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Erziehung & Wissenschaft 11/2012 Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW

Ă„lter werden mit dem Job

Arbeit und Zeit neu gestalten


PHILIP WOTScHAcK

Foto: WZB Berlin

2 GasTkOmmEnTar

Arbeitszeit neu gestalten „Älter werden mit dem Job“ setzt ein neues Leitbild für unsere Arbeitswelt voraus. Es geht dabei nicht nur darum, alternsgerechte Arbeitsbedingungen für ältere Beschäftigte zu schaffen. Gefragt ist ein grundlegend anderer Umgang mit menschlicher Arbeitskraft und zwar in allen Phasen des Erwerbsverlaufs. Nur wenn bereits in der ersten Lebenshälfte Überlastungen, gesundheitliche Einschränkungen, Qualifikationsdefizite und berufliche Krisen vermieden werden, ist ein engagiertes Arbeiten bis zum gesetzlichen Renten- und Pensionsalter denkbar. Dafür müssen Menschen in allen Phasen ihres Lebens – nicht nur im Alter – über die notwendigen Ressourcen und Rahmenbedingungen verfügen, um ihre Kompetenzen, Fähigkeiten und Arbeitsmotivation zu erhalten und weiter zu entwickeln. Das herkömmliche betriebswirtschaftliche Denken zeigte sich weitgehend blind für diese Perspektive, die den gesamten Lebensverlauf in den Blick nimmt. Die Bezugsgröße von Kosten und Nutzen sind in der Regel kürzere Zeiträume; langfristige Folgen und Kosten werden ausgeblendet. Um wirklich eine Kehrtwende zu erreichen, sind vereinte Anstrengungen in unterschiedlichen Feldern der Arbeitspolitik erforderlich: im Bereich der Leistungspolitik, des Gesundheitserhalts, der Weiterbildung, Personalentwicklung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ein ganz entscheidendes Handlungsfeld: die Gestaltung der Arbeitszeit. Sie hat direkten Einfluss darauf, welche Zeiträume durch Erwerbsarbeit gebunden sind und welche Zeiten den Menschen für Erholung, Partnerschaft, Sorge für Kinder und Angehörige, soziale Kontakte, Bildung oder Freizeit zur Verfügung stehen. Damit prägt sie in besonderer Weise den Lebensrhythmus und das Zusammenleben unserer Gesellschaft. Seit einigen Jahren haben Forschung und Politik die Bedeutung des Lebensverlaufes in diesem Zusammenhang entdeckt. Berufliche und außerberufliche Anforderungen und Interessen stellen keine konstanten Größen dar. Sie verändern sich im Lebensverlauf. Eine Studie der DekaBank in ZusammenErziehung und Wissenschaft | 11/2012

arbeit mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft Köln* hat sechs Lebensphasen mit jeweils spezifischen Bildungsschwerpunkten, beruflichen Zielen und privaten Interessen identifiziert. Das Fazit: Den konstanten Vollzeit-Mitarbeiter wird es in Zukunft nicht mehr geben. Der Bedarf nach temporären Auszeiten und Arbeitszeitreduktion für Qualifizierung, berufliche Neuorientierung, Elternschaft, Pflege Angehöriger oder einen gleitenden Ausstieg aus dem Erwerbsleben nimmt zu. Unter dem Schlagwort „lebensverlaufsorientierte Arbeitszeitgestaltung“ wird versucht, auf diese Veränderungen zu reagieren. Gefragt sind Arbeitszeitmodelle, die es Frauen und Männern ermöglichen, ihre Erwerbsarbeitszeiten an die im Lebensverlauf wechselnden Betreuungs-, Pflege-, Erholungsund Weiterbildungsbedarfe anzupassen. Die Palette der Arbeitszeitinstrumente ist breit: Sie reicht von Wahlarbeitszeiten und temporärer Teilzeit über Freistellungsregelungen, Sabbatical-Modelle (s. Seite 12) und Langzeitarbeitszeitkonten bis hin zu einer mitarbeiterorientierten Dienst- oder Schichtplangestaltung. Einen „One-Best-Way“ gibt es nicht. Welche Instrumente jeweils am besten geeignet sind, hängt von Berufsfeld, Arbeitsanforderungen und Interessen der Beschäftigten ab. Allgemein gilt: Lebenslauforientierte Arbeitszeitoptionen können nur dann wirksam werden, wenn Personalbedarf, Leistungsanforderungen und Entgeltbedingungen Spielräume für Arbeitszeitvariationen zulassen. Daher ist ein integrierter Ansatz der Arbeitspolitik gefragt, um ein „Älter werden mit dem Job“ zu ermöglichen. Philip Wotschack, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Ausbildung und Arbeitsmarkt am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

* Oliver Büdel (2007), „Der Lebenszyklus gibt den Ton an“, in: Zeitschrift Personalwirtschaft 12, 2007


InHaLT

Foto: dpa

schule: Fluglärm beeinträchtigt Lernen und Leben Seite 28

Präm des m ie onats

Foto: dpa

Berufliche Bildung: Die Jugend Südeuropas zahlt die Zeche für die Finanzkrise Seite 22

Foto: Kay Herschelmann

schwerpunkt: Bildungsinstitutionen sollen sensibler auf Ältere eingehen Seite 6 ff.

seite

Inhalt Gastkommentar

Arbeitszeit neu gestalten

Seite  2

Impressum

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auf einen Blick

Seite  4

Prämie des monats

Seite  5

schwerpunkt: Älter werden mit dem Job

Durchhalten bis zur Rente Interview mit Martin Korte: „Wer ständig lernt, altert langsamer“ Sabbatjahr: „Die beste Entscheidung“ Aktuelle Studien: Nachlassende Kräfte – neue Stärken Altersteilzeit: eingeschränkt oder abgeschafft

Seite 6 Seite 10 Seite 12 Seite 13 Seite 16

Bildungspolitik

E&W-Länderserie zur aktuellen Bildungspolitik: Sachsen-Anhalt: Reformen ohne Personal

Berufliche Bildung

Jugend ohne Arbeit: Ein Fall für Europa

Seite 20

Seite 22

Gesellschaftspolitik

Interview mit Mersiha Hadžiabdić und Serdar Bulat: Wissen statt Vorurteile

9. november Ein Lerntag!

Seite 24

Seite 25

5

Hochschule

GEW-Wissenschaftskonferenz diskutiert Karrierewege: Mehr Albtraum als Traumjob

schule

Seite 26

Fluglärm behindert Lernen Interview mit Heide Schraps und Heike Schlinkmann: Finnland – kein Kind geht verloren Dokumentarfilm: Berg Fidel – eine Schule für alle Interview mit Reinhard Stähling: „Man darf Fehler machen“

Seite 28 Seite 30 Seite 32 Seite 33

Fair Childhood

Konferenz der Bildungsinternationale zu Kinderarbeit: „Ein Verbrechen an Kindern“ GEW-Kommentar: Menschenwürdige Arbeit für alle Drittes Fair-childhood-Projekt: Rechte der Frauen und Kinder stärken

recht und rechtsschutz

Seite 34 Seite 36 Seite 37 Seite 39

GEW-Intern

BFW: Sterbegeldversicherung Von der „Kirchspielconferenz“ zur GEW Nachruf auf Armin Müller

Seite 40 Seite 43 Seite 43

Leserforum

Seite 44

Diesmal

Seite 48

Titel: Werbeagentur Zimmermann

ImPrEssum Erziehung und Wissenschaft allgemeine Deutsche Lehrerzeitung · 64. Jg.

Herausgeber: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund Vorsitzender: ulrich Thöne redaktionsleiter: ulf rödde redakteurin: Helga Haas-rietschel redaktionsassistentin: renate körner Postanschrift der redaktion: reifenberger straße 21, 60489 Frankfurt a. m., Telefon (069) 78973-0, Telefax (069) 78973-202, renate.koerner@gew.de Internet: www.gew.de redaktionsschluss ist in der regel der 7. eines jeden monats. Erziehung und Wissenschaft erscheint elfmal jährlich. Gestaltung: Werbeagentur Zimmermann, Heddernheimer Landstraße 144, 60439 Frankfurt

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Für die mitglieder ist der Bezugspreis im mitgliedsbeitrag enthalten. Für nichtmitglieder beträgt der Bezugspreis jährlich Euro 7,20 zuzüglich Euro 11,30 Zustellgebühr inkl. mwst. Für die mitglieder der Landesverbände Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, mecklenburgVorpommern, rheinland-Pfalz, saarland, sachsen, schleswig-Holstein und Thüringen werden die jeweiligen Landeszeitungen der E&W beigelegt. Für unverlangt eingesandte manuskripte und rezensionsexemplare wird keine Verantwortung übernommen. Die mit dem namen des Verfassers gekennzeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die meinung der redaktion oder des Herausgebers dar. Verlag mit anzeigenabteilung: stamm Verlag GmbH, Goldammerweg 16, 45134 Essen Verantwortlich für anzeigen: mathias müller, Tel. (0201) 84300-0, Telefax (0201) 472590, anzeigen@stamm.de www.erziehungundwissenschaft.de, gültige anzeigenpreisliste nr. 38 vom 1. 5. 2012, anzeigenschluss ca. am 5. des Vormonats E&W wird auf 100 Prozent chlorfrei gebleichtem altpapier gedruckt.

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Erziehung und Wissenschaft | 11/2012


4 auF EInEn BLICk kultusminister unterstützen GEW-Ideenwettbewerb

Ländervergleich: keine neuen Erkenntnisse ✶ ✶

Die Kultusministerien Baden-Würt✶ temberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen haben ihre Unterstützung für den GEWIdeenwettbewerb „Kinderarbeitsfreie Zonen schaffen“ zugesagt. In Briefen an den GEW-Vorsitzenden Ulrich Thöne begrüßen sie die Initiative als einen Beitrag, Kinder und Jugendliche für das „Problem der Kinderarbeit in den Entwicklungs- und Schwellenländern zu sensibilisieren“. Ziel der GEW-Initiative: Bildungseinrichtungen zu motivieren, altersangemessen das Thema Kinderarbeit aufzugreifen und der Frage nachzugehen, inwieweit deutsche Verbraucher durch ihr Konsumverhalten indirekt zur Kinderarbeit beitragen. Der Ideenwettbewerb ist in E&W 9/2012 ausgeschrieben worden. Alle weiteren Infos auf der GEW-Website unter: http://www.gew-ideenwettbewerb.de

nrW muss Lehrkräften reisekosten erstatten

Nordrhein-Westfalen (NRW) darf Lehrkräfte nicht auf Reisekosten für Schulfahrten sitzenlassen. Die Praxis des Landes, Klassenreisen nur zu genehmigen, wenn die Pädagoginnen und Pädagogen auf die Erstattung ihrer Reisekosten verzichten, sei nicht rechtens, entschied das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt. Die Richter sahen in dem Verfahren einen groben Verstoß des Dienstherrn gegen seine Fürsorgepflicht (9 AZR 183/11). Eine Klassenfahrt, urteilten sie, sei Bestandteil der Bildungsund Erziehungsarbeit der Schulen. Die Entscheidung hat bundesweite Bedeutung. Der Fall: Eine Lehrerin hatte bei einer genehmigten Studienfahrt nach Berlin Auslagen von 234,50 Euro, aber nur 48,45 Euro erstattet bekommen. Die GEW NordrheinWestfalen, die der Klägerin Rechtsschutz gewährt hat, begrüßte das Urteil. Die Bundesarbeitsrichter bestätigten mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm vom Februar 2011, gegen das das Land in Revision gegangen war.

Jonas Lanig, Pädagoge und Autor aus Nürnberg, ist neuer Bundesvorsitzender der Aktion Humane Schule (AHS). GEW-Mitglied Lanig bringt als Gymnasiallehrer große Erfahrung aus dem Schulbereich, aber auch aus der Gewerkschafts- und Verbandsarbeit sowie der Kommunalpolitik ein. „Die Aktion Humane Schule soll Detlef Träbert (links) künftig noch mehr Gehör wünscht seinem nachfolger finden“, ist seine erklärte Jonas Lanig viel Erfolg in Absicht. seinem neuen amt.

Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

Foto: Aktion Humane Schule

Lanig neuer aHs-Vorsitzender

Im Süden der Republik soll es sich besser lernen lassen. Das legt ein neuer Bundesländer-Schulvergleich nahe – diesmal bei Viertklässlern. In den drei getesteten Disziplinen – Lesen, Zuhören, Mathematik – dominieren in der Spitze überwiegend Länder aus dem Süden, allen voran Bayern. Erhebliche Probleme in nahezu allen Bereichen haben dagegen die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Laut Studie sind Schüler in der vierten Klasse aus Bayern Gleichaltrigen aus Berlin in Mathematik bereits über ein Schuljahr voraus. GEWSchulexpertin Marianne Demmer kritisierte, dass die derzeitigen Schwerpunkte der empirischen Bildungsforschung nicht hilfreich seien, das Lernen zu verbessern. Die Befunde förderten keine neuen Erkenntnisse zutage. Denn auch gut zehn Jahre nach dem PISA-Schock könne niemand sagen, warum bei Schulvergleichen immer dieselben Bundesländer an der Spitze und am Ende stehen. Es sei höchste Zeit, so Demmer, dass in der Bildungsforschung „neue Akzente“ gesetzt würden: „Der Umbau des selektiven zu einem inklusiven System, effektive Lehrerfortbildung und die Bedingungen für gelingende individuelle Lernunterstützung müssen von der Forschung begleitet werden.“ Ein Vergleich auf der Systemebene sei nur dann sinnvoll, wenn wirtschaftlich und soziokulturell ähnliche Räume untersucht würden, betonte Demmer. (E&W berichtet ausführlich in der Dezember-Ausgabe).

Innenministerium weist Protest von Berufsverbotsopfern zurück

Im Sommer hat das Komitee gegen Berufsverbote eine Petition in den Bundestag eingereicht, in der das Bündnis von Politik und Justiz Rehabilitierung der Berufsverbotsopfer sowie Einsicht in die Verfassungsschutzakten forderte (s. E&W 7-8/2012). Inzwischen hat das Bundesinnenministerium auf die Petition reagiert. Es weist in seiner Antwort, die sich nur auf Bundesbedienstete bezieht, den Protest der Berufsverbotsopfer brüsk zurück: Die „Entfernung aus dem Beamtenverhältnis“ stelle kein Berufsverbot dar, sondern eine Maßnahme zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des öffentlichen Dienstes. Auch eine Bespitzelung kritischer Opposition durch den Verfassungsschutz habe es in der Bundesrepublik nie gegeben, behauptet das Innenministerium. Die GEW kritisiert diese harsche Reaktion der Bundesregierung scharf, die das Unrecht der Berufsverbotspraxis nicht anerkennt. Die E&W-Berichterstattung über das Thema Radikalenerlass hat zu einer äußerst lebhaften, kontroversen Leserdebatte geführt, die Sie auf der GEW-Website unter http://www.gew.de/Aufmuepfig_unerwuenscht_oder_ verbohrt.html finden.


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6 ÄLTEr WErDEn mIT DEm JOB

Durchh Ingrid schober, Grundschullehrerin in Leipzig: „In sachsen bekommen wir mit 55 Jahren eine stunde unterrichtsverpflichtung erlassen, mit 60 eine zweite. Das ist zu wenig.“

// Eine Lehrerin, zwei Erzieherinnen und ein Weiterbildner berichten über ihre situation als ältere Beschäftigte am arbeitsplatz schule, in der kita und bei der Arbeit mit schwierigen Jugendlichen. nicht nur ihre statements machen deutlich, dass die Bildungsinstitutionen flexibler auf die Bedürfnisse der Älteren eingehen sollten. // Gerade mal vier Tage war das neue Schuljahr alt, als Ingrid Schober (s. Kasten S. 7) in Dresden auf der Straße stand; nicht alleine, sondern mit (fast) jeder zweiten Lehrkraft des Freistaats. 15 000 Pädagogen, aus allen Winkeln des Landes waren angereist, als der Landtag den Haushalt für das kommende Jahr beriet. „Die Busse reichten kaum, die Bühne war zu klein, die Tonanlage zu leise“, so die sächsische GEW-Vorsitzende Sabine Gerold, „machtvoller hätten wir nicht protestieren können: So geht es nicht weiter.“ Die Demonstration war nicht nur die größte, die der Landtag in Dresden je erlebt hatte (s. E&W 10/2012). Sie stand auch unter einem selten gehörten Motto: für einen neuen Generationenvertrag an Sachsens Schulen – und dafür, so stand es auf einem Transparent, dass Artikel 1 des Grundgesetzes (GG) auch im Alter gelte: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Foto: Dirk Knoofe

Entlastung benötigt

Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

Jede zweite Lehrkraft in Sachsen ist über 50 Jahre alt; Neueinstellungen gibt es kaum. Mit jeder überlastungsbedingten Erkrankung wird die zum Reißen gespannte Personaldecke weiter strapaziert. Nach Schätzung der GEW Sachsen arbeitet mehr als jeder dritte Pädagoge an zwei Schulen. Mit einem „gigantischen Personalkarussell“ rette sich die Landesregierung über die Zeit, schimpft Personalrat Uwe Preuss, „auf dem Rücken einer Generation, die dringend Entlastung braucht“. Die Liste der Forderungen, die die GEW und ihre Partneror-


ÄLTEr WErDEn mIT DEm JOB

halten bis zur rente ganisationen vorlegten, reicht vom Wiedereinführen der Altersteilzeit und der Einstellung junger Lehrkräfte bis zu Formen alternsgerechten Arbeitens – zum Beispiel: außerunterrichtliche Aufgaben stärker anzuerkennen, Rückzugsräume im Schulgebäude zu schaffen. Viele, sagt Sabine Gerold, hofften nicht mehr auf erleichternde Maßnahmen im Schuldienst: „Wer nicht mehr kann, will aufhören – zu vertretbaren Bedingungen.“ Damit stehen die sächsischen Pädagoginnen und Pädagogen nicht alleine da. Bundesweit geht eine verbeamtete Lehrkraft im Schnitt mit 62,7 Jahren in Pension* (für angestellte Lehrkräfte gibt es keine vergleichbaren Daten). Rund jede fünfte schied nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2010 wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig aus: aufgrund psychischer oder psychosomatischer Erkrankungen, Herzleiden, Depressionen oder wegen Störungen des Muskel- oder Skelettapparats.

Wunsch nach weniger Lärm

Wenn Schule flexibler auf ihre Beschäftigten einginge, wäre das nicht nötig. Viele Probleme rühren daher, dass Lehrkräfte im Schulalltag altern, ohne dass sich ihre Arbeitsbedingungen verändern. Vom ersten bis zum letzten Schultag arbeiten Lehrkräfte oft zu immer gleichen Konditionen: mit X Stunden vor der Klasse; mit immer gleichen Aufgaben. Selbst Sportlehrkräfte können das Fach nur in den seltensten Fällen zugunsten ihres Zweit- und Drittfachs reduzieren. Auf der Wunschliste alternsgerechter Veränderungen stehen dabei keine maßlosen Forderungen, sondern: „Nicht so viele Aufsichten, weniger Lärm, weniger Zeit vor der Klasse – diese Punkte werden immer wieder genannt“, erklärt Marlis Tepe, Expertin für alternsgerechtes Arbeiten im GEW-Landesverband Schleswig-Holstein. Nicht einmal Entlastungsstunden gibt es in allen Bundesländern, eine alternsgerechte Umverteilung der Aufgaben ist allerorten Theorie.

„Seit 1974 unterrichte ich Mathe, Deutsch und Sport an der Grundschule. In der DDR waren wir Frauen ja früh mit unserer Ausbildung fertig. Weil die aber nach der Wende nicht anerkannt wurde, bekomme ich jeden Monat 600 bis 800 Euro weniger als viele Kolleginnen und Kollegen im Westen. Ich bin eine sogenannte „Nichterfüllerin“; ich darf zwar unterrichten, bin aber deutlich niedriger eingruppiert. Dass ich bis 65 arbeite, kann ich mir kaum vorstellen. Sowohl die Eltern als auch die unterschiedlichen Ausgangslagen bei den Kindern erlebe ich als immer schwieriger. Der Lärm und das Pendeln in die 20 Minuten entfernte Sporthalle machen mir ebenfalls zu schaffen. In Sachsen bekommen wir mit 55 Jahren eine Stunde Unterrichtsverpflichtung erlassen, mit 60 eine zweite. Das ist zu wenig. Was die Rente angeht: Heute bekäme ich zehn, mit 63 Jahren immer noch sieben Prozent abgezogen. Dass eine Frau, die 40 Berufsjahre auf dem Buckel und nebenbei zwei Kinder großgezogen hat, nicht ohne Abzüge in den Ruhestand gehen kann, empfinde ich als Zumutung.“ Ingrid Schober, 59, Grundschullehrerin in Leipzig

Dafür bräuchte es allerdings eine ganz andere Schule – eine, die Kollegien und Schulleitung die Freiheit gibt, individuell flexibel zu reagieren. Was bei Schülerinnen und Schülern ansatzweise geschehe, stehe für die Lehrkräfte nach wie vor aus, konstatiert Anne Jenter, im GEW-Vorstand verantwortlich für Frauen, Senioren und Gesundheit: „Die individuelle Förderung – mit Rücksicht auf die jeweilige Lebensphase: etwa, wenn Kinder versorgt oder Eltern gepflegt werden müssen oder im Alter besser andere Aufgaben bewältigt werden

sollten.“ Um den Kolleginnen und Kollegen gerecht zu werden, bräuchten die Schulen einen flexiblen Stundenpool, fordert Jenter. Zur Einsicht, dass unterschiedliche Lebenslagen berücksichtigt werden sollten, gehört weit mehr als nur Empathie für Ältere – die junge Generation wünscht sich oft ganz Ähnliches, wenn auch aus anderen Gründen: „Die einen wollen mehr Zeit für Vorund Nachbereitung; manche andere Aufgaben, weil die Stunden in der Klasse sie so stressen“, sagt Expertin Tepe, „aber im Prinzip gilt: Jüngere und Ältere haben häufig dieselben Bedürfnisse.“

„Diversity“-ansatz nötig

Die Formel „alt gleich krank“ stimmt nämlich nicht. Nach Erkenntnissen des Lehrergesundheitsforschers Andreas Krause kann mit zunehmendem Alter die Arbeitsfähigkeit zwar sinken – sie muss es aber nicht. Richtig ist jedoch, dass die Unterschiede in der Belastbarkeit unter Älteren zunehmen – auch das spricht für individuelles Handeln. Der Professor für Psychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz kommt außerdem zu dem Schluss: Die Anfälligkeit für körperliche Beschwerden nimmt über die Jahre zu, psychische Belastungen sind jedoch altersunabhängig. Und: Mit dem größeren Erfahrungswissen steigt auch die Fähigkeit, kompetent ohne Zeitdruck Urteile zu fällen. Was es brauche, so Krause, sei ein „Diversity“-Ansatz: Unterschiede im Kollegium wertzuschätzen und zu nutzen – beispielsweise durch altersübergreifenden Erfahrungsaustausch. Bis es soweit ist, hilft sich jeder selbst, so gut es geht: Frank Hasenbein, der für die GEW in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein unter dem Motto „Schaffen wir die Arbeit oder schafft sie uns?“ Seminare für die Zielgruppe 55 Plus anbietet, kann sich vor Anmeldungen kaum retten – obwohl die Fortbildung drei Tage dauert, eine Freistellung benötigt wird und die meisten diese Zeit vor- und nacharbeiten müssen. „Der Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

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8 ÄLTEr WErDEn mIT DEm JOB sitzen auf kleinen stühlen

„Rückenschäden gehören dazu: Ständig haben wir Kinder auf dem Arm, sitzen auf zu kleinen Stühlen; jahrelang haben wir die Rollstühle in die nicht behindertengerechten U-Bahnstationen und wieder rauf getragen. Mit dem Personalrat haben wir Aufstiegshilfen für die Wickeltische und höhenverstellbare und rückengerechte Stühle für alle Erzieherinnen durchgesetzt. Ob wir deswegen bis fast 66 durcharbeiten können, ist trotzdem offen. Der Beruf ist unsere Leidenschaft – auch die Arbeit am Kind! Aber sich von einem stressigen Arbeitstag zu erholen, dauert mit zunehmendem Alter einfach länger. Wir würden uns mehr Rückzugsräume wünschen, vielleicht auch mehr Zeit mit anderen Aufgaben verbringen, zum Beispiel in der Anleitung von Jüngeren. Auch ein Hamburger Modell rückwärts wäre eine gute Idee: gleichsam ein gleitender Ausstieg – jedes Jahr eine Stunde pro Woche weniger zum Beispiel. Mehr Zeit für Vorbereitung brauchen wir eher nicht; da profitieren wir im Alter doch stark von unserer Erfahrung.“ Gaby Steiner und Ute Wachholz, beide 56, Erzieherinnen für Integration in Berlin

Bedarf an Unterstützung ist immens“, konstatiert Hasenbein, „die Belastung ist enorm, die Themen Entlastung und Gesundheitsschutz brennen allen auf den Nägeln.“ Das Bedürfnis, das sie eint: Sie suchen einen Weg, den Schulalltag gesund zu bewältigen, dem sie künftig bis 67 standhalten müssen.

XXL-Probleme in kita

In der Kita treten viele gesundheitliche Probleme gleichsam XXL auf: Kinderstühle sind für erwachsene Rücken eine Katastrophe, das Tragen der Kinder

ebenso, auch der Lärm ist oft ohrenbetäubend. In einer Befragung von 2000 Erzieherinnen durch die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege gab nahezu jede Dritte an, unter Nacken- und Schulterschmerzen zu leiden; jede Vierte unter Rückenschmerzen. Auch Grübelei, Mattigkeit, Unruhe werden immer wieder genannt. Laut einer Studie des DGB kann sich nur jede vierte Erzieherin vorstellen, das Rentenalter gesund zu erreichen. Die GEW-Studie „Wie geht’s im Job?“ wies ebenfalls bereits 2007 eindrücklich auf diese Belastungen hin (E&W berichtete). Unter dem Titel „Alternsgerechtes Arbeiten in

Kindertagesstätten“ hat die GEW Nordrhein-Westfalen eine Handlungshilfe für Träger, Leitungen und Mitarbeitende herausgegeben. Immer neue Anforderungen, der andere Zeitgeist, noch eine Reform: Das kann stressen. Doch auch das Nutzen des Erfahrungsschatzes der Älteren kommt nach Ansicht von Experten im Berufsalltag zu kurz – obwohl Lernen doch zum Kerngeschäft der Bildung gehört. Andreas Krause empfiehlt ein ganzes Paket von Maßnahmen: von altersgemischten Teams über altersübergreifenden Erfahrungsaustausch bis zu Mentoren-Programmen und der Gestaltung des Generationenwechsels. In der GEW wird all das zurzeit erkannt: Immer mehr Landesverbände, z. B. Mecklenburg-Vorpommern oder Baden-Württemberg, beginnen, den Dialog von Alt und Jung sowie die Übergabe von Verantwortung aktiv zu gestalten. Noch einmal dazulernen wollen aber auch jene, die den Beruf bald verlassen: Mehrmals im Jahr bietet deshalb HansWilfried Kuhlen, ehemaliger Weiterbildungskoordinator beim GEW-Hauptvorstand, Seminare zur Vorbereitung auf den „Unruhestand“ an. „Der Bedarf ist riesig“, sagt er, „auch der Schritt aus der Schule ist ein Schritt.“ Wer heute in Pension oder Rente geht, bereite sich auf mehrere Jahrzehnte aktiven Lebens vor – die gestaltet sein wollen. „Der eine sucht einen Weg, seine beruflichen Kompetenzen ehrenamtlich weiterzugeben,

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Fotos: Kay Herrschelmann

Gaby steiner, Erzieherin in Berlin: „Der Beruf ist meine Leidenschaft – auch die arbeit am kind! aber sich von einem stressigen arbeitstag zu erholen, dauert mit zunehmendem alter einfach länger.“


ÄLTEr WErDEn mIT DEm JOB

ute Wachholz, Erzieherin in Berlin: „mehr Zeit für Vorbereitung brauche ich eher nicht; da profitiere ich im alter doch stark von meiner Erfahrung.“

der andere stärker soziale Kontakte“, so Kuhlen. Letztere gäbe es auch woanders – aber unter Lehrkräften dieser Generation gibt es sehr viel Verbindendes. Jeannette Goddar, freie Journalistin

* neueste veröffentlichte Daten von Destatits 2011. Die Handreichung „alternsgerechtes arbeiten in kindertagesstätten“ (hrsg. von der Technologieberatungsstelle beim DGB nrW e. V. und Technik und

Wissen weitergeben

„Ich bin nicht sicher, ob das etwas mit dem Alter zu tun hat ... Aber was mich von Jahr zu Jahr mehr stört, sind sogenannte Reformen, bei denen außer weiterer Deregulierung nichts herauskommt. Jahrelang wurde ständig eine neue „QM-Sau“ durchs Haus getrieben – Qualitätsmanager, die unsere Arbeit effizienter, schneller, besser machen sollten! Ein, zwei Jahre später konnte sich kein Mensch mehr an die angeblich optimierten Prozesse erinnern. Überhaupt fehlt jedes historisch-dienstliche Gedächtnis. Nun hat offenbar selbst unsere Leitung gemerkt, dass es ohne Kommunikation zwischen den Generationen nicht geht: Auch ich habe mich für ein Projekt namens „Rückenwind“, das der Europäische Sozialfonds (ESF) unterstützt, angemeldet. Darin sollen wir Ältere unser Wissen an Jüngere weitergeben, das ist sinnvoll. Was mir auch immer mehr zusetzt, ist der Begriff von Sozialarbeit, der sich seit der Agenda 2010 durchgesetzt hat: jeder eine Ich-AG, jeder für sich selbst verantwortlich. Anstatt ganzheitlich mit Jugendlichen zu arbeiten, sind wir gehalten, nur noch auf ihre Vermittelbarkeit hin ihre Stärken und Schwächen zu analysieren. Die Arbeit mit schwierigen Jugendlichen an sich macht mir aber immer noch Spaß. Dafür bin ich ja ausgebildet.“ Kamillus Wolf, 59, Sozialarbeiter in der beruflichen Bildung und Dozent für Fotografie und Sozialarbeit, Mannheim

Leben e. V. gemeinsam mit GEW nrW, DPWV nrW, ver.di nrW und dem Landesjugendamt rheinland-Pfalz) steht zum Download bereit unter: http://www.chancen-foerdern.de/w/ files/gesundheitsfoerderung/kita_ broschuere.pdf Der Vortrag von andreas krause zur alternsgerechten schule: http://www.bdp-schulpsychologie.de/ aktuell/buko/2008/pdfs_nach/krause_ vortrag.pdf studien zur Lage von Erzieherinnen: studie der Dak: http://people.f3.htw-berlin.de/ Professoren/Pruemper/instrumente/ kFZa-BGW-Dak-stressmonitoring_ Erzieherinnen.pdf Eine von der GEW herausgegebene sonderauswertung des DGB-Index‘ „Gute arbeit“ zur Lage von Erzieherinnen ist zu finden unter: http://www.gew.de/ Binaries/Binary40336/Broschüre_DGBindex_arbeitspapier_Erzieherinnenkurz Die kita-studie der GEW „Wie geht’s im Job?“ ist abzurufen unter: http://www.gew.de/Binaries/ Binary35437/GEW-kitastudie.pdf Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

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„Wer ständig lernt, alte // Interview mit dem Hirnforscher und Lernexperten martin korte, uni Braunschweig, über das Altern //

Foto: privat

E&W: Das Älterwerden erleben viele Menschen als defizitär. Man hat vor allem den körperlichen und geistigen Verfall im Blick. Ihr Buch „Jung im Kopf – Erstaunliche Einsichten der Gehirnforschung in das Älterwerden“* hebt mehr die Kompetenzen älterer Menschen hervor. martin korte: Aus neurowissenschaftlicher Sicht sollte man stärker die Entwicklungsmöglichkeiten älterer Menschen beachten. Sie haben viele Potenziale zu bieten, die die Gesellschaft bis heute leider nicht genug wahrnimmt. Beinahe jeder sieht das Altern unter dem Aspekt: Es wird alles schlechter. Hier hat immer noch kein Paradigmenwechsel stattgefunden. E&W: Wie können sich Menschen, sagen wir ab 55 Jahren plus, weiter entwickeln? korte: Zum einen beginnt mit dieser Altersphase eine Zeit der Umorientierung. Das Berufsleben nähert sich ent-

martin korte Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

weder langsam dem Ende oder wird bald zu Ende sein. Man sollte sich dann überlegen, wie man – mittlerweile ist das realistisch – die nächsten 20 Jahre verbringen möchte. Dadurch, dass man einen solch langen Zeitraum verplanen kann, sofern man gesund ist, ließe sich das Älterwerden anders gestalten. Man kann sich beispielsweise entscheiden, im Vor- oder Ruhestand sozial oder ehrenamtlich aktiv zu sein. Die gute Nachricht für Menschen, die das tun: Sie sind selbst Nutznießer. Es lässt sich wissenschaftlich nachweisen, dass Ältere, die in Vereinen arbeiten, sozial aktiv sind, die Sport treiben, die weiterhin lernen und oft mit anderen kommunizieren, kognitiv langsamer altern als jene, die das nicht tun. E&W: Was lernt das Gehirn im Alter ab 50 plus und was lernt es nicht mehr? korte: Jedem älteren Gehirn fällt es nicht leicht, etwas komplett Neues zu lernen. Wer nie ein Musikinstrument gelernt hat und will das mit 58 Jahren anfangen, dem wird das eher schwerfallen. Was hingegen sehr gut geht: Im Alter auf Kenntnisse zurückzugreifen, die man früher erworben, aber lange nicht angewandt hat – das kann eine Sprache oder auch ein Instrument sein. Man muss allerdings wissen, dass man als 50-, 60-, 70-Jähriger und nicht als 20-Jähriger lernt. Das bedeutet, man muss sich intensiver auf eine Sache fokussieren und mehr darauf achten, das Gelernte zu sichern. Das Lernen dauert länger im Alter, weil die Strukturen im Gehirn, die sich ändern müssen, um etwas Neues abzuspeichern, etwas widerspenstiger sind – ähnlich wie es bei Knochen und Muskeln der Fall ist. E&W: Nimmt unser Arbeitsgedächtnis ab 50 permanent ab? korte: Es ist sogar noch schlimmer. Es nimmt bereits ab dem 25. Lebensjahr ab, was ich für ältere Menschen als ganz beruhigend empfinde. Wenn einem demnächst der 45-Jährige mitleidig zuruft: „Jetzt geht’s bergab“, kann man erwidern: „Bei dir geht’s auch schon 20 Jahre bergab.“

„Ältere Menschen haben viele Potenziale zu bieten, die die Gesellschaft bis heute leider nicht genug wahrnimmt.“ Martin Korte

E&W: Nicht sehr ermutigend! korte: Bei der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses geht es darum, wie viele einzelne mentale Objekte im Gehirn zwischengespeichert werden, mit wie vielen man operieren kann. Das einfachste Beispiel ist Kopfrechnen. Jenseits der 50 werden wir deutlich schlechter im Kopfrechnen. Andererseits: Die Komplexität der Verknüpfungen, die ein älteres Gehirn leisten kann, ist viel größer. Für einen 60-Jährigen stecken hinter Wörtern wie „Zeitungsartikel“ oder „Personalakte“ viel komplexere Informationen als für einen 15- bis 30-Jährigen. E&W: Ist das altersweise? korte: Der Psychologe, Philosoph und Mediziner William James hat einmal gesagt: „Weisheit besteht darin, dass man weiß, worauf man nicht achten muss.“ Danach wäre ein weiser Mensch derjenige, der in der Lage ist, die Komplexität von Zusammenhängen auf Wesentliches zu reduzieren. Allerdings: Man wird nicht automatisch in etwas besser, nur weil man älter wird. Wer nicht trainiert und übt, sich also körperlich und geistig bewegt, verliert an Kräften – eine „selffulfilling prophecy“. E&W: Wie wirkt sich Stress im Älterwerden aus?


ÄLTEr WErDEn mIT DEm JOB

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rt langsamer“ lust an Nervenzellen, der sich nicht ganz kompensieren lässt, egal wie gesund man lebt. E&W: Die Arbeitsfähigkeit kann nachlassen, muss aber nicht. Welche Faktoren beeinflussen das? korte: Vor allem die Arbeitsumgebung. Nehmen wir als Beispiel mal die Erzieherinnen. Wenn man als 64-Jährige auf einem 30 Zentimeter hohen Stuhl sitzen muss, ist das Denken so mit dem Sitzen beschäftigt, dass in der Tat das Arbeitsgedächtnis noch mehr angegriffen wird. Denn die Erzieherin hat zusätzlich noch auf eine Gruppe Vierjähriger zu achten, die ununterbrochen plappert, vielleicht in der Lautstärke eines Düsenjägers. Das ist ernsthafter Stress. Deshalb sollte der Arbeitgeber überlegen, wie er solche Arbeitsplätze nicht nur kind-, sondern auch beschäftigtengerecht ausstattet. Zudem kann man sich selbst im Job fit halten – etwa durch lebenslanges Lernen. Dazu müssen die Einrichtungen jedoch Arbeitsbedingungen ermöglichen, die Freiräume für Fortbildungen schaffen. Fest steht: Menschen, die ständig lernen und sich mit Neuem auseinandersetzen, sich regelmäßig bewegen, altern langsamer. Interessanterweise hat motorische Bewegung einen positiven Effekt auf den Erhalt der Nervenzellen im Gehirn, ebenso soziale Aktivität oder Arbeit im sozialen Kontext. Sozial aktiv zu sein, ist bestes Gehirntraining. Insofern haben Lehrkräfte und Erzieherinnen eine gute Ausgangslage. Interview: Helga Haas-Rietschel, Redakteurin der E&W

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korte: Stress als Dauerzustand ist schlecht für den kognitiven Erhalt der Gehirnfunktion. Bei fortgesetzter hoher Stressbelastung können Nervenzellen absterben. Das tun sie kontinuierlich immer mal wieder. Sie erneuern sich bei älteren Menschen nur nicht im gleichen Maß. Wenn diese über Wochen und Monate, vielleicht sogar Jahre unter Druck stehen, führt diese hohe Konzentration von Glucocorticoiden, Stresshormonen, im Blut dazu, dass das Gehirn regelrecht geschädigt werden kann. Krankheiten können auftreten. E&W: Es heißt, die Unterschiede in der Belastbarkeit unter älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nehmen zu. Wovon hängt das ab? korte: Es hängt davon ab, ob man in einem Beruf arbeitet, in dem man z. B. viele Informationen gleichzeitig verarbeiten muss. Ein 65-jähriger Börsenhändler würde sich sehr schwertun, seinem Beruf noch gerecht zu werden, weil er in kürzester Zeit an fünf, sechs, sieben Stellen zugleich präsent sein muss. Auf den Lehrerberuf bezogen: Einerseits ist jede Unterrichtsstunde in sich sehr komplex, weil die Lehrkraft de facto gleichzeitig viele Individuen im Auge behalten muss. Das ist sozusagen die MultitaskingSituation, mit der der Pädagoge in der Schule konfrontiert ist. E&W: Und andererseits? korte: Andererseits kann eine erfahrene Lehrkraft viel kompensieren, weil sie auf vieles im Unterricht nicht mehr achten muss, da sie die Situation kennt und bereits oft gemeistert hat. Klar ist allerdings: Das Unterrichten ist heute anspruchsvoller, die Anforderungen an Lehrkräfte sind vielfältiger geworden. Zugleich verringern sich die persönlichen Ressourcen. Im Alter gibt es einen natürlichen Ver-

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Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

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„Die beste Entscheidung“ // Bruni küther, 48, Lehrerin an der Helene-Haeusler-schule für geistig Behinderte, Berlin mitte, hat den ausstieg auf Zeit erprobt. //

eingesetzt. Nicht nur diese empfundene Degradierung machte sie unzufrieden, sie hätte einfach gern als Lehrerin gearbeitet.

Leuchtendes Grün bis zum Horizont. Nie wird Bruni Küther diesen Blick über die vietnamesischen Reisterrassen vergessen. Es sind Momente wie diese, die sie gierig aufsaugte auf ihrer langen Reise durch die Welt. 360 Tage Südostasien, Australien, Neuseeland, Kanada, USA. 360 Tage andere Menschen, anderes Essen, andere Natur. Weit weg von Schule, Stress und Alltag – und so intensiv wie Leben nur irgend sein kann. „Das Sabbatjahr war die beste Entscheidung“, sagt Küther. „Von dieser Zeit habe ich noch lange gezehrt.“ Berlin Weinbergspark, ein Spätsommernachmittag in einem Stadtcafé. „Ich bin gerne Lehrerin“, sagt die 48-Jährige und lacht. Sie liebt die pädagogische Arbeit mit Kindern, begleitet sie gerne durch Höhen und Tiefen, gerade jene, die sich schwerer tun. Und doch: Über die Jahre hat der Schulalltag an der Pädagogin gezehrt. Da war erst das Gezerre um den Status der Lausitzerin. Nach dem Mauerfall wurde ihr DDR-Abschluss immer wieder in Frage gestellt. Erst konnte sie unterrichten, später durfte sie nicht mal mehr Vertretungsstunden geben, schließlich hat man sie nur noch im Hort

Später, als sie an einer Schule für geistig Behinderte wieder unterrichtete, kamen körperliche Belastungen hinzu. Rollstühle schleppen, Schwermehrfachbehinderte auf die Toilette begleiten, sie an- und ausziehen für den Sport. Eigentlich ein Job der Helfer. Mit Ende Dreißig hielt sie die Rückenbeschwerden kaum noch aus. Als ihre langjährige Teampartnerin kündigte, wusste Küther: Ich brauche einen Schnitt, sonst stehe ich das nicht durch. 2008 beantragte sie ein Sabbatjahr. Bedenken? Zögern? „Ach was!“ Sicher, zwei Jahre lang Vollzeit arbeiten und nur zwei Drittel des Gehalts auf dem Konto zu haben, da wird es knapper. 1300 statt 1600 Euro netto im Monat. Küther zuckt die Schultern. „Dann muss man sparsamer leben.“ Es war vielleicht auch ihre Sehnsucht nach der Ferne, die ihr die Entscheidung erleichterte. Schon immer hatte sie mehr reisen wollen. Als die Kinder groß genug waren, ging es 2010 endlich los. Ein Jahr lang übernachtet Küther in Backpacker-Hotels, Schlafsälen, LowBugdet-Lodges. In Asien kommt sie mit 400 Euro im Monat aus, in Australien und Kanada schlägt sie sich mit

Foto: Kay Herschelmann

Ein schnitt war nötig

Bruni küther Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

Fast-Food durch. Den Plan, auf Reisen zu jobben, verwirft sie schnell. „Dafür blieb einfach keine Zeit.“ Zu viel gab es zu entdecken. So faszinierend war ihr neues Leben, dass Bruni Küther irgendwann leise Unruhe beschlich: Wie soll ich bloß in die Schule zurück? Wie Alltagstrott, frühes Aufstehen, all den Stress ertragen?

Zurück in den alltagstrott?

Als sie im Spätsommer 2011 wieder ins Klassenzimmer zurückkehrt, hat sie den Antrag für das nächste Sabbatjahr bereits eingereicht. „Das machte es leichter.“ Auch der Wechsel an eine neue Schule ist richtig. Trotzdem wird der Wiedereinstieg kein Spaziergang. Ein neues Team, eine schwierige Klasse, endlose Konferenzen, die quälende Regelmäßigkeit der Abläufe. Und Kollegen, die viele Kleinigkeiten des Alltags ungeheuer wichtig nehmen. Für Küther, die sich Schulen in Vietnam, Einrichtungen für Schüler mit Behinderungen in Malaysia, Lehrinstitute für Minenopfer in Kambodscha angeschaut hat, ist das kaum nachzuvollziehen. „Wir jammern hier auf hohem Niveau.“ Der Rücken meldet sich wieder, die Erholung schwindet. Die Pädagogin nimmt einen Schluck Apfelsaftschorle und schiebt die Sonnenbrille in die Haare. Seit August ist sie wieder in Auszeit. Ihr Ziel diesmal: Südamerika. Damit das so schnell ging, musste sie nach ihrer Rückkehr auf die Hälfte des Gehalts verzichten. „Doch so ein schneller Wechsel kostet zu viel Kraft“, resümiert die Pädagogin heute. „Gerade hat man sich in den Schulalltag eingefuchst, geht es wieder los.“ Küthers neues Wunsch-Modell: Alle drei Jahre ein Jahr Pause einlegen. Für sie ist das der Schlüssel für ein langes, gesundes, zufriedenes Berufsleben. Ein guter Schutz gegen Zipperlein, Erschöpfung und Psychostress: „Man wird viel gelassener und achtet mehr auf sich.“ Anja Dilk, freie Journalistin


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Fotos: imago

Tag für Tag vor einer schulklasse zu stehen, kostet viel kraft. schafft man das bis zum renten- oder Pensionsalter?

nachlassende kräfte – neue stärken // aktuelle studien zeigen: Der Lehrerberuf birgt insbesondere im alter erhöhte Gesundheitsrisiken. Doch die Leistungsfähigkeit kann erhalten werden. Voraussetzung ist jedoch, dass Lehrkräfte genügend Zeit zur Erholung haben. // Die gute Nachricht: 71 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland bereitet ihr Job Freude. Für mehr als jeden zweiten ist der Beruf attraktiv, so das Ergebnis einer Allensbach-Umfrage vom April. Die schlechte Nachricht: Mit dem Alter nimmt der Spaß für viele deutlich ab. Von den über 55-Jährigen halten nur noch knapp 41 Prozent ihren Beruf für interessant. 70 Prozent dieser Altersgruppe meinen, dass das Unterrichten in den vergangenen fünf bis zehn Jahren schwieriger und daher anstrengender geworden sei. Das denkt bei den Jüngeren lediglich die Hälfte. Tag für Tag vor einer Schulklasse zu stehen, kostet Kraft, weniger körperliche als emotionale und psychische. Doch die permanente seelische Belastung im Arbeitsalltag wirkt sich auch auf die physische Gesundheit aus. In einer Umfrage der Leuphana Universität Lüneburg

im Auftrag der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) unter 1300 Pädagoginnen und Pädagogen vom Herbst vergangenen Jahres zweifelten fast 60 Prozent der Befragten an, dass sie es bis zum gesetzlichen Pensionsalter schaffen. Nur 41 Prozent glaubten, dass sie die Altersgrenze gesund erreichen. Laut DAK-Studie empfinden Lehrkräfte Zeitdruck, fehlende Erholungspausen und große Leistungsunterschiede bei den Schülerinnen und Schülern als besonders belastend. Rund 45 Prozent gaben an, dass sie nach der Schule schlecht abschalten könnten. Jeder Dritte fühlte sich emotional hoch beansprucht. Angesichts der demografischen Entwicklung und der Anhebung des Pensions- und Rentenalters sind das fatale Ergebnisse. Wie sollen Lehrerinnen und Lehrer mit bis zu 67 Jahren noch konzentriert und motivierend vor quirligen, lauten Schulklassen stehen, wenn sie sich oft schon zehn Jahre vorher ausgelaugt fühlen? Zugleich wirkt sich der allgemeine Fachkräftemangel auch auf den Lehrberuf aus: Die älteren Kolleginnen und Kollegen werden dringend gebraucht. Die aktuelle Forschung zeigt, dass ihr Einsatz möglich ist – doch nur unter entsprechenden Rahmenbedingungen.

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Erziehung und Wissenschaft | 11/2012


14 ÄLTEr WErDEn mIT DEm JOB Lange waren Wissenschaftler vom sogenannten Defizit-Modell ausgegangen: der Annahme, dass Altern grundsätzlich mit einer linearen Abnahme körperlicher und geistiger Fähigkeiten einhergeht. Schon in den 1970er-Jahren widerlegten Studien diese These jedoch. Heute geht man eher vom „Kompetenz-Modell“ aus, das die Verschiebung von Kompetenzen im Prozess des Älterwerdens betont. Danach lassen zwar körperliche Parameter wie Schnelligkeit und Kraft ebenso wie bestimmte kognitive Fähigkeiten (fluide Funktionen, z. B. schnelle Informationsverarbeitung, Wechsel von Aufmerksamkeiten und Aufgaben sowie das ständige Auffrischen des Arbeitsgedächtnisses) nach – doch das kann durch Erfahrungswissen und besseres Urteilsvermögen („kristalline Funktionen“) wettgemacht werden. „Ältere Menschen sind in der Lage, durch Selektions-, Optimierungsund Kompensationsstrategien altersbegleitende Erscheinungen auszugleichen“, heißt es in dem Bericht „Demografischer Wandel in der Arbeitswelt“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Allerdings kosten diese Kompensationsstrategien eine Menge Kraft, wie eine aktuelle Studie des BAuA-Wissenschaftlers Sergei A. Schapkin zeigt. Schapkin hat 60 jüngere Erwerbstätige (20 bis 35 Jahre) und 50 ältere (50 bis 65 Jahre) in zwei Gruppen eine Reihe von Aufgaben bearbeiten lassen, mit denen er ihre kognitive Flexibilität, ihr Arbeitsgedächtnis und ihre motorische Anstrengung untersuchen wollte. Zugleich überwachte er die Hirnströme und eine Reihe körperlicher Reaktionen der Probanden. Sein Fazit: Dank der Plastizität des Gehirns können ältere Erwerbstätige Leistungsdefizite zumindest teilweise ausgleichen – was sie aber körperlich anstrengt. Während der Tests stieg bei den Älteren der Blutdruck, hingegen sanken die Herzratenvariabilität* und die Baroreflexsensitivität (BRS)** – zwei

Merkmale, die die Anpassungsfähigkeit des Körpers bei erhöhter Belastung kennzeichnen. „Ältere versuchten, die Aufgabenanforderungen durch erhöhte Anstrengung zu bewältigen. Jüngere dagegen waren besser in der Lage, ihr Arbeitsgedächtnis an die Arbeitsbelastung anzupassen, anstatt die Anstrengung zu erhöhen“, schreibt Schapkin. Zudem seien die routinierten Arbeitsanforderungen bei Älteren „mit verringerter Erholung des Herz-Kreislauf-Systems nach Belastung verbunden“.

Leistungsabfall?

Wie stark die Leistungsfähigkeit mit den Jahren nachlässt, ist bei jedem Menschen anders. „Je nach persönlichen Voraussetzungen, Lebensstil, Belastungen und Anforderungen über die Erwerbsbiographie hinweg (…) sind die Unterschiede in der Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeiter außerordentlich groß“, heißt es im BAuA-Bericht „Demografischer Wandel in der Arbeitswelt“. Eigentlich haben Lehrende keine schlechten Voraussetzungen, ihre Leistungsfähigkeit bis zum Pensions- bzw. Rentenalter zu erhalten. Denn neben Risiken für einen Leistungsabfall gibt es auch eine Reihe förderlicher Faktoren für deren Erhalt. Bei diesen Ressourcen schneiden Pädagogen gut ab, wie Studien im Rahmen des Verbundprojekts „Lange Lehren“ unter Federführung der TU Dresden und des Zentrums für Arbeit und Gesundheit Sachsen belegen. Im Vergleich mit anderen Berufsgruppen verfügen Lehrkräfte demnach über eine überdurchschnittliche kognitive Leistungsfähigkeit, über bessere körperliche Fitness und gesündere Lebensgewohnheiten. Zugleich sind sie aber in ihrem Beruf vielen Arbeitsbedingungen ausge-

nimmt die Leistung der Älteren ab? Lehrende haben keine schlechten Voraussetzungen, ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten. sie verfügen über gute kognitive kompetenzen und halten sich häufig körperlich fit. Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

setzt, die nach den Dresdner Befunden als Risikofaktoren für die Gesundheit gelten. Insbesondere sind dies: ein hoher emotionaler Aufwand beim Unterricht, selbst empfundener Stress, geringe soziale Unterstützung am Arbeitsplatz, hohe Arbeitsdichte und Gratifikationskrisen (dem Missverhältnis von Verausgabung und Wertschätzung). Bedenklich ist auch, dass laut Untersuchung bis zu 20 Prozent der befragten Lehrkräfte Schwierigkeiten hatten, sich von der Arbeit zu erholen. Das führe zur Unterdrückung von Ermüdungs- und Stresszuständen und damit zu einem erhöhten Risiko für Herz-KreislaufErkrankungen, stellt der Bericht zum „Dresdner Modell – arbeitsmedizinische Betreuung an Schulen in Sachsen“


ÄLTEr WErDEn mIT DEm JOB

fest. Tatsächlich zeigen sich bei Pädagogen häufiger psychische Erkrankungen, die im Verhältnis zu anderen Berufsgruppen zudem länger andauern. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es bei Lehrenden häufiger, Burnout-Symptome sind stärker ausgeprägt. Damit Erwerbstätige ihre Arbeitskraft langfristig sichern können, fordern Alters-und Arbeitszeitforscher nicht nur eine frühzeitige Prävention, sondern ebenso die Arbeitsbedingungen anzupassen. Dazu gehören ein systematischer Wechsel von Arbeitsbelastungen, mehr Regenerationszeit, Arbeitszeitverkürzungen oder Altersteilzeit – alles Punkte, die sich Lehrkräfte auch selbst wünschen, wie der Bericht zum „Dresdner Modell“ klarmacht. Vor allem ihre Arbeitsbedingungen würden die Pädagoginnen und Pädagogen gerne verändern, zum Beispiel durch Personalaufstockung und Altersteilzeitregelungen. Schulleitungen sehen den größten Belastungsfaktor in der Verwaltungs-

arbeit. Die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern wird hingegen sehr positiv erlebt. Marion Meyer-Radtke, freie Journalistin * Die Herzratenvariabilität (HRV) bezeichnet die Variation der Herzfrequenz von Herzschlag zu Herzschlag. (Anm. d. Red.) ** BRS umschreibt die Empfindlichkeit der Barorezeptoren auf Schwankungen von Blutdruck und Herzfrequenz. Barorezeptoren messen den Druck des fließenden arteriellen Blutes auf die Gefäßwände und senden entsprechende Signale an das Zentrale Nervensystem. Steigt z. B. unter Stress der Blutdruck über einen Sollwert, erfolgt über den Baroreflex eine Gegenreaktion: Der Pulsschlag wird gesenkt. (Anm. d. Red.)

Götz richter, silke Bode, Birgit köper: Demografischer Wandel in der abeitswelt: www.baua.de/de/Publikationen/

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Fachbeitraege/artikel30.pdf?__ blob=publicationFile&v=2 reingard seibt, silvia spitzer, klaus scheuch: Das Dresdner modell – arbeitsmedizinische Betreuung an schulen in sachsen. Zusammengefasste Ergebnisse zur Belastung und Gesundheit im Lehrerberuf. kurzvorstellung des Projekts „Lange Lehren“: http://www. baua.de/de/Themen-von-a-Z/modellprogramm/Lange-lehren_content.html s. a. schapkin: altersbezogene Änderungen kognitiver Fähigkeiten – kompensatorische Prozesse und physiologische kosten www.baua.de/de/Publikationen/ Fachbeitraege/F2152.pdf?__ blob=publicationFile&v=2 allensbach-studie: Lehre(r) in Zeiten der Bildungspanik www.vodafone-stiftung.de/scripts/ getdata.php?DOWnLOaD=YEs&id=16556 Dak-umfrage: schulstress – Jeder fünfte Lehrer denkt an Frühpensionierung www.presse.dak.de/ps.nsf/sbl/4340521 a694FFFCCC125791a0026DaD0?open

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Entlastung gefordert: Für altersteilzeit, altersermäßigungen und neueinstellungen junger Lehrkräfte demonstrierten 15 000 Pädagoginnen und Pädagogen in Dresden.

altersteilzeit: eingeschränkt oder abgeschafft // Viele ältere Beschäftigte wollen zeitliche Entlastungen im Job, bevor sie in ruhestand gehen. altersteilzeitmodelle sind eine Chance, diesen Wunsch ohne größere Einkommenseinbußen zu gestalten. nachdem die gesetzliche Förderung weggefallen ist, sind die spielräume der Tarifvertragsparteien allerdings begrenzt. // Bis Ende 2009 hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Altersteilzeit auf Grundlage des Altersteilzeitgesetzes von 1996 gefördert. Das Modell sah vor, dass BeErziehung und Wissenschaft | 11/2012

schäftigte ab 55 Jahren ihre Arbeitszeit halbieren können, mindestens jedoch 18 Wochenstunden arbeiten und dafür 70 Prozent ihrer Nettobezüge erhalten. Für die Arbeitgeber war das attraktiv, weil sie lediglich die Hälfte des bisherigen Bruttoentgelts zahlen mussten. Die Differenz zu den 70 Prozent übernahm die BA. Außerdem stockte sie die Rentenbeiträge auf 90 Prozent auf, sodass die Altersteilzeitler die Rentenabschläge verkraften konnten. Deshalb war das Altersteilzeitmodell auch bei den Beschäftigten sehr beliebt und wurde häufig gewählt. Bedingung für die BA-Förderung war eine vertragliche Vereinbarung, dass

der Arbeitgeber die durch Altersteilzeit frei werdenden Stellen mit Arbeitslosen oder Berufsanfängern wieder besetzt. Der Gesetzgeber hatte bei der Altersteilzeit allerdings weniger das Wohl älterer Beschäftigter im Blick als vielmehr den Vorteil, über ein arbeitsmarktpolitisches Instrument (Modelle ohne BA-Förderung) Stellen abzubauen. Trotzdem: In zahlreichen Tarifverträgen sind Regelungen zur Altersteilzeit vereinbart worden, die teilweise deutlich über die gesetzlichen Mindestbedingungen hinausgingen und die zahlreiche Beschäftigte in Anspruch genommen haben. Neben der klassischen Altersteilzeit war für viele


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Arbeitnehmer insbesondere das „Blockmodell“ attraktiv. Es ermöglichte ihnen, die ersten Jahre der Altersteilzeit im bisherigen Umfang weiter zu arbeiten, um dafür die letzten Jahre vor Rentenantritt ganz freigestellt zu werden.

Quote erschöpft

Zeitgleich zum Wegfall der gesetzlichen Förderung lief auch der Tarifvertrag zur Altersteilzeit im öffentlichen Dienst aus. Mit Bund und Kommunalen Arbeitgeberverbänden haben die Dienstleistungsgewerkschaften zwar neue Tarifverträge (TV FlexAZ) geschlossen. Diese schränken jedoch die chancen für Beschäftigte, in Altersteilzeit zu gehen, erheblich ein. Die Arbeitnehmer können derzeit nur noch dann einen Anspruch geltend machen, wenn weniger als 2,5 Prozent der Angestellten einer Kommune oder eines Betriebes in Altersteilzeit sind. Diese Quote ist in fast allen Kommunen auf Jahre hinaus mehr als erschöpft (im Schulbereich ist das ähnlich – siehe Grafik auf Seite 18). Eine Ausnahme gilt nur für „Restrukturierungsund Stellenabbaubereiche“ – hier wird der Einsatz der Altersteilzeit weitgehend dem Ermessen des Arbeitgebers überlassen. Zudem können Beschäftigte erst dann in Altersteilzeit gehen, wenn sie 60 Jahre alt sind. Zum Vergleich: Für Beschäftigte, die nach dem alten Modell mit 55 in Altersteilzeit gingen und das Blockmodell gewählt hatten, fing die Freistellungsphase bereits mit 60 Jahren an. Auch finanziell ist die neue Regelung weniger attraktiv. Statt eines garantierten Nettoeinkommens von 70 Prozent erhalten die Angestellten des öffentlichen Dienstes lediglich 60 Prozent des früheren Bruttoentgelts. Das Aufstocken der Rentenbeiträge auf 80 Prozent ist durch das Altersteilzeitgesetz vorgeschrieben.

mit FaLTEr in die rente

Zusätzlich haben die öffentlichen Arbeitgeber ein Modell flexibler Altersarbeit (FALTER) entwickelt. Es

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sieht vor, dass Beschäftigte die Arbeitszeit zwei Jahre, bevor sie das Rentenalter erreichen, auf die Hälfte reduzieren und über die gesetzliche Rentenaltersgrenze hinaus zwei Jahre arbeiten. Während dieser Zeit beziehen sie neben dem Gehalt eine Teilrente und erhalten wegen des späteren Rentenantritts Zuschläge von 0,5 Prozent pro Monat des späteren Rentenbeginns. Die Resonanz der Beschäftigten auf dieses Angebot ist mehr als zurückhaltend. Mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) haben sich die Gewerkschaften bislang auf keine neue Regelung verständigt. Zu weit liegen die Interessen einzelner Bundesländer auseinander. In der Tarifrunde 2011 hat man sich daher auf eine Öffnungsklausel verständigt, die es den Tarifparteien erlaubt, auf Landesebene Lösungen zu vereinbaren.

modell sachsen-anhalt

Bisher war lediglich Sachsen-Anhalt erfolgreich: Der Tarifvertrag Altersteilzeit (TV ATZ) ist zum 1. April 2012 in Kraft getreten. Er sieht vor, das Gehalt auf mindestens 83 Prozent des bisherigen Nettoentgelts aufzustocken. Beschäftigte können ab 55 Jahren in Altersteilzeit gehen, ein Anspruch besteht jedoch erst ab 60. Inzwischen weiß man, dass Anträge von Lehrkräften überwiegend wegen „dienstlicher Belange“ abgelehnt worden sind. Das Kultus- hat offensichtlich anders als das Finanzministerium kein Interesse an einem weiteren Stellenabbau, weil es ausgeschriebene Stellen oft mangels Bewerbern nicht wieder besetzen kann. Für Beamtinnen und Beamte war und ist die Altersteilzeit von Land zu Land unterschiedlich geregelt. In manchen Ländern gab es gar keine Altersteilzeit, andere haben ausgiebig davon Gebrauch gemacht (siehe auch Grafik auf Seite 18). Inzwischen hat man die Altersteilzeit für Beamte in vielen Ländern wieder abgeschafft, andere haben die finanziellen Bedingungen verschlechtert oder den Berechtig-

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ThĂźringen

Schleswig-Holstein

Sachsen-Anhalt

Sachsen

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Rheinland-Pfalz

Nordrhein-WesÂ?alen

Niedersachsen

MecklenburgVorpommern

Hessen

Hamburg

Bremen

Brandenburg

Berlin

Quelle: Zusammengestellt aus: Bertelsmann Stiftung, Länderreport Frßhkindliche Bildungssysteme, 2011

Deutschlandweit ist jede zehnte Erzieherin älter als 54 Jahre. allerdings sind die unterschiede zwischen den Bundesländern erheblich: In mecklenburg-Vorpommern gehÜrt jede fßnfte kollegin dieser altersgruppe an, in Bayern gerade mal jede 16. Im sßden und Westen ist der kita-ausbau erst in den vergangenen Jahren richtig in schwung gekommen. Im Osten dagegen gab es vor 1990 mehr kinder und mehr Betreuung. Zwei Drittel bis drei Viertel der kolleginnen und kollegen sind ßber 40 Jahre alt.

Anteil der Lehrkräe in Altersteilzeit, 2010 25 20 15 10 5

ThĂźringen

Schleswig-Holstein

Sachsen-Anhalt

Sachsen

Saarland

Rheinland-Pfalz

Nordrhein-Wes‡alen

Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 2011

Niedersachsen

MecklenburgVorpommern

Hessen

Hamburg

Bremen

Brandenburg

Berlin

Bayern

0 BadenWĂźremberg

Anteil der Angestellten und Beamten im Schuldienst der Länder, die am 30. Juni 2010 ein Altersteilzeit-Arbeitsverhältnis haen (Arbeits- und Freistellungsphase)

tenkreis auf Schwerbehinderte eingeschränkt. Zwar ist die Altersteilzeit durch die Aufstockungsbeträge auch fßr den Dienstherrn teuer. Aber sie hat spßrbar zum Rßckgang der Frßhpensionierungen bei Lehrkräften beigetragen. Da der Dienstherr die Versorgung frßhpensionierter Beamter ebenfalls finanzieren muss, mßsste er die gesparte Versorgung den Kosten der Altersteilzeit gegenßberstellen. Das wird leider zu selten gemacht.

altersteilzeit in nrW Bayern

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BadenWĂźremberg

in Prozent aller Kita-Beschä igten des Bundeslandes

Anteil der Kita-Beschäigten im Alter 55 Jahre und älter

FÜderale Vielfalt kennzeichnet die regelungen fßr altersteilzeit im schulbereich. angestellte im schuldienst konnten bis Ende 2009 altersteilzeit beantragen. Das war Beamtinnen und Beamten in manchen Ländern verwehrt. In anderen kÜnnen sie altersteilzeit beantragen. In den Üstlichen Bundesländern sind scharenweise kolleginnen und kollegen in altersteilzeit gegangen, weil es nach der Wende 1990 wegen arbeitszeitverlängerung und sinkender schßlerzahlen zu viele Lehrkräfte gab. Hier hat man die altersteilzeit auch genutzt, um Personal abzubauen. Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

Vor drei Jahren hat das Land NordrheinWestfalen (NRW) zusammen mit der GEW ein spezielles Altersteilzeit-Modell fĂźr den Schulbereich entwickelt. Die letzten Anträge konnten bis zum 1. August 2012 gestellt werden. Das Projekt sah vor, dass ab dem Alter von 60 Jahren 55 Prozent der durchschnittlichen Arbeitszeit der letzten fĂźnf Jahre gearbeitet und das Nettoeinkommen auf 83 Prozent des letzten Nettogehaltes aufgestockt wird. Wie sich Arbeit und Freistellung Ăźber die Laufzeit verteilen, konnte relativ frei vereinbart werden. Allerdings mussten die Kolleginnen und Kollegen zuvor auf ihre AltersermäĂ&#x;igung (eine Stunde ab 55 Jahren) verzichten und pro Jahr Altersteilzeit eine weitere Stunde Mehrarbeit einbringen. Sie leisteten so selbst einen Beitrag zur Gegenfinanzierung. Ob das Modell verlängert wird und wenn ja, zu welchen Bedingungen, darĂźber verhandeln GEW und Landesregierung zurzeit. Danach steht eventuell die Frage der Tarifierung auch fĂźr die Angestellten auf der Agenda. In eine ähnliche Richtung geht das Altersteilzeit-Modell fĂźr niedersächsische Beamte. Ab dem 1. August 2012 kĂśnnen verbeamtete Lehrkräfte Altersteilzeit beantragen, wobei sie in der ersten Hälfte der Altersteilzeit 80 Prozent und in der zweiten 40 arbeiten mĂźssen. Bezahlt werden 70 Prozent des Nettoeinkommens, fĂźr die Versorgung zählt die Zeit, in der sie mit 80 Prozent tätig sind. Ab 2014 ist dann (bei sonst gleichen Bedingungen) nur noch durchgängiges Arbeiten mit 60 Prozent der frĂźheren Arbeitszeit mĂśglich. Auch in Tarifverträgen auĂ&#x;erhalb des Ăśffentlichen Dienstes gibt es viele


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19 Zurück ins Leben

Regelungen für alternsgerechtes Gestalten der Arbeitszeit. Beispielhaft sei die Vereinbarung im Haustarifvertrag genannt, den die GEW mit der FRÖBEL-Gruppe geschlossen hat (E&W berichtete), einem in mehreren Ländern aktiven Kita-Träger. Hier gilt für Beschäftigte im pädagogischen und technischen Bereich ab 56 Jahren eine um zwei Stunden verringerte Wochenarbeitszeit. Ab dem Alter von 61 Jahren arbeiten sie vier Stunden pro Woche weniger – bei vollem Lohnausgleich.

Es gibt spielräume

Anzahl der Angestellten, die nach Entgeltgruppe 9 und höher bezahlt werden bzw. Beamte im gehobenen und höheren Dienst, die am 30. Juni 2010 das Alter X haen.

Ob und in welchem Umfang die Arbeitgeber bereit sind, Altersteilzeit zu vereinbaren, hängt in erster Linie von den Zielen ab, die sie damit verfolgen. In Zeiten des Fachkräftemangels ist es schwierig, attraktive Regelungen durchzusetzen. Dennoch gibt es – bei gutem Willen auf beiden Seiten – viele Spielräume, die sich nutzen ließen, damit Beschäftigte „sanft“ in den

Ruhestand hinübergleiten. Hierfür kann man auch die gesetzlichen und tariflichen Vorgaben zu Langzeit- bzw. Lebensarbeitszeitkonten individuell oder auf Grundlage einer Betriebsvereinbarung nutzen. Darüber müssen dann Betriebsund Personalräte mit dem Arbeitgeber verhandeln. Allerdings gibt es keinen rechtlichen Anspruch auf entsprechende Regelungen. Das Grundproblem bleibt: Weniger zu arbeiten können viele sich finanziell nicht leisten, mehr arbeiten (vorarbeiten) geht oft kräftemäßig nicht. Also besteht der Wunsch, dass der Arbeitgeber bereit ist, das Einkommen in der Altersteilzeit aufzustocken. Diese Leistung erbringt dieser jedoch nur, wenn er ein Eigeninteresse damit verbinden – etwa Personalabbau oder Frühpensionierungen – oder wenn man ihn per Streik dazu zwingen kann.

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Das Bild von der „Pensionierungswelle“ an schulen wird anschaulich, wenn man die Lehrerinnen und Lehrer nach alter geschichtet abbildet: Die Jahrgänge der 55- bis 60-Jährigen, die kurz vor der rente oder Pension stehen, sind mit jeweils gut 30 000 kolleginnen und kollegen besetzt. Die nachrückenden Jahrgänge sind deutlich schwächer. Im Westen (obere Balkenhälfte) folgen nach einigen schwachen Jahrgängen wieder stärkere. Im Osten gibt es kaum Lehrkräfte, die jünger als 40 Jahre sind. Erziehung und Wissenschaft | 11/2012


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reformen ohne Personal // Dem Land droht ein nie dagewesener Lehrermangel, das überschattet alle anderen Themen. Der regierungskompromiss zur Gemeinschaftsschule erntet kritik. //

werden. Sein Streich-Versprechen sollte stattdessen bis zum Ende der jetzigen Legislaturperiode 2016 alle Schulen im Land sanieren. Ein Millionenprojekt, das zum Großteil mit EU-Mitteln finanziert wird. Doch Bullerjahns Spiel mit den Worten stimmt nach anderthalb Jahren nicht mehr ganz, denn saniert werden sollen nur Schulen, die über 2025 hinaus „demografiefest“ sind. Über der Zukunft der anderen liegt noch der Mantel des Schweigens, doch könnten sie zur Verfügungsmasse werden, wenn der

Die Lutherstadt Wittenberg ist die Wiege der reformation. so radikal wie Luthers Thesen sind die reformen der schwarz-roten Landesregierung in sachsen-anhalt allerdings nicht: Erst nach sechs jahren haben CDu und sPD das längere gemeinsame Lernen beschlossen. Viele sozialdemokratische Ziele sind dabei auf der strecke geblieben.

„Wir streichen nicht eine einzige Schule, sondern alle.“ Der Wahlkampfslogan des sachsen-anhaltischen SPD-Spitzenkandidaten und Finanzministers Jens Bullerjahn im Landtagswahlkampf 2011 ließ aufhorchen. Denn Schulschließungen sind in dem von Geburtenknick, Abwanderung und demografischem Wandel besonders betroffenen Land zwischen Saale und Elbe, Fläming und Harz seit Jahren ein großes Thema. Doch auch Bullerjahn, der sich sonst gern als Sparminister inszeniert, hatte nicht wirklich damit geliebäugelt, alle Schulen im Land auf einen Schlag loszuErziehung und Wissenschaft | 11/2012

Foto: dpa

E&W-Länderserie zur aktuellen Bildungspolitik sachsen-anhalt

drohende horrende Lehrermangel über das Land hereinbricht. Ein Planspiel ist, durch weitere Konzentration von Schulstandorten wenigstens ein paar Lehrerstellen gewinnen zu können.

Überalterte Lehrerschaft

Die Lehrerschaft in Sachsen-Anhalt ist überaltert. Trotz des starken Geburtenrückgangs nach der Wende hat man keine Lehrkraft entlassen. 15 Jahre lang hatten GEW und Landesregierung, deutschlandweit einmalig, tarifvertraglich eine Arbeitsplatzgarantie bei reduzierter Arbeitszeit und Vergütung

vereinbart. Seit drei Jahren sind die Schülerzahlen nun relativ stabil und werden es auch in den nächsten Jahren bleiben. Doch scheiden in den kommenden Jahren jedes Jahr bis zu 800 der rund 16 700 Lehrkräfte aus dem Schuldienst aus – bei jährlich nur rund 200 Neueinstellungen, die das Landespersonalkonzept von Finanzminister Bullerjahn vorsieht. Nicht alle der jährlich zirka 350 ausgebildeten Pädagogen finden folglich derzeit eine Stelle. Bereits in diesem Jahr konnte man die Unterrichtsversorgung an Grundschulen in vielen Landkreisen und Städten nur knapp sicherstellen. In den nächsten Jahren wird das die größte bildungspolitische Baustelle sein. „In fünf Jahren fehlen mindestens 2000 Vollzeitlehrkräfte – und niemand weiß, woher sie kommen sollen“, so der sachsen-anhaltische GEW-Vorsitzende Thomas Lippmann. „Die Katastrophe ist unausweichlich, und es wird nicht gegengesteuert.“ Laut Lippmann müssen ab sofort alle Absolventen in den Schuldienst übernommen und die Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen heraufgesetzt werden, um die Situation wenigstens abzufedern. Eine Forderung, der Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) derzeit nicht nachgeben kann, denn durch Bullerjahns Konzept sind ihm die Hände gebunden. „Wir haben noch das zweitbeste Lehrer-Schüler-Verhältnis – allerdings ändert sich das jetzt deutlich“, sagt Dorgerloh. „Wir müssen dennoch sorgfältig überlegen, wie viele Pädagogen wir in Zukunft brauchen, denn bis 2025 wird sich die Zahl der Erstklässler noch einmal halbieren.“ Hinter den Kulissen sucht die Landesregierung jedoch fieberhaft nach Lösungen. Eine interministerielle Arbeitsgruppe soll die wirklichen Bedarfe erheben. So hofft Dorgerloh, Argumente gegenüber Bullerjahn zu sammeln, um den Stellenkorridor doch noch zu erweitern. Sparen gehört seit Jahren zum politischen Grundton in Sachsen-Anhalt. Seit die cDU 2002 nach acht Jahren rot-grüner und roter Minderheitsregierung die Geschäfte im Land übernahm, regiert der Rotstift. Denn Schuldenbremse,


auslaufender Solidarpakt, schrumpfende EU-Mittel und die Schwäche öffentlicher Haushalte verringern die Handlungsfähigkeit der Landespolitik zunehmend. Die SPD hat sich, seit sie 2006 in Sachsen-Anhalt zur dritten Kraft noch hinter der Linkspartei geschrumpft ist, in eine Koalition begeben, in der die Bildungspolitik der größte Zankapfel ist. „Da wächst nicht zusammen, was nicht zusammengehört“, urteilt Lippmann. Dafür, dass sich die SPD der cDU andiene, anstatt die seit 2006 vorhandene linke Parlamentsmehrheit zu nutzen, zu der sich seit 2011 auch die Grünen gesellt haben, werde ein politischer Preis bezahlt. Denn die bildungspolitische Rolle rückwärts, die die cDU nach der Regierungsübernahme machte und an der sie bis heute im Wesentlichen festhält, erschwert jede Reform.

Verhärtete Fronten

„Um die Jahrtausendwende hatte Sachsen-Anhalt das integrativste Schulsystem Deutschlands“, sagt der GEW-Landeschef: Eine gemeinsame Förderstufe in Klasse sechs, den Hauptschulgang an Sekundarschulen abgeschafft, die Schulpflicht auf zehn Jahre erhöht – zwischen 1998 und 2003 waren die Weichen für längeres gemeinsames Lernen in Sachsen-Anhalt schon gestellt. Doch in der Öffentlichkeit war der daraus resultierende Bruch mit der Tradition des Abiturs nach zwölf Schuljahren nicht zu vermitteln. cDU und FDP hatten leichtes Spiel und kippten die gesamte Reform. Seitdem sind die Fronten nicht nur im Parlament, sondern auch bei den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen verhärtet, jeglichem Versuch eines Wandels wird argwöhnisch begegnet. Doch Reformbedarf gibt es. Sachsen-Anhalt hat nach wie vor eine der höchsten Schulabbrecherquoten, beinahe jeder achte Schüler verlässt die Schule ohne Abschluss. Das schwarz-rote Ringen um eine Schulreform hat sechs Jahre gedauert. Ein

Grafik: zplusz

BILDunGsPOLITIk

Reformnenner der Koalition. So wird weder das Sitzenbleiben abgeschafft, noch werden Gemeinschaftsschulen automatisch zu Ganztagsschulen – ursprünglich Ziele der SPD, die sie mit Linken und Grünen auch hätte umsetzen können. Entsprechend harsch ist die Kritik in beiden Parteien – und in der GEW: „Nicht wirklich überzeugend“, so Lippmanns knappes Fazit.

Baustelle Inklusion

sogenannter Bildungskonvent aus Parteien, Experten und gesellschaftlichen Gruppen sollte zunächst die Grundlagen für die zukünftige Bildungspolitik schaffen. Am Ende stand neben vielen Kompromissformeln ein Votum für längeres gemeinsames Lernen. Zwei Jahre ist das her. Noch im Herbst will der Landtag die Gemeinschaftsschule ab Klasse fünf – auf freiwilliger Basis – beschließen. Für Kultusminister Dorgerloh trägt der Plan klar die Handschrift der SPD: „Das ist ein sehr guter Gesetzentwurf, der uns auf Augenhöhe mit anderen Bundesländern bringt.“ Doch im harten Ringen mit der cDU ist viel Gewolltes auf der Strecke geblieben. Kritiker lassen nicht viel Gutes am kleinsten gemeinsamen

Eine weitere bildungspolitische Großbaustelle ist die Inklusion. Nur rund jeder fünfte Schüler mit Förderbedarf nimmt derzeit am gemeinsamen Unterricht teil. Einen besonderen Akzent hat laut Dorgerloh der gemeinsame Unterricht für Schüler mit Lernund Sprachbeeinträchtigungen. Inklusion wird jetzt im Schulgesetz verankert. Doch einige Förderschulen soll es auch weiterhin geben. So wird erst einmal darüber debattiert, ob der Übergang vom einen System zum anderen allmählich stattfinden soll oder ob Förderschulen schnell geschlossen werden, um Personal frei zu haben. Denn auch hier ist vor allem der Lehrkräftemangel der springende Punkt. Dorgerloh will sich noch nicht festlegen. Felix Knothe, freier Journalist

Fakten und Trends

Die Bevölkerungszahl von Sachsen-Anhalt sank seit 1990 von 2,8 auf 2,3 Millionen Menschen. Prognosen prophezeien einen weiteren Schwund bis 2025 auf 1,9 Millionen*. Gründe sind vor allem Abwanderung und ein starker Geburtenknick Anfang der 1990er-Jahre. Dieser wird, davon geht die Landesregierung aus, zwischen 2020 und 2025 und auch danach ein weiteres demografisches Echo nach sich ziehen. Wohin genau sich Schüler- und Lehrerzahlen dann entwickeln, wird derzeit noch untersucht. Die Zahl der Schulen hat sich seit der Wende beinahe, die der Schüler mehr als halbiert. Gingen 1991 noch rund 370 000 Schüler auf 1742 Schulen, waren es im vergangenen Schuljahr nur noch rund 178 000 Schüler auf 938 Schulen*. Die Zahl der Lehrkräfte hat sich allein von 2003 bis 2011 von rund 22 600 auf 16 700 verringert**. * Quelle: Statistisches Landesamt ** Quelle: GEW Sachsen-Anhalt

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Ein Fall für Europa // Die Zeche für die Finanz- und Wirtschaftskrise bezahlt vor allem die Jugend im mittelmeerraum. sie findet keine arbeit. Wer steuert gegen? // Die „Emsachse“ erstreckt sich von der Nordsee entlang der niederländischen Grenze nach Süden. Es handelt sich, Gutachten zufolge, um eine „Wachstumsregion“ mit eigener Entwicklungsgesellschaft in Papenburg. Deren Geschäftsführer, Dirk Lüerßen, hat seit dem 1. August 2012 ein neues Arbeitsfeld: Sechs spanische Jugendliche, die sich zuvor in einem Praktikum bewährt hatten, machen eine duale Ausbildung in Betrieben der „Emsachse“. Anlagenmechaniker, Elektroniker und Maschinenbauer wollen sie, die vor der Jugendarbeitslosigkeit zuhause geflüchtet sind, werden. Und Lüerßen bringt die Ausbilder zusammen, sorgt für interkulturelle Trainings und weitere Deutschkurse für die spanischen Azubis. Sie müssen ja auch den Berufsschulstoff packen. Finanziert wird all das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). „Gefördert wird auch der Transfer unseres Projektes in andere Regionen, Fachtagungen und Expertenworkshops inklusive“, berichtet Lüerßen.

Export des dualen systems

Seit Beginn dieses Jahres tauchen immer wieder Geschichten wie diese in den Medien auf: Schwäbisch-Hall wirbt junge Portugiesen an; Deggendorf setzt auf bulgarische Azubis. Deutsche Regionen und Unternehmen, die händeringend Nachwuchs suchen, bilden junge Leute aus den Krisenländern der Europäischen Union (EU) aus oder lernen sie an. Und schon ist beiden Seiten geholfen, so scheint es. Einen anderen Weg wählt Bundesbildungsministerin Annette Schavan (cDU): Sie vereinbarte mit ihrem spanischen Amtskollegen José Ignacio Wert Ortega den Ex- bzw. Import dualer Berufsausbildung. Was ist von solchen Konzepten zu halten? Lösen sie bestehende Probleme? Gibt es Alternativen? Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

Zur Lage: Die Statistiker von Eurostat werten jeden Monat die verfügbaren Arbeitslosenzahlen der EU-Mitgliedsstaaten aus. Von saisonalen Schwankungen abgesehen stabilisiert sich ein trauriger Trend: In Spanien und Griechenland haben mehr als 50 Prozent der unter 25-Jährigen keine Stelle. In Portugal und Italien ist jeder dritte Jugendliche arbeitslos. Eine dramatische Entwicklung, die zu Recht Bildungs- und Sozialpolitiker auf den Plan ruft. Mit Blick auf 5,5 Millionen junge Arbeitslose in der Union mahnt der DGB: „Die EU muss gegensteuern, sonst geht eine ganze Generation für die europäische Idee verloren.“ Auch EU-Sozialkommissar Laszlo Andor fürchtet sozialen Zerfall und politischen Radikalismus, wenn nichts geschieht. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück fordert ein „Europäisches Sofortprogramm gegen Jugendarbeitslosigkeit“ mit drei Schwerpunkten: Die europaweite Mobilität für Arbeitssuchende soll erleichtert werden. Dem deutschen Modell folgend wünschen sich die Sozialdemokraten ein „Bündnis für Ausbildung und Arbeitsplätze“ der Sozialpartner auf EU-Ebene. Und eine „Jugendgarantie“ soll das Recht auf Aus- und Weiterbildung nach der Schule festschreiben. Eine Beschäftigungsgarantie für Jugendliche nach spätestens sechs Monaten Arbeitslosigkeit fordert inzwischen auch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen (UN).

Zugang versperrt

Ankündigungen und politische Schnellschüsse angesichts dramatischer Zahlen sind verständlich, verschleiern aber eines: Wenn der Zugang zum Arbeitsmarkt vielerorts für die nachwachsende Generation versperrt ist, liegt das nicht nur an der aktuellen desolaten Finanz- und Wirtschaftslage. Vielmehr deckt die Krise schonungslos Defizite in der Arbeitsmarkt- und Berufsbildungspolitik betroffener Staaten auf. Mit der Folge, dass den Jungen gleich zwei Stolperfallen drohen – auf dem Weg in eine berufliche Qualifizierung nach der

Schule und/oder beim Übergang vom Studium in einen Job. Für Spanien hat das José García Montalvo bereits Anfang 2010 analysiert. Der Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona erkennt ein immer wiederkehrendes strukturelles Problem in seinem Land: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten trifft es vor allem die junge Generation. Sie steht dann auf der Straße – trotz formal hoher Abschlüsse, denn die Bildungsinhalte gehen an den Erfordernissen des Marktes vorbei. Und wer doch


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wo sich ihnen eine berufliche chance eröffnet, darf man sie nicht kritisieren. Man kann nur den Brain-Drain aus ihren Heimatländern bedauern. Dennoch müssen berufliche Qualifizierungswege – national und EU-weit – schleunigst reformiert werden, zugunsten künftiger Generationen. Stephanie Odenwald, Berufsbildungsexpertin beim GEW-Hauptvorstand, fordert deshalb: „Das Recht auf Ausbildung muss zu einem europäischen Thema werden. Verschiedene Wege beruflicher Qualifizierung müssen möglich sein, neben dem dualen System auch die schulische Ausbildung.“ Hermann Nehls vertritt die DGB-Positionen im europäischen Rahmen. „Natürlich“, sagt er, „spielt die ökonomische Entwicklung für den Grad der Jugendarbeitslosigkeit eine große Rolle. Gleichwohl erleichtert ein gutes Berufsbildungssystem europaweit den Übergang in die Arbeitswelt.“ Die Lage gibt ihm Recht. In Europa unterscheidet man Länder mit rein schulischer Berufsausbildung (z. B. Frankreich), mit einem dualen System (Schweiz, Österreich, Deutschland) und ohne geordnete Struktur wie in Spanien, Griechenland oder Italien, wo die Ausgrenzung der Jungen vom Arbeitsmarkt am stärksten ist.

Das kind mit dem Transparent „Danke für die Verteidigung unserer Zukunft“ drückt die massive kritik junger spanier an ihrer regierung und den sparplänen der Eu aus. In spanien haben mehr als 50 Prozent der unter 25-Jährigen keine stelle – und null Perspektive im eigenen Land.

Foto: dpa

mindeststandards gefordert

Arbeit findet, ist dafür oft überqualifiziert. García Montalvo fordert ein radikales Umsteuern in der Bildungs- und Berufsbildungspolitik: „Immer mehr vom immer Gleichen führt nicht zum gewünschten Ergebnis.“

Es trifft die Jungen

Das Missliche für die Experten der Berufsbildung: Sie haben kaum Einfluss auf Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Wenn jetzt junge Menschen aus Südeuropa mit den Füßen abstimmen und dort Arbeit und Ausbildung suchen,

Höchste Zeit, sagt der DGB-Experte, in der EU Mindeststandards für eine gute Berufsbildung festzulegen. Lange schon favorisiert Brüssel „alternierende“ Modelle, also einen Wechsel von Theorie und Praxis. Für Nehls aber ist das bisherige Ziel – „workbased learning“ – zu schwammig, weil es offen lässt, wie intensiv das Lernen im Prozess der Arbeit ausfällt. Gerade gewinnt die EU-Debatte ein neues Profil: Eine internationale Wissenschaftlergruppe unter Prof. Felix Rauner (Universität Bremen) hat im April das Memorandum „Architektur einer modernen Lehrlingsausbildung. Standards für Gestaltung, Organisation und Steuerung“ vorgelegt*. Es geht um Gestaltungskompetenz im Beruf, Arbeitsprozesswissen und Lernortkooperation, eine eigene rechtliche Stellung der Azubis, verlässliche Aus- und Weiterbildung sowie einen Lernorte übergreifenden Berufsbildungsplan. Bekannte Begriffe

aus dem deutschen System, doch Neuland für viele EU-Staaten. DGB-Experte Nehls betont: „Solche Mindeststandards dürfen nicht übergestülpt, sie müssen in den Kontext nationaler Besonderheiten integriert werden.“ Dafür könnten die Deutschen Unterstützung bieten. Nichts hält Nehls dagegen von Schavans Vorstoß: „Es ist falsch, den Eindruck zu erwecken, man könne das duale System in anderen Ländern einfach so einführen.“ Ohnedies ist es eigenartig, mit wie viel Lob das Lernen in Betrieb und Berufsschule derzeit von Politik und Medien bedacht wird. Nach dem Motto: „Deutschland vorn“. Dabei werden die Krisensymptome im eigenen Land geflissentlich übersehen (s. gemeinsame Erklärung von DGB, GEW und Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit)**. Laut Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verfügten 2010 gerade mal 56 Prozent der Betriebe über eine Ausbildungsberechtigung, von denen nur jeder Zweite ausbildete. „Im internationalen Vergleich ist die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland relativ gering. Das heißt aber nicht, dass der Einstieg ins Erwerbsleben hierzulande reibungslos funktioniert: Warteschleifen, ungeliebte Kompromisse, Unsicherheit, Stress und schlechte Bezahlung sind für viele Jugendliche Alltag“, fasst die HansBöckler-Stiftung (HBS) eine von ihr im Mai 2012 veröffentlichte Studie*** zusammen. Fest steht: Die duale Ausbildung in Deutschland ist nur so gut, wie die Unternehmen freiwillig ihren Part ernst nehmen. Ein Fall für Europa? Helga Ballauf, freie Journalistin

*download unter www.bildungsklick.de **Die Erklärung von DGB, GEW und kooperationsverbund Jugendsozialarbeit finden sie auf der GEW-Website unter: www.gew.de/ausbildungsgarantie_ jetzt.html ***Julia kramer, Thomas Langhoff: Die arbeits- und Lebensbedingungen der jungen Generation, arbeitspapier 260, Hans-Böckler-stiftung, mai 2012 Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

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// Im Interview machen sich die studierenden mersiha Hadžiabdić und serdar Bulat für das Thema Islam in der schule stark. // E&W: Sie fordern, Schule sollte sich stärker mit dem Islam beschäftigen. Woran fehlt es? serdar Bulat: Ich habe 13 Jahre auf Berliner Schulen verbracht – und der Islam kam nicht ein einziges Mal vor. Weder im Geschichts- noch im Politikunterricht oder einem anderen Fach. Das wird der Tatsache, dass in Deutschland rund vier Millionen Muslime leben, überhaupt nicht gerecht. Stattdessen musste ich immer wieder als Experte für islamische Themen herhalten: Was ist der Ramadan, warum machen deine Mitschüler heute frei? Was sagt der Koran zu diesem und jenem? mersiha Hadžiabdić: Mich haben vor allem die Stereotype gestört, von denen die Sicht auf Muslime und insbesondere auf Musliminnen geprägt war. Eine Lehrerin reagierte regelrecht wütend, als das Gespräch auf Frauen mit Kopftüchern kam: Warum das sein müsse; sie würde doch auch nicht von Männern angefallen! Auch nach dem 11. September hatte ich den Eindruck: Die Diskussionen verlaufen undifferenziert; weder Lehrkräfte noch Schüler wissen Bescheid.

mersiha Hadžiabdić (22 Jahre) studiert Islamwissenschaften an der Freien universität Berlin. Ehrenamtlich engagiert sie sich beim Islamischen kulturzentrum der Bosniaken in Berlin e. V. Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

E&W: Einer der GEW-Experten für multikulturelle Angelegenheiten, Süleyman Ates, bemängelte in dieser Zeitung, es fehle auch an Kenntnis über den Einfluss islamistischer Organisationen (s. E&W 10/2011). Bulat: Das stimmt. Wenn ich auf Projekttagen über politischen Islamismus rede, stelle ich fest: Neun von zehn muslimischen Schülerinnen und Schülern kennen die Salafisten. Sie besuchen deren Websites, sie wissen, wer Pierre Vogel ist – aber konkrete Informationen haben sie nicht. Und auch wenn die übergroße Mehrheit ihren Islam von dem der Salafisten unterscheiden kann: Zehn bis 20 Prozent können es nicht. Da wird es kritisch. Hadžiabdić: Mehr Kompetenz, mehr Hintergrundwissen wäre auch wichtig, um muslimischen Jugendlichen Orientierung zu geben und sie in ihrer Selbstfindungsphase besser begleiten zu können. Manchmal ist das, was diese äußern, nichts anderes als eine Trotzreaktion darauf, dass sie sich als Opfer von Vorurteilen sehen. Weiß man darauf keine Antworten, kann es zu Radikalisierungen kommen. E&W: Wie sollte das Thema an Schulen verankert werden? Bulat: Idealerweise durch eine Veränderung der Lehrpläne. Auch das Lernmaterial muss in den Blick genommen werden; die meisten Schulbücher behandeln den Islam immer noch als Teil des Orients. Nach 50 Jahren Zuwanderung von Muslimen nach Deutschland entspricht das schlicht nicht der Realität. In der Zwischenzeit wäre schon viel gewonnen, das Thema zumindest in Unterrichtsprojekten zu integrieren. Da könnte die Deutsche Islam Konferenz (DIK) ein wichtiger Partner sein; Schulen sind schließlich der Ort für die Vermittlung pluraler Lebensweisen. Als junge Muslime würden wir uns gern an dieser Arbeit beteiligen. Hadžiabdić: Uns ist auch wichtig, dass wir die Lehrkräfte nicht kritisieren wollen. Wir verstehen, dass sie an Lehrpläne gebunden sind und dass das Thema in ihrer Ausbildung kaum eine Rolle gespielt hat. Wir bieten gerne unsere Unterstützung an, weil wir glauben, wir

Fotos: Dirk Enters, Stiftung Mercator

Wissen statt Vorurteile

serdar Bulat (24 Jahre) studiert Politikwissenschaften an der Freien universität Berlin. Er ist in der Grünen Jugend aktiv. Für den Verein ufuq.de bildet er schülerinnen und schüler zu Themen rund um Islam und Islamismus fort.

haben einige Kompetenzen, die wir einbringen können. E&W: Könnten Sie auch bei Konflikten zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Schülern vermitteln? Bulat: Ich habe den Eindruck, dass da mehr berichtet wird als dass es im Schulalltag wirklich Probleme gibt. An fast allen Schulen in Deutschland lernen Muslime und Nichtmuslime miteinander; die in der Regel sehr gut miteinander zurechtkommen. Interview: Jeannette Goddar, freie Journalistin

Mersiha Hadžiabdić und Serdar Bulat sind zwei der 27 Delegierten der Jungen Islam Konferenz (JIK), die, unterstützt von der Stiftung Mercator und der HumboldtUniversität, die vom Innenministerium berufene Deutsche Islam Konferenz (DIK) begleitet. Bei der jüngsten DIK-Sitzung forderte die JIK: Die Islam Konferenz solle in die Schulen gehen – und diese sich differenzierter mit dem Thema Islam auseinandersetzen.


9. NOVEMBER

Ein Lerntag! // E&W erinnert an den 9. November 1938, die Reichspogromnacht. Der Tag ist gerade für die junge Generation ein Anlass zum Lernen. // Als am 9. November 1938 in ganz Deutschland die Synagogen brannten, wurde den letzten Beobachtern im Inland und Ausland klar, dass die staatlich organisierte Judenfeindschaft des nationalsozialistischen Regimes mörderische Ausmaße annehmen würde. Die Synagogenbrände, die Besudelung von Torarollen und die zutiefst entwürdigende Form, in der Jüdinnen und Juden durch die Straßen getrieben wurden, unterschieden sich vom verwalteten Judenhass der ersten fünf Jahre des NS-Regimes. Nicht nur durch den Rückgriff auf mittelalterliche Formen, sondern auch durch eine Intensität des Hasses hier und eine kalte Gleichgültigkeit dort, die das Schlimmste befürchten ließen.

Mörderische Politik

Foto: dpa

Es war daher sinnvoll, dass der 9. November über Jahrzehnte hinweg in der Bundesrepublik als Gedenktag für den Holocaust galt; dass er durch den Tag der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar abgelöst wurde, hat gedenkpolitische Gründe, die mit der deutschen Vereinigung zusammenhängen. Der 9. November steht für die Erinnerung daran, wie Judenhass in mörderische Politik umschlagen kann. Daher ist er als Tag lernenden Gedenkens und aktualisierender Aneignung kaum zu übertreffen. Während man aus Umfragen weiß, dass etwa 20 Prozent der in Deutschland ansässigen jugendlichen und erwachsenen Bevölkerung antisemitische Vorurteile hegen (E&W berichtete), werfen Einzelereignisse und politische Debatten ein grelles Licht auf die Szene. Da wird in Berlin ein Rabbiner in einem bürgerlichen Wohnviertel, das an einen sozialen Brennpunkt grenzt, von einer Gruppe männlicher Jugendlicher nach der Frage „Ey, bist du Jude?“ vor den Augen seiner ebenfalls bedrohten sechsjährigen Tochter krankenhausreif geschlagen. Da ereifert sich das politische Feuilleton über die Frage, ob

Eine besondere Herausforderung in der Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus heute stellt sich in der Einwanderungsgesellschaft der Bundesrepublik. Das machen auch die Al-QudsDemos radikaler muslimischer Gruppen in Berlin deutlich.

die Trägerin des Frankfurter Adornopreises, die amerikanische Philosophin Judith Butler, am Ende eine jüdische Antisemitin sei. Da wird bei den Al-Quds-Demonstrationen* der Staat Israel immer wieder mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt, von Sprüchen gewaltbereiter Fußballfans „Du Opfer“ oder „Du Jude“ ebenso zu schweigen wie von judenfeindlichen Untertönen in der Beschneidungsdebatte. Diese Gemengelage erfordert gerade im pädagogischen Bereich eine besondere Sensibilität, hohes Differenzierungsvermögen sowie – last but not least – überdurchschnittliche zeithistorische Kenntnisse. Der 9. November eignet sich bei Schülerinnen und Schülern ab der fünften Klasse für eine Behandlung des Antisemitismus im Unterricht deshalb so gut, weil man an ihm klarmachen kann, dass er eine Mischung aus mittelalterlichem, religiösem Hass, modernen Verschwörungstheorien, politischen Wahnvorstellungen, Habgier und Mordlust darstellt. Dabei lässt sich an den Bränden von 1938 das Wesen mittelalterlichen Antijudaismus, der Haftung aller Juden für wirtschaftliche Krisen, Kriege und persönliches Unglück, das Wahnhafte sowie an den Plünderungsorgien dieses Tages die Neiddimension des Judenhasses verdeutlichen.

Verantwortung übernehmen

Spezielle Herausforderungen stellen sich in einer Einwanderungsgesellschaft wie der Bundesrepublik. Wird es gelingen, Schülerinnen oder Schülern, deren familiäre Wurzeln nicht in Deutschland liegen, klar zu machen, dass sie als künftige Bürgerinnen und Bürger dieses Landes Verantwortung auch für die deutsche Geschichte zu übernehmen haben? Ist es möglich, gerade aus arabischen oder muslimischen Staaten kommenden Jugendlichen bewusst zu machen, dass der Staat Israel mitsamt seiner völker- und menschenrechtswidrigen Besatzungspolitik im Westjordanland gleichwohl weder dem Wesen des Judentums entspricht noch dass Juden auf der Welt Vertreter des Staates Israel und seiner Politik sind? Und dass darüber hinaus die Krise in der arabischen, der muslimischen Welt keineswegs durch den Staat Israel verursacht worden ist? Auch für Heranwachsende aus deutschen Familien rückt der Judenhass in der NS-Zeit in die Ferne, ins Abstrakte. Das lässt sich nur aufhalten, indem man sich genau und quellennah mit der Geschichte der eigenen Stadt, Gemeinde, Schule auseinandersetzt. Allerdings: Bevor man sich dem Thema eher unwillig, pflichtgemäß und in nur 45 Minuten widmet, sollte man als Pädagoge lieber ganz die Finger davon lassen. Der 9. November ist ein Tag des Lernens, nicht der rituellen Erinnerung. Micha Brumlik, Prof. für Erziehungswissenschaften, Uni Frankfurt am Main

* Seit 1996 gehen radikale muslimische Gruppen für die „Befreiung“ von Al-Quds, der arabische Name für Jerusalem, auf die Straße. Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

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Mehr Albtraum als Traumjob

Die Wissenschaftskonferenz der GEW am Ammersee diskutierte Karrierewege für Nachwuchsforscherinnen und -forscher.

// Mit dem „Templiner Manifest“ hat die GEW vor zwei Jahren die Debatte um die Arbeitsbedingungen von Nachwuchswissenschaftlern in Deutschland ins Rollen gebracht. Jetzt legt sie mit dem „Herrschinger Kodex“ nach. // Nein, beruhigende Nachrichten waren das nicht, die Daniela Hrzán mit an den Ammersee gebracht hatte. Die Referentin für Academic Staff Development der Uni Konstanz war in einer Studie der Frage nachgegangen, wie aktiv deutsche Hochschulen akademisches Personal suchen und binden. Bei der 6. GEW-Wissenschaftskonferenz im bayerischen Herrsching stellte sie die wichtigsten Ergebnisse vor. „Nur sehr wenige Hochschulen praktizieren Strategien für Personalentwicklung, die diesen Namen wirklich verdienen“, so das ernüchternde Urteil der Konstanzer Forscherin. „Es gibt zwar einen breiten Konsens bei Parteien, Verbänden und Wissenschaftlern, dass beim akademischen Personal etwas passieren muss“, berichtete Hrzán, „aber trotzdem beErziehung und Wissenschaft | 11/2012

kennen sich erst 30 Prozent der Hochschulen in ihren Leitbildern zu Personalentwicklungsmaßnahmen.“ Dabei sind die strukturellen Defizite längst klar und in den vergangenen Jahren auch immer wieder benannt worden: • Wissenschaftliche Nachwuchskräfte haben in aller Regel nur befristete Verträge – mit tendenziell immer kürzeren Laufzeiten: Acht von neun

Templiner Manifest

Der „Herrschinger Kodex“, der im November endgültig beschlossen werden soll, setzt die GEW-Kampagne für den „Traumjob Wissenschaft“ fort, den die Gewerkschaft 2010 mit dem „Templiner Manifest“ begonnen hatte. Die Forderungen nach umfassenden Reformen in Personalstruktur und Berufswegen für Nachwuchswissenschaftler haben mittlerweile rund 10 000 Menschen unterzeichnet. (www.templiner-manifest.de).

wissenschaftlichen Angestellten haben einen Zeitvertrag, über die Hälfte dieser Verträge hat eine Laufzeit von weniger als einem Jahr. Der Druck durch permanent drohende Arbeitslosigkeit ist enorm. • Spätestens ab dem Postdoc-Status verschreiben sich die jungen Forscherinnen und Forscher mit Haut und Haaren dem Wissenschaftssystem: Es gibt dann keine Alternative mehr zur Professur – aber längst nicht genug Lehrstühle oder andere Stellen als Ausweichmöglichkeit. Dass viele an diesem Flaschenhals der Karriere scheitern, ist vorprogrammiert. • Immer öfter berichten Personalräte, dass die Risiken der Drittmittelfinanzierung auf die Beschäftigten abgewälzt werden – etwa durch die Rückforderung von Reisekosten, gelegentlich auch durch betriebsbedingte Kündigungen, wenn Fördergelder plötzlich wegfallen. • Je länger der Weg und je höher die Qualifikation, desto mehr Wissenschaftlerinnen verlassen das System – Forscherinnen sprechen vom Leaky-Pipeline-Effekt. Geschlechtergerechtigkeit sieht anders aus.

Unis müssen aktiv werden

Angesichts solcher Fakten muss aus gewerkschaftlicher Sicht dringend gehandelt werden. „Die Hochschulen dürfen nicht einfach nur darauf vertrauen, dass sich die Karrierewege für Nachwuchsforscher schon irgendwie entwickeln werden – sie müssen selber aktiv werden“, fordert Andreas Keller, im GEWVorstand für den Hochschulbereich verantwortlich. Die Konferenzteilnehmenden befassten sich deshalb ausgiebig mit dem „Herrschinger Kodex“, einem Eckpunkte-Papier, das die Debatte um gute Personalpolitik im Hochschulbereich befeuern soll. Im Mittelpunkt steht dabei die klare Forderung nach stabilen Beschäftigungsbedingungen und attraktiven – und berechenbaren – Karrierewegen, damit der „Traumjob Wissenschaft“ nicht zum Albtraum-Job wird.


HocHScHULE

Mindeststandards für alle

Mit den Beratungen zum „Herrschinger Kodex“ ist Bewegung in die Debatte gekommen. „Ein Kodex ist rechtlich zwar nur ein eher schwaches Konstrukt, kann aber zu einer Selbstbindung der Hochschulen und ihrer Verwaltungen führen“, sagt die Juristin Johanna Künne vom Institut für interdisziplinäre Rechtsforschung an der HU Berlin. Vorgestellt werden soll er am 15. November in Berlin. Nützliche Vorerfahrungen gibt es mit dem DGB-Index „Gute Arbeit“, der etwa an der Uni Göttingen

Blick über den Tellerrand

Wie sind die Wissenschaftssysteme anderer Länder organisiert? Immer wieder wurde am Ammersee auch die Situation der Nachwuchsforscher im Ausland unter die Lupe genommen. Zwei Beispiele: In der Schweiz ist das Hochschulsystem seit 1995 massiv ausgebaut worden: Sieben Fachhochschulen (FHs) wurden eingerichtet. Die Zahl der Studierenden hat sich seither fast verdreifacht (2011: 213 000), die der Professoren mehr als verdoppelt (2011: knapp 5000). „Insbesondere im FH-Bereich gab es durch den schnellen Ausbau viel Chaos, aber auch viele Chancen“, berichtete Annette Hug vom Verband des Personals Öffentlicher Dienste in der Schweiz. Verbesserungsbedarf gebe es noch in etlichen Bereichen der NachwuchsQualifikation: Während Ingenieur- und praktische Naturwissenschaftler ihre Dissertationen in der Regel mit ausreichenden Finanz- und Arbeitskapazitäten schreiben, sei die Situation bei den theoretischen Naturwissenschaftlern schwieriger. Und Geisteswissenschaftler seien häufig so stark in die Lehre mit eingebunden, dass für die Doktorarbeit gar keine Zeit mehr bleibe, so Hug. Die 21 Universitäten in Österreich sind zwar autonom – doch seit 2002 gibt es im Universitätsgesetz die Vorschrift, dass ein flächendeckender Tarifvertrag für die Beschäftigten abgeschlossen wird. Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) sei dadurch in einer guten Verhandlungsposition, erklärte Peter Korecky von der GÖD. Der entsprechende Kollektivvertrag ist seit Oktober 2009 in Kraft und habe „eine Phase vieler neoliberaler Ideen“ beendet. Das sei auch Zeit geworden: In den acht Jahren vor dem neuen Kollektivvertrag hatte es im Wissenschaftsbereich nur noch befristete Anstellungen gegeben. Dies habe sich jetzt geändert. Mittlerweile gelte das Prinzip, dass sogenannte „System-Erhalter“ – also Stellen mit wichtigen Dauerfunktionen – eher unbefristet ausgeschrieben werden. Forschungsstellen dagegen sind eher befristet, häufig aber mit einer Qualifizierungsvereinbarung versehen. AH

im Rahmen von Dienstvereinbarungen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement eingesetzt wird. „Nachdem lange und viel über Exzellenz an den Universitäten geredet wurde, brauchen wir jetzt Mindeststandards für alle Beschäftigten“, fasste Wiebke Esdar, Mittelbausprecherin an der Uni Bielefeld, die Stimmung unter den akade-

mischen Nachwuchskräften zusammen. Denn eins ist klar: Gute Wissenschaft braucht gute Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – und die müssen ordentlich bezahlt und fair behandelt werden. Armin Himmelrath, freier Journalist

Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen ordentlich bezahlt und fair behandelt werden.

Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

Foto: Oskar Fischer

Dass aktive Personal- und Nachwuchsförderung längst möglich sind, zeigen einzelne Hochschulen. So hat sich die Uni Bremen dazu bekannt, befristete Verträge grundsätzlich mindestens drei Jahre laufen zu lassen. An der HU Berlin wurden Promotionsleitlinien entwickelt, die genau beschreiben, wie man die angestrebte Qualifikation erreichen kann. Die TU München hat mit dem „TUM Faculty Tenure Track“ ein 60-seitiges Konzept vorgelegt, das Postdocs bei entsprechenden Leistungen einen Verbleib an der Uni garantiert. Und die Uni Konstanz setzt auf Gleichstellung und Familienfreundlichkeit. Sie verfolgt eine Dual Career Policy, bei der bei Berufungen auch die Karriere des Partners oder der Partnerin mit in die Überlegungen einbezogen wird. „Solche Beispiele zeigen: Die Hochschulen haben längst einen riesigen Instrumentenkasten zur Personalentwicklung“, so Keller, „man fragt sich allerdings, warum sie ihn nur so zaghaft nutzen.“

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Schülerinnen und Schüler aus Frankfurt, die in der Nähe des Rhein-Main-Flughafens die Schule besuchen, protestieren gegen den Fluglärm.

Fotos: dpa

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Fluglärm behindert Lernen // Schülerinnen und Schüler, die in der Nähe von Flughäfen leben und lernen, sind in ihrer kognitiven Entwicklung beeinträchtigt. Vor allem beim Lesenlernen haben Forscher negative Effekte nachgewiesen. // Wenn man den Ton abstellen könnte, sähe man nichts als Idylle: eine kleine Frankfurter Grundschule inmitten von Grün. Die meisten Kinder kommen zu Fuß, mit dem Rad oder dem Roller. Nur die vielen Nationalitäten auf dem Schulhof geben einen Hinweis darauf, dass die Martin-Buber-Schule in der Rhein-MainErziehung und Wissenschaft | 11/2012

Metropole mit rund 700 000 Einwohnern liegt. Doch die akustischen Störsignale vom blauen Himmel lassen sich nicht ausblenden – selbst wenn die Fenster im Klassenraum geschlossen sind. Die Maschinen rund um den größten deutschen Verkehrsflughafen überfliegen die Schule in etwa 400 Metern Höhe. An anderen Schulen im RheinMain-Gebiet sind sie noch dichter dran – 300 Meter in Flörsheim im Main-Taunus-Kreis.

Dauerbeschallung

Seitdem die neue Landebahn im Herbst 2011 eröffnet wurde, ist ein Unterricht

bei geöffneten Fenstern in vielen Klassen nicht mehr möglich. Ähnliche Szenarien erwarten aber auch Anwohner des neuen Berliner Großflughafens, dessen Eröffnung sich verzögert. In München stimmten lärmgeplagte Bürger gegen den Bau einer dritten Startbahn – völlig vom Tisch ist der Ausbau jedoch nicht. Dass Lärm ein Stressfaktor sein kann, wissen Forscher seit langem (s. E&WSchwerpunkt 7-8/2003, 10/2011). Angesichts der aktuellen Entwicklungen im Flugverkehr über deutschen Großstädten geraten jetzt aber erneut die Folgen permanenten Lärms für die kognitive Entwicklung der Kinder in den Blick. Die


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meisten Studien sprechen eine deutliche Sprache: Die Dauerbeschallung kann Aufmerksamkeit und kognitive Entwicklung stark beeinflussen – und zwar auch dann, wenn Kinder den Lärm selbst nicht als störend empfinden: Ihr Gehirn reagiert insofern logisch und effektiv, als es die Ruhestörungen mit der Zeit ausblendet. Doch es filtert auch andere akustische Signale heraus – mit der unerwünschten Nebenwirkung, dass Kinder ihren Eltern oder Lehrkräften nicht mehr zuhören. Auch auf die Pädagoginnen und Pädagogen hat der Lärm Auswirkungen. Stillarbeit und Lesen seien massiv beeinträchtigt, berichten viele aus Schulen in der Einflugschneise. Nicht nur die Konzentration der Kinder, auch ihre eigene leide. „Ich bin früher oft mit den Kindern rausgegangen. Das geht nun gar nicht mehr“, sagt Sabine Heyartz, Lehrerin an der Frankfurter Martin-Buber-Schule. Es ist ein warmer Tag. Die Sonne strahlt durch die Fenster an der Südseite und erhitzt den Raum. Die Flieger kommen im Minutentakt. Öffnet die Pädagogin die Fenster, wird ihre Stimme automatisch lauter. Sie braucht viel zusätzliche Energie, um den Lärm zu übertönen.

Gesundheitsschäden

„Die Datenlage verdichtet sich“, schreibt der renommierte Frankfurter Kardiologe Martin Kaltenbach im Deutschen Ärzteblatt über die Auswirkungen von Fluglärm. Er führe nachweisbar nicht nur zu Schlafstörungen, Gehörschäden, Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit, sondern auch zu häufigerem Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Negative Effekte hat der Fluglärm auch beim Lesenlernen. Eine im Fachblatt „Lancet“ 2005 veröffentlichte multinationale Studie untersuchte lärmgeplagte Grundschüler in der Nähe der Flughäfen London-Heathrow (Großbritannien), Schiphol (Niederlande) und Barajas (Spanien). Diese schnitten beim Leseverständnis deutlich schlechter ab als Schüler einer Vergleichsgruppe, die in ruhigen Gegenden wohnten. Die Forscher konnten sogar belegen, dass jede Zunahme der Lärmbelastung um fünf dB (Dezibel) die Leseentwicklung um ein bis zwei Monate verzögert.

Zu ähnlichen Ergebnissen war drei Jahre zuvor eine Studie in Bayern gekommen. Dort untersuchten Wissenschaftler Grundschüler nach dem Umzug des Münchner Airports von Riem ins Erdinger Moos. Während die neu Beschallten im Erdinger Moos schlechtere kognitive Leistungen zeigten, verbesserten sich die der Kinder am alten Standort. Mit der chronischen Wirkung von Fluglärm auf Kinder befasst sich aktuell die Universität Kaiserslautern in der Norah-Lärmwirkungsstudie (NoiseRelated Annoyance, Cognition, and Health) der Umwelthaus GmbH. 1250 Zweitklässler aus wenig, mittel sowie hoch belasteten Schulen im RheinMain-Gebiet haben verschiedene Leseund Gedächtnisaufgaben bearbeitet. Außerdem wurden Kinder, Eltern und Lehrkräfte befragt und die Lärmpegel an Schule und Elternhaus gemessen. Geplant ist, später auch Schüler am Flughafen Berlin-Brandenburg einzubeziehen. Ergebnisse der Querschnittstudie sollen laut Projektleiterin Prof. Maria Klatte Ende 2013 vorliegen und eine Art Entwicklungsdiagnostik enthalten. Doch noch bevor die Forscher ihre Arbeit beendet haben, gibt es bereits harsche Kritik. Viele lärmgeplagte Familien halten die Studie für eine Beruhigungspille. 90 namhafte Mediziner haben im August in einem offenen Brief „den sofortigen Abbruch der Studie“ gefordert, darunter der Hirnforscher Wolf Singer. „Nationale und internationale Untersuchungen haben die negativen Auswirkungen hinreichend belegt“, sagt der Frankfurter Chirurg und Mitunterzeichner Jochen Kraus: „Das ist so, als wollte man neu erfragen, ob Rauchen tatsächlich schlecht für die Gesundheit ist.“ Psychologin Maria Klatte sieht das ganz anders: „So eindeutig ist die Sachlage nicht, dass es bei der Auswirkung von Fluglärm auf die kognitive Entwicklung von Kindern keiner weiteren Forschung bedürfe.“ Frühere Lärmstudien hätten wichtige Hinweise auf Beeinträchtigungen, aber auch viele widersprüchliche Befunde ergeben. Zudem entsprächen die Untersuchungen teilweise nicht mehr den heutigen methodischen Standards. Doch nicht nur Ärzte, auch manch ein Pädagoge bewertet die Norah-Studie

kritisch und verweist auf Mängel bei der Datenerhebung. „In unserer Schule wurden in den beteiligten Klassen Lärmmessungen gemacht, aber einer der Räume war schallgedämpft, weil dort einmal ein hörbehindertes Kind unterrichtet worden ist“, erzählt eine Lehrerin aus einer Grundschule im Frankfurter Süden: „Das verfälscht bei nur drei teilnehmenden Klassen das Gesamtergebnis.“

Guter Schallschutz

Unabhängig von den Ergebnissen der Lärmstudie wünschen sich die betroffenen Pädagogen, Schüler und Eltern zurzeit vor allem eines: vernünftigen Schallschutz für die Klassen – und zwar schnell. Alternativ könnten die Kinder im Rhein-Main-Gebiet höchstens nachts lernen. Von 23 Uhr abends bis fünf Uhr morgens herrscht (theoretisch) Nachtflugverbot. Katja Irle, freie Journalistin

Müssen Kinder im Rhein-Main-Gebiet demnächst nachts lernen?

1) M. Kaltenbach: „Nächtlicher Fluglärm: Er macht doch krank“ Deutsches Ärzteblatt 2001: www.aerzteblatt.de/archiv/111082 2) Lesen und Fluglärm, The Lancet (2005): www.thelancet.de/artikel/780658 3) Lernstörungen durch Fluglärm, Deutsches Ärzteblatt 2002: www.aerzteblatt.de/archiv/34805/ Umwelteinfluesse-Lernstoerungendurch-Fluglaerm 4) www.norah-studie.de/ Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

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// Heide Schraps und Heike Schlinkmann arbeiten seit mehr als 25 Jahren als Förderschullehrerinnen im niedersächsischen Hameln. Im Frühjahr nahmen sie an einer Bildungsreise des Forums „Eltern und Schule“ nach Helsinki und Espoo teil. // E&W: Wenn es um die vorbildlichen Finnen geht, hört man einen Satz besonders häufig: Kein Kind geht verloren. Wie machen sie das? Heike Schlinkmann: Wichtigstes Instrument ist das flächendeckende staatliche Hilfeleistungssystem NEUVOLA. Dieses setzt bereits vor der Geburt des Kindes an. Es wird von 98 Prozent der Frauen angenommen. Gynäkologen, Hebammen, Therapeuten und Sozialarbeiter arbeiten dabei als Team zusammen. Die Eltern bekommen vor der Geburt ein Startpaket im Wert von 250 Euro, das Windeln, Fläschchen, Wäsche, eine Decke und sogar das erste Kinderbuch enthält. E&W: Projekte vorgeburtlicher Betreuung gibt es auch in Deutschland – „Pro Kind“ in Niedersachsen beispielsweise. Heide Schraps: Aber hier wenden sie sich eher an finanziell schwache Gruppen. Die Teilnahme an diesen Projekten stigmatisiert. In Finnland melden sich alle Frauen – von der Ärztin bis zur Verkäuferin – freiwillig bei NEUVOLA.

Heike Schlinkmann Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

Sie wissen, dass sie dort gut betreut werden, und: Nur wer sich meldet, hat Anspruch auf Mutterschaftsgeld ab der 20. Woche und die Baby-Erstausstattung. Schlinkmann: NEUVOLA initiiert bis ins Schulalter alle wichtigen Untersuchungen des Kindes, in vertrauensvollen Gesprächen mit allen Menschen, die die Entwicklung des Kindes begleiten. Mit dem Einverständnis der Eltern gehen Erfahrungen und Berichte aus der Vorschulzeit an die Schulen weiter. E&W: Wie sieht die Betreuung im klassischen Bildungssystem aus? Schlinkmann: Beneidenswert! Der Betreuungsschlüssel liegt bei unter Zweijährigen bei 1 : 1, den bis zu Vierjährigen bei 1 : 4, danach bei 1 : 7. In Niedersachsen betreut eine Erzieherin 15 Kinder. In Finnland absolvieren Erzieherinnen und Erzieher in den Grundzügen eine Lehrerausbildung und können diese durch Zusatzqualifikationen erwerben. Schraps: In der Vorschule, die fast jedes Kind besucht, sieht es ähnlich aus. Hier herrscht eine ungeheure Gelassenheit, kein Tohuwabohu. Die Ruhe, in der Kinder in Finnland lernen, hat mich unglaublich beeindruckt. E&W: Ein weiteres Schlagwort, das wir mit dem skandinavischen Land verbinden, ist Individualisierung. Mit welchen Methoden setzen die Lehrkräfte diese um? Schraps: Ehrlich gesagt, das Sammelsurium an Lehrmethoden, mit denen deutsche Lehrkräfte überfrachtet werden – vom Lernbuffet über Wochenpläne bis hin zu Methodentagen –, haben wir gar nicht gesehen. Natürlich gibt es Partner- und Gruppenarbeit, aber auch in Finnland machen Lehrkräfte häufig Frontalunterricht. Das wirkte wirklich beruhigend auf alle in unserer Gruppe. Der Unterricht ist dort bestimmt nicht besser als bei uns. E&W: Und wie wird man den Kindern gerecht, die speziellen Förderbedarf haben?

Fotos: Jeannette Goddar

Finnland – kein K Heide Schraps

Schlinkmann: Bis zur sechsten Klasse werden maximal 15 Kinder ständig von zwei Lehrkräften unterrichtet. Auf Initiative der Schule bekommen Schülerinnen und Schüler mit Lernschwächen wöchentlich bis zu zwei Stunden kostenlosen qualifizierten Nachhilfeunterricht. Da die Gehälter in Finnland nicht so hoch sind, nehmen die Lehrkräfte dies gern als Zuverdienst. Jedes Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf hat eine zusätzliche Betreuung. Ich habe eine Klasse besucht, in der drei Förderkinder je eine individuelle Hilfe hatten. Die in Deutschland geplante Inklusion wird in Finnland längst in allen Schulformen umgesetzt. E&W: Wie ist das finnische Bildungssystem materiell ausgestattet? Schraps: Ich habe noch nie eine so gerechte und gute Versorgung der Schüler erlebt. Jedes Kind bekommt von der Schule sämtliches Material gestellt, vom Bleistift bis hin zu allen Schulbüchern. Bis zur Universitätsausbildung erhalten alle in der Mensa ein kostenloses, gesundes Mittagessen. Schlinkmann: Wir haben verschiedene Einrichtungen in unterschiedlichen Stadtteilen besucht. Die Räume, Flure und Gemeinschaftsräume waren vorbildlich und technisch auf dem aktuellsten Stand: Jeder Klassenraum, auch


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ind geht verloren schon in der Vorschule, hatte ein Whiteboard und eine Projektionskamera. Die Schüler sitzen auf höhenverstellbaren, modernen Stühlen an aufklappbaren Einzelpulten, wo sie ihr persönliches Material haben. Jede Schule ist „Puschenschule“, das bedeutet: Jeder hat seinen persönlichen Schrank im Eingangsbereich. Alle Türen, auch in den Kindergärten sind seit zwei Jahren Amoklauf-gesichert. Das ist im ganzen Land Standard. E&W: Welche Arbeitsplatzsituation erwartet Lehrkräfte? Schraps: Finnische Lehrkräfte verdienen in der Grundstufe Klasse 1 bis 7 ca. 2500 Euro im Monat. Die Lebenshaltungskosten sind erheblich höher

als bei uns. Die finnischen Lehrkräfte haben 30 Unterrichtsstunden Präsenzzeit, davon 23 Stunden Unterricht. Die Schulen haben gut ausgestattete Arbeitsplätze in speziellen Räumen. Die Lehrkräfte erhalten Laptops und alle Unterrichtsmaterialien. Schlinkmann: 14 Tage vor Beginn des Unterrichts nach den Sommerferien planen Teams das neue Schuljahr und ordnen das Material. Damit ist ein guter Start gesichert. Wir hatten das Gefühl, dass Schüler, Erzieher, Lehrkräfte und Professoren gern in den Bildungseinrichtungen sind. Es war eine sehr positive, vertrauensvolle Grundhaltung zu spüren, angefangen von den Kindergarteneinrichtungen

bis hin zur Universitätsausbildung. E&W: Warum sind die Finnen im Vergleich zu Deutschland so erfolgreich? Schraps: Die Erfolge verdanken sie einem ausgereiften, dem Wohle des Kindes dienenden Bildungssystem, das Schwierigkeiten so früh wie möglich angeht. Hier bestimmt nicht die soziale Herkunft den Bildungserfolg. Die personellen und materiellen Ressourcen sind wirklich gut. Solange sich dies bei uns nicht ändert, können wir uns vor jeder Schulinspektion und jedem noch so guten methodisch-didaktischen Ansatz biegen wie wir wollen. Interview: Jeannette Goddar, freie Journalistin

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Berg Fidel – eine Schule für alle Lucas hat Lernprobleme, Anita aus dem Kosovo droht die Abschiebung, Jakob hat das Down-Syndrom: Alle drei Kinder gehen auf die Grundschule in Berg Fidel. Der fröhlich klingende Name des Hochhausviertels am Rande Münsters täuscht, es handelt sich um einen sozialen Brennpunkt. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus 30 Nationen, viele aus Flüchtlingsfamilien. Die Schule nimmt alle Kinder „ohne Einschränkung“ auf, auch Lernbehinderte oder Kriegstraumatisierte. Die Sechs- bis Zehnjährigen werden altersübergreifend betreut, stets von mehr als einer Lehrkraft: Neben der Klassenlehrerin gehören eine Sonderpädagogin sowie studentische Honorarkräfte zum Team, manchmal eine Erzieherin.

Gelebte Inklusion: In einem sozialen Brennpunkt am Rande Münsters steht die Grundschule Berg Fidel. Das Besondere: Die Schule nimmt Kinder aus Flüchtlings-, Migranten- sowie sozial schwierigen Familien und mit Behinderungen ohne Einschränkungen erfolgreich auf. Die Sechs- bis Zehnjährigen werden altersübergreifend und stets von mehr als einer Lehrkraft unterrichtet.

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Das Lehrerteam orientiert sich an reformpädagogischen Konzepten. In einem Praxisbuch wirbt Schulleiter Reinhard Stähling (s. Interview S. 33) gemeinsam mit seiner Kollegin Barbara Wenders für eine inklusive Grundschule, die Lernbehinderte und Kinder aus einkommensschwachen Familien nicht ausgrenzt. Über seine Zielgruppe weiß er präzise Bescheid. Eine Befragung in Kooperation mit den drei Kitas des Stadtteils ergab, dass 40 Prozent der Kinder ohne Frühstück zur Schule kommen. 23 Prozent haben eine schwer verständliche Aussprache, genauso viele „motorische Defizite“. Bei zwei von fünf Schülern besteht „zahnärztlicher Behandlungbedarf“, bei drei Viertel „Förderbedarf in deutscher Sprache“. Gängige Diagnosen wie „verhaltensauffällig“ und „lernbehindert“ hält Stähling für bequeme Etiketten, mit denen „Kinder schon in jungen Jahren aussortiert werden“. Für seinen Stadtteil schlägt er das gemeinsame Lernen

bis zur 10. oder besser bis zur 13. Klasse vor. Gerade die Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen hätten in vier Jahren Grundschule nicht genug Zeit, ihre sprachlichen und sozialen Kompetenzen zu entwickeln. Überschaubare Schulen, die Aufgaben der Jugendhilfe mit übernehmen und sich als Zentrum für Familienberatung verstehen, seien das „Zukunftsmodell besonders im sozialen Brennpunkt“. Im Herbst 2012 kam ein Dokumentarfilm über die Grundschule Berg Fidel in die Kinos, der auch als DVD zu beziehen ist. Der Film folgt den Schülerinnen und Schülern durch den Unterricht und in der Freizeit, lässt sie von ihren Träumen, ihrem Leben und ihren Stärken erzählen. Die unkommentierte Originalton-Collage bietet einen lebendigen Einblick in das „inklusive“ Schulkonzept. Thomas Gesterkamp, freier Journalist

Foto: www.ggs-bergfidel.de

// 500 000 Kinder in Deutschland gelten als „lernbehindert“, 80 Prozent von ihnen besuchen Förderschulen. Der Dokumentarfilm „Berg Fidel – eine Schule für alle“ zeigt, dass es Alternativen gibt. //


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„Man darf Fehler machen“ e l.w film.d de w.Bergfi Foto: w w

E&W: „Berg Fidel – Eine Schule für alle“ heißt ein Kinofilm, der aus der Perspektive der Kinder den Alltag an Ihrer Grundschule dokumentiert (s. S. 32). Was genau heißt „Schule für alle”? Reinhard Stähling: Kein Kind wird ausgeschlossen oder geht verloren. In Berg Fidel nehmen wir jedes Kind aus dem Wohngebiet auf. Jedes Kind bleibt auf unserer Schule, keines geht auf eine Förderschule. E&W: Welche Kinder besuchen Ihre Schule? Wie ist das Wohnumfeld? Stähling: 60 Prozent der Familien stammen aus dem Ausland. Ich finde das sehr bereichernd und habe immer das Gefühl, in 30 Ländern gleichzeitig zu Besuch zu sein. Unsere Grundschule ist die einzige im Stadtteil. Dadurch, dass wir jedes Kind aufnehmen, ist es hier tatsächlich friedlicher geworden. Keiner fühlt sich an den Rand gedrängt. E&W: In die Förderschulen gehen Kinder, die als lernbehindert gelten. Sie setzen dem das Konzept der Inklusion entgegen. Warum? Stähling: Um Frieden zu schaffen. Wenn sich jede Familie durch die Schule angenommen fühlt, gibt es keine Konflikte, die zu lösen wären. Wenn die Kinder jedoch aus ihrem Umfeld herausgerissen werden, verlieren sie leicht den Draht zu ihren ehemaligen Kindergartenfreunden. Dann kehren sie nachmittags in den Stadtteil zurück und klauen anderen die Jacken ... E&W: Was machen Sie und das Kollegium konkret anders im Unterricht? Stähling: Wir richten uns nach den Kindern, wie es unsere Aufgabe als gute Lehrkräfte ist. Sie bestimmen selbst ihr individuelles Lerntempo, nicht die Lehrpläne! Den Stress tun wir niemandem an. Es würde zudem gegen Erkenntnisse aus der Lernpsychologie verstoßen,

wenn wir den Schülern zu schwierige oder auch zu leichte Aufgaben gäben. Am einfachsten ist das im Unterricht zu verwirklichen, wenn man in jeder Klasse alle Jahrgänge von eins bis vier mischt. E&W: Was ist in der Praxis schwierig? Stähling: Ein inklusiver Unterricht muss sich immer gegen die Auslese von Kindern wehren, die durch das mehrgliedrige Schulsystem gefördert wird. Man kann schnell ein Kind für lernschwach erklären und es trotzdem ständig überfordern. Dann folgt oft das Sitzenbleiben. Der Abstieg beginnt bereits in der Grundschule. Mit verheerenden Ergebnissen: Fast ein Viertel der 15-Jährigen in Deutschland kann kaum lesen! Warum? Weil sie abgestuft wurden, das Vertrauen verloren haben. In der Regel übernimmt dafür niemand die Verantwortung. Es ist die Folge von Aussonderungen, die die Gesellschaft als völlig normal ansieht. Wenn man sich dagegen wehrt, lebt man allerdings als Pädagoge entspannter, die Kinder lernen besser, aber man muss mit Angriffen rechnen. E&W: Was ist in Berg Fidel anders in den Augen der Schüler und Eltern? Stähling: Man darf Fehler machen und man lernt daraus – wie kann humanes Lernen besser beschrieben werden? Das ist leider noch nicht weit verbreitet in unseren Schulen. Ein einziger Fehler kann einem die Schullaufbahn versauen.

E&W: Wie holt man skeptische Eltern ins Boot, die vielleicht besorgt sind, wenn ihr Kind mit Behinderten in eine Klasse gehen soll? Stähling: Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen. Brauchen wir auch nicht, es sei denn, wir sprechen von den zusätzlichen Lehrerstellen, die Kinder mit Handicaps in der Schule benötigen. Sind wir nicht alle auf die Hilfe anderer angewiesen? Warum soll das anders mit behinderten Menschen sein? Jedes Kind lernt von und mit den anderen. Das ist unser Verständnis eines inklusiven, kooperativen Unterrichts. E&W: Wie sind die Reaktionen auf den Film über Ihre Schule? Stähling: Überwältigend. In der ersten Woche ist der Dokumentarfilm über unsere Kinder allein in Münster von 1500 Menschen gesehen worden. In der Kinorangliste der meist gesehenen Filme war das Platz 2. Wir sehnen uns alle wohl danach, eine mutige humane Schule für unsere Kinder zu finden, wo sie so sein dürfen, wie sie nun mal sind. Interview: Thomas Gesterkamp

Foto: Grundschule Berg Fidel

// Interview mit Reinhard Stähling, Leiter der Grundschule Berg Fidel in Münster //

Schulleiter Reinhard Stähling

Buchtipp: Reinhard Stähling/Barbara Wenders: „Das können wir hier nicht leisten“ – Wie Grundschulen doch die Inklusion schaffen können. Ein Praxisbuch zum Umbau des Unterrichts. Schneider Verlag, Baltmannsweiler 2012 www.bergfidel.wfilm.de Kontakt: Grundschule Berg Fidel, Hogenbergstraße 160, 48153 Münster, Tel. 0251/787568, www.ggs-bergfidel.de Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

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34 FAIR cHILDHooD – BILDUNG STATT KINDERARBEIT

„Ein Verbrechen an Kindern“ // Im Kampf gegen Kinderarbeit spielen Lehrkräfte weltweit eine wichtige Rolle. Manchmal sind sie aber auch Teil des Problems. Das hat eine internationale Konferenz gezeigt, zu der die Bildungsinternationale (EI), die niederländische Bildungsgewerkschaft Aob und die GEW unter dem Motto „Schule ist der beste Arbeitsplatz – Bildungsgewerkschaften gegen Kinderarbeit“ Anfang oktober nach Berlin eingeladen haben. Rund hundert Pädagoginnen und Pädagogen aus aller Welt sind gekommen. //

Maouloud Ben Kattra, Mali: „Islamische Extremisten besetzen zwei Drittel meines Landes. Tausende Kinder sind auf der Flucht. Wo sie nicht auf der Flucht sind, schuften sie in Goldminen, auf Baumwollfeldern, arbeiten als Hirten oder im Tourismus. Sie arbeiten dort, weil viele unserer Lehrkräfte nicht über die ILO-Konventionen Bescheid wissen. Wir müssen daher zunächst die Pädagogen für das Thema sensibilisieren.“

Es gibt Zonen, in denen Kinder nicht schuften müssen. In denen sie nicht ausgebeutet werden für Produkte, die im deutschen Handel angeboten werden – etwa Baumwoll-T-Shirts. Eine solche kinderarbeitsfreie Zone hat Venkat Reddy in Südindien, im Distrikt Kurnool, mit gegründet. Statt bei über 40 Grad Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

Abdoulaye Quedraogo, Burkina Faso: „Das Problem in meinem Land ist, dass oft Kinder, die nicht aus dem Dorf kommen, die Schule nicht besuchen dürfen. Das ist schlimm. Denn in Afrika gibt es viele Migranten und Wanderarbeiter sowie Aids-Waisen, die zu ihren Verwandten ins Nachbardorf kommen, aber nicht integriert werden.“

Celsius und mit knurrendem Magen Baumwolle zu pflücken, lernen die Kinder in sogenannten Brückenschulen lesen und schreiben. Auch ein warmes Essen bekommen sie dort. Finanziert wird das Projekt von der M. Venkatarangaiya (MV) Foundation; ein Unterstützer ist die GEW-Stiftung Fair Childhood (E&W berichtete). In Reddys Brückenschulen verlangt niemand eine Schuluniform, Gebühr oder Geburtsurkunde, die viele Eltern ohnehin nicht vorlegen könnten. Hier soll umgesetzt werden, was die UNO jedem Kind bis 2015 versprochen hat: das Recht auf Bildung. Kinderarbeit ist in Asien, Afrika, Lateinamerika, aber auch in einem EU-Anwärterland wie der Türkei noch immer weit verbreitet. Kinder und Jugendliche seien „in die Herstellungskette vieler Gebrauchsgüter und Lebensmittel involviert“, kritisierte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne. Die Zahlen, wie viele Kinder betroffen sind, schwanken je nach Quelle und Definition. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geht von 215 Millionen Kindern zwischen fünf und 17 Jahren aus, das wäre jeder fünfte Minderjährige. „Kinderarbeit ist heute eher die Regel denn die Ausnahme“, so der DGB-Vorsitzende Michael Sommer. Menschenrechtsorganisationen sind auf Minderjährige gestoßen, die auf den Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste schuften, in Vietnam Tee pflücken, in Pakistan Teppiche knüpfen, in Bangladesch Pailletten auf Blusen anbringen, in Guatemala Bananen für den europäischen Markt ernten, in El Salvador auf Zuckerrohrfeldern mit scharfen

Messern hantieren oder in indischen Steinbrüchen Naturstein für deutsche Küchen oder Rathausplätze aus dem Fels hauen.

Geraubte Lebenschancen

Viele dieser Kinderarbeiter besuchen nie eine Schule. Oder sie brechen die Schule ab und können weder richtig lesen noch schreiben. Damit raubt man den Heranwachsenden die Chance, dem Kreislauf aus Armut und Ausbeutung zu entrinnen. Ebenso bringe man sie um die „Möglichkeit, eigenverantwortlich ihre Gesellschaft mit zu gestalten“, er-

Lourdes Edith Delouis Joseph, Haiti: „In Haiti schuften viele Kinder als Hauspersonal in fremden Familien. Viele Eltern vom Land haben ihre Kinder Dritten in der Stadt anvertraut – in der Hoffnung, dass es ihnen dort besser gehe, sie was zu essen haben und in der Stadt eine Schule besuchen könnten. Doch die meisten fehlen in der Schule.“


Fair Childhood – Bildung statt Kinderarbeit

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fair childh d GEW-Stiftung Bildung statt Kinderarbeit

Fotos: Martina Hahn

klärte der DGB-Chef. Eine Gesellschaft, die „menschenwürdige Arbeit bietet, eine Arbeit, von der die Menschen auch leben können“. Doch die Realität sehe anders aus: „Prekäre Arbeit ist auf dem Siegeszug.“ Kinderarbeit sei das „Mieseste vom Miesen“, unterstrich Sommer. „Und ein Verbrechen an Kindern. Damit verletzt

José Antonio Zepeda Lopez, ­Nicaragua: „In Nicaragua arbeiten Kinder auf Kaffeeplantagen, in Steinbrüchen, in Goldminen. Inzwischen hat die Regierung Kinderarbeit in manchen Sektoren verboten. Aber im informellen Sektor besteht sie noch immer. Die größte Barriere im Kampf gegen Kinderarbeit sind die Eltern.“

man alles, was man nur verletzen kann: Das fängt bei der Würde der Jüngsten an und hört nicht mit der Zerstörung ihrer Zukunft auf.“ Besonders schlimm sei, „wenn wir nicht nur von Kindern in der Produktion reden, sondern von Kindern, die sich prostituieren müssen oder als Soldaten eingesetzt werden“.

Was können Lehrkräfte tun?

Was können Pädagogen gegen diese Verbrechen tun? Sehr viel, so der Tenor der Konferenz, „denn Lehrer erreichen viele Menschen“, sagte Thöne. „Der Kampf gegen Kinderarbeit beginnt im Klassenzimmer“, pflichtete EI-Generalsekretär Fred van Leeuwen bei. Das Wichtigste sei, Erwachsene – Eltern, Politiker, Lehrkräfte – in den von Kinderarbeit betroffenen Ländern für das

Problem zu sensibilisieren und sie über Kinderrechte aufzuklären. Keine leichte Aufgabe. Viele Gesellschaften betrachten Kinderarbeit als Teil ihrer Kultur. „Für viele Unternehmer in den Produzentenländern ist Kinderarbeit etwas Normales, in ihrer Auffassung sogar Unvermeidliches“, so van Leeuwen. Wichtige Voraussetzung beim Kampf gegen Kinderarbeit: dass es vor Ort Schulen gibt. „In jedem Dorf, in dem keine Schule steht, werden Kinder auf dem Feld oder im Stollen arbeiten“, mahnte Reddy. Voraussetzung sei ein intaktes Schulsystem, das Pädagogen ein faires Gehalt sichere. Ein solches fehle in vielen armen Ländern: „150 Kinder in einer Klasse, ein unqualifizierter Lehrer und ein Schulbuch – das ist an vielen Orten Realität“, hat van Leeuwen beobachtet. Ebenso, dass „viele Lehrer selbst Kinder beschäftigen“, wie Maouloud Ben Kattra, Lehrer aus Mali, berichtete: „Oder sie geben den eigenen Kindern nicht die Chance, eine Schule zu besuchen, weil sie so miserabel für ihren Job bezahlt werden, dass die Familie das zusätzliche Einkommen benötigt.“ Deshalb sind faire Löhne für die Arbeiter in den Produktionsländern der Schlüssel zu kinderarbeitsfreien Zonen. „Bekämen die Erwachsenen mehr Geld, gäbe es keine Kinderarbeit“, zeigte sich Mario van Luytgaarden aus den Niederlanden überzeugt. „Wir können Kinderarbeit nicht isoliert bekämpfen“, betonte auch GEW-Vorsitzender Thöne. Gesetze und Regelwerke gegen Kinderarbeit müssten für Regierungen und Hersteller endlich verbindlich sein – und wenn Produzenten sie nicht einhalten, müsse dies sanktioniert werden. Allerdings stünden auch die Verbraucher in den reichen Industriestaaten in der Pflicht, Kinderarbeit zu bekämpfen, indem sie bewusster und fairer einkaufen: „Durch den globalen Handel holt uns Kinderarbeit auch in Deutschland ein – durch all die Produkte, die wir tagtäglich konsumieren“, ­resümierte Thöne. Martina Hahn,

Kindern eine Kindheit geben Kinderarbeit ist ein Armutszeugnis – in doppelter Hinsicht. Sie ist Zeugnis von Armut. Vor allem aber ist sie ein Armutszeugnis für die internationale Gemeinschaft. Machen Sie mit. Unterstützen Sie Fair Childhood – GEW-Stiftung Bildung statt Kinderarbeit Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 700 205 00, Konto-Nr. 9 840 000

www.fair-childhood.eu Ja,

E&W 11/2012

ich unterstütze den Kampf gegen Kinderarbeit und spende

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fair childh d GEW-Stiftung Bildung statt Kinderarbeit

Fair Childhood GEW-Stiftung · Bildung statt Kinderarbeit · Kontakt: Brittney Johnston Reifenberger Straße 21 · 60489 Frankfurt am Main


ULRICH THÖNE

Foto: Kay Herschelmann

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Menschenwürdige Arbeit für alle // GEW-Kommentar // Die Wirtschafts- und Finanzkrise verstärkt weltweit den Druck auf dem Arbeitsmarkt. Eine Reihe von Unternehmen, Anlegern und Regierungen nutzt die „Gunst der Stunde“ zum Generalangriff auf Arbeitnehmerrechte: Massenentlassungen werden angeordnet, Lohnkürzungen diktiert, Gewerkschaftsrechte ausgehöhlt, Sozialleistungen sukzessive abgebaut. Diese Entwicklungen treffen besonders die Schwächsten der Gesellschaft: Während weltweit mindestens 200 Millionen Erwachsene keine Arbeit haben, werden in allen Kontinenten immer noch über 200 Millionen Kinder zum Arbeiten gezwungen. Kinderarbeit ist Lohndumping der verachtenswertesten Art. Bereits 1867 beschrieb Karl Marx, wie Kinderarbeit in der Frühzeit der Industrialisierung genutzt wurde, um die Nachfrage nach billigen Arbeitskräften zu decken und die Löhne der Arbeiter zu drücken. Wo es Kinderarbeit gibt, sind alle Dämme für die Schutzrechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gebrochen. Deshalb kann der Kampf gegen Kinderarbeit nur als integraler Bestandteil der Forderung nach „decent work“ (menschenwürdiger Arbeit) gesehen werden! Wenn wir nichts dagegen tun, ist zu befürchten, dass sich die Verschlechterungen in den nächsten Jahren auf dramatische Weise weiter fortsetzen. Gerade deshalb ist der Kampf für gute Arbeitsbedingungen für alle eine hochaktuelle und zentrale Frage für die Zukunft der Gesellschaften und der Gewerkschaften – weltweit. Dabei hat die Kooperation zwischen dem globalen Norden und Süden eine Schlüsselrolle. Kinderarbeit ist besonders in den Regionen oder Wirtschaftszweigen verbreitet, in denen Erwachsene keine existenzsichernden Löhne erhalten und Gewerkschaftsrechte ausErziehung und Wissenschaft | 11/2012

gehebelt werden. Kindern wird gleichzeitig das Recht auf Bildung verwehrt, obwohl Bildung den Familien und den Kindern einen Weg aus der Armut eröffnen könnte. Die Forderung nach menschenwürdiger Arbeit und der Kampf gegen Kinderarbeit sind darum eng miteinander verknüpft. Anlässlich des Welttags für menschenwürdige Arbeit war das Thema „Kinderarbeit“ Schwerpunkt einer internationalen Tagung, auf der Gewerkschafter aus 30 Ländern diskutierten (s. Seite 34 f.), gemeinsam gewerkschaftliche Ansätze der Bekämpfung der Kinderarbeit und dabei Möglichkeiten zum gemeinsamen Handeln ausloteten. Bildungsgewerkschaften wie die GEW haben eine zentrale Verantwortung zu übernehmen. Unser Engagement geht dabei über Solidarität hinaus – wir setzen vielmehr auf Kooperation, um uns gegen den Abbau von Gewerkschafts- und Arbeitnehmerrechten im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise zur Wehr zu setzen. Projekte im globalen Süden brauchen starke gewerkschaftliche Partner im globalen Norden, um den Kampf gegen Kinderarbeit nachhaltig zu gestalten sowie gewerkschaftliche Strukturen vor Ort zu stärken. Vor diesem Hintergrund setzt sich die GEW auch nach dem Welttag für menschenwürdige Arbeit folgende Ziele: Wir machen uns gemeinsam mit unseren Schwestergewerkschaften in Nord und Süd dafür stark, dass Eltern unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen die Existenz ihrer Familien sichern können. Gleichzeitig kämpfen wir für ein Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit – das nicht nur auf dem Papier steht! Let parents earn and children learn! Ulrich Thöne, GEW-Vorsitzender


FAIR cHILDHooD – BILDUNG STATT KINDERARBEIT

Rechte der Frauen und Kinder stärken // Was hat ein Brunnen mit Bildung zu tun? Weshalb kann eine fehlende Toilette den Schulbesuch von Mädchen verhindern? //

Spendenaufruf Bitte unterstützen Sie das Fair-Childhood-Projekt mit Ihrer Spende. Die Projektpartner sind Garanten für einen positiven Verlauf und erfolgreichen Abschluss des Projektes. Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 700 205 00, Kt.-Nr: 9 840 000

Im September 2012 hat „Fair Childhood“, die GEW-Stiftung Bildung statt Kinderarbeit, ihr drittes Projekt gestartet. Die Projektregion liegt im Osten Indiens in Westbengalen im Gangesdelta. Eine sehr abgelegene Region mit sieben Dörfern, Zuhause von 3823 Familien und 4453 schulpflichtigen Kindern. Die Menschen leben von Landwirtschaft und Fischzucht. Das durchschnittliche Einkommen liegt bei 1,50 Euro pro Tag.

Lebensverhältnisse ändern

Vier Ziele verfolgt „Fair Childhood“: • Die Dropout- und Abwesenheitsquote eingeschriebener Schülerinnen und Schüler soll durch den Aufbau von Nachhilfezentren und Brückenschulen stark sinken. • Maßnahmen, die Einkommen verschaffen, sollen die ökonomische Situation der Familien von Risikokindern stärken und so verhindern, dass die Kinder zum Haushaltseinkommen beitragen müssen und die Schule abbrechen. • Eine projektbegleitende Aufklärungskampagne, die Gründung von Interessensgruppen und die Veröffentlichung von Informationsmaterialien sollen für ein Umfeld sorgen, das Kindern ihr Recht auf Bildung garantiert. • Damit sich auch die gesundheitliche Situation verbessert, sollen der Zugang zu sicherem Trinkwasser und Sanitäranlagen ermöglicht und ein umfassendes Hygieneprogramm initiiert werden. Gerade diese Frage hat im Gangesdelta besondere Bedeutung. Das Grundwasser steht sehr hoch. Sobald man im Boden 60 bis 70 Zentimeter gegraben hat, stößt man auf Wasser. Da die Menschen in dieser Region kaum Toiletten haben und ihre Notdurft unter freiem Himmel verrichten, ist das Grundwasser verseucht. Deshalb leiden die Bewohner der umliegenden Dörfer, vor allem die Kinder, unter chronischen Durchfallerkrankungen. Kranke Kinder aber gehen nicht zur Schule. Mädchen schon gar nicht, wenn es dort keine vernünftigen Toiletten gibt. Fakt ist: Das Recht auf Bildung ist ohne menschenwürdige Lebensverhältnisse nicht zu haben.

Gewalt und Benachteiligung

In der Region herrschen sehr „traditionelle Lebensverhältnisse“, wie es die Projektpartner* von „Fair Childhood“ zurückhaltend formulieren. Im Klartext heißt das: Die Frauen und Mädchen haben keine Rechte. Sie leiden unter häuslicher Gewalt und systematischer Benachteiligung. Die Verletzung von Kinderrechten – mangelnder Zugang zu Bildung, Kinderehe und -arbeit – ist nach wie vor an der Tagesordnung; begünstigt durch schwache staatliche Strukturen. Jahrtausende alte Kulturen, Traditionen und Religionen bestimmen die Lebenswirklichkeit der Menschen. Zentrales Ziel des GEW-Projektes ist, die Rechte der Frauen und Kinder zu stärken und deren Sozialstatus in der Gemeinschaft zu verbessern. Besonders die Frauen sind wichtig, wenn es darum geht, das Recht auf Bildung umzusetzen. Nach drei Jahren und vier Monaten intensiver Arbeit mit Eltern, Großeltern, Kindern und örtlichen Autoritäten soll in den Projektdörfern die Haltung der Familien zur Kinderarbeit verändert werden. Zugleich sollen nachhaltige wirtschaftliche Impulse die Lebensverhältnisse der Menschen erkennbar verbessern.

Foto: zplusz

Steffen Welzel, Vorstandsmitglied „Fair Childhood“

Wäsche waschen im Fluss – die hygienischen Verhältnisse im Gangesdelta sind oft problematisch.

*Die Projektpartner der Stiftung „Fair childhood“ sind in Deutschland die Karl Kübel Stiftung (www.kkstiftung.de) und in Indien die Hilfsorganisation NISHTHA (www.nishtha sisterhood.org/). Zudem wird das Projekt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) gefördert. Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

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38 INTERNATIoNALES

„Als Lehrer zu arbeiten bedeutet: kämpfen“

Foto: Cordula Kropke

// Lehrerinnen und Lehrer werden in vielen Staaten bedroht und verfolgt. Besonders dramatisch ist die Situation in Kolumbien. E&W sprach mit Tarsicio Mora Godoy (61), Mathematik- und Physiklehrer sowie Vorstandsmitglied für Internationales des kolumbianischen Gewerkschaftsbundes cUT. // E&W: Sie sind nach Europa gekommen, um vor den Folgen des geplanten Freihandelsabkommens zwischen Kolumbien und der Europäischen Union zu warnen. Was befürchten Sie? Tarsicio Mora Godoy: Das Freihandelsabkommen ist ein Geschäft unter Reichen. Die Welt soll in Wirtschaftsräume und Einflussbereiche aufgeteilt werden. Wir Arbeitnehmer sind nicht gegen den Handel als solchen. Schließlich müssen die Güter, die die einzelnen Länder produzieren, getauscht werden. Aber zu gerechten Bedingungen! Beim Freihandel dagegen frisst der Mächtige den Armen. Kleine Unternehmen, Händler und Kleinbauern werden den Kürzeren ziehen. Sie können nicht mit Produkten aus den reichen Ländern wie den USA, Japan oder Deutschland konkurrieren, weil deren Bauern von ihren Regierungen systematisch unterstützt werden. Das geschieht in Kolumbien nicht. E&W: Das geplante Freihandelsabkommen garantiert wirtschaftliche Freiheiten und Eigentumsrechte, sieht aber keine Sanktionsmöglichkeiten bei einer Verletzung der Menschenund Gewerkschaftsrechte vor. Wie ist die Situation der Gewerkschaften derzeit? Godoy: Seit Jahresbeginn wurden elf Gewerkschafter ermordet. Das sind weniger als in den vergangenen Jahren, aber jeder einzelne ist einer zu viel. Die Strategie hat sich geändert: Wir werden weiterhin physisch bedroht, aber zugleich werden unsere Organisationsstrukturen angegriffen. Jetzt stehen nicht mehr die Gewerkschaftsführer auf nationaler oder mittlerer Ebene, sondern die Kollegen an der Tarsicio Mora Godoy

Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

Zur Lage

In Kolumbien sind im vergangenen Jahr 17 Pädagogen ermordet worden. Mit Blick auf den Weltlehrertag am 5. Oktober hat die GEW die Bundesregierung aufgefordert, ihren Einfluss auf die kolumbianische Regierung zu nutzen, damit diese Schulen und Lehrkräfte besser vor Gewalt schützt. Basis im Visier. Indem dort Angst und Schrecken verbreitet wird, sollen die Gewerkschaftsführer isoliert werden. Gewerkschaften und ihre Arbeit werden noch immer nicht gesetzlich geschützt, Verstöße nicht verfolgt. Viele internationale Konzerne lassen gewerkschaftliche Tätigkeiten in ihren Unternehmen nicht zu. Politik und Wirtschaft sehen sie als Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung. E&W: Sie haben viele Jahre als Lehrer gearbeitet und gehörten damit zu der am stärksten verfolgten Menschengruppe in Kolumbien. Was ist der Grund für die Bedrohung? Godoy: In Konfliktgebieten stehen Lehrkräfte automatisch zwischen den Fronten, zwischen Paramilitärs, der Guerilla und der Armee. Gelten sie als Vermittler oder Informant, werden sie getötet. Deshalb fordern wir als Gewerkschaft, Schulen zu Friedenszonen zu erklären, die weder von Guerilla, Paramilitärs noch dem Militär betreten werden dürfen. Als Lehrkraft zu arbeiten bedeutet: kämpfen. Schließlich ist Schule der Bereich, in dem die sozialen Konflikte am deutlichsten zutage treten. Die Armut der Kinder, die miserable Ausstattung der Schulen mit Material und Pädagogen. In der Vergangenheit sind wir immer wieder auf die Straße gegangen, obwohl es für jeden einzelnen gefährlich war. Denn wenn man in Kolumbien um Brot bittet, wird man schon als Guerillero bezeichnet. Es gab diesen Slogan: Auch der Lehrer, der auf der Straße kämpft, bildet seine Schüler. Aber wir kämpfen auch für bessere Arbeitsbedingungen. So bereiten wir gerade einen Streik für eine bessere Qualität der Bildung vor. Wir fordern Schulpflicht, einheitliche Lehrpläne und einheitliche Bezahlung. E&W: Wie gehen Sie mit dieser ständigen Bedrohung um? Godoy: Ich habe fünf Attentate überlebt, wurde als Vorsitzender der Lehrergewerkschaft FECODE festgenommen und später von der Guerilla entführt. Dieses Engagement ist eine große Gefahr für das Leben unserer Kinder und Familien. Deshalb muss man sich entscheiden: Man gibt sie auf und hat ein Familienleben oder man muss sich von der Familie trennen und kämpft für die dringend notwendigen Veränderungen. Ich habe diesen Weg gewählt. Interview: Michaela Ludwig, freie Journalistin


REcHT UND REcHTSScHUTZ

Informationen der GEW-Bundesstelle für Rechtsschutz. Verantwortlich: Katrin Löber, Volker Busch, Gerhard Jens 64. Jahrgang

Foto: zplusz

RECHT UND RECHTSSCHUTZ 11/2012

Unterrichtseinsatz nicht auf Gymnasium begrenzt Das Land Mecklenburg-Vorpommern darf einen am Gymnasium beschäftigten Lehrer an einer Regionalen Schule einsetzen. Der Mann scheiterte vor dem BAG mit der Auffassung, außer in Notfällen dürfe das Land ihn nicht an Regionale Schulen abordnen. Die Tätigkeit sei nicht gleichwertig zu der am Gymnasium, argumentierte er. An Regionalen Schulen werden Schüler in den Jahrgangsstufen fünf bis zehn unterrichtet. Ab der siebten Klasse wechseln sie auf ein Gymnasium oder bleiben an der Schule bis zur Berufs- oder Mittleren Reife. Der Kläger sollte ohne seine Einwilligung vom Gymnasium an eine Regionale Schule abgeordnet werden. Der Mathematiklehrer besitzt das erste und zweite Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien und ist seit 1994 angestellt. Sein Arbeitsvertrag spricht nach Auffassung des BAG nicht gegen die Abordnung. Der Mann wurde „für den Aufgabenbereich eines Lehrers eingestellt“. Daraus ergebe sich, dass ihm nur Tätigkeiten eines Lehrers zugewiesen werden können. „Eine weitergehende Beschränkung auf

eine Lehrtätigkeit (nur) an einem Gymnasium ist dem Wortlaut nicht zu entnehmen“, erklärten die Richter. Nach dem Schulgesetz des Landes könne der Lehrer auch in anderen Fächern und Schularten unterrichten, wenn dies aufgrund seiner Vorbildung und bisherigen Tätigkeit zumutbar und für den geordneten Betrieb der Schule erforderlich sei. Für die Aufgaben müsse er allerdings gleichwertig bezahlt werden. Aus der Eingruppierung des Klägers folge keine Beschränkung auf die Tätigkeit am Gymnasium. Auch Regionale Schulen beschäftigten Lehrkräfte in seiner Vergütungsgruppe.

Foto: zplusz

// Ein Gymnasiallehrer muss nicht ausschließlich an einem Gymnasium eingesetzt werden. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat eine Beschwerde gegen die Abordnung an eine Regionale Schule zurückgewiesen. //

Bundesarbeitsgericht vom 17. August 2011 – 10 AZR 322/10 Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

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40 GEW-INTERN Bildungs- und FĂśrderungswerk

Ihr Servicetelefon

der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im DGB e. V.

069/78 97 32 05

Beitrittserklärung bitte zurßcksenden an: Jetztundnoch vorsorgen und sichern! Bildungs FÜrderungswerk der GEW e.V.,aktuellen Postfach 90 04Tarif 09, 60444 Frankfurt Bitte ankreuzen:

Beitrittserklärung zur Gruppen-Sterbegeldversicherung Liebe Kolleginnen und Kollegen, (bis Alter 80) - Tarif VG9/2012

Mitglied FamilienangehĂśrige/r

in den letzten Jahren haben wir Sie regelmäĂ&#x;ig auf ein Thema hingewiesen, das fĂźr viele noch ein Tabu ist: die Vorsorge fĂźr den

PLZ / Wohnort / Vorname Zu versichernde Person Sterbefall. ZahlreicheName Mitglieder und deren FamilienangehĂśrige haben dieses Angebot seit Vertragseinrichtung bisher schon genutzt.

Aber die ungĂźnstigen Bedingungen der gesetzlichen Kassen sind geblieben, ein Sterbegeld gibt es nicht mehr. Dies gilt ĂźbriGeburtsdatum StraĂ&#x;e / Hausnummer Sie an: gens auch fĂźr die Beihilfe. oft reichen so auch Ersparnisse nicht aus, um eine Bestattung Bitte zu kreuzen finanzieren. weiblich

männlich

Dazu gibt es zum Jahreswechsel eine wichtige Änderung: Durch den gesetzlich vorgegebenen neuen Unisex-Tarif (keine Telefonnummer fßr Rßckfragen Versicherungsbeginn geschlechtsspezifische Risikounterscheidung mehr zwischen Mann und Frau) wird zum 01.01.2013 auch ein neuer Sterbegeldtarif eingefßhrt. Sichern Sie sich deshalb jetzt noch die aktuellen Konditionen. Nach dem Angebot kÜnnen SieeinealsVersicherungssumme Mitglied ebenso wieankreuzen) Ihre FamilienangehÜrigen eine bis zu 12.500 Versicherungssumme in ₏Sterbegeldversicherung Monatlicher Beitrag in ₏ Versicherungsumfang Ich beantrage von: (bitte 3.000 Euro Versicherungssumme beantragen. Die Bedingungen und Einzelheiten der Versicherung kÜnnen Sie aus der beigefßgten Bei5.000 trittserklärung ersehen. Versicherungsträger ist die DBV Deutsche Beamtenversicherung Lebensversicherung AG in Wiesbaden. 7.000

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Hier noch einmal die wesentlichen Vorteile unseres Angebotes 12.500 auf einen Blick:

zzgl. BFWÂ?Mitgliedsbeitrag 0,05 • Niedrige BeiträgeIch durch • Doppelzahlung bei Unfalltod wähle Gruppenvertrag folgende Summe unter 12.500 Euro: Euro ..................... Mindestsumme 500, Euro • Garantierte Aufnahme bis 80 Jahre • Leistungsverbesserung durch Ăœberschussbeteiligung Lastschriftbetrag ................ Ăœber die ErhĂśhung des Versicherungsschutzes wird ein gesonderter Versicherungsschein erstellt.bis EUR 12.500,– • Keine GesundheitsprĂźfung • Versicherungssummen

Einzugsauftrag (bitte in jedem Fall ausfĂźllen)

Senden Sie uns

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die Beiträge fßr diese GruppenSterbegeldVersicherung bis auf schriftlichen Widerruf und der monatliche BFWMitgliedsbeitrag von ₏ 0,05 im Lastschriftverfahren monatlich eingezogen werden. den KontoNummer folgenden Antrag am besten noch heute zurßck.Bankleitzahl

Beitragstabelle Y Eintrittsalter

Männer EUR

15 0,66 Produktbeschreibung 16 0,68 17 0,69 18 0,70 19 0,72 20 0,73 0,75 Unfalltod- 21 22 Zusatzversicherung 0,76 23 0,78 Beitragszahlung 24 0,80 25 0,81 Ăœberschussbeteiligung 26 0,83 27 0,85 28 0,87 29 0,89 Zuwendungserklärung 30 0,92 31 0,94

Bank / Sparkasse / Postbank

Y

Monatsbeiträge fßr je Versicherungssumme EUR 500,– Y

Frauen EUR

Eintrittsalter

Männer EUR

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0,58

32

0,97

0,83

KontoInhaber

Eintrittsalter

Y

Männer EUR

Tarif VG9/2012 Frauen EUR

Eintrittsalter

Männer EUR

49 1,66 1,35 66 3,54 lich um 1/12 der Versicherungssumme steigend bis zur vollen Ver 50sicherungssumme 1,72ab Beginn1,40 67 3,75 des 2. Versicherungsjahres. Stirbt die 51versicherte Person 1,79vor Ablauf1,45 68 3,97 des ersten Versicherungsjahres infolge Versicherungsjahr stets 52eines im ersten 1,86 1,50 eingetretenen 69 Unfalls, wird 4,22 erbracht. 53die volle Versicherungsleistung 1,93 1,56 70 4,49 54 2,01 1,62 71 4,79 0,65 38 0,97 auĂ&#x;er bei 55Lebensjahr vollendet 2,10 hat, wird1,69 72 5,12 Eine UnfalltodZusatzversicherung ist 1,14 stets eingeschlossen, die volle Versicherungssumme zusätzlich 0,66 1,18 2,19 gezahlt. 1,75 73 5,50 den Eintrittsaltern ab 7539 Jahren. Bei Tod infolge eines 0,99 Unfalls vor dem 56 zur Sterbegeldleistung Ende des Versicherungsjahres, die versicherte1,02 Person ihr 75. 57 0,68 40 in dem1,22 2,29 1,83 74 5,92 das rechnungsmäĂ&#x;ige Die Beiträge 0,69 sind bis zum 41Ende des Monats 1,26 zu entrichten, 1,05in dem die 58sicherungsjahres, 2,39in dem die versicherte 1,91 Person75 6,38 versicherte Person stirbt; längstens jedoch bis zum Ende des Ver 85. Lebensjahr vollendet. 0,71 42 1,30 1,08 59 2,50 1,99 76 6,95 Die von der DBV Deutsche Lebensversicherung werden verzinslich 0,72 43 Beamtenversicherung 1,34 1,12 60Die ZinsĂźberschussanteile 2,61 2,09 77 angesammelt 7,62 AG laufend erwirtschafteten ĂœberschĂźsse werden in Form von Grund und und zusammen mit der Versicherungsleistung ausgezahlt. 0,74 44 1,39 1,15 61 2,74 2,19 78 8,45 ZinsĂźberschussanteilen weitergegeben. Die GrundĂźberschussanteile 45zahlenden Versicherungsbeiträgen 1,43 1,19verrechnet. 62 2,88 2,29 79 9,51 werden0,75 mit den von mir zu 0,77 meiner46 1,49auf die SterbegeldverÂ? 1,22 63schaftlich nicht 3,02mir, sondern 2,41dem BFW der 80 GEW zu 10,91 Die während Mitgliedschaft 64 % fĂźr sicherung werden mit 64 satzungsgemäĂ&#x;e und zu 36 % zur FĂśrderung der 0,79anfallenden 47GrundĂźberschussanteile 1,54 1,26 3,18 Aufgaben 2,54 den von mir zu zahlenden Versicherungsbeiträgen verrechnet. Sterbegeldeinrichtung (Kostendeckungsmittel) zugute. Ăœber 0,81 48 1,60 1,31 65 3,35 2,68 Die Versicherungsleistung wird beim Tod der versicherten Person fällig. 0,59 33 0,99 0,85 Das HĂśchsteintrittsalter beträgt 80 Jahre. Der Versicherer verzichtet auf 0,60 34stattdessen1,02 0,87 eine GesundheitsprĂźfung; gilt beim Tod der versicherten Person0,61 im 1. Versicherungsjahr Staffelung der0,89 Versicherungs 35 folgende 1,05 summe: Bei Tod im 1. Monat: 0,63 36 RĂźckzahlung 1,08des eingezahlten 0,92Beitrages; bei Tod im 2. Monat: Zahlung von 1/12 der Versicherungssumme; bei Tod 0,64Zahlung von37 1,11 0,94 im 3. Monat 2/12 der Versicherungssumme usw.; allmonat

Bis auf meinen jederzeit mĂśglichen Widerruf wende ich dem

Frauen EUR

2,83 3,00 3,18 3,39 3,63 3,89 4,18 4,52 4,91 5,33 5,88 6,53 7,35 8,40 9,81

die HĂśhe der Zuwendungen gibt das BFW der GEW auf Anfrage

BFWder derVersicherung GEW laufend Beträge HĂśhe der jeweils verrechneten jederzeit • Eintrittsalter: Beginnjahr minus in Geburtsjahr der zu versichernden PersonAuskunft. Bei Widerruf der Zuwendungserklärung zu. Dadurch kommen diese Beträge wirtÂ? beträgt der monatliche BFWÂ?Mitgliedsbeitrag 2,50 â‚Ź. • Bei Eintrittsalter 15 –74Ăœberschussanteile ist die Unfallzusatzversicherung obligatorisch eingeschlossen. • Endalter der Beitragszahlung: Bevor Sie 85 dieseJahre Beitrittserklärung unterschreiben, lesen Sie bitte auf der schutzgesetz (BDSG) und Hinweise zum Widerspruchsrecht; sie ist Unterschriften • Wählen Sie eine Versicherungssumme zwischen EUR und EUR 12.500,–. BeitragBestandteil lt. Tabelle entsprechend RĂźckseite die Einwilligungserklärung der 500,– zu versichernden Person. Die Ein Der wichtiger desist Vertrages. Sie machenzumitvervielfältigen. Ihrer Unterschrift • Die Monatsbeiträge sind versicherungstechnisch Nachkommastellen Aus VereinfachungsgrĂźnden sind aber nur zwei Nachkommawilligungserklärung enthält u.a.mit die sieben Klausel nach dem Bundesdatengerechnet. die Einwilligungserklärung zum Inhalt dieser Beitrittserklärung. stellen in der Beitragstabelle ausgewiesen. Deshalb kann es zu Rundungsdifferenzen kommen, die sich allerdings nur im Cent-Bereich bewegen.

Version G 01. 2012

Ort / Datum

Unterschrift der zu versichernden Person

Unterschrift der Kontoinhaberin/des Kontoinhabers

Nutzen Sie noch diese Gelegenheit! Senden auch Sie im Bedarfsfall das sorgfältig ausgefßllte und unterschriebene Y Beitrittsformular bis 20.12.2012 (Datum Y an die genannte Adresse! Y des Poststempels) bitte direkt zurßck

Interne Angaben

Gruppenvertragsnummer Mit freundlichen

GrĂźĂ&#x;en

4 7 9Ihr0BFW 0 der 5 8GEW 6 6 1

Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

Personenkreis

Versicherungsscheinnummer

4 7

Versicherungssumme

Versicherungsbeginn

0 1

2 0 1 2


GEW-INTERN

bis Nur gĂźltig 2 20.12.201

Ihr Servicetelefon

069/78 97 32 05 Beitrittserklärung bitte zurßcksenden an: Bildungs und FÜrderungswerk der GEW e.V., Postfach 90 04 09, 60444 Frankfurt Bitte ankreuzen:

Beitrittserklärung zur Gruppen-Sterbegeldversicherung (bis Alter 80) - Tarif VG9/2012 Zu versichernde Person

Versicherungsumfang

Mitglied FamilienangehĂśrige/r

Name / Vorname

PLZ / Wohnort

StraĂ&#x;e / Hausnummer

Geburtsdatum

Versicherungsbeginn

Telefonnummer fĂźr RĂźckfragen

Ich beantrage eine Versicherungssumme von: (bitte ankreuzen)

Bitte kreuzen weiblich

Versicherungssumme in â‚Ź

Sie an: männlich

Monatlicher Beitrag in â‚Ź

3.000 5.000 7.000 10.000

Ich wähle folgende Summe unter 12.500 Euro: Euro ..................... Mindestsumme 500, Euro

12.500 zzgl. BFWÂ?Mitgliedsbeitrag Lastschriftbetrag

0,05 ................

Ăœber die ErhĂśhung des Versicherungsschutzes wird ein gesonderter Versicherungsschein erstellt.

Einzugsauftrag (bitte in jedem Fall ausfĂźllen)

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die Beiträge fßr diese GruppenSterbegeldVersicherung bis auf schriftlichen Widerruf und der monatliche BFWMitgliedsbeitrag von ₏ 0,05 im Lastschriftverfahren monatlich eingezogen werden. KontoNummer Bankleitzahl

Y

Y

Bank / Sparkasse / Postbank

KontoInhaber

Y

Y

Produktbeschreibung

Die Versicherungsleistung wird beim Tod der versicherten Person fällig. Das HÜchsteintrittsalter beträgt 80 Jahre. Der Versicherer verzichtet auf eine Gesundheitsprßfung; stattdessen gilt beim Tod der versicherten Person im 1. Versicherungsjahr folgende Staffelung der Versicherungs summe: Bei Tod im 1. Monat: Rßckzahlung des eingezahlten Beitrages; bei Tod im 2. Monat: Zahlung von 1/12 der Versicherungssumme; bei Tod im 3. Monat Zahlung von 2/12 der Versicherungssumme usw.; allmonat

lich um 1/12 der Versicherungssumme steigend bis zur vollen Ver sicherungssumme ab Beginn des 2. Versicherungsjahres. Stirbt die versicherte Person vor Ablauf des ersten Versicherungsjahres infolge eines im ersten Versicherungsjahr eingetretenen Unfalls, wird stets die volle Versicherungsleistung erbracht.

UnfalltodZusatzversicherung

Eine UnfalltodZusatzversicherung ist stets eingeschlossen, auĂ&#x;er bei den Eintrittsaltern ab 75 Jahren. Bei Tod infolge eines Unfalls vor dem Ende des Versicherungsjahres, in dem die versicherte Person ihr 75.

Lebensjahr vollendet hat, wird die volle Versicherungssumme zusätzlich zur Sterbegeldleistung gezahlt.

Beitragszahlung

Die Beiträge sind bis zum Ende des Monats zu entrichten, in dem die versicherte Person stirbt; längstens jedoch bis zum Ende des Ver

sicherungsjahres, in dem die versicherte Person das rechnungsmäĂ&#x;ige 85. Lebensjahr vollendet.

Ăœberschussbeteiligung

Die von der DBV Deutsche Beamtenversicherung Lebensversicherung AG laufend erwirtschafteten ĂœberschĂźsse werden in Form von Grund und ZinsĂźberschussanteilen weitergegeben. Die GrundĂźberschussanteile werden mit den von mir zu zahlenden Versicherungsbeiträgen verrechnet.

Die ZinsĂźberschussanteile werden verzinslich angesammelt und zusammen mit der Versicherungsleistung ausgezahlt.

Zuwendungserklärung

Die während meiner Mitgliedschaft auf die SterbegeldverÂ? sicherung anfallenden GrundĂźberschussanteile werden mit den von mir zu zahlenden Versicherungsbeiträgen verrechnet. Bis auf meinen jederzeit mĂśglichen Widerruf wende ich dem BFW der GEW laufend Beträge in HĂśhe der jeweils verrechneten Ăœberschussanteile zu. Dadurch kommen diese Beträge wirtÂ?

schaftlich nicht mir, sondern dem BFW der GEW zu 64 % fĂźr satzungsgemäĂ&#x;e Aufgaben und zu 36 % zur FĂśrderung der Sterbegeldeinrichtung (Kostendeckungsmittel) zugute. Ăœber die HĂśhe der Zuwendungen gibt das BFW der GEW auf Anfrage jederzeit Auskunft. Bei Widerruf der Zuwendungserklärung beträgt der monatliche BFWÂ?Mitgliedsbeitrag 2,50 â‚Ź.

Unterschriften

Bevor Sie diese Beitrittserklärung unterschreiben, lesen Sie bitte auf der Rßckseite die Einwilligungserklärung der zu versichernden Person. Die Ein willigungserklärung enthält u.a. die Klausel nach dem Bundesdaten

schutzgesetz (BDSG) und Hinweise zum Widerspruchsrecht; sie ist wichtiger Bestandteil des Vertrages. Sie machen mit Ihrer Unterschrift die Einwilligungserklärung zum Inhalt dieser Beitrittserklärung.

Version G 01. 2012

Ort / Datum

Unterschrift der zu versichernden Person

Y Interne Angaben

Gruppenvertragsnummer

4 7 9 0 0 5 8 6 6 1

Y

Y Personenkreis

Unterschrift der Kontoinhaberin/des Kontoinhabers

Versicherungsscheinnummer

4 7

Versicherungssumme

Versicherungsbeginn

0 1

2 0 1 2

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42 GEW-INTERN Einwilligungserklärung Die Vereinigung und die zu versichernde Person geben die nachfolgend abgedruckten Einwilligungserklärungen zur Datenver arbeitung nach dem Bundesdatenschutzgesetz und zur Schweigepflichtentbindung ab. Widerrufsbelehrung auf Widerrufsrecht Sie können Ihre Erklärung bis zum Ablauf von 30 Tagen nach Erhalt des Versicherungsscheins und der Bestimmungen und Informationen zum Vertrag (BIV) ohne Angabe von Gründen schriftlich widerrufen. Eine Erklärung in Textform (z.B. per Brief, Fax oder EMail) ist

Abschluss eines Versicherungsvertrages ausreichend. Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Der Widerruf ist zu richten an: DBV Deutsche Beamtenversicherung Lebens versicherung AG, Frankfurter Str. 50, 65189 Wiesbaden. Sofern der vorseitig genannte Versicherungsbeginn vor

dem Ablauf der Widerrufsfrist liegt, bin ich damit einver standen, dass der erste oder einmalige Beitrag (Ein lösungsbeitrag)  abweichend von der gesetzlichen Regelung  vor Ablauf der Frist fällig d.h. unverzüglich zu zahlen ist.

I. Bedeutung dieser Erklärung und Widerrufs möglichkeit Ihre personenbezogenen Daten benötigen wir zur Verhin derung von Versicherungsmissbrauch, zur Überprüfung unserer Leistungspflicht, zu Ihrer Beratung und Information sowie all gemein zur Antrags, Vertrags und Leistungsabwicklung. Personenbezogene Daten dürfen nach geltendem Daten schutzrecht nur erhoben, verarbeitet oder genutzt werden (Datenverwendung), wenn dies ein Gesetz ausdrücklich erlaubt oder anordnet oder wenn eine wirksame Einwil ligung des Betroffenen vorliegt. Nach dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) ist die Ver wendung Ihrer allgemeinen personenbezogenen Daten (z.B. Alter oder Adresse) erlaubt, wenn es der Zweck bestimmung eines Vertragsverhältnisses oder vertragsähn lichen Vertrauensverhältnisses dient (§ 28 Abs. 1 Nr. 1 BDSG). Das gleiche gilt, soweit es zur Wahrung berechtigter Interessen der verantwortlichen Stelle erforderlich ist und kein Grund zu der Annahme besteht, dass das schutzwürdige Interesse des Betroffenen an dem Ausschluss der Verarbeitung oder Nut zung überwiegt (§ 28 Abs. 1 Nr. 2 BDSG). Die Anwendung dieser Vorschriften erfordert in der Praxis oft eine umfangreiche und zeitintensive Einzelfallprüfung. Auf diese kann bei Vor liegen dieser Einwilligungserklärung verzichtet werden. Zudem ermöglicht diese Einwilligungserklärung eine Daten verwendung auch in den Fällen, die nicht von den Vor schriften des Bundesdatenschutzgesetzes erfasst werden (Vgl. dazu Ziffer II). Einen intensiveren Schutz genießen besondere Arten per sonenbezogener Daten (insbesondere Ihre Gesundheits daten). Diese dürfen wir im Regelfall nur verwenden, nachdem Sie hierin ausdrücklich eingewilligt haben (Vgl. dazu Ziffer III.). Mit den nachfolgenden Einwilligungen zu Ziffer II. und Ziffer III. ermöglichen Sie zudem eine Datenverwendung auch solcher Daten, die dem besonderen gesetzlichen Schutz von Privatgeheimnissen gemäß § 203 Strafgesetzbuch unterliegen. Diese Einwilligungen sind ab dem Zeitpunkt der Antrag stellung wirksam. Sie wirken unabhängig davon, ob später der Versicherungsvertrag zustande kommt. Es steht Ihnen frei, diese Einwilligungserklärungen mit Wirkung für die Zukunft jederzeit ganz oder teilweise zu widerrufen. Dies lässt aber die gesetzlichen Datenverarbeitungsbefugnisse unberührt. Sollten die Einwilligungen ganz oder teilweise verweigert werden, kann das dazu führen, dass ein Ver sicherungsvertrag nicht zustandekommt. II. Erklärung zur Verwendung Ihrer allgemeinen per sonenbezogenen Daten Hiermit willige ich ein, dass meine personenbezogenen Daten unter Beachtung der Grundsätze der Datensparsamkeit und der Datenvermeidung verwendet werden 1.a) zur Vertragsabwicklung und zur Prüfung der Leistungs pflicht; b) zur Weitergabe an den/die für mich zuständigen Vermittler, soweit dies der ordnungsgemäßen Durchführung meiner Versicherungsangelegenheiten dient;

2. zur gemeinschaftlichen Führung von Datensammlungen der zur AXA Gruppe gehörenden Unternehmen (zu denen auch die DBV Deutsche Beamtenversicherung zählt und die im Internet unter www.dbv.de einsehbar sind oder mir auf Wunsch mitgeteilt werden), um die Anliegen im Rahmen der Antrags, Vertrags und Leistungsabwicklung schnell, effektiv und kostengünstig bearbeiten zu können (z.B. richtige Zuordnung Ihrer Post oder Beitragszahlungen). Diese Datensammlungen enthalten Daten wie Name, Adresse, Geburtsdatum, Kundennummer, Versicherungs nummer, Kontonummer, Bankleitzahl, Art der bestehenden Verträge, sonstige Kontaktdaten; 3. durch andere Unternehmen/Personen (Dienstleister) inner halb und außerhalb der AXA Gruppe, denen der Versicherer oder ein Rückversicherer Aufgaben ganz oder teilweise zur Erledigung überträgt. Diese Dienstleister werden einge schaltet, um die Antrags, Vertrags und Leistungsabwick lung möglichst schnell, effektiv und kostengünstig zu gestalten. Eine Erweiterung der Zweckbestimmung der Datenverwendung ist damit nicht verbunden. Die Dienst leister sind im Rahmen ihrer Aufgabenerfüllung verpflichtet, ein angemessenes Datenschutzniveau sicher zu stellen, einen zweckgebundenen und rechtlich zulässigen Umgang mit den Daten zu gewährleisten sowie den Grundsatz der Verschwiegenheit zu beachten; 4. zur Verhinderung des Versicherungsmissbrauchs und bei der Klärung von Ansprüchen aus dem Versicherungsver hältnis durch Nutzung konzerneigener Datenbestände sowie Nutzung eines Hinweis und Informationssystems der Ver sicherungswirtschaft mit Daten, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) im Auf trag der Versicherer verschlüsselt. Auf Basis dieses Systems kann es zu einem auf den konkreten Anlass bezogenen Austausch personenbezogener Daten zwischen dem anfragenden und dem angefragten Versicherer kommen; 5. zur Beratung und Information über Versicherungs und sonstige Finanzdienstleistungen durch a) den Versicherer, andere Unternehmen der AXA Gruppe und den für mich zuständigen Vermittler; b) Kooperationspartner des Versicherers (die im Internet unter www.axa.de einsehbar sind oder mir auf Wunsch mitgeteilt werden); soweit aufgrund von Kooperationen mit Gewerkschaften/Vereinen Vorteilskonditionen gewährt werden, bin ich damit einverstanden, dass der Versicherer zwecks Prüfung, ob eine entsprechende Mitgliedschaft besteht, mit den Gewerkschaften/Vereinen einen Daten abgleich vornimmt; 6. zur Antrags, Vertrags und Leistungsabwicklung, indem der Versicherer Informationen über mein allgemeines Zahlungsverhalten einholt. Dies kann auch erfolgen durch ein anderes Unternehmen der AXA Gruppe oder eine Aus kunftei (z.B. Bürgel, Infoscore, Creditreform, SCHUFA); 7. zur Antrags, Vertrags und Leistungsabwicklung, indem

der Versicherer ein Unternehmen der AXA Gruppe oder eine Auskunftei eine auf der Grundlage mathematisch statistischer Verfahren erzeugte Einschätzung meiner Zahlungsfähigkeit bzw. der Kundenbeziehung (Scoring) ein holt. III. Erklärungen zur Schweigepflichtentbindung und Verwendung von Gesundheitsdaten Schweigepflichtentbindung Zur Bewertung unserer Leistungspflicht kann es erforderlich werden, dass wir die Angaben prüfen, die zur Begründung von Ansprüchen gemacht werden oder die sich aus einge reichten Unterlagen (z.B. Rechnungen, Verordnungen, Gut achten) oder Mitteilungen beispielsweise eines Kranken hauses oder Arztes ergeben. Diese Überprüfung unter Ein beziehung von Gesundheitsdaten erfolgt nur, soweit hierzu ein Anlass besteht (z.B. Fragen zu Unfalltod oder Selbst tötung). Um diese Prüfung und Bewertung zu ermöglichen, geben Sie folgende Erklärung ab: a) Zum Zweck der Prüfung der Leistungspflicht befreie ich von ihrer Schweigepflicht Ärzte, Pflegepersonen und Bediens tete von Krankenhäusern, sonstigen Krankenanstallten, Pflegeheimen, Personenversicherern, gesetzlichen Krankenkassen sowie von Berufsgenossenschaften und Behörden, soweit ich dort in den letzten 10 Jahren vor Antragstellung untersucht, beraten oder behandelt worden bin bzw. versichert war oder einen Antrag auf Versicherung gestellt habe. b) Die Angehörigen des Versicherers und seiner Dienstleis tungsgesellschaften befreie ich von ihrer Schweigepflicht insoweit, als Gesundheitsdaten an beratende Ärzte oder Gutachter weitergegeben werden. Wir werden Gesund heitsdaten nach den Absätzen a) und b) nur erheben zur Leis tungspflichtprüfung. Datenverwendung Um die Datenverwendung zu ermöglichen, geben Sie folgende Erklärungen ab: a) Ich willige in die Verwendung der von den vorstehenden Schweigepflichtentbindungserklärungen erfassten Gesund heitsdaten zur Leistungsprüfung ein. Die Grundsätze der Datensparsamkeit und Datenvermeidung sind zu beachten. b) Ich willige ferner ein, dass die von den vorstehenden Schweigepflichtentbindungserklärungen erfassten Gesund heitsdaten unter Beachtung der Grundsätze der Daten sparsamkeit und Datenvermeidung im Sinne der Ziffer II. Nr. 1 (Vertragsabwicklung), Nr. 3 (Outsourcing an Dienstleister), Nr. 4 (Missbrauchsbekämpfung) und Nr. 5 (Beratung und Information) verwendet werden dürfen. Zur Missbrauchsbekämpfung im Rahmen einer besonderen Konzerndatenbank dürfen Gesundheitsdaten nur von Kranken, Unfall und Lebensversicherern eingesehen und verwendet werden (Ziffer II. 4).

Allgemeine Hinweise Mir ist bekannt, dass die Vereinigung Versicherungsnehmerin ist. Sie handelt in meinem Auftrag. Ich bevollmächtige die Ver einigung zur Vertretung bei der Abgabe und Entgegennahme aller das Versicherungsverhältnis betreffenden Willens erklärungen (einschließlich der Kündigung der Sterbegeld versicherung beim Ausscheiden des Mitglieds aus der Ver einigung); die Vertretungsbefugnis erstreckt sich jedoch nicht auf die Empfangnahme von Versicherungsleistungen und die Änderung des Bezugsrechts.

Bei höherem Eintrittsalter können die zu zahlenden Beiträge in ihrem Gesamtbetrag die versicherte Leistung unter Umständen übersteigen. Eine Durchschrift der Beitrittserklärung wird mir unverzüg lich nach Unterzeichnung zugesandt. Auf diesen Vertrag findet das Recht der Bundesrepublik Deutschland Anwendung. Soweit Vorteilskonditionen gewährt werden, die vom Bestehen der Mitgliedschaft zu einer Gewerk

schaft/Vereinigung abhängig sind, erfolgt ein Datenabgleich mit dieser Organisation ohne Bekanntgabe der Ver sicherungsinhalte.

Versicherungsträger DBV Deutsche Beamtenversicherung Lebensversicherung AG Sitz: Wiesbaden (AG Wiesbaden  21 HRB 7501) Vorsitzender des Aufsichtsrats: Bernhard Gertz

Erziehung und Wissenschaft | 11/2012

Vorstand:Dr. Dr.Patrick Thomas Buberl, Wolfgang Vorsitzender; Vorstand: Dahmen, Hanssmann, RainerC.Brune, Wolfgang Jens Ulrich Nießen, ThomasHanssmann, Gerber, Dr. HeinzJürgen Schwering Hasselbächer, Dr. Heinz-Jürgen Schwering

Die für Ihre Versicherung zuständige Aufsichtsbehörde ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Postfach 1308, 53003 Bonn, Internet: www.bafin.de. Unser Unternehmen ist Mitglied im Verein Versicherungs ombudsmann e.V., Postfach 080632, 10006 Berlin.

Anschrift: Anschrift: FrankfurterStraße Straße50 50 Frankfurter 65189 Wiesbaden Wiesbaden 65189


GEW-INTERN

Von der „Kirchspielconferenz“ zur GEW

Foto: imago

// Vor 175 Jahren schlossen sich Lehrer in Bordesholm und Umgebung zur „Kirchspielconferenz“ zusammen. //

Rohrstock und Katechismus waren vor über 200 Jahren vermutlich die wichtigsten Helfer des Lehrers, der Dutzende Kinder in seiner Schulstube zu bändigen hatte. Der Lohn war so niedrig, dass viele Schulmeister – die selbst kaum eine Ausbildung genossen hatten – nach dem Unterricht als Küster und Organist arbeiten mussten. Im 19. Jahrhundert änderten sich die Verhältnisse allmählich, so auch in Bordesholm in Schleswig-Holstein, das damals zu Dänemark gehörte. Hier gründeten die Lehrer mehrerer Dorfschulen im Jahr 1837 die „Bordesholmer Kirchspielconferenz“. Sie ist die Vorgängerin des heutigen Ortsverbandes der GEW, der in diesem Herbst sein 175-jähriges Bestehen feiert. Nicht der Gründungszeitpunkt

sei ungewöhnlich, sagt Sigfrid Rebehn, heute Vorstandsmitglied des Ortsverbands: „Damals entstanden zahlreiche solcher Gruppen. Aber nur wenige überdauerten.“ Es waren stürmische Zeiten: Die Industrialisierung begann, Schleswig-Holstein kämpfte um die Unabhängigkeit von Dänemark, in die Pädagogik hielt neues Gedankengut Einzug, das junge Seminaristen – die allmählich die „eigengemachten“ Lehrer ersetzten – auch aufs Land trugen. „Conferenzen“ wie in Bordesholm dienten der „Fortbildung der Mitglieder und Anregung des Lebens für die Schule“. Neben den Lehrern war der Pastor festes Mitglied, religiöse Fragen standen im Mittelpunkt. Deutlich breiter wurde die Themenpalette ab 1885, als der Verein zur „Bordesholmer Lehrerkonferenz“ wurde. Er gehörte dem Allgemeinen Schleswig-Holsteinischen Lehrerverein an, der Teil des Preußischen Lehrervereins war. In den 1920er-Jahren verstand sich die Bordesholmer Gruppe als „Lehrerverein auf gewerkschaftlicher Grundlage“. Ein Jahrzehnt später schlossen sich die Mitglieder jedoch einstimmig dem NS-Lehrerbund an. Eine inhaltliche Arbeit fand ab August 1933 nicht mehr statt. Im August 1946 begann der Wiederaufbau des Ortsvereins. 1948 trat der Allgemeine Deutsche Lehrerinnen- und Lehrerverein – gegen die Stimmen der Bordesholmer Mitglieder – dem DGB bei und benannte sich in GEW um. Esther Geißlinger, freie Journalistin

// Armin Müller, GEW-Schatzmeister von 1964 bis 1986, ist Ende September 2012 im Alter von 86 Jahren in Berlin verstorben. // Ohne Übertreibung kann man sagen: Er war einer der Architekten der heutigen GEW. Armin Müller, 1926 in der Nähe von Gießen (Hessen) geboren, war Lehrer, Gewerkschafter und Politiker in einer Person. Der Kitt, der diese drei Professionen zusammenhielt, war sein Sinn für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Leidenschaftlich unterstützte der überzeugte Sozialdemokrat die Idee der Gesamtschule. In all seinen Funktionen hat er die Karriereleitern bis weit nach oben gemeistert: vom Hauptschullehrer im Taunus bis zum Schulamtsdirektor in Gießen; vom „Junglehrervertreter“ – so hieß das damals – über den hauptamtlichen Geschäftsführer der GEW Hessen bis zum ehrenamtlichen Schatzmeister der GEW auf Bundesebene und zum Treasurer der International Federation of Free Teachers Unions (IFFTU) auf internationaler Ebene; vom Gemeindevertreter über den SPD-Kreistagsabgeordneten bis zum Vorsitzenden des Kreistages im Hochtaunus. Seine Passion aber blieb die GEW. Als Armin Müller 1964 die Hauptkasse übernahm, fand er viel Chaos vor. Er führte die

EDV-gestützte Mitgliederverwaltung und den einheitlichen Mitgliedsbeitrag ein. Dabei musste er viel Widerstand überwinden. Hierbei stand ihm zuweilen sein heiliger Zorn dienstbar zur Seite. Vor allem aber hat Armin Müller durch eine Bund-Länder-Umlage einen ernst zu nehmenden Kampffonds aufgebaut und die GEW so politisch handlungsfähig gemacht. Damit gehörte er neben dem damaligen GEW-Vorsitzenden Erich Frister und dem ebenfalls langjährigen Geschäftsführer Erwin Walz zu dem Dreigestirn, das in den 1960er- und 1970er-Jahren aus der Nachfolgeorganisation der Lehrervereine eine Ton angebende Bildungsgewerkschaft formte. Armin Müller hat sich in der GEW unvergesslich gemacht.

Foto: privat

GEW trauert um Armin Müller

Steffen Welzel, ehem. Redaktionsleiter der E&W

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43


44 LESERFoRUM „Streiken als Scheinselbstständige“

(E&W 10/2012, Seite 26: „Kein Meilenstein“) Von August 2005 bis Dezember 2010 unterrichtete ich in Integrationskursen und klage seit Juli 2007 gegen die Scheinselbstständigkeit der Honorarlehrkräfte. Laut ver.di entspricht ein Honorar von 24 Euro brutto (ohne Krankheitsfall) einem Nettolohn von 9,47 Euro. Bei 28 Unterrichtsstunden pro Woche mit 45 Arbeitswochen im Jahr ergibt dies monatlich 1150,79 Euro brutto. Selbst bei einem Honorar von 30 Euro pro Unterrichtseinheit, 11,84 Euro Netto-Stundenlohn, sind monatlich klägliche 1438,80 Euro brutto weit entfernt von einer Gehetzt und gestresst „Gleichstellung zu Lehrkräften an staatlichen Schulen“. Streiken als Scheinselbstständige? Kein Geld. Erziehung & Wissenschaft 10/2012 Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW

 Pädagogen, Eltern, Kinder unter Druck

Roswitha Haala, per E-Mail

„Kein individuelles Problem“

(E&W 10/2012, Seite 6 ff.: „Ich leiste, also bin ich“) Burn-out ist gerade im pädagogischen Bereich keine Ausnahme. Immer mehr Lehrkräfte erreichen nicht mehr das „normale Rentenalter“, weil „ausgebrannt“. Schon kleine Kinder werden „gedopt“, um mithalten zu können in der „Ellbogengesellschaft“ sowie in der Schule. Das ist aber kein individuelles Problem einzelner Pädagogen, Kinder bzw. Eltern, sondern systembedingt. Darauf möchte auch unsere Initiative „Burn-out und Mobbing-Opfer sind keine Versager“ hinweisen. Unterstützer sind willkommen. Infos unter: www.initiativegedenkbuch. de/burnout-mobbing.html Wolfgang Laub, Kiel/Berlin, per E-Mail

ohne Muße Stagnation

(E&W 10/2012, Seite 2: „Bildung ist Muße“ Sehr einverstanden. Frage: Sollte man noch den Aspekt aufnehmen, dass Menschen, die man zum „Funktionieren“ erzieht, nur wenig oder gar nichts zur Weiterentwicklung einer GesellErziehung und Wissenschaft | 11/2012

schaft beitragen können? Das heißt, eine Gesellschaft, die keine oder zu wenig Muße zulässt, verurteilt sich selbst zur Stagnation. Kurt Meiers, Kommentar auf GEW-Website

„Freie Geister erwünscht?“

Detlef Träbert spricht mir aus der Seele. Bildung braucht Zeit und Muße. Wir müssen Heranwachsenden Freiräume und Zeit geben – statt sie zum gängigen „Teaching-to-the-test“ zu erziehen. Aber wird von den Entscheidungsträgern und Nutznießenden (und damit sind nicht die Lehrenden in den Schulen gemeint) denn überhaupt gewollt, dass sich gebildete, kritische und freie Geister in den Schulen entwickeln?

Wie setzen andere Inklusion um?

(E&W 9/2012, Seite 40: „Hamburg: Inklusion birgt politischen Sprengstoff“) Ich habe mich sehr über den Artikel zur Inklusion Sag mir, wo du wohnst, und ich sag dir, in Hamburg gewas du wirst. freut. Als Berliner Lehrerin finde ich es sehr interessant, wie andere Länder Inklusion umsetzen. Jeder macht es anders, aber überall müssen wir fordern: „Inklusion ja – Sparmodell nein.“ Ich würde mir dazu weitere Beiträge in E&W wünschen. Erziehung & Wissenschaft 09/2012 Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW

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Alexandra Bauer, Kommentar auf GEWWebsite

S. Borgmann (per E-Mail)

„Freimachen vom oEcD-Druck“

(E&W10/2012, Seite 26: „Kein Meilenstein“) Im Artikel „Kein Meilenstein“ über die neue Verordnung für Integrationskurse ist eine falsche Angabe gemacht worden. Richtig heißt es: „Solange die Lehrkräfte gegen Honorar arbeiten, fordert die GEW eine sofortige Vergütung von mindestens 30 Euro pro Unterrichtsstunde. Langfristig ist eine Gleichstellung der Honorare und Gehälter an die Finanzierung der Lehrkräfte im öffentlichen Dienst anzupassen. Es müssen feste Stellen für die Lehrkräfte in Integrationskursen eingerichtet werden. Eine offensichtliche ‚Scheinselbstständigkeit‘ gehört abgeschafft.“ Link: www.gew.de/Schwarzbuch_ Arbeit_in_ Integrationskursen.html

(E&W 10/2012, Seite 24: „Mehr Ab- als Aufstiege“) Die OECD bemängelt, dass zu wenige Kinder einen höheren „Bildungsgrad“ erreichen als ihre Eltern. Die damit verbundene Forderung an deutsche Bildungspolitik sollte man einmal hinterfragen: 1. Was ist überhaupt „Bildung“? Sie wird von der OECD immer mit Wissen und Können gleichgesetzt. 2. Jeder Mensch kommt mit bestimmten Anlagen auf die Welt. Diese können gefördert, aber nicht beliebig gesteigert werden. 3. Wenn es wirklich möglich wäre, dass alle Kinder einen höheren Bildungsgrad erzielten als ihre Eltern, bestünde die Welt aus lauter Akademikern. 4. Für die OECD gibt es anscheinend nur schulische und akademische Bildung. Was ist mit beruflicher und künstlerischer Bildung? 5. Warum werden die Bildungsarten gewertet? Besser wäre es, man würde von verschiedenartiger Bildung sprechen. 6. Es ist Unsinn, die schulische bzw. akademische Ausbildung zum Maß aller Dinge zu machen. Wann werden sich diejenigen, die für die Ausbildung junger Menschen verantwortlich sind, endlich freimachen von dem Druck, den die OECD ausübt? Dietrich Walsleben, Northeim

Berichtigung I

Berichtigung II

(E&W 10/2012, Beihefter DGB-Reisen, Innenteil) In dem Beihefter des Reiseanbieters DGB-Reisen, der in der Oktober-Ausgabe der „Erziehung und Wissenschaft“ veröffentlicht worden ist, hat sich auf der Landkarte, mit der die Jordanien-Rundreise beworben worden ist, ein Fehler beim Abdruck der Grenzen des jordanischen Nachbarstaates Israel eingeschlichen. Die Karte ist mittlerweile korrigiert und kann in geänderter Form auf der DGB-Reisen-Website unter: www.dgbreisen.de eingesehen werden. E&W-Redaktion


LESERFoRUM

Selbsteinschätzung falsch

(E&W 3/2012, Seite 40: „Autonomie verpflichtet“) Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden meist nicht über ihre Zukunftsperspektiven im Unklaren gelassen. Vielmehr schätzen sie sich selber oft falsch ein auf dem kleinen und hart umkämpften Wissenschaftsmarkt. Ich wage diese These nach über 20 Jahren Berufserfahrung als Personalleiter einer größeren Universität. Die Möglichkeiten, wissenschaftliche Mitarbeiter zu beschäftigen, wurden während dieser Zeit erweitert, insbesondere durch das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (s. E&W 2/2012). Die Qualifizierungsphase ist ausreichend

lang bemessen, allerdings vorausgesetzt, dass sowohl die betreuenden Hochschullehrkräfte als auch der wissenschaf tliche Nachwuchs ausreichend Zeit dafür investieren können. Nach sechs Jahren bis zur Promotion und weiteren sechs bis zur Habilitation wäre eine echte Drittmittelbeschäftigung grundsätzlich möglich oder eine Zeitbeamten-Ernennung. Würden jetzt mehr Wissenschaftler auf Dauer übernommen, fehlten künftig Stellen, um Jüngere weiterzuquaErziehung & Wissenschaft 03/2012 Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW

Tarifrunde 2012

6,5 Prozent mehr, mindestens 200 Euro! Mitglied werden zahlt sich aus!

lifizieren. Aus diesem Grund ist die in Baden-Württemberg geltende Regel vernünftig, dass nicht mehr als 25 Prozent der wissenschaftlichen Haushaltsplanstellen dauerhaft besetzt werden dürfen. Horst Maikranz, Teningen

E&W-Briefkasten Postanschrift der Redaktion: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Postfach 900409, 60444 Frankfurt a. M., E-Mail: renate.koerner@gew.de Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen. Anonym zugesandte Leserbriefe werden nicht veröffentlicht.

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Erziehung und Wissenschaft | 11/2012


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Erziehung und Wissenschaft | 11/2012


Cartoon: Freimut Wรถssner

Diesmal

Erziehung und Wissenschaft | 11/2012


E&W Ausgabe 11/2012  

Schwerpunkt: Älter werden mit dem Job - Arbeit und Zeit neu gestalten

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