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Ergonomie & Rücken

In der Tüftelwerkstatt: Ver­ suchspolsterer Eric Braun schleift das Polster in die rich­ tige Form.

«Für uns kommt zuerst die Funktion und dann das Design.» Darum haben die Stuhlentwickler anderthalb Jahre lang verschiedenste Protoypen angefertigt. Doch damit ist es noch nicht getan. Hält ein Modell dem kritischen Geist seiner Erfinder stand, gilt es noch die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat zu überzeugen. «Das ist nicht immer ganz einfach», verrät Potocnik. «Ich kenne zwar die technische Idee in- und auswendig, aber entschieden wird nach dem Verkaufspotenzial.» Jenes des 313 überzeugte. «Der Stuhl entspricht genau dem Zeitgeist des wandlungsfähigen Arbeitsplatzes, ausserdem ist er nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip (siehe Infokasten) gefertigt», sagt René Walpen. Nun kommen die Designer ins Spiel. Sie übersetzen die Idee in Designvorschläge. Aus dem hässlichen Entlein wird ein eleganter Schwan.

Franken stecken allein in der Herstellung der Werkzeuge für einen einzelnen Stuhltyp. Angefertigt von Kleinunternehmern aus der Region. Obwohl nur einen Steinwurf von der deutschen Grenze entfernt, produziert das Unternehmen seit Beginn sämtliche Stühle in der Schweiz. Das allein sei im hart umkämpften Markt noch kein Mehrwert, meint Walpen. «Die Leistung muss stimmen.» Giroflex scheint zu schaffen, woran sich viele Schweizer Betriebe die Zähne ausbeissen: im weltweiten Markt konkurrenzfähig zu sein. «Wir bleiben unseren Werten treu und erfinden uns ständig neu.» So viel zum wahren Geheimnis der Stuhlentwickler. www.giroflex.com

Swissmade ist nicht genug Doch Gutaussehen ist nicht alles: «Schönes Design ist nur so gut, wie man es besitzen kann», sagt René Walpen. Besitzen heisst bei Giroflex wortwörtlich «darauf sitzen können». Darum wird jedes Designmodell in Handarbeit so aufgebaut, dass es funktionell getestet werden kann. So lässt sich die Designidee zum Beispiel auch auf ergonomische Aspekte prüfen. Bis ein Stuhl serienreif ist, muss er diversen Produkte- und Abnutzungstests standhalten. Denn Langlebigkeit lautet das oberste Gebot. Der Aufwand, bis ein Stuhl das Licht der Geschäftswelt erblickt, scheint enorm. Eine Million gesundsitzen

Recycling war gestern. Heute betreiben fortschrittliche Unternehmen ­«Cradle to cradle», was so viel heisst wie von der Wiege in die Wiege. Mit einer Kreislaufwirtschaft ­sollen die eingesetzten Rohstoffe über den Lebens­ zyklus einer Ware hinaus wieder vollständig in den Produktionsprozess zurückgelangen. «Dafür ­investieren wir viel», sagt René Walpen, Ge­ schäftsleiter von Stoll Giroflex.

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2015/2016

gesundsitzen 2015/2016  

Schweizer Magazin für Ergonomie, Gesundheitsbewusstsein und Wohlbefinden. www.gesundsitzen.ch

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