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gerne KATHOLISCH Magazin f端r einen frohen, bekennenden Glauben Nr. 5

Jesus im Netz Und was die Kirche dort zu suchen hat www.gerne-katholisch.de


Willkommen Soll die Kirche im Internet präsent sein? Für uns von Gerne katholisch e.V. ist das natürlich keine Frage. Seit Jahren sind wir in diesem Bereich engagiert und versuchen, den Glauben und Glaubenszeugnisse zeitgemäß in der digitalen Welt erfahrbar zu machen. Es gibt aber auch handfeste Argumente, die für ein kirchliches Engagement im Internet sprechen. Einige Überlegungen dazu finden Sie in unserem Leitartikel von Matthias Alexander Schmidt ab Seite 4.

Die spannenden Eindrücke und Erfahrungen, die eine junge Journalistin und Theologiestudentin im Heiligen Land gemacht hat, können Sie ab Seite 14 verfolgen. Sie berichtet für unser Magazin über die Ausübung des Glaubens in Israel. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen und viel Freude mit unserem neuesten Magazin!

Kaplan Stefan Salzmann Für den Vorstand von Gerne katholisch e.V.

Inhalt Jesus im Netz - und die Kirche nicht? 4 3 Fragen an... Stefan Lesting 9 Alte Medien: Sensibilität gefragt 12 Das Heilige Land 14 Geistlicher Impuls: Erwartet 19 schluss.punkt 20

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Gerne katholisch e.V. Auf unserer letzten Jahreshauptversammlung im November 2015 wurde eine Nachbesetzung des Vorstandes notwendig. Michael Raab wurde zum neuen Kassenwart gewählt. Damit besteht der Vorstand von Gerne katholisch e.V., Frankfurt am Main, nun aus folgenden Personen: Stefan Salzmann (1. Vorsitzender, rechts), Matthias Alexander Schmidt (2. Vorsitzender, fehlt leider auf dem Bild), Michael Raab (Kassenwart, Mitte), Jorit Thoren Göbel (Schriftführer, links).

Wer sind wir?

gerne-katholisch.de wurde 2010 von einer Gruppe Studenten an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt/M gegründet. Wir möchten dazu anregen, über den Glauben nachzudenken und den Grund für den eigenen Glauben auch ins Wort zu bringen. Seit Mai 2012 sind wir in einem Verein organisiert. Dem Verein ist es ein Anliegen, dass Christen selbst wieder „Leuchttürme” werden, also Bekenner des Glaubens, damit wir als Kirche wieder neue Strahlkraft entfalten.

Impressum

V.i.S.d.P.: Gerne katholisch e.V. Offenbacher Landstr. 224 60599 Frankfurt / M.

Mitglied werden Wenn Sie uns in unserer Arbeit unterstützen wollen, einen frohen, bekennenden Glauben zu fördern, freuen wir uns über Sie als neues Mitglied oder über eine Spende. Alle Informationen erhalten Sie auf www.gerne-katholisch.de oder per Mail: info@gerne-katholisch.de

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Gerne katholisch e.V. Nachdruck unter Angabe der Quelle „www.gerne-katholisch.de“ gestattet. Werden Sie Mitglied: Fax: 0355 28925 88 6328 Mail: info@gerne-katholisch.de Web: www.gerne-katholisch.de Magazine nachbestellen: magazin@gerne-katholisch.de

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Jesus im Netz und die Kirche nicht? von Matthias Alexander Schmidt

Warum durften die Jünger damals Jesus ganz direkt begegnen, mit ihm essen und trinken und ihn anfassen – und wir können ihm heute nur vermittelt begegnen? Es gibt doch diese tiefe Sehnsucht, der Person, die ich liebe, ganz konkret nahe zu sein, sie umarmen, berühren zu können. Für diese Sehnsucht steht der Apostel Thomas, dem es eben nicht ausreicht von den anderen zu hören, dass Jesus auferstanden ist, er will ihn wirklich sehen, ihm real begegnen. Diese Sehnsucht spürt Jesus, als er Thomas dann trifft und daher lädt er ihn ein, seine Finger in die Wunden zu legen. Die Begegnung mit dem Auferstandenen Jesus geschieht vermittelt. Wir nutzen verschiedene Medien, vermittelnde Instanzen, die uns ihm nahebringen sollen: 1. Die uns überlieferten Worte der Heiligen Schrift. Gott kommt

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uns durch die Zeugnisse und Erzählungen entgegen. Trotz aller Komplexität und Widersprüchlichkeit ist Gott in der Schrift erfahrbar. 2. Die Sakramente: Jesus selbst, so der Glaube, handelt in den Sakramenten. In der Eucharistie, so der Glaube, essen und trinken wir sogar wirklich sein Fleisch und sein Blut. 3. Konkrete Werke der Nächstenliebe. In dem Glauben, dass wir in unserem Nächsten Jesu Angesicht sehen, ihm begegnen können. Das gilt für Freunde und Fremde. Sie sind gleichsam Tabernakel auf zwei Beinen, Christus ist in ihnen gegenwärtig. Gleichzeitig fühlt sich alles Vermittelte doch an wie ein Mangel. Wenn unsere Sinne uns nicht täuschen, sagen sie uns nicht: Vor mir steht der leibhaftige Christus, sondern: Ein Stück Brot, ein Schluck Wein, ein Mensch wie Du und ich. Es geht uns irgendwie


so ähnlich wie den Emmaus-Jüngern: Gerade, wenn wir Jesus erkennen, sehen wir ihn schon nicht mehr. Was hat das alles mit Digitalen Medien zu tun? Die Heilige Schrift, die Sakramente und das Antlitz Christi in unseren Mitmenschen sind vermittelnde Instanzen. Sie vermitteln eine größere in ihnen liegende Realität. Christus ist ihnen ganz gegenwärtig und doch gibt es noch ein „ma-

gis“, ein mehr, eine unmittelbare Begegnung mit Christus. Darauf hoffen wir ja im Glauben.

Online ist nicht gleich „virtuell“ Was wir heute in der Digitalen Welt, dem Internet, vor allem den Sozialen Medien erleben, wird von manchen immer noch als

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„virtuell“ bezeichnet. Was man da sieht, seien virtuelle Freundschaften auf Facebook, es gebe eine oder mehrere virtuelle Identitäten im Netz – im Unterschied zur realen Welt, dem, was da draußen im echten Leben geschieht. Was im Internet geschieht, sei nicht die Realität, sondern eben bloß virtuelles Geschehen. Wer Online-Banking betreibt, wird eines Besseren belehrt. Nicht nur für die Generation der Digital Natives ist das Digitale Teil ihres Alltags. Es ist mehr, denn der Alltag findet dort statt: in Facebook, Snapchat, WhatsApp, Instagram, YouTube. Und viele Nicht-Jugendliche werden zugeben müssen: ein Großteil meiner Daten, und damit auch dessen, was mich – zumindest in Zahlen – ausmacht, ist digitalisiert. Mein Leben gibt es digital. Das Digitale ist Teil dieser Welt, dieser Realität. Wie wir sprechen hat einen Einfluss darauf, wie wir etwas wahrnehmen. Wenn man das Digitale als virtuell und damit nicht-real beschreibt, hat das einen Einfluss darauf, wie wir im Netz kommunizieren und wie wir die Möglich-

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keiten darin nutzen. Medial bedeutet vermittelt. Das, was dort geschieht, ist zumindest teilweise unterschieden von dem, was wir nicht-digital erleben. Medien sind nur vermittelnde Instanzen.

Das Digitale ist Teil unserer Welt Es gibt in der katholischen Medienwelt verschiedene Klischees, derer man sich bedient, um zu rechtfertigen, warum man in den Sozialen Medien aktiv ist. Sie klingen so einleuchtend wie sie absurd sind. Es kommt ja nicht darauf an, ob Jesus bei Twitter gewesen wäre, und viele Follower (Leute, die ihm folgen) er gehabt hätte – stets mit dem Verweis auf die so lustige Doppeldeutigkeit des Wortes. Es kommt auch nicht darauf an, ob der Apostel Paulus heute Emails oder WhatsApp benutzt hätte. Sondern: Wenn das Digitale Welt ist, dann hat die Kirche sich dort aufzuhalten. Kirche muss ganz einfach in der Welt sein.


Die zentrale Frage lautet: Wie kann ich Jesus begegnen? Die mediale Vermittlung des Evangeliums, mit analogen oder digitalen Medien werden dabei immer unzureichend bleiben, weil man Erfahrungen nur selbst machen kann. Man kann sie nicht weitergeben. Zeugnis zu geben von dem, was man erlebt hat, darauf kommt es an. Anders ist unser Glaube nicht vorstellbar. Wir glauben den unmittelbaren Zeugen der Auferstehung, den Frauen vom Grab. Das Social Web zeigt auf, dass es eine Sehnsucht nach Personen und deren Geschichten gibt. Warum sonst sollten die vielen YouTube-Blogger und Instagram-Accounts so erfolgreich sein von Menschen, die eigentlich nicht mehr tun als ihren Alltag zu präsentieren oder mittels ihrer Persönlichkeit Phänomene der Zeitgeschichte zu kommentieren? Die Kirche, die Gläubigen haben einen klaren Auftrag, in den Sozialen Medien zu sein, weil dort

Realität ist. Im Internet geschieht Begegnung, Kommunikation. Wir müssen endlich kapieren, dass das Digitale keine Gegenwelt ist. Dort passiert nichts Anderes als im Analogen. Menschen leben im Digitalen. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Kirche nur ins Analoge gehöre. Es gibt zahlreiche Erfolgs-Beispiele dafür, wie Menschen im Internet gemeinsam beten, seelsorglich begleitet werden oder an Exerzitien teilnehmen. Der Papst nutzt Twitter und Instagram. Die Weihnachts- und Ostergeschichte werden auf WhatsApp erzählt. Gerne Katholisch animiert Menschen, ihre Freude am Glauben ins Internet zu tragen.

Es gibt keinen Hinweis, dass Kirche nur analog sein soll Alles, auch das Digitale, ist Welt. Und Welt ist potenziell immer und

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überall Ort der Gottesbegegnung. Das Digitale ist nicht nur kein Sündenpfuhl. Wenn dort, wie überall sonst auch, gesündigt wird, ob individuell – etwa durch hasserfüllte Beiträge, unfaire Diskussionen, überhebliche oder unlautere Selbstdarstellung – oder strukturell – durch Datenklau, Überwachung und Monopolisierung der Giganten, dann ist Gott auch mit diesen Sündern barmherzig, auch diese Sünder können umkehren, bereuen, es besser machen. Wir haben als Christen den Auftrag, gegen sündhafte Strukturen vorzugehen. Jeder Getaufte kann und sollte das tun, nicht bloß die

Hauptamtlichen in den Social Media-Redaktionen der Bistümer. Gerade die Laien sind gerufen, das Netz fromm, freundlich und fair zu machen. Wenn ich selbst beginne, im Netz so zu handeln, vergegenwärtige ich Christus mit, entwickle ich offene Augen für Christi Wirken in der Welt. Die vermittelte Begegnung mit Christus bleibt dabei, wie jede Vermittlung, trotz allem mangelhaft. Und sie birgt die Hoffnung, Jesus wirklich zu sehen, zu berühren, ihm real zu begegnen. Je besser aber die Vermittlung, desto größer auch die Hoffnung.

Das Gebet unserer Initiative Herr du rufst uns, dir mutig nachzufolgen, anderen von dir zu erzählen und Leuchttürme des Glaubens an dich zu werden. Wir bitten dich, bestärke uns in unserem Wirken am Bau deines Reiches. Schenke uns deinen Geist, der uns führt, lehrt und eint und lass uns immer wieder zu Mittlern deiner frohen Botschaft werden, die uns mit Hoffnung erfüllt.

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Darum bitten wir dich, der du lebst und herrschst in Ewigkeit. Amen.

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3 Fragen an... Stefan Lesting Anfang Mai feierte die re:publica in Berlin ihren zehnten Geburtstag. Die Konferenz hat sich zu einem der wichtigsten Events zu den Themen Internet und Gesellschaft entwickelt. Der katholische Medienund Strategieberater Stefan Lesting war dabei.

Foto: Stefan Lesting

Herr Lesting, was hat Sie in diesem Jahr an der re:publica am meisten fasziniert? Bei der re:publica herrscht immer eine super kreative Atmosphäre, die zum Weiterdenken anregt. Mir persönlich hilft es im lockeren Gespräch mit den unterschied-

lichsten Menschen neue innovative Ideen zu spinnen. Das passt auch ganz gut zu den Vorträgen, die immer wieder das Thema des digitalen Wandels unserer Gesellschaft in den Fokus gestellt haben. Wir müssen uns darauf einstellen, dass immer mehr Alltagsgegenstände über das Inter-

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net miteinander vernetzt werden, so dass sämtliche Lebensbereiche sich radikal in den nächsten fünf bis zehn Jahren verändern. Wir werden hier in der Zukunft viel über digitale Prozessketten sprechen: Wenn der Fitnesstracker merkt, dass wir krank werden, wird er automatisch einen Arzttermin vorschlagen. Nach der Bestätigung des Termins wird selbstverständlich auch in der Zukunft direkt ein selbstfahrendes Auto bestellt, das uns zu dem Termin bringt… Was könnten speziell die Kirchen von dieser Konferenz mitnehmen?

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Warum sind Sie gerne katholisch? Ich glaube an die Liebe, die Gott uns durch Jesus Christus geschenkt hat und ich glaube an die Befähigung, die jeder Christ durch die Sakramente geschenkt bekommt. Dieser Glaube ermutigt mich immer wieder, mich mit vollem Herzen in der Katholischen Kirche zu engagieren. Ganz besonders wird mir das immer klar,

Foto: re:publica/Jan Michalko CC BY 2.0

Die Themen auf der Konferenz betreffen Fragestellungen aus unserem Leben und Kirche hat in vielen Bereichen passende Antworten, die nicht mehr neu erfunden werden müssen. Wenn auf der re:publica über Hassrede im Internet diskutiert wird, so könnte Kirche hier sehr klar Stellung beziehen und ein guter Ansprechpartner sein. Dies ist nur ein Beispiel, doch auch bei vielen anderen gesellschaftspolitischen Fragestellungen wie Bildung, Familie oder Globalisierung gibt es eine große Expertise. In der

Zukunft muss die Katholische Kirche sich an Orten wie der re:publica einmischen, sonst hat sie aus dem gesellschaftspolitischen Gesichtspunkt keine Daseinsberechtigung mehr. Daneben ist es auch wichtig, von anderen zu lernen und so etablieren immer mehr Großkonzerne innovative Werkstätten. Das sind Orte, an denen Mitarbeiter ermutigt werden über den Tellerrand ihrer Arbeit zu schauen und sich aktiv an der Weiterentwicklung ihrer Organisation zu beteiligen. Ich glaube, dass die Katholische Kirche diese Labore ebenfalls benötigt mit dem Ziel, neue Ideen zu gewinnen und bestehende Prozesse innovativ weiterzudenken.


wenn mich Menschen unaufgefordert nach meinem Glauben fragen. Dann erz채hle ich ihnen gerne 체ber die vielen positiven Erfahrungen, die ich mit Kirche machen dufte; angefangen von den Weltjugendtagen bis hin zu den unterschiedlichsten Projekten, die ich schon im kirchlichen Rahmen umsetzen durfte.

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Weitere Infos 체ber Stefan Lesting: www.lesting.org

Diskussion (o.) und Stand (u.) auf der re:publica.

Foto: re:publica/Jan Zappner CC BY 2.0


Alte Medien: Sensibilität gefragt Neue Medien bringen nicht für alle Menschen Vorteile. Marina Thebbe, Pastoralassistentin im Bistum Limburg, über ihre praktischen Erfahrungen. Wenn wir am Sonntag nach dem Gottesdienst mit einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Cappuccino im Eiskaffee trinken, wird schnell klar: Wer den aktuellen Pfarrbrief nicht gelesen hat, kann kaum mitreden. Dort werden die aktuellen Artikel und Ankündigungen rund um die Kirche und den Stadtteil besprochen. Im Herbst 2015 besuchte ich einen Workshop zum Thema Öffentlichkeitsarbeit. Dort erklärte uns der junge Referent, dass wir mit den Pfarrbriefen nur einen geringen Teil der Katholiken erreichen und nicht allein auf dieses Medium setzten sollten. Durch die Art und Weise seiner Darstellung hatte ich den Eindruck, dass er uns empfahl, uns bald möglichst von diesem Medium zu verabschieden. Diese Tendenzen sehe ich aktuell auch in unseren Pfarreien. Durch die Schaffungen von größeren Einheiten für die Seelsorge, ge-

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schieht es, dass eigene Pfarrblätter zunehmend verschwinden. Entweder werden sie zugunsten einer gemeinsamen Publikation abgeschafft oder verschwinden von der Bildfläche. Das Internet, mit all seinen Möglichkeiten, rückt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Für unsere Gemeinden sehe ich diese Entwicklung als zukunftsweisend. Die Problematik liegt jedoch darin, einen Übergang zu schaffen, der die Gemeindemitglieder auf diesem Weg mitnimmt und bestimmte Gruppen nicht ausschließt. Bei einem Blick durch die Bankreihen im sonntäglichen Gemeindegottesdienst wird schnell klar, dass der Altersdurchschnitt recht hoch ist. Neben den wenigen Familien und Menschen in der Lebensmitte, sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Menschen im dritten und vierten Lebensabschnitt. Ihre Medien,


die über das Leben in und um die Pfarrei informieren, sind das Pfarrblatt und der Schaukasten. Diese haben nicht nur eine Bedeutung für die Menschen die am Gemeindeleben teilnehmen, auch die Bewohner des örtlichen Altenheims haben im Pfarrblatt eine der wenigen Verbindungen zu ihrer alten Kirchgemeinde. Zudem stehen die älteren Gemeindemitglieder oft in familiären Verbindungen zu anderen Gemeindemitgliedern und informieren über Angebote. So geschieht es nicht selten, dass Enkelkinder von den Großeltern zu Veranstal-

tungen in der Gemeinde angemeldet und begleitet werden. Für die Zukunft wünsche ich mir für die Pastoral vor Ort, dass wir den Wert des Neuen schätzen lernen, ohne den Wert des Alten aus den Augen zu verlieren. Neue Perspektiven im Bereich der neuen Medien sind eine gute Möglichkeit Glaubensinhalte zu vermitteln und viele Menschen zu erreichen. Es darf jedoch nicht um den Preis des Verlustes geschehen. Eine Sensibilität für diese Zeit des Übergangs ist gefragt.

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Das Heilige Land

Die Journalistin und Theologiestudentin Isabella Henkenjohann lebt und studiert f端r einige Monate in Jerusalem. F端r unser Magazin berichtet sie 端ber ihre Erfahrungen.

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Heimat für Juden Hoffnung für Christen Heiligtum für Muslime

Ein Freitagabend in Jerusalem: Die Abendmesse ist gerade zu Ende, als gegenüber ein Muezzin zum Gebet ruft. Ein paar Straßen weiter eilen orthodoxe Juden zur Klagemauer, um dort den Shabbat zu begrüßen. Ob miteinander, nebeneinander oder gegeneinander - das scheint allein im Auge des Betrachters zu liegen. Je öfter man dieses Treiben beobachtet, desto weniger kennt man die Antwort. Jerusalem ist einer der bedeutendsten Orte für alle drei Welt-

religionen. Heute stehen in der heiligen Stadt mehr als 1000 Synagogen, mehr als 150 Kirchen und rund 70 Moscheen; die wichtigsten innerhalb der Altstadtmauern, auf nicht mehr als einem Quadratkilometer Fläche. So werden die drei Weltreligionen im wahrsten Sinne des Wortes zu Nachbarn. An Orten wie dem Abendmahlssaal reibt man sich verwundert die Augen: So erinnert eine Gebetsnische, dem Propheten David gewidmet, noch heute daran, dass der Saal im 16.

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Jahrhundert als Moschee gedient hat. Und unter dem Raum in dem Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl gefeiert haben soll, verehren die Juden das Grab des Königs David. Es ist die Enge, die das religiöse Leben in der Stadt nicht unbedingt einfacher macht. Während die Juden in Kostümen ein rauschendes Fest zur Erinnerung an die Rettung des jüdischen Volkes durch die Königin Esther feierten, fasteten die Katholiken. Purim und Karfreitag, manchmal kann auch das Beten in dieser Stadt unterschiedlicher nicht sein. Dann, wenn zum Beispiel der Karfreitag auf Purim und eben nicht in die Nähe des Pessach-Festes fällt. Durch das diesjährige Schaltjahr im jüdischen Kalender verschieben sich die Feste um einen ganzen Monat. „It is amazing how G-d does everything at the same time. He makes some people smile and some people cry at the same time. Some serve Him by fasting and some serve Him by celebrating at the same time.“ Binyamin, orthodoxer Jude aus Jerusalem Diese Gegensätze machen an den Religionsgrenzen nicht Halt. Während die Katholiken auf der einen Seite des Grabes die Os-

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termesse feierten, sangen die Kopten auf der anderen Seite ihre Fastenzeit-Liturgie. Ihr Ostern fiel dieses Jahr auf das Wochenende vor der katholischen Himmelfahrt Christi. Wer in diesen Tagen durch die Grabeskirche ging, den beschlich das ungute Gefühl: Der Lautere gewinnt. Im Gegeneinander der Liturgien gibt es auch ein Miteinander: Nur so bekommt man immerhin die Türen der Grabeskirche auf. Die vielen „-Einander“ merkt man der Kirche an, die eben keine (einzige) Kirche ist. Dort einen Ort der Stille zu finden, ist nicht leicht, auch wegen vielen der Touristengruppen, die in steter Zeitnot schnell noch durch die Grabeskirche geschleust werden. Gleichzeitig ist das Sprachen-Wirrwarr der beste Spiegel für die Weltkirche. Für die Pilger aus aller Welt, mit ihren Kulturen und Ausdrucksformen, ist dieser Moment einer der wichtigsten auf ihrer Reise. It is in the churches here, especially in the Holy Sepulcher. It is amazing. People from all over the world, of different nationalities, genders, ages, no matter poor or rich, beautiful or not, use hundreds of languages to praise, to pray in the name of One Existence - Jesus. It‘s like


all of the hatred in the world is magically washed away. Then I was beginning to wonder - who is Him? What is this kind of power in the faith in Him which unites a lot of people who are so different from each other in every way? Li, Studentin aus China Es gibt sie hier vielleicht mehr als in jeder anderen Stadt - diese besonderen Orte, die plötzlich zur Antwort für suchende Menschen werden. Wie für meine Mitbewohnerin Li aus China. Die Kirchtürme und Kirchräume haben etwas in ihr angestoßen. Sie will sich bald taufen lassen - ihr Vater wird niemals etwas davon erfahren. So sehr die Kirchen und Kirchtür-

me das Stadtbild prägen - wenn die Touristen gehen, bleibt eine kleine christliche Minderheit. Nur 2 Prozent der israelischen Bevölkerung sind Christen, 75 Prozent Juden, 17 Prozent Muslime, weitere 6 Prozent verteilen sich auf kleinere Minderheiten. Doch gerade für die Minderheit in der Minderheit, die palästinensischen Christen, hat der Glaube eine besondere Bedeutung. Eine, die sich ohne den israelisch-palästinensischen Konflikt nicht denken lässt. „Zehn Maß Schönheit kamen auf die Erde herab. Jerusalem bekam davon neun Maß. Die übrige Welt eins. Zehn Maß Leiden kamen auf die Erde herab. Jerusalem bekam davon neun

Die Kuppel der Grabeskirche in Jerusalem

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Maß.“ Babylonischer Talmud, Kidduschim Palmsonntage sind friedliche Protestmärsche, an denen auch Nicht-Christen teilnehmen. Neben Palm- und Olivenbaumzweigen tragen die Menschen kleine und große palästinensische Flaggen. Ein leiser Schrei. Dann fordert der Patriarch die 15.000 Menschen auf, Zeichen des Friedens zu sein: „Heute ist Freitag - aber am Sonntag ist Auferstehung“ und meint damit nicht nur die Heilige Woche. Für die wenigen Christen im Gaza-Streifen gab es bereits einen kleinen Sieg an Ostern: Dieses Jahr durften sie fast alle in Jerusalem mitfeiern, wo sie den Gaza-Streifen doch sonst nicht verlassen dürfen.

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Auch wenn die christliche Minderheit von vielen Seiten geschätzt wird, es gibt immer wieder Übergriffe: Hetze, Schmierereien, sogar Brandanschläge wie in Tabgha im letzten Sommer. An der Dormitio, der deutschen Benediktiner-Abtei in Jerusalem, trotzt man den Schmierereien von jungen, radikalen Juden auch wegen anderer kleiner Wunder: Nach den letzten Parolen auf den Mauern und Türen der Abtei, kamen Vertreter aus allen Lagern, um sich von der wohl politisch motivierten Tat zu distanzieren. Das einte sogar für einen Moment die ultra-orthodoxe Gemeinschaft mit den liberalen Vertreterinnen von Women of the Wall. In solchen Momenten kommt der Glaube an den Ort zurück.

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Geistlicher Impuls

Erwartet von Br. Johannes Roth OFM

In den letzten Wochen und Monaten bin ich schon durch einige Pforten der Barmherzigkeit an verschiedenen Orten gegangen. Das ist für mich immer wieder etwas Besonderes, weil es mir Gottes Barmherzigkeit sehr bewusst macht und sie mich erfahren lässt. Aber vor allem die Pforte des Münsteraner Domes ist mir in Erinnerung geblieben. Sie besteht aus zwei hölzernen Pfosten, das wirkt erst nicht besonders eindrücklich, aber auf diesen Pfosten steht ein kleines Wort: „Erwartet“. Als ich das gelesen habe, hat mich das tief bewegt. Da ist jemand, der mich erwartet. Nein, es ist nicht irgendjemand, es ist

Gott, der mich erwartet, der auf mich wartet. Er erwartet uns alle und freut sich auf uns. Es ist ein schönes Gefühl, erwartet zu werden. Im Gleichnis vom barmherzigen Vater aus dem Lukasevangelium hören und erfahren wir etwas Ähnliches. Der Vater empfängt seinen Sohn mit offenen Armen, ja er erwartet ihn und das obwohl dieser seinen Vater so sehr enttäuscht hat. Die Freude über die Rückkehr des Sohnes lässt seine Enttäuschung vollkommen in den Hintergrund treten. Er läuft seinem Sohn entgegen, fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Er sieht in ihm einen Menschen, den er liebt, obwohl er ihn enttäuscht hat. Beide sind Menschen und beide nehmen sich auch als solche wahr. So empfängt auch Gott uns immer wieder mit offenen Armen. Er schaut uns an trotz unserer Fehler und Schwächen. Er sieht uns als Mensch an, als sein Abbild, und schenkt uns immer wieder neu seine Liebe, bedingungslos. Solch einer Liebe bedürfen wir, um selbst lieben zu können, uns selbst und andere Menschen. So wünsche ich uns allen, dass auch wir erwartet werden, uns als Menschen ansehen und uns so mit offenen Armen empfangen, wie auch Gott uns immer wieder mit offenen Armen empfängt und erwartet.

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schluss.punkt

Dieses Magazin Wir erhalten viele positive Rückmeldungen, dass das „Gerne-katholisch-Magazin“ in Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen gut angenommen wird. Unser Anliegen ist es, das Positive des Glaubens in den Vordergrund zu stellen und zur Sprache zu bringen. Deshalb können Pfarreien unser Magazin auch in höheren Auflagen jederzeit kostenlos nachbestellen. Privatpersonen können das Magazin gegen Übernahme des Portos bestellen. magazin@ gerne-katholisch.de www.gernekatholisch.de

© Jorit Thoren Gøbel für Gerne katholisch e.V.

Gerne katholisch Magazin Nr. 5  

Themen dieser Ausgabe: "Jesus im Netz" - Was die Kirche im Internet verloren hat "3 Fragen an... Stefan Lesting" - Katholischer Medien- und...

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