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Ganz persönlich Ellen Nieswiodek-Martin

In dieser Ausgabe berichten Frauen und Männer, wie Gott ihnen in schweren Zeiten begegnet ist und ihnen neue Hoffnung gegeben hat.

Gemeinsam auf der Liege sitzen „Mama, kann man gegen Krebs impfen?“ Forschend schaut meine jüngste Tochter mich an. Ich überlege, wie detailliert ich antworten soll. „Nein, gegen Krebs kann man nicht impfen, aber gegen andere Krankheiten“, antworte ich. Das Thema Krebs beschäftigt unser Nesthäkchen. „Können Kinder auch Krebs bekommen?“ „Ja. Leider schon.“ „Wo kommen die Kinder denn hin, wenn sie gestorben sind?“ Solche kniffligen Kinderfragen tauchen meist dann im Alltag auf, wenn man mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist. Vor einiger Zeit hat die Kleine im Kindergarten mitbekommen, dass die Mutter zweier Kinder an Krebs gestorben ist. „Ich bin mir sicher, dass sie bei Jesus sind. Jesus liebt alle Kinder. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie bei ihm auf dem Schoß sitzen und er mit ihnen spielt“, antworte ich. Sie ist mit meiner Antwort zufrieden. Kinder sind wirklich unkomplizierter als Erwachsene! Einige Monate später erfahren wir, dass eine Bekannte schwer erkrankt ist und im Hospiz liegt. Leider zu weit entfernt für einen Besuch. Wir beschließen, ihr einen Brief zu schreiben. Das Töchterchen malt ein Bild. Als das farbenfrohe Kunstwerk fertig ist, greift sie noch einmal zum Bleistift und malt etwas in die obere Ecke. „Wer ist das?“, frage ich. „Das ist Jesus. Er überlegt, wie er der Tante helfen kann.“ „Du meinst, er wartet im Himmel auf sie?“, frage ich. „Nein, er will ihr helfen“, entgegnet sie selbstsicher. Diese Worte und ihr Vertrauen rühren mich. Wer an Gott glaubt, ist nicht vor Krankheit und Leid geschützt. Aber: Gott lässt uns

nicht damit allein. In der Bibel heißt es: „Habt keine Angst, denn ich, der Herr, bin bei euch“ ( Jesaja 43,5). Diese Zusage an das Volk Israel gilt auch heute noch. Gott trägt uns durch schwere Zeiten. Manchmal merken wir erst im Rückblick, wie Gott uns geholfen und für uns gesorgt hat. Das zu erfahren verändert unser Leben und unseren Glauben. Für manche Menschen taucht in einer Lebenskrise ganz neu die Frage nach Gott auf. In dieser Ausgabe berichten Frauen und Männer, wie Gott ihnen in schweren Zeiten begegnet ist und ihnen neue Hoffnung gegeben hat. Wenn wir selbst nicht betroffen sind, sind wir oft unsicher, wie wir uns gegenüber Menschen, die leiden oder trauern, verhalten sollen. Auch hier eine Lektion meiner Tochter: Kürzlich hatte sie einen kleinen Unfall; die Platzwunde musste in der Ambulanz genäht werden. Ihre Freundin fuhr mit ins Krankenhaus. Sie reagierte ohne Worte und setzte sich neben Charlott auf die Liege, als die Wunde versorgt wurde. „Mama, das war so lieb von ihr. Dadurch war ich nicht so allein.“ So einfach kann es sein: Da sein, Nähe geben, zuhören! – Sich auf die Liege neben einen Menschen zu setzen, erscheint uns vielleicht wenig. Kranken oder Trauernden bedeutet es viel. Und manchmal entstehen Gespräche, die wir sonst nie führen würden. Ihre

Ellen Nieswiodek-Martin

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Lydia 03/2014

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Lydia (Ausgabe 3/2014)  

Sehnen Sie sich nach einem Leben voller Liebe und Sinn? Egal, wo Sie sich gerade auf Ihrer Reise befinden, LYDIA möchte Sie begleiten: mit w...

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