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2 Text

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GEWITTER JUNI 2013

DONNERWETTER

G

anz Österreich wirft der ÖH vor, zu viel

INHALT

Gesellschaftspolitik und zu wenig Studierendenpolitik zu betreiben. Ganz Österreich?

Nein! Noch-Gewi-Dekan Helmut Konrad beschwerte sich kürzlich in einem Interview mit dem WebradioTeam der Uni Graz darüber, dass sich die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft heute im

ÖHOGWARTS 4-5

Prinzip nur noch auf Studierendenpolitik fokussiert.

Helmut Konrad, der uns vor einigen Monaten

DIE RACHE DER GEWIMAUS 6-7

erklärt hat, dass die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, eigentlich egal sind, weil sie sowieso erst tragend werden, wenn er schon längst tot sein

LION-EL-MAUSSI 8-9

wird und wir unsere „ÖH-Karriere“ bereits beendet haben werden, bedauerte gewohnt eloquent im

DIE RACHE DER GEWIMAUS II 10-11

Interview mit dem Webradio: „… diese großen Entwürfe, die unsere Jugend geprägt hat … zu sagen: Was wollen wir eigentlich anders? Wir wollen

ZUM MÄUSEMELKEN 12-13

anders leben, … dass das jetzt weggedriftet ist.“

Um dem scheidenden GeWi-Dekan eine

GEWITTRA 14-15

Freude zu machen, hat sich die FV GeWi dazu entschlossen, wieder (?) mehr Gesellschaftspolitik zu betreiben. So wollen auch wir uns, ebenso wie

DISPOSABLE WOMEN 16-18

Helmut Konrad in den 60er Jahren, für eine andere, bessere Art und Weise zu leben stark machen und mit den springenden, singenden Elfen, die in den Blumen

DIPLOMSTUDIEN 19

wohnen, spielen. Umwelt- und Tierschutz sind uns übrigens auch ein besonderes Anliegen, weshalb

HÄTTI WARI 20-21

wir stolz darauf sind, verkünden zu dürfen, dass bereits seit über 16 Jahren keine Maus im Büro der FV-GeWi eines unnatürlichen Todes sterben musste. LG

ABSCHLUSSARBEITEN* 22-23 TRAMINER 24-25

Eure Animalitätsvertretung

GEWITTER - GESCHICHTEN 29-32 *Inklusive Impressum


Resümee meiner Zeit als Mitarbeiterin der ÖH Uni Graz

I

n den letzten beiden Jahren hatte ich verschie-

— Gefährte Ron Weasley steht loyal zu seinen Kol-

denste Funktionen an der ÖH inne, die von der

legInnen und vertritt bedingungslos sein Haus.

Arbeit als Studienvertreterin bis zur Kurienspreche-

Innerhalb der ÖH war er sogar dazu bereit, anstelle

rin der Studierenden der Geisteswissenschaftlichen

seines Helden den Vorsitz zu übernehmen. Auch eine

Fakultät reichten. In dieser Zeit konnte ich einen

Hermine Granger kann man im Hause Gryffindor der

recht guten Einblick in die interne Organisation der

ÖH finden, eine sehr kluge und gebildete junge Dame,

ÖH gewinnen und einige spannende Erfahrungen

die sich stets um die, vor allem rechtlichen, Angele-

machen. Als Unfraktionierte war es mir möglich,

genheiten ihres Hauses gekümmert und die Arbeit

das – meiner Meinung nach absolut lächerliche –

ihrer beiden männlichen Kumpanen übernommen

Gehabe der Parteien mitzuerleben, wovon ich hier

hat. Nach dem Schulabschluss ist unsere Hermine

berichten möchte. Da es uns leider verboten ist, die

allerdings zu den Todessern übergelaufen, um dort

Fraktionen namentlich im GeWitter zu erwähnen (eine

eine große Karriere zu starten – was AbsolventInnen

weitere alberne Vorschrift), habe ich mir eine Meta-

von Gryffindor auch schon des Öfteren geglückt ist.

pher überlegt: die magische Welt von Harry Potter.

Slytherin

Gryffindor „Der FLUG des Schafes ist ein gutes Zeichen!“

„A Geh! Wir setzen uns nicht für

das Gemeinwohl ein, sondern nur für unser eigenes.“

Gryffindor ist das wohl bekannteste Haus von

Die Beschreibung des Hauses Slytherin von J.K. Rowling

Hogwarts, was wahrscheinlich an der Präsenz des

lässt sich in folgenden Worten zusammenfassen:

berühmt-berüchtigten Zauberlehrlings Harry Potter

zielstrebig, (hinter)listig und „reinblütig“. Diese Charak-

und seiner Freunde liegt. Auch innerhalb der ÖH

teristik passt wie maßgeschneidert auf eine bestimmte

stellt dieses Haus den bekanntesten Mitarbeiter: den

ÖH-Fraktion, die sich ebenfalls durch diese Merkmale

Ex-Vorsitzenden, der jedoch absolut nichts mit Harry

auszeichnet. Die „Reinblütigkeit“ spielt hierbei eine

Potter gemein hat. Er ist weder tapfer, noch mutig.

unwahrscheinlich große Rolle, ohne die man wohl kein

Das zeigte sich in diversen (verlorenen) Kämpfen,

Mitglied werden darf. Im Buch trägt der Oberfiesling

die er sich mit dem Dunklen Lord, dessen Adresse

den Namen Draco Malfoy, innerhalb der ÖH würde

der Universitätsplatz 3 ist, lieferte. Außerdem spricht

ich diese Rolle aber eher jener Kollegin zuschreiben,

er nicht mit charmantem britischen Akzent, sondern

die ironischerweise den Vorsitz über den ÖH-Sonder-

einem unverkennbar deutschen. Aber beide haben ein

projekttopf hat. Sie führt ihr Gefolge, darunter die

besonderes körperliches Merkmal: Harry aus Hogwarts

wichtigsten Mitglieder Gregory Goyle, seines Zeichens

trägt eine blitzförmige Narbe auf der Stirn, unser Harry

Ex-Finanzreferent, und Vincent Crabbe, auch bekannt

hingegen zeichnet sich durch ein fehlendes Rückgrat

als ehemaliger 1. stv. Vorsitzender der ÖH Uni Graz, her-

aus. Sein treuer — aber etwas einfach gestrickter

risch an. Slytherin zeichnet sich — sowohl in Hogwarts

von BEATRICE

MAIERHOFER


als auch ÖH-Kreisen — durch eine hierarchische Struktur aus. Auch die Anzahl der Mitglieder ist beachtlich, vielleicht weil in unserem Fall nicht der sprechende Hut, sondern die „Reinblütigkeit“, unterstützt von massiver Indoktrination, über die Zugehörigkeit entscheidet. Was aber in der Welt der Zauberei nie möglich gewesen wäre, wurde in unserer umgesetzt: nämlich die Kooperation zwischen den Häusern Gryffindor und Slytherin. Anfangs hatte es den Anschein, dass diese funktionieren würde, jedoch kündigte Gryffindor kurz vor der diesjährigen ÖH-Wahl (purer Zufall?) die Zusammenarbeit auf.

Hufflepuff

„Das G R A S grünt so grün!“

Das Haus Hufflepuff zeichnet sich dadurch aus, dass jeder zu einem Hufflepuff oder einer Hufflepuffin werden kann. Also spielt weder die Herkunft, noch die gesellschaftliche Stellung und schon gar nicht das Geschlecht eine Rolle für die Aufnahme in die Gemeinschaft der Hufflepuffs. Jeder hat eine Chance verdient – an und für sich ein niedlicher Gedanke. Weiters ist Akzeptanz eine zentrale Tugend im Hause Hufflepuff. Jedes Mitglied hat bei wichtigen (und auch unwichtigen) Entscheidungen dasselbe Mitspracherecht und es wird diskutiert, bis alle mit dem Ergebnis glücklich bzw. „auf einen grünen Zweig gekommen“ sind. So positiv das Bild nun auch erscheinen mag, muss man leider feststellen, dass es sich hier nicht gerade um das leistungsorientierteste Haus handelt. Innerhalb der ÖH kommt dies insofern zum Vorschein, als die Mitglieder zwar für wichtige Werte wie Demokratie, Nachhaltigkeit und Feminismus eintreten, aber leider selten konkrete Inhalte präsentieren können. Die Gesellschaftspolitik erhält gegenüber der praktischen Unipolitik hier den Vorzug. Und so kommt es, dass man die HufflepuffInnen öfter im grünen Gras vor der Hauptuni als im ÖH-Gebäude antrifft.

*Natürlich sind innerhalb der ÖH noch weitere Fraktionen vertreten, dieser Artikel soll nur einen kurzen Abriss der vier größten darstellen.

Ravenclaw „Miteiner FAUST kannmansichalleTürenöffnen!“ Die Stärke der Ravenclaws aus Hogwarts liegt in ihrer überragenden Intelligenz, was bei den ÖH-Ravenclaws noch fraglich ist. In unserem Fall handelt es sich um einen Ableger einer großen Partei, die viel Mitspracherecht im Zaubereiministerium hat. Es ist höchst verwunderlich, dass die Ravenclaws und die Mutterpartei sich in der Theorie zwar dieselben Ziele setzen, diese in der Praxis aber auf unterschiedliche Weisen verfolgen. Obwohl sich das „soziale“ Haus generell gegen Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren ausspricht, wurden genau diese vom Zaubereiministerium – in dem seine älteren KollegInnen eigentlich das meiste Mitspracherecht haben sollten – durchgesetzt. Man möchte meinen, dass dieses bittere Ereignis die Ravenclaws dazu bringt, ihre Mütter und Väter anzuzweifeln – dem ist aber nicht so. Zwar distanzieren sie sich in der Öffentlichkeit von ihnen und geben sich als autarke Organisation, doch nutzen sie ihre Tätigkeit im Hause Ravenclaw als Sprungbrett auf die politische Bühne und werden im Endeffekt so wie die ParteikollegInnen, von denen sie sich eigentlich zu distanzieren meinen. Des Weiteren sind sie auch bestimmt nicht abgeneigt, wenn die Großen ihnen einige Münzen aus ihrem sicheren Verlies in Gringotts zuwerfen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Verhältnis zwischen dem Haus Ravenclaw und dem Zaubereiministerium äußerst ambivalent ist. Trotz dieser negativen Schilderungen möchte ich festhalten, dass ich gerne an der ÖH gearbeitet habe und für die vielen neuen Erfahrungen und erfreulichen Bekanntschaften sehr dankbar bin. An dieser Stelle will ich mich auch noch bei meiner Freundin Karin bedanken, die mir als Harry Potter-Expertin beim Verfassen dieses Texts zur Seite gestanden ist und die mir meine ÖH-Tätigkeit mit einem jederzeit offenen Ohr erleichtert hat.

5


DIE RACHE DER TOTEN GEWI - MAUS

EPISODE 1

E

s geschah an der Uni Graz, an einem leider nicht

einer Form suchte, dann kam es mit sich überein,

ganz so lauen Juniabend. Die Studierendenschar

eine kleine transzendent-blaue Maus zu werden.

am Spritzerstand konnte zwar ihren Atemhauch in der herbstlichen Luft beobachten, das hielt sie aber

„Freeeeeevler!!!“, kreischte das Geistermaus, und

nicht von sommerlichen Getränken ab. Unter ihnen

klang dabei wie der Fürst der Finsternis im Stimm-

befand sich Leo – und er war glücklich, denn sein

bruch. „Wiiie konntest du es wagen, meine Ruhestätte

Diplomstudium war gerade verlängert worden. Leo

derart zu schänden!? Das wirst du bereuen!“, rief sie

trank nur, wenn es einen Anlass dazu gab, weswe-

und machte mit gebleckten Zähnchen einen Satz auf

gen er täglich einen suchte; nach jahrelanger Übung

Leo zu, der sie mit einer fahrigen Bewegung zur Seite

war er sehr erfolgreich darin, diesen auch zu finden.

schleuderte. „Scheiße!“, fiepte sie, als sie zum immer noch verdattert dastehenden Leo zurück trippelte.

Um 22:00 Uhr schloss der Stand. Leo holte sich den

„Mach das weg, Menschling.“ Dabei deutete sie auf

Einsatz für seine Becher zurück („Na, ihr warts aber

Leos Erbrochenes. Der fand endlich Worte. „Jawerwie-

durstig“ - „Nix ihr, ich bin mit mir allein!“) und wankte

wowasisnlos?“ „Mach das weg hab ich gesagt; höre und

auf den Heimweg. Er war kaum 50 Meter weit gekom-

gehorche!“ Leo rümpfte die Nase. „Mmmag ich nich...

men, da forderte der Alkohol seinen Tribut und Leo

warum auch?“ „Weil du mein Grab entehrt hast“ „Du bis

düngte die Rosen vor dem Hauptgebäude. Nach

hier... b-begrabn?“ Die Maus seufzte „Seit 1997. Ungern,

einigem Würgen und Spucken beschloss er, es wäre

aber man kann sichs ja nicht aussuchen. Und

gut, sich ein Weilchen hinzusetzen, bis sein Magen

jetzt mach das weg!“ „Erst wenn du mir

wieder im Lot war. Ein paar Meter weiter standen ja

deine Geschichte erzählst.“ „Du wagst

Bänke. Kaum hatte Leo sich hingesetzt, bemerkte er

es, Forderungen zu stellen?!“ „Ich bin

ein qualvolles Quieken, dass wie ein eisiger Hauch

stockbesoffen... und ich mag Geschich-

durch ihn durch strich. Mit trübem Blick sah er, wie

ten.“ Ein resignierendes Fiepen war

sich in der Lacke seines Erbrochenen ein Schat-

die Antwort. „Also gut, setz dich....

ten zu manifestieren begann. Leo bekämpfte seinen Schwindel und trat näher. Das Etwas pulsierte langsam, als es nach

6

iiih, doch nicht mitten rein!“ „Enschul-

IRGENDWO VORM HAUPTGEBÄUDE DER UNI GRAZ BEFINDET SICH DAS MAUSOLEUM UNSERER TOTEN GEWI - MAUS. (FOTO: SCHICKER)


ligunk“, lallte Leo und versuchte, sich seinen

Als Lionel dann wegging, musste ich mich umorien-

Hosenboden an der nächsten Mauer abzuwischen.

tieren, meinem Leben wieder Sinn geben. Also bin ich durch die Zimmer geschlichen und hab einfach

„Also...“, setzte die Maus an. „Also?“, meinte Leo. „Jetzt

mal zugehört, was da so geredet wurde. Da wurden

lass mich doch! Also, ich war eine stinknormale Haus-

hitzige Diskussionen geführt, über die Uni, Gesell-

maus, die tat, was Hausmäuse halt so tun. Fressen,

schaft, Politik, Wirtschaft. Ja! hab ich mir gedacht, toll

schlafen, Kinderkriegen. Und ich hätt ein stinknorma-

klingt das, da will ich mitmachen! Aber für eine Maus

les Hausmausleben führen können, wenn ich nicht bei

ist das ja sehr schwierig. Also hab ich mich weiter aufs

den Verrückten gelandet wär.“ „Bei den Verrückten?“,

Zuhören verlegt, bin zu jeder Sitzung von egal wem.

hakte Leo ein. Beim Verrücktsein kannte er sich aus. „Ja,

Es wurde einfach mein Alltag, morgens aufstehen, ein

in diesem gelblichen Haus ein paar hundert Meter von

paar Essensreste suchen, hingehen. Aber irgendwann

hier. Ich sag dir, das ist ein Haus, das Verrückte macht.

fängst du an zu spüren, warum das Haus Verrückte

Zuerst war ich nur im Erdgeschoss, da gings noch. Da

macht. Ich hab es miterlebt. Da kommen Mensch-

sind viele Menschen ein und aus gegangen, und viele

linge ganz frisch und hochmotiviert hin, sie beteiligen

Menschen heißt viel Essen für mich. Schlafen konnt‘ ich

sich leidenschaftlich an den Diskussionen, sie wollen

natürlich auch, fehlte noch das Kinderkriegen. Männer

was bewegen – aber nichts rührt sich. Die Gesprä-

sind sonst ja nutzlos, ein paar mal rein-raus, schon sind

che drehen sich wie Mühlsteine, mahlen langsam

sie wieder auf und davon; und du stehst da und musst

aber sicher die Nerven zu Brei, was bleibt, ist Leere.

zusehen, wie du die Kleinen übern Berg bringst. Hach,

Und doch, man kann nicht loslassen – aus Lust wird

wenn ich an meinen Lion denke... was für ein stattlicher

Gewohnheit, aus Gewohnheit wird Sucht. Ich habe

Mäuserich der geworden ist.“ Leo horchte auf. „Lion? Ich

Existenzen dort scheitern sehen! Nicht zuletzt meine.

heiß Leo, is fast das Gleiche. Oder dasselbe. Oder so.“ Die Maus musterte ihn kurz. „Nein, du siehst ihm leider

Einmal kam dann doch Bewegung in die Sache. Von

nicht ähnlich. Würd dir aber guttun. Er hat irgendwas

irgendwelchen Wahlen war die Rede. Da hab ich

mit diesem Ballgeschubse gemacht. Lion el Maussi

mich doch noch einmal begeistern können. Aber

nannte er sich, vielleicht hast du ja mal von ihm gehört.

dann... nach der Wahl ... ging alles von vorn los. Die

Wer weiß, was aus ihm geworden ist...“ Leo wollte den

selben Gespräche – von Neuem. Und du siehst die

Mausgeist nicht in trüben Erinnerungen versinken

Neuen hingehen, wie du ihre Vorgänger hingehen

lassen und bat, weiter von den Verrückten zu erzählen.

hast sehen, und du begreifst, es hat alles keinen Sinn mehr. An diesem Abend bin ich zurück ins Zimmer

„Ja, also unten wär zu viel Trubel für den Kleinen

von den Menschen mit der Wetterzeitung. Seit Tagen

gewesen, also bin ich rauf in den ersten Stock.

stand dort ein Eimer mit Leim. Ein Pinsel lehnte an

Dort wars ruhiger. Jetzt im Nachhinein

der Seite, gerade richtig für eine Maus wie mich. Ich

denk ich, es liegt an den Verrückten,

bin hochgeklettert, ich erinnere mich an die klebrige

mit denen will einfach keiner was

Schwere, wie sie meine Lungen füllte... Am folgenden

zu tun haben. Meistens sitzen

Morgen fanden sie mich und begruben mich hier.“ Sie

sie in irgendwelchen Zimmern

seufzte tief. „Und jetzt: Mach das weg! Hörst du mich!?“

und reden über irgendwas. War mir egal, Hauptsache, sie lassen dabei Essen

Leo schnarchte.

fallen. Im Zimmer hinten rechts hab ich mich immer besonders wohl gefühlt, da hocken manchmal ein paar lustige Typen und machen irgendeine Zeitung übers

SEBASTIAN SCHERZER

von

Wetter. Regenschauer? Nein, aber so ähnlich heißt die.


LION-EL-MAUSSI

DER VERLORENE SOHN LIEBE FANS,

die Tage. Seitdem waren wir kaum mehr zu trennen, ich nahm ihn sogar mit in mein weich gepolstertes Bett.

ich bin Lion-el-Maussi, der Fußballstar und direkte

Als eines Tages mein verschollener Großvater, der 1945

Nachfahre der geliebten, aber verblichenen GEWI-

aus welchen Gründen auch immer nach Argentinien

Maus. Meine Mutter!!! Gott hab sie selig! So frisch, als

geflüchtet war, auftauchte und er mir anbot, meinen Ball

ob es gestern gewesen wäre, sind meine Erinnerun-

und mich dorthin mitzunehmen, um einen Fußballer

gen an dieses gelbliche Haus, mein Zuhause. Anfangs

aus mir zu machen, überlegte ich nur kurz. Ich ver-

hausten wir noch im Erdgeschoss: So laut, muss eine

abschiedete mich herzlich von

Disco gewesen sein! Später sind wir hinauf gezogen in

meiner Mutter – Gott hab

den ersten Stock, da war’s gleich gemütlicher. Dieser

sie selig! -, packte meinen

riesige Raum war mehr als genug für meine allein-

Ball ein und flog mit

erziehende Mausmutter und mich. Damals war ich ja

meinem Großvater nach

noch ein kleiner, fast blinder Mäuserich. Was für ein

Rosario, Argentinien.

Leben! Ganze Tage verbrachte ich in meinem Bett, einem längst vergessenen Schuh, wohin mir meine

Dort schickte mich mein

Mutter – Gott hab sie selig! – das Essen servierte. Ich

Großvater quer durchs Land,

erinnere mich, dass manchmal Leute in unser Haus

um meine Fußballkünste allen Leuten

kamen, die Tür stand ja immer offen, und wild disku-

zu präsentieren. Nur kurze Zeit und wenige

tierten. Meist sprachen sie von Donner oder Gewitter

Stationen später wurden Scouts aus aller Welt

– wahrscheinlich Meteorologen –, obwohl draußen die

auf mich – eine dribbelnde Maus – aufmerksam.

Sonne schien. Seltsame Bande! Jedenfalls liebte ich es,

Bei diesen Sichtungstrainings spielte ich alle meine

durch den meist verlassenen Raum zu tigern, bis ich

Gegner schwindelig, sodass den Scouts der Speichel

schließlich völlig erschöpft in den warmen, gepolster-

aus den Mündern tropfte und mich schließlich

ten Schuh fiel. Nur eine Ecke des Raumes wurde von

sogar der FC Barcelona verpflichten

meiner Mutter – Gott hab sie selig! – zur verbotenen

wollte. Der spanische Agent

Zone erklärt, denn dort sollte er warten, der Leimkü-

meinte nur:„Dios mio!“,

bel. Nie, niemals traute ich mich auch nur in die Nähe

schrieb die Konditio-

von ihm, diesem „Todeskübel“, wie ihn meine Mutter

nen meines Vertrages

– Gott hab sie selig! – voller Angst immer nannte.

auf die von seinem Speichel feuchte

Eines Tages, nach einem Treffen dieser Wetterfrösche,

Serviette, und ich

blieb ein kleiner Ball zurück. Er lag gleich neben dem

setzte meine Unter-

„Todeskübel“. Ich überlegte das Für und Wider, doch die

schrift darunter. Ich

Verlockung war zu groß: Ich rannte auf meinen kleinen

reiste allein nach

Mäusebeinen hin, trat gegen den Ball und dribbelte

B a rce l o n a , d e n n

ihn aus der Gefahrenzone. Der Ball sollte mein Leben

mein Großvater

verändern. Ich schoss, dribbelte und jonglierte durch

konnte aus irgend-

Grafik: Christina Horn


von KEVIN

EBERHARD

welchen Gründen Argentinien nicht so leicht verlassen.

Meteorologen, die noch immer über Donner und Gewitter sprachen, obwohl draußen die Sonne schien, war

In Barcelona verdrehte ich gleich meinen Gegnern wie

niemand zu sehen. Ich suchte und rief, rief und suchte:

Mitspielern den Kopf und machte sie zu meinen Fans.

sie war weg. Sollte ihr etwas passiert sein? Ich musste

Sie alle waren angetan von ihrer Zaubermaus. Manche

die Wetterfrösche fragen und riskierte damit, erkannt

Ärzte wollten mir wegen meiner geringen Größe eine

zu werden. Sie redeten wirr, sprachen von einer GEWI-

Behandlung mit Hormonen oder gar einer Streckbank

Maus und einem Leimkübel. Da schossen mir die Worte

verschreiben, aber ich wusste, dass ich nur als kleine

meiner Mutter – Gott hab sie selig! – durch den Kopf:

Maus schnell und wendig sein konnte. So tat ich diese

„Hüte dich vor dem Todeskübel!“. Ich schrie die Wetter-

Vorschläge schnell ab und konzentrierte mich

Gestalten an, hysterisch und nicht mehr ich selbst.

darauf, mit meiner Mannschaft, dem FC

Ich begann schließlich zu realisieren: Meine geliebte

Barcelona (Motto: Maus que un club),

Mutter – Gott hab sie selig! – war im Leimkübel ersoffen.

eine Krone nach der anderen zu gewinnen. Ich schoss Tor um Tor,

Das so wichtige Spiel gegen den FC Bayern verloren

holte Titel um Titel und wurde zur

wir natürlich; meine Gedanken waren ganz woan-

lebenden Legende bei den Fans.

ders. Die Fans weinten so bitterlich wie ich selbst.

„La pulga“, der Floh, so nennen mich

Auch das Rückspiel ging verloren, ich konnte nicht

die Leute heute. Außerdem bin ich

spielen, ja nicht einmal aus meinem Bett aufste-

4-maliger Weltfußballer, manche sehen

hen. Die ganze Saison sollte ich kein einziges Spiel

in mir sogar den „Maussias“ des Fußballs.

mehr bestreiten, die Trauer um meine geliebte Mausmutter – Gott hab sie selig! – war einfach

Vor Kurzem kam ich zum ersten Mal seit dem

unendlich groß. Nur langsam schaffte ich es, ihr grau-

Abschied von meiner Mutter – Gott hab sie

sames Ableben zu verarbeiten. Der Schmerz saß so tief!

selig! – wieder nach Graz. In München stand das Halbfinale gegen den FC Bayern an. Vor dem

Heute schreibe ich euch diesen Brief, weil ich euch,

so wichtigen Spiel wollte ich mein Elternhaus

meinen Fans, meine wahre Geschichte erzählen wollte.

besuchen, das ich seither so sehr ver-

Ich wollte klar machen, dass euer großer „Maussias“

misst hatte. Also schlich ich mich

auch nur eine kleine Maus und keine Maschine ist.

in Verkleidung – ich bin jetzt

Mein Ausfall tut mir leid, aber nächstes Jahr werde

in Österreich schon

ich zurückkommen, viel stärker als je zuvor, so wahr

fast so berühmt

ich Lion-el-Maussi heiße. Ich liebe euch, meine Fans.

wie David Alaba – ins noch immer gelbliche Haus, um

meine

Mutter – Gott hab sie selig! – zu überraschen. Doch außer diesen komischen

Euer

Lion el Maussi

9


S

t e l l d i r v o r, d u m u s s t 2 0 2 Ta g e , 2 1

reformatorische Gedanken nicht nur beim Grübeln über

Stunden und 54 Minuten eingesperrt

der Bibel, sondern auch ganz wo anders gefasst hätte:

in einem winzigen Kämmerchen mit

„Diese Kunst hat mir der Heilige Geist auf dieser Cloaca

schummrigem Licht und wenig ansprechen -

auf dem Turm gegeben.“ 2004 entdeckten Archäologen

der Geruchs- und Geräuschkulisse verbringen.

in seinem Wohnhaus eine Latrine, die man gerne als Locus der Erkenntnis identifizieren will. Anscheinend

Eine absolute Horrorvorstellung, außerdem ein Verstoß

tritt zur körperlichen Erlösung auch ein geistiges Befrei-

gegen die Artikel 5 und 13 der allgemeinen Erklärung

ungserlebnis. Und offensichtlich erwächst manchen

der Menschenrechte. Und doch sitzen wir alle diese

von uns in der Enge dieses Raumes auch ein Bedürf-

Gefangenschaft freiwillig und gerne ab – glücklicher-

nis, seine Erkenntnisse den Mitmenschen kundzutun.

weise fordert die Natur nur einige Augenblicke pro Tag von uns. Angenommen, es wären 10 Minuten, 80 Jahre lang, das Jahr zu 365,2425 Tagen, so genau unser Kalender das eben hergibt... Ergebnis siehe oben, wer Rechenfehler findet, darf sie behalten. Die Rede ist natürlich von Toilette, Klo, Abort, Donnerbalken, auf

D

erweil wankte Leo weiter. So ganz sicher war er sich nicht, was er da eben erlebt hatte. Hatte ihm da tatsächlich eine Geistermaus ihre

Lebensgeschichte erzählt, nachdem er auf ihr Grab

jeden Fall vom intimsten Ort unseres Lebens. Sein Bett

erbrochen hatte? Allzu weit konnte er den Gedanken

kann man ja noch mit jemandem teilen, aber hier ist

jedoch nicht führen, denn er spürte, dass er seinem

die Intimität absolut. Freilich, Mann kann sein Geschäft

Körper soeben ein gutes Stichwort geliefert hatte. Die

auch im Stehen verrichten, aber ansonsten heißt‘s

Vorklinik zu seiner Linken war noch hell erleuchtet,

Tür zu, Riegel vor, Platz nehmen & entspannen. Die

drinnen war kein Mensch zu sehen. „Gut“, dachte er sich,

Gedanken können ungehindert fließen, während sich

„bevor mich als nächstes ein psychedelisches Zombie-

gemeinsam mit anderen Dingen auch die Schamgrenze

Eichhörnchen attackiert, geh ich besser mal da rein.“

in den Orkus verabschiedet. Es scheint, dass wir es hier mit einem epochenübergreifenden und kulturhistori-

Die Herrentoilette befand sich zum Glück nahe beim

schen enorm bedeutenden Phänomen zu tun haben.

Eingang und war komplett leer. Ab in die erste Kabine

Denn schon Martin Luther berichtet, dass er zentrale

rechts, aber vorher noch kurz auf jene Substanz auf der

1 1


1 1

Türschnalle gegriffen, die verdächtig nach Blut aussah.

tags von 12:00 bis 13:00 Uhr hier warten würde. Das hier

Leo wollte nicht wissen, wie es dort hingekommen war.

schreiben zu müssen, fand Leo an sich ja eher traurig,

Er entließ, was ihn bedrängte und wollte gerade die

durch die Beschwerde einer zweiten Person wurde es

Kabinentür öffnen, als er von draußen Stimmen hörte.

aber zur humoristischen Perle: „Hab gewartet! Du Fotze!“

„Hast du den armen Irren vorhin gesehen? Sitzt in seiner eigenen Kotze und halluziniert Gespräche. Leute gibt’s...“

Inzwischen war es wieder ruhig geworden und Leo

Leises Plätschern aus dem Pissoir unterbrach den Satz.

stand mühsam auf. Mittlerweile brummte ihm wirklich

Eine zweite Stimme führte fort: „Ja, Mitleid könnte

der Schädel, er wollte nur noch nach Hause. Nichts und

man haben, aber dem ist wohl nicht mehr zu helfen.“

niemand würde ihn davon abhalten. Gemächlich überquerte er die Heinrichstraße... da schoss von rechts ein

Leo beschloss, dass es besser wäre, sich ruhig zu ver-

LKW heran. Auf seinem Kühlergrill saß eine Maus. Sie

halten, und ließ sich auf die Schüssel sinken. Da fiel

fiepte ein heißeres „Rrrracheee!“ Dann wurde es finster.

ihm die wortreiche Diskussion an der Türinnenseite ins Auge: Es ging um das Für und Wider des Fleischkonsums und die Gründe, warum man mindestens Vegetarier sein müsste, um als respektables menschliches Wesen zu gelten. Den Anlass musste so etwas wie „Go Vegan“ gegeben haben, das war inzwischen aber nicht mehr lesbar. Darauf folgte die Erwiderung, dass Wildtiere auch unter Ackerbau leiden. Eine dritte Person merkte an, dass es auch um die Zustände in der Tierhaltung ginge und Tiere ja auch schon was zu essen bräuchten. Abschließende Bemerkung: „Vollidiot“. Irgendwo an dem Punkt verschwamm die Grenze zwischen Argument und Beschimpfung. Schriftstellerischer Höhepunkt war ein etwa 50 Worte umfassender Aufsatz über den immensen Wasserverbrauch durch Zuchttiere und Hormone im Fleisch. Den Handschriften nach hatten sich hier sieben Personen beteiligt. Leo schüttelte den Kopf. War es vielleicht so etwas gewesen, das die Maus in den Wahnsinn getrieben hatte? Die Stimmen draußen hatten sich Richtung Waschbecken verlagert, während Leo seinen Blick nach rechts wendete. Dort bot sich ein bunteres Themenspektrum: Zum Beispiel entwickelte sich da aus einem resignierenden „1984 was no instruction manual :-(“ die Feststellung, dass Barack Obama während seiner Nobelpreisrede versehentlich Orwells Buch zitiert hatte. Gleich darüber wurde „Legalize all mind altering substances“ gefordert. Argument: „Wichsen war auch mal verboten“. Die Erwiderung darauf konnte Leo nicht unterschreiben; sie lautete „Kakao ist besser!“. Den Höhepunkt bildete allerdings die verzweifelte Botschaft eines Studenten, der in dieser Kabine anscheinend gerne seine Homosexualität ausleben wollte und dass er, so schrieb er, zu diesem Zweck montags bis donners-


ES IST ZUM MÄUSEMELKEN … Während die einen kreischend vor ihr auf Stühle flüchten, halten andere sie als geliebtes Haustier. Während die einen ihr weiches Fell sanft streicheln, jagen andere sie erbarmungslos bis in den Tod. Die Maus ist ein Tier mit vielen Facetten – und einige davon sind uns nicht einmal bekannt.

Sie ist ein echter Singstar

an, dass alle in der gleichen Tonhöhe singen.

Hier ein Rascheln, da ein leises Fiepen – das ist

Wenn ihr jetzt denkt: „Na und?“, dann sei euch

oft alles, was man von ihr hören kann. Meistens

Fo l g e n d e s g e s a g t : D i e s e Fä h i g k e i t i s t e i n e

verhält sie sich nämlich mucksmäuschenstill. Dabei

seltene Kunst, die außer Mäusen nur Delfine,

gibt unter den Mäusen einige Rockstars! Die

Papageien und Menschen beherrschen.

Braunmaus beispielsweise zwitschert bis zu 20 verschiedene Laute pro Sekunde. Wie ein Vogel bastelt sie damit komplexe musikalische Meisterwerke.

S

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Sie strippt

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Auch unter Mäusen gibt es jene, die gerne ihre sexy Seite Wozu

sie

dieses

Talent

nutzt?

Wozu sie dieses Talent nutzt?

zeigen. Sie lassen ganz einfach ihre Hüllen fallen, wenn

Braunmausmännchen singen Liebeslieder für ihre

tatsächlich Teile ihres Fells ab, um ihr Gegenüber abzu-

angebeteten Mäusedamen. Dabei trällern sie aber

lenken. Wenn dieses dann von der Striptease-Einlage

nicht immer nur denselben Song, sondern denken

total verwirrt ist, laufen die Strip-Mäuse einfach davon.

jemand ihr Leben bedroht. Wie das geht? Sie werfen

sich je nach Situation eine neue Melodie aus. Und wenn sie zufällig Kontrahenten belauschen, die die

S i e

i s t

p a t e n t i e r t

auserkorene Mäusefrau besingen, dann sind sie

Sie ist patentiert

sich nicht zu schade, das Beste von den Konkur-

Ja, es existiert tatsächlich ein Patent auf eine Maus: die

renten abzukupfern und den Kontrahenten-Song

Harvard-Krebsmaus. Sie war das erste Tier, auf welches

für ihre eigenen Zwecke noch zu verbessern.

ein Patent ausgestellt wurde. Gegen das Patent gab es 17 Einsprüche, weshalb sich das Verfahren über Jahr-

Ab und zu treffen sich die Braunmäuse auch,

zehnte zog. Letztendlich wurde es aber für gültig erklärt.

um ihre Sangeslust im Chor auszuleben. Dann

Diese Entscheidung vor nunmehr 21 Jahrenebnete den

passen sie ihren Gesang so an die anderen Mäuse

Weg für eine ganze Reihe von Patentanmeldungen

XII


„Mausetot“ S i e

i s t

s a g e n u m w o b e n

Sie ist sagenumwoben Unzählige

Sprüche

kommt vom niederdeutschem mu(r)sdōt bzw. morsdōt

u n d Le g e n d e n d r e h e n s i c h u m d i e M a u s .

= ganz tot (murs/mors = gänzlich, plötzlich). Eine

Um

Umdeutung ins Hochdeutsche machte aus „murs“ Maus.

nur

Redewendungen,

„Mausetot“ Dieser Begriff hat eigentlich nichts mit Mäusen zu tun. Er

einige

Beispiele

zu

nennen:

Damit bedeutet mausetot eigentlich ganz/wirklich tot.

„Da beißt die Maus keinen Faden ab.“ Diese Redewendung steht im Zusammenhang mit

„ W e i ß e

M ä u s e

s e h e n “

der heiligen Gertrud, die im Mittelalter vor allem

„Weiße Mäuse sehen“

zur Abwehr von Ratten- und Mäuseplagen ange-

Als größtenteils verborgen lebendes Tier wurde die

betet wurde. Der Legende nach war sie ihr ganzes

Maus schon früh mit Dämonen und dem Teufel in Ver-

Leben hindurch eine fleißige Spinnerin. Der Teufel

bindung gebracht. Ihr Erscheinen galt als Vorzeichen

konnte ihren Fleiß nicht ertragen und wollte Getruds

für Krankheiten wie die Pest. Weil nicht jeder das blitz-

Geduld erproben. Er verwandelte sich in eine

schnell flüchtende Tier wahrnehmen konnte, wurden

Maus, die den Spindel hinaufklettert und die Fäden

einem Begegnungen mit einer Maus nicht immer

abbeißt. Aber Getrud vertrieb die Maus mit Geduld

geglaubt, weshalb ihr Erscheinen als altes Zeichen für

und Gebet, woraufhin der Teufel aufgeben musste.

Wahnvorstellungen ins Volksgut einging.

Strip - Maus Faden - Maus

von

TINA MARIA PECHMANN

auf Tiere – gut tausend wurden bis heute auch erteilt.

Sing - Maus Grafiken: David Pramberger


WOMEN D ie feministische Medienkritikerin und Video-

langen Erklärungen. Das Motiv der „Jungfrau in Nöten“

bloggerin Anita Sarkeesian untersucht in einer

ist so alt wie die das Geschichtenerzählen selbst:

Reihe von Webvideos mit dem Titel „Tropes vs.

Mann muss Frau aus bedrohlicher Situa-

women“ und „Tropes vs. women in videogames“ die

tion retten (oft auch deshalb, weil sie

Darstellung von Frauen in der narrativen Popkultur.

sich durch Inkompetenz selbst in

Eine dieser Tropen (gemeint ist hier ein wiederkehren-

besagte Situation gebracht hat).

des Muster bzw. cliché) ist „Women in Refrigerators“, ein

Auch hierbei geht es nicht primär

von Comicautorin Gail Simone geprägter Begriff.

um die Frau, welche lediglich

Simone beobachtete einen Trend in Comicbüchern,

das Objekt der Rettung dar-

Frauen (oft Superheldinnen) zu Opfern brutaler

stellt: sie ist der Grund,

Gewalt (Folter, Vergewaltigung, Mord) werden zu

warum mann morgens aus

lassen, und zwar lediglich zu dem Zweck, die Geschichte

dem Bett steigt, um

bz w. den Charakter des männlichen Helden

Drachen zu töten; ein

interessanter und komplexer zu gestalten oder

Spielball, um den zwei

diesen zu weiteren Handlungen zu motivieren.

Alphamännchen ringen um einander ihre Macht

Die Frauen werden dabei häufig ohne einen fairen

zu demonstrieren.

Kampf – welchen männlichen Superhelden zumeist gegönnt wird – ausgeschaltet, ihrer (Super-)Kräfte

Das geht oft mit einem

beraubt, verstümmelt, irreversibel traumatisiert und/

Happy End aus, muss es

oder ermordet und der männliche Superheld kann

aber nicht. Das spielt

nichts tun, als sich an ihrer statt für das begangene

auch keine große Rolle.

Unrecht zu rächen – womit sich für den männlichen

Stirbt die „Jungfrau“, darf

Protagonisten häufig ein attraktiver, komplexer Hand-

der männliche Held eine

lungsstrang eröffnet, oder seinem Charakter ein

Weile lang Gefühle zeigen

interessantes neues Element hinzugefügt wird (Schuld-

(grübeln, dem Alkohol verfal-

g e f ü h l e, H a s s, R a c h s u c ht, E i n s a m k e i t e tc. ) .

len, sich von – möglichst vielen – lebendigeren Frauen trösten

Wenn Superheldinnen nicht gleich zerstückelt in Kühl-

lassen…), beziehungsweise

schränken landen, um von ihrem männlichen

letztendlich seine Dominanz

Gegenstück gefunden zu werden und diesen in eine

unter Beweis stellen, indem er

den

Existenzkrise zu stürzen, wird diese Trope auch gerne

Tod der gescheiterten Heldin

rächt –

mit einer anderen kombiniert, nämlich der „Damsel in

oder sollen wir sagen: indem er

Distress“ (Jungfrau in Nöten). Letztere steht natürlich

für das Gefühl der Unzulänglichkeit rächt, welches das

auch gerne für sich alleine und bedarf wohl keiner

Scheitern

in

ihm

sich primär

hervorgerufen

hat.

STERBEN MÜSSEN

ODER: FÜR WEN F R AU E N I N F I L M E N

DISPOSABLE


Derartige Repräsentationen von Frauen finden sich

und das Objekt der Begierde, Vesper Lynd, sich mehr

natürlich nicht nur in Comics, sondern auch in Filmen,

oder weniger freiwillig ihrem Schicksal ergibt. Egal, die

Serien, Videospielen, Büchern… quer durch die ganze

schöne Frau stirbt, der Held gerät in eine emotionale

Popkultur. Ein jüngeres Beispiel für diese Tropen ist die

Krise und sucht Rache. Noch bedeutender ist die Tatsa-

Behandlung von Rachel Dawes in Christopher Nolan‘s

che, dass Bonds Beziehung zu Vesper, ihr Verrat an ihm

The Dark Knight (2008). Bruce Waynes/Batmans

und ihr Tod von einigen Kritikern als die perfekte Erklä-

Kindheitsfreundin Rachel zeichnet sich vor allem

rung für Bonds spätere, durchgehend oberflächlichen

durch ihre Rolle als Projektionsfläche für Waynes

Beziehungen zu Frauen gehandelt wird. Ein

romantische Gefühle aus. In The Dark Knight

gebranntes Kind eben und kein Chauvinist. Aha.

dar f sie sogar im Mittelpunkt einer Dreiecksbeziehung stehen, wird aber bequemer weise

Noch dicker kommt es aber, zumindest aus weiblicher

in dem Moment ermordet, als sie sich gegen

Sicht, im neusten Bond-Film, Skyfall (2012). Auf den

unseren Heldenund für einen anderen

ersten Blick wirkt der Streifen täuschend frauenfreund-

entscheidet. In perfekt(ioniert)er „Women in

lich – immerhin treten gleich drei Frauen in mehr oder

Refrigerators“-Manier stellt

weniger bedeutenden Rollen auf. Allerdings: zwei von

i h r To d s o m i t e i n e n

ihnen müssen den Weg alles Irdischen gehen und die

Ansporn für die

dritte wird bis zum Ende des Films von der

weitere Entwicklung

kämpferischen Agentin zu einer Sekretärin im

gleich zweier Männer

Innendienst

degradiert

worden

sein.

dar. Das Problem ist nicht, dass Frauen in Filmen sterben. Es Weitere Exempel für die

wäre absurd, wenn diesen in der erzählenden Popkultur

schier unendliche

aus einem falsch verstandenen Feminismus heraus nie

Notwendigkeit,

ein Unglück zustoßen dürfte. Das Problem besteht viel-

Frauen aus missli-

mehr darin, wie und wofür (für wen) sie leiden und

chen Lagen zu

sterben (oder auch: wie und wofür/für wen sie über-

retten, und deren

haupt auftreten). Und: wie Männer im Gegensatz zu

subsequente Ent-

ihnen dargestellt werden. Männliche Protagonisten

sorgungsfreund-

überleben die unmöglichsten, aberwitzigsten

lichkeit in Filmen,

Szenarien zumeist (beinahe) unbeschadet, entweder

kann man zweifel-

durch eigenes Geschick, Intelligenz oder durch pures

los auch in den

Glück. Ganz anders sieht es bei ihren Kolleginnen aus.

n e u e s te n J a m e s

Diese werden vom Super Villain entweder so

Bond-Adaptionen

gründlich außer Gefecht gesetzt, dass sie nur darauf

finden. Casino

warten können, von unserem Helden befreit zu

Royale (2006) bietet

we rd e n … O d e r e b e n n i c h t : Pe c h g e h a b t !

uns ein klassisches Beispiel für eine

In Skyfall ist es die schöne Sévérine, die zuerst dran

dieser „Frauen in Kühl-

glauben muss. Natürlich nicht, ohne dass Bond zuvor

schranken“, auch wenn

Sex mit ihr hatte – was wäre ein James Bond ohne

der Kühlschrank hier

(billige) Erotik? Nachdem sie Bond endlich zu unserem

ein überflutetes Gebäude ist

Oberschurken Silva geführt hat, wird sie von diesem

SEITE SIEBZEHN


gefesselt und Bond dazu genötigt, ein Glas Scotch von

Als Tüpfelchen auf dem i wird dann noch the last

ihrem Kopf zu schießen (erfreuliches Detail: Todes-

woman standing hinter einen Schreibtisch verbannt –

angst ändert nichts an ihrem Liebreiz). Bond trifft

es stellt sich heraus, dass Eve, eine durchaus fähige

glücklicherweise weder Glas noch Frau – letztere wird

Agentin, eigentlich Eve Moneypenny ist: M’s Sekretä-

daraufhin jedoch von Silva getötet. Bonds lapidarer

rin. Einzig: sie begeht zu Beginn des Films den faux pax

Kommentar: „It’s a waste of good Scotch.“ Nur 30

Bond unbeabsichtigt anzuschießen und beschließt

Sekunden (jup, ich habe mitgestoppt) nachdem

daraufhin, im Einklang mit Bonds Empfehlung an sie,

die unglück liche Sévérine ermordet wurde,

den Außendienst an den Nagel zu hängen.

erreichen Hubschrauber des MI6 die Insel, um Bond zu retten – das ist also nochmal

Natürlich könnte man jetzt den Einwand erheben, es

gut ausgegangen! Die gequälte Frau ist zu

sei absurd, ausgerechnet von James Bond einen

diesem Zeitpunkt schon - und für den Rest des

anderen Umgang mit Frauen zu erwarten. Aber: es gibt

Films – vergessen. Egal, sie hat ihren Zweck erfüllt.

unzählige andere Beispiele für diese Art, Frauen in Filmen und Co. zu entwerten, egal ob durch „Damsel in

Die Verachtung gegenüber Frauen ist an diesem Punkt

Distress“ oder „Women in Refrigerators“. Skyfall ist nur

allerdings noch nicht zu Ende. Sodann darf sogar die

eines der jüngsten Beispiele. Außerdem: es handelt

Leiterin des MI6 zwar nicht die klassische „Jung-“ aber

sich hier nicht um einen Bond aus den 60ern, sondern

doch „Frau in Nöten“ sein. Die stolze, kompetente M

aus dem Jahr 2012! – um einen Film, der im 21. Jahr-

wird in weiterer Folge zu einer verängstigten alten Frau

hundert finanziell erfolgreich war, von Kritikern gelobt

reduziert (die sich sogar als schlechte Schützin outet: „I

und mit Auszeichnungen überhäuft wurde. Nicht

never was a good shot.“) bis sie letztendlich in

schlecht für das Perpetuieren eines derart mittelalterli-

Bonds Armen stirbt – nur, um wenig später durch

chen Frauenbildes… Sind wir vielleicht schon so sehr

einen neuen M ersetzt zu werden. Die Betonung

an diese „Wegwerf-Frauen“ gewöhnt, dass wir es uns

liegt hier auf dem Artikel, denn M darf nun endlich

gar nicht anders vorstellen können? Oder sind wir

wieder ein Mann sein. Notiere: die erste weibliche

einfach so abgestumpft, dass es uns egal ist?

M im Bond-Universum ist somit auch gleich die erste Ink arnation von M, die sterben muss.

von

MIRIAM WLADKOWSKI

Grafik: Ray Caballero, Makrus Schicker


G N U R E G N Ä L R E V der Fristen für die DIPLOMSTUDIEN …

en … oder: aufgeschoben ist nicht aufgehob !

D

as Damoklesschwert, welches schon recht bedrohlich über vielen Diplomstudierenden der Geisteswissenschaften gebaumelt ist, wurde vorerst entschärft. Die Fristen der eigentlich Ende September 2013 und Ende Februar 2013 auslaufenden Diplomstudienpläne wurden dankenswerterweise durch Vizerek-

tor Polaschek um jeweils ein Semester + Nachfrist verlängert – aber reicht das? Und warum wurden die Fristen nicht angepasst? Warum müssen Anglisten und Anglistinnen ihr Studium ein halbes Jahr vor den Philosophen und Philosophinnen abgeschlossen haben? Der FV GeWi erscheint diese Regelung ungerecht und wir sehen diese Gnadenfrist daher nur als ersten Teilerfolg. Für uns macht eine Umstellung von fast fertigen Diplomstudierenden auf den Bachelor überhaupt keinen Sinn.

EINE ZWANGSUMSTELLUNG AUF DEN BACHELOR HÄTTE ZUR FOLGE, DASS - Studierenden und CuKo-Vorsitzenden ein nervenaufreibendes Anrechnungsprozedere bevorsteht, wodurch es zu „Stehzeiten“ im Studium kommen, die Studienzeit sich verlängern und der Entzug von Beihilfen drohen würde, - die absurde Situation entstehen würde in der Studierende, die eigentlich am Ende ihres Studiums stehen, nun plötzlich Bachelor-Einführungslehrveranstaltungen nachholen müssen, - eine beträchtliche Anzahl an Lehrveranstaltungen zusätzlich zu absolvieren ist und eine Bachelorarbeit erstellt werden muss, - eine Verdrängung von Studierenden jüngeren Studienbeginns bei teilnehmerInnenbeschränkten Lehrveranstaltungen droht, da die ehemaligen Diplomstudierenden aufgrund der Fixplatzvergabe vorgereiht werden müssen, sodass ... - eine unverschuldete Studienzeitverlängerung für Bachelorstudierende eintreten kann.

WIR FORDERN ...

daher, dass Diplomstudierende, die mindestens 80 % der Pflichtlehrveranstaltungen ihres Studiums positiv absolviert haben, unbefristet weiter studieren dürfen, da ansonsten, abgesehen von den menschlichen Tragödien, der Gesellschaft, den Universitäten und den Studierenden immense Mehrkosten entstehen würden. Es ist überhaupt nicht einzusehen, dass Studierende, die bereits an ihrer Diplomarbeit schreiben, diese aufgrund willkürlich festgelegter Fristen nicht beenden dürfen!

Ihr findet uns auch unter: www.facebook.com/IchMag.AFertigStudieren

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GEWIS

UND DAS

HÄTT I, WAR I ... Hätte ich wirtschaftlichen Erfolg, müsste ich eine

Gesellschaft stillschweigend ignorierten. Warum sollten

Steuererklärung machen. Ich aber hab nur Fragen…

wir damit nun aufhören? Warum sollten die einen nicht weiterhin erfolgreich, mit eigener Familie und mit Besitz

Ein genialer Frühsommermorgen grinst mir auf

ausgestattet sein und die anderen ihnen dabei zusehen?

meinem Balkon entgegen. Auch die hochschwangere Nachbarin lächelt mich an. Nur mich plagt

Ich bin jetzt schon weit nach 20 und als Gewi-Student,

es seit Tagen… Es ist meine ungewisse Zukunft,

naja … relativ ... ich studiere gerne und recht gut,

die mir eiskalte Schauer über den Rücken jagt.

mache Prüfungen, habe eine ausgewogene StudyLife-Balance und nette Freunde. Und wenn ich dann

Diese Gefrier-Momente kommen nicht ganz unvorher-

mal etwas Geld brauch, arbeit ich am Wochenende

gesehen daher. Sie paaren sich mit anderen Ereignissen

in einer Bar: Dort kann ich zwar mit meinem Gewi-

in meinem Leben: ein angekündigter Besuch meiner

Studium nichts anfangen, verdiene aber genau so

Eltern, der bereits vergangene Kaffee&Kuchen-Treff mit

viel, dass ich nicht in Geldnot ertrinke. Aber Erfolg,

Oma und eben die Schwangerschaft der Nachbarin.

ich mein wirtschaftlich? Gesellschaftlich angesehen sein? Eine eigene Wohnung kaufen? Mehr

Nicht, dass ich dafür verantwortlich wäre, nein, aber

als einen Anzug besitzen? Eine Familie erhalten?

ein beklemmendes Gefühl schleicht sich durch meinen Körper wie gefrierendes Blut: In wenigen Wochen

Das geht sich nicht aus! Und ich befürchte, das

werden Baby-Strampler und Mini-Strumpfhosen

wird sich in den nächsten 20 Jahren nicht ändern,

am Balkon nebenan hängen. Die Nachbarin, gleich

auch wenn ich das Studium abschließen sollte.

alt wie ich, Studienabschluss vor 6 Jahren, seitdem mittelmäßige Karriere in einer Firma, hat sich die

Oma sagt immer: Er is jo so a gscheiter Bua! Aber,

Wohnung einfach gekauft. Mit ihrem Freund, eben-

liebe Oma, was ist, wenn ich eine falsche Entschei-

falls Akademiker. Und jetzt gründen sie eine Familie.

dung getroffen hab? Vielleicht hätt ich besser …

Zum einen geht mich das ja nichts an. Zum

Ich hab aber damals, vor unzähligen Semestern eben nicht

anderen hängen meine Nachbarin und die durch

was Praxis-Nahes oder was Wirtschaftliches inskribiert

einen Familienauflauf verursachten Fragen nach

– ich hab gemacht, was mich interessiert: Philosophie.

Er folg, Besitz und Familie doch zusammen….

Und damit es nicht zu weltfremd wird: Germanistik.

So hätte mein Leben ja auch verlaufen können! Meine Oma hat mich damals gefragt, was ich mit dem In der menschlichen Geschichte hat es ja schon immer

Studium machen wolle. Sie war wahnsinnig stolz auf

systematische Ungerechtigkeiten gegeben, die Teile der

ihren g’scheiten Enkel, der nun in Graz ein G’studierter


werden würde. Und mit ehrlich gemein-

sen mit „hätt i, war i“ kommentiere.

ter Überzeugung hab ich damals erklärt,

über einen 1000 Euro teuren Kinderwagen unterhalten. Das bringt mich

dass sich mir unendlich viele Möglich-

Hätt ich vor Jahren was anderes inskribiert,

unweigerlich zum Thema Besitz und

keiten bieten werden, sobald ich nur

hätt ich vielleicht eine Berufsbezeich-

wie ich zu Reichtum kommen könnte:

den Studienabschluss hätte. Natürlich

nung: Arzt, Lehrer, Rechtsanwalt, BWLer,

in einigen wenigen Jahren. Jetzt, circa

Biologe. Sogar mit einem Orichdeen-

Darf ich mir eine zum Beispiel von einem

10 Jahre später, kaue ich auf meinem

Studium hat man einen Beruf: Gärtner.

großen Konzern überwiesene Million

Diplomstudium rum und bin nervös.

Aber ich: ein Geisteswissenschaftler?

behalten, wenn ich keine Leistung erbracht habe? Wenn Sie nur aufgrund

Eine unsichere Zukunft starrt mich kalt

Können eigentlich Entscheidungen ver-

an. Schweißgebadet, wie eine kleine

jähren? Darf man nach 10 Jahren noch

Maus an der Klippe eines unbekannten,

wegen einer Studienwahl zur Rechen-

Ich mein, ich würd die Million eh nicht

todbringenden Eimers voller Leim, erzit-

schaft gezogen werden? Und wenn ja,

auf dem Konto lassen, ich würd das

tere ich vor dem Gedanken: Hätt i doch….

wen kann man dafür zur Verantwortung

Geld schon ausgeben und damit der

ziehen? fragt der Bettelstudent in mir.

Wirtschaft nützen. Und wenn mir das

Ich hab damals aber nicht…

eines Fehlers bei mir gelandet ist?

gelänge, wäre ich dann von der Steuerlast Als Gewistudent durch das Jam-

befreit? Wie wäre die gerechte Strafe für

Aber irgendwann muss man von

mer-Tal des Hätt-i-war-i ziehend,

ein Verbrechen, das niemand aufdecken

etwas leben können, was verdie -

beschäftige ich mich derzeit mit

kann? Und die adäquate Strafe dafür?

nen. Das kann doch nicht ewig so

z wei Hauptthemen: Er folg und

weitergehen, dieses Studentenle -

das Entstehen von Mensch-Sein.

ben! empören sich innere Stimmen.

Muss in einer Steuerklärung eigentlich der gesamte Besitz angegeben

Mensch-Sein, nicht so wie sich meine

werden? Was ist Besitztum, wenn es

„Warum hast net an ana FH was

Nachbarin damit beschäftigt. Mich inte-

nicht in eine Steuererklärung passt?

gmocht?“ fragt mich mein Papa.

ressiert der Moment, in dem Samen auf Ei trifft. Entsteht hier der Mensch? Oder

Was soll ich zum Beispiel mit meinen

„Wa r u m b i s t n e t L e h r a w o r n ? “

später? Welche Eigenschaften müssen

vielen Fragen machen? Die besitze ich

stößt

Ei und Samen haben? Müssen sie von

auch! Und hoff, dass ich dafür nicht zum

echten Menschen stammen? Wenn

Finanzamt muss, um Steuern zu erklären.

Ich mag keine Kinder! wär mir fast

man zum Beispiel Samen und/oder

Das wäre ähnlich schlimm wie die Pflicht,

rausgerutscht. Aber das hätte nur ihre

Ei künstlich herstellt, produziert man

mich vor meinen Eltern zu erklären. Die

Hoffnungen auf Enkerl zerstört. Ich

dann nicht echte Menschen? Haben

wollen auch immer wissen, warum ich

denke mir, meine Eltern haben’s ohnehin

geklonte Menschen dieselben Men-

noch immer auf einem Berg voller Frage-

schon schwer genug mit ihrem Sohn, der

schenrechte wie Original-Menschen?

zeichen sitze, aber keine Steuern zahle …

Ganz ehrlich, wenn mich diese Fragen

KRISTIAN

mich

meine

Mama.

noch in ein Altersheim stecken kann.

von

sie im Alter weder finanziell unterstützen deprimieren, dann schaue ich zur Diese Grausamkeiten des menschli-

Nachbarin mit dem Babybauch. Sie hat

chen Daseins plagen mich oft, auch

gerade das Kinderzimmer fertig ein-

die Fragen meiner Eltern, die ich

gerichtet, tolle, neue Möbel gekauft,

nur mit hochgezogenen Schultern

liebevoll ausgesuchte Accessoires ange-

beantworte und zu besonderen Anläs-

bracht und sich mit einer Freundin

TISCH (kri.tisch@gmx.at)

Grafik: Heidi Kofler


EFFIZIENTE STRATEGIEN FÜ

VON CHRIS

Das Studium abschließen und endlich fertig sein, frei sein! Davon träumen viele Studierende. Die wissenschaftliche Abschlussarbeit wird dabei oft als unüberwindbare Hürde gesehen. Und auch wenn die Frist für auslaufende Diplomstudien verlängert wurde: Deine Abschlussarbeit solltest du effizient und mit Strategie schreiben. Worüber soll ich schreiben? Wie finde ich eine geeignete, machbare Forschungsfrage? Wo fange ich an? Ist das, was ich tue, überhaupt wissenschaftlich? Und vor allem: Wie entsteht aus dem Ganzen dann ein Text? – Dies sind klassische Fragen von Studierenden in der Studienabschlussphase. Die moderne Schreibforschung geht davon aus, dass diese Fragen gut und nützlich sind. Sie sind die Zeichen einer kritischen Haltung, die das Hinterfragen von bestehendem Wissen und das Suchen nach neuen, eigenen Antworten ermöglicht. Denn: Fragen sind Kennzeichen wissenschaftlichen Arbeitens. Um eine Abschlussarbeit effizient zu schreiben, sind Strategien des Sich-SelbstMotivierens sowie Wissen über das Schreiben von

Lege dir fixe Schreib- bzw. Arbeitszeiten zurecht!

Texten unerlässlich. Die Highlights der Schreibdidak-

Die Gehirnforschung zeigt, dass fixe Arbeitszei-

tik für diese besonders intensive Arbeitsphase – jene

ten und Routinen ermöglichen, den Schreibfluss

Methoden und Taktiken, die Studierende am besten

(Flow) wiederholt herzustellen. Man muss also

unterstützen - sind hier für dich zusammengefasst:

nicht die richtige Schreib-Stimmung abwarten. Vereinbare mit dir fixe Schreibmomente, die du

Um durchzuhalten und dich selbst zu motivieren…

wirklich einhältst. Erstelle Arbeits- und Schreib-

Eine Abschlussarbeit zu verfassen ist ein längerer

pläne und hab den Mut, auch Pausen zu machen!

Prozess. Jeden Tag muss man sich neu motivieren, sich zum Projekt setzen und daran weiterarbeiten.

Such

dir

Schreib-Partnerschaften!

Gemeinsam Gestalte dir die Schreibumgebung angenehm!

den

fällt

mit

das

anderen

Arbeiten

Schreiben-

viel

l e i c h t e r.

Experten sind sich einig, dass die Schreibinfrastruktur ein wesentlicher Faktor ist, um das Schreiben von

W i s s e n ü b e r d a s S c h r e i b e n v o n Te x t e n

schwierigen Texten zu erleichtern. Stell dir dazu die

Texte stellen Informationen in einer passenden Weise

Frage, wo, wann und womit schreibe ich gerne? Welches

dar. Und diese Texte müssen erdacht, geschrieben

Licht, welche Geräusche bzw. welchen Grad von Ruhe

und in einer geeigneten Form präsentiert werden.

brauche ich, um konzentriert arbeiten zu können?

Sei dir bewusst, dass Schreiben ein Prozess ist. Kein

Dieses Wissen hilft dir, deinen persönlichen Schreibtyp

Text fällt fertig und perfekt formuliert vom Himmel.

besser kennen zu lernen und so produktiver zu arbeiten.

Der Schreibprozess besteht aus diesen

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ÜR DEINE ABSCHLUSSARBEIT

STINA BOIGER

Arbeitsschritten: Ideenfindung – Struktur festlegen – Rohfassung schreiben – Texte überarbeiten – Korrekturen vornehmen – Text abgeben. Erlaube dir, Roh-Texte zu schreiben. So überwindest du kritische innere Stimmen. Plane - auch zeitlich! - die Überarbeitung jedes Textes ein. Texte können nicht nur hinsichtlich Rechtschreibung & Grammatik durch-gearbeitet werden. Verschiedene Ebenen der Überarbeitung legen den Fokus auf Inhalt, Struktur (roter Faden!) und die sprachliche Formulierung des Textes. Das

Ve r f a s s e n

beit

ist

keine

einer

Abschlussar-

Geheimwissenschaft.

Mit Wissen über Schreibprozesse, Methoden und klaren Strategien im Umgang mit vorhandenen Ressourcen kannst du dir selbst überschaubare Pakete für dein Projekt Abschlussarbeit zusammenstellen. Und dann geht sich deine Abschlussarbeit sicher innerhalb der Frist aus!

Mag. Christina Boiger, BA chribs@schreibenmitchribs.at Schreiben mit Chribs www.schreibenmitchribs.at Writers‘ Studio www.writersstudio.at Termine: 21.06.2013: Mit dem Stift auf Reisen 28.06.2013: Fixpunkt Schreibzeit ab 03.07.2013: Seminar frei geschrieben - Studium abschließen mit Schwung & Strategie 05.07.2013: Fixpunkt Schreibzeit ab 25.08.2013: Schreibexpedition zur wissenschaftlichen Abschlussarbeit

Impressum GeWitter Zeitschrift der Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz. Medieninhaberin, Herausgeberin und Verlegerin: Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Universität Graz, Schubertstraße 6a, 8010 Graz Chefredaktion: Markus Schicker Layout: Ray Caballero Lektorat: Jennifer Brunner Druck: Universitätsdruckerei Klampfer Auflage: 8.100 Stück Mitarbeiter/-innen in dieser Ausgabe: Christina Boiger, Lucie Bois, Kevin Eberhard, Christina Horn, Heidi Kofler, Beatrice Maierhofer, Tina Maria Pechmann, David Pramberger, Martina Schachner, Sebastian Scherzer, Kristian Tisch, Miriam Wladkowski u.v.a.

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von Martina Schachner

TRAMINER

DAS BEISL IN GRAZ. ÖKUTOPISCH- GENIESSEN- TRADITIONELL- VERWURZELT. EINE STADT-ANTHROPOLOGISCHE FELDFORSCHUNG IN DER TRAMINER WEINSTUBE, KLOSTERWIESGASSE 2.

D

ie Gründe rund um die Klosterwiesgasse, im

Die TRAMINER WEINSTUBE ist ein Ort der Kom-

18. Jahrhundert tatsächlich noch Wiesen,

m u n i k at i o n . D e r Au s t a u s c h u nte r d e n s i c h

gehörten zum Kloster der Dominikanerin-

gegenseitig sehr positiv gestimmten Gästen wie auch

nen. Genau hier, im Zentrum der neuen Vorstadt,

mit den Wirtinnen ist zentral. Viele kommen auch

errichtete Postmeister Caspar Andreas von Jakomini

alleine her, um sich auszuruhen, ein Magazin oder

im Jahr 1787 den „Neuhof“, auch „Alte Post“ genannt. Später ging der gesamte Vierkantkomplex an die k.k. Post für Steiermark und Kärnten. Schon damals war die TRAMINER WEINSTUBE eine Postschank. In der TRAMINA gibt es noch heute nostalgische Erinnerungselemente an diese Zeit: Wer sich dafür interessier t, sei hiermit aufgefordert, das Gespräch mit den Wirtinnen zu suchen. Seit 1935 ist das Gasthaus im Besitz der Familie Fauster. Die Großeltern der derzeitigen Wirtinnen Ulrike und Bärbel Fauster kamen nach Graz, um hier Südtiroler Weine zu verbreiten. „Sie sind aber noch vor der Option* nach Graz gekommen, das ist mir wichtig. Sie sind nicht aus politischen Gründen heim ins Reich gegangen.“, sagt eine der beiden Wirtinnen. Mit ihren Säulenpilastern und der Rundbogenoptik erinnert die verspielte Erdgeschossfassade der TRAMINER WEINSTUBE an oberitalienische Arkaden. Für mich sind diese bereits eine Einladung in den Gastgarten, welcher sich im gemütlichen Innenhof befindet. Täglich um 18:00 Uhr (17:00 Uhr im Winter) öffnen die Schwestern ihre Pforten und laden Passanten/-innen, Stammgäste sowie Wein- und Kunstliebhaber/innen in die urigen Räumlichkeiten ihres Lokals ein.

Während der Jugoslawienkriege in den 1990ern fungierte die aus London

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importierte „Zelle“ als Kriegstelefon. Hier wurden Gespräche zwischen

Flüchtlingen und in den Kriegsgebieten zurückgebliebenen Familienangehörigen ermöglicht!


die aktuell aufliegenden Tageszeitungen zu lesen.

trifft sich in den zentral gelegenen Räumlichkeiten ein buntes, facettenreiches Publikum aus allen Winkeln

Aber sie ist auch ein Ort der Kunstvermittlung. Einmal

der Stadt, um die wohlverdiente Freizeit zu genießen.

im Monat ändert das Lokal sein Kleid und gibt jungen Künstler/-innen die Möglichkeit, ihre Werke auszustel-

„(...) da drinnen ist plötzlich ein Ort der Ruhe, draußen

len. Schwerpunkte gibt es nicht. Fotografie, Malerei

schwirrt alles und darum ist ja dieser Gegensatz so

und Comic sind die Kunstrichtungen, die zuletzt an

schön: am Fenster zu sitzen und raus zu schauen

den Wänden der Tramina Einzug hielten. Neben der bil-

wie draußen alles hektisch ist und da sitzt man

denden Kunst spielt auch die Musik eine wesentliche

da drinnen und es ist alles ruhig. Das ist wirklich

Rolle. Es finden regelmäßig Konzerte statt und einmal

eine Entschleunigung pur da drinnen.“ (anonymes

wöchentlich treffen sich Musiker/-innen zum Jammen.

Interview mit einem Stammgast im Jänner 2013)

Ein starres heteronormatives Weltbild gehört NICHT

*Option: 1939 wurde es den deutschsprachigen Südtiroler/-innen freigestellt zu wählen (optieren), ob sie die italienische Staatsangehörigkeit beibehalten oder in das Deutsche Reich abwandern wollen.

zum TRAMINA-Alltag. Dies wird mit einem Blick auf die Stammtischrunden sichtbar und auch von den

(Anm. d. Red.)

interviewten Gästen besonders hervorgehoben. So

Fotos: Martina Schachner

„DIE TRAMINA BEZEICHNE ICH ALS GUTE STUBE. WIE WENN SIE MEINE EIGENE WOHNUNG WÄRE, WAS SIE JA AUCH EIN BISSCHEN IST SOGAR. EINE AUSGELAGERTE, WO MAN SICH WIE ZU HAUSE FÜHLT.“ (AUS EINEM INTERVIEW MIT EINEM STAMMGAST IM DEZEMBER 2012)


JETZT IM UniGraz@Museum INTERNATIONAL STUDENTS OF HISTORY ASSOCIATION Internationale, unabhängige, studentische Organisation für alle Geschichtsinteressierten jetzt auch in Graz! Unser Ziel ist die (internationale) Vernetzung und der interdisziplinäre Austausch all jener, die sich für historische Themen interessieren - Personen aus allen Fachbereichen sind herzlich Willkommen! Mehr zu unserer Organisation auf www.ishainternational.org Die Grazer Sektion erreicht ihr unter: graz@isha-international.org unser Newsletter informiert über die monatlichen Stammtische, Events und Workshops!

18. JUNI BIS 5. OKTOBER 2013 UNIGRAZ@MUSEUM, HAUPTGEBÄUDE DER KARL-FRANZENS-UNIVERSITÄT, UNIVERSITÄTSPLATZ 3/KELLERGESCHOSS, 8010 GRAZ

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SEITENBLITZE

DIE AUSSTELLUNG ÜBER DAS GEWITTER Während der vergangenen 3 Monate präsentierte die Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften und das UniGraz@Museum die Ausstellung Seitenblitze – eine Ausstellung über die Geschichte des GeWitters. Bevor wir euch auf den kommenden Seiten einige Schmankerl vergangener Tage zeigen werden, möchten wir uns bei Christina Horn, Stefan Prath, Sabrina Reisner und Karina Stefan für die Planung und Mitgestaltung, bei allen, die beim Auf- und Abbau geholfen haben, bei Franz Schmuck, der mit seinen Kunstwerken und Instrumenten unsere Ausstellung untermalt hat und beim Team des UniGraz@Museums rund um Franz Stangl bedanken: D A N K E ! ! ! :)


1987 veröffentlichte die damalige Vorsitzende der FV GeWi (heute lehrt sie am Institut für Romanistik) eine völlig harmlose Jesuspostkarte in einer Sonderausgabe der Zeitschrift UniAktuell. Dies führte zu einem Eklat. Feenstra wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und das GeWitter wurde geboren.

Die Einführung der Studiengebühren durch die schwarz-blaue Regierung veranlasste die damalige FV-GeWi dazu, im GeWitter ein Patenkind zu suchen, dem die Studiengebühren ersetzt wurden. Man musste begründen, warum man es verdient hätte gratis zu studieren. Das glückliche Patenkind wurde dann von den Leser/-innen des GeWitters gewählt. 1999 veröffentlichte die Fakultätsvertre tung Geisteswissenschaften ein Buch über die Geschichte des GeWitters. Das Buch mit dem etwas verwirrenden Titel „30476G87U: vom Denken und Fühlen in der Schwerindustrie“ kann man sich auch auf der UB der

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Uni-Graz ausborgen. Unverständlicherweise war es ein echter Ladenhüter und so versuchten die nachfolgenden Generationen an GeWi-

Ein beliebtes Opfer für Spott und Hohn war der damalige Rektor der Uni Graz

Fakultätsvertreter/-innen verzweifelt das Buch

- ein gewisser Helmut Konrad. Er wurde vor allem für den Bau des ReSoWi-

durch Inserate unter das Volk zu bringen.

Zentrums, gegen den die FV-GeWi sogar Unterschriften sammelte, attackiert.


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Gewitter juni 2013  

GeWitter - Zeitschrift der Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften an der ÖH Uni-Graz

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