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Insight } Spitzenforschung im Themenschwerpunkt »Beobachtung des Systems Erde aus dem Weltraum«

} Ausschreibung zum Themenschwerpunkt Mineraloberflächen ist gestartet

} Ausstellung »Unruhige Erde« ist ein großer Erfolg und ist noch in Bonn und Berlin zu sehen

} Qualitätsgarantie durch interdisziplinäre und internationale Begutachtung

Vielfältig und Interdisziplinär – Forschungsportfolio des FuE-Programms wird laufend erweitert Stark unterschätzt werden

Veränderungen

die Risiken von Bergstürzen. Hier der Bergsturz von Randa/Schweiz, der

des FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN macht hier keine Ausnahme. Nach fünf

Lankenau

… sind allgegenwärtig. Der Newsletter

sich 1998 ereignete.

Ausgaben in bekanntem Gewand haben wir Namen und Layout nun ein wenig geliftet. Mit »Insight« wollen wir Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, zukünftig einen noch umfassenderen Einblick in das Forschungsprogramm geben und Wissenswertes attraktiv, umfassend und übersichtlich vermitteln. Kürzere Beiträge geben die Möglichkeit der raschen Information und schaffen Platz für neue Rubriken: zum Beispiel dem »Who is Who«. Hier wollen wir Ihnen regelmäßig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Kurzporträt vorstellen. Zusammen mit dem bewährten Interview zeigen die verschiedenen Forschungsprojekte somit noch mehr Gesicht. Wir hoffen, dass Sie in der 1. Ausgabe von »Insight« eine informative und interessante Lektüre finden. Ihr Koordinierungsbüro GEOTECHNOLOGIEN

Entwicklung von Frühwarnsystemen Seit April 2007 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen seines FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN 11 neue Verbundprojekte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. In den kommenden drei Jahren werden Wissenschaftler aus Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gemeinsam mit ihren Kollegen aus den Unternehmen, Technologien und Methoden für eine verbesserte Frühwarnung gegen geologische Naturgefahren entwickeln. Schwerpunkte liegen auf der Frühwarnung gegen Erdbeben, Vulkanausbrüche und Hangrutschungen. Das Kick-OffMeeting findet anlässlich des Internationalen Tages zur Verhinderung von Naturkatastrophen der UN am 10. Oktober 2007 in Karlsruhe statt. Auf diesem Treffen werden auch zukünftige Kooperationsmöglichkeiten mit

dem DFG-Graduiertenkolleg METRIK (http:// casablanca.informatik.hu-berlin.de/grk-wiki/ index.php/Hauptseite) ausgelotet: Ein weiterer Schritt das integrative Förderkonzept von DFG und BMBF in den GEOTECHNOLOGIEN umzusetzen. Die Vorhaben in den GEOTECHNOLOGIEN werden komplementär zu den bereits gestarteten Projekten zur Hochwasservorsorge im Rahmen des Programms RIMAX (www.rimax-hochwasser.de/) und dem Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean (www.gitews.de) durchgeführt. Sie komplettieren damit die umfangreichen Anstrengungen des BMBF, über Forschung und Entwicklung die Gefahr von Naturkatastrophen zukünftig zu mindern. Atomare Prozesse auf Mineraloberflächen und ihre technologische Anwendung 34 Projektskizzen wurden anlässlich der


öffentlichen Bekanntmachung zu diesem Thema beim Koordinierungsbüro GEOTECHNOLOGIEN eingereicht. Die Forschungsthemen fanden nicht nur in der Wissenschaft großes Interesse. Neben 50 Forschungsinstitutionen sind auch 46 Unternehmen in den Verbünden engagiert. Alle Projekte befinden sich derzeit in der internationalen Evaluierung. Visionäre Programmplanung – Geologische Speicherung von CO2 Seit Frühjahr dieses Jahres hat das BMBF die Verantwortung für eines der großen Energiepolitischen Themen der Zukunft übernommen: Der geologischen Speicherung von CO2. In einem Schulterschluss zwischen Wissenschaft und Industrie soll über zwei parallele Förderstränge untersucht werden, welchen Beitrag diese Schlüsseltechnologie zur Verminderung der anthropogenen CO2 -Emissionen leisten kann. Alle zukünftigen Aktivitäten werden im Rahmen des FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN durchgeführt. Eine wichtige

Grundlage war das bereits bestehende Engagement des BMBF zu diesem Thema: seit knapp drei Jahren werden neun Forschungsvorhaben im Rahmen der GEOTECHNOLOGIEN gefördert. Sie trugen maßgeblich dazu bei, das Know-how Deutschlands auf diesem Gebiet zu festigen und sind ein weiteres Beispiel für die vorausschauende Forschungsplanung in den GEOTECHNOLOGIEN. Für standortunabhängige FuE-Vorhaben erfolgte bereits Ende Juni 2007 der öffentliche Aufruf, Projektvorschläge einzureichen. Deadline ist der 31. August 2007. Des Weiteren sind standortbezogene Pilot- bzw. Demonstrationsprojekte geplant, die die CO2 -Einlagerung in gasführenden Sandsteinen und tiefliegenden salzwasserführenden Schichten vor Ort erproben sollen. Aktuelle Zahlen aus den GEOTECHNOLOGIEN Seit dem Start des Programms im Jahre 2000 werden 143 Verbundprojekte in neun Schwer-

punktthemen gefördert. In den Verbünden sind Experten aus 42 Hochschulen, 21 außeruniversitären Einrichtungen und 33 Unternehmen beteiligt. Mehr als 90 Millionen Euro wurden bislang von BMBF und DFG in die unterschiedlichen Fördervorhaben investiert. ¢

Derzeit werden Forschungsbohrungen an der Pilotanlage zur CO2-Speicherung in Ketzin (Brandenburg) abgeteuft.

Anziehende Forschung – Technikentwicklungen steigern die Zuverlässigkeit von Klimamodellen Grundstein für ein technologisches und methodisches Know-How entwickelt, dass die beteiligten Institute zur Weltspitze der Schwere- und Magnetfeldanalyse macht. Kein anderer Satellit fliegt in einer so erdnahen Umlaufbahn und liefert in zeitlicher und räumlicher Auflösung so detaillierte Daten über die Erdanziehung und das magnetische Feld. Die Sensoren erfassen kleinste Variationen in den Beschleunigungen von 10-12m/s2 eine im Vergleich mit der Erdbeschleunigung von 9,8 m/s2 fast unvorstellbare Genauigkeit. Hinzu kommt eine räumliche Auflösung zwischen 100 und 200 km. Das Geoid (eine wissenschaftliche Beschreibung der Erdoberfläche, bezogen auf die Schwerebeschleunigung)

wird so gut 5 bis 10 mal genauer dargestellt als bisher möglich. Beispielsweise können die Wissenschaftler die in den Weltmeeren transportierten Wassermengen nun deutlich präziser bestimmen. »Die bewegten Wassermassen sind bis zu einem Drittel größer als gedacht«, sagte Prof. Dr. Ilk von der Universität Bonn. Diese Beobachtungen sind wertvolle Grundlagen für neue, präzisere Klimaprognosen. Um deren Zuverlässigkeit weiter zu steigern, ist für März 2008 der Start der SatellitenMission GOCE geplant. Mit dieser Mission soll die räumliche Auflösung der Messungen weiter verfeinert werden. ¢

DLR

GOCE-Projektbüro

GFZ

Um Klimamodellen möglichst exakte Ausgangsdaten zur Verfügung zu stellen, sind Satelliten-Missionen wie CHAMP, GRACE und GOCE unumgänglich. Denn: »Nur Messungen sind zuverlässig«, so Prof. Dr. Rothacher vom GFZ Potsdam. Gemeint ist, dass die Zuverlässigkeit der Klimamodelle erst dann bestimmt werden kann, wenn die ersten Änderungen tatsächlich beobachtbar sind. Mit den CHAMP- und GRACE-Satelliten können die hierzu notwendigen Daten nun erstmals in einer über fünf Jahre andauernden Messreihe analysiert werden. Hierzu werden im Rahmen der GEOTECHNOLOGIEN zur Zeit acht Verbundprojekte durch das BMBF finanziert. In einer ersten Förderphase wurde zuvor der

CHAMP – Challenging Minisatellite Payload

GOCE – Gravity Field and steady-state Ocean

GRACE – Gravity Recovery and Climate Experiment

Start: 15. Juli 2000

Circualtion Explorer

Start: 17. März 2002

Orbithöhe: 460 km, 93 Minuten pro Erdumlauf

Start: März 2008

Orbit: 500 km Höhe, 95 Minuten pro Erdumrundung

Gewicht: ca. 500 kg

Orbit: 250 km

Gewicht der GRACE-Satelliten: 2 x 500 kg

Gewicht: ca. 1.000 kg


Unruhige Erde – Naturgefahren und ihre Risiken fesseln die Besucher – GEOTECHNOLOGIEN-Wanderausstellung lockte bereits über 100.000 Besucher Erdbeben, Vulkane, Erdrutsche und Meteoriten stehen im Mittelpunkt der Wanderausstellung »Unruhige Erde«, die vom Koordinierungsbüro GEOTECHNOLOGIEN konzipiert wurde. Zur feierlichen Eröffnung, die in enger Zusammenarbeit mit dem »Iceland Tourist Board« ausgerichtet wurde, fand sich ein prominentes und kompetentes Publikum in Frankfurt ein. Grußworte von Prof. Dr. Volker Mosbrugger, von Frau Dr. Irmgard Schwaetzer sowie von Sturla Bödvarsson, dem Minister für Transport, Tourismus und Telekommunikation Islands, und MinDirig Hartmut Grübel leiteten den Festakt ein. Die bereits über 100.000 Besucher (seit Oktober 2006) unterstreichen die Attraktivität der Ausstellung und das große Interesse der Öffentlichkeit am Themenbereich »Naturgefahren und deren Erforschung«. Das begleitende, öffentliche Vortragsprogramm gab zudem an bisher 12 Abenden rund 1100 Besuchern einen aktuellen Blick in die GeoForschung. Allein im Frankfurter Senckenberg Naturmuseum und dem Museum Mensch und Natur in München wurden in enger Zusammenarbeit mit der jeweiligen Museumspädagogik über 160 Führungen organisiert. Sehr positiv zeigen sich auch die Medien gegenüber der Ausstellung. So bescheinigten die Ausstellungstester des Bayerischen Rundfunks, Kinder im Alter von 8 bis 10 Jahren, der Ausstellung einen hohen Unterhaltungswert. In zahlreichen Beiträgen in Funk und Fernsehen sowie mit über 30 Zeitungsartikeln (die Palette reicht hier von der Süddeutschen bis zur Bild-Zeitung) wurde bisher auf die Arbeit der Geo-Risiko-Forschung in Zusammenhang mit der GEOTECHNOLOGIEN- Ausstellung hingewiesen. ¢

Impressionen der Ausstellung im Museum Mensch und Natur, München.

ei.at

Qualitätsmanagement: Interdisziplinär, international und unabhängig – Die Antragsbegutachtung in den GEOTECHNOLOGIEN

Das zweistufige Antrags- und Begutachtungsverfahren im FuE-Programm GEOTECHNOLOGIEN trägt maßgeblich zur hohen Qualität der Forschungsprojekte bei. Die nach einer öffentlichen Bekanntmachung eingereichten Skizzen und Anträge werden durch unabhängige und hochkarätige Forscherinnen und Forscher aus dem In- und Ausland begutachtet. Kern-

stück der Begutachtung sind die zwei Sitzungen des jeweils thematisch zusammengesetzten Gutachtergremiums (»Panel«). Hier werden nach der individuellen Evaluation sowohl Skizzen wie auch Anträge beraten. Nur der unmittelbare Diskurs von Experten unterschiedlicher Disziplinen und eine vergleichende Bewertung ermöglichen bei den inter-

disziplinären Forschungsprojekten der GEOTECHNOLOGIEN ein abgewogenes Urteil. Gefördert werden Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die sich in der Regel zu Gemeinschaftsverbünden zusammenschließen. Zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses besteht in jeder Förderbekanntmachung zudem die Möglichkeit, eine Nachwuchsgruppe zu beantragen. Die Gutachterexpertise ist die wichtigste Entscheidungsgrundlage für den Steuerungausschuss GEOTECHNOLOGIEN, um Förderempfehlungen an das BMBF auszusprechen. Der Vorsitzende des Gutachtergremiums wird durch den Steuerungsausschuss GEOTECHNOLOGIEN benannt. Gemeinsam mit dem Koordinierungsbüro stellt er/sie das Gutachtergremium zusammen. 68 Forscherinnen und Forscher aus 12 Nationen haben bislang ihr Votum zu Projektanträgen der GEOTECHNOLOGIEN abgegeben. ¢


Innovationen lohnen – Unternehmen engagieren sich in den GEOTECHNOLOGIEN Das interdisziplinäre Forschungsspektrum der GEOTECHNOLOGIEN eröffnet eine Fülle neuer Technologiefelder. Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungsinstitutionen wird daher bevorzugt gefördert, um die Ergebnisse der Forschungsprojekte gezielt der Anwendung zuzuführen. Eine besondere Herausforderung liegt jedoch in der Einbeziehung weiter Unternehmenskreise, insbesondere im Hinblick auf die substanzielle Beteiligung von kleinen und mittleren Unternehmen. Potenzielle Anwender werden daher von Beginn an in die Abstimmung neuer Forschungsthemen eingebunden, beispielsweise durch Beteiligung von Unternehmensvertretern in den vorbereitenden Expertengesprächen. Einerseits lassen sich innovative Technologiefelder so frühzeitig identifizieren, andererseits finden Marktanforderungen und wirtschaftliche Umsetzungsmöglichkeiten ihre konkrete Berücksichtigung. Durch die aktive Ansprache von Unternehmen, gezielte Informationsveranstaltungen oder regelmäßige Mitteilungen in einschlägigen Fachblättern, konnte die Industriebeteiligung in den Forschungsprojekten der GEOTECHNOLOGIEN signifikant gesteigert werden.

»Bottom-Up« statt »Upside-Down« Innovationen können nicht verordnet werden, sie müssen wachsen! Im Koordinierungsausschuss GEOTECHNOLOGIEN werden daher lediglich Themen gesetzt und Ziele formuliert. Sie orientieren sich an den wissenschaftlichen Bedürfnissen, spiegeln aber auch die berechtigten wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Interessen und Erwartungen wider. Träger des eigentlichen Innovationsprozesses sind jedoch die Wissenschaftler und ihre Kollegen aus den Unternehmen. Disziplinär wie institutionell breit angelegte Expertengespräche bereiten daher neue Forschungsinitiativen vor. Diese Gespräche bilden die Grundlage für die Öffentlichen Förderbekanntmachungen. Da sich in den Ausschreibungen auch die Interessen und Ziele der Unternehmen wieder finden sollen, kommen in der Regel cirka ein Drittel der Teilnehmer des »Runden Tisches« aus der Industrie. ¢

Who is Who – Mit dieser neuen Rubrik möchten wir einige Akteure aus dem FuEProgramm GEOTECHNOLOGIEN vorstellen. Den Anfang machen vier ProjektKoordinatoren aus den aktuellen Forschungsschwerpunkten.

Prof. Dr. Torsten Schlurmann

Prof. Dr. Karl-Heinz Ilk

Prof. Dr. Claus-Dieter Reuther

Prof. Dr. Gerhard Bohrmann

Wenn Prof. Dr. Schlurmann an seiner Ar-

Beinah täglich schaut Prof. Dr. Ilk aus den

Wenn es unter Hamburg bebt wird Prof.

Nach seinem »Auftritt« in Frank Schätzing’s

beitsstelle, dem Franzius-Institut für Was-

Tiefen des Weltraums auf unseren Plane-

Dr. Reuther oft zu Rate geholt. Als Profes-

Roman »Der Schwarm« kann sich Gerhard

serbau und Küsteningenieurwesen über so

ten. Dabei sieht er neben der Schönheit

sor für Allgemeine und Regionale Geolo-

Bohrmann kaum noch vor Anfragen zu

genannte Freak Waves spricht, so macht er

der Erde auch die Auswirkungen der Pro-

gie untersucht er vor allem die Prozesse

Festvorträgen und öffentlichen Auftritten

dies aus tiefstem Interesse. Torsten Schlur-

zesse in ihrem Innern. Als Koordinator des

der Salz- und Neotektonik und die daraus

retten. Wie nur wenigen gelingt es dem

mann hat 1999 an der Bergischen Univer-

DFG-Schwerpunktprogramms »Massen-

resultierenden Gefahren für Mensch und

Geologen dabei Öffentlichkeitsarbeit mit

sität Wuppertal über diese Monsterwellen,

transporte und Massenverteilung im Sys-

Umwelt. Als Leiter des GEOTECHNOLO-

wissenschaftlicher Spitzenforschung zu

die keine Tsunamis sind, promoviert. Seine

tem Erde« will der gelernte Katastertech-

GIEN-Projektes »HADU- der dynamische

vereinen. Als Koordinator des GEOTECH-

Forschungsarbeiten über ungewöhnliche

niker das Schwerefeld der Erde nutzen, um

Untergrund Hamburgs« befasst er sich

NOLOGIEN-Projektes »METRO« befasst er

Meereswellen führten ihn unter anderem

mehr über die Strukturen und Prozesse im

mit dem wirtschaftlichen Nutzungspoten-

sich mit Aufbau, Struktur, Dynamik und

an die Universität Madras in Indien und die

Erdinnern zu erfahren. Nach dem Studium

tial des Untergrundes und mögliche Risi-

Wechselwirkung der Gashydrate im mari-

UN-Universität Bonn. Seit 2007 ist Torsten

der Bautechnik an der TH München führte

ken in einer geologisch aktiven und gleich-

nen Sediment. Gleich mehrfach im Jahr ver-

Schlurmann Leiter des Franzius-Institutes

ihn die Forschungsarbeit, nach Aufenthal-

zeitig dicht besiedelten Region. Der seit

schlägt es ihn hierzu in die entlegensten

an der Universität Hannover und zudem

ten unter anderem in Kanada und Indone-

1993 an der Universität Hamburg tätige

Regionen der Erde. Den gebürtigen Saar-

Projektkoordinator von »LAST MILE«, einem

sien, schließlich als außerplanmäßigen Pro-

Geologe ist zudem intensiv an verschiede-

länder führte sein Weg nach dem Diplom

Verbundvorhaben, dass seit April 2007 im

fessor an die TU München. Heute widmet

nen Forschungsarbeiten zur Tektonik des

an der TU Darmstadt über das IFM-GEO-

Rahmen des FuE-Programms GEOTECH-

er sich in seiner Funktion als Professor für

Australischen Kontinentes und des südli-

MAR in Kiel und das Alfred-Wegener-

NOLOGIEN gefördert wird. Dabei steht ne-

Geodäsie an der Universität Bonn vor allem

chen Südamerikas beteiligt. Dabei sind für

Institut in Bremerhaven an das Forschungs-

ben der Frage, wie man die Warnung wir-

der Analyse und Interpretation von Schwere-

den ehemals als Explorationsgeologen

zentrum Ozeanränder der Universität Bre-

kungsvoll an die Bevölkerung weiter gibt,

felddaten der Satellitenmissionen CHAMP,

tätigen Forscher die Erfahrungen mit den

men, wo er seit 2002 als Professor für All-

auch die detaillierte Modellierung der

GRACE und der kommenden Mission GOCE.

Methoden der Angewandten Geophysik

gemeine Geologie tätig ist.

Flutdynamik im Fokus der Forschung.

von großem Wert.


Vorausschauend Bohren – BMBF fördert innovative Technologien zur Effizienzsteigerung von Tunnelbohrungen Herrenknecht

Tunnelbohrmaschine der Superlative: Durchmesser 15,2 m Derzeit ist diese TBM im Herzen von Madrid für den Bau der Stadtautobahn im Einsatz.

Quer durch das Gebirgsmassiv der Alpen, im Untergrund der Metropolen oder unter den Wasserstraßen – Tunnel sind allgegenwärtig. Ihre Bedeutung als Transport- und Verkehrsweg wächst von Tag zu Tag. Bis 2010 sind in Deutschland über 470 neue Tunnelkilometer geplant. Darunter so anspruchsvolle Projekte wie die rund 30 Tunnel-Kilometer der neuen ICE-Strecke Stuttgart-München. Sowohl im feinen Sediment als auch im festen Grundgestein der Gebirge: Modernste Tunnelbohrmaschinen (TBM) ermöglichen einen schnellen Bohrvorgang. Trifft eine solche Tun– nelbohrmaschine jedoch auf Hindernisse, kann es zu Schäden am Bohrkopf kommen.

Neuigkeiten }

Neue Science Reports Nr. 7 »Gas Hydrates in the Geosystem«, Nr. 8 »Information Systems in Earth Management«, Nr. 9 »First French-German Symposium on Geological Storage of CO2« Bestellen Sie sich Ihre Ausgabe per E-Mail oder laden Sie die pdfFiles unter www.geotechnologien.de herunter. }

Aufgerufen Über 80.000 Besucher informierten sich in den letzten 12 Monaten auf den Web-Seiten unter www.geotechnologien.de über das FuE-Programm.

Doch Zeit ist Geld! Und jede Störung gefährdet zudem die Sicherheit im Stollen. Um Hindernisse schon im Vorfeld zu erkennen, wird überwiegend das Verfahren der seismischen Vorerkundung eingesetzt. Hierbei werden in Bohrpausen Schallwellen in Richtung des geplanten Tunnels durch den Fels gesendet. Treffen diese Wellen auf Störkörper oder Grenzflächen, so werden sie, ähnlich einem Echo, reflektiert. Diese Echos werden von Geophonen aufgezeichnet und anschließend von Geowissenschaftlern analysiert. Um die Sicherheit im Tunnelbau und die Effizienz der Bohrmaschinen zu steigern, steht die Weiterentwicklung solcher seismischer Vorer-

}

Bilateral Ein großer Erfolg war das 1. Französisch-Deutsche Symposium zur Geologischen Speicherung von CO2 in Potsdam mit rund 170 Teilnehmern, darunter etwa 80 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus Frankreich.(http:// www.geotechnologien.de/FG_C O2_Symposium.html) }

Angefangen Seit Anfang Juni 2007 ist der Diplom-Geograph Werner Dransch im Koordinierungsbüro GEOTECHNOLOGIEN für die Intensivierung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verantwortlich.

kundungstechnologien im Zentrum von drei Forschungsprojekten, die vom BMBF im Rahmen des FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN gefördert werden. Die Projekte zielen darauf, dass die Vorerkundung während des eigentlichen Bohrbetriebs, aus dem Schneiderad heraus, erfolgt. Durch die schnelle OnlineDarstellung der vor der TBM liegenden Strukturen, soll der Maschinenführer in die Lage versetzt werden, schnell geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden einleiten zu können. Wo mit der herkömmlichen Technik die TBM noch in regelmäßigen Abständen angehalten werden musste, kann diese innovative Technologie den Tunnelvortrieb so deutlich beschleunigen. Die Struktur des FuE-Programms hilft dabei, eine sinnvolle Vernetzung der unterschiedlichen Vorhaben zu generieren. So wird eine multilaterale, interdisziplinäre Forschung ermöglicht, die höchsten wissenschaftlichen und technologischen Anforderungen gerecht wird. Projekte: ONSITE, COMEXTECH, AUTOSEIS Laufzeit: 3 Jahre, Beginn Herbst 2006 Fördersumme: Rund 3,3 Millionen Euro (BMBF) + 1,3 Millionen (Wirtschaftspartner) ¢

Termine }

2. – 5. Oktober 2007 Statusseminar »Gashydrate« im Rahmen der Jahrestagung der Geologischen Vereinigung, Bremen }

10. Oktober 2007 Kick-Off-Meeting »Frühwarnsysteme gegen Naturgefahren«, Karlsruhe }

15./16. November 2007 Statusseminar »Erkundung, Nutzung und Schutz des Unterirdischen Raumes«, RWE-DEA, Hamburg

}

21./22. November 2007 Statusseminar »Beobachtung des Systems Erde aus dem Weltraum« Bayerische Akademie der Wissenschaften, München }

20. bis 22. November 2007 CHINA GEOTECH 2007 Ort: Shanghai, China }

28. November 2007 Eröffnung der Wanderausstellung »Unruhige Erde«, Deutsches Technikmuseum, Berlin

Impressum Herausgeber: Koordinierungsbüro GEOTECHNOLOGIEN, Telegrafenberg, 14473 Potsdam, Tel. 0331-62014800, www.geotechnologien.de · Das FuEProgramm GEOTECHNOLOGIEN wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.


GEOTECHNOLOGIEN im Gespräch… mit Thomas Edelmann, Herrenknecht AG menarbeit mit Hochschulen ist dabei sehr wichtig. In der Praxis gestaltet sich dies so, dass Herrenknecht mit Hochschulen, Instituten und Ingenieurbüros in regelmäßigem Kontakt steht. Aktuell beteiligt sich die Herrenknecht AG neben dem Projekt AUTOSEIS z. B. auch an der Entwicklung eines speziellen Ringspaltmörtels in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bochum und Wuppertal.

In nur 25 Jahren hat sich Herrenknecht von einem »Garagenbetrieb« (Zitat Martin Herrenknecht) zu einem Unternehmen mit knapp 1800 Mitarbeitern entwickelt. Jahresumsatz 2006: rund 650 Millionen Euro. Das Unternehmen gilt als weltweit führend auf dem Gebiet des Tunnelvortriebs. Dies hat die Herrenknecht AG unter anderem auch einer intensiven und konsequenten Forschungsförderung zu verdanken. Thomas Edelmann, Leiter der Forschung und Entwicklung bei Herrenknecht, unterstreicht im Gespräch mit GEOTECHNOLOGIEN den Wert von FuE- Programmen für Unternehmen wie Herrenknecht. GEOTECHNOLOGIEN: Herr Edelmann, Sie sind Leiter der Forschungsabteilung des weltweit größten Produzenten von Tunnelbohrmaschinen. Geben Sie uns doch einen kurzen Einblick in die aktuellsten FuE-Projekte der Herrenknecht AG. EDELMANN: Aufgrund des Zusammenspiels vieler Disziplinen auf einer Tunnelvortriebsanlage sind auch die Themen in der FuE Abteilung sehr unterschiedlich. Neben Entwicklungsprojekten wie der Vorauserkundung parallel zum Tunnelvortrieb, stehen auch detaillierte Verbesserungen von zentralen Bauteilen einer TBM, wie z. B. dem Schneidradantrieb im Mittelpunkt. GEOTECHNOLOGIEN: Welche Rolle spielt die Kooperation mit Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen für FuE-Projekte bei Herrenknecht? Welchen Stellenwert hat sie und könnten Sie ein oder zwei konkrete Beispiele aus der Praxis nennen? EDELMANN: Forschung und Entwicklung haben in der Herrenknecht AG traditionell einen hohen Stellenwert. Weiterentwicklung wird dabei nicht ausschließlich von der FuE Abteilung betrieben. Eine intensive Zusam-

GEOTECHNOLOGIEN: Sehen Sie in einer solchen Kooperation Synergien, sowohl aus wirtschaftlicher Sicht Ihrerseits als auch für die Forschungsseite? EDELMANN: FuE-Programme dieser Art ermöglichen Entwicklungsschritte die vom Einzelnen nicht erbracht werden können oder immer nur Teilaspekte abdecken. Die Zusammenarbeit ermöglicht, dass entwickelte bzw. verbesserte Produkte sofort in die Anwendung gelangen. Den Hochschulen ermöglichen sie zudem eine praxisnahe Forschung zu betreiben. Damit kann man im universitären Wettbewerb seinen Studenten interessante und herausfordernde Aufgaben stellen. GEOTECHNOLOGIEN: FuE-Programme, wie das Sonderprogramm GEOTECHNOLOGIEN, wollen die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stärken. Welchen Stellenwert haben solche Fördermaßnahmen für ein Unternehmen wie die Herrenknecht AG? EDELMANN: Neben dem Zugewinn von Wissen und Erfahrung bedeutet es natürlich auch die am Problem orientierte Lösung mit der größten Wirtschaftlichkeit ausfindig zu machen. Damit werden Herrenknecht Produkte aus verschiedenen Blickwinkeln optimiert und bleiben dauerhaft STATE OF THE ART. GEOTECHNOLOGIEN: Werden die Erwartungen an solche Programme erfüllt und wo wünschten Sie sich Verbesserungen? EDELMANN: Die Kombination von Wissenschaft und Wirtschaft bringt sehr unterschiedliche Sichtweisen zusammen. Durch die Ideen der Wissenschaft und der Praxis der Wirtschaft lassen sich solche Programme hoch effektiv gestalten. Manchmal wird der Tatendrang jedoch durch die Prioritätensetzung bei Forschungsprogrammen begrenzt wodurch Zeitverzögerungen entstehen. GEOTECHNOLOGIEN: Im Verbundprojekt AUTOSEIS entwickelt und testet Ihr Unternehmen, gemeinsam mit der TU Braunschweig, neue Vorauserkundungs-

methoden im Tunnelbau. Wie sehen Sie die bisherige Entwicklung dieser Technologie und welche Erwartungen knüpfen Sie an die Markteinführung? EDELMANN: Die Vorauserkundung ist ein wesentlicher Stein zur Erhöhung der Sicherheit. Heutzutage werden Tunnelprojekte in Angriff genommen die früher unmöglich erschienen. Die einzigartige Technik der Seismischen Vorauserkundung aus dem Schneidrad bedeutet, High-Tech Instrumente unter widrigsten Bedingungen einzusetzen. Gleichzeitig sollen diese Systeme ortsgenau und online Daten an den Schildfahrer liefern. Die Verbesserungen dieser Hard- und Software wird die Verbreitung des Produkts beschleunigen. GEOTECHNOLOGIEN: Weltweit nimmt die Nutzung des Untergrundes zu. Allein in Deutschland sind rund 470 Tunnelkilometer in der konkreten Planung. Wo liegen Ihrer Meinung nach innovative Forschungsfelder, die hier von deutschen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zukünftig besetzt werden könnten? EDELMANN: Die Anforderungen an die Mobilität der Menschen steigt ständig. Gleichzeitig können solche Megacities die Behinderungen von Großbaustellen im Alltag nur schwer hinnehmen. Die Forschungsfelder von morgen werden auch darin liegen, große innerstädtische Projekte wie Straßentunnels oder Metrolinien mit einem Minimum an Belastungen für Verkehr und Anwohner durchzuführen. Hier müssen neue Technologien gefunden werden um noch besser zu werden. Daneben muss die Geschwindigkeit bei der Umsetzung solcher Projekte drastisch steigen um den Anforderungen gerecht zu werden. ¢

Thomas Edelmann Der studierte Bauingenieur Thomas Edelmann ist Leiter der Abteilung »Forschung und Entwicklung« der Herrenknecht AG. Er beschäftigt sich seit über 16 Jahren mit der Produktionslogistik in der Bauzuliefererindustrie sowie der Konstruktion und Entwicklung von Tunnelvortriebsanlagen. In dieser Position ist er unter anderem auch mit der Projektleitung des Forschungsvorhabens AUTOSEIS betraut. Partner von Herrenknecht sind hierbei das UFZ Leipzig, die Geotomographie GmbH, Neuwied, und die BauhausUniversität Weimar.

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