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Glosse

Über , küssende Katzen und blinkende Herzen Die einen verstehen nur Bahnhof, wenn ihre Kinder und Enkel mit eigenartigen Symbolen auf dem Handy kommunizieren. Die anderen wittern darin gar einen Zerfall der deutschen Sprache. Was die digitale Emoji-Kommunikation mit der Geschichte der Menschheit zu tun hat und was sich daraus lernen lässt. Text: Micha Eicher, lic. phil. I

Kürzlich im Bus. Neben mir ein junger Mann im schönfrisiert. Als es plötzlich summt, schau ich rüber. Auf sei. Ich lächle. Da ist nem Bildschirm blinken wohl jemand verliebt? Meine Neugier ist geweckt. Nur . Aus den Augenwinkeln sehe ich, was er noch ein . eintippt: ! Irgendwie hätte Ich staune. Ein Emotionsschwall im ich das nicht erwartet. Schön, denke ich, dass er seine Gefühle so mitteilen kann. Möglich machen dies Emojis (sprich: Emodschis). So heissen die kleinen Bilder, die immer häufiger in Kurznachrichten, Tweets, Posts und E-Mails auftauchen. Die Invasion bunter Bildchen stammt , wo die Menschen ein für emoursprünglich aus tionale Bildschriftzeichen haben. Der eine oder andere Sprachhüter sieht in der Verwendung der Zeichensprache einen Zerfall der jahrhundertealten Herrschaft der . Längst sind jedoch Emojis ins Betrachtungsfeld der Forschung gerückt. Eine kürzlich veröffentlichte Studie ergab aus einer Milliarde versendeter Symbole das beliebteste Emoji der Welt: . Kein anderes wird so häufig verschickt wie das runde, gelbe Gesicht, das vor Lachen nicht mehr kann. Manch einer findet, das ist alles lesen oder Kram, für Leute mit zu viel , die keine im Kopf haben. Doch weit geeinfach sonst zu viel fehlt. Das neue Stilmittel wird nicht nur von Jugendliund verschicken schon mal chen genutzt. Auch per zum . einen Denn eigentlich liegt unsere Liebe zu kleinen Symbolen und Zeichen in der Natur des . Nur schon unser heutiges -System geht auf Piktogramme zurück. «Anfangs war die Schriftgeschichte sehr bildhaft», bestätigt Christa

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Dürscheid. Sie ist Professorin für deutsche Sprache an der Universität Zürich und untersucht die Auswirkungen von WhatsApp auf den Sprachgebrauch. «Emojis werden vor allem in der privaten, informellen Kommunikation ge, um persönliche Nachnutzt.» Ein kommunikatives richten aufzulockern. «Sie bieten eine zusätzliche Möglichkeit, etwas zum Ausdruck zu bringen», so die Professooftmals gerin. Wenn die Worte fehlen, kommt so ein legen. Wie jede andere Sprache entwickeln sich auch die Bildchen weiter. Seit Kurzem sind sie sogar politisch . Da gibt es alle möglichen Hauttypen emoji, und auch wurden ergänzt mit und . Doch Kommunikation bleibt eine Herausforderung. Egal ob in , wenn die BotWort oder Bild. Nur zu oft gibts verstanschaft falsch verpackt nicht als , sondern den wird. Da nutze ich am liebsten meine alteingesesse. Wobei auch das kürzlich ein nen Kumpels hier Freund falsch verstand. Er fragte mich allen Ernstes, waoder : Ich rum ich fände, er sei ein . Egal ob , ( ) mag das bisschen Ironie, das sich damit verpacken lässt. Das augenzwinkernde Supplement für blanke Buchstaben. Eine zusätzliche Ebene, die uns erlaubt, unmit einem zu versehen. Schon verrückt; diese sere kleinen, lapidaren Bildchen ermöglichen es mit einem ein kleiMal, Gefühle einfacher zu formulieren, dieser abzugewinnen und sei es nur in Form des nes in meines Busnachbars. Ein Lächeln, ein orgineller unserer immer schneller werdenden Online-Kommunikation. Jetzt müssen wirs nur noch schaffen, dieses in die analoge Kommunikation zu übernehmen. Das wäre .  

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2015/2016

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Schweizer Magazin für Ergonomie, Gesundheitsbewusstsein und Wohlbefinden. www.gesundsitzen.ch

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