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VERLAGSBEILAGE

n˚ 6

oktober 2012

GentlEmen's Report

das magazin für männer

ES WIRD REGEN GEBEN

www.gentlemensreport.com


Form follows perfection. Der neue CLS Shooting Brake und Joan Smalls, inszeniert von Mario Testino. Mercedes-Benz Fashion Days vom 7. bis 10. November 2012. Tickets erh채ltlich unter www.mbfashiondays.ch

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www.facebook.com/MercedesBenzSwitzerland


DAS KANN JA HEITER WERDEN

J e r o e n va n

r o o ij e n

NZZ-Stilfachmann, Kolumnist der «NZZ am Sonntag», Stilkritiker bei Radio DRS 3 und Autor mehrerer Bücher zum Thema Mode und Stil.

R e t o c a p r e z

Fotografie: Nathan Beck

Spiritus rector hinter dem «Gentlemen’s Report». Geschäftsführer und Inhaber von ALFERANO, dem Schweizer Marktführer für Masskonfektion.

«Gentlemen’s Report» will kein Männermagazin wie die anderen sein. Deswegen werden Sie auch in dieser Ausgabe – die vierte dieses Jahres – keine aufgeplusterten Pin-up-Mädchen in Lingerie finden, keine breitspurigen Sportwagen mit absurd vielen Pferdestärken, keine Tipps zum Superhelden im Bettsport und auch keine extradicken Uhren von statusmaximierendem Wert. Sorry – aber wir fanden, dass es davon schon genug gibt. Noch nicht einmal die Sonne lassen wir hier scheinen, dafür darf es auf den folgenden 65 Seiten aus Kübeln regnen. Nicht weil wir Masochisten wären. Wir versuchen einfach zu gerne, die Dinge auch mal anders zu sehen. Den oft gehörten und bestimmt richtigen Satz, dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Ausrüstung (oder schlechte Laune) gibt, schieben wir hier dennoch gerne ein. Lernen Sie also auf den folgenden Seiten aktuelle Regenbekleidung kennen, die auch hält, was sie verspricht – und auch gut aussieht. Folgen Sie Fernsehmoderator und Bio-Bauer Dieter Moor, wie er fluchend über die Äcker seines Hofs in Brandenburg stapft – nein, nicht in Gummistiefeln, denn die mag er nicht. Lesen Sie die Chronologie der menschlichen Versuche, das Wetter zu beherrschen – wir warten noch immer auf den Durchbruch. Kaufen Sie sich einen schönen Barometer, der Ihnen für den Rest des Lebens zuverlässig die Wetterprognosen liefert – statt das x-te Smartphone. Entdecken Sie die Schönheit der Wolken. Und dann basteln Sie sich einen Südwester und singen ein Lied – auch dazu haben wir für Sie auf Seite 63 passende Vorschläge. Jetzt sollte es nur noch regnen. Jeroen van Rooijen und Reto Caprez editorial 1


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* Quelle: Euromonitor International Limited; NIVEA als globale Marke in der Kategorie Hautpfl ege für Männer, bezogen auf den Einzelhandelsabsatz 2011. Hautpflege

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WAS MÄNNER WOLLEN


inhalt dieser ausgabe

Radquer

SE I TE 2 2

Dieter moor

SE I TE 6

schottland

SE I TE 5 0

mode

SE I TE 4 0

barometer

SE I TE 1 2

Editorial 1

MITARBEITER 4

HÄRTEtest 1 6

MEIN STIL 1 8

gr+shop 2 0 BASTELBOGEN 3 2 Wettermacher 3 7 FriESEN 

NERZ 4 9 HÄBERLIS HAUS 5 4 NEWS 5 6 KOLUMNE 6 2 SINGIN’  

IN THE RAIN 6 3 Jasper 6 5 GENTLEMen’s Guide 1 5 , 3 0  

Inhalt 3


mitarbeiter dieser ausgabe

D o m i n i c

c h r i s t ia n

k a t h r i n

c h r i s t o f

Ha y d n

k n ö r r

e c k h a r d t

g e r t s c h

Ra w l e

Geboren in Royal Tunbridge Wells, England. Studierte in Australien Kunst und Fotografie, arbeitet u.a. für «Die Zeit», Lacoste und Hermès, lebt in Paris.

Lebt in Basel und Paris und arbeitet als selbständiger Fotograf im Bereich Portrait und Mode. Er feierte diesen Sommer seinen 40. Geburtstag.

Die freischaffende Stylistin und Autorin (29) ist für verschiedene Magazine und Zeitungen tätig und betreut auch das GlassyMag.

Der Berner Christof Gertsch schreibt für die «Neue Zürcher Zeitung» und die «NZZ am Sonntag» über das, was ihn bewegt.

l o r e n z

A n n a

J ü r g

D A V I D

r i c h a r d

Haa s

Zbi n d e n

TO r C A SSO

28 jahre alt, lebt in Zürich und arbeitet als Fotograf im Bereich Action, Portrait und People. Ist begeistert von Wellenreiten und Motorrädern.

Lebt und arbeitet seit 2011 in Zürich. Seit 2007 als freie Illustratorin tätig, erst in Berlin, später im holländischen Arnhem.

Korrektor und freier Journalist für Popkultur, Stil und Vintage-Themen. Die Patina schätzt er eher als den Glanz des neuen.

G r e g o r

m i r ja m

J o ja k i m

H o h e n b e r g

f u c h s

C o r t i s

schreibt u.a. für «Brand Eins», «Das Magazin» oder «Die Zeit» über Gesellschaftsthemen. Er lebt in Berlin und Zürich.

A d r ia n S o n d e r e g g e r Gregor Hohenberg, geboren 1971 in Magdeburg, lebt und arbeitet in Berlin. Seine Spezialität sind dichte visuelle Kurzgeschichten.

Die Anglizistin und freie Autorin (27) schreibt über Bildung, Kultur und Reisen und ass in Schottland sogar die typischen Haggis.

Begannen ihre Zusammenarbeit 2005 während des Studiums der Fotografie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Bekannt für ihre aufwändigen und oft humorvollen Inszenierungen.

C l a u d e

B e r n d

L e o n i d

Na t h a n

Ga s s e r

G r u n d m a n n

L e iva

B e c k

Der 26-Jährige ist freischaffender Künstler und Fotograf aus Basel, lebt und arbeitet in Zürich. Für uns war er in Schottland.

Lebt zwischen Hamburg und dem Unterengadin, er bevorzugt vor allem kulinarische Themen mit einem Bezug zur Region.

Leonid Leiva, geboren und aufgewachsen in Kuba, ist studierter Kernphysiker und heute als freier Wissenschaftsjournalist tätig.

E r w i n

m a n u e l

a u f

r i c k e n ba c h e r

d e r

Ma u r

Lebt in Zürich, 27 Jahre alt, tätig als selbständiger Fotograf, hauptsächlich in Bereichen wie Portrait, Lifestyle, Musik und Kultur.

Fotograf Erwin Auf der Maur liebt die Abwechslung und macht Studioarbeiten, Kochbücher sowie Landschaftsfotografie.

Contributors 4

Nathan Beck bereist als Reportagefotograf gerne Länder wie Afghanistan, Somalia und Libyen, fotografiert aber fast so gerne Mode und Menschen.


TO BREAK THE RULES, YOU MUST FIRST MASTER THEM. UM REGELN BRECHEN ZU KÖNNEN, MUSS MAN SIE ZUERST MEISTERN. 2012

WIDMET

AUDEMARS

PIGUET

DEM

G R Ö S S T E N F U S S B A L L K Ü N S T L E R D E R W E LT U N D MARKENBOTSCHAFTER LEO MESSI EINE GANZ BESONDERE UHR. DIE LIMITIERTE SONDEREDITION REPRÄSENTIERT EINE NEUE GENERATION DER ROYAL OAK, NUN IM 41-MM-GEHÄUSE. DIE CHARAKTERISTISCHE ACHTECKIGE LÜNETTE IST AUS TANTAL GEFERTIGT. DAS BLÄULICH SCHIMMERNDE TANTAL IST EBENSO SELTEN UND WERTVOLL WIE PLATIN, HAT JEDOCH EIN HÖHERES GEWICHT UND IST AUSSERORDENTLICH SCHWIERIG ZU BEARBEITEN. DIE ROYAL OAK „LEO MESSI“ IST IN EDELSTAHL, ROSÉGOLD ODER PLATIN MIT KROKODILLEDERBAND ERHÄLTLICH UND SETZT 2012 EINEN WEITEREN MEILENSTEIN IN DER BERÜHMTEN SPORTUHREN-KOLLEKTION.

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FLUCHEN UND HOFFEN, DASS ES NÜTZT Text: David Torcasso Fotografie: Gregor Hohenberg

Der Schweizer Fernsehmoderator Dieter Moor ist vor neun Jahren nach Brandenburg bei Berlin ausgewandert und hat dort einen Bio-Bauernbetrieb eröffnet. Nebenbei moderiert er Kultursendungen auf ARD oder RBB. Ein Gespräch über Gewitter, existenzielle Krisen und zielorientiertes Schimpfen.

Gentlemen’s Report: Dieter Moor, wo ist das Wetter besser – in Berlin-Brandenburg oder in Ihrer alten Heimat, der Schweiz? Dieter Moor: Brandenburg wird auch die «Toskana von Deutschland» genannt. Wir haben hier wesentlich mehr Sonnenstunden als im Schweizer Mittelland, im Sommer auch bei vierzig Grad. Aber dann ist es im Winter minus dreissig Grad. Mir gefällt das. In der Schweiz scheinen mir die Jahreszeiten weniger ausgeprägt. Dafür schlägt das Wetter dort mehr aufs Gemüt. Wenn es in der Schweiz regnet, kann es drei Wochen lang andauern. Und wenn es im Winter minus fünf Grad anzeigt, fluchen die Zürcher schon über die Kälte. Haben Sie sich leicht an das neue Klima gewöhnt? Als ich 2003 nach Brandenburg gezogen bin, war der Jahrhundertsommer. Zum Verzweifeln! Acht Wochen lang fiel kein einziger Regentropfen. Ich musste mich gleich zu Anfang als Bauer beweisen. Inzwischen herrscht in Berlin-Brandenburg eine

Mischung aus atlantischem und kontinentalem Klima. Wobei der Regen sich noch immer kurz vor Berlin auflöst. Als wäre da eine unsichtbare Wand.

Beschäftigt Sie als Bio-Bauer das Wetter? Das Wetter ist in meinem Job unglaublich wichtig. Ich habe auf meinem iPhone alle Wetter-Apps und Dienste, die ich kriege. Diese Informationen sind essenziell. Wenn ich mich entscheide, auf fünfzig Hektaren Heu zu machen, dann muss es vier bis fünf Tage trocken sein. Wenn das Heu geschnitten ist, liegt es da. Punkt. Es gibt kein Zurück. Somit prägt das Wetter mein Leben als Bauer enorm. Je nachdem freue ich mich über jeden Regentropfen oder über jeden Sonnenstrahl. Als ich noch in Wien gewohnt habe, war das Wetter nicht wichtig. Die Städter nehmen Regen oder Sonne nicht so intensiv wahr. Aber sobald man auf dem Land lebt und jedes Gewitter, jeden Sturm, jeden Hitzetag sozusagen live miterlebt, nimmt das Wetter eine zentrale Rolle im Leben ein. Die Urgewalt des Wetters beruhigt interview 6

mich. Weil sie seit Jahrmillionen gleich ist. Das, was ich heute sehe, haben schon die Dinosaurier gesehen.

Gehen Sie trotzdem ins Freie, wenn es stark regnet? Es stimmt schon: «Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung». Alle glauben immer, Bauern würden in Gummistiefeln bei Regen über das Feld stapfen. Ich hasse Gummistiefel! Sie stinken und sind ungesund. Lederschuhe sind genauso wasserdicht, wenn man sie richtig mit Fett einschmiert. Dazu trage ich eine Jacke, die mit Wachs bearbeitet wurde, und einen anständigen Hut mit einer breiten Krempe. Nicht weil das cool aussieht, sondern weil es tatsächlich nützt. Regenwetter kann dann sehr schön sein. Wie bitte – Regen kann schön sein? Das ist das Beste am Landleben: Man kann dem Wetter nicht ausweichen. In der Stadt geht man in die U-Bahn, in ein Café


dieter moor, 54 Er ist Schauspieler, Bauer und Fernsehmoderator und lebt mit seiner Frau Sonja, einer Filmproduzentin, auf einem Bio-Hof in Brandenburg. Moor war in der Schweiz zuletzt prominent in den Schlagzeilen, weil er in einem Interview mit dem TV-Sender n-tv sagte, manchmal sch채me er sich daf체r, Schweizer zu sein.

interview 7


WO IST DER VERDAMMTE REGEN? oder nach Hause. Wir haben aber auch Hunde, ich habe die Felder, ich muss mehrmals täglich raus. Die allgemeine Meinung, der Sommer ist schön, der Winter ist hässlich, das stimmt für mich nicht. Ich kategorisiere das Wetter nicht mehr. Vor einigen Jahren mochte ich auch nur Sonne und Sommer – und überlegte mir, in ein Land auszuwandern, wo es immer warm ist. Aber jetzt weiss ich: Jede Jahreszeit kann wunderschön sein. Wie auch jedes Wetter. Mittlerweile finde ich ein Land ohne Jahreszeiten langweilig. Es klingt banal, aber auf dem Hof draussen spüre ich, wie der Boden atmet und gegen den Winter langsam in Schlaf fällt. Wenn der Bodennebel aufsteigt oder die ersten Knospen an den Bäumen sind. Das ist sehr spannend, und ich kann das stundenlang beobachten und entdecken.

Hat Ihnen das Wetter schon einen Strich durch die Rechnung gemacht? Im wahrsten Sinne des Wortes: Ja! Schlechtes Wetter kann die Existenz eines Landbetriebs gefährden. Wenn die Ernte

zerstört ist, wird es bei einem Bauer knapp. Ich habe glücklicherweise noch mein zweites Standbein in der Medienwelt. Aber für einen Hof und eine Familie kann es tatsächlich zum Problem werden. Da helfen auch kein Genmais oder andere Mittel der modernen Landwirtschaft. Das Wetter kann eine Bedrohung für uns Menschen sein – nicht nur durch Umweltkatastrophen, sondern eben auch durch die Landwirtschaft. Ich versuche das Wetter als Partner und nicht als Gegner zu sehen. Aber es ist ein Partner, der mich auch immer wieder verarscht. Ich denke: Wo ist der verdammte Regen, der sich angekündigt hat? Ich führe eine turbulente Ehe mit dem Wetter!

In welchen Situationen hat Sie das Wetter schon zur Weissglut getrieben? Speziell ist wirklich, dass ich vor zwanzig Jahren nie gedacht hätte, mich derart nach Regen zu sehnen. Wer macht das schon? Aber wenn ich durch die trockenen Felder laufe und mich wie in einem Wildwestfilm fühle, weil es einfach nicht regnet und trocken wie in einer Prärie ist, schimpfe interview 8

ich gen Himmel. Ich fluche laut vor mich hin und denke: «Ich eröffne hier in Brandenburg eine Palmenzucht.» Aber das geht ja auch nicht, weil es im Winter minus 30 Grad werden kann. Ich schreie und fluche – und hoffe, es nützt.

Haben Sie schon darüber nachgedacht, Wettermoderator zu werden? Ich habe grossen Respekt vor der Wissenschaft und den Techniken rund um die Bestimmung des Wetters und möchte den Wettermoderatoren keinesfalls zu nahe treten – aber es wäre mir ehrlich gesagt zu langweilig. Mein jetziger Job als Moderator von Kultursendungen ist doch vielfältiger. Aber wie gesagt: Ich hege grosse Bewunderung für die moderne Wettervorhersage. Sie ist manchmal so präzise, dass es Punkt vier Uhr nachmittags zu regnen beginnt – wie Stunden zuvor angekündigt. Glauben Sie an Bauernregeln? Nicht wirklich. Ich vergesse Sie auch immer wieder oder bringe sie durcheinander.


interview 9


einbezogen. Wir, die Kinder von Angestellten, waren einfach Kinder. Es war für mich schön, in diese Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Ich half auch auf dem Bauernhof eines Freundes mit und bekam Lob. Als ich einmal beim Heuen geholfen hatte, schenkte mir die Bauersfrau einen Ballon, auf dem geschrieben war: «Dem besten Heuer der Welt». Das war in diesem Alter einfach das Beste! Die Bauernkinder wurden von den Erwachsenen ernst genommen und konnten bereits früh mithelfen, erhielten Anerkennung.

Hat Sie diese Kindheitserfahrung dazu bewogen, Bio-Bauer zu werden? Damals habe ich auch einem Bekannten von meiner Tante auf dem Hof geholfen. Als ich das erste Mal mit einem Traktor gefahren bin, war es wohl so weit. Ich lag am Abend zufrieden im Bett und dachte, heute hast du etwas Richtiges geleistet. Ich habe gerne auf dem Bauernhof geholfen. Das führt dann zu sehr lustigen Sprüchen. Das Wetter ist nicht so doof, über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte immer gleich zu sein. Deshalb sind die Regeln schwer anwendbar in der Praxis. Die Bauernregeln sind wohl mehr ein Sicherheitsbedürfnis für die Bauern selbst und eine Tradition.

Wie sieht Ihr Alltag auf dem Hof aus? Wir haben Rinder und Schafe auf dem Feld und ziehen sie nach Bio-Richtlinien auf. Ich stehe jeden Tag um sechs Uhr morgens auf. Auf einem Hof gibt es immer etwas zu tun. Ich repariere einen Zaun, betreue ein Neugeborenes, fahre die Ernte ein. Wir haben auch einen Knecht, wobei man das heute nicht mehr sagen darf. Einen landwirtschaftlichen Mitarbeiter. Auf einem Bauernhof gibt es aber keinen typischen Alltag, weil eben das Wetter und die Jahreszeit bestimmen. In der Erntephase schaue ich Dutzende Male pro Tag auf meine WetterApps. Vorhin rief mich meine Frau an und sagte, sie hätten jetzt den letzten Heuballen ins Trockene gebracht. Zehn Minuten später hat es zu regnen begonnen. Die haben wohl minütlich auf den Wetterradar geachtet. Diese Erfindung ist eine grosse Erleichterung für meine Arbeit. Sind Sie selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen? Nein, aber ich bin in einem Bau­ erndorf aufgewachsen, wo jeden Tag Kühe durch das Dorf geführt wurden. Ich hatte als Bub eine grosse Beziehung zu den Bauernkindern und fühlte mich dort gut aufgehoben. Ich fand die Bauernkinder interessanter. Sie kriegten immer kleine Jobs von ihren Eltern: Sie mussten auf die Hühner aufpassen, das Heu tragen und waren in den Alltag

Sie sind heute Städter und Naturbursche zugleich. Wie kombinieren Sie das? Städter klagen ständig über das Wetter oder geraten ganz aus dem Häuschen, wenn schönes Wetter ist. Vor allem wenn es sonnig und warm ist, vergessen sie, dass draussen auf dem Land einige Bauern am Stöhnen sind. Diesen Sommer klagten viele über den Regen und das durchzogene Wetter. Für mich war es ein guter Sommer! In welchen Momenten nehmen Sie die Launen des Wetters besonders intensiv wahr? Etwa wenn der Blitz in der Nähe meines Hofs einschlägt, fahre ich auf die Weide und schaue, ob eine Kuh getroffen wurde. Es ist toll, sich mit dem Jeep durch Hagel und Sturm zu kämpfen, mit schnellen Scheibenwischern, und der peitschende Regen, der auf die Karosserie prasselt. Am nächsten Tag sitze ich vielleicht schon wieder in einem Fernsehstudio und mache Aufnahmen. Wie kombinieren Sie diese zwei völlig unterschiedlichen Welten? Der Medienjob ist kurzlebig und hektisch. Die Tätigkeit als Bauer langlebiger und ruhiger. An einem Boden arbeitet man zehn Jahre lang. Die Natur gedeiht nur langsam. Ein Millimeter Humus pro Jahr. Das Resultat dieser Arbeit sehen wir gar nicht mehr, sondern erst die nächste oder übernächste Generation. Das macht mich zufrieden. Aus der Medienwelt bleiben ein paar Kassetten oder DVDs. Das ist alles sehr vir­ tuell und hat keine Konsequenzen für die Welt – und entscheidet nicht über Leben und Tod. Ich habe die Verantwortung für Hunderte von Lebewesen. Meine Tätigkeit als Bauer hat Folgen, die als Moderator weniger. Einen Wald zu pflegen ist etwas komplett interview 10

anderes als eine Sendung abzudrehen. Die Nutzniesser der Bauernarbeit sind noch gar nicht auf der Welt. Das Gegensätzliche in meinem Leben ergibt aber trotzdem etwas Rundes. Ich brauche beide Leben. Denn sie machen die beiden einzelnen Jobs wertvoller, weil ich die Abwechslung habe. Ich könnte nicht nur auf dem Hof sein, aber auch nicht nur immer im Fernsehen.

Sie haben jetzt noch ein zweites Buch über Ihr Leben als Bio-Bauer in Brandenburg geschrieben. Hand aufs Herz: Was gibt es denn noch zu erzählen? Ich habe viele weitere tolle Geschichten aus Brandenburg aufgeschrieben. Eben genau deshalb, weil alle glauben, dort passiere nichts. Dabei ist es voll von Überraschungen und besonderen Momenten, Menschen. Aber die verblassen vielleicht neben der Coolness von Berlin. Brandenburg und ich ist ein Zusammenprall der Welten. Ich möchte dem Klischee des jammernden und unzufriedenen Brandenburgers entgegenwirken. Diese Geschichten habe ich schon im ersten Buch zusammengetragen. Es war wohl daher einigermassen erfolgreich, weil seit längerer Zeit auch schon niemand mehr über Brandenburg geschrieben hat. Im neuen Buch kommen noch mehr Tiere, noch mehr Integration von mir in dem Dorf dazu. Ein drittes Buch werde ich aber wohl nicht schreiben. Obwohl es von den Geschichten her auch noch ein viertes, fünftes oder sechstes Buch geben könnte. Ich lebe ja jeden Tag, und dadurch sammelt sich vieles an!

MOORS WEISHEITEN Der gebürtige Zürcher gibt in seinem jüngsten Buch, «Lieber einmal mehr als mehrmals weniger», eine neue Ladung «Frisches aus der arschlochfreien Zone» – also seiner neuen Heimat Hirschfelde – von sich. 288 Seiten, Verlag Rowohlt.

www.gentlemensreport.com/interview


DI E Z EIT F Ü R SICH

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WECK DEN KACHELMANN IN DIR Text: Anna Kaminsky Fotografie: Cortis & Sonderegger

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter – oder es bleibt, wie es ist.

Nº 1 Im Wetterhäuschen reagiert ein Synthetikhaar auf Luftfeuchte und zieht sich entsprechend zusammen oder dehnt sich aus. Bei gutem Wetter tritt die Frau zum Vorschein, bei Regen muss der Mann vor die Tür. Von TFA für ca. 13 Euro. Nº 2 Wie eine etwas zu gross geratene Taschenuhr hängt das Gerät von TFA an der Wand. Liebhaber von unprätentiösem Funktionalismus lesen darauf alle wetterrelevanten Daten für sagenhafte 25 Euro ab. Nº 3 Die Sputnik-Wetterstation von TFA misst entgegen ihrem galaktischen Aussehen das irdische Wetter, bringt aber mit der Plexiglaskugel Raumschiff-Enterprise-Flair aufs Fensterbrett. 260 Franken. Nº 4 / Nº 5 Das von Galileo Galilei entwickelte System des TFA-Flüssigkeitsthermometers funktioniert auf der Basis von Kugeln, die je nach Temperatur in einer Glasröhre steigen oder sinken. Da das Gerät nur die Innentemperatur misst, reicht die Skala von 18 bis etwa 28 °C. Erhältlich für ca. 20 Euro.

Es gibt kein schlechtes Wetter – nur die falschen Geräte. Auf das iPhone-Wetter-App etwa ist kaum Verlass – die in Cupertino/ USA gemachte Prognose fällt grundsätzlich zu pessimistisch aus. Höchste Zeit also, sich wieder selbst der Vorhersagen-Hoheit zu bemächtigen. Mit den vorgestellten Wettermessapparaten kommt der zeitgenössische Gentleman kaum mehr in Verlegenheit, bei der Outfitplanung danebenzugreifen. Eine Wetterstation ist erst mit drei Komponenten komplett: Barometer (Luftdruck), Hygrometer (Luftfeuchtigkeit) und Thermometer (Temperatur). Die drei Elemente funktionieren zwar auch unabhängig voneinander, doch erst der, der ihre Messergebnisse in Relation setzt, kann eine Wettertendenz für die nächsten Tage erkennen. barometer 12

Nº 6 Der Taschenhöhenmesser (bis 6000 m) mit integriertem Barometer hilft dem Alpinisten, einen Wetterumschwung rechtzeitig zu erkennen, um noch Unterschlupf zu finden, bevor das Donnerwetter losgeht. Das Instrument (nächste Seite) kostet mit Lederetui 289 Franken. Nº 7 Ihrer Bezeichnung als Wetterstation am ehesten gerecht wird die wetterfeste Konstruktion von TFA (nächste Seite), bei der Messgeräte in einem Edelstahlrahmen eingefasst sind. 92 Euro. Nº 8 Das Praktische an der formschlichten Wetterstation «3031» (nächste Seite) ist der Stellzeiger, der auf einer einmal bestimmten Position stehen bleibt. So lassen sich leicht Tendenzen erkennen. Von Barigo, ca. 150 Franken.


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The Gentlemen’s Guide

verändern nicht nur den Look, sondern auch die Präsenz des Mannes. Ist so ein 7-cm-Absatz denn heute noch mehrheitsfähig? Die meisten unserer Models kannten diesen Schuhtypus nicht, sie sind ja deutlich später als in den siebziger Jahren geboren, als solche Stiefeletten letztmalig gross in Mode waren. Damals trugen viele Rockstars solche Schuhe. Und konnten die jungen Typen auf den Absätzen auch gehen? Manche zogen die Schuhe einfach an, ohne Probleme, andere brauchten etwas länger, um sich an den Absatz zu gewöhnen. Man darf nicht zu viel über die Absätze nachdenken, damit sie funktionieren. Man zieht sie an und läuft los, dann klappt es.

walk in high heels Text: Jeroen van Rooijen

Ich sehe gegenwärtig viele Männer über vierzig, die sehr fit und schlank sind und die sich entsprechend figurbetont anziehen. Wo tut man denn heute sein Telefon und seine Schlüssel hin, wenn man so slim fit angezogen sein möchte? Schauen Sie doch nur, wie flach die Dinge geworden sind, die wir mit uns herumtragen. Sogar das trägt der neuen Silhouette des Mannes Rechnung. Und sonst haben wir ja immer noch reichlich Taschen im Angebot, auch wenn wir sie nicht auf dem Laufsteg gezeigt haben.

Man muss aber schon ein ziemlicher Kerl sein, um solche Schuhe tragen zu können … Ja, das sehe ich auch so. Man muss ein ganzer Mann sein. Man geht damit anders. Zwar wackelt man nicht gerade mit den Hüften, das wäre unmännlich, aber es streckt die Figur. Man muss den Rücken zurückwerfen und die Brust rausstrecken. Wen hatten Sie als Idealkunden vor Augen – Sarkozy? Nein, mit Sicherheit nicht …

Tomas Maier, Chefdesigner von Bottega Veneta, empfiehlt diesen Herbst Stiefeletten mit 7-cm-Absatz für den Herrn.

Gentlemen’s Report: Tomas Maier, Sie haben für diese Saison auf dem Laufsteg keine einzige Handtasche gezeigt, dafür aber Schuhe mit hohen Absätzen, die viel zu reden gaben. Tomas Maier: Vollkommen richtig, ich wollte keine Taschen oder andere Accessoires zeigen, der Fokus lag für einmal ganz auf den Schuhen.

Die Schuhe machen diese Saison den Unterschied. Manche davon sind schon sehr hoch … Manche ja, ich wollte ja auch eine lange, gestreckte und schmale Silhouette erreichen. Also habe ich die Oberteile gekürzt und die Absätze höher gemacht. Diese Schuhe

Wen also? Meine Inspiration war eine Militärakademie, Rekruten und ihr Training. Diese gewisse Disziplin, die dort trainiert wird. Persönlich ist mir das auch wichtig: Es gibt nichts besseres als ein gut geschnittenes Jackett, das einen aufrichtet. Ausserdem merkt man dann sehr schnell, wenn man ein paar Kilos zunimmt, und kann dann gezielt Gegensteuer geben. Männer werden leider irgendwann einfach dick. Nicht mehr unbedingt, das hat sich stark gewandelt.

GENTLEMEN’S GUIDE 15

ME I STER DES UNDERSTATEMENTS Tomas Maier, 1957 als Thomas Maier im süddeutschen Pforzheim geboren und im Schwarzwald aufgewachsen, ist seit 2001 Chefdesigner der zur Gucci-Gruppe gehörenden Luxusmarke Bottega Veneta, deren Kol­lektionen und Accessoires zu den exklusivsten weltweit gehören. Maier entwirft ausserdem unter eigenem Namen eine Bademode-Linie. www.bottegaveneta.com www.gentlemensreport.com/howto


– JÜRG WIRTH –

Fotografie: Bernd Grundmann

S c h l i c h t i m Lo o k , h a r t i m N e h m e n

Bauernkleider müssen in erster Linie funktional sein. Modetrends unterwerfen wir uns höchstens bei Maschinen, grösseren – oder kleineren wie Laubbläsern. Funktional ist die Jacke «Highland» von Jack Wolfskin ohne Zweifel. Ganz in Schwarz gehalten, wirkt sie eher zurückhaltend, erfüllt aber ihren Zweck auf beste Art und Weise. Der Schnitt ist nicht sonderlich körperbetont, was deshalb Platz für einen warmen Pullo-ver lässt. Rund drei Stunden bin ich, gemeinsam mit anderen Bauern, bekleidet mit dieser Jacke, dem Jungvieh nachgerannt, um es auf eine tiefer gelegene Weide zu zügeln. Dabei regnete es in Strömen, und das Vieh versteckte sich im Dickicht des Waldes am Steilhang. Wir mussten uns durch die Büsche kämpfen, rutschten den glitschigen Hang hinunter und schrammten an Bäumen vorbei. Es war hart und nervenaufreibend. Irgendwann haben wir dann das ganze Vieh aus den Büschen getrieben und beisammen gehabt. Dies war die eine positive Tatsache, die andere: Meine Highland trug weder Risse noch Kratzer davon. Und durchgehalten hat sie auch, den Regen ab- und mich warm gehalten.

Denn wir sind nicht nur gerannt, sondern mussten das gefundene Vieh «bewachen», auf dass die Tiere nicht wieder in die Büsche Reissaus nehmen. Was also soll eine Jacke mehr können als warm geben, und wenn es eine Regenjacke ist, den Regen abhalten. Eine

gute Investition auf sicher ist das Modell Highland Jacket, der Name ist Programm, kann man da sagen. Allerdings sei es bei älteren Modellen so, hab ich mir sagen lassen, dass sich nach rund zehn Jahren das Futter auflöst und an den Kleidern hängen bleibt. Live fast, die young, kann ich da nur sagen.

jürg wirth Er ist Wirtschaftsingenieur, war als Journalist tätig und ist seit bald zehn Jahren praktizierender Landwirt in Lavin/Graubünden. Für die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt Jürg Wirth den Blog «Berglandwirth».

www.gentlemensreport.com/haertetest KOLUMNE 16


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AB 1. NOVEMBER IM KINO Skyfall ©2012 Danjaq, United Artists, CPII. Skyfall, 007 Gun Logo and related James Bond Trademarks, TM Danjaq. ©2012 Sony Corporation. All rights reserved. Sony, its logo, and “make.believe” are trademarks of Sony Corporation. All trademarks and logos are registered trademarks and logos of their respective owners.


mein stil franco savastano Text: Jeroen van Rooijen Fotografie: Manuel Rickenbacher

Was für ein Gefühl gibt Ihnen ein guter Anzug? Einerseits will ich mich, wie die meisten Männer, in meiner Kleidung wohl fühlen. Andererseits mag ich es auch, wenn ich meine Sachen spüre – sie dürfen ruhig knackig am Körper sitzen. Ich will den Anzug spüren, dann verleiht er mir auch Haltung. Man steht anders da. Wer nur Pullover trägt, kennt dieses Gefühl nicht. Hilft Ihnen ein guter Anzug, den Alltag zu meistern? Sehr. Er gibt mir Sicherheit. Nicht, weil ich kein Selbstbewusstsein hätte, aber der Anzug und die Krawatte sind ein komplettes Set, er ist ein eindeutiges Signal. Ich bin «on the job». Der Anzug zeigt, dass ich bereit bin, mich zu Gunsten meiner Aufgabe ein Stück weit zurück zu nehmen. Ihre Hosen sind auffällig kurz geschnitten. Stimmt, aber ich mag es so. Ich muss mich deswegen oft erklären, die meisten verstehen diese Länge nicht.

Franco Savastano, 47, seit einem Jahr Chef des Warenhauses Jelmoli, ist einer der am besten angezogenen Männer der Stadt Zürich. Seine Anzüge lässt er auf Mass machen.

Franco Savastano, 1965 als Sohn italienischer Emigranten im Aargau geboren, ist CEO des Zürcher Warenhauses Jelmoli und Mitglied der Geschäftsleitung der Swiss Prime Site AG in Olten. Nach einer Lehre in einem Herrenmodefachgeschäft in Brugg führten ihn verschiedene Jobs zu Firmen wie Hugo Boss, Fein-Kaller und zu Strellson nach Kreuzlingen, wo er Chef der Linien Strellson und Tommy Hilfiger war. 2001 wurde er zum Direktor des Modehauses Grieder in Zürich berufen, wo er bis zu seinem Wechsel zu Jelmoli vor Jahresfrist tätig war. Savastano ist verheiratet und hat eine Tochter.

Regel weisse Hemden und eher unifarbene oder ganz fein gemusterte Krawatten. Auffällige Dessins liegen mir nicht.

Ihre Hemden haben die neapolitanische Armkugel mit kleinen Fältchen … Mir machen solche kleinen Details Spass – andere müssen sie nicht unbedingt sehen, mir sind sie wichtig. Es geht in der Männermode doch immer um die Details.

Gentlemen’s Report: Franco Savastano, kostet es Sie viel Mühe, täglich so gut angezogen aus dem Haus zu gehen? Franco Savastano: Ich achte darauf, mich situa­ tionsgerecht zu kleiden, aber ich gebe mir überhaupt keine Mühe, irgendwie aufzufallen oder aus der Reihe zu tanzen, das wäre nicht mein Stil. Ich versuche, mich klassisch, aber zeitgemäss zu kleiden. Woher kommt Ihr Stilgefühl? Mich faszinieren die Filme der fünfziger Jahre – Cary Grant, Clark Gable, Gene Kelly oder Fred Astaire, diese Zeit der perfekt angezogenen Gentlemen. So möchte ich auch gerne aussehen: klar und auf den Punkt. Wie kaufen Sie ein? Ich shoppe kaum je, aber wenn jemand etwas mit dem Herzen macht – sei es ein Pizzaiolo oder Schuhmacher –, dann bin ich schon fast sein Kunde. Ich mag es, Dinge zu entdecken, die sorgfältig gemacht sind. So wie Ihr Füllfederhalter? Er ist von Ferrari da Varese aus Italien – eine kleine Nischenmanufaktur, keine grosse Marke. Sie haben einen dezidierten Stil – was sind die Zutaten zu Ihrem Look? Zu meinen auf Mass gemachten Anzügen gehört immer ein Einstecktuch – dieses kleine Extra ist ein wichtiges Merkmal meines Looks. Ich trage in aller Mein stil 18

Wie wählen Sie Ihre Schuhe aus? Mir gefallen englische Modelle in italienischem Finish. Und ich mag es, wenn die Sohle fest genug ist. Wie kombinieren Sie Ihre Socken? Ich mag einen gewissen Kontrast zum Outfit, aber ich mache das über die Grautöne. Ich bin nicht der Typ für farbige Socken. Wie wichtig sind Ihnen Uhren? Sie sind mein einziges Schmuckstück – ich trage sonst keine Ringe oder Ketten. Deswegen trage ich die drei guten Uhren, die ich besitze, mit einigem Stolz. Würden Sie die Uhr über Ihrer Manschette tragen? Nein – es gab nur einen, der das konnte – Sie wissen schon: Agnelli. Wie wichtig sind Ihnen korrekte Umgangsformen? Offen und ehrlich zu sein ist meine Maxime im täglichen Kontakt mit Menschen. Das schafft eine professionelle Basis des Vertrauens. Warum soll ein Vorgesetzter zu den Angestellten nicht genauso freundlich sein wie zu seinen Kollegen in der Chefetage? Wir sind doch ein «people’s business», da gehört ein anständiger Umgang zu den Basics.


P O I N T I ER T Vorbilder sind die klassischen Gentlemen der Filmgeschichte – «klar und auf den Punkt».

S O R G FÄ LT I G Savastano entdeckt gerne Dinge, die von Hand und mit Hingabe gefertigt sind.

Eindeutig «Ein guter Anzug gibt Sicherheit», sagt Franco Savastano. Das Einstecktuch und die relativ kurzen Hosen sind seine Markenzeichen.

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GR+shop:

HERBSTZEIT

ES IST HERBST, UND DAMIT ZEIT fÜR FESTERE WAREN UND WÄrmende Wolle. WIR HABEN SIE IM ANGEBOT, IM GR+SHOP IM INTERNET. Weitere Informationen zu den Produkten finden Sie direkt auf www.gentlemensreport.com/shop. Text: Jeroen van Rooijen  Fotografie: Erwin auf der Maur

das hemd

die krawatten Für eine neue Generation von stilbewussten Männern ist der Schlips heute keine lästige Pflicht mehr, sondern ein Mittel, um ihre Persönlichkeit zu akzentuieren und auf diskrete Weise modische Kompetenz an den Tag zu legen. Die neuen, sehr voluminösen Tweedkrawatten aus Originalstoffen der fünfziger Jahre kommen aus der Mailänder Krawattenmanufaktur AD56, die eine eigene Produktion in der Nähe von Verona hat. Die Krawatten sind in vier Varianten und Webmustern erhältlich und kosten je 98 Franken.

Die Tessiner Hemdenmanufaktur Bruli der Familie Brülisauer in Stabio stellt die besten Hemden der Schweiz her. Nach unserem «perfekten Hemd» und dem Sommer-Shirt aus Leinen kommt nun das saisongerecht etwas dickere Flanellhemd. Es ist schmal ge-

schnitten und hat charakteristische Kontrastelemente in Hemdkragen und Manschette sowie echte Perlmuttknöpfe. Made in Ticino. FLANELLHEMD, 100 % Baumwolle, slim fit, in drei Grössen (Tabelle online), 198 Franken.

die strickjacke Dieses bequem wie eine Strickjacke zu tragende Wolle/Cashmere-Sakko aus einem himmlisch weichen Gestrick entstand in Zusammenarbeit mit dem Bündner Modeprofi und Neo-Gentleman Nico Pesko vom gleichnamigen Sportgeschäft in Lenzerheide (siehe auch Seite 58). Gefertigt wird die ungezwungene Jacke in einer der besten Strick-Manufakturen Asiens, die ausschliesslich Kleinserien fertigt. 398 Franken, in drei Grössen (S, M, L) erhältlich. SHOP 20


der schal Die Mailänder Krawattenmanufaktur AD56 fertigt nicht nur besondere Schlipse (siehe linke Seite), sondern auch aussergewöhnliche Schals wie diese zweiseitig bedruckten Double-Face-Halstücher aus 70 % Wolle und 30 % Cashmere. Die eine Seite des Schals zeigte ein «ordentliches» Karo, die andere ein maskulines Camouflage-Muster. Zwei Farbstellungen, one size, 279 Franken.

die MAGAZINTasche

der ORGANIZER

Ein Mann, der nicht liest, ist vermutlich ein Mann, der nicht denkt – und deswegen tut man gut daran, sich die von Christoph Hack in Köln entwickelte, robuste Magazintasche zuzulegen, in die ein Stapel von Magazinen und Büchern hineinpasst, mit dem man ein ganzes Weekend verbringen kann. Der BaumwollCanvas ist olivegrün, der mit Leder verstärkte Boden und die stabilen Trageriemen sind aus naturbraunem Leder. 29 × 40 × 18 cm, one size, 129 Franken

Das vom Zürcher Peter Zeller entwickelte Whitebook ist Notizbuch, Nachrichtenzentrale, Organizer und Abenda in einem. Der Clou an dem in einer Behindertenwerkstatt in Leder gebundenen Buch ist seine Variabilität: Es ist mit bis zu vier verschiedenen Notizheften bestückbar und bietet eine sichere Halterung fürs iPad von Apple. So lässt sich das Leben übersichtlich strukturieren: Je Projekt oder Kunde ein Notizheft, das online nachbestellbar ist, dazu eine Agenda sowie der

elektronische Begleiter. Im vorderen Deckel ist ausserdem eine kleine Tasche für lose Zettel und Karten vorhanden. Die «Gentlemen’s Report»-Edition des Whitebook ist mit vier Heften zu je 60 leeren Seiten bestückt, hat ein Vorblatt im speziellen GR-Design und ist in wertvolles Boxcalf-Echtleder gebunden. WHITEBOOK (20 × 25 cm), passt fürs iPad, aus echtem Rindsleder, schwarz 200 Franken, braun mit gesteppten Kanten 240 Franken.

das etui Was, ausser dem Smartphone, das die Zentrale des Lebens ist, trägt ein Mann noch mit sich? Möglichst wenig. Ein paar Kredit- und Visitenkarten, etwas Papiergeld, ein paar schöne Schreibwerkzeuge – für diese Zwecke hat der in Köln ansässige Leder-Spezialist Christoph Hack die kompakte Stiftrolle entworfen. Das Lederetui bietet Platz für Stifte und hat vier gesonderte Fächer für Karten, Geld oder Quittungen. Geschlossen wird es mit einem soliden Lederband. Ordnung zu haben war nie eleganter. KREDITKARTEN- UND STIFTROLLE von Christoph Hack, natürlich gegerbtes Rindsleder, made in Germany, one size, 79 Franken. SHOP 21


DEM ZEITGEIST TROTZEN Text: Christof Gertsch窶ェotografie: Lorenz Richard


Das Schöne beginnt, wo der Nutzen aufhört. Zum Beispiel beim Radfahren auf Feldern, durch Wälder, über Wiesen. Beim Radquerfahren also.

Radquerfahren ist eine Betätigung bar jeden Zweckes. Der Radquerfahrer kommt an, wo er gestartet ist. Er geht von A nach B und zurück nach A. Im Herbst und im Winter, bei unwirtlichsten Bedingungen. Auf Schlamm und auf Schnee, bei Regen und bei Kälte. Radquerfahren ist Kunst, vielleicht die höchste Kunst auf zwei Rädern, Radquerfahren ist die Reduktion aufs Minimum: Rahmen, Lenker, Laufräder, Schaltung, Bremsen, Sattel. «Radquerfahren», sagt Thomas Frischknecht, «ist nichts für Weicheier.» Radquerfahren ist für echte Männer. Frischknecht, 42-jährig, muss es wissen. In den 1980er und 1990er Jahren, ehe er sich dem Mountainbikesport zuwandte, war er einer der besten Radquerfahrer der Welt. Junioren-Weltmeister. Amateur-Weltmeister. WM-Zweiter bei den Grossen. Thomas Frischknecht, oder «Frischi», wie er sich selber nennt, ist der Sohn von Peter Frischknecht, einem der Gesichter des Schweizer Radquersports, als der noch mehr als eine Randnotiz im Sportteil der Tageszeitungen war, als das Fernsehen noch Beiträge sendete aus Wetzikon, Steinmaur, Zürich-Waid. Gleich vor der Berichterstattung über Waffenlauf. Radquerfahren ist ein Relikt aus vergangenen Tagen, und der Radquerfahrer ist dessen Bewahrer, ein Romantiker gewissermassen. Zum Beispiel Lukas Flückiger, 28-jährig, aufgewachsen in Ochlenberg. Ochlenberg! «Ochlenberg», schreibt Wikipedia, «liegt auf 580 m ü. M., 8 km südsüdwestlich der Stadt Langenthal (Luftlinie). Die Streusiedlungsgemeinde erstreckt sich in den Buchsibergen, einem Molassehügelland zwischen den Tälern von Önz im Westen und Langete im Osten, auf einer Geländeterrasse östlich des Stauffenbachtälchens, im Oberaargau.» Ochlenberg ist ein Ort, wo Menschen wie Flückiger herkommen, solche mit einem Flair für die Natur, solche auch, die vor nichts zurückschrecken. Nicht einmal vor Radquerfahren. Ochlenberg ist wie Dürnten, Galgenen, Roggliswil, wie Fully, Madiswil, Illnau. Geburtsstätten von Radquerfahrern. SPORT 23


«Radquerfahren», sagt Flückiger, «ist, wenn du deinen inneren Schweinehund überwinden musst.» Flückiger muss es wissen, wie Frischknecht, denn auch er hat die Aussensicht, auch er ist Mountainbiker von Beruf. Mit Radquerfahren hält er sich den Winter über auf Trab. An manchen Sonntagen, wenn der Nebel dick wie Melasse über den Feldern hängt, möchte er am liebsten im Bett verkrochen bleiben, anstatt an einem Radquer zu starten, von denen es in der Schweiz noch gut ein Dutzend gibt. Aber wenn das Rennen dann vorüber ist, weiss er wieder, warum es ihn zum Trainieren nicht wie andere Mountainbiker in wärmere Gefilde gezogen hat. «Wenn das Rennen vorüber ist», sagt er, «macht sich eine tiefe Zufriedenheit breit.» Radquerfahren heisst auch, einen gewissen Stolz in sich zu tragen. Radquerfahren heisst, dem Zeitgeist zu trotzen. «Ich frage mich oft, warum es immer noch Junge in diesen Sport zieht», sagt Flückiger. Es muss mit der Faszination an der Andersartigkeit zusammenhängen, mit dem Gefallen am Urchigen und Archaischen. Radquer kommt ohne Sponsoring Packages und Hospitality aus, ohne Big Screens und TV Coverage, und wer sich finanziell beteiligt, denkt nicht primär an den Return of Investment, sondern allenfalls daran, sich mit dem einen oder anderen Geschäftskunden auf ein Bier im Verpflegungszelt zu treffen.

DEN INNEREN SCHWEINEHUND ÜBERWINDEN

Oder sich, wie Mitte September auf der Baldegg, ein lauschiges Plätzchen im Schatten unter einem der vielen Bäume zu suchen, die das weitum bekannte Restaurant im Badener Naherholungsgebiet umstellen. Zum zweiten Mal findet hier das «Süpercross» statt. Das Radquer mit dem neumodischen Namen ist der Versuch, alte Zeiten mit sanften Veränderungen in die Gegenwart zu retten. 100 000 Franken beträgt das unbescheidene Budget – darin eingeschlossen allerdings allerhand nicht-finanzielle Unterstützungen, wie der OK-Präsident Christian Rocha präzisiert. Absperrgitter, mobile WC-Häuschen, Durchfahrtsbewilligungen, kulante Landwirte: Der Aufwand, der hinter der Organisation eines Radquers steckt, ist immens. Und trotzdem stehen die paar verbliebenen Wettkämpfe wie Dinosaurier in der Veranstaltungslandschaft. Es gibt immer ein paar Verrückte, die sich begeistern lassen. Verrückte wie Rocha und seine junge Crew. Viele von ihnen frühere Biker oder Strassenfahrer, die sich im Laufe der Zeit ein Radquervelo kauften und irgendwann von einem Rennen auf der Baldegg zu träumen anfingen. Als Rocha genug hatte von den leeren Schwärmereien, sagte er: «Entweder machen wir uns an die Arbeit – oder ich will nie mehr über das Thema reden.» Die Kollegen sagten: «Wir sind dabei. Unter der Bedingung, dass du den OK-Chef machst.» So kann’s gehen. SPORT 24


DIE USA ENTDECKEN RADQUER GERADE NEU

Und so kommt’s, dass das Wetter am «Süpercross» das Gegenteil dessen ist, was man sich gemeinhin unter Radquer vorstellt. Menschen wie Rocha tragen das Herz auf der Brust – es gibt, so dünkt es einen, gar keine andere Möglichkeit, als dass das «Süpercross» ein Erfolg wird. Die Sonne scheint, und es ist warm. Der Fotograf, der sich auf Schlammschlachten gefreut hat, flucht leise vor sich hin. Die Fahrer aber, darunter mit dem Belgier Sven Nys so etwas wie der Superstar der Szene, freuen sich. «Keiner von uns mag Schlamm», sagt Flückiger, der Zweiter wird. «Das ist ein doofes Klischee.» Es gibt nur solche, die besser mit Schlamm und Schnee zurechtkommen, es sind die technisch versierteren unter den Radquerfahrern. Echte Männer mit Feingefühl. Männer, die über Stock und Stein rasen, auf und ab, die sich im wilden Gelände bewegen, als wären sie dafür geboren. Unter dem Hintern ein nur leicht modifiziertes Rennvelo, die Reifen 32 Millimeter dick, ein Velo also, das der deutsche Essayist Konrad Paul Liebermann in seinem Buch «Das Universum der Dinge. Zur Ästhetik des Alltäglichen» folgendermassen beschreibt: «Das Rennrad bleibt sehnsüchtig dem gewundenen, glatten Asphaltband verbunden, Zeichen dafür, dass Menschen der Natur zu entkommen trachten. Die Strasse ist und bleibt der Ort seiner Erfüllung.» Mit Verlaub: Liebermann täuscht sich. Wer sieht, wie Radquerfahrer auf ihren Rennvelos behende und leicht vorankommen, Tänzern gleich, wird den Eindruck nicht los, dass hier eine Betätigung völlig zu Unrecht aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwunden ist. Jedenfalls in der Schweiz. In Belgien sind Radquerfahrer auch heute noch kleine Rockstars. Aber was lässt sich an einem dieser grauen Herbst- und Wintersonntage in Belgien auch anderes tun als Radquerfahren. Wahre Wertschätzung erfährt der Radquersport derzeit in den USA. Im Land, das mit dem Mountainbiken und seinen vollgefederten Ungetümen als Untersatz einst die Antithese zum Radquerfahren erfunden hatte. In Las Vegas wurde Ende September vor zehntausend Zuschauern ein Radquer durchgeführt. Las Vegas! Zehntausend Zuschauer! Flückiger, der Junge aus Ochlenberg, war einer der Gäste aus dem fernen Europa. Amerikaner haben sich schon oft einen Spass daraus gemacht, sich Trends zu widersetzen, mit Vorliebe solchen, die sie selber gesetzt hatten. Selbiges geschieht nun in der Veloszene, deren Grösse in gewissen Regionen nicht zu unterschätzen ist. Mountainbiken ist out, Radquerfahren ist in. Wenn Thomas «Frischi» Frischknecht heute noch einmal jung wäre, würde er die Radquerkarriere vielleicht nicht zugunsten jener als Mountainbiker opfern. Denn damals, Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre, als er noch in der Lehre war, fuhr Frischknecht manchmal viermal pro Monat nach Belgien hinauf, weil nur dort anständige Rennen zu bestreiten waren, die Szene kam ihm klein und alt vor. Mountainbiken hingegen, sagt er, sei trendig und reizvoll gewesen. «Das wollte ich machen.» Bloss: Die Vorstellung, dass Radquerfahren dereinst auch in der Schweiz trendig wird, ist schwer zu ertragen. Radquerfahren ist Anarchie und ist Aufstand – mit dem Anstrich des Modischen ginge jede Romantik verloren.

www.gentlemensreport.com/sport SPORT 27


DER TRICK MIT DEM STRICK Fotografie: Manuel Rickenbacher  Styling: Patrizia Scheidegger

Gestricktes spielt diese Saison eine modische Schlüsselrolle. Herren Globus hat es im Angebot – mit neuen Store-Konzepten zunehmend auch für die jungen und modemutigen Typen.

Zwei Pullover, eine Strickjacke, drei Schals als Zopf gestylt und Hose von Warren & Parker bei Herren Globus.

Chinos, Hemd, Pullover und Cardigan von Warren & Parker bei Herren Globus.

Strickjacke und V-Neck-Pulli aus naturreinem Cashmere von FTC bei Herren Globus. ADVERTORIAL 28


Herrenglobus

Wenn es für diesen Herbst einen gemeinsamen modischen Nenner gibt, dann sind es mit Sicherheit die Maschen – Strick ist in der Menswear so unentbehrlich wie lange nicht mehr. Anders als früher, wo Gestricktes mehr oder minder heiss geliebte Kombiteile für die kalten Tage waren, werden heute ganze Looks aus Strick komponiert. Man trägt nicht mehr einfach artig einen Pulli überm Hemd, sondern einen Cardigan über dem Pulli, idealerweise noch mit einem Schal oder einer Mütze. Zu viel des Guten? Gibt es nicht mehr. Maschen werden mit Maschen kombiniert – glatte mit körnigen, feine mit groben oder luftige mit dichten Gestricken.

Grooming: Mia Bregar

Herren Globus, der Schweizer Spezialist für Männermode, präsentiert diese Saison in seinen 22 Filialen ein Angebot, das den Prämissen der Mode Rechnung trägt und lustvolles Kombinieren mit Strick ermöglicht. Vom feinen Cashmere-Pullover, der auch unter einem Sakko getragen wird, über weiche Cardigans bis zur schweren Strickjacke mit Schalkragen, die an trockenen Tagen als Jackenersatz durchgeht.

Schals, Pullover und Cardigan von Yves und Warren & Parker bei Herren Globus. ADVERTORIAL 29

Was die abgebildeten Looks suggerieren, nämlich eine prononciert jugendliche Note, ist übrigens Programm, denn Herren Globus zielt mit seinen neuen Trend-Abteilungen namens «Zum jungen Blut» zunehmend auch auf die modisch ambitionierten Jungmannschaften, die eine Extradosis Street Style suchen. Speerspitze dieser modischen Offensive ist der Mitte September eröffnete Pop-up-Store im Gerolds Markt, auf einer ehemaligen Industriebrache in Zürich-West. Hier mischt Herren Globus die aktuellsten Styles von Marken wie Ben Sherman, Cheap Monday und Edwin mit Eigenkreationen von Yves sowie Specials von jungen Designern wie Treger oder Marc Stone. www.herrenglobus.ch


The Gentlemen’s Guide

go geocaching Text: Anna Kaminsky

Gentlemen’s Report: Was ist Geocaching? Bryan Roth: Technisch gesehen ist Geocaching eine weltweite, GPS-gestützte Schatzsuche, die mit einer Smartphone-Applikation von Geocaching.com oder einem speziellen GPS-Gerät gespielt wird. Für die Spieler jedoch ist Geocaching ein Abenteuer. Es ist eine andere Art, die Welt um dich herum zu erforschen, sich mit der Familie oder Freunden zu treffen und die Entdeckerlust zu stillen. Geocaching nutzt Technologie, um die Leute von den Sofas herunter und nach draussen zum Spielen zu bringen. Wer kann geocachen? Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte gehen genauso geocachen wie Bergsteiger und Wanderer. Es gibt ein breites Spektrum an Geocaches, und jeder Geocache wird bewertet; nach dem Gelände und der zu erwartenden Schwierigkeit, das Versteck zu finden. Mit Hilfe von Geocaching.com oder in den mobilen Applikationen können alle Geocacher lustige Abenteuer, passend zu ihrem individuellen Lebensstil, erleben.

Wie bereitet man sich auf das Geocaching vor? Man bereitet sich vor wie auf eine Wanderung. Man sollte die Geocaches, die man suchen möchte, entweder direkt über Geocaching.com oder über eine der SmartphoneApplikationen auswählen. Das Wetter und das Gelände sind zu beachten. Man soll die richtige Kleidung wählen, etwas zu trinken einpacken und andere wissen lassen, wohin man unterwegs ist. Wann ist die beste Zeit zum Geocaching? Geocaches kann man das ganze Jahr über finden – manche allerdings nur nachts oder zu anderen bestimmten Uhrzeiten. Eigentlich ist also immer die richtige Zeit zum Geocaching. Was passiert, wenn man einen Cache findet? Wenn man einen Geocache findet, dann erfährt man das Gefühl, etwas Besonderes erreicht zu haben. Wir nennen das den «Heureka!»Moment. Nachdem sie einen Geocache gefunden haben, tragen sich die Geocacher in das Logbuch ein und tauschen kleine Gegenstände, die sich im Cachebehälter befinden. Generell gilt: Wenn du etwas aus dem Cache entnimmst, dann solltest du auch etwas von mindestens gleichem Wert darin zurücklassen. Nach dem Eintrag ins Logbuch und der Tauscherei sollten Geocacher den Cache wieder genauso verstecken, wie sie ihn gefunden haben, sodass der Nächste ihn auf die gleiche Weise entdecken kann. Nach der Tour teilen Geocacher ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit anderen über ihren Geocaching.com Account. Wie viele Geocaches gibt es in der Schweiz? Die ersten Geocaches wurden Anfang 2001 in der Schweiz versteckt. Ende 2001 gab es nur zehn Stück im Land. Heute sind es über 17 000 aktive Geocaches innerhalb der Schweizer Landesgrenzen.

Wird Geocaching ein weltweites Phänomen werden, oder möchtet ihr euch lieber diesen gewissen Untergrundstatus bewahren? Das Ziel unseres Unternehmens ist es, zu Outdoor-Aktivitäten mit Hilfe von ortsbasierten Technologien anzuregen. Um dieses Ziel zu erreichen, glauben wir, dass es notwendig ist, Geocaching gratis für jeden, familien- und umweltfreundlich zu gestalten. Wir pf legen den Gemeinschaftsgedanken und heissen die Welt zum Spielen willkommen. Gleichzeitig bitten wir die Gemeinschaft,

respektvoll miteinander umzugehen und ihre OutdoorAbenteuer in einer positiven Art und Weise miteinander zu teilen. Was wäre eine schöne Geocache«Herrentour»? Das ist zum Beispiel der Fall beim «Bachalpsee». Dieser Cache ist ein Liebling vieler Schweizer Geocacher. Man kann dabei ein Gebiet östlich von Bern erforschen und wird mit einem sagenhaften Ausblick auf die Berge und einem wunderschönen See im Vordergrund belohnt.

Geocaches können oft nur von Eingeweihten gefunden werden, weil sie sich in Dingen verstecken, die andere noch nicht einmal beachten – etwa einem Holzscheit.

ME I STER DES V ERSTECKSP I ELS Bryan Roth schloss 1995 die Emory Law School in Atlanta/USA ab und gründete im Herbst 2000 mit zwei Freunden Geocaching.com. Damals gab es weltweit nur 75 Geocaches, jetzt sind es bereits über 1,8 Millionen. Roth ist auch Vizepräsident von Groundspeak Inc. in Seattle, einer Firma, die auch andere Websites wie Waymarking.com betreibt.

GENTLEMEN’S GUIDE 30

www.gentlemensreport.com/howto


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Der Südwester Text: Jeroen van Roojien

Der Regen kommt bei uns in der Regel aus südwestlicher Windrichtung – und deswegen haben die Nordeuropäer den besten Schutz vor Nässe auch so benannt. Wer mag, kann sich mit dem GR-Schnittbogen selbst einen machen.

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Der Südwester ist ein echter Challenge. Denn gibt es keinen besseren und zuverlässigeren Regenhut als den Klassiker aus dem hohen Norden – man bekommt ihn etwa bei Tropen- und Marineausrüster Brendler in Hamburg in guter Qualität. Vorne ist die Krempe breit genug, dass auch Brillenträger trocken bleiben, und hinten sorgt die lange, in den Rücken gezogene Nackenschürze dafür, dass der Regen nicht in den Kragen, sondern über den Rücken des Mantels abläuft. Seinen Namen hat der ursprünglich aus Norwegen kommende Südwester von der Windrichtung, aus der in der Regel der Regen kommt.

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Und leider gibt es kaum schicke Südwester – sie sind meist aus kaltem, billig wirkendem PVC-Kunststoff- oder Nylonsegeltuch. Das muss nicht sein – deshalb gibt es hier den GR-Schnittbogen für einen Gentleman-Südwester im Massstab 1:1. DO IT YOURSELF 32

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Allerdings ist der Südwester auch ein Hut, der kaum mit Nonchalance zu tragen ist. Er ist kein Mode-Accessoire, das auch schick zu kombinieren wäre, sondern ein reines Funktionsding, nicht erfunden, um gut auszusehen (das tut er nämlich leider nicht), sondern um trocken durch den Regen zu kommen. Und deshalb braucht es ein extrastabiles Rückgrat, einen Südwester zu tragen. Man sieht damit nämlich – man verzeihe die deutlichen Worte – ziemlich beknackt aus. Wie ein aus der Proportion geratener Paddington. Aufrechten Hauptes einen Südwester zu tragen, gelingt nur Männern, die keinen Zweifel an ihrer Maskulinität haben.

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So kann man seinen Südwester auch aus währschaft inprägniertem Tweed, gewachstem Tuch oder Leder nähen lassen, gedoppelt etwa mit feinem Cashmere-Futter. Eine herunterklappbare Ohrenblende und ein Zugband sorgen dafür, dass der Gentleman-Südwester auch bei Böen nicht davonfliegt und die Ohren warm hält. Und so geht’s: Schnittmusterteile entlang den markierten Linien ausschneiden, auf doppellagigen Stoff aufstecken, mit je 1 cm Nahtzugabe ausschneiden und husch, husch zusammennähen (lassen) – im Keller steht bestimmt noch irgendwo eine robuste, unverwüstliche Bernina. Am besten macht man so etwas an einem Regentag. Dann kann man das Resultat auch gleich live testen …

Scheitel DO IT YOURSELF 33

www.gentlemensreport.com/doityourself


WERTE ENTWICKELN Fotografie: Nathan Beck  Styling: Caroline Ziegler

Nachhaltigkeit ist das Mantra unserer Zeit – inzwischen haben sich auch internationale Grosskonzerne das Thema der umwelt- und sozialverträglichen Produktion auf die Fahnen geschrieben, denn «Sustainable» verleiht auch ausgewachsenen Dreckschleudern einen zeitgeistigen Hauch von Verantwortung. Doch nachhaltiges Wirtschaften und eine verantwortungsvolle Produktion sind mehr als nur schöne zeitgeistige Etiketten, findet der junge englische Designer Christopher Raeburn, der für Victorinox im schwyzerischen Ibach eine kleine «Capsule Collection» entwirft, welche die Möglichkeiten der nachhaltigen Produktion auslotet. «Die Werte von Victorinox – Qualität, das Bewusstsein für Historie und die Verpflichtung, langlebige Produkte herzustellen – passen genau zu meinen Ideen, wie ich meine Firma als junger Designer entwickeln möchte», sagt der Dreissigjährige, der in London arbeitet und für die Zusammenarbeit mit Victorinox regelmässig in der Innerschweiz zu Gast ist. Begonnen hat die Zusammenarbeit mit Victorinox vor drei Jahren, als Christopher Raeburn eine kleine Kollektion namens «Remade in Switzerland» entwarf – die Teile waren aus alten Armee-Artikeln gefertigt. Seine neue Kollektion für Victorinox nennt der Brite nun «Protect» – ein Name, den er doppelt interpretiert wissen möchte: «Es geht einerseits um den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und der Natur, aber auch um das Gefühl von Schutz und Behaglichkeit, das einem Kleidung geben kann, wenn man draussen ist», sagt Christopher Raeburn. Die «Protect»Kollektion, gefertigt aus rezyklierten Materialien wie PET, soll auch illustrieren, wie die Werte, für welche die renommierte

Taschenmesser-Schmiede weltbekannt ist, in anderen Produktesparten angewendet werden können: «Mich hat verblüfft, dass das Messer, gemessen am Arbeitsaufwand, der in ihm steckt, relativ erschwinglich ist. Das wollen wir auch mit der Kleidung erreichen: viel Wert für ein faires Geld.» Raeburn ist sich bewusst: Die «Protect»-Linie stellt innerhalb der Sortimente von Victorinox erst einen kleinen Nukleus dar. Doch sollen die in diesen Kreationen verarbeitete Energie sowie die ins Textile übersetzten Unternehmenswerte als Taktgeber mittelfristig auch andere Entwicklungen des Ibacher Traditionsunternehmens befruchten. Die «Protect»-Kollektion von Christopher Raeburn ist in den VictorinoxFlagshipstores in Genf, Düsseldorf oder London erhältlich. www.victorinox.com ADVERTORIAL 34

Mit herzlichem Dank an: Spatz Camping AG Zürich für das zur Verfügung gestellte Zelt.

Christopher Raeburn entwirft für Victorinox Mode – mit der gleichen Aufmerksamkeit für Details und Langlebigkeit, wie die Innerschweizer ihre Taschenmesser fertigen.


victorinox

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MEHR MANN.


KANONEN GEGEN GEWITTER Text: Leonid Leiva  Illustration: Anna Haas

Seit Jahrtausenden versucht die Menschheit, das Wetter selber herzustellen – bis dato mit zweifelhaften Ergebnissen. Eine kleine Chronologie der Wettermacherei.

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Alle reden vom Wetter, nur wenige trauen sich zu, es ändern zu können. Dabei ist das Wetter etwas, was man ungern dem Zufall überlässt. Regen zum Beispiel ist für die Menschen, spätestens seitdem sie sesshaft wurden und sich vom Ackerbau ernährten, überlebenswichtig. Hoch waren denn auch stets die Würden für das Amt des Regenmachers, der übrigens bei fast allen frühen Völkern anzutreffen ist. Ungefährlich war das Leben dieser Magier jedoch nicht. Sollten ihre Riten versagen, war ihnen Ungemach durch eine hungernde Menge sicher. Da half es kaum, dass Regen als Gabe von übermenschlichen Himmelsbewohnern angesehen wurde. Des Regenmachers Aufgabe war es, die Gottheiten zu überzeugen.

Doch wirklich interessant wurde die Geschichte der Wetterbeeinflussung erst dann, als die Wettermacher glaubten, ihre Kunst mit wissenschaftlichen Argumenten begründen zu können. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts etwa kursierte in den Vereinigten Staaten die sogenannte Erschütterungstheorie (englisch: concussion theory). Demnach kam Regen durch eine Störung des Gleichgewichts der Atmosphäre zustande, so beispielsweise durch die Explosionen aus Feuerwaffen. Die Concussionists beriefen sich auf eine antike Quelle, den griechischen Gelehrten Plutarch, der bemerkt hatte, Regen falle besonders häufig und in erheblichen Mengen nach grossen Schlachten, was wohl den Ausdünstungen der Soldaten in Form von Schweiss und Blut zuzuschreiben sei. Im Amerika des 19. Jahrhunderts hatte sich allerdings schon jemand die Mühe gemacht, auszurechnen, dass die Regenausbeute aus hunderttausend

Soldaten über ein Schlachtfeld von 1 Quadratkilometer höchstens ein paar Zentimeter hoch ausfallen würde, angenommen, die wackeren Krieger würden sich vollständig in Blut und Schweiss auf lösen. Aber das war nebensächlich, denn im Amerika des 19. Jahrhunderts sah man die Ursache für den «Regen danach» im Gedonner der Artillerie. Im Gegensatz dazu und eher in Anlehnung an Plutarch glaubte James Pollard Espy, der erste von Washington bezahlte Meteorologe, dass der Rauch des Gefechts die Niederschläge auslöse, weshalb er vorschlug, Abertausende von Hektaren Wald für ein Experiment zu verbrennen. Seine Versuche wollte Espy selber finanzieren, er verlangte lediglich eine Erfolgsprämie im Verhältnis zur von ihm künstlich

WISSEN 37

beregneten Fläche. Die Concussionists erwiesen sich aber als die besseren Lobbyisten. Sie brachten, wenn auch erst nach jahrelangem Werben, den Senat dazu, ihre Experimente zu bewilligen. Und unter der Begründung, die Erzeugung von Regen diene der Allgemeinheit und sei daher kaum zu patentieren, liessen sie sich ihren Zeitvertreib mit Steuergeldern finanzieren. Die Experimente wurden 1891 unter der Leitung des Patentanwalts und Ingenieurs Robert Dyrenforth durchgeführt, und das Ergebnis fiel so mager aus, dass der arme Mann für den Rest seines Lebens den Beinamen Dry-hence-forth (fortan trocken) tragen musste. Jenseits des Atlantiks herrschte kein besseres Klima. Dort war vor allem der Hagel den Bauern ein Dorn im Auge. Bereits im 18. Jahrhundert waren die mit Unheil trächtigen Wol-


die nun den von seinen Knallwaffen vermeintlich vertriebenen Hagel auf ihren Weinbergen landen sahen. Unbeirrt liess Stiger ihnen ausrichten, sie sollen doch eben auch schiessen. Windisch-Feistritz blieb auch in den kommenden Jahren hagelfrei, und so eindrücklich war die Wetterbilanz des Albert Stiger, dass selbst der renommierte Meteorologe und spätere Direktor der Wiener Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Wilhelm Trabert, den Stigerschen Kanonen die Wirkung nicht ganz absprechen mochte.

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ken über weite Teile Europas und insbesondere in Österreich ins Visier von lautstarken Wetterkriegern geraten. Hagelwolken wurden eifrig beschallt und beschossen. Da nützte selbst ein von Kaiser Josef II. verhängtes Verbot wenig. Gegen Wetterschiessen und Wetterläuten, also die Hagelabwehr mittels Kirchenglocken, die in Österreich, Bayern und im Fürstentum Augsburg-Trier um 1900 weit verbreitet waren, wurde sogar mit Militärgewalt vorgegangen. Doch selbst trotz der drohenden drakonischen Strafen liess das Volk nicht von seinem Kampf gegen Unwetter ab. Weitherum bekannt wurde ein gewisser Albert Stiger, Bürgermeister von Windisch-Feistritz, und sei es nur für seine originellen Vorstellungen vom Prozess der Hagelbildung. Stiger war überzeugt, dass die beängstigende Stille unmittelbar vor einem Hagelgewitter, also die sprichwörtliche «Ruhe vor dem Sturm», der entscheidende Moment für die Entstehung der Hagelkristalle sei. Diese Stille galt es deshalb zu brechen, und Stiger tat es mit aller Macht. Erst schoss er mit gewöhnlichen Böllern gen Himmel, dann aber liess er sich den Rauchfang einer ausrangierten Lokomotive herbeikarren, um mit dem trichterförmigen Aufsatz den akustischen

Effekt seiner Kanonaden zu verstärken. Sein wohl genialster Beitrag war jedoch das Anbringen eines Eisenreifens im Innern der Hagelkanone. Damit soll Stiger die Schallenergie auf emporsteigende Ringe konzentriert haben, die gemäss Zuschauerberichten den Rauchkringeln einer Zigarre glichen, aber mit pfeifender Gewalt bis in die obersten Schichten der Atmosphäre vordringen konnten. Als Nachweis für die Wucht dieser Schallgeschosse führten Stigers Anhänger immer wieder eine einmal im Umkreis seiner Hagelkanonen tot gefundene Schwalbe. Das Jahr 1896, in dem Stiger sich als Himmelsstürmer initiierte, war jedenfalls das erste seit 3 Jahrzehnten ohne ein einziges Hagelgewitter in Windisch-Feistritz. Das verschaffte Stiger nicht nur eine mächtige Reputation, sondern auch den Ärger von Winzern aus benachbarten Gemeinden,

Eine Theorie der Niederschlagsbildung mit modernem wissenschaftlichem Anspruch schuf erst in den 1920er Jahren der schwedische Meteorologe Tor Bergeron. Der Hauptmechanismus bestand laut Bergeron darin, dass unterkühlte Wassertröpfchen in Mischwolken dazu neigen, sich auf den bestehenden Eiskristallen anzulagern, so dass diese immer grösser und schwerer werden, bis sie nicht mehr vom Aufwind in der Wolke getragen werden und hinunterfallen. Auf dem Weg zur Erde können die Eisstücke schmelzen und als Regentropfen den Boden erreichen, oder sie bleiben unter dem Schmelzpunkt und fallen als Hagel, Graupel oder Schnee. Diese Idee hatte Bergeron dem deutschen Alfred Wegener zu verdanken, der allerdings mit seinen Vorstellungen der Wolkendynamik genauso wenig Anklang unter seinen Fachkollegen fand wie mit seiner revolutionären Theorie der Plattentektonik. Erst in den 1930ern führte der deutsche Physiker Walter Findeisen den experimentellen Nachweis für die Theorie von Wegener und Bergeron. Erweitert wurde

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das Verständnis über die Genese von Niederschlägen mit der späteren Entdeckung, dass in sogenannten warmen Wolken (mit Temperaturen über minus 15 Grad) primär die Verschmelzung durch Kollision von flüssigen Wassertropfen in frei fallenden Regentropfen endet. In Erfüllung ging der Traum der Wettermacher erst im Jahr 1947. Forscher der General Electric, die an Techniken für die Enteisung von Flugzeugen tüftelten, fanden heraus, dass das Beimengen von Trockeneis, also von gefrorenem Kohlenstoffdioxid, in einer wassergesättigten, unterkühlten Wolke fast augenblicklich unzählige Eiskristalle hervorbrachte. In einem ersten Versuch f logen die GE-Forscher in eine Wolke hinein und spritzten darein ihre Trockeneisladung. Sie hinterliessen dabei eine unübersehbare Spur: die Wolke lichtete sich, und am Boden unter ihnen registrierte man reichlich Schnefall. Nach weiteren Überlegungen merkten die Forscher, dass Wassertröpfchen leichter zu Eis erstarren würden, wenn die Kristallstruktur der Eiskeime


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jener von Eis ähnelte, so würden die Keime quasi als perfekte Schablone für die Eisbildung dienen. Eine dieser Substanzen war Silberjodid, das bis heute von Hagelabwehren zur Hagelverhütung und von Flughäfen zur Nebellichtung sowie in den meisten Versuchen zur künstlichen Regenerzeugung eingesetzt wird. Die Euphorie brach rasch alle Dämme. Der Chefwissenschafter von GE und Chemie-Nobelpreisträger Irving Langmuir selbst führte die anschliessende Kampagne für die nun eröffneten Chancen der Wetterbeeinflussung an. Das US-Militär liess nicht lange auf sich warten. Schliesslich bot sich hier eine mächtige Waffe: Man würde durch kontrollierten Eingriff in die Atmosphäre Regenfälle von einem Feind fernhalten und ihn somit durch Hungersnot bezwingen, oder man könnte ihn umgekehrt durch anhaltendes Unwetter überfluten, die

Flüsse in reissende Ströme verwandeln und so Truppenbewegungen in Schach halten. Auch die Furie eines Hurrikans glaubte man bändigen zu können. Langmuir tat jede Kritik ab mit der Bemerkung, wer an die Möglichkeit, einen Wirbelsturm durch gezieltes Einspritzen von Eiskeimen aufzulösen, nicht glaube, der müsse auch in Zweifel ziehen, dass man einen ganzen Wald mit einem einzigen Streichholz in Brand setzen kann. Noch im Jahr 1961 versicherte Präsident Kennedy in einer Ansprache vor der Uno, unsere Generation könne den

Traum der Wetterbeherrschung – er sprach von «weather control» – endlich realisieren. In anderen Worten verkündete Kennedy damit der Welt: Vergessen Sie die Wettervorhersage, wir werden das Wetter selber machen. Doch Sonnenschein auf Knopfdruck haben wir bis heute bekanntlich nicht. Medienwirksam inszeniert wurde das Gehabe der Wettermacher wieder einmal vor vier Jahren bei den Olympischen Sommerspielen in Peking. Aber ob das schöne Wetter bei der Eröffnungsfeier im «Vogelnest»-Stadion den dröhnenden Trommeln, dem pfeifenden Feuerwerk oder bloss dem schieren Glück zu verdanken war, bleibt bis heute unklar. Jedenfalls hat China, getreu der Devise Mao Tsetungs, die Natur zu zähmen,

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eines der weltweit grössten Programme zur Wetterbeeinf lussung. Jährlich geben die Chinesen umgerechnet rund 100 Millionen Franken dafür aus. Über 30 000 Mann bedienen die Maschinerie des Regenmachens, zu der 35 speziell ausgerüstete Flugzeuge, 7000 Luftabwehrkanonen und 5000 Raketenabschussrampen zählen. Glaubt man der offiziellen Statistik, beläuft sich der Ertrag auf 30 bis 50 Milliarden Tonnen Regen pro Jahr. Chinas Anstrengungen sind eindrücklich, aber keineswegs eine Ausnahme. Mindestens 30 Länder versuchen, das Wetter zu manipulieren. Doch das Geld fliesst vornehmlich in operationelle Projekte statt in die Erforschung der Grundlagen von Wolken- und Niederschlagsdynamik. Verzweifeltes Herumprobieren also statt über­legten Vorgehens. Und so werden wohl auch unsere Enkelkinder noch auf das altmodische Orakel der Wetterfrösche angewiesen sein. www.gentlemensreport.com/wissen


NACH UNS DIE SINTFLUT Fotografie: Dominic Haydn Rawle Mode: Stephan Meyer

Noch ist es trocken – doch man weiss: es kann jederzeit kommen. Besser also, man ist auf die Überraschung von oben vorbereitet.


Trenchcoat aus festem Baumwolltwill mit Collegestreifen-Kante aus Wolle, V-Neck Pullover und Hose, alles von BURBERRY PRORSUM Coverbild: grauer Dufflecoat aus haariger Wolle mit Holz/Seil-Toggles, von HACKETT LONDON, Regenschirm von BURBERRY PRORSUM


grauer Dufflecoat aus haariger Wolle mit Holz/Seil-Toggles, von HACKETT LONDON

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OHNE KAPUZE KOMMT MAN NICHT WEIT

olivfarbenes Regencape aus Polyamid von FRANKONIA, Chinopant von DOCKER’S, Boots von HAMLET

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blaue Jacke mit Kapuze und verdeckter Knopfleiste, aus gefilzter Wolle von COS, grauer RundhalsRippenpullover aus Wolle mit Polyamid von STRELLSON


Hair & Make-up: Gilles Degivry  Fotoassistenten: Mathieu Boutang, Ruggiero Cafagna

Regenjacke aus Gummi, innen mit grauem Baumwollfutter, alles von STUTTERHEIM, Hemd von BURBERRY PRORSUM

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HOCH MIT DEM MANTELKRAGEN

3∕4 Kurzmantel aus festem Baumwolltwill, Mini-Pepitamuster, auffällige Details, von GANT BY MICHAEL BASTIAN, Schirm von BURBERRY PRORSUM

Mode 46


eng geschnittener Trenchcoat aus sehr schwerer Baumwolle mit Steppjacke zum Ein-und Ausknรถpfen, Melange-Pullover und Hose, alles von BELSTAFF


olivgrüner 3∕4 Kurzmantel zum Gürten, aus Polyamid, leicht wattiert, von STRELLSON, Strickjacke mit Schalkragen von BARBOUR


regenjacken: STILVOLL TROCKEN BLEIBEN

Der Urtyp aller Regenjacken ist der traditionelle Friesennerz – schwer, sperrig und wenig atmungsaktiv. Doch trotz dieser Defizite lieben Kenner die PVC-Regenjacke. Text: Kathrin Eckhardt

Der Friesennerz avancierte in den siebziger und achtziger Jahren zum Massenprodukt – Kinder liebten die PVC-Jacke wohl nichtzuletzt dank Bär Paddington (dessen Jacke blau war). Der Friesen-nerz kommt in unzähligen Filmen vor, etwa im TeenieStreifen «Dirty Dancing», in dem «Baby» einen grauen Friesennerz mit rotem Futter trägt, als Johnny im strömenden Regen das Auto aufbricht, um sein «Baby» ins Trockene zu retten. Die wohl glamouröseste Friesennerzträgerin war aber Brigit Bardot: In «L’ours et la Poupée» versteckt sich Bardot im signalgelben Mantel in den Büschen vor ihrer Bekanntschaft – um den Kerl am Ende dann doch zu küssen. Der Schwede Alexander Stutterheim hat sich ganz dem Revival der guten alten Regenkleidung verschrieben.

Er ist schwer wie ein Sack Kartoffeln und dicht wie toniger Boden. Man schwitzt oder friert darin, manchmal beides zugleich. Die Rede ist vom klassischen «Friesennerz» – der Kunststoffjacke im geschlechtsneutralen Schnitt, die sich seit den sechziger Jahren zäh auf dem Markt behauptet. Der Friesennerz hat wenig, was dem heutigen High-Tech-Anspruch an Regenjacken und -mäntel gerecht wird. Trotzdem gibt es für viele keinen schöneren und zuverlässigeren Regenschutz als die schwere Kunststoffjacke mit der Kapuze. Besonders im hohen Norden ist der Friesennerz so unabkömmlich wie hierzulande ein Paar solider Wanderschuhe. Dabei kommt die Jacke nicht, wie ihr spassiger Name vermuten lässt, aus Friesland, sondern aus Dänemark. Ende der fünfziger Jahre bestrichen Berufsfischer ihre Baumwolljacken mit gelblichem Öl, um sich vor der Nässe besser zu schützen. Der dänische Sportgeschäftbesitzer Jan E. Ansteen Nielsson erkannte das Problem und begann, für seine Segelfreunde robuste und dichte Regenanzüge herzustellen. Die Firma Jeantex war geboren. Die Jeantex-Jacke erlebte in den sechziger und siebziger Jahren einen regelrechten Boom – nichts schützte vergleichbar gut vor kalter Nässe. Hinzu kam, dass die Regenjacke preiswert war – für knapp 20 deutsche Mark konnte sich praktisch jeder diesen robusten Mantel leisten. Besonders populär war die Jacke im Norden Deutschlands, und von dort kommt auch ihr heutiger Spitzname: die Regenjacke, so ein damals populärer Ostfriesenwitz, sei in Friesland das, was in schickeren Gegenden der Nerz sei.

In den neunziger Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends hatte der Friesennerz jedoch ein schweres Formtief durchzustehen. Technische Softshells und leichte Nylons machten dem Klassiker das Leben schwer. Das sperrige Teil verblasste im Keller. Werner Stampfli, der die Jeantex-Jacken in der Schweiz jahrelang vertrieb, erinnert sich: «In den 23 Jahren, in denen ich den Friesen­ nerz in Gelb im Angebot hatte, wurde er zunehmend unpopulärer. In der Kinderabteilung verkauften wir ihn aber stets ordentlich.» Heute erlebt der Friesennerz ein Comeback. Karsten Knorr von Preuss & Knorr vertreibt verschiedene Modelle des Friesen­ nerzes auf seiner Internetseite Friesennerze.com und erzählt vom Quartier Prenzlauerberg in Berlin, wo die Jacke schon fast zum typischen Merkmal der Bewohner geworden ist. «Den Friesennerz verbinden viele Deutsche mit Kindheitserinnerungen, wahrscheinlich ist er deshalb so beliebt», erklärt sich Knorr die Popularität des Klassikers. Ausserdem sagt Knorr: «Es gibt keine robustere Jacke als den originalen Friesennerz.» Eine ganze Reihe von Herstellern arbeiten heute am Friesennerz-Revival mit. Stutterheim in Stockholm produziert wunderbare Exemplare in Handarbeit. Marken wie Norse Projects produzieren ihre Friesennerze in Zusammenarbeit mit Elka, einem Regenjackenspezialisten aus Dänemark. X-Pro und Modas verkaufen Modelle, die dem Original zum Verwechseln ähnlich sehen. Und in der Hafenstadt Hamburg ist die Firma Derbe zu Hause. Deren Geschäftsführer Thomas Köhlert schwärmt von den konstanten Absatzzahlen, weist aber auch darauf hin, dass das ursprünglich recht weite Original heute zunehmend in schmaleren Schnitten und neuen Farben nachgefragt wird. «Die kastige Original-Ausführung in Gelb tragen heute vor allem noch die Hafenarbeiter», weiss der Kenner.

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Ode an die Regenwolke Text: Mirjam Fuchs 窶ェotografie: Claude Gasser

In Schottland regnet es hテ、ufig. Und wenn nicht, ist es zumindest bewテカlkt. Die Einheimischen kennen es nicht anders und leben gut damit. reisen 50


Besonders spektakulär sind die Wolken an der Küste, wo sich dank den starken Winden täglich ein faszinierendes Wolkenkino abspielt. Hier ändern sich die Wolkenformationen im Sekundentakt. Die Lage an der nördlichen Atlantikküste ist auch einer der Gründe für die vielen Wolken in Schottland. Dank dem Golfstrom sind die Westwinde warm und können viel Wasser speichern. An der schottischen Nordwestküste trifft die wasserschwangere Luft auf die Highlands und steigt auf. Dabei kühlt sich die Luft ab und kondensiert in feine Wassertröpfchen, die dann eine Wolke bilden. Trotzdem ist Wolke nicht gleich Wolke. Die unberührbaren Gebilde kommen in unterschiedlichen Höhen und Formen vor und tragen verschiedene Namen. Geübte Blicke können aus ihnen das Wetter ablesen. Ein Engländer brachte mit lateinischen Bezeichnungen als Erster etwas Ordnung in die Wolkenarten. 1803 veröffentlichte Admiral Luke Howard seine Klassifikation, die Zeitgenossen wie Caspar David Friedrich und Johann Wolfgang von Goethe beeindruckte und bis heute die Grundlage der Wolkentypisierung bildet. Der Einfluss der Romantik spiegelt sich in den poetischen Namen der vier Grundarten: die Haarlocke (Cirrus), die glatte Schicht (Stratus), der Haufen (Cumulus) und der Schleier (Nimbus).

ERST DER NEBEL MACHT AUS DEM SEE EIN LOCH

Der Reiz der schottischen Wolken liegt darin, dass sie die Landschaft in einen geheimnisvollen Schleier hüllen. Das Verborgene regt die Fantasie des Betrachters an: Erst Nebelschwaden machen aus einem einfachen See ein sagenumwobenes Loch, das von einem grässlichen Monster bewohnt werden könnte. Und nur wenn der Dunst aus den sanft abfallenden, grasbewachsenen Talhängen steigt, kann man sich vorstellen, wie sich verfeindete Clans hier bis aufs Blut bekämpft haben müssen. Mit seinem Wolkengewand ist Schottland die perfekte Kulisse für Spuk- und andere Geschichten, deren Wahrheitsgehalt sich nicht immer überprüfen lässt. Die Postkartenindustrie scheint das wenig zu kümmern. Schottland wird auf den meisten Bildern als Schönwetterdes­ tination verkauft. Das Eilean Donan Castle zum Beispiel ist die meistfotografierte Burg Schottlands. Seine fotogene Lage auf einer kleinen Landzunge am Rande eines Lochs ist ein gefundenes Fressen für die Kameralinse; Filme wie «Highlander», «Elizabeth» und «Braveheart» enthalten hier gedrehte Szenen. Auf den meisten Aufnahmen scheint die Sonne, die Wolken sind zu dekorativen Statisten im Hintergrund degradiert.

«Nein, der viele Regen macht mir nichts aus. Er wässert mir ja den Garten», lacht John Maitland. Der 75-jährige Hobbygärtner lebt mit seiner Frau Katie in Corran, einem kleinen Fischerdorf bei Fort William, der Stadt mit der höchsten Niederschlagsmenge in ganz Schottland (2000 mm im Jahr). Viel schlimmer als der Regen seien die Midges. Nur Regenwetter könne die winzigen Mücken aufhalten. Oder radikale Mittel: Als Maitland noch als Forstwart arbeitete, zog er sich bei gutem Wetter eine Tauchermaske über den Kopf, um die Mücken fernzuhalten. Im Vergleich zu den Midges ist der Regen in Schottland für Maitland kein Thema. Die Schotten lieben ihr Land trotz – oder gerade wegen – seines notorisch schlechten Wetters. «Touristen, die bloss über den Regen klagen, haben das Beste verpasst», sagt Maitland. Er deutet auf die Regenwolken am Himmel. Tatsächlich ist am schottischen Himmel immer etwas los. Die Wolken türmen sich zu dramatischen Formen auf, verhüllen Bergspitzen mit geheimnisvollen Nebelschwaden oder tauchen schroffe Landschaften in sanftes, milchiges Licht. Und hin und wieder öffnen die Wolken ihren weissen Vorhang für einen kurzen Gastauftritt der Sonne.

Kein Wunder, kommen manche Touristen mit falschen Vorstellungen nach Schottland. Kaum angekommen, müssen sie sich mit einem Regenschutz eindecken und ärgern sich über den bewölkten Himmel und die verregneten Ferien. Ganz anders die Einheimischen. Sie nehmen das wechselhafte Wetter mit Humor und trösten ihre Besucher mit Bonmots. «In Schottland lassen sich an einem Tag die vier Jahreszeiten erleben», sagt Maitland zum Abschied mit einem Augenzwinkern und wendet sich wieder seinem Garten zu.

Mirjam Fuchs und Claude Gasser waren unterwegs auf einer individuellen Wanderreise von Imbach Reisen. Das Reisekonzept umfasst Bed & Breakfast, Mietwagen oder ÖV, Landkarten und detaillierte Wandervorschläge. www.imbach.ch

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häberlis haus Text: Jürg Zbinden  Fotografie: Christian Knörr

Vom bunten Hund zur grauen Eminenz: Alfredo Häberli eröffnet dieser Tage «sein» erstes Hotel, das 25hours Hotel in Zürich-West. design 54


Wie sieht ein Designer aus? Ähnlich wie ein Architekt? Doch wie sieht ein Architekt aus? Architekten tragen den Schlankmacher Schwarz, und auf ihrer Nase sitzt eine Brille. Der drahtige Alfredo Häberli ist weder schwarz gewandet, noch scheint er eine Sehhilfe zu brauchen. Ein locker um den Hals gelegter Schal muss reichen. Er ist braungebrannt, das silbergrau melierte Haar ist voll. So sieht also ein Designer aus, nicht irgendeiner zwar, sondern der Schweizer Designer der unmittelbaren Gegenwart. Architekt ist er übrigens auch. In der Schweiz gibt es mehr als 300 Häberlis. Alfredos sind seltener. Der Vorname zeugt von der argentinischen Herkunft. Geboren in Buenos Aires, kam er mit den Eltern als Dreizehnjähriger in die Schweiz. An der Höheren Schule für Gestaltung in Zürich studierte er Industriedesign, für sein Abschlussdiplom erhielt er den Förderpreis. Schnell machte er sich einen Namen mit viel beachteten, preisgekrönten Entwürfen für Global Player der Kreativszene, u.a. für Driade, Georg Jensen, Iittala, Luceplan, Vitra oder Zanotta. Für die gut schweizerische Betty Bossi überarbeitete er den «Küchenblitz Premium». Alfredo Häberli Design Development befindet sich im Zürcher Seefeld, just da, wo auch der 2008 verstorbene Designstar Hannes Wettstein seine Büros hatte. Von dort aus agierend, hat Häberli in der Limmatstadt das Restaurant Ginger eingerichtet, ebenso die Bar/Lounge der «Giesserei Oerlikon». In erster Linie ist Häberli Designer und nicht Innenarchitekt, aber er hat auch schon Boutiquen designt, weltweit deren 15 für den mallorquinischen Schuhhersteller Camper. In Zürich wurde übrigens gerade eine weitere von ihm gestaltete Camper-Filiale eröffnet. Einige elementare Grundbedürfnisse – Essen, Trinken und Shoppen – hat Alfredo Häberli bereits in Design übersetzt beziehungsweise umgesetzt. Nun aber steht ein veritables Grossprojekt unmittelbar vor der Enthüllung: das erste Swiss-made 25hours Hotel in Zürich West, an der Pfingstweidstrasse 102. Ein Projekt dieser Komplexität und Grössenordnung ist auch für Alfredo Häberli etwas Neues. Von der ersten Anfrage bis zur Eröffnung des ersten 25hours Hotel auf Schweizer Grund – Hotels dieser Gruppe gibt es schon in Frankfurt, Hamburg und Wien – sind rund drei Jahre verstrichen. Das sechsstöckige 25hours Hotel mit 126 Zimmern verlangte sowohl dem Designer wie dem Innenarchitekten alles ab. Eigens für das 25hours Hotel entwarf er über sechzig Produkte. Das neue Hotel verweist auf die Stadt Zürich. In der Lobby wurden beispielsweise Münzen in den Gussboden eingelegt, als sanft ironische Anspielung auf das Klischee, dass in der Limmatstadt das Geld nur so auf der Strasse liege. Bei den Uhren, die man so kennt mit den üblichen Weltzeituhren – Tokio, New York, Paris – kamen etwa Bern, Lugano, St. Moritz oder Genf zum Zug. Nur eine einzige Uhr gibt die eigentliche Zeit wieder, bei den andern stehen Worte wie «Charmante Augenblicke» (Genf) oder «Langsame Minuten» (Bern). Es wird alles sehr spielerisch. Les jeux sont faits – ohne Zweifel werden die geschätzten Gäste des Hotels der 25 Stunden zu den glücklichen Gewinnern zählen. www.gentlemensreport.com/design

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25 HOURS in ZÜRICH Am 1. November eröffnet in Zürich-West das von Alfredo Häberli gestaltete 25hours Hotel. www.25hours-hotels.com/zurich


zum Nadelstreifenanzug oder eine dicke Daunenweste (wie abgebildet) zum Weekend-Jackett. Der Bodywarmer ist für den zeitgenössischen Mann etwa das, was dem Piloten der Fallschirm – ein unentbehrlicher Begleiter. www.windsor.ch

DIE WESTE

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der shop

Windsor, die Exklusivmarke aus der Holy Fashion Group im thurgauischen Kreuzlingen (zu der auch Strellson oder Joop! gehören), gewinnt mit jeder Saison an Profil. Wie kaum einer Marke gelingt dem Label der Spagat zwischen Cool Casual und Business Chic. Windsor macht eine auf angenehme Weise diskrete, aber keineswegs ambitionslose Mode für Menschen, denen Qualität und Handwerkskunst etwas bedeuten. Feine Brüche im klassischen Kanon des Stils spielen dabei eine wichtige Rolle: Der Windsor-Mann kombiniert ein Denim-Hemd zum klassischen Zweireiher, einen Dufflecoat

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Text: Jeroen van Rooijen und Anna Kaminsky

Gentlemen’s Report selected – fünfzehn wasserdichte empfehlungen, mit denen wir sie durch die saison lotsen

15 fürS Glück

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Bruno Bencivenga? Das war doch dieser schlaue Kerl, der zwischen 1991 und 2008 die Marke Navyboot entwickelte, die Schweiz flächendeckend mit Boutiquen überzog und das Werk zu dem Zeitpunkt, wo kein weiteres Wachstum mehr absehbar war, an einen branchenfremden Investor verkaufte, der sich seither einigermassen damit abmüht. Jetzt, nach einer «Sperrfrist», die der quirlige Secondo zur Konsolidierung seines Familienvermögens genutzt hat, meldet sich Bencivenga zurück. Zusammen mit seinem Bruder Flaviano hat er die bereits 2004

eingetragene Marke Benci Brothers neu lanciert. Seit Anfang September gibt es dazu nun auch den ersten, überschaubare 52 m² grossen Flagship Store – an der Rämistrasse 5 in Zürich werden die Schuhe, Taschen und Kleinlederwaren des Schweizer Labels verkauft. Die Holzmöbel aus Eiche und die feinen Ledersessel zeigen den Design- und Qualitätsanspruch der Gebrüder Bencivenga an und illustrieren die Wertwelt der neuen Marke, die sich Natürlichkeit, Authentizität und Eleganz auf die Fahnen geschrieben hat. www.bencibrothers.com


orientalische Kurzhalslaute und auch nicht für das holländische Wort für «alt», sondern ist eine schwere, rauchig-maskuline Duftgattung, die vor allem in arabischen Kulturkreisen geschätzt wird. Der typische «Klang» dieser Düfte kommt vom Räucherholz des immergrünen Agar- oder Adlerholzbaumes. Aus diesen Gewächsen wird ein Öl gewonnen, das balsamisch-süss, würzig-bitter und holzig-animalisch riecht – ideal für männliche, charakterstarke Düfte wie die neueste Variante des italienischen Klassikers «Colonia Intensa» von Acqua di Parma. Der dunkle 100-ml-Flakon wird in einer tabakfarbenen Schatulle verkauft. www.acquadiparma.com

der schirm

«Oud» ist das neue Trendthema bei den Düften dieses Herbstes – kaum eine respektable Firma, die dieser Tage nicht eine «Oud»-Variante ihrer Klassiker auf den Markt bringt. «Oud» steht aber nicht für die

Zu viele Männer haben verlernt, was Charles Eames einst sagte: «The details are not just the details. The details make the design.» Das gilt auch für die Garderobe: Der feine Massanzug ist erst komplett, wenn auch das Drumherum mit einem geschulten Auge und der gleichen Sorgfalt ausgesucht ist. Warum also bei Regenwetter mit einem pitoyablen Gratis-Werbeschirm oder einem lappigen NylonPocket-Parapluie herumeiern, wenn man sich – einmal im

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Leben wenigstens! – einen echten Gentleman-Umbrella leisten kann? Man sagt, die Engländer würden die besten Schirme machen, doch auch Brioni, eine Marke, die sich ironiefrei dem Wohl des Herrn verschrieben hat, stellt solche Prachtsregenschirme her. Schliesslich fällt in Rom so viel Regen wie in London. Jedes Exemplar ist ein handgefertigtes Unikat und verfügt über einen durchgehenden Schaft aus wertvollem Edelholz. www.brioni.com

das parfum

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Für jene, die wissen, wonach sie suchen.

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Das einzigartige Schweizer Amberbier


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Hoch in den Schweizer Bergen, wo sich in der kalten Jahreszeit die zerstreuungssüchtigen Horden der Wintersportler austoben, lebt und arbeitet einer der engagiertesten Typen im helvetischen Mode-Einzelhandel: Nico Pesko. Der Spross der in der Lenzerheide allgegenwär-

die kollektion

Ralph Lauren ist eine Marke, die in Teilen manchmal zum spiessigen Kitsch neigt – die oft gravierend überzeichneten Bilder von Männlichkeit tun manchmal fast so weh wie die getürkte Ostküsten-Universitäts-Eleganz, für die das Label bekannt ist. Doch der alte Herr Lauren, selbst auch mit 73 Jahren noch immer ein fitter und frischer Typ, kann auch anders, etwa mit seiner Black Label Denim Linie. Dieser schmal geschnittene, besonders kernige Zweig seines Schaffens zeigt Ralph Lauren von seiner männlichsten Seite. «It’s all aimed at taking the man from formalwear to jeans», verriet Lauren anlässlich der

Lancierung vor einem guten Jahr der Branchenzeitschrift WWD – will heissen: Hier sind sie endlich, die Jeans, die der Typ trägt, der sonst gerne im Anzug eine gute Figur macht. Ergänzend zu schmalen FivePocket-Hosen gibt’s Strickjacken, Shirts, Boots und robuste Taschen. www.ralphlauren.com

der look

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tigen Familie Pesko (seine Schwester Manuela war Snowboard-Weltmeisterin in der Halfpipe) reist wie ein Besessener um die Welt, um die letzten verbliebenen Nischen auszuleuchten und in die Bündner Berge zu holen. «Peskos Kontrast ist spannender und scheint mir ehrlicher als die Konzepte vieler Heritage-Blender, die ihre profanen Produkte bevorzugt mit antiken Einrichtungen aufmotzen», schriebt etwa das angesehene deutsche Modeportal Profashionals. Zu Nico Peskos liebsten Brands gehören der neapolitanische Hemdenschneider Salvatore Piccolo, das Bologneser Hosen-Labor Scartilab, die Bündner Cashmere-Strickerin Marjan Kühn oder der englische Schuhhersteller Tricker’s. Zusammen mit diesen Marken hat Pesko nun eine sehr persönliche Kollektion namens «I am …» entwickelt, die es nur in der Lenzerheide zu kaufen gibt. www.pesko.ch Der Hut, einst das Merkmal eines erwachsenen Mannes schlechthin, hat in den letzten Saisons an Boden zurückgewonnen. Nach dem Justin-Timberlake-Hype um den Porkpie-Hut (den der 31-jährige auch trug, um sein

der hut

schütter werdendes Haar zu kaschieren) erwägt nun auch Otto Normalverbraucher verschiedene Typen der Kopfbedeckung. Für Anfänger eignet sich die gestrickte BeanieMütze, Fortgeschrittene kaufen sich eine Schiebermütze aus Tweed, und der Profi spaziert an der Ecke Via Senato/ Corso Venezia (oder in der Galerie Vittorio Emmanuele) in Mailand zu Borsalino, um sich einen vornehmen Hut aus Biberfilz zu kaufen. Biberfilz ist besonders wasserbeständig und dauerhaft. Natürlich bekommt man den Hut mit dem schön zweideutigen Namen «Beaver» in einer Hutschachtel. Sie können jetzt googeln, aber die Reise wird’s Ihnen nicht ersparen, denn Borsalino verkauft aus Prinzip nicht online. www.borsalino.com

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der flitzer

Jaguar hat seine eingefleischten Fans in der jüngsten Vergangenheit ganz schön herausgefordert. Mit Dieselmotoren und Kombis wurden sie konfrontiert, und die aktuellen Limousinen dürfen gewiss als exzentrisch bezeichnet werden. Umso erfreulicher ist es zu sehen, dass die Jaguar-Designer ihre Arbeit am Konzept eines neuen

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E-Types abgeschlossen haben und mit dem F-Type ein legitimer Nachfolger dieses ÜberSportwagens bereit steht. Designchef Ian Callum hat mit dem F-Type ein Sportwägelchen geschaffen, das ab kommendem Jahr nicht nur die leichteste und kleinste der englischen Grosskatzen sein wird (und damit neue Kundensegmente erschliesst), sondern mit gekonnt modellierten Kurven auch das Herz von Ästheten höher schlagen lässt. Auch die «Pistonheads» dürfen sich auf den F-Type freuen: Das Basismodell wird einen 3-Liter-V6-Motor haben, Fans von noch mehr Beschleunigung und Drehmoment hören schon jetzt den 5-Liter-V8 knurren. www.jaguar.com

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Sollten wir in absehbarer Zeit wiedergeboren werden und/oder zwanzig Jahre jünger sein, so würden wir uns eine Canon EOS 6D schultern und nach Paris, London und New York jetten, um als Fashion-Blogger eine Karriere zu starten. Denn Blogger sind derzeit die Stars am Laufsteg – Outlaws mit einem Jugendbonus, der sie Dinge tun lässt, die das Style-Establishment nicht mal zu träumen wagt. Als fliegender Fashion-Reporter ist man vermutlich froh um eine leistungsstarke und trotzdem leichte Kamera, die prägnante Porträts von Stylesettern schiesst. Die EOS 6D ist mit einem ähnlichen Format und Gewicht wie die EOS 60D derzeit eine der kleinsten und leichtesten Vollformat-DSLR-Kameras. Sie verfügt ausserdem über eine WLAN-Vorbereitung, dank der Die Pariser Maison Martin Margiela, einst revolutionäre Design-Avantgarde, ist heute eine der Cash-Cows in Renzo Rossos OTB-Gruppe («Only the brave»). Dennoch hat sich das Label die Aura des kreativen Aussenseiters bewahren können. Dies macht sich der schwedische FashionGigant Hennes  &  Mauritz zu Nutze, der am 15. November eine Kooperation mit der Maison Martin Margiela lanciert. Zu kaufen gibt es Klamotten für Damen und Herren. www.hm.com

Bilder sofort und kabellos in die digitalen Dimensionen trans­ portiert werden können. Anders als Kompaktkameras ermöglicht die neue Canon eine präzisere Steuerung der für stimmungsvolle Fotos so wichtigen Schärfentiefe. Eine überragende Low-Light-Leistung sorgt ausserdem dafür, dass man auch an düsteren Partys noch scharfe Bilder schiesst. www.canon.ch

8 die kamera

der designer


ten im Gesicht bekommt das filigrane Handwerk der Holzverarbeitung jene Aufmerksamkeit, die ihm gebührt», sind die Kerbholz-Macher überzeugt und haben es geschafft, auch namhafte Händler davon zu überzeugen. Nettes Detail: Von jeder verkaufen Brille geht ein Teil des Umsatzes an Aufforstungsprojekte des WWF – auf dass den fünf Freunden das Holz nie ausgehen möge. www.aufdemkerbholz.de

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Vermutlich ist es sinnlos, in diesen späten Herbsttagen noch auf den neuen Nike Inneva Woven hinzuweisen, das jüngste Sportschuh-Kunstwerk von Nike aus Beaverton. Denn der Ende September lancierte, von Hand geflochtene Freizeitschuh mit 3-D-Gewebe und der beliebten Nike-Free-Sohle dürfte längst weltweit ausverkauft sein. Ein paar wenige Schweizer Exemplare davon gingen bei Grand in Zürich für je 300 Franken über den

Was kommt nach dem Karo? – fragt sich die Modebranche angesichts des nun seit bald fünf Jahren andauernden Hypes um den WebmusterKlassiker. Die Antwort lautet: das Karo. Ist doch logisch: Man kann das Karo jede Saison so variieren, dass das vertraute Motiv immer wieder neu wirkt – nach grossformatigen Holzfällerkaros kommen die kleinen Gitterkaros, auf expressive Farben folgen die monochromen Töne, wie sie der Schweizer Hemdenhersteller Kauf aus Ebnat-Kappel im Toggenburg im Programm hat. Man bekommt

Es waren einmal fünf Freunde am Barbarossaplatz in Köln, die hatten auf einer Reise eine auf den ersten Blick etwas spleenige Idee – Brillen aus Holz zu fertigen. Das Naturmaterial hat für Sehhilfen ausser ästhetischen zwar keinen nennenswerten funktionalen Vorteil, und dennoch wollten es Moritz, Matze, Chris, Adrian und Nils versuchen und schufen Kerbholz, ein Label für Brillen aus Echtholz. «Nur mit-

der sneaker

12 Ladentisch. Doch manchmal ist es auch gut zu wissen, was man im Leben verpasst hat. Vielleicht lehrt es einen, in Zukunft noch alerter zu sein. Und vielleicht hat der Schweizer Nike-Designchef Martin Lotti ja ein Nachsehen mit allen, die nun leicht enttäuscht diese Zeilen lesen, und legt eine zweite Edition des geflochtenen Schuhs nach. Wäre ja zu schade, diese tolle Idee nicht unter die Leute zu bringen … www.nike.com

11 die hemden

die vollwertig alltagstauglichen Hemden auch im Kauf-eigenen Webshop, der eine Lieferung innerhalb von 48 Stunden ab Bestellung verspricht. Jeweils zwei Schnitte pro Hemd – slim und regular fit – stehen zur Verfügung. Viel bequemer kann es einem die Mode kaum machen. www.kauf.ch

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US-Präsident Obama trägt seine digitale Sportuhr des öfteren auch im Oval Office – wenn das kein Freipass ist, auch mal das exklusive Schweizer Prunkstück in der Schublade zu lassen und sich stattdessen eine sportliche Alternative anzulegen? Die neue Suunto Ambit (ab 499 Franken) bietet sich an, denn sie ist die erste GPS-Uhr mit Streckennavigation auf dem Display. www.suunto.ch

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Selected» kuratieren. «In einer globalisierten Designwelt ist ein Format wie die Blickfang, bei dem kleine Hersteller direkt verkaufen können, ein sehr zeitgenössischer Ansatz», ist Hayon überzeugt. Er wird zusammen mit der Jury auch die neuen Preisträger der Blickfang Awards ernennen. www.blickfang.com

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In Kürze ist in Zürich wieder Blickfang-Zeit – die vorweihnachtliche Designmesse im Kongresshaus erfreut sich bei Jung und Alt ungebrochener Beliebtheit und ist ein guter Ort, um Designtalenten auf den Zahn zu fühlen. Dafür, dass das Niveau hoch bleibt, sorgt dieses Jahr Blickfang-Gastkurator Jaime Hayon. Der Spanier, bekannt für seine verspielten, kunstvollen Objekte für Bisazza, Magis, Fritz Hansen oder Established & Sons, wird die Designmesse beratend begleiten und die Sonderausstellung «Blickfang

14 der kurator


DAS TRÄGT MANn JETZT SO! Eine Kolumne von Hannes Hug

Junya Watanabe schickt uns vor die Tür. Seit je ist «Outdoor» das grosse Thema des Schneiders aus Nippon. Für den Turnschuhhersteller Converse hat er den Duckboot-Sneaker kreiert. Unter dem Schirm von Comme des Garçons Baseballjacken in Norwegerpullioptik fabriziert. Bei Watanabe gibt’s Filz und Fleece zuhauf. Und jetzt dies. Wir poltern mit schwerem Schuhwerk. Tragen Vierzehn-Unzen-Denim, der uns einen Wolf scheuert. Kauen Tabak wie die Holzhackerbuam. Wir sind die Männer fürs Grobe. Lieber Herr Watanabe. Das sind doch schon wieder Tempi passati. Ihre Entwürfe haben einen Bart. Und der gehört rasiert! Dieses Bart gleich Mann – es ödet uns an. Wir sind doch keine Primaten. Schliesslich kennen wir die Evolution nicht nur vom Hörensagen. Gerne fällt der Mann ja dem Glauben anheim, so ein Bart verleihe ihm Unergründlichkeit und mache ihn geheimnisvoll. Manch ein Bartträger wähnt sich gar als Reinkarnation Samsons, dessen Kraft in seinem Haar gründete. Nur, wer den Bart als Ausdruck des Ungezähmten und Gefährlichen zelebriert, hat einen Hau. Denn der Bart beherbergt Essensreste und hindert uns daran, den Cunnilingus ordentlich zu praktizieren.

Shabby-Chic aufpatiniert. Das ist halt der Kollateralschaden des Lebens in der Wildnis. Aber wir stellen unsere Männlichkeit längst nicht mehr mit derben Schuhen und Karohemden unter Beweis.

Wer mich jetzt der Unmännlichkeit zeiht, dem empfehle ich Machiavelli als Lektüre. So ein Bart ist doch die Schnittmenge von Taliban, Samichlaus und ZZ Top. Menschen, mit denen wir – wenn überhaupt – höchstens einmal im Jahr zu tun haben wollen. Nichts gegen den längeren Blockhüttenaufenthalt, der uns nachlässigen

Ebensowenig stillen wir unsere Sehnsucht nach Natur und Romantik mit wuchernder Gesichtsbehaarung.

Illustration: Alina Günter

Unsere Stärke kommt von innen. Dazu brauchen wir weder Drillich noch Bart. Darum: Nichts – geht mehr, Herr Watanabe.

Hannes Hug, 44, war in jungen Jahren Sprücheklopfer vom Dienst beim Schweizer Fernsehen («Zebra»). Heute ist er als freier Mitarbeiter für verschiedene Medien tätig. Unter anderem moderiert Hug die Talksendung «Focus» auf Radio DRS 3. Als eine Hälfte von «Andreas & Conrad» berät er Prominente, wie man beim Pirouettendrehen auf dem sozialen Parkett nicht der Länge nach hinfällt. Hannes Hug trägt nicht mal Dreitagebart, weil das ungewaschen aussieht.

www.gentlemensreport.com/kolumne kolumne 62


Top 10: in the rain Ausgewählt von: Jürg Zbinden 

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Illustration: Lea Geiger

8

3

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  N° 1 

  N° 6 

B. J. Thomas: Raindrops Keep Fallin’ On My Head (1969) Im Original aus dem Western «Butch Cassidy and the Sundance Kid». Noch bezaubernder in der Coverversion der unvergleichlichen Bobbie Gentry.

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  N° 7 

  N° 2 

Prince: Purple Rain (1984) Wenn Prince mit schwerem Make-up und duftiger Rüschenbluse seine Hymne anstimmt, geht Elton Johns «Candle in the Wind» im Nu das Licht aus.

Madonna: Rain (1992) Im Videoclip räkelt sich Madonna, die Haare rabenschwarz, die Augen blau wie Stahl, auf einer hochglanzstahlpolierten Designerliege von Ron Arad – cool as ice.

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  N° 3 

Eurythmics: Here Comes the Rain Again (1984) Annie Lennox, die androgyne Melancholikerin der Achtziger, schenkte dem Synthesizer mit ihrer Stimme eine platinblonde Seele.

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  N° 8 

Frédéric Chopin: Regentropfen-Prélude (1838/39) Komponiert auf Mallorca, mehr als ein Jahrhundert bevor sich das Eiland den hygienisch zweifelhaften Ruf einer «Putzfraueninsel» einhandelte.

  N° 9 

Dalida: Am Tag, als der Regen kam (1959) So schön kann Schlager sein: «Am Tag, als der Regen kam, lang ersehnt, heiss erfleht, auf die glühenden Felder, auf die durstigen Wälder, am Tag, als der Regen kam, lang ersehnt, heiss erfleht, da erblühten die Bäume, da erwachten die Träume, da kamst du.»

  N° 4 

Rihanna: Umbrella (2007) Hip-Hop (aus der Feder von Jay-Z) meets Josephine Baker/Rihanna: Wer würde nicht liebend gerne Schutz finden unter Rihannas Regenschirm: Umbrella-ella-ella …

  N° 5 

Ann Peebles: I Can’t Stand the Rain (1974) Was Diana Ross für Motown, war Ann Peebles beinahe für Hi Records. Ihr Hit wurde auch von Precious Wilson (Sängerin der Band Eruption) und der Wahlküsnachterin Tina Turner gecovert.

Brook Benton: Rainy Night In Georgia (1970) Ein Bariton des Soul und R’n’B wie aus Seide. Nahezu vergessen. Das schreit nach Unrecht!

  N° 10 

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Dinah Washington: September In the Rain (1961) High-End-Phrasierung aus berufenem Mund: Neben Billie Holiday und Sarah Vaughan zählt Dinah Washington zu den unvergesslichsten Vokalistinnen des bluesigen Jazz. www.gentlemensreport.com/top 10 DIE LISTE 63


leserbriefe

Gentlemen’s Report N° 5 vom 29. September 2012

Kompliment für die elegante und diskrete Aufmachung des Hefts und die interessanten Beiträge. Befremdlich aber das Interview mit Herrn Kieser, das nach dem Vitaparcours-Text fehl am Platz scheint. Denn wer, wenn nicht Herr Kieser, hat es fertig gebracht, Zehntausende weg vom Vitaparcours hinein ins Krafttraining zu locken, ihnen das Hohelied vom «starken Rücken» zu predigen und damit Millionen zu verdienen? Roland Gautschi, Zürich

Zum Artikel «Das Glück im kleinen Massstab» herzliche Gratulation. Als ehemaliger Modellbauer sind mir diese Gefühle bekannt. Auf Seite 15 stellt Herr Florian Baumann jedoch den North American P-51 «Mustang» vor und nicht einen Messerschmitt-Typ. 128 Stück dieses Typs P-51 standen von 1948 bis 1958 im Dienst der Schweizer Luftwaffe. H. Schaffner, Möhlin

Vorab ein schönes Kompliment für die jüngste Ausgabe, gut gemacht! Selbermachen ist ein Thema, dem ich seit Jahren nachlebe, geschäftlich, privat und auch in den Hemisphären der lautlosen Fortbewegung. Das Magazin erfreut die Sinne, ist unaufgeregt gestaltet und klug gemacht. Müsste man das Haar in der Suppe finden, wären es meiner Ansicht nach einige Produkteplatzierungen und die dazugehörigen Artikel. Da ist noch mehr publizistische Eleganz möglich. Bendicht Luginbühl, Zürich

Muss ich mir als NZZ-Abonnent tatsächlich die Zusendung von «gr» gefallen lassen? Diese Kompaktwerbung missfällt mir sehr. Wäre es nicht sinnvoll, schon auf der Umschlagseite anzugeben, welche Seiten werbefrei sind? Das wäre sicher kein grosser Aufwand, ein paar wenige Seitenzahlen würden genügen. Und falls ich einmal in einem Baumarkt solche Dandys antreffe, werde ich vermutlich einen Lachkrampf bekommen. Ueli Hasler, Biel

Korrigendum: Das in der letzten Ausgabe auf Seite 65 abgebildete Sitzmöbel ist nicht, wie der Artikel beschreibt, ein Werk des Berliner Vintage-Spezialisten und Designers Clemens Tissi, sondern ein Möbel seines Freundes und Designerkollegen Hedi Slimane, welches 2007 in der Galerie von Tissi gezeigt wurde. Wir bedauern den Fehler.

Bezugsquellen Acqua die Parma www.acquadiparma.com – Barbour www.barbour.com – Barigo www.barigo.de – Belstaff www. belstaff.com – Benci Brothers www.bencibrothers.com – Borsalino www.borsalino.com – Bottega Veneta www. bottegaveneta.com – Blickfang www.blickfang.com – Brioni www.brioni.com – Burberry Prorsum www.burberry.com – Canon www.canon.ch – COS www.cosstores.com – Dockers www.dockers.ch – Frankonia www.frankonia.de – GANT www.gant.com – Hackett www.hackett.com – Hamlet www.prime-shoes.com – H&M www.hm.com – Herren Globus www.herrenglobus.ch – Jack Wolfskin www.jack-wolfskin.ch – Jaguar www.jaguar.com – Jelmoli www.jelmoli.ch – Kauf www.kauf.ch – Kerbholz www.aufdemkerbholz.de – Nike www.nike.com – Pesko www.pesko.ch – Ralph Lauren www.ralphlauren.com – Strellson www.strellson.com – Stutterheim www.stutterheim.se – Suunto www.suunto.ch – TFA www.tfa-dostmann.de – Victorinox www.victorinox.com – Windsor www.windsor.ch service 64

IMPRESSUM Der «Gentlemen’s Report» ist das Magazin der NZZ für Männer. Die Publikation wird an ausgewählten Samstagen der «Neuen Zürcher Zeitung» beigelegt. www.gentlemensreport.com HERAUSGEBERIN Verlag Neue Zürcher Zeitung AG, Albert P. Stäheli (CEO) PRODUCTMANAGEMENT VERL AG Markus Will Redaktionsleitung Jeroen van Rooijen (jvr.) jvr@gentlemensreport.com Projektleitung Reto Caprez (rcz.) rcz@gentlemensreport.com St ylE consultant Stephan Meyer (sme.) REDAKTIONSASSISTENZ Anna Kaminsky (aky.) KORREKTORAT Jürg Zbinden (jzb.), www.herrkorrektor.ch kreation / Produktion dd com AG, Seefeldstrasse 301 8008 Zürich, contact@ddcom.ch Creative Director Daniel Müri Art Director Cornelia Hess, Marc Hahn Produktion Melanie Hanimann Redaktion und Verlag NZZ AG, «Gentlemen’s Report» Falkenstrasse 11, Postfach, 8021 Zürich info@gentlemensreport.com ADVERTORIALS Die als «Advertorials» ausgewiesenen Seiten 28–29 und 34–35 dieser Ausgabe sind gemeinsam mit Marken und Dienstleistern erarbeiteter redaktioneller Inhalt mit kommerziellem Charakter. Verbreitete Aufl age 135 000 Exemplare Druck Multicolor, Baar NZZ Print, Schlieren Anzeigenverkauf NZZ Media – eine Filiale der Publicitas AG, Seehofstrasse 16, Postfach, 8021 Zürich, Telefon 044 258 16 98, Fax 044 258 13 70, anzeigen@nzzmedia.ch Copyright alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung der redaktionellen Texte einschliesslich Speicherung und Nutzung auf optischen und elektronischen Datenträgern nur mit Zustimmung der Redaktion. Die ganze oder teilweise Verwertung von Inseraten (inkl. Einspeisung in Online-Dienste) durch unberechtigte Dritte ist untersagt. ISSN 2235-5332. © 2012 Neue Zürcher Zeitung AG


TROPFEN STATT  TRÜFFEL Unser Redaktionshund Jasper (*2008, Lagotto Romagnolo, italienischer Trüffelhund), dem hier traditionell die letzte Seite des Magazins gehört, kann sich nicht nur für duftende Knollen im Boden begeistern, sondern findet auf seinen Streifzügen auch immer garantiert eine Pfütze für ein lustvolles Bad.

JASPER’S WORLD 65


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Neue Kollektion TANK ANGLAISE


Gentlemen's Report No.6