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Neue Zeitung

Mit Speck besorgte Borde neuen FuĂ&#x;boden fĂźr die Schule Kriegsschicksal 10: Der frĂźhere Schulrat Hajo Jelden: „Wir waren eine Schicksalsgemeinschaft“ ser ab, weil er den Speck am StĂźck haben wollte. Unverrichteter Dinge machte sich Borde erneut ans Klinkenputzen, bis es ihm gelang, die kleinen SchinkenstĂźcke gegen ein groĂ&#x;es StĂźck einzutauschen. Dann bekam der Klassenraum endlich den neuen FuĂ&#x;boden. Der spätere Schulrat Hajo Jelden erinnert sich gerne an jene gemeinsamen und auch fĂźr ihn harten Anfangsjahre in Folmhusen. In Filsum geboren, war Jelden wie Borde das älteste der Geschwister, auch er hatte seinen Vater verloren. Die Mutter lebte zwar, aber wegen einer Erkrankung konnte sie die Familie nur begrenzt fĂźhren, so dass Hajo Jelden faktisch wie Erhard Borde alle Aufgaben eines Haushaltsvorstands wahrzunehmen hatte.

Während seiner ZugehÜrigkeit zum Kreistag des Landkreises Leer traf sich Erhard Borde (links) mit dem frßheren Bundeskanzler Helmut Schmidt. Foto: privat Von NZ-Redakteur Heinz Giermanns FOLMHUSEN. Vom 19. November 1945 bis Juni 1952 arbeitete Erhard Borde fßr die Verwaltung der Gemeinde Folmhusen, eine Arbeit, die vom Umgang mit Mangel geprägt war. Als Beleg hierfßr mag die Schule in Folmhusen gelten, jenes Gebäude, in dem heute das ostfriesische Schulmuseum untergebracht ist. Durch

Kriegseinwirkung war ein Klassenraum der Schule ausgebrannt, so dass der Raum keinen FuĂ&#x;boden mehr hatte, ein Problem, dass Borde mit Hilfe Folmhuser BĂźrger kreativ lĂśste. Das Sägewerk im Nachbarort Ihrhove war intakt geblieben. Dort musste es mĂśglich sein, fĂźr die Folmhuser Schule neue FuĂ&#x;bodendielen zu bekommen. Praktisch kein Problem, wie sich bald her-

ausstellte, wohl aber finanziell. Der Stellmacher wollte die Bretter wohl liefern, aber als Entgelt verlangte er Speck. Deshalb ging Borde von Tßr zu Tßr, um Speck zu erbetteln. Gerade die kleinen Leute, die eher weniger Lebensmittel zur Verfßgung hatten, schnitten bereitwillig dßnne Stßcke von ihrem Schinkenspeck. Als Borde dem Sägewerksbesitzer die Speckstßcke als Bezahlung anbot, lehnte die-

Kurz vor seinem 18. Geburtstag wurde Jelden vom Schulrat an die Schule Folmhusen beordert, wo auch deshalb so viele SchĂźlerinnen und SchĂźler auf ihn warteten, weil viele FlĂźchtlingskinder beschult werden mussten. Unter jenen waren nach und nach auch die jĂźngeren Geschwister Bordes, wodurch der Kontakt zwischen den beiden zustande gekommen sein mag. „Wir waren eine Schicksalsgemeinschaft“, sagt Jelden im RĂźckblick. „Wir tauschten uns häufig am Tisch des BĂźrgermeisters miteinander aus, wenn wir dort gemeinsam zu Mittag aĂ&#x;en“, ergänzt Borde. Der Lehrer war fĂźr den kleinen ostfriesischen Ort im doppelten Sinn ein GlĂźcksfall: Dank ihm konnte bereits im September 1945 der Schulunterricht wieder aufgenommen werden, dass der Pastor im Gottesdienst abkĂźndigte. Weil er die hochdeutsche Sprache beherrschte, war der Lehrer

fĂźr den BĂźrgermeister eine willkommene Hilfe. FĂźr seine Aufgabe hatte er sich vor allem dadurch qualifiziert, dass er als Gegner des Nationalsozialismus bekannt war. Jelden mag es mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen haben, dass er bald nach seinem Dienstantritt im Haus des BĂźrgermeisters wohnen

Mai 1945...

...vor 65 Jahren konnte. Zwar musste er jetzt nicht mehr täglich bei Wind und Wetter mit dem Rad von Filsum nach Folmhusen fahren, aber der Bßrgermeister deckte ihn reichlich mit Verwaltungsarbeit ein.

Deshalb sei es nicht ganz uneigennĂźtzig gewesen, als er Krino Funk vorgeschlagen habe, Erhard Borde einzustellen. „Ich hatte an seiner Schrift gesehen, dass Erhard das packen wĂźrde.“ So kam es. „Erhard Borde hat sich schnell Vertrauen im Ort erworben.“ Borde leistete Aufbauarbeit in der Gemeindeberwaltung, und nebenbei bildete er sich in der Kommunalverwaltung fort. Dann wechselte er am 15. Juni 1952 als Aushilfsangestellter zum Finanzamt Leer, wo er zunächst die PrĂźfung fĂźr den mittleren und später die zum gehobenen Dienst ablegte. Während seiner Folmhuser Zeit hatte er sich auch mit der Frage beschäftigt, wie er seinen Geschwistern beim Neustart in der neuen Heimat helfen konnte. „Im Laufe der Jahre haben alle ihren Weg gemacht“, sagt der Ex-BĂźrgermeister. Eine erste Antwort fand er am KleinbahnBahnhof in Ihrhove. Fortsetzung folgt.

Erhard Borde.

Foto: Giermanns

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Neue Zeitung - Ausgabe Cloppenburg KW 28  

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