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Ergonomie & Rücken

Sitzen oder stehen? Ein Chiropraktor mit Rückenbeschwerden. Das gibt es tatsächlich. Dr. Marco Vogelsang erzählt, woher sie kommen und wie er damit umgeht. Text: Dr. Marco Vogelsang / Foto: Fotolia/Kanea

Der menschliche Bewegungsapparat ist mein Beruf. Ich (49) bin Chiropraktor mit eigener Praxis in Zürich. Früher war ich als aktiver Zehnkämpfer in der Leichtathletik sowie als Turn- und Sportlehrer tätig. Immer wieder hatte ich mit Rückenproblemen zu kämpfen und litt bereits als

«Eine Operation oder eine Spritze waren nie nötig.» Dr. Marco Vogelsang, Chiropraktor 18-Jähriger an starken Rückenschmerzen. Die letzte schlimme Episode präsentierte sich mit schmerzenden Ausstrahlungen in mein linkes Bein, einer Lähmung, begleitet von unerträglichen Rücken- und Hüftschmerzen. Ins Badezimmer kriechen Morgens musste ich vom Bett ins Bad kriechen. Ich schaffte es kaum in die Praxis, wo ich mich wieder schmerzfrei hinsetzen konnte. Mit der Bewegung in meinem Beruf als Chiroprak­tor – abwechslungswei­gesundsitzen

se sitzen und stehen – ging es mir im Verlauf des Tages besser, bis gegen Abend die Schmerzen zunahmen. Die Erklärung Aus einer beschädigten Bandscheibe tritt eine gelartige, zähe Masse aus. Diese setzt die Nerven oft unter Druck oder sie werden biochemisch irritiert (Entzündung). Die hinteren respektive dorsalen Strukturen werden im entspannten Sitzen durch eine kleine Beugung nach vorne auseinanderbewegt. Es entsteht mehr Raum. Die ausgelaufene Substanz entfernt sich leicht vom Nerv. Deshalb ist entspanntes Sitzen besser als Stehen. Bei meinem zweituntersten Gelenk lag eine solche beschädigte Bandscheibe (Diskushernie) vor. Sie drückte nach unten auf eine Nervenwurzel zwischen Bandscheibe und Wirbel­ gelenk. Ich habe meinen Rücken bei Beschwerden stets erfolgreich chiropraktisch behandeln lassen. Eine Operation, eine Spritze oder Ähnliches waren nie notwendig. Medika­ mente nahm ich unterstützend, wenn die Schmer­zen unerträglich wurden. Doch jeder Patient ist ein Indi­viduum und spürt

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Schmerzen unterschied­lich. Darum mein Tipp: nicht zu lange in derselben Position verharren und vom Stehpult beispielsweise auf einen Hocker wechseln. Nicht unterschätzen: Der eigene Körper sagt einem, was zu tun ist. Was sich gut anfühlt, tut auch gut. www.chirosuisse.info

300 Chiropraktoren – ein Verband Der Bewegungsapparat, insbesondere die Wirbelsäule und das Nervensystem stehen beim Chiropraktor im Zentrum. Seine Aufgaben sind Diagnose, Behandlung, Beratung und Betreuung. Sechs bis neun Jahre Studium und Weiterbildung in Medizin und Chiropraktik machen ihn zu einem kompetenten ersten Ansprechpartner als Grundversorger. Die Behandlung erfolgt meist manuell. In vielen Fällen kann damit auf Medi­ kamente oder chirurgische Eingriffe verzichtet werden. Chiropraktik ist eine Leistung der Grundversicherung.

2015/2016

gesundsitzen 2015/2016  
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Schweizer Magazin für Ergonomie, Gesundheitsbewusstsein und Wohlbefinden. www.gesundsitzen.ch

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