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September 2011 FR. 12

GentlEmen's Report

DAs Maga zin für M änner

www.gentlemensreport.com


mitArbeiter Dieser AusgAbe

A l e l i

t e r e s A

n i c o l A

l e A l

b ü c K e r

c A r p i

Interieur-Stylistin u.a. für Vitra, NZZ am Sonntag oder Navyboot, Mitinhaberin von Edition Populaire in Zürich. Mit ihrem Auge für schöne Objekte hat sie für GR die charakterstärksten Stühle inszeniert.

Bloggerin und Autorin bei FAZ Online mit einer Kolumne über die digitale Gesellschaft. Derzeit arbeitet Bücker – gemeinsam mit einem Mann – an einem Buch über Feminismus. Teresa Bücker lebt in Berlin.

Grafi ker und Illustrator sowie Partner des Grafi kkollektivs CinCin in Bern. Mit seinen Illustrationen hat Carpi die neue Weichheit und unkonstruierte Form der Männerjacken lebendig in Szene gesetzt.

p A t r i K

m A r i e -

H A n n e s

D A V i D

F u c H s

c H r i s t i n e

g r A s s e g g e r

t o r c A s s o

Als Reporter schreibt er u. a. für Du, Das Magazin oder Financial Times Deutschland. Auf die Reise zu Doug Aitken nach Los Angeles freute sich der Kunstkenner doppelt – die Millionenmetropole zählt zu seinen liebsten Städten.

Schreibt u. a. für Brand Eins, Das Magazin oder Die Zeit über Gesellschaft sthemen. Torcasso hat die Umsetzung des zweiten Gentlemen’s Report als Blattmacher entscheidend geprägt. Er lebt in Berlin und Zürich.

g e r b e r

Der Zürcher Fotograf bezeichnet sich als fotografischer Sammler. In dieser Ausgabe sind gleich drei seiner Trouvaillen zu fi nden: Eine Weintour durch die Wachau, ein charismatischer Hund sowie stilvolle Uhren.

Lebt und arbeitet als Fotografi n in Zürich und setzt sich mit Still-Life und Arrangements auseinander. Ihre «Baskets» thematisieren die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten auf erfrischende Weise.

s t e p H A n

p H i l i p p

m A r t i n

H i l p o l D

J u n K e r

w A r t m A n n

Verantwortlicher für Stil beim Standard in Wien. Hilpold weiss nicht nur, was ein Gentleman anzieht, sondern ist auch Weinkenner, stammt er doch aus einer Winzerfamilie und kraxelte schon als Bub in der Wachau herum.

m e r t

Transportation Fotograf, arbeitet u. a. für Volkswagen. Normalerweise rückt Mert bei seiner Arbeit die Autos ins Zentrum – für den Gentlemen’s Report hat Mert es nun genau umgekehrt gemacht. Mert lebt in Düsseldorf.

Stylist, arbeitet u. a. für GQ, die NZZ am Sonntag, Bolero oder Strellson. Mit seiner Gabe, für jedes Invididuum passende Looks zu fi nden, hat Junker auch Velokuriere in piekfeine Gentlemen verwandelt. Er lebt in Zürich.

Brauerei-Pionier und wohl der fundierteste Bierkenner der Schweiz. Er lancierte 1982 die Bierspezialität Ittinger, welches heute als Vorrreiter einer neuen Bier-Generation gilt. Wartmann lebt in Frauenfeld.

t H o m A s D e

m o n A c o

Spezialist für Still-Life-Fotografie und versierter Arrangeur von Objekten. Für diese Ausgabe hat sich De Monaco dem Lieblingsgetränk der Nation gewidmet und zeigt Bier aus einer völlig neuen Optik.

m A r i s A

p H i l i p p

V A l e n t i n

p i c H l e r

m u e l l e r

J e c K

Betreibt die Design- und Consulting-Agentur Hopehope in Zürich, zu der auch der gleichnamige Blog gehört. Mit ihren inszenierten Körben bringt Pichler die Vorzüge und Chancen von Anlagestrategien auf den Punkt.

Zürcher Fotograf, arbeitet u. a. für Vogue Uomo, Das Magazin, GQ oder Zoo Magazine. Von Mueller stammen auch Porträits von David Garrett und Kim Wilde. Für dieses Magazin fotografierte er Velo-Afficionados. Lebt in Paris.

Fotograf und Kameramann, arbeitet u. a. für Vogue, IWC und Gucci. Für seine Fotostrecke mit Stuhlklassikern hat Jeck ohne digitale Tricks und Hilfsmittel kunstvolle Skultpturen aufgetürmt. Lebt bei Zürich.


AM LIMIt r e t o

J e r o e n

c A p r e z

V A n

neue Männerzeitschrift zu machen, welche die Konventionen dieses Genres hinter sich lässt und auch kommerziell etwas anders funktioniert, nämlich mit einem partnerschaftlichen Modell, welches die Karten offen auf den Tisch legt. Der Leser sollte wissen und nicht nur anhand der Anzeigen erahnen, wer dieses Magazin möglich macht:

r o o i J e n

Geschäft sführer und Inhaber von Al Ferano, dem Schweizer Marktführer für Masskonfektion mit Sitz in Zürich. Lebt in der Nähe von Zürich.

Journalist und Stilfachmann, schreibt für die Neue Zürcher Zeitung und ist Autor von Mode-Sachbüchern. Lebt in der Nähe von Zürich.

Die Zeiten sind zwar unzweifelhaft turbulent, aber sie bieten weit mehr als nur Anlass für Gejammer – nämlich Chancen. Chancen, die Dinge zu überdenken, anders anzugehen, besser zu machen, nach anderen Maximen zu suchen, gemäss denen man lebt. Chancen, seine Grenzen auszuloten, und sie dann mutig zu überschreiten. In diesem Sinn und Geist sind wir den zweiten Gentlemen’s Report angegangen: Auf der Suche nach Männern, die furchtlos und ohne Rücksicht auf Konventionen ihren Idealen nachgehen und dabei so manches Limit hinter sich lassen. Ob das einer ist wie Doug Aitken (ab Seite 37), dessen Kunst tatsächlich kaum Grenzen kennt, einer wie Designer Joseph Walsh (Seite 65), dessen Businesskonzept auf dem Papier unrealisierbar aussieht, in Tat und Wahrheit aber nicht nur lukrativ, sondern auch erfüllend ist – oder einer wie unsere furchtlosen Velo-Afficionados (ab Seite 22), die sich am liebsten auf zwei Rädern – aber mit viel Stil! – in den Stadtverkehr stürzen. Weil sie so schneller, unabhängiger und wendiger sind. Das sind die Qualitäten, die in Zeiten extremer Dynamik zählen. Ein knappes halbes Jahr ist vergangen seit wir Anfang April dieses Jahres den ersten Gentlemen’s Report lanciert haben. Auch dieses Projekt war ambitioniert: Eine EDITORIAL 3

Hinter diesem Abenteuer steckt zum ersten eine sehr kleine, schlanke Redaktionstruppe sowie das Kreativteam der dd com, die fest daran glaubt, dass es in der Welt der erwachsenen Männer mehr zu erzählen gibt als Geschichten über schnelle Autos, dicke Zigarren, ewig juvenile Libido und grosse Brüste. Da sind zum zweiten acht kommerzielle Kompentenzpartner, die überzeugt sind, dass ihre Dienstleistungen und Produkte genau zu diesem intelligenten Mann mit Stil passen. Vergangenen Frühling waren es fünf: die Al Ferano Mode AG, die Amag Automobil- und Motoren AG, Mövenpick Weine, Vontobel Private Banking und Zingg-Lamprecht Wohnen. Diesen Herbst sind wir schon zu acht: neu begrüssen wir den Uhrenspezialist Embassy AG, die Bierspezialität Ittinger und das Warenhaus Jelmoli an Bord. Und zum dritten freuen wir uns sehr über den enthusiastischen Support der «Neuen Zürcher Zeitung», der dieses Magazin am Samstag, 17. September wiederum beiliegt und die massgeblich daran mitarbeitet, den Gentlemen’s Report auf dem Markt zu etablieren. Sie verstehen also, wenn wir nicht von Krise sprechen wollen. Aber sehr wohl von einer dynamischen, fordernden Zeit. Reto Caprez und Jeroen van Rooijen, Verleger des «Gentlemen’s Report»


jasper

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Stil

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AutoMOBIL

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duft

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Portrait

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wachau

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INHALT 4


THE GENTLEMen's Guide

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st端hle

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Jacken

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uhren

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Finanz

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Bier

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news

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Inhalt 5


Weinanbau am STeilhang Text: Stephan Hilpold窶ェotografie: Patrik Fuchs

Die Winzer der テカsterreichischen Wachau haben ihre unwegsame, schwer kultivierbare Landschaft an der Donau テシber Jahrhunderte zu einem einzigartigen Weinkulturgut geformt.

GENUSS 7


Platz ist bei uns mangelware. Franz Hirtzberger

GENUSS 8


Der Eintritt in ein Museum erfolgt normalerweise durch eine mächtige Tür. In diesem Fall ist die Tür eine Kurve. Biegt man gleich hinter Krems um sie, dann öffnet sich eine Landschaft wie aus einem Gemälde. Schroffe Hügel. Ein sich in mehreren Schlaufen dahinwindender mächtiger Strom. Verfallene Burgen. Kurz: Ein Freiluftmuseum. Doch die Hauptrolle spielen in ihm nicht stolze Ritter und blond gelockte Burgjungfrauen, sondern pausbäckige, knorrige Männer wie Franz Hirtzberger, Emmerich Knoll oder Franz Xaver Pichler. Sie gehören zu den bekanntesten Winzern der Wachau. Es ist ihnen und ihren Vorfahren zu verdanken, dass die Wachau, eine 30 Kilometer lange Flusslandschaft zwischen Melk und Krems, zu den wundersamsten Flecken Österreichs gehört. Die Winzer haben diesen unwegsamen Landstrich an der Donau zur Kulturlandschaft geformt. Jahrhundertelang stapelten sie von Hand die Trockensteinmauern, die sich über mehrere hundert Höhenmetern an den felsigen Untergrund schmiegen. Den steilen Abhängen wurden so Tausende schmale Terrassen abgetrotzt. «Ohne sie», sagt Franz Hirtzberger, «wären unsere Weissweine nicht das, was sie sind.» Grüner Veltliner und Riesling sind die Sorten, die auf den insgesamt 1450 Hektar Weinbaugebiet am besten gedeihen. Hirtzberger steht an diesem Nachmittag im Singerriedel, dem steilen Weinberg gleich hinter seinem mächtigen Gehöft. 600 Jahre alt ist es, doch wirklich viel hat sich hier in den vergangenen Jahrhunderten nicht verändert. Zur Donau hin schirmen dicke Wehrmauern den trotzigen Bau ab, die Wasserversorgung erfolgt über einen Brunnen im Innenhof, die Wohnräume befinden sich im verwinkelten ersten Stock. Wenig Platz, viel Zeitaufwand

Familie Knoll Emmerich Knoll und sein Sohn gehören zu den bekanntesten Winzern der Wachau. Wer in der Wachau ihre Weine trinken möchte, besucht am besten das Restaurant Loibnerhof in Unterloiben, das von Cousin Josef Knoll geführt wird.

«Platz ist bei uns Mangelware», sagt Hirtzberger und zeigt dann hinauf auf die Terrassen, die sich bis auf eine Höhe von etwa 400 Metern um die Hügel winden. Sein Weingut liegt in Spitz, einer kleinen, an die Donau geschmiegten Ortschaft, in der das Tal etwas enger wird. Hirtzberger selbst hat bei der Re-Kultivierung alter Terrassen in den vergangenen Jahrzehnten oft genug selbst Hand angelegt. Als er Anfang der Siebziger den Hof von seinem Vater übernahm, wurden nur auf wenigen Hektar Wein angebaut. Der Rest war für die Viehwirtschaft und die berühmten Wachauer Marillen reserviert, die in dieser Gegend bis heute das zweite wichtige Standbein der Bauern sind. Um einen wirklich guten GENUSS 9


DAS BEWIRTSCHAF­TEN DER STEILLAGEN  IST ZEITINTENSIV. Franz Hirtzberger

GENUSS

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GENUSS 12


Hier am Ende der Wachau flachen die Hügel bereits etwas ab, zur Stabilisierung des erosionsgefährdeten Bodens durchziehen auch hier Natursteinmauern die Hänge. Die besten und wertvollsten Weine der Wachau. Sie tragen die Bezeichnung Smaragd; die beiden anderen Kategorisierungen sind der leichtere Steinfeder und der klassisch trockene Federspiel. Sie werden fast ausschliesslich auf den Terrassenlagen gewonnen, neben dem besonders sauren Verwitterungsboden aus Gneis, Glimmer und Schiefer, der hier zu finden ist, tragen auch die Mauern dazu bei. Sie speichern nämlich die Wärme des Tages und geben sie in der Nacht wieder ab. Bis zu fünf Grad kann die Temperatur im terrassierten Weingarten höher liegen als in der Umgebung. In einer klimatischen Randzone wie der Wachau ist das besonders wichtig. Die pannonische Klima­zone trifft hier auf die kontinentale. Kühle Ströme aus dem nördlich gelegenen Hochplateau des Waldviertels ziehen sich zudem wie Klima-Fjorde durch die Seitentäler Richtung Donau. Das besondere Mikroklima, das dadurch entsteht, ist mitunter für besondere Wetterphänomene verantwortlich. Wein produzieren zu können, wusste Hirtzberger, brauche er noch einige Hektar mehr: vor allem von den damals kaum, heute dafür aber umso heisser begehrten Steillagen. «Ihre Bewirtschaftung» erzählt Hirtzberger «ist etwa drei bis fünf Mal zeitintensiver als die Lagen herunten an der Donau.» Statt 250 Arbeitsstunden pro Hektar benötigen die Steillagen meist über 1000. Die meisten Arbeiten müssten nämlich von Hand gemacht werden, grössere Maschinen wie Traktoren scheiden im unwegsamen Gelände aus. Wann immer man gegen Ungeziefer und Krankheiten vorgehen müsse, schnallen sich Hirtzberger und seine Mitarbeiter kleine Spritzpumpen auf den Rücken und ziehen durch die Rebzeilen. Eine zeitintensive Arbeit. Und trotzdem bieten die Winzer heute hohe Summen für die hin und wieder (aber selten genug) zum Verkauf stehenden Steillagen. Die Weissweine aus diesen Lagen gehören nämlich zu den besten der Welt. Das war nicht immer so. Zwar ist der Weinanbau in der Wachau schon seit gut 1000 Jahren gut dokumentiert (ältere Zeugnisse gehen sogar zurück bis in die Römerzeit) und die Qualität wurde schon immer gerühmt, zur Weltklasse stiessen die Weine von den Hängen an der Donau aber erst in den vergangenen 20, 30 Jahren vor, als Männer wie Franz Hirtzberger oder Emmerich Knoll es sich in den Kopf setzten, nur mehr Weine von höchster Qualität zu produzieren. Letzterer bewirtschaftet zusammen mit seinen zwei Söhnen ein Weingut in Unterloiben, einige Kilometer stromabwärts. Ihre Devise: Natur und sonst nichts. Sprich: Auf jegliche Anreicherung, künstliche Konzentrierung, auf Aromatisierung und Franktionierung des Weines wird ausnahmslos verzichtet. Erfahrung ist wichtiger als das Experiment. «Ich bin schon in den 70ern gegen den Strom geschwommen, als ich die alten Terrassen wieder kultiviert habe», erzählt Emmerich Knoll und führt einen dann in seinen, wie er sagt «konservativen Keller».

Seit vielen, vielen Jahren, erklärt Franz Xaver Pichler, sei über seinem Weingut kein Hagel mehr niedergegangen. Weingüter in anderen Gegenden müssten dagegen jedes Jahr mit dem unheilvollen Eisregen rechnen. Pichler ist ein knorriger Mann, der Kontrast zu dem schicken quaderförmigen Kellergebäude aus Glas und Naturstein, in dem er sitzt, könnte nicht grösser sein. Zusammen mit seinem Sohn Lucas betreibt F. X. Pichler eines der ambitioniertesten Weingüter der Wachau. Nachdem das alte Wirtschaftsgebäude regelmässig bei Donau-Hochwassern unter Wasser stand, beschloss man einen Neubau. Es sollte ein zeitgenössischer Bau werden. Auch das gibt es in der Wachau. «Es war alles andere als einfach, diesen Bau zu realisieren», erzählt Pichler. Vor einigen Jahren wurde die Wachau zum Unesco Weltkultur- und naturerbe geadelt, seitdem werden Veränderungen in der Landschaft noch genauer beäugt. Eine gläserne Glocke will man dann aber doch nicht über das Gebiet stülpen. Genauso wie der Wein aus der Wachau müsse sich auch das Landschaftsbild weiterentwickeln, ist Sohn Lucas Pichler überzeugt: Schliesslich, sagt er, sei man ja kein Heimatmuseum.

Grosse Familientradition Eine steile Steintreppe führt hinab in die kühlen Keller­ gewölbe, wo alles noch ganz ähnlich aussieht wie zu Zeiten des Gross- und Urgrossvaters. Ein 4000-Liter-Holzfass ist neben das andere gereiht, nur im hinteren Teil des Kellers lagern einige Edelstahlbehälter. Seit beinahe 200 Jahren ist das Haus im Besitz der Familie. Auch hier hat sich im Grunde nicht viel getan. Ein Museum. Statt vier Hektar wie weiland der Vater bewirtschaften die Knolls heute allerdings 16 Hektar. 15 Parzellen (zu je 1500 Quadratmeter) davon liegen am Loibenberg, dem Hausberg des Ortes, einem der besten Riede der Wachau. genuss 13

Lucas pichler, 38 F. X. Pichler gehört zu den bekanntesten Weissweinproduzenten der Welt. Um an seine Spitzenweiner heranzukommen braucht es meist eine Vorbestellung. Das Weingut wird in der vierten Generation geführt. www.gentlemensreport.com/genuss


Es geht auch einfach Text: Jeroen van Rooijen Fotografie: Patrik Fuchs

Schweizer Qualitätsuhren müssen nicht kompliziert, vergangenheitsverliebt und stinkteuer sein. Uhren-Konstrukteur Ludwig Oechslin und seine Partner von Embassy in Luzern zeigen mit der Neulancierung der Marke Ochs und Junior, dass man den Traditionen treu bleiben und trotzdem mutig den Blick in die Zukunft wenden kann. Wer früher Quartett spielte, etwa mit Sportwagen, der versuchte, jene Karten zu ergattern, auf denen Autos abgebildet waren, die möglichst schnell fahren konnten, viele PS hatten, sowie ein hohes Gewicht und einen entsprechenden Sprit-Verbrauch ausweisen konnten. Das war der Stoff, aus dem die Bubenträume waren. Heute sucht man nach anderen Superlativen, nach einer Formensprache der Klarheit und Präzision, nach der Reduktion der Komplikation und einer radikal modernen Anwendung von zeitgenössischen Technologien. Diese Maximen gelten inzwischen fast überall - im Produktdesign, in der Grafik, im Innenausbau wie der Architektur. Oder um es noch einmal mit dem Beispiel des Quartetts zu benennen: Heute sind die leichten, leisen, verbrauchsarmen und dennoch leistungsfähigen Autos die Stars. Die Lösung «Less is better» (nicht: «Less is more») des deutschen Design-Pioniers Dieter Rams ist im Zeitalter von Nachhaltigkeit, Mässigung und Ressourcenschonung aktueller denn je. Nur in der Uhrenbranche hat der zeitgeistige Paradigmenwechsel noch nicht stattgefunden. Es wird die Historie bemüht statt Modernität zelebriert, an irrwitzigen Komplikationen gewerkelt statt an bewährter Mechanik gefeilt und einer Ästhetik der Opulenz und Vergangenheitsverliebtheit gehuldigt. Unter dem Stichwort «Retro» wird auch der letzte Zeitzeuge vergangener Glanzzeiten in die Gegenwart gezerrt. Dabei gäbe es durchaus Gründe und Wege, auch im Bereich der Zeitmessung mit der Zeit zu gehen und radikale Modernität an den Tag zu legen. Die noch relativ junge Uhrenmarke Ochs und Junior hat sich dafür entschieden, eine Uhrenfamilie zu entwickeln, die mit allerhöchster Sorgfalt und nach allen Regeln der Handwerkskunst Uhren 14

DIE TINTA-FAMILIE Von links nach rechts: Die Mondphasenuhr «Selene Tinta», 8000 Fr., die Kalenderuhr «Mese Tinta», 6000 Fr. und die Zweizonen­uhr «Due Ore Tinta», 6000 Fr.


FARBE BEKENNEN Die Farben der Zifferblätter, Zeiger und Lederbänder der «Tinta»-Reihe von Ochs und Junior sind frei wählbar und sorgen damit für viel individuellen Spielraum.

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EINFACH UND KLAR Die Anzeige des Kalendertages auf der «Mesa Tinta» von Ochs und Junior geschieht «analog» und mit Hilfe von 31 ausgefrästen Punkten, die in Fünfer­ schritten auf dem Zifferblatt markiert sind.

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in der Schweiz gebaut wird, aber dennoch mit allen Wesenszügen ja zum «Jetzt» sagt. Weil sie nicht nur diskret und formal klar ist, sondern auch auf intelligente Weise einfach. Hinter dem Projekt stecken Ludwig Oechslin, Doktor der theoretischen Physik, Restaurator der bedeutendsten astronomischen Zeitmesser und Konst­ rukteur der raffiniertesten Innovationen für Ulysse Nardin, sowie das Luzerner Uhrengeschäft Embassy, das nicht nur die wichtigsten internationalen Topmarken verkauft, sondern bis weit über die Landesgrenzen hinaus einen guten Ruf für exklusive Spezialitäten (wie Haldimann, Hautlence oder Romain Gauthier) geniesst. Ludwig Oechslin, Mastermind und Namensgeber der neuen Marke, ist nicht nur ein begnadeter Konstrukteur, sondern auch einer, der die Uhrenbranche wie kaum ein anderer kennt. Schliesslich ist er auch Kurator des Musée International de la Horlogerie in La-Chaux-de-Fonds, das die Geschichte und Tradition der Schweizer Uhrmacherkunst dokumentiert, kommentiert und konserviert. Die neuen Uhren, die Oechslin nun unter seinem eigenen, leicht verballhornten Namen entwickelt, versuchen das, was die mechanische Zeitmessung so spannend macht, in möglichst klare Formeln zu fassen – das Komplexe in seiner einfachsten Darstellung. Oechslins ästhetische Maxime ist die Funktion, nicht das Design. Das Resultat sind Uhren, die hochgradig funktionell sind, ein charakterstarkes Design haben und auf neuen Wegen hergestellt werden. Uhren mit Persönlichkeit, für Menschen mit Rückgrat, die nicht primär eine wohlklingende Marke und das damit verbundene Prestige am Handgelenk haben wollen, sondern eine Uhr, die bewusst anders ist und zum Nachdenken anregt. Einen Markenschriftzug sucht man auf den schlichten Zifferblättern vergebens: das einzige «Branding» der Uhr ist ein innen im Armband mit einem echten Brandstempel geprägtes Logo. Auch auf Ziffern wird weitgehend verzichtet: Zeitmessung, so ist Oechslin überzeugt, muss sich intuitiv und ohne viel Krücken erschliessen. Charakteristisch für Oechslins Uhren sind gefräste Kreise und Punkte, die auf «analoge» und emotionale Weise das Datum, den Stand des Mondes oder – etwa im Falle der Kinderuhr «Settimana Junior» – den Wochentag anzeigen. Im Falle der «Tinta»-Baureihe ist ausserdem die Kreativität des Kunden gefragt: diese Uhr ist in allen nur erdenklichen Farbkombinationen bezüglich Zifferblatt, Zeiger und Lederband lieferbar. Dass Oechslin und Embassy auch in der Kommunikation neue Wege gehen, versteht sich von selbst: Statt auf stimmungsvolle Nahaufnahmen von Uhrwerken oder emotionale Bilder von Vätern, die ihren Söhnen ihre Uhr zeigen, setzt Ochs und Junior auf witzige Cartoons, welche die Maximen der Marke illustrieren. Dabei legt die Firma sehr viel über ihr Know-how offen und zeigt, wie sie – dank Oechslins mathematischem Know-how – auch gros­se Komplikationen der Uhrmacherkunst auf einfachste Formeln und Bauweisen reduziert. Oechslins Credo lautet: Die Reduktion der Komplikation auf die minimale Anzahl beweglicher Teile mit dem grösstmöglichen funktionellen Nutzen. Anders gesagt: Wo andere Dutzende, ja Hunderte von Teilen zusammenbauen, genügen Ludwig Oechslin gerade einmal fünf Teile und ein epizyklisches Getriebe, um den genausten mechanischen Mondphasenmechanismus einer Armbanduhr zu konstruieren.

handwerkliche Bearbeitung aufzeigen. Absichtlich lässt Ochs und Junior gewisse Dinge unverschliffen und unpoliert, um den Blick auf das zu lenken, was zählt: die Funktion der Uhr. Das Lederband ist aus natürlich gegerbtem Ecopell-Leder aus dem Allgäu gefertigt. Hergestellt werden die Uhren in Schweizer Ateliers, etwa bei Paul Gerber in Zürich, der 2005 schon Ludwig Oechslins Aufsehen erregende MIH-Museums-Uhr baute, oder in den Embassy-eigenen Werkstätten, wo der junge Uhrmacher Lukas Messerli tätig ist. Verkauft werden die Uhren von Ochs und Junior direkt übers Internet sowie exklusiv bei Embassy in Luzern – nur durch den Verzicht auf Zwischenhandel kann Ochs und Junior sicherstellen, dass seine hochgradig durchdachten, in kleinen Serien hergestellten Uhren, die zwischen 2900 und 44 800 Franken kosten, auch bezahlbar bleiben. Und selbst für diesen letzten Akt hat sich die junge Marke eine kleine Provokation ausgedacht, die zum Nachdenken anregt: Statt eine schwere Edelholzschachtel oder ein echtledernes Etui bekommt man seine Uhr nur auf einem einfachen Stück Wellkarton überreicht. Weil Ludwig Oechslin und Beat Weinmann, sein Sparring-Partner bei der Embassy, beide finden, dass der Kunde sein Geld für die Uhr und nicht für den ganzen Schnickschnack darum herum ausgeben sollte.

Die Bauteile liefert der Hinwiler Peter Cantieni, der sonst Zutaten zu Formel-1-Boliden oder Linienflugzeugen herstellt. Sichtbare Bearbeitungsspuren, wie sie etwa die Schliesse des Armbandes und die Bandanstösse des Gehäuses zeigen, sind gewollte «Imperfektionen»: solche Details sollen die Herkunft und Uhren 17

Die Uhrmacherlaufbahn des Luzerners Ludwig Oechslin, Jahrgang 1952, begann erst an der Universität, wo er Griechisch, Latein, Alte Geschichte und Archäologie studierte. Als er den Doktor machte, entwickelte er bereits Konzepte für komplexeste, mechanische Uhrwerke. Während vieler Jahre setzte Oechslin seine Ideen für die Schweizer Uhrenmarke Ulysse Nardin um. 2005 wurde er als Kurator an das Internationale Uhrenmuseum berufen. Dort lancierte er die MIH-Uhr, die stilistisch wie intellektuell der Vorläufer zu seiner neuen, eigenen Uhrenmarke Ochs und Junior war, die er zusammen mit dem Luzerner Fachgeschäft Embassy lancierte. www.gentlemensreport.com/uhren


Weniger ist mehr Text: David Torcasso Fotografie: Mert

Trotz zunehmendER technischer KOMPLEXITÄT werden AutoS wieder leichter — nur so können DIE hersteller die Umweltbe­ las­tung Im GEFORDERTEn MASS reduzieren. MOBILITÄT 18


lassen dabei aber nicht einfach Teile weg oder setzen leichtere Baustoffe ein, sondern sie verfolgen eine «Hybrid-Bauweise». Dabei soll das richtige Material an der richtigen Stelle verwendet werden. Sachlich und mit leichtem Stolz erklärt der Audi-Ingenieur Martin Schromm in einem Sitzungsraum der streng geheimen Prototypen-Abteilung, wie Audi beim neuen A6 Gewicht reduzieren konnte. Die Karosserie des um 70 Kilo abgespeckten, nunmehr 1575 Kilo schweren Autos besteht weiterhin aus Stahl in verschiedenen Festigkeiten, wird aber ergänzt mit Bauteilen aus Aluminium. Bei anderen Modellen, wie etwa dem Nachfolger des aktuellen Q7, ist das Ziel mit 350 bis 400 Kilogramm Gewichteinsparung noch ehrgeiziger. Audi ist überzeugt, dass weniger mehr ist. Das zeigt auch der diesjährige Sieg im 24-Stunden-Rennen von Le Mans, bei dem Audi nicht zuletzt dank der ultraleichten Bauweise seines Rennwagens R18 die Konkurrenz hinter sich gelassen hat und den Gesamtsieg davontrug. Richtige Mischung dank Superrechner Schromm zeigt am fabrikneuen Audi A6, der mitten in der Eingangshalle einer Produktionsstätte eisblau glänzend dasteht – und selbst von den vorbeilaufenden Audi-Ingenieuren immer wieder bestaunt wird – wo sein Team Einsparungen vorgenommen hat. Die Leitungen wurden teilweise von Kupfer auf Aluminium umgestellt. Die Räder sind nicht mehr gegossen, sondern geschmiedet. Die Türen sind aus Aluminium und 20 Kilogramm leichter, und auch beim Motor konnten die Autobauer mehrere Kilogramme einsparen.

In den vergangenen Jahren haben Autos immer mehr an Gewicht zugelegt. Mehr Technik, mehr Komfort und mehr Sicherheit musste in die neuen Modelle hineingepackt werden. Und so wiegt alleine der voluminöse Kabelstrang für die Anbindung von GPS, Medien, Bordcomputer oder Soundsystem heute so viel, dass er nur noch von vier Leuten getragen werden kann. Die Waage zeigt bei neuen Automodellen meist mehr Gewicht an als noch bei der Vorgänger-Generation. Doch Autos müssen in Zukunft leichter sein – dieser Grundsatz mahnt die Autobauer stetig, sei es von der Führungsebene oder von ethischen Käufern. Nur so lassen sich der Benzinvebrauch und der CO2 -Ausstoss reduzieren und die vielgelobte Umweltfreundlichkeit konkret umsetzen. Der Aufbruch in ein ökologisches Zeitalter wird deshalb auch vom Gewicht der Autos abhängig sein. Ultra-leicht ist der Anspruch Schaut man sich im Gebäude T22, dem gut gehüteten Herzen und Audi-Entwicklungszentrum auf dem riesigen Werksgelände in Ingolstadt um, wird klar: Leicht reicht dem Autohersteller mit den vier Ringen nicht. Bei Audi heisst das Thema Leichtbau neuerdings «Ultra». Denn leicht machen auch andere, ultra-leicht muss der Anspruch für die Zukunft sein. Die Audi-Entwickler

Der 38-jährige Ingenieur betont: «Es geht nicht darum, einfach da und dort ein Teil einzusparen oder durch ein leichteres zu ersetzen – denn das Auto muss ja mit weniger Gewicht mehr Funktionen erfüllen». Schromm und seinem Team gelingt die optimale Berechnung von Gewicht und Funktionalität dank einem Hochleistungsrechner, der in 16 Metern Tiefe vor den Produktionshallen im Boden versenkt ist. Mit Simulationen können die Ingenieure nun nicht aus den besten fünf, sondern aus den besten 500 000 Varianten auswählen. Doch nicht nur die Entwickler von Audi tragen zu leichteren Autos bei, sondern auch die Zulieferer, die in den letzten Jahren ihre Werkstoffe verbessert haben. «Als die Autohersteller vermehrt auf Aluminium setzten, wurden die Stahlproduzenten wachgerüttelt und arbeiteten unter Hochdruck an neuen Stählen», sagt Schromm. Die Werkstoffhersteller haben sich ein Wettrennen geliefert, von dem Audi letztlich profitieren konnte. Dass das Thema Leichtbau eine über das «Lebendgewicht» von Autos hinausgehende Angelegenheit ist, wird im Gespräch mit Martin Schromm klar: «Es geht eben nicht nur darum, wie wenig CO2 ein Auto während des Fahrens ausstösst, sondern man muss die Emissionen auf die ganze Lebensdauer eines Autos betrachten», sagt der Ingenieur und beginnt einige Kurven zu zeichnen. Bereits die Herstellung eines Autos setzt CO2 frei, «Wenn unsere Pressen zum Beispiel 55 000 Kilogramm auf eine Autokarosserie geben, wird schon einiges an Energie benötigt», sagt Schromm. Noch bevor ein Auto einen einzigen Kilometer gefahren sei, habe es bereits CO2 freigesetzt. «Ein umfassendes und nachhaltiges

MOBILITÄT 19


Leichtbau-Konzept beginnt daher beim Werkstoff, geht über die Herstellung des Autos und endet beim Recycling», sagt Schromm. Überall soll gespart werden, nicht nur beim Endprodukt. Nie ein reines Aluminium-Auto Der R8, Audis teuerstes Modell, besteht zum grossen Teil aus Aluminium und Karbon. Ganz zu schweigen vom neuen Lamborghini Aventador, dessen Karosserie vollständig aus Karbon gefertigt ist. «In dieser Preisklasse kann man diese Stoffe problemlos einsetzen, weil die Stückzahl gering ist», so Schromm. Bei einem Modell wie dem A6 würde die Belastung der Umwelt zu gross sein. Deshalb besteht die Herausforderung von Ingenieur Schromm nicht darin, einfach mit teurem oder schwer rezyklierbarem Werkstoff zu klotzen, sondern sich an die gegebenen Umstände anzupassen. Dass das Thema Leichtbau die Autobauer noch lange beschäftigen wird, ist für Martin Schromm klar. Aber: «Es wird nie einen Werkstoff geben, der alle Probleme auf einmal lösen kann», sagt er. In Zukunft kämen sicher auch neue Kunststoffe oder Legierungstechniken dazu, oder Materialien wie Karbon lassen sich günstiger herstellen. Es werde aber nie ein komplettes «AluminiumAuto» in Serie geben, ist sich Schromm sicher. Die Herausforderung wird in Zukunft sein, die richtige Mischung zu finden und Verfahren zu verbessern. «Stahl und Aluminium kann man nicht miteinander verschweissen. Diese Stoffe vertragen sich chemisch nicht», erklärt Schromm. Deshalb müsse man es kleben oder nieten – «irgendwann schaffen wir es aber vielleicht, auch dieses Problem anders zu lösen, weil die Stückzahl gering ist», so Schromm. 

www.gentlemensreport.com/mobilitaet MOBILITÄT 21


The Gentlemen’s Guide

Apply perfume Text: Jeroen van Rooijen

Meisterparfümeur und Duftkreateur Serge Lutens über die Kunst, als Mann souverän mit Düften umzugehen. Monsieur Lutens, wie sollte sich ein Gentleman parfümieren, welche Stellen des Körpers besprüht man am besten? Es gibt in diesem Bereich keine klaren Regeln, sondern nur persönliche Vorlieben. Jeder definiert das für sich selbst. Bei Personen wie der Romanfigur Jean Floressas Des Esseintes (aus Joris-Karl Huysmans «À rebours»), dem Dandy Beau Brummel und Schriftsteller Charles Baudelaire war das Parfum ja immer mehr als nur ein Duft, es war auch Symbol von Laster und Gefahr, und es wurde entsprechend am Körper eingesetzt. Würden Sie auch dazu raten, die Kleidung zu parfümieren? Ich würde tatsächlich nicht empfehlen, seine Kleidung zu parfümieren. Die Haut ist in der Regel frisch und gewaschen, wenn man sich parfümiert, was man von Kleidung nicht immer sagen kann. Dies verfälscht den Geruch eines Parfums, ausserdem «altert» ein Duft auf Textilien nicht gut.

Sollte ein Gentleman immer ein Parfum tragen? Ein prominenter amerikanischer Modemacher, der selber auch Parfums herstellt, behauptet ja gerne, sogar parfümiert zu Bett zu gehen … Er hält sich wohl für die Reinkarnation von Marilyn Monroe? Ein Gentleman sollte sich selbst sein, dort wo er gerade ist, mit oder ohne Parfum. Aber wie sollte ein eleganter Mann denn riechen – soll man ihn auf vier Meter Abstand wahrnehmen oder muss er bemüht sein, den Duft möglichst diskret einsetzen? Ein Gentleman, der seinen Duft mag und ihn gerne trägt, parfümiert sich nicht für andere, sondern in erster Linie für sein eigenes Vergnügen. Wie viele Düfte muss ein Mann heute haben, und sollten sie für verschiedene Gelegenheiten gewechselt werden? Wenn sich ein Gentleman an der Anzahl der Flakons messen möchte, die er besitzt, gibt er sich der höchsten Lächerlichkeit preis. So etwas macht ihn in keiner Weise anziehender. Ein Mann mit Stil sollte seine Mitte gefunden haben und sie selbstbewusst strahlen lassen. Finden Sie es ratsam, Parfums im Kühlschrank aufzubewahren? Für mich verwechselt derjenige, der das tut, die Liebhaberei mit dem Manierismus. Allerdings bin ich schon der Meinung, dass Parfums nicht in der Sonne stehen sollten und sich florale Noten noch besser entwickeln, wenn sie etwas kühler gelagert werden. Sie deswegen in den Kühlschrank zu stellen ist aber nicht nötig. Spray oder Splash? Der Macho-Typ, der sich im Stil der fünfziger Jahre mit zwei hohlen Händen von beiden Seiten das Parfum an die Wangen klatscht, ist für mich schon fast eine Karikatur. Ich selbst bevorzuge es, einen Waschlappen mit Parfum zu tränken, mich damit ausgiebig einzureiben und mich dann anzuziehen.

Serge Lutens stellt Düfte für Kenner her. Kreationen wie «Gris Clair», «Fille En Aiguilles» oder «Chergui» kosten bei Jelmoli im 50-ml-Flakon Eau de Parfum 128–159 Franken.

MEISTER D ER D Ü F TE Serge Lutens, 1942 im französischen Lille geboren, ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Kreateure von Düften. Doch ist er selbst keine «Nase» (Parfümeur), sondern ein begnadeter Arrangeur und Inszenierer von Duft- und Schönheitskonzepten. In frühen Jahren arbeitete Lutens als Fotograf, machte sich in den sechziger Jahren als Stylist und Make-up-Artist einen Namen und arbeitete mit Legenden wie Richard Avedon und Irving Penn.

HOW TO 23

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gentlemen, on your bikes Text: David Torcasso Fotografie: Philipp Mueller Styling: Philipp Junker

Das Fahrrad ist heute weit mehr als ein Sport­ gerät oder Verkehrsmittel – es repräsentiert einen neuen, urbanen Lebensstil, zu dem sich gestandene Männer begeistert hingezogen fühlen.


Thomas «Wälde» Walther, 37 Besitzer des Veloladens «Opignon» in Zürich, fährt ein Ciöcc-Bahnvelo

«Dieses Starrlauf-Velo von Ciöcc ist fürs Bahnfahren optimal geschaffen – der Rahmen ist so gebaut, dass er sehr nahe am Rad steht. Durch diese Geometrie entsteht eine einzigartige Dynamik. Ich fahre dieses Velo so gerne, weil es eine echte Herausforderung ist, den Fluss des Fahrens ohne Bremsen zu gestalten. Ich fühle mich wie eine Schwalbe und setze beim Fahren meinen ganzen Körper ein. Dies gibt mir ein unglaubliches Gefühl.»

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Hair & Make-up: Helve Leal, Nicola Fischer und Tanya Koch  Styling Assistenz: Eva Buehler und Stephanie Hille. Einen herzlichen Dank an die offene Rennbahn in Oerlikon. Mode: Al Ferano und Jelmoli (Polo Ralph Lauren, Burberry, Boss, Thommy Hilfiger, Canali, Corneliani, Drykorn, G-Star, Levis, Nike)


Harun «Shark» Dogan, 39 Urban-Art-Künstler und Inhaber der Agentur «Raw Cut» in Zürich, fährt ein FixInc-Velo

«Mein Velo entstand aus einer Zusammenarbeit mit dem deutschen Hersteller FixInc, für den ich dreissig Fahhräder indviduell mit meiner Kunst verziert habe. Die Velos wurden bei meiner letzten Ausstellung verlost. Fixies gefallen mir, weil sie eine reduzierte Ästhetik kultivieren und nicht so sehr wegen der abgespeckten Funktion, denn die beherrschen eigentlich nur eingefleischte Velokuriere.»

Marcel Iten, 46 Betreiber des «Saftlades» und der «Vitus» Biomarkthalle in Zürich, fährt ein SevenRennvelo

«Dieses Vehikel ist eines von sechs Rennvelos, die ich be­ sitze. Das exklusivste Exemplar kostet rund 17 000 Franken, wiegt aber nur gerade 5,5 Kilogramm. Ich fahre am liebsten Pässe und Bergtouren, aber verreise auch in die Ferien meist mit dem Velo. Pro Jahr lege ich rund 15 000 Kilometer zurück. Mir gefällt die Welt der Rennvelofahrer – es sind Underdogs, ein wenig wie Boxer, die sich mit einem Stahlding so richtig abrackern.» STIL 28


mein velo hat einen Charakter. Johannes Elmer

werner Ladinig, 33 Unternehmer aus Zürich, fährt ein Bianchi-Velo

«Ich mag es, wenn Dinge Geschichten erzählen und sich diese erst bei näherer Betrachtung erschliessen. Dieses Bianchi-Velo bekam ich als Geschenk, als ich nach Zürich zog. Mir gefällt, dass es ein Produkt einer tradi­ tionsreichen italienischen Manufaktur ist und dennoch eine hohe Funktionalität hat. Generell bin ich ein Typ, der versucht, alte Werte wiederzubeleben und mit einem Umweg über die Vergangenheit in die Zukunft reist, was nicht immer ganz einfach ist.»

Beda Senn, 51 Musikberater aus Zürich, fährt ein Electra-Velo

«Dieses Velo wirkt mit dem schwarzen Rahmen und dem goldenen Schriftzug sehr elegant. Es ist ein typisches Hollandrad, wie man es auch in Amsterdam sieht. Ich liebe diesen Fahrradtyp, weil man aufrecht wie auf einem Pferd sitzt. Ich sitze bequem im Sattel und cruise eher gemächlich durch die Strassen. Somit kann ich mir die Welt in Ruhe anschauen und eine Fahrt von A nach B mehr geniessen, als wenn ich mit einem Rennvelo durch die Gegend jage.» STIL 29


Daniel «Gummi» Rietmann, 32 Snowboard-Profi, Koch und Initiant der Safer-Sex-Kampagne «Gummilove», lebt in Zürich, fährt ein Villiger-Rennvelo

«Ich bin im Herzen ein Freestyler – das kommt natürlich vom Snowboarden. Auch mit meinem Rennvelo hüpfe ich über jeden Bordstein. Mit dem Velo komme ich manchmal in einen kleinen Rausch hinein: Der Fahrtwind, die Geschwindigkeit, die Weite der Landschaft. Das ist ein ähnliches Gefühl wie mit meinem Board auf einer verschneiten Piste – nur eben mitten in der Stadt.»

Beat Ettlin, 37 Inhaber des Outdoorladens «Perlavia» in Zürich, fährt ein Pashley Guv'nor

«Ich besitze eine Handvoll Velos, drei davon stehen in Kopenhagen, wo ich zeitweise wohne. Die dänische Hauptstadt ist schliesslich die europäische Velostadt schlechthin. Pashley ist eine englische Traditionsmarke, die alles von Hand und noch wie in den dreissiger Jahren baut. Das Velo ist in jeder Hinsicht wunderschön: Die Geometrie des Rahmens, die Ledergriffe am Lenker und die Gold­­ränder auf den Felgen. Es ist ein kleines STIL 30

Meisterwerk. Wenn ich mit diesem Velo herumfahre, ist jeder Tag ein bisschen wie Sonntag. Meistens habe ich auch meinen Hund dabei, der ebenfalls englischen Ursprungs ist und mit seinem schwarzbraunen Fell sogar farblich ideal zu diesem Velo passt.»


Silvan Meiler , 23 arbeitet bei einer Media-Agentur in Zürich, fährt ein faltbares Coronado-Velo

«Obschon ich könnte, klappe ich mein altes CoronadoFaltrad nie zusammen. Für mich steht der Komfort dieses Velos im Vordergrund: Mit einem Renner mag man wohl bestimmt schneller unterwegs sein, aber mit meinem ‹Babyvelo› sitze ich aufrecht und habe so einen besseren Überblick über den Verkehr und das Treiben in den Strassen. Zudem kann ich blitzschnell absteigen, und das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit.»


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Walter PFeiffer, 65 Künstler und Fotograf aus Zürich, fährt ein altes MBK Mirage

«Ich bin schon immer Velo gefahren. Früher, als ich noch jung war und noch auf dem Land wohnte, sass ich jede Woche stundenlang im Sattel. Heute habe ich leider wegen meinen Reisen und vielen Verpflichtungen kaum mehr Zeit, mich aufs Velo zu setzen. Doch ehrlich gesagt möchte ich auch nicht mehr so viel Velo fahren, denn in der Stadt ist es heute recht gefährlich geworden.»

Florian Raschke, 31

Johannes Elmer, 28

Maschineningenieur aus Zürich, fährt ein komplett selbst gebautes Velo

Mitbetreiber des «Café Sisu» in Zürich, fährt ein selbstgebautes Rennvelo

«Ich habe eine ganze Sammlung von Velos – vier davon sind derzeit fahrbereit. Dazu gibt's unzählige Einzelteile. Ich habe einen Bürojob, bin aber im Grunde ein Bastler. Das Velobauen gibt mir Ruhe. Wenn ich meine Hände zwischendurch etwas schmutzig mache, dann tut mir das gut. Ich würde mir nie ein Velo im Laden kaufen, das ist mir zu einfach. Das Velo drückt jetzt etwas von mir aus, weil es individuell ist.»

«Ich habe einen alten «Racer»Rahmen von einem befreundeten Kurier abgekauft und die Teile selbst angebaut. Das Velo ist für mich ein perfektes Fortbewegungsmittel für die Stadt. Du bist flink, schnell und kommst überall rechtzei­ tig an. Mein Velo hat einen Charakter und es macht mir Spass, dies auf der Strasse auszuleben. Die Spannung der Strasse überträgt sich auf meinen Körper, und das ist jeden Tag wieder ein gutes Gefühl.»

Dominik «Dodo» Stucki, 20 Velokurier bei «Flash» in Zürich und Rennvelofahrer, fährt ein selbstgebautes Cilo-Rennvelo

«Ich fahre Strassen- und Bahnrennen und bin Mitglied der Schweizer Bahnnationalmannschaft. Ich besitze fünf Rennvelos, für die Freizeit sowie für meinen Sport. Das Teuerste hat wohl 12 000 Franken gekostet. Ich habe auch ein Starrlauf­ velo und möchte mir bald noch ein weiteres Fixie bauen. Pro

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Woche trainiere ich etwa vier­ zehn Stunden, denn ich möchte Profifahrer werden, und gebe mir drei Jahre Zeit dafür, diesen Plan umzusetzen. Gute Resultate bei Rennen machen mich glücklich. Und natürlich bin ich durch den Sport schon in viele spannende Länder gekommen.»


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Mr. L.A. Text: Hannes Grassegger

Er ist der Lieblingskünstler der Hollywood-Stars und seine Kunst verkörpert geradezu die grenzenlose Stadt Los Angeles. Zu Gast bei Doug Aitken.

Seine Werke sprengen Grenzen – er bleibt casual. Der hochgeschossene, schlanke Mann in T-Shirt, schmalen Jeans und Stoffschuhen, der uns durch seinen schattigen Steingarten führt, vorbei an meterhohen Leuchtbuchstabenskulpturen YES, SEX, ART, ist einer der bekanntesten Künstler der USA und der Darling Hollywoods. Einer der dort weitergeht, wo Filmemacher in Genres bleiben müssen. Manche sagen, Doug Aitken sei ein Regisseur, als Künstler getarnt, um mit dem Filmbusiness zu spielen. Und das Business spielt mit. Chloé Sevigny, Tilda Swinton, John Baldessari, Robert Altman, sie alle kamen schon, wenn Aitken rief. Seine Arbeiten und Videofragmente inszeniert er in ausufernden architektonischen Installa­ tionen. Performances sowie Bild- und Fotostrecken zeigte Aitken im New Yorker MOMA, in der Londoner Serpen­ tine Gallery oder auf der Art Basel, so 2010 in der «Art Unlimited». «Frontier» hiess seine hausgrosse Videoskulptur, ein weisser Kasten, von innen bespielt mit Videos die den kalifornischen Kunst-Übervater Ed Rusha zeigten. Mr. Aitken, Jahrgang 1968, versteckt sein Studio in Venice Beach hinter jungem Bambus. Er nennt es seinen «Workshop». Erfolgsmensch Aitken überrascht in der sonst manchmal trockenen Kunstwelt durch seine entspannte Nonchalance, weiche Sprache und jugendliche Art. Durch seine Adern fliesst der Spirit von Los Angeles, dieses die Grenzen immer verschiebende, dezentrale, nur lose regu­ lierte Stadt-Wesen, das man am besten versteht, wenn man nachts über diese Frontstadt der westlichen Welt fliegt. Wie eine Welle aus Licht flutet die Metropole die sie umgebende Wüste, fliessend, gleichzeitig platinenhaft gerastert durch funkelnde Strassenzüge. Nirgends ist ein Zentrum auszumachen. Der britische Architekturtheoretiker Reyner Banham versuchte einst diesen Geist zu erhaschen, nach dem alle suchen, die sich auf der Suche nach dem Zentrum von L. A. verloren haben. L. A., so Banham, sei ein System aus vier Bezugspunkten: Strand, Strasse, Hügel und Ebene. Doug Aitkens vier künstlerische Elemente sind Film, Struktur, Ton und Bewegung. «Das ist der Blick auf meinen Gebur tsor t Redondo Beach, im Süden von Los Angeles»

Doug Aitken, 43 Doug Aitken wurde in Redondo Beach in Kalifornien geboren und gehört heute zu den renommiertesten Vertretern der zeitgenössischen Kunst. Mit seiner preis­gekrönten Videoinstallation «Electric Earth» erregte er 1999 an der Biennale in Venedig erstmals grosses Aufsehen.

erklärt Aitken den Bildschirmhintergrund seines Computerbildschirms. Auf seinem Schreibtisch liegt ein Stapel Schallplatten. Los Angeles ist eine Musikstadt. Letztes Jahr inszenierte Aitken hier ein Zusammenspiel von Beck mit dem brasilianischen Musikgott Gaetano Veloso. An der Wand, über Aitkens Skizzenbrett hängt ein Schriftzug: «Vulnerable», verwundbar. Die Buchstaben sind ausgeschnitten aus einem Pazifik-Panorama. Die Lesezeichen seines Browsers sind Seiten die den Wellengang anzeigen. Das alles, was er da vorantreibt, ein Ende haben kann, realisierte Doug Aitken schon mit Ende zwanzig. An einem Tag im Ozean. Stoppen konnte es ihn nicht.

« I ch sur f e n ur g e l e g e nt lich . » Es bleibt auch wenig Zeit dafür. Doug ist gerade zurück aus dem Libanon. Davor, Ende Juli, realisierte er in Griechenland, inmitten der Strassenkrawalle und Verteilungskämpfe, «Black Mirror» eine seiner grössten Performances anhin. Wer dachte, dass Aitkens fast sportKULTUR 39


platzgrosse ­Videoprojektionen an New Yorker Hochhäusern von 2006 («Sleepwalkers») kaum zu überbieten sind, irrt. Doug Aitken geht immer ein Stück weiter. «Wir haben diese ausrangier te Fähre zu einem Theater umgebaut. In der Mitte ist Chloé (Sevigny). Sie spielt in einer Ar t of fenem Hotelzimmer-Setting, umgeben von Videoprojektionen, die ich mit ihr unter anderem in Mexiko geschossen habe. Das Schif f f ähr t. Alles ist in Bewegung.»

Die fragmentartigen Videoskizzen des Kaliforniers, der 1999, mit nur dreissig Jahren, einen Goldenen Löwen in Cannes gewann, verlangen dem Betrachter einiges ab. Immer wieder wähnt man sich nahe am Verständnis, dann kommt ein sanfter Schnitt. Wie gewann Aitken den Weltstar Chloé Sevigny? Denn mit einem Bein leben auch Künstler in der Realität von Einnahmen und Ausgaben. Aitken, der ständig um die Welt reist, unterhält ein Studio mit vier bis fünf Assistenten. «Doug Aitken» steht für ein kleines Unternehmen. Kennt es finanzielle Grenzen? «Ideen sind stärker. Chloé wollte kein Geld. Mit ihr arbeitete ich schon Anfang der neunziger Jahre, vor ihrem Durchbruch in «Kids ». Stars sind auch einfach nur Menschen. Und wenn das Konzept diese Menschen überzeugt, verschwinden f inanzielle Limits. Dabei war die Vorbereitung, des Videodrehs mit Chloé in Mexiko Cit y eine mörderische Anstrengung. Ich hatte diesen radikalen Zeitplan aufgestellt, pro Tag Drehs in je fünf Hotelzimmern. Chloé hatte nur minimale Text vorgaben, der Rest war ihre Improvisation. Wenn ich dran bin, setze ich Grenzen nur um sie zu überschreiten. Dann will ich immer weiter, bis zur Erschöpfung. »

S leepwalkers ( 20 07 ) Doug Aitkens 13-minütiger Videozyklus, in der u. a. Tilda Swinton eine Hauptrolle spielt, war die grösste Videoinstallation, die das Museum of Modern Art in New York je zeigte.

Was war die Idee? «Es geht um unser modernes Leben. Wir sind ständig in Bewegung, aber immer in dieser uns begleitenden Wolke aus Informationen. Ich wollte das ref lektieren. Mitten in der Per formance auf dem Boot kommen Statisten aus dem Publikum und bauen die Holzträger ab, die Struktur von Chloés Zimmer. Zurück bleibt sie mit den Bildern. Das Werk hat sich aus einer Opernhausauf führung in Basel 2009 entwickelt, in der mehrere Figuren auf tauchten. Mir gef iel der Gedanke, eine Bühne zu bespielen, doch jetzt wollte ich eine Persönlichkeit im Zentrum, die etwas verkörper t.»

Fliessend entwickeln sich Doug Aitkens Werke, eines aus dem anderen. Was sie auf den ersten Blick eint, ist die Dimension. Für die Klangskulptur «Sonic Pavillion» in Südost-Brasilien liess Aitken vor ein paar Jahren ein 200 Meter tiefes Loch bohren, um mittels eines Mikrofons die Erde zu belauschen. Doch das vordergründige Spiel mit der Grösse ist eben nicht der Kerngedanke von Aitkens Kunst. Wer L. A. verstehen will, muss anders denken. Dezentraler. Manche vermissen bei Doug Aitken den Handlungsfaden, so wie sie bei L. A. das Zentrum vermissen. Und hier liegt seine künstlerische Befreiung von Einschränkungen.

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L ast blast ( 20 0 8) Von der rückbeleuchteten Videobox mit Kraftworten baute Aitken vier Stück. «Manche Menschen wollen eine straighte Stor y, etwas Geradliniges. Aber ist es wirklich so, dass nur in einer linearen Stor y Wahrheit liegen kann? Ist mein Leben wirklich wie ein neunzigminütiger Film oder ein zweihunder tseitiger Roman? Oder sind das nur Formate? Ich sehe überall Leute, die Formate reproduzieren, um ihre Idee reinzupacken. Warum denken sie, sie müssten innerhalb eines Formates eine Idee er forschen? Kann nicht auch ein Format selber er forscht werden? Und ist das Drif ten nicht Teil des Lebens? Wir führen dieses Gespräch, und es ist wahrscheinlich, dass während dieser Zeit, die wir verbringen, unsere Gedanken anfangen zu wandern. Das Verlassen der Linearität, das Drif ten, ist essentiell. » M igration ( 20 0 8) Für einen weiteren Kunstclip filmte Doug Aitken Wildtiere in Hotelzimmern. Der Biber suchte rasch den Weg zum Wasser.

Aber ist der künstlerische Prozess nicht jeweils einer des Setzens von Grenzen, des Ein- und Ausschliessens, um der Idee eine präzisere «Form» zu geben? «Kunst dreht sich nicht ums Eingrenzen. Ich nutze Grenzen in meinem Arbeitsprozess, um sie zu sprengen. Es geht um Reibung. Reibung kann nur dor t stattf inden, wo zwei oder mehr Elemente sich tref fen und bewegen. Daraus entsteht Energie.» www.gentlemensreport.com/kultur KULTUR 41


Wally power 118 superyacht Text: Jeroen van Roojien

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Die Wally Power 118 ist die Rennyacht H schlechthin. Sie hat ein martialischparamilitärisches Design, fährt so I schnell wie ein AutoI auf der Autobahn und kostet 14 Millionen Franken.

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Eine Wally zu besitzen ist kein billiges Vergnügen – schon der kleinste Tender aus der Werft des in Monaco ansässigen Yachtbauers Luca Bassani, die Wally One, kostet mit gut 600 000 Franken ein Vielfaches dessen, was andere für vergleichbar 13 Meter Länge verlangen. Stilistisch oriK sie sich, wie alleKSchiffe des selbstentiert bewussten Herrn Bassani, an dessen bisher L und extremsten Wurf, der spektakulärsten Wally Power 118, aus dem Jahre 2002. Die 36 Meter lange Poweryacht schockierte die Fachwelt durch ihr aggressives, an Tarn­ kappenbomber erinnerndes Techno-Design und seine überwältigende Leistung.

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Das Schnellboot wird von drei Gasturbinen mit einer Leistung von gut 16 700 PS sowie zwei Cummins-Diesel­ motoren mit einer Power von 740 Pferdestärken übers Wasser gejagt. Sie erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 60 Knoten, resp. 111 km/h, und gilt damit als schnellste Yacht der Welt. Allerdings blasen die fünf Motoren unter Vollast auch einen Liter Diesel pro Sekunde in die Luft, sodass der Tank bei Fullspeed nach 380 Seemeilen leer ist. 2005 hatte die Wally Power 118, von dem bis dato nur ein einziges Exemplar gebaut wurde, einen Auftritt im Kinofilm «Die Insel» mit Scarlett Johansson und Ewan McGregor. Seit dem Frühjahr 2011 steht die berühmte Superyacht bei Edmiston zum Verkauf: rund 14 Millionen Franken sollte man dafür bereit liegen haben, sowie natürlich einen entsprechend dimensionierten Liegeplatz, vorzugsweise nicht am Türler- oder Greifensee.

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Deutlich günstiger, nämlich für etwa 20 Franken, lässt sich dieser populäre Männertraum realisieren, wenn man die E Wally Power 118 mit dem hier abgebildeten Schnittbogen selber baut, etwa im Massstab 1:40. Einen Bogen robusten Graukarton bekommt man für sieben Franken, das F Skalpell zum Zuschneiden für etwa fünf Franken und eine Tube Leim für drei Franken. Mit etwas Geschick ist das Boot in rund vier Stunden bereit zum Stapellauf.

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Für ambitionierte Freizeit-Bootsbauer steht auf der Homepage des Gentlemen’s Report eine detaillierte Bauanleitung zum Download bereit.

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Zum Geniessen und Weiterempfehlen. Ein Gentleman geniesst und schweigt, heisst es. Doch das stimmt nicht immer. Insbesondere dann nicht, wenn er das perfekte Bier f端r sich entdeckt. Da kann es, mit Verlaub, durchaus auch mal passieren, dass er es in seiner Begeisterung weiterempfiehlt.

Das Schweizer Amber-Bier


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Erh채ltlich im Schweizer Detailhandel sowie in ausgew채hlten Bars und Restaurants.


DIE HERREN, ENTSCHEIDEN SIE SICH Fotografie: Marie-Christine Gerber  Styling: Marisa Pichler

Wo investiert man in dieser turbulenten Zeit sein Geld am besten? Griechenland oder Gold? Apple oder ABB? Wir haben zusammen mit unseren Finanzfachleuten fünf thematische Baskets zusammengestellt, deren Performance wir bis Ende Jahr genau verfolgen.

Die globalen Finanzmärkte sind derzeit geprägt von einer äusserst unsteten Entwicklung. Betroffen von dieser Berg- und Talfahrt sind Aktien, Obligationen, Devisen und Rohstoffe gleichermassen: Nach einem starken Jahresauftakt verloren die allermeisten Indizes an Schwung. Die Ereignisse in Japan, die Umwälzungen in Nordafrika, im Nahen und Mittleren Osten sowie der neuste Schulden-Fieberschub in Europa, kombiniert mit der nach wie vor drückenden Überschuldung in den USA, lässt auch krisenresistente Anlageprofis nicht kalt. Umso mehr gilt es jetzt, die Ruhe zu bewahren und die persönliche Anlagestrategie nicht aus den Augen zu verlieren. Sonst wird aus dem geplanten Besuch in der Massschneiderei an der Londoner Savile Row schnell ein nüchterner Trip in die nächstgelegene Outlet-Factory.

01 Griechenland 02 Schweiz 03 China 04 USA 05 Gold

Wie also, und viel wichtiger, wo investiert der geneigte Gentleman im zweiten Halbjahr 2011 sein Vermögen? Die Anlage­ experten der Bank Vontobel haben, stellvertretend für die Vielzahl an Möglichkeiten, fünf Themenbaskets (Griechenland-Bonds, Schweizer Aktien, China, US-Aktien, Gold) zusammengestellt, deren Performance im vierten Quartal des Jahres 2011 für die Leserinnen und Leser des Gentlemen’s Report genau verfolgt wird. Wer im Gewinnspiel auf den richtigen Korb tippt, gewinnt Gold.

Wo würden Sie investieren? Wer bis Ende Oktober richtig tippt, gewinnt vielleicht eine Feinunze Gold. Wettbewerb und Teilnahmebedingungen unter www. gentlemensreport.com/finanz

Gentlemen, place your bet. Entscheiden Sie sich für einen Basket. Sind Sie der sicherheitsorientierte Anleger (Gold), der solide Investor (Aktien), der auf Wachstum fokussierte Spekulant (China) oder der Risikosuchende und gegen den Trend wettende Gambler (Griechenland)? Ihnen ist natürlich klar, dass hier in erster Linie dem Spieltrieb gefrönt wird. Wer sein Vermögen auf einer breit abgestützten Expertise investiert und/oder verwaltet wissen will, vereinbart einen persönlichen Termin bei einem Kundenberater von Vontobel Private Banking. Denn wie sagte schon der Börsenguru André Kostolany: «Wenn alle Investoren auf eine angeblich todsichere Sache spekulieren, geht es fast immer schief.»

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Griechenland: BondBasket

Schweiz: AktienBasket

Die Meinungen sind gemacht, alle sind sich einig: Griechenland ist wirtschaftlich ein hoffnungsloser Fall. Der Bankrott ist eine sichere Sache, nur der Zeitpunkt ist noch unklar. Diese Aussicht widerspiegelt sich auch im Wert griechischer Anleihen, die schon einen sicheren Ausfall implizieren. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Griechenland zahlungsunfähig wird; Dies ist in den vergangenen Jahrhunderten schon mehrfach passiert. Die Geschichte wiederholt sich. Oder vielleicht doch nicht? Wann immer die Herde von Investoren in die gleiche Richtung marschiert, ist Vorsicht angesagt. Es gibt für Griechenland gegenüber früher einen wichtigen Unterschied: Griechenland ist nicht mehr alleine. Griechenland ist Teil der europäischen Idee, der europäischen Einheit. Und diese Einheit wehrt sich vehement gegen ein Auseinanderbrechen. Wenn der Druck am grössten und die Nacht am dunkelsten ist, werden sich sogar die trägen europäischen Politiker zusammenraufen und eine europäische Lösung finden, die die strukturellen Defizite der jetzigen Union beseitigen wird. Dieser Entscheid ist schwierig und schmerzhaft, weil er mit gewissen Einschnitten in die Souveränität der einzelnen Länder einhergehen wird, aber er wird für alle europäischen Mitglieder eine längerfristig attraktive Perspektive darstellen. Griechenland wird zur neuen europäischen Union dazugehören und die momentan am Boden bewerteten griechischen Anleihen werden – zur grossen Überraschung der Herde – die beste Anlage über die folgenden Monate sein!

Und die Schweiz ist eben doch eine Insel! Während sich unsere nächsten und nahen Nachbarn mit immensen Staatsschulden und politischen Irrungen und Wirrungen herumschlagen, ist und bleibt die Schweiz ein Ort von Stabilität und hoher (Lebens-)Qualität. Viele Unternehmen gehören zu den Marktleadern in ihren Bereichen und zeichnen sich durch hohe ethische und unternehmerische Ansprüche aus. Die seit Jahrzehnten vorangetriebene Internationalisierung vieler Schweizer Firmen trägt jetzt Früchte: Trotz geringer Wachstumsraten im europäischen Wirtschaftraum profitieren Schweizer mehr denn je von ihrer starken Marktstellung in den Wachstumsländern in Asien und teilweise auch in Lateinamerika und Osteuropa. Der starke Schweizer Franken, als Ausdruck der Schweizer Solidität und Gesundheit, stellt eine hohe Herausforderung für die exportorientierten Unternehmen dar, doch ist die Stärke des Frankens seit jeher auch ein nicht unwesentlicher Antrieb für die hohe Innovationskraft hiesiger Unternehmer. Zudem werden durch überdurchschnittliche Ausbildungsstätten lokal und international tätige Talente angezogen, die für die Schweizer Wirtschaft einen unschätzbar wichtigen Nachschub an Wissen und Unternehmertum liefern. Auslän­dische Investoren werden sich in naher Zukunft noch vermehrt der Attraktivität vieler Schweizer börsen­ kotierter Gesellschaften bewusst werden, weshalb der Schweizer Markt als Insel in Europa über die nächsten zwölf Monate die beste Anlage sein wird.

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China: SchwellenlandBasket

Das Reich der Mitte hat die mit Abstand höchsten Wachstumsraten aller Industrienationen. Während wir in den westlichen Hemisphären mit allen monetären und fiskalischen Massnahmen versuchen ein Fünkchen Wachstum zu generieren, besteht in China die Herausforderung darin, eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern. Diese Befürchtungen sind der Hauptgrund, weshalb die chinesische Börsen eine Verschnaufpause eingelegt haben. Doch die Angst ist ungerechtfertigt, denn China ist durch die zentralistisch aufgebaute Führung, welche (wirtschaftliche) Entscheidungen schnell und pragmatisch trifft, sehr effektiv in Sachen Wirtschaftspolitik. Strukturelle Probleme oder eine potenzielle Inflation können schnell und zielgerichtet angegangen werden. Zudem sind die 1.3 Mrd. Einwohner ambitioniert und leistungsfähig und werden dafür sorgen, dass die chinesische Wachstumslokomotive auch weiterhin kräftig zieht. Auch wenn die Exportindustrie durch die Schwäche der USA und Europas etwas an Fahrt einbüssen wird, kann das durch ein steigendes Binnenwachstum mehr als ausgeglichen werden. Denn der chinesische Konsument erwacht, die Ansprüche an den eigenen Lebensstandard steigen. Und das Politbüro wird durch griffige, undemokratische Massnahmen dafür sorgen, dass der chinesische Schnellzug nicht entgleist. Die Börse wird dieser Kraft wieder vermehrt Rechnung tragen und den chinesischen Markt zum klaren Outperformer über die nächsten Monate machen.

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USA: AktienBasket

Die USA sind die grösste Wirtschaftsnation der Welt. Zwar ist die Staatsverschuldung beunruhigend und die Arbeitslosenquote nach wie vor überdurchschnittlich hoch, doch kommen die USA ja auch gerade aus der schwersten Wirtschaftsund Finanzkrise seit der grossen Depres­sion in den dreissiger Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Die USA befinden sich nicht zum ersten Mal in Schwierigkeiten; Banken und Finanzkrisen gehören zu Amerika wie Hamburger und Baseball. Es sind vor allem die Krisen, welche die amerikanische Erfolgsstory ausmachen. Krisen sind lehrreich und bilden durch den kreativen Prozess des Niedergangs und der Erneuerung das evolutionäre Fundament der Verbesserung. Auch dieses Mal wird es nicht anders sein. Obwohl viele schon den Untergang des amerikanischen Zeitalters prognostizieren, werden sich die USA erholen und stärker denn je aus diesem Schlamassel hervorgehen. Wieso? Kein anderes Land verfügt über eine solche Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit. Zudem sind die USA in kürzester Zeit zu grossen Entscheidungen fähig – etwas, was man von der EU nicht behaupten kann. Schon Henry Ford wusste: «What’s right about America is that although we have a mass of problems, we have great capacity – intellect and resources – to do something about them». Deshalb werden die USA die Anleger durch entschlossene Massnahmen und ihren unbän­digen Erfolgswillen positiv überraschen, was sich durch die beste Performance aller Anlagen an den Börsen manifestieren wird. FINANZ 46

Die Beratungsmandate von Vontobel Private Banking, dem Finanz-Kompetenzpartner des Gentlemen’s Report, kombinieren das Beste aus zwei Welten: Eine leistungsfähige IT-Lösung, gepaart mit der persönlichen Erfahrung und Expertise der Kundenberater. Anlassbezogen erhält der Kunde passende Kaufund Verkaufsempfehlungen. Das Portfolio wird dabei täglich systemgesteuert überwacht.


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Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muss ihm entgegengehen. Gentlemen’s Financial Behaviour Rule No 1 (Aristoteles Onassis)

Gold: EdelmetallBasket

Gold wird schon seit Jahrtausenden als Zahlungsmittel verwendet. Kulturen und Imperien kamen und gingen, doch Gold hat nie an Bedeutung verloren. Es wird über alle Grenzen hinweg als Zahlungs­ mittel akzeptiert, ist allgemein verfügbar und einfach transportierbar. Der Wert des Goldes glänzt vor allem in schwierigen Zeiten; während Kriegen und Katastrophen steigt der Wert des gelben Edelmetalls an. Während vergangener wirtschaftlicher Krisen hat sich Gold als sicherer Hafen bewährt. Auch in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise ist der Wert des Goldes bereits stark angestiegen. Seit der Goldstandard aufgelöst wurde, gibt es keine Beschränkung der Zentralbanken, Papiergeld in Massen zu produzieren – zum Schaden von Kreditgebern und andern Gläubigern. Das Misstrauen der Anleger gegenüber Staaten, die ihre Schulden durch das stetige Drucken von Papiergeld zu lösen versuchen, steigt –  und mit ihm der Wert des Goldes. Während Politiker und Zentralbanken in der westlichen Hemisphäre debattieren und parlieren, statt die Probleme im Kern an­zugehen, freuen sich die Investoren, die statt in Aktien oder (Staats-)Obligationen in Gold investieren. Goldinvestoren profitieren von Unsicherheiten an den Märkten – Angst und Panik erhöhen den Goldpreis. Und da weder die hohe Staatsverschuldung in den USA noch die strukturellen Probleme in Europa in absehbarer Zukunft gelöst werden, wird der Wert des Goldes weiter kontinuierlich ansteigen und alle andern Anlagen in den nächsten zwölf Monaten in den Schatten stellen. www.gentlemensreport.com/finanz

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Bekleidung nach Mass

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DIE NEUE BIERKENNERSCHAFT Text: Martin Wartmann窶ェotografie: Thomas De Monaco

Bier hat sich dank gehopften Spezialitテ、ten vom gleichfテカrmigen MassenARTIKEL zum Geniesserprodukt fテシr Kenner entwickelt. Eine Spurensuche nach dem Wandel der Bierkultur in der Schweiz. GENUSS 52


Man erinnert sich noch an die Stammtisch-Streitgespräche: Was wohl das bessere Bier sei, Feldschlösschen, Haldengut oder Hürlimann. Wädenswiler war bitter, Calanda trank man im Militär. «Schtange» und «Chübeli», dicke Bierteller und Stumpenrauch begleiteten diese hitzigen Diskussionen. Zuhause rümpfte Frau die Nase: Bier war nach ihrer Meinung Proletarier- und BauarbeiterGesöff. Man hört die abschätzige Antwort heute noch, meist von Damen nahe dem Pensionsalter: «Bier? Nein, bei uns nicht. Und wenn, dann nur im Sommer, wenn’s ganz heiss ist, einen kleinen Schluck, gut gespritzt …»

Ein wahres GaumenTraining

Irgendwann in dieser grauen Kartellzeit, mitten in der Monotonie der «Lager hell» und «Spezli», kam die Idee, es doch mal anders rum zu versuchen. Fünfzig Prozent der Schweizer Bevölkerung trank nämlich gar kein Bier. Ein riesiges Potential! Wäre es nicht einfacher, mit denen zu reden, statt den Herren am Stammtisch zu erklären, dass sie über Marken streiten, deren nach fast gleichen Rezepten gebrauten Lager-Biere eigentlich austauschbar waren? Was für ein Bier würde wohl den «Nichtbiertrinkern» schmecken? Den Geniessern, die mit «Schtange hell» und Bügelverschluss nichts anfangen konnten? Aus dieser Idee entstand Anfang der achtziger Jahre das erste Amber-Bier der Schweiz – die fein gehopfte, aromatische, brillant-glänzende, bernsteinfarbene Bierspezialität Ittinger. Bei Kennern machte sich die Marke rasch beliebt. Man sprach über das «neue» Bier. Und die Bierspezialität erfreute sich sehr schnell einer grossen Fan-Gemeinde. «Amber» wurde zum Gattungs­begriff. Heute schreibt fast jede Brauerei auf ihr halbdunkles Bier den StilBegriff «Amber». Die kleinen Wilden In den boomenden neunziger Jahren verlustierte sich die In-Szene mit Cüplis. 10 Franken das Gläsli. Weil die so klein und schnell leer waren, gab’s nach einem erfolgreichen Arbeitstag happige Apéro-Rechnungen. 100 Franken waren schnell weg. Plötzlich drehte der Wind. Es wurde kalt an der Börse, das Sackgeld wurde knapp. Das war die Stunde der Bierspezialitäten: für acht Franken gab’s in der anderen Bar als Alternative zum Cüpli ein gepflegtes Bier – zum Beispiel das neue, unbekannte Ittinger. «Kennst Du es nicht? Schmeckt prima. Ich zahl’ Dir eines.» Und alle sahen das auffällige, andere Label, das anzeigte, dass hier kein «billiges» Bier weggespült wurde. Als «Bierkenner» rettete man nun mit halben Kosten und ohne Gesichtsverlust den Abend. Ein neuer Markt entstand. In gepflegten Szenenlokalen, in Clubs und an Partys, in Kühlschränken der Konzernsitze und Bierläden, an der Biermesse – überall tauchten sie plötzlich auf, die kleinen «Wilden» der Bierwelt. Die Belgier mischten mit. Bald folgten die ersten Amerikaner. Die Vielfalt nahm zu – und damit das Interesse. Bierkenner sein wurde im jungen, sprachkundigen, gut verdienenden und weltgewandten Segment zum Stilmerkmal. Es entwickelte sich still und leise eine dynamische Bierkultur, die in Dutzenden von Startups gipfelte. Und auch die Emanzipationswelle liess nicht lange auf sich warten: leichtes mexikanisches Bier mit Zitronenschnitz oder Bier mit Tequila-Geschmack, Lemon-Beer, sexy Flaschen – die Girls enterten die Bierwelt. Allerdings: süss musste es sein. Die Antwort der Industrie auf diesen Trend waren Citrus-, Pfirsich-, Aprikosen- und Mango-Aromen, ungehopfte Draft-Biere und extraktreduzierte Leichtbiere in modisch gestylter Verpackung.

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Der Hopfen macht den Unterschied Bis heute sind die echten, schön gehopften, schaumintensiven, brillanten Bitterbiere aber die Domäne der Männer geblieben. Die Verwendung von Aromahopfen, wie ihn die Kartause Ittingen im Hopfengarten vor den Klostermauern seit zwanzig Jahren exklusiv für Ittinger anbaut und pflegt, ist von grosser Bedeutung. Erst der qualitativ hochwertige und richtig gemischte Hopfen gibt dem Bier seinen unverwechselbaren Charakter. Die gehopften Biere sind Stolz und Geheimnis jedes Braumeisters. Die richtige Mischung von Bitter- und Aromahopfen, Zeitpunkt und Kochzeit erfordern Wissen und Erfahrung. In früheren Zeiten setzte man viel Hopfen ein, weil er Bier vor dem Sauerwerden bewahrte. Deshalb begleiteten stark gehopfte Biere Seeleute und Piraten über die Meere der Welt, oder Siedler durch die Wüsten des Westens. Doch damals gab es nur zwei Varianten: Verdursten oder Bitterbier. Bitterbiere schmecken nicht jedem. Bis man hinter die letzten Geheimnisse eines echten India Pale Ale oder Russian Imperial Stout kommt, braucht es Zeit und Erfahrung. Mit der Zeit öffnet sich dann eine Wunderwelt an Geschmacksnuancen. Die Palette reicht vom berühmten CascadeAromahopfen mit der typischen Zitronengrasnote aus dem kalifornischen Yakimatetal bis zum trockenen Abgang aus dem englischen First-Gold Bitterhopfen im schwarzen Stout. Die Kunst des wahren Bierkenners ist es darum, mit Freunden und Profis den verschiedenen Aromen im Pale Ale nachzuspüren: Kommt die Nuss-Note vom Cascade – oder war es doch Hallertauer? Geforderter Geschmackssinn Heute betreiben Bierkenner ein wahres Gaumen-Training mit Bier-Spezialitäten. Die Kombination von süss und sauer, bitter und salzig fordert unserem Geschmackssinn einiges ab. Es gibt tausende von Bieren, und rund sechzig Bierstile. Die grossen Biernationen Deutschland, Belgien und England bilden das Dach, mit norddeutschem Pils, bayrischem Weissbier, belgischen Trappistes und englischen Stouts und Ales. In Nordamerika haben Siedler aus allen Ländern das Wissen um alte Bierrezepte am Leben erhalten. Sie sind heute die Basis einer wachsenden Fan-Gemeinde von Bierkennern, Geniessern und Liebhabern. Und nun schwappt dieser Trend auch zu uns in die Schweiz. Es wird Zeit, sich damit zu befassen. Spätestens wenn einem der Barman bei der nächsten Bestellung seine zwölf Biere aufzuzählen beginnt, ist klar, was es geschlagen hat. Cheers!

GENUSS 55

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The Gentlemen’s Guide

Tulpen oder schlanke Stangen gebräuchlich, nie aber ein Glas mit Henkel. Muss man das Glas vorher abspülen und temperieren? Am besten ist es, ein sauberes, kalt gespültes Glas mittels Bierdusche nochmals kalt auszuspülen, damit bringt man definitiv die letzten Reste Waschmittel raus und kühlt das Glas um 1–2 Grad runter, so erhält man das «Krägli», das einem Bierfreund anzeigt, dass das Glas absolut sauber war.

Drink beer Text: Jeroen van Rooijen

Beat Hofmeister, ist Bierfachmann und Markenbotschafter der Bierspezialität Ittinger. Sein Bier trinkt er niemals aus der Flasche, und nie mit Cola. Beat Hofmeister, wie schmeckte Ihr erstes Bier? Das war 1978, und es schmeckte bitter und frisch. Trinken Sie Bier heute anders als damals? Heute trinke ich Bier mit Leidenschaft und als Genussmittel, nicht als Durstlöscher. Ich probiere je nach Gelegenheit auch gerne verschiedene Bierstile aus. Trinkt man ein zeitgenössisches Genuss- oder Spezialitätenbier aus der Flasche oder aus dem Glas? Ein Bier sollte man immer aus dem Glas trinken, ansonsten gehen Auge und Nase verloren, bei Genussbieren im Speziellen. Wie soll das Glas beschaffen sein? Das kommt auf den Bierstil an. Genuss- oder Spezialitätenbiere trinkt man aus Gefässen, die einem Weinglas nahe kommen, sonst sind auch

Wie schenkt ein Kenner wie Sie sein Bier ein? Wenn es aus der Flasche kommt: Schräg ansetzen, nicht zu langsam eingiessen, damit eine gute Schaumentwicklung entstehen kann und dann senkrecht auffüllen. Grundsätzlich soll man lieber etwas zuviel Schaum zulassen, damit man noch an der Krone arbeiten kann. Bevor man diese zu Ende «aufschichtet», soll man das Bier eine halbe Minute setzen lassen.

Ittinger wird nach einem alten Rezept aus vier verschiedenen Gersten- und Weizenmalzen gebraut und mit Hopfen aus dem Klostergarten der Kartause Ittingen bei Frauenfeld gewürzt.

Kann man Bier auch zu einem gepflegten Dinner trinken? Selbstverständlich, doch ist es ganz wichtig, den Bierstil passend zum Essen zu wählen. Ein gutes Ittinger passt hervorragend zu Wild, Guinness passt dagegen gut zu Austern, und die hellen, herben Lagerbiere begleiten die asiatische Küche sehr gut. Ist es eine Option, sein Bier «auf Ex» zu trinken? Bei Genussbieren ist dies ganz sicher keine Option, und bei einem Lagerbier eigentlich auch nicht. Kann man Bier auch mixen, etwa mit Cola oder als Panache? Mit Spezialitätenbieren ist dies ganz sicher keine gute Idee, und bei einem Lagerbier im Grunde auch nicht. Dadurch würden der feine Geschmack, die Röstnote und die Hopfenblume zugedeckt. Meine Empfehlung für Panache: ein helles, einfaches Lagerbier verwenden. Und bitte niemals Bier mit Cola mixen!

MEISTER D ER BIERE Bierkenner Beat Hofmeister ist 46 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Zürich. Er vertritt die Bierspezialität Ittinger in der Öffentlichkeit und hat durch seine Arbeit ein grosses Bierwissen aufgebaut. In seiner Freizeit widmet sich Beat Hofmeister dem Fussball und dem Kino.

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Fr Auen können uns vielleicht den Verstand r auben. Aber nicht den Stil .

Willkommen in der grössten* HerrenAbteilung der Schweiz .

*Apropos Grösste: falls Sie Ihrer Angebeteten etwas Besonderes schenken möchten, das auch Ihren Puls höher schlagen lässt, finden Sie im Jelmoli die grösste Auswahl an Lingerie-Marken der Schweiz.


In Extremis Text: David Torcasso Fotografie: Valentin Jeck Styling: Aleli Leal

Stühle sind mehr als nur Krücken zum Sitzen – sie sind Charakterdarsteller, der jeder für sich eine ganz bestimmte Haltung an den Tag legt und Persönlichkeit ausstrahlt. Zwölf moderne Klassiker, die ein Mann haben – oder doch zumindest kennen – muss. Der Hochalpine: ST10-Stuhl von Hussl Hinter der Idee des ST10 von Hussl steht das Prinzip der Sandwichtechnologie aus der Ski-Industrie: Die Hinterbeine bestehen aus aluminiumverstärkten Zugschichten, die mit einem Mittelkern aus Holzverbundwerkstoff verleimt sind. Die Lehne ist filigran und federt unter Belastung leicht. Living 61


Der Stapelkönig: 40/4 von Howe Dieser Stuhl entstand während dem 2. Weltkrieg: Der amerikanische Pilot David Rowland hielt es auf den unbequemen Sitzen in den Flugzeugen kaum aus. Daheim begann er ein Studium in Industriedesign und setzte die Idee seines Stuhles um. Der 40/4 wurde im 20. Jahrhundert zu einem der am häufigsten ausgezeichneten Stühlen. Er ist leicht, weist trotzdem viel Stabilität auf und ist anatomisch so entwickelt, dass man bequem darauf sitzt. Bekannt ist der 40/4 als Stapelstuhl – man kann ihn auch dutzendfach gestapelt noch sicher transportieren.

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Der Provokateur: Tudor Chair von Established & Sons

Der harte Typ: Pagholz-Stuhl von Hüba

Der Tudor Chair vom Designer Jaime Hayon glänzt mit viel Originalität. Die polierte Polsterung ist traditionell gesteppt, so dass der Stuhl trotz seiner modernen Linien eine feine Dekadenz ausdrückt. Aussergewöhnlich sind auch seine goldenen Glasbeine.

Das auch Pagholz genannte, gebogene Kunstharzpressholz ist kratz- und stossfest, chemiebeständig, schwer entflammbar und somit fast unzerstörbar. Aus diesem Grunde wird der Pagholzstuhl oft in Universitäten, Bibliotheken und Wartesälen eingesetzt.

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Der Feingeistige: China Chair von Fritz Hansen Der 1944 vom Dänen Hans J. Wegner entworfene China Chair ist eine Hommage an die chinesischen Stühle aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Wegner bewies mit diesem zeitlosen Klassiker sein Gespür für expressiven und skulpturalen Funktionalimus.

Der Vielseitige: NAP-Schalenstuhl von Fritz Hansen Für den NAP-Stuhl aus Stahl und Nylon lautete die Maxime von Stardesigner Kasper Salto, in möglichst vielen Positionen bequem darauf sitzen zu können. Der Name NAP setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Normal, Aktiv und Passiv zusammen.

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Der Futurist: Chair One von Magis Der Chair One ist wie ein Fussball konstruiert – aus Polygonen setzt sich eine Sitzfläche zusammen, die an die Ästhetik eines amerikanischen Tarnkappenbombers erinnert. Mit diesem Wurf festigte der Münchner Konstantin Grcic seinen Ruf als Ausnahmedesigner.

Das Leichtgewicht: Holzstuhl Foglia von Billiani Nicht in erster Linie auffällig, dafür sehr leicht: Die festeren Seitenwangen dieses nur gerade 3,5 Kilogramm leichten Sitzmöbels sind nur durch gebogene Schichtholzplatten miteinander verbunden. Die Linien des Fliegengewichts sind klassisch und zeitlos.

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Der Warmherzige: Nussbaum Stuhl von Gubi Die Sitzschale dieses modernen und zeitlosen Stuhls ist aus drei­ dimensional geformtem Schichtholz gefertigt und strahlt trotz dieser ausgesprochen technologischen Fertigung eine freundliche, einladende Wärme aus. Auch mit Kufen erhältlich.

Der Nahtlose: Sting Alu Chair von Blå Station Der Alu-Stuhl Sting von Fredrik Mattson und Stefan Borselius wird aus rund sechzig Meter langen, extrudierten Aluminium­ bändern geschnitten und ohne Schrauben und Beschläge, sondern nur mit zwei seitlich eingesteckten Beinkufen zusammengehalten.

Der Kantige: Shanghai-Chair von Inch Furniture Ein Stuhl mit viel Charakter: Der aus Teakholz in Indonesien gefertigte Shanghai-Chair des Basler Duos Inch Furniture (Yves Raschle und Thomas Wüthrich) hatte seine Premiere 2010 im Schweizer Pavillon der Weltausstellung in Shanghai.

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Neun Monate für ein Möbelstück Text: David Torcasso

Der Tisch «Enignum» mit seinen filigranen, gewundenen Beinen und ineinander verschlauften, fliessenden Flächen löst unweigerlich eine starke Faszination aus. So wie die meisten Objekte des irischen Designers Joseph Walsh. Sie sind schräg und einzigartig, futuristisch und zeitlos zugleich. Sie wirken trotz ihrer extremen Formen nie aufgesetzt, sondern auf überraschende Weise stilvoll. Es sind Kunstwerke, die sich als Möbel benutzen lassen. «Wir möchten die Sinne der Leute ansprechen und eine Interaktion mit dem Möbelstück stattfinden lassen», sagt der Designer über sein Tun. Ein Stuhl von Joseph Walsh ist nicht einfach nur bequem – obwohl er schon auf den ersten Blick so aussehen mag – sondern auch raffiniert in Struktur und Oberfläche. Walsh’Möbel strahlen einen kultivierten Geist aus und erzählen vom respektvollen Umgang mit dem Holz. Dass seine Tische oder Stühle bisweilen an hölzerne Riesenschnecken, überdimensionale Spinnenbeine, den Elfen­ beinturm aus «Die unendliche Geschichte» oder Gewächse aus fernen Galaxien erinnern, amüsiert Joseph Walsh: «Ich hatte immer den Anspruch, Holz völlig neu zu bearbeiten, darzustellen und dabei Grenzen zu verschieben». Der Ire ist Autodidakt und experimentierte jahrelang mit der Beschaffenheit von Holz oder Stein, um die Kontrolle über diese Naturprodukte zu gewinnen. So setzte er bei der «Enignum»Serie eine besondere Leim-Lösung ein, mit der er es schaffte, Holz in dünnen Schichten zu modellieren. Und so scheint es, als sei der monumentale Holztisch auf organische Art in seine Form gewachsen. «Ich versuche den Verlauf der Natur ins Design zu übersetzen», erklärt der Designer seine Ideen.

Joseph Walsh, 31 Der irische Möbeldesigner geht mit seinen Möbelentwürfen manchmal hart ans Limit des Materials: Der kunstvoll gewundene Tisch namens «Enignum» scheint fast ein Eigenleben zu führen.

1999 gründete Joseph Walsh im zarten Alter von knapp zwanzig Jahren sein Studio in seinem Geburts- und Arbeitsort, dem südirischen Cork. Heute, mit nur 31 Jahren, beschäftigt er nun bereits ein achtköpfiges Team von Designern aus Kanada, Japan, Schweden, Italien oder England. Der Erfolg hat ihn nicht abheben lassen – Joseph Walsh sagt nur, «dankbar» zu sein, dass er mit einem eigenen Team seine Ideen ausdrücken kann. Walsh pendelt zwischen Irland und Mailand, wo seine Partnerin als Schuhdesignerin tätig ist. Auch seine Kunden sind Kosmopoliten. Und um sich Walsh’ individuelle Stücke ins Haus zu stellen, greifen sie tief in die

Tasche: Ein Bett kostet rund 75 000 Euro. «Das ist viel Geld – ich könnte mir das nicht leisten», lacht Walsh. Doch der enorme Aufwand bei der Konstruktion erklärt den Preis: Sein Team arbeitet bis zu neun Monate an einem einzigen Möbel – von der aufwändigen Suche der besten Materialien über detailversessene Handarbeit bis zum Feinschliff. So ein Möbelstück ist dafür höchst exklusiv: Walsh produziert nur rund zwölf bis achtzehn Objekte pro Jahr. www.gentlemensreport.com/living Living 67


Leichter, freier, vielseitiger Text: Jeroen van Rooijen Illustration: Nicola Carpi

Wer heute einen Veston oder Blazer kauft, der wird feststellen, dass er für sein Geld wesentlich «weniger» bekommt als einst, denn die Jacken sind leichter und unkonstruierter denn je. Dafür sind sie bequemer und vielseitiger geworden. Wenn es in Europa jemanden gibt, der die Evolution des männlichen Jacketts akribisch dokumentiert und in seinen Kollektionen vorbildlich umgesetzt hat, dann ist es die Sartoria Raffaele Caruso in Soragna bei Parma. Der Traditionsbetrieb, der 1958 von einem neapolitanischen Schneider gegründet wurde und heute 600 Angestellte beschäftigt, davon 50 Schneidermeister, ist einer der Speerspitzen, wenn es um die neue Leichtigkeit des Vestons geht. Bei Caruso lassen Weltmarken wie Ralph Lauren, Christian Dior oder Lanvin ihre Herrensakkos nähen, sowie eine Reihe anspruchsvoller Masskonfektionäre, wie Al Ferano aus Zürich. Alleine im Bereich der Massbekleidung hat Caruso im letzten Jahr 12 000 Teile ausgeliefert, Tendenz steigend. Caruso pflegt die handwerkliche Tradition, aber fühlt sich gleichzeitig der Zukunft der Schneiderei verpflichtet. Aus diesem Grund entstehen in den «Labors» in Soragna jährlich rund tausend Prototypen, mittels derer an der Evolution des Jacketts gefeilt wird. An der Spitze dieses Forschungsbetriebs der Männermode steht CEO und Mehrheitsaktionär Umberto Angeloni, der sich über Jahre bei Brioni einen Namen als profunder Connaisseur der Männermode gemacht hat und der von Caruso auch seine eigene, hypernoble Spezialitätenlinie «Uman» nähen lässt. Was das Handwerk betrifft, verlässt sich Angeloni gerne auf Pietro de Angelis, der als «Style Coordinator» die Innovationen bei Caruso vorantreibt. «Die Jacken sind heute kürzer geschnitten, weicher konstruiert und weniger steif in den Schultern», bestätigt Pietro de Angelis die Tendenz der letzten Jahre. Das Gewicht der Jacken sei in den meisten Fällen deutlich geringer als früher, ausserdem würden die Vestons heute aus leichteren Stoffen geschnitten, die überdies oft eine technologische Komponente haben, also geringe Beimischungen von Kunstfasern, um die Haltbarkeit, Knitterfestigkeit und Fleckenresistenz zu verbessern. Das neue, weichere Jackett bedeutet aber nicht, dass sich die Schneiderei von Themen wie Passform oder Sexappeal verabschiedet hätte, so de Angelis: «Was wichtig geblieben ist, ist die Figur und die optimale Darstellung der männlichen Physis.» STIL 68


Gerade im modischen Bereich fällt heute nicht nur eine weichere Struktur und natürlichere Schulter, sondern auch eine neue Länge und Köprerbetonung auf. «Die neuen Jacken sind kürzer und schlanker geschnitten», bestätigt Pietro de Angelis, «Man trägt sie sehr körpernah.» Für ihn sei das neue Ideal «ein Bild von Schlankheit und guter Passform zu vermitteln, ohne eingeengt auszusehen.» Denn auch heute gilt: Ein gutes Jackett optimiert und verlängert die Silhouette des Mannes. Allerdings warnt de Angelis auch davor, blindlings der sehr körperbetonten Mode zu folgen: «Es kann nicht jedem Mann dazu geraten werden, solch schlank geschnittene Jacketts zu tragen – je nach Körperform kann das Resultat richtiggehend lächerlich sein. Jeder Mann sollte sich seiner Struktur bewusst sein und sein Spiegelbild ehrlich beurteilen können, bevor er sich für ein Kleidungsstück entscheidet.» Leichtere Stoffe, weniger Konstruktion und Einlagen, Teilfütterungen oder futterlose Verarbeitungen: Das Weglassen von traditionellen Bausteinen bedeutet für die Schneider keineswegs nur immer eine Erleichterung. Denn soviel ist sicher: Die leichteren und weicheren Jacken brauchen einen guten strukturellen Support. «Eine Jacke so leicht wie möglich zu machen ist eine delikate Sache, besonders dann, wenn der Stoff selbst schon sehr leicht ist», so Pietro de Angelis, und: «Was die Passform betrifft, hängt alles vom Talent eines Schneidermeisters ab.» Auffallend ist auch, dass der Veston heute auch jünger getragen wird, also in unkoventionellen Kombinationen wie etwa zu Baumwollhosen, sowie zunehmend eine freizeitliche  Be­ deutung bekommt. Man fertigt bei Caruso darum immer öfter auch Jacketts mit funktionalen Extras und technischen Details, die dem Klassiker eine entspannte, sportive Note geben. Dagegen haben die sehr luxuriösen Stoffe und Naturfasern wie Seide oder Cashmere heute oft einen betont freizeitlichen, entspannten Appeal. Nicht selten werden die neuen Jacken auch gewaschen, um ihnen den Look authentischer Fundstücke mit Vintage-Qualitäten zu verleihen. Dies geschieht oft vor dem Zuschnitt der Stoffe, manchmal aber auch als fertig genähtes Kleidungsstück, das man in diesem Falle als «garment washed» bezeichnet. Pietro de Angelis rät jedoch davon ab, einen handelsüblichen Blazer als Selbstversuch einfach in die Waschmaschine zu stecken, um diesen Effekt zu imitieren: «Eine gute Jacke kann auch heute noch nicht in der Maschine gewaschen werden, sondern gehört in die Reinigung», sagt der Entwicklungschef von Caruso, und: «Eine gute Jacke altert in Würde, wie sein Träger.»

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The Gentlemen’s Guide

Use a mobile phone Text: Jeroen van Rooijen

Der Holländer Perry Oosting, Chef des Luxusmobiltelefonherstellers Vertu, über den stilvollen Gebrauch des Handys. Perry Oosting, ist es in Ordnung, wenn jemand seinen Status damit hervorzuheben versucht, indem er ein besonders exklusives Telefon sichtbar zur Schau trägt oder auf den Tisch legt? Wenn jemand seiner selbst nicht ganz sicher ist, wird er so etwas vielleicht tun, und in besonderen Altersgruppen, etwa bei Teenagern, sieht man dieses Verhalten recht häufig. Es gehört in gewisser Weise zum Erwachsenwerden. Deshalb würde ich sagen: Wenn jemand seinen Status mit materiellen Dingen zeigen will, soll er das tun, und ich bin nicht dazu geeignet, dies verurteilen zu wollen. Es ist menschlich, mehr noch: Sogar Tiere wollen einander beeindrucken! Also kann man andere Leute anhand Ihres Mobiltelefons ein­schätzen? Ein Mobiltelefon ist heute sicher ein wichtiges Accessoire, und selbstverständlich sagt jedes Gerät irgendwie

etwas aus, auch Marken vermitteln schon eine gewisse Erwartung. Das ist ganz natürlich, wir sind ja «social animals» und haben ständig das Bedürfnis, andere aufgrund äusserer Merkmale einzuordnen. Wenn man von Luxus spricht, sollte man es aber vermeiden, die Leute kategorisieren zu wollen. Jeder hat seine eigene Geschichte und seinen eigenen Wertekatalog. Darf man sein Telefon während eines Businessmeetings auf den Tisch legen? Ja klar, warum denn nicht?

Darf man sein Telefon am Gürtel tragen? Wenn jemand das cool findet, von mir aus – aber mein Stil ist es gewiss nicht. Soll man erst die Festnetznummer anrufen und dann erst das Handy? Ich denke, die Unterscheidung wird es in Zukunft kaum noch geben. Man wird eine einzige Nummer haben, auf der man überall erreichbar ist. Festnetznummern geben einem ja heute schon keine

Und während eines privaten Dinners, etwa mit einer schönen Frau, die man anbetet? Da wäre ich kritischer. Wenn man in einer intimen Situation ist, finde ich es kein gutes Signal, denn es sagt unterschwellig auch, dass das, was aus diesem Gerät kommen könnte, vielleicht wichtiger ist als diese Begegnung, und so etwas ist – nach meiner persönlichen Meinung – kein besonders raffinierter Zug. Etwas anderes ist es mit Freunden, die man schon lange kennt und denen man nichts mehr vormachen muss. Wofür plädieren Sie: Klingelton oder Vibracall? Kommt ganz auf die Situation drauf an! An einem Tisch mit vier Leuten, im privaten Rahmen, würde ich das Gerät auf lautlos stellen. Aber wenn es laut ist, zum Beispiel in einer Bar, dann lasse ich es auch mal klingeln, denn ich will für meine Familie und Kinder erreichbar sein, wenn sie mich brauchen. Das ist für mich wichtiger als alles andere. Ist es in Ordnung, manchmal auch unerreichbar zu sein und sein Telefon auszustellen? Oh ja, absolut – man muss zeitweise sogar unerreichbar sein. Das wird in Zukunft echter Luxus sein: Sich die Freiheit zu gönnen, auch mal nicht erreichbar zu sein. Wenn ich in den Ferien bin, konzentriere ich mich gerne ganz darauf und stelle das Telefon ab.

wesentlichen Vorteile mehr, noch nicht mal bei den Kosten. Vor welcher Uhrzeit soll man andere Menschen nicht auf dem Handy anrufen? Nicht vor acht oder neun Uhr, schätze ich. In Finnland geht es ab etwa halb neun schon, in Italien erst ab halb zehn Uhr. Ausser es handelt sich um einen Notfall. Und abends um zehn Uhr sollte man auch Schluss machen und andere Leute in Ruhe lassen.

Vertu ist der führende Luxus-MobiltelefonHersteller und besonders stolz auf den Concierge-Service seiner Geräte. Das abgebildete Modell heisst «Constellation».

PERR Y OO s TING , 50 Perry Oosting ist seit Sommer 09 Präsident und COO von Vertu, dem führenden Anbieter von Luxusmobiltelefonen. Davor hat sich der Holländer bei Firmen wie Bulgari, Prada, Gucci und Escada einen Namen als Kenner der Luxusindustrie gemacht. Vertu ist eine unabhängige Tochtergesellschaft von Nokia aus Finnland. Die Geräte von Vertu werden von Hand in England zusammengebaut und weltweit über rund 500 Geschäfte vertrieben, davon 80-Vertu-Boutiquen.

How To 71

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Seit das iPhone zum Taschenmesser des digitalen Zeit­ alters avanciert ist, schaut sich Victorinox auch auf anderen Märkten um – und da bietet sich natürlich der Fashion-Bereich an. Das für das Schweizer Armeemesser weltbekannte Unternehmen hat in den letzten Jahren bereits innovatives Gepäck lanciert, nun folgt ein weiterer Schritt in Richtung Lifestyle. Mit einem neuen Ladendesign (mit Kleiderbügeln in Form von Wilhelm Tell's Armbrust) und der limitierten Capsule Collection «Remade in Switzerland» möchte Victorinox auch im Bereich der urbanen Mode punkten. Dafür hat man den jungen britischen Designer Christoper Raeburn (Bild) verpflichtet, der vor allem mit seiner Militär angehauchten Mode für Furore sorgte: Für Victorinox sammelte er in Zeughäusern nach

historischen Vorlagen, Stoffen und Materialien, zerschnipselte sie und fand unerwartete neue Verwendungen. Was bei einem Schweizer Mann Erinnerungen an kilometerlange Märsche in der Rekrutenschule weckt, ist schliesslich doch sehr tragbar, etwa die moderne Interpretation einer Schweizer Rekruten-Kappe, die aus Militärwolljacken und umgefärbten Bettlaken hergestellt ist.

Text: Jeroen van Rooijen und David Torcasso

Der Hut

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Gentlemen's Report selected – EINE Auswahl STILVOLLER ANSCHAFFUNGEN UND MOMENTE FÜR DEN HERBST

13 für jetzt Das Fahrrad

Steigende Benzinpreise, die Belastung der Umwelt und eine wachsende urbane Bevölkerung machten das Velo für mehr und mehr Menschen zum sinnvollen Fortbewegungsmit­ tel in der Stadt. In grossen Metropolen wie Tokio, Paris und New York, wo teilweise weite Strecken zurückzulegen sind, stösst das Fahrrad aber an seine Grenzen, denn es ist nicht jedermanns Sache, schweissgebadet von Down- nach Uptown oder von Prenzlau nach Potsdam zu fahren. Die Fahrradmarke Tern schliesst mit seinen stilvollen Faltvelos nun die Lücke für den ökologisch

denkenden Gentleman: Das handliche, rasch auf- und zuklappbare Velo kann bequem in der U-Bahn oder im Tram mitgenommen werden, wenn grössere Strecken zu meistern sind. Am Zielort legt man die letzte Distanz radelnd zurück. Dank den fein ausgearbeiteten Verschlüssen, dem elegant geschwungenen Rahmen und einem hochwertigen Ledersattel macht das Tern im ausgeklappten Zustand manch einem «normalen» Bike Konkurrenz in Sachen Schönheit und Leistung. Profis schaffen es, das neue Faltrad in weniger als dreissig Sekunden in ein kompaktes Paket zu verwandeln. Einige Airlines erlauben sogar, dass Faltrad als Handgepäck mitzuführen.


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wie bei Colette in Paris oder Walter Keller in Zürich zu kaufen sind, hat Corinne Stoll seit 2009 bereits publiziert. Das jüngste mit dem Titel «Braveheart», dreht sich um Parkour, bzw. Yamakazi – junge Männer, die sich im Pariser Stadtpark Bery treffen, um gemeinsam über Hindernisse zu springen, hüpfen und hechten. Corinne Stoll hat sie porträtiert und dabei ihre Energie, Präzi­ sion und ihren Wagemut hautnah eingefangen. Die Sportart ist bei Youngsters in ganz Europa im Kommen – ein wunderschönes Kompendium zu einem ungestümem Stück Zeitgeist. Seit es das Internet und damit die Stilblogs gibt, hat in der Welt der Lifestyle-Rezeption eine seltsame Zäsur stattgefunden: In den gedruckten Magazinen finden sich fast nur noch ästhetisierte Traumwelten mit relativ starken kommerziellen Verquickungen, während sich die Darstellung der gelebten, inspirierten Mode der Strasse fast ganz auf Online-Magazine und Blogs beschränkt. Doch es gibt Ausnahmen, und eine der schönsten ist das kleine, feine «Piczine» der in Paris lebenden Schweizer Fotografin Corinne Stoll, welche Unmittelbarkeit, Echtheit und Emotionalität zurück aufs Papier bringt. Piczines sind Magazine, die sich fast ohne Text einem ganz bestimmten Thema widmen, wobei es sich meist um Mode, Jugendkultur und Stadtleben dreht. Elf solcher Piczines, die in beschränkten Mengen an den besten Adressen

Das Magazin

Das zum Zürcher Museum für Gestaltung gehörende Museum Bellerive gehört zu den besten Adressen der Schweiz, wenn es um Design und Kunsthandwerk geht. Die jüngste Ausstellung mit dem Titel «Cartier Time Art» dreht sich um die Geschichte und handwerkliche Tradition des Hauses Cartier, mit einem besonderen Blick auf die Zeitmessung. Gezeigt werden über hundert historische Uhren aus der Sammlung, darunter die grossen Klassiker des Hauses sowie einige kostbare Raritäten wie die abgebildete, hoch komplizierte Taschenuhr mit Minutenrepetition und Doppelzeiger-Chronograph, ewigem Kalender und Mondphasenanzeige von 1927. Das Werk der Taschenuhr stammt von LeCoultre, die Spiralfeder

von Breguet. Gezeigt wird überdies die in Fachkreisen heiss disktuierte Zukunftsuhr «ID-One» oder eine relativ aktuelle «Santos 100», die weitgehend skelettiert wurde. Beim Skelettieren versuchen die Uhrmacher, so viel Material an Uhrwerk und Zifferblatt wie möglich zu entfernen, um die Uhr transparent und filigran zu gestalten. Das Museum Bellerive in Zürich ist bis zum 6. November 2011 die erste Station dieser Ausstellung.

DIE RETROSPEKTIVE

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Fast alle mögen Berlin – so lange es Frühling, Sommer oder Herbst ist. Denn der Winter – «der macht dich fertig!», sagen sogar die Einheimischen. Im Winter verkriechen sich die Berliner zu Hause. Wenn sie doch raus müssen, laufen sie schlotternd und fluchend durch die Strassen. Deshalb hat die Outerwear-Marke Woolrich zusammen mit dem beliebten Berliner Streetwear-Geschäft 14 oz.  eine Sonder­edition ihres legendären Artic Parkas der deutschen Hauptstadt gewidmet.

Ein praktischer Begleiter, wenn man auch bei Temperaturen im tiefen Minusbereich eine Entdeckungstour durch die Metropole machen möchte. Natürlich kann man den Arctic Parka auch in New York, Moskau oder Toronto tragen. Denn etwas schafft der Arctic Parka, was andere Daunenjacken oft nicht schaffen: Er sieht in seinen fünf leuchtenden Farben auch unverschämt gut aus. Dank der fortlaufenden Nummerierung hat er zudem das Potenzial, zum Sammlerstück zu werden.

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Der PARKA


DER TISCH

In der klassischen Werbung werden Autos wie langbeinige, blonde Models perfekt ausgeleuchtet und grossflächig zelebriert: Glänzende Felgen, glitzernde Konturen und scharf leuchtende Xenon-Scheinwerfer. Das Auto in seiner imposanten Form und Grösse, im Hintergrund allenfalls noch nächtliche Grossstadtlichter oder tiefblaues Meer. Beim neuen Audi Q3, dem kleineren Bruder des grossen Q5 und Q7, sucht man das Auto auf den ersten Blick vergebens. Erst bei genauer Betrachtung erkennt

6 man das edle «SÜVchen» mitten im Grossstadtleben in einer unauffälligen Ecke oder Seitenstrasse. Im Vordergrund stehen Palmen, glänzen Schaufenster oder flanieren Passanten. Dieses Understatment passt gut zum Q3. Konnten Geländewagen vor einiger Zeit nicht gross genug sein, geben sich die Autohersteller heute zurückhaltender. Das Schmuckstück mit den eleganten Konturen ist zwar durch seine Anmut sehr präsent, aber nicht unter dem Motto «Strasse frei, ich komme!». Offenbar möchte Audi sein neues Vorzeigemodell Q3 nicht nur als typisch Hightech-Auto an den Käufer bringen, sondern ihm gleich noch eine Welt von Lifestyle-Werten dazu vermitteln. Südländische Architektur mit Patina, romantische Balkons und Fussgänger in engen Gassen

vermitteln subtil, dass es heute nicht mehr nur um das Transportmittel, sondern um das ganze Lebensgefühl geht, das mit einem neuen Auto einhergeht. Und je stärker sich die Baureihen innerhalb einer Marke gleichen, umso wichtiger werden diese feinen Zwischentöne.

Das Auto

Die Italiener beherrschen das Furnieren von Möbeln so gut wie kaum eine andere Designnation. Nur eben: Furnier ist «nur» furniert, dagegen ist Massivholz doch eine ganz andere Disziplin. Riva gehört zu den traditionsreichsten Massivholzmöbel-Manufaktu­ ren in Italien und produziert auch noch heute alles von Hand in eigenen Betrieben. Das ermöglicht der italienischen Manufaktur eine enorme Fertigungstiefe und Qualität.

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Genau deshalb arbeiten zahlreiche bekannte Designer und Architekten, unter andern auch der Schweizer Mario Botta oder der Mailänder Designer Matteo Thun für Riva. Ein besonderes Objekt der italienischen Manufaktur ist der Esstisch Ludo von Designer Terry Dwan: Auffallend sind die beiden scheinbar überflüssigen Beine in der Mitte des Tisches. Sie verleihen dem markanten Möbel, das bei Zingg-Lamprecht und auch auf individuelles Kundenmass erhältlich ist, nicht nur eine spezielle Optik, sondern auch eine Extraportion Stabilität.


Das Acces­ soire Wenn der Blazer des Mannes immer leichter, weicher und elastischer wird (vergleiche auch Artikel Seite 66/67), ist es nur eine Frage der Zeit, bis er die Parität mit einem anderen unverwüstlichen winterlichen Begleiter erreicht: der Strickjacke. Früher trug sie Opa, Pfeife rauchend in der Bilbiothek sitzend, doch heute ist sie ein wichtiges Mittel, um auch in

Ein Name verpflichtet – mit der «Tribute to the Mont Blanc»-Initiative möchte der Schreibgeräte-, Accessoires- und Uhrenhersteller Montblanc das gleichnamige Bergmassiv schützen und ehren. Das Projekt hat bereits dazu geführt, dass die Unesco dem höchsten Berg Europas unlängst den Status eines Weltkulturerbes verliehen hat. Das Engagement für die gute Sache hat aber auch eine Kollektion

Der Cardigan

stilvoller Lederwaren geboren: Die schneeweisse Edition von echtledernen Accessoires soll die natürliche Schönheit des Mont Blanc mit seinen Felsen, Schnee, Eis und Felsen repräsentieren. Die liebevoll gearbeiteten Details kombinieren einen modernen Designanspruch mit klassischer Anmutung. Unser Favorit: das fein genarbte iPad-Etui.

den Brillen von berühmten Architekten, Politikern, Künstlern, Industriedesignern und Professoren der vierziger bis sechziger Jahre nachempfunden sind.

Die BRILLE

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In der Welt des Lifestyle kommt es zu einem neuen Gipfeltreffen. Dita, einer der innovativsten Brillenmarken unserer Zeit, und Thom Browne, mit Sicherheit einer der stilprägendsten Modemacher von heute, bringen zusammen eine Kollektion auf den Markt. Für Dita ist es die erste solche Lizenzvereinbarung überhaupt. Die Sehhilfen und Sonnenbrillen, die ab Herbst 2001 erhältlich sind, werden wie alle Dita-Modelle von Hand in Japan hergestellt. Das Design besorgten die Gründungsväter der neuen Marke gleich selbst: Jeff Solorio und John Juniper, die sich selbst als «Revolutionäre gegen Mittelmass und Uniformität» sehen, haben dem US-Amerikaner Thom Browne zwanzig Vorschläge gemacht, die allesamt

Business-Looks diese entspannte Casual-Crossover-Styles zu erreichen, welche derzeit die Mode prägen. Das abgebildete Modell ist von der in Stephanskirchen bei München domizilierten, international tätigen Marke Marc O’Polo, die dank gut gemachter Kollektionen dabei ist, vom Mainstream ins Feld der Premiummarken aufzurücken. Der Cardigan, der etwa bei Jelmoli erhältlich ist, hat eine doppelte Verschlussleiste, aufgesetzte Taschen, eine vorverlegte «French»-Schulter und ist aus reiner Baumwolle in kerniger Grobstrick-Optik.

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sich Männer über alles aus, was das moderne Leben ausmacht. Denn jeder hat die ähnlichen Probleme, folgt aber seiner eigenen Linie. Moritz Bleibtreu als Braun-Gesicht pflegt sich, sagt aber auch: «Ich habe auch Haare, die rasiere ich nicht. Ausser natürlich im Gesicht». Der Braun Series 5 550cc schneidet die Barthaare gründlich in schwierigen Teilen des Gesichts und setzt dabei einen selbstbewussten Akzent in Sachen Design.

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NEWS 77

der rAsIerer Es gibt wenig Parfums, die fast immer «richtig» sind – die Familie der VetiverDüfte gehört mit ihrem herben, maskulinen Ton dazu. Die Basis des Vetivers ist ein tropisches, ursprünglich aus Asien stammendes Süssgras, aus dessen langen Wurzeln per Wasserdampfdestillation ein balsamisch-erdiges Öl gewonnen wird. Das altehrwürdige, in Paris ansässige Dufthaus Creed, seit 240 Jahren im Familienbesitz der Creeds, hat

sich des Klassikers mit «Original Vetiver» angenommen und viel Kreativität reingepackt. Das Duftwasser riecht, so Creed schwärmerisch, nach Zitrone, Mandarine und Bitterorange, kombiniert mit einem würzigen Hauch Ingwer, rosa Beeren, russischem Koriander und weissem Pfeffer. Klingt ein bisschen kompliziert, zumal es am Ende dann doch der Vetiver aus Haiti ist, der den Ton angibt, kombiniert mit Sandelholz aus Mysore. Erhältlich bei Jelmoli.

der duft

dIe ModeLeGeNde

Seit mehr als drei Jahrzehnten arbeitet der belgische Modedesigner Walter van Beirendonck an seiner Karriere und hat sich vom Strippenzieher und Geheimtipp der Antwerper Modeszene zu einem der originellsten Köpfe der Männermodewelt entwickelt. Seine Arbeit bündelt Themen aus Technologie, Politik, Kunst, Popkultur und Ethnokultur und setzt diese in aussergewöhnliche und farbenfrohe Silhouetten um. Das angesehene Modemuseum im Zentrum Antwerpens zeigt in einer umfassenden Werkschau Walter van Beirendoncks Faszination für Ethnographie, für tribale Rituale und ScienceFiction. Die Ausstellung dokumentiert, wie Van Beirendonck die Grenzen der Schönheit stets wieder verschiebt – ob auf dem Laufsteg oder in Kostümen für die Band U2. Bis 19. Februar 2012.

Der deutsche Schauspieler Moritz Bleibtreu («Der Baader-Meinhof-Komplex », «München», «Lola rennt») ist erfolgreich und charismatisch. Er definiert Männlichkeit mit der richtigen Mischung aus Stärke, Kraft und Lässigkeit. Genau dieser Mix macht den modernen Mann aus. Bleibtreu ist ein Typ, von dem Frau sich gerne verführen lässt, mit dem ein Mann aber auch gerne ein Bier in der Kneipe trinkt. Diesen Sommer startete Braun auf Facebook die «League of Gentlemen». Dort tauschen

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Die Bezugsquellen finden Sie auf Seite 79. www.gentlemensreport.com/news


der mann im spiegel der medien Text: Teresa Bücker

Dominique Strauss-Kahn, Tiger Woods, Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvio Berlusconi, Anthony Weiner – manch ein Mann sehnt womöglich zumindest die Frauenquote für die Schlagzeilen der Tageszeitungen herbei, weil diese einen langen Schatten auf die Virilität geworfen haben. Um die holde Weiblichkeit ist die Kulturkritik seit langem besorgt, blickt sie auf Magazine, die Frauen vermeintlich in die Kaufsucht, Anorexie, in tiefe Selbstzweifel und Dummheit stossen. Das klingt zwar hysterisch, doch noch haben klassische Frauenmedien eine Orientierungsfunktion und einen nicht unbedeutenden Einfluss darauf, was heute als normiertes Wesen der Dame betrachtet wird. Besitzen Männermagazine eine vergleichbare Suggestionskraft? Ein Stapel aktueller maskuliner Lifestyle-Zeitschriften liegt für die Jagd auf den Mann im Spiegel der Medien bereit. Am Schreibtisch, fernab meiner Kollegen, Affären, väterlichen Rats und dem besten Freund, stürze ich mich in das viele Papier, das in Text, Fotografie, Infografiken und zwischen den Zeilen darüber Auskunft geben soll, was Wesen und Seele des

Mannstücks, des echten Kerls, des Jünglings, des Partners, des starken Geschlechts ausmachen. Nach dem ersten Tauchgang weiß ich: die Waffe des Mannes ist seine Armbanduhr. Homosexualität gibt es nur in der Welt der Mode. Frauen sind Sexobjekte, die den Mann trotzdem verletzlich machen. Ironie ist DAS Stilmittel. Männer kleiden sich mutig, farbenfroh und experimentell. Sie sind Götter an Grill und Herd. Kinder schlüpfen weit nach dem Vorschulalter aus dem Ei. Soziale Probleme fernab von Flirtschwierigkeiten existieren nicht. Die Art von Charmeur, wie das Herrenblatt ihn zeichnet, ist mir allerdings in knapp drei Jahrzehnten Lebenszeit noch nicht begegnet. Nicht im Bundestag. Nicht auf der Fashionweek. Nicht auf elitepartner.ch  – und den Strand in Palma habe ich noch nie betreten. Denn der Mann im Magazin ist derart schizophren, dass selbst die Therapeutendichte von Manhattan nicht ausreichen würde, um einen Fleck des Bedarfs zu stillen. Die frivol sportiven Publikationen kennen die Frau als solche nur als dralles, weichgezeichnetes Dessousmodel, das nichts zu sagen hat außer Worthülsen. Gleichsam kokettieren die Redakteure mit ihrer eingeschränk­ten Sicht KOLUMNE 79

auf die Objekte der Begierde. Wie auch die Lingeriebilder sind die Fotostrecken in Männermagazinen so uninspiriert und auf Kurven und Photoshop fixiert, dass die durchschnittliche Frauenzeitschrift im Vergleich wirkt wie ein High-FashionMagazin. Müssen Brüste so lieblos fotografiert werden? Frauen, das sind in Männerzeitschriften Menschen, die der Leser – nachdem er alle Eroberungsratschläge aus den Heften befolgt hat – zur Fitness am Laken verführen kann. In einer Rolle als intellektuelle Gefährtin, als Geschäftspartnerin oder als Mutter der Kinder taucht sie niemals auf. Aber auch zu anderen Personen jenseits des Skripts für den Mann von Welt stellen Männermagazine keine Beziehung her: die Liebe zu anderen Männern ist tabu, die Gesellschaft jenseits der eigenen Klasse wird nicht porträtiert, von Kindern und Babies keine Spur. Stilecht ist nur der Egoismus, der sich um Luxusuhren, Geld, Genuss und Weltherrschaft entspinnt. Denn sogar beim Kochen, geht es nicht um Genuss oder andere zu beglücken, sondern um höheres, wie die Titelschlagzeile eines deutschsprachigen Männermagazins aufzeigt: «So werden Sie zum Grill-Gott: Erst selbst wursten. Dann unsterblich werden!» Doch den gut situierten Sexgöttern und Meisterköchen sollte man raten, die Menschen um sich herum einmal ein wenig genauer zu betrachten, denn das in Magazinen gezeichnete Klischee ist intellektuell und emotional auf die Abmessungen der Heftseiten begrenzt und wird mit modernen Menschen kaum interagieren können. Es ist den lesenden Männern und ihren Magazinen darum zu wünschen, dass sie in Zukunft mehr sein wollen als ein Bündel Klischees. Dass Redaktionen beginnen eine Welt zu entwerfen, die aus mehr besteht als materiellen Statussymbolen, und die Überlieferung des Mannsbildes zu einer Charakterfrage macht. Den Männern, die sich zur Zeitungslektüre eine leicht bekleidete Frau wünschen, sei die französische Vogue empfohlen. Denn ihre Editorials inszenieren nackte Haut um ein Vielfaches erotischer als jedes Herrenheft. Der moderne Mann würde vermutlich sogar noch ein Stück weiter gehen: er teilt die Lektüre seines Lieblingsmagazins mit seiner Liebe. Mal im Bett, mal im Café. Mal auf dem Sofa seiner Mutter. Denn 57 Uhren auf 194 Seiten Lifestylezeitschrift haben ihn an eines erinnert: sein Statussymbol ist weder die schöne Frau noch die Armbanduhr, sondern die davon tickende Zeit. 


Leserbriefe

Gentlemen's Report N° 1 — Frühling 2011

Euer Debüt ist ausgesprochen überzeugend, ja beinahe perfekt. Sogar die Details des biederen Phaetons wirken toll, aber nur diese – die Seitenansicht gehört an die Olma. Hund Jasper scheint von der Schneidewelle wenig begeistert und wirkt richtiggehend verstört. Das ist weder originell noch lustig.

IMPRESSUM Der «Gentlemen's Report» ist eine regelmässig erscheinende Publikation für Männer. Sie erschien erstmals am 2. April 2011. Die zweite Ausgabe liegt der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 17. September 2011 bei.

Fritz A.

Partner Stil, Al Ferano / alferano.com Mobilität, AMAG / amag.ch Genuss, Mövenpick Wein / moevenpick-wein.com Finanz, Vontobel Private Banking / vontobel.ch Living, Zingg-Lamprecht / zingg-lamprecht.ch Stil, Jelmoli AG/ jelmoli.ch Uhren, Embassy AG /embassy.ch Genuss, Original Ittinger Klosterbräu/ ittinger.ch

Auffallend schön, aus einem Guss, tolle Fotografie und super Trüffelhund …! Kompliment. Jasmin G.

Euer Magazin ist ein wahrer Genuss und deckt eine Marktlücke ab: hochstehende und informative Männerliteratur im «Heftliformat» – made (mainly) in Switzerland. Habe die Erstausgabe gleich verschlungen. Liegt so irgendwo zwischen Monocle und Intelligent Life, auf Deutsch und mit Fokus auf Männerinteressen. Well done!

Die Partner ermöglichen mit ihrem Engagement und Know-how die Herausgabe des «Gentlemen's Report». Sie sind gleichzeitig die ausschliesslichen Anzeigeberechtigten dieses Magazins und distribuieren das Magazin über ihre Kanäle. Redaktionsleitung Jeroen van Rooijen / jvr@gentlemensreport.com

Thomas G.

Bl attmacher David Torcasso / dto@gentlemensreport.com

Subtanz – was für ein Tanz!? Ein peinlicher Druckfehler auf der Rückseite. Glücklicherweise gilt hier aber nicht, dass alles nur gut ist, wenn es auch das Ende ist: Der verunglückte Schlusspunkt Eurer Erstausgabe macht nicht vergessen, dass das Magazin sonst in Text und Bild schön gemacht ist.

general manager Reto Caprez / rcz@gentlemensreport.com Kreation / Produktion CreativE Director Daniel Müri Art Director Cornelia Hess Produktion Laila Müller ddcom.ch / contact@ddcom.ch

Daniel W.

Vor kurzem ist mir Euer neues Männermagazin in die Hände gekommen. Grosses Kompliment! Auch als Lady finde ich es ein superschönes Heft.

Anschrift Tailor Made Editions GmbH Weinbergstrasse 52 CH-8006 Zürich gentlemensreport.com

Juliette C.

Preise Einzelverkauf 12 Franken 2 Ausgaben/Jahr 20 Franken abo@gentlemensreport.com Druck NZZ Print Schlieren

Bezugsquellen

Auflage 85 000 (davon 63 000 als Beilage der NZZ Zürich und Region)

Al Ferano www.alferano.com – AMAG www.amag.ch – Audi www.audi.com – Museum Bellerive www.museum-bellerive.ch – Braun www.braun.com – Cartier www.cartier.com – Caruso www.raffaelecaruso.it – Creed www.creedfragrances.co.uk – Dita Eyewear www.dita.com – Doug Aitken www.dougaitkenworkshop.com – Embassy www.embassy. ch – Ittinger www.ittinger.ch – Jelmoli www.jelmoli.ch – Joseph Walsh www.josephwalshstudio.com – Marc O'Polo www.marc-o-polo.com – Montblanc www.montblanc.de – Modemuseum Antwerpen www.momu.be – Mövenpick www.moevenpick.com – Mykita wwwmykita.com – Navyboot www.navyboot.com – Ochs und Junior www.ochsundjunior.ch – Piczine thepiczine.com – Riva www.riva1920.com – Serge Lutens www.sergelutens.com – Tern www.ternbicycles. com – Thom Browne www.thombrowne.com – Vertu www.vertu.com – Victorinox www.victorinox.com – Vontobel www. vontobel.com – Wally www.wally.com – Woolrich www.woolrich.com – Zingg-Lamprecht www.zingg-lamprecht.ch

Copyright Alle Texte sowie der Hauptteil der Bilder wurden exklusiv für den «Gentlemen�s Report» erstellt. Jede weitere Verwendung, insbesondere Vervielfältigung, Speicherung und Bearbeitung, ob gedruckt oder auf digitalen Kanälen, bedarf der schriftlichen Zustimmung der Redaktion, bzw. der Autoren und Fotografen. © Tailor Made Editions GmbH, Zürich

Leserbriefe 81


JASPER hat seine locken wieder Fotografie: Patrik Fuchs

Das Bild unseres rasierten Redaktionshunds Jasper (*2008, Lagotto Romagnolo, italienischer Trüffelhund) im ersten Gentlemen’s Report löste ein starkes Echo aus. Mittlerweile sind seine Prachtslocken wieder nachgewachsen und Jasper ist bereit für den Herbst.

ZULETZT 82


It’s a Man’s World Jeder hat seine eigene Meinung über stilvolles Wohnen, edlen Wein, tolle Mode, schöne Autos und gute Investments. Sagen Sie uns deshalb bitte, worfür Ihr Herz schlägt. Wir belohnen Sie mit schönen Preisen.

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Biersommelier, inkl. 100 Liter frisch gezapftem Ittinger

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Ein Massanzug, mit massgefertigtem Hemd, von Al Ferano.

Den unten angefügten Talon ausschneiden, ausfüllen, frankie­ ren und ab die Post. Wir bedanken uns herzlich für Ihr Interesse – Ihr Gentlemen’s Report. www.gentlemensreport.com

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Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Mit der Teilnahme geben Sie Tailor Made Editions GmbH das Recht, E-Mail- und Postadresse für Werbezwecke zu verwenden. Mitarbeitende der Partnerunternehmen des «Gentlemen’s Report» sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Teilnahmeschluss: 30.11.2011. Die Gewinner des ersten Wett­b ewerbs sind auf www.gentlemensreport.com publiziert.

Mode

Ihr liebstes Kleidungsstück? Stil

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Tailor Made Editions Weinbergstrasse 52 CH-8006 Zürich


Ohne Titel Das Wandobjekt der jungen K端nstlerin Gian Michelle Grob aus Luzern ist ganz aus Wolle gearbeitet und macht eine eindeutig zweideutige Szene auf elegante Art anschaulich, ohne alle Details preiszugeben. www.kuenstlerarchiv.ch/michellegrob


Rubrik 85


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DAS KALIBER 9800 MC VON CARTIER TRÄGT EINE BEDEUTENDE INNOVATION ZUR OPTIMIERTEN PRÄZISION MECHANISCHER UHREN BEI: DAS ASTRORÉGULATEUR-UHRWERK. DIESE NEUE, VON DER MANUFAKTUR CARTIER ENTWICKELTE KOMPLIKATION VERHINDERT SCHWERKRAFTBEDINGTE GANGABWEICHUNGEN, UND ZWAR DANK EINEM MIKROROTOR, DER DAS GESAMTE REGULIERORGAN MIT HEMMUNG UND OSZILLATOR (UNRUH/SPIRALFEDER) SOWIE EINE KLEINE SEKUNDE TRÄGT. DADURCH BLEIBT DER SCHWERPUNKT DES OSZILLATORS IN DEN VERTIKALEN POSITIONEN STETS GLEICH, WODURCH STÖRUNGEN DER SCHWINGUNGSFREQUENZ VERMIEDEN WERDEN. GEHÄUSE AUS NIOBIUM-TITAN, GEPERLTE, MIT EINEM SAPHIRCABOCHON GESCHMÜCKTE KRONE AUS TITAN, AUTOMATISCHES ASTRORÉGULATEUR-MANUFAKTURUHRWERK, KALIBER CARTIER 9800 MC (43 RUBINE, 21'600 HALBSCHWINGUNGEN PRO STUNDE, CA. 54 STUNDEN GANGRESERVE), ANZEIGE DER STUNDEN UND MINUTEN AUS DER MITTE, KLEINE SEKUNDE AUF DER SCHWINGMASSE MIT DEM REGULIERORGAN.

ERHÄLTLICH IN DEN CARTIER BOUTIQUEN IN GENF, ZÜRICH, ST.MORITZ UND BEI DEN FOLGENDEN AUSGEWÄHLTEN KONZESSIONÄREN: GENF : B & B - LES AMBASSADEURS – LUZERN : EMBASSY – ZÜRICH : BEYER – LES AMBASSADEURS


Gentlemen's Report No.2