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visite

PATIENTENMAGAZIN | FRÜHJAHR 2018

Stiller Kämpfer Seite 04

Wieder im Leben Seite 12

Aufs Dach Seite 26

Schlaganfall-Patient Robert Moos.


INHALT Karsten Honsel Vorstandsvorsitzender Gesundheit Nordhessen

SEHR GEEHRTE LESERIN, SEHR GEEHRTER LESER, Zeitschriften wie die visite müssen in Inhalt und Erscheinungsbild mit der Zeit gehen. Daher haben wir jetzt dieses Magazin neu gestaltet. Die visite hat bei der Gesundheit Nordhessen eine mehr als zehn Jahre währende Tradi­tion und spielt daher für uns eine bedeutende Rolle in der Kommunikation mit Ihnen. Das Ergebnis sehen Sie auf den folgenden Seiten. Wir berichten über Menschen, die eine besondere Geschichte haben, wie zum Beispiel jene von Dennis, dem „Stillen Kämpfer“, oder von einem Patienten, der sein Leben nach einem Schlaganfall komplett umgestellt hat. Uns ist es wert, darüber zu schreiben. Bei der Gesundheit Nord­hessen gibt es überall Menschen, die jeden Tag ihr Bestes geben und denen Sie sich anvertrauen können. Bei uns sind Sie gut versorgt. Ihnen viel Freude bei der Lektüre. Ihr Karsten Honsel

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WIEDER GESUND

TITELTHEMA

MENSCH & KOMPETENZ

STILLER KÄMPFER

WIEDER IM LEBEN

AUFS DACH

Dennis ist zehn Jahre alt, als er mit dem Schulbus schwer verunglückt. Im Klinikum Kassel kehrt er ins Leben zurück.

Ein Mann in den besten Jahren hat einen Schlaganfall, der fast zum Tod führt. Eine Geschichte über Hoch­ leistungsmedizin und die Bereitschaft zur Veränderung.

Der Dachlandeplatz am Klinikum Kassel wird statistisch fast zweimal täglich angeflogen. Jörg Buhlmann sorgt für einen reibungslosen Flugbetrieb.

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KURZ & BÜNDIG

UNSER MOMENT

RATEN & DATEN

Personalien und Neues aus den Häusern.

Karoline Kienzler ist Ergotherapeutin aus Leidenschaft. Sie hilft Kindern, ihre Herausforderungen zu meistern.

Preisrätsel und Termine Patientenfürsprecherinnen und -fürsprecher


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WIEDER GESUND

STILLER KÄMPFER Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

VOR VIER JAHREN ERLEIDET DENNIS UNVERSCHULDET EINE VERLETZUNG, AN DER ANDERE ZERBROCHEN WÄREN. IHN MACHTE SIE STÄRKER.

Der 24. Juni 2014 ist ein Dienstag und Dennis gerade zehn Jahre alt. Als er auf der Intensivstation das Bewusstsein wieder­erlangt, teilt er seinen Eltern sofort zwei Dinge mit: „Der Lkw-Fahrer hat das nicht mit Absicht gemacht. Und ich werde

lernen, mit links zu schreiben.“ Dennis weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, ob er jemals wieder einen rechten Arm haben wird. In den Stunden zuvor haben mehrere Teams im Klinikum Kassel alles aufge­boten, dass es wieder so sein wird, doch er kann

seinen Arm nicht spüren. Dick ver­ packt unter Verbänden liegt er wie ein Anhängsel neben ihm. Dennis nimmt die Situation, wie sie ist. Er klagt nicht, im Gegenteil: Er macht sich an diesem Dienstag zurück auf den Weg ins Leben.  >>>


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WIEDER GESUND

07 Professor Dr. Goetz Giessler ist begeistert von der Entwicklung, die sein Patient nimmt. 2014 replantierte der plastische Chirurg den rechten Arm in einer zehnstündigen Operation. Aktuell kann Dennis trotz des feh­lenden Daumens schon wieder eine schmale Dose greifen.

>>> Bundesstraße B 7 nahe Warburg, einen Tag zuvor: Kurz vor acht Uhr morgens kollidiert ein Lkw seitlich mit einem Schulbus, in dem Dennis sitzt. Nach dem Aufprall, der für die meisten Schüler glimpflich ausgeht, steigt er bei vollem Bewusstsein aus dem Wrack und blickt in er­schrockene Gesichter. Dort, wo rechts sein T-Shirt aufhört, ist nichts mehr. Danach setzt seine Erinnerung weitgehend aus. Sein Vater, der an die Unfallstelle geeilt ist, hört die Notärztin sagen, dass das mit dem Arm wohl nichts mehr wer­ den wird. Doch ein Rettungsassistent des Roten Kreuzes macht sich auf die Suche, findet den abgetrennten Arm im Schulbus und verpackt ihn exakt so, wie es im Lehrbuch steht. Wäre es anders gelaufen, würde Dennis heute eine Prothese tragen. Kurz darauf wählt ein Disponent der Rettungsleitstelle die Nummer der Notaufnahme am Klinikum Kassel. Ein ungewöhnlicher Vorgang, denn ankommende Notfälle werden auf einem Monitor für alle ersichtlich angezeigt. Doch ein zehnjähriges Kind mit abgetrenntem Arm ist nicht gewöhnlich. Der Disponent weiß, die nächste Stunde, im Fachjargon „Golden Hour“ (goldene Stunde) genannt, hat entscheidende Bedeu­ tung. Danach steigen die Risiken für Komplikationen rapide. Etwa zu dieser Zeit hebt der Rettungs­ hubschrauber „Christoph 7“ mit Dennis an Bord von der Unfallstelle ab. Der Flug ins Klinikum Kassel wird nur wenige Minuten dauern. Der Anruf der Leitstelle legt bei Dr. Christian Gernoth einen Schalter um.  >>>


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WIEDER GESUND

WELTWEIT SIND NUR WENIGE DOPPEL­AM­PUTATIONEN BEKANNT, DIE ERFOLGREICH OPERIERT WURDEN.

Kinderkrankenschwester Elfriede prüft die verbliebenen Narben des rechten Arms. Sie war für Dennis die wichtigste Bezugsperson im Klinikum Kassel. Kinderanästhesist Dr. Christian Gernoth leitete das Schockraum-Team der Notaufnahme, das Dennis von der Besatzung des Rettungshubschraubers übernahm.

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>>>

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>>> „In so einem Moment muss man die Emotionen ausblenden und Dinge abarbeiten“, sagt der 42-jährige Kin­deranästhesist, der das Team im Schockraum leiten wird. Gernoth, der schnell, aber nicht hektisch spricht, macht in den folgenden fünf Minuten gut fünfzehn Anrufe. Gibt es einen freien OP-Saal? Welche medizini­ schen Fachrichtungen sollen bei der Ankunft in der Notaufnahme sein? Gernoth informiert den CT-Raum, die Klinik für plastische Chirurgie und die Kinderintensivstation. Gut zwei Dutzend Menschen im ganzen Klinikum bereiten sich auf die Ankunft von Dennis vor. Kurz vor der Landung des Hubschrau­ bers spricht Gernoth mit dem Schock­ raum-Team. „Bei einem schwerver­ letzten Kind geht automatisch der Adrenalinspiegel hoch, alle denken sofort an ihre eigenen Kinder“, sagt Gernoth. „Und alle wollen helfen. Meine Aufgabe ist es, das Team zu ordnen und den Überblick zu behal­ ten.“ Der Kinderanästhesist arbeitet

nicht zufällig am Klinikum Kassel. „Wir haben hier eine Klinik für Kinder­ intensivmedizin und eine Klinik für Kinderanästhesie. So eine Konstella­ tion gibt es nicht häufig“, sagt der Oberarzt und berichtet von über 4.000 Kinderanästhesien pro Jahr. Genau an so einem Ort wollte Gernoth arbeiten:

»WO ANDERE AN GRENZEN STOSSEN, HABEN WIR ROUTINE.“ Als das Hubschrauberteam mit Dennis den Schockraum erreicht, ist es zwei Sekunden still. „Das ist bei jedem Patienten so“, sagt Dr. Gernoth und lächelt. Wie ein Ritual, bevor der Not­ arzt die Übergabe beginnt. Mit im Raum ist Professor Dr. Goetz Giessler, Direktor der Klinik für plastische Chirurgie. Er kommt direkt aus dem OP und signalisiert nach einem Blick

auf den abgetrennten Arm, dass er eine Replantation für möglich hält. Und Giessler (44) verliert weder Zeit noch Worte. Er packt den Arm ein und macht sich auf den Weg zurück in den OP. Das Schockraum-Team bereitet Dennis auf die lange Operation vor. „Wir mussten sicher sein, dass er keine weiteren schweren Verlet­zungen hat. Der abgetrennte Arm war offensicht­ lich, aber wir haben Dennis komplett geröntgt“, sagt Gernoth. Das Team arbeitet Fragen ab: Gibt es innere Blutungen? Ist sein Kreislauf stabil? Eine Platzwunde an seiner Stirn ist nicht lebensbedrohlich und wird schnell versorgt. 45 Minuten nach Eintreffen des Hubschraubers wird Dennis in den OP gebracht, wo schon sein Arm liegt. Das Schockraum-Team hat die „Golden Hour“ eingehalten. Die folgende Operation wird mehr als zehn Stunden dauern. Giessler und sein Team nähen nicht nur alle Nerven­enden des Arms wieder an

den Körper an. Auch die rechte Hand wurde bei dem Unfall nahezu vom Arm getrennt und hängt nur noch an einer Sehne. Dennis hat eine Doppel­ amputation erlitten. „Die Replantation des Arms war keine Kunst, eher eine Fleißarbeit“, sagt Giessler und räumt dann doch ein, dass man sich bei der Hand „schon ein bisschen was trauen“ musste. Weltweit sind nur wenige Doppelam­putationen bekannt, die erfolgreich operiert wurden. Mit Lob ist das so eine Sache in der Medizin. Es wird unter Ärzten nur selten verteilt. Dr. Thomas Fischer, Ärzt­licher Direktor des Klinikums und selbst Kinderanästhesist, ist da keine Ausnahme. In kleiner Runde sagt er nur einen knappen Satz über den Kollegen Giessler:

»ER HAT DEN ARM WIEDER HINBEKOMMEN.«


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WIEDER GESUND

>>> Fischer nickt dabei vielsagend und lächelt. Mehr Anerkennung ist kaum möglich. Die Operation ist für Dennis und seine Familie nur ein erster Wegpunkt „Jetzt sind sie dran“, hatte Prof. Giessler nach der OP zu den Eltern gesagt. „Die Bedeutung der Rehabi­litation nach einer schweren Verletzung wird von den Angehörigen oft nicht ernst genommen“, sagt Dr. Fischer. Doch in diesem Fall ist sofort das Gegenteil spürbar. „Ein Elternteil war immer auf der Station“, berichtet Dr. Gernoth, der Dennis auf der Kinderintensivsta­ tion weiter betreut. „Der Zusammen­ halt war beeindruckend.“ Dabei macht Dennis dem Team zuerst Sorgen. „Er war sehr still, er hat kaum gesprochen“, sagt Dr. Fischer. Es dau­ ert eine Weile, bis klar wird, dass ein außer­gewöhnlich starker Wille in dem Zehnjährigen arbeitet, der jedoch nicht viele Worte darum macht. Gernoth: „Dennis macht viel mit sich selbst aus, was auch problematisch sein kann. Die nervliche Belastung ist in so einer Situation enorm. Aber die Familie hat viel aufgefangen“, sagt Gernoth. „Und wenn die Eltern mal ein Tal durchschritten haben, hat Dennis sie wieder rausgeholt. Er hat sich da wirklich durchgebissen. Viele Erwach­sene wären an so einer Ver­ letzung gescheitert.“ Dennis da­gegen hinterlässt einen bleibenden Eindruck im Klinikum. Kinderkrankenschwester Elfriede, laut Dr. Fischer eine „Insti­ tution der Kinderklinik“, erinnert sich an klaglos hingenommene Verbands­ wechsel. „Er hat tapfer zuge­sehen, nicht geweint und sich nie beschwert“, sagt Schwester Elfriede, die viel Unterstützung von seiner Mutter Vera erhielt.

Als sie Dennis nach Jahren zum ers­ten Mal wieder im Klinikum trifft, nimmt Schwester Elfriede ihn kräftig in den Arm. „Was bist du groß ge­ worden“, sagt sie und hält wie auto­ matisch seinen rechten Arm fest. Ein kurzer Blick auf die verbliebenen Narben, ein Drücken an den einst kritischen Stellen – Schwester Elfriede ist zufrieden mit ihrem Schützling. In den Wochen nach dem Unfall war nicht nur zwischen den beiden großes Vertrauen entstanden. „Schwester Elfriede war sehr wichtig für die ganze Familie“, sagt Mutter Vera.

Nach langen ersten Tagen spürt Dennis ein Kribbeln im Arm und reagiert auf Schmerz. Für die Mediziner ist es ein ersehntes Zeichen. Der Arm wird durchblutet und wieder vom Körper angenommen. Noch heute, fast vier Jahre nach der Operation, zeigt Pro­ fessor Giessler mit einem Lachen auf den einwandfrei arbeitenden Bizeps des rechten Oberarms. Würde dieser nicht funk­tionieren, hinge der Arm ohne Spannung am Körper herunter. Dann hätte eine weitere OP zur Muskel­ transplantation für den Oberarm durch­geführt werden müssen.

»OHNE SIE WÄRE ES NICHT SO GUT GELAUFEN.«

Dr. Thomas Fischer streckt ganz automatisch die rechte Hand zur Begrüßung aus. Auch Dennis hat keine Scheu, seine beeinträchtigte Hand zu geben.

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Teamarbeit: Dr. Thomas Fischer, Kinderkrankenschwester Elfriede, Vater Michael, Schwester Jennifer, Dennis, Prof. Dr. Goetz Giessler, Mutter Vera.

NUR ACHT WOCHEN NACH DEM UNFALL TRITT DENNIS DAS NÄCHSTE REGULÄRE SCHULJAHR AN. Er möchte keinerlei Sonderbehand­ lung. Wie angekündigt, hat er mit links schreiben gelernt. Weil das noch nicht so flüssig geht, bekommt er zehn Minuten mehr Zeit bei Klassenarbeiten. Ansonsten ist er ein Schüler wie jeder andere. Doch sein Leben wird nicht mehr dasselbe sein. Der rechte Arm ist etwas kürzer als der linke, die Finger konnten nur teilweise gerettet werden, der Daumen fehlt nahezu

komplett. Viermal die Woche verbringt er den Nachmittag bei der Physiothe­ rapie, dazu gibt es zwei Termine beim Ergotherapeuten. Aktuell kann Dennis eine schmale Energydrink-Dose hal­ ten, bald soll es mit einer normalen Dose klappen. Die Erfolgserlebnisse finden auf einer anderen Skala statt. Dennis, heute vierzehn Jahre alt, wirkt reifer und ernsthafter als Gleichal­trige. Er sei an „Coolness kaum zu überbieten“, sagt Professor Giessler. Und tatsächlich glaubt man, einem deutlich älteren Teenager gegenüberzustehen. „Mein Sohn ist über Nacht erwachsen geworden“, sagt sein Vater nicht ohne Stolz. Dennis wird seinen Weg gehen, so wie er ihn die letzten Jahre ge­ gangen ist. Ohne viele Worte und ohne zu klagen.

DENNIS IST EIN STILLER KÄMPFER.

Schwester Elfriede nimmt Dennis zur Begrüßung fest in den Arm.


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TITELTHEMA

WIEDER IM LEBEN NACH EINEM SCHLAGANFALL WIRD ROBERT MOOS INS KLINIKUM KASSEL EINGELIEFERT UND ÜBERLEBT DANK PROFESSIONELLER BEHANDLUNG. HEUTE LEBT ER BEWUSSTER UND ARBEITET WENIGER.

Man sieht Robert Moos nicht an, dass er vor ein paar Jahren um sein Leben kämpfte. Der 55-Jährige ist groß, schlank und verbringt viel Zeit unter freiem Himmel. Wie zum Beweis liegt die zweijährige Hündin Amber neben ihm. „Mein Leben wäre deutlich leerer ohne sie“, sagt Moos und streichelt die Belgische Schäfer­ hündin. An diesem Morgen waren beide schon eine Stunde im Wald unterwegs. Als Moos vom März 2014 erzählt, werden seine Züge ernster. „Ich wurde um 3.20 Uhr mit starken Schmerzen in der linken Wade wach, wollte meine Frau aber nicht wecken. Auf dem Weg ins Bad fühlte es sich an, als hätte ich eine Explosion im Kopf“, sagt Robert Moos. Er bricht zusammen, kann nicht mehr spre­ chen, ist rechtsseitig gelähmt, jedoch bei vollem Bewusstsein. „Ich habe ganz klar mitbekommen, wie meine Vitalfunktionen wegsacken.“ Im Rettungswagen auf dem Weg ins Klinikum Kassel versucht er mit aller Kraft zu sprechen, doch sein Körper

gehorcht ihm nicht. „Es waren schlimme Minuten, doch der Notarzt gab mir das Gefühl, dass er meine Lage versteht“, sagt Moos. In der Notaufnahme wird er direkt nach der Ankunft im Schockraum zum Computertomographen (CT) gebracht, der nur einen Raum weiter steht. „Der Notarzt blieb die ganze Zeit bei mir“, erzählt Moos. „Er sagte, dass er ein gutes Gefühl habe, alles würde gut werden. Wenn man da liegt, nicht sprechen kann und halbseitig gelähmt ist, dann möchte man genau so etwas hören.“ Nur 54 Minuten nach dem Notruf wird Robert Moos auf die Stroke-Unit verlegt, eine speziell auf Schlag­ anfälle ausgerichtete Station der Klinik für Neurologie. „Am Tag darauf stand schon ein Logopäde am Bett und machte Sprachübungen mit mir“, erzählt Robert Moos, der sich auch noch gut an den Ergo­ therapeuten erinnert. „Ich werde ihm nie vergessen, dass er mit mir auf Toilette ging und anschließend beim Duschen half.“  >>>


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TITELTHEMA

Oberarzt Dr. Nicolai Nitzsche, Prof. Dr. Julian Bösel und Oberarzt Yogesh P. Shah analysieren Röntgenbilder auf der neurologischen Intensivstation.

Chefarzt Julian Bösel überprüft die Reaktion der Extremitäten bei einem Patienten auf der Stroke-Unit.

>>> Professor Dr. Julian Bösel leitet seit September 2017 die Klinik für Neuro­ logie und kennt Robert Moos nur aus Schilderungen. Doch dessen Erinne­ rungen bestätigen Bösels langjährige Wahrnehmungen. „Die guten Pflege­ kräfte und das Therapeutenteam ma­ chen sehr viel für die Patienten aus, sie machen das Paket der Schlagan­ fall-Spezialbehandlung erst rund“,

sagt Bösel. „Denn mit ihnen hat der Patient am meisten Kontakt.“ Als Chefarzt sieht er jeden Patienten mindestens einmal wöchentlich bei der Visite. Bösel spricht die Men­ schen direkt an und hat keine Scheu vor Berührungen. Meist prüft er körperliche Reaktionen und testet den Verlauf neurologischer

Professor Dr. Julian Bösel hebt während der Visite die Atemmaske einer Patientin an, um sie besser verstehen zu können. Auch Oberarzt Yogesh P. Shah (rechts) ist nahe bei ihr.

Defizite, mal hebt er die Sauerstoff­ maske an, um den Patienten besser zu verstehen. Manchmal hält er aber auch nur die Hand. Wie bei einer Pa­tientin auf der Intensivstation, die durch mehrere Schlaganfälle erblindet ist. „Trotz der Apparatemedizin sind der persönliche Kontakt, das Anfassen und Kommunizieren von großer Bedeutung“, sagt Bösel.

»WIR SIND IMMER NAH AM PATIENTEN DRAN.« „In der Neurologie spielt die klinische Untersuchung im Verlauf eine große Rolle,“ betont Bösel.

Er verschweigt nicht, dass es Krank­ heitsmuster gibt, bei denen die Medizin an Grenzen stößt. „Umso wichtiger ist es, dass wir alles auf­ bieten, um die ganz individuelle Situation der Menschen zu verbes­ sern“, sagt er. Dafür hält das Klinikum Kassel 24 Stunden täglich eine auf Schlag­anfälle spezialisierte Logistik vor: Eine überregional zertifizierte

Stroke-Unit und Neurointensivstation, Neurochirurgie und Neuroradiologie sind vereint im Neuro­­vas­kulären Zentrum. Darüber hinaus besteht von Kassel aus die teleme­­di­zinische Koor­ dination von einem Dutzend Kliniken in drei Bundesländern.  >>>


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TITELTHEMA

Neuroradiologe Dr. Ralf Siekmann arbeitet seit über zehn Jahren am Klinikum Kassel.

Später besteht er noch auf einem Gruppenfoto mit seinen Ärzten. Medizin ist keine Einzelsportart.

Dr. Kai Koller assistiert Dr. Ralf Siekmann während einer Thrombektomiebehandlung. Bei einer Schlaganfallpatientin wird die Blockade einer Blutbahn gelöst. Dr. Siekmann verfolgt den Weg des Katheters auf dem Flachbildschirm.

>>> Dr. Ralf Siekmann gehört zu diesem Netzwerk am Klinikum Kassel. Seit über zehn Jahren leitet er dort das Institut für Neuroradiologie. Kurz vor Mittag klingelt sein schnurloses Telefon. Eine 65-jährige Patientin wurde mit dem Notarzt eingeliefert, ihr Schlaganfall ist eine knappe Stunde her. Erste Untersuchungen ergaben, dass eine Ader im Gehirn verstopft ist und die Durchblutung verhindert. Hält dieser Zustand an, wird die Frau bleibende Schäden davontragen, vielleicht auch mehr.

ES KOMMT JETZT AUF JEDE MINUTE AN – UND DIE EXPERTISE VON RALF SIEKMANN. Der Chefarzt der Neuroradiologie wird einen Katheter auf Höhe der Leiste in die Blutbahn einführen und bis in das

verstopfte Gefäß vordringen. Eine abstrakte Prozedur, deren Fortgang nur auf einem Flachbildschirm ver­ folgt werden kann. Feines Handwerk also, absolviert unter erheblichem Zeitdruck. Es ist Siekmanns medi­­ zinische Kernkompetenz. Auf den ersten Blick würde man ihm diese Arbeit nicht zuordnen. In einer Handballmannschaft wäre Ralf Siekmann ohne Frage der Kreisläufer. Obwohl ihm der Zeit­ faktor ständig im Nacken sitzt,

lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Und so steht Siekmann auch mit breitem Rücken am Ope­ rationstisch, seine Bewegungen sind filigran. Die Augen auf den Monitor gerichtet, schiebt er zügig den Katheter durch die Adern und verfolgt dessen Weg zur verstopften Stelle im Gehirn. Sein Team arbeitet ihm routiniert zu, von Hektik keine Spur. Siekmann betont mehrfach, wie gut die Zusammenarbeit mit den Anästhesisten sei, „ohne die wir hier nichts aus­richten könnten“.

Nach 20 Minuten ist der Katheter am Ziel und Siekmann saugt vorsichtig das verstopfende Material aus dem Blutgefäß. Sofort ist eine Veränderung auf dem Monitor zu erkennen, die Durchblutung funktioniert wieder und das Gehirn wird mit Sauerstoff ver­ sorgt. Thrombektomie ist der medizi­ nische Fachausdruck für das, was gerade geschehen ist. Was so einfach aussieht, beruht auf Siekmanns 18-jähriger Erfahrung im „Katheter­ schieben“. In ganz Nordhessen wer­ den Thrombektomien nur von der Neuroradiologie am Klinikum Kassel praktiziert, die dafür speziell zertifi­ ziert ist. Und so retten Siekmann und sein Team während der Mittagspause mal eben das Leben der Patientin. Robert Moos ordnete nach dem über­ standenen Schlaganfall sein Leben

neu. Er kündigte seine Arbeitsstelle und machte sich mit Anfang fünfzig selbstständig. „Ich musste erst begreifen, dass Gesundheit wichtiger ist als Geld“, sagt Moos, der heute mit straffällig gewordenen Heran­ wachsenden arbeitet. Zwar verfüge er über weniger finanzielle Mittel als zuvor, habe aber deutlich mehr Zeit. „Ich mache nur noch das, was ich mag“, sagt Moos.

Die Diagnose Schlaganfall kann lebensbedrohlich sein: Die Klinik für Neurologie ist als über­­­ regionales Schlaganfallzentrum zer­­­ti­­ fiziert und behandelt im Jahr ca. 2.000 Schlaganfallpatienten. Im Klinikum Kassel stehen für die schnellst- und bestmögliche Behandlung dieses Not­falls die Neurologie, die Neurora­ dio­­logie, die Neurochirurgie und die Gefäßchirurgie 24 Stunden an 365 Tagen bereit.


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KURZ & BÜNDIG

HERZSTILLSTAND

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Klinikum Kassel gründet Cardiac Arrest Center für wiederbelebte Patienten. Wenn es um einen Herz-Kreis­lauf­Still­stand geht, ist Dr. Klaus Weber im Thema. Er leitet die Zentrale Not­ aufnahme am Klinikum Kassel, die zahlenmäßig größte Einrichtung ihrer Art in Hessen. Mit der Notaufnahme und weiteren sechs medizinischen Disziplinen gründet sich jetzt das Kassel Center for Cardiac Arrest (KCCA). Dabei geht es speziell um Patienten, die vor ihrer Einlieferung in die Notaufnahme reanimiert wur­ den. „Neben der schnellen Wieder­be­ lebung vor Ort ist die spezielle Weiter­ behandlung entscheidend für die Überlebenschancen des Patienten“, sagt Dr. Weber. „Als Maximal­versorger bieten wir in Nordhessen und darüber hinaus weit mehr als den Standard.“ Die Basis für das KCCA bilden neben der Notaufnahme die Kliniken für Neurologie, Anästhesiologie, Intensiv­ medizin, Notfall- und Schmerzthe­rapie und die Kardiologie. „Bundesweit sind wir derzeit die einzige Klinik mit einem so umfassenden Spektrum an medi­ zinischen Fachrichtungen in der Ver­ sorgung wiederbelebter Menschen“, sagt Dr. Klaus Weber.

Haben das KCCA gegründet (v. l.): Prof. Dr. Clemens Dumont, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie, Prof. Dr. Ralph Muellenbach, Direktor der Klinik für Anäs­thesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie (sitzend), PD Dr. A. Asghar Peivandi, Direktor der Klinik für Herzchirurgie, Prof. Dr. Julian Bösel, Direktor der Klinik für Neurologie, Dr. Klaus Weber, Chefarzt der Interdisziplinären Zentralen Notaufnahme (sitzend), Dr. Thomas Fischer, Chefarzt der Klinik für Kinderanästhesie und Intensivmedizin sowie Ärztlicher Direktor, Prof. Dr. Rainer Gradaus, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen.


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KURZ & BÜNDIG

LUNGEN- UND BRONCHIALMEDIZIN IM KLINIKUM UNTER NEUER LEITUNG sowie Notfallmedizin. Die neue Chef­ ärztin stammt aus Nordhessen und hat in Marburg Medizin studiert. Seit 2004 war sie als Oberärztin in der Inneren Abteilung des Marienkran­ kenhauses in Kassel tätig, wo sie die Heim­beatmungsabteilung aufbaute und zum Schluss unter anderem ein Schlaflabor mit elf Plätzen, eine Intensiv- und Weaning-Station mit 15 Betten und eine IntermediateCare-Einheit mit vier Betten betreute. Sigrid Verlaan hat am 1. Februar die Leitung der Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin im Klinikum über­ nommen. Die 52-Jährige ist Fachärztin für Innere Medizin und Pneumo­logie und verfügt über die Zusatzbe­zeich­ nungen Palliativmedizin, Schlafmedizin

Zwischen­zeitlich hatten die Chefärzte Prof. Dr. Martin Wolf (Klinikum Kassel) und Walter Knüppel (Krankenhaus Bad Arolsen) die Klinik für Lungenund Bronchialmedizin kommissa­ risch geleitet.

NEUER CHEFARZT DER RADIOLOGIE AM KLINIKUM KASSEL

RHYTHMEN UND MELODIEN VON EINEM  ANDEREN KONTINENT

Leitender Oberarzt und stellvertreten­ der Direktor der Klinik für Strahlendi­ agnostik sowie der Klinik für Diagnos­ tische und Inter­ventionelle Radiologie.

Im Tango-Projekt in den SWA entdecken Senioren tänzerisches Neuland. „Ich habe sie aufgefordert und das passte sofort.“ Gerhard Clemens (86) ist sichtlich bewegt, wenn er an seine erste Begegnung mit Marieluise König (81) denkt. In schon fortge­ schrit­tenem Alter haben sich die beiden unter Palmen kennen­gelernt. Seit 17 Jahren genießen sie gemein­ sam das Leben in der Senioren­wohn­ anlage Lindenberg: „Manchmal tanzen wir zu schöner Musik allein in unserer Wohnung“, erzählt

Marieluise König. Beim Tanztreff am Lindenberg übt das tänzerisch erfah­ rene Paar nun den Tango Argentino, der für fast alle Teilnehmer neu ist. „Man muss nur wenige Schritte lernen und hat damit schon einen guten Erfolg“, sagt Tanzlehrerin Susanne Helalat. Der Kurs ist zu Jahresbeginn als Projekt mit vier Terminen gestartet und geht nun in das Programm der Senioren­ wohnanlagen über.

Der 53-Jährige ist sowohl Facharzt für Diagnostische Radiologie als auch Facharzt für Nuklearmedizin, wobei die Interventionelle Radiologie zu sei­ nen fachlichen Schwerpunkten zählt.

„Man braucht keine Medikamente, wenn man zum Tanzen geht.“ Teilnehmerin Johanna Engert (79) „Jeder ältere Mensch hat eine Tanzbio­ grafie, an die man anknüpfen kann.“ SWA-Geschäftsführerin und Initiatorin des Tanzprojektes Ruth Fürsch „Die Melodien des Tango Argentino sind oft sehnsuchtsvoll, während der Rhythmus lebendig ist.“ Susanne Helalat von der Tanzschule Tango Querido aus Kassel

Das Institut für Allgemeine und Inter­ ventionelle Radiologie im Klinikum Kassel hat seit Anfang Januar einen neuen Chefarzt. Prof. Dr. Walter Hundt kommt vom Universitätsklini­ kum Marburg. Er war dort zuletzt

Seine beruflichen Stationen waren neben Marburg die Unikliniken Heidelberg und München. Von 2001 bis 2003 hatte er ein Forschungsfel­ lowship der Universität Stanford/USA, aus dem seine Habilitationsarbeit hervorging.

MEHR PLATZ FÜR WERDENDE ELTERN Mehr Platz und mehr Ruhe gibt es jetzt für alle Patientinnen im Klinikum Kassel, die im Bereich Geburtshilfe stationär aufgenommen werden. Die Geburtshilfe hat vor dem Kreißsaal im Haus F drei zusätz­ liche Räume für Untersuchungen und die stationäre Aufnahme erhalten. Außerdem steht den Frauen und ihren Angehö­rigen jetzt ein großzügiger Warte­ bereich zur Verfügung. „Damit haben wir die räumliche Situa­ tion an die seit Jahren steigenden Geburtenzahlen angepasst“, so Dr. Andreas Worms, Leiter der Geburtshilfe. Auch die Leitende Hebamme Bettina Wüst freut sich über die Verbesserung: „Die Atmosphäre im Warte­ bereich ist jetzt deutlich ent­ spannter, das bestätigen uns auch die positi­ven Rückmel­ dungen unserer Patientinnen.“


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KURZ & BÜNDIG

INVESTITION IM OP DER KREISKLINIK

KLINIKUM PLANT WEITEREN NEUBAU

Renovierung in Wolfhagen zum Jahresende erfolgreich abgeschlossen

Zentrum für seelische Gesundheit soll 2022 bezugsfertig sein. Das Zentrum für seelische Gesundheit am Klinikum Kassel erhält bis 2022 ein neues Klinikgebäude am Möncheberg. Der Neubau am früheren Standort der Hautklinik wird 38,8 Mio. Euro kosten und 171 stationäre Betten sowie 60 teilstationäre Plätze bieten. In der Einrichtung werden die Allgemeine

Psychiatrie, die Gerontopsychiatrie, die Erwachsenen-Psychosomatik und die Kinder- und Jugendpsychosomatik zu finden sein. Heute sind diese Abtei­ lungen noch an verschiedenen Stand­ orten innerhalb des Klinikum Kassel sowie im Ludwig-Noll-Krankenhaus unter­gebracht.

„Dem hochwertigen Angebot unserer psychiatrischen und psychosomati­ schen Kliniken werden wir mit dem Neubau eine zeitgemäße bauliche Struktur geben“, so Karsten Honsel, Vorstandsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen.

HOHE QUALITÄT BEIM GELENKERSATZ EndoProthetikZentrum (EPZ) des Krankenhauses Bad Arolsen mit hohen Qualitätsstandards.

Künstliche Hüft-, Knie- und Schulter­ gelenke werden im EndoProthetik­ Zentrum (EPZ) des Krankenhauses Bad Arolsen mit hohen Qualitätsstan­ dards eingesetzt. Dies bescheinigte dem EPZ-Team jetzt das Zertifikat der bundesweiten Initiative EndoCert. Chefarzt Dr. Peter Wotzlaw (rechts), der Ende April in den Ruhestand geht, freut sich, dass mit Dr. Frank M. Raible ein Nachfolger gefunden wurde, der ebenfalls viel Erfahrung mit künst­ lichen Gelenken hat.

Der Operationsbereich der Kreisklinik Wolfhagen hat einen neuen Boden­ belag und ein neues Lagerhaltungs­ system erhalten. „Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, sagt Dr. Uwe Hecht, Chefarzt der Anäs­ thesie der Kreisklinik Wolfhagen. „Die Planung im Vorfeld war auf­ wändig, aber ich denke, es hat sich gelohnt. Die Kollegen aus der

Pflege haben vor der Eröffnung das neue Lager­system bestückt, so dass es termingerecht wieder losgehen konnte.“ Pflegedirektorin Kathy Mehler hebt die gute Zusammenarbeit inner­ halb der GNH mit den Bereichen Bau und Technik, Einkauf und IT hervor. Sie ist von den Vorteilen des neuen Modulsystems überzeugt: „Der Bestellprozess wird dadurch

deutlich übersichtlicher und effek­ tiver, da im Vorfeld eine Redu­zierung der Lagerartikel stattgefunden hat“, sagt sie. Die Arbeiten in der Kreisklinik Wolf­ hagen haben in den letzten Wochen des vergangenen Jahres stattge­ funden und kosteten insgesamt 100.000 Euro.


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UNSER MOMENT

ÜBERFLIEGER Dieses Motiv war so nicht geplant. Die kleine Frieda sollte einfach nur auf dem Arm von Ergotherapeutin Karoline Kienzler sitzen, doch der Fotograf war noch nicht so weit und wollte schnell das Objektiv wechseln. Die kurze Pause nutzten beide für eine kleine Flugübung auf dem Flur der Neuropädiatrie und Früh-Reha am Klinikum Kassel, wo Kienzler seit 2012 arbeitet. „Wir betreuen hier Kinder mit besonderen Lebens­ umständen, die nach Unfällen oder

neurolo­gischen Erkrankungen ent­ standen sind“, sagt Kienzler, die sich ganz bewusst für diese beruf­liche Herausforderung entschieden hat. „Wir setzen alles daran, das Beste für unsere kleinen Patienten zu erreichen. Jeden Tag.“ Auch Ge­schwis­terkinder – wie Frieda – werden von Karoline Kienzler und ihren Kolle­ginnen betreut. Als sich ihre Stirn­seiten berührten, hatte der Fotograf dann auch das richtige Objektiv an der Kamera.


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MENSCH & KOMPETENZ

AUFS DACH 22 Meter über Grund steht Jörg Buhlmann auf dem Dachlandeplatz für Rettungshubschrauber, direkt über dem Haupteingang des Klinikums. Der Blick reicht bis hinauf zur Herkules-Statue.

Jörg Buhlmann betritt den Aufzug und wählt ein Stockwerk, das nur für eine Handvoll Mitarbeiter zugänglich ist. Die Anlage fährt ganz nach oben und endet in einem kurzen Flur mit doppelter Glastür. Dahinter ist die un­verbaute Sicht über Kassel beeindruckend. Im Süden erkennt man die Trasse der Autobahn A 7, im Westen den Herkules,

dazwischen die Innenstadt. 22 Meter über Grund steht Buhlmann auf dem Dachlandeplatz für Rettungshub­ schrauber, direkt über dem Haupt­ eingang des Klinikums. Lange ruhig ist es dort oben kaum. Drei, manch­ mal vier Landungen am Tag sind keine Seltenheit. Mancher Regio­ nalflug­hafen würde sich über einen

Bruchteil dieser Flugbewegungen freuen. Jörg Buhlmann (48) ist Brandschutz­ beauftragter der Gesundheit Nord­ hessen. Bau und Planung der Lande­ fläche, die seit Januar 2015 in Betrieb ist, hat er über Jahre federführend begleitet. Die Herausforderungen

waren nicht selten bürokratischer Natur. „Ich bin Experte für europäisches Luft­ landerecht geworden“, sagt Buhlmann mit einem Lächeln, das nicht aus­ schließlich auf Freude beruht. Die Akten in seinem Büro sind stille Zeugen dieser Zeit. Buhlmann erfüllte Vor­ gaben, veranlasste Änderungen und bewies Geduld mit den Behörden.  >>>


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MENSCH & KOMPETENZ

BAU UND PLANUNG DER LANDEFLÄCHE, DIE SEIT JANUAR 2015 IN BETRIEB IST, HAT BUHLMANN ÜBER JAHRE FEDERFÜHREND BEGLEITET. ES IST SEIN MEISTERSTÜCK GEWORDEN. >>> Auch deswegen ist der Landeplatz sein Meisterstück geworden. Die Mühe hat sich gelohnt. Für den Transport der schwerverletzten Hubschrauberpatienten hat der Dachlandeplatz einen erheblichen Zeitgewinn gebracht. Mit dem Aufzug geht es zum Schockraum der Zen­ tralen Notaufnahme vier Ebenen tiefer, für Notfälle mit kleinen Patien­ ten gibt es einen separaten Aufzug in die Kinderklinik. Landet ein Hub­ schrauber, wird eine Aufzugskabine für das Luftrettungsteam freigehalten.

Einmal jährlich findet eine Brandschutzübung auf dem Landedeck statt. Jörg Buhlmann weist die Kollegen der Berufsfeuerwehr Kassel ein.

Damit die Fläche bei jeder Witterung angeflogen werden kann, wurde eine Bodenheizung installiert. Schnee­ räumen und Salzstreuen entfallen gänzlich. Ist ein Hubschrauber nach Sonnenuntergang im Anflug, wird der Landeplatz automatisch ausgeleuchtet.

»WIR SIND HIER 24 STUNDEN EINSATZBEREIT«, sagt Buhlmann. Bis es so weit war, galt es das Luftfahrt-Regelwerk umzu­ setzen. 2014 trat eine EU-Verordnung

Im Landebuch wird jeder An- und Abflug ein­ getragen und vom Piloten abgezeichnet.

für Landeplätze an Krankenhäusern in Kraft, die sich „in dicht besiedelten Gebieten mit schwierigen Umge­ bungsbedingungen“ befinden. Die Standards für den Flugbetrieb wurden erheblich angehoben und sind eng reguliert. Dabei geht es um Zentimeter. Die farblich markierte Landefläche am Klinikum Kassel misst exakt 20,67 x 20,67 Meter. Und alle Blitz­ ableiter des Klinikums im Abflugkor­ ridor mussten eingekürzt werden. „Die Genehmigungsbehörden sind da sehr penibel“, sagt Buhlmann. Jede Landung wird dazu in einem Buch vermerkt und muss vom Piloten abge­ zeichnet werden. Abweichungen von den Standards führen zu Tele­fonaten und Papierkram, der auf Buhlmanns Schreibtisch landet. Den Kritikern der Brüsseler Vorgaben steht die Flugun­ fallstatistik gegenüber. Zwischenfälle mit Rettungs­hubschraubern an Klini­ ken sind äußerst selten. Für die Sicherheit sorgen auch immer zwei Mitarbeiter vom Patiententrans­ port, die bei jeder Landung die Lösch­ kanzel auf dem Dachlandeplatz be­ setzen. „Auch wenn ein Hubschrauber um drei Uhr morgens anfliegt“, sagt Buhlmann. Bricht ein Feuer aus, kommen zwei ferngesteuerte Lösch­ kanonen zum Einsatz, die tausende Liter Wasser und Löschschaum über die Fläche verteilen. Gleichzeitig

geht ein Alarm bei der Kasseler Berufs­feuerwehr ein. Bei inzwischen über 1.900 Starts und Landungen ist es zu keinem Zwischenfall gekommen. Jörg Buhlmann ist dem Brandschutz auch privat verbunden. Als Gruppen­ führer der Freiwilligen Feuerwehr Baunatal trägt er ständig einen Funk­ melder am Gürtel. Sein Einsatzgebiet ist anspruchsvoll: die Autobahn A 49, eine Straßenbahnlinie und der Ret­ tungszug für Tunnelunfälle auf der ICE-Strecke.

Drei, manchmal vier Landungen pro Tag sind keine Seltenheit.

»STEHE STILL UND SAMMLE DICH«, Der Funkmelder der Feuerwehr Baunatal steckt immer am Gürtel.

ist Buhlmanns Credo bei Einsätzen. Ruhe und Überblick bewahren, Ge­ fahren erkennen – das ist Buhlmanns Jobbeschreibung. Auch wenn er am Klinikum Feierabend hat.

Jörg Buhlmann vor den Schränken mit umfangreicher Sicherheitsausstattung.


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RATEN & DATEN

MITMACHEN UND GEWINNEN engTeile des lisches GebisFürwort: ses sie

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gefrorener NiederTeilschlag betrag

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Tropfkante am Dach

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Logikjapanisches rätsel Heiligtum

sehr starke Winde

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kurz für: darein

ägypt. HauptName von He- stadt von liopolis Alaska

Vorname der Dagover † 1980

kurz für: darein

loyal, ergeben küren

ägypt. HauptName von He- stadt von Abk.: liopolis Alaska Public Relations

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Liebhaberei

empört

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Liebhaberei

Abk.: Public Relations

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Arbeitseifer numidischer Vorname der DagoKönig ver † 1980

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Eigenname der Eskimos

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Viel Vergnügen beim Lösen des Rätsels und viel Glück!

dt. Philosoph † 1804

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 prüfen Anregungen und Beschwerden der Patienten und der Angehörigen, →  → wenden sich mit deren Einverständnis an die zuständigen Stellen und versuchen zu vermitteln, → nehmen gern auch positive Erfahrungen entgegen und geben sie weiter.

Klinikum Kassel Marlies Rohrbach Do. 14.30 bis 16.00 Uhr Zentrum für Frauen- und Kindermedizin Heidemarie Siebert Mo. 14.30 bis 16.00 Uhr jeweils Haus T, Eingang 1 Erdgeschoss Tel. 0561 980 - 2811 Ludwig-Noll-Krankenhaus Elisabeth Kraß-Köhler Do. 10.30 bis 12.00 Uhr

Krankenhaus Bad Arolsen Gerda Schmalz und Helmut Kirner Mo. 11.00 bis 12.00 Uhr Tel. 05691 800 - 172 Raum gegenüber Patientenaufnahme Kreisklinik Hofgeismar Brigitte Briel Do. 15.00 bis 17.00 Uhr Tel. 05671 81 - 95555

HERZLICHEN DANK Die Unternehmen der Gesund­ heit Nordhessen bedanken sich herzlich bei den zahlreichen Förderern und Sponsoren, die die vielfältige Arbeit für die Patientinnen und Patienten finanziell und mit ehren­amt­ lichem Einsatz unterstützen. Stellvertretend für alle Einzel­ spender, Firmen und Vereine seien hier einige regelmäßige Unterstützer genannt: – cdw Stiftung gGmbH

Kreisklinik Wolfhagen Elke Oppermann Mi. 9.00 bis 11.00 Uhr Tel. 05692 40 - 444

– Elternhaus Kassel gGmbH –  „freuNde – Förderverein für Familien mit neurologisch kranken Kindern –  Gute Besserung e. V. Förderverein Krankenhaus Bad Arolsen –  Helga und Heinrich Holzhauer Stiftung für krebskranke Kinder

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VISITE ABONNIEREN? Sie möchten die visite auch in Zukunft regelmäßig kostenfrei erhalten? Schreiben Sie uns eine Mail an: visite@gnh.net oder per Post an: Gesundheit Nordhessen Holding AG, Zentralbereich Unternehmens­ kommunikation, „Stichwort visite“, Mönchebergstraße 48 E, 34125 Kassel

–  Kinderkrebshilfe Waldeck-Frankenberg e. V. –  Kleine Riesen Nordhessen: Verein für Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen in Nordhessen e. V. –  LebensWert: Förderverein für die pal­liative Versorgung Erwachsener im Klinikum Kassel e. V. –  Verein für krebskranke Kinder Kassel e. V.

1 raetselstunde.com

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Die Patientenfürsprecherinnen und -fürsprecher in den Kliniken

–  Hilfe für Kinder und Erwachsene im Krankenhaus e. V.

plötzlicher Windstoß

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Die Gewinnerin der Winterausgabe der „visite“ ist Christine Köchling. Wir gratulieren herzlich.

plötzlicher Windstoß

raetselstunde.com

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Am Gewinnspiel teilnehmen: Senden Sie das richtige Lösungswort an: visite@gnh.net

Einsendeschluss ist der 26. Mai 2018.

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1 numidischer König

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dt. Philosoph † 1804

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Fluss durch NordItalien

empört LÖSUNGSWORT

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Arbeitseifer

Die „visite“ verlost fünf Gutscheine vom Gartencenter Meckelburg KG im Wert von jeweils 100 Euro.

oder per Post an: Gesundheit Nordhessen Holding AG Zentralbereich Unternehmens­ kommunikation Redaktion visite Mönchebergstraße 48 E 34125 Kassel

Vorname des Regisseurs Brooks

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loyal, ergeben

bewegliches Stauwerk

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LIEBE PATIENTIN, LIEBER PATIENT

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IMPRESSUM Herausgeber: Gesundheit Nordhessen Holding AG, Mönchebergstraße 48 E, 34125 Kassel, visite@gnh.net Zentralbereich Unternehmens­kommunikation: Ulrike Meyer auf der Heide (Ltg.), Gisa Stämm, Inga Eisel, Tanja Maurer, Tel. 0561 980-4804 | Fotos: Tyler Larkin, Kirschner und Partner / HH Vision (Seite 24) | Gestaltung: IM MAI GmbH | Druck: Julius Kress OHG, Kassel | Erscheinungsweise: quartalsweise | Auflage: 80.000 Exemplare


WIR SIND FÜR SIE DA – GESUNDHEIT NORDHESSEN KLINIKEN Klinikum Kassel Mönchebergstraße 41–43 34125 Kassel Tel. 0561 - 9800 Ludwig-Noll-Krankenhaus Dennhäuser Str. 156 34134 Kassel Tel. 0561 - 48040 Krankenhaus Bad Arolsen Große Allee 50 34454 Bad Arolsen Tel. 05691 - 8000 Kreisklinik Hofgeismar Liebenauer Straße 1 34369 Hofgeismar Tel. 05671 - 810

Kreisklinik Wolfhagen Am kleinen Ofenberg 1 34466 Wolfhagen Tel. 05692 - 400 REHA-ZENTREN Gesundheitszentrum Wilhelmshöhe Wilhelmshöher Allee 91 34121 Kassel Tel. 0561 - 987940 Reha-Zentrum Klinikum Kassel Mönchebergstraße 41–43 34125 Kassel Tel. 0561 980-2830

SENIORENWOHNANLAGEN SWA Lindenberg Faustmühlenweg 31 34123 Kassel Tel. 0561 - 950770 SWA Fasanenhof Hinter dem Fasanenhof 1 H 34125 Kassel Tel. 0561 - 87975510

GESUNDHEIT NORDHESSEN HOLDING AG Mönchebergstraße 48 E 34125 Kassel

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visite 01/18  

Stiller Kämpfer, Wieder im Leben, Aufs Dach

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