, mögliche Verstecke zu erkennen, sehe auf, hinter und unter jede Tafel und Sitzbank. Zwischendurch blicke ich Hilfe suchend aufs Smartphone. Zwecklos, der erste Cache bleibt für mich leider verborgen. Enttäuscht mache ich mich auf zu Cache Nummer 2, genannt „KFUni Graz“, irgendwo neben dem ReSoWi mit derselben Schwierigkeit wie der Cache zuvor. Wieder durchkämme ich alle Sträucher, Bäume, scheue auch vor keinem Mistkübel zurück. Wieder ohne Erfolg. Zusätzlich verfolgen mich verständnislos starrende Muggel. Als ich schon nicht mehr an mein Caching-Talent glaube, entdecke

Hilfestellung via GPS und App.

Die Verstecke können überall sein.

Reich wird man beim Cachen nicht.

Die Jagd auf im Internet veröffentlichte Verstecke beginnt. Gesucht wird elektronisch per GPS – ein Selbstversuch. von Kevin Eberhard

G

BLITZINFO Geocaching: von griechisch geo für „Erde“ und englisch cache für „geheimes Lager“ Geocache = Behälter, in dem sich ein Logbuch und andere (Tausch-) Gegenstände befinden Größe: von Nano (unter 1 cm) über Regular (1 bis mehrere Liter) bis Large (über 19 Liter) Varianten: Traditional Caches: direkte Position ist angegeben Multi-Caches: mehrere Orte mit Hinweisen, die zum endgültigen Versteck führen Mystery-Caches: Rätsel, Recherche oder Knobelei im Vorfeld Muggel: Außenstehende, die Geocaching nicht kennen Der erste Geocache wurde am 3. Mai 2000 in der Nähe von Portland, Oregon vergraben, er wurde noch am selben Tag gefunden. 1.600.000 aktive Caches (Stand: Feb. 2012) weltweit, davon über 19.000 in Österreich http://www.geocaching.com


Seite 22

GeWitter 05/12

Der Met-Schmied und sein Honigreich Metbrauer von Beruf: Engelbert Schmied. Foto: KK

Er studiert Alte Geschichte und Altertumskunde. Ganz nebenbei kreiert Engelbert Schmied erfolgreich feinsten Honigwein. von Astrid Schmölzer

W

enn er einem gegenübersitzt, kommt man gar nicht auf die Idee, dass er einen sehr ausgefallenen Beruf hat, für den es eigentlich nicht einmal eine richtige Bezeichnung gibt. Aber das Ungewöhnliche fasziniert und so hat er sich auch für das Studium der Alten Geschichte und Altertumskunde an der KarlFranzens-Universität Graz entschieden. Seine Vorliebe für Honigwein führte den angehenden Magister Engelbert Schmied, dessen Diplomarbeit am stetigen Wachsen ist, auf ganz interessante, geschmackvolle Abwege. Der Beginn – Römer und Germanen Im Sommersemester 2009 besuchte er die Lehrveranstaltung „Römer und Germanen“ bei Prof. Klaus Tausend. Zu diesem Thema wurde als Lehrveranstaltungsziel eine Ausstellung bei der Langen Nacht der Museen angesetzt. Als Special für alle Museumsbesucher: Spanferkel und Met. Nun stellte sich Engelbert Schmied die Frage nach dem guten Met. Er persönlich trinkt ihn gerne, den Honigwein, doch leider findet man nur sehr schwer wirklich guten Met. Aus diesem Grund begann er, sich in das Thema einzulesen. Die Geschichte des Mets ist mit der des Menschen seit Jahrtausenden verknüpft. Met ist wahrscheinlich so alt wie Honig selbst, da er unter bestimmten Umständen in der Natur entstehen kann. Honig ist neben Wein eines der Opfer an die Götter, er genießt besonders hohen Stellenwert in der Mythologie sämtlicher Kulturvölker der Erde. Zum Thema Met gibt es umfassend viel Literatur, man kann sich mit Honig als Ausgangsprodukt beschäftigen, mit dem Wein an sich und mit den verschiedenen Arten von Met. Obwohl Met allgemein als Honigwein bezeichnet wird, findet sich in ihm keine Spur von Wein. Weitverbreitet ist der


Seite 23 Irrglaube, man mische Weißwein hinzu. Es gibt ein Grundrezept für Met, welches erstmals von Plinius dem Älteren im 1. Jh. n. Chr. in seiner Naturgeschichte überliefert wird. Das Honigimperium – ein kurzer Überblick Nach ersten, durchaus zufriedenstellenden Versuchen begann unser Met-Schmied, mit verschiedenen Sortenhonigen, wie Orangenblütenhonig, Kaffeeblütenhonig und Eukalyptushonig, zu experimentieren. Die Versuche mit den teuren Sortenhonigen glückten und führten zu wahren Gaumenfreuden. Doch nun stand unser Metbrauer vor einem neuen Problem: Die Honige kosteten enorm viel Geld, das ihm allmählich ausging. Gleichzeitig beschäftigte es ihn, wie viele Möglichkeiten an Kombinationen und Varianten er noch ausprobieren könnte. Aus diesen praktischen Gründen entschloss er sich schließlich dazu, seine Metbrauerei als selbstständigen Betrieb anzumelden und an seinen Gaumenfreuden nicht nur Familie und Freunde, sondern auch den Rest der Welt teilhaben zu lassen. Seit Juni 2010 ist das Unternehmen Met-Schmiede bereits angemeldet und der Erfolg der Produkte kann sich durchaus sehen lassen: Bei einem Wettbewerb in der „Taverne zum Güldenen Bären“ belegte unser Metbrauer gleich mit seinem siebenten Ansatz den zweiten Platz, als einer von insgesamt zwölf Anwärtern aus Deutschland und Österreich. Ein Jahr später, 2011, schafft es Engelbert Schmied auf Platz 1. Am 11. 2. 2012 war er mit drei Sorten am Start und erkämpfte sich mit Geschmack und Qualität die Plätze 1, 3 und 5. Die „Taverne zum Güldenen Bären“ in Graz war auch der erste Fixabnehmer für seine Metprodukte. Honigweinfans sei daher ans Herz gelegt, dort ein Gläschen himmlischer Metfreuden aus der Met-Schmiede zu genießen. Den Honig bezieht Engelbert

Schmied hauptsächlich vom Steirischen Imkerzentrum, womit er besonders lokale Imker unterstützt. Zudem hat die MetSchmiede ihr eigenes besonderes Angebot an die Imker: Man produziert einen Met speziell aus ihrem Honig und verlangt dafür eine Pauschale, die sich aus Arbeitsaufwand und Materialkosten erschließen lässt. So können die Imker ihre Ladenhüter- oder Problemhonige in ein gänzlich neues Produkt verwandeln, das länger haltbar ist und zudem eine Wertsteigerung mit sich bringt. Doch auch die exotischen Experimente wie z. B. Eukalyptushonig haben Engelbert Schmied nicht mehr losgelassen. Die exklusiven Sortenhonige bezieht er über deutsche Großhändler. „Die haben laufend Qualitätskontrollen. Da kann ich sicher sein, dass ich ein gutes Produkt eingekauft habe.“ Die Met-Schmiede – Werkstatt des Honigmeisters Als Produktionsraum dient dem Met-Schmied der Keller seines Elternhauses, der früher ein Holzlager war, jetzt jedoch nach eingehender Renovierung gefliest in neuem Glanz erstrahlt. Der Raum ist etwa 6 mal 4 Meter groß und bietet Platz für mehrere Gefäße, in denen der Met hergestellt wird. Die gesamte Produktion erfolgt von Hand, die einzige Maschine, die zum Einsatz kommt, ist ein Filterapparat, um den

GeWitter 05/12

Met von seinen Schwebestoffen zu befreien, bevor er abgefüllt wird. Doch wie macht man nun Met? In den meisten Rezepten spricht man davon, dass Honig aufgekocht wird. Engelbert Schmied verrührt Wasser und Honig noch in kaltem Zustand zu einer homogenen Masse, um die temperaturempfindlichen positiven Inhaltsstoffe des Honigs zu schützen. Die einfache Metformel sieht folgendermaßen aus: Wasser + Honig + Weinhefe. Theoretisch könnte man den Honigwein auch mit Brothefe machen, doch der Geschmack wäre dann ein deutlich anderer. Der Gärungsprozess nimmt mindestens zweieinhalb Monate in Anspruch, maximal lässt Engelbert Schmied seine Weine bis zu vier Monate gären. Auch acht Monate wären möglich, doch für einen Jungunternehmer und Studenten äußerst unwirtschaftlich. Zeitgleich schafft der Met-Schmied mindestens vier Ansätze. Insgesamt produziert Engelbert Schmied 4000 Liter pro Jahr, aufgeteilt auf ca. 30 Sorten. Nebenbei wird ständig an neuen Kombinationen und Sorten getüftelt. Für die Zukunft steckt sich der Met-Schmied sehr ehrgeizige Ziele. Er will seinem Metier auf alle Fälle treu bleiben, seine Produktion vervierfachen und den Arbeitsaufwand um die Hälfte reduzieren, um sich den Traum einer eigenen Imkerei verwirklichen zu können.


Seite 24

Nikolaus Reisinger und Franz Stangl.

Foto: Kaindlbauer

GeWitter 05/12

Das Gute liegt so nah! Forschung erleben, Kunst entdecken und in Geschichte(n) eintauchen ... hört sich kaum nach Uni an? Von wegen! von Jennifer Brunner und Sandra Zivanovic

I

n den verborgenen Kellerräumen des Hauptgebäudes warten mehr als 3.000 originale Tatgegenstände, Kriminalakten und Hintergrundgeschichten darauf, von großen und kleinen Detektiven gesichtet zu werden und in die Welt der Kriminalistik einzuführen. Das Kriminalmuseum, das nach dem Begründer der Kriminalistik Hans Gross benannt wurde, macht aber nur einen von drei Teilen aus der Gruppe der Unimuseen aus. Ebenso ist nämlich das jüngste, das UniGraz@

Wissenschaft zum Angreifen.


Seite 25

Forschung, Kunst und Geschichte mit allen Sinnen erleben – in den Museen der Universität Graz.

Museum, in den tiefen Katakomben am Universitätsplatz 3 aufzufinden. Nicht nur das größte digitale Buch Europas, das die Geschichte unserer Universität präsentiert, und die längste Wellenmaschine der Welt machen das erst einjährige Projekt zu einem Erlebnis, sondern auch Einblicke in die Geschichte des Grazer Physikinstituts und fundierte Beiträge zur Diskussion über die ethischen Aspekte in den Wissenschaften. Dieses sehr umfassende, breite Spektrum der kürzlich zum „Museum des Monats“ gekürten Ein-

richtung wird noch weiter ergänzt durch Sonderausstellungen zum Maya-Kalender (17. 10.–31. 01.), durch die „Internationale Lange Nacht der Museen“ (19. 05.) und die „Lange Nacht der Talente“ (12. 06.), an der Studierende selbst aktiv teilnehmen können. Wer noch mehr will, sollte das „Haus der Wissenschaft“ (Elisabethstraße 27) aufsuchen, wo nicht nur die aktuelle Arbeit von WissenschaftlerInnen verblüfft, sondern auch die Dauerausstellung zu den Physikern Erwin Schrödinger (der mit der untoten Katze) und Viktor Franz Hess (Ra-

GeWitter 05/12

Fotos: Kaindlbauer

dioaktivität), die durch eine Multimedia-Darbietung zu den Nobelpreisträgern Otto Loewi und Karl von Frisch erweitert wurde, staunen lässt. Museumsleiter Prof. Nikolaus Reisinger und Mag. Franz Stangl, der Kustos des UniGraz@Museums, freuen sich auf euren Besuch.

Eintrittspreise Eintrittspreise im UniGraz@Museum Erwachsene: € 4,Gruppen ab 10 Pers.: € 3,Kinder, Lehrlinge, Studierende, Präsenzdiener, Behinderte: € 2,-

Bibliotheken Fachbibliothek Germanistik

Wo? Universitäts-Hauptgebäude, EG rechts Bestände: ca. 73.000 Bände 95 laufende Zeitschriften ca. 2.300 Videofilme, Tonkassetten (Didaktitk), CD-Roms (Begleitmaterial Linguistik) Fläche: 361m2; 3 PC´s, W-Lan Besonderheiten: sehr benutzerorientiert; die Aufstellung erfolgt nach Fachgebieten, bei der Suche nach der passenden Literatur zu einem Thema findet sich gleich eine Materialsammlung, die verschiedene Autoren zur Verfügung stellt; Betreuung von 35 Semesterhandapparaten. Leiterin: Dr. Claudia Bosnyak Mitarbeiter: Mag. Julia Hirsch, Richard Pauger Öffnungszeiten: Mo, Di, Do 9-15.30 Uhr; Mi 9-17 Uhr Fr 9- 13 Uhr; Entlehnung und Rückgabe: 9-12.30 Uhr; Vorlesungsfreie Zeiten: Mo-Fr 9-13 Uhr Nachmittage laut Aushang (Text/Foto: Marcela Dvorakaova)


Seite 26

GeWitter 05/12

Meine Eltern wissen nicht, was ich tue Versuch einer Bestandsaufnahme. Inventur des studentischen Lebens. Funktion: Vermittlung zwischen den Fronten. von Jennifer Brunner

I

rgendwann fliegen sie aus, die Kinder, und entziehen sich, mal abgesehen von einer gängigen finanziellen Abhängigkeit, dem Blickfeld der Eltern. Und irgendwie scheinen die Nestflüchtigen in einem großen, nebulösen Abenteuer namens UNI zu verschwinden, das häufig zu gegenseitigem Unverständnis führt. Ein merkwürdiges System ist es ja tatsächlich, dieses ganze UniDing, mit seinem bürokratischem Apparat, seinen Studiengängen, Beschränkungen, Zulassungen, Anrechnungen, VUs, VOs, Modulen, Abschnitten, Abteilungen, BA, MA etc. und so gut wie alle Studierende haben von Zeit zu Zeit damit zu kämpfen. Aber irgendwann ist man drinnen, kennt die Codes, die Wege, die Anlaufstellen und verwendet ein Vokabular, das nur in diesem eingeschränkten Rahmen unter Kollegen verstanden wird. Wie erklärt man jemandem, der nie Teil dieser Institution war, wie sie funktioniert und was man da eigentlich tut? Mit Sicherheit ist die Verständnisschwelle geringer, wenn man aus einer Familie kommt, in der die Eltern selbst

studiert haben, allerdings heißt das nicht automatisch, dass die Studierenden von damals eine realistische Vorstellung vom universitären Betrieb der Gegenwart haben. Der Normalfall scheint sich jedenfalls eher derart zu gestalten, dass die Vorstellungen der Eltern sich kaum mit der Lebenswelt ihrer Kinder decken, dass allerdings dennoch Erwartungen gestellt werden, die verbunden mit großen Worten wie „Stolz“, „Erfolg“ und „Hoffnung“ Druck aufbauen. Wie sich dieses Kommunikationsproblem gestaltet, sollen die folgenden, oft gehörten Fragen zeigen. „Was studierst du da noch mal genau?“ Bis zur Matura bleibt für Verwandte und Uni-Ferngebliebene noch verständlich, dass man in Hauptund Nebenfächern jede Woche ein paar Stunden zu absolvieren hat. Undurchsichtig wird es jedoch, wenn das Beobachtungsobjekt nur noch in einem Bereich geschult wird. Wie wenig Einsicht besteht, wird beispielsweise deutlich, wenn man als Studentin der Deutschen Philologie als „Germanin“ bezeichnet wird oder wenn die Mutter Block und Bleistift zückt, um sich die Studienrichtungen ihrer Tochter, nach denen die Arbeitskollegen schon wieder gefragt haben, zu notieren. Zwar wäre es zu viel verlangt und mit Sicherheit auch zu viel des Guten, wenn man sich erwarten

würde, sich mit seinen Eltern über die fraglichen Details des letzten Proseminars auszutauschen, aber wie mag sich die Einstellung zur studentischen Tätigkeit des Nachwuchses gestalten, wenn man nur weiß, dass der jetzt „irgendwas mit Sprachen“ (Sprachwissenschaft) macht oder dass die „viele Bücher lesen muss“ und jetzt für etwaige Fragen der Rechtschreibung die zuständige Ansprechpartnerin ist (Germanistik)? Es mag überzogen sein, doch macht es den Anschein,


Seite 27

Der Graben zwischen Vorstellung und Realität wird immer größer. Grafik: Sara Sternat

als sei das Interesse am Inhalt des Studiums das am wenigsten ausgeprägte. Dass beispielsweise eine schriftliche Arbeit von Papa und Mama tatsächlich gelesen wird, grenzt an Utopie. Begründet wird das häufig damit, dass sie ja sowieso nichts davon verstünden und der lange Titel mit seinen Fremdwörtern als Abschreckung mehr als genüge. Auch noch so bemühtes „Herunterbrechen“ auf das Wesentliche und Erklärungen jeglicher Art fruchten kaum und

vielleicht wäre das auch einfach eine unrealistische Erwartung. So könnte man diesen Umstand auch einfach als gegeben hinnehmen, doch scheint Ärger darüber zumindest dann berechtigt, wenn dieses Desinteresse am Inhalt gepaart ist mit den ganz gegenläufigen großen Erwartungen an die Zukunft der Sprösslinge: „Was bist du dann? Magister?“ Dass das Bachelor/Master-System bis dato nicht flächendeckend in die Welt da draußen durchgedrungen ist, mag nicht weiter verwundern und ist auch relativ leicht erklärbar, wenn sich Tochter/Sohn damit zufriedengibt, den Status als Bachelor als eine Art Vorstufe zu definieren, als die er ja de facto auch vom restlichen Österreich betrachtet wird. Dass allerdings bei Ausführungen zum Master – „das ist so etwas wie früher der Magister“ – die Augen der meisten Eltern zu leuchten beginnen, mag wiederum so manches Missverständnis begründen. Einen Titel in Aussicht zu haben, scheint bei vielen Papas und Mamas nach wie vor ein Bild vor ihrem geistigen Auge entstehen zu lassen, das rosaroter nicht sein könnte: Endlich einen Magister in der Familie, ein Gehalt, das locker über 3000 € liegt, wird sich von selbst ergeben. Insbesondere Studierende der Geisteswissenschaften haben mit dieser Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung von außen und tatsächlich bevorstehender Zukunft zu kämpfen. Unbezahlte Praktika, Arbeitslosigkeit, schlecht bezahlte Stellen, die kaum etwas mit dem Studium zu tun haben, stehen in einem starken Kontrast, eigentlich in keinem Verhältnis mehr, zu den Vorstellungen der Eltern, die bei den Zeugnissen immer noch die „Sehr gut“ zählen. Ein ähnlich starker Gegensatz zeigt sich auch bezüglich des Zeitaufwands des Studiums: „Und wie lange brauchst du jetzt noch?“ Diese Unstimmigkeiten betref-

GeWitter 05/12

fen zweierlei: einerseits das Arbeitspensum von Studierenden während eines Semesters und andererseits die Studiendauer. Nicht selten müssen etwaige Beweise wie dicke Skripten oder Pflichtlektüre für eine Lehrveranstaltung vorgelegt werden, um die Mühe, die hinter einem Studium steht, deutlich zu machen. Ziel ist es aufzuzeigen, dass Studieren kein Zuckerschlecken ist, was sich äußerst schwierig gestalten kann, wenn das Gegenüber sich den prototypischen Studenten als jemanden vorstellt, der monatelang freihat, z. T. wenige Präsenzstunden auf der Uni hat und sein Arbeitspensum im Prinzip frei wählen kann. Es ist nicht zu leugnen, dass Studieren an sich viele Freiheiten bietet, doch meint das nicht nur Erleichterung, sondern vor allem ständig Verantwortung, Selbstorganisation und Selbstmotivation aufrechterhalten zu müssen. Da viele Eltern glauben Uni = Schule, besteht auch wenig Verständnis für eine etwaige Verzögerung der Studiendauer, die sich nicht ausschließlich durch Negatives wie Faulheit oder nicht bestandene Prüfungen ergeben kann, sondern auch schlicht das Ergebnis davon sein kann, dass man sich intensiver mit einem Fach auseinandersetzen möchte, ein Zweitstudium aufnimmt oder dass man unverschuldet keinen Platz in einer LV bekommen hat. Doch der Grund hinter einer Verlängerung ist wenig entscheidend, denn eine Rechtfertigung muss so gut wie in jedem Falle her. Letztlich stellt sich die Frage, ob es wichtig ist, was unsere Eltern von unserer Arbeit halten. Einige scheinen sich mehr Respekt und Anerkennung zu wünschen und würden ihre Eltern gerne mehr einbinden, anstatt sie die Universität nur einmal bei der Sponsion von innen sehen zu lassen. Doch um andere zu überzeugen, braucht es vor allem Selbstachtung vor den eigenen Entscheidungen und dem eigenen Handeln.


Seite 28

GeWitter 05/12

Extrem laut und unglaublich: wahr Jonathan Safran Foer erzählt in „Extrem laut und unglaublich nah“ die Geschichte des neunjährigen Oskar, der am 11. September 2001 seinen Vater verliert. von Christoph Grabuschnig

D

ie Terroranschläge des 11. Septembers spielen in Foers Buch eine Nebenrolle, sind Nebenschauplätze. Vielmehr dreht sich die Geschichte um das Thema „Suche“. Die Suche eines kleinen Jungen nach dem Sinn. Oskar, so der Name des Protagonisten, ist für sein Alter ein sehr reifer und intelligenter Junge. Nach dem Tod seines Vaters bei den Terroranschlägen auf das New Yorker World Trade Center versteht er die Welt nicht mehr. Wie konnte ihn sein Vater so plötzlich verlassen? Eines Tages entdeckt der Junge einen Schlüssel mit der Aufschrift „Black“ im Kleiderschrank seines Vaters. Es beginnt eine Suche nach dem Sinn dieses Rätsels, die Oskar quer durch New York führt. Die Auflösung des Rätsels bedeutet für Oskar gleichzeitig die emotionale Aufarbeitung des Todes seines Vaters. Die Leute, die Oskar auf seiner Reise trifft, könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie alle vermitteln aber eine Botschaft: Man muss im Leben für das, was man erreichen möchte, kämpfen. Dabei verfolgt jeder einen anderen Ansatz. Jonathan Safran Foer zieht hier auch Parallelen zu seinem eigenen Leben. Er selbst ist jüdischer Abstammung und verfolgt in seinem Roman seine Familiengeschichte bis zum Holocaust. Oskar dient ihm als Leitfigur, als unschuldiger Wegbegleiter des Lesers durch ein Labyrinth des

Hinterfragens und der Sinnsuche. Extrem nahe gehen auch die Illustrationen. Foer lässt einen Unbekannten, der aus Verzweiflung den Freitod wählt und aus einem der brennenden Twin Towers springt, wieder in das World Trade Center zurückspringen. Solche und andere Bilder regen den Leser zum Nachdenken an und tragen zur persönlichen Bildgebung der Geschichte bei. Vielfach rezensiert Seit dem Erscheinen des Buches im Jahr 2005 wurden schon unzählige Rezensionen veröffentlicht. Vivian Minnear Malkowsky beispielsweise schrieb 2005: „Jonathan Safran Foer hat eine opulente Story über die Liebe (...) und die Angst geschrieben. Und für den Hass, der sie ersticken wollte, hatte er keine einzige Zeile übrig. Anklagen sind nicht sein Thema. Sein Roman, der auch das Schicksal der jüdischen Großeltern Oskars aus Dresden erzählt, ist auf eine bezaubernde Art magisch, tragisch und voller Witz.“ Damit spricht sie Foers Versuch an, zwei Tragödien der Menschheitsgeschichte, jene des Holocaust und jene des 11. September, miteinander in Einklang zu bringen. Die „Frankfurter Rundschau“ meinte dazu, dass diese Parallele zwischen Dresden und den Twin Towers keineswegs politisch unkorrekt oder heikel erscheine, da es Foer nicht um die historischen Fakten gehe. Vielmehr behandelt

der Autor die subjektive Dimension der Erfahrung von Leid und Angst. Durch den Protagonisten Oskar schafft der Autor hier ein „emotionales Zentrum“. Ein 9-Jähriger, der seinen Vater verliert, das geht nahe und lässt den Leser noch nachdenklicher werden. Der Film (ab 22. Juni im Handel erhältlich), der heuer für einen Oscar nominiert war, kommt zwar nicht an das Buch heran, ist aber dennoch sehenswert.

gewinnspiel Wir verlosen fünf Exemplare von Jonathan Safran Foers „Extrem laut und unglaublich nah“! Beantwortet folgende Gewinnfrage und nehmt an unserer Verlosung teil: Wie hieß Jonathan Safran Foers erster Roman aus dem Jahr 2002? a.Alles ist erleuchtet b.Alles ist erhellt c.Alles ist beleuchtet Sendet uns die richtige Antwort an gewitter@oehunigraz.at, Betreff: Gewinnspiel. Wir danken dem S. Fischer Verlag Hamburg für das Zurverfügungstellen der Verlosungsexemplare!


BINDESERVICE Du erstellst dein Dokument den Rest erledigen wir.

Ob als Online-Auftrag oder bei uns im Shop - wir fertigen deine Arbeit nach deinen Vorstellungen. Für die Bindung stehen dir - je nach beabsichtigtem Verwendungszweck unterschiedliche Bindearten und viele Einbandfarben zur Auswahl.

Spiralbindung Thermobindung Diplomarbeitenbindung (Hardcover) Softcover (Hotmelt-Klebebindung)

www.oeh-servicecenter.at

ÖH-ServiceCenter Schubertstraße 6a 8010 Graz

GeWitter Mai 2012  

Zeitschrift der FV-GeWi

Advertisement