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WIEN 1918 – 1938

Kulturmagazin 2013 Verein der geprüften Wiener Fremdenführer

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Editorial

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Einer solchen Zeit widmet sich auch das diesjährige Kulturmagazin, nämlich den Jahren von 1918 bis 1938. Sie finden in dieser Ausgabe zahlreiche Artikel, die sich mit den politischen Veränderungen, aber auch mit den sozialen Errungenschaften und dem kulturellen Leben dieser Epoche beschäftigen.

© Foto Weinwurm

Die Wiener Fremdenführerinnen und Fremdenführer gelten als die Botschafter unserer Stadt, und das zu Recht. Viele der Millionen Wienbesucher buchen eine Führung mit einem Fremdenführer und sind von dem hohen Niveau, das hier geboten wird, begeistert. Die Wiener Fremdenführerinnen und Fremdenführer beeindrucken ihre Gäste mit vielen Themenführungen, in denen sie mit umfassendem Wissen und persönlichem Engagement die verschiedenen Epochen der Geschichte abwechslungsreich und unterhaltsam erlebbar machen – angefangen von den klassischen Stadtführungen bis hin zu Themen, die sich mit Zeiten beschäftigen, die nicht immer einfach gewesen sind.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen, herzlichst Christa Bauer

Präsidentin des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer – Vienna Guide Service

Impressum: Herausgeber: Verein der geprüften Wiener Fremdenführer – Vienna Guide Service 1010 Wien, Eschenbachgasse 11, Telefon: 01/587 36 33-66, E-Mail: office@guides-in-vienna.at Für den Inhalt verantwortlich: Christa Bauer Die in den Artikeln vertretenen Ansichten sind jene der Autorin oder des Autors und müssen nicht unbedingt mit den Ansichten des Vereinsvorstandes oder der Redaktion übereinstimmen. Medieninhaber (Verleger): Verlag Wirl, 1150 Wien, Tautenhayngasse 21/3 www.verlagwirl.com, E-Mail: office@verlagwirl.com, Telefon: 01/786 37 81, Fax: DW 19 Design, Layout und Satz: Gernot Winter, gernot.winter@verlagwirl.com Druck: Bernsteiner Print Company, 1220 Wien, Rautenweg 10 Cover: Franz Lerch, »Sitzendes Mädchen«, 1928, Leopold Museum, Wien, Inv. 229

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Das Jugendstil-Museum: Egon Schiele, Gustav Klimt, und Wien um 1900!

NACKTE MÄNNER von 1800 bis heute 19.10.2012 – 04.03.2013

OSKAR KOKOSCHKA Fotografie und Malerei

In Kooperation mit dem Oskar Kokoschka-Zentrum der Universität für angewandte Kunst Wien

04.10.2013 – 27.01.2014

JAPAN Fragilität des Daseins 28.09.2012 – 18.02.2013

WIEN 1900 Meisterwerke von Gustav Klimt, Highlights des Wiener Jugendstils

WOLKEN Bilder zwischen Himmel und Erde 22.03.2013 – 01.07.2013

EGON SCHIELE Die größte Sammlung der Welt

Leopold Museum, Wien, Foto: Julia Spicker • Gustav Klimt, »Tod und Leben« (Detail), 1910/1911, überarbeitet 1915, Leopold Museum, Wien • Egon Schiele, »Prediger« (Selbstakt mit blaugrünem Hemd), 1913, Leopold Museum, Wien • Yamakawa Shuhō, Feierlicher Sanbasō – Tanz eines Mädchens, Sammlung Genzō Hattori • René Magritte, Sommer, 1931, Geschenk von Max Janlet, Musée d‘Ixelles, Brussels • Foto: Trude Fleischmann, Oskar Kokoschka und Olda Palkovska, London 1939, Universität für angewandte Kunst Wien, Oskar Kokoschka-Zentrum © Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2012 • Gustav Klimt, »Tod und Leben« (Detail), 1910/1911, überarbeitet 1915, Leopold Museum, Wien • Egon Schiele, Selbstbildnis mit Lampionfrüchten, 1912, Leopold Museum, Wien

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Inhaltsverzeichnis

Inhalt Kaiser Karl I. 1921 in Ungarn

Grußworte ..................................................................... 9 Die Autoren dieses Magazins .................................... 12 Schloss Schönbrunn zum Angreifen/Welttag ........... 15

Der Reumann-Hof am Margaretengürtel

© K. Baier und W. Juraschek

Der Staat, den keiner wollte ....................................... 16 Ein Kaiserpaar ohne Thron ........................................ 18 Der 1. Weltkrieg und das Ende der Monarchie ........ 20 Die Gründung der neuen Republik .......................... 22 Die Republik und die Familie Habsburg .................. 24 Österreich und seine neuen Grenzen ........................ 26 Die Entstehung des Bundeslandes Wien ................... 28 Die neuen Verfassungen.............................................. 30 Inflation und Arbeitslosigkeit .................................... 32 Die Rolle der Frau in der Ersten Republik ................ 34 Die Religionen – ein ideologischer Kampf ............... 36 Die Gründung der Paneuropa-Union ....................... 38 Jakob Reumann und Karl Seitz .................................. 40 Ein Wegbereiter: Julius Tandler.................................. 42 Otto Glöckel und die Schulreform............................. 44 Die Paläste des Proletariats ......................................... 46 Aus der Not eine Tugend. Architektur ...................... 48 Malerei in der Zwischenkriegszeit ............................. 50 Arbeiten für das Rote Wien ........................................ 52 Im Rhythmus der Großstadt....................................... 54 Skandale und Triumphe. Musikleben in Wien ......... 56 Neue Wege in der Literatur ......................................... 58 Der Wiener Kreis ......................................................... 60 Die progressive Radikalisierung................................. 62 Austrofaschismus und Ständestaat ........................... 64 Schicksalsjahr 1938: Finis Austriae ............................ 66 Interview: »Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding« .... 68

© Österreichische Nationalbibliothek

Wien 1918 – 1938

Statue des Prinzen Eugen von Balthasar Permoser

750 Jahre: Die Weihe der zweiten Stephanskirche ..... 72 550. Todestag: Herzog Albrecht VI. ........................... 73 500 Jahre: Der Orgelfuß von Anton Pilgram ........... 74 500 Jahre: Weihe Georg Slatkonias ............................ 76 350 Jahre: Leopold III. Landespatron ........................ 78 350. Geburtstag: Prinz Eugen von Savoyen .............. 79 300 Jahre: Der schwarze Tod in Wien........................ 80 300 Jahre: Die Pragmatische Sanktion....................... 81 300 Jahre: Ferdinando Galli-Bibiena in Wien .......... 82

© Belvedere Wien

Anniversarium

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Inhaltsverzeichnis

Kunsthistorisches Museum © KHM, Wien

Isabella von Bourbon-Parma

© Schloss Artstetten, NÖ

Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner Familie

© The Metropolitan Opera, Foto: Louis Mélançon

Ljuba Welitsch

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Anniversarium

250 Jahre: Der Friede von Hubertusburg .................. 83 250. Geburtstag: Johann Graf von Stadion .............. 84 250. Todestag: Isabella von Bourbon-Parma ............ 85 200. Geburtstag: 3 Künstler der Ringstraßenzeit ..... 86 200. Geburtstag: Verdi und Wagner in Wien............ 88 150 Jahre: Friedrich Schmidt Dombaumeister ......... 90 150 Jahre: Der erste Concordiaball ............................ 91 150. Geburtstag: Franz Ferdinand ............................. 92 150. Geburtstag: Adele Sandrock ............................... 94 150. Todestag: Josef Ritter von Pargfrieder ............... 95 150 Jahre: Kaufhaus Herzmansky .............................. 96 100 Jahre: Das Wiener Konzerthaus .......................... 97 100 Jahre: Abschied im Bösendorfersaal ................... 98 100 Jahre: Das Luftschiff »Sachsen« in Wien ............ 99 100. Todestag: Robert von Lieben ............................ 100 100. Todestag: Franz Schuhmeier ............................ 101 100. Todestag: Alfred Redl ........................................ 102 100. Geburtstag: Josef Meinrad ................................ 103 100. Geburtstag: Franz Antel .................................... 104 100. Geburtstag: Ljuba Welitsch............................... 105 50 Jahre: Gründung des DÖW ................................. 106 25 Jahre: »Heldenplatz«: Theaterskandal................. 107 25. Todestag: Erich Fried........................................... 108 25 Jahre: Mahnmal gegen Krieg und Faschismus .... 109

Rundschau

Albertina .................................................................... 110 Dorotheum ................................................................. 112 Sigmund Freud Museum .......................................... 114 Wien Museum ............................................................ 115 Heeresgeschichtliches Museum ............................... 116 Technisches Museum ................................................ 117 Leopold Museum ...................................................... 118 Gemäldegalerie d. Akad. d. bildenden Künste ...... 119 Burg Liechtenstein .................................................... 119 Zu Gast bei Esterházy ................................................ 120 Universität Wien ........................................................ 121 Haus der Musik .......................................................... 121 Top Lokal ................................................................... 121

Internes

Mitgliederliste ........................................................... 122 Redaktionelles Team ................................................. 130

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Die Wiener ringstrassengalerien Die Wiener Ringstrassen-Galerien stehen nie still und sind seit vielen Jahren die Shoppingadresse Wiens für alle, die das Besondere suchen. Und seit über 10 Jahren stehen die Ringstrassen-Galerien in einer schönen Kooperation mit dem Verein der Wiener Fremdenführer. Der Werbepylon Ecke Mahlerstraße/ Kärntner Straße steht dem Verein seit je her als Ausgangspunkt ihrer Führungen durch die schöne Wiener City zur Verfügung.

Kunst, Kultur unD Charity Neben ihrer Eigenschaft als Shopping-Tempel sind die Ringstrassen-Galerien auch Gastgeber vieler mittlerweile sehr bedeutender Events aus dem Kunst-, Kultur und Charity-Bereich. Das Haus fördert neben vielen gemeinnützigen Aktionen auch ganz speziell die Nachwuchsdesigner. Aus dem RingstrassenGalerien Designer Award wurde längst ein Fixstern am Österreichischen Event-Himmel. Der Designer Award feiert 2013 sein 10jähriges Jubiläum, welches am 17. April mit der Anwesenheit eines Stardesigners und vielen weiteren Highlights gebührend geehrt werden wird.

shopping-erlebnis Internationale und österreichische Top-Marken eröffnen dem Besucher ein exklusives Angebot aus Mode und Lifestyle, Schmuck, Uhren und Möbel sowie professioneller Dienstleistung. Top-Marken wie Giesswein, Mothwurf, Aigner oder Sir Anthony sind auch bei Touristen sehr beliebt. Naschkatzen sind mit Schokolade von Chocolatier Neuhaus bestens beraten. Auch das traditionsreiche Grand Hotel und ein vielschichtiges Gastronomisches Angebot sind Teil des extravaganten Shopping-Tempels. Mehr Infos auf www.ringstrassen-galerien.at.

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WILLKOMMEN IN WIEN Hier essen Sie immer marktfrisch Über den Markt schlendern, gustieren, auswählen. Und zusehen, wie die Speisen für Sie frisch zubereitet werden. Täglich geöffnet von 10.30 bis 22 Uhr und im Bistro schon ab 9 Uhr morgens.

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Grußworte

Liebe Fremdenführerinnen und Fremdenführer! Die Wiener Fremdenführerinnen und Fremdenführer sind jene Menschen, die das »Gesicht«, das Wesen der Stadt Wien am direktesten für unsere Gäste repräsentieren.

Foto: © Stadt Wien/PID, Fotograf Hubert Dimko

All die Eindrücke unserer Stadt und die wienerische Atmosphäre an die Millionenschar der Gäste aus aller Welt weiterzugeben, ist die verantwortungsvolle Aufgabe der Fremdenführerinnen und Fremdenführer. Von ihrem Wissen, von ihrer Vermittlungsgabe und von ihrer Überzeugungskraft, von ihrem persönlichen Auftreten und Engagement hängt es entscheidend ab, welches Bild von Wien die Besucherinnen und Besucher mitnehmen, wenn sie diese Stadt wieder verlassen. Dabei sind Freundlichkeit, Kompetenz, Kreativität und Spaß am Beruf nur einige jener Eigenschaften, die eine gute Fremdenführerin und einen guten Fremdenführer auszeichnen. Ich möchte diese Gelegenheit nützen, um mich im Namen aller Wienerinnen und Wiener dafür zu bedanken, dass Sie an 365 Tagen im Jahr und bei jedem Wetter unseren Gästen aus aller Welt die Schönheiten und Kulturschätze der Stadt Wien näher bringen. Herzlichen Dank für Ihr Engagement!

! Dr. Michael Häupl Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien

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Grußworte

Liebe Wienerinnen und Wiener, verehrte Gäste!

Die geprüften Wiener Fremdenführer sind bestens qualifizierte und hoch spezialisierte Unternehmer, die eng mit den großen Erfolgen der Tourismusdestination Wien verbunden sind. Es ist ihrem Wissen um Geschichte und Geschichten zu verdanken, dass die Schönheit und Einzigartigkeit Wiens international in aller Munde ist und die Besucherzahlen stetig steigen. Ich danke den geprüften Wiener Fremdenführern für ihr beständiges Engagement um unsere kulturellen Schätze und wünsche allen Gästen interessante und zugleich erholsame Urlaubstage in Wien! Ihre

© Meinrad Hofer

Wien ist immer eine Reise wert! Nach wie vor rangiert Wien mit mehr als elf Millionen Nächtigungen pro Jahr unter den attraktivsten Reisezielen in Europa. Besucher aus dem In- und Ausland kommen jedes Jahr in unsere schöne Stadt, um sich vom Bann einer modernen Metropole mit historischem Flair verzaubern zu lassen. Auch noch nach Jahrhunderten zieht die ehemalige mächtige Kaiserund Residenzstadt unsere Gäste mit ihrer abwechslungsreichen und spannenden Vergangenheit ebenso in den Bann wie mit einer unvergleichlichen Fülle an zeitgenössischer Kunst und Architektur – nicht zuletzt auch dank der Kompetenz unserer Fremdenführer.

Brigitte Jank

Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien

Liebe Fremdenführerinnen und Fremdenführer, es ist kein Zufall, dass der Tourismus in Wien trotz schwieriger weltweiter Rahmenbedingungen von einem Hoch zum nächsten gelangt. Das ist das Ergebnis langjähriger konsequenter und passionierter Arbeit von vielen einzelnen Personen und Organisationen, die Wien so attraktiv für Touristen machen. Ein großer Teil des Dankes gebührt hier Ihnen: Sie sind die Visitenkarte unserer Stadt und durch Ihr Fachwissen, Ihr Engagement und Ihre Liebe zum Beruf ist Wien für viele Touristen nicht nur eine »Once in a lifetime-Destination«, sondern ein Ort zum immer wieder Kommen. Es verwundert daher nicht, dass Ihre Dienstleistungen über den Tourismus hinaus auch von den Wienerinnen und Wienern höchst geschätzt werden, und durch Sie unsere Stadt immer wieder aufs Neue entdeckt werden kann. In diesem Sinne möchte ich mich bei Ihnen für Ihr Engagement bedanken und alles Gute für die Saison 2013 wünschen. Herzlichst, Ihr Markus Grießler

Obmann Fachgruppe Freizeitbetriebe/Wirtschaftskammer Wien

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Grußworte

Liebe Fremdenführerinnen und Fremdenführer! Wiens Erbe und die glanzvollsten Epochen unserer Stadt in all ihren Facetten zu vermitteln, verstehen Sie ebenso wie das moderne, zeitgemäße Wien darzustellen. Auch für die dunkleren Kapitel unserer Geschichte, wie sie im aktuellen Kulturmagazin thematisiert werden, beweisen Sie Feingefühl und leisten zugleich Bildungsarbeit, die im Umgang mit internationaler Klientel von besonderem Wert ist. Diese Aufgabe erfordert nicht nur Wissen und Erfahrung, sondern auch Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz. Eine Anforderung, die die Wiener Fremdenführerinnen und Fremdenführer tagtäglich mit Bravour erfüllen. Sie vermitteln Themen nicht als Massenkost, sondern maßgeschneidert, und schaffen es, immer wieder neu den individuellen Interessenslagen unserer Gäste Rechnung zu tragen. Das ist nur einer jener Vorzüge, die den Wiener Fremdenführerinnen und Fremdenführern im Zeitalter der Digitalisierung und elektronischen Reiseberater Überlegenheit geben und die hohe Qualität ihrer Arbeit noch besser sichtbar machen. Für Ihre Leistungen für den Wiener Tourismus möchte ich mich auch heuer bei Ihnen herzlich bedanken: Dafür, dass Sie die vielen „Gesichter“ Wiens eindrucksvoll interpretieren, Wiens Geschichte auch im Kontext seiner Gegenwart präsentieren und so ein authentisches, aktuelles Bild unserer Stadt zeichnen. Herzlichen Grüße Norbert Kettner

Direktor WienTourismus

Liebe Leserinnen und Leser! Am 13. Dezember 2012 hat die Tourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) eine Milliarde Reisende während des Jahres 2012 gefeiert: Das bedeutet eine Milliarde Möglichkeiten! Anlässlich dieser Feier sagte Generalsekretär Rifai in einem Interview: »Überlegen Sie, was für einen Unterschied ein einzelner Besucher machen kann: …, das Handtuch länger als einen Tag verwenden, einen lokalen Fremdenführer nehmen, das bodenständige Produkt kaufen – und das bei einer Milliarde Touristen …!« Die Diskussion über Reiseleiter und Fremdenführer als zwei parallele Berufsgruppen beschäftigt die Tourismusbranche seit Jahren: Einerseits die überregionale Betreuung durch den Reiseleiter, die jedem von uns eine Reise so angenehm wie möglich macht; andererseits die Interpretation der nächsten Umgebung durch einen Fremdenführer. Jeder Besucher – ob In- oder Ausländer, kenntnisreich oder fremd zum Thema –, genießt den Reiz des Verborgenen und Neuen, die maßgeschneiderte Führung durch die Spezialisten, ausgebildete Fremdenführer. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen am Welttag der Fremdenführer – und vielleicht sehen wir Sie auch zu anderer Gelegenheit! Felicitas Wressnig Präsidentin des Weltverbandes der Fremdenführervereine mit Sitz in Wien

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Autoren

Mag. Carles Batlle i Enrich

Geboren 1963 in Barcelona, seit 1983 in Österreich. Studium der romanischen Philologie. Sprachlehrer für Katalanisch und Spanisch in der Erwachsenenbildung an mehreren Instituten. Lektor an der Universität Wien seit 1992. Fremdenführer seit 2001.

Christa Bauer

Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Wien. Nach langjähriger Tätigkeit in der Touristik und als Seminartrainerin seit 2002 als begeisterte Fremdenführerin tätig. Seit 2008 im Vorstand des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer.

Elisabeth Beranek

Geboren in St. Pölten. Kaufmännische Ausbildung, geprüfte Bilanzbuchhalterin. Hauptberuflich als Leiterin der Buchhaltung in einem international agierenden Handelsunternehmen in Wien tätig. Seit 2009 staatlich geprüfte Fremdenführerin.

Kristina Burger

Geboren und aufgewachsen in Wien. Zunächst kaufmännische Ausbildung, nach längerem England-Aufenthalt Karriere in der Werbe- und Mediabranche, unterbrochen durch die Mutterrolle. Begeisterte Fremdenführerin seit 2004 – keine Minute den Berufswechsel bereut!

Marielore Calice

Geboren in Oberösterreich, Studium der Romanistik in Wien, Arbeit bei der UNO in New York, Übersetzung mehrerer Bücher aus dem Französischen, Italienischen und Englischen. Seit 1994 staatlich geprüfte Fremdenführerin.

Christine Colella

Geboren in Mödling. Kaufmännische Ausbildung, Auslandsaufenthalte in Italien und England. Bürotätigkeit bei den Vereinten Nationen (UNIDO). Seit 1999 Ausübung des Fremdenführergewerbes.

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DDr. Anna Ehrlich

Promovierte Historikerin und Juristin, ist seit 1967 als Fremdenführerin tätig. Ehrenmedaille der Stadt Wien in Bronze. Sie bietet unter dem Namen »Wien für kluge Leute – Wienführung DDr. Anna Ehrlich« sowohl spannende Stadtspaziergänge als auch Bücher über Österreichs Vergangenheit an (Amalthea, Pustet).

Mag. Elsi Graf

Kunsthistorikerin, staatl. gepr. Sporttrainerin und Fremdenführerin. Geboren in Salzburg, aufgewachsen in Mozambique. Nach vielen Jahren im Ausland jetzt wohnhaft in Wien und Salzburg. Schwerpunkt der Tätigkeit als Fremdenführerin in der Vermittlung von Kunst und Kultur gepaart mit Bewegung: »Kunst - Kultur - Bewegung«.

Herta Hawelka

Geboren in Wien. Aufgewachsen im Kaffeehaus und in der Innenstadt. Langjährige Tätigkeit an der Brasilianischen Botschaft in Wien. Sechs Jahre im Einsatz als Kaffeesiederin. Fremdenführerin mit folgenden Schwerpunkten: Kaffeehaus, Süßes Wien, Musik und historische Persönlichkeiten.

Walter Juraschek

Geboren in Hannover, Studium der Volkskunde, Völkerkunde, Kunstgeschichte und Geschichte. Langjährige Erfahrungen in der Europäischen Jugendarbeit und im interkulturellen Bereich. Freizeitpädagoge und im jüdischen Emigrationssektor tätig. Seit 2007 »Austria Guide«..

Patrizia Kindl

Studium Germanistik und Kunstgeschichte an der Uni Wien; Deutschpädagogin und Bildungsberaterin an einer amerikanischen Schule; seit vielen Jahren Mitarbeiterin von Schloss Schönbrunn; geprüfte Fremdenführerin seit 2004.

Brigitte Klima

Flugbegleiterin bei Austrian Airlines, Wirtin eines Szenelokals mit klassischer Musik in der Wiener Innenstadt, staatlich geprüfte Fremdenführerin seit 1997 (Sprachen: Englisch, Französisch).

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Autoren

Mag. Friederike Kraus

Historikerin, Studium der Kunstgeschichte. Langjährige Tätigkeit als selbstständige Unternehmerin in der gewerblichen Wirtschaft. Seit 2007 Fremdenführerin mit Spezialgebiet Zwischenkriegszeit und Frauen in Wien.

Gerda Leisser

Geboren 1958 in Wien. 16 Jahre im Ausland gelebt und gearbeitet (Südafrika, Deutschland, Italien). Nach ihrer Heimkehr Ausbildung zur staatlich geprüften Fremdenführerin. Seit 2006 mit Schwung und Begeisterung mit ihren Gästen vor allem in Wien und Schlosshof unterwegs. Motto ihrer Stadtspaziergänge: »Man sieht nur, was man weiß.«

Mag. Marius Pasetti

Studium Theaterwissenschaft und Geschichte, Befähigungsprüfung Fremdenführer. Lebt und arbeitet als freier Dramaturg, Regisseur und Fremdenführer in Wien.

Franziska Pfister

Geboren in Würzburg/Bayern, langjährige Auslandsaufenthalte in Schweden, Großbritannien, Ägypten. Studium an der Journalistenhochschule in Göteborg/Schweden. Seit 15 Jahren als Studienreiseleiterin in der ganzen Welt von Afrika bis Nordkap unterwegs. Seit 1993 Wohnsitz in Österreich. Staatlich geprüfte Fremdenführerin seit 1997. Referententätigkeit (WIFI), Reiseleiterausbildung.

Mag. Brigitte Lindinger

Studium der Pharmazie in Wien, Tätigkeit an der Universität und in der Apotheke. Ab 1997 geprüfte Fremdenführerin, Spezialisierung auf Kunstvermittlung, derzeit tätig in den Museen Leopold und Liechtenstein.

Regina Macho

Wohnhaft in Klosterneuburg, Mutter zweier erwachsener Kinder, seit 1999 als Fremdenführerin (Fremdsprachen englisch und französisch) tätig. Beweggründe, Fremdenführerin zu sein, sind die Freude an der Begegnung mit Menschen und die Möglichkeit, die Schönheiten von Wien und Umgebung mit aktuellen und historischen Bezügen zu vermitteln. Seit 2007 im Vorstand des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer.

Bettina Mandl

Geboren 1969 in Wien, Universitätslehrgang für Touristik / WU Wien. Nach mehr als zehn Jahren in der Tourismusbranche, unter anderem als Reiseleiterin oder bei namhaften Reiseveranstaltern im Verkauf und Marketing, entschloss sie sich für die Tätigkeit als Fremdenführerin. Seit 2007 staatlich geprüfte Fremdenführerin.

Uta Minnich

»Ich liebe meine Heimatstadt Wien, in der ich zwar nicht aufgewachsen bin, mich aber jedes Mal freue, sie meinen Gästen zeigen zu können! Die Fremdenführer-Gewerbeprüfung war wie der Abschluss meines Geschichtsstudiums, das ich wegen meiner 3 Kinder ›unterbrochen‹ habe.« Seit 1994 Fremdenführerin.

Renate Piffl

Geboren in Wien, kaufmännische Ausbildung, über 30 Jahre im Verlagswesen tätig, bis 2002 Leiterin eines der ältesten wissenschaftlichen Verlage im deutschsprachigen Raum mit Sitz in Wien. Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben mit Begeisterung das vernetzte Ausbildungsangebot des WIFIFremdenführer-Kurses genützt, um nunmehr in diesem Bereich tätig zu sein.

Mag. Dr. George Purdea

1953 in Rumänien geboren, unterrichtet am Institut für Philosophie der Univerität Wien, hat mehrere Übersetzungen und Bücher veröffentlicht, hält sowohl Führungen als auch Vorträge.

Giselheid Scherabon

Als großer Musikfreund führt sie unter vielen anderen Wienthemen auch Spaziergänge durch, die auf die Spuren aller großen Meister führen, die in unserer Stadt gelebt und gewirkt haben. Sie alle haben unverwechselbar das einmalige musikalische Bild mitgeformt. Darüber hinaus führt sie ganz spezielle Touren durch viele Wiener Bezirke, kompetent, amüsant und informativ.

Dr. Elisabeth Scherhak

Geboren in Wien, Studium der Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Wien, langjährige Tätigkeit in der Erwachsenenbildung. Staatlich geprüfte Fremdenführerin.

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Autoren

Geboren 1942 in Wien, Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Nach dem Bundesheer und Gerichtsjahr ab 1968 durch 35 Jahre als Firmenjurist für eine internationale Computerfirma in Wien, zwischen 1974 und 1976 in London tätig. Seit 2005 staatlich geprüfter Fremdenführer, seit 2007 im Vorstand des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer.

Mag. Martina A . Schümatschek

Geboren in Wien. Während des Wirtschaftsstudiums als Reiseleiterin tätig. Die Begeisterung für die Heimatstadt erweckten Reisen, längere Auslandsaufenthalte und die Musik, spziell das Wienerlied. Ausbildung zur Fremdenführerin, Fotografin und Filmerin. Seit 2006 unter dem Firmennamen »MAS Triloca« selbstständig.

Ursula Schwarz

»Ich liebe das Leben, den Sinn und das Sinnliche. Ich liebe die Geheimnisse, die hinter den Dingen stehen. Ich liebe das Theater, das das Spiel des Lebens spielt. Und meine Führungen sind eine Inszenierung der Stadt.«

Mag. Christine Stabel

Geb. 1955 in Frankfurt am Main, seit 1977 in Wien, Studium Soziologie/ Wirtschaftswissenschaften, seit 1987 Fremdenführerin in Wien, Unternehmensberaterin, Trainerin in der Erwachsenenbildung, zertifizierter Wedding Planer.

Alexandra Stolba

Nach der Matura Fremdenverkehrskolleg Modul Wien, langjährige Tätigkeit im Tourismus und Veranstaltungsbereich, »Hobbystudium« Geschichte/Kunstgeschichte, seit 1997 staatlich geprüfte Fremdenführerin, Mitglied im Vorstand des Vereins der Wiener Spaziergänge.

Julia Strobl

Geboren 1965 in Wien, Schule für Industriedesign in Brasilien, ArchitekturStudium an der TU Wien, Studium der Archäologie und Kunstgeschichte seit 2008.

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Komm.Rat Johann Szegő

Geboren 1936 in Budapest, seit 1956 in Österreich, seit 1967 Fremdenführer, von 1975 bis 2007 Präsident des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer (seit 2007 Ehrenpräsident), seit mehr als 20 Jahren in der Fremdenführerausbildung tätig. 1986: Silbernes Ehrenzeichen der Stadt Wien; 1987–1993: Vorstandsmitglied des Weltverbandes von Fremdenführervereinen, 1997: Kommerzialrat. Zahlreiche Publikationen.

Mag. Magdalena Vit

Aufgewachsen in NÖ. Nach dem Studium der Kultur- und Sozialanthropologie seit 2008 leidenschaftliche Fremdenführerin. Gästen aus der ganzen Welt die Schätze und Besonderheiten unseres Landes zu zeigen, heißt auch, dabei oft selbst die Lernende und Beschenkte zu sein.

© F.X. Lahmer

Dr. Klaus-Dieter Schmidt

Heiner Wesemann, MA

Geboren in München, aufgewachsen in Kanada, Universitätsabschluss in Vergleichender Literaturwissenschaft an der Carleton Universität, Ottawa. Längere Zeit in Kalifornien und London gelebt. Als Reiseleiter jahrzehntelang auf der ganzen Welt unterwegs. »Papua NeuGuinea« Kunstreiseführer bei DuMont erschienen. Journalistisch tätig: Kunstkritiken, Reiseberichte. Lebt seit 1980 in Wien. Seit einigen Jahren als Fremdenführer in vier Sprachen tätig. Spezialität: Vorträge über Österreich-Themen, z. B. »Musikalisches Österreich«. Besondere Interessensgebiete: Musik, Kunst, Geschichte, Literatur und Theater.

Mag. Maria Zajko

Geboren in Bratislava (Slowakei) 1952, seit 1969 in Österreich. Als begeisterte Fremdenführerin seit 2007 bereitet es ihr eine große Freude, ihren Landsleuten aus der »alten« und »neuen« Heimat die gemeinsame Geschichte und Kultur näher zubringen. Mit kurzen Geschichten, knappen Portraits, schrillen Anekdoten und passenden Zitaten werden die trockenen Fakten aufgelockert und lebendig.

Mag. Lisa Zeiler

Studium der Anglistik und der Kunstgeschichte in Wien und Toronto. Seit 2001 als Fremdenführerin in Wien tätig. Österreichs Vertreterin in der European Federation of Tourist Guide Associations (www.feg-touristguides.org).

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in eigener Sache

Schloss Schönbrunn zum Angreifen Ein Modell im Maßstab 1:200 für blinde und sehschwache Menschen, finanziert durch die Spenden der Welttagsbesucher und der Leserinnen und Leser des Kulturmagazins, gewidmet vom Verein der geprüften Wiener Fremdenführer. Der 1975 gegründete Verein der geprüften Wiener Fremdenführer organisiert jährlich anlässlich des international abgehaltenen Welttags der Fremdenführer zahlreiche kostenlose Führungen und Vorträge für lokale Gäste, um auf die Schönheiten der Stadt aufmerksam zu machen und die fundierte Ausbildung und Professionalität der Fremdenführer unter Beweis zu stellen. Im Zuge der Welttagsveranstaltungen wurde auch die Idee geboren, ein Modell eines Wiener Bauwerks zu finanzieren, welches auch blinden und sehschwachen Menschen ermöglichen sollte, dieses zu ‚begreifen‘. Seit dem Jahre 2008 wurden daher unsere Gäste von den Vereinsmitgliedern bei den kostenlosen Führungen im Rahmen des Welttags um Spenden gebeten, die eine Anschaffung dieses Modells ermöglichen sollten. Insgesamt wurde bei diesem Sammelaufruf über mehrere Jahre hinweg ein Betrag in Höhe von € 16.157,69 gespendet. Ende Jänner 2012 konnte schließlich, nach konstruktiven Gesprächen mit Herrn Ing. Peter Grassmayr von der traditionsreichen Grassmayr Glockengießerei in Innsbruck, der Auftrag für die Erstellung eines solchen Modells erteilt werden. Nachdem kurzfristig auch an eine Abbildung der Baulichkeiten der Wiener Hofburg gedacht worden war, entschied man sich letztlich doch für ein Modell des Schlosses Schönbrunn. Ende Oktober 2012 war der aufwändige Modellierungsprozess abgeschlossen. In mehrmonatiger Arbeit hatten Bildhauerinnen der Glockenund Kunstgießerei Grassmayr aus Plastilin ein Modell des Schlosses im Maßstab von 1:200 hergestellt (s. Abbildungen). Das Modell wurde dann im sogenannten Wachsausschmelzverfahren in Bronze gegossen. Mit der endgültigen Fertigstellung ist im Februar 2013 zu rechnen. Die Aufstellung auf einem von Schloss Schönbrunn bereitgestellten Sockel im Außenbereich des neuen Besucherzentrums wird rund um den Welttag 2013 erfolgen. Schloss Schönbrunn ist somit um eine neue Attraktion reicher. Das Modell soll speziell blinden und sehschwachen Personen ermöglichen, mit Hilfe ihres Tastsinns den Schlosskomplex mit seinen zahlreichen Trakten und all seinen Details zu erfassen. Auch für Kinder stellt das Modell eine wertvolle Bereicherung dar. Nicht zuletzt wird es auch den Fremdenführerinnen und Fremdenführern, unseren geführten Gästen, und auch allen anderen sehenden Besuchern als visuelles Hilfsmittel und Anschauungsobjekt dienen. Die Kosten für die Herstellung des Modells liegen bei etwas über € 15.000,–. Die Differenz zum gesammelten Betrag wird an »Licht ins Dunkel« gespendet. Der Verein bedankt sich auch sehr herzlich bei der Glockengießerei Grassmayr, die für den Transport von Innsbruck nach Wien aufkommen wird, sowie bei der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft für die Errichtung des Sockels und die Montage des Modells.

Gratisführungen anlässlich des Welttags Sonntag, 24. Februar: Gratisführungen und -vorträge im Leopold Museum (1070 Wien, Museumsplatz 1), keine Anmeldung erforderlich. Thema: Wien 1918 – 1938 Treffpunkt: Atrium des Leopold Museums Offizielle Eröffnung: 10.00 Uhr, Untergeschoß Beginn der Führungen: 10.00 Uhr Beginn der Vorträge: nach der Eröffnung im Untergeschoß Freitag, 22. Februar: Gratisführungen für blinde und sehschwache Besucher in der Hof-, Jagd- und Rüstkammer (1010 Wien, Neue Burg, Heldenplatz) Anmeldung bei Frau Perr unter Tel.: 01/330 35 45 85 oder unter perr@hilfsgemeinschaft.at Details zu Vorträgen und Führungen:

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Unser größter Dank gilt aber den zahlreichen Spenderinnern und Spendern, d.h. allen Gästen, die unsere Welttagsveranstaltungen der vergangenen Jahre besucht haben und dem Spendenaufruf gefolgt sind. Das »Schloss Schönbrunn zum Angreifen« wird viele Millionen Besucher über Jahre hinweg erfreuen und bereichern.

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Wien 1918 – 1938

Einleitung

Der Staat, den keiner wollte »Der Staat, den keiner wollte« – so nannte der Publizist und Buchautor Hellmut Andics Österreich nach dem Untergang der Donaumonarchie und der Ausrufung der Republik im Jahre 1918 in seinem gleichnamigen Buch. Und tatsächlich glaubte damals niemand an das Überleben des kleinen Österreich, das nach dem Verlust seiner Kronländer als nicht lebensfähig galt.

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as Ende des Habsburgerreiches bedeutete einen massiven Einschnitt in der Geschichte Österreichs. Von einem riesigen Reich mit rund 50 Millionen Einwohnern blieb ein kleines Land mit nur noch sechs Millionen Einwohnern übrig, die mit den Folgen des Ersten Weltkriegs und gravierenden wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatten: Armut, Hunger, Inflation und Arbeitslosigkeit bestimmten das Leben der Menschen, dazu herrschte vor allem in Wien extreme Wohnungsnot. Der von der Mehrheit der Parteien und der Bevölkerung angestrebte Zusammenschluss mit der Weimarer Republik, von dem man sich eine Linderung der wirtschaftlichen Not erhoffte, wurde durch den Vertrag von Saint-Germain-en-Laye ausdrücklich untersagt. Einige Bundesländer wollten sich daraufhin von Österreich lossagen und sich anderen Ländern anschließen. In Vorarlberg sprachen sich zum Beispiel 80% der Bevölkerung in einer Volksbefragung für Anschlussverhandlungen mit der Schweiz aus, allerdings fielen diese Bestrebungen in der Schweiz auf keinen fruchtbaren Boden. Politisch kam es zu tief greifenden Umwälzungen. Schon vor dem Ersten Weltkrieg standen die politischen Parteien einander mit großer Abneigung gegenüber, die bei der Ausrufung der Republik vor dem Parlament im November 1918 offen zum Vorschein kam: Rote Garden hatten eine rot-weiß-rote Fahne herunter gerissen und den weißen Streifen entfernt, um so die rein rote Fahne der von ihnen angestrebten Räterepublik zu erhalten. Bei der darauf entstandenen Schießerei wurden zwei Menschen getötet und 40 weitere verletzt. Die schlechte wirtschaftliche Lage radikalisierte die Gesellschaft und trieb die Menschen in die verschiedenen Wehrverbände. Politische Gewaltausbrüche waren in den letzten Jahren der Ersten Republik auf der Tagesordnung und führten schließlich im Bürgerkrieg von 1934 zur Ausschaltung des Parlaments. Der von

Christa Bauer

Bundeskanzler Engelbert Dollfuß installierte Ständestaat fand 1938 durch den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich sein Ende. Diese Zeit war aber auch geprägt von vielen sozialen Errungenschaften. In Wien regierten die Sozialdemokraten mit absoluter Mehrheit und begannen, ein großes soziales Programm umzusetzen, das neben dem Wohnbau viele Reformen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen umfasste. Es entstanden rund 65 000 Gemeindewohnungen in großen Wohnhöfen mit Grünflächen, die die katastrophale Wohnungsnot linderten und für die damalige Zeit modern ausgestattet waren. Vergeben wurden diese Wohnungen nach verschiedenen Kriterien, so wurden zum Beispiel Familien oder Menschen mit Behinderungen bevorzugt. Finanziert wurden die Wohnungen zum größten Teil durch die Einführung der zweckgebundenen Wohnbausteuer, aber auch durch die ebenfalls neue Luxussteuer, die etwa für Autos, Pferde und andere Luxusgüter eingehoben wurde. Es entstanden Schulen und Kindergärten, um berufstätige Mütter zu unterstützen und zu verhindern, dass sich Kinder weiterhin unbeaufsichtigt auf den Straßen herumtrieben. In neuen Kliniken wurden die Menschen von nun an kostenlos behandelt, Kuraufenthalte und öffentliche Bäder förderten den gesundheitlichen Zustand ebenfalls. So konnten Krankheiten wie die Tuberkulose endlich erfolgreich bekämpft und die Sterblichkeitsraten gesenkt werden. Der Leiter des Wiener Stadtschulrates, Otto Glöckel, setzte eine Reform des Bildungswesens um, die die Lehrerausbildung stark verbesserte und allen sozialen Schichten einen kostenlosen Schulbesuch ermöglichte. Zahlreiche Gesetze zum Arbeitsrecht und der Sozialfürsorge wurden verabschiedet, und Frauen erhielten endlich mehr Rechte: Im März 1918 gab es acht weibliche

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Einleitung

Abgeordnete (sieben sozialdemokratische und eine christlich-soziale) im Parlament. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Wien vorübergehend seine kulturelle Stellung in Europa, die neuen Hochburgen waren Berlin, Weimar und Paris. Dennoch prägten viele Künstler diese Zeit und brachten neue Strömungen in ihre Werke ein, auch wenn neue Stilrichtungen wie der Kubismus oder die Neue Sachlichkeit die österreichische Kunst nur in abgeschwächter Form beeinflussten. Eine dieser neuen Kunstrichtungen war der Expressionismus, der sich zum Beispiel in den Werken von Oskar Kokoschka, Anton Kolig und Herbert Böckl niederschlug. In der Musik setzten Arnold Schönberg und Alban Berg ihren neuen Weg der »Zwölftonmusik« fort, Ende der 1920erJahre wurde Ernst Kreneks Jazz-Oper »Jonny spielt auf« in Wien aufgeführt, und auch die Operette feierte weiterhin große Erfolge.

In den literarischen Werken Arthur Schnitzlers und Stefan Zweigs machten sich Einflüsse aus anderen wissenschaftlichen Bereichen bemerkbar, zum Beispiel aus der Psychoanalyse Sigmund Freuds. Und auch die bereits vor dem Krieg bestehende Tradition der »Kaffeehausliteratur« – also das »Schreiben nicht daheim, aber doch nicht an der frischen Luft« wurde von Peter Altenberg, Anton Kuh, Egon Friedell oder Alfred Polgar fortgesetzt, von denen einige auch als Journalisten arbeiteten. Karl Kraus prangerte in seiner Zeitschrift »Die Fackel« politische und gesellschaftliche Probleme an und lieferte mit dem Werk »Die letzten Tage der Menschheit« eine eindrucksvolle Abrechnung mit dem Ersten Weltkrieg. Zu erwähnen neben vielen anderen sind Joseph Roth, Ödön von Horvath oder Robert Musil, die tiefe Einblicke in die damalige Zeit gewähren. Die Kabaretts erfreuten sich großer Beliebtheit, allen voran das 1912 gegründete

»Simpl«, das vor allem durch Karl Farkas und seinen kongenialen Partner Fritz Grünbaum, der 1941 im KZ Dachau ermordet wurde, große Erfolge feierte. Auch die Filmindustrie blühte: Nach dem Ersten Weltkrieg war Österreich neben Deutschland mit über 100 Filmen pro Jahr führend in der europäischen Filmproduktion, später ging die Produktion aufgrund der billigen amerikanischen Konkurrenz auf rund 30 Filme pro Jahr zurück. Viele dieser Errungenschaften, sei es auf dem Gebiet der Politik, des Sozialwesens oder der Kunst, gingen mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 verloren. Politiker wurden verhaftet, Kunstwerke und ihre Schöpfer als »entartet« bezeichnet, die Menschen waren grausamen Verfolgungen durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Viele fanden dabei den Tod oder haben Österreich verlassen, was einen unwiederbringlichen Verlust für unser Land bedeutete.

ALBERTINA................BELVEDERE................HAUS DES MEERES................HOFBURG................ .................JÜDISCHES MUSEUM WIEN..................KUNSTHISTORISCHES MUSEUM................ LEOPOLD MUSEUM.............................MADAME TUSSAUDS.............................MUMOK........................... .......NATURHISTORISCHES MUSEUM.........RIESENRAD.........SCHLOSS SCHÖNBRUNN....... STRASSENBAHNMUSEUM........TECHNISCHES MUSEUM........TIERGARTEN SCHÖNBRUNN ...............VOLKSOPER WIEN..................WIEN MUSEUM..............ZOOM KINDERMUSEUM............

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Die Stadt gehört Dir.

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Wien 1918 – 1938

Das Ende der Monarchie

Das letzte Kaiserpaar

Ein Kaiserpaar ohne Thron Mit Karl I. (1887 – 1922) und Zita (1892 – 1989) ging die über 600-jährige Herrschaft der Habsburger unter. 1918 war der Erste Weltkrieg verloren, Österreich wurde eine Republik, das Kaiserpaar ging ins Exil. Karl blieben nur noch vier Jahre bis zu seinem frühen Tod, seine Gemahlin Zita überlebte ihn um über 60 Jahre. Für einige Jahrzehnte gerieten sie in Vergessenheit, doch nach Zitas feierlicher Bestattung 1989 in Wien und Karls Seligsprechung 2004 war das Interesse am letzten

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arl Franz Joseph wurde am 17. August 1887 auf Schloss Persenbeug in Niederösterreich geboren. Sein Vater Otto (1865-1906) war der jüngere Bruder des späteren Thronfolgers Franz Ferdinand, seine Mutter Maria Josepha von Sachsen (1867-1944). Maria Josepha erzog Karl von Kindheit an im katholischen Glauben, er galt als wahrheitsliebendes, bescheidenes und ruhiges Kind, das nie log oder zornig war. Karl war ein guter Schüler, seine Lehrer bescheinigten ihm ein ausgezeichnetes Gedächtnis und eine schnelle Auffassungsgabe. Neben naturwissenschaftlichen Fächern wurde Karl in Sprachen unterrichtet, er las viel, betrieb Sport und ging leidenschaftlich gerne auf die Jagd. Im Alter von zehn Jahren kam Karl ins Schottengymnasium in Wien. Als er 1901 die Schule abschloss, galt er bereits als Nachfolger des Thronfolgers: Sein Vater Otto kam wegen seines unsteten Lebenswandels nicht mehr in Frage, alle anderen Anwärter waren verstorben und der amtierende Thronfolger Franz Ferdinand musste aufgrund seiner nicht standesgemäßen Ehe mit der Gräfin Sophie Chotek für seine Kinder auf die Thronfolge verzichten.

Christa Bauer

Auf Karls Schulzeit folgte die Ausbildung beim Militär. Er war beliebt und pflichtbewusst und fügte sich gut in die mitunter äußerst bescheidenen Verhältnisse ein. Darüber hinaus absolvierte er erfolgreich weitere Studien in juristischen Fächern sowie Wirtschaftswissenschaften. Natürlich wurde vom künftigen Thronfolger erwartet, dass er heiratet, und Karls Wahl fiel auf Zita von Bourbon-Parma. Zwar hatte ihre Familie 1859 ihre Herrschaftsrechte verloren, sie galt aber als standesgemäß. Zita war das 17. Kind ihres Vaters Herzog Robert von Bourbon-Parma (1848-1907) und seiner zweiten Frau Maria Antonia von Bragança (1862-1959). Aus den beiden Ehen ihres Vaters gingen je zwölf Kinder hervor, sodass Zita inmitten vieler Geschwister aufwuchs. Die Familie lebte im niederösterreichischen Schwarzau und in der Villa del Pianore in der Toskana, in der Zita auch geboren wurde. In der Familie sprach man Italienisch und Französisch sowie Deutsch. Darüber hinaus beherrschten die Kinder Spanisch und Portugiesisch, und Herzog Robert ließ sie auch in Englisch unterrichten. Die Nationalität Zitas und ihrer Familie ist nicht

Kaiserpaar Österreich-Ungarns

Karl I., Kaiser von Österreich mit seiner Braut Zita, Prinzessin von Bourbon-Parma. Karl in Uniform als Rittmeister. Datiert 1911

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© Österreichische Nationalbibliothek

wieder geweckt.

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Das letzte Kaiserpaar

Zweiter Restaurationsversuch Kaiser Karls in Ungarn. Karl beim Abschreiten der Ehrenkompanie am Bahnhof. Rechts hinter ihm Exkaiserin Zita. Datiert 21. 10. 1921 einfach festzulegen, ihr Vater meinte dazu nur: »Wir sind französische Fürsten, die in Italien regierten.«

1914 wurden Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie in Sarajewo ermordet, der Erste Weltkrieg brach aus. Ein normales Familienleben war nicht mehr möglich: Karl zog im August 1914 an die Front und sah seine Familie nur selten. Die Kinder – bis Kriegsende 1918 wurden noch Adelheid, Robert, Felix und CarlLudwig geboren – hatten wohl ein behütetes Leben, mussten aber oft auf die Eltern verzichten, denn auch Zita war aufgrund ihrer karitativen Tätigkeiten häufig nicht anwesend. Karl war ständig zwischen den Frontabschnitten unterwegs, doch ob er tatsächlich von Anbeginn an den Krieg rasch beenden wollte, ist nicht gesichert. In Misskredit geriet der junge Kaiser jedenfalls 1917 durch die »Sixtus-Affäre«: Karl versuchte mithilfe Zitas Bruder Sixtus, einen Frieden mit Frankreich und England zu erreichen, ohne den Bündnispartner Deutschland darüber zu informieren. Diese Geheimverhandlungen wurden von Frankreich öffentlich gemacht – Karl stand als Verräter da. Besonders kritisiert wurde Karl außerdem wegen des Einsatzes von Giftgas an der Isonzofront. Karls Versuche, die Monarchie durch die Beendigung des Krieges sowie die Umsetzung weitreichender Reformen zu erhalten, scheiterten: Am 11. November 1918 unterzeichnete Karl eine Erklärung, in der er auf »seinen Anteil an den Staatsgeschäften« verzichtete. Noch in der Nacht verließ er mit seiner Familie Schönbrunn und zog ins Schloss Eckartsau im Marchfeld. Dort mangelte es an allem, vor allem an Lebensmitteln. Außerdem befürchteten Karl und Zita, dasselbe Schicksal zu erleiden wie die Zarenfamilie wenige Monate zuvor, nämlich exekutiert zu werden.

© Österreichische Nationalbibliothek

Am 20. Oktober 1911 wurde in Schwarzau Hochzeit gefeiert. Die Ehe war äußerst glücklich und von großer Harmonie geprägt. Gekrönt wurde dieses Glück durch die Geburt ihres ersten Kindes Otto (1912-2011).

Am 24. März 1919 verließ die Familie Österreich und ging ins Schweizer Exil, auf zwei gescheiterte Restaurationsversuche Karls in Ungarn folgte ab 1921 das Exil auf der portugiesischen Insel Madeira. Wegen der mittlerweile beschränkten finanziellen Mittel zogen sie in eine Villa oberhalb der Hauptstadt Funchal, eine Region, die berühmt für ihr feuchtes Wetter im Winter war. Hier holte sich Karl eine Lungenentzündung, an der er am 1. April 1922 starb. Zurück blieb Zita mit sieben Kindern, zudem war sie hochschwanger. Es spricht für ihren starken Charakter, dass sie trotz des Verlustes ihres Mannes nicht verzweifelte. Sie trug, obwohl selbst erst kaum 30 Jahre alt, nach dem Tod Karls entsprechend der alten kaiserlichen Sitte nur noch Witwenkleidung. Die nächsten Jahre verbrachte Zita im Exil in Spanien, wo sie zwei Monate nach Karls Tod ihr achtes Kind, die Tochter Elisabeth, zu Welt brachte, sowie in Belgien, den Vereinigten Staaten und Kanada. Ab 1962 lebte sie in der Schweiz. 1980 erkannte der österreichische Verwaltungsgerichtshof, dass die Habsburgergesetze von 1919 nicht auf angeheiratete Familienmitglieder anwendbar sind, da für diese ohnehin kein Nachfolgerecht bestand. Zita konnte daher 1982 nach Österreich einreisen, ohne eine Verzichtserklärung unterzeichnen zu müssen. Im März 1989 starb Zita in der Schweiz, sie wurde am 1. April, dem Todestag ihres

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Mannes, in der Kaisergruft in Wien bestattet. Karl wurde über lange Zeit als schwach und naiv angesehen. Aber es ist anzunehmen, dass er die Realität erkannte, vor allem in Bezug auf die Probleme der Monarchie. Er trat für den Frieden nach außen und Reformen nach innen ein. Der französische Schriftsteller Anatole France, selbst Kriegsteilnehmer, meinte über Karl: »Er war der einzig anständige Mensch, der in diesem Krieg auf einem führenden Posten war. Er wünschte ehrlich den Frieden, und deshalb wurde er von der ganzen Welt verachtet.« Zita war eine selbstbewusste Frau, die ihrem Mann in allen Situationen fest zur Seite stand und nie den Mut verlor. Selbst von ihren Kritikern wurde sie wegen ihrer »geistigen Stärke« und ihrem offenen, freundlichen Wesen bewundert. Sowohl Karl als auch Zita waren zutiefst durch ihren Glauben an Gott geprägt. Durch diesen Glauben und vor allem durch ihre große Liebe war das Paar einander eng verbunden.

Literatur: Eva Demmerle, Kaiser Karl I. »Selig die, die Frieden stiften…« (Wien 2004). Gordon Brook-Shepherd, Zita. Die letzte Kaiserin (Wien 1993).

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Wien 1918 – 1938

Das Ende der Monarchie

Der Erste Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg – Ende der Monarchie

Kristina Burger

Am 28. Juni 1914 wurde der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo ermordet. Dies war der Funke, der letztendlich die brodelnden Konflikte in Europa und die immer stärker werdenden Spannungen zwischen den europäischen Großmächten im Feuersturm des Ersten Weltkrieges ausbrechen ließ.

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ie österreichisch-ungarische Regierung formulierte das Ultimatum an Serbien nach der Ermordung des Thronfolgers bewusst sehr scharf. In Wien war man zutiefst davon überzeugt, dass man die Serben »ordentlich bestrafen« solle. Und nachdem die serbische Regierung die meisten, aber nicht alle Punkte des Ultimatums erfüllen konnte, erfolgte am 28. Juli 1914 die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Nun war der Bann gebrochen: Russland sah sich als Schutzmacht Serbiens. Deutschland sicherte Österreich-Ungarn volle Unterstützung zu. Das europäische Bündnissystem trat nun in Kraft: Auf der einen Seite stand der »Dreibund«, die mit Italien verbündeten Mittelmächte Österreich-Ungarn und Deutschland, auf der anderen Seite die »Entente«: England, Frankreich und Russland. Die Mittelmächte, unterstützt durch das Osmanische Reich, und die Länder der alliierten Entente befanden sich im Krieg. Italien blieb zunächst noch neutral. Es berief sich auf eine Satzung des Dreibund-Vertrages, wonach es nur einem Defensivbündnis angehörte, sowie auf jene Klausel, die Italien jeder Verpflichtung enthob, falls das Bündnis gegen Großbritannien gerichtet werden sollte. Obwohl die Mittelmächte keinen gemeinsamen Kriegsplan ausgearbeitet hatten, begannen die deutschen Truppen mit dem Großteil ihrer Armeen eine Offensive über Belgien nach Nordfrankreich, mit dem Ziel, Paris im Westen zu umfassen und einen Großteil des französischen Heeres und des britischen Expeditionskorps einzukesseln; danach wollte man mit den österreichisch-ungarischen Truppen das russische Heer besiegen. Doch schon ab Mitte September 1914, nach dem Abwehrerfolg der Alliierten in der Schlacht an der Marne, kam der deutsche Vormarsch zum Stillstand. Ab Ende Oktober entstand von der Küste Flanderns bis an die Schweizer

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Grenze eine durchgehende Front, die im Wesentlichen bis Sommer 1918 unverändert blieb. Nur unter ungeheuren Opfern konnten von beiden Seiten in enormen Materialschlachten bloß minimale Geländegewinne erzielt werden. Die österreichisch-ungarische Armee trug zunächst die Hauptlast des Kampfes gegen Russland, wobei schon nach wenigen Wochen klar war, dass der russische Aufmarsch wesentlich schneller in Gang kam als angenommen. Zu der quantitativen Überlegenheit kam die zum Teil hervorragende Ausrüstung der russischen Verbände. Die Herbstschlachten 1914 in Galizien brachten dem k. u. k. Heer enorme Verluste, und es kam zum Rückzug auf den nordöstlichen Karpatenbogen. Nur mit tatkräftiger deutscher Unterstützung konnte ein weiteres Vordringen der Russen verhindert werden. Auch die Kampfkraft des serbischen Heeres hatte man in Wien erheblich unterschätzt. Nach drei Offensiven war Serbien noch nicht erobert. Ende 1914 standen beide Gegner, durch hohe Verluste erschöpft, wieder in der Ausgangsstellung vom August 1914, und ein rasches Kriegsende war nicht absehbar. Erst mit dem Kriegseintritt Bulgariens (Herbst 1915) und einer deutschen Großoffensive konnte Serbien Ende 1915 besetzt werden. Schließlich eröffnete sich durch den Kriegseintritt Italiens am 23.5.1915 aufseiten der Entente eine zusätzliche Front für die Mittelmächte. Im Londoner Vertrag von April 1915 sicherten die Ententemächte Italien im Falle eines Kriegseintritts auf ihre Seite große Gebietsgewinne – vor allem auf Kosten Österreich-Ungarns – zu (Trentino, Südtirol, Triest, Istrien, Dalmatien etc.). Deutschland versuchte vergeblich einen Dreifrontenkrieg zu verhindern, indem es Österreich-Ungarn zur Abtretung des Trentino und weiterer italienischsprachiger Gebiete bewegen wollte – aber vergeblich, Italien war dies zu wenig und Österreich wollte nicht verzichten.

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Der Erste Weltkrieg

Nach der italienischen Kriegserklärung wurde eine rund 600 km lange Südwestfront gebildet, an der sich von der Schweizer Grenze in den hochalpinen Regionen bis zu den Julischen Alpen ein Stellungskrieg entwickelte, der nach Süden bis in das westliche Vorfeld von Triest reichte. War der Gebirgskrieg durch extreme topografische Bedingungen gekennzeichnet, so standen die elf Isonzoschlachten zwischen Juni 1915 und September 1917, in denen die italienischen Armeen den Durchbruch nach Triest und in das Laibacher Becken verfehlten, den Materialschlachten an der Westfront in nichts nach. In der zwölften Isonzoschlacht (24.10.1917) gelang österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen die Eroberung Venetiens, bis italienische Verbände, unterstützt von britischen und französischen Divisionen, im November eine neue Front entlang der Piave errichteten. Im August 1916 trat auch Rumänien aufseiten der Entente in den Krieg ein, wurde jedoch schon im Dezember von den Mittelmächten eingenommen. Die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges durch das Deutsche Reich – auch alliierte Handelsschiffe wurden versenkt – führte zum Kriegseintritt der USA am 6. 4. 1917. Dieser verstärkte die Überlegenheit der Alliierten, speziell was den Nachschub und die Versorgung mit Rohstoffen betraf. Obwohl das russische Heer im Sommer 1916 im Rahmen der Brussilow-Offensiven noch einmal erhebliche militärische Erfolge gegen die Mittelmächte erzielen konnte – mehrere k.u.k. Armeen wurden nahezu vollständig zerschlagen – kam es infolge der Kriegsbelastungen und der Nahrungsmittelknappheit zu politischen Unruhen im russischen Hinterland. Massendemonstrationen in Petersburg weiteten sich zur Februarrevolution 1917 aus, in deren Folge Zar Nikolaus II. am 15.3. abdankte. Die neue, noch provisorische russische Regierung entschied sich aber zur Weiterführung des Krieges. Daher ermöglichte Deutschland Lenin und seinen »Bolschewiki«, aus dem Schweizer Exil mit dem Zug nach Russland zu fahren. Nachdem Lenin durch die Oktoberrevolution (1917) an die Macht gekommen war, kam es am 3.3.1918 zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk. Darin verlor

© Österreichische Nationalbibliothek

Wien, am 12. 11. 1918: Massendemonstration vor dem Parlament anlässlich der Ausrufung der Republik Deutsch-Österreich durch Präsident Dinghofer

Russland fast 25 % seines europäischen Territoriums. Obgleich die deutsche Heeresleitung nun eine Million Soldaten zusätzlich an die Westfront verlegen konnte, und dort mehrere Großoffensiven führte, gelang ihr kein Durchbruch mehr. Die am 15. 6. 1918 begonnene Piave-Offensive des k.u.k. Heeres scheiterte ebenso. Auf dem Balkan wurden am 26. 9. 1918 die Bulgaren zur Kapitulation gezwungen; im Nahen Osten standen die osmanischen Streitkräfte vor der Auflösung. Bereits in den Kriegsjahren 1916 und 1917 hatte sich die Versorgungslage in der Habsburgermonarchie dramatisch verschlechtert. Unterernährung und Krankheitsanfälligkeit der Zivilbevölkerung nahmen ab Ende 1917 erschreckende Ausmaße an. Die nationalistischen Spannungen nahmen zu und wirkten sich in Massendesertionen – vor allem tschechischer Regimenter an der Ostfront – und in wirtschaftlich motivierten Massenstreiks aus. Kaiser Franz Joseph war am 21. 11. 1916 verstorben. Mit dem Verschwinden dieser Symbolfigur war auch die Bindung der Bevölkerung an die Dynastie schwächer geworden, zumal es seinem Nachfolger Karl nicht gelang, die innenpolitischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu lösen und den Krieg trotz zahlreicher Friedensbemühungen zu beenden.

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Da der militärische und wirtschaftliche Zusammenbruch absehbar war, entschloss sich Kaiser Karl am 14. 9. 1918 zu einer Friedensnote an die Alliierten. Als diese abgelehnt wurde, begann mit großer Schnelligkeit der Zerfall der Donaumonarchie. In Zagreb wurde ein »Südslawischer Nationalrat« gebildet, am 21. 10. 1918 konstituierte sich in Wien die Provisorische Nationalversammlung für »Deutsch-Österreich« und am 28.10.1918 wurde in Prag der tschechoslowakische Staat proklamiert. Im Auftrag Kaiser Karls wurde der Waffenstillstand von Villa Giusti am 3. 11. 1918 mit den Alliierten unterzeichnet. Am 11. 11. verzichtete der Kaiser in Schönbrunn auf »jeden Anteil an den Staatsgeschäften«– zur Abdankung als Kaiser »von Gottes Gnaden« konnte er sich nicht durchringen. Am 12. 11. 1918 erfolgte die Ausrufung der »Republik Deutsch-Österreich« vor dem Parlament in Wien. Dieser Krieg beendete nicht nur die fast 650 Jahre währende Herrschaft der Habsburger in Österreich, sondern kostete auch weltweit fast zehn Millionen Soldaten das Leben – davon allein eineinhalb Millionen der österreichisch-ungarischen Armee – Hunderttausende mussten in Kriegsgefangenschaft und fast zwei Millionen Verwundete waren Opfer des »Großen Krieges«, wie er im anglo-amerikanischen Raum genannt wurde.

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Wien 1918 – 1938

Politik

Ausrufung der Republik

Die Gründung der neuen Republik Vor allem die Sozialdemokraten, die sich als Gründer der Republik betrachteten, hielten die Erinnerung an den 12. November 1918 aufrecht.

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ementsprechend zeigt das 1928 neben dem Parlament errichtete Republikdenkmal die Büsten dreier sozialdemokratischer Politiker: des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei und Mitbegründers der Ersten Republik Victor Adler, des Wiener Bürgermeisters Jakob Reumann und des Gründers der Arbeiterkammer Ferdinand Hanusch. 1934 wurde es zuerst verhüllt, dann abgetragen, in der Stadionhalle gelagert und zum 30. Jahrestag der Ausrufung der Republik, am 12. November 1948, restauriert und wieder aufgerichtet. Der tatsächliche Staatsgründungstag des posthabsburgischen Österreich, der 30. Oktober 1918, ist hingegen nicht im öffentlichen Gedächtnis verankert. Am 21. Oktober 1918 traten die Abgeordneten der deutschen Parteien im niederösterreichischen Landtagssitzungsaal in der Herrengasse zusammen, um »für das

Friederike Kraus

deutsche Volk in Österreich«, einschließlich Deutschböhmens und der Sudetenländer, eine provisorische Nationalversammlung zu konstituieren. Sie bestand aus 216 Mitgliedern, basierend auf den Ergebnissen der letzten Wahlen von 1911, aus ihren Reihen wurden drei Präsidenten gewählt. Die Aufgabe der Provisorischen Nationalversammlung war die Errichtung des unabhängigen Staates »Deutschösterreich«, die am 30. Oktober beschlossen wurde. Die Frage der Staatsform blieb noch offen, die Staatsfarben wurden von Schwarz-Gelb auf Rot-Weiß-Rot geändert. Der neue Staat verstand sich nicht als Rechtsnachfolger der Monarchie, dennoch galten deren Gesetze und Einrichtungen, sofern sie nicht aufgehoben worden waren, als provisorische Verfassung und waren teilweise noch jahrelang gültig. Das Staatsgrundgesetz von 1867 steht bis zum heutigen Tag im Verfassungsrang. Obwohl die sozialdemokratische Fraktion

Anschlusstendenzen 1918 Aus zeitgenössischer Sicht muss der Anschlussgedanke von 1918 mit anderen Augen beurteilt werden als rückblickend und mit dem Wissen um die Ereignisse von 1938. Der Wille zum Anschluss an Deutschland war 1918 parteiübergreifend. Die Alternative, ein Staatenbund mit den Nachfolgestaaten der Monarchie, war nicht zu verwirklichen. Der emotional schwierige Schritt vom Großreich zum Kleinstaat, mangelndes Vertrauen in die eigene Kraft, die zerstörten wirtschaftlichen Grundlagen und die fehlenden Ressourcen des ehemals großen Wirtschaftsraums ließen an der Lebensfähigkeit des neuen Staates, der noch ohne fixe Grenzen war, zweifeln. Für die Deutschnationalen war der Anschluss immer oberstes Ziel gewesen, die Sozialdemokraten sahen in der hoch entwickelten Industrie und der gut ausge-

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bauten sozialdemokratischen Bewegung in der jungen deutschen Republik die besten Chancen für eine Verwirklichung des Sozialismus. Die Christlichsozialen zogen nach kurzem Zögern und halbherzig mit. Allerdings standen viele deutsche Politiker den Anschlussbestrebungen reserviert gegenüber. Im Friedensvertrag von St. Germain 1919 untersagten die Siegermächte den Anschluss Deutschösterreichs an Deutschland und die Republik Österreich, wie sie nun hieß, fand ihren selbstständigen Weg. Bis 1933 hatten die Sozialdemokraten den Anschlussparagraf im Parteiprogramm, dann ließ ihn ihr Chefideologe Otto Bauer streichen, da jedem Arbeiter und Sozialdemokraten in Österreich klar sei, »dass wir den Anschluss an die deutsche Republik, aber nicht an das Zuchthaus Hitlers wollten«.

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Ausrufung der Republik

die zahlenmäßig schwächste war, übernahm sie bald die politische Führungsrolle. Eine erste deutschösterreichische Regierung unter der Leitung des neu bestellten Staatskanzlers Karl Renner nahm ihre Tätigkeit auf, Staatssekretär des Äußeren wurde der bereits schwer herzkranke Victor Adler. Parallel dazu bestanden die kaiserlichen Ministerien weiter, die allerdings nur noch die Liquidierung der alten Staatsmacht als Aufgabe hatten. Am 11. November verzichtete Kaiser Karl auf jeglichen Anteil an den Regierungsgeschäften, erkannte »im voraus […] die Entscheidung an, die Deutschösterreich über seine künftige Staatsform trifft« und verließ Schloss Schönbrunn für immer. Karl Renner brachte im Staatsrat einen Gesetzesentwurf ein, der für Deutschösterreich die Staatsform einer Republik und den Anschluss an Deutschland vorsah. Am selben Tag starb Victor Adler, der noch an dem Entwurf mitgearbeitet hatte. Am Vormittag des 12. November 1918 wurde vor dem Parlament das letzte Mal die schwarz-gelbe Flagge der Monarchie auf- und kurz darauf wieder eingezogen: Die letzte Sitzung des Reichsrates dauerte nur einige Minuten. Ab 15 Uhr tagte die Nationalversammlung, die das Gesetz über die Staatsgründung einstimmig annahm. Im Artikel 1 wird »kraft Beschlusses der Provisorischen Nationalversammlung« Deutschösterreich als demokratische Republik ausgerufen, die sich im Artikel 2 als Bestandteil der Deutschen Republik erklärt und sich damit paradoxerweise sofort wieder ihrer Souveränität beraubt. Das Wetter war, der Jahreszeit entsprechend, kühl und regnerisch. Dennoch waren die Menschen, den Aufrufen in den Zeitungen folgend, zum Parlament geströmt, um der Proklamierung der Republik beizuwohnen. Eine unüberschaubare Menschenmenge wartete, als um 15.55 Uhr die Abgeordneten auf die Parlamentsrampe traten und Präsident Franz Dinghofer von der deutschnationalen Partei den Gesetzesbeschluss bekannt gab. Als die rot-weiß-rote Fahne gehisst werden sollte, rissen Mitglieder der Roten Garde, des militärischen Arms der neugegründeten Kommunistischen Partei, den weißen Mittelstreifen heraus, die

Foto © Adam Carr (Wikipedia)

Das Republikdenkmal an der Wiener Ringstraße zwischen Parlament und Palais Epstein: architektonische Gestaltung und Büste Victor Adlers von Anton Hanak (siehe auch Artikel auf Seite 52).

nunmehr nur noch roten Fahnen wurden hochgezogen. Rotgardisten, darunter der Journalist Egon Erwin Kisch, erstürmten die Rampe und forderten die Bildung einer Arbeiter- und Bauernregierung. Fenster wurden eingeschlagen, Glastüren zertrümmert. Ein Geräusch, das sich wie ein Schuss anhörte, aber nur vom Herablassen eines Rollbalkens verursacht wurde, führte zu einem Schusswechsel, bei dem es Verwundete gab, vor dem Parlament kam es zur Panik, die Menschen ergriffen die Flucht, ein Kind und ein Mann wurden zu Tode getrampelt. Die Rotgardisten zogen nach Verhandlungen

Nach diesen Vorfällen ging die Nationalversammlung zu den weiteren Tagesordnungspunkten über. In den Krankenhäusern mussten Dutzende Verletzte versorgt werden, aber am Abend waren Kinos – immerhin 155 in Wien – und Lokale überfüllt. Der Schriftsteller Arthur Schnitzler notierte in sein Tagebuch: »Ein welthistorischer Tag ist vorbei. In der Nähe sieht er nicht sehr großartig aus«.

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mit dem sozialdemokratischen dritten Präsidenten Karl Seitz und der ehrenwörtlichen Versicherung, dass sich keine Waffen im Parlament befänden, ab.

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Wien 1918 – 1938

Politik

Familie Habsburg

Die Republik und die Familie Habsburg

Johann Szegö

der alten Herrscherfamilie und der Republik Jahrzehnte lang sehr schlecht gewesen sind, ist allgemein bekannt! Machen wir’s aber ein bisschen genauer …

A

m 11. November 1918 unterzeichnete Kaiser Karl I., von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Ungarn und Böhmen, … etc. in Schönbrunn eine ihm vorgelegte Erklärung: »[…] Im voraus erkenne Ich die Entscheidung an, die Deutsch-Österreich über seine künftige Staatsform trifft […]. Ich verzichte auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften.« Am nächsten Tag wurde die Republik ausgerufen, am 16. Februar 1919 wurde gewählt, Ende März trat die neue Verfassungsgebende Nationalversammlung zusammen und fast gleichzeitig begab sich die kaiserliche Familie ins Schweizer Exil. Bereits am 3. April wurde das erste Habsburgergesetz verabschiedet: Landesverweisung aller Habsburger (es sei denn, sie unterschrieben eine Loyalitätserklärung), Enteignung des Staatseigentums und des gebundenen Vermögens der Habsburger. Nicht enteignet wurde das habsburgische Privatvermögen (Als Beispiel: Das Schloss Artstetten, die Kaiservilla in Bad Ischl gehören nach wie vor Angehörigen der Familie Habsburg-Lothringen). Dieses Gesetz wurde 1920 in die heute noch geltende Verfassung integriert (und 1955 sogar in den Staatsvertrag!).

Dass das Staatseigentum dem Staat gehört (z.B. Schönbrunn, die Kunstschätze des Kunsthistorischen Museums, die Bücher in der Nationalbibliothek, …) darüber gab es niemals Debatten. Die gab es aber wegen des gebundenen Vermögens (= Habsburgischer Familienfonds). Dazu gehörten fünf Häuser in Wien, Liegenschaften in Österreich (über 100.000 ha), Wertpapiere, … Nun, das Schicksal dieses »gebundenen Vermögens« hat die Atmosphäre zwischen dem ehemaligen Herrscherhaus und der Republik natürlich vergiftet. Dazu kam, dass die Republik das Privatvermögen erst mit ziemlicher Verspätung an die Familie ausgefolgt hat. Wesentlich besser wurden die Kontakte im Ständestaat (allerdings hieß Österreich damals nicht mehr Republik, sondern Bundesstaat). 1935 wurde das 1919er Habsburgergesetz aufgehoben, das enteignete gebundene Vermögen rückerstattet. Der Chef des Hauses, Otto Habsburg – für seine Anhänger: Otto von Habsburg-Lothringen, ab 1935 auf jeden Fall Dr. Otto Habsburg – versprach allerdings Bundeskanzler Schuschnigg, von seinem Recht heimzukehren keinen Gebrauch zu machen, da dieser Schritt Hitler zum so-

Bruno Kreisky und Otto Habsburg beim Handschlag, Festveranstaltung 50-Jahr-Jubiläum der Pan-Europa-Bewegung, 1972

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© Österreichische Nationalbibliothek

Dass die Beziehungen zwischen

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Familie Habsburg

fortigen Einmarsch veranlasst hätte. Dieser Einmarsch Hitlers fand bekanntlich trotzdem statt. Jetzt wurde die Aufhebung der Enteignungsgesetze aufgehoben, jetzt wurde sogar das habsburgische Privatvermögen verstaatlicht. Nach dem Krieg kehrte Österreich bekanntlich zur 1920er Verfassung zurück, nicht zur Verfassung des Bundesstaates 1934, das hieß: Landesverweisung und Beschlagnahme des gebundenen Vermögens erlangten Gültigkeit, das von den Nazis enteignete Privatvermögen wurde aber rückerstattet. 1961 explodierte eine symbolische Bombe: Der Chef des Hauses Habsburg-Lothringen, Dr. Otto Habsburg, unterschrieb die im 1919er Gesetz verlangte Loyalitätserklärung: »Ich, Endesgefertigter, erkläre hiermit […] dass ich auf meine Mitgliedschaft zum Hause Habsburg-Lothringen und auf alle aus ihr gefolgerten Herrschaftsansprüche ausdrücklich verzichte und mich als getreuer Staatsbürger der Republik bekenne.« Die Republik reagierte nicht. Und so befand der Verwaltungsgerichtshof 1963, die Republik wäre säumig – die Loyalitätserklärung sei in Ordnung, der Sohn des letzten Kaisers dürfe nach Österreich! Für zwei Parteien (SPÖ und FPÖ) brach eine Welt zusammen! ÖVP und SPÖ saßen zwar seit 1945 in einer Koalition, aber jetzt beschlossen SPÖ und FPÖ im Nationalrat gegen die Stimmen der ÖVP: Ottos Rückkehr ist unerwünscht (Es gab damals nur drei Parteien im Nationalrat). Der sozialistische Innenminister Franz Olah und sein Parteifreund, Außenminister Bruno Kreisky, lehnten es ab, einen gültigen Reisepass für Otto Habsburg auszustellen – er konnte also das Gebiet der Republik trotz Höchstgerichtsbeschluss nicht betreten. Dies konnte er erst 1966 unter der ÖVPAlleinregierung. Es wurde gegen seinen Besuch heftig demonstriert. Beim zweiten Besuch weniger heftig. Langsam beruhigten sich die Gemüter …

Und heute?

dem SPÖ-Kanzler Dr. Bruno Kreisky. Auf dem Weg der Entschärfung zwischen den beiden Streit(?)parteien gab es mehrere wichtige Schritte! Ottos Sohn, Karl, leistete als österreichischer Staatsbürger den Präsenzdienst beim Bundesheer. Einige Jahre später saß er als österreichischer Vertreter im Europaparlament. 1980 stellt der Verwaltungsgerichtshof fest, die 1919 ausgesprochene Landesverweisung gelte nur für die vor dem 3. April 1919 Geborenen. Jüngere Semester können Österreich jederzeit problemlos besuchen oder auch ständig hier leben. 1982 ermöglichte Kreisky einer vor 1919 Geborenen durch juristische Spitzfindigkeit die Rückkehr: Zita, die letzte Kaiserin, durfte nach 63 Jahren wieder österreichischen Boden betreten – ohne eine Loyalitätserklärung abgegeben zu haben. Anfang unseres Jahrtausends haben mehrere Mitglieder der Familie Habsburg die Republik auf Rückgabe des gebundenen

Literatur: Peter Böhmer/Roland Faber, Die Erben des Kaisers – Wem gehört das Habsburgervermögen? (Wien 2004).

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Lassen wir die Gegenwart 1972 beginnen. Pressefotografen frohlockten: Sie konnten einen historischen Händedruck verewigen, nämlich den zwischen dem Sohn des letzten Kaisers und dem »Sonnenkönig«,

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Vermögens geklagt und dabei sogar den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg bemüht. Klagegrund: Die Enteignung 1919 war eine Verletzung der Menschenrechte! All diese Klagen wurden abgewiesen. Österreich hat die Menschenrechtskonvention erst 1958 unterzeichnet – stellten die Straßburger Richter fest – der Europäische Gerichtshof ist für ein 1919er Gesetz nicht zuständig. Ob momentan Friede herrscht oder nur Waffenstillstand, das wissen wir nicht.

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Wien 1918 – 1938

Politik

Territoriale Entwicklung

Österreich und seine neuen Grenzen

Regina Macho

Von 1918 bis 1924 wurde die österreichische Landkarte neu geschrieben. Anstelle der österreichisch-ungarischen Monarchie mit mehr als 676.000 km² Gesamtfläche blieb nach dem Vertrag von St. Germain-en-Laye, unterzeichnet am 10. September 1919, die Republik Österreich mit knapp 84 000 km².

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eginnen wir mit einem Blick auf die Landkarte. Wir sehen die k.u.k. Monarchie eingeteilt in zwei große Reichshälften, die ungarische (in Rosa) und die österreichische (in Orange). In Hellblau gehalten das zu keiner Reichshälfte zugeordnete Bosnien und die Herzegowina. Die österreichische Hälfte wird auch Cisleithanien, also diesseits der Leitha, genannt, die ungarische Transleithanien, also jenseits der Leitha – was allerdings die geografischen Gegebenheiten nur ungenügend widerspiegelt. Bei den Pariser Vororteverträgen 1919/1920 wurden beide Reichshälften getrennt behandelt: Ungarn hatte sich bereits vor Kriegsende am 30. Oktober 1918 offiziell von Österreich unabhängig erklärt. Auf der Karte ist auch erkennbar, dass das heutige Österreich fast zur Gänze Teil der cisleithanischen Reichshälfte war, auf die wir uns demgemäß nun auch konzentrieren wollen. Cisleithanien hatte eine Fläche von etwa 300.000 km² und setzte sich aus einer Vielzahl von Gebieten zusammen. Die Wichtigsten von ihnen waren Böhmen und Mähren, Galizien und Lodomerien, die Herzogtümer ober und unter der Enns, Dalmatien, Istrien und Triest, Tirol, Kärnten und Salzburg. Schon im Laufe des Jahres 1918 und gestützt auf die berühmten 14 Punkte des US-Präsidenten Woodrow Wilson forderten die Völker ihr Selbstbestimmungsrecht und begannen, die Loslösung von der Monarchie und die Gründung eigener Nationalstaaten voranzutreiben. Bereits im Juni wurde in Paris die provisorische Nationalversammlung der Tschechoslowakei international anerkannt, die Proklamation der Republik erfolgte am 28. Oktober 1918. Am 29. Oktober erklärten sich die Slowenen zusammen mit den Kroaten unabhängig, in anderen Fällen kam das Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht zur Anwendung: Das ruthenische Galizien kam zu Polen, Lodomerien

wurde zwischen Polen und der Ukraine aufgeteilt, in Südtirol, Dalmatien, Istrien, Triest und ins Kanaltal marschierten im November 1918 italienische Truppen ein. Auch die deutschsprachigen Gebiete in Böhmen und Mähren waren bereits seit November 1918 von tschechoslowakischen Truppen besetzt. Vereinzelt regte sich Widerstand, am 4. März 1919 kam es zu Demonstrationen der Deutschen, um der Forderung nach Selbstbestimmungsrecht und dem Verbleib bei Österreich Nachdruck zu verleihen. Die Kundgebungen wurden blutig unterdrückt, am Status quo änderte sich nichts: Er wurde im Vertrag von Saint Germain bestätigt. Die deutschsprachigen Abgeordneten aus Böhmen, Mähren und Schlesien nahmen am 24. September 1919 zum letzten Mal an einer österreichischen Nationalversammlung teil. Darüber hinaus musste Niederösterreich sogar noch zwei weitere kleine Gebiete um Feldsberg und Gmünd abtreten. Nicht alle waren glücklich in der neuen Republik, die damals noch Deutschösterreich hieß: Vorarlberg entschied sich in einer Volksabstimmung im Mai 1919 mit großer Mehrheit für den Anschluss an die Schweiz, die Schweiz lehnte allerdings ab. Ebenso gescheitert war der Versuch, in Innsbruck eine Republik Tirol auszurufen: Die Alliierten unterstützten diesen Plan nicht und verweigerten die Anerkennung. Auch die Steiermark verlor ca. 6.000 km² seiner Fläche: Die Untersteiermark und die Krain wurden von slowenischen Truppen besetzt und Teil des bereits Ende Oktober 1918 gegründeten Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, des SHSStaates. Widerstand in den deutschen Sprachinseln wie zum Beispiel in Marburg schlug man mit Waffengewalt nieder, die Entente bestätigte im September 1919 die neuen Grenzen im Wesentlichen: Nur das besetzte Radkersburg blieb bei Österreich. Dramatisch war die Lage in Kärnten: Die Truppen des SHS-Staates marschierten im November mit der Absicht ein, Kärnten in den neuen Staat einzugliedern. Sie besetz-

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Territoriale Entwicklung

Österreich-Ungarn 1918 mit Grenzen der Nachfolgestaaten (gültig bis 1991/92) ten den Süden des Landes und drangen auch in Gebiete nördlich der Drau vor. Da die österreichische Regierung zögerte, den Truppen mit Waffengewalt entgegenzutreten, entschloss sich die Kärntner Landesregierung, die Verteidigung des Landes selbst in die Hand zu nehmen. Unterstützt von Einheiten benachbarter Bundesländer gelang es bis Mitte Jänner, die eingedrungenen Truppen weit zurückzudrängen, am 14. Jänner wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Doch noch gaben sich die SHSTruppen nicht geschlagen: Eine neuerliche militärische Offensive im April 1919 brach die Vereinbarung, Truppen drangen in den folgenden Wochen bis nach Klagenfurt vor, mussten die Stadt aber auf Befehl der Alliierten wieder räumen. Es gab mehrere Hundert Tote und Verletzte. Dieses Mal berücksichtigen die Alliierten das Selbstbestimmungsrecht der Völker und sahen im Vertrag von St. Germain eine Volksabstimmung vor. Es gab zwei Abstimmungsgebiete: die Zone A mit rund 70% slowenischem Bevölkerungsanteil im Süden Kärntens an der Grenze zum SHSKönigreich gelegen und nördlich davon die Zone B. Am 10. Oktober 1920 wurde zuerst in der Zone A abgestimmt: Die Bevölkerung entschied sich mit 59,04% für den Verbleib bei Österreich. Damit war klar, dass auch ein beträchtlicher Teil der Slowenen für Österreich gestimmt hatte. Da eine Abstimmung in der Zone B nur für den Fall vorgesehen war, wenn Zone A an den SHS-Staat gefallen wäre, erübrigte sich eine zweite Abstimmung. Kärnten blieb bei Österreich, die Karawankengrenze gilt bis zum heutigen Tage. Bitter für Österreich war auch die Tatsache, dass in Saint Germain die Angliederung Südtirols und des Trentino an Italien bestätigt wurde. Die Vereinbarungen des Londoner Vertrages 1915, in dem Frankreich, England und Russland Italien die Brennergrenze für einen Kriegseintritt aufseiten der Entente zugesichert hatten, waren dafür die Grundlage, die 14 Punkte Wilsons fanden auch in diesem Fall keine Anwendung: In den nunmehr italienischen Gebieten war die Mehrheit der Bevölkerung deutschsprachig. Der so oft zitierte Vertrag brachte aber auch einen Gebietsgewinn: Deutsch-Westungarn, das heutige Burgenland. Bereits

1918 hatte Österreich Ansprüche auf Teile der Komitate Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg erhoben, zu einer Annexion des Gebietes kam es aber nicht, da Ungarn die Sperre wichtiger Lebensmittellieferungen an Wien androhte. Deutsch-Westungarn wurde Österreich in Saint Germain zugesprochen, vor der Unterzeichnung des ungarischen Friedensvertrages in Trianon am 4. Juni 1920 geschah nichts. Im August 1920 scheiterte eine Übernahme der Gebiete durch Österreich. Die nächsten Monate waren durch ungarische Bemühungen gekennzeichnet, Österreich zum Verzicht auf Teile der Gebiete zu bewegen und sich Verbündete für eine etwaige Revision der Verträge zu suchen. Eine Räumung des Gebietes fand nicht statt. Außerdem wurden Freischärler eingeschleust, die Widerstand gegen Österreich organisieren sollten. Als österreichische Gendarmerie und Grenzschutzwache – es gab damals kein Bundesheer – gegen die Truppen vorging, folgten Kämpfe mit Verwundeten und Toten. Im Herbst 1921 nahm die österreichische Regierung ein Vermittlungsangebot von Italien in diesem Konfliktfall an: Am 13. Oktober 1921 wurden die Venediger Protokolle unterzeichnet. Darin verpflichtete sich Ungarn innerhalb von drei Wochen zum Abzug aus den Gebieten. Im Gegenzug akzeptierte Österreich eine Volksabstimmung über den Verbleib von Ödenburg und acht umliegenden Gemeinden bei Österreich. Der Abstimmung am 5. Dezember 1921 ging eine üble Propagandaschlacht voraus. Die Abstimmung selbst war durch Unregelmäßigkeiten gekennzeichnet: So sollen Wähler aus anderen ungarischen Bezirken zur Wahl zugelassen und deutsche Wähler an der Abstimmung gehindert worden sein. Offen bleibt dennoch, ob diese Manipula-

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tionen wahlentscheidend waren, denn das Ergebnis mit mehr als 15 300 Stimmen für den Verbleib bei Ungarn bei gut 8 200 Stimmen dagegen ist eindeutig. Das Schicksal von Deutsch-Westungarn war damit entschieden: mit dem Verbleib Ödenburgs bei Ungarn verlor das Bundesland Burgenland seine logische Hauptstadt. Die direkte Bahnverbindung zwischen dem Nordund dem Südburgenland führte von nun an über Ungarn und lange Zeit auch durch den Eisernen Vorhang, erst in den 1970er Jahren gab es die erste Straßenverbindung zwischen Norden und Süden auf burgenländischem Boden. Politisch war 1921 alles klar, in der Praxis jedoch noch nicht, denn die Verträge sahen keine genaue Grenzlinie vor. Ein Grenzregulierungsausschuss wurde eingesetzt, heftige Diskussionen und auch Abstimmungen in einzelnen Ortschaften folgten. Nicht in allen Bereichen wurde Einigkeit erzielt: Der Völkerbundausschuss, der über die neue Grenzziehung zu befinden hatte, definierte daher selbst eine Grenzlinie. Erst im Sommer 1924 stellte der Ausschuss seine Arbeit ein. Das war das letzte Kapitel jahrelanger Auseinandersetzungen, die zumindest ein langfristig gültiges Ergebnis hatten: Bis heute besteht Österreich in den Grenzen von 1924.

Literatur: Hugo Portisch, Österreich. Die unterschätzte Republik (Wien 1989) Stephan Vajda, Felix Austria. Eine Geschichte Österreichs (Wien 1980)

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Wien 1918 – 1938

Politik

Wien als Bundesland

Die Entstehung des Bundeslandes Wien

Anna Ehrlich

Der Untergang der Monarchie ließ eine Großstadt zurück, die für das neue Staatsgebilde Österreich viel zu groß war, den »Wasserkopf Wien«.

Die politische Lage Am 4. Mai 1919 fanden die ersten demokratischen Gemeinderatswahlen statt. Das allgemeine Wahlrecht bescherte den Sozialdemokraten in Wien einen überwältigenden, wenn auch nicht unerwarteten Sieg: Sie konnten im Gemeinderat 100 von 165 Mandaten für sich gewinnen und stellten als neuen Bürgermeister Jakob Reumann (1853 – 1925), einen erfahrenen Politiker, der schon seit 1900 dem Gemeinderat angehörte. Die meisten Wiener Sozialdemokraten forderten die Herauslösung der Stadt aus Niederösterreich, denn in einem gemeinsamen Landtag hätten sie mit heftiger Opposition gegen die für die Stadt nötigen Gesetze rechnen müssen. Umgekehrt fürchteten die Christlichsozialen in Niederösterreich und ihre bäuerlichen Stammwähler, die Sozialdemokraten könnten in Zukunft im gemeinsamen Landtag dank der Wiener Stimmen uneingeschränkt regieren. Sie wollten nicht von einem »roten« Landeshauptmann (Albert Sever) abhängig sein. Nur die niederösterreichischen Sozialdemokraten waren gegen die Trennung, weil sie genau das erhofften. Von den 120 am 4. Mai gewählten Landtagsabgeordneten kamen 68 aus Wien und 52 aus dem heutigen Niederösterreich, die Sozialdemokraten verfügten bereits über 62 Mandate (46,78 Prozent aller abgegebenen Stimmen). Die anderen Bundesländer hatten keinerlei politisches Interesse am Übergewicht eines um den volkreichen »Wasserkopf Wien« vermehrten, sozialdemokratischen Niederösterreichs, wo über die Hälfte aller Österreicher wohnte. Sie befürworteten daher die Trennung und hatten ihre Zustimmung zur neuen Bundesverfassung davon abhängig gemacht. Die Trennung Mit dem Inkrafttreten der Bundesverfassung am 10. November 1920 begann der Trennungsprozess. Wien wurde zur Bundeshauptstadt und zum Sitz der obersten Organe des Bundes erklärt. Der

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M LE GO GU M

Artikel 2 der Bundesverfassung kannte zwar noch ein einheitliches Land Niederösterreich, doch enthielten die Artikel 108 bis 113 Bestimmungen über dessen Gliederung in die beiden Landesteile Wien und Niederösterreich-Land, die jeder gemäß Artikel 110 in den nicht gemeinsamen Angelegenheiten die Stellung eines selbstständigen Landes haben sollten. Zwar fungierte der Landtag weiterhin als gemeinsamer Landtag für beide Landesteile, er wurde aber in »Wien« (Gemeinderat) und »NiederösterreichLand« (Kurie Land) geteilt, denen die Abgeordneten nach ihren Wahlkreisen zugeordnet wurden. Artikel 114 ermächtigte beide Teile, in Übereinstimmung ein selbstständiges Land Wien zu bilden. Am 29. Dezember 1921 beschloss der Landtag die Außerkraftsetzung der gemeinsamen Landesverfassung vom 28. Dezember 1920. In übereinstimmenden Beschlüssen des Wiener Landtags und des Landtags von Niederösterreich-Land wurden mit 1. Jänner 1922 die beiden selbstständigen Bundesländer Wien und Niederösterreich gebildet. Das gemeinsame Eigentum wurde durch einen Ausschuss aufgeteilt. Niederösterreich behielt das alte Landtagsgebäude in der Herrengasse, Wien blieb daher noch bis 1997 Sitz des niederösterreichischen Landtags und der niederösterreichischen Landesregierung.

Literatur: Neue Freie Presse vom 5. Mai 1919, S. 1. B-VG vom 5. Oktober 1920, Staatsgesetzblatt Nr. 450, bzw. Bundesgesetzblatt Nr. 1. LGBl für Wien Nr. 153/1921 = LGBl für Niederösterreich Nr. 346/1921.

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Wien 1918 – 1938

Politik

Verfassung

Die neuen Verfassungen Mit kaiserlichem Manifest vom 16. Oktober 1918 versuchte Kaiser Karl I. den Zerfall der Monarchie aufzuhalten. Österreich sollte in einen Bundesstaat umgewandelt werden, in dem jeder Volksstamm auf seinem Siedlungsgebiet sein eigenes staatliches Gemeinwesen bilden sollte.

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s sollten »Nationalräte« gebildet werden, um an der Ausarbeitung der neuen Verfassung mitzuwirken. Dementsprechend entwickelte sich aus den Abgeordneten der deutschen Reichratswahlbezirke, einschließlich derer des Sudetenlandes, am 21. Oktober 1918 die »Provisorische Nationalversammlung für Deutschösterreich«. In ihrer zweiten Sitzung am 30. Oktober nahm die Provisorische Nationalversammlung für sich »die oberste Gewalt des Staates Deutschösterreich« in Anspruch, eines Staates, der nach dem Willen seiner Gründer die deutschsprachigen Teile der in Zerfall begriffenen Monarchie, insbesondere also auch jene der Kronländer Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien, umfassen sollte. Damit war auf revolutionärem Wege effektiv die Republik entstanden. Formell kam es zur Ausrufung der Republik jedoch erst am 12. November 1918, nachdem Kaiser Karl I. am Tag zuvor auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften verzichtet hatte, die österreichische Regierung ihres Amtes enthoben, keine Nachfolgeregierung ernannt und damit die Habsburgermonarchie implizit aufgelöst hatte. Der Abschluss des Friedensvertrages von Saint-Germain 1919 machte jedoch die Hoffnungen auf die deutschsprachigen Gebiete der ehemaligen Kronländer zunichte und zeichnete die endgültigen Grenzen der jungen Republik, die nun »Republik Österreich« hieß. Zur Ausarbeitung einer Verfassung sollte nach dem für Österreich neuen Verhältniswahlrecht und »dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Stimmrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts« eine konstituierende Nationalversammlung gewählt werden. Die erste Wahl der Republik Österreich fand am 16. Februar 1919 statt. Die Konstituierende Nationalversammlung bestand aus 170 (statt 255 vorgesehener) Mitgliedern, ihre Hauptaufgabe war die Erarbeitung einer definitiven Verfassung.

Klaus-Dieter Schmidt

Das am 8. Juli 1920 eingesetzte Subkomitee des Verfassungsausschusses der Konstituierenden Nationalversammlung beriet auf Grundlage verschiedener Entwürfe. Schon im März 1919 war der Verfassungsrechtler Hans Kelsen mit der Ausarbeitung der Verfassung des neuen Staates beauftragt worden. Das schließlich am 1. Oktober 1920 von der Konstituierenden Nationalversammlung in dritter Lesung verabschiedete Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) war zwar nicht von Kelsen allein verfasst, von ihm aber maßgeblich mitgestaltet worden. In einigen Punkten konnte in der neuen Verfassungsurkunde der Republik Österreich keine Lösung gefunden werden, weshalb das Verfassungswerk unvollständig blieb: Als Grundrechtskatalog wurde jener des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger aus dem Jahr 1867 übernommen. Die Verfassung konstituierte den Staat als parlamentarische Republik auf bundesstaatlicher Grundlage. In den Bundesländern war jeweils der Landtag als gesetzgebende Körperschaft vorgesehen. Auf Bundesebene wurden zwei parlamentarische Kammern eingerichtet: der vom Volk direkt gewählte Nationalrat und der Bundesrat, dessen Mitglieder von den Landtagen gewählt werden. Letzterer ist als Länderkammer zur Mitwirkung an der Bundesgesetzgebung berufen. Im Gegensatz zu heute wurde der Bundespräsident nicht in direkter Wahl vom Volk gewählt, sondern von der Bundesversammlung. Die Bundesregierung war vom Nationalrat zu wählen und von dessen Vertrauen abhängig; neben die seit 1867 bestehende »rechtliche Ministerverantwortlichkeit« trat in der Republik Österreich die »politische Ministerverantwortlichkeit«, also die Bestandsabhängigkeit der Regierung vom politischen Willen der Volksvertretung. Die Novelle 1925 sah u.a. eine Änderung der Kompetenzbestimmungen der Artikel 10 – 15 B-VG, den Ausbau des Verwaltungs- und Verfassungsgerichtshofes,

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Verfassung

die Ausdehnung der Kontrollrechte des Rechnungshofes und die Neuordnung der mittelbaren Bundesverwaltung in den Ländern vor. Mit der Novelle 1929, wirksam am 11.12.1929 erfolgte ein Übergang zur parlamentarischen Präsidentschaftsrepublik: Sie sah insbesondere die Erweiterung der Kompetenzen des nunmehr unmittelbar vom Bundesvolk zu wählenden Bundespräsidenten vor, dem die Bestellung und Entlassung der Bundesregierung, das Recht zur Auflösung des Nationalrats, zur Erlassung von Notverordnungen und der Oberbefehl über das Bundesheer eingeräumt wurde. Auch Änderungen bezüglich der Verfassungs- und Verwaltungsgerichtsbarkeit, der Befugnisse des Rechnungshofes und der Sicherheitsbehörden waren Gegenstand der Novelle. Die von der Konstituierenden Nationalversammlung am 1. Oktober 1920 beschlossene und am 10. November 1920 in Kraft getretene Bundesverfassung definierte in ihren Artikeln 108 – 114 die Funktion der Stadt Wien als Bundesland. Wien hatte ab sofort seine Vertreter in den Bundesrat zu entsenden, seine Verfassung und seine Landesfinanzen zu bestimmen und sich mit Niederösterreich-Land, wie Niederösterreich ohne Wien nun genannt wurde, darüber zu einigen, welche bisherigen Gemeinsamkeiten wie lang fortgesetzt werden sollten und wie das bisherige Landeseigentum aufzuteilen sei. In Wien hatte in der Folge der Bürgermeister auch als Landeshauptmann, der Stadtsenat auch als Landesregierung, der Gemeinderat auch als Landtag und der Magistratsdirektor auch als Landesamtsdirektor zu fungieren. Am Tage des Inkrafttretens der Bundesverfassung wurde auf Antrag der neuen Landesregierung unter Jakob Reumann die auf die Bundesverfassung Bezug nehmende Verfassung der Bundeshauptstadt Wien (Wiener Stadtverfassung, WStV) beschlossen, die mit ihrer Kundmachung am 18. November 1920 in Kraft trat. In ihren §§ 120-153 wird die Stellung Wiens als Land ergänzend zur Bundesverfassung geregelt. In der Folge sollten Wien und Niederösterreich-Land nur mehr sehr wenig und dies sehr kurz gemeinsam entscheiden. De facto ging es fast

© Österreichische Nationalbibliothek

Rechtswissenschafter Hans Kelsen an seinem 90. Geburtstag, 1971

ausschließlich darum, wie das bisherige Landeseigentum aufgeteilt würde. Der für die gemeinsamen Angelegenheiten vorgesehene gemeinsame Landtag hatte daher außer einer rudimentären gemeinsamen Landesverfassung und seiner eigenen Geschäftsordnung nur einen Gesetzesbeschluss zu fassen: den der Aufhebung der gemeinsamen Verfassung mit Jahresende 1921. Die gemeinsame Landesverfassung Niederösterreichs für Wien und Niederösterreich-Land war vom gemeinsamen Landtag am 28. Dezember 1920 beschlossen worden und am 1. Jänner 1921 in Kraft getreten. Sie sah keine gemeinsame Landesregierung mehr vor, sondern nur eine aus der Mitte des gemeinsamen Landtags zu wählende, fünfköpfige Verwaltungskommission, in der abwechselnd der Wiener Bürgermeister und der Landeshauptmann von Niederösterreich-Land den Vorsitz zu führen hätten. Der gemeinsame Landtag beschloss am 29. Dezember 1921 die Außerkraftsetzung der gemeinsamen Landesverfassung mit 31. Dezember 1921, womit sich u. a. der gemeinsame Landtag selbst abschaffte. Die Verhandlungen zwischen Wien und Niederösterreich-Land wurden über ein Jahr lang von einem Ausschuss geführt. Den Vertretern von NiederösterreichLand war wesentlich, dass der Sitz der niederösterreichischen Landesregierung und des Landtages im Landhaus in der Wiener Herrengasse verbleiben konnte und das Gebäude an NiederösterreichLand fiel. Die anderen Immobilien des bisherigen Landes Niederösterreich mussten aufgeteilt werden; zumeist fielen die in Wien gelegenen an Wien, die in Niederösterreich gelegenen an Niederöster-

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reich-Land. Ausgenommen davon waren Sozial- und Gesundheitseinrichtungen, die Wien zum Teil auch im Umland der Stadt zugesprochen erhielt. Einige wenige Objekte und Liegenschaften wurden nicht aufgeteilt; in diesen Fällen sollten nun beide Länder als grundbücherliche Eigentümer aufscheinen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen über die Aufteilung des bisherigen Landesvermögens bzw. die gemeinsame Nutzung einiger Liegenschaften bzw. Einrichtungen wurden am 29. Dezember 1921 in Wien und Niederösterreich gemäß Art. 114 B-VG übereinstimmende Trennungsgesetze beschlossen, welche am 1. Jänner 1922 wirksam wurden. Diese Gesetze hielten fest, dass nunmehr Wien und Niederösterreich-Land selbstständige Bundesländer bilden; weiters wurde das Ergebnis der Vermögensaufteilungsverhandlungen gesetzlich festgeschrieben. Am gleichen Tag beschloss der gemeinsame Landtag die Aufhebung der gemeinsamen Landesverfassung. Eine Kommission, die für noch nicht erledigte Abrechnungen verantwortlich war, konnte Anfang 1923 ihre Tätigkeit abschließen. Spätere Abrechnungen erfolgten mit Zustimmung des Landes Wien durch die niederösterreichische Landesregierung (Verordnung vom 27. Februar 1923).

Literatur: Das österreichische Parlament, hg. von der Parlamentsdirektion (Wien 2006).

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Wien 1918 – 1938

Politik

Wirtschaft

Inflation und Arbeitslosigkeit Jahrhundertelang waren die »Österreicher« daran gewöhnt, in imperialen Maßstäben zu denken. Mit dem Zerfall der Monarchie änderte sich das schlagartig, und niemand glaubte an die Lebensfähigkeit des nunmehrigen Kleinstaates Österreich. Dieses mangelnde Vertrauen in die eigene Wirtschaftskraft sollte der jungen

dustrie- und Verkehrsunternehmungen betroffen, sondern insbesondere private Haushalte. Die Bevölkerung schritt nun, unbehelligt von den Behörden zur Selbsthilfe. Ganze Wälder wurden abgeholzt, um sich mit dem dringend benötigten Brennmaterial zu versorgen. Kälte, Hunger und Krankheiten schlugen vor allem in Wien erbarmungslos zu. Der Mangel an Lebensmitteln verschärfte sich von Tag zu Tag, die Kindersterblichkeit nahm erschreckende Ausmaße an. Hungerrevolten forderten in Wien 1919 die ersten Todesopfer. Schleichhandelspreise erkletterten astronomische Höhen. Die Stabilisierung der Wirtschaft und die Eindämmung der Inflation wären aus heutiger Sicht schon in den ersten Jahren nach dem Krieg möglich gewesen. Die Sanierungspläne wurden aber immer nur diskutiert. Man war überzeugt, dass die wirtschaftliche und monetäre Normalisierung als automatische Folge einer politischen Lösung des Problems »Deutschösterreich« also in einem wirtschaftlichen Aufgehen in Deutschland »wie von selbst« erfolgen würde. Dabei war die Inflation auch ein nicht zu unterschätzendes politisches Problem. Die ökonomische Lage war und blieb trist. 1914 konnte man für 10.000 Kronen noch

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Republik noch sehr schaden.

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ie Erste Republik hatte mit vielen Problemen zu kämpfen: Nach dem Ersten Weltkrieg war die wirtschaftliche Lage schlecht, das Geld wurde durch die Inflation immer weniger wert, viele Menschen waren arbeitslos und hungerten. Österreich war verpflichtet, die Staatsschulden der ehemaligen Monarchie zu übernehmen. Da ÖsterreichUngarn den Ersten Weltkrieg begonnen und verloren hatte, musste die Republik Österreich auch Reparationszahlungen an die Siegermächte leisten. Die Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie im Jahre 1918 hatte das drittgrößte Land Europas mit 53 Millionen Einwohnern auf 6,5 Millionen reduziert. Ein eingespielter Wirtschaftsraum zerfiel. Neue Grenzen wurden gezogen. Der Austausch von Rohstoffen und Nahrungsmitteln zwischen den ehemaligen Kronländern der Donaumonarchie kam zeitweilig zum Erliegen. Viele österreichische Unternehmungen, die bisher im geschlossenen Wirtschaftsgebiet ihre Erzeugnisse absetzen konnten, standen plötzlich vor hohen Zollmauern, hinter denen die jungen, zum nationalen Selbstbewusstsein erwachten Staaten ihre eigenen Industrien aufbauen wollten. Von der Einstellung der Kohlelieferungen waren nicht nur die In-

Maria Zajko

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Wirtschaft

einen Häuserblock kaufen, im Dezember 1922 nur noch einen Laib Brot. Die Subventionierung der Lebensmittel durch die Republik erhöhte die Staatsausgaben im enormen Ausmaß: Der Staat zahlte an den Importeur 62 Kronen für 1 kg Getreide, das er an den Verbraucher um nur 9 Kronen weitergab. Im Dezember 1921 war der Staat, bei einem Gesamtdefizit von 50 Milliarden Kronen, allein durch diese Preiszuschüsse mit 30 Milliarden Kronen verschuldet, wobei 13 Milliarden nur von den Kursverlusten herrührten. Die Finanzierung erfolgte über die Notenbank. Die in Umlauf befindliche Geldmenge, die sich bereits in der letzten Kriegsphase nahezu verdoppelt hatte, wuchs immer schneller. 1919 und 1920 nahm sie jeweils um 150 Prozent zu, 1921 um 400 Prozent 1922 um 2.500 Prozent. 1923, am Ende der Hyperinflation, zirkulierten in Österreich ungefähr 21.000-mal so viele Kronen wie 1913. Die Hyperinflation wurde ganz unterschiedlich erlebt, sie hatte aber auch ihre Gewinner: Der Staat konnte sich in der Inflation eines großen Teils seiner Schulden entledigen. Verlierer waren die Angehörigen des Mittelstands, Beamte, aber auch kleine Sparer, deren Vermögenswerte vernichtet wurden. Viele flüchteten in Sachwerte und Devisen. Investitionen galten als rentabel, doch Fehlspekulationen wirkten sich auf den Finanzsektor aus. Der Bankenapparat schwoll an, während die größten Geldinstitute mehr als drei Viertel ihres Eigenkapitals einbüß-

ten und die Produktion gegenüber einem breiten überdimensionierten Dienstleistungsbereich an Boden verlor. Die Lage wurde unhaltbar. Österreich stand vor dem Staatsbankrott. Die Stabilisierung der Wirtschaft wurde im Herbst 1922 durch die Zusage des Völkerbundes, der österreichischen Regierung finanzielle Hilfe zu gewähren, eingeleitet. In den »Genfer Protokollen« vom 4. Oktober 1922 wurden die Bedingungen für die Gewährung einer Anleihe in der Höhe von 650 Millionen Goldkronen auf zwanzig Jahre festgelegt. Österreich musste sich zur Sanierung des Budgets und zur Stilllegung der Notenpresse verpflichten und – unter Einschränkung seiner staatlichen Souveränität – der Kontrolle eines mit weitgehenden Befugnissen ausgestatteten Völkerbundkommissärs unterwerfen. 1925 löste die Währungsreform der Ersten Republik, die seit 1919 mit Deutschösterreich abgestempelten Banknoten der Kronenwährung aus der österreichischungarischen Monarchie ab. Die alte Kronenwährung wurde im Verhältnis 10.000:1 durch den neuen Schilling ersetzt. Der Schilling erwies sich nach einer deutlichen Preissteigerung im ersten Jahr als äußerst wertstabile Währung. Die Inflation konnte zunächst gestoppt werden. Mit der Einführung der neuen Währung achteten die konservativen Regierungen darauf, dass es zu keiner neuen Inflation kam und der Staat sich nicht zu sehr ver-

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schuldete. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die Geldmenge niedrig gehalten, die Ausgaben des Staates gekürzt und neue Steuern eingeführt, bzw. alte erhöht. Mit dem Auseinanderbrechen des Wirtschaftsraumes der Monarchie ging ein beträchtlicher Anstieg der Zahl von Arbeitslosen einher. Dies galt im Besonderen für das erste Halbjahr 1919, insgesamt waren in diesem Jahr über 400.000 Menschen betroffen, was einer Arbeitslosenrate von über 18% entsprach. Angesichts dieser Problemlage wurde die im November 1918 als Provisorium eingeführte Arbeitslosenunterstützung 1920 durch das Definitivum der Arbeitslosenversicherung abgelöst. Nach einem kurzfristigen Rückgang der Arbeitslosigkeit ließ die erste große Wirtschaftsrezession die Arbeitslosenzahlen ab 1922 erneut mit rasantem Tempo in die Höhe schnellen. Den Menschen blieb weniger Geld übrig, sie kauften nur das Notwendigste. Viele Betriebe mussten schließen, da sie ihre Erzeugnisse nicht absetzen konnten. Die Arbeitslosigkeit stieg immer weiter an. Im Zuge der Wirtschaftskrise verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage erneut. Um die Staatsausgaben zu reduzieren, wurden von rund 250.000 Beamten 100.000 entlassen bzw. vorzeitig pensioniert. Doch obwohl sich die wirtschaftliche Lage der jungen Republik Österreich in den Zwanzigerjahren allmählich besserte, war dieser Zustand leider nicht von langer Dauer.

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Wien 1918 – 1938

Politik

Gesellschaft

Die Rolle der Frau in der Ersten Republik

Martina A. Schümatschek

»Wir waren alle wie in einem Korsett eingeschnürt und wurden nun in die Freiheit entlassen.« Die Künstlerin Hannah Höch meint damit nicht nur die freizügige Mode der 1920er und 30er Jahre: Zwar hatten kurze Hosen, Röcke und der Bubikopf einengende Kleidung und unpraktische Frisuren abgelöst, jedoch war das veränderte Erscheinungsbild auch Symbol für eine veränderte Rolle der Frau

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n der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Frau in der europäischen Gesellschaft ein dem Mann, Ehegatten und Vater nachgeordneter Platz zugewiesen. Obwohl Frauen im Wirtschaftsleben sowohl auf dem Land als auch in der Stadt, vor allem durch ihre Arbeit, eine wichtige Rolle spielten, hatten sie keinen politischen Einfluss. Am Ende des 19. Jahrhunderts nahmen jedoch die Forderungen nach politischer Gleichheit zu. Ferner forderten die Frauen das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper und ihre Sexualität. Als Folge des Ersten Weltkrieges kamen enorme gesellschaftliche Umwälzungen. Durch das Abziehen der Männer an die Front und die aufflammende Rüstungsindustrie nahm die Frauenerwerbstätigkeit enorm zu. Während der Kriegsjahre war das Leben geprägt von Hunger, Elend und Tod, der Frauenlohn betrug weniger als die Hälfte des Männerlohns. Trotzdem erfuhren Frauen in dieser Zeit, dass all das, wovon man ihnen jahrhundertelang gesagt hatte, sie wären da-

für nicht geeignet, Realität wurde: Frauen mussten harte Arbeit leisten und sie mussten sich selbstständig um das eigene Überleben und das ihrer Kinder kümmern. Nach dem Ersten Weltkrieg brachen Frauen zunehmend in angestammte Männerdomänen ein, eroberten als Unternehmerinnen die Wirtschaft oder fassten Fuß in der Medienbranche. Zumindest durch die Metropolen ging in den goldenen 20ern ein Hauch sexueller Befreiung; und auch in der politischen und künstlerischen Avantgarde waren Frauen mehr und mehr präsent. Die Frauenbewegung der Zwischenkriegszeit konnte zum ersten Mal seit Anfang des 20. Jahrhunderts handfeste Erfolge im Bereich der Frauenrechte aufweisen. Nach Ende des Krieges 1918 kam es in den 20er Jahren zu erneuten Ansätzen für die Emanzipation der Frauen. Die politische Umgestaltung des Kaiserreichs zur Ersten Republik brachte den Frauen vor allem den Achtstundentag, eine 14-tägige Schutzfrist vor der Geburt und die Einführung des allgemeinen

Frauen aus Kaisermühlen in einer Notküche nach den Februarkämpfen 1934

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nach dem Ersten Weltkrieg.

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Gesellschaft

Frauenwahlrechts, welches erstmals 1919 zur Anwendung kam. Das tägliche Leben in der Familie und im Haushalt hatte sich jedoch noch nicht verändert. Nach wie vor herrschte das Ideal der Hausfrau und der damit verbundenen Rollenverteilung, die nicht selten noch unumstößlicher wirkte als zuvor. Viele Symbole für das neue weibliche Verhalten und das Auftreten von emanzipierten Frauen wirkten zum größten Teil nur als imaginäres Bild, bestimmt für die Außenwelt. Doch jenseits des äußeren Scheins hielten sich hartnäckig die alten traditionellen Normen. In der Literatur der 20er und Anfang der 30er Jahre findet man hauptsächlich Schilderungen von sexuell und gesellschaftlich befreiten Frauen, deren Lebensgeschichte häufig in Romanform guten Absatz unter der Bevölkerung fand. Eine Veränderung gab es auf dem Gebiet der Erwerbstätigkeit. Der öffentlichen Meinung nach sollte die Frau idealerweise nicht erwerbstätig sein, was jedoch in keinerlei Weise mit der Realität übereinstimmte. In den Städten waren in etwa zwei Drittel der Mütter gezwungen, berufstätig zu sein, weil die Löhne ihrer Ehemänner zu niedrig waren, um die Familie versorgen zu können. Diese Situation trug dazu bei, dass Frauenerwerbstätigkeit selbstverständlich wurde und der »Hausfrauenideologie« entgegenwirkte. Neben der begrenzten Freiheit der Arbeitsplatzwahl gab es nun auch eine freie Partnerwahl für die Ehe. Sowohl für junge Frauen als auch für junge Männer wurde die freie Partnerwahl in der Zwischenkriegszeit selbstverständlich und es kam nur noch selten zu arrangierten Heiraten durch die Eltern. In der Zeit von Ständestaat, Faschismus und NS-Regime wurden nicht nur die politischen Parteien, sondern auch die Frauenorganisationen in die Illegalität gedrängt. Zahlreiche Frauen beteiligten sich aktiv am Widerstand. Rosa Jochmann, Käthe Leichter und viele andere wurden verfolgt und kamen in Konzentrationslager. Das nationalsozialistische Frauenbild war eigentlich kein Frauen-, sondern ein

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Modefotografie aus dem Atelier von Dora Kallmus (18881 – 1963), Künstlername »Madame D’Ora«. Die Fotografin wurde mit Porträtaufnahmen der Wiener Künstlerszene nach 1900 bekannt. In Paris verfolgte sie eine internationale Karriere (Kundinnen waren u. a. Coco Chanel und Josephine Baker), bis sie 1940 wegen ihrer jüdischen Herkunft vor den Nazis fliehen musste und den Krieg in einem französischen Versteck nur knapp überlebte. Nach ihrer Rückkehr nach Wien 1946 fotografierte sie Flüchtlingslager und die zerstörte Stadt.

Mutterbild. Die Frau galt als ein naturbestimmtes Wesen. Daher sei »die Welt der Frau die Familie, ihr Mann, ihre Kinder, ihr Heim«. Das Pathos gipfelte in der Forderung nach dem »Recht des Dienendürfens« und sah für die Mutter in der Selbstaufopferung das höchste Glück. Dieses von den Nationalsozialisten propagierte Frauenbild warf die Frauen hinter das bisher Erreichte weit zurück. Die Frau wurde wieder unter die Herrschaft des Mannes gestellt. Da nicht alle Frauen den propagierten Idealzustand als Mutter und Begleiterin des Mannes erreichen konnten, wurden für Frauen »arteigene« Berufe definiert. Diese lagen vor allem im pflegerischen und fürsorgerischen Bereich. Im Lauf des zweiten Weltkriegs hielt die nationalsozialistische Propaganda der Frau

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als Hausfrau und Mutter der Realität nicht stand. Nach und nach wurden immer mehr Frauen für die Rüstungsindustrie eingezogen und schufteten in Bereichen, die zuvor klar als Männerberufe deklariert waren. Und heute? Nach aktueller Schätzung der UNO erzeugen Frauen 80 Prozent der Weltnahrungsmittel, verrichten zwei Drittel der Weltarbeitsstunden, erhalten dafür zehn Prozent des Welteinkommens, und besitzen ein Prozent des Welteigentums. Der Internationale Frauentag wird weltweit von Frauenorganisationen am 8. März begangen. Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen.

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Wien 1918 – 1938

Politik

Religion

Die Religionen: ein ideologischer Kampf

Anna Ehrlich

land ins Gebet versunken, fand sich die katholische Kirche in Österreich sehr rasch mit dem Übergang zur Republik zurecht, nur der Vatikan zögerte ein Jahr lang mit deren Anerkennung.

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m Jahre 1921 erklärte der Papst das Konkordat von 1855 endlich für erloschen, das der Staat Österreich schon 1870 aufgekündigt hatte. Es gab einige Neuerungen, so wurde 1922 die protestantisch-theologische Lehranstalt in die Wiener Universität eingegliedert, 1923 erfolgte die erste Einäscherung eines Verstorbenen, obwohl die Feuerbestattung von Kirche und katholischen Kreisen abgelehnt wurde. Zwischen Sozialdemokraten, Deutschnationalen und Christlichsozialen kam es jedoch bald zur Neuauflage des Kulturkampfes. Wesentliche Streitpunkte waren der Religionsunterricht in der Schule, die Ehescheidung und die Besoldung der Priester. Als der sozialdemokratische Unterstaatssekretär für Unterricht, Ottokar Keller, die bestehende Verpflichtung zur Teilnahme am Religionsunterricht durch einen Erlass aufhob, wuchs auf beiden Seiten der Fanatismus.

Der christlichsoziale Professor für Moraltheologie und Prälat Ignaz Seipel (1876– 1932) löste die Koalition auf und ging ein Bündnis mit den beiden deutschnationalen Parteien ein, dem antimarxistischen »Bürgerblock«. Sein innenpolitischer Kurs richtete sich nun scharf gegen die österreichische Sozialdemokratie. Dadurch wurde er zu deren Feindbild, zum »Prälat ohne Gnade«. Eine Welle von Kirchenaustritten war die Folge. Die Gräben wurden immer tiefer, wie auch Papst Pius XI. (1857–1939) in seiner Enzyklika Quadragesimo anno 1931 sagte: »Der Gegensatz zwischen sozialistischer und christlicher Gesellschaftsauffassung ist unüberbrückbar.«

Nationalsozialismus und Zionismus Inzwischen hatte der Nationalsozialismus bereits breitere Volksschichten erfasst, antisemitische Übergriffe nahmen

Theodor Herzl

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Eben noch für Gott und Vater-

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Religion

zu. 1925 wurde der Dichter und Journalist Hugo Bettauer, er war jüdischer Abstammung, ermordet, der Attentäter stand der NSDAP nahe und nannte als Motiv die angebliche Sittenlosigkeit des liberalen Journalisten. Als Reaktion auf den Zeitgeist hatten auch die Juden ihren eigenen Nationalismus entwickelt, den Zionismus (Nathan Birnbaum und Theodor Herzl). Anfänglich von der israelitischen Kultusgemeinde abgelehnt, setzten sich die Zionisten nun bei deren Wahlen durch. Während des 14. Zionisten-Kongresses in Wien kam es zu antisemitischen Demonstrationen. Der Antisemitismus zog sich in Österreich quer durch alle Kreise, auch durch die kirchlichen, in denen der Antijudaismus ja eine lange Tradition hatte. Noch kurz vor dem Anschluss unterschied sich ein Teil der geistlichen Hetzreden nicht wesentlich von der Nazipropaganda. Der Linzer Bischof Johannes Maria Gföllner (†1941) etwa prangerte 1933 in einem Hirtenbrief das »entartete Judentum« und dessen »überaus schädlichen Einfluss auf fast allen Gebieten des modernen Kulturlebens« an. Der Kampf dagegen wäre daher die »strenge Gewissenspflicht eines jeden überzeugten Christen«. Er war nicht der Einzige, die Liste lässt sich fortsetzen, denn Antisemitismus und Katholizismus waren damals durchaus vereinbar. Gföllner hatte in einem Hirtenbrief im Jahre 1929 als erster österreichischer Bischof vor dem Nationalsozialismus gewarnt. Und bereits im Jahre 1932 hatten die Bischöfe, darunter Theodor Innitzer (1875 – 1955), gemeinsam auf die feindselige Einstellung des Nationalsozialismus der katholischen Kirche gegenüber hingewiesen. Innitzer wurde 1932 als Nachfolger von Kardinal Piffl zum Erzbischof von Wien ernannt.

Der Ständestaat und die Kirche Die neuen Anführer der Christlichsozialen Partei waren Dr. Kurt Schuschnigg (1897–1977) und Engelbert Dollfuß (1892–1934), der am 4. März 1933 den Nationalrat kurzerhand ausschaltete. Er löste sofort alle sozialdemokratisch orientierten Gruppen und Vereine, darunter die jüdischen, auf. Theodor Innitzer hielt in Rom einen Vortrag, worin er den An-

© Peter Gugerell

Büste des Kardinals Theodor Innitzer in Wien Döbling

bruch einer neuen Zeit in seiner Heimat ankündigte. Der Eucharistische und der Marianische Gedanke müssten jetzt wie in der Zeit der Gegenreformation den Glauben und die Hoffnung stärken, forderte er. Und auf dem in Wien stattfindenden Allgemeinen Deutschen Katholikentag nützte Bundeskanzler Dollfuß seine Begrüßungsansprache zur Ankündigung des autoritären Ständestaats: »Wir werden ständische Formen und ständische Grundlagen, wie sie die Enzyklika Quadragesimo anno uns so schön verkündet, zur Grundlage des Verfassungslebens nehmen. Wir haben den Ehrgeiz, das erste Land zu sein, das dem Ruf dieser herrlichen Enzyklika im Staatsleben Folge leistet.« Der enge zeitliche Konnex und die Verflechtung des Konkordats von 1933 mit der ständischen Staatsverfassung, vor allem aber die völkerrechtliche Untersagung der obligatorischen Zivilehe, provozierte die inzwischen verbotene und in die Illegalität getriebene Sozialdemokratie noch weiter. Selbst die Ermordung des Kanzlers führte auf keiner Seite zum Umdenken, womit der Untergang Österreichs vorgezeichnet war.

Der Anschluss Am 11. März 1938 verabschiedete sich Schuschnigg in der berühmten Rundfunkrede mit den Worten »Gott schütze Österreich.« Beim Einmarsch der deut-

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schen Truppen kam es bereits zu Übergriffen gegen Juden. Der neue Präsident des evangelischen Oberkirchenrates Robert Kauer begrüßte Hitler am 13. März 1938 »im Namen der mehr als 350.000 evangelischen Deutschen in Österreich als Retter aus fünfjähriger schwerster Not.« Kardinal Innitzer kannte die Enzyklika »Mit brennender Sorge« ganz genau, in der Pius XI. am 14. März 1937 den Nationalsozialismus klar und deutlich verurteilt hatte. Doch am 14. März 1938 hieß er den deutschen Führer durch einen Telefonanruf in Österreich willkommen und ließ ihn wissen, dass bei seiner Ankunft in Wien auf seine Weisung hin alle Kirchenglocken läuten würden. Den Ruf des Nazikardinals wurde er sein Leben lang nicht mehr los, daran änderte auch sein späteres Verhalten nichts. Und Bischof und Synodalrat der altkatholischen Kirche Deutschösterreichs, die während des Ständestaates viele Eintritte zu verzeichnen gehabt hatte, erließen am 15. März die Verfügung, »im Kanon des heiligen Amtes von nun an die Fürbitte für unseren Führer Adolf Hitler einzufügen.«

Literatur: Ehrlich Anna, Heiden, Christen, Juden und Muslime. Amalthea Verlag 2009.

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Wien 1918 – 1938

Politik

Europa

Die Gründung der Paneuropa-Union »Paneuropa – ein Vorschlag« so war der Titel eines Artikels, der am 15. und 17. November 1922 in der »Vossischen Zeitung« in Berlin und in der »Neuen Freien Presse« in Wien erschien und großes Aufsehen und heftige Diskussionen auslöste. Wenige Jahre nach dem verlustreichen ersten Weltkrieg wurde die Idee eines vereinten Europas entweder als politische Utopie oder aber schlicht als Spinnerei abgetan!

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er Paneuropa-Gedanke ist untrennbar mit Richard (Graf bis 1919) Coudenhove-Kalergi (1894 – 1972) und Otto von Habsburg (1912 – 2011) verbunden, beide Kosmopoliten ersten Ranges – ihr Vaterland war Europa! Wer war der Mann, der seine Idee für ein politisch geeintes Europa auf der Grundlage einer deutsch-französischen Aussöhnung in den Raum stellte? Richard Coudenhove-Kalergi wurde 1894 als Sohn eines österreich-ungarischen Diplomaten in Tokio geboren, seine Mutter Mitsuko Aoyama war Japanerin. Er wuchs in Böhmen auf, ging in Wien in die Schule und studierte an der Alma Mater Rudolfina. Er war Freimaurer; war drei Mal verheiratet und lebte in Böhmen, in der Schweiz, in Frankreich und in den USA. 1923 gründete Richard Coudenhove-Kalergi in Wien die Paneuropa Union mit Sitz in der Wiener Hofburg. Im selben Jahr schrieb er sein programmatisches Buch »Pan-Europa«, in dem er eindringlich vor der Gefahr eines »Zukunftskrieges« warnte, nach dem Europa durch eine künstliche Grenze in »eine sowjetische Kolonie und ein amerikanisches Protektorat« aufgeteilt würde. Schnell fand er Bewunderer und Anhänger unter den führenden Intellektuellen, Dichtern und Philosophen Europas: Thomas Mann, Stefan Zweig, Arthur Schnitzler, Sigmund Freud, Albert Einstein, … Auch Politiker wie Conrad Adenauer und der junge Bruno Kreisky gehörten zu seinen Bewunderern. Ignaz Seipel übernahm selbst den Vorsitz der österreichischen

Literatur: www.paneuropa.org/de, Paneuropa Union, Geschiche www.kalenderblatt.de, Erster Paneuropa-Kongress www.zukunfteuropa.at, Geschichte der EU

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Uta Minnich

Unterorganisation des Paneuropa-Komitees. Am 3. 10. 1926 wurde der erste Paneuropa-Kongress im Wiener Konzerthaus eröffnet, an dem rund 2 000 Vertreter aus 24 Nationen teilnahmen. Durch Akklamation zum ersten Präsidenten der Paneuropa Union gewählt, stellte Richard Coudenhove-Kalergi sein politisches Programm vor: Abbau der Grenzen zwischen den europäischen Staaten, Schaffung eines europäischen Staatenbundes, Gleichberechtigung und Verständigung unter den Völkern als Voraussetzung für Frieden, Freiheit und Wohlstand. Aus der Sicht der damaligen Zeit, nach dem 1. Weltkrieg, meinte er, dass man von einem europäischen Staatenbund nicht erwarten dürfe, dass alle Staaten identische Verfassungen hätten. Neben einem demokratischen Frankreich könnte es in diesem Bund auch ein faschistisches Italien geben, die organisch zusammengefasst werden müssten. Als Teilziele von politischen Einigungsbestrebungen sah er ein gemeinsames Parlament, eine gemeinsame Währung, eine europäische Zentralbank, eine gemeinsame Armee und eine gemeinsame Außen- und Innenpolitik. Der europäische Nationalismus sollte sich in einen europäischen Patriotismus wandeln. Er plante eine europäische Akademie, die die Konzepte für die Umsetzung dieser Forderungen und Ideen erarbeiten sollte. Zur Verstärkung seiner Konzepte drängte er auf gemeinsame Symbole, wie Fahne und Hymne. Da dieses gemeinsame Europa eine christliche Wertegemeinschaft sei, schlug er eine Fahne mit Kreuz und einem Sternenkranz aus zwölf Sternen und als europäische Hymne Ludwig van Beethovens »Ode an die Freude« vor. Nach einer langen Pause, die durch den zweiten Weltkrieg bedingt war, wurden die Ideen Coudenhove-Kalergis erst wieder in den 1950er Jahren aufgegriffen und die großen Politiker wie Conrad Adenauer und Charles de Gaulle begannen schrittweise mit der Umsetzung. Als auch der pol-

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Europa

Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, Schriftsteller und Gründer der Paneuropa-bewegung

© Österreichische Nationalbibliothek

nische Papst Johannes Paul II. mit seinen Verbindungen zu den Regierungen hinter dem Eisernen Vorhang vermittelte, kam Bewegung in die europäische Politik. Beim sogenannten Paneuropäischen Picknick im August 1989 an der österreichisch-ungarischen Grenze bei Sopron/Ödenburg feierte Europa den Fall des Eisernen Vorhangs und damit den Zusammenbruch der kommunistischen Regime. Mit dem Fall der Berliner Mauer war die quer durch Europa »willkürlich gezogene Grenze« endlich beseitigt und damit innerhalb von 90 Jahren bereits sehr viele Ideen von Richard Coudenhove-Kalergi verwirklicht. Richard Coudenhove-Kalergi starb 1972 in Vorarlberg. 1973 wurde Otto von Habsburg auf Vorschlag von Georges Pompidou zu seinem Nachfolger bestellt. 2004 legte Otto von Habsburg im Alter von 92 Jahren dieses Amt zurück. Der gegenwärtige Präsident der Paneuropa Union ist Alain Terrenoire.

– Die Heimat des Schnitzels. Ein Besuch beim Figlmüller gehört für viele Wienbesucher zum klassischen Programm ihres Aufenthalts. Einmal im kleinen Durchhaus unweit des Stephansdomes zwischen Wollzeile und Bäckerstraße gesessen zu sein, heißt Wiener Gastlichkeit und Tradition gespürt und Wien erlebt zu haben. Die Hauptrolle spielt natürlich das Figlmüller-Schnitzel. In Wien sind panierte und in Öl heraus gebackene Fleischspeisen schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt und in den barocken Kochbüchern nachgewiesen. Erst Ende des 19. Jahrhunderts erhält das „gebackene Kalbsschnitzel“ die Bezeichnung Wiener Schnitzel. Die Figlmüllerküche legt besonderen Wert auf sorgfältige Zubereitung und die Verwendung qualitativ hochwertiger Zutaten. In diesem Sinne wird die Bezeichnung „Schnitzel-Manufaktur“ in die Tat umgesetzt und jedes Stück einzeln von Hand gefertigt. Nur in einem Punkt weicht man beim Figlmüller-Schnitzel vom traditionellen Rezept ab, statt Kalbsfleisch wird die Karreerose vom Schwein verwendet, denn, so ist der Chef des Hauses überzeugt, die Wiener essen lieber Schwein, als Kalb. Im Figlmüller-Lokal in der Bäckerstraße 6 gibt es selbstverständlich auch das Wiener Schnitzel vom Kalb. Das Figlmüller-Rezept bewährt sich nun schon seit über 100 Jahren. 1905 gründete Johann Figlmüller ein kleines Wiener Weinhaus, das in die Geschichte der Wiener Kulinarik eingehen sollte. In vierter Generation führen seit einigen Jahren die Brüder Hans & Thomas Figlmüller die Betriebe sehr erfolgreich. Die Bewahrung von Qualität und Tradition sind Ihre Leitmotive und so scheint auch im Lokal die

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Zeit scheinbar stehen geblieben zu sein. Die Gemütlichkeit der Einrichtung, charmantes Service und beste Qualität der Speisen geben dem Betrieb seinen unverwechselbaren Charakter, der von Gästen aus dem In- und Ausland geschätzt wird. Der Figlmüller im romantischen Durchhaus Wollzeile 5 wurde mittlerweile um zwei Betriebe erweitert. Der „neue“ Figlmüller, gleich ums Eck in der Bäckerstraße 6 ist eine zeitgemäße Interpretation des Wiener Wirtshauses und bietet eine jüngere, dem Zeitgeist angepasste Speisekarte. Das dritte Lokal, ursprünglich ein Heurigenbetrieb in Familienbesitz in der Grinzinger Straße 55, wurde von den Brüdern zu einem modernen gemütlichen Wirtshaus mit großem Biergarten umgestaltet. Im „figls“ gibt es sieben offene Bierspezialitäten, darunter ein eigenes naturtrübes Hausbier, aber daneben natürlich auch Weine der besten österreichischen Winzer. www.figlmueller.at

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Wien 1918 – 1938

Das Rote Wien

Bürgermeister

Jakob Reumann und Karl Seitz geborene uneheliche Sohn einer Fabrikarbeiterin aus Margareten, Jakob Reumann, sollte der erste sozialdemokratische Bürgermeister von Wien werden. Sein Nachfolger wurde Karl Seitz, der zuvor Staatspräsident und Zweiter Nationalratspräsident gewesen war.

Reumann-Büste von Franz Seifert, Republikdenkmal am Ring

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eumann hatte Glück. Er musste nicht, wie viele Arbeiterkinder damals, mit 6 Jahren in der Fabrik zu arbeiten beginnen, sondern konnte bis zum Alter von 14 Jahren die Schule besuchen. Noch während einer Lehre in einer Meerschaumpfeifenfabrik kam er mit der sich entwickelnden Arbeiterbewegung in Berührung und organisierte erste gewerkschaftliche Zusammenschlüsse. Das sprach sich schnell herum, so war es nicht verwunderlich, dass er nach Beendigung seiner Lehre keinen Arbeitsplatz fand. Er musste mit seiner jungen Familie nach Bayern auswandern. Ungeachtet der tristen Lebensumstände vervollkommnete Reumann in seiner kargen Freizeit seine Bildung. Dank seiner Schlagfertigkeit und seines Witzes war er bald ein beliebter

© Buchhändler

Der am 31. Dezember 1853

Elisabeth Scherhak

Versammlungsredner, der seine Zuhörer fesseln konnte. Victor Adler holte den Dreißigjährigen nach Wien zurück. Die Sozialdemokratie war in drei untereinander zerstrittene Fraktionen aufgeteilt, deren Mitglieder arm waren und verfolgt wurden. Auch Reumann saß mehrmals im Gefängnis. Victor Adler versuchte, mit Hilfe von Reumann alle Fraktionen zu vereinen. Das geschah geheim beim Einigungsparteitag zu Hainfeld Ende 1888. Im Jahr darauf wurde die Arbeiter-Zeitung gegründet. Bei den Gemeinderatswahlen im Mai 1900 erhielten die Sozialdemokraten 56.306 Stimmen, die Christlichsozialen 77.608. Durch das damals geltende englische Mehrheitswahlrecht bekamen die Sozialdemokraten nur zwei Mandate – nach heutigem Verhältniswahlrecht wären es 68. Im Alter von 46 Jahren trat Reumann sein erstes öffentliches Amt an. 1906 erreichten die Sozialdemokraten erstmals Klubstärke, Reumann wurde ihr erster Klubobmann im Rathaus. Die russische Revolution 1905 stärkte die Forderungen der Sozialdemokraten und im Jänner 1907 wurde das allgemeine, direkte, geheime und gleiche Wahlrecht für Männer für das österreichische Abgeordnetenhaus, nicht aber für die Gemeinde Wien durchgesetzt. Reumann profilierte sich als »Stimme des Roten Wien«. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendete die Hoffnungen der Sozialdemokraten. Durch die Februar-Revolution 1917 in Russland kam es auch hierzulande wieder zu politischen Manifestationen und zu Hungerdemonstrationen. Die Versorgungslage der Stadt wurde immer dramatischer. Verschärft wurde die Situation in Wien durch eine katastrophale Grippeepidemie und den Zerfall der Monarchie. Der konservative Bürgermeister Weisskirchner versuchte die Sozialdemokraten einzubinden und Reumann wurde der erste sozialdemokratische Stadtrat Wiens, kurz darauf Vizebürgermeister. Bei den

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Bürgermeister

Wahlen 1919 erhielten die Sozialdemokraten 55 % der Stimmen. Jakob Reumann wurde Bürgermeister. Die finanzielle Lage der Stadt war katastrophal, es mangelte an allem. Mithilfe des pensionierten Bankdirektors Hugo Breitner, der Finanzstadtrat wurde, organisierte man die Stadt neu. Anstelle der Massensteuer trat eine Luxussteuer, wodurch die breite Bevölkerungsschicht geschont wurde. Seit dem 1. 1. 1922 war Wien auch Bundesland, Reumann somit auch Landeshauptmann. Jakob Reumann legte die Grundlagen für eine erfolgreiche Kommunalpolitik und gestaltete die Stadt um. 1923, im Alter von 70 Jahren, zog er sich aus der Politik zurück und verstarb zwei Jahre später an den Folgen eines Herzinfarkts. Seine Urne wurde am Vorplatz der von ihm eröffneten Feuerhalle Simmering bestattet. Sein Nachfolger war Karl Seitz. Er wurde am 4. September 1869 in Nußdorf in eine gutbürgerliche Familie hineingeboren. Durch den plötzlichen frühen Tod seines Vaters schlitterte die Mutter, die sieben Kinder zu versorgen hatte, in die Armut. Seitz kam im Alter von elf Jahren in ein christlich geführtes Waisenhaus. Hier erlebte er zum ersten Mal die Zurücksetzung ärmerer Kinder, was in ihm erste Gefühle von sozialistischen klassenkämpferischen Anwandlungen weckte, wie er später erzählte. Nach dem Landeslehrerseminar engagierte er sich für ein verbessertes Schulsystem. Seine revolutionären Forderungen brachten ihm große Probleme mit den staatlichen Instanzen und er wurde fristlos entlassen. Victor Adler überredete ihn zu einer Kandidatur bei den Reichsratswahlen und 1901 gelang es Seitz tatsächlich, ins Abgeordnetenhaus der Monarchie einzuziehen, 1902 wurde er auch in den Niederösterreichischen Landtag gewählt, wo er die Interessen der Arbeiterschaft vertrat. Die Abgeordneten der provisorischen Nationalversammlung wählten Karl Seitz am 21. Oktober 1918 zu ihrem Präsidenten. Nach dem Tod Victor Adlers wurde Seitz auch Parteichef. Die Sozialdemokraten als stärkste Partei stellten mit Karl Seitz auch den Präsidenten des Hauses.

© Anton-kurt

Seitz-Büste von Gustinus Ambrosi in Floridsdorf

So wurde er am 4. März auch zum ersten demokratischen Staatsoberhaupt, da nach der damaligen Regelung der Präsident der Nationalversammlung gleichzeitig Staatspräsident war. Seitz wirkte maßgeblich an grundlegenden Reformen des Landes mit, wie Pensions- und Urlaubsanspruch, Kranken- und Sozialversicherung. Durch die harten Bedingungen des Friedensvertrages von St. Germain verschlechterte sich das Klima der Koalition derart, dass 1920 Neuwahlen folgten. Nun waren die Christlichsozialen zur stärksten Partei geworden. Seitz wurde zweiter Präsident des Nationalrates bis November 1923, dann Bürgermeister der Stadt Wien. Unter ihm setzte die Stadtverwaltung den von Reumann begonnenen Kurs fort. Der kommunale Wohnbau und die Gesundheits-, Schul- und Bildungspolitik waren ihm besonders wichtig. Durch den Brand des Justizpalastes im Jahr 1927 war das politische Klima im Land endgültig vergiftet. In Wien hingegen bemühten sich die Sozialdemokraten weiterhin, ihre Ziele zu verfolgen. Das Lainzer Spital wurde ausgebaut, die Stadtbahn elektrifiziert, der Wald- und Wiesengürtel gestaltet. Das Rote Wien war weltweit zum Vorbild für soziale Kommunalpolitik geworden. Die Weltwirtschaftskrise machte sich auch in Wien bemerkbar. Wien wurde vom Bund finanziell ausgehungert. Dennoch wurde Karl Seitz bei den Wahlen 1932

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bestätigt. Er war Bürgermeister, Mitglied des Nationalrates, Fraktionschef und Obmann der Partei. Sein Arbeitspensum war enorm. Im März 1933 erfolgte die sogenannte Selbstausschaltung des Nationalrates. Nach dem Bürgerkrieg im Februar 1934 wurde Seitz in seinen Amtsräumen verhaftet und bis Ende des Jahres inhaftiert. Nach seiner Enthaftung wurde er bis 1938 streng kontrolliert und durfte nur in Begleitung zweier Polizisten das Haus verlassen. Wo immer er auftauchte, wurde er von den Passanten ehrfurchtsvoll gegrüßt. Die Wiener hatten ihren Bürgermeister nicht vergessen. Nach dem Anschluss wurde Seitz abermals kurzzeitig verhaftet und nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 im KZ Ravensbrück interniert. Zwei Monate vor Ende des Krieges wurde er aus dem KZ entlassen und in einer thüringischen Stadt unter Arrest gestellt. Im Juni 1945 kehrte er im Triumphzug nach Wien zurück. Den Vorsitz seiner Partei wollte er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr übernehmen, ließ sich aber zu einer Nationalratskandidatur überreden. Durch die Heirat mit seiner ehemaligen Sekretärin Emma Seidel fand er nach dem Tod seiner ersten Frau Emilie Heindl nochmals privates Glück. Er verstarb am 3.Februar 1950 und wurde neben Victor Adler am Wiener Zentralfriedhof begraben.

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Wien 1918 – 1938

Das Rote Wien

Politiker

Ein Wegbereiter: Julius Tandler Wer war Julius Tandler? In der allgemeinen Wahrnehmung ist er heute nahezu vergessen, abgesehen natürlich von seinem Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien, Gedenktafeln, nach ihm benannten Einrichtungen und dem Julius-Tandler-Platz im 9. Wiener Gemeindebezirk. Jedoch ganz zu unrecht! Denn mit seinem um 1920 begründeten »geschlossenen

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eboren wurde Tandler 1869 in Iglau in Mähren, heute Jihlava, Tschechische Republik, und wuchs in relativ ärmlichen Verhältnissen in einer kinderreichen Familie auf. Die Familie übersiedelte 1871 nach Wien, wo der Vater als Redaktionsdiener Arbeit fand. Tandler studierte nach der Matura an der Wiener Universität Medizin, promovierte 1895, habilitierte sich bereits 1899 und erhielt 1910 den Lehrstuhl für Anatomie. Für drei Jahre war er auch Dekan der Medizinischen Fakultät (1914–1917) und veröffentlichte, neben seiner politischen Arbeit, zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, darunter ein vierbändiges »Lehrbuch der systematischen Anatomie«. Tandler war einer der Ärzte, die den Weltruf der Wiener Medizinischen Schule würdig weiterführten. Schon frühzeitig zeichnete sich aber seine Entwicklung vom Arzt zum Politiker ab. 1919 wurde er in den Wiener Gemeinde-

Giselheid Scherabon

rat gewählt, außerdem zum Unterstaatssekretär und Leiter des Volksgesundheitsamtes bestellt. In dieser Funktion schuf er 1920 das Krankenanstaltengesetz und sicherte damit den Krankenhäusern die Übernahme der Kosten durch Bund, Länder und Gemeinden, die bisher durch wohltätige Fonds finanziert worden waren. 1920, nunmehr als Stadtrat für Wohlfahrts- und Gesundheitswesen, kämpfte er gegen die zum Teil noch kriegsbedingte katastrophale Situation auf dem Gesundheitssektor, gegen die schrecklichen Folgen von Hunger und Not, unter denen vor allem die Kinder zu leiden hatten. »Wer Kindern Paläste baut, reißt Kerkermauern nieder« (Julius Tandler) Ganz besonders engagierte sich Tandler für das Wohl der Kinder. Im Wien der Zwanzigerjahre entstand ein Netz von Kindergärten und Heimen, Schulzahnkliniken, es gab kostenlose Säuglingswäschepakete, Mütterberatungsstellen, vor allem

System der Fürsorge« wurde Tandlers Sozialpolitik weltweit zum Vorbild, eine Haltung, die seine große humanistische und

Wien 10, Amalienbad, Schwimmhalle, um 1933

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© Österreichische Nationalbibliothek

fortschrittliche Gesinnung zeigt.

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Politiker

Plakat für Sozialpolitik der Stadt Wien aus dem Jahr 1932. In den Vordergrund ist eine Schachtel montiert, die den Schriftzug »Säuglings Wäsche Aktion der Stadt Wien« trägt und eine Abbildung der Magna Mater von Anton Hanak zeigt (siehe Artikel auf Seite 52).

Allerdings beschäftigte sich Tandler als Wissenschaftler auch mit Eugenik und vertrat in Publikationen und Vorträgen, wie in einer Rede zu Ehe und Bevölkerungspolitik im Februar 1923 und einem in der Wiener Medizinischen Wochenschau vom 19. Jänner 1924 abgedrucktem Vortrag, die Forderung nach der Vernichtung bzw. Sterilisierung von »unwertem Leben«. Ein Faktum, das gerne verschwiegen wird. Er stellt aber ausdrücklich fest, dass dies »[…] selbstverständlich unter allen Kautelen der Wissenschaft und Menschlichkeit der Unfruchtbarmachung der Minderwertigen geschehen solle […]« (Ärzte Woche 6/2007). In diesem Zusammenhang sei auf die Umbenennung eines Teilabschnittes der Wiener Ringstraße hingewiesen: Der ehemalige Dr.-KarlLueger-Ring heißt nun Universitätsring. In einer parlamentarischen Anfrage vom April 2012 wurde in diesem Zusammenhang auch die Umbenennung des JuliusTandler-Platzes wegen seiner Ansichten zur Rassenhygiene gefordert. Als Politiker hat Tandler Euthanasie vermutlich abgelehnt: In seinem Aufsatz zur Ehe und Bevölkerungspolitik (1924) meint er auch: »Humanität und Gerechtigkeit befehlen uns, auch für die Alten und Gebrechlichen, für die Siechen und für die Irren zu sorgen.« »Der teuerste Freund…« Die enormen Geldmittel für all diese Einrichtungen trieb sein guter Freund, Finanzstadtrat Hugo Breitner (1872–1940) auf, den Tandler scherzhaft seinen »teuersten« Freund nannte. Dabei beschritt Breitner ungewöhnliche Wege, indem er eine zunächst zwei-, später vierprozentige Fürsorgeabgabe einführte, die von Nachtlokalen, Bars, Pferdewetten und Stundenhotels eingehoben wurde.

© Österreichische Nationalbibliothek

kämpfte er aber gegen die hohe Säuglingssterblichkeit und die Tuberkulose, die berüchtigte »Wiener Krankheit«. Er errichtete Volksbäder, darunter das Amalienbad im 10. Bezirk, sorgte für den Ausbau von Parkanlagen und Sportplätzen, z. B. das Stadion im Prater. Die von seinem Ressort erbrachten Leistungen wurden beispielgebend und erweckten das Interesse der Welt.

1933 folgte Tandler einer wissenschaftlichen Einladung nach China. Als er dort 1934 von den Ereignissen im Zusammenhang mit den blutigen Februarkämpfen in Wien erfuhr, kehrte er sofort zurück, wo er aber als »Roter« vorübergehend inhaftiert wurde. Tandler verlor schließlich sogar seine Professur und wurde noch im selben Jahr zwangspensioniert. Tief verletzt kehrte er Österreich den Rücken, begab sich wieder nach China und folgte von dort einer Einladung in die Sowjetunion, um an der Reform des Gesundheitswesens beratend mitzuwirken. Tandler starb jedoch am 26. 8. 1936 in Moskau, bevor er diese Arbeit in Angriff nehmen konnte. »Für Verdienste um die Menschlichkeit« ist als Umschrift auf der Julius-Tandler Medaille zu lesen, die die Stadt Wien seit 1960 an Personen verleiht, die sich auf so-

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zialem Gebiet Verdienste erworben haben. Julius Tandler und auch sein Freund und Mitstreiter Hugo Breitner ruhen in einem Ehrengrab der Stadt Wien im Urnenhain der Feuerhalle Simmering.

Literatur: Tandler, Julius, in: Austria Forum. AEIOU Österreich-Lexikon (Graz 2009), URL: http://www.austria-lexikon.at/af/Wissenssammlungen/ Biographien/Tandler%2C_Julius Julius Tandler, in: Das Rote Wien. Weblexikon der Wiener Sozialdemokraten (Wien 2005), URL: http://www.dasrotewien.at/tandler-julius.html

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Wien 1918 – 1938

Das Rote Wien

Politiker

Otto Glöckel und die Schulreform

Friederike Kraus

Im gesamtgesellschaftlichen Reformprogramm des Roten Wien nahm die Wiener Schulreform eine hervorragende Stellung ein. Die Reformer, allen voran Otto Glöckel und Alfred Adler, forderten eine »großzügige, umfassende, lückenlose Schulreform«, aber eine langfristige, österreichweite Entwicklung war ihnen versagt. Das Rote Wien jedoch wurde zu einer Musterschulstadt, die in ganz Europa und in den USA

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er 1874 im niederösterreichischen Pottendorf geborene Otto Glöckel besuchte das Landeslehrerseminar in Wiener Neustadt und arbeitete bereits im Alter von neunzehn Jahren als Unterlehrer an einer Wiener Vorstadtschule. Dort erlebte er hautnah das Elend der Arbeiterkinder und schloss sich dem sozialdemokratischen Lehrerverein »Die Jungen« an, der eine grundlegende Umgestaltung des Schulwesens forderte, weshalb Glöckel 1897 von Bürgermeister Karl Lueger unter dem Vorwurf des politischen Radikalismus aus dem Schuldienst entlassen wurde. Er war 1905 Gründungsmitglied des Vereins »Freie Schule«, die nachmaligen Kinderfreunde, für den er gemeinsam mit dem späteren Wiener Bürgermeister Karl Seitz ein reformatorisches Schulprogramm ausarbeitete. Ab 1907 war Glöckel Reichsratsabgeordneter. Eines seiner Hauptanliegen war die Trennung von Schule und Kirche, die schon im Reichsvolksschulgesetz von 1869 postuliert worden war. Dieses hatte eine entscheidende Veränderung des josephinischen Schulwesens

gebracht. Die Aufsicht über öffentliche Schulen war dem Staat übertragen, der Kirche, außer im Schulfach Religion, der Einfluss auf den Unterricht untersagt worden. Die Klassengröße war auf 80 (!) Schüler begrenzt, die Unterrichtspflicht von sechs auf acht Jahre Volksschule, mit der Möglichkeit davon drei Jahre Bürgerschule zu absolvieren, verlängert worden. Der Widerstand der Kirche hatte 1883 zu einer Novellierung und durch weitere Verordnungen zur Aushöhlung des Gesetzes geführt, seit 1905 war die Teilnahme am Religionsunterricht und am sonntäglichen Gottesdienst für Schüler unter Strafandrohung wieder verpflichtend. Nach den Wahlen im Februar 1919 und der Bildung einer Koalitionsregierung wurde Otto Glöckel Unterstaatssekretär für Unterricht im Innenministerium – ein eigenes Unterrichtsministerium wurde erst 1923 geschaffen. Er richtete eine Reformabteilung ein, die er nach fachlichen Gesichtspunkten besetzte. Da der für Schulgesetze nötige Konsens zwischen Bund und Ländern nicht erzielbar war, hatte Glöckel nur einen geringen Spiel-

Palais Epstein am Ring, ehemaliger Sitz des Stadtschulrats, Wirkungsstätte von Otto Glöckel

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© Gryffindor

Aufsehen erregte.

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Politiker

stalten zu hospitieren. Das Unterrichtsamt beschränkte die Reformtätigkeit in Wien durch Erlässe und Verordnungen, Otto Glöckel musste sich schließlich zu Kompromissen bereit erklären. 1926 wurde ein neuer, die Reformen wenig berücksichtigender Volksschullehrplan, 1927 eine Bürgerschulnovelle und ein Mittelschulgesetz verabschiedet. Die Bürgerschule wurde durch eine vierjährige Hauptschule mit zwei Klassenzügen ersetzt. Eine Übertrittsmöglichkeit in die in ihren traditionellen Formen verbleibenden Mittelschulen und Gymnasien wurde gesetzlich vorgeschrieben und war die einzige der

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Reformen, die von dem großen Werk übrig blieb. Die Schulversuche liefen aus, 1933 wurde das Schulwesen wieder konfessionalisiert. 1934 wurde Otto Glöckel verhaftet und in das Anhaltelager Wöllersdorf verbracht. Nach seiner Freilassung starb er im Juli 1935 in Wien. An ihn erinnern Gedenktafeln an seinem Wohnhaus im 12. Bezirk und am Palais Epstein, dem ehemaligen Sitz des Stadtschulrates, der Name einer Gasse im 22. sowie der Name einer Schule im 13. Wiener Gemeindebezirk. Der gesellschaftspolitische Konflikt um die Einheitsschule ist bis heute nicht beigelegt.

Foto: © Alberto Fernandez Fernandez (GNU)

raum, in dem er mit Erlässen und Schulversuchen agieren konnte. In einer seiner ersten Maßnahmen, dem sogenannten »Glöckel-Erlass« vom April 1919, wurde der Zwang zum Schulgebet und zum Religionsunterricht abgeschafft. Glöckel und seine Mitarbeiter hielten die Einheitsschule, eine gemeinsame Schule bis zum vierzehnten Lebensjahr, für unumgänglich. Erst dann sollte entschieden werden, ob die Schule beendet oder eine Gymnasiumausbildung und damit die Möglichkeit eines Universitätsstudiums absolviert würde. Eine Entscheidung für Volks- oder Bürgerschule mit zehn Jahren versperrte den Weg zu einer höheren Ausbildung, da ein Übertritt nicht möglich war. Dem Argument der Gegner, dass das allgemeine Bildungsniveau sinken würde, trat man mit dem Hinweis auf geplante Differenzierungen entgegen. In den Hauptfächern sollten die Schüler in zwei Klassenzüge eingeteilt werden, der erste Klassenzug musste Gymnasiumniveau erreichen. Zwei Varianten, die »Allgemeine Mittelschule« und die »Deutsche Mittelschule«, standen zur Wahl. In ersterer war das Erlernen einer lebenden Fremdsprache verpflichtend, während in zweiterer die deutsche Sprache in den Mittelpunkt gestellt und die Förderung einer nationalen, deutschen Gesinnung vorgeschrieben wurde. Die Reformer bevorzugten diese Variante, sprachen sich aber gegen einen »einseitigen und beschränkten Nationalismus« aus. Für besonders Begabte entstanden Bundeserziehungsanstalten, die aus den Kadettenschulen hervorgingen. Im Schuljahr 1922/23 begannen die Schulversuche an sechs Wiener Bürgerschulen. Unterrichtet wurde sowohl von Mittelschul- als auch von Pflichtschullehrern, wobei Letztere die Neuerungen mit Begeisterung unterstützten, da sie aus ihrer bisherigen subalternen Stellung befreit wurden. Eine besondere Rolle bei der Vorbereitung der jungen Lehrer spielte das 1923 eröffnete Pädagogische Institut, wo neben anderen die Psychologen Karl und Charlotte Bühler, der Schöpfer der Individualpsychologie Alfred Adler, Anna Freud und der Jurist Hans Kelsen unterrichteten. Fachleute aus der ganzen Welt, besonders aus Deutschland und den USA, kamen nach Wien, um in den Versuchsan-

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Wien 1918 – 1938

Das Rote Wien

Sozialer Wohnbau

Die Paläste des Proletariats

Bettina Mandl und Walter Juraschek

»Im Wiener Gemeindebezirk Landstraße steht ein Zinshaus. Es heißt »Zum Bienenstock« und hat 216 Mietparteien, insgesamt jedoch mehr als 1.000 Bewohner, davon 300 Schulkinder. Es hat, obgleich es seine Mieter auf vier Stockwerke verteilt, nur einen einzigen Wasserhahn, und als hygienische Einrichtung hat es eine eigene Totenkammer. Jeder Mieter hat nur eine Stube, die ca. 2,5 Meter breit, 5 Meter lang und 3 Meter hoch ist.« (Max Winter, Arbeiterzeitung 1904)

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ies war kein Einzelfall. Die Wohnsituation für unzählige Wienerinnen und Wiener um die Jahrhundertwende war menschenunwürdig, gesundheitsgefährdend und vor allem teuer. Der Mietzins betrug ungefähr die Hälfte des Familieneinkommens. Die Bewohner der »Zinskasernen« konnten den hohen Mietzins oft nicht aufbringen, auch wenn mehrere Familienmitglieder einer in der Regel schlecht bezahlten Tätigkeit nachgingen. Sie waren gezwungen sogenannte »Bettgeher« aufzunehmen. »Bettgeher« waren meistens Unverheiratete, die sich keine eigene Wohnung leisten konnten. Häufig waren es Nachtschichtarbeiter, die sich den Schlafplatz in einem Bett mieteten. Aber das hieß nicht unbedingt, dass sie das Bett für sich alleine hatten. Sie teilten diese Schlafstätte mit den Kindern der Familie. Eine 1917 durchgeführte Wohnungszählung ergab, dass ein Großteil des Wiener Wohnbaubestandes aus Kleinwohnungen bestand – Zimmer, Küche und dann und wann ein Kabinett. Die Wohnungen hatten keine Wasserleitungen und keine eigene Toilette. Der Wasseranschluss befand sich am Gang: die berühmte Bassena. Das überaus schnelle Bevölkerungswachstum der Gründerzeit hatte Wien zur ZweiMillionen-Metropole anwachsen lassen. Somit war Wien um die Jahrhundertwende hinter New York, Paris und London die viertgrößte Stadt der Welt. Die Wohnungsnot war auch in diesen Städten ein Problem, nur in Wien war es besonders ausgeprägt. Charakteristisch für die vielen Wohnhäuser der Gründerzeit war die reich dekorierte Außenfassade, hinter der Not und Elend hausten. Die Küche bekam das Licht vom Gang – das Zimmer bekam Licht vom eng verbauten Hof. Die Höfe waren klein, da die Bauordnung eine Verbauung der Areale von über 85% zuließ. Mitten im ersten Weltkrieg kam es dann zu den ersten großen Protesten. Kaiser Karl I. blieb nichts anderes übrig, als eine Mieterschutzverordnung zu erlassen, die

einen strengen Kündigungsschutz und das Festschreiben des Mietzinses beinhaltete. Er ließ sich darauf ein, weil sichergestellt werden sollte, dass die Soldaten an der Front nicht von den Sorgen der Familien um das zu Hause abgelenkt werden. Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches musste die neue Regierung diese Gesetze nur übernehmen. »Der gestrige Wahltag hat einen Sieg auf ganzer Linie gebracht. Wien ist sozialdemokratisch. Zu Ende ist das bürgerliche Klassenregime. In voller Souveränität ergreift nun das Volk die Herrschaft, die soziale Demokratie zieht in das Rathaus ein. Rot flammt es am Horizont und kündigt den herrlichen, unwiderruflichen Sieg des Sozialismus an.« So konnte man es am 4. Mai 1919 in der Arbeiterzeitung lesen. Abgesehen von der allgemein äußerst schlechten wirtschaftlichen Situation lohnte es sich aufgrund der strengen Mieterschutzgesetze nicht mehr, in den privaten Wohnbau zu investieren. Die Zeit des Roten Wien war angebrochen. Und mit ihr auch die Entwicklung eines kommunalen Wohnbauprogramms. Den Menschen sollten endlich menschenwürdige Unterkünfte geschaffen werden. Baugrund war relativ günstig zu haben und so wurde bereits 1919 das Programm in Angriff genommen. Der erste Wiener Gemeindebau, noch 1917 als privates Wohnhaus begonnen, war der 1920 fertig gestellte »Metzleinsthaler Hof« am Margaretengürtel. Was unterschied nun die neuen Wohnbauten von den bisherigen? Zunächst einmal: der Zins war niedrig (etwa 4% des Einkommens). Die Stadt wollte nicht an den Wohnbauten verdienen. Der eingehobene Zins diente lediglich dazu, die Erhaltungskosten abzudecken. Jede Wohnung hatte ein Vorzimmer und das WC innen. Die Wohnungen selbst waren nicht viel größer als in den Zinskasernen, aber besser den Bedürfnissen der Mieterinnen und Mieter angepasst. Vor al-

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Sozialer Wohnbau

lem aber gab es Gemeinschaftseinrichtungen wie: Sammelduschen und Wannenbäder (getrennt nach Männern und Frauen), Waschküchen mit elektrisch beheizten Waschkesseln, Bibliotheken, Kursräume, Hobbyräume, Kindergärten, Mutterberatungsstellen, Zahnkliniken, Arztpraxen. Jede Wohnung hatte einen Gasherd. Der großzügige Innenhof bot Kindern genug Platz zum Spielen und sie konnten aus den Wohnungen heraus beaufsichtigt werden. Die Wiener Gemeindebauten boten allen etwas, nur eines gab es nicht: Wirtshäuser. Der »Neue Mensch« in den Gemeindebauten sollte sich bilden und entwickeln und nicht dem Alkohol zusprechen. Es gab großzügige Innenhöfe, die endlich das volle Tageslicht in die Wohnungen lassen konnten. Den Bewohnern müssen diese Anlagen wie ein Vorhof zum Paradies erschienen sein. Doch auch irdische Paradiese haben ihre Schattenseiten. In diesem Fall war es der Hausinspektor, der unumschränkte Herrscher des Gemeindebaus. Er achtete peinlichst darauf, dass die Regeln eingehalten wurden. Dass z. B. die Frauen ihre zugeteilte Waschzeit (pro Mieteinheit einmal monatlich für einen halben Tag) einhielten. Besonders berufstätigen Frauen machte das Probleme, da sie ihre zugeteilten Termine häufig nicht wahrnehmen konnten. Da die Wartelisten für Gemeindewohnungen sehr lang waren, wurden die Wohnungen nach einem Punktesystem vergeben. Die Höchstzahl von 5 Punkten erreichten Kriegsversehrte, Obdachlose oder Personen, deren Wohnungen auf Grund des Bauzustandes unbewohnbar waren. Für in Wien Geborene gab es immerhin noch 4 Punkte. Schwangere, Invalide und österreichische Staatsbürger mussten sich mit einem Punkt begnügen. Dass die österreichische Staatsbürgerschaft zum Erlangen einer Gemeindewohnung Grundvoraussetzung war, spielte damals keine Rolle. Und dass die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei bevorzugt wurden, muss in den Bereich der Legenden verwiesen werden. Im Gegenteil. Es wurde gern gesehen, dass Nichtmitglieder in die Gemeindebauten einzogen, um sie dann

© K. Baier und W. Juraschek

Der Reumann-Hof am Margaretengürtel

durch das parteidominierte Zusammenleben an die Partei heranzuführen. Finanziert wurden die Bauten durch die Einführung einer »Luxussteuer«, auch »Wohnbausteuer« benannt. Hierbei handelte es sich um indirekte Abgaben, die vor allem Luxusgüter betrafen, wie z. B. Wohnungen ab einer gewissen Größe, Autos, Rennpferde, Champagner, Hauspersonal etc. Allerdings konnten diese Steuern nur erhoben werden, indem Wien am 1. Jänner 1922 zum eigenen Bundesland erklärt wurde. Das äußere Erscheinungsbild der frühen Gemeindebauten beeindruckt uns noch bis heute, waren doch namhafte Architektinnen und Architekten am Werk. Insgesamt wurden die Gemeindebauten der Zwischenkriegszeit von mehr als 200 Architekten geplant. Darunter befanden sich Koryphäen, wie Margarete Schütte-Lihotsky, Ella Briggs (Pestalozzihof) und viele der Otto Wagner Schüler, u.a. Hermann Aichinger Heinrich Schmid, Hubert Gessner und vor allem Karl Ehn, dessen Karl-Marx-Hof auf der Heiligenstädter Straße schon längst zur Legende geworden ist. Die äußere Erscheinungsform ist in der Regel sehr imposant und erinnert häufig an Palastarchitektur. Das sozialdemokratische »Kleine Blatt« schrieb im Jahre 1927 über den Reumannhof: »Bei einem schönen Bassin mit Springbrunnen, unter Pergolen und zwischen Blumenbeeten sitzen die Fürstenkinder der neuen Zeit, die Arbeiterkinder Margaretens. Die Bronzebüste Reumanns, des ersten sozialdemokratischen Bürgermeisters, erhebt sich in der Mitte des Platzes,

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der zu den schönsten Plätzen Wiens gehört.« Traurige Berühmtheit erlangten die Gemeindebauten bei den bewaffneten Auseinandersetzungen im Februar 1934. Sie dienten als Stütz- und Verteidigungspunkt des Republikanischen Schutzbundes und wurden teilweise durch Beschuss der Heimwehr arg in Mitleidenschaft gezogen. Als die Austrofaschisten nach Niederschlagung des Aufstandes die Macht übernahmen, kam das Gemeindebauprogramm zum Erliegen. Lediglich die Wohnbauten die sich bereits im Bau befanden wurden fertig gestellt. Ab 1938 wurde das Gemeindebauprogramm zur Gänze eingestellt. Die neuen Machthaber hatten andere Pläne. Da sich das Mieterschutzgesetz nur auf Wohnbauten bezog, die vor 1917 errichtet worden waren, war es ein Leichtes, die Jüdischen Gemeindebaubewohner fristlos zu kündigen. Von einem Tag zum Nächsten standen sie auf der Straße. Wer keine Verwandten hatte, bei denen man unterkommen konnte, musste in Barackenlagern Quartier nehmen. Während der Endkämpfe in Wien wurden zwar einige Gemeindebauten in Mitleidenschaft gezogen, aber von gänzlicher Zerstörung verschont. Und bald nach dem verheerenden Krieg konnte das Programm fortgeführt werden. In neuer Bauweise, dem Zeitgeist entsprechend. Uns sind sie ans Herz gewachsen, die Gemeindebauten des »Roten Wien« und wir können sie uns aus dem Stadtbild nicht mehr wegdenken.

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Wien 1918 – 1938

Kunst und Wissenschaft

Architektur

Aus der Not eine Tugend Bauten aus der Zwischenkriegszeit prägen das Wiener Stadtbild noch heute. Beeindruckend ist der Reichtum an unterschiedlichen formalen Lösungen und Bautypen.

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er Zusammenbruch des österreichischen Kaiserreiches war ein politischer und wirtschaftlicher Schock, vor allem aber ein Verlust des Selbstwertgefühls von »Restösterreich«. Das Vielvölkerreich Österreich verwandelte sich von einem Staat mit mehr als 50 Millionen Einwohnern in eine kleine Republik mit rund sieben Millionen Menschen. Fast alle wirtschaftlichen Produktionsstätten befanden sich plötzlich im Ausland. Jedoch mit den ersten allgemeinen, freien Wahlen der Republik erhob sich das Rote Wien aus dem Chaos. Mit einem gewaltigen, beispielhaften Wohnbauprogramm wurde die Gemeinde Wien nahezu der größte Bauauftraggeber der Stadt. Bauspekulationen waren durch die Einführung des Mieterschutzes 1917 unwirtschaftlich geworden. Nicht nur für das Wohnbauprogramm, auch für andere Projekte standen unter dem Einfluss der Wiener Secession mit ihren Qualitätskriterien ausgezeichnet ausgebildete Architekten zur Verfügung. Der Werkbund Gegründet 1912, war der Werkbund eine wirtschaftskulturelle Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Handwerkern. Nach dem Ersten Weltkrieg engagierte sich der Werkbund für den sozialen Wohnbau. Das Wohnungsproblem war in Wien schon während der Monarchie nicht gelöst worden und so entstanden im Grünbereich der Stadt wilde Siedlungen - wem der Boden gehörte, wurde nicht gefragt. Die neu gewählte sozialdemokratische Stadtregierung unter Bürgermeister Jakob Reumann reagierte darauf nicht mit Zwangsräumungen, sondern gründete eine Organisation, die den Menschen Hilfestellung zum Bau eines eigenen Hauses mit der Arbeitsleistung der zukünftigen Bewohner anbot. 1921 wurde das Siedlungsamt

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Ursula Schwarz

gegründet, geleitet von erfahrenen Architekten des österreichischen Werkbundes wie Josef Frank, Adolf Loos, Margarethe Schütte-Lihotzky. 1.215 Hektar wurden zu Siedlungsgebiet und 770 Hektar zu Kleingartengebiet erklärt. »In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister«: Die Werkbundsiedlung »Wirtschaftlichkeit auf kleinstem Raum« war die Devise der 1930 bis 1932 von 32 teils weltberühmten Architekten entworfenen Werkbundsiedlung (Wien 13., Jagdschlossgasse/Veitingergasse/Woinovichgasse). Unter der Leitung von Josef Frank entstanden 76 Häuser. Die mitwirkenden Architekten waren unter anderen Oswald Haerdtl, Clemens Holzmeister, Josef Hoffmann, Ernst Lichtblau, Adolf Loos, Richard Neutra, Margarethe Schütte-Lihotzky, Oskar Strnad. Die geforderten kleinen Grundrisse wurden durch Funktionalität, höchste Ökonomie im Detail und geschickt gesetzte Ausblicke und Sichtbezüge kompensiert. Art Déco – Fortsetzung des Jugendstils in der Zwischenkriegszeit Funktionalismus war schon im Wiener Jugendstil ein gewichtiges Thema. Zu einer konsequenten, rigorosen Umsetzung wie im Bauhausstil konnte man sich weder vor noch nach 1918 entscheiden. In der Zwischenkriegszeit verlor der Jugendstil nicht nur die potenten Auftraggeber, sondern auch seine leichte Eleganz. Der Art Déco Stil wurde monumentaler, aber nicht weniger dekorativ. Mit der Sozialdemokratie trat die »Masse« auch architektonisch ins Blickfeld der Wiener Architektur. Mächtige Baukörper wie der Karl-Marx-Hof (1927 – 1930) des Otto Wagner Schülers Karl Ehn lassen an »Schulter an Schulter kämpfen« denken. Das ehemalige Verkehrsbüro (1922 – 1923) von Hermann Aichinger ist in seiner starken Farbigkeit und seinem geometrischen Dekor einem romantischen Expressionismus verpflichtet.

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Architektur

Werkbundsiedlung, Reihenhäuser von André Lurçat, 1932 Politische Demonstration: Das Krematorium Simmering Feuerbestattung war im katholisch geprägten Österreich gesellschaftlich nicht geduldet. Auch hier war das konfessionslose Rote Wien Vorreiter. 1921 wurde im Gemeinderat die Errichtung eines Krematoriums im ehemaligen Lustgarten des Neugebäudes in Simmering beschlossen. Den ersten Platz beim ausgeschriebenen Wettbewerb erhielt Josef Hoffmann, den Zuschlag jedoch bekam der junge Architekt Clemens Holzmeister. Holzmeister setzte in seinem Entwurf die Idee eines Campo Santo um. Die Zinnen der Umfassungsmauer aus der Renaissance gaben, verkehrt zusammengesetzt, das Grundmotiv der Arkaden, die ebenso wie die Verabschiedungshalle, an ein sakrales Bauwerk erinnern. Es mag vielleicht der sakrale Charakter der Anlage mit der emotionalen Beziehung des Menschen zum Tod ein Motiv dieser Idee gewesen sein.

»Hochhäuserl« nannten die Wiener das erste Hochhaus in Wien. Die Bebauung des sensiblen Altstadtbereiches mit Hochhäusern war schon immer ein Schlachtfeld divergierender Meinungen. Die einen wollten überhaupt kein Hochhaus in der Innenstadt, den anderen war das Projekt viel zu niedrig – der Architekt Oskar Strnad forderte ein Hochhaus mit 200 m Höhe! Dennoch bewundern wir heute die feinfühlige Proportionierung dieses 16 Stockwerke und 50 Meter hohen Bauwerks der Architekten Siegfried Theiss und Hans

© Wien Museum, Foto: Martin Gerlach jun.

Das erste Wiener Hochhaus in der Herrengasse 1931 – 1932 auf den ehemaligen Gründen des Majoratspalais der Familie Liechtenstein gebaut, war es politisch eine Antwort der christlich-sozialen Staatsregierung – sie hatte das Projekt gefördert – auf den misslungenen Versuch der Sozialdemokraten, einen Hochhaus-Gemeindebau im 9. Bezirk zu bauen. Das Gebäude ist mit Schnellaufzügen ausgestattet und umfasste ursprünglich 224 Wohnungen, 120 davon für Familien mit zwei bis vier Wohnräumen und einem Zimmer für ein Dienstmädchen und 104 für Junggesellen.

Jaksch. Die Front zur Herrengasse übernimmt zunächst die vorgeschriebene Bauhöhe des Looshauses, darüber hinaus verjüngt sich der Bau pro Stockwerk um je eine Terrasse, um als Bekrönung einstmals ein Restaurant zu beherbergen, dessen Dach zu öffnen war und in dem die Gäste unter dem Sternenhimmel tanzen konnten. Nicht zu vergessen: die einzigartige Aussicht auf die Dachlandschaft der Altstadt.

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Austrofaschismus: 1934-1938 Die Bautätigkeit in der Zeit des Austrofaschismus versuchte, das Wohnbauprogramm des Roten Wien fortzuführen, kam aber an dessen qualitative Leistungen nicht heran. Laut Friedrich Achleitner »gibt es zwar eine Architektur im Austrofaschismus, aber keine politisch-ästhetische austrofaschistische Architekturkonzeption!«

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Wien 1918 – 1938

Kunst und Wissenschaft

Malerei

Malerei in der Zwischenkriegszeit

Brigitte Lindinger

Nach den Leiden und Entbehrungen des Ersten Weltkrieges rief die Umwandlung Österreichs von einer Großmacht zu einem kleinen Staat in der Bevölkerung Unruhe und Spannungen hervor, die sich nicht zuletzt auch in der Kunst manifestierten. Der wirtschaftliche Zusammenbruch traf die Künstler schwer, da die ehemaligen Auftraggeber kaum über finanzielle Mittel verfügten. »Der Mäzen« wurde zu einem Relikt vergangener Tage. Müdigkeit, Resignation und nachlassende Vitalität waren kennzeichnend für das künstlerische Leben Österreichs.

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och vor dem Krieg war Wien das einzig maßgebende Zentrum, die Kunst in den Bundesländern zeigte sich nur von bescheidener Seite. Ende des Krieges schien Wien verwaist. Klimt, Schiele, Kolo Moser starben 1918, Kokoschka ging nach Dresden. Dieses künstlerische Vakuum bewirkte nun eine Veränderung in der Kunstlandschaft Österreichs, sodass spätestens ab 1920 jedes Bundesland über eine eigene Künstlervereinigung verfügte. In dieser extrem verunsicherten Zeit orientierte sich die Kunst am Fassbaren, d.h. am Gegenständlichen. Mensch und Natur wurden als die Einheit der Schöpfung begriffen und Kunst als deren Fortsetzung. Diese Problemstellung ließ einen weiten Bogen von Ausdrucksmöglichkeiten zu, der vom Expressionismus über die Neue Sachlichkeit bis hin zum Konstruktivismus reichte.

Österreichische Künstlervereinigungen in der Zwischenkriegszeit Der »Nötscherkreis« in Kärnten, dem die Künstler Gehard Frankl, Anton Kolig, Sebastian Isepp, Anton Mahringer und Josef Wiegele angehörten. Der »Wassermann« in Salzburg mit Felix Harta und Anton Faistauer. Die »Grazer Secession« mit Wilhelm Thöny und Alfred Wickenburg. »Maerz und Ring«, in Oberösterreich mit Alfred Kubin, Franz Sedlacek und Aloys Wach. Im Westen Österreichs die »Künstlervereinigung Heimat«, die »Gruppe Waage« und die »Secession Innsbruck«. Hier sind die Namen Alfons Walde, Albin Egger-Lienz und Leo Putz zu nennen.

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Der gemäßigte Expressionismus Unter den verschiedenen stilistischen Bestrebungen erhielt der expressive Kolorismus die größte Bedeutung. In bewusster Distanz zur Internationalen Moderne fanden die prägenden Künstlerpersönlichkeiten wie Herbert Boeckl und Anton Kolig zu einer künstlerischen Formensprache, die bei einem konstruktiven Bildaufbau der Farbe eine eindeutig dominante Rolle einräumte. Der Mensch in seinem Verhältnis zu Natur und Kultur und die Spannung zwischen diesen beiden Polen menschlicher Existenz waren das Ziel ihres künstlerischen Anliegens. So wie Schiele und Gerstl ist auch Oskar Kokoschka zu den Begründern des österreichischen Expressionismus zu zählen. Mit seinen Bildern beeinflusste er maßgeblich den Fortgang der österreichischen Kunst in den zwanziger Jahren und war vor allem für Herbert Boeckl von entscheidender Bedeutung. Das Leopold Museum verfügt über bedeutende Arbeiten dieses Künstlers, wie der »Liegender Akt«, »Die Gruppe am Waldrand« und die »Die große sizilianische Landschaft«. Mit Abstand war die Landschaft das meistgewählte Thema der Malerei der Zwischenkriegszeit. So auch in den Arbeiten von Josef Dobrowsky. Die Natur wurde bei ihm zum Sinnbild innerer Befindlichkeit. In den beiden Gemälden des Leopold Museums »Häuser in Karlsbad« und »Donaulände in Ybbs« erkennt man das eigenwillige Kolorit und die melancholische Grundstimmung seiner Motive. Anton Kolig gründete seinen Werkstattbetrieb »Nötscher Kreis« um 1920. Er wandte sich vor allem dem Menschenbild und da dem jungen männlichen Akt zu. Unter anderem besitzt das Leopold Museum zwei Selbstbildnisse von ihm. Sein talentiertester Schüler war Gerhard Frankl. Sein Werk ist von der Dominanz der Farbe geprägt, wobei dem Stillleben und der Landschaft wesentliche Bedeutung zukommt. Frankls »Dächer

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Malerei

Albin Egger-Lienz Die Schnitter bei aufziehendem Gewitter (Ausschnitt) 1922

Neue Sachlichkeit Sie kann als Überwinderin des Expressionismus und als zweite Hauptströmung der Zwischenkriegszeit verstanden werden. Nach den überstandenen Greueln des Krieges entstand ein Bedürfnis nach Abstand und Sauberkeit. Im künstlerischen Bereich fand man die gewünschte Sicherheit im Rückzug auf den Gegenstand. Die Künstler der Sachlichkeit haben impressionistische wie expressionistische Tendenzen hinter sich gelassen und tendieren zu einer Wiedergabe der Wirklichkeit. Kennzeichnend für den neuen Stil wurden die kalte Beleuchtung, die Härte der Darstellung und die Sparsamkeit der Mittel. Die Ruhe, Erstarrung und Reglosigkeit ist gepaart mit einer Zurückhaltung in der Farbgebung und einer Verfestigung der Form. Melancholie und Einsamkeit sind neben der Anklage gesellschaftlicher Missstände die wesentlichsten inhaltlichen Anliegen. In Österreich sind die Vertreter dieser Richtung Rudolf Wacker, Herbert Ploberger, Sergius Pauser und Otto Rudolf Schatz. Auch hier findet man schöne Beispiele in der Sammlung Leopold. Eine andere Facette des Sachlichen wird im Werk des Mystikers unter den Realisten, Franz Sedlacek, sichtbar. Wie auch sein Künstlerkollege Herbert Reyl-Hanisch fand er zu einer karikierenden, figuralen Ausdrucksform. Die Thematik kreist um das Unheimliche, das Skurrile und das Fantastische. Fantastische Ansätze Die Fantastik spielt nicht nur im Werk von Reyl-Hanisch und Sedlacek eine große Rolle, sondern auch in den Arbeiten von Alfred Kubin. Charakteristisch für sein Frühwerk ist das Unheimliche, das sich in seinen diversen existenzbedrohenden Formen zeigt. Später wurde der Humor ein wesentliches Element im Schaffen dieses Meisters der Zeichnung. Er setzte ihn auch als Mittel zur Überwindung des Grauens ein.

© Leopold Museum, Wien, Inv. 532

mit Schornsteinen« und »Steinbruch bei Gießhübl« sind Teil der Sammlung Leopold. Dieser gemäßigt expressiven Richtung folgte auch Rudolf Szyszkowitz. Er weist einfachen Handlungen einen großen symbolischen Wert zu.

Abstrakte Kunst in Österreich Während sich der Surrealismus hier kaum durchsetzen konnte, sind es vor allem kubistische und futuristische Elemente, die in Form des »Wiener Kinetismus« internationale Beachtung fanden. Fast wäre dieses Sonderphänomen unentdeckt geblieben, wäre der Nachlass von Franz Cizek nicht im Jahr 1964 zufällig entdeckt worden. Dieser herausragende Pädagoge und Kunstreformer war an der Kunstgewerbeschule tätig. Hier wurden neue Ideen mit jugendlichem Enthusiasmus umgesetzt. Er war der Spiritus Rector des Wiener Kinetismus, eine Kunstform, die den rhythmischen Ablauf der Bewegung wiedergibt. Neben dem Thema der Bewegung war die Darstellung von Sinneseindrücken, Gefühlen oder Seelenzuständen von Bedeutung. Ihnen wurde mit den Möglichkeiten geometrischer Formen Ausdruck verliehen. Wichtigste Protagonisten dieser neuen Kunst waren Erika Giovanna Klien, die 1929 nach New York ging und dort als Pädagogin weiterhin an der Umsetzung kinetischer Phänomene arbeitete. Auch Franz Pomassl und My Ullmann gehören in den Kreis der prominenten Vertreter des Kinetismus. Der Kubismus ist in seiner reinen Form in Österreich nicht vertreten. Aber einzelne Künstler entnehmen ihm Anregungen und formen ihn zu ihrem persönlichen Stil um. Alfred Wickenburg ist unter ihnen die bedeutendste Persönlichkeit. Er greift auf den analytischen Kubismus zurück. Aus der Analyse des Motivs ergeben sich geometrische Formen, die er als

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Konstruktionselemente einsetzt. Auch bei Carry Hauser lassen sich kubistische Einflüsse feststellen. Eines seiner bekanntesten Werke ist »Jazzband«, als Antwort auf den aus Amerika importierten Fortschritt und die skandalisierte Aufführung von Ernst Kreneks Oper »Jonny spielt auf«. Zum Schluss sei noch der »Hagenbund« erwähnt, ein Sammelbecken der Moderne. Durch die weltoffene Haltung seines Programms behielt er in der Zwischenkriegszeit seine Bedeutung als Plattform der Moderne, als die er sich schon vor dem Ersten Weltkrieg etabliert hatte. In den Ausstellungsräumen in der Zedlitzgasse in Wien waren stets auch zahlreiche, im Ausland lebende Künstler wie Josef Floch und Georg Ehrlich, vertreten. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie kam es zu einem Modernisierungsschub, der veraltete Strukturen des Habsburgerreiches ablöste. Pazifismus und Sozialreformen begleiteten den Aufbau der jungen Republik. Sie eröffneten die Chance auf einen Neuanfang, der in der Kunstund Kulturszene eine Aufbruchsstimmung bewirkte, die in der Auseinandersetzung mit neuen Stilmitteln verwirklicht wird.

Literatur: Katalog Leopold Museum, Zwischen den Kriegen. Österreichische Künstler 1918 – 1938. 21. 9. 2007– 28. 1. 2008 (Wien 2007). MedienService Reg.Nr. 21570

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Wien 1918 – 1938

Kunst und Wissenschaft

Bildhauerei

Arbeiten für das Rote Wien Anton Hanaks für den öffentlichen Raum bestimmte Auftragswerke entstanden vor allem für die sozialdemokratisch verwaltete Stadt Wien. Fünfzehn Jahre nach Hanaks Tod eröffnete Bürgermeister Theodor Körner am 30. 6. 1949 eine große Anton Hanak-Ausstellung in der wiederaufgebauten Wiener Secession. In seiner Ansprache würdigte Körner die Bedeutung des Bildhauers: »Hanaks Werke spiegeln die geistigen Strömungen seiner Zeit … wir sehen in den Werken dieses Arbeiterkindes die Verbundenheit mit der Arbeiterbewegung, der Hanak seine größten Aufträge verdankte …«

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nton Hanak (geboren 1875 in Brünn, gestorben 1934 in Wien) hatte als Sohn eines einfachen Arbeiters große Mühe gehabt, die erstrebte Bildung zu erreichen. 1889 kam er nach Wien, absolvierte hier eine Holzbildhauerlehre bei Ludwig Sauer und wurde 1893 zum Gesellen freigesprochen. Von Wien aus zog er auf die Walz, nach Prag, durch die Slowakei, in den Westen nach Linz, Passau, Augsburg und München, wo ihn die Kunstwerke der Glyptothek begeisterten. In den Wintermonaten nahm er ab 1894 an Abendkursen für Bildhauer und Modelleure teil, und 1898 erfolgte seine Aufnahme an der Akademie der bildenden Künste, wo er in die Bildhauerklasse von Edmund Hellmer kam. 1904 beendete Hanak sein Studium. Schon während des Studiums entstanden die ersten Arbeiten. Preise und Stipendien ermöglichten ihm Reisen nach Italien sowie ein eigenes Atelier in Wien. Von 1913 bis 1932 leitete Hanak die Klasse für monumentale Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule und 1932 wurde er zum Ordentlichen Professor für Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste berufen. Hanak war Mitglied der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte sowie Gründungsmitglied des Österreichischen Werkbunds. Er war mit Künstlerkollegen wie Gustav Klimt und Josef Hoffmann eng befreundet. Er schuf plastische Fassadenreliefs für mehrere Bauten Josef Hoffmanns – insbesondere für die Familie Primavesi – sowie eine Reihe von Plastiken für Wohnbauten der Gemeinde Wien, die Victor AdlerBüste am Denkmal der Republik und das Kriegerdenkmal am Zentralfriedhof. Sozialdemokratische Auftragsarbeiten vor dem Ersten Weltkrieg. 1910 entstanden »Arbeiter und Arbeiterin« für das Gebäude der Druck- und Verlagsanstalt »Vorwärts«, die gleichzeitig Parteizentrale der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und Redaktionssitz der Arbeiter-Zeitung in Wien, Rechte Wien-

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Elsi Graf

zeile 97, war. »Arbeiter und Arbeiterin« sind beide Aktfiguren, die ohne Beigabe von Attributen auskommen. Der angespannte Arm der männlichen Figur soll auf dessen Kraft hinweisen, die schützend über den Bauch gelegten Hände der Frau sind als Verweis auf die Mütterlichkeit und Fruchtbarkeit zu deuten. 1911 stellte Hanak am »Mariahilfer-Zentralpalast«, dem STAFA (Staatsangestellten-Fürsorge-Anstalt)-Gebäude in der Wiener Mariahilfer Straße in neun Relieftafeln je eine Berufsgruppe dar. Die Figurenpaare sind nackt und athletisch, sie sind einander zugewandt und halten gemeinsam ein Werkzeug als Attribut der Berufszugehörigkeit. Das mittlere Relief stellt die »Einigkeit« dar: Zwei Männer reichen sich die Hände, eine Geste, die in die Emblematik der Arbeiterbewegung Aufnahme gefunden hatte. Bauplastiken um 1924 »Früchteträgerinnen« Josef Hoffmann gab Hanak schließlich 1924 Gelegenheit, erstmals Bauplastiken für einen der neuen Wiener Gemeindebauten, den Viktor-Klose-Hof, zu schaffen. In der Philippovichgasse wurden im Haupteingang der neuen Wohnhausanlage Hanaks überlebensgroße »Früchteträgerinnen« als bekrönende Portalfiguren angebracht. Die großen knienden Frauenakte bieten in ähnlicher Haltung, aber jeweils auf die Mitte ausgerichtet, Obst in einer flachen Schale an. Für Josef Hoffmann waren sie »die schönsten Bauplastiken, die in den letzten fünfzig Jahren in Wien irgendwo geschaffen wurden«! Die »Früchteträgerinnen« blieben schließlich Hanaks einzige Bauplastiken an einem Gemeindebau des »Roten Wien«. »Magna Mater« Auf Anregung des damaligen Stadtrates Julius Tandler erfolgte der Beschluss, in der neu errichteten »Kinderübernahmestelle der Gemeinde Wien« in der Lustkandlgasse, Wien IX, einem Heim für

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Bildhauerei

verwahrloste Kinder, einen Brunnen aufzustellen. Im Zentrum der Brunnenanlage steht eine Figurengruppe: Vier Kinder, allen Lebensperioden der Jugend angehörig, haben sich in die Nähe der großen Mutter geflüchtet. Vor ihr steht der Kleinste der Kleinen und blickt erschrocken auf die Schlangen im Wasser, die ihn bedrängen. Schützend umfängt die Frau die Schultern eines verängstigten Mädchens; besänftigend zieht sie den trotzigen Buben an sich, der in seiner rechten einen Stein umklammert. An die Rückseite klammert sich, Zuflucht suchend, noch ein Kind. Vier bronzene, wasserspeiende Schlangen am Rand des Brunnenbeckens sind Sinnbild der Gefahren, die den Kindern drohen. Dieses Werk Hanaks, 1927 in der Ausstellung »Wien und die Wiener« im Wiener Messepalast und in wichtigen Kunstausstellungen im Modell ausgestellt, wurde sogleich zum propagandistischen Schaustück für die sozialdemokratische Bewegung. Die »Magna Mater« wurde zu einer Art Signet des Wiener Fürsorgewesens. Die Fürsorgerinnen des Städtischen Jugendamtes schenkten Julius Tandler zu seinem 60. Geburtstag den Bronzeguss eines von Hanak eigens angefertigten kleinen Modells der »Magna Mater«. Sogar die Wäschepakete für Säuglinge, die Tandler für alle Wiener Mütter eingeführt hatte, erhielten ein Bild von Hanaks »Magna Mater«. Die Plastik wurde aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang mit dem umgebenden Gebäude gerissen und steht seit 1964 im Rathauspark von Wien-Mauer. »Die Schmerzensmutter« – das Kriegerdenkmal am Wiener Zentralfriedhof »Nie wieder Krieg« sollte die Botschaft des Denkmals sein. Ab 1924 entstand auf Anregung der Wiener Kriegsinvaliden und nach inhaltlichen Vorgaben von Julius Tandler das Kriegerdenkmal der Gemeinde Wien am Zentralfriedhof. Anton Hanak zur Deutung der Frauenfigur: »Die ‚Schmerzensmutter‘, die ihre Arme klagend erhebt und über den Verlust der Söhne weint; die zusammensinkt unter dem unermesslichen Schmerz der die gesamte Menschheit einer schweren Wolke gleich zur Erde zwingt.« Die Hauptfront mit der »Schmerzensmutter« schaut gegen

© laPancha

Anton Hanaks »Magna Marter« seit 1964 im Rathauspark von Wien Mauer

die Soldatengräber, auf der Rückseite des Denkmals befindet sich die Inschrift: »Nie wieder Krieg«. Am 25. Oktober 1925 wurde das Denkmal durch Stadtrat Julius Tandler enthüllt. Kritik am Denkmal kam sowohl von sozialdemokratischer Seite als auch von konservativen Kreisen, erstere hätten einen heldenhaften Krieger sehen wollen, die anderen ein schlichtes Kreuz. In den 30er-Jahren wurde der Aufruf »Nie wieder Krieg« durch die Inschrift »Herr, gib uns den Frieden« ersetzt. »Das Denkmal der Republik« Aus Anlass der 10-jährigen Wiederkehr der Gründung der Republik wurde Anton Hanak beauftragt ein Denkmal zu errichten. Auftraggeber war die Gemeinde Wien, mit Stadtrat Julius Tandler als Kunstberater der Gemeinde. 1928 wurde der Platz zwischen Parlament und Palais Epstein für die Aufstellung des Denkmales bestimmt. Dem Organisator der österreichischen Arbeiterschaft, Victor Adler, dem Schöpfer der sozialen Gesetzgebung in der Republik, Ferdinand Hanusch und dem ersten Bürgermeister des republikanischen Wien, Jakob Reumann, sollte ein schlichtes Denkmal errichtet werden. Anton Hanak wurde die architektonische Gestaltung des Denkmals und die Ausführung der Büste Victor Adlers übertragen (siehe Seite 23) Franz Seifert wurde mit der Ausführung der Büste von Jakob Reumann betraut (siehe Seite 40) und Carl Wollek mit der von Ferdinand Hanusch. Drei Granitsäulen tragen die gewaltigen Bronzeköpfe der drei Männer, Victor Adler in der Mitte. Der wuchtige Hinterbau überragt mit drei Granitsäulen, über die eine massive Granitsäule als Deckstein gelegt ist. Um dem

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Denkmal nach vorne einen Abschluss zu geben, stellt Hanak links und rechts einen großen Granitwürfel auf. Das »Denkmal der Republik« – dem Gedenken an Victor Adler, Ferdinand Hanusch und Jakob Reumann gewidmet – wurde am 12. November 1928 enthüllt. Die Enthüllung wurde zu einer gigantischen Kundgebung der Sozialdemokraten. Julius Tandler eröffnete die Feier, Karl Renner hielt die Festrede. Das Denkmal wurde 1934 abgetragen, aber nicht vernichtet, sondern in der Stadionhalle gelagert. Zum 30. Jahrestag der Republiksgründung 1948 wurde es wieder aufgebaut. Ein zweites von Hanak entworfenes Denkmal zum Republikjubiläum wurde ebenfalls am 12. November 1928 enthüllt: Ein Widmungsstein für das zu erbauende Stadion im Wiener Prater mit der Inschrift: »Der Jugend widmet dieses Stadion die Gemeinde Wien zur 10. Jahresfeier der Republik, 12. November 1928«. Ein weiteres 1928 enthülltes Denkmal stammt von Anton Hanak, das »Grabdenkmal für die Opfer des 15. und 16. Juli 1927« am Wiener Zentralfriedhof. Für alle drei Denkmäler hat Anton Hanak bewusst Granit eingesetzt: »Als uraltes Material, das durch seine Härte und sein Gewicht Dauerhaftigkeit und Ewigkeit ausdrückt, und als Bezugspunkt zur Arbeiterklasse, der das Material vor allem als Baumaterial, etwa als Straßenpflaster, bekannt war.«

Literatur: Friedrich Grasseger, Anton Hanak und das »Rote Wien« (Wien, 1997)

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Kunst und Wissenschaft

Tanz

Im Rhythmus der Großstadt Statt Walzer und Polka tanzt man zu Jazzklängen Shimmy, Charleston, Foxtrott und Black Bottom, opulente Revuen mit Girls in knappen Kostümen machen der Wiener Operette Konkurrenz und Josephine Baker mit ihrem frivolen Bananenröckchen ist schlichtweg skandalös!

Literatur: Oliver Bentz, Choreographie der Nacktheit, in: Wiener Zeitung, 27./28. Oktober 2012. Anton Holzer, Sich vor Frauen zu entblößen, in: Die Presse, 16. April 2010. Wolfgang Kos (Hrsg.), Kampf um die Stadt. Politik, Kunst und Alltag um 1930 (Ausstellungskatalog Wienmuseum 2010).

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och auch im klassischen Ballett herrschte damals Aufbruchsstimmung: Schon vor dem Krieg experimentierten die berühmten Schwestern Wiesenthal, Grete war seit 1902 Solotänzerin der Wiener Hofoper unter Gustav Mahler, mit neuen Tanzformen. Statt strenger klassischer Balletttradition wurden natürliche Anmut, freie Bewegung und Ausdruck gefordert. Wien entwickelte sich neben Berlin zu einem Zentrum der modernen Tanzkunst. Der freie Tanz, seit 1928 wurde erstmals der Begriff Ausdruckstanz verwendet, war Trend und wurde in zahlreichen Tanzschulen vermittelt. Gertrud Bodenwieser übertrug den Expressionismus aus der bildenden Kunst ins Tänzerische, sie gründete 1934 gemeinsam mit Steffi Stahl eine »Modern Dance Group.« Schon 1925 hatte die Stadt Wien die berühmte »Körperbildungsanstalt« aus Hellerau-Dresden im Schloss Laxenburg untergebracht, nur wenig später übernahm die junge Rosalia Chladek die Leitung der großen Tanzgruppe. Bei den Wiener Festwochen 1931 begeisterte sie mit ihrer Choreographie zu Georges Bizets »L‘Arlèsienne-Suiten« Tausende von Zusehern am Wiener Rathausplatz. Die gefeierte deutsche Tänzerin Claire Bauroff, die in den 20er Jahren auch als Nacktmodell Aufsehen erregt hatte, trat mit ihren Programmen in Wien auf – 1924 in der Josefstadt mit »Das Licht ruft«, einem Tanzdrama in sieben Bildern – und das teilweise auch nackt! Hermann Broch, mit dem sie im Sommer 1922 eine Liebesaffäre hatte, widmete ihr das Gedicht »Die Tänzerin«, das den Zauber, den Claires von Rhythmus und Schwung geprägte Choreographien bewirkten, ahnen lässt: »Und löst sich Dir die freieste Gebärde, / Spannst Du die Welt in einem grand écart, …« – die ganze Welt einem großen Spagat. Die »Kostümlosigkeit« der schönen Tänzerin löste auch Kritik an ihren Darbietungen aus, doch verglichen mit dem Skandal, den 1928 Josephine Bakers

Julia Strobl

Auftritt in Wien hervorrief, war es nur ein sanftes Rauschen im Blätterwald. Der Ruf der Baker und ihrer legendären Bananenrock-Nummer war der in Paris lebenden amerikanischen Künstlerin vorausgeeilt. Sie war ein internationaler Star, ihr Film »Die Frauen von Folies Bergères« (1927) hatte in Wien große Aufregung und Erwartungen erweckt, aber auch Ängste. Konservative Stimmen und nationalsozialistische Kreise wetterten gegen die unverhüllt exotisch-erotischen Tänze zu hemmungsloser »Negermusik« und forderten ein Auftrittsverbot. Sogar Sondergottesdienste zur »Buße für schwere Verstöße gegen die Moral« fanden statt, und nach wochenlanger Erregung über den geplanten Auftritt Josephine Bakers – im Februar fanden sogar Debatten im Nationalrat statt – kam es schließlich zu einem klassischen Wiener Kompromiss: keine Solovorstellung für die Baker im Varietétheater Ronacher. Aber: ein Gastauftritt im Johann-Strauß-Theater in der Vorstadt. Am 1. März 1928 fand in der Favoritenstraße die umjubelte Premiere der Revue »Schwarz auf Weiß« statt. In den Zeitungen übte man sich in Zurückhaltung. Keine Fotos der Szenen wurden veröffentlicht, um neue Aufregungen zu vermeiden. Die großen Ausstattungsrevuen dominierten in den 20er Jahren bis zur großen Wirtschaftskrise die Unterhaltungsbranche. Doch in Wien wurde die übliche Szenenfolge, Nummern mit Gesang, Tanz und vor allem Revuegirls, durch humoristische Sketche und Conférencen begleitet. Die legendären Doppelconférencen von Farkas (»der Gscheite«) und Grünbaum (»der Blöde«) haben hier ihren Ursprung! Mehr Zusammenhang war für eine erfolgreiche Revue nicht erforderlich, wie Siegfried Geyer schon 1928 feststellte: »Multipliziert man eine nackte Frau mit fünfzig, so ist die Haupthandlung bereits da.«

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ZÜND-UP, aus: St. Stephans Count Down I-IV, 1969, Wien Museum

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Tanz

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NEUES AUS DER VERGANGENHEIT WIEN MUSEUM KARLSPLATZ HERMESVILLA UHRENMUSEUM RÖMERMUSEUM OTTO WAGNER PAVILLON KARLSPLATZ NEIDHART FRESKEN PRATERMUSEUM BEETHOVEN WOHNUNGEN HAYDNHAUS MOZARTWOHNUNG SCHUBERT WOHNUNGEN JOHANN STRAUSS WOHNUNG WWW.WIENMUSEUM.AT

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Wien 1918 – 1938

Kunst und Wissenschaft

Musik

Skandale und Triumphe 1913 erlebten Schönbergs »Gurrelieder« ihre Uraufführung. Die Zwischenkriegszeit wurde dann in der österreichischen Musikszene von Richard Strauss beherrscht und erlebte Höhepunkte mit den Werken von Alban Berg und Ernst Krenek. Als unverwüstlich erwies sich bis zum Zweiten Weltkrieg auch die Operette.

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ls sich Wiens Musikpublikum am 23. Februar 1913 im Großen Musikvereinssaal einfand, um der Uraufführung von Arnold Schönbergs »Gurreliedern« beizuwohnen, hielten viele einen Skandal nicht nur für möglich, sondern erwarteten ihn geradezu. Der Komponist, der ursprünglich im Stil der Spätromantik angetreten war, hatte sich später kompromisslos radikal der atonalen Zwölftonmusik zugewandt und damit für viel Empörung gesorgt. Die »Gurrelieder«, in denen er Gedichte des dänischen Schriftstellers Jens Peter Jacobsen vertonte, bedeuteten da gewissermaßen einen »Rückschritt« in eine glanzvolle Musiksprache, die in opernhafter Geste ein Liebesmelodram auf die Bühne bringt. Mit gewaltigem Aufwand an Orchesterbesetzung, Chören und Solisten sind die »Gurrelieder« ein Werk, das es den Interpreten bis heute schwer und dem Publikum vergleichsweise leicht macht, weil sich die stürmisch-mitreißende Wirkung der Musik so gut wie immer einstellt. Die Uraufführung unter der Leitung von Schönbergs Komponistenkollegen Franz Schreker war nicht nur ein Riesenerfolg – es war überhaupt der größte Erfolg, den Schönberg je bei Publikum und Kritik geerntet hat. Schönberg hat sich dem Genre der Oper nur in geringem Ausmaß zugewandt: In den zwanziger und dreißiger Jahren kamen zwar sein Monodrama »Erwartung« (als Stück für eine große Interpretin immer wieder einmal hervorgeholt) und seine Kurzwerke »Die glückliche Hand« und »Von heute und morgen« zur Aufführung. Aber sein einziges genuines Opernwerk, »Moses und Aron«, zwar auch in dieser Zeit entstanden, blieb unvollendet und wurde erst nach seinem Tod in den fünfziger Jahren uraufgeführt. Eine prägende Persönlichkeit des österreichischen Opernlebens der Zwischenkriegszeit war Richard Strauss, und das lag nicht nur an den bedeutenden Werken,

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Heiner Wesemann

die er damals schuf. Er wusste auch, dass ein Komponist sich nicht allein durch seine Kreativität im Musikleben behaupten kann – er muss auch in den Institutionen vertreten sein. Indem Strauss (zusammen mit dem Dirigenten Franz Schalk) von 1919 bis 1924 die Wiener Staatsoper leitete und dass er 1920 gemeinsam mit dem Regisseur Max Reinhardt und »seinem« Librettisten Hugo von Hofmannsthal die Salzburger Festspiele gründete, vernetzte ihn mit den wichtigsten künstlerischen Institutionen der Ersten Republik. So konnte er seine erste große Premiere nach dem Krieg im »eigenen Haus« feiern: »Die Frau ohne Schatten« wurde am 10. Oktober 1919 in der Staatsoper uraufgeführt, Kollege Schalk stand am Pult. Die Hauptrollen konnten damals gar nicht besser besetzt werden als mit Maria Jeritza als Kaiserin, Lotte Lehmann als Färberin und Richard Mayr als Barak. Man hat die Oper schon damals als eines der Hauptwerke von Strauss begriffen. Die radikale Sprache seiner Opernanfänge (»Salome«, »Elektra«), die sich im »Rosenkavalier« und der »Ariadne« besänftigt hatte, kehrte hier teilweise und anspruchsvoll zurück. In der damaligen Nachkriegszeit, als in den meisten Opernhäusern die Mittel karg waren, überforderte »Frosch«, wie Opernfreunde das Werk nennen, die Institutionen. Den wahren Siegeszug dieses Opus magnum lange nach dem Zweiten Weltkrieg hat Richard Strauss nicht mehr erlebt. Nach dem Ende seiner Direktionszeit in Wien war die Stadt für ihn nicht mehr Uraufführungsort, doch selbstverständlich wurden seine nächsten großen Werke stets kurz danach in Wien gezeigt – in den Besetzungen, wie sie die Staatsoper bieten konnte. Die von Hofmannsthal gedichtete »Die Ägyptische Helena« (Dresden 1928) erschien mit Strauss selbst am Pult und der Jeritza in der Titelrolle. Die Oper war jedoch - damals wie heute - zu verklausuliert, um wirklich zu reüssieren, und so kehrten Strauss/Hofmannsthal mit

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»Arabella« zu einem Erfolgsrezept zurück - zwar nicht in das Zeitalter des »Rosenkavaliers«, aber doch in eine Wiener Welt. Mit Lotte Lehmann in der Titelrolle kam die Oper knapp vier Monate nach der Dresdner Uraufführung im Oktober 1933 auch in Wien auf den Spielplan. Davor schon hatte »Intermezzo«, dessen Libretto Strauss selbst geschrieben hatte, bald nach der Münchner Uraufführung im Jänner 1927 in Wien reüssiert, wiederum mit Lotte Lehmann. »Die schweigsame Frau« (1935) hingegen musste jahrzehntelang auf eine Wiener Aufführung warten, »Daphne« (1938) kam in Wien erst während des Krieges heraus, und »Friedenstag« (1938) hat es bis heute nicht in die Wiener Staatsoper geschafft. Dennoch war Richard Strauss als Komponist Österreich ebenso verbunden wie seiner deutschen Heimat. Strauss hat es als einziger neben dem 1924 verstorbenen Italiener Giacomo Puccini geschafft, als Komponist des 20. Jahrhunderts mit seinen Werken bis heute das Repertoire der großen Opernhäuser entscheidend mitzubestimmen, zumindest mit einem halben Dutzend seiner Werke. Das ist von seinen komponierenden deutschen Landsleuten dieser Epoche (Hindemith, Weill, Orff, Egk) keinem einzigen geglückt. Und auch keinem der großen Österreicher der Epoche, wobei Alban Berg einen Sonderfall darstellt. Sein »Wozzeck«, 1925 in Berlin uraufgeführt, wurde in Wien 1930 gespielt, vom damaligen Direktor Clemens Krauss gegen die Skepsis des Publikums durchgesetzt. Posthum wurde auch Bergs Fragment gebliebene »Lulu« uraufgeführt: Beide Werke, in denen Berg literarische Vorlagen (Büchner, Wedekind) in das andere Medium der Oper überführt hat – setzen die Zwölftontechnik ein und verfahren in strikter Atonalität. Dennoch nehmen sie ihren Rang als singuläre Meisterwerke der Oper des 20. Jahrhunderts nicht nur theoretisch, sondern auch in hohem Maße im Repertoire der Opernbühnen dieser Welt ein. Ernst Kreneks »Jonny spielt auf« wurde zur Sensation, zuerst am 10. Februar 1927 im Neuen Theater zu Leipzig, dann in noch höherem Maße als Silvesterpremiere am 31. Dezember 1927 an der Wiener Staatsoper. Der Komponist war damals

© Österreichische Nationalbibliothek

Musik

gerade 27 und erfüllte die Wünsche eines fortschrittlichen Publikums nach dem absolut Neuen: Jazzklänge und Nachtklub-Atmosphäre, ein Saxofon spielender Schwarzer als Held, die schöne Welt der Gegenwart mit Auto, Telefon, Eisenbahn, Radio auf die Bühne gebracht. Damit hatte ein österreichischer Komponist für einen Welterfolg gesorgt, der Ende der zwanziger Jahre die Opernwelt geradezu durchstürmte – und der den Nationalsozialisten bei ihrer Machtübernahme sofort Munition lieferte. Das konnten sie als »verjudete Negermusik« bezeichnen, und das Bildnis des schwarzen Jonny, der einen Judenstern verpasst bekam, zierte das Plakat der »Entartete Kunst«-Ausstellung des Nationalsozialismus. Krenek war kein Jude, wenn auch vorübergehend mit einer Tochter von Gustav Mahler verheiratet, emigrierte aber doch. Viele andere österreichische Komponisten dieser Zeit waren Juden, und bis sie starben oder vertrieben wurden, leisteten viele von ihnen ihre Beiträge zur Musik, vordringlich zur Oper der Zwischenkriegszeit: Alexander von Zemlinsky, der in unseren Tagen ebenso sporadisch wieder entdeckt wird wie Franz Schreker (»Die Gezeichneten«, 1918, »Der Schatzgräber«, 1920) oder Erich Wolfgang Korngold, der in Hollywood als Filmkomponist Karriere machte: Seine »Tote Stadt« (1920) ist aber tatsächlich nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auferstanden. Sie allerdings pflegten noch einen musikalischen Stil, der die Moderne auf hohem Niveau mit der Spätromantik und Wag-

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nerschen Nachklängen vermählte, Radikalität war – sieht man von Berg, Schönberg und Krenek ab – nicht grundsätzlich das Wesen der österreichischen Komponisten. Man würde ein ganz wesentliches Element der Musik der Zwischenkriegszeit vernachlässigen, wollte man die Operette ausklammern, die rein quantitativ ein Vielfaches des Opernschaffens stellte. Man muss allein die Namen derer aufzählen, die oft jährlich ein neues Werk lieferten, um zu ermessen, mit welcher künstlerischen aber auch wirtschaftlichen Potenz man es da zu tun hatte. König von allen war natürlich Franz Lehár, der in der Zwischenkriegszeit noch einige seiner Hauptwerke schrieb, vom »Land des Lächelns« bis zum »Zarewitsch«, und für den sich 1934 sein Herzenswunsch erfüllte, mit »Giuditta«, als Oper deklariert, in die Staatsoper einzuziehen. Robert Stolz war ebenso ein hochbegabter Vielschreiber wie Leo Fall (»Madame Pompadour«, 1922). Oscar Straus hatte riesige Erfolge wie auch Ralph Benatzky (»Zum weißen Rössl«) und für Fritz Kreislers »Sissy« ging 1932 Paula Wessely auf die Operettenbühne. Nico Dostal und Paul Abraham, Edmund Eysler und Fred Raymond feierten ihre Erfolge, und mancher davon wird heute noch ausgegraben. Selbst eine nur oberflächliche Aufzählung von Namen vermittelt einen Eindruck, wie bedeutend in der Zwischenkriegszeit der Beitrag Österreichs zur Weltmusik gewesen ist.

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Wien 1918 – 1938

Kunst und Wissenschaft

Literatur

Neue Wege in der Literatur »Abgetakelte Existenzen des Weltkrieges, Mokkaliteraten, sehr viel zugereiste und bodenständige Währungsverdiener »machten« in Büchern. Die erschütterte Wirtschaftslage war ihnen geschickter Vorwand für seiltänzerische Geschäftsgebarung.«

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iese Zeilen schrieb der Schriftsteller Carl Julius Haidvogel in den »Österreichischen Monatsheften« von 1929 und vermittelte damit einen sehr guten Einblick in den Literaturbetrieb der Zwanziger Jahre. Trotz prekärer politischer und wirtschaftlicher Situation passierte Erstaunliches. Es kam zu einer Gründungsoffensive von belletristischen Kleinverlagen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, die eine kurze Blüte erfuhren, überlebten diese Verlage die Zwanziger Jahre allerdings nicht, vorwiegend durch verlegerische und wirtschaftliche Ahnungslosigkeit. So änderte sich der bereits in der Monarchie beklagte Mangel an belletristischen Verlagen auch in der Ersten Republik nicht wesentlich. Dies, obwohl Österreich im Friedensvertrag von St. Germain (1919) gezwungen wurde, der Berner Konvention beizutreten und Urheberrechtssicherheit zu schaffen. Dennoch publizierte auch nach Gründung der Ersten Republik ein Großteil der österreichischen Autoren seine Werke im benachbarten Ausland, vorwiegend in Berlin, Stuttgart, München oder Leipzig. Ein Umstand, der sich insbesondere nach 1933 als verhängnisvoll erweisen sollte. Der verlorene Weltkrieg, der Untergang der Monarchie, die Gründung der Ersten Republik und die prekäre wirtschaftliche Lage der Zwischenkriegszeit führten zu unterschiedlichen Reaktionen österreichischer Schriftsteller, die in der Folge exemplarisch dargestellt werden. So pflegten etwa Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler sowie Hermann Bahr eine noch aus der Monarchie kommende literarische Tradition, während Karl Kraus in seiner bereits 1899 gegründeten satirischen Zeitschrift »Die Fackel« unverändert gegen den »Phrasensumpf« vorging. Sehr bald jedoch – etwa ab den Zwanziger Jahren – entstand eine ganz neue, realitätsnahe und gegenwartsbezogene Dichtung. Der »Roman« wurde zu einer der wichtigsten Literaturgattungen der Zwischenkriegszeit und reüssierte viel-

Renate Piffl

fach zum Bestseller. Während Otto Soyka in seiner 1921 erschienenen Erzählung »Die Traumpeitsche« noch auf Freud und Nietzsches Spuren wandelte, beschrieb Felix Dörmann in seinem »Jazz, ein Wiener Roman« (1925) die neuen Typen der Gesellschaft (Hochstapler, Schieber, Spekulanten, Prostituierte). Visionen, die Schrecken des Nationalsozialismus betreffend, gab es bereits sehr früh. So in Josef Roths »Das Spinnennetz«, einem Fortsetzungsroman in der Wiener Arbeiter-Zeitung von 1923. Auch die satirische Erzählung von Hugo Bettauer »Stadt ohne Juden, ein Roman von übermorgen« (1922) ist heute als erschreckende Vorahnung zu lesen. Bettauer, u.a. auch Herausgeber einer umstrittenen erotischen Wochenschrift »gegen die Pseudomoral«, wurde 1925 von einem Nationalsozialisten erschossen. Im Roman »Karl und das XX. Jahrhundert« (1932) zeigte Rudolf Brunngraber die Probleme eines Arbeitslosen in einer industrialisierten Welt auf. Franz Werfel wiederum klagte in seinem Erfolgsroman »Die 40 Tage des Musa Dagh« (1933) den völlig ignorierten Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg an. Keine Realität mehr fand sich in den Werken von Leo Perutz, Gustav Meyrink oder Hans Karl Strobl. In seinem »Gespenster im Sumpf« (1920) hielt das Überwirkliche (Esoterik, Okkultismus, Phantastik) ins Alltagsleben Einzug. Als literarisches Experiment bezeichnete Robert Musil seinen Weltklassiker »Mann ohne Eigenschaften«. Erste Teile erschienen 1930/32, weitere Kapitel postum, das Werk blieb unvollendet. Das neue Selbstbewusstsein der Frauen dokumentierten Autorinnen wie Gina Kaus »Der Aufstieg« (1920) und Vicki Baum »Menschen im Hotel« (1929) sowie die Journalistinnen Mela Hartwig, Veza Canetti und Ea von Allesch, auch »Königin des Cafe Central« genannt. Zeitgemäße Themen nahmen sich auch die Lyriker und Dramatiker vor. Während Theodor Kramer Not und Elend der

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Literatur

Elias Canetti lebte von 1924 bis 1938 in Wien und erhielt den Nobelpreis 1981 als britischer Staatsbürger untersten Schichten beschrieb, entlarvte Ödön von Horvath in seinen »Geschichten aus dem Wienerwald« (1931) die »Wiener Gemütlichkeit«. Auf berührende Weise erzählte Jura Soyfer in seinem Stück »Der Lechner Edi schaut ins Paradies« (1936) die Suche eines Arbeitslosen nach dem dafür Schuldigen. Anfang der Dreißiger Jahre griffen viele Autoren das Thema »Untergang der Monarchie« wieder auf. Ein Beispiel dafür ist Josef Roth. Er vollendete 1932 seinen Roman »Radetzkymarsch«. Ein Jahr vor seinem Tod, 1938, im Jahr des »Anschlusses«, erschien »Die Kapuzinergruft«. Roth, seit 1933 im Pariser Exil, sah in der Wiedereinführung der Monarchie die Rettung vor dem Nationalsozialismus. Zurück zur Realität des Jahres 1927. Der Justizpalastbrand mit seinen 89 Toten brachte Elias Canetti zum Phänomen »Masse und Macht« und es entstand der Roman »Die Blendung« (1935). Canettis Werke wurden spät anerkannt, 1981 erhielt er den Literaturnobelpreis (als britischer Staatsbürger). Die Jahre 1933/34 (Ausschaltung des Parlamentes und Errichtung des Ständestaates) sowie die Februarkämpfe 1934 brachten massive Einschnitte in das österreichische Publikationswesen. Nach dem etappenweisen Verbot aller Oppositionsparteien und ihrer politischen und kulturellen Einrichtungen kam es parallel dazu zum Verbot aller diesbezüglichen Publikationen (Zeitungen, Zeitschriften, Bücher). Die zunehmende Radikalisierung der politischen Lager in Österreich sowie die Entwicklung in Deutschland (1933 Machtergreifung Hitlers) führten schließlich auch bei den Autoren zum entscheidenden Bruch. In Folge des internationalen P.E.N.-Kongresses im Mai 1933 in Ragusa (Dubrovnik) kam es zu einer Resolution des österreichischen P.E.N. gegen die Bücherverbrennungen und Schriftstellerverfolgungen im Deutschen Reich. Während 25 Schriftsteller (u.a. Franz Theodor Csokor, Oskar Maurus Fontana, Gina Kaus und Friedrich Torberg) dieses Papier unterzeichneten, traten die »national« gesinnten Schriftsteller (u.a. Robert Hohlbaum, Bruno Brehm, Karl Hans Strobl, Franz Karl Ginzkey, Mirko Jelusich, Max

Mell, Josef Weinheber) aus dem Klub aus und fanden sich ab 1936 im »Bund deutscher Schriftsteller Österreichs« wieder, einer illegalen Tarnorganisation, die auf den Anschluss hinarbeitete. Die vom Ständestaat geförderte Literatur war nicht antisemitisch, aber katholisch orientiert. Vertreter dieser Richtung waren Autoren wie Karl-Heinz Waggerl, Josef Perkonig, Paula Grogger, Karl Schönherr, Max Mell und Franz Nabl. Gefördert wurde auch österreichische Kriegsliteratur (Franz Tumler, Bruno Brehm) und der historisch-heroische Roman (Mirko Jelusich, Robert Hohlbaum). Mit der nationalsozialistischen Literatur gemeinsam hatte sie Feindbilder (Stadt, Intellektualismus, Wurzellosigkeit) und Vorbilder (ländliches Leben, Bauerntum, Bodenständigkeit). Deshalb war der Übergang in den NS-Kulturbetrieb für viele im Ständestaat geförderte Autoren nicht schwierig und sie fanden sich schon sehr früh auf den Bestenlisten im Deutschen Reich. Ein weiterer Grund für diese »Gleichschaltung« des österreichischen und deutschen Literaturbetriebes schon lange vor 1936 (Juliabkommen) bzw. 1938 war auch die bereits eingangs erwähnte traditionelle Abhängigkeit österreichischer Schriftsteller und Verlage vom deutschen Markt. Der Großteil der österreichischen Autoren publizierte im Deutschen Reich, die wenigen belletristischen Verlage Österreichs verkauften dort bis zu zwei Drittel ihrer Bücher. Das bedeutete, dass sie ihre Produktion an die deutschen Verbotslisten anpassen mussten und oft

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sogar gezwungen waren, Teile ihrer Lager aufzulösen. Ein Übriges tat die deutsche Devisenpolitik, die zur Folge hatte, dass beginnend mit 1933 Teile von Tantiemen österreichischer Autoren auf deutschen Konten »eingefroren« wurden; ebenso erschwerte sie Zahlungen deutscher Buchhändler an österreichische Verlage. So kam es, dass nicht erst 1938, sondern schon sehr viel früher, Autoren, welche die Tradition des demokratisch-kritischen Schreibens weiter pflegen wollten oder jüdischer Herkunft waren, das Land verlassen mussten (u.a. Elias Canetti, Josef Roth, Robert Musil, Stefan Zweig, Franz Werfel, Hermann Broch, Franz Theodor Csokor). Nicht geschafft haben es Jura Soyfer und Fritz Grünbaum, sie starben im KZ. Für das Heimweh und die Sehnsucht vieler dieser Exil-Autoren nach einer für immer versunkenen Welt steht das 1942 aus dem Exil (Brasilien) vorgelegte Werk von Stefan Zweig »Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers«. Es war jenes Jahr, in dem er gemeinsam mit seiner Frau Selbstmord beging. Sein letztes, wohl bekanntestes Werk erschien ebenfalls im Jahr seines Todes, nämlich »Die Schachnovelle«.

Literatur: Murray Hall, Österreichische Verlagsgeschichte 1918 – 1938 (Wien 1985).

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Wien 1918 – 1938

Kunst und Wissenschaft

Philosophie

Der Wiener Kreis Wenn man die Philosophenstiege im rechten Trakt des Universitätsgebäudes am Schottenring hinaufsteigt, sieht man auf dem Mittelpodest der Treppe eine Inschrift: An dieser Stelle brach Professor Moritz Schlick am 22. Juni 1936 von vier Kugeln getroffen zusammen und verstarb. Der Täter, ein ehemaliger Student namens Johann Nelböck, beging den Mord am helllichten Tag.

Literatur: Manfred Geier, Der Wiener Kreis (Reinbek bei Hamburg 2004) Schönere Zukunft (Das Neue Reich), XI., 1936, Nr. 41, S. 1-2.

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or Gericht rechtfertigte Nelböck seine Tat dadurch, dass die Vorlesungen Schlicks zur »Kritik des transzendentalen Wissens« ihm innerlich jeden religiös-metaphysischen Halt geraubt hätten. Im Tatmotiv des psychisch labilen Mörders des jüdischen Philosophen Schlick und in dessen Rechtfertigung vor Gericht (»grundverschiedene Weltanschauung«) dürfte etwas vom deutsch-nationalistischen Zeitgeist der Dreißigerjahre durchschimmern, so wie dieser auch aus einem Aufsatz hervorgeht, der nach diesem Mord erschienen ist: »Denn der Jude ist der geborene Ametaphysiker, er liebt den Logizismus, Formalismus und Positivismus … Wir möchten aber doch daran erinnern, dass wir Christen in einem christlich-deutschen Staate leben und dass wir zu bestimmen haben, welche Philosophie gut und passend ist.« Die deutschnationale Presse, wie die Zeitschrift »Schönere Zukunft«, heizte die antisemitische Stimmung noch an: »Hoffentlich beschleunigt der schreckliche Mordfall an der Wiener Universität eine wirklich befriedigende Lösung der Judenfrage«. Im Jahr 1938, nur zwei Jahre nach dem Mord, wurde der Täter Johann Nelböck von den Nationalsozialisten aus der Haft entlassen. Wer war dieser Moritz Schlick, dieser »Mephisto des Geistes«? Er war der Begründer jenes Kreises von Philosophen und Wissenschaftlern, der sich um 1923 gebildet und das Schicksal der modernen Philosophie entscheidend geprägt hatte. Schlick war der hervorragendste Vertreter einer neuen Denkbewegung, die sich vorgenommen hatte, die Philosophie von Dogmatismus und obskuren Scheinwahrheiten zu befreien und sie als »wissenschaftliche Weltauffassung« neu entstehen zu lassen. Ein Mann von vornehmer Gesinnung, charakterfest und aufrecht, eine liebenswürdige Natur. Nicht das Band einiger Dogmen hielt diesen Kreis zusammen, sondern das ehrliche und gründliche Streben nach einer Unter-

George Purdea

mauerung des philosophischen Diskurses durch die Schärfung der sprachlichen und logischen Analyse. Daran teilnehmende Philosophen, Mathematiker und Fachwissenschaftler waren: Otto Neurath, Rudolf Carnap, Hans Hahn, Karl Menger, Kurt Gödel. Der von Schlick gegründete Schlick-Kreis wurde durch den Beitritt von Otto Neurath, dem »Hünen mit dem roten Bart« zum »Wiener Kreis«. Während Schlick der sensible, großbürgerlich-aristokratische Feingeist war, hatte Neurath einen extrovertierten Charakter, war lebhaft, voller Ideen und Pläne, die er nicht ohne Witz kundtat. Dieser lustige, hochgebildete Wiener lehrte Ökonomie, verstand sich aber auch als ein »Gesellschaftstechniker« und trat an den wöchentlichen Treffen des Wiener Kreises, oft zum Missfallen Schlicks, lautstark für eine sozial-aufklärerische Verantwortlichkeit der »wissenschaftlichen Weltauffassung« ein. Neurath war bei Weitem der radikalste Antimetaphysiker des Wiener Kreises, der weder den gängigen Begriff »Sein« in der Philosophie akzeptierte, noch dessen theologisches Double »Gott«, weder »Welt als abgeschlossenes Ganzes«, noch »Seele« als Einheit des Bewusstseins. Er sah sich als heiterer Gigant des empirischen Diesseits, der den olympischen, weltabgewandten Metaphysikern den Krieg erklärte. Mögen die Philosophen wie Feudalherrn auf ihren einsamen Türmen sitzen, er, Neurath – weltzugewandt – würde sie mit seiner Kritik schleifen und die metaphysischen Restbestände wegräumen. Denn, wie er in einem seiner letzten Briefe schrieb: »Metaphysische Haltungen führen oft zum Totalitarismus, aber ich kenne keinen einzigen logischen Empiristen, der als solcher zu einer totalitären Auffassung gelangt ist.« Otto Neurath verließ Wien schon 1934, im Jahr, in dem der Parlamentarismus dem totalitären Ständestaat weichen musste, und noch vor dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland. Er starb 1945 in Oxford.

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Gesellschaft

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Dem Ende entgegen

Politische Krisen

Die progressive Radikalisierung 1927 war ein Schicksalsjahr für die ohnehin von Krisen geschüttelte Erste Republik, die die Folgen des Ersten Weltkrieges noch nicht verarbeitet hatte und nach einem kurzen Wirtschaftsaufschwung in den 1920er Jahren Massenarmut und politische Radikalisierungen zu bewältigen versuchte. 1927 kamen bei einer Demonstration zwei Menschen ums Leben, die Täter wurden frei gesprochen.

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ie Ereignisse von 1927 haben ihre Wurzeln im Ausklang des Ersten Weltkrieges und leiteten Entwicklungen ein, deren Folgen das weitere Schicksal Österreichs bis zum Jahr 1945, dem Ende des Zweiten Weltkrieges, auf grausame Weise prägten. Das Jahr 1927 bedeutete für die Erste Republik Österreich den Anfang vom Ende … Nach dem Ersten Weltkrieg war von der ehemaligen Großmacht Österreich nur mehr ein kleiner, wirtschaftlich kaum überlebensfähiger Teil vorhanden. Während die Menschen sich abmühten, nicht nur physisch zu überleben, sondern auch in eine Identität als demokratische Bürger einer kleinen Republik zu finden, kam es immer wieder zu Unruhen zwischen politischen Gruppen, die die neuen Gegebenheiten nicht akzeptieren wollten. Polizei und Bundesheer waren damals noch nicht flächendeckend einsetzbar. Und so fasste man ehemalige Frontkämpfer als Selbstund Heimatschutzverbände zusammen. Das gravierendste Problem für die jun-

ge Republik waren die hungernden und arbeitslosen Massen. Die Sozialdemokraten befanden sich nach einer kurzen Periode einer großen Koalition in weiterer Folge in Opposition zu den Christlichsozialen, deren Parteiobmann Ignaz Seipel war. Ihre Ideen konnten die Sozialdemokraten vor allem in Wien verwirklichen, wo Tausende Wohnungen für Arbeiter und unzählige Sozialeinrichtungen entstanden. Trotzdem standen weite Teile der Bevölkerung der sozialdemokratischen Bewegung mit Misstrauen gegenüber, denn viele assoziierten mit Sozialdemokratie das Gespenst des Bolschewismus. So kam es, dass sich der »Bürgerblock«, ein Sammelbegriff für Parteien aller Art, einerseits und die sozialdemokratische Bewegung andererseits einander zunehmend feindlich gesinnt waren. Beide Seiten begannen mit der Bildung von bewaffneten Wehrverbänden, eine Entwicklung, vor der damals schon Vertreter beider Richtungen warnten. Der Republikanische Schutzbund wurde 1923 gegründet, sein erster Obmann war

Justizpalastbrand: Blick auf ein brennendes Fenster, davor eine große Menschenmenge, 15. 7. 1927

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Patrizia Kindl

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Wien 1918 – 1938

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Politische Krisen

Julius Deutsch. Die Sozialdemokraten waren damals insofern in einer überlegenen Position, weil sie ein geschlossenes Parteiprogramm vorweisen konnten, nämlich »[…] die Arbeiterklasse vor den Gewalttaten des Monarchismus und des Faschismus zu bewahren, die Demokratie zu verteidigen und die Republik zu beschützen.« Einziger Diskussionspunkt war immer wieder das angestrebte Ziel: »Diktatur des Proletariats« (Otto Bauer) oder Kompromissbereitschaft mit der gegnerischen Seite (Karl Renner). Die Gegenseite – die Heimwehr – war zunächst in unzählige Gruppen zersplittert. Monarchisten, Deutschnationale, Katholiken, Bauern, Konservative aller Couleurs hatten ein vages Programm und waren sich nur in einem einig: der Ablehnung der sozialdemokratischen Philosophie. Im »Korneuburger Eid« von 1930 sollte man sich schließlich auf ein verhängnisvolles Programm einigen: »Wir wollen Österreich von Grund aus erneuern! […] Wir verwerfen den westlich demokratischen Parlamentarismus und den Parteienstaat.« Die Hinwendung zum Faschismus war damit in die Wege geleitet. Führende Persönlichkeiten der Heimwehr waren Emil Fey, später Vizekanzler, Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg, und der Rechtsanwalt Dr. Walter Pfriemer. Immer öfter kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Schutzbund und Heimwehr. Waren es zu Beginn noch herkömmliche Wirtshausraufereien, so sollte es bald das eine oder andere Todesopfer geben. Und dann kam das Jahr 1927. Am 30. Jänner wurden bei einem Zusammenstoß von Schutzbund und Frontkämpfern im burgenländischen Schattendorf zwei Menschen erschossen, ein Kind und ein Kriegsinvalide. Am 15. Juli wurden in Wien die Angeklagten von einem Geschworenengericht frei gesprochen. Voller Empörung erhob sich die Arbeiterschaft mit ihren Sympathisanten, es fanden Streiks und Demonstrationen statt. In Wien eskalierte die Situation, als beim Sturm auf den Justizpalast Akten angezündet wurden und plötzlich das ganze Gebäude lichterloh in Flammen stand. Prälat Seipel sah keinen anderen Ausweg mehr, als die Polizei mit Waffengewalt gegen die Demonstranten

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Karl-Marx-Hof nach der Beschießung, 18. 2. 1934

vorgehen zu lassen. Das traurige Ergebnis dieses Tages waren 85 tote Arbeiter, vier tote Polizisten und mehr als tausend Verletzte. Damit waren die Würfel gefallen. Der Graben zwischen den um die Christlichsozialen gescharten Gruppen und den Sozialdemokraten war unüberbrückbar geworden. Die Gesellschaft war von unbändigem Hass gegen die jeweils andere Seite geprägt, der Staat erschüttert von wirtschaftlichen Problemen, faschistischem Drängen von Italien aus und den immer stärker werdenden Nationalsozialisten. Am 9. November 1930 fanden die letzten freien Nationalratswahlen der Ersten Republik statt. 1932 wurde der Christlichsoziale Engelbert Dollfuß mit nur einer Stimme Mehrheit Bundeskanzler. Es regierte eine Koalition von Christlichsozialen, Heimatblock und Landbund. Am 4. März 1933 kam es im Nationalrat zu Unstimmigkeiten über eine Abstimmung, wobei der Erste Nationalratspräsident, Karl Renner, zurücktrat. Der Zweite und schließlich der Dritte Nationalratspräsident taten es ihm gleich. Damit war die Stunde Dollfuß’ gekommen: Unverzüglich erklärte er den Nationalrat für handlungsunfähig und daher aufgelöst. Das austrofaschistische System hielt seinen Einzug in Österreich. Als überparteiliche Instanz aller »regierungstreuen Ös-

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terreicher« (Dollfuß) fungierte nunmehr die »Vaterländische Front«. Die jahrelangen innenpolitischen Konflikte fanden schließlich ihren Höhepunkt, als die Polizei das Linzer Arbeiterheim nach Waffen durchsuchte. Gewaltsame Ausschreitungen in ganz Österreich waren die Folge. Der Übermacht von Polizei, Militär und Heimwehr waren die Sozialdemokraten nicht mehr gewachsen. 200 Schutzbündler wurden getötet, 300 schwer verletzt. Die Sozialdemokratische Partei wurde verboten, Todesurteile wurden gefällt, anführende Sozialdemokraten flohen ins Ausland (Julius Deutsch, Otto Bauer), viele wurden verhaftet und in Anhaltelager gebracht und wegen Hochverrats angeklagt (Bruno Kreisky, Franz Jonas). Im Mai wurde die demokratische Verfassung verworfen und der österreichische Ständestaat ausgerufen. Die gewaltsamen Maßnahmen haben dem Regime Dollfuß nichts genützt: Er wurde am 25. Juli 1934 bei einem Naziputsch erschossen. Mit dem Schattendorfprozess von 1927 hatte die Gewalt in den politischen Auseinandersetzungen begonnen, mit dem Februaraufstand von 1934 hatte die demokratische Entwicklung der Ersten Republik ihr Ende gefunden. Noch war Mussolini der erhoffte Führer, aber die in der Folgezeit erstarkenden Nationalsozialisten dienten bereits als Wegbereiter für den »wahren« Führer des deutschen – und österreichischen – Volkes.

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Dem Ende entgegen

Politische Krisen

Austrofaschismus und Ständestaat Unter den zahlreichen Theorien, welche sich dem Faschismus als zeitgeschichtliche Gesamterscheinung stellen, dürfte die von Ernst Nolte wohl eine der bizarrsten sein. In seinem Standardwerk »Der Faschismus als Epoche« begreift der Berliner Historiker das Phänomen in seiner europaweiten Dimension, als in sich abgeschlossenen und augenscheinlich unabdingbaren Prozess. Auf die Nuancen komme es an.

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ange Zeit war die Epoche zwischen dem 4. März 1933 und dem 12 März 1938 ein Stiefkind historischer Betrachtungen und noch gegenwärtig ist man sich uneinig, ob für das diktatorische Regime unter Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg die Bezeichnung Faschismus kompatibel ist. Verglichen mit dem nationalsozialistischen Deutschland ist häufig von einer halbfaschistischen Diktatur die Rede. Die Bezeichnung Ständestaat rekurriert auf ein im Grunde mittelalterliches Staatsideal: Gesellschaftliche Harmonie sollte in einer berufsständischen Volksgemeinschaft aufgehen. Stände statt Klassen war die rückwärtsgewandte Parole, mit der man bisherige demokratische Errungenschaften nivellierte. Der Begriff Faschismus allerdings fiel bereits im Jahre 1930 in dem berüchtigten Korneuburger Eid, auf den sich die paramilitärische Heimwehr einschwor: Unser Programm heißt Austrofaschismus, verkündete damals ihr Führer (Fürst) Ernst Rüdiger (von) Starhemberg. Die italienische Variante unter Mussolini hatte dabei Vorbildwirkung. Mit der Übernahme des

Sicherheitsressorts im Februar 1934 erlangte die Heimwehr im autoritären Österreich eine wesentliche Schlüsselposition. Doch wie kam es zu der Etablierung der diktatorischen Strukturen, die einen Anschluss Österreichs an Hitlers 3. Reich verhindern sollten, ihm jedoch letztlich den Weg ebneten? Nähert man sich der Frage in ökonomischer Weise, so ist aus heutiger Sicht zu betonen, dass man der großen Wirtschaftskrise zu Beginn der 1930er Jahre auf einem konsensorientierten Wege hätte begegnen können und müssen. Die Exponenten der Großindustrie jedoch traten entschieden gegen gemeinsame Lösungen mit den Sozialdemokraten ein, Parlament und Gewerkschaften wurden von ihnen als unnötige Barrieren abqualifiziert. Obwohl es durchaus bei den Christlichsozialen Stimmen gab, die die Kooperation mit den linken Kräften als notwendig erachteten, setzte sich schließlich der radikale Flügel durch. In Engelbert Dollfuß fand man den richtigen, wie man meinte starken Mann. Am 4. März 1933 ergriff er die Chance,

Februar 1934: Dollfuß (Mitte) im Kreis von Offizieren auf dem Brückenkopf der Floridsdorfer Brücke während der Beschießung der Floridsdorfer Gemeindebauten

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Marius Pasetti

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Politische Krisen

das Parlament auszuschalten. Vorangegangen war eine Parlamentsabstimmung, die wiederholt werden musste, da es zu einem Streit um deren Gültigkeit kam. Karl Renner, der sozialdemokratische Präsident des Nationalrates trat zurück, daraufhin musste der zweite, christlichsoziale Nationalratspräsident Rudolf Ramek den Vorsitz übernehmen. Auch er demissionierte, da seine Fraktion dadurch um eine Stimme verlustig gehen würde. Als nun auch der dritte Nationalratspräsident, der Deutschnationale Sepp Straffner zurücktrat, verließen die Abgeordneten das Parlament. Obwohl Straffner versuchte, die Sitzung einzuberufen, wurden die Delegierten daran gehindert. Unter dem Vorwand, das Parlament habe sich selbst ausgeschaltet, konnten Neuwahlen verhindert werden. Daraufhin wurden zunächst der Republikanische Schutzbund, der militärische Arm der Sozialdemokraten, und die Kommunistische Partei Österreichs aufgelöst. Weiters demontierte man den Obersten Gerichtshof, indem dieser durch den Rücktritt der christlich-sozialen Mitglieder entscheidungsunfähig gemacht wurde. Die scheinlegale Basis, die diese und weitere diktatorische Maßnahmen ermöglichte, erkannte man in dem kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetz von 1918. Im Juli 1933 wurde aufgrund von regionalen Erfolgen und steigendem Terror auch die NSDAP verboten. Die Sozialdemokraten reagierten zunächst nicht auf die Maßnahmen der Regierung. Eine bewaffnete Konfrontation ereignete sich, als Angehörige der Heimwehr in den frühen Morgenstunden des 12. Februar 1934 im Hotel Schiff, dem Linzer Parteiheim der Sozialdemokraten, nach Waffen suchten. Die bewaffneten Widerstände griffen sehr rasch über weite Teile Österreichs über, in Wien bildeten bekanntlich die großen Arbeiterheime und Gemeindebauten die Zentren der Aufstände. Die deutliche militärische Überlegenheit der Heimwehr beendete den Bürgerkrieg nach nur vier Tagen. Er forderte insgesamt mehr als 1 600 Todesopfer, aufseiten der Schutzbündler 200 Tote und 300 Verwundete. Alles andere als zufällig wurde der 1. Mai 1934 zu jenem Tag gewählt, an dem Doll-

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Demonstrationsverbot am 1. Mai 1933, Abriegelung der Wiener Innenstadt, hier Ecke Karlsplatz

fuß im Namen Gottes eine neue Verfassung verkündete. Alle demokratischen Parteien wurden aufgelöst, als Einheitspartei blieb die Vaterländische Front. Dollfuß regierte nun uneingeschränkt nach dem Prinzip der autoritären Führung. Der linke Gegner war besiegt worden, der rechte erwies sich als erschreckend hartnäckig. Am 25. Juli 1934 drangen als österreichische Soldaten verkleidete Angehörige der illegalen SS-Standarte 89 ins Bundeskanzleramt ein und verhafteten die anwesenden Regierungsmitglieder. Dollfuß wurde bei dem Versuch zu fliehen erschossen. Den Putschisten gelang es zwar, die RAVAG zu besetzen und der Bevölkerung mitzuteilen, dass Dollfuß zugunsten des ehemaligen Landeshauptmannes der Steiermark, Anton Rintelen, zurückgetreten war, sie mussten sich aber schließlich geschlagen geben. An der Brennergrenze wurden Truppen des faschistischen Italiens, das damals noch als Schutzmacht Österreichs fungierte, zusammengezogen. Die Situation änderte sich jedoch im Jahre 1936 entscheidend. Mussolini griff Abessinien an und war auf die Waffenhilfe Hitler-Deutschlands angewiesen. Die Achse Berlin–Rom war entstanden. Die politische Öffentlichkeit verglich sie mit einem Bratspieß, an dem Österreich braun gebraten würde. Schuschnigg setzte nun auf Verständigung mit Hitler. In dem Abkommen vom 11. Juli 1936, welches als Juli Abkommen in

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die Zeitgeschichte einging, wurde Österreich volle Souveränität garantiert und die Tausend-Mark-Sperre – nach Österreich reisende deutsche Staatsbürger hatten seit dem Jahre 1933 vor der Einreise einen Betrag von Tausend Mark zu bezahlen – aufgehoben. Im Gegenzug musste sich Österreich als deutscher Staat bekennen, inhaftierte Nationalsozialisten amnestieren und zwei Vertrauenspersonen der nationalsozialistischen Opposition in die Regierung aufnehmen. Mit diesem höchst umstrittenen Dokument war ein weiterer Schritt getan, der zum sogenannten Anschluss Österreichs führte. Der Schmied triumphierte über den Schmiedl. Freilich, in vielen, entscheidenden Aspekten unterschied sich der Austrofaschismus von dem Nationalsozialismus. Er war, sieht man von der politischen Rhetorik ab, an die Expansion des Habsburgerreiches anzuknüpfen, defensiv, verfolgte also keine imperialistischen Ziele. Auch die damit verbundene Dimension der Repressionen gegen selbst ernannte Gegner steht in keiner Relation. Als historisch nicht wiederholbare Epoche kann er jedoch mit Nolte nicht ad acta gelegt werden. Geschichte wiederholt sich nicht, das ist jedem Historiker bewusst. Jedoch der Ruf nach einfachen Lösungen wirtschaftlicher und politischer Probleme, die zumeist in autoritäre münden, ist leider auch gegenwärtig nicht zu überhören.

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Wien 1918 – 1938

Dem Ende entgegen

Zusammenbruch

Schicksalsjahr 1938: Finis Austriae

Johann Szegö

der alten Monarchie erklärte die Nationalversammlung, die Republik Deutschösterreich sei ein Bestandteil der Deutschen Republik – das heißt, der Anschluss wurde beschlossen. Warum? Die wirtschaftliche Existenzfähigkeit des verkleinerten Österreich wurde angezweifelt. Der Friedensvertrag von St. Germain (1919) verbot diesen Anschluss und verbot auch den Namen »Deutschösterreich«.

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ie kleine Republik blühte zwar nicht, aber sie lebte. 1934 etablierte sich ein diktatorischer Ständestaat, dem man sicher viel Schlechtes nachsagen kann, aber eines muss man ihm lassen: Er war immer für die Unabhängigkeit Österreichs und gegen die Nazis. Der Druck aus Berlin auf Österreich wurde aber immer stärker. Um einen Ausweg zu suchen, fuhr Bundeskanzler Schuschnigg zu einem »Gipfelgespräch« nach Berchtesgaden und traf seinen Kanzlerkollegen, Hitler, am 12. Februar 1938. Bei diesem Gespräch der Kanzler zweier unabhängiger Staaten war von einer Gleichberechtigung der Partner keine Rede. Schuschnigg redete Hitler korrekt mit »Herr Reichskanzler« an, er selbst war für Hitler nur der »Herr Schuschnigg«. Hitler, der Nichtraucher, verbot (!) dem Kettenraucher Schuschnigg das Rauchen. Bei einer Unterbrechung der Gespräche sagte Hitler zu Schuschnigg einfach: »Ich werde Sie dann rufen lassen.« Nach all diesen Demütigungen musste Schuschnigg mehrere Zugeständnisse machen. Am wichtigsten: Regierungsumbildung in Österreich! Der Vertrauensmann

der Nazis, Arthur Seyß-Inquart, wurde Innenminister. Dass Schuschnigg jetzt nach Erfolg lechzte, ist verständlich. Am 9. März verkündete er, am 13. März (d.h. in nur vier Tagen!) eine Volksabstimmung durchzuführen: »Sind Sie für ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, für ein christliches und einiges Österreich?« Diese Volksabstimmung konnte Hitler nicht akzeptieren! Was geschieht, wenn Schuschnigg für sein unabhängiges Österreich die erwartete Mehrheit bekommt? Dann ist Hitler der Blamierte! Freitag, den 11. März, glühten die Telefonleitungen zwischen Berlin und Wien. »Die Volksabstimmung gehört abgesagt, Schuschnigg muss zurücktreten, Seyß-Inquart möge die neue Regierung bilden!«, forderten Hitlers Mannen, »Sonst kracht es!« Nach stundenlangen Debatten erklang um 19:50 Uhr Schuschniggs Stimme im Radio: »[…] Der Herr Bundespräsident beauftragt mich, […] mitzuteilen, daß wir der Gewalt weichen. .... So verabschiede ich mich … von dem österreichischen Volk mit einem deutschen Wort und einem Herzenswunsch: Gott schütze Österreich!«

15. März 1938, Blick auf den Heldenplatz

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Nach dem Zusammenbruch

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Zusammenbruch

Schuschnigg trat also als Kanzler zurück, aber Bundespräsident Miklas weigerte sich, Seyß-Inquart zu dessen Nachfolger zu ernennen. Knapp vor Mitternacht erlag er jedoch dem Druck und bestellte Hitlers Wunschkandidaten zum Regierungschef. Am nächsten Tag (12. März) erfolgte der Einmarsch der Wehrmacht, am 13. März unterschrieb Seyß-Inquart das Anschlussgesetz: Österreich wurde ein Teil des Deutschen Reiches. Am 15. März hatten die Reporter und Fotografen Hochbetrieb: Sie verewigten die Menschenmassen, die auf dem Heldenplatz Hitler zujubelten. Niemand fotografierte den ehemaligen Vizekanzler Emil Fey, als er zuerst seine Gattin, danach sich selbst erschoss. Niemand fotografierte den Literaten Egon Friedell, als er aus dem Fenster sprang, um seiner Verhaftung zu entkommen, niemand fotografierte Gottfried Kunwald, den früheren Finanzberater des Bundeskanzlers Seipel, als er Giftpillen nahm, niemand fotografierte die sonstigen Selbstmörder, aber auch nicht das Gesindel, das sofort anfing, die Wohnungen von Juden oder prominenten Antinazis zu plündern. Die Goldreserven der Nationalbank wurden blitzschnell nach Berlin geschafft (und sofort investiert! Das heißt, die Senkung der Arbeitslosigkeit erfolgte mit dem Geld des österreichischen Ständestaates). Das Geistesleben wurde »gesäubert«: Von 221 Professoren der Wiener Universität wurden 82 entlassen, von 1 550 Richtern 205 außer Dienst gestellt. Juden wurden aus dem Staatsdienst entlassen, sie durften keine Theater oder Kinos besuchen, keine Parkbänke benützen. Es begann sowohl die Enteignung des jüdischen Besitzes (1939 abgeschlossen) als auch die Massenflucht der Juden ins Ausland (zuerst mussten sie jedoch die sogenannte Reichsfluchtsteuer bezahlen), und im November brannten die Synagogen, wurden jüdische Geschäfte, Wohnungen zerstört, Menschen erschlagen: Die Nazis feierten ihre »Reichskristallnacht«. Tobias Portschys »Denkschrift zur Zigeunerfrage« war zwar kein offizielles Lehrbuch, hatte aber Weisungscharakter: Schulunterricht, Spitalsbehandlung für Zigeuner lehnte Portschy ab, sexuelle Kontakte mit ihnen ebenfalls (»Rassenschande«). Was Schuschnigg nicht gelungen war, ge-

© Österreichische Nationalbibliothek

Volksabstimmungstag, 10. März 1938, Blick auf den Platz am Hof

lang Hitler: Eine Volksabstimmung sollte den Anschluss bestätigen. Juden und politische Gegner hatten kein Stimmrecht, die Kirchen sprachen sich für ein »Ja« aus: die Römisch-katholische unter irrem Druck, die Evangelische und die Altkatholische freiwillig. Der künftige Bundespräsident Renner erklärte in einem mit leiser Kritik gewürzten Interview (»Der Anschluß ist vollzogen, aber nicht mit jenen Methoden, zu denen ich mich bekenne«) auch, für den Anschluss stimmen zu wollen. Dieses Interview erschien im Neuen Wiener Tagblatt auf der dritten Seite. Auf der ersten Seite prangte eine viel wichtigere Schlagzeile: die Anerkennung des Anschlusses durch Großbritannien. Die meisten Staaten sagten zum Anschluss sofort Ja und Amen, Chile, Spanien und die Sowjetunion erst mit Verspätung; das einzige Land, das ihn nie anerkannte, war Mexiko. Es kam zum erwarteten Erfolg mit über 99% Ja-Stimmen. Nur Vorarlberg tanzte aus der Reihe: Es gab einige Ortschaften mit über 20% Neinstimmen. Sogar die slowenischen Ortschaften Kärntens kamen auf 99%, teilte Joško Tischler im Namen des Rates der Kärntner Slowenen SeyßInquart mit. Es nützte den Slowenen nichts! Slowenisch in der Öffentlichkeit zu sprechen wurde verboten. 1 047 Slowenen wurden aus ihren Häusern in einer Nacht vertrieben (aber das war bereits 1942 – »gehört also nicht in diesen Artikel.«). Den Katholiken nützte die Unterstützung der Volks-

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abstimmung auch nicht, aber Kardinal Innitzer sah seinen Fehler ein, übte Selbstkritik; die Massendemonstration der katholischen Jugend auf dem Stephansplatz am 7. Oktober war die einzige Anti-NSGroßveranstaltung in Österreich unter Hitler. Die Antwort der Nazis erfolgte am nächsten Tag: Sturm auf das Erzbischöfliche Palais mit Zerstörung der Einrichtung, Misshandlung der Menschen. Bereits in den ersten vier Wochen der NS-Herrschaft gab es 76 000 Verhaftungen – eine unglaublich hohe Zahl, aber sie stammt von Gustav Steinbauer, der SeyßInquart nach dem Krieg im Nürnberger Prozess verteidigt hat. Er hatte sicher kein Interesse, eine zu hohe Zahl anzugeben. Und bald rollten die Züge mit den ersten Häftlingen ins KZ Dachau. Das war alles 1938. Von Gaskammern, vom II. Weltkrieg, von Auschwitz, von Stalingrad war damals noch keine Rede …

Literatur: Thomas Chorherr, 1938 – Anatomie eines Jahres (Wien 1987). Walter Kleindel, Gott schütze Österreich! Der Anschluss 1938 (Wien 1988) Kurt Schuschnigg, Ein Requiem in Rot-Weiß-Rot (Wien 1978).

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Wien 1918 – 1938

Zeitzeugin

Interview

»Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding«

Carles Batlle i Enrich

Im Jahr 2013 feiert Lotte Freiberger wieder einmal einen runden Geburtstag, der den ausschlaggebenden Anlass für die Idee zu diesem Zeitzeugengespräch gegeben hat.

Wohin führen die Wurzeln in der Familiengeschichte? Ich wurde in Wien geboren, aber auch meine Eltern sind hier geboren. Allerdings stammen meine Großeltern mütterlicherseits aus Mähren bzw. dem Weinviertel, väterlicherseits aus der Slowakei, genauer gesagt aus Stampfen (Stupava) bei Preßburg. Ich muss erklärend hinzufügen, dass die Großeltern deutschsprachig waren. Wie weit reichen die persönlichen Erinne-

Dieses Gespräch wurde im Früh- rungen zurück? Wieso waren diese Ereigsommer 2012 geführt, die Fotos entstanden in der Wenzgasse im Spätsommer desselben Jahres.

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nisse so prägnant? Die politischen Ereignisse rund um den 12. Februar 1934 waren eine tiefe Zäsur, quasi der prägnante Einschnitt in meinem elften Lebensjahr. Nun, wir wohnten in Meidling in der Rosasgasse anschließend an den Sportplatz des 1906 gegründeten Meidlinger Sportclubs Wacker. Und wir erlebten den Bürgerkrieg im wahrsten Sinne des Wortes hautnah, denn unser Wohnhaus lag in der Schusslinie. Die Kämpfer des Republikanischen Schutzbundes verschanzten sich im Indianerhof – einem Gemeindebau – während am Wien-Fluss Mitglieder der Fey-Truppen (Heimwehr) in Stellung gingen. Meidling war zu dieser Zeit quasi ein lupenreiner sozialdemokratischer Bezirk. Deswegen waren die Gefechte intensiv und dauerten tatsächlich den ganzen Bürgerkrieg hindurch vom 12. bis 15. Februar 1934. Obwohl es wirklich lebensgefährlich war, bekam ich persönlich keine Toten zu Gesicht. Und mein Vater – ein passionierter Kaffeehausbesucher – ließ es sich nicht nehmen, mit der Familie (also meiner Mutter und mir) auch in diesen Tagen ins Kaffeehaus zu gehen. Am 13. Februar 1934 in jenes von Leopold Resch – einem ehemaligen Fußballer – in der Schönbrunner Straße an der Ecke Rotenmühlgasse. Mein Vater war auch dort als Stammgast bestens bekannt und am Beginn einer jener Feuerpausen, die so ungefähr zwei Minuten dauerte,

rief der Resch Poidl meinem Vater zu: »Herr Freiberger, jetzt schieß’n s’ net, jetzt rennen S’ nach Haus!« Ist zu Hause über Politik gesprochen worden, war Religion ein Thema? Nein, zu Hause weder noch, also in meiner Erinnerung zumindest nicht. Allerdings hatte mein Vater die Wochenzeitschrift »Gerechtigkeit« abonniert, das Sprachrohr jener Irene Harand, die mit ihrem Buch »Sein Kampf« Aufmerksamkeit erregte, aber leider nichts mehr bewirken konnte. Ich kann mich an den Beginn einer Veranstaltung in Meidling mit Irene Harand erinnern, jedoch stürmte ein Schlägertrupp von illegalen Nazis den Saal und mein Vater und ich mussten bzw. konnten fliehen. Mein Vater – Moritz Freiberger – war als Unternehmer tätig: »M. Freiberger, Großhandel für Seide und Garne«. Das Geschäftslokal lag im 6. Bezirk in der HugoWolf-Gasse 1 – im selben Innenhof war auch die Rückseite der Synagoge in der Schmalzhofgasse zu sehen, in der auch meine Eltern geheiratet haben. Eigentlich hat er als Zwischenhändler quasi auch die Zwischenfinanzierung abgewickelt, denn die Spinnereien haben nicht direkt an die Weiterverarbeiter, die sogenannten Erzeuger, geliefert. Mein Vater hat also Spinnereiwaren gekauft und auch sofort bezahlt, während er seinerseits die Erzeuger beliefert hat, die aber erst später bezahlt haben. Erzeuger waren vor allem Weber, Jersey-Erzeuger und Stricker. Namentlich in Erinnerung sind mir »Vöslauer Kammgarn« und »Schöller Bregenz« geblieben. Meine Mutter Maria, geborene Löw, führte im Geschäft meines Vaters die Buchhaltung und war auch als Prokuristin tätig, weitere Angestellte gab es nicht. Nun ja, mein Großvater Löw war noch im Geschäft für Telefonate zuständig, aber erst nach seiner Pensionierung als Staatsbeamter bei der Post. Er wohnte trotz seiner über 80 Jahre noch immer in seiner

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Interview

Wohnung in der Haydngasse und starb 1939 – ich vermute bei einer Verdunkelungsübung – als er von einem Automobil versehentlich überfahren wurde. Familie Löw war katholisch – und wie sich später zu unser aller Glück herausstellte, wurde meiner Mutter im sogenannten kleinen Ariernachweis auch ihre arische Abstammung bestätigt. Für die Eheschließung trat sie allerdings – ihrer Schwiegermutter zuliebe – zum Judentum über. Somit waren zwar beide Elternteile jüdisch, aber dennoch keineswegs religiös. Ich besuchte manchmal die Synagoge in der Thurnergasse, aber das waren von der Volksschule aus organisierte Jugendg’ttesdienste. Weder meine Eltern noch ich waren am Freitagabend in der Synagoge. Und die Freitagabende bei meiner Großmutter väterlicherseits waren zum Glück seltene Ereignisse, denn meine Mutter wurde nie richtig akzeptiert. Ich habe damals nie Antisemitismus zu spüren bekommen und bis zum 13. März 1938 wusste ich gar nicht, dass meine Mutter getauft war. Ich lernte Hebräisch, mein Vater beherrschte die Sprache in Wort und Schrift und für meine Mutter gab es eine Transkription in lateinische Schrift mit der Begründung, dass sie sich leichter täte. Wir fühlten uns als liberale integrierte Juden und mein Vater meinte: »Ich bin wohl ein Wiener Jude, aber ich fühle mich als jüdischer Wiener.« Welche Erinnerungen sind noch präsent? Ja, quasi Erinnerungen aus zweiter Hand. Vor allem Erzählungen meiner Mutter. Sie wohnte in der Haydngasse, gleich neben Haydns Sterbehaus, mit Blick in den Hof. Meine Mutter hat oftmals die kaiserliche Kutsche auf der Mariahilfer Straße vorbeifahren gesehen, auf dem Weg von Schönbrunn in die Hofburg. Und natürlich auch Erzählungen meines Vaters. Vor dem Jahr 1914 hatte er seine Firma gegründet, die dann während des Krieges von 1914 bis 1918 »gesperrt« war. Er kämpfte an der Isonzofront und wurde dort auch bei einem Angriff im Schützengraben verschüttet. Er war danach nicht mehr imstande über weite Plätze zu gehen, aus Furcht, nicht schnell genug flüchten zu können. Deswegen konnte er beispielsweise den Heldenplatz nicht überqueren, auch mied er in der freien Natur Waldge-

© Lotte Freiberger

Moritz, Maria und die kleine Lotte Freiberger auf Sommerfrische in Weidling, 1925

biete. Er fühlte sich nur noch in der dicht verbauten Stadt wohl. Die kleine silberne Tapferkeitsmedaille, die er nach seiner letzten (12.) Isonzoschlacht verliehen bekam, rettete ihm wahrscheinlich am 10. November 1938 das Leben. Ein SA-Mann, der im Verlauf des Novemberpogroms in unsere Wohnung eindrang, sah den Waffenrock meines Vaters mit der Auszeichnung – meine Mutter hatte ihn vorsorglich im Vorraum gut sichtbar aufgehängt – und drehte sich am Absatz um und ging wieder. Bis 1938 »genossen« Juden, die im Weltkrieg ausgezeichnet wurden, in Deutschland noch einen gewissen Schutz. Gibt es noch andere – persönliche – Erinnerungen? Ja, sicher, die Sommerfrische, man fuhr in die Sommerfrische. Wir natürlich auch, und es hieß: »Alles in Kisten packen und drei bis vier Monate Ferien in der Nähe von Wien.« Die arbeitenden Ehemänner bzw. Väter mussten entweder täglich nach Wien oder kamen am Wochenende aus Wien. Wir mieteten uns in Klosterneuburg-Weidling in einem Haus mit einem wunderschönen Garten ein. Das Hausbesitzerehepaar Mück wohnte auch dort. Wir wohnten in einer separaten Wohnung mit Zimmer, Küche und Kabinett. Ich erinnere mich sehr gut sowohl an die Besitzer als auch an die beiden Hunde Hexi – braun – und Murli – schwarz – zwei Mischlinge. Herr Mück hat gerne die damals schon namentlich existierende Kronenzeitung gelesen, ein humorvoller Mensch. Aber auch meine Mutter war ein lustiges Wesen. Sie legte einmal ein Quargelpapier in die Kronenzeitung. Herr Mück las gerne am Abend und im Bett die Zeitung. Am nächsten Morgen lag in der

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Zündholzschachtel beim Gasherd ein Regenwurm. Das war die Retourkutsche! Ansonsten gab es aber keinen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Mein Vater kehrte am Abend aus Wien zurück, am Wochenende kamen auch Freunde zu Besuch. Herr Löw, mein Großvater mütterlicherseits, kam des Öfteren. Er fuhr mit dem Zug bis Klosterneuburg und bestieg dann den Bus nach Weidling. Wie waren die Verkehrsverbindungen damals? Es gab vor allem Straßenbahnen – viel mehr Linien als heutzutage. Triebwagen und Beiwagen, ohne Türen, und am Trittbrett hingen die Menschen wie Trauben. Jeder Waggon hatte einen Schaffner, der die Fahrkarten verkaufte und kontrollierte. Es gab dann noch zwei Stadtbahnlinien, die Wiental- und die Gürtellinie. Die Straßenbahnlinien 58 u. 59 mit den Endstationen Unter St. Veit bzw. Lainz machten ihre Retourschleife bis 1942 am Neuen Markt rund um den Donnerbrunnen. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Auch, dass der L-Wagen bis in die PraterHauptallee (heute Linie 1) vom Meidlinger Tor wegfuhr. Oder, dass der 63er von der Remise Winckelmannstraße bis zur Oper geführt wurde. Die Schleife machte er um den damaligen Heinrichshof (dem heutigen Opernringhof). Busse fuhren von der damaligen Stadtgrenze weg. Ich erinnere mich auch an eine Straßenbahnlinie, die von Mauer über Perchtoldsdorf bis Mödling fuhr, da wir auch dort dreimal unsere Sommerfrische verbrachten. Auch kann ich mich erinnern, dass sich in der Rosenhügelstraße ein Linienamt befand, quasi die Grenzstation zwischen Wien und

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Wien 1918 – 1938

Zeitzeugin

dem Umland – und ab hier galt auch der niederösterreichische Tarif für die Straßenbahn. Das weiß ich deshalb so genau, weil mein Vater am Sonntag zum Friseur nach Niederösterreich fuhr, denn die hatten am Sonntag offen. Wie ist die Erinnerung an die Kaffeehäuser von damals? Den Wiener und sein Kaffeehaus konnte man in einem Atemzug nennen. Und als Stammgast wurde man verwöhnt, die Lieblingszeitungen lagen (ohne nachzufragen) prompt auf dem Tisch, gespeist, wie heute, wurde nicht, es gab selten Kuchen und Torten, eigentlich nur Kaffee – nun ja, es waren eben Kaffeehäuser. Mein Vater ging vom Geschäft fast jeden Tag ins Kaffeehaus, am Wochenende auch mit uns, mit der Familie. Und es gab natürlich wesentlich mehr Kaffeehäuser, zumindest erinnere ich mich spontan an ein paar markante, die es so nicht mehr gibt: das Café Meißnerhof Ecke Worellstraße und Otto-BauerGasse (damals die Kasernengasse), das Café Dobner an der Ecke Linke Wienzeile und Getreidemarkt, das Café Kaisergarten in der Eschenbachgasse am Ring, das Café Heinrichshof im damaligen Heinrichshof (benannt nach dem Ziegelfabrikanten Heinrich von Drasche), das Operncafé in der Operngasse, das Café Kranz im heutigen »The Ring Hotel«, das Promenadencafé im Kasino am Schwarzenbergplatz mit dem Eingang auf der Ringstraßenseite.

© Michael Woutsas

Und wie sah der Alltag im Allgemeinen aus? Ja, da gibt es – aus meiner Erinnerung heraus – die unterschiedlichsten Dinge zu berichten. Zum Beispiel der Greißler: Es gab

damals keine Supermärkte, wo man von der Zeitung bis zur Wurst alles bekommen hat. Und es gab vor allem keine Selbstbedienung. Man musste sich anstellen und in der Regel einige Zeit warten, bis man an der Reihe war. Und dann wurde man über das Verkaufspult hinweg bedient. So hat ein Einkauf oft sehr lange gedauert. Bei der Milchfrau gab es offene Milch, die man mit der Kanne geholt hat, denn es gab keine Milchflaschen. Ins Pult eingelassen war eine Blechwanne, aus der mit einem Messbecher Milch geschöpft wurde. Davor stand die Kundschaft, die nicht nur in der kalten Jahreszeit auch gehustet und geniest hat. Sehr appetitlich! Die Butter wurde in großen Blöcken geliefert, von denen 3, 5 oder 10 dag Butter abgeschnitten wurden. Beim Fleischhauer gab es nur rohes oder geselchtes Fleisch, keine Wurstwaren. Und beim Delikatessenhändler wurden nur exquisite Sachen, zum Beispiel eben Würste, verkauft. Gemüse konnte man bei der Gemüsehändlerin bekommen. Der Naschmarkt war damals noch geteilt in einen Großmarkt und in einen Detailhandel. Beim Meinl oder Kunz deckte man sich mit Kaffee ein, der bereits geröstet bzw. auch schon gemahlen war. Mein Vater war der Spezialist für die Kaffeezubereitung mit der Karlsbader Kaffeemaschine. Löffelweise wurde Wasser nachgegossen, das Kaffeemehl musste gut durchnässt sein. Die Kaffeemaschine stand im heißen Wasserbad. Es dauerte auf jeden Fall lange, bis der Kaffee endlich fertig war. Was gab es an Freizeitaktivitäten? Meine Eltern sind wenig außer Haus gegangen, obwohl mein Vater in seiner Jugend ein opern- und theaterbegeisterter Stehplatzgeher war. Aus Erzählungen weiß ich, dass mein Vater ein großer Verehrer des Burgschauspielers Adolf Ritter von Sonnenthal war. Es war üblich, dass die glühenden Anhänger die Pferde vom Wagengespann aushängten und sich selber quasi in den Wagen einspannten und unter gleichzeitigem Schieben von hinten so die Kutsche bis vor das Wohnhaus des Künstlers zogen. Allgemein galt damals der Donnerstag als der Tag für ganz besondere Ereignisse bzw. bis heute gilt dies, wenn ich an den Opernball, den Philharmonikerball oder Vernissagen ganz allgemein denke. Ich kann mich an den Zirkus Renz in der Zirkusgasse erinnern, denn ich habe dieLotte Freiberger im Hof der Schule in der Wenzgasse in Hietzing, 75 Jahre nachdem sie diese verlassen musste

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Interview

ses Spektakel gehasst. Und wenn eine Trapeznummer angekündigt wurde, mit den Worten: »Und jetzt kommt ein lebensgefährlicher Akt, wer schwache Nerven hat, soll nicht zusehen!«, dann wurde mir mit Sicherheit ausnahmslos schlecht. Hingegen liebte ich das Weltpanorama, eine Institution, die am Stubenring 12 beheimatet war. In einem Raum befand sich ein gezimmerter Rundbau, um den die Besucher rundherum angeordnet saßen. Durch einen Sehschlitz konnte ich von Städten, Ländern und Erdteilen wunderbare Ansichten sehen, die während eines »Rundlaufes« der Projektionsapparatur fortlaufend wechselten. Seit dem 6. Lebensjahr war ich dort Stammgast – mit meinem Vater. Ich wuchs in einem musikalischen Haus auf. Mein Vater kam ein- bis zweimal in der Woche mit einem Klavierauszug vom Musikverlag Doblinger nach Hause, den er selber einstudierte. Es kam aber auch eine Klavierlehrerin ins Haus, die mich unterrichtete. Gespielt wurde auf einem Pianino. Mein Vater prüfte persönlich meine Fortschritte und als Belohnung durfte ich dann mit meinem Vater vierhändig spielen. Das Zitherspiel meiner Mutter kenne ich nur aus der Erzählung, das Instrument selbst habe ich in der großelterlichen Wohnung mütterlicherseits gesehen. Zumindest an eine Aufführung der Zauberflöte in der Oper kann ich mich erinnern, denn ich war dort mit meinen Eltern. Bis zum 15. Lebensjahr ging ich auch in die Volksoper und ins Burgtheater, bis zum Jahr 1938 eben. Ich habe Raoul Aslan verehrt – sein Spiel und noch mehr seine Sprache haben mich fasziniert – ich habe noch das sogenannte Burgtheaterdeutsch gehört und geliebt. Ich hatte kein ausgeprägtes Heimatgefühl und es plagte mich auch nicht das Fernweh. Meine weiteste Reise ging damals mit dem Zug zur Verwandtschaft mütterlicherseits nach Brünn. Dort bekam ich im familieneigenen Frisiersalon meine erste Dauerwelle verpasst und kam dann mit grünen Haaren zurück nach Wien – mein Vater hat mich nicht sofort erkannt, denn ansonsten hatte ich doch eher mittelbraunes Haar. Wie war der Kontakt zu den Eltern? Es war keine aufeinander vertrauende Freundschaft, es war eine erzieherische Beziehung, die nicht auf gleicher Augenhöhe stattgefunden hat. Darum gab es wahrscheinlich auch keine Diskussionen, im besten Fall Ahnungen. Und wenn Be-

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such da war, und mein Vater erzählte einen Witz, dann musste ich in die Küche Wasser holen gehen. Dennoch bin ich meinen Eltern für ihre Erziehung dankbar und dafür, dass sie in mir das Interesse für Musik und Kultur im Allgemeinen geweckt haben. Aber ich hatte in ihnen keine Freunde, und als Einzelkind war ich introvertiert und fand auch sonst nur wenig Anschluss unter Gleichaltrigen. Und die Erinnerungen an die Schulzeit? Na ja, die Volksschule habe ich in Meidling – in der Bischoffgasse besucht. Lucy Weinwurm, eine Schulkollegin, und ich waren die einzigen jüdischen Kinder, und wir waren auch die Einzigen, die nach der Schrift gesprochen haben, denn sonst waren nur Arbeiterkinder in meiner Klasse. Es gab zwar in Schönbrunn eine Privatschule (die Bulla-Schule), die zugleich auch eine Tanzschule war, aber mein Vater bestand darauf, dass ich eine öffentliche Schule besuchen sollte, denn er wollte, dass seine Tochter Gelegenheit bekam, auch andere soziale Schichten der Wiener Bevölkerung kennenzulernen. Der Direktor in der Bischoffgasse – Herr Schmidt – hatte mich besonders gern, und deswegen durfte ICH die Pausen einläuten. Ich habe damals schon ein Stammbuch geführt und auch er hat sich darin verewigt – welch große Ehre. Daher stammt wohl auch die Redewendung: »Jemandem etwas ins Stammbuch schreiben.« Eigentlich habe ich die Aufnahmsprüfung in die »Höhere Schule« am Henriettenplatz (benannt nach Henriette Arnstein) bestanden, aber da mein Vater als Besserverdiener galt, wurde meine Aufnahme abgelehnt. Darum landete ich im privaten Mädchen-Lyzeum in der Wenzgasse. Der Zubau aus den Jahren 1930/31, errichtet von den Erbauern des Hochhauses im ersten Bezirk Siegfried Theiss und Hans Jaksch, galt damals als modernster Schulbau Wiens. Diese damalige Mädchenschule befindet sich im Prinzip auf dem Gelände des ehemaligen Vergnügungsetablissements »Neue Welt«. Und in der Neue-Welt-Gasse befand sich auch die moderne Synagoge, wo ich Jugendg’ttesdienste mitfeierte, die von meinem Religionslehrer Rabbiner Moses Levin geleitet wurden. Meine Mitschülerinnen kamen aus Mauer und dem damals noch ländlichen Hütteldorf nach Hietzing. Die Schule in der Wenzgasse war ein Realgymnasium und eine Frauenoberschule (Weißnähen, Kindergarten …). Wenn es das Wetter zuließ, wurde im Garten unterrichtet und

in den Pausen standen drei Terrassen zur Verfügung. Es gab einen Physik- und einen Chemiesaal und im obersten Stock einen Handarbeitssaal. Und es gab auch einen tollen – mit vielen Geräten ausgestatteten – Turnsaal. Außerhalb der Schule spielte ich Tennis. Außerdem tanzte ich gerne. Das Tanzen hatte allerdings den Charakter rhythmischen Turnens. Die 5. Klasse besuchte ich bis März 1938, im April erhielt ich mein vorzeitiges Abgangszeugnis. Ich kann mich erinnern, dass manche Lehrkräfte geweint haben. Aber selbst einige von ihnen mussten die Schule verlassen. Darunter Irene Jerusalem, die ich vom Sehen aus kannte – eine Gedenktafel in der Schule erinnert an sie (enthüllt von Prof. Dr. Kurt Schubert). Ja, und wenn ich schon über meine Schulzeit spreche, dann will ich noch auf eine andere Bildungseinrichtung hinweisen, die auch mein Vater sehr zu schätzen wusste: die Volkshochschulen, die zur Bildung und Weiterbildung von Menschen dienten, die berufsbedingt keine öffentlichen höheren Schulen besuchen konnten. Die erste war in der Urania beheimatet. Heute sind in fast jedem Wiener Bezirk Volkshochschulen sehr beliebt und gut besucht. So konnte sich damals mein Vater auf dem Gebiet der Musik und Literatur weiterbilden. Gibt es abschließend noch etwas zu sagen? Der Bürgerkrieg von 1934 war in meiner Erinnerung zwar ein prägnantes Erlebnis, aber die Ereignisse im März 1938 und den folgenden Jahren in Wien waren ein tiefer, ein prägender Einschnitt im Leben meiner Eltern und vor allem natürlich auch in meinem Leben. Ohne richtigen Schulabschluss trat ich quasi in die Fußstapfen meines Vaters und beschäftigte mich mit allem, was sich so in der Bekleidungsbranche als Erwerbsquelle anbot. Zuerst, um wirklich das nackte Überleben für mich und meine Eltern zu sichern, später, um davon zu leben. Daher betrachte ich das Thema Bekleidung nicht nur aus der Sicht einer modebewussten Frau. Ich gerate eher ins Schwärmen darüber, was es früher alles gab. Die Stoffe waren von so erstklassiger Qualität – es gab keine Mischgewebe, nur Wollstoffe, Seide, Kunstseide, Baumwollfabrikate, Kammgarnstoffe. Daher war es in allen sozialen Schichten üblich, dass Kleidungsstücke »gewendet« wurden. Die Kleidungsstücke wurden aufgetrennt und die Innenseiten nach außen gewendet und von Neuem zusammengenäht. Von daher war es na-

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© Michael Woutsas

Interview

türlich notwendig, die Bekleidung innen zu füttern, um die Stoffinnenseiten zu schonen. Überhaupt war es üblich, Dinge nicht gleich wegzuwerfen, sondern weiterzuverwenden bzw. weiterzuverwerten. Beispielsweise brachte man zur Modistin ganz selbstverständlich die alten Hüte (es waren Haarfilzhüte), die entweder umgeformt wurden oder aus zwei, drei alten Hüten wurde ein neuer gefertigt. Ich erinnere mich, dass auch meine Mutter genäht hat, vor allem Röcke und Jacken. Die Anzüge kaufte sich mein Vater bei Neumann in der Innenstadt. Mein Vater war gut, meine Mutter praktisch angezogen, im Gegensatz zu meinen Tanten, die sich eher extravagant modisch kleideten. Die sogenannten Weißnäherinnen fertigten Leintücher und Herrenhemden. Dafür verwendeten sie, wie der Name schon sagt, weißes Leinen bzw. weiße Baumwollstoffe. Und sie stickten auch Monogramme auf die Weißwäsche. Mit Seidenstoffen arbeiteten sie allerdings nicht. Englische Schneider fertigten Kostüme und englische Jacken, es gab zudem noch Schneiderinnen für Damenkonfektionswaren und eben die erwähnten Hutmacherinnen für Damen, die Modistinnen. Die Zeiten haben sich zwar geändert, aber manches, was früher für selbstverständlich gehalten wurde und aufgrund des Wohlstandes, des Fortschrittes, als nicht mehr zeitgemäß empfunden wurde, wird heute von Neuem entdeckt und wieder ganz anders bewertet. Ich kann nur aus dem Rosenkavalier zitieren und sagen: »Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding.« Und wir können nur sagen: »Danke, für dieses interessante ausführliche Gespräch.«

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Anniversarium

750 Jahre

Stephanskirche

Die Weihe der zweiten Stephanskirche Bau der spätromanischen Basilika vor 750 Jahren Elisabeth Beranek

D

ie Domkirche St. Stephan, das Wahrzeichen Wiens, wird heute als eines der bedeutendsten Bauwerke der mitteleuropäischen Hoch- und Spätgotik wahrgenommen. Vor 750 Jahren, genauer am 23. April 1263, erfolgte die zweite Weihe der Stephanskirche. Begonnen wurde der Bau jedoch bereits 1137, Bauherrin war die Diözese Passau. Im Tauschvertrag zwischen dem Babenberger Markgrafen Leopold IV. (um 11081141) und Bischof Reginmar von Passau im Jahre 1137 (»Mautner Vertrag«) wurden die Pfarrrechte der Wiener Kirchen neu geregelt. Dies ermöglichte den Bau der ersten überlieferten romanischen Stephanskirche. Jedoch ist heute bereits durch Grabungen (im Jahr 2000) erwiesen: Es war bereits viel früher eine Kirche oder Kapelle vorhanden. Diese erste Kirche wurde vom Passauer Bischof Reginbert 1147 zu Ehren des heiligen Stephan geweiht. Der Bau war eine dreischiffige romanische Basilika mit

Querschiff, Chorquadrat, Halbkreisapsis und Westturmpaar. Mit einer Länge von etwa 83 Metern und einer Breite von etwa 30 Metern - ungefähr das heutige Mittelschiff - entsprach sie in den Abmessungen vergleichbaren romanischen Domen, wie beispielsweise dem Passauer Dom, ihrer Zeit. Von da an wurde St. Stephan über Jahrhunderte hinweg zu einem Prestigeprojekt der Landesfürsten und der Wiener Bürger. Die romanische Kirche betonte die Bedeutung Wiens als Pfalz der Babenberger. Unter der Regierungszeit von Herzog Leopold VI. (1176-1230) erlebte Wien sowohl wirtschaftlich als auch kulturell eine Hochblüte. Eines seiner letzten Vorhaben, welches Leopold VI. in Nachahmung seines Vorfahren Leopold III. (um 10731136) plante, ihm jedoch zu Lebzeiten nicht durchzuführen gelang, war, Wien nicht nur zu einem weltlichen, sondern auch zu einem geistlichen und religiösen Zentrum zu machen. Der Herzog schlug Papst Innozenz III. vor, in Wien ein Bis-

tum einzurichten. Der Papst war einer derartigen Idee nicht abgeneigt, doch scheiterten die Pläne am Widerstand des Passauer Bischofs Manegold, der sein Jurisdiktionsgebiet ungeschmälert beibehalten wollte. Mit dem Tod Leopolds VI., des zielbewussten Fürsten und weitblickenden Staatsmannes, begann die Regierungszeit von Herzog Friedrich II. (1211-1246). Herzog Friedrich II. wurde als jüngster Sohn von Herzog Leopold VI. und dessen byzantinischer Gattin Theodora Angelina geboren. Die Nachwelt verlieh Friedrich zu Recht den Beinamen »Bellicosus« (der Streitbare), denn während seiner Regierungszeit war Friedrich ständig in Kämpfe verwickelt. Er kämpfte gegen Bayern, Böhmen und Ungarn, wurde 1236 von Kaiser Friedrich II. (1194-1250) wegen Willkürherrschaft geächtet, konnte sich aber in Wiener Neustadt behaupten, eroberte 1239 Wien zurück und söhnte sich mit dem Kaiser aus. Das Bemühen, St. Stephan zum Bischofssitz zu erheben, wurde auch unter Herzog Friedrich II. fortgesetzt und führte dann dazu, dass man die alte Kirche des 12. Jahrhunderts bis auf die Fundamente abtrug und mit Ausnahme der Untergeschosse der Heidentürme auf denselben Fundamenten wieder aufbaute. Als zweiter Auftraggeber ist sicherlich auch Kaiser Friedrich II. selbst zu nennen, denn Wien war vom April 1237 bis Ende 1239 vom Kaiser zur unmittelbaren freien Reichsstadt erhoben worden.

© Alberto Fernandez Fernandez (GNU)

Der zweite Bau mit einer Bauzeit von 1230/40 bis 1263 war ein spätromanischer Neubau. Die Fertigstellung wurde durch den Brand von 1258 verzögert und der Gottesdienst musste deshalb fünf Jahre lang in der Schottenkirche abgehalten werden; die Weihe erfolge am 23. April 1263 durch Otto von Passau. Von diesem Bauwerk, einem der letzten großen Kirchenbauten der Spätromanik im deutschen Sprachraum, blieben die Westfassade mit dem Riesentor (um 1230/40 – Vorbilder am Bamberger Dom), die Heidentürme sowie die Westempore (im Inneren des Doms) erhalten.

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550 Jahre

Albrecht VI.

Herzog Albrecht VI.

Sein Tod im Jahr 1463 – ein ungeklärter Mordfall?

W

Anna Ehrlich

ar es Gift oder »nur« die Pest, die Erzherzog Albrecht VI., genannt der Freigebige oder der Verschwender (1418–1463), hinwegraffte? Er war der jüngere Bruder von Kaiser Friedrich III. (1415–1493) und hatte von diesem 1446 die Regentschaft in den vorderösterreichischen Vorlanden, von Burgau bis zum Elsaß erhalten. 1452 heiratete er die junge Witwe Mechthild von der Pfalz. Vermutlich auf ihre Anregung hin gründete er 1457 die Universität von Freiburg. 1459 ließ er für sich ein herrliches Wappenbuch anfertigen, den Ingeram Codex, der sich heute in der Waffensammlung des Kunsthistorischen Museums befindet. Als 1457 sein Neffe Ladislaus Postumus, der junge König von Böhmen und Ungarn, völlig unerwartet verstorben war, begann er sofort mit seinem kaiserlichen Bruder heftig um das Erbe zu streiten und beanspruchte die Regentschaft in Österreich ob und unter der Enns. Friedrich verweigerte vorerst die Anerkennung, gab jedoch 1458 dem Drängen Albrechts nach. In Wien stellte sich der Ratsherr Johannes Kirchhaim, einer der namhaftesten Wiener Ärzte, auf seine Seite und entfernte gewaltsam den kaiserlich gesinnten Bürgermeister Christian Prenner aus seinem Amt, um ihn durch Wolfgang Holzer zu ersetzen. Da Holzer später jedoch zum Kaiser umschwenkte, wurde er im April 1463 auf Befehl Albrechts gevierteilt. Nachdem Albrecht den Kaiser und dessen Familie erfolgreich in der Wiener Hofburg belagert hatte, wurde er Ende 1462 auch als Herrscher von Österreich unter der Enns für die Dauer von acht Jahren bestätigt, sollte sich aber nur kurz daran erfreuen. Er residierte nun in der Wiener Hofburg. Anfang Dezember 1463 zeigte sich eine nussgroße und schwarz gefärbte Eiterbeule in seiner linker Achselhöhle. Was dann geschah, berichtet sein Diener Hanns Hierszmann: »Da bevalch mein Herr dem Vogt, das er nach Meister Michel schicken gieng und hatten dort bald meinem Herrn widerraten, er solt den arczat nit nehmen, dann er wär allweg ein kaisrer gewesen. Vnd meinten: er solt maister Hannsen Kirchhaimer nehmen, der wer allweg mit seinen gnaden gewesen vnd war yetz

der verrümtest aczat in Wien.« Michael Schrick verschrieb einen fetten Kapaun mit Gewürz und Abführmittel, die Beule öffnete er nicht. Der Herzog starb nach einem fürchterlichen Todeskampf am 2. Dezember und niemand, noch nicht einmal seine ferne Gattin, weinte ihm eine Träne nach. Seine sterblichen Überreste liegen in den Katakomben unter dem Stephansdom und warten vergeblich auf eine gerichtsmedizinische Untersuchung, denn heute interessiert seine Todesursache keinen mehr. Zum Zeitpunkt seines Todes war es kalt, zudem war 1463 kein Pestjahr. Johannes Kirchhaim, ein bekannt tüchtiger Arzt mit großer Erfahrung, erklärte am Tag nach

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Albrechts Tod, dieser sei an Gift gestorben. Sagte er das nur aus Eifersucht, weil er nicht ans Krankenbett gerufen worden war? Oder wurde Albrecht vielleicht ermordet? Sowohl der behandelnde Arzt Michael Schrick als auch der Apotheker, der die Arznei für Albrecht bereitet hatte, waren Schwäger von Wolfgang Holzer, hatten also wenig Grund den Herzog zu lieben.

Literatur: Ehrlich Anna, Ärzte-Bader-Scharlatane (Wien 2007).

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Anniversarium

500 Jahre

Anton Pilgram

Orgelfuß von Meister Pilgram (1513) Weltbild einer neuen Zeit

Ursula Schwarz

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ahrhunderte lang baute man die Stephanskirche größer als man sie eigentlich gebraucht hätte. Dahinter steckte das ehrgeizige Ziel der österreichischen Landesfürsten, über ein eigenes Bistum zu verfügen. Jedoch erst 1469, am Ende des Mittelalters, war dieses Ziel erreicht. Mit dem Taufbecken, der Kanzel und dem Orgelfuß bekam die neue Kathedrale eine kostbare adäquate Ausstattung. Meister Anton Pilgram – die Persönlichkeit »M.A.P. 1513« – Magister Antonius Pilgram – steht auf einem Schriftband unter dem Orgelfuß, der sich in mächtigen Schlingen im nördlichen Seitenschiff erhebt. Bei einem Streit zwischen der Dombauhütte und dem selbstbewussten Meister Anton Pilgram zeigte sich die Unangepasstheit dieses schwierigen Meisters aus

Brünn. Der Auftrag für den Orgelfuß war von der Hüttenbruderschaft an den Baumeister Jörg Öxl ergangen, die »Herren von Wien«, also der Stadtrat, hatten aber Anton Pilgram den Auftrag gegeben. Der Streit ging bis vor Kaiser Maximilian I. (1459 – 1519), der das Vorgehen des Stadtrates bestätigte. Rupert Feuchtmüller schreibt über Anton Pilgram: »Die Herren von Wien« hatten Jörg Öxl das Baumeisteramt aufgesagt und es Anton Pilgram übertragen und dieser bestand nun darauf, auch den geplanten Orgelfuß selber auszuführen, ungeachtet, ob sich sein Vorgänger schon früher damit befasst hatte. Eigentlich ein klarer Fall. Ungewöhnlich ist nur die Kompromisslosigkeit Meister Pilgrams, die dieser Beschwerde vorangegangen war. Man kann zwischen den Zeilen der Beschwerdeschrift und in den vorgebrachten Argu-

menten mehr über den Menschen Pilgram als über die Sache selbst entnehmen. Er wird als streitsüchtig, hart und rücksichtslos geschildert. Dieser Eindruck vom Wesen Anton Pilgrams verstärkt sich noch, wenn man seine Arbeiten, die Plastiken und Architekturen, selber betrachtet.« Der Orgelfuß – Ausdruck eines Paradigmenwechsels Schwerelos erheben sich die Schlingrippen des Orgelfußes in den Kirchenraum des nördlichen Seitenschiffes, durchwebt von 4 Spitzen eines halben Sternes, sinnfälliger Ausdruck der Symbolzahlen des Domes Drei und Sieben. Diese Rippen tragen kein Gewölbe. Jenseits aller statischen Funktion weisen sie auf das Weltbild einer neuen Zeit hin: »Der Mensch ist das Maß aller Dinge!« Die Orgelplattform »wurzelt« im Menschen, in der schöpferischen Kraft des Menschen. Porträthaft ist der Meister als Schlüsselfigur dargestellt mit den Attributen seiner Zunft, dem Winkelmaß und dem Zirkel. Er trägt sein Werk auf seinen Schultern: die Würde, aber auch die Bürde. Zeigt sich da nicht inmitten der Formensprache der Gotik schon dieses neue Selbstbewusstsein des Menschen, der sich nicht nur als Ebenbild Gottes sieht, sondern auch als Empfänger der göttlichen Schöpfungskraft empfindet?

W

Ge

Rupert Feuchtmüller: »Das Menschenbild Anton Pilgrams führt von der irdischen Realität zum Irrealen, zum Geistigen, vom Konkreten zum allgemein Menschlichen. Der Mensch lebt in der Architektur, sie rahmt ihn, sein Bild gibt ihr den letzten entscheidenden Ausdruck. Der Mensch ist es, der uns in dem Werk anblickt, anspricht, der dieses Werk als Schöpfer trägt. Und damit stehen wir an der entscheidenden Wende vom Mittelalter zur Neuzeit.«

© Julia Strobl

Literatur:

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Rupert Feuchtmüller, Der Wiener Stephansdom (Wien 1978).

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Verein Wiener Spaziergänge Sanatorium & Jugendstilkirche am Steinhof

Hofburg

Modernes Wien

Nieder mit dem Mieder

Jüdisches Wien Wien auf den 2.Blick Bader, Ärzte & Scharlatane

Wien zur Jahrhundertwende

Geheimnisse der Altstadt

Ins Kaffeehaus!

Im Prater blühn wieder die Bäume

W.A.Mozart “Es klingt so herrlich”

Das Rote Wien

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Anniversarium

500 Jahre

Georg von Slatkonia

Ein Bischof für Wien

1513 wird Georg von Slatkonia im Dom geweiht Julia Strobl

Ü

ber vier Jahrzehnte lang musste Wien auf den ersten Bischof warten, der auch in der Stadt seine Residenz nahm – auf Georg von Slatkonia, der am 13. November 1513 im Wiener Stephansdom geweiht wurde. Denn das 1469 gegründete Bistum war nicht nur winzig klein, sondern auch wenig begehrt, da es dem Amtsträger nur äußerst bescheidene Einnahmen bot. Die Erzdiözese Wien umfasst heute nicht nur das gesamte Wiener Stadtgebiet, sondern auch die östliche Hälfte Niederösterreichs. Gemeinsam mit ihren Suffraganbistümern St. Pölten, Eisenstadt und Linz bildet sie die Wiener Kirchenprovinz, deren Metropolit der Wiener Erzbischof, derzeit Christoph Kardinal Schönborn, ist. Doch vor 500 Jahren war der Wirkungsbereich des Wiener Bischofs wesentlich kleiner: Neben den drei Stadtpfarren St. Stephan, St. Michael und der Schottenkirche waren nur noch die Pfarren der Vorstädte und einiger benachbar-

ter Dörfer Teil des Bistums. Nieder- und Oberösterreich waren bis ins 18. Jahrhundert Teil der mächtigen Diözese Passau. Wien war, wie Wiener Neustadt und Ljubljana (Laibach in Krain, heute Slowenien), eine Bistumsgründung Kaiser Friedrichs III. (1415–1493). Der Plan der Errichtung eines von Passau unabhängigen Bistums war aber wesentlich älter. Schon unter den Babenbergern, die den Habsburgern als Landesfürsten vorangingen, waren alle Versuche am hartnäckigen Widerstand der Passauer Bischöfe gescheitert. Dem Habsburger Rudolf IV. gelang 1365 mit der Errichtung eines von Passau unabhängigen Kollegiatkapitels für St. Stephan ein wesentlicher Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Doch zur Kathedrale wurde St. Stephan, 1147 als einfache Pfarrkirche geweiht, erst mit der kanonischen Errichtung des Bistums am 18. Jänner 1469. Papst Paul II. approbierte während einer Romreise des Kaisers 1468/69 nicht nur die Bistumsgründungen in Wien und

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Literatur:

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Franz Hawla, Was wäre Wien, ohne …Von zugewanderten und echten Wienerinnen und Wienern (Wien 2001) 850 Jahre St. Stephan. Symbol und Mitte in Wien. 1147–1997 (Wien 1997) Alois Niederstätter, 1400-1522. Das Jahrhundert der Mitte. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, Österreichische Geschichte hg. von Herwig Wolfram (Wien 1996) Artur Rosenauer (Hrsg.), Geschichte der Bildenden Kunst in Österreich. Band III. Spätmittelalter und Renaissance (München u.a. 2003)

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Wiener Neustadt, sondern auch den von Friedrich III. gestifteten St. Georgs-Ritter-Orden mit Sitz in Wiener Neustadt. Friedrich hatte 1462 während der unglücklichen Belagerung seiner Familie in der Wiener Burg durch seinen Bruder Albrecht VI. das Gelübde abgelegt, nach Rom zu reisen. Auch gelang es ihm bei dieser Gelegenheit, das für das Haus Österreich so bedeutende Heiligsprechungsverfahren des Babenbergers Leopold III. weiter voranzutreiben. Auch dies war ein Projekt, das schon Herzog Rudolf IV. initiiert hatte. Die Kanonisierung des späteren Landespatrons erfolgte am 6. Jänner 1485, die feierliche Erhebung der Reliquien in Klosterneuburg erst 1506 unter Friedrichs Sohn und Nachfolger Maximilian I. (1459–1519). Wiens erster Bischof war ein Tiroler: Doch auf die Ernennung Leonhard von Spaurs durch Kaiser Friedrich III. 1471 folgte ein energischer Protest des Passauer Bischofs, Ulrich von Nußdorf. Auch die unheilbare Geisteskrankheit Leonhards und die geringe Dotierung des Bistums verhinderten seinen Amtsantritt. Erst nach dem Tod des mächtigen Ulrich von Nußdorf gelang 1480 die feierliche Promulgation des Bistums Wien durch die Verkündigung der Erhebungsurkunde »In supremae dignitatis specula«. Doch bis 1513 wurde das »Zwergbistum« Wien meist von benachbarten Diözesen aus verwaltet. Kaiser Friedrich III., der Stifter des Bistums Wien, verstarb 1493. Am Tag nach der feierlichen Überführung des Leichnams des Kaisers in das Hochgrab im Apostelchor des Stephansdoms, am 13. November 1513, erfolgte die Bischofsweihe von Georg von Slatkonia, des ersten Wiener Residentialbischofs. Slatkonia, der Name bedeutet wörtlich »Goldpferd«, wurde am 21. März 1456 in Ljubljana im heutigen Slowenien geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er vermutlich die Domschule und erhielt Unterricht in Latein und Musik. Seine weitere Ausbildung erfolgte in Ingolstadt in Bayern. Mit etwa 20 Jahren, 1475, immatrikulierte er an der Artistenfakultät der Wiener Universität. Annemarie Fenzl charakterisiert ihn als »künstlerisch begabte Persönlichkeit mit freundlichen Umgangsformen«

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500 Jahre

Das Grabdenkmal des Bischofs Georg von Slatkonia im Frauenchor des Wiener Stephansdoms (um 1513-19). er auf Befehl Kaiser Karls V. (1500–1558) die endgültige Bannbulle gegen Martin Luther verlesen lassen. Kurz darauf, im Jahr 1522, erlaubte aber der »ungehorsame« Wiener Bischof, dass Dr. Paul Sprett (auch Speratus genannt) als erster lutherischer Prediger im Stephansdom sprechen durfte. Der musikliebende Slatkonia stiftete seinem Dom eine kleine Orgel - sie ist heute verschwunden - sowie ein ewiges Salve Regina nach St. Stephan, ein Lied für die Mutter Gottes »so teglich alle abendt« gesungen werden soll. 1513, im Jahr seiner Bischofsernennung ließ er einen Bricciusaltar im Frauenchor von St. Stephan errichten. Er wurde 1744 durch einen barocken, dem heiligen Antonius von Padua geweihten Altar ersetzt, der während der Restaurierung des Nordchors im 19. Jahrhundert ebenfalls entfernt wurde. Als der Bischof am 26. April 1522 mit 66 Jahren verstarb, wurde er in einer Gruft vor »seinem« Bricciusaltar beigesetzt. Die monumentale Grabplatte aus rotem Adneter Seite 1 Marmor und einem Rahmen aus weißem

© Julia Strobl

(850 Jahre St. Stephan). Wegen dieser, seiner künstlerisch-musikalischen Begabung wurde er wohl auch Kantor und Hofkaplan Maximilians I., im Jahr 1513 auch Oberster Kapellmeister der um 1498 begründeten berühmten Wiener Hofmusikkapelle des Kaisers. Maximilian I. verdankte er auch weitere Ämter und Würden: Er wurde Probst von Novo Mesto (Rudolfswert, Slowenien) und Ljubljana, sowie Bischof von Petena (Piden, Istrien). Anlässlich der habsburgisch-jagiellonischen Doppelhochzeit im Wiener Dom am 22. Juli 1515 zelebrierte er das Hochamt in Anwesenheit Kaiser Maximilians und bis 1519, dem Todesjahr des Kaisers, gehörte er als kaiserlicher Rat der niederösterreichischen Landesregierung an. In seine kirchliche Amtszeit fiel der Beginn der Reformation, die in Wien auch unter führenden kaiserlichen Beamten und den Angehörigen der Universität, ausgenommen der theologischen Fakultät, offene Aufnahme fand. Als Bischof zeigte er Verständnis für die Lehren Luthers und weigerte sich auch zunächst, die päpstliche Bulle vom 15. Juni 1520, die dem Reformator den Kirchenbann androhte, RSTD_Guter Ton_210x148_210bx148h 11.12.12 11:18 zu veröffentlichen. Wenig später musste

Georg von Slatkonia

Kalkstein, die er noch zu Lebzeiten in Auftrag gegeben hatte, blieb bis heute im Frauenchor erhalten. Seither erinnert sie im Stephansdom an Georg von Slatkonia, der vor 500 Jahren zu Wiens erstem »echten« Bischof wurde.

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Anniversarium

350 Jahre

Leopold III.

Leopold III.

Heiliger und österreichischer Landespatron Regina Macho

I

m Jahr 2013 gedenken wir des 350-Jahr-Jubiläums eines kaiserlichen Patentes: Am 19. Oktober 1663 bestimmte Kaiser Leopold I. (1640-1705) aus dem Hause der Habsburger den Babenberger Leopold III. (1073/75-1136) zum Schutzpatron Österreichs. »Und nun es sich in allweeg gebühren will/ daß der Heilige LEOPOLDUS, alß ein Patronus und Schutz-Herr Unseres gantzen Lands Oesterreich in demselben durchgehend mit sonderbahrer Andacht geehret … werde«, so urkundete Leopold I. und ersetzte damit den bisherigen Patron Koloman. Dem 15. November, dem Todestag des Heiligen, wurde ein kirchlicher Feiertag gewidmet, die Wiener Universität hielt von nun an am 15. November ihre Rektorenwahl ab und Kaiser Leopold ließ im Judenviertel Wiens anstelle der ehemaligen Synagoge eine Leopoldskirche errichten. Das Jahr 1663 war der Abschluss eines langen Prozesses, der Anfang des 12. Jahrhunderts begann und mit der Heiligsprechung Leopolds III. im Jahr 1485 einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Wie kam es dazu? Leopold III. war sowohl in politischer als auch in religiöser Hinsicht ein Vorbild. Durch die Heirat mit Agnes (1072/75-

1143), Tochter und Schwester der Salierkaiser Heinrich IV. (1050 – 1106) bzw. Heinrich V. (1081/86 – 1125), erlangte er eine hervorragende Stellung unter den Reichsfürsten; es wurde ihm sogar die Kaiserkrone angetragen. Durch die Gründung von drei Klöstern, Klosterneuburg, Heiligenkreuz und Klein-Mariazell, und weiteren kirchlichen Stiftungen ging er als frommer und gottesfürchtiger Herrscher in die Geschichte ein. Dazu kamen bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts erste Berichte über Wunder, die sich nach dem Besuch der Grabstelle Leopolds III. im Stift Klosterneuburg ereignet hatten. Ab 1323 wurden diese in einem Verzeichnis festgehalten. Allmählich begannen auch die regierenden Habsburger, zum Grab zu pilgern: Regelmäßige Besucherin war Johanna von Pfirt (um 1300-1351), Gemahlin von Albrecht II., dem »Lahmen« (1298-1358), dem sie nach anfänglicher Kinderlosigkeit elf Kinder gebar. Ihr ältester Sohn, Rudolf IV., der Stifter (13391365) erreichte bei Papst Innozenz VI. (1285/92-1362) den Beginn des Heiligsprechungsprozesses und die Einsetzung einer Bischofskommission. Der Beweggrund war ein durchaus politischer: Man wollte die Heiligsprechung eines Österreichers erreichen und Leopold III., der »rex perpetuus Austriae«, erschien den Habs-

Literatur:

© Wolfgang Sauber

Elisabeth Kovács, Der Heilige Leopold und die Staatsmystik der Habsburger, in: Der Heilige Leopold. Landesfürst und Staatssymbol. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung 1985 im Stift Klosterneuburg (Wien 1985), S. 69ff. Georg Wacha, Das Nachleben Leopolds III., in: 1000 Jahre Babenberger in Österreich. Katalog zur Niederösterreichischen Jubiläumsausstellung 1976 im Stift Lilienfeld (Wien 1976), S. 612ff. Peter Diem, Die Symbole Österreichs. Zeit und Geschichte in Zeichen (Wien 1995).

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burgern am besten geeignet, ihre Herrschaft in Österreich zusätzlich zu festigen und zu legitimieren. Leopold wurde als Blutsverwandter betrachtet und war das ideale Sinnbild für das angestrebte Gottesgnadentum der Herrscher. Nach dem Tod Rudolfs IV. kam der Prozess ins Stocken, erst Friedrich III. (14151493) erreichte eine Wiederaufnahme. Finanziell unterstützte ihn dabei sogar sein Gegner Matthias Corvinus (14431490)! Verzögert durch mehrere Wechsel am Heiligen Stuhl wurde Leopold III. am 6. Jänner des Jahres 1485, symbolisch am Dreikönigstag, von Papst Innozenz VIII. (1432-1492) in Rom feierlich kanonisiert. Der Babenberger Stammbaum und die sogenannten Sundthaymer Tafeln, eine frühe historische Quelle zur Familiengeschichte der Babenberger, entstanden danach. Die Erhebung der Gebeine verzögerte sich aufgrund politischer Umstände und fand erst am 12. Februar 1506 im Beisein von Maximilian I. (1459-1519) statt. Im 16. Jahrhundert wurde es allerdings ruhig um den Heiligen: Der wertvolle, von Maximilian I. gestiftete Schrein wurde in Kriegszeiten eingeschmolzen, im Stift Klosterneuburg predigten Protestanten und die Chorherren lebten mit Ehefrauen, Konkubinen und Kindern im Kloster. Mit dem Einzug der Gegenreformation – vorangetrieben durch den Orden der Jesuiten – kam es zu einer Renaissance des Leopoldkultes. Der Klosterneuburger Stiftspropst Balthasar Polzmann (Propst 1584-1596) beauftragte eine umfassende Lebensbeschreibung des Heiligen, Kaiser Matthias (1557-1619) nahm die Wallfahrten zum Todestag am 15. November wieder auf und Maximilian III. (1558-1618) stiftete 1616 den wertvollen Erzherzogshut für die im Stift Klosterneuburg aufbewahrte Schädelreliquie Leopolds III. Kaiser Leopold I., ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt und von den Jesuiten geprägt, bestimmte im Geiste dieser Entwicklung seinen Vorgänger und Namensvetter zum Landespatron von Österreich – bis heute wird Leopold III. als Landesheiliger von Österreich, aber auch von Wien, Niederösterreich und Oberösterreich verehrt.

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350 Jahre

Prinz Eugen

Prinz Eugen von Savoyen Abbé – Feldherr – Staatsmann – Kunstmäzen

F

Johann Szegö

rançois-Eugène de Savoie-Carignan (1663 – 1736), ein Ur-Urenkel Philipps II. von Spanien, Großneffe des allmächtigen Pariser Kardinals Mazarin, versippt mit mehreren Herrscherhäusern, kam am 18. Oktober 1663 in Paris auf die Welt.

© Belvedere

Der junge Eugen wächst auf, er soll Priester werden. Mit 15 Jahren bekommt er die Tonsur und wird als der »kleine Abbé« bezeichnet. Aber er hat andere Pläne: Er will ein großer Soldat werden – natürlich in der französischen Armee, in der Armee des Sonnenkönigs. Aber der Sonnenkönig hat etwas gegen den Jüngling: Er ist zu klein! Und seine Mutter steht im Verdacht, eine Giftmörderin zu sein (ob ’s stimmt oder nicht, wissen wir bis heute nicht). Prinz Eugen – bleiben wir jetzt bei diesem Namen – sieht, dass er in Frankreich immer eine Unperson bleiben wird, und trifft eine folgenschwere Entscheidung: Weg aus dem Reich Ludwigs XIV.! Ab zu dessen Erzfeind, zum Kaiser! Der Kaiser, Leopold I., weilte gerade in Passau. Kara Mustafas Heerscharen standen vor Wien – der Hof flüchtete aus der Hauptstadt. Hier, in Passau, trat der junge Eugen in kaiserlichen Dienst, hier gelobte er, dem Kaiserhaus immer treu zu dienen. Bereits einige Wochen später konnte er dieses Versprechen erfüllen: Bei der Entsatzschlacht um Wien 1683 erlebte er seine Feuertaufe. Nachher erfolgte eine grandiose militärische Karriere (selbst Napoleon hielt ihn für einen der größten Feldherren der Geschichte). Mit 34 Jahren führte er in der siegreichen Schlacht von Zenta bereits den Oberbefehl – und entkam nachher knapp einer Anklage vor dem Kriegsgericht! Er hatte ja den Feind ohne Befehl, aus eigener Initiative angegriffen … Es folgten weitere Triumphe: Bei Peterwardein (1716) und Belgrad (1717) schlug er die Türken, er besiegte die Franzosen bei Höchstädt (1704), Turin (1706), Oudenaarde (1708), um nur die wichtigsten Schlachten zu nennen (da muss sich aber Ludwig XIV. geärgert haben: Er hatte diesen Mann einst abgewiesen …). Verwundet wurde der Prinz Eugen in all diesen Schlachten neunmal.

Statue des Prinzen Eugen von Balthasar Permoser

Zivile Karriere? Präsident des Hofkriegsrates, Generalgouverneur von Mailand, Generalgouverneur der Niederlande. Er war der Berater dreier Kaiser – und als Karl VI. glaubte, mit der Pragmatischen Sanktion die Erbrechte seiner Tochter gesichert zu haben, verkündete Eugen, eine starke Armee wäre wichtiger und effektiver als jedes unterschriebene Papier! Aber für uns heute zählen nicht seine militärischen Triumphe, nicht seine politischen Ansichten, sondern seine Tätigkeit als Bauherr, als Kunstförderer: Er brachte Lukas von Hildebrandt nach Wien, sein Winterpalais in der Himmelpfortgasse und sein Sommerpalais (das Schloss Belvedere) gehören zu den größten Schätzen der Wiener Architektur. In Niederösterreich baute er Schloss Hof, in Ungarn Ráckeve. Zu seinen Gesprächspartnern zählten die größten Geister seiner Zeit, wie Leibniz und Montesquieu. Er besaß rund 15.000 Bücher (sie sind heute im Oval des Prunksaales der Nationalbibliothek). Er war aber auch Naturfreund, hatte eine reiche Menagerie (aus ihr wurde der Tiergarten Schönbrunn).

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Privates? Er gehört zu den berühmtesten Junggesellen. Der »kleine Abbé« wurde bereits als Kind zum Abt zweier Abteien in Savoyen vorgeschlagen – und wenn über die Rechtsgültigkeit dieser Ernennungen auch lange debattiert worden ist, galt für einen Abbé das Zölibat, also das Heiratsverbot. Zur verwitweten Gräfin Batthyány (zur »schönen Lori«) hatte er beste Beziehungen (dass er aber auch der Vater ihrer Kinder gewesen ist, ist sehr unwahrscheinlich). Liselotte von der Pfalz, die Tratschkönigin ihrer Zeit, machte aus ihm einen Homosexuellen, was ebenfalls als Gerücht abgetan werden kann. Es gibt keine Quellen, keine bekannten Fälle – und wäre er tatsächlich homophil gewesen, dann hätten seine Feinde, die Intriganten und Ränkeschmiede leichtes Spiel gehabt. Er erlebte noch die Hochzeit Maria Theresias, er erlebte aber nicht ihren Regierungsantritt – er erlebte also nicht, dass seine Prophezeiung über die Priorität einer starken Armee sich bewahrheiten sollte.

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Anniversarium

300 Jahre

Pest

Der Schwarze Tod in Wien 1679 und 1713

Gerda Leisser

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umma es ist keine Gassen noch Straßen in Wien, welche der rasende Tod nicht hätte durchstrichen. Man sieht den ganzen Monat um Wien und in Wien nichts als Tote tragen, Tote führen, Tote schleifen, Tote begraben …« (Abraham a Sancta Clara). In Wien gab es schon Anfang des 17. Jahrhunderts eine Infektionsordnung und einen »Magister sanitas« als Leiter für alle Pestangelegenheiten. Der erste Amtsinhaber, Franz Vesalius, verstarb allerdings bald selber an der Pest. Die Folge war, dass eine neue Verordnung den Magister sanitas verpflichtete, im Seuchenfall jeden Kontakt mit Gesunden zu vermeiden. Er war nur mehr für die Totenbeschau, die Rezeptüberwachung und die Untersuchung von Verdachtsfällen zuständig. Ab 1659 existierte ein »Kontumazhof« (Kontumaz = Quarantäne) bei der Rochus-Kapelle, dort sollten »alle von der Pest infizierten Personen nach ihrer Genesung, ebenso jene Leute, die Infizierte gewesen (….), 40 Tage lang Contumazium machen und nicht eher unter andere Leute gehen, geschweige in die Stadt hinein.« Der Leibarzt Leopolds I., Johann Wilhelm Mannagetta, hatte gemeinsam mit Paul de Sorbait, Rektor der Universität und Leibarzt der Kaiserinwitwe Eleonore, eine Pestordnung formuliert. Darin war unter anderem festgehalten, dass »kein Blut, Eingeweide, Krebs, Schnecken, Eierschalen oder anderer Unflat auf die Gassen und Plätze ausgegossen werden darf; und desgleichen keine toten Hunde, Katzen oder Geflügel auf die Gassen geworfen werden dürfen, sondern aus der Stadt hinausgetragen werden sollen!« Man kann sich daraus ein anschauliches Bild der Straßen und Plätze Wiens machen! Paul de Sorbait erkannte schon 1678 die Beulenpest in Ungarn, seine vorgeschlagenen prophylaktischen Hygienemaßnahmen wurden aus finanziellen Gründen nicht durchgeführt. Im Frühjahr 1679 traten schließlich in der Leopoldstadt die ersten Erkrankungen der Beulenpest auf. Paul de Sorbait wurde vom Kaiser mit der Oberaufsicht über das gesamte Sanitätswesen betraut, bevor der ganze Hof die Stadt verließ. Höhe-

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punkt der Epidemie war im Sommer, wer die Möglichkeit hatte und es sich leisten konnte, ergriff die Flucht, selbst Ärzte, Siechknechte und Totengräber liefen davon. Allein der junge Fürst Ferdinand Wilhelm Schwarzenberg bewies Zivilcourage: Er blieb als freiwilliger Statthalter in der Stadt und versuchte gemeinsam mit Paul de Sorbait die Seuche zu bekämpfen. Er ließ Henkersknechte und Abdecker in die Stadt und sogar Gefangene aus den Gefängnissen holen, sie mussten die Massengräber ausheben und die Toten einsammeln und so schnell wie möglich bestatten. Die Eindämmung der Seuche gelang nicht, die hygienischen Zustände waren katastrophal und wirksame Heilmittel gab es nicht: »Am Anfang der Pest haben die Leut so viel Angelikawurzel gefressen, dass man mit großem Geld keine mehr hat bekommen können.« Geholfen hat das so wenig wie das Läuten der Glocken: »Da unbewegte Luft ebenso wie stehendes Wasser fault, empfiehlt es sich, bei Windstille eine künstliche Bewegung zu erzeugen, und zwar durch das Läuten der Glocken.« Paul de Sorbait und 20 andere »Schnabeldoktoren« legten eine Spezialkleidung an: Ein langes Kleid aus gewachstem Tuch, eine Larve vor dem Gesicht, große Brillen vor den Augen, vor der Nase einen langen Schnabel gefüllt mit wohlriechenden Gewürzen, Handschuhe über den Händen und eine lange Rute, mit der sie deuteten, was man tun solle, auf dem Kopf ein flacher Zylinder. Dieser Aufzug sollte sie schützen, aber sechs Ärzte steckten sich dennoch an. Die Räume wurden mit Essig, Rauch, Schwefel und Parfum desinfiziert. Die Pestgeschwüre ließ man durch Salben reifen und schnitt sie dann auf, um Blut und Eiter abfließen zu lassen. Es sollte die größte Pestepidemie in der Geschichte Österreichs werden: Wien hatte damals etwa 100.000 Einwohner, nach Zahlen aus dem Harrachschen Familienarchiv wären damals in Wien und in den Vorstädten ein Drittel der Menschen an der Pest gestorben, die Wiener Totenbeschaulisten berichten über 8.000 Toten.

Endlich im November erhörte Gott die Bittprozessionen und das kaiserliche Gelübde zur Errichtung einer Dreifaltigkeitssäule, die Seuche kam zum Erliegen. Die Überlebenden hielten auf dem festlich geschmückten Graben eine Dankfeier ab, bei der Abraham a Sancta Clara eine große Predigt hielt. Man hatte daraus nicht viel gelernt, denn im Jahr 1713 bestritt der Kontumazarzt Dr. Schulz beim Näherrücken der nächsten Epidemie im März die Anwesenheit der Pest – wenig später starb er selbst daran. Diesmal verbot ein kaiserliches Dekret allen Ärzten bei Todesstrafe, Wien zu verlassen. Es erkrankten »nur« 9 565 Personen, von denen 8 644 starben. Im überfüllten Lazarett lagen zwei bis drei Kranke in einem Bett und hatten so gut wie keine Chance zu überleben. Kaiser Karl VI. gelobte die Errichtung einer Kirche, die dem Pestheiligen Karl Borromäus geweiht werden sollte – die Karlskirche wurde 1716 – 1739 von den Architekten Fischer von Erlach, Vater und Sohn, errichtet. Eine der wichtigsten Lehren aus dieser letzten großen Pestepidemie war die Auflassung der innerstädtischen Friedhöfe. Der Stephansfreythof wurde 1732 für Erdbestattungen gesperrt, es fanden aber immer noch Bestattungen in den Grüften statt - bis der Verwesungsgeruch unerträglich wurde und Kaiser Joseph II. im Jahre 1783 trotz kirchlichen und bürgerlichen Protests ein Machtwort sprach und die Bestattung verbot. Nicht vergessen werden sollte auch die Gestalt des Lieben Augustin. Ein Bericht von Johann Feigius 1694 und auch die Pest-Beschreibung von Paul de Sorbait 1679 enthalten diesen Vorfall: ein betrunkener Volkssänger wird für tot gehalten und in die Pestgrube geworfen, am Morgen erwacht er, kann auf sich aufmerksam machen und wird aus der Grube gerettet. Abraham a Santa Clara hat aber bereits 1675 diesen Vorfall in einer Predigt erwähnt. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Wandersage, die haargenau auf die Verhältnisse von 1679 passte und bis heute als Beispiel für den unverwüstlichen Wiener Optimismus gilt.

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300 Jahre

Pragmatische Sanktion

Die Pragmatische Sanktion (1713) Eine Urkunde für die Habsburgische Dynastie ährt man über die Wiener Ringstraße, so erblickt man zwischen dem Kunsthistorischen und dem Naturhistorischen Museum ein beeindruckendes Denkmal. Es stellt Maria Theresia auf dem Thronsessel dar, zu ihren Füßen ihre Berater. Mit der rechten Hand grüßt sie ihr Volk, in der linken Hand hält sie das Zepter und ein zusammengerolltes Dokument – die Pragmatische Sanktion. Maria Theresias Vater, Kaiser Karl VI. (1685-1740), war schon in jungen Jahren besorgt um die Kontinuität des Hauses Habsburg im Mannesstamm. 1713 war er bereits seit fünf Jahren mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel verheiratet und immer noch kinderlos. Den Anstoß zur Regelung der Erbfolge gaben die kroatischen Stände 1712. In einem Beschluss bestätigten sie, auch eine Prinzessin als Herrscherin zu akzeptieren, falls es keinen männlichen Thronfolger geben sollte. Am 19. April 1713 wurde in Schloss Laxenburg die »Pragmatische Sanktion« in der geheimen »Raths Stube« im Beisein der »Geheimen Räthe und Ministri« verlesen. Dieses wichtige kaiserliche Dekret regelte nicht nur die weibliche Erbfolge im Hause Habsburg, von nun an bildeten die österreichischen Länder eine staatliche Einheit: Karl VI. erklärte mit der Pragmatischen Sanktion seine Besitzungen als unteilbar und untrennbar. Dies verstieß eindeutig gegen die damalige Reichsverfassung, denn demnach war der Kaiser oberster Lehensherr, der die Lehen an einzelne Fürsten und ihre männlichen Nachkommen vergab. Österreich und all »seine« Länder wären neu vergeben worden. Karl VI. war gleichzeitig Fürst und Kaiser, also oberster Lehensherr, und so konnte er an eine Änderung des politischen Status und der Erbfolge überhaupt denken. 1713 war die weibliche Erbfolge noch gar nicht aktuell – 1716 wurde dem Kaiserpaar der kleine Erzherzog Leopold geboren, der aber mit acht Monaten starb. 1717 kam Maria Theresia zur Welt, die älteste von drei Töchtern. Kaiser Karl VI. war klar, dass die Pragmatische Sanktion politischen Sprengstoff enthielt, und ordnete an, sie zunächst ge-

die drei Kaiser Leopold I, Joseph I und Karl VI, Schloss Ambras, Tirol

Foto: © Julia Strobl

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Uta Minnich

heim zu halten, denn mit ihr hat sich Österreich zum eigenständigen, vom Reich unabhängigen Staat erklärt. Sie ist somit eine der Geburtsurkunden des späteren Kaiserreichs Österreich. Die Pragmatische Sanktion musste in den folgenden Jahren in allen Teilen des Habsburgerreichs angenommen werden. Darüber hinaus begann man mit politischen Verhandlungen, um sicherzustellen, dass das neue Grundgesetz im Heiligen Römischen Reich sowie durch alle anderen europäischen Mächte anerkannt wurde. Es kostete Karl VI. viel Diplomatie und Geld, um all die notwendigen Urkunden, Unterschriften und Zusicherungen zu erhalten. Er ließ es sich auch einiges kosten, denn viele knüpften Bedingungen an ihre Zustimmung: Die Bourbonen in Spanien forderten den offiziellen Verzicht Karls auf die spanische Krone, die Briten die Auflösung der Handelskompanie in Ostende, Frankreich beanspruchte Lothringen, Russland Unterstützung im Krieg gegen die Türken und viele deutsche Fürsten bekamen Geld. Selbst in den österreichischen Stammlanden musste Karl VI. viele Privilegien der Stände bestätigen, bevor diese ihre Zustimmung zur Sanktion gaben. Die rechtsverbindliche Verkündigung der Pragmatischen Sanktion erfolgte zu unterschiedlichen Zeitpunkten: 1723 in

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Ungarn, 1724 in den Stammlanden der Habsburger (Erzherzogtum Österreich, Königreich Böhmen und Nebenländer, Tirol, Steiermark, Krain … alle Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation); 1725 wurde sie von Spanien, 1726 von Russland, 1731 im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Großbritannien und 1736 von Frankreich völkerrechtlich anerkannt. Völlig unvorhersehbar starb Karl VI. am 20. Oktober 1740 im Alter von 55 Jahren, vermutlich nach dem Genuss eines nicht fachgerecht zubereiteten Pilzgerichts. Mit ihm ist die Familie Habsburg im Mannesstamm erloschen. Seine Tochter Maria Theresia heiratete Franz Stephan von Lothringen – von da an spricht man von der Familie Habsburg-Lothringen.

Literatur: Gerhard Herm, Aufstieg, Glanz und Niedergang des Hauses Habsburg (Düsseldorf/Wien/New York 1992). Stephan Vajda, Felix Austria (Wien/ Heidelberg 1980). Brigitte Vacha, Die Habsburger (Graz/Wien/Köln 1992). Internet: www.verfassungen.de/at

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Anniversarium

300 Jahre

Ferdinando Galli-Bibiena

Ferdinando Galli-Bibiena in Wien Barockes Welttheater in der kaiserlichen Residenz Julia Strobl

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polds Nachfolger, Joseph I. (1678–1711), blieb er Theaterarchitekt und sorgte gemeinsam mit Antonio Beduzzi für die szenischen Ausstattungen der Opernproduktionen. Im Frühjahr 1711 erreichte eine Pockenepidemie Österreich, auch der junge Kaiser Joseph fiel der Krankheit zum Opfer. Es folgte eine lange Zeit ohne Theater und Oper, denn während der Hoftrauer fanden keine Aufführungen statt. Als Anfang 1712 der neu gekrönte Kaiser Karl VI. (1685–1740) nach Wien kam, berief er seinen eigenen Hofstaat. Weder Francesco Galli-Bibiena, noch Antonio Beduzzi erhielten die begehrte Stelle des ersten Theatralingenieurs, sondern Francescos Bruder Ferdinando, der schon 1708 von Karl zur Vorbereitung seiner Hochzeit nach Spanien gerufen worden war.

or dreihundert Jahren wurde Ferdinando Galli de Bibiena (1657– 1743), bis dahin erster Architekt und Maler des Herzogs von Parma, von Karl VI. nach Wien berufen. Der innovative Theatralingenieur aus Bologna begeisterte den Wiener Hof mit glanzvollen Bühnenausstattungen für das Hoftheater und mit spektakulären Inszenierungen der höfischen Feste. Schon unter Kaiser Leopold I. (1640– 1705) begann der regelmäßige Opernbetrieb am Wiener Hof, der durch und durch italienisch geprägt war. Die teuren und aufwendigen Produktionen dienten wie kaum ein anderes Medium der kaiserlichen Repräsentation. Um 1700 erneuerte ein Mitglied der Familie Galli-Bibiena, Francesco (1659–1739), das kaiserliche Hoftheater. Auch unter Leo-

Seit 1713 sind szenische Werke Ferdinandos nachgewiesen. Am 5. Februar 1714 wurde die erste große Operninszenierung Ferdinandos präsentiert: »Alba Cornelia«, ein Drama in drei Akten von Stampiglia, die Musik stammte vom Hofkomponisten Francesco Conti. Das Besondere an Ferdinandos glanzvollen Bühnenprospekten war, dass er das starre Bühnenbild des 17. Jahrhunderts, das streng symmetrisch und zentralperspektivisch aufgebaut war, revolutionär veränderte. Er drehte die Szenenbilder in schrägem Winkel zum Zuschauerraum und erhöhte so die dramatische Wirkung. Diese »nuova prospettiva delle scene teatrali vedute per angolo« hatte er schon 1711 in seinem Architekturtraktat »Architettura civile« beschrieben, das er »Karl III. von Spanien«, dem späteren

F. Galli-Bibiena: nicht realisierter Entwurf für die Karlskirche in Wien

© Staatliche Graphische Sammlungen München

Literatur:

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Franz Hadamowsky, Die Familie Galli-Bibiena in Wien. Leben und Werk für das Theater (Wien 1962). Marianne Faustmann, Galli-Bibiena, Ferdinando, in: Artisti Italiani in Austria, 2002, URL: http://www. uibk.ac.at/aia/galli-bibiena_ferdinando.htm

Kaiser Karl VI., gewidmet hatte. Die zahlreichen Szenen der Opern wurden von Ferdinando mit atemberaubenden Perspektiven, beeindruckender Beleuchtung und aufwendiger Bühnentechnik ausgestattet. Vor dem staunenden Publikum öffneten sich Strände mit Felsklippen, Häfen mit beweglichen Schiffen, Gärten und dunkle Wälder, Gefängnisse, Grotten, Tempel und illuminierte Paläste. Sein umfangreiches Schaffen für den Wiener Hof ist heute fast spurlos verschwunden und war wohl auch nie für die Ewigkeit gedacht. Neben den szenischen Werken für das Hoftheater schuf er vor allem Trauergerüste, Festdekorationen, Feuerwerke und Illuminationen. In Wien ist kein Bauwerk des vom Kaiser so hoch geschätzten Architekten erhalten. Er nahm zwar, wie Johann Bernhard Fischer von Erlach und Lucas von Hildebrandt, an der beschränkten Ausschreibung für den Bau der Karlskirche teil, doch sein Wettbewerbsentwurf unterlag im Jahr 1715 dem seines Konkurrenten Fischer von Erlach. Die folgenden Jahre waren durch ein fortschreitendes Augenleiden getrübt. Er bat um Erlaubnis, sich ständig in Italien aufhalten zu dürfen – offiziell wurde er erst 1726 entlassen – und unterrichtete in Folge an der Accademia Clementina in Bologna. In Italien sind noch einige Bauwerke Ferdinandos erhalten, wie die Villa und Gartenanlage in Colorno, die er für den Herzog von Parma schuf, sowie die Kirche S. Antonio Abate in Parma. In Wien lebte sein Werk durch die Arbeit seiner Schüler fort: Seine Söhne Giuseppe (1696–1757) und Antonio (1700–1774) wirkten erfolgreich als kaiserliche Architekten und Theatralingenieure. Das Werkskizzenbuch der Familie ist erhalten geblieben, doch die einzelnen Blätter und Entwürfe können nicht namentlich zugeordnet werden. Ferdinandos Schüler Anton Ospel (1677–1756), der ihn schon nach Barcelona begleitet hatte, erbaute unter anderem das bürgerliche Zeughaus in Wien und sorgte bei festlichen Anlässen für gelungene Feuerwerke und glänzende Illuminationen, wie einst sein Lehrmeister Ferdinando Galli de Bibiena.

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250 Jahre

Friede von Hubertusburg

Der Friede von Hubertusburg Preußens Aufstieg zur Großmacht

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Herta Hawelka

er Friede von Hubertusburg wurde am 15. Februar 1763 beschlossen. Er beendete den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) zwischen Österreich und Preußen. Österreich war gezwungen, den endgültigen Verlust von Schlesien anzuerkennen und den Dualismus, Preußen als zweite Großmacht im Heiligen Römischen Reich, zu akzeptieren. 1762 starb die russische Zarin Elisabeth. Damit schied der wichtigste Bündnispartner Russland aus der Koalition gegen Preußen aus. Österreich war deshalb gezwungen unter Vermittlung des Bündnispartners Sachsen in Friedensverhandlungen mit Preußen einzutreten. Am 15. Februar 1763 unterzeichneten die Vertreter der beiden kriegsführenden Staaten Preußen und Österreich auf

Schloss Hubertusburg bei Leipzig den dritten Friedensvertrag: Für Österreich verhandelte Hofrat Gabriel von Collenbach, für Preußen Legationsrat Ewald Friedrich von Hertzberg sowie für Sachsen der Geheime Rat Thomas von Fritsche – erfahrene und mit großen Vollmachten ausgestattete Staatsbeamte. Der Hauptpunkt fixierte schon frühere, für Österreich schmerzhafte Friedensverträge von 1742 und 1748. Damit blieb Preußen im Besitz von Schlesien, das König Friedrich II. 1741 im Ersten Schlesischen Krieg nach dem Regierungsantritt von Maria Theresia erobert hatte. Dieser Verlust schmerzte die österreichische Kaiserin lebenslang. Trotz anfänglicher Siege bei Kolin, Hochkirch und Kunersdorf, erzielt durch wechselnde Allianzen, wendete sich letztlich das Blatt. Der Friedensschluss von Hubertusburg besiegelte den

Verlust von Schlesien. Preußen hatte den Aufstieg zur Großmacht geschafft. Andererseits gab der preußische König in geheimen Zusatzartikeln die Zusage, seine brandenburgische Kurstimme für die Römische Königswahl (27. 3. 1764) dem Sohn von Kaiserin Maria Theresia, Josef, zu geben und die habsburgische Erbfolge im Herzogtum Modena zu unterstützen. Das Ergebnis des Siebenjährigen Krieges war erschütternd: Mehr als eine Million Tote, Verwüstungen in den Kriegsgebieten durch Raubzüge und Plünderungen. Man könnte den Siebenjährigen Krieg auch als Ersten Weltkrieg bezeichnen. England und Frankreich bekämpften einander nämlich zur selben Zeit in Übersee um die Vorherrschaft in den Kolonien – mit ihrem Sieg stand nun den Engländern der Weg zur Weltherrschaft offen.

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Anniversarium

250 Jahre

Graf von Stadion

Johann Philipp Graf von Stadion 250. Geburtstag des Diplomaten und Erzfeindes Napoleons Marielore Calice

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ohann Philipp Karl Joseph Graf von Stadion-Warthausen wurde am 18. Juni 1763 in Warthausen im geistlichen Kurfürstentum Mainz als Sohn des kurmainzischen Hofrates Johann Franz Konrad von Stadion zu Warthausen und Thannhausen geboren. Johann Philipp studierte in Göttingen Geschichte und Staatskunst und ging anschließend gemeinsam mit seinem älteren Bruder Friedrich Lothar (1761–1811) auf »Grand Tour«, wobei die beiden Grafen überall zuvorkommend aufgenommen wurden und Johann Philipp wichtige Kontakte schloss. Diese Kontakte und verwandtschaftliche Beziehungen zogen ihn schließlich nach Wien, wo er unter Kaiser Joseph II. in den diplomatischen Dienst Österreichs eintrat. Stadion versuchte zunächst, in den vom revolutionären Frankreich begonnenen Koalitionskriegen auch außerhalb des Reichsgebietes Allianzen zu schmieden, zum Beispiel mit England oder den nordischen Staaten. Diese von Krieg zu Krieg wechselnden Koalitionen unterlagen aber stets der überlegenen Kriegskunst der Franzosen und vor allem Napoleons. Im Friedensvertrag von Luneville 1801 mussten die linksrheinischen Gebiete von Basel bis an die Nette bei Andernach nördlich von Koblenz, in denen eine Reihe geistlicher und weltlicher Reichsfürsten Herrschaftsgebiete hatten – darunter auch das Kurfürstentum Mainz - an Frankreich abgetreten werden. Kaiser Franz II. nahm im August 1804 angesichts der sich anbahnenden Kaiserkrönung Napoleons den Titel eines Kaisers von Österreich mit dem Namen Kaiser

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Franz I. an. Mit der neuen Kaiserwürde von 1804 wollte Stadion eine neue, allen habsburgischen Erbstaaten gemeinschaftliche, staatsrechtliche Beziehung, einen Vereinigungspunkt und ein Symbol der Einheit aufstellen, woran es bisher gefehlt hatte. 1805, nach dem Sieg Napoleons bei Austerlitz, wurde Stadion von Kaiser Franz I. zum Staatskanzler bestellt. 1806 unterzeichneten 16 deutsche Fürsten die Rheinbundakte und traten damit aus dem Reichsverband aus. Stadion hatte vergeblich versucht, die Konstituierung des Rheinbundes in dieser Form zu verhindern. Kaiser Franz II. löste in Folge das Reich auf und legte sein Amt als römischdeutscher Kaiser zurück. Nach vergeblichen Verhandlungen mit Napoleon zur Sicherung der Erblande und der habsburgischen Besitzungen in Italien und den slawischen Ländern plante Stadion den Krieg von 1809 mit dem Ziel, Napoleon militärisch zu besiegen und die verlorenen Gebiete wiederzugewinnen. Mangels der Bereitschaft anderer Staaten, sich an diesem Kriege zu beteiligen, wagte er den Krieg im Alleingang, organisierte Landwehren und rief die unter französisch stehender Herrschaft bzw. Besetzung befindlichen Provinzen, z B. Tirol, zu offenem Widerstand auf. Der Krieg endete mit einer totalen Niederlage. Im Frieden von Schönbrunn 1809 musste Österreich nach Tirol auch noch das säkularisierte Salzburg, das Innviertel, Galizien sowie die illyrischen Provinzen abtreten. Stadion sah in der Annahme dieser Friedensbedingungen das Ende des Habsburgerreiches. Stadion spielte aber zusammen mit seinem Bruder Lothar Friedrich weiterhin eine maßgebliche Rolle im Widerstand gegen Napoleon, dessen Niederlage infolge seines missglückten Krieges gegen Russland und seine Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig eingeläutet wurde. Stadions größter Triumph in seinem jahrelangen, wechselhaften Kampf gegen Napoleon war wohl, dass auf der Urkunde des Friedensvertrages von Paris 1814 zwischen den Alliierten Mächten und dem besiegten Frankreich seine Unterschrift neben der Metternichs aufscheint.

Im Jahre 1815 wurde Stadion vom Kaiser gegen seinen Willen zum Finanzminister bestellt. Stadion erklärte, nichts von Finanzpolitik zu wissen, vertiefte sich dann aber in die Materie. Die entscheidende Frage war, wie das zur Finanzierung der Kriege massenhaft in Umlauf gesetzte Papiergeld wieder eingezogen werden könnte. Die Einlösung dieses Papiergeldes sollte durch eine Nationalbank erfolgen, die das Papiergeld teils in Obligationen, teils in Banknoten, die beliebig in Metallgeld umgetauscht werden konnten, jedoch mit einer Bedeckung von nur 35% anstelle einer Bedeckung von 100%. Auf diese Weise hoffte Stadion, die bei der Währungsreform ausgegebenen Obligationen innerhalb von 30 Jahren aus dem Verkehr ziehen zu können. Außerdem verlieh der Kaiser auf Vorschlag Stadions den vier Brüdern Rothschild den österreichischen Adelstitel, nicht nur, aber auch, um sich des Wissens dieser Bankiers in Finanzangelegenheiten bedienen zu können. Für eine Sanierung des Staatshaushaltes sorgten die Reparationszahlungen Frankreichs sowie Zahlungen Neapels, des Papstes, Preußens und Russlands. Die Nationalbank nahm ihre Tätigkeit am 1. Juni 1816 aufgrund eines kaiserlichen Patentes vom selben Tage auf. Nach einigen Schwierigkeiten und Adjustierungen und einer Kapitalerhöhung der Bank war es möglich, bis zum Sterbejahr Stadions im Jahre 1824 insgesamt 284,3 Millionen altes Papiergeld einzuziehen und im Jahre 1858 die gesamte, 1820 noch vorhandene Summe von 455 Millionen (altem) Papiergeld, zu tilgen. Stadion war ein Feind Napoleons von der ersten bis zur letzten Stunde. Er war ein Meister der Kabinettsdiplomatie, der ausverhandelten Kompromisse und des Taktierens im alten Stil. Er war drüber hinaus ein äußerst gebildeter Mensch, der mit vielen europäischen Denkern und Dichtern seiner Zeit persönlich bekannt war und mit diesen korrespondierte. Er starb am 15. Mai 1824. Obwohl er sieben Kinder hatte, ist die Familie Stadion in der nächsten Generation im Mannesstamme ausgestorben. In Wien erinnert die Stadiongasse im 1.Bezirk an ihn.

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250 Jahre

Isabella von Parma

Isabella von Bourbon-Parma »Kein Tag vergeht, da ich sie nicht bewundere …«

Geboren 1741 als Tochter des Herzogs Philipp von Parma und der Prinzessin Elisabeth von Frankreich, einer Tochter Ludwigs XV., wuchs Isabella zunächst in Spanien auf. Als Achtjährige kam sie mit ihrer Mutter an den Hof ihres Großvaters nach Versailles. Sie widmete sich ihren mannigfachen Talenten wie Musik, Dichtkunst, Philosophie und Politik. Ihr Interesse galt aber auch der Mechanik und dem Automatenbau, der damals sehr modern war.

Das Gemüt der übersensiblen Prinzessin wurde jedoch allmählich von einer tiefen Melancholie und Todesahnung überschattet. Vielleicht konnte Isabella Josefs Liebe nicht in gleichem Maße erwidern. Sie hielt sich gegenüber seinen stürmischen Gefühlen eher zurück. Ihre Liebe und Zuneigung galt vielmehr Josefs jüngerer Schwester Marie-Christine, der sie schwärmerische Liebesbriefe schrieb, die der Geschichtsschreibung bis heute immer wieder Rätsel aufgeben. Nach dem Tod seiner geliebten Frau widmete sich Josef mit großer Fürsorge und Liebe dem einzigen Kind aus dieser Ehe, seiner kleinen Tochter Marie-Therese, die achtjährig starb. Nach diesen tragischen Ereignissen in seinem Leben war Josef nicht mehr fähig, Zuneigung für eine Frau zu empfinden.

© KHM

ls Isabella von Bourbon-Parma am 23. November 1763 im Alter von nur 22 Jahren nach einer Totgeburt an den Pocken starb, hinterließ sie einen untröstlichen jungen Ehemann – den späteren Kaiser Josef II. Tag und Nacht hatte er am Totenbett seiner geliebten Frau gewacht. Verzweifelt schrieb er an ihren Vater: »Alles habe ich verloren. Meine angebetete Gattin, der Gegenstand meiner ganzen Zärtlichkeit, meine einzige Freundin ist nicht mehr…; aufs tiefste betrübt und darnieder gedrückt, weiß ich kaum, ob ich noch lebe.«

Mit geradezu fanatischer Hingabe widmete er sich fortan nur mehr seinen Aufgaben als Monarch.

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Am 6. Oktober 1760 wurde Isabella von Bourbon-Parma mit dem ältesten Sohn von Kaiserin Maria-Theresia, dem späteren Kaiser Josef II. vermählt. Die Hochzeit sollte die Beziehungen zwischen den Habsburgern und Bourbonen festigen und für die Zukunft sichern. In einem Bilderzyklus, der im Schloss Schönbrunn zu sehen ist, haben Martin van Meytens und seine Werkstatt die glanzvolle Vermählung anschaulich verewigt.

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Herta Hawelka

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Die junge, anmutige und geistreiche Prinzessin wurde herzlich von ihrer neuen Familie aufgenommen. Ihr Charme bezauberte den Wiener Hof. Der Erzherzog liebte seine Frau leidenschaftlich und abgöttisch. In den drei Jahren seiner Ehe lernte er die Vorzüge eines angenehmen, gepflegten Familienlebens kennen. Gemeinsam verbrachten die Beiden wundervolle Abende bei Musik und Gesang. Josef spielte auf dem Spinett, Isabella auf der Geige. Manchmal sang sie die fröhlichen Lieder ihrer südlichen Heimat. »Kein Tag vergeht, da ich sie nicht bewundere«, schrieb Josef. RZ anz diri_122x130.indd 1

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Anniversarium

200 Jahre

Ringstraße

Drei Künstler der Ringstraßenzeit Fernkorn, Hansen, Sicardsburg

Martina A. Schümatschek

Anton Dominik Ritter von Fernkorn geboren am 17. März 1813 in Erfurt gestorben am 16. November 1878 in Wien Anton Dominik Fernkorn ist für die österreichische Plastik entwicklungsgeschichtlich von eminenter Bedeutung: Seine monumentalen Werke leiteten in Wien einen neuen Aufschwung der Bildhauerei ein. Er gilt als einer der wichtigsten ErzgießMeister des frühen Historismus. Nach dem frühen Tod des Vaters wurde Fernkorn von seinem Stiefvater erzogen und erlernte nach Besuch der Schule das Gürtler- und Bronzegießerhandwerk. Von Kindheit an hatte er eine Vorliebe für das Gestalten, vorwiegend für Metallarbeiten. Die metallisch-technischen Kenntnisse suchte er zuerst im Militärdienst zu verwerten, wo er es in der Erfurter königlich preußischen 3. Artilleriebrigade bis zum Bombardier brachte. Nach dreieinhalbjähriger Dienstzeit (1832–1835) wandte er sich nach München und trat in die königliche Erzgießerei ein, die seit den zwanziger Jahren unter der Leitung von Johann Baptist Stiglmaier stand. Seine teilweise autodidaktische Ausbildung ergänzte Fernkorn nun um das Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Ludwig Schwanthaler. Fernkorns Bruder, ebenfalls ein geschickter Bronzearbeiter und in der Feuervergoldung besonders hervorzuheben, hatte sich bereits in Wien niedergelassen. Ihm folgte Fernkorn 1840. Er schloss

sich zunächst mit Johann Preleuthner zusammen und widmete sich vorwiegend seinen bildhauerischen Fähigkeiten. 1853 heiratete Fernkorn Elisabeth Franziska, Tochter des k.k. Oberlieutenants Sebastian Warmuth von Schlachtfeld, welcher unter Erzherzog Karl die Schlacht von Aspern mitgemacht und sich bei diesem Anlass besonders ausgezeichnet hatte. 1856 übernahm Fernkorn die alte k.k. Kanonengießerei (heute: Elektrotechnisches Institutsgebäude der TU Wien in der Gußhausstraße) und erhielt damit eine eigene Wirkungsstätte. Nun konnte Fernkorn an den schon 1853 erhaltenen Auftrag, ein Erzherzog-Karl-Denkmal zu schaffen, gehen. Das Denkmal, nach einem Gemälde von Johann Peter Krafft, ist ein technisches Wunderwerk. Als plastisch-technische Arbeit, das Pferd mit der ganzen Last des Denkmals auf den Hinterbeinen stehend, ist das Monument ein unerreichtes virtuoses Meisterstück. Auch der Guss ist von höchster Vollendung. Das ErzherzogKarl-Denkmal wurde am 22. Mai 1860 feierlich auf dem Heldenplatz zu Wien enthüllt. Seiner mächtigen Wirkung konnte sich niemand entziehen, die Begeisterung für den Künstler und sein Werk war enorm. Fernkorn war nun mit Aufträgen überhäuft, auch begann er mit der Arbeit an dem zweiten in Auftrag gegebenen Denkmal, dem Prinz-Eugen-Denkmal. Dieses konnte er allerdings nur bis zum Beginn des Gusses ausführen. Mehrere Schlaganfälle verwirrten seinen Geist im-

© Markus Leupold-Löwenthal; Wikipedia

Die Wiener Staatsoper (Rückseite) Architekten Sicard von Sicardsburg und van der Nüll

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mer mehr. Bereits 1859 hatte Fernkorn einen leichten Schlaganfall erlitten, von dem er sich aber wieder erholte. 1862, also zu einer Zeit, als das Modell des Denkmals in der Hauptsache fertiggestellt war, wiederholte sich der Anfall, was wenige Jahre später zu völliger geistiger Umnachtung führte. Nach 14-jährigem Leiden starb Fernkorn in der Landesirrenanstalt. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof. Die Fernkorngasse in Wien-Favoriten wurde nach ihm benannt.

Theophil Edvard Freiherr von Hansen geboren am 13. Juli 1813 in Kopenhagen gestorben am 17. Februar 1891 in Wien Unter all den Kirchen, Palais und öffentlichen Gebäuden, die er Wien hinterlassen hat, sticht doch eines besonders heraus und kann als sein Lebenswerk bezeichnet werden: das Parlament. Hansen gilt heute als einer der Hauptvertreter der Spätromantik und des Historismus, der das Stadtbild Wiens mit seinem »Wiener Stil« wesentlich prägte. Hansen wurde als eines von sechs Kindern in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen geboren, besuchte dort auch Schule und Akademie. Nach Abschluss des Architekturstudiums an der Königlichen Kunstakademie 1836 unternahm er viele Studienreisen. Nach Lehrjahren in Dänemark und Deutschland, unter anderem bei Karl Friedrich Schinkel, folgte er 1839 dem Ruf seines Bruders Hans Christian nach Athen, wo er acht Jahre blieb und vor allem die byzantinische Baukunst studierte. Seine Schwerpunkte waren dabei die Erforschung der Antike sowie Ausgrabungen und Rekonstruktionen auf der Akropolis und die Neugestaltung der Stadt. Um die Bauprojekte des griechisch-österreichischen Bankiers Georg Simon von Sina in griechischem Stil umzusetzen, kam Hansen 1846 nach Wien. Anfänglich arbeitete er mit seinem Schwiegervater Ludwig Förster in dessen Atelier zusammen. In dieser Zeit entstand das Wiener Arsenal mit dem k.k. Hofwaffenmuseum (heute Heeresgeschichtliches Museum),

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200 Jahre

Hansen erhielt 1866 die österreichische Staatsbürgerschaft, wurde 1867 in den Adelsstand erhoben und war von 1868 bis 1884 Professor an der Akademie der Bildenden Künste. 1883 zeichnete man ihn in Wien mit der Ehrenbürgerschaft aus, 1884 wurde er in den österreichischen Freiherrenstand erhoben. Nahezu erblindet und nach längerem Leiden verstarb Hansen hochgeehrt im Alter von 77 Jahren. Er wurde in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. 1894 benannte man die Hansenstraße in Wien-Innere Stadt und 1928 die Theophil-Hansen-Gasse in Wien-Liesing nach ihm.

August Sicard von Sicardsburg

geboren am 6. Dezember 1813 in Pest, heute Budapest, Ungarn gestorben am 11. Juni 1868 in Weidling bei Wien Architektur als eine Kunst und nicht ein Gewerbe – so hätte das Motto von Sicardsburg lauten können. Mit seiner entschieden spätromantischen Einstellung, die ihn nebst anderen Leistungen an die Spitze der österreichischen Architektenschaft führte, vermittelte er seinen zahlreichen bedeutenden Schülern wichtige Grundlagen für die nachfolgende späthistoristische Entwicklung und nahm letztlich sogar Erkenntnisse des 20. Jahrhunderts vorweg.

Das Parlament (Teilansicht) von Theophil Hansen und der Pallas-Athene-Brunnen Hansen entwarf auch die Brunnenanlage, die Monumentalstatue der Pallas Athene ist ein Werk von Carl Kundmann.

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dem ältesten als solches konzipierten Museum Österreichs. 1852 eröffnete Hansen sein eigenes Büro. Die meisten seiner späteren Bauwerke waren im Stil des an der Renaissance orientierten strengen Historismus gehalten. Hansen galt dabei als unglaublich detailbesessen und kümmerte sich bis hin zur Inneneinrichtung um alles. Seine Darstellungsform nahm Züge eines Gesamtkunstwerkes an. Das Reichsratsgebäude (Parlament), das im Stil eines attischen Tempels erbaut wurde und so auf die griechischen Anfänge der Demokratie verweist, darf als sein Hauptwerk bezeichnet werden. Neben dem Entwurf für das Gebäude konzipierte er die gesamte Ausstattung bis hin zu den Möbeln selbst. Dabei achtete er auf kleinste Details und eine harmonische Abstimmung der verschiedenen Entwürfe. 1884 wurde das Parlament offiziell fertiggestellt, doch kleine Arbeiten waren noch ausständig. Hansen, der ein eigenes Atelier im Parlament hatte, arbeitete bis zu seinem Tod an seinem Lebenswerk weiter.

Ringstraße

Als Enkel des von Kaiser Franz II./I. in den Adelstand erhobenen Registrators des k.k. Artilleriehauptzeugamtes in Wien und Sohn des Cassenkontrolleurs der k.k. Privaten Nationalbank studierte Sicardsburg 1829 – 33 am Polytechnischen Institut in Wien und bis 1835 an der Wiener Akademie der Bildenden Künste, wo er 1835 Assistent wurde und dann zeitweise auch seinem Lehrer Peter von Nobile sekundierte. 1838 gewann Sicardsburg mit seinem Studienkollegen Eduard van der Nüll den HofPreis in Gold, die goldene Fügermedaille. Gemeinsam unternahmen sie mit den damit verbundenen Stipendien eine bis 1843 währende Studienreise durch weite Gebiete Europas, aus der eine andauernde Arbeitsgemeinschaft wurde. Die Fülle der mitgebrachten Studien, meist über maurische, spätmittelalterliche und Renaissancewerke, war bereits bezeichnend. Zurückgekehrt von dieser Reise erhielt der junge Künstler 1843 die Professur für den Lehrstuhl Architektur an der Wiener Akademie, den er bis 1867 betreute. Er fungierte 1861 als Mitbegründer und erster Präsident der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus)

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und war 1862–66 Abgeordneter im Wiener Gemeinderat. Sicardsburg prägte entscheidend die österreichische Architektur des spätromantischen Historismus und beeinflusste den Baustil in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Reichshaupt- und Residenzstadt Österreichs auch nachhaltig durch seine Schüler, an deren Spitze Carl Freiherr von Hasenauer, Heinrich von Ferstel und Otto Wagner. Sein wichtigstes Bauwerk war die Hofoper, zu der er und van der Nüll nach einem gewonnen Architekturwettbewerb den Bauauftrag für den ersten Monumentalbau der neuen Wiener Ringstraße erhielten. Den Tag der Eröffnung des Hofoperntheaters (25. Mai 1869) erlebte Sicardsburg allerdings ebenso wenig wie van der Nüll. Sicardsburg, der tief erschüttert über die Nachricht vom Freitod seines Freundes van der Nüll war, starb nur wenige Wochen später auf seinem Landsitz an Tuberkulose. Er wurde auf dem Grinzinger Friedhof in einem Mausoleum bestattet. Aus seiner Ehe mit Louise Jantschky hinterließ er eine Tochter Namens Valentine. Die Siccardsburggasse in Wien-Favoriten ist nach ihm benannt.

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Anniversarium

200 Jahre

Verdi und Wagner

Verdi und Wagner

200. Geburtstage, ihr Wirken in und für Wien

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Marius Pasetti

Giuseppe Verdi

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bekannter Rezensent und Übersetzer Ferdinand von Seyfried. Weitere Aufführungen von Verdi-Opern folgten. Sie dienten im Vormärz dem politischen Programm, die italienischen Provinzen bei Laune zu halten. Das vermeintliche revolutionäre Potenzial vor allem der Frühwerke von Verdi ist längst als Mythos entlarvt worden und so passten sie durchaus in dieses Konzept. Wagners erster Wienaufenthalt geht zurück auf September 1832, als er ebenfalls noch gänzlich unbekannt, fast sechs Wochen blieb. Der Versuch, mit seiner Ouvertüre in d-Moll zu reüssieren, scheiterte. Wagner erwies sich in dieser Zeit als überaus eifriger Theater- und Konzertbesucher. Verächtliches fiel ihm zu Johann Strauss Vater ein. Der suggestiven Kraft, die von dessen Konzerten ausging, konnte er sich freilich nicht entziehen: »[…] ein wahres Wonnegewieher des wirklich mehr von seiner Musik als von den genossenen Getränken berauschten Auditoriums trieb die Begeisterung des zauberischen Vorgeigers auf eine für mich fast beängstigende Höhe.« Johann Strauss Sohn sollte gute 20 Jahre später der erste Musiker sein, der die Wiener Bevölkerung mit Werken Wagners bekannt machte. Eingebettet in seine Konzerte dirigierte er in den Sophiensälen Fragmente aus Tannhäuser und Lohengrin.

© Österreichische Nationalbibliothek

ls die beiden großen Antagonisten im Musiktheaterbetrieb in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden sie gehandelt. Jedoch auch Gemeinsamkeiten in ihrem Oeuvre werden nach wie vor immer wieder konstatiert. Gemeinsam ist den beiden Titanen des Musiktheaters freilich das Geburtsjahr, gemeinsam auch der Umstand, dass sie ihre Wege immer wieder nach Wien führten, sie das Wiener Kulturleben nachhaltig prägten. Wien war die erste Stadt, in der im Jahre 1843 mit Nabucco eine Verdi-Oper außerhalb Italiens aufgeführt wurde. Verdi selbst dirigierte die Vorstellungen am 4. und 5. April dieses Jahres am Kärntnertortheater. »Geistlosigkeit und Trivialität«, warf auch noch einige Jahre später der Kritikerpapst Eduard Hanslick, der zum mächtigen Wagner-Verächter avancieren sollte, dem Frühwerk vor. Auch Otto Nicolai äußerte sich vernichtend über Verdi und dies gewiss nicht ohne persönliche Gründe. Auch Nicolai wurde das Libretto von Nabucco zur Vertonung angeboten und er lehnte ab. Aus Ärger über die vertane Chance und Neid über den Erfolg von Nabucco bei der Uraufführung an der Mailänder Scala nannte Nicolai Verdi einen »Esel und erbarmungswürdigen Kompositeur«. Lob für die Chöre hingegen fand der in seinem Urteil als gütig

Am 9. Juli 1848 besuchte Wagner Wien zum zweiten Mal.«[…] nicht zur Zerstreuung«, wie er in seiner Autobiographie »Mein Leben« später behauptete, sondern vielmehr um ein geeignetes Terrain für seine Pläne – Wagner ging ganz von einem Sieg der Revolution aus – für ein deutsches Nationaltheater zu finden. Er quartierte sich zunächst im Hotel Zur Stadt London am Fleischmarkt ein, fand dann ein billigeres Zimmer in der Goldschmiedgasse. Wagner suchte unter anderem Eduard Bauernfeld und Franz Grillparzer auf, um sie von seiner Theaterreform zu überzeugen. Es kam auch zu einem Treffen mit dem Journalisten Alfred Julius Becher, der später als einer der Leitfiguren des Oktoberaufstandes 1848 gelten sollte, und nach dem Sieg der Konterrevolution standrechtlich erschossen wurde. Becher nahm Wagners Vision von einer postrevolutionären Regeneration von Kunst, Religion und Gesellschaft zwar ernst, unterstützte ihn aber ebenso wenig wie Bauernfeld und Grillparzer. In den 1840er Jahren zählte Becher zu jenen Kritikern, die die Aufführungen von Verdis Opern auf das Heftigste angriffen. Deutschnationale und revolutionäre Bestrebungen gingen einher, gewettert wurde gegen die Dominanz der »Welschen«. Die Situation spitzte sich zu, als im März 1848 ein Theaterzettel zu einer geplanten Ernani-Aufführung zerkratzt, beschmiert und heruntergerissen wurde. Zur ersten Aufführung einer WagnerOper in Wien kam es am 28. August 1857 im Thalia-Theater, dem Sommerausweichquartier des Theaters in der Josefstadt. Die Adresse Richard Wagner-Platz erinnert an die künstlerische und finanziell überaus erfolgreiche Produktion. Wagners gute Kontakte zu Karl Anton Eckert, dem damaligen Direktor des Kärntnertortheaters, ermöglichten dann die Wiener Erstaufführung von Lohengrin (1858) an einem renommierten Haus. Ein Desaster jedoch zeitigte die geplante Wiener Uraufführung von Tristan und Isolde. Überliefert ist, dass sich nach 77 Proben herausstellte, das Werk wäre unspielbar. Im März 1864 wurde es endgültig abgesetzt. Wagner wohnte in dieser

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200 Jahre

Richard Wagner

© Österreichische Nationalbibliothek

Zeit zunächst bei dem befreundeten Josef Standhartner (Singerstrasse 31), dem Leibarzt von Kaiserin Elisabeth, dann im Hotel Kaiserin Elisabeth in der Weihburggasse und zog schließlich in die allzu luxuriöse Villa in Penzing (Hadikgasse 72) ein. Eine Gedenktafel berichtet »von der trübsten Zeit seines Lebens«. Wagner musste die Stadt abrupt verlassen, die Schuldhaft drohte. Die Wende kam erst mit der Unterstützung durch Ludwig II. Wagner konnte nun in opulenter Weise den zu Wohlstand gelangten Großbürger repräsentieren, Verdi tat es in devoter Spielart. Starkult erlangten beide. In Wien war Verdi wieder ab dem Jahre 1874 als Dirigent tätig, eine Verdi-Mania setzte ein, das Publikumsinteresse war dermaßen groß, dass Sonderzüge auf der Südbahnstrecke eingeschoben werden mussten. Verdi aber hatte sich allzu großer nervlicher Belastung auszusetzen: Der rege Briefkontakt zu der tschechischen Sopranistin Teresa Stolz erregte die Eifersucht Giuseppinas: Entweder diese Frau verlässt das Haus oder ich gehe, drohte die Gattin Verdis. Diese Frau bleibt oder ich erschieße mich, replizierte dieser. Sein immenser künstlerischer Einsatz bei dem Dirigat der Wiener Aufführung seiner Messa da Requiem führte zu einem Ohnmachtsanfall und einer Nervenaffektion. Daneben gab es Ehrungen von offizieller Seite: Verdi erhielt das Comturkreuz des Franz-Josef-Ordens und eine Büste des Maestro wurde im Foyer der Hofoper feierlich enthüllt. Franz Josef selbst erteilte ihm den Auftrag, eine Grand opéra für Wien zu komponieren. Nur ungern machte sich Verdi an eine revisionierte, um einen Akt gekürzte Fassung seines Don Carlos. Das Projekt scheiterte, denn bereits in der Vorbereitungsphase wurde offensichtlich, dass sich die Aufführungsdauer selbst der reduzierten Version als zu lange erweisen würde. Resignierend stellte Verdi fest, »dass die Hausmeister in dieser Stadt um zehn Uhr abends schließen, und um diese Zeit alle Bier trinken und Gâteaux essen - folgerrichtig müssen die Theatervorstellungen um diese Zeit zu Ende sein«. Auch Wagner hielt sich ein weiteres letztes Mal im Jahre 1875 in Wien auf. Er dirigierte an der Wiener Hofoper drei Konzerte und wohnte den Proben zu den Neueinstudierungen von Tannhäuser und Lohengrin unter Hans Richter bei. Im mondänen Hotel Imperial beanspruchte er mit seiner Familie nicht weniger als sieben Zimmer. Um Geldgeber für seine

Verdi und Wagner

Bayreuther Festspiele zu akquirieren, veranstaltete er ein Galadiner für 40 Gäste. Für Verdi ergab sich noch im Jahre 1898 ein letzter Kontakt zu Wien. Mit seinem kirchenmusikalischen Zyklus Quattro pezzi sacri kam es doch noch zu einer Verdi-Uraufführung in der Donaumetropole. Er konnte ihr allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht beiwohnen. Eine umfassende Verdi-Renaissance im deutschsprachigen Raum setzte in den 1920er und 30er Jahren vor allem dank Franz Werfel ein. Werfel, der in seinem Künstlerroman »Verdi, Roman der Oper« (1924) die beiden Antipoden in einer fiktiven Begegnung gegenüberstellte, betätigte sich auch als Übersetzer vieler Libretti von Verdi-Opern. Seine deutsche Fassung von Don Carlos (1932) avancierte zu einer der am häufigsten gespielten. Wagners Einfluss auf das Wiener Kulturleben lässt sich unter anderem im Bereich der bildenden Kunst ausgiebig nachvollziehen: Hans Makart, der auch im Gespräch als Bühnenbildner für die Uraufführung des Parsifal war, schuf einen achtteiligen Zyklus zum Ring des Nibelungen. Gustav Klimts Beethovenfries basiert auf Wagners theoretischer Schrift über Beethovens 9. Symphonie. Nicht zuletzt soll auf Alfred Roller hingewiesen werden, in dem Gustav Mahler einen kongenialen Partner für seine, in hohem Maße den Musikdramen Wagners gewidmeten Reformen an der Wiener Hofoper fand. Rollers Verwendung von Licht und Farbe als musikdramaturgisches Mittel sollte sich als beispielgebend für die Wagner-Pflege der 1950er und 1960er erweisen. Wieland Wagners Bayreuther Entrümpelung der Bühne oder auch Herbert von Karajans Wagner-Inszenierungen an der Wiener

Staatsoper lassen auffällige Übereinstimmungen mit der szenischen Auffassung von Roller und Mahler erkennen.

1010 Wien · Domgasse 5 täglich 10 bis 19 Uhr Tel.: +43-1-512 17 91 info@mozarthausvienna.at

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Anniversarium

150 Jahre

Friedrich Schmidt

Friedrich Schmidt (1825 – 1891) Berufung zum Wiener Dombaumeister vor 150 Jahren

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Maria Zajko 1858 folgte seine Zeit an der Mailänder Akademie. Während dieser Periode restaurierte er auch zahlreiche norditalienische Kirchen. Bereits ein Jahr später folgte er dem Ruf nach Wien an die Akademie der bildenden Künste. Dank seines immensen Fachwissens wurde Schmidt regelmäßig als Juror und Experte für die Beurteilung wichtiger Fragen der Architektur und Denkmalpflege herbeigezogen und übte somit großen Einfluss auf die städtebauliche Entwicklung in Wien aus. Einige Ringstraßengebäude und bedeutende Kirchen in der Donaumonarchie tragen seine architektonische Handschrift. Am 16. Januar 1863 betrat er die Bauhütte von St. Stephan als Dombaumeister und erfüllte sich somit einen Jugendtraum. Der Baukörper des Stephansdomes war

© Maria Zajko

riedrich Schmidt wurde am 22. Oktober 1825 in Frickenhofen in Württemberg als Sohn eines protestantischen Pastors geboren. Schon früh bekam er baukünstlerische Anregungen durch seinen Urgroßvater, der Hofbaumeister in Hannover war. Er studierte unermüdlich die mittelalterlichen Baudenkmäler, wodurch seine Vorliebe für gotische Kunst gestärkt wurde. Als gelernter Steinmetzhandwerker trat er in die Fußstapfen der alten Dombaumeister. Mit achtzehn Jahren begann er die Ausbildung in der traditionsreichen Dombauhütte des Kölner Domes. Während seiner fünfzehnjährigen Tätigkeit in Köln lernte er die Meisterwerke mittelalterlicher Kunst in allen ihren Details kennen und bald beherrschte Schmidt die mannigfaltigsten Formen der Gotik.

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nach der Barockzeit vernachlässigt worden. Mit Schmidt begann eine Epoche der Erneuerung durch Sicherung der Bausubstanz. Er führte die Restaurierungsarbeiten am Turmhelm fort und erneuerte auch den Außenbau des Doms.Was seine Vorgänger nicht geschafft hatten, gelang Friedrich Schmidt: Er sanierte erfolgreich den hohen Turm, der während der Franzosenkriege sehr gelitten hatte und im oberen Drittel schon einmal abgetragen und wieder aufgebaut worden war. Als der Dombaumeister am 18. August 1864, inmitten der Schar seiner Schüler und begleitet von den Zurufen und dem Jubel einer vieltausendköpfigen Menge die Kreuzaufsetzung vornahm, wodurch der Aufbau des Turmes beendet war, sagte er: »Dies ist der schönste Tag meines Lebens.« Schmidt sah es als Lebensaufgabe, den Dom in seiner Pracht zu erhalten, und war bis zu seinem Tod am 23. Jänner 1891 Dombaumeister. In dieser Zeit gab es immer wieder Überlegungen zu einer stilreinen Präsentation des gesamten Kirchenraumes. Es wurde eine komplette neugotische Errichtung, wie eine Re-Romanisierung des Riesentores und sogar der Fertigbau des Nordturmes angedacht. Zum Glück fehlte das notwendige Geld. Der größte Dombaummeister des 19. Jahrhunderts brachte es in einem Vortrag auf einen Punkt: »Man müsse den Dom behandeln wie ein uraltes Buch, in dem man nur blättern, keine Seite herausreißen, nichts hineinschreiben, kein Eselsohr machen dürfe, um ihn der Nachwelt unversehrt übergeben zu können.« Friedrich Schmidt wurden schon zu Lebzeiten große Ehrungen zuteil. Er leitete den Osterreichischen Ingenieur- und Architektenverein sowie das Künstlerhaus. 1866 -1870 war er Mitglied des Wiener Gemeinderates, seit 1860 ständiges Mitglied der Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, der Vorläuferin des Bundesdenkmalamtes.1883 wurde der gefeierte Architekt zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt und 1886 geadelt. Er nannte sich nunmehr Friedrich Freiherr von Schmidt, aber der Titel »Dombaumeister« war ihm der liebste.

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150 Jahre

Concordiaball

Der erste Concordiaball Tanzvergnügen seit 1863 eute ein beliebter Sommerball im Rathaus – war der Concordiaball in den Sophiensälen einst ein Höhepunkt der Wiener Faschingssaison.

Bald schon beschloss man, den Fond für bedürftige Vereinsmitglieder durch Einnahmen aus einer Ballveranstaltung aufzubessern: Der erste Concordiaball ging am 19. Jänner 1863 in den Wiener Sophiensälen über die Bühne. Diese waren einige Jahre zuvor als Badeanstalt errichtet worden. Im Fasching verwandelten sie sich zu einem Ballsaal: Das Becken wurde mit Parkett abgedeckt, der Raum mittels Kronleuchter in eine »feenhafte« Atmosphäre getaucht. Bald schon entwickelte sich der Ball zu einem gesellschaftlichen Höhepunkt der Ballsaison, zu seinen Stammgästen zählten zahlreiche Prominente, unter ihnen auch Kronprinz Rudolf – im Jahr seines Todes wurde der Ball sogar abgesagt.

kas stammten aus der Feder von Johann Strauß: Er komponierte unter anderem »Leitartikel« (op. 273), »Feuilleton Walzer« (op. 293), »Flugschriften« (op. 300), »Die Publizisten« (op. 321) und »Ballsträußchen« (op. 380). Manche Walzertitel hatten aber eher Bezug zur akuten Ehekrise im Hause Strauß denn zum Presseclub: Im Fasching 1882 schrieb Strauß die Polka schnell »Entweder-oder« (op. 403) – seine zweite Frau Angelika (Lili) Dittrich hatte gerade eine Affäre mit dem Direktor des Theaters an der Wien. Im nächsten Jahr, nur wenige Wochen nach der Scheidung des Paares, folgte dann die Polka schnell »Rasch in der That« (op. 409). Zu einem besonderen musikalischen Zusammentreffen kam es am zweiten Concordiaball am 12. Jänner 1864. Die Ballorganisatoren hatten nicht nur Johann Strauss um ein Stück gebeten, sondern auch den damals in Wien weilenden Jacques Offenbach. Als Johann Strauss erfuhr, dass Offenbach den Walzer »Abendblätter« darbieten werde, komponierte er den Walzer Opus 279, »Morgenblätter«. Beide Walzer wurden – wie damals üblich – zuerst konzertant vorgetragen, erst bei der Wiederholung tanzte man dazu. Jacques Offenbach dürfte der Sieger des Duells gewesen sein. In der Folge erwiesen sich aber die »Morgenblätter« als wesentlich langlebiger: Noch heute wird zu den Klängen dieser Melodien der Eröffnungswalzer getanzt.

Jedes Jahr lud der Club die namhaftesten Komponisten ein, Walzer, Polkas, Galopps und Quadrillen für den Concordiaball zu komponieren – eine Einladung, der die Musiker gerne nachkamen: Jeder war an guten Kontakten zur Presse interessiert. So lesen sich die Ballprogramme wie ein Who is Who der damaligen Musikszene, auch die Namen der Stücke lassen die Bestimmung erkennen. Carl Michael Ziehrer komponierte »Ballmama«, Franz von Suppé »Sensationelles«, Richard Heuberger »Redactions-Geheimnis« und Eduard Strauss »Kleine Chronik«. An einem Ballabend erlebten bis zu 14 Stücke ihre Uraufführung, insgesamt sind mehr als 120 Kompositionen der »Concordia« zugeeignet. Die bekanntesten Walzer und Pol-

Nach einer Unterbrechung während und nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Balltradition in den Zwanzigerjahren wieder aufgenommen, erreichte aber nie wieder den ehemaligen Glanz: 1932 fand der letzte Ball statt. Auch der Presseclub erlebte harte Zeiten: 1938 wurde er von den Nationalsozialisten aufgelöst, sein Vermögen konfisziert und viele Mitglieder verfolgt. 1946 konstituierte sich der Verein neu, 1958 erhielt er ein Gebäude in der Bankgasse, das heutige »Concordia Haus«. 1960 wurde der Concordiaball wiederbelebt und findet seitdem als Sommerball unter dem Ehrenschutz des österreichischen Bundespräsidenten im Wiener Rathaus statt – das nächste Mal am 7. Juni 2013. Alles Walzer!

Der Presseclub »Concordia« wurde 1859 mit dem Zweck gegründet, das Ansehen und die soziale Stellung von Journalisten und Schriftstellern zu festigen und notleidende Mitglieder finanziell zu unterstützen. Der Name des Clubs stammt aus dem berühmten Gedicht »Die Glocke« von Friedrich Schiller: »Herein! Herein/ Gesellen alle, schließt den Reihen/ Dass wir die Glocke taufend weihen!/ Concordia soll ihr Name sein.«

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© ConcordiaBall/Martin Hörmandinger

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Regina Macho

Literatur: Gundula Walterskirchen/Bernhard Baumgartner, Der Wiener Fasching. Die Zeit der Bälle und Walzer (Wien 2001). Franz Mailer, Johann Strauß. Kommentiertes Werkverzeichnis (Wien 1999).

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Anniversarium

150 Jahre

Franz Ferdinand

Franz Ferdinand von Österreich-Este Der verhinderte Kaiser

Christa Bauer

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er Name Franz Ferdinand erlangte traurige Berühmtheit durch das Attentat von Sarajewo 1914, das den Thronfolger und seine Frau Sophie das Leben kostete. Weniger bekannt ist die vielseitige Persönlichkeit Franz Ferdinands: Thronfolger, Offizier, Jäger, Kunstliebhaber und Sammler, WeltreiErzherzog Franz Ferdinand und Herzogin Sophie, Max, Ernst, Sophie (vorne, v.l.n.r.)

sender und nicht zuletzt hingebungsvoller Ehemann und Vater. Franz Ferdinand wurde am 18.12.1863 in Graz als ältester Sohn von Erzherzog Carl Ludwig (1833 – 1896) und Maria Annunziata von Neapel-Sizilien (1842 – 1871) geboren. Schon früh verlor er seine Mutter, die an Tuberkulose starb, als er acht Jahre alt war. Aber Franz Ferdinand und seine drei Geschwister hatten Glück: Ihre junge Stiefmutter Erzherzogin Maria Theresia von Bragança (1855 – 1944), die Carl Lud-

wig 1873 heiratete, schenkte den Kindern eine glückliche, unbeschwerte Kindheit und liebevolle Fürsorge. Natürlich erhielt Franz Ferdinand eine standesgemäße Ausbildung. 1878 trat er wie für die männlichen Habsburger üblich in den Militärdienst ein. Nach dem Selbstmord von Kronprinz Rudolf 1889 und dem Tod seines Vaters 1896 stieg Franz Ferdinand zum Nachfolger seines Onkels, Kaiser Franz Joseph I. (1830 – 1916), auf. Franz Ferdinand hatte sowohl zu Rudolf als auch zu seinem Vater ein sehr enges Verhältnis gehabt, ihr Tod muss ihn sehr getroffen haben. Franz Ferdinands Leidenschaft galt der Jagd und dem Reisen. Nach kürzeren Reisen, zum Beispiel nach Palästina und Korfu, setzte er 1892 seinen Wunsch zu einer Weltreise beim Kaiser durch. Diese führte ihn in rund zehn Monaten rund um den Erdball, er bereiste dabei viele Länder in Asien sowie Australien und Nordamerika. Auch später sollte er noch Reisen unternehmen – allerdings nicht zum Vergnügen. Franz Ferdinand erkrankte 1895 wie schon seine Mutter an Tuberkulose. Seine Ärzte empfahlen ihm Kuren unter anderem in Südtirol, Kroatien und an der Riviera. Sein Zustand war äußerst schlecht. Er galt außerdem als eigensinniger Patient, er fühlte sich »eingesperrt wie ein wildes Tier«. Trost brachten ihm nur geheimnisvolle Briefe, die er regelmäßig erhielt und hinter denen, wie sein Kammerdiener völlig richtig vermutete, eine Frau steckte. Eine zusätzliche Kränkung für ihn war, dass sein Bruder Otto plötzlich als Thronfolger gehandelt wurde – offenbar glaubte niemand an die Genesung Franz Ferdinands. Doch das Wunder geschah: 1897 galt Franz Ferdinand als völlig gesund. Er war 33 Jahre alt, und er begann über etwas

© Schloss Artstetten, NÖ

Literatur:

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Scholler Christiane, Willkommen im Schloss. Anita Hohenberg über ihren Urgroßvater, Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este (Artstetten 2011).

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150 Jahre

nachzudenken, was ihm nun als gesunden Mann realistisch erschien: Er wollte heiraten. Franz Ferdinand war eine glänzende Partie: Er sah gut aus, er war reich, und er war der Thronfolger. Er hätte sich seine Braut aus den vornehmsten Häusern Europas auswählen können, doch seine Wahl fiel auf die böhmische Gräfin Sophie Chotek (1868-1914). Vermutlich haben sich die beiden bereits 1894 in Prag kennengelernt, und es dürfte Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Das Problem war, dass Sophie zwar aus altem böhmischen Adel stammte, aber dennoch nicht standesgemäß war. Dies war der Grund, warum das Paar seine Beziehung jahrelang geheim und häufig nur durch regen Briefwechsel aufrecht halten konnte, erst durch einen Zufall kam ihre Liebe 1899 ans Licht. Der Skandal war perfekt, und Franz Ferdinand wurde zum Kaiser zitiert, der ihm die Unmöglichkeit dieser Verbindung darlegte. Franz Ferdinand blieb fest: Er werde die Gräfin Chotek heiraten! Franz Joseph war fassungslos und verdonnerte das Paar zu einer einjährigen Wartezeit, während der vielfach versucht wurde, die beiden Liebenden auseinander zu bringen. Vor allem Sophie wurde mit Drohungen massiv unter Druck gesetzt. Franz Ferdinand war verbittert, und er äußerte sich gegenüber seinem Arzt über diese Ungerechtigkeit: »Wenn unsereiner jemand gern hat, findet sich immer im Stammbaum eine Kleinigkeit, die die Ehe verbietet. Und so kommt es, dass bei uns Mann und Frau immer zwanzig Mal miteinander verwandt sind. Das Resultat ist, dass von den Kindern die Hälfte Trottel und Epileptiker sind«. Letztlich nützten alle Intrigen nichts, und nach Ablauf des Jahres blieb Franz Joseph nichts anderes übrig, als seine Einwilligung zu geben. Franz Ferdinand und Sophie konnten allerdings nur eine morganatische Ehe eingehen: Franz Ferdinand blieb Thronfolger, musste aber für Sophie und die gemeinsamen Kinder auf Thronrechte und Erbfolge verzichten. Am 1. Juli 1900 fand die Hochzeit im engsten Kreis statt. Nur Angehörige Sophies sowie Franz Ferdinands geliebte Stiefmutter und -schwestern waren anwesend, die kaiserliche Familie glänzte durch Abwesenheit. Immerhin sandte der Kaiser ein Hochzeitsgeschenk: Er erhob Sophie in den Fürstenstand mit dem Namen Hohenberg. Doch auch dies änderte nichts daran, dass Sophie in der Hofrangordnung an der letzten Stelle stand. Intrigen

Franz Ferdinand

und Sticheleien waren der Grund, warum das Paar seine Residenz im Wiener Belvedere immer mehr mied und die Schlösser Konopischt (heute Tschechische Republik) und Artstetten in Niederösterreich bevorzugte. Dafür wurde es eine der glücklichsten Ehen, die es am Kaiserhof jemals gab. Franz Ferdinand war ein hingebungsvoller Vater und Ehemann und genoss das harmonische Familienleben. Das Eheglück wurde mit drei Kindern gekrönt, Sophie, Max und Ernst. Als Politiker beschäftigte sich Franz Ferdinand unter anderem mit moderaten Reformen und Veränderungen. Er erkannte, dass das Nationalitätenproblem gelöst werden musste. Er wollte die Monarchie vom österreichisch-ungarischen Dualismus zugunsten eines Trialismus Österreich/Ungarn/slawischer Reichsteil umbauen. Er trat darüber hinaus für eine friedliche Balkanpolitik ein. Doch dazu sollte es nicht kommen, all seine Bestrebungen endeten auf tragische Weise durch das Attentat von Sarajewo.

Franz Ferdinand wird oft als widersprüchlicher Charakter beschrieben: einerseits unbeugsam, ernst, misstrauisch und herrisch, andererseits aber auch liebenswürdig, humorvoll und fröhlich. Manche hielten ihn für erzkonservativ, andere für den Wegbereiter einer reformierten Monarchie und modernen Gesellschaft. Mit Sicherheit steht aber fest, dass seine Frau und seine Kinder sein Lebensmittelpunkt waren. Seine Reformen und Ideen wurden nie umgesetzt. Dem Attentat von Sarajewo fielen nicht nur Franz Ferdinand und Sophie zum Opfer, es läutete auch das Ende der Habsburgermonarchie ein.

Das Erzherzog Franz Ferdinand-Museum in Schloss Artstetten Dauerausstellung „Für Herz & Krone“: Erzherzog Franz Ferdinand von (s)einer ganz persönlichen Seite!

Sonderausstellung 2013 „Esskultur?“: Wo essen wir Was und vor allem Wie! Erzherzog Franz Ferdinand Museum täglich 1. April bis 1. November von 9 – 17.30 Uhr geöffnet Schloss-Café (Mi bis So/Fei, 12 – 17.30Uhr), Museumsshop 3661 Artstetten-Pöbring, Schlossplatz 1 Tel: 07413-8006-0, Fax-DW 15 office@schloss-artstetten.at www.schloss-artstetten.at

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Da Sophie nicht ebenbürtig war, wäre dem Paar eine gemeinsame Bestattung in der Wiener Kaisergruft versagt geblieben. Franz Ferdinand sorgte daher schon zu Lebzeiten für eine gemeinsame Begräbnisstätte in Schloss Artstetten. Sowohl diese Begräbnisstätte als auch das Schloss selbst sind für Besucher heute zugänglich.

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Anniversarium

150 Jahre

Adele Sandrock

Die vielen Leben der großen Adele 150. Geburtstag von Adele Sandrock

Heiner Wesemann

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ie war die komische Alte des deutschen Films der dreißiger Jahre, die mit bärbeißiger Attitüde das Publikum höchst amüsierte. Aber das war nur eine Seite der vor hundertfünfzig Jahren geborenen großen Adele Sandrock (1863 – 1937), die sich immer wieder neu erfand.

© Österreichische Nationalbibliothek

Es war charakteristisch für sie, den Buchstaben »R« nachdrücklich zu rollen – späteren Zeiten erschien das pathetisch, aber Adele Sandrock setzte diese lebenslange Gewohnheit bewusst parodistisch ein. Sie war eine Schauspielerin, die stets wusste, was sie wollte und was sie tat, und wenn sie im Kampf mit dem Schicksal auch manche Schlacht verloren hat – tapfer und impetuös geschlagen hat sie alle. Das rollende »R« kam übrigens daher, dass ihre Muttersprache holländisch war: Sie kam am 19. August 1863 als Tochter einer nicht sonderlich bedeutenden holländischen Schauspielerin und eines deut-

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schen Kaufmanns in Rotterdam zur Welt. Deutsch lernte sie erst als Zehnjährige, als die Familie nach Berlin übersiedelte. Über die private Adele Sandrock, die in einem teilweise durchaus beengenden Spannungsfeld mit ihrer exzentrischen Mutter und ihrer aufopfernden Schwester Wilhelmine lebte (alle drei Frauen waren Schauspielerinnen), weiß die Nachwelt viele Details. Geliefert hat sie vor allem einer von Adeles zahlreichen Liebhabern: Es war der Dichter Arthur Schnitzler, mit dem sie eine nicht sehr lange, aber über die Maßen stürmische Beziehung verband. Er hat Adele in ihrer Unverwechselbarkeit mehrfach auf die Bühne gebracht, vor allem im »Reigen« in der Szene »Der Dichter und die Schauspielerin«. Ihr explosives Wesen hat sich auch aus erster Hand in ihren Briefen an Schnitzler überliefert. Kein Wunder, dass eine so spektakuläre, schillernde Persönlichkeit wie Adele Sandrock lebenslang im Zentrum höchster Beachtung stand. Sie war ein »Medienstar« der ersten Stunde – und bezeichnete sich stets selbstbewusst als die »große Adele«. Sie war eine hervorragende Schauspielerin, die höchsten Starruhm, aber ebenso verheerende Niederlagen erlebte. Nach jugendlichen Anfängen in Berlin kam sie an das legendäre Hoftheater von Meiningen, wo sie noch nicht reüssierte. Sie erlebte das mühevolle Zugvogelleben einer Schauspielerin im 19. Jahrhundert, die an deutschen und deutschsprachigen Bühnen der Monarchie oder des Zarenreichs Unterhalt und Erfolg suchte. In Wien erlebte die Sandrock eine Situation, von der viele Schauspieler träumen, die in der Realität aber selten genug vorkommt: Sie sprang für eine erkrankte Kollegin ein – und am nächsten Tag war sie buchstäblich berühmt. Ganz Wien sprach nach dem 6. Oktober 1889 über nichts anderes als über Adele Sandrock in »Der Fall Clemenceau« im Theater an der Wien. Der Weg führte sie in der Folge über das damals neu eröffnete Deutsche Volkstheater ins legendäre Wiener Hofburgtheater. Die Sandrock war damals, als sie 1893 ihre Liaison mit Schnitzler begann, eine Frau auf ihrem ersten Höhepunkt. Eine Dreißigjährige, nicht konventionell schön, aber aufregend, eine »moderne«

Nervenschauspielerin für die Stücke der Zeit wie zum Beispiel die »Kameliendame«, wo man alle Gefühlsregungen spektakulär ausreizen konnte. Sie bediente das Virtuosentum der Epoche, sie war die Theaterkönigin und Diva ihrer Zeit. Aber Stars haben ihr Ablaufdatum, damals wie heute, und eine Sandrock, die auf die 40 zuging, bekam das Nachrücken der Jugend zu spüren, so wie sie einst die große Charlotte Wolter entthront hatte. Immer fordernd, immer unduldsam, immer auf Konfrontationskurs, schied die Sandrock im Krach vom Burgtheater und von Wien, erlebte die Mühsal der Gastspiele, die ihr durchaus nicht das große Geld brachten, und musste froh sein, in Berlin bei Max Reinhardt unterschlüpfen zu können. Fotos zeigen, dass sie früh gealtert war, und ihr Starstatus war zerbröckelt. Möglicherweise würde man den Namen von Adele Sandrock, die sich durch wahre Hungerjahre schleppte, heute gar nicht mehr kennen, hätte sie nicht – wie einst in Wien – das zweite Karrierewunder erlebt. Die Frau, die sich nun selbst als Komikerin »neu« erfand, stieß auf ein neues Medium: den Film. Ab 1919 stand sie schier unaufhörlich vor der Kamera, und mit ihrer geschulten, tiefen, pathetischen Stimme hatte sie 1930 nicht die geringste Schwierigkeit, zum Tonfilm überzuwechseln. Filmtitel, wie »Alles hört auf mein Kommando« oder »Der Kampf mit dem Drachen« nahmen direkt auf sie Bezug. Die junge Käthe Gold verblasste, wenn Adele Sandrock 1935 in »Amphitryon« als Göttergattin Juno den Jupiter Willy Fritsch zur Ordnung rief. Die »große Adele« war wieder da, und die alte Sandrock wurde erneut zur Kultfigur, wie es die Diva in ihren großen Wiener Theaterjahren gewesen war. Die Anekdoten, die über sie und ihre Schlagfertigkeit kursierten, füllen ein ganzes Buch. Als sie 1937 starb, hatte die Sandrock ihre Leistungen als überaus beliebte Filmschauspielerin schon in den Dienst des Nationalsozialismus gestellt, dessen Folgen sie damals allerdings noch nicht ermessen konnte. Dass sie nie auch nur im Geringsten zum Antisemitismus geneigt hatte, beweist jedoch nicht zuletzt die Legion ihrer jüdischen Liebhaber …

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150 Jahre

Ritter von Pargfrieder

Josef Gottfried Ritter von Pargfrieder Der »Heldensammler« starb vor 150 Jahren

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Magdalena Vit

osef Gottfried Ritter von Pargfrieder ist unweigerlich mit einem der bedeutendsten Feldherren der österreichischen Geschichte verbunden: Feldmarschall Radetzky, dessen Ruhestätte sich inmitten eines Ehrenmals befindet, das seinesgleichen sucht. Der Heldenberg in Kleinwetzdorf – geschaffen von und für einen Mann, dem man Geschäftstüchtigkeit, Offenheit neuen Technologien gegenüber und Patriotismus nachsagt. Wie kam es zur Errichtung eines »Berges für die Helden«? Und wer war dieser Pargfrieder wirklich? »Wundermann«, so nannte ihn Radetzky zumindest in seinen Briefen. Wenig ist über die Herkunft Pargfrieders bekannt. Nicht nur sein Geburtsjahr ist unsicher, auch über seine Abstammung reichen die Vermutungen vom Sohn eines Lehrers in Schlosshof bis hin zu einem – von ihm selbst geschürten – Gerücht, der illegitime Sprössling Kaiser Josephs II. zu sein. Sein Aufstieg in Österreich beginnt eigentlich sehr bescheiden: Er beliefert die Armee mit Lebensmitteln, Schuhen und Stoffen. Aber genau daraus versteht er es, Kapital zu schlagen. Bis 1849 besteht dieser Handel – um diese Zeit ist Pargfrieder bereits ein reicher Mann; und das Denkmal seines Lebens – der Heldenberg – im Entstehen. 1833 kauft er das Gut Wetzdorf, 50km nordwestlich von Wien, das er im klassizistischen Stil aus- und umbauen lässt. Straßen werden erstmals asphaltiert, Wasserleitungen gelegt. Eine eigens von ihm entwickelte Berieselungsanlage soll in Brandfällen ein Übergreifen auf andere Dächer verhindern. Durch seine Kontakte zur Armee lernt er auch jenen Mann kennen, den er zeit seines Lebens verehren wird: Die Freundschaft mit Radetzky ist nicht nur auf Sympathie begründet, Pargfrieder springt immer wieder helfend ein, wenn die Spielschulden des Feldmarschalls ihn zu ruinieren drohen. Aus Dankbarkeit setzt Radetzky auf Bitten des Freundes hin in seinem Testament fest, auf dessen Anwesen bestattet zu werden. Nach den Revolutionsjahren 1848/49 fühlt sich der patriotische Pargfrieder vom Staat verraten – die Leistungen im italienischen und ungarischen Feldzug

werden für ihn nicht genügend gewürdigt. Er schreitet zur Tat und lässt den Heldenberg errichten. Die Anlage, zu deren Vorläufern das Walhalla König Ludwigs I. von Bayern in Donaustauf, die Gloriette (sie erinnert an die Schlacht von Kolin 1757) oder das Äußere Burgtor (Völkerschlacht von Leipzig 1813) zählen, besteht aus einer Säulenhalle, ursprünglich 167 Statuen, zwei Siegessäulen und Gruftanlagen. Die Umsetzung des Vorhabens wird zu einem Großauftrag für die Bildhauerei, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder in ihrer Blüte steht. Anton Rammelmayer (einer der begabtesten Schüler der Akademie, tätig auch auf Schloss Grafenegg), Johann Feßler (Schüler Josef Kliebers) und Anton Dietrich stellen im damals modernen Zinkgussverfahren Büsten von Herrschern, Offizieren und einfachen Soldaten her. Standbilder der Feldmarschälle Radetzky und Wimpffen (beide unterstützt Pargfrieder immer wieder finanziell), Darstellungen der Klio, des Mars, eines Todesgenius und die Gruppe der drei Parzen gehören neben dem heute nicht mehr vorhandenen Künstlerhain ebenfalls zur Ausstattung. Auch Franz Joseph ist mit einem Standbild vertreten, das ihn als jugendlichen Herrscher zeigt. Etwas erhöht Graf O’Donnell und Josef Ettenreich, die das 1853 am Kaiser verübte Attentat gerade noch verhindern konnten. Selbst heute noch werfen sie ein wachsames Auge auf ihn. Hügelan gelangt man zur Löwengruft, die nie ihrer Bestimmung zugeführt wurde: Letzte Ruhe für die Ehrenwache des Heldenbergs, einem Offizier und zwölf Mann der Militär-Invaliden, zu sein. Nach dem Tod Wimpffens 1854 hat der Heldenberg im Todesjahr Radetzkys seinen großen Auftritt. Franz Josephs Plan, den fünf Kaisern zu Diensten gestandenen Feldherrn in der Kapuzinergruft bestatten zu lassen, scheitern nicht allein an den Kosten, sondern auch an der testamentarischen Festsetzung des Begräbnisortes auf Pargfrieders Gut. Somit führt die letzte Reise des Feldmarschalls von Franz Joseph persönlich angeführt zum Nordbahnhof, von wo aus es nach Wetzdorf geht. 20.000 Menschen wohnen der

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Beisetzung am Heldenberg bei. Doch es wäre wohl kein Josef Gottfried Pargfrieder, würde er nicht auch daraus Kapital zu schlagen versuchen. Er nimmt die Bestattung des vom Kaiser hochverehrten Feldherrn zum Anlass, ihm eben jene Stätte zu verkaufen! Empört soll der Kaiser reagiert haben, erst Polizeiminister Kempen vermag es, Pargfrieder von einer Schenkung zu überzeugen, die der Kaiser mit Erhebung in den Ritterstand und Verleihung des Komturkreuzes des Franz-JosephsOrdens dankt. Für Pargfrieder eine dennoch unbefriedigende Lösung. 1863, am 31. Jänner, verstirbt letztendlich der Erbauer des Heldenberges selbst und führt sein Lebenswerk damit seiner endgültigen Aufgabe zu. Typisch für seine unkonventionelle Art will er weder eine Todesanzeige noch große Trauerfeierlichkeiten. Er begnügt sich damit in guter Gesellschaft zu sein: zwischen Wimpffen und Radetzky sitzt er, in mittelalterlicher Anlehnung mit Schlafrock und Käppchen bekleidet, seine sterblichen Überreste von einer Ritterrüstung aus Zink bedeckt. Die Herrschaft Wetzdorf geht nach seinem Tod an den Gatten seiner Adoptivtochter, Heinrich von Drasche, den späteren Inhaber der Wienerberger Ziegelfabrik, über. Den Heldenberg selbst übergibt der Kaiser 1909 an die Armee, nach Ende des Ersten Weltkrieges geht er an die Republik Österreich.

Literatur: Wolfgang Müller-Funk, Georg Kugler (Hg.), Zeitreise Heldenberg. Lauter Helden. Katalog der NÖ Landesausstellung 2005 Heldenberg (Wien 2005). Gunther Martin, Der Heldenberg, Wien 1972 Hemma Obenaus, Der Heldenberg als vaterländisches, militärgeschichtliches und kulturhistorisches Denkmal (Wien 1985) www.derheldenberg.at

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Anniversarium

150 Jahre

Kaufhaus Herzmansky

Kaufhaus Herzmansky

1863 wurde das bekannte Warenhaus gegründet Christine Colella

August Herzmansky (1834-1896) kam 1848 aus Odrau, damals ÖsterreichischSchlesien, nach Wien. Nachdem er eine Kaufmannslehre absolviert und einige Jahre Erfahrung in einer Band- und Spitzenfabrik gesammelt hatte, machte er sich im Jahr 1863 mit der Eröffnung einer Gemischtwarenhandlung in der Kirchengasse im Bezirk Neubau selbständig. Einige Jahre später übersiedelte das Geschäft in die Räumlichkeiten Mariahilferstraße 26/ Stiftgasse 1, wo es sich nach und nach zu einem Großkaufhaus entwickelte. Durch die Einführung knapp kalkulierter Prei-

se gewann das Kaufhaus Herzmansky einen großen Kundenstock. Es zählte zu den bedeutendsten Textilhäusern in Österreich-Ungarn. Laut Eigenwerbung bot das Kaufhaus unter anderem »Sammte«, Plüsche, Seidenstoffe, Wollstoffe, Waschstoffe, Spitzen, Vorhänge und Teppiche. An der Fassade des Gebäudes Stiftgasse 3 sind diese Inschriften über das Warenangebot unter der Originalaufschrift A. Herzmansky noch zu erkennen. Einer der Mitarbeiter von August Herzmansky war Alfred Gerngroß, der dann im Jahr 1879 sein eigenes Stoffgeschäft gründete. Nach kurzem Konkurrenzkampf versuchten die beiden Unternehmen zusammenzuarbeiten, was aber nicht so gut funktionierte. Dennoch expandierten sie erfolgreich und es gelang ihnen, eine dominierende kommerzielle Präsenz in der Mariahilfer Straße aufzubauen; Gerngroß ausgehend von der Kirchengasse, Herzmansky von der Stiftgasse. Weniger bekannt ist, dass der Gründer des Großkaufhauses Herzmansky auch karitativ tätig war. Zum 25-jährigen Firmenjubiläum (1888) stiftete er ein Rekon-

1. Bezirk, Dorotheergasse 6 Tel.: +43 1 512 82 30

© Christine Colella

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ie jüngere Generation, die heute im Kaufhaus Peek & Cloppenburg nach modischer Bekleidung sucht, wird sich wahrscheinlich nicht mehr daran erinnern, dass sich in dem Gebäude Mariahilferstraße/Ecke Stiftgasse einst eines der traditionsreichsten Kaufhäuser Wiens befand. Die Kinder der Fünfziger Jahre, zu denen die Verfasserin dieser Zeilen gehört, haben vor allem das Fahren mit den Rolltreppen in Erinnerung, das damals noch ein besonderes Erlebnis war. Auch die schön verzierten und etwas knarrenden Holztreppen vermittelten ein gewisses Flair.

valeszentenheim für Kinder in Weidlingau-Wurzbachtal. Die Eröffnung des erweiterten Warenhauses Herzmansky, erbaut 1897-98 vom Architekten Maximilian Katscher, durfte der Firmengründer nicht mehr erleben. Er starb 1896 und wurde auf dem Friedhof Hadersdorf-Weidlingau begraben. Ihm zu Ehren wurde die Herzmanskystraße im 14. Wiener Gemeindebezirk Penzing benannt. In der Folge hatte das Kaufhaus eine bewegte Geschichte; zahlreiche Besitzer wechselten einander ab. In den späten Fünfzigern ging das Kaufhaus an den deutschen Hertie-Konzern, danach an verschiedene Konsortien, bestehend aus Banken, Kaufhäusern, Aktiengesellschaften. Der Abstieg der innerstädtischen Geschäftszentren begann mit der Massenmotorisierung und der Errichtung der vorstädtischen Einkaufszentren. 1998 wurde das traditionelle Warenhaus geschlossen und das Gebäude zu einer Filiale von Peek und Cloppenburg umgebaut. Die ältere Generation denkt manchmal noch wehmütig zurück an den Zauber des großen Warentempels und ans Rolltreppenfahren …

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100 Jahre

Wiener Konzerthaus

Das Wiener Konzerthaus 100 Jahre Wiener Musikleben m Jubiläumsjahr 2013 schmückt sich das Wiener Konzerthaus mit gleich drei der weltbesten philharmonischen Orchester: den Wiener Philharmonikern, den Berliner Philharmonikern und den New York Philharmonics. Mit »PHACE« wird ein neuer Zyklus für zeitgenössische Musik vorgestellt, mit dem das Konzerthaus bewusst in die Zukunft blicken will. Nach den ersten Plänen aus dem Jahr 1890 sollte das als Mehrzweckhaus geplante Konzerthaus breitere Bevölkerungsschichten ansprechen als der nur 200 Meter entfernte traditionsreiche Wiener Musikverein. Der Architekt Ludwig Baumann entwarf ein »Olympion«, das außer mehreren Konzertsälen einen Eislaufplatz und einen »Bicycleclub« vorsah. Daneben sollte eine Freiluftarena 40.000 Besuchern Platz bieten. Der Eislaufplatz und seine Randbebauung wurden 1899 nach Baumanns Plänen verwirklicht und sind bis heute Heimat des Wiener Eislaufvereins. Auf dem noch unbebauten Gelände des späteren Konzertgebäudes fand in einem provisorischen Ausstellungsgebäude die von Gustav Klimt und seinen Freunden organisierte Kunstschau »Wien 1908« statt. Das Wiener Konzerthaus wurde schließlich in den Jahren 1911 bis 1913 von den europaweit tätigen Wiener Theaterarchitekten Ferdinand Fellner d. J. und Hermann Helmer in Zusammenarbeit mit Ludwig Baumann errichtet. Am 19. Oktober 1913 wurde das Konzerthaus in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. mit einem Festkonzert eröffnet. Richard Strauss komponierte hierfür sein »Festliches Präludium« op. 61. Kombiniert wurde dieses moderne Werk mit Beethovens 9. Sinfonie, da das Nebeneinander von Tradition und Moderne schon im ersten Konzert des Hauses deutlich werden sollte. Seit dieser Zeit hat auch die Wiener Singakademie im Konzerthaus ihre permanente Heimstätte. Durch den Zerfall Österreich-Ungarns und die damit verbundenen enormen gesellschaftlichen Umbrüche und finanziellen Krisen wurden Flexibilität und Vielseitigkeit auch aus Geldmangel notwendig. Neben dem Repertoire gab es in den 1920er und 1930er Jahren wichtige

© Wiener Konzerthaus, Foto: Herbert Schwingenschlögl

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Franziska Pfister

Uraufführungen (u. a. von Arnold Schönberg und Erich Wolfgang Korngold), Konzerte mit Jazz und Schlagern, Vorträge von Wissenschaft bis Spiritismus und Dichterlesungen (u. a. von Karl Kraus). Tanz- und Ballveranstaltungen, einige große Kongresse und sogar Weltmeisterschaften für Boxen und Fechten rundeten das Programm ab. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 verarmte das Programm zum »nicht-entarteten Unterhaltungsbetrieb« und vielen Künstlern blieb nur die Emigration. Nach 1945 kam dem Konzerthaus auch die Aufgabe zu, das geknickte österreichische Selbstbewusstsein auf musikalische Weise »aufzupäppeln«. Neben dem Standardrepertoire der Klassik und Romantik und dem Wiener Walzer gab es weiterhin Uraufführungen (z. B. Schönbergs Oratorium »Die Jakobsleiter« 1961) sowie internationale Jazz- und Popkonzerte und World Music. Ab Mai 1946 wurden die Räume für Tonstudios und Verwaltung an den deutschen, in Wien lebenden Musikproduzenten Gerhard Mendelson vermietet, der als einer der wichtigsten Schlagerproduzenten Österreichs in der Nachkriegszeit gilt. Das Wiener Konzerthaus ist heute Hauptspielstätte der Wiener Symphoniker, des Wiener Kammerorchesters und des Klangforums Wien. Neben den Eigenveranstaltungen der Wiener Konzerthausgesellschaft sind auch andere internationale

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Orchester, Solisten und Kammermusikensembles regelmäßig zu Gast. »Diese Säulen, Traditionsbewusstsein und Innovationsfreude tragen das Wiener Konzerthaus auch heute noch und bilden seine künstlerische Identität«, sagt Bernhard Kerres, Intendant des Wiener Konzerthauses. Das im Grundriss etwa 70 mal 40 Meter große Konzerthaus umfasst seit der Eröffnung drei Konzertsäle: Großer Saal mit 1.865 Plätzen, Mozart-Saal mit 704 Plätzen, Schubert-Saal mit 366 Plätzen. Das Gebäude wurde mehrmals umgebaut und in den 70er Jahren nach nur leicht veränderten Originalplänen wieder hergestellt. Zwischen 1998 und 2001 wurde das Haus unter Architekt Hans Puchhammer generalsaniert und um einen neuen Konzertsaal (Neuer Saal – heute Berio Saal mit 400 Plätzen) erweitert. In allen Sälen können gleichzeitig unterschiedliche Konzerte stattfinden, da sie sich akustisch gegenseitig nicht beeinflussen.

Literatur: Die 100. Saison der Wiener Konzerthausgesellschaft 2012/2013 (Pressemappe Wiener Konzerthaus) Wiener Konzerthaus Wikipedia, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/ Wiener_Konzerthaus

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Anniversarium

100 Jahre

Palais Liechtenstein

Der Bösendorfersaal Abschiedsvorstellung am 2. Mai 1913

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Gitti Klima

© Österreichische Nationalbibliothek

ine unscheinbare Gedenktafel, kaum leserlich und an einer Stelle, weit über der Augenhöhe des Vorbeigehenden angebracht, erinnert uns daran, dass sich hier in der Herrengasse 6 – 8 bis 1913 der weltberühmte Bösendorfersaal im Benefiziatenhaus des Palais Liechtenstein befand. In den Jahren 1930 – 32 errichteten die Architekten Theiss und Jaksch an dieser Stelle das erste Hochhaus Wiens. Das heute nicht mehr existierende barocke Palais Liechtenstein in der Herrengasse Nr. 8 wurde 1792 auf Wunsch von Fürst Alois von Liechtenstein von Joseph Hardtmuth umgebaut. Auf Nr. 6 stand das so genannte kleine Liechtensteinsche Haus, das »Benefiziatenhaus«. Im Hoftrakt befand sich eine Reitschulhalle mit darunter liegenden Stallungen, die im Zuge der Umbauarbeiten um die berühmte fürstliche Bibliothek aufgestockt wurde. Mit ihrem rund 40.000 Bände umfassenden Bestand zählte sie zu den größten Einrichtungen dieser Art in der Stadt. Um sich die Kosten für einen fürstlichen Lebensstil leisten zu können, wurden Teile des Anwesens bereits im 19. Jahrhundert vermietet und nach und nach verkauft. Nachdem die Firma Bösendorfer im Jahr 1858 zum k.k. Hoflieferanten ernannt worden war, geziemte es sich für den Klaviererzeuger, auch eine Niederlassung mit Schauraum in der Nähe der Hofburg einzurichten. 1871 mietete Ludwig Bösendorfer ein Geschäftslokal und Büroräum-

lichkeiten im Haus Nr. 6 und begann sich auch für die Reithalle im Hof zu interessieren. Ein Jahr später ließ er diese zu einem Konzertsaal umgestalten; der Saal bot 588 Personen Platz. Ob er die Halle dem Fürsten um gutes Geld »abgeworben« hatte, oder ob Fürst Liechtenstein seine Rösser lieber beim Palais in der Rossau unterbringen wollte und der Saal vakant war, ist nicht bekannt. Bekannt ist allerdings, dass der ab sofort »Bösendorfersaal« genannte, schlichte Raum für seine außerordentlich gute Akustik berühmt war und zu einer der wichtigsten Spielstätten für Musik in Wien wurde. Eine Erklärung für die bemerkenswerte Akustik war, dass der unter dem Saal liegende Raum der ehemaligen Stallungen als Resonanzkörper wirkte. Am 2. Mai 1913 wurde im Bösendorfersaal unter Tränen des Auditoriums die Abschiedsvorstellung mit dem RoséQuartett gegeben. Eine Gruppe junger Menschen demonstrierte zuvor für die Erhaltung des Saales. Lassen wir doch einen Zeitzeugen zu Wort kommen. Stefan Zweig beschreibt in seiner »Welt von Gestern« dieses Ereignis: »An sich war dieser kleine Konzertsaal, der ausschließlich der Kammermusik vorbehalten war, ein ganz unbedeutendes, unkünstlerisches Bauwerk, die frühere Reitschule des Fürsten Liechtenstein, und nur durch eine Holzverschalung völlig prunklos zu musikalischen Zwecken adaptiert. Aber er hatte die Resonanz einer alten

Violine, er war den Liebhabern der Musik geheiligte Stätte, weil Chopin und Brahms, Liszt und Rubinstein darin konzertiert, weil viele der berühmten Quartette hier zum ersten Mal erklungen. Und nun sollte er einem neuen Zweckbau weichen; es war unfassbar für uns, die hier unvergessliche Stunden erlebt. Als die letzten Takte Beethovens verklangen, vom Roséquartett herrlicher als jemals gespielt, verließ keiner seinen Platz. Wir lärmten und applaudierten, einige Frauen schluchzten vor Erregung, niemand wollte es wahrhaben, dass es ein Abschied war. Man verlöschte im Saal die Lichter, um uns zu verjagen. Keiner von den vier- oder fünfhundert der Fanatiker wich von seinem Platz. Eine halbe Stunde, eine Stunde blieben wir, als ob wir es erzwingen könnten durch unsere Gegenwart, dass der alte geheiligte Raum gerettet würde. Und wie haben wir mit Petitionen, mit Demonstrationen, mit Aufsätzen darum gekämpft, dass Beethovens Sterbehaus nicht demoliert würde! Jedes dieser historischen Häuser in Wien war wie ein Stück Seele, die man uns aus dem Leibe riss.« Noch Ende des Jahres war der gesamte Gebäudekomplex demoliert. Während die Wiener Firma Bau AG am Nachbargrundstück Nr. 10, wo der Abriss im gleichen Jahr bereits vollzogen worden war, unmittelbar mit der Errichtung des »Herrenhofes« begann, dürfte es für die brachliegende Fläche jenseits der neu geschaffenen Fahnengasse, Herrengasse 6 und 8, kein schlüssiges Bebauungskonzept gegeben haben, das sofort umgesetzt werden konnte. Es war sicherlich schwierig, für den enorm großen Baugrund in sich bereits abzeichnenden Krisenzeiten eine Finanzierung zu bewerkstelligen. Trotz der gebotenen Eile, die beim Abbruch geherrscht hatte, war man bis zum wirtschaftlichen Zusammenbruch Österreichs nicht schnell genug handlungsfähig, um ein Projekt zu entwickeln. Das Grundstück blieb daraufhin fast zwei Jahrzehnte unbebaut. Der Kahlschlag des Gebäudekomplexes war wohl eine metaphorische Vorwegnahme der Stellung des Adels nach dem Ersten Weltkrieg. Hof des ehemaligen Palais Liechtenstein in der Herrengasse, rechts der Bösendorfersaal

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100 Jahre

Zeppelin

Das Luftschiff »Sachsen« in Wien Graf Zeppelin landet 1913 in Aspern erdinand Graf Zeppelin wurde 1838 in Konstanz am Bodensee als Sohn eines Ministers geboren. Er war zunächst Berufsoffizier, fiel aber durch kritische Äußerungen in kaiserliche Ungnade und wurde mit 53 Jahren als General in Frühpension geschickt. Zeppelin erwarb das Patent für »lenkbare Luftfahrzeuge« und wagte ab 1900 die ersten Aufstiege über dem Bodensee, die von der Bevölkerung begeistert aufgenommen wurden. Der erste Absturz eines Luftschiffs am 15. August 1908 führte zu einer Spendenaktion, die sechs Millionen Mark brachte, und die Gründung der »Luftschiffbau Zeppelin GmbH« ermöglichte. Bis 1914 wurden auf 1.600 Fahrten 37.000 Personen befördert. Inzwischen war am 23. Juni 1912 der Flughafen Wien-Aspern mit der ersten internationalen Flugwoche eröffnet worden, bei der 50.000 Zuschauer mehrere Rekorde – von 44 internationalen Teilnehmern aufgestellt – verfolgen konnten. Weitere Flugtage und Meetings folgten, womit Aspern zu einem der bedeutendsten internationalen Flugplätze avancierte. Bei den internationalen Flugtagen 1913 war auch der sichtlich beeindruckte Kaiser Franz Joseph zu Gast, der die atemberaubenden Flugkünste der Piloten mittels Fernglas verfolgte. Ein besonders Erlebnis für alle Wiener und Wienerinnen war jedoch die erste Landung eines Luftschiffes in Wien: Am 9. Juni 1913 schwebte Graf Zeppelin mit seinem Luftschiff L17 mit der Bezeichnung »Sachsen«, das von Luftschiffführer Dr. Eckener gelenkt wurde, über die Stadt, bevor er in Aspern »vor Anker« ging. Mit einer, für die damalige Zeit unglaublichen Geschwindigkeit von 90 km/h war das im selben Jahr gebaute Luftschiff von Deutschland nach Wien gekommen. Die »Sachsen«, die eine Länge von 141 m hatte und von 3 Motoren mit 165 PS angetrieben wurde, legte die Strecke von 950 km von Baden-Oos nach Wien in neun Stunden zurück. Das Luftschiff umfuhr in einer Schleife das Schloss Schönbrunn um den Kaiser zu grüßen, dann ging die Fahrt weiter nach Aspern. Alles, was in Wien Rang und Namen hatte, war auf dem Flugfeld um den Zeppelin Willkom-

Luftschiff »Sachsen« über dem Schloss Schönbrunn

© Österreichische Nationalbibliothek

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Klaus-Dieter Schmidt

men zu heißen. Im Rathaus wurde Graf Zeppelin ein feierlicher Empfang bereitet. Wegen eines aufsteigenden Gewitters dauerte der Aufenthalt des Luftschiffs allerdings nur einige Stunden. Am 10. Juni 1913 wurde Ferdinand Graf Zeppelin von Kaiser Franz Joseph das Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft verliehen. Das Fundament des Ankerplatzes in Aspern ist bis heute erhalten und erinnert an die Sensation, die Tausende Schaulustige angelockt hatte. Erst 18 Jahre später, am 12. Juli 1931, landete wieder ein Luftschiff mit Namen »Graf Zeppelin« in Aspern. Von Friedrichshafen kommend - mit 23 Passagieren an Bord – erschien es um 5.30 Uhr über Wien, zog eine große Schleife bis Preßburg, und kreiste dann über dem Flugplatz, bis es Landeerlaubnis bekam. Bundespräsident Miklas, Kanzler Buresch, viele Regierungsmitglieder und Persönlichkeiten aus Handel und Industrie, sowie etwa 120.000 Schaulustige »überschwemmten« damals Aspern. Dieses Ereignis wurde auch im Radio übertragen.

Literatur:

Geschichte nicht nur erfahren, sondern aktiv erleben das können Sie auf der Burg der Fürsten von Liechtenstein.

Burgverwaltung Burg Liechtenstein Postadresse: Burgverwaltung Leopold Fasching Herzog Albrechtstr. 3/19, A-2361 Laxenburg Tel: 0650 680 3901 Email: office@Burgliechtenstein.eu Www.Burgliechtenstein.eu

Wolfgang von Zeppelin, Ludwig Ferdinand Dürr – Das erfüllte Leben eines großen Ingenieurs.

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Anniversarium

100 Jahre

Robert von Lieben

Robert von Lieben Zum 100. Todestag des Erfinders

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Regina Macho

ie Lieben-Röhre, ein Meilenstein in der Telefonie und Funktechnik, ist nach einem österreichischen Erfinder mit ganz »un-österreichischem« Schicksal benannt: Von Lieben konnte zu Lebzeiten sein Patent sehr gewinnbringend verkaufen und so industrieller Nutzung zuführen. Schauplatz ist Wien I, Oppolzergasse 6: In diesem Gebäude, in dem sich heute das Café Landtmann befindet, forschte der Erfinder Robert von Lieben (1878-1913) in seinem Privatlabor. Finanziert wurde es von seinem Vater Leopold von Lieben (1835-1915), Präsident der Wiener Börse und Leiter eines Bankhauses. Der Beginn seiner Forscherlaufbahn war wenig vielversprechend. Robert von Lieben besuchte zwar das Akademische Gymnasium, fand aber keinen Gefallen an der regelmäßigen Teilnahme am Unterricht und legte keine Reifeprüfung ab. Auch seine Zeit als außerordentlicher Student an der Universität, wo er Vorlesungen von Franz Exner (1849-1926) in Experimentalphysik hörte, blieb eine Episode. Weitere Kenntnisse der Physik erlangte er bei einem Praktikum bei der Firma »Siemens-Schuckert« in Nürnberg und in einem Studienjahr an der Universität Göppingen beim späteren Nobelpreisträger für physikalische Chemie, Walter Nernst (1864-1941, Nobelpreis 1920). Praktische Fähigkeiten bewies er

schon früh, als er die väterliche Villa in der Hinterbrühl mit Wasserkraft aus der Höldrichsmühle elektrifizierte. In ersten Projekten befasste er sich unter anderem mit einem Schaltgetriebe für Automobile, verbesserte einen Wrightschen »Aeroplan«, den er im Anschluss dem Militär überließ, und entwickelte einen Apparat zur photographischen Aufnahme des Auges. Von Liebens Forschungsschwerpunkt aber war die Telefonie, kurzzeitig war er sogar Eigentümer einer Telefonfabrik in Olmütz. Anfang des 20. Jahrhunderts war die telefonische Verständigung über größere Entfernungen mangels geeigneter Verstärker nicht möglich. 1906 meldete von Lieben sein erstes Patent einer Verstärkerröhre an: das Kathodenstrahlrelais. Ein in einer Vakuumröhre erzeugter Kathodenstrahl wurde durch eine magnetische Spule abgelenkt. Diese Ablenkung ließ zwar die Frequenz gleich, erhöhte aber die Amplitude und damit die Stärke des Stahls. Die erste Röhre war eine unhandliche, mannshohe Konstruktion. Daher arbeitete von Lieben zusammen mit den ehemaligen Studienkollegen Eugen Reisz und Siegmund Strauß – er hatte sie mittlerweile in seinem Labor angestellt – an einer optimierten Version, die er 1910 patentieren ließ. Im selben Jahr meldete er aber noch ein weiteres Patent auf eine Röhre anderer Bauart an: Anstelle der magnetischen

Spule steuerte ein Gitter die Dichte des Kathodenstrahls. Ein Konsortium aus den Firmen Siemens und Halske, AEG, Telefunken und Felten und Guillaume erwarb 1912 die Rechte an den Lieben-Patenten. Ab 1913 wurde die »Lieben-Röhre« von den OSRAM-Werken industriell erzeugt. Sie fand zur Verstärkung von Telefonsignalen und in der Funktechnik vielfältige Anwendung. Zeitgleich entwickelte auch der Amerikaner Lee de Forest eine ähnliche Röhre. Dies führte zu langen Rechtsstreitigkeiten und erklärt die Tatsache, dass das Lieben’sche Patent in erster Linie in Deutschland Anerkennung fand. 1911 stand Robert von Lieben am Zenit seiner Karriere. Auch privat fand er sein Glück in der Ehe mit der Burgschauspielerin Anny Schindler. Bald jedoch begann sich sein Gesundheitszustand zu verschlechtern. Folgen eines Reitunfalls als Freiwilliger in einem Ulanenregiment machten sich bemerkbar. Darüber hinaus litt er an einem unheilbaren Drüsenabszess im Brustkorb - wahrscheinlich die Ursache seines frühen Todes mit nur 34 Jahren am 20. Februar 1913. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Döblinger Friedhof. Hugo von Hofmannsthal, mit Robert von Lieben in lebenslanger Freundschaft verbunden, sagte über ihn: »Er war einer der ganz seltenen Menschen auf Erden, denen ihr Beruf ein völliges Glück verleiht: denn er wusste, dass es ihm in höchsten Augenblicken von unmessbarer Dauer gegeben war, unendliche Gedanken zu denken.«

Literatur:

© Hans Macho

Franz Pichler, Robert von Lieben und die Entwicklung der Röhrenverstärker, in: Plus Lucis, Zeitschrift des Vereins zur Förderung des physikalischen und chemischen Unterrichts, 1/2001, S. 29ff. Karl Przibram, Robert von Lieben, in: Neue Österreichische Biographie, erste Abteilung, Band VI (Wien 1929) , S. 175

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100 Jahre

Franz Schuhmeier

Franz Schuhmeier

Vor 100 Jahren wurde der beliebte sozialdemokratische Politiker ermordet Schuhmeier glaubte unerschütterlich an die Macht der Bildung, nur sie würde den Arbeitern helfen, die Macht zu ergreifen und die Herrschaft auszuüben. Deshalb gründete er schon 1886 verbotenerweise einen als »Raucherklub Apollo« getarnten Arbeiterbildungsverein. Gemeinsam mit dem Historiker Ludo Hartmann (1865– 1924) baute er das Ottakringer Volksheim als erste Volkshochschule auf, an deren Veranstaltungen von 1895 bis 1905 etwa 100.000 Menschen teilnahmen, ein Drittel davon waren Arbeiter und Arbeiterinnen. Schuhmeier veranlasste 1910 auch die Gründung der ersten Kinderbibliothek. Im Laufe der Zeit wäre es ganz sicher zur Führungsdebatte zwischen Schuhmeier und Adler gekommen, die beiden Männer waren schon aufgrund ihrer Herkunft und ihres Werdegangs sehr verschieden. Adler lehnte Schuhmeiers »Radau-Opportunismus« ab, der in seiner Art an Luegers seinerzeitige Agitationen erinnerte. Genau damit hätte Schuhmeier aber noch einiges bewegen können, wäre er nicht einem Attentat zum Opfer gefallen. Bei seiner Rückkehr von einer Wahlkundgebung in Stockerau wurde er am 11. Februar 1913 von Paul Kunschak, dem geistig verwirrten, arbeitslosen Bruder des Begründers der christlichen Arbeiterbewegung und späteren Nationalratspräsidenten Leopold Kunschak (1871–1953), in der Halle des

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Wiener Nordwestbahnhofs erschossen. Seine Beerdigung in einem Ehrengrab am Ottakringer Friedhof geriet zur Massendemonstration der Sozialdemokratie, eine halbe Million Menschen waren gekommen.

Wien für kluge Leute

Literatur: Anonym, Franz Schuhmeier geboren am 11. Oktober 1864, gefallen durch Möderhand am 11. Februar 1913 (Wien 1913). Anna Ehrlich, Karl Lueger – die zwei Gesichter der Macht (Wien 2010).

Denkmal am Grab von Franz Schuhmeier am Ottakringer Friedhof

© Otberg (Wikipedia)

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er »Volkstribun« Franz Schuhmeier (1864-1913) war der einzige Sozialdemokrat, der es an Beliebtheit mit Bürgermeister Lueger aufnehmen konnte. Genau wie dieser war er ein Demagoge reinsten Wassers und ebenso berühmt für seine Schlagfertigkeit. Seine mit eindringlicher und leidenschaftlicher Stimme im derben Dialekt der Vorstadt gehaltenen Reden kamen gut an. Weil er kein Jude war, gewann er selbst dort Sympathien, wo Victor Adler (1852—1918) sich schwer tat – denn auch die Sozialdemokratie war keineswegs frei von antisemitischen Gefühlen. Von marxistischen Parolen wollte er nichts wissen, er kämpfte nur für die praktischen Bedürfnisse der Arbeiterschaft, zu der er gehörte. Am Hainfelder Parteitag zum Jahreswechsel 1888/89 nahm er nicht teil, da er wieder einmal verhaftet worden war. Seine christlichsozialen Gegner nannten ihn gern »Hutschenschleuderer«, weil er in jüngeren Jahren im Prater die Schaukeln in Schwung gesetzt hatte. Sein umfangreiches Wissen eignete er sich durch Selbststudium an, denn er wurde aus dem St. Pöltner Priesterseminar schon nach kurzer Zeit entlassen: Seine Eltern, die Wäscherin Theresia und der oft arbeitslose Bandmachergeselle Eduard Schuhmeier hatten ihm nicht die dort erforderlichen Kleider kaufen können. Im Mai 1890 wurden er und Jakob Reumann (1853–1925) als erste und einzige Sozialdemokraten in den Gemeinderat gewählt, wo Schuhmeier rasch zum ideologischen Gegenspieler des ebenso populistischen Bürgermeisters wurde. Erstaunlicherweise herrschte zwischen den beiden Männern keine persönliche Feindschaft.

Anna Ehrlich

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Anniversarium

100 Jahre

Oberst Redl

Alfred Redl (1864 – 1913) Agent gegen den Doppeladler

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Johann Szegö bis Herr Nizetas sich rührte! Der flotte Nizetas steckte den Brief ein und schnappte sofort ein Taxi. Die weniger flotten Beamten schnappten auch noch ein Taxi, es begann die wahrscheinlich erste Verfolgungsjagd in Wien (erlaubte Höchstgeschwindigkeit anno 1913: 15 km/h). Die Polizisten verloren bald die Spur des k.u.k. Spions – fanden sie aber wieder. Und diese Spuren führten ins Hotel Klomser in der Herrengasse. Alfred Redl (alias Nikos Nizetas), der beste Spionagefachmann Österreichs, machte hier einen primitiven Anfängerfehler. Die Beamten jubelten: Wir haben ihn!

Egon Erwin Kisch, der »rasende Reporter«, lebte 1913 in Prag und war der Präsident eines Fußballklubs. Was macht wohl ein Vereinspräsident, wenn ein Spieler nicht zum Match kommt und erst am nächsten Tag auftaucht? Er schimpft ihn – auf gut wienerisch gesagt - zusammen! Der gemaßregelte Fußballer (im Privatberuf: Schlosser!) verteidigte sich und erklärte, von einigen Soldaten geholt worden zu sein: Er musste eine Wohnung öffnen, in der Wohnung alle Schreibtische aufbrechen. »Es war nämlich eine Kommission aus Wien da …« – sprach er. »Diese Wohnung, die einem hohen Offizier gehörte, schaute aus als gehörte sie einer Dame.« Jetzt erwachte in Kisch der Reporter! Es kommt eine Kommission aus Wien nach Prag, um die Wohnung eines führenden Offiziers aufzubrechen! Was steckt dahinter? Kisch ging der Sache nach und in einigen Tagen klärte er alles auf – der Vertuschungsversuch scheiterte! Auch das Kriegsministerium musste zähneknirschend erklären: homosexueller Verkehr und Verkauf dienstlicher Unterlagen an eine fremde Macht.

Im Sinne der damals geltenden ungeschriebenen und unbarmherzigen Spielregeln der Armee schickte der Chef des k.u.k. Generalstabes, Conrad von Hötzendorf, einige Offiziere zu Redl. Redl erklärte ihnen, schriftliche Unterlagen seien in seiner Prager Wohnung, übernahm einen für diesen Zweck mitgebrachten Revolver und erschoss sich. Perfekte Inszenierung! Der Verrat, die Schande der Armee, kann vertuscht werden! Neurasthenische Probleme, Sinnesverwirrung ließen Redl zum Revolver greifen – las man in den ersten Meldungen.

© Österreichische Nationalbibliothek

lfred Redl gehörte als Oberst im Generalstab zur Elite der Berufsoffiziere – zuständig für Spionage und Spionageabwehr! Ein angesehener, erfolgreicher Offizier, dem eine Erbschaft ein Luxusleben ermöglichte: Autos, Reitpferde – alles, was das Herz begehrte. Dem war leider nicht so. Redl war homosexuell (darauf standen damals fünf Jahre schwerer Kerker). Der russische Geheimdienst kam hinter sein Geheimnis, erpresste ihn – und Redl spionierte mehr als zehn Jahre lang für den künftigen Weltkriegsfeind. Und die Russen zahlten gut! Im Wiener Hauptpostamt lag wochenlang ein postlagernder Brief ohne Absender, den der Adressat, Nikos Nizetas, nicht abholte. Das Kuvert musste eines Tages offiziell geöffnet werden. Sein Inhalt bestand aus sechs Tausendkronenscheinen (heutiger Wert: fast 30.000 €). Aufgegeben wurde der Brief in einem deutschen Dorf nahe der russischen Grenze. Messerscharfe Folgerung: russisches Geld für einen Agenten! Also schicke man ein paar Kriminalbeamte ins Hauptpostamt – und wenn Nikos Nizetas sich meldet, nehme man ihn fest! Drei Kriminalbeamte legten sich auf die Lauer. Sechs Wochen mussten sie warten,

Das war der Skandal des Jahrhunderts! Redls Grabstätte wurde geschändet, zwei seiner Brüder änderten ihren Familiennamen. Im folgenden Jahr brach der I. Weltkrieg aus – dass der geplante Blitzkrieg gegen Serbien nicht geklappt hat, war wahrscheinlich Redls Werk. Interessant ist ein Leitartikel im Prager Tagblatt, der neben dem überführten Spion Redl einen zweiten Schuldigen gefunden hat: »[…] unser Gesetz, das den abnormal veranlagten Menschen verfehmt, mit Zuchthaus bedroht, […] und allen Teufeln des Erpressertums freie Bahn lässt. […] in einem modernen Staat müsste es jedem Einzelnen überlassen sein, auf welche Art er sexuell lebt.«

Literatur: Johann Szegő, Bekannte österreichische Selbstmörder (Wien 2011).

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100 Jahre

Josef Meinrad

Josef Meinrad (1913 – 1996) Priester nur in Film und Fernsehen … osef Meinrad war ein erklärter Liebling des Wiener Publikums. Oberflächlich betrachtet erschien er vor allem liebenswürdig und gemütvoll. Beim genaueren Hinsehen erinnert man sich an einen vielschichtigen, differenzierten Schauspieler, der zahlreiche Herausforderungen annahm. Er wurde vor hundert Jahren geboren, seit 1997 trägt der Platz rechts vom Burgtheater, das seine künstlerische Heimat war, seinen Namen. Er war ein »echter Wiener«: Sein Vater lenkte die Straßenbahn, die damals noch »Tramway« hieß, als Josef Mouckaw am 21. April 1913 geboren wurde – ein Kind, dessen erste Lebensjahre von einem Weltkrieg überschattet wurden. Der »echte Wiener«, gebürtig aus Hernals, hatte aber nichts Proletarisches an sich – später würde er auf der Bühne die Gewänder von Herrschern und geistlichen Würdenträgern so selbstverständlich anlegen wie jene der »einfachen Leut’«, wie Raimund und Nestroy sie erdachten. Als Schauspieler war er unverkennbar, und das ist wichtig: Meinrad, lang und dürr, oft mit fröhlich-komischem Gesichtsausdruck, immer mit einer schrillen, kratzigen Stimme, entsprach absolut keinerlei Schönheitsidealen wie O.W. Fischer oder Curd Jürgens. Beide waren zwei Jahre jünger als er und noch eine Zeit lang seine »Wiener Kollegen«. Sie verfügten über den optischen Helden- und Liebhaber-Zuschnitt, der sie zu großen Filmstars machte. Meinrad hingegen war dafür geboren, vom Publikum geliebt zu werden, denn wenn er auf der Bühne stand, vermittelte er unendlich viel Echtheit und Spontaneität hinab in den Zuschauerraum. Es war unmöglich, nicht von ihm gefesselt zu sein. Und das, obwohl er als Schauspieler keiner der großen »Verwandler« war, die in Maske und Habitus jeweils einen völlig anderen Menschen auf die Bühne stellen. Meinrad war immer Meinrad, holte aber die innere Wahrheit jeder seiner Gestalten tief aus sich selbst heraus. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Karriere des jungen Mannes, bevor sie noch richtig begonnen hatte: Nach Anfängen in Wien fand er während des Krieges im Theater von Metz (die Stadt wurde nach

der deutschen Eroberung Deutschland angeschlossen) Unterschlupf. Hier lernte Meinrad das Handwerk zwischen Klassiker und Klamotte, und dort fand er auch seine Gattin Germaine, mit der er ein glückliches Eheleben teilte. Die sprichwörtliche Bescheidenheit des Stars kam nur kurz ins Wanken, als die Presse in späteren Jahren einmal feststellte, dass er einen Rolls-Royce fuhr … Und Kollegin Adrienne Gessner legt man das Bonmot in den Mund: »Seit der Pepi den RollsRoyce hat, ist er noch viel bescheidener.« Im Nachkriegs-Wien verbrachte Meinrad aufstrebende Jahre in der »Insel« von Leon Epp, die für das damalige Theaterleben so wichtig war, bis er dann 1947 ans Burgtheater kam. Hier diente er sich brav mit Nebenrollen hoch, bis man zuerst seine besondere Eignung für die Stücke von Nestroy und Raimund entdeckte: 1955 war der »Verschwender« eine der Eröffnungspremieren des nach den Kriegszerstörungen neu eröffneten Burgtheaters, und viele Theaterbesucher meinen, das philosophische »Hobellied« nie so schlicht, eindringlich und geradezu existenziell gehört zu haben wie von Meinrad. So war Meinrad auch von den fünfziger bis in die siebziger Jahre die Inkarnation des Nestroy-Darstellers des Burgtheaters, im »Jux« unvergesslich an der Seite von Kollegin Inge Konradi. Betrachtet man seine Karriere, stellt sich allerdings heraus, dass es sich Meinrad nie in der Position des Publikumslieblings leicht gemacht hat, sondern immer neue Herausforderungen suchte: Dass er in einer Nebenrolle in allen drei »Sissi«-Filmen eine unvergessliche Charge lieferte, zeigte nur einen Teil seines überbordenden (komischen) Könnens. Er war ein hinreißender Frosch in der »Fledermaus« (der den Dirigenten Herbert von Karajan in der Staatsoper »in Ketten« vor den Vorhang schleppte), er fand für sich die Welt des Musicals und galt als bester »Mann von La Mancha« deutscher Sprache. Er überzeugte als Molnars »Liliom«, obwohl er nicht der Typ des Frauenhelden war, er war ein nachdenklicher Heinrich VI. in Lindtbergs Inszenierungen von Shakespeares gleichnamigem Königsdrama, er gab 1965 – schon etwas zu alt für die Rolle

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Einen Jux will er sich machen, Burgtheater, 1956

© Österreichische Nationalbibliothek

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Heiner Wesemann

– den Peer Gynt und einen skurrilen Einstein in Dürrenmatts »Die Physiker«. In früher Jugend wollte Meinrad Pfarrer werden, entschied sich aber für den Schauspielerberuf. Er trug das Priestergewand sowohl in dem kritischen Film »Der Kardinal«, in dem Regisseur Otto Preminger u.a. die Position von Kardinal Innitzer im Dritten Reich thematisierte, wie auch – heiterer und leichtfüßiger – als kriminalistischer Pater Brown von Gilbert K. Chesterton in 39 erfolgreichen Fernsehfolgen. Es war Josef Meinrad, dem Werner Krauss den Iffland-Ring hinterließ, die größte Ehrung für einen Schauspieler deutscher Zunge (Meinrad gab ihn an Bruno Ganz weiter). Es hat Meinrad bis zu seinem Tod am 18. Februar 1996 an Ringen, Medaillen, Titeln und anderen offiziellen Respektbezeugungen für seine Kunst nie ermangelt. Aber wie jedem echten Schauspieler ging es ihm vor allem um die Liebe des Publikums. Hatte er diese – und er hatte sie immer – konnte er wie der Theodor im »Unbestechlichen«, eine seiner Glanzrollen, feststellen: »Demgemäß ist alles in schönster Ordnung.«

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Anniversarium

100 Jahre

Franz Antel

Franz Antel (1913 – 2007)

Lustspiel, Heimatfilm, Erotikstreifen und »Der Bockerer« Christine Stabel

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ilm in Österreich? Keiner kommt an Franz Antel, geboren am 28. Juni 1913 in Wien, vorbei. Unterhaltungsfilme für das Kino – das war sein Können, diesem Ziel blieb er treu. Rund 90 Filme hat er in seinem Leben gedreht oder produziert. Durch die Zeitschrift »Mein Film« fand Franz Antel schon als Volksschüler zu seinem Berufsziel – Filmregisseur. Mit zwölf Jahren schenkten ihm die Eltern eine Kamera und er drehte seinen ersten »Film«: »Das Welttreffen der Pfadfinder«. Nach dem Besuch eines Realgymnasiums und anschließend des Technologischen Gewerbemuseums studierte er ab 1931 an der Ersten Wiener Tonfilmakademie

Auszeichnungen: 1983 Goldenes Ehrenzeichen des Landes Wien 1997 Goldene Romy für »Der Bockerer II« 2001 Goldenes Ehrenzeichen von Niederösterreich Dreimal erhielt er die „Goldene Leinwand“ für Filme mit über 2 Millionen Besuchern

und versuchte sich bereits 1933 (mit mäßigem Erfolg) als Regisseur des Sportfilms »Vagabunden«. Ab 1935 drehte er für die Berliner Terra-Film, ging 1936 endgültig nach Berlin und erwarb 1937 die deutsche Staatsbürgerschaft, die er bis 1960 (!) behielt. 1939 wurde Antel in den Militärdienst berufen, konnte aber nach wenigen Monaten als Produktionsleiter bei der neuen Wien-Film arbeiten. 1942 Truppenbetreuung in Russland, 1944 wieder in Wien, wo er z.B. eine Soldatenrevue im Ronacher spielte. Nach ca. einjähriger russischer Gefangenschaft führte er ab 1946 erstmals Alleinregie. 1960 machte sich Franz Antel selbständig. Die Filme Franz Antels sollten ausschließlich amüsieren, Themen rund um die k. u. k. Monarchie, Heimatfilme, später Streifen, in denen die Musik eine wichtige Rolle spielte und die durch komödiantische Glanzleistungen der Schauspieler auch kommerziell erfolgreich waren. In den 60er-Jahren produzierte Antel etliche Sexfilme, immer getreu seinem Motto, dass Filme zu unterhalten haben. In den 70erJahren konnte er viele seiner Filmprojekte und -ideen nicht umsetzen. Trotzdem, in seiner Karriere fehlt nichts, auch Revuefilme und ein Western gehören zu seinen Werken. Seine Energie, seine Ideen, sein Tatendrang waren überwältigend.

Ehepaar Sibylla und Franz Antel

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Sein letztes großes Werk war ein mehrteiliges: »Der Bockerer Teil I-IV«. In dieser Filmreihe geht es um den Wiener Fleischhauer Karl Bockerer und dessen Leben zwischen 1945 und 1968. Die Serie, die sich auch kritisch mit der Zeit zwischen 1945 und 1968 auseinandersetzt, war sowohl in Österreich als auch in Deutschland erfolgreich. Teil IV der Bockerer-Saga war 2003 der letzte Film, den Antel mit 90 Jahren gedreht hat. Franz Antel war fünfmal verheiratet, mit vier Frauen, seine letzte Frau Sybilla und er heirateten nach ihrer Scheidung 1989 erneut im Jahr 1995. Er war begeisterter Anhänger des First Vienna Football Club, im Oktober 1964 wählte man ihn zum Clubpräsidenten. Franz Antel ist am 23. August 2007 gestorben und in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt. Zu seinen Ehren wurde 2009 im 19. Wiener Bezirk eine Gasse nach ihm benannt.

Literatur:

© Österreichische Nationalbibliothek

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Eine kleine Auswahl seiner Filme: »Hallo Dienstmann«, »Der alte Sünder«, »Kaiserwalzer«, »Spionage (Oberst Redl)«, »Lumpazivagabundus«, »Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett«, »Das ist die Liebe der Matrosen«, »Die große Kür«, »Suzanne – die Wirtin von der Lahn« (und weitere »Wirtin«-Filme).

Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik (Wien 1992). http://wikipedia.org/wiki/Franz_Antel http://www.antel-filmarchiv.at/franzantel/autobiografisches/ Franz Antel/Bernd Buttinger, Franz Antel. Ein Leben für den Film (Graz 2006). Historisches Museum der Stadt Wien (Hrsg.), Alles Leinwand. Franz Antel und der österreichische Film (Wien 2001).

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100 Jahre

Ljuba Welitsch

Ljuba Welitsch (1913 – 1996) Die Wiener »Salome« wurde vor 100 Jahren geboren llen wahren Opernfreunden ist sie unvergessen: Kammersängerin Ljuba Welitsch, eine der letzten großen Primadonnen der internationalen Opernszene. Als beste Salome aller Zeiten feierten sie einst die Kritiker. Heuer wäre sie 100 Jahre alt geworden. Die Bulgarin wurde am 10. Juli 1913 in Borissovo geboren, in Sofia und Wien ausgebildet und debütierte 1936 in Sofia. Es folgten Engagements in Graz (1937 bis 1940), Hamburg und München. Von 1946 bis 1964 war die Sopranistin Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. 1949 debütierte sie an der Metropolitan Opera in New York, sang an allen bedeutenden Opernhäusern und bei den Salzburger Festspielen. Die Titelpartie in Richard Strauss’ Salome war eine der prägendsten Rollen ihrer Karriere. Im Juni 1944 sang sie die Partie zum 80. Geburtstag des Komponisten unter dessen Leitung im Opernhaus der Stadt Wien (Volksoper). Sie hatte alle Anweisungen und Ratschläge des Meisters dankbar aufgenommen, was er in der Folge mit einer Bildwidmung honorierte: »Ich wußte nicht, daß man meine Salome so schön singen kann!« Die Kritiken überschlugen sich. Sie blieb fortan die bedeutendste Interpretin dieser Rolle. Keine fünf Wochen später wurde über das gesamte Reichsgebiet die Theatersperre verhängt. Der »totale Krieg« der Nazis veränderte auch das Leben von Ljuba Welitsch. Sie wurde »dienstverpflichtet« und musste in einer Fabrik für die Rüstungsindustrie arbeiten. Während dieser Zeit reichte sie auch die Scheidung ihrer ersten Ehe ein, man hatte sich durch verschiedene Gastspielverpflichtungen auseinander gelebt. 1946 sang sie erstmals bei den Salzburger Festspielen unter Josef Krips die Donna Anna – mit großem Erfolg. Im selben Jahr wurde sie Mitglied der Wiener Staatsoper, die damals im Theater an der Wien umjubelte Aufführungen brachte. Staatsoperndirektor Franz Salmhofer sollte den Entschluss, Ljuba Welitsch engagiert zu haben, niemals bereuen. Ein angekündigter Opernabend mit ihr bedeutete ein ausverkauftes Haus – und das auf Jahre hinaus!

Ljuba Welitsch als Salome an der Metropolitan Opera

© The Metropolitan Opera, Foto: Louis Mélançon

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Gitti Klima

Die mit höchster Spannung erwartete Neueinstudierung der Salome 1946 im Theater an der Wien war ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges. Im Parkett und in den Logen drängten sich die Würdenträger des Staates und der vier Besatzungsmächte. Alles, was in Wien Rang und Namen hatte, war vertreten. Die Presse schrieb Kritiken, die die spätere Weltkarriere der Welitsch schon vorausahnen ließen. Als Salome debütierte sie auch 1947 am Covent Garden in London und 1949 an der Metropolitan Opera in New York, an der sie vier Gastspiele mit insgesamt 63 Auftritten antrat. Eine der ersten Vorstellungen wurde übertragen und setzt bis heute Maßstäbe in der Interpretation dieser Rolle – nicht nur für jene anderer Sängerinnen, sondern auch für ihre eigene. Etwa ab 1951 begann eine Stimmkrise, eine Tatsache, der sie sich aufgrund ihrer selbstkritischen Einstellung durchaus bewusst war. Zur Eröffnungsvorstellung der Wiener Staatsoper im November 1955 wurde sie vom neu ernannten Operndi-

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rektor Dr. Karl Böhm lediglich zu einer eigenen Künstlervorstellung eingeladen. Doch unter Herbert von Karajan mehrten sich ihre Auftritte wieder. 1956 sang sie zehnmal die Musette, zweimal die Giulietta und achtmal die Tosca. Nachdem sie jedoch zunehmend Probleme mit ihrer Stimme bekam, wirkte sie vermehrt in Operettenproduktionen mit und startete eine zweite Karriere als Komikerin beim Film. Um diese Zeit fand auch Ljubas erste Begegnung mit dem Wiener Polizisten Karl Schmalvogel statt, der bald ihr zweiter Ehemann werden sollte. Ganz Wien munkelte über diese »seltsame Hochzeit«, die 1969 ein unwürdiges Ende fand. Ohne vorherige Ankündigung trat Ljuba Welitsch am 7. Februar 1981 zum letzten Mal als Praskowia in der »Lustigen Witwe« in der Volksoper auf – ein stiller Abschied von einem reichen Bühnenleben. Sie starb 1996 in Wien und wurde in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nr. 176) beigesetzt. Im Jahre 2008 wurde in Wien Landstraße eine Straße nach ihr benannt.

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Anniversarium

50 Jahre

DÖW

Gründung des DÖW Wider das Vergessen

Christa Bauer

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m 11. Februar 1963 gründeten Ludwig Jedlicka, Paul Schärf, Ludwig Soswinski, August Maria Knoll und Herbert Steiner gemeinsam mit einigen engagierten Wissenschaftlern das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW). Die meisten Gründungsmitglieder waren Betroffene: Widerstandskämpfer, KZ-Häftlinge oder Vertriebene, die aus dem Exil nach Österreich zurückgekehrt waren. Es mag heute unverständlich erscheinen, dass es erst 18 Jahre nach Kriegsende zur Gründung dieser Institution kam. Die Gründe dafür waren vielfältig: Österreich wurde in der Moskauer Deklaration von 1943 als erstes Opfer Hitlers bezeichnet, dadurch fühlten sich viele Österreicher für den Krieg und die Gräueltaten des NS-Regimes nicht verantwortlich. Widerstandskämpfer wurden in der Nachkriegszeit als Verräter oder sogar Mörder gesehen, da der Widerstand sich nicht gegen eine fremde Besatzungsmacht richtete, sondern gegen »die eigenen

Dies änderte sich erst ab Ende der 1950erJahre, vermutlich als Folge des Österreichischen Staatsvertrages. Die Opferverbände begannen, mit der Israelitischen Kultusgemeinde zu kooperieren. 1962 wurden die Österreichische Gesellschaft für Zeitgeschichte sowie das Österreichische Institut für Zeitgeschichte in Wien und 1963 das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes gegründet. Am Anfang stand der Aufbau seriöser archivarischer und wissenschaftlicher Grundlagen für die Widerstandsforschung im Vordergrund. Heute beschäftigt sich das DÖW mit Widerstand und Verfolgung, NS-Verbrechen (insbesondere dem Holocaust), Nachkriegsjustiz, Restitution und Wiedergutmachung. Darüber hinaus kamen immer mehr Schwerpunkte hinzu, zum Beispiel • Publikationen wie die Reihe »Widerstand und Verfolgung in den österreichischen Bundesländern« mit 13 Bänden • Namentliche Erfassung der österreichischen Holocaust-Opfer • Revisionismus und Rechtsextremismus heute • Aufbau einer Fachbibliothek • Aufklärung und Information in Form von Vorträgen, Zeitzeugengesprächen, Erstellung von Lehrmaterial für Schulen usw.

Leute«. Häufig wurde der österreichische Widerstand sogar angezweifelt oder geleugnet. Auch die österreichischen Großparteien waren an einer Ehrung der Widerstandskämpfer nicht interessiert, wollte man doch die Wahlstimmen der Angehörigen jener Österreicher nicht verlieren, die aufgrund des NS-Gesetzes nicht wahlberechtigt waren. Österreichische Widerstandsgruppen wurden außerdem häufig mit »kommunistischen Widerstandsgruppen« gleichgesetzt, die tatsächlich einen großen Anteil am österreichischen Widerstand hatten. Der Kommunismus war bei den Österreichern äußerst unbeliebt, die sowjetische Besatzung in Ostösterreich verstärkte diese negative Einstellung. In den 1950er-Jahren hatte man vorrangig das rasche Ende der Entnazifizierungsprozesse im Blickfeld. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Kriegsdenkmäler für ehemalige Angehörige der Wehrmacht, Denkmäler für Widerstandskämpfer und die Opfer der NS-Zeit gab es kaum.

© DÖW, Foto: Peter Hajduk

Dauerausstellung des Dokumentationsarchives im Alten Rathaus in Wien

Darüber hinaus betreut das DÖW eine Ausstellung, die den Menschen gewidmet ist, die sich gegen das NS-Regime wehrten und damit Verfolgung, Folter, Haft und nicht zuletzt ihr Leben riskierten. 1983 wurde die Stiftung DÖW gegründet, die von der Republik Österreich, der Stadt Wien und dem Verein DÖW getragen wird. Damit wurde auch eine finanzielle Grundlage für das DÖW geschaffen.

Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes 1010 Wien, Wipplingerstraße 8 (Altes Rathaus) www.doew.at

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25 Jahre

»Heldenplatz«

»Heldenplatz«

Gedanken zu einem Theaterskandal im Jahr 1988

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Marius Pasetti

nter den schier unüberschaubaren Kommentaren, die im Vorfeld um die Uraufführung von Thomas Bernhards Drama »Heldenplatz« die österreichischen Medien gute zwei Monate versorgten, lässt sich die Aussage des damaligen Co-Direktors und Hauptdramaturgen des Burgtheaters Hermann Beil als durchaus prophetisch werten: »Der einkalkulierte Skandal findet nicht statt«, prognostizierte Beil etwa drei Wochen vor der Uraufführung in einem Interview. Dahin gestellt sei, ob der sogenannte Skandal von den Akteuren einerseits und den Berichterstattern andererseits initiiert war. Fest steht, dass er eine leidenschaftliche Eigendynamik annahm, die in dem wohl ungewöhnlichsten Eklat der österreichischen Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts gipfelte: Bis zum Tag der Uraufführung gab es nämlich keine gedruckte Fassung. Nur vereinzelt wurden Textpassagen kolportiert. Die Schimpftiraden, die Thomas Bernhard dem remigrierten jüdischen Professor Robert Schuster in den Mund legte und die sich u.a. gegen die katholische Kirche, die Sozialdemokratische Partei Österreichs, den damaligen Bundespräsidenten und -kanzler richteten, lieferten Anlass genug, die verfassungsmäßig verankerte Freiheit der Kunst in Frage zu stellen und den Ruf nach Zensur laut werden zu lassen. Alles, was Rang und Namen hatte oder auch nur zu haben glaubte, meldete sich damals zu Wort. Die direkten verbalen Attacken der Gegner sprachen für sich. Bei ihnen blieb es nicht, Thomas Bernhard wurde von einem Passanten in Wien Döbling auch tätlich angegriffen. Burgdirektor Peymann wurde zum Rücktritt aufgefordert, die damalige Kulturministerin stellte sich dagegen, freilich nicht ohne zu betonen, sie würde in seiner Position ein solches Stück nicht spielen lassen. Ein mittlerweile verstorbener Oppositionspolitiker legte seine Halbbildung bloß, indem er Karl Kraus aus dem Zusammenhang gerissen bemühte: »Fort mit dem Schuft aus Wien.« Der Bundespräsident konstatierte einen Missbrauch der Freiheit der Kunst. Diese »Beleidigung für das österreichische Volk« sei für das Burgtheater nicht akzeptabel. »Das darf man sich nicht

gefallen lassen«, ließ ein Altbundeskanzler von seinem maritimen Domizil verkünden. Auffällig war, dass vor allem von konservativer Seite der Umstand beklagt wurde, dass gerade ein jüdischer Gelehrter sich so undifferenziert über Österreich äußere. Dies könne ja tatsächlich antisemitische Gemüter wachrufen, wurde vielfach argumentiert. Als ob es nur den »eigenen« Leuten vorbehalten sei, sich kritisch über Österreich äußern zu dürfen. Wohlgemerkt, nur Auszüge waren bekannt. Bei auch nur mäßiger Kenntnis des Gesamtwerkes von Thomas Bernhard wäre es den Feuilletonisten aber durchaus möglich gewesen, eine Grundtendenz des Autors zu erkennen: die schwierige Rückkehr der jüdischen Intelligenz nach Österreich, die Unmöglichkeit, an die geistige Tradition des Landes anzuknüpfen, die Bernhard ja auch u.a. in seiner Erzählung »Wittgensteins Neffe« oder in dem Stück »Ritter, Dene, Voss« thematisiert. »Heldenplatz« ist vor allem ein resignatives Stück, ein Schwanengesang auf eine »Welt von Vorgestern«. Die melancholische Stimmung wird durch zänkische Einschübe konterkariert. »Hie und da gestatte ich mir eine kleine Erregung, damit ihr nicht glaubt, ich bin schon tot« beansprucht Robert Schuster für sich in seinem anklagenden Enthusiasmus. Das »Alte Österreich« bleibt hierbei allerdings verschont: »Ich bin gewiss kein Monarchist, das sind wir alle nicht, […] aber was diese Leute aus Österreich gemacht haben, ist unbeschreiblich.« Es war gar nicht so abwegig, die Uraufführung als Jubiläumsvorstellung zum 100-jährigen Bestehen des (neuen Hof-) Burgtheaters am 14. Oktober 1988 anzusetzen. Auf den Tag genau ging es sich nicht aus. Peymann, der für das Verschieben von Premieren bekannt war, änderte den mit Spannung erwarteten Termin. Ein Grund dafür war auch darin zu suchen, dass die ursprünglich für die Hauptrollen vorgesehenen Schauspielerinnen und Schauspieler Gertraud Jesserer, Elisabeth Orth und Hans Michael Rehberg ihre Rollen aufgrund eines Interviews, das Peymann im Mai 1988 der »Zeit« gegeben hatte, zurücklegten. Die Zustände am

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Burgtheater beklagend, hatte er gemeint, »man müsste dieses von Christo verhüllen und abreißen lassen.« Das Jahr 1988 wurde freilich auch als Gedenkjahr umfangreich diskutiert. Die 1980er Jahre zeitigten eine für das österreichische Bewusstsein entscheidende Umakzentuierung. Jahrzehntelang konnte man die Fiktion von der Opferrolle Österreichs aufrechterhalten. Nun funktionierte sie nicht mehr, die sogenannte Waldheim-Affäre gab den Anstoß zu einer umfangreichen Debatte über die Zustimmung und auch Beteiligung von Österreichern an den nationalsozialistischen Verbrechen. Sätze aus »Heldenplatz« wie »Der Judenhass ist die reinste, die absolut unverfälschte Natur des Österreichers« oder »In Österreich musst du entweder katholisch oder nationalsozialistisch sein« wirkten gewiss als Affront für ein nostalgisches Festhalten an der Opferthese. Am 4. November war es soweit: Polizeischutz wurde vor dem Burgtheater aufgeboten, Bernhard-Gegner erleichterten sich einer Fuhre Pferdemist, die sie vor dem Gebäude entluden. Die Aufführung selbst fand bei der Kritik durchaus Zustimmung, teilweise bemängelt wurde die Länge des Stückes, was nicht routinierte Theaterbesucher gewiss ermattete und enttäuschte. Die Produktion avancierte zum Verkaufsschlager, für die ersten 15 Vorstellungen wurden 15 000 Karten verkauft. Claus Peymann blieb bis zur Saison 1998/99 und ist somit nach wie vor der am längsten dienende Burgtheater-Direktor aller Zeiten. Thomas Bernhards bürgerliches Schocktheater vermag heute nicht mehr aufzuregen. 22 Jahre nach der Uraufführung wurde »Heldenplatz« am Theater in der Josefstadt unter der Regie des Peymann-Schülers Philip Tiedemann in den Spielplan aufgenommen. Peymann und Bernhard, die bösen Buben vom Burgtheater, sind Vergangenheit. Die Freiheit der Kunst darf weiter bestehen. Gegenwärtig erfahren wir wiederholt von strafrechtlich in der Tat fragwürdigen Skandalen in Politik und Wirtschaft. Was Thomas Bernhard wohl dazu eingefallen wäre?

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Anniversarium

25 Jahre

Erich Fried

Erich Fried (1921 – 1988) Ein Störenfried?

Alexandra Stolba

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ie dritte Ehefrau Erich Frieds meinte über ihren Mann, er wäre bei seinen Freunden beliebt wegen seines politischen Scharfsinnes, seines Witzes und einer besonderen Großzügigkeit. Kritiker, besonders aus konservativen Kreisen, bezeichneten ihn als »Störenfried«. Wer war dieser österreichische Lyriker, der im englischen Exil als Übersetzer und Essayist arbeitete?

© Jörg Briese

Erich Fried wird am 6. Mai 1921 in Wien als einziges Kind jüdischer Eltern geboren. Erlebnisse in der Kindheit prägen seine Widerspenstigkeit, eine Skepsis an den Aussagen Erwachsener und deren Autorität. Die Ehe der Eltern ist nicht glücklich. Mutter und Vater gehen bald eigene Wege. Fried spürt zu ihnen, besonders zum Vater, eine eher kühle Distanz. Hingegen baut er eine sehr liebevolle Beziehung zu seinem Kindermädchen auf, was er in einem Erinnerungsband als »Wunderkinderzeit« beschreibt.

Politische Unruhen wie der Justizpalastbrand von 1927, der Bürgerkrieg von 1934 sowie der NS-Putschversuch 1934 formen Frieds frühes Bewusstsein für Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit. Bereits im Alter von sechs Jahren zeigt er politischen Protest, indem er sich weigert, bei einer Weihnachtsfeier ein Gedicht vor dem Polizeipräsidenten Schober aufzusagen. Die Bilder der Massendemonstration vom 15. Juli 1927 waren ihm unvergesslich. Einen Tag davor hatte ein Geschworenengericht die Angeklagten von Schattendorf freigesprochen, die bei einem Aufmarsch des Republikanischen Schutzbundes Schüsse abgaben und dabei ein Kind und einen Kriegsinvaliden töteten. Weite Bevölkerungskreise verstanden dieses Fehlurteil nicht. Es kam zur Demonstration, in deren Folge der Justizpalast ausbrannte und Schober auf die Demonstranten schießen ließ. Die Entscheidung, Schriftsteller zu werden, trifft Fried 1938. Die Unterdrü-

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ckungsmaschinerie der Nazis bringt ihn dazu, sich ein Leben lang mit dem Thema der Entmenschlichung zu beschäftigen. Er gründet mit Freunden eine Widerstandsgruppe. Sein Vater stirbt nach der Verhaftung durch die Gestapo an den Folgen der Folterung. Fried beschließt die Flucht nach England. Durch eine Selbsthilfegruppe kann er einige Gefährdete, darunter seine Mutter, nach England retten. Wien bleibt trotz Vertreibung für Fried seine Heimatstadt. Er behält auch bei der Beurteilung der Ereignisse stets eine differenzierte Haltung. Sein Credo: Aus den grausamen Erlebnissen der Vergangenheit niemals den Bezug zur Gegenwart verlieren und das Bewusstsein für aktuelle Ungerechtigkeit bewahren. Krieg, Vertreibung, Unmenschlichkeit prangert er pausenlos an und scheut dabei auch nicht vor Kritik an der damaligen Palästinenserpolitik der Zionisten. Schriftstellerisch entwickelt er einen eigenen Modus. Er geht der Sprache auf den Grund, er experimentiert mit Worten und deren Bedeutung. Seine Lyrik ist das engagierte Gedicht, das eine poetische Verarbeitung von Unmenschlichkeit zeigt. Nach langjähriger Tätigkeit bei der BBC folgt ab 1968 sein stärkeres politisches Engagement in der linken Bewegung. Er distanziert sich jedoch deutlich von der Radikalisierung einiger linker Kreise. Fried wird eine schillernde, aber auch umstrittene Persönlichkeit. Er ist quasi eine »lyrische Kontrollinstanz« geworden, im andauernden Protest und Ungehorsam. Trotzdem bewahrt er sich Selbstkritik. Seine »Liebesgedichte« überraschen 1979 viele. Sie werden zu einem großen Erfolg besonders das Gedicht »Was es ist«. Nach der Diagnose von Darmkrebs widmet er sich vermehrt dem Sterben und dem Tod. Sein ganzes Leben beschäftigt sich Fried mit den Themen Politik, Liebe, Sprache – ob es Zorn-, Liebesgedichte oder politische Anmerkungen sind, immer behält er Humor und vor allem Selbstironie. Am 22. November 1988 stirbt Erich Fried in Baden-Baden. »Was bleibt?«: Fried – ein Unbequemer, aber friedlich Störender.

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25 Jahre

Mahnmal

Mahnmal gegen Krieg und Faschismus Vor 25 Jahren errichtet

Literatur: Ulrike Jenni (Hrsg.), Alfred Hrdlicka. Mahnmal gegen Krieg und Faschismus (Wien 1992).

dem »Tor der Gewalt« und dem knienden Juden macht die Erniedrigung und Demütigung nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1938 gleichsam messbar. Auf der ursprünglich blanken Skulptur wurde zwei Jahre später ein Stacheldraht angebracht, um die Nutzung als Sitzbank zu unterbinden. Die sich aus dem Marmorblock schälende Gestalt des »Orpheus betritt den Hades« (1975 – 1987/88) ist Mahnmal für die

Hier erhalten Sie Auskünfte, Prospekte, Hotelzimmer, die Wien-Karte, SightseeingTickets, Theater-, Konzert- und Opernkarten sowie Souvenirs. Tourist-Info Täglich 9 bis 19 Uhr 1., Albertinaplatz/Ecke Maysedergasse Tel. +43 1 24 555 info@wien.info WWW.WIEN.INFO

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Bombenopfer von 1945 und für den Opfertod jener, die dem Nationalsozialismus unter Einsatz ihres Lebens Widerstand geleistet haben. Die über sieben Meter hohe Stele, der »Stein der Republik« (1987 – 1988), bildet den Abschluss des Monuments. Auf dieser Stele wurde ein Auszug des Textes der Regierungserklärung vom 27. April 1945 eingemeißelt, die Grundlage der Wiedererrichtung der Republik Österreich.

Die TouristInfo Wien © WTV / GERHARD WEINKIRN

as Mahnmal gegen Krieg und Faschismus am Helmut-Zilk-Platz in Wien ist ein Werk des österreichischen Bildhauers Alfred Hrdlicka (1928 – 2009). Es wurde am 24. November 1988 in Anwesenheit hoher Würdenträger enthüllt. Als begehbares Denkmal ist es allen Opfern von Krieg und Faschismus gewidmet. An dieser Stelle stand der Philipphof, ein repräsentativer Wohnbau der Gründerzeit, der am 12. März 1945 durch einen Bombenangriff zerstört wurde. Hunderte Menschen, die in den Kellern des Philipphofs Schutz gesucht hatten, fanden den Tod; die Verschütteten konnten nicht geborgen, ihre genaue Zahl konnte nicht ermittelt werden. Die Stadt Wien, unter dem Kulturstadtrat und späteren Bürgermeister Helmut Zilk, beauftragte die Errichtung des Mahnmals gegen Krieg und Faschismus. Der dreieckige Platz wurde auf seinem rückwärtigen Teil bepflanzt, die beiden anderen Seiten sind mit Granitsteinen aus Gusen, einem Steinbruch nahe dem Konzentrationslager Mauthausen, gepflastert. Am vorderen Spitz des Dreiecks erhebt sich das »Tor der Gewalt«, durch das der »Straße waschende Jude« und dahinter »Orpheus betritt den Hades« sowie zuletzt der »Stein der Republik« sichtbar sind. Auf zwei übermannshohen Granitblöcken erhebt sich jeweils ein riesiger Block aus Carraramarmor, das »Tor der Gewalt«: Die Figurengruppe der rechten Torsäule – der Heldentod (1988 – 1991) – ist dem Gedenken aller Opfer des Krieges; die Figurengruppe der linken Torsäule – die Hinterlandsfront (1986 – 1988) – ist den Opfern der Massenmorde gewidmet. Die Figur des »Straße waschenden Juden« (1983 – 1988, Bronze) kniet, zum Tor gewandt, auf dem gepflasterten Boden, mit einer Bürste in der rechten Hand. Der deutliche Höhenunterschied zwischen

© Manfred Werner/Tsui (Wikipedia)

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Elsi Graf

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2013 – 10 Jahre Albertina Das Herzstück des Palais bilden die 21 aufwendig restaurierten Habsburgischen Prunkräume, die zu den kostbarsten Beispielen klassizistischer Baukunst zählen. Edles Dekor und exquisite Stoffe der in leuchtendem Gelb, Grün und Türkis gestalteten Räume erinnern den Besucher an die glanzvolle Wohn- und Repräsentationskultur der Habsburgerzeit. Seit der Wiedereröffnung im Jahr 2003 verzeichnet das Museum internationale Besucherrekorde und ist ein kultureller Fixpunkt für Städte- und Gruppenreisende aus aller Welt.

Ausstellungshighlights 2013

Die im historischen Herzen Wiens gelegene Albertina, das größte Habsburgische Wohnpalais, verbindet imperiales Flair mit einzigartigen Meisterwerken bildender Kunst. Das Museum verwahrt rund eine Million Druckgrafiken und 65.000 Handzeichnungen. Darunter befinden sich kostbare Blätter von Raphael, Michelangelo, Dürer, Rubens und Rembrandt. Highlights dieser Bestände werden immer wieder in spektakulären Sonderausstellungen präsentiert. Die Schausammlung »Monet bis Picasso. Die Sammlung Batliner« mit Gemälden von Monet, Renoir, Cézanne, Miró, Picasso, Klee, Kandinsky, Chagall und Malewitsch ermöglichen zusätzlich einen exzellenten Überblick über 130 Jahre Kunstgeschichte: vom französischen Impressionismus bis zur Gegenwart.

Max Ernst 23. 1. bis 5. 5. 2013 Die Albertina widmet dem großen Bilderfinder Max Ernst seine erste Retrospektive in Österreich. Mit einer Auswahl von 180 Gemälden, Collagen und Skulpturen sowie repräsentativen Beispielen illustrierter Bücher und Dokumente, vereint die Ausstellung alle Werkphasen, Entdeckungen und Techniken des Künstlers, und stellt sein Leben und Schaffen im biographischen wie zeitgeschichtlichen Kontext vor. Fraglos gehört Max Ernst mit Henri Matisse, Pablo Picasso, Max Beckmann, Wassily Kandinsky oder Andy Warhol zu den Jahrhundertfiguren der Kunstgeschichte. Als früher Protagonist des Dadaismus, Pionier des Surrealismus, Entdecker raffinierter

© Albertina, Foto: Harald Eisenberger

Zehn Jahre nach ihrem aufwendigen Umbau, der Erweiterung und Wiedereröffnung feiert die Albertina im Jahr 2013 ein großes Jubiläum. Zahlreiche Veranstaltungen, Feierlichkeiten und Sonderaktionen werden das Festjahr begleiten. Neben einem Tag der offenen Tür, werden weitere Aktivitäten das Museum von seinen unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen. Die Ausstellungseröffnung »Bosch-Bruegel-Rubens-Rembrandt« im März wird eine erste Geburtstagsfeier darstellen. Zeitgleich werden die Albertina-Kuratoren im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums Einblick in ihre aktuellen Forschungsprojekte geben. Die große Herbstausstellung »Matisse und die Fauves« bildet den Abschluss des Jubiläumsjahres.

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Peter Paul Rubens, Nikolaus Rubens mit Korallenschnur, um 1619 © Albertina, Wien

Techniken wie der Collage, Frottage, Grattage, Décalcomanie und Oszillation entzieht sich sein Schaffen einer griffigen Definition. Sein Erfindungsreichtum im Umgang mit Bild- und Inspirationstechniken, die Brüche zwischen zahlreichen Werkphasen und der Wechsel der Themen irritieren. Was als Konstante bleibt ist die Beständigkeit des Widerspruchs. Lewis Baltz 1. 3. bis 2. 6. 2013 Menschleere und oftmals verwüstete Peripherien kennzeichnen die Landschaftsfotografien des US-Amerikaners Lewis Baltz. Mit den bis dato nicht darstellungswürdigen, da scheinbar banalen und alltäglichen Sujets, wie Industriegebäuden, Vorstadtsiedlungen und Brachlandschaften revolutionierte er die künstlerische Fotografie in den 1970er-Jahren. Die Albertina widmet dem 1945 in Newport Beach, Kalifornien, geborenen Künstler ab März 2013 eine Ausstellung. Darin vertreten sind unter anderem die berühmten, seriell konzipierten Arbeiten The Tract Houses (1971) oder The New Industrial Parks Near Irvine (1973–75), durch die Baltz das Genre der Landschaftsfotografie grundlegend erneuerte und die desaströsen Auswirkungen der technologisierten Gesellschaft des 20. Jahrhunderts thematisierte. Bosch Bruegel Rembrandt Rubens Meisterwerke aus der Albertina 15. 3. bis 30. 6. 2013 Die Albertina besitzt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen niederländischer Handzeichnungen aus der Zeit von 1450 bis 1650. Die Epoche der »Alten Niederländer« ist mit einzelnen herausragenden Werken aus dem Umkreis des Jan van Eyck, von Petrus Christus oder Dirk Bouts vertreten, bis die Arbeiten von Hieronymus Bosch und Pieter Bruegel d. Ä. einen ersten Höhepunkt der erlesenen Kollektion markieren. Das weitere 16. Jahrhundert ist mit Meisterzeichnungen von Gossaert, Heemskerck oder Goltzius präsent. Den Schwerpunkt der Sammlung bildet aber Hollands »Goldenes« 17. Jahrhundert mit bedeutenden Blättern von Rembrandt und seiner Schule. Die vom Hause Habsburg dominierten südlichen Niederlande vertreten die berühmtesten flämischen Meister ihrer Zeit: Peter Paul Rubens, Anton van Dyck und Jacob Jordaens. Gottfried Helnwein 25. 5. bis 25. 8. 2013 Gottfried Helnwein zählt international zu den bekanntesten österreichischen Künstlern. Die Albertina widmet dem 1948 in Wien geborenen Künstler, der heute in Los Angeles und Irland lebt, seine bisher größte Retrospektive im deutschsprachigen Raum. Helnweins Schaffen ist von der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, deren Reiz- und Tabuthemen geprägt. Wiederkehrende Motive seiner Arbeiten sind dabei das Kind sowie der verwundete und malträtierte Körper. Bekannt wurde Gottfried Helnwein in Österreich unter anderem durch seine Darstellungen auf Nachrichtenmagazin-Seiten und Plakaten sowie durch seine Selbstporträts mit bandagiertem Kopf und aufgerissenem Mund. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Frühwerk, seinen Aquarellen, seinen Pastellen, Buntstift- und Federzeichnungen. Gezeigt werden zudem zentrale Werkgruppen, wie die in den 1990er Jahren in Deutschland entstandenen monochromen Serien Night oder Righteous Men, die aus Helnweins ersten Jah-

ren in den USA stammende Serie Paradise Burning und mit Los Caprichos, The Disasters of War und Murmur of the Innocents auch Arbeiten der jüngeren Zeit. Gunter Damisch 19. 6. bis 15. 9. 2013 Gunter Damisch (*1958 in Steyr/Oberösterreich) wurde in den 1980er Jahren im Rahmen der »Neuen Wilden« bekannt, einer losen Gruppe junger Künstler, die mit ihren expressiven und farbintensiven Bildern auf den zuvor international angesagten Tod der Malerei reagierten. In seinem umfangreichen Schaffen kreierte Damisch eine individuelle Ikonografie und Mythologie, die im Grenzbereich zwischen Figuration und Abstraktion seine Bildwelten ausloten. Die jüngst entstandenen monumentalen Holzschnitte, Unikatdrucke und Druckcollagen des Künstlers, der seit 1998 als Professor für Grafik und druckgrafische Techniken an der Akademie der bildenden Künste tätig ist, werden in dieser Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Matisse und die Fauves 20. 9. 2013 bis 12. 1. 2014 Die Albertina zeigt eine umfangreiche Ausstellung mit rund 140 Werken von Henri Matisse und den Fauvisten, deren Bilder heute zu den Wegbereitern der Moderne gezählt werden. Zum ersten Mal sind die Werke dieser Künstler, die in der Übersetzung »Die Bestien« genannt wurden, in Österreich zu sehen. Zu den Fauvisten gehörten neben Henri Matisse auch André Derain, Maurice de Vlaminck, Georges Braque und Kees van Dongen.

Terminänderungen vorbehalten Täglich von 10 bis 18 Uhr Mittwoch von 10 bis 21 Uhr www.albertina.at

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Neue und alte Meister

Willkommen im Dorotheum, dem führenden Auktionshaus Mitteleuropas

Spannende Auktion im Franz Joseph-Saal Mit Rekordergebnissen in den führenden Kunstsparten, Weltrekorden und Spitzenpreisen – etwa 7,02 Millionen Euro für ein Hauptwerk des Flamen Frans Francken – steht das Auktionshaus Dorotheum immer wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit.

sich in München, Düsseldorf, Mailand, Rom, Prag, London und Brüssel. Mehr als 100 Experten stehen mit ihrem Fachwissen zur Verfügung. Höhepunkte des Jahres sind die großen Auktionswochen mit Alten Meistern und Gemälden des 19. Jahrhunderts, Klassischer Moderne, Zeitgenössischer Kunst sowie Design, Antiquitäten, Silber, Jugendstil, Juwelen und Uhren, die Kunstinteressierte aus aller Welt nach Wien führen.

Frans Francken II (1581 – 1642) Der Mensch zwischen Tugend und Laster, erzielter Weltrekordpreis € 7.022.300 Mehr als 300 Jahre nach seiner Gründung durch Kaiser Joseph I. ist das Dorotheum in Wien nicht nur das älteste, sondern auch eines der größten Auktionshäuser der Welt, führend in Mitteleuropa und das mit Abstand größte Auktionshaus im deutschen Sprachraum. Die internationale Expansion trägt zu den jüngsten Erfolgen bei: Niederlassungen und Repräsentanzen finden

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Schaustellung Franz Joseph-Saal Das Dorotheum ist auch der größte Juwelier Österreichs. Zu fixen Preisen findet man hier in weitläufigen Schauräumen klassischen Gold-, Silber und Perlenschmuck sowie Uhren bekannter Marken. Ebenso kann man bei Dorotheum Galerie aus

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600 Auktionen 100 Experten 40 Sparten Zahlen und Fakten:

Anis Kapoor (geb. 1954) Ohne Titel, 2011, erzielter Preis: € 754.800

einer großen Auswahl an Möbeln, Teppichen, Silber, Porzellan und Glas aus allen Stilepochen wählen, und das ebenfalls zu fixen Preisen. Kaiserliche Ergebnisse Imperiales Flair vermitteln die einmal jährlich stattfindenden Kaiserhaus-Auktionen. Sisi und Franz Joseph stehen hier im Mittelpunkt. Ob Sisis Seidenschuhe (€ 17.600) oder die Barthaare des Kaisers (€ 6.900) – Fans des österreichischen Kaiserhauses kommen hier auf ihre Rechnung.

• 1707 Gründung durch Kaiser Joseph I. als »Versatz- und Fragamt« (Wien 1, Annagasse im ehemaligen Gießhaus der Stadt) • 1787 Übersiedlung in das ehemalige Kloster »Zur Heiligen Dorothea« (Wien 1, Dorotheergasse 17). Der spätere Name »Dorotheum« wurde aus dem Namen des aufgelassenen Dorothea-Klosters abgeleitet. • 1901 Eröffnung des heutigen Palais nach Plänen Emil Ritter von Förster, Einweihung durch Kaiser Franz Joseph • 2001 privatisiert • 3 Geschäftszweige: Auktionen, Handel (Dorotheum Juwelier, Dorotheum Galerie), Pfand • 2 Geschäftsführer: Mag. Martin Böhm (Auktionen), Mag. Lucas Tinzl (Handel, Pfand) • 700 Mitarbeiter/innen (davon 200 im Ausland) • 28 Standorte in Österreich, davon 14 in Wien • 4 international bedeutende Auktionswochen pro Jahr im Palais Dorotheum Wien • 40 Sparten von Kunst und Sammelgegenständen • 100 Kunst-, Antiquitäten- und Juwelenexperten • Dorotheum International: Repräsentanzen und Niederlassungen u. a.: Prag, Brüssel, Düsseldorf, München, Mailand, Rom, sowie Vertretungen in Neapel, Verona, Zagreb, Budapest, London, Paris, Peking und Tel Aviv

Sammlungen bekannter Persönlichkeiten und Spezialauktionen, zum Beispiel mit dem Thema »Austrian Design« ziehen immer wieder neue Interessenten ins Palais Dorotheum. »Kunst bedeutet Lebensfreude«, so Dorotheum Geschäftsführer Martin Böhm – Das spürt man täglich bei den Auktionen, wenn Kunstgegenstände neue Besitzer gefunden haben. Schaustellung Franz Joseph-Saal

Fotos: © Dorotheum

Friedrich von Amerling (1803 – 1887) Mädchen mit Strohhut, erzielter Preis € 1,502.000, ersteigert von den Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein Aktuelle Termine und Informationen zu den Versteigerungen, Online-Kataloge: www.dorotheum.com

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Sigmund Freud Museum 2013 Ganzjährig bis 18 Uhr geöffnet, Ausstellungen zu Freuds Reisen und Lucian Freud

© Sigmund Freud Museum

2013 Wird das Sigmund Freud Museum einen Blick auf die Reisen Sigmund Freuds werfen: Bisher unveröffentlichte Schriftstücke, Bilder und Archivalien zum Themenkreis Reisen, Urlaub und Emigration werden in den Sonderausstellungsräumen ab Juni 2013 zu sehen sein. Die Ausstellung soll einen Einblick in das Reiseverhalten der Familie Freud geben und sich mit der Frage beschäftigen, ob eine jüdische Art des Reisens jenseits von Flucht, Emigration und Diaspora festzumachen ist. Im Anschluss daran, ab Oktober, wird sich das Museum mit der Familie des Begründers der Psychoanalyse auseinandersetzen und seinen wohl berühmtesten Nachkommen in den Fokus rücken: Ergänzend zur Ausstellung der Werke von Maler Lucian Freud im Kunsthistorischen Museum wird das Sigmund Freud Museum Fotografien von David Dawson zeigen. Er begleitete Sigmund Freuds Enkel jahrelang mit seiner Kamera und dokumentierte seine Arbeit im Atelier und an den berühmten Porträts, wie zum Beispiel von Queen Elizabeth II.

Ganzjährig bis 18 Uhr geöffnet

Ab 1. 1. 2013 ist das Museum täglich bis 18 Uhr geöffnet. Die Sommeröffnungszeiten bleiben wie gehabt, sodass in Zukunft ganzjährig 9 – 18 Uhr die Wohn- und Arbeitsräume Sigmund Freuds besichtigt werden können. Die verlängerten Öffnungszeiten ermöglichen nun auch Gruppenbesuche bis 18 Uhr, in Kombination mit den kostenlosen Audioguides, die seit Herbst 2012 allen BesucherInnen kostenlos in sechs Sprachen zur Verfügung stehen, wird so die BesucherInnenfreundlichkeit des Sigmund Freud Museums weiter verbessert.

Das Sigmund Freud Museum

Eingangsraum zur Praxis mit Blick auf Franz West, ‚Liège‘; Foto: Florian Lierzer, © Sigmund Freud Privatstiftung

Wartezimmer aus Sigmund Freuds Praxis; Foto: Florian Lierzer, © Sigmund Freud Privatstiftung

Seit 1971 befindet sich in der Berggasse 19 in Wiens neuntem Bezirk das Sigmund Freud Museum. Hier lebte und arbeitete Sigmund Freud 47 Jahre lang, ehe er 1938 in die Emigration getrieben wurde. Mittlerweile zählt die Adresse zu den bekann-

testen der Welt, im Haus Berggasse 19 entstanden nahezu alle Schriften des Begründers der Psychoanalyse. Bahn brechende Werke wie »Die Traumdeutung« oder »Totem und Tabu« wurden im Arbeitszimmer der Praxis verfasst. Diese Räume im typisch bürgerlichen Haus aus der Gründerzeit sind heute täglich der Öffentlichkeit zugänglich und ziehen zwischen 60.000 und 80.000 Besucher an. www.freud-museum.at

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Wien Museum 2013 Von »Wiener Typen« bis zur Weltausstellung 1873 Das Jahr beginnt im Wien Museum mit einem Experiment: Die Ausstellung »Unter 10« zeigt ab 31. Jänner »Wertvolles en miniature«. Schätze aus den Sammlungen werden mit einer strikter Spielregel präsentiert: Kein Exponat ist größer als 10 Zentimeter. Das betrifft Breite, Höhe, Tiefe oder Durchmesser. Lupen sind vorhanden, es geht um eine Feinjustierung des Blicks. »Wiener Typen« stehen ab 25. April auf dem Programm. So wurden populäre Grafikserien mit Berufsdarstellungen von Straßenhändlern, Dienstleistern und anderen als »volkstypisch« empfundenen Figuren bezeichnet: Salamiverkäufer, Kesselflicker, Wäschermädel, Maronibrater, Hadernweib, Lavendelfrau, Schusterbub u.v.a. Bei den »Typen« handelt es sich um Konstruktionen, der Blick ist verharmlosend und »von oben herab«. Die schweren Lebensbedingungen sparen die genrehaften Bilder meist aus. Themen der Ausstellung sind Migration, Arbeitsleid, die Zuschreibung des Fremden, Genderfragen, obrigkeitliche Reglementierung oder soziale Marginalisierung.

Last but not least zeigt das Wien Museum zwei spannende Fotoausstellungen: Ab 13. Juni sind die Erkundungen der »Ränder der Stadt« von Didi Sattmann – dem »Hausfotografen« des Wien Museums – zu sehen. Ab 12. September folgt ein Geheimtipp: die grandiosen Bilder von Edith Tudor-Hart, einer britisch-österreichischen Fotografin, werden unter dem Titel »In the Shadow of Tyranny« erstmals in Österreich präsentiert – eine Kooperation mit der Scottish National Portrait Gallery.

© Wien Museum

Um einen Mythos der Wiener Stadtgeschichte geht es in der Großausstellung »Experiment Metropole. 1873 – Wien und die Weltausstellung«, die ab 14. November zu sehen sein wird. Im Zentrum steht nicht nur die gigantische Schau im Wiener Prater, sondern deren zeithistorisches Umfeld: Eine Epoche der Umbrüche in Wien, die durch Stadterweiterung, Ringstraßenbau oder Donauregulierung geprägt war.

»Wäschermädl« aus der Serie »Wiener Typen«, um 1880

Edith Tudor-Hart, o.T. (Arbeitslosendemonstration in Wien)

Wiener Weltausstellung: Auf dem Dach der Rotunde, 1873

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© Wien Museum

© Scottish National Portrait Gallery

Weitere Ausstellungen unter www.wienmuseum.at

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Ein Hort österreichischer Geschichte Fotos: © Heeresgeschichtliches Museum, Wien

Das Heeresgeschichtliche Museum

Als Mitte des 19. Jahrhunderts das Arsenal gebaut wurde, errichteten die späteren Ringstraßenarchitekten Theophil Hansen und Ludwig Förster einen Prachtbau, in dem das damals sogenannte »Waffenmuseum«, das heutige Heeresgeschichtliche Museum untergebracht war. Militär- und Kriegsgeschichte, aber auch Technik, Naturwissenschaft, Kunst und Architektur verschmelzen im Heeresgeschichtlichen Museum zu einem einzigartigen Ganzen. Wer sich für die Geschichte Österreichs von den frühen Habsburgern bis zum Ende des II. Weltkriegs interessiert, ist im Heeresgeschichtlichen Museum bestens aufgehoben. 1. 6. 2013 und 2. 6. 2013 »Auf Rädern & Ketten« 6. Oldtimertreffen im Arsenal Auf dem Freigelände hinter dem Museumsgebäude werden zahlreiche historische Militärfahrzeuge verschiedenster Nationen erwartet. Vom Panzer bis zum Fahrrad und vom Jeep bis hin zum Kranwagen wird alles geboten, was die Armeen seinerzeit bewegte. Neben zahlreichen Vorführungen dieser Fahrzeuge wird auch eine zünftige Gastronomie für das leibliche Wohlbefinden geboten. Der Eintritt ins Museum und zum Fahrzeugtreffen ist frei! 13. 7. 2013 und 14. 7. 2013 »Montur und Pulverdampf« Zeitreise und Mittelaltermarkt Unter dem Motto »Montur und Pulverdampf« geht es auf eine spektakuläre Zeitreise durch sieben Jahrhunderte Militärgeschichte. Dabei machen Feldlager, Artillerievorführungen, Schaukämpfe, Mittelaltermarkt, Handwerk, Musik von »Rhiannon« und »Arnulf dem Schandmaul« die Vergangenheit zu einem spannenden Erlebnis. Für unsere Kleinsten gibt es wieder ein tolles Kinderprogramm. Professionelle Koch- und Servierkünstler sorgen für Leib und Seele. Zu den Hauptattraktionen des Programms zählen die Vorführungen historischer Geschütze aus vielen Jahrhunderten sowie Vorführungen von verschiedenen Reenactment-Gruppen. Für mittelalterlich Gewandete ist der Eintritt frei!

Öffnungszeiten: Täglich von 9 bis 17 Uhr Geschlossen an folgenden Feiertagen: 1. Jänner, Ostersonntag, 1. Mai, Allerheiligen, 25. und 31. Dezember Eintrittspreise (inkl. ein Audioführer): Normalpreis: € 5,10, ermäßigter Eintritt: € 3,30 Personen bis zum vollendeten 19. Lebensjahr, FREI! (Lichtbildausweis) Gruppen ab 9 Personen: € 3,30 pro Person Führungskarte: € 2,20, Video-Erlaubnis: € 3,60 Foto-Erlaubnis: € 1,50, Audioführer extra: € 1,50 Freier Eintritt: An jedem ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt für alle Besucherinnen und Besucher frei! Kinder und Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr, Teilnehmer von Lehrveranstaltungen (Schüler- und Studentengruppen mit begleitender Lehrperson), Mitglieder des ICOM (International Council of Museums), Soldaten in Uniform, Mitglieder des Vereins der Freunde des HGM, Schwerkriegsbeschädigte. Ermäßigter Eintrittspreis: Studenten, Behinderte, Senioren (ab dem 60. Lebensjahr), jeweils gegen Ausweisleistung. Heeresgeschichtliches Museum 1030 Wien, Arsenal, Objekt 18 www.hgm.or.at

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Roboter. Maschine und Mensch Mariahilfer Straße 212, 1140 Wien Tel. +43-1-89998-0, www.technischesmuseum.at

Sonderausstellung im Technischen Museum Wien bis 14. Juli 2013

© Honda

Robolab Für Familien gibt es einen interaktiven Ausstellungs- und Vermittlungsbereich zum Thema Robotik. Alle, die den Dingen lieber selbst auf den Grund gehen, sind im interaktiven Robolab richtig. In Kooperation mit dem Ars Electronica Futurelab entstanden, kann man hier auf spielerische Weise das Programmieren und Steuern eines Roboters ausprobieren und näher kennenlernen. Versuchen Sie einem Industrieroboter zu entkommen, verwandeln Sie sich virtuell in einen Maschinenmenschen oder verlieben Sie sich in die Roboter-Robbe Paro.

© Technisches Museum Wien

Lange waren Roboter reine Fiktion, heute haben sie längst unseren Alltag erobert. Seit Dezember 2012 widmet sich das Technische Museum Wien der faszinierenden Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Die Ausstellung nimmt die geschichtliche Entwicklung von Robotern, ihren alltäglichen Einsatz sowie Utopien und Emotionen rund um Roboter unter die Lupe. Ebenso geht sie Zukunftsvisionen von künstlichen Menschen und menschlichen Maschinen nach. Roboter sind immer auch Wunschmaschinen und faszinieren deshalb viele Menschen, ganz gleich ob sie ihnen nun menschen-, robben- oder hundeähnlich entgegentreten. Die Geschichte der Robotik nimmt ab und zu auch märchenhafte Züge an und lehrt vor allem, dass der Mensch immer so viel Autonomie in der Maschine sah, wie er sehen wollte. Die Automatenfigur eines predigenden Mönches, deren Hände, Füße, Kopf, Augen und Mund sich bewegten, während sie federgetrieben ihre Bahn abfuhr; die Uhrwerk-Wunder eines türkischen Kriegselefanten oder eines zechenden Bacchus nebst Gefolge aus adligem Kunstkammerbesitz werden um 1600 ihr Publikum ebenso betört haben wie fast 200 Jahre später der geheimnisvolle »Schachtürke« des Wolfgang von Kempelen oder die »Tympanonspielerin« von Henri-Louis Jaquet-Droz an den Höfen von Wien und Versailles. Erforschen Sie auf mehr als 1000 m² Ausstellungsfläche Geschichte, aktuelle Trends und Visionen der Robotik. Und das anhand einzigartiger Objekte: von futuristischen Blechmännern und Spielzeugrobotern bis zu riesigen Industrierobotern.

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MASCHINE UND MENSCH? Ab 14.12.2012 Hauptsponsor

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Sammlung Leopold nach 1918

Leopold Museum, Wien, Inv. 229

Franz Lerch Sitzendes Mädchen 1928

Herbert Boeckl Gruppe am Waldrand 1920

Das Leopold Museum beherbergt eine vom Ehepaar Professor Dr. Rudolf und Dr. Elisabeth Leopold gegründete Kunstsammlung, die weltweit einzigartig ist. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt zweifellos in der Kunst Wiens um 1900. Darüber hinaus sammelte Rudolf Leopold aber auch österreichische Kunst nach 1918, wobei der Schwerpunkt in Werken aus den 1920er und 1930er Jahren liegt. 1918 fand der Glanz der Jahrhundertwende ein jähes Ende. Das Jahr brachte mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Auseinanderbrechen der Monarchie einschneidende politische Veränderungen. In den darauf folgenden Jahrzehnten, geprägt von anhaltender politischer Unstabilität und wirtschaftlicher Not, hatten es Künstlerinnen und Künstler schwer, sich zu behaupten. Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus in den 1930er Jahren wurden viele von ihnen zudem aus rassischen oder politischen Gründen verfolgt. Stilistisch zeigt sich in der österreichischen Malerei dieser Jahrzehnte ein eher heterogenes Bild. Einerseits blühte in der Nachfolge Cézannes ein neuer Kolorismus auf, Hauptvertreter dieser Richtung sind Herbert Boeckl, Anton Kolig und Anton Faistauer. Andererseits kennt die Malerei in Österreich auch wichtige Vertreter der Neuen Sachlichkeit, wie etwa Rudolf Wacker, Rudolf Sedlacek und Otto Rudolf Schatz. Nicht selten finden sich auch Elemente beider Stilrichtungen zugleich, etwa im Werk von Josef Dobrowsky. Als verbindendes Charakteristikum gilt für die Malerei in Österreich vor 1945 das Festhalten an einer gegenständlichen Darstellungsweise. Tendenzen des Kubismus und der Abstraktion sind in jenen Jahren nur selten anzutreffen. Von vielen dieser Künstler besitzt das Leopold Museum Bestände, wie sie an Dichte und Qualität in keiner anderen Sammlung in Österreich vertreten sind. Zu nennen ist hier etwa auch die einzigartige Kollektion von Werken des Malers Albin EggerLienz. Rudolf Leopold zeigte auch großes Interesse an Vertretern der Kunst nach 1945. Hier erwarb er vor allem Werke von Künstlern, die einen expressiven, gegenständlichen Stil aufweisen, wie etwa Ferdinand Stransky, Gustav Hessing oder Leopold Birstinger.

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Leopold Museum, Wien, Inv. 532

Leopold Museum, Wien, Inv. 632, © Nachlass Herbert Boeckl, Wien

Albin Egger-Lienz, Die Schnitter bei aufziehendem Gewitter, 1922

Leopold Museum im MuseumsQuartier Wien täglich: 10 – 18 Uhr, Donnerstag: 10 – 21 Uhr Dienstag geschlossen www.leopoldmuseum.org

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Rundschau

Immer wieder ein Geheimtipp! Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Peter Paul Rubens (1577 – 1640), Die drei Grazien

© Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Eine der drei international bedeutenden Sammlungen alter Gemälde in Wien ist an der traditionsreichen Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz beheimatet und steht damit im Spannungsfeld einer überaus lebendigen zeitgenössischen Kunstuniversität. Die prachtvollen Sammlungsräume befinden sich inmitten der Klassenzimmer und Künstlerateliers im ersten Stock des von Theophil Hansen 1877 errichteten Ringstraßenpalais. Als erstes institutionelles Kunstmuseum Wiens wurde die Gemäldegalerie 1822 durch die Schenkung des Grafen Lamberg-Sprinzenstein begründet, der seine international renommierte Sammlung der Akademie vermachte. Rund 180 Spitzenwerke der europäischen Malerei des 15. – 18. Jahrhunderts sind permanent ausgestellt. Zu ihnen zählen als besondere Highlights der Weltgerichtsaltar des Hieronymus Bosch, Hauptwerke von Dirc Bouts und Lucas Cranach d. Ä., sowie von Botticelli, Tizian, Rubens, Murillo, Rembrandt und den Meistern der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Repräsentativ vertreten ist auch die Malerei an der Wiener Akademie um 1800, darunter Werke von Maulbertsch und Füger. Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Wien I., Schillerplatz 3 Tel.: 01/58 816-2222 Di – So, Feiertag 10.00 – 18.00 www.akademiegalerie.at

Die Burg Liechtenstein Burg Liechtenstein – die Stammburg der Fürsten von Liechtenstein – bildet heute einen markenten, touristischen Anziehungspunkt im südlichen Wienerwald. Die um 1130 erbaute Burg, gilt heute als das »Neuschwanstein Österreichs«. Eingespannt ist die Burg in die Romanik des 12. Jahrhunderts und den Historismus des 19. Jahrhunderts. Die Burg gibt damit Zeugnis vom Repräsentationswillen der Liechtensteinischen Fürsten des 19. Jahrhunderts. Erleben Sie Burgenarchitektur in Ihrer Vielfalt und genießen Sie den eindrucksvollen Blick über Wien und das Wiener Becken. Öffnungszeiten: März bis Oktober: 9.00 – 16.00 Uhr Karfreitag: geschlossen, Karsamstag: 12.00 – 16.00 1. und 2. November: geschlossen 3. November bis 19. Dezember: 10.00 bis 16.00 www.Burgliechtenstein.eu

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Rundschau

Zu Gast bei Esterházy

Schloss Esterházy – Burg Forchtenstein – Schloss Lackenbach – Steinbruch St. Margarethen Schloss Esterházy Das prächtige Schloss Esterházy, Wahrzeichen des Burgenlandes, ist eines der schönsten barocken Schlösser Österreichs und gibt einen interessanten Einblick in das glanzvolle Leben am fürstlichen Hof. Das Schloss steht bis heute im Zentrum der vielfältigen gesellschaftlichen und kulturellen Ereignisse im Burgenland. In den vier Dauerausstellungen »Das Appartement der Fürstin«, »Glanzlichter des Schlosses Esterházy«, »Haydn Explosiv*2013« und dem Weinmuseum können die Besucher die spannende Baugeschichte des Schlosses erkunden, über das Leben der Fürstinnen und ihrer Bediensteten und das Leben und Wirken Joseph Haydns erfahren und zur Geschichte des Weinbaus lernen. Das Konzertprogramm »festival Esterházy« im berühmten Haydnsaal des Schlosses Esterházy wartet auch 2013 mit hochkarätigen Konzert-Highlights internationaler Stars, ÖsterreichDebüts, aber auch mit Altbewährtem und Bekanntem auf. Die erfolgreichen Konzertzyklen des »festival Esterházy«, das Esterházy Streichquartett Festival, die beliebten Picknickkonzerte, die Kammeroper München sowie die Liebhaber-Concerte, bieten auch in diesem Jahr hochwertigen Hörgenuss in einzigartigem Ambiente. Burg Forchtenstein Die Burg Forchtenstein, nur eine halbe Autostunde von Eisenstadt entfernt, war über Jahrhunderte Schatzkammer und »Tresor« für die bedeutenden Esterházyschen Sammlungen. Johann Wolfgang von Goethes Bezeichnung des »Esterházyschen Feenreichs« wird beim Anblick der Burg Forchtenstein verständlich.

Von Waffen über Rüstungen bis zu Kunstwerken und Kuriositäten reichen die gezeigten Schätze der als Bollwerk des Westens geltenden Burg. Schloss Lackenbach Der Renaissancebau liegt idyllisch in den Niederungen des mittleren Burgenlandes und ist einer der ältesten Sitze der Familie Esterházy. Während das Schloss selbst in privater Nutzung steht, wurden die Nebengebäude für die Öffentlichkeit ausgebaut und erweitert. Ein Konzertsaal, großzügige Veranstaltungsräume und eine Cafeteria laden zum Feste feiern ein. Das Naturerlebnismuseum bietet die Möglichkeit, die Natur und Umwelt mit allen Sinnen zu erfahren und zu erforschen. Steinbruch St. Margarethen Der Steinbruch St. Margarethen liegt in der einzigartigen Kulturlandschaft Fertöd-Neusiedler See. Die zahlreichen Steinplastiken internationaler Künstler gestalten das Gelände rund um den Steinbruch auf einmalige Weise. Besucher können den ältesten Steinbruch Europas in St. Margarethen durchwandern. Der dort abgebaute Sandstein wurde unter anderem für den Bau des Wiener Stephansdoms und der bedeutendsten Wiener Ringstraßenbauten verwendet. Der Steinbruch in St. Margarethen ist seit 2001 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Eine der imposantesten Freiluft-Arenen Europas erlebte seit 2006 unter dem Eigentümer, der Esterházy Privatstiftung, einen umfassenden Ausbau des Festivalareals. www.esterhazy.at Schloss Esterházy

Burg Forchtenstein

Schloss Lackenbach

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Rundschau

Universität Wien

Haus der Musik

In den 1890er Jahren erhielten die Maler Gustav Klimt und Franz Matsch den Auftrag, den Großen Festsaal der Universität Wien mit Deckengemälden auszustatten. Doch Klimts Fakultätsbilder riefen einen Sturm der Entrüstung hervor und wurden schließlich nach mehrjähriger höchst emotional geführter Diskussion durch den Künstler zurückgekauft. Im Rahmen der Führung wird ein Überblick zur Entstehungsgeschichte und Analyse der Bilder sowie zum vielschichtigen Diskurs geboten. Den Besuchern wird ein spannender Einblick in den größten Kunstskandal in Wien um 1900 ermöglicht. Sie können die heute an der Decke des Festsaals angebrachten Reproduktionen von der Galerie aus nächster Nähe betrachten und erhalten einen Reader mit zeitgenössischen Texten, anhand derer die Diskussion um die Fakultätsbilder skizziert wird. Sprache: Deutsch, Dauer: ca. 60 Minuten

zeitperlen virto|stage ist ein virtuelles, interaktives und multimediales Musiktheater. BesucherInnen tauchen in eine faszinierende Klangwelt ein, die ihnen die Möglichkeit eröffnet, gestaltend einzugreifen. Mit zeitperlen virto|stage erleben BesucherInnen, wie Musik, Gesang und Bildwelten zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen – eine multimediale Oper aus Sicht der Akteure, bei der man zum unverzichtbaren Teil der Inszenierung wird.

Sonderführungen anlässlich des 150. Geburtstages von Gustav Klimt – Die Fakultätsbilder des Großen Festsaals der Universität Wien

Terminvereinbarung (mind. 2 Wochen vorher) Ansprechpartnerin: Frau Kerstin Lackner (Tel: +43 1 4277 17525 bzw. kerstin.lackner@univie.ac.at) Kosten: € 55,– pro Gruppenführung (max. 25 Personen)

Mit VIRTO|STAGE präsentiert das Klangmuseum ein neues multimediales Musikerlebnis.

Das exklusiv für die virto|stage entstandene Stück zeitperlen ermöglicht ein neuartiges multimediales Opern- und Musikerlebnis. Die BesucherInnen tauchen in eine Welt der Bilder und Töne, die erst durch die Interaktion zum Leben erwacht. HAUS DER MUSIK – das Klangmuseum A-1010 Wien, Seilerstätte 30, Tel.: +43 1 513 48 50 info@hdm.at, www.hdm.at, www.facebook.com/hausdermusik täglich geöffnet von 10.00 bis 22.00 Uhr Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Museumspreis Ein Unternehmen der Wien Holding

TOP-Lokal – So isst die City Restaurant, Café, Bar und Catering

Das TOP-Lokal, im Herzen von Wien gelegen, bietet gut bürgerliche Küche. Für alle, die in der City leben, arbeiten, die Sehenswürdigkeiten bestaunen und das breite Kulturangebot nützen. Ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen à la carte, abwechslungsreiche Mittagsmenüs, coole Drinks und Snacks an der Bar, in allen Bereichen sind wir stets bemüht dem Gast ein perfektes Produkt und Ambiente zu bieten. Das TOP-Lokal ist auch ein idealer Ort für Ihre Geburtstags- und Weihnachtsfeiern, Firmenevents, Seminare, Meetings sowie für Veranstaltungen Ihrer Wahl. Speziell für Business Events stellen wir Ihnen, wenn gewünscht, Flipcharts, Beamer, Pinnwände, Overhead oder einen Flatscreen zu Verfügung. Das eigene Catering Service rundet das Angebot ab. Das TOP-Lokal ist aber nicht nur ein Lokal – es ist ein sozialökonomischer Betrieb in Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice Wien und gefördert mit den Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Das Ziel ist es langzeitarbeitsuchenden Personen mit Hilfe von Transitarbeitsplätzen in unserem Betrieb den Wiedereinstieg am Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Dies gelingt durch fachliche Qualifizierung in Theorie und Praxis, Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche und Verbesserung der generellen Lebensumstände.

TOP-Lokal 1010 Wien, Fleischmarkt 18 Telefon: (+43 1) 513 02 03 E-Mail: office@top-lokal.at www.top-lokal.at

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Mitgliederliste des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer Abaffy Judit

D, F, U, E

Pius-Parsch-Platz 9/5, 1210 Wien 332 2267

Abdallah Fatima

A, D, (E, Sp, U)

Bennogasse 18/19, 1080 Wien 0699/1113 4636 fatimaabd@hotmail.com

Abraham Marcelo

D, E, Hb, Sp

Favoritenstraße 42/2, 1040 Wien 913 6570, 0699/1808 4070, Fax: 913 6570 marceloabraham@gmx.at

Abraham Hedwig

D, E

Spittelbreitengasse 42/4/11, 1120 Wien 812 4423, 06991/812 44 23 hedwig.abraham@chello.at www.viennatouristguide.at

Altenburg Eugenie

D, E, (F)

Landstraßer Hauptstraße 6/14, 1030 Wien 712 1827, 0699/1073 9869, Fax: 712 1827 eugeniealtenburg@hotmail.com

Amon Martina, Mag.

D, E, (F)

An der Schanze 5/1/21, 1210 Wien 0699/1154 1102 martina.amon@gmx.at

Andrievski Margarita

Hb, R, (Uk)

Novaragasse 8/2, 1020 Wien 815 8042, 0676/618 2081 Fax: 815 8042 matawien@hotmail.com

D, E, (F, Sp)

D, E, Sk

Neustiftgasse 121/10, 1070 Wien 523 0434, 0676/501 3788, Fax: 523 0434 beatriceaumayr@yahoo.com

Autengruber Martina, Mag.

D, E

Gregor-Mendelstraße 30/6, 1180 Wien 0680/202 6359 martina.autengruber@aon.at

Babak Andrea D, Schw, (N, Dn, E, U) Martinstraße 90-92/28, 3400 Klosterneub. 0664/542 0365 andrea.babak@me.com

Babinek Ulrike, Mag. D, F, Sp, (E, I) Linke Wasserzeile 29-35/29/2, 1230 Wien 256 5573, 0699/1332 8893, Fax: 256 5573 office@vienna-guide.net

Marinelligasse 5/28, 1020 Wien 0664/210 5943 petra.bacher1@chello.at

D, E, (I)

D, E, Poln

Barmherzigengasse 12/8, 1030 Wien 713 6719, 0699/1713 6719, Fax: 713 6719 margarete.bahr@chello.at

122-129 Internes2013.indd 122

Benedikt Schellinger-Gasse 34/32 1150 Wien 0664/421 8584 chiara@barizza.at, www.barizza.at

Bartek-Rhomberg Adrienn, Mag. D, U, E Sieveringer Straße 112, 1190 Wien 0650/826 6965 bartek-rhomberg@chello.at www.experience-vienna.at

Batlle i Enrich Carles

D, Kat, Sp

Türkenstraße 12/6, 1090 Wien 0699/1066 8664, Carles.Batlle@gmx.at

Bauch Ilse

D, E, I

D, E

Hauptstraße 8, 2100 Stetten 0664/583 9466 christa.bauer@metacom.com www.touristguides-austria.at

Böhm-Nevole Gabriele

D, E

Borodajkewycz Inge

D, E

Siebenbrunnengasse 13/13, 1050 Wien 0664/312 0154, gbnev@yahoo.de

Keltenweg 10, 7082 Donnerskirchen 02683/8515, 0664/303 5975 Fax: 02683/8515 i.boro@aon.at

D, E, Tsch, (I)

Bramberger Andrea, Mag. D, F, (E) Laimgrubengasse 17/10, 1060 Wien 0699/1444 2244 andrea.bramberger@chello.at

D, I, (E, Sp)

Schönbrunner Str. 2/3/56 DG, 1040 Wien 504 6597, 0664/340 3744, Fax: 504 6597 guide@alexabrauner.at www.alexabrauner.at

D, Tsch

Drechslergasse 4/10, 1140 Wien 0699/1945 6618 nina.breitenecker@chello.at www.austria-city-guide.com

D, E

Brescelli-Wodica Gertrude

Beranek Elisabeth

Jasminstraße 9, 3032 Eichgraben 0664/138 2577, elisabeth.beranek@aon.at

D, Sk, (Port, R, Sp)

Geusaugasse 46/5, 1030 Wien 718 1773, 0676/639 9475, Fax: 718 1773 billand@utanet.at

D, E, F, (I)

Zehenthofgasse 19/4, 1190 Wien 320 3295, 0699/1081 6102, Fax: 320 3295 mag.binderbrigitte@aon.at

Biricz Hannelore, Mag. D, E, F, I, Sp Margaretensraße 154 A/10, 1050 Wien 545 8198, 0699/1301 5403, Fax: 545 8198

Birkmayer Ruth Marianna D, I, E, (F)

Breton Monika

Fuchsthallergasse 4/15, 1090 Wien 310 9002, 0664/254 7577

D, E, I

D, E, F

Buchas Gabriele

D, E

Promenadegasse 57/A 2/1, 1170 Wien 489 4263, 0664/173 2605, Fax: 489 4263 gabriele.buchas@gmx.at www.wiensehen.at

D, F, (E, I)

Budil Andrea

Bobek Jadranka

D, Kr, Sb

D, E, R, (F)

Rosentalgasse 13/19, 1140 Wien 914 1478, 0664/356 3663, Fax: 914 1478 h.bucher@chello.at

D, U, (E, I)

Anzbachgasse 3/2/10, 1140 Wien 0664/404 6519, Fax: 577 2228 kburger@aon.at www.wienerwelten.at

D, E

Buzzi Gerlinde

D, (E, F)

Klampfelberggasse 8, 1170 Wien 0676/528 5212 andrea.burian@tele2.at

Cabral-Neubauer Suzete D, Port, (E) Kahlergasse 57/2, 1220 Wien 0699/1952 0915 suzete@chello.at

Calice Marielore

D, E, F, I

Metternichgasse 11, 1030 Wien 713 8237, 0699/1159 2996, Fax: 713 8237 fmcalice@aon.at

Carvalho de Silvia, Mag. D, R, (E, Port, Tr) Wiener Welten Weg 17, 2285 Leopoldsdorf/M. 02216/2676, 0664/203 3202 silvia@silviaguide.at

Chen Kun

Schloßberggasse 6D/11, 1130 Wien 0699/1968 8837, Fax: 924 1556 chenkun.vienna@gmail.com chenkun11111@hotmail.com

D, Ch

Maurer Lange Gasse 98/25, 1230 Wien 0664/423 5698 Fax: 888 5458 vivien.chiu@aon.at

Chmel Helga

Radeckgasse 2/7, 1040 Wien 505 9269 , Fax: 503 7869 helga.chmel@stadtfuehrungen.at www.stadtfuehrungen.at

Ch

D, E

D, Nl, (E)

Promenadegasse 11-13, 2/3, 1170 Wien 480 5625, 0699/1203 4794, Fax: 480 5625 linde.christ@gmx.at

Ciesla Wiebke

D, E

Erzherzog-Wilhelm-Ring 45/8, 2500 Baden 02252/254 299, 0664/7332 3632 wiebke.ciesla@aon.at

Cizek Wanda, BA D, Poln, (E, N, Schw)

Schwaigergasse 19/10/28, 1210 Wien 270 7308, 0676/478 8797, Fax: 270 7308 a9305804@unet.univie.ac.at

WAF

Clothier Jennifer

D, E

D, E

Colella Christine D, E, I, (F)

WAF

Jägerstraße 95/22/8, 1200 Wien 333 5529, 0664/7346 4545, Fax: 333 5529 budil-guide-777@aon.at

Burger Kristina

Burian Andrea

Christ Regelindis D, E

Schäffergasse 22/4, 1040 Wien 533 3191, andreas.brunner@qwien.at

Bitai Catherine

D, Bg, (Gr)

Schönbrunner Straße 10/19, 1050 Wien 0660/341 6564 katja.burger@gmail.com

Chiu Vivien Chen-Chu

Brunner Andreas

Bucher Heinz

Argentinierstraße 29/18, 1040 Wien 0676/474 7989 J.Bobek@gmx.at

D, E, (I)

Hofmannsthalgasse 10/5/15, 1030 Wien 798 8942, 0664/256 1154, Fax: 798 8942 gbw@guideaustria.eu

c/o Massenbauer, Widerhoferplatz 4/12, 1090 Wien 0676/507 3123, Fax: 0810 955 432 2611 guida.austria@gmail.com

Hohe-Wand-Str. 43/1, 2346 Südstadt Ma.Enzersdorf 0650/345 2345 cbitai@utanet.at

F, Sp, (E)

Wallensteinstraße 45/112, 1200 Wien 0664/657 6576 emmanuelle@aon.at

Breitenecker Nina

Burger Katja

Engerthstraße 146/6/6/24, 1200 Wien 330 2495, 0664/445 3346, Fax: 330 2495 g.buzzi@aon.at

WAF

D, U

Zirkusgasse 15, 1020 Wien 489 9674, hallo-wien@chello.at www.wienerstadtfuehrungen.at

Brauner Alexa, Mag.

Geylinggasse 17/3, 1130 Wien 0676/976 8924

Binder Brigitte, Mag.

D, Sk, (Tsch, R)

Zwinzstraße 7/3/7, 1160 Wien 0650/300 6024 bocan@wienwien.eu, www.wienwien.eu

Bouchité Emmanuelle

Löwenthalgasse 4, 1230 Wien 869 2825, 0664/350 1055, Fax: 869 2825 ilse.bauch@gmail.com

Billand Helena

Bocan Petronela

Borszki Katalin

Reisner Straße 13, 1030 Wien 0676/370 6135, eva.baxant@gmx.at

Aumayr Beatrice

122

I

Baxant Eva

Gärtnergasse 13/10, 2230 Gänserndorf 02282/60 255, 0664/103 7276 wolfgang.auinger@reisegourmet.at http://www.viennaguides.at

Bahr Margarete, Mag.

Barizza Chiara

Bauer Anna-Maria

Atanassova Mata, Mag.Bg, R, (F, Mz)

Bacher Petra Miriam

D, E, F

Hetzendorfer Straße 58-60/9/8, 1120 Wien 0699/1528 8369, Fax: 802 0705 bakhat_guide@gmx.at www.discover-vienna.at

Bauer Christa

Kienmayergasse 49/3, 1140 Wien 984 5507, 0664/443 4137 margarita-wien@yandex.ru

Auinger Wolfgang

Bakhat Somaya

Hetzendorfer Str. 95/2/4, 1120 Wien 923 2730, 0699/1923 2730, Fax: 923 2730 Jennifer.Clothier@chello.at

Neustiftgasse 64/38, 1070 Wien 523 6468, 0699/8845 3263, Fax: 523 6468 christine.colella@drei.at, www.wienguide.info

Kulturmagazin der Wiener Fremdenführer 2013 25.01.13 12:58


nach Alphabet Costa Anne-Isabelle

F, (E, Port)

Weidlinger Straße 11, 3400 Klosterneuburg 02243/30 160, 0650/330 0041 F.: 02243/30 160, a.isabelle.costa@aon.at

Crisafulli Christina D, (E, F, I, Sp, Port, Sp)

Danielis Heide

D, E, F, I

Cumberlandstraße 115/16, 1140 Wien 0699/1164 3823 heide_danielis@hotmail.com

Danninger Thomas

D, E, (F)

Rickard-Lindström-Gasse 39, 1100 Wien 689 2316, 0676/305 5439, Fax: 689 2316 thomas_danninger@hotmail.com

D, (E, F)

Rossauergasse 5/12, 1090 Wien 317 7112

Doppelhofer Friedrich D, E, (F, Nl) Johann Strauß Gasse 27/7, 1040 Wien 0664/369 9367 friedrich.doppelhofer@gmail.com

D, Sp, (I)

Ottakringer Straße 162/2/11, 1160 Wien 0664/326 4460 angeles.duca-korp@chello.at

Dumitrasco Tatiana

F

Veronikagasse 27/1/6/24, 1170 Wien 406 8841, 0664/450 6459 Fax: 406 8841 agnesdworzak@gmx.at

D, E, Kr, Sb

Eichfeldergasse 17/4/2, 1210 Wien 292 7083, 0676/944 2533 gerhardehler@hotmail.com

Ehrlich Alexander, Mag.

Ehrlich Anna, DDr.

D, E

D, E, (I, F, NL)

Richard Wagner-Platz 5/11, 1160 Wien 0650/409 4009 jubeln@yahoo.com

Euticchio Verena

D, I, (E)

Marxergasse 46/30, 1030 Wien 0699/1714 0843 verena@viennacityguide.at www.viennacityguide.at

Evers Rudolf

Fischer-Sitzwohl Birgit, Mag.

D, E, Sp, Port, (F, I)

Staudingergasse 3/4, 1200 Wien 212 7941, 0676/522 8838, Fax: 212 7941 irma.f@aon.at www.austriaguides.com/irmi

Fodor Judith

D, Nl, (E, F, I)

D, I, (E, F, U)

Magdalenenstraße 23, 1060 Wien 0664/8846 0155 j.fodor@chello.at

Fohringer Hedy, Mag.

D, Ch

Faulkner Jennifer

D, I, (F)

Fedorczuk Adelheid

D, F, I, (E)

D, (E, F)

Vogelsanggasse 24, 2102 Bisamberg b.W. 02262/63 360, 0664/325 2631 Fax: 02262/63 360 fedor.guide@aon.at

D, R, (E)

Karolinengasse 18/19, 1040 Wien 0680/330 7501 afed17@gmail.com

D, F, (E)

D, R, (Estn)

D, E, (Sp)

WAF

D, E, (F, I)

Meynertgasse 9/11, 1090 Wien 408 2484, 0699/1911 3114, Fax: 408 2484 angela.frohn@chello.at

Frühwald Ruth

D, F

Barawitzkagasse 8/15, 1190 Wien 368 3269 , Fax: 368 3269

J, (E)

Gumpendorfer Straße 83/1/62, 1060 Wien 597 4975, 0676/642 6417, Fax: 597 4975 junko.fujii@chello.at

Gil-Navarro Carmen

D, (E)

Lacknergasse 15/30, 1170 Wien 484 6996, 0664/202 4701 carmen.guide@chello.at

Fida Friederike

Fülöp Helga, Mag.

Sp, (Port, Kat)

Kegelgasse 14/31, 1030 Wien 0664/201 3255 gilhofer@guide4you.biz

D, Fn

Glanzner Emilie

D, U

D, F, (E)

Wehlistraße 154/2, 1020 Wien 494 7848, 0699/1075 4894, Fax: 494 7848 helga.fueloep@aon.at www.vienna-for-you.at

D, (E, F)

Valeriestraße 11, 2500 Baden 02252/85 594 , Fax: 02252/85 594 emilie.glanzner-kreiner@utanet.at

Göbert Birgitta, Mag.

D, E

Gottsmann Andreas, Dr.

D, I

Fröschergasse 3/6/8, 3021 Pressbaum 02233/57 876, 0664/272 6942 birgitta.goebert@aon.at

An der Niederhaid 35, 1140 Wien 0699/1256 8572 Andreas.Gottsmann@oeaw.ac.at

Grabmayr Patricia D, F, (E, I) WAF Kundmanngasse 39, 1030 Wien 0664/321 9828, p.grabmayr@gmail.com

Graf Beate Michaela, Mag.

D, I

Grabnergasse 15/II/21, 1060 Wien 597 3277, 0676/525 9391, Fax: 597 3277 info@viennaguide.at, www.viennaguide.at

Graf Elsi, Mag.

Lerchenfelder Gürtel 25/22, 1160 Wien 0664/212 6287, ff.ferrara@gmx.at

D, (E)

D, (E)

Margaretenstraße 3/15, 1040 Wien 581 2312, 0664/213 0021 christa.gerstbauer@gmx.at

Bastiengasse 107, 1180 Wien 470 4570, 0664/7362 0744, Fax: 470 4570 elisabeth.girardi@aon.at

D, I, (E)

Hernstorferstraße 29/42, 1140 Wien 971 3161, 0664/272 0573 Fax: 971 3161 rfullerney@hotmail.com

Josef Lowatschek-Gasse 34/3, 2340 Mödling 02236/45 448, 0664/226 4577 riki@austrian-guide.at www.austrian-guide.at

Gerstbauer Christa

Girardi-Quintus Elisabeth

Urselbrunnengasse 17/4/56, 1100 Wien 974 2223, 0664/929 9484, Fax: 974 2223 gertrude.frantal@aon.at www.my-vienna.at

Goldlackgasse 3, 1220 Wien 285 1906 , Fax: 285 1906 key.frieler@aon.at

D, Slo, (E, Kr, Sb, Bo)

Schellhammergasse 14/I/7, 1160 Wien 408 5752, 0699/1184 8985 leena.giokas@gmail.com

Fullerney Romana, Mag. D, Sp, (E, Port)

D, I, (E, Sp)

D, E

Lugeck 7/36, 1010 Wien 513 7979, 0664/252 2726, Fax: 513 7980

Giokas Leena

Josefstädter Straße 43/1/4, 1080 Wien 408 9712, 0676/396 6107 monica.fokkelman@chello.at

Fujii Joanna Junko

Brünner Straße 122/7/4, 1210 Wien 0676/930 9889 s.ferner66@gmx.at

Gabor Ilse

Gilhofer Sonja

Engländergasse 69, 3040 Neulengbach 02772/539 5012, 0699/181 55 265 Fax: 02772/539 5012 hedi.fohringer@gmx.at

Frantal Gertrude

D, E

Ausstellungsstraße 61/17, 1020 Wien 922 0768, 0699/1946 1426 beate.fuernsinn@vienna-guide.com

Leifhelmgasse 11/c, 1140 Wien 416 4129, 0664/404 5873 Fax: 416 4129, mojcagaetz@yahoo.de

Rosensteingasse 42/1/9, 1160 Wien 480 1440, 0680/318 0640 maria.fleischacker@gmail.com

Flucher Irmi

Fürnsinn Beate

Gätz Mojca

Fleischacker Maria, Mag. D, R, (Bo, Kr)

Frieler Key

Fedorova Alla, Dr.

D, E

Mollardgasse 85/23a, 1060 Wien 481 5796, 0669/1013 2686 bfs@coverdale.at

www.guides-in-vienna.at 122-129 Internes2013.indd 123

D, I, (E, Sp)

Breitenseer Straße 80/3/46, 1140 Wien 924 2951, 0660/489 7371 michaela.fischer1@chello.at

Fokkelman Mónica, Mag. D, Sp, (F, Port)

Fang Hong, Mag.

Ferrara Francesca

Reisnerstraße 59/9, 1030 Wien 0676/922 7773, Fax: 817 4955 1834 office@wienfuehrung.at www.wienfuehrung.com

D, Poln

Erharter Judit, Dr.

Ferner Svetlana

D, I

Rosaliagasse 19/6, 1120 Wien 966 0261, 0676/520 2494 Fax: 2533 033 7792 info@ahre.at, www.ahre.at

Roseggerstr. 24/18, 3512 Mautern 908 1234, 0676/3571974 christine.emberger@arr.at

Fischer Michaela

Frohn Angela

D, E, I

Ehler Gerhard

D, E

Rennweg 33a, 1030 Wien 713 5481, 0676/411 9185 jmf@gmx.at

Große Stadtgutgasse 21/26, 1020 Wien 214 6161, 0664/326 0015, Fax: 214 6161 u.ebner@gmx.at

Wollzeile 31/26, 1010 Wien 513 7519

Emberger Christine

Winzergasse 24/10, 2340 Mödling 02236/26 142, 0676/408 0140 mag.fang@kabsi.at

Dworzak Agnès

Ebner-Stella Ulrike

D, E

Gatterburggasse 25/5, 1190 Wien 368 2100 , Fax: 367 8608

Simmeringer Hauptstr. 16/3/3/12, 1110 Wien 276 5754, 0699/1007 9595, Fax: 276 5754 evers.vienna.guide@gmx.at

D, R

Schottenfeldgasse 1/9, 1070 Wien 0676/434 9112 tdumitrasco@yahoo.com

Eipeldauer Beatrice

A. Baumgartner Str. 44/B2/94, 1230 Wien 0699/1096 3155 monika.englert@chello.at

Anton-Böck-Gasse 4/3/13, 1210 Wien 0699/1217 6418, guide-olga@web.de

Doll Hedwig, Dr.

D, E, I, (F)

Franz-Mika-Weg 3/9/15, 1100 Wien 688 2652, 0664/333 8516, Fax: 688 2652 h.eidinger@aon.at www.topguide.co.at

Englert Monika

Dmitrusenko Olga, Mag. (FH) R, (E, Sp)

Egger Sabine

D, E, (R)

Kolingasse 3/14, 1090 Wien 952 2106, 0699/1852 2106, Fax: 952 2106 astrid.eichwalder@chello.at

Eidinger Hildegard

Lammgasse 1/14, 1080 Wien 408 6759, 0699/1799 1103, Fax: 408 6759 christina.crisafulli@touristguide-vienna.at

Duca-Korp Angeles

Eichwalder Astrid, Mag.

D, E, (Port)

Hutweidengasse 46/1/5, 1190 Wien 0664/522 5783, elsi.graf@gmail.com

Gratt Biljana

D, Sb, Kr, Bo, (E)

Pielachgasse 3/38, 1200 Wien 0699/1119 3931 vasvodic@gmail.com, www.vasvodic.com

Gregor-Rogler Jana, Ing. D, Sk, (Tsch) Leopoldsgasse 24/1/27, 1020 Wien 0676/971 3113, j.gregor@roglers.com

123 25.01.13 12:58


Mitgliederliste Gruber Hans, Ing.

D, E

Ziegelofengasse 27/1/05, 1050 Wien 548 7272, 0664/337 4918 vienna@usw.at

Habinger Peter

WAF

Haviar Thomas, Mag.

D, E

Hawelka Herta

Weilgasse 1/1/11, 1190 Wien 0699/1969 7901, info@stadtforscher.net

Hagiwara-Seeber Kimiko, Mag. D, J Müllnergasse 13/14, 1090 Wien 0664/162 8447, kimikohagiwara@chello.at

Hahnkamper Ulrich, Mag. D, E, Sp Baumannstraße 5, 1030 Wien 0660/141 1332, office@vienna-alacarte.com www.vienna-alacarte.com

Halper Hannelore

Schubertgasse 9, 2380 Perchtoldsdorf 865 5605 , Fax: 865 5605

D, Nl

Halter Ingeborg, Mag.

D

Hausfeldstraße 22/6/21, 1220 Wien 280 1278 , Fax: 280 1476 inge.halter.guide@aon.at

Handlir Linde

D, (E)

D, Nl

WAF

Seeschlachtweg 469, 1110 Wien 769 7985, 0664/424 9056, Fax: 769 7985 j@hanzl.net

Hartig-Girardoni Lydia

D, I, (E)

Praterstraße 42/2/12, 1020 Wien 218 5080, 0664/177 4676, Fax: 218 5080 lydia.hartig@gmail.com

Hartlmayr Irene, Mag.

Köstlergasse 5/19B, 1060 Wien 586 9856

Hartmann Marilen

Elisabethstraße 26/29, 1010 Wien 0664/448 8010 marilen.hartmann@gmx.at

D, E, (F)

Operngasse 30/22, 1040 Wien 0699/1581 2585, Fax: 581 2585 sachiko.haruta@chello.at

0676/923 5586 lenasara.hasenclever@gmail.com

Hasenhütl Marianne

Feldgasse 1, 2432 Schwadorf 02230/3145, 0650/863 3833 marianne.hh@gmx.at

D, E, I

D, E

Hauleitner Monika, Mag. D, F, (Sp) Teillandgasse 25, 3500 Krems 02732/70381, 0699/1703 8100 Fax: 02732/70381, office@hauleitner.com

Hauptfeld Biljana Anja D, Kr, (Sb, Bo) 798 9305, 0664/625 7070 F.: 0810 9554 488 004

Hebenstreit Barbara

D, E

Paul Stich Gasse 8, 2103 Langenzersdorf 0664/640 3064 barbara.hebenstreit@gmail.com

Heinrich Susan Maria de, BA Larochegasse 31, 1130 Wien 877 3724, 0676/317 2902 s.deheinrich@aon.at

Heinz Karl, Dr.

Wiener Welten Weg 17 2285 Leopoldsdorf/M. 02216/2676, 0664/486 6795 office@kheinz.at

D, E

D, U, (E)

D, E

D, I, (E)

Herbich Zsuzsanna, Mag.

D, U, (E)

Sonnbergstraße 30/6, 2380 Perchtolsdorf 0650/332 0664, tatjana.henfling@gmx.at

Auhofstraße 206, 1130 Wien 877 1202, 0699/1048 5533, Fax: 877 7949 zsuzsana.herbich@chello.at

Pilotengasse 49/4/1, 1220 Wien 0699/1245 0343 susanne.herrmann@gmx.at

Schlettergasse 3/9/10, 1220 Wien 0664/412 6911 yvonne.heuberger@aon.at www.fuehrungenwien.at www.touringvienna.at

Hiller Birgit-Petra, Mag.

D, E, Sp

D, F, (E)

D, E

Jirasko Erika Olga D, Schw, (E, F, I, Sp)

Mariahilfer Straße 106/10, 1070 Wien 0676/304 4940 office@vienna-aktivtours.com www.vienna-aktivtours.com

Holub Pirkko

Viehtriftgasse 7/2/7, 1210 Wien 257 1124, 0680/214 1477 pirkko.holub@inode.at

D, (E, I)

Schmalzhofgasse 18/2/6, 1060 Wien 596 5739, 0650/781 2868 brenda.h@aon.at

Hsu Chieh-Ying (Jeannie) D, Ch, (E) Weyringergasse 30/13a, 1040 Wien 503 4907, 0664/301 9526, Fax: 503 4907 jeannie.hsu@chello.at

D, F

Mahlerstraße 13, 1010 Wien 513 3056, 0664/184 0772, Fax: 513 3056 annemariehuber@aon.at

Hudolin Andrea-Elisabeth, Mag. D, (E, F, I) Kochgasse 24/15, 1080 Wien 402 0767, e.hudolin@vbs.ac.at

WAF

D, J

D, E

Iro Lis

WAF

D, Dn, (E, N)

Servitengasse 5/29, 1090 Wien 317 6211, 0699/1154 7917, Fax: 317 6211 guide@lisiro.at, www.lisiro.at

D, (F)

D, E

Ispas Diana

Servitengasse 17/14, 1090 Wien 319 6500, 0664/212 6525, Fax: 319 6622 r.hofbauer@gmx.at

D, E, (F)

Janaček Joanna

D, Poln

Erne-Seder-Gasse 8/2/207, 1030 Wien 0699/1059 4575, joanna.janacek@gmx.at www.austriavisit.at

D, I, (E)

Hasner Straße 42/2, 1160 Wien 0699/1906 9496, veronika.jantsch@gmx.at

Jemelka Gabriela, Mag. D, Sp, (E, F, I, Port)

Ungargasse 1/4/75, 1030 Wien 0699/1014 1469 gabriela.jemelka@gmail.com gabriela@austriaguides.com www.austriaguides.com/jemelka

anja@hauptfeld.at, www.austriaguides.com/anja

Thimiggasse 25/15, 1180 Wien 0676/350 0268, ulla.hofer@hotmail.com www.fremdenfuehrer.co.at

124

Kulturmagazin der Wiener Fremdenführer 2013

122-129 Internes2013.indd 124

Jonasch-Preyer Elisabeth, Mag. D, E Am Damm, 2211 Pillichsdorf 0699/1179 9323, elisabeth.jonasch@gmx.at

D, E, F, I

Leopold Steiner Gasse 54/2/7, 1190 Wien 320 7543, 0664/201 7765, Fax: 320 7543 romana.jonke@aon.at

Jungbauer Rotraud

D, F

Ungargasse 71/7/9, 1030 Wien 714 1507, 0664/310 4907, Fax: 714 15 07 rotraud.jungbauer@tele2.at

Junghans Tina

WAF

D, E

3033 Hochstrass 543 0676/314 8770, junghans.tina@gmail.com

Junker Gabriele

D, E, F, R, (I)

Lawieserstraße 35, 3013 Tullnerbach 0664/301 5778, Fax: 02233/54 816 junker.gaby@gmail.com

Borschkegasse 5/4, 1090 Wien 319 6293 , Fax: 319 6293

J, Schw

Juraschek Walter

D, E

Kahl Carola

D, E

Czerninplatz 2/9, 1020 Wien 0699/1925 1524, walter.juraschek@chello.at

Poststeig 5, 3003 Gablitz 02231/61 282, 0664/371 2024, F.: 02231/61 282, carola.kahl@drei.at

Kaindl Susanne

D, E, Sp

Kalab Renate

D, E, (F)

Naaffgasse 71, 1180 Wien 470 6107, 0676/554 4455, Fax: 470 6107 susanne.kaindl@utanet.at

D, Rum, (E)

Grenzweg 11a, 1210 Wien 0699/1913 2927, ispas.diana@gmail.com www.austrian-tourist-guide.at

Jantsch Veronika, Mag.

Hofbauer Renate, Mag. Dr. D, E, F, Sp, (I, NL)

D, E

Rothenburgstraße 4/5, 1120 Wien 923 9111, 0699/1923 9112, Fax: 923 9111 meetvienna@gmx.at, www.wienerwelten.at

Junker Kazue

Husa G. Maria, Mag. D, Poln, (E)

Ipp Tsuneko

Jodlbauer Wolfgang-Lothar

Jonke-Hrdlicka Romana D, E

Huber-Auque Anne-Marie

D, E

Schüttelstraße 39/17, 1020 Wien 720 3449, 0699/1720 3449, Fax: 720 3449 elisabeth.jesenberger@gmx.at

Heiligenkreuzer Hof/Stiege 7/2.St., PF 33, 1010 Wien, 5120 1709, eo.jirasko@aon.at

WAF

D, Fn

Krotenbachgasse 27, 2345 Brunn a.G. 02236/378 811, 0676/544 3907 ipp@kabsi.at, www.longstayaustria.at

Schrottgießergasse 1/16, 1020 Wien 0676/514 2337, kristina.hlawaty@gmx.at www.zeitinwien.at

Hofer Ulla

Höfler Wolfgang

Rötzergasse 56/67, 1170 Wien 0664/630 3904, maria.husa@chello.at

Korneuburger Str. 3, 2103 Langenzersdorf 0664/308 2332, Fax: 02244/29 524 b.hiller@a1.net

Hlawaty Kristina

Jesenberger Elisabeth

Strohberggasse 16/2, 1120 Wien 804 3588, 0664/325 9682

Henfling Tatjana, Mag.

Einwanggasse 27, 1140 Wien 894 5142, 0664/431 0519 sigrid.herbst@gmx.at

D, E

Hameaustraße 51, 1190 Wien 440 1799, 0664/400 3406, Fax: 440 1799 hoffmann.kaernten@gmail.com

Horvath Christine, Dr.

Glasergasse 5/20, 1090 Wien 0676/724 7697 alexviennaguide@yahoo.com

Herbst Sigrid, Dkfm.

Hoffmann Heide-Marie

Horvath Brenda, Mag.

Heuberger-Dornauer Yvonne

Haruta - Högner Sachiko D, J WAF

Hasenclever Lena Sara

D, Port, (E, Sp)

Herrmann Susanne D, E

D, E

Wollzeile 31/28, 1010 Wien 513 7784, herta@hertahawelka.at

Hembach Alexander

Kegelgasse 14, 1030 Wien 470 0744, 0664/300 8773, Fax: 470 0744 lindehandlir@aon.at

Hanzl Jacqueline

Liechtensteinstraße 66/4, 1090 Wien 0699/1033 9772, Fax: 729 6812 haviar@gmx.at

Grinzinger Straße 147/3/51, 1190 Wien 958 3272, 0699/1958 3272, Fax: 958 3272 renate.kalab@chello.at

Kamenicky Sarah

D, E

Neubaugasse 21/12, 1070 Wien 0699/1235 4421, sarah.kamenicky@kapix.at sarah.perl@gmx.net

Kaminski Irene

Salierigasse 12, 1180 Wien 479 8624 , Fax: 479 8624 irene.kaminski@aon.at

D, Sp, (E)

Kammerleitner Erich D, E, Port, (I, Sp)

Rudolf-Nurejew-Prom. 9/18/10, 1220 Wien 958 8992, 0699/1858 8992 kam.guide@chello.at

25.01.13 12:58


nach Alphabet Karplus Hermann, Dr.

D, E

Koller Irene

D, E

Kremser Barbara, Mag.

D, E

Levtchik Ella, Mag.

Käsmayer Christa

D, E

Köllner Walli, Ing.

D, E

Kreuzinger Isabella

D, F

Leydolt Ninette, Mag.

Keisler Gabriella

D, U

Konrad Herbert Ludwig

D, E

Volkergasse 4/4, 1150 Wien 596 3900, 0664/277 4286, Fax: 596 3900 herkarplus@aol.com

Wiesberggasse 10/10, 1160 Wien 0664/283 1190, christa.kaesmayer@aon.at

Ulmenstraße 27, 1140 Wien 9114 6661 , Fax: 9114 6664, gabi@keisler.at

Killian Edith

WAF

D, F, (E)

Rosenhügelstraße 37/1/13, 1120 Wien 802 4379, 0676/304 4727, Fax: 802 4379 killianguide@gmx.at

Kim Jung Won

D, Kor

D, Kor

D, E

Obere Donaustraße 45/24, 1020 Wien 0676/661 1035, silvia_kopez@yahoo.com

D, E, (F)

Karlheinz-Böhm Straße 1/8, 5082 Grödig 0664/420 3831, Fax: 967 9896 nikolaus.kopinitsch@sbg.at www.dienstleitungen.cc

Nussdorfer Straße 6/18, 1090 Wien 0660/558 8688 nora.korber@libero.it

D, E, I

Weihburggasse 4/3, Stiege/49, 1010 Wien 513 6259 kozue.kinoshita@aon.at

Kleesadl Gabriela

J

D, E, (F)

Wiener Str. 10/1/3, 2301 Groß Enzersdorf 02249/4988, 0676/933 1180, Fax: 02249/4988, kleesadl.gabriela@aon.at

Kleinberger Cornelia, Mag. D, E, (F)

Serravagasse 15/3, 1140 Wien 894 3129, 0664/441 9941 MKOERNER@CHELLO.AT

Koskarti Christiana

Rötzergasse 19/13, 1170 Wien 407 9415, 0699/1216 9431, Fax: 407 9415 christiana.koskarti@gmail.com

Krammer-Hirsch Friederike, MMag. D, E, F, (Sp) Abt Karl-Gasse 22 - 24/II/17, 1180 Wien 405 3968, 0664/486 5787, Fax: 405 3968 Krammer.hirsch@gmx.at

Kleisinger Birgitta D, Schw, (Dn, N)

Kranl-Medgyesi Olga

Klima Brigitte

WAF

D, F, (E)

Kumpfgasse 7/6, 1010 Wien 513 6412, 0676/500 1365, Fax: 513 6412 brigitte.klima@aon.at

Kobsa Robert

Hasnerstraße 35/45, 1160 Wien 0676/942 3423, robert.kobsa@aon.at

Koch Susanne

D, E

D, E, (F)

Hofstattgasse 16/26, 1180 Wien 368 1066, 0676/403 0115, Fax: 368 1066 gecko5@aon.at

Koder Ana

D, Sp, (E, Port)

Landstraßer Hauptstr. 116/16, 1030 Wien 0664/300 5375 anna.koder@utanet.at, www.toursviena.at

Koeberle Thomas

D, F, (E, I)

Stumpergasse 1/Top 11, 1060 Wien 597 2667, 0676/403 4587, Fax: 597 2667 thomas.koeberle@chello.at

Hiessgasse 16/6, 1030 Wien 713 4614 , Fax: 713 4614 Olga.kranl-medgyesi@gmx.at

Krapfenbauer-Horsky Bibiane-Stéphanie

D, U, (E)

D, F

D, E

Trollblumengasse 42, 1220 Wien 0699/1326 9268. friederike.kraus@gmx.at www.wien-stadtfuehrung.info

Krause Ilona

Endresstraße 102/2/3, 1230 Wien 877 4916 iwkrause@gmx.at

Krebs Lydia

Hardeggasse 67/38/3, 1220 Wien 283 8798 , Fax: 283 8798

Kreiner Emmy

Schloßgasse 24a, 2500 Baden 02252/43 433

D, E

Bräunerstraße 4 - 6/27, 1010 Wien 533 6043 , Fax: 533 6043 gudrun.krier@gmx.at

Krupitzka Aurelia

D, F, (E)

Wiener Str. 116/18, 2352 Gumpoldskirchen 02252/62 423, 0676/636 4296 aurelia.krupitzka@gmx.net

Krzempek Niespialowski Malgorzata, Mag.

D, U

D, I

D, Tsch

D, I, R, (E, F)

Breitenseerstraße 3/9, 1140 Wien 947 7449, 0664/930 0422 ella.levtchik@chello.at

D, E, (F)

Stättermayergasse 6/15, 1150 Wien 0699/8131 3024, maniwien@gmail.com

Liew Carla Phui-Yun D, Ch, E, Mal Märzstraße 59/21, 1150 Wien 0699/1328 3698, carlaliew@gmx.at

Lindinger Brigitte, Mag.

D, F

Lischka Helmut, Mag.

D, E

Müllnergasse 3/2, 1090 Wien 317 7159, 0664/275 6352, Fax: 317 7159 brigitte.lindinger@gmx.net

Penzinger Straße 64/3/8, 1140 Wien 0664/610 1070 helmutlischka@gmx.at

Longauer Angela, Mag. D, Poln

Schottenfeldgasse 78/I/8, 1070 Wien 526 0138, 0676/529 1687, Fax: 526 0138 krzenies@gmx.at

D, F, (E)

Fehlingergasse 17, 1130 Wien 0650/450 0885, angelalongauer@gmail.com www.decouvrir-vienne.com

Luksch Claudia

D, E

Mollardgasse 4/13, 1060 Wien 0699/1160 9988 andrea.kugi@hotmail.com

D, I, (E)

D, E

Görgengasse 23/7/2/9, 1190 Wien 0699/1946 0916 claudia.luksch@chello.at

Lutz Linde

Lerchenfelder Straße 37/23, 1070 Wien 0699/1129 7995, info@noas.info

WAF

D, (E, F)

Böcklinstraße 88/8, 1020 Wien 720 7947, 0699/1918 7893, Fax: 720 7947 linde.lutz@chello.at

Macho Regina

D, F, (E)

Tellgasse 14/10, 1150 Wien 789 9526, 0664/890 6147, Fax: 789 9526 doris.kuhnert@hotmail.com

Kierlinger Straße 46, 3400 Klosterneuburg 02243/32 012, 0660/543 1505 F.: 02243/32 012 regina.macho@aon.at

Kurzel-Runtscheiner Helene D, (E, F)

Mader Daranee

Thai, (E)

Kuhnert Doris

D, Dn, (E, N, Schw)

Argentinierstraße 4, 1040 Wien 505 1572, h.kurzel@aon.at

Lahr Marco

D, Sp, (F, E)

Lai Su-Lin

Petzvalgasse 5/13, 1040 Wien 0676/419 0030, su-lin.lai@chello.at

D, Ch

Laschitz Hans Stefan

Paltaufgasse 21/1/8, 1160 Wien 924 2627, 0699/1203 0024 daranee_mader@hotmail.com

Maderthaner Renate, Mag. Arch. D, E, (F) Neuer Markt 9/21, 1010 Wien 513 5034 , Fax: 513 5034 renate.maderthaner@chello.at

Madl Cornelia D

Floßgasse 16 - 18/2/6, 1020 Wien 212 5728, 263 1161, Fax: 212 5728, 263 1161 h.laschitz@gmx.at

Ledochowski-Aoyama Megumi D, J Zentagasse 1/18, 1050 Wien 0676/452 0268 megumi.aoyama7@gmail.com

D, E

Taborstraße 83/16, 1020 Wien 212 6998, 0699/1133 0422, Fax: 212 6998 cornelia.madl@gmx.at www.wienfuehrungen.at

Mahfouz-Pospichal Gabriele D, E, (I) Breitenseer Str. 80/3/52, 1140 Wien 0699/1726 7074, Fax: 786 0436

WAF

Maierhofer Susanne D, (I, R, U)

Leisser Gerda

D, E, (I)

Levina Elena

D, R, (E)

Schubertstraße 7, 2230 Gänserndorf 02282/80 117, 0650/551 0698 Fax: 02282/80 117 47, gleisser@aon.at

Blindengasse 5/7, 1080 Wien 0676/950 1575, eplevina@hotmail.com

www.guides-in-vienna.at 122-129 Internes2013.indd 125

D, E, F

Schweizertalstraße 40, 1130 Wien 877 8160, 0650/750 8459, Fax: 877 8160 19 marina.viennaguide@gmx.at

Gurkgasse 19/16, 1140 Wien 924 3027, 0699/1924 3027 marco.lahr@chello.at

Pötzleinsdorfer Str. 96/9, 1180 Wien 0664/224 0840 bibiane.krapfenbauer@gmx.at

Kraus Friederike, Mag.

Kriegs-Au Marina

Kühbacher Norbert D, I, (E)

Gentzgasse 14-20/9/8, 1180 Wien 0650/614 9614, colakleinberger@hotmail.com

Suppégasse 7, 1130 Wien 876 4602, 0664/500 3245, Fax: 876 4602 birgitta.kleisinger@aon.at

Zirkusgasse 11/29, 1020 Wien 216 5253, 0664/411 4936

Kugi Andrea, Mag.

Körner Maria-Theresia, Mag. D, E, R

Kinoshita Kozue

Anton Hanakgasse 48, 2103 Langenzersdorf 02244/306 70, 0680/207 6533 F.: 02244/306 70, kremser.barbara@gmx.at

Krier Gudrun

Korber Nora

D, E

Strozzigasse 26/6, 1080 Wien 0699/1924 7154 patrizia.kindl@chello.at

Worellstraße 3, 1060 Wien 586 7308, 581 8640, 0699/1405 2922 F.: 595 2725 herbert.konrad@kunstkultur.com www.kunstkultur.com

Kopinitsch Nikolaus

Schubertgasse 9/15, 1090 Wien 925 4809, 0664/381 8463, Fax: 925 4809 okin.kim@chello.at

Kindl Patrizia

Schlösselgasse 11/4, 1080 Wien 405 2418, 0664/542 4050 v.koellner@utanet.at

Kopez Silvia, Mag.

Stumpergasse 51/35, 1060 Wien 269 9482, 0699/1381 3419, Fax: 894 9632 kimvienna@hotmail.com

Kim Ok In

Speisinger Straße 37/1, 1130 Wien 879 7559, 0664/345 9628 koller.hi@aon.at

Kirchstetterngasse 32/11, 1160 Wien 0664/201 7106, Fax: 494 5265 susanne.maierhoferguide@gmx.at www.viennaguide.co.at

Major Berta Maria

D, E, F

Ruthgasse 7/3/2, 1190 Wien 369 8866 , Fax: 369 8866 berta.maria@major.at

WAF

125 25.01.13 12:58


Mitgliederliste Mandl Bettina

D, E

Ottakringer Straße 242/1/16, 1160 Wien 480 2525, 0664/312 7788 bettina-mandl@chello.at www.my-vienna-guides.at

Mandl Kathrin

D, E

Bräuhausgasse 31/40, 1050 Wien 0660/177 5993 kathi_mandl@gmx.at

Marterbauer Andrea

Troststraße 53/21, 1100 Wien 607 8399, 0676/365 2872 marterbauer@aon.at

Martin Giuseppina

D, I, (E, F)

Hasnerstraße 46/15, 1160 Wien 943 0755, 0699/1039 7948 giuseppina.martin@hotmail.com

Martin Mara, Komm.Rat Singerstraße 20, 1010 Wien 512 9735, 0664/308 3839 mara.martin@gmx.at

D, I, (E)

D, E, U

D, E

D, I, (E)

Anzengruberstraße 3, 3032 Eichgraben 0676/922 3599, italiana63@hotmail.com www.austriaguides.com

D, Sp, (E)

Schweighofer Str. 31, 3032 Eichgraben 0676/ 934 5669 susanne@austriaguides.com www.austriaguides.com/susanne

Mayer Nina

D, R

Taborstraße 126/20, 1020 Wien 0676/337 4268, mayer_nina@gmx.net

WAF

D, E

Josefstädter Straße 19, 1080 Wien 406 6745, 0676/915 4004, Fax: 406 6745 lisa.mildner@chello.at

WAF

Weidlichgasse 12/2, 1130 Wien 876 8854, 0664/271 9565, Fax: 876 8854 utaguide@utanet.at

Montiel de Muhm Sonia

D, (E, F, I)

D, Sb, Kr, (Al)

Speisinger Straße 46-48/3/2, 1130 Wien 0676/627 5776 office@vienna-guided-tours.com

D, E

Missindorfstraße 31/10-11, 1140 Wien 923 4248, 0699/1083 7334, Fax: 923 4248 martin.mutschlechner@chello.at

Naderer Christl, Dkfm.

D, E, I

Gogolgasse 23, 1130 Wien 877 2425, 0664/338 4196, Fax: 877 2425 christl.naderer@gmx.at

Neubacher Eleonore

D, E, Sp

369 6401, 0664/281 9118, Fax: 369 6401 vienna-tours-leonor@aon.at

D, R, (E)

Sonnleithnergasse 15/84, 1100 Wien 0664/851 5150 vladaniki@hotmail.com

D, Sp

Gusenleithnergasse 5/1/11, 1140 Wien 914 9921, 0699/1136 7226 Romana@obermayer-it.at www.stadtbummel.at

Nordwestbahnstraße 25/5, 1020 Wien 0669/1925 1712, sonia.muhm@chello.at www.sonita.at, www.soni.at

Mosch Clemens, Mag.

Otto Michael

D, E

Rustenschacher Allee 34-36/2/5, 1020 Wien 720 5994, 0676/362 2328 clemensmosch@hotmail.com

126 122-129 Internes2013.indd 126

Past Christian, Mag.

D, E

Polz Peter

Kundratstraße 10/10/13, 1100 Wien 913 9467, 0664/177 9314 christian.past@chello.at

Pavese Claude

F

Lechthalergasse 30, 1230 Wien 889 4070, 0699/1212 2004 Fax: 889 4070, claudepavese@aon.at

Pérez de la Maza Francisco Javier D, Sp, (E, I)

Pernaric Lydia

D, Port, (E)

Yppengasse 1/14, 1160 Wien 402 0306, 0699/1233 7809, Fax: 402 0306 pernaric@gmx.at

Hietzinger Hauptstraße 103/12, 1130 Wien 876 0347, 0699/1320 1121, Fax: 876 0347 oswald-pernul@aon.at

D, Nl, (E)

Vorgartenstraße 145-157/5/22, 1020 Wien 212 4815, 0664/221 3727 mariken_peters@aon.at

D, E, Sp, (Port, R)

Wiesingerstraße 1/23, 1010 Wien 512 1215, 0664/301 7035 carmen.peyrl@chello.at

D, E

Altsiedlergasse 29, 3400 Klosterneuburg 02243/25 237, 0664/7302 5910

D, E

Waldvogelstraße 18-24/5/8, 1130 Wien 0699/1033 4728 michaelotto@gmx.at

Pfitzner Thomas

D, (E, F, I, Sp)

Bäckerstraße 2/34-36, 1010 Wien 513 8782 , Fax: 513 8782 polz@utanet.at

Pontoni Marianne

D, U

Prof. Josef-Humplik-G. 18, 3002 Purkersd. 02231/63 629, 0676/375 7055 F.: 02231/63 629 pontoni@chello.at

Popescu Michael, DI

D, Rum, (F)

Jungstraße 14/9, 1020 Wien 0664/545 0441, viena@web.de

Prammer-Schukovits Ilse

D, (E)

Oberlaaerstraße 210/7, 1100 Wien 726 1683, 0676/503 3691, Fax: 726 1683 i.prammer@aon.at

D, F, (E)

Praterstraße 11, 1020 Wien 216 0240, 0676/432 3715, Fax: 216 0240 evelyne.pranter@gmx.at

Preußer Ursula, Mag.

Hochmaisgasse 14 – 16, 1130 Wien 804 3168 , Fax: 804 3168 preusser@aon.at

D, (E)

Profunser-Abram Veronika, Mag. D, I Endemanngasse 29, 1230 Wien 889 7898, 0664/545 4749, Fax: 889 7898 veronika.abram@aon.at

Böcklinstraße 52/9, 1020 Wien 0699/1188 9765 george.purdea@univie.ac.at

Raab Galina

Kriemhildplatz 9/17, 1150 Wien 789 6990, 0676/948 3303, Fax: 789 6990 f.pfister@guidewien.com, www.guidewien.com

Pfitzner Lore

D, E

Rickard-Lindström-Gasse 39, 1100 Wien 689 2316, 0664/402 2631, Fax: 689 2316 eva.ploder@aon.at

Purdea George, Mag. Dr. D, E, F, I, Sp, (Rum)

Pfister Franziska Maria D, E, Schw, (N) D

D, E, (F)

Lerchenfelder Straße 37/21, 1070 Wien 533 8111, 0699/1909 0842 piffl.renate@aon.at

Pranter Evelyne

Wiesingerstraße 1/23, 1010 Wien 512 1215, 0664/301 7035, Fax: 512 2870 carmen.peyrl@chello.at

Ortner Renate

Mariahilfer Straße 105, 1060 Wien 597 1286, 0699/1219 2776 Fax: 597 1286 RenateOrtner@hotmail.com

Ploder Eva-Maria

Peyrl Marie Carmen D, Sp, E, Port, (F)

Jedlersdorfer Straße 182/2/18, 1210 Wien 294 2199, 0681/1024 4292 jaroslaw.orlowski@chello.at

Rotensterngasse 20/20, 1020 Wien 0664/233 4710, be.pienkowski@gmail.com

D, E

Peyrl Klaus, Ing.

Orlowski Jaroslaw Cezary, Mag. D, Poln, (R)

Pienkowski Bozena Ewa, Mag. D, Poln

Pasetti Marius, Mag.

Baumgartenstraße 91, 1140 Wien 416 7924, 0664/154 1034, Fax: 544 8687 pasetti@gmx.at

D, E, F

Tanbruckgasse 16 - 22/II, 1120 Wien 815 9695 , Fax: 815 9695

Piffl Renate

D

Schmutzergasse 1/4/38, 1150 Wien 982 9105, 0664/595 7813 josef.parak@ipa.at

Peters Mariken

D, E

Philipp Christa

WAF

Parak Josef

Pernul-Oswald Elisabeth, Mag. D, R, (I)

Blechturmgasse 18/22, 1040 Wien 0650/641 7392 silvia.oberhummer@hotmail.com

Obermayer Romana

D, Gr

Heinrich-Collin-Str. 3c/Stg. 9/72, 1140 Wien 602 2018, 0699/1013 7376, Fax: 602 2018 theophil@ccc.at

Hamerlingplatz 10, 1080 Wien 0650/863 1823, tuguiaenviena@gmail.com javier.perez@inode.at

Oberhummer-Rambossek Silvia, Dr. D, F, (Sp, E)

I, (E, Sp)

D, F, (E)

Münster Irmgard

Jeneweingasse 19/1/1, 1210 Wien 271 7641, 0676/534 9058, Fax: 271 7641 mueller.guide@gmx.at

Bennoplatz 5/17, 1080 Wien 405 1051, 0699/1096 9864, Fax: 405 1051 nunezjanet@hotmail.com

Grundsteingasse 41/2/4-5, 1160 Wien 407 2830, 0676/418 7711, Fax: 407 2830 cristina_mele@yahoo.it

Minnich Uta

D, Sp, (E)

Nunez Oviedo Janet Cristina D, Sp

Schleifmühlgasse 13/23, 1040 Wien 0676/516 2894 piroska.mayer@chello.at

Mildner Liselotte, Dkfm.

Papatheophilou Theophilos

Müller Ulrike

Nußberggasse 7a, 1190 Wien 370 8404

D, R, (E)

Rohrergasse 20/3/5, 1160 Wien 0699/1788 4451, franz.paminger@chello.at

D, I, (E)

Mosergasse 6/13, 1090 Wien 310 1955, ingrid.mottl@aon.at

Nikiforova Vladlena

Mayer-Sebestyén Piroska D, Sp, (E, U)

Mele Cristina

Mottl Ingrid

Mutschlechner Martin

Widerhoferplatz 4/12, 1090 Wien 317 8870, 0664/160 9214, Fax: 317 8870 15 Sigrid.Massenbauer@Massenbauer.at

Maurer Susanne

Paminger Franz, Mag.

Kwizdastraße 25/4, 2100 Korneuburg 02262/61 395, 0664/562 0869 moser.elisabeth-guide@aon.at

Musliu Imri

Massenbauer Sigrid, Mag.

Maurer Manuela

Moser Elisabeth, Dkfm. Mag. D, F, (E)

D, E

Gartenstr. 238/1/3, 2723 Muthmannsdorf 0664/848 2937, thomas.pfitzner@bmf.gv.at

D, R

Amalie-Seidel-Weg 3/2/5.05, 1120 Wien 786 4328, 0699/1135 8675 raab.g@aon.at, www.galinaguide.com

Radunsky Andrea

D, U, (E)

Gussenbauergasse 2/17, 1090 Wien 319 2230, 0699/1041 1732, Fax: 319 2230 andrea.radunsky@gmx.at

Radžiūnaitė Daiva, Mag.

Wasnergasse 27/20, 1200 Wien 0676/551 6842 daivarad@yahoo.de www.austriagidas.at

D, Lit

Kulturmagazin der Wiener Fremdenführer 2013 25.01.13 12:58


nach Alphabet Rajala Virve, Mag.

D, Fn

Im Gestockert 60A, 1220 Wien 774 0353, 0676/956 2638 virve.rajala@aon.at

Rashid Hasiba, Mag. D,A, (E, Rum) Zwölfergasse 3/10-11, 1150 Wien 0660/278 3028 reiseleiterin2000@gmail.com

Rasper Elke

D, (E, F)

Rennweg 70/1/29, 1030 Wien 799 0756, 0699/1110 6183, Fax: 799 0756 elke.rasper@aon.at

Rathauscher Doris

D, (F, I)

Goldschmiedgasse 9/1/24, 1010 Wien 533 8040, 0699/1733 8040, Fax: 533 8040 doris.rathauscher@aon.at

Steinbruchstraße 33A, 1140 Wien 0664/308 5441, Fax: 419 1009

D, (F)

Hagenberggasse 27/9, 1130 Wien 876 6561, Fax: 876 6561

Rausch Franzisca

D, E

Gartensiedlung Mexico/29, 1220 Wien 212 1135, 0699/1175 8261, Fax: 212 1135 office@bikeandguide.com

Reichart Herbert

D, E

Donaustraße 19, 3421 Höflein an der Donau 02243/80079, 0664/7363 8239 h.reichart@aon.at

Reischmann Helga, Mag.

Maiklgasse 2/31/20, 1100 Wien 0699/1080 9676 a8207267@unet.univie.ac.at

D, E, (F)

Reiter Susanne, Ing.

Juchgasse 13-15/11, 1030 Wien 0676/522 3342

D, E

Rontzai Elfriede

D, E, (F)

Anton Baumgartner-Str. 44/A4/146 1232 Wien 667 5518, 0664/335 0736, Fax: 667 5518 elfriede.rontzai@chello.at

D, E

WAF

Riedler Maria-Andrea, Dr.

D, E

D, E, (F, Sp)

Edelhofgasse 13/15 D, 1180 Wien 479 4681, 0664/523 1460 salzmanng@aon.at

Obere Amtshausgasse 40/5, 1050 Wien 548 9582 , Fax: 548 9582 walpurga.santi-pfann@chello.at

Saravia Eulalio

D, I

D, F, (E, I, Sp)

Sp, (E, I, Port)

Missindorfstraße 14/9, 1140 Wien 983 2038, 0664/358 1603, Fax: 983 2038 litho@chello.at

Roznovsky Gertrude D, E, (F) WAF

Georg Siglgasse 11/11, 1090 Wien 941 2474, 0699/1301 2202, Fax: 941 2474 fernanda.austriaguide@chello.at

D, E, I

Praterstraße 25/15, 1020 Wien 216 7267, 0664/410 7387, Fax: 216 7267 ingrid.sawerthal@chello.at

Rüdegger Gerlinde

Scarpello Gaetano

D, (E, F)

Eroicagasse 41, 1190 Wien 370 2554, 0676/624 1490, Fax: 370 2554 g.ruedegger@aon.at

Rudich Pablo

D, Sp, (E, F, I, Port)

Herminengasse 13/10, 1020 Wien 0650/254 4436, pablo.rudich@chello.at

Clementinengasse 20/10, 1150 Wien 0699/1094 0829 anna.salnik@waytoaustria.at

D, R

Kuefsteingasse 35/25, 1140 Wien 617 2902, 0676/335 3622, Fax: 617 2902 gaetano.scarpello@aon.at

Scheiber Peter

Berggasse 13, 7331 Weppersdorf 02618/3225, 0660/446 6045 peter.scheiber@wienguide.net http://www.wienguide.net

I

D, E, Sp

Schellenberg Aiga

D, E

Marktgasse 60/24, 1090 Wien 407 1592, 0676/715 7640, Fax: 407 1592 aiga.schellenberg@chello.at

Tulpengasse 5/21, 1080 Wien 403 3899, 0664/307 6645, Fax: 403 3899 rsalzbrunn@hotmail.com

Scherabon Giselheid

D, (E)

WAF

Linienamtsgasse 8/6/2, 1130 Wien 804 8377, 0699/8880 3571, Fax: 804 8377 giselheid.scherabon@gmx.at

Schindl Brigitte

D, E, Sp, (I, Port)

Schindl Walter

D, E

Schmidt Gertraud

D, E

Schmidt Klaus-Dieter, Dr.

D, E

Schneider Alexandra

D, E

Rotenmühlgasse 13/2/14, 1120 Wien 0699/1913 9875 Walter.Schindl@chello.at

Lederergasse 17/7a, 1080 Wien 524 0520, 0676/519 6069, Fax: 524 0520 k.saudino@aon.at www.saudino.at

Brühler Straße 67c-5, 2340 Mödling 0681/1064 6903, guide.gertie@gmx.at

D, F, (E)

Löwengasse 45/Top 1, 1030 Wien 913 9874, 0699/1913 9874, Fax: 913 9874 gittis@chello.at

WAF

Sawerthal Ingrid, Mag.

Schertler Doris

Tigergasse 16/5, 1080 Wien 923 6309, 0699/1923 6309, Fax: 923 6309 doris.schertler@chello.at

Saudino Katharina, Mag. D, E, Tsch

Kalvarienberggasse 55/12, 1170 Wien 0676/351 6583, DorisRottensteiner@gmx.at

WAF

Scherhak Elisabeth, Dr. D, F, (E, I)

Kefergasse 21/4/4, 1140 Wien 911 2760, 0664/260 7502, Fax: 911 2760 e.scherhak@gmx.at

Sarria-Ortiz Fernanda D, Sp, (Port)

Roth Brigitte, Dr. D, E, F, (I, Port, Sp)

Rottensteiner Doris

Salzmann Gertraud

Santi-Pfann Walpurga, Dr.

Hornbostelgasse 11/16, 1060 Wien 408 8295, 0664/206 9360, Fax: 408 8295 90 manuel.romero@chello.at www.j-strauss.com

Salzbrunn Renate, Mag. D, (E, Port, Sp)

D, E

Renney Madeleine

Romero-Portela Manuel D, Sp, (I, Port)

Salnik Anna

Friedrich Manhartstraße 4, 1210 Wien 294 6774, 0664/7387 5305 sue.reiter@aon.at

Renner Christine

D, E

Neulerchenfelder Str. 55/2/10, 1160 Wien 403 0103, 0664/462 9458, Fax: 403 0103 evarogge@utanet.at

Hauptstraße 85/3/6, 3420 Kritzendorf 02243/20 178, 0664/400 9960 F.: 02243/20 178 b.roth@viennaguide.info

Raubal Friedrich, Ing. Mag. D, F, (E, I, Sp)

Rauchwarter Gerlinde

Rogge Eva, Dr.

Willergasse 39, 1230 Wien 892 2312, 0699/1063 2019, Fax: 892 0797 office@go-schmidt.at

Starkfriedgasse 29, 1180 Wien 479 5283, 0676/951 9352, Fax: 479 5283 kd.schmidt@aon.at, www.viennaguides.at

Linzer Straße 410, 1140 Wien 0664/520 9189 sandi.schneider@gmx.net

Schober Hedwig

D, F, U

Wilhelminenstr. 34/15-17, 1160 Wien 480 8745 , Fax: 480 8745 karl.schober2@chello.at

Schönenberg Marianne, Dr. D, E

WAF

Hofherrgasse 4/13, 1100 Wien 710 6156, 0699/1083 7659 marianne.schoenenberg@a1.net

Schroder Elisabeth

D, E, F, I, Sp

Feldstraße 32, 5230 Mattighofen 07742/58 738 , Fax: 07742/58 738 elisabeth.schroder@aon.at

Obkirchergasse 2-6/4/8, 1190 Wien 368 8520, 0676/584 8759, renney@aon.at

Gerhart Hauptmannstr. 5, 2000 Stockerau 02266/632 59, 0664/912 1602 riedler.andrea@gmail.com

Rieser Christa

D, (E, I)

Alliiertenstraße 10/12, 1020 Wien 969 1055, 0664/202 8122, Fax: 969 1055 c.rieser@gmx.at

Rikberg Rita, Mag.

D, Est, (Sp)

Rötzergasse 3/14, 1170 Wien 403 0447, 0664/456 5601, Fax: 403 0447 vindobona1@gmx.at

Rintelen Nancy Danae, Mag. D, F, I, (E, Tr)

Bindergasse 5/26, 1090 Wien 0676/724 3609; nancy.rintelen@gmx.at

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Mitgliederliste Schüller Antonia

D, Sp, (E)

Spiegler Gudrun

D, E

Schümatschek Martina A., Mag. WAF D, E

Spiesberger Lena

D, R

Pfadenhauergasse 2/9, 1140 Wien 982 5569, 0676/364 7094, Fax: 982 5569

Mariahilfer Straße 49/38, 1060 Wien 0664/234 7913, Fax: 208 4284 mas@triloca.at, www.triloca.at

Schwaiger Andrea Theresia

D, E

Neusserplatz 4/23, 1150 Wien 0699/1968 6762 schwaiger.andrea@gmx.at

D

Einwanggasse 17/3/10, 1140 Wien 894 5363, 0664/132 4206 schwarz.u@aon.at www.kulturguide-wien.at

Wollergasse 1, 1190 Wien 370 3228, 0676/504 9295, Fax: 370 3228 seija.stanek@aon.at

D, E

Rodlergasse 25/7, 1190 Wien 0650/443 7738, caroline.steffens@gmx.at

Bachgasse 6, 7023 Stöttera 02626/20 092, 0664/243 6113 Fax: 02626/50 327 office@der-schwentenwein.com www.der-schwentenwein.com

Stehrer Christian

D, I, (Sp, E)

Sautergasse 62/21, 1170 Wien 0650/761 4538 christian_stehrer@yahoo.com www.christian-stehrer.at

D, F, (E)

Karl Schweighofer-Gasse 10, 1070 Wien 523 2180, 0676/377 9649, Fax: 523 3768 02 anna.seibel@gmx.at

D, (E, F)

Mariahilfer Straße 49/3/63, 1060 Wien 581 7865, 0676/672 1587, Fax: 581 7865 hiseidl@utanet.at

Shabrova Bella

D, R

Sautergasse 25-11, 1160 Wien 0699/1068 2568 shabrova_bella@mail.ru

Shu Yin-Jsua (Angela)

Ch, (E)

Kampstraße 11/13, 1200 Wien 0664/502 0015, Fax: 333 9648 angela_shuy@yahoo.com

Slameczka Gerlinde

Ennsgasse 7 - 11/II/15, 1020 Wien 913 7132, 0664/526 1476

D, E

D, Nl, (E)

A.-Baumgartner-Str. 44/C4/1902 1230 Wien 810 5152, 0699/1029 5076, Fax: 810 5152 hildegard.snehota@chello.at

Hans-Tinhof-Str. 2/7, 7000 Eisenstadt 02682/61 150, 0664/911 6822 F.: 02682/61 150 office@burgenland-entdecken.at www.burgenland-entdecken.at

D, E

Steiner Elisabeth

WAF

D, E

Steiner Irene, MMag.

D, E, I

Steinwider Bozena, DI

D, Poln

Spargelfeldstraße 162/192, 1220 Wien 734 3119, 0699/1003 1814, Fax: 734 3119 steinwider@chello.at

Stickler Margarete

D, E

Jakob-Thoma-Straße 6/7, 2340 Mödling 02236/46 117 margarete.stickler@kabsi.at

Stiehler-Chiose Sanda, Mag. D, F, Rum

Kierlinger Str. 136b/8, 3400 Klosterneuburg 02243/28 880, 0650/950 5717 F.: 02243/28 880 sanda.stiehler@aon.at

Stolba Alexandra

Strassberg Valerie D, F, Sp, (E, I)

WAF

Große Stadtgutgasse 14/103, 1020 Wien 0699/1958 4496 valerie@strassberg.at www.strassberg.at

D, E

Breitenfelder Gasse 18/8, 1080 Wien 0676/934 0939 jmstrobl@hotmail.com

Strömmer Elisabeth, Dr.

D, Nl

Szegö Johann, Komm.Rat D, E, U

WAF

Hellmesbergergasse 2, 1140 Wien 887 2260 , Fax: 887 2260 elisabeth.guide@gmx.at

Neulerchenfelder Straße 23/25, 1160 Wien 402 9310 szeguide@wien-entdecken.at www.wien-entdecken.at

D, E, R

D, E, (I, F)

Heigerleinstraße 52/4/23, 1160 Wien 0676/918 1966 alexandra.stolba@chello.at

D, R, (E, Hb)

Darwingasse 2/2/60, 1020 Wien 0676/505 9769 a_fujimori22@yahoo.com

Tavcar Newa

D, I

Tentschert Monika

D, E

Sechsschimmelgasse 1/19, 1090 Wien 0676/415 9017 newatav@yahoo.com

Obere Augartenstraße 40/21, 1020 Wien 212 0640, 0664/360 8667 Fax: 212 0640

Thiem Gabriele, Mag.

D, I, (E)

Tautenhayngasse 19/11, 1150 Wien 0660/492 4878, Fax: 985 2611 info@gabi-thiem.at

Phorusgasse 14/6, 1040 Wien 585 7914 , Fax: 585 7914 reinhard.travnicek@chello.at

Traxler Adele

D, I

Sieveringer Str. 152, 1190 Wien 440 2847

Tretter Martha, Mag.

D, Port, (E)

Porzellangasse 34/7, 1090 Wien 942 7872, 0699/1214 2379, Fax: 942 7872 office@artemezzo.com www.artemezzo.com

Triebnig Hans

D, E, I, (Sp, F)

Hauptstraße 37, 2114 Hornsburg 0699/1904 3001 hans.triebnig@live.at

Trost Katharina, Mag.

D, E

Turanicz Rotraud, Mag.

D, E, Sp

Turki-Wagner Christina

D, E

Josefstädter Straße 3/10, 1080 Wien 990 0316, 0699/1944 7052 Fax: 990 0316 turaniczguide@gmx.at

Franz-Veiglstraße 4-2, 3495 Rohrendorf 0676/958 0907 christina@stadtbilder.at www.stadtbilder.at

Unger Liisa

Karlweisgasse 18/1/2, 1180 Wien 470 9429 liisa.unger@a1.net

Landstraßer Hauptstraße 133/32, 1030 Wien 713 1189

Valero-Gröller Maria

Kulturmagazin der Wiener Fremdenführer 2013

Titelbach Angela

D, E

Langmaisgasse 5/6, 1150 Wien 982 0863 , Fax: 982 0863 titelbachguide@chello.at

WAF

D, E

D, E, Sp, F

Dr. Heinrich Maier Str. 59, 1180 Wien 440 3563, 0664/450 6151 mariavalerogroeller@hotmail.com

van de Stadt Alide

D, Nl, (E, F, Sp)

Vana Helmut Hans

D, F, E

Wiethestraße 69/1, 1220 Wien 774 8901 , Fax: 774 8933 brigitte.timmermann@viennawalks.com

D, Fn

Unger-Stiasny Monika

Timmermann Brigitte, Dr.

128 122-129 Internes2013.indd 128

Travnicek Reinhard, Dr. D, I, F, Sp, (E)

Zennergasse 4, 1160 Wien 486 1090, 0688/853 1800, Fax: 486 1090 a.thon@gmx.at

D, I, (E, Sp)

Stolle Gudrun

Gonzagagasse 2/41, 1010 Wien 533 6397, 0676/935 1064 gudrun.stolle@gmx.at

D, Ch, (E)

Ing.-Josef-Gattermaier-Gasse 3/2 2345 Brunn a.G. 02236/328 828, 0676/373 0839 Fax: 02236/328 828 sallytraussnig@hotmail.com

Sobieskigasse 20/22, 1090 Wien 315 1688, 0664/153 5375 Fax: 315 1688 alide.van.de.stadt@aon.at

Thon Adelheid

Specht-Godai Barbara, Mag.D, F, (E) Langenlebarnerstraße 90A/11 , 3430 Tulln 0699/1983 3073 specht-godai.guide@gmx.at

D, (E)

D, (E, F, I, N, Schw)

Dempschergasse 7/16, 1180 Wien 406 3646, 0699/1025 4016, Fax: 406 3646 officeviennainfo@hotmail.com

Talis Alexander

Traußnig Sally

Traklgasse 11/3, 1190 Wien 0676/750 5154, Fax: 4402 7814 kathitrost@hotmail.com

Zur Spinnerin 53/4/2, 1100 Wien 943 7864, 0699/1943 7864, Fax: 943 7864 szwedek@chello.at

Tadros Samia

Hietzinger Hauptstraße 122A/7, 1130 Wien 0676/330 9611, Fax: 877 3916 irene.steiner13@gmail.com

Hegergasse 19/23, 1030 Wien 0699/1099 0204, Fax: 974 0261 guide.christian@gmail.com

D, E

Pirkebnerstraße 1-3/Stg. 2/Tür 2, 1120 Wien 0664/557 0916 alexander.stollhof@chello.at www.wienerwelten.at

Szwedek Kazimiera-Katharina D, Poln, (E, R)

Weintraubengasse 30/11, 1020 Wien 0699/1011 1020 elisabeth.steiner@vienna-guide.com

Stockinger Christian

Stollhof Alexander, Dr.

Strobl Julia D, E

Steffens-Krebs Caroline, Mag.

Schwentenwein Herbert, Mag. D, E

Spatzierer Gisela

D

Zur Spinnerin 44/23, 1100 Wien 0699/1920 9481, office@stabel.at

Stanek Seija D, Fn, (E, Dn, N, Schw)

Schwarz Ursula

Snehota Hildegard

Stabel Christine, Mag.

Argentinier Straße 18/12, 1040 Wien 0699/1906 1008, stallforth@t-online.de

Kanalstraße 6/1, 1220 Wien 0650/223 0751 silvia.schwammschneider@aon.at

Seidl Hilde

Althanstraße 11-13/4/7, 1090 Wien 0664/486 8687, Fax: 319 6844 lena.spiesberger@gmx.at

Stallforth Elisabeth

Schwammschneider Silvia D, (E, F, I, Port, Sp)

Seibel Anna Maria, Mag.

Pötzleinsdorfer Straße 34, 1180 Wien 479 7835, 0664/435 6132, Fax: 479 7835 gudrun.spiegler@live.at

D, (E, F, I, Sp)

Sollingergasse 30, 1190 Wien 320 5051, 0664/103 5232, Fax: 320 5051 h.vana.viennaguide@chello.at

Vejvar-Sandler Karin

D, I, (E)

Vorgartenstraße 129/3/14, 1020 Wien 913 1954, 0699/1068 1622, Fax: 913 1954 kavesa@chello.at

25.01.13 12:58


nach Alphabet Verdianu Floderer Ulrike D, Schw, (E, F, R)

Wolf Elisabeth

D, E, (I)

Schlossgartenstraße 32, 1230 Wien 0664/313 3482 e-wolf@aon.at

Oberthern 4, 3701 Oberthern 02955/71468, 0699/1030 6282 verdianu@hotmail.com

Vit Magdalena, Mag.

D, E

Hollenburger Straße 108, 3508 Krustette 0676/692 1664 magdalena.vit@wachauf.info www.wachauf.info

von Spreckelsen-Berger Regine D, F, (E)

Wolflingseder Barbara

D, E

Wressnig Felicitas D, E, Sp, (F)

WAF

Türkenschanzstraße 11/6, 1180 Wien 0676/426 8571 barbara@wolflingseder.at

Yarikova Ekaterina

Vukic Vasiljev Tamara, DI D, Kr, Bo, Sb, (E)

R

Löwengasse 2B/1/1, 1030 Wien 0676/728 8888 office@katya-guide.at

Formanekgasse 5/12, 1190 Wien 367 0141, 0676/413 3331 Fax: 367 0452 tamara@veni-vidi.at

Yu-Rodax Li-Yi

Wagner Maria

D, E, (I, Rum)

Wakounig Sonja

D, Slo, (Kr, I)

Schüttaustraße 48-6a, 1220 Wien 0650/410 7134 larisa.yurkevich@chello.at

Zajko Maria, Mag.

D, Sk

D, Ch

WAF

Adalbert-Stifter-Straße 35/15/25, 1200 Wien 0699/1087 9979, Fax: 276 7456 maria.zajko@gmx.at http://tourguide.zajko.at/

Zander Margot, Mag.

D, I

Zeiler Lisa, Mag.

D, E

Zieglergasse 81/1, 1070 Wien 974 1670, 0699/1974 1670, Fax: 974 1670 office@abt.at, www.abt.at

Franz-Josefs-Kai 33/12, 1010 Wien 0664/212 8014 guide-felicitas@chello.at www.viennawalks.at

Stegmayergasse 50, 1120 Wien 0699/1148 6537 regine.berger1@gmail.com

Yurkevich Larisa

D, R

Gassergasse 25/8, 1050 Wien 920 1287, 0699/1920 1287, Fax: 920 1287 li-yi.yu@chello.at

Schöffelgasse 38/3, 1180 Wien 0699/1203 7550, Fax: 402 3688 lisa.zeiler@gmx.at

Zillinger Karl, Mag.

Zlabinger-Mameda Yumi

D, J

Zorzi Laura

D, I

Kamillenweg 8/10, 1220 Wien 282 8598, 0664/7365 6482 mameda@aon.at

Währinger Gürtel 166/2/5, 1090 Wien 310 5506 info@itinerari.at

Zurhaleg Laura

D, I, (F)

Pfadenhauergasse 2/2/25, 1140 Wien 505 6020, 0676/780 1512, Fax: 505 6020 laura.zurhaleg@hotmail.com

Zwickl Keiko

Lerchenfelder Straße 83/6, 1070 Wien 526 1654, 0664/462 9442 keikozwickl@yahoo.co.jp

J

D, E, (F, I, Sp)

Radetzkystraße 8/8, 1030 Wien 402 5372, 0699/1922 5103, Fax: 922 5103 office@zillinger4vienna.at www.zillinger4vienna.at

Hochleithenstraße 21, 2120 Wolkersdorf 02245/3175, 0664/324 5240 Fax: 02245/3175 77 maria.wagner@optimum.co.at

Favoritenstraße 119/1/12, 1100 Wien 0664/153 8661 sonja.wakounig@gmx.at

Wehr Barbara

D, E

Nußwaldgasse 3/3, 1190 Wien 0664/226 7706 tour@barbarawehr.at www.barbarawehr.at

Weinberg Michael D, Tsch, (E, F, Hb, I, R, Sk)

Schüttaustraße 1-39/9/3, 1220 Wien 0699/1300 5035, Fax: 729 8357 m.weinberg@chello.at www.guidevienna.eu

Weiss Olga

D, E

Birkenstraße 28, 2434 Götzendorf/Leitha 02169/8364, 0676/938 2401 Fax: 02169/8364 olga.weiss@kabsi.at

Weiß Eleonore

D, R

Werner Verena

D, E, (Gr)

Josef-Lanner-Gasse 4, 3003 Gablitz 0664/143 4798 elenaweisz@gmx.net

Hauptstraße 78/1, 7111 Parndorf 0699/1132 0136 verena.werner@austrian-guide.eu www.austrian-guide.eu

Wesemann Heiner

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Wohlfarter Margaret

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Redaktion

Redaktion Christa Bauer

Chefredakteurin Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Wien. Nach langjähriger Tätigkeit in der Touristik und als Seminartrainerin seit 2002 als begeisterte Fremdenführerin tätig. Seit 2008 im Vorstand des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer.

Julia Strobl

Stellvertretende Chefredakteurin Geboren 1965 in Wien, Schule für Industriedesign in Brasilien, ArchitekturStudium an der TU Wien, Studium der Archäologie und Kunstgeschichte seit 2008.

Mag. Lisa Zeiler

Stellvertretende Chefredakteurin Studium der Anglistik und der Kunstgeschichte in Wien und Toronto. Seit 2001 als Fremdenführerin in Wien tätig. Österreichs Vertreterin in der European Federation of Tourist Guide Associations (www.feg-touristguides.org).

Mag. Carles Batlle i Enrich

Stellvertretender Chefredakteur Geboren 1963 in Barcelona, seit 1983 in Österreich. Studium der romanischen Philologie. Sprachlehrer für Katalanisch und Spanisch in der Erwachsenenbildung an mehreren Instituten. Lektor an der Universität Wien seit 1992. Fremdenführer seit 2001.

Lektorat Eugenie Altenburg

Geboren in Wien 1953, Studium der Geschichte und Völkerkunde an der Universität Wien, langjährige Tätigkeit im Buchhandel, seit 2003 Fremdenführerin, seit 2007 im Vorstand des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer.

Komm.Rat Johann Szegő

Geboren 1936 in Budapest, seit 1956 in Österreich, seit 1967 Fremdenführer, von 1975 bis 2007 Präsident des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer (seit 2007 Ehrenpräsident), seit mehr als 20 Jahren in der Fremdenführerausbildung tätig. 1986: Silbernes Ehrenzeichen der Stadt Wien; 1987–1993: Vorstandsmitglied des Weltverbandes von Fremdenführervereinen, 1997: Kommerzialrat. Zahlreiche Publikationen.

Mag. Katharina Trost

Geboren 1975 in Wien, Studium an der Hauptuniversität Wien (Geschichte und Theaterwissenschaft), seit 2001 staatlich geprüfte Fremdenführerin, außerdem als PR Consultant bei PR Plus (auf Tourismus spezialisierte PR- und Eventagentur) tätig.

Regina Macho

Wohnhaft in Klosterneuburg ist seit 1999 als Fremdenführerin tätig. Beweggründe, Fremdenführerin zu sein, sind die Freude an der Begegnung mit Menschen und die Möglichkeit, die Schönheiten von Wien mit aktuellen und historischen Bezügen zu vermitteln. Seit 2007 im Vorstand des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer.

Patrizia Kindl

Studium Germanistik und Kunstgeschichte an der Uni Wien; Deutschpädagogin und Bildungsberaterin an einer amerikanischen Schule; seit vielen Jahren Mitarbeiterin von Schloss Schönbrunn; geprüfte Fremdenführerin seit 2004.

Mag. Martha Tretter

Geboren 1976 in OÖ, 1995/96 Auslandsjahr in Brasilien (Universidade de Franca), 1998 Ausstellungsbetreuung auf der Weltausstellung EXPO ’98 in Lissabon, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaften und Portugiesisch an der Universität Wien, Trainerin in der Erwachsenenbildung, seit 2001 Fremdenführerin.

Das redaktionelle Team bedankt sich bei allen Autoren und Helfern für das Zustandekommen des Kulturmagazins der Wiener Fremdenführer 2013!

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Kulturmagazin 2013  

Kulturmagazin der Wiener Fremdenführer