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Der Zwölfjährige nickte dankbar. Er hatte nicht erwartet, dass der wohlhabende Tuchhändler so viel Verständnis für ihn aufbringen würde. Schließlich war er nichts als ein heimatloser Vagabund – ein Junge, der sich mit Straßenräubern und Wegelagerern verbündet hatte! Doch darüber hatte Herr Berblinger kein Wort verloren während ihres gemeinsamen Rittes. Es schien, als hätte er die Absicht zu warten, bis der Junge von sich aus zu sprechen begann. Oder vielmehr zu beichten, welche Verbrechen er in den letzten Wochen als Mitglied der Räuberbande begangen hatte . . . Und irgendwann würde er das auch tun. Dem Tuchhändler und allen übrigen Erwachsenen würde er nur grob schildern, was sich zugetragen hatte. Bei Leni lag der Fall anders. Sie hatte bislang immer zu ihm gehalten. Seit er ihr zum ersten Mal begegnet war, hatte sie ihm geholfen, wo sie nur konnte – ihr würde er alles gestehen. Nur nicht heute. Nicht jetzt. Der unbestimmte Schmerz, den er nach der Trennung von seinem Kameraden Raffaele spürte, war noch zu frisch. Entschuldigend blickte er Leni an. „Keine Angst, ich werde dir alle Fragen beantworten, egal, wie viele es sind. Aber erst später, auf der Reise oder wenn wir bei euch angekommen sind. In Ordnung?“ „Klar!“ Leni strahlte schon wieder. Zwar war sie mehr als neugierig auf Moritz’ Erlebnisse bei den Räubern, aber ein paar Stunden oder schlimmstenfalls einen Tag konnte sie noch mit ihrer Neugier aushalten. „Solange du nur mit uns nach Hause kommst, bin ich mit allem einverstanden!“ 13

Maurizio - Der Schatz des Schwarzen Rächers  

Süddeutschland, 1790: Maurizio, der Sohn des Schwarzen Rächers, arbeitet als Stallknecht bei Familie Berblinger. Doch er hat es nicht leicht...

Maurizio - Der Schatz des Schwarzen Rächers  

Süddeutschland, 1790: Maurizio, der Sohn des Schwarzen Rächers, arbeitet als Stallknecht bei Familie Berblinger. Doch er hat es nicht leicht...