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Das Kamel von Bethlehem

Jeder kennt den Ochs und den Esel in der Krippe – die Hirten, die Engel oder die drei Könige – aber wer von euch kennt …

Das Kamel von Bethlehem Zur Zeit vom König Herodes hend irgendwo im Osten de Kaspar, Melchior und Balthasar gelebt.

Diese Männer sind Sterndeuter gsi. Jede tag hends Sternkarten zeichnet, und in der Nacht beobachteten sie den Himmel. In ihrem Dorf hend sie große Anerkennung genossen. Viele Mitmenschen hend zu ihne ufeglueget und denkt, das sind echti Könige. Inere Nachts , sich kalt gsi, sind die drei auf einem kleinen Hügel gsesse. „Heute Nacht gibt es nichts Besonderes zu sehen“, sagte Melchior und hed grad wöllä ufstoh und hei goh. Da plötzlich hend es gseh! Ein Licht, so strahlend hell und glänzend, stärker noch als der Sonnenschein am Tag. Ein Stern, unbeschreiblich groß, mit einem Schweif, der funkelte und glitzerte, mer het fascht nöd chönnä hereluege, so sehr isch mer geblendet gsi von seiner Schönheit. „Was ist das?“, het de Kaspar grüeft. De Balthasar het einfach numeno s’Muul offe gha und gschtuned. Er isch ganz in sich versunken gsi. Ungeduldig het de Kaspar an seinem Umhang zerrt: „Balthasar, sag schon, du bist doch der Erfahrenste von uns. Was isch denn das gsi?“ De Balthasar het endlich wieder chönnä rede und het gmeint: „Ich weiß es nicht, aber ich werde es herausfinden!“ Dann isch er den Hügel ab gschsprunge. „So warte doch“, riefen ihm die beiden verwirrt nach. „Was hast du denn vor?“

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De Balthasar het e Idee gha. So schnell wie möglich Proviant packen und dem Stern nachreisen! Die beiden anderen hatten Balthasar endlich eingeholt. Sie hend noch Luft mössä schnappe und ufgregt gmeint: „Du willst ihm hinterher, stimmt´s?“ De Balthasar het gnickte und schon in seinem Haus verschwunde. „So bleib doch stehen, wir kommen mit, aber mir müend warte, bis es Tag wird“, riet Kaspar. „So können wir uns besser vorbereiten.“ Balthasar het kurz überlegte, dann het er gnickt. „Gut, bei Sonnenaufgang treffen wir uns am großen Tor.“ Denn sind diä beide gange und er sich nervös im Huus umeglaufe. Er het nümä chönnä schlofe, er het a so viel sache müessä denke und alles vorbereite… Auch Kaspar und Melchior sind nicht untätig blibe. Sie sind a jedi Tür go chlopfe. Bald sind alli Lüt uf de Marktplatz choo. Und wo sie ghört hend, was passiert sich, do sind alli ufgregt gsi und hend gmeint: Ihr müend em Stern nachreise. „Aber ihr könnt nicht mit leeren Händen go“, het ein altes Mütterlein gseit. Sie isch zhinterscht im Dunkeln gsi, keiner het sie bis jetzt gseh. D’Lüt hend angefange murmle. „Wie meinst du das, alte Frau?“, wollte Kaspar wissen. „Jo, sones Wunder hat immer etwas zu bedeuten. So öppis passiert niä ohne Grund.“ Und het bedeutungsvoll in die Runde glueged. Alle hend sie agstarrt. „Ja, du hast Recht“, stimmte Kaspar zu. Ich han e gueti Idee. Min Mann isch Kameltriiber gsi. Ich gib dir es Kamel mit uf d’Reis, hets alti Müeterli gseit. Da chann alles träge, wann ihr wend a Gabe mitneh. „Das ist sehr großzügig von dir“, het de Melchior gantwortet. Und so isch es gsi. Bei Sonnenaufgang sind die drei loszoge. Alle Dorfbewohner sind cho, hend sich von ihnen verabschieded und ihnen viel Glück für ihri Reise gwünsched. Und s’kamel het alli Sache treit, wo si vo de Lüüt übercho hend. Vorbei an Flüssen und Tälern. Über Berge und durch Schluchten. Mengmol hend sie e kurzi Pause gmacht, demit sie hend die Richtung chönnä zu bestimmen. Denn am Tag het man den Stern gar nöd chönnä gseh. Das Kamel aber het nicht an die Geschichte mit dem Stern glaubt und schon gar nicht, dass es vielleicht mehr als nur ein Stern sein könnte …

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Weiter isch es gange, über Geröll und Steine und dann isch die Wüste cho „Oh nein, auch das noch, gut das ich mein eigenes Wasser dabei habe“, stöhnte das Kamel. Es het n ovo früener gwüssd, dass es bei Tag unerträglich heiß und in der Nacht bitterkalt isch in der Wüste. Auch Kaspar, Melchior und Balthasar sind nicht sehr glücklich gsi, dass sie durch die Wüste hend müessä laufe. Sie sind glaufe und glaufe bis es Obig worde isch. „Dort, der Fels“, het de Balthasar gerufe. „Dort stelle mer üses Nachtlager uf.“ Sie hend em Kamel d‘Last abgnoh, Fuetter geh, es Füürli gmacht und hend gnüsslich es kaltes Fladenbrot gesse und lauwarmes, sandiges Wasser trunke. Gerade het das Kamel wöllä Einschlafe, da het de Kaspar wie ein Wilder gruefe: „Lueged emol, der Stern, da ist er wieder!“. Das Kamel het es paar Mol müesse blinzle, dann isch es hellwach gsi. „Das glaub ich jo ger nöd, das gits doch ger nöd – das … das … isch unglaublich … das sich de Stern … Und ich hand denkt, die drei verzelled eifach öppis!“ Das Kamel isch nümmä us em staune choo. So öppis hatte es noch nie gesehen. „Ist das schön!“ Und alli vier hend den Stern bewundered, bis er im Morgengrauen wieder verschwunde isch. Einen Tag später hends die Wüste endlich hinter sich gelassen und eine knappe Woche später hend sie Hirten troffe. De Balthasar isch zune ane und het gfroget: Hend ihr de Stern au gseh? Der ältischti Hirten het gseit: „Ja, er leuchtet jede Nacht über dem Ort Bethlehem“. Danke villmol für die Uskunft, mir laufed grad wiiter. Es isch schon fast dunkel gsi, bis sie endlich z‘Bethlehem achoo sind. Und jetzt hends wieder de Stern gseh – und er het uf en Stall zünded. De Melchior war isch scho ganz aufgeregt gsi. De Kaspar het nünnt meh gseit. Und de balthasar het s‘Kamel nebed de Stalltüre abunde und di villä Sache vom Rücke abegnoh. Dann hgend diä drü denenand aglueged und d’Holztüre vom Stall uftue. „He! Und was ist mit mir? Soll ich öppä alleine draußen in der Kälte bleiben?“ Das Kamel het sich ufgregt und mit de Hufen gschtampfet, aber die drei Sterndeuter hend nüt meh ghört. „Das darf doch nicht wahr sein!“, het das Kamel gseit. „Jetzt bin ich den ganzen Weg schwer beladen mitzoge, und jetzt am Ziel dörf ich nöd inechoo.

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Dann het das Kamel im Stall inne Stimmen ghört: „Schön, dass ihr do sind!“, het eine tiefe Mannestimme gseit. Und eine Frau het gseit: „Danke villmol für euren Besuch und die wertvollen Geschenke. Es ist üs eine Ehre, grad von drei Königen bsuecht z’werde.“ Im gliche Moment het mer plötzlich es Brüele und Schreie ghört. „Was söll denn das?“, het sich das Kamel gfroget. S’Kamel het plötzlich s’Kindli gseh. Und plötzlich het’s öppis gschpürt, wo’s noch nie im Lebe gespürt het! Irgendöppis isch andersch gsi mit diesem Kind. Öppis ganz bsundrigs isch es gsi, aber s’Herz vom kamel isch ganz warm worde. Denn isch das Kamel einen Schritt fürschii gange und vor em Chind abä knülläd. Misstrauisch und verwundert het de Josef glueged, so het nämli de Mann gheisse. „Warum chnülläd s’Kamel abe?“, het de Josef gfroget. „Ich glaube“, het de Kaspar gmeint, „es will, dass ihr s‘Kindli auf sin Rücken leget.“ „Aber warum denn?“ De Josef het im Moment nöd verschtande, warum das s’kamel macht. „Wartet ab und ihr werdet es sehen. Ihr könnt dem Kamel vertrauen. Ohne diä Hilfe wäred mer niä do anechoo“, het de Balthasar gseit. Da beugt sich d‘Maria, die Mutter vom Kind, vor, und bindet de Bueb auf dem Rücken vom Kamel fest. Der Kleine het aber immer noh brüeled. S’Gsicht isch scho ganz rot gsii. Doch jetzt isch s‘Kamel vorsichtig ufgschtande und het sich sanft hin und her bewegt. Es paar Sekunden spöter het sich de Bueb beruhigt und isch uf em Rücke vom kamel eingeschlafe. Dankbar het d‘Maria de Hals krauled. „Du bist ein gutes Kamel“, het sie freundlich gseit. Das Kamel het sich gfreut und isch leicht rot aglaufe. Und s’het die ganzi Nacht de Bueb uf em Rücke treit und hin und her gschauklet. S’kamel het irgendwie gschpürt, dass es e bsunderi Nacht gsi isch und dass d’geburt vo dem Bueb – übrigens Jesus het er gheisse – au d’Welt verändere wird. Und s’kamel isch eifach danikbar und glüclich gsi, dass es das alles het dörfe miterlebe. Jo – und jetzt kenned au ihr d‘Geschicht vom „Kamel von Bethlehem“.

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Das kamel von bethlehem  

Das ist der erste Teil der Fortsetzungsgeschichte.

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