Page 24

2.4 Impfstoffe und Antikörper Vorbeugen ist besser als heilen oder anders gesagt: Impfen ist besser als krank werden. Vor allem bei lebensbedrohlichen Krankheiten. Es gibt zwei Arten von Impfungen. Bei der aktiven Immunisierung wird der Körper angeregt, Antikörper gegen den Erreger aufzubauen. Die passive Impfung ist eine Notfallmassnahme. Hier werden direkt Antikörper gespritzt, z.B. wenn eine Starrkrampfinfektion droht. Früher mussten die Antikörper aus menschlichen Blutspenden gewonnen werden. Heute werden sie auf gentechnischem Weg hergestellt. Man spricht von monoklonalen Antikörpern. Mit Hilfe der Gentechnik können auch die für die aktive Immunisierung benötigten Bruchstücke des Erregers (Antigene) im Labor hergestellt werden. 1985 wurde der erste gentechnisch hergestellte Impfstoff zugelassen. Er schützt die geimpften Personen vor Hepatitis B, die unbehandelt zu Gelbsucht und Leberkrebs führt. Antikörper helfen neuerdings auch bei der Behandlung von chronischen Krankheiten. Bereits sind 18 gentechisch hergestellte Antikörper als Therapeutika zugelassen, etwa gegen Rheuma oder Allergien. Ein weiteres Beispiel ist ein Antikörper, der krankhafte Veränderungen im Auge bremst und damit das Sehvermögen bei älteren Menschen erhält. Anna findet impfen doof. Doch Papa hat erklärt, dass die Spritze vor einer Krankheit schützt, bei der sie im Bett bleiben müsste und vielleicht eine gefährliche Gehirnentzündung bekäme. Anna versteht das nicht ganz. Aber Papa hat ihr auch gesagt, dass sie ein neues Bilderbuch bekommt, wenn sie beim Impfen tapfer sei. Das hat Anna sehr gut verstanden.

Optimierte Impfungen Die Forschung versucht laufend, Impfstoffe zu verbessern. Zum Beispiel gegen Malaria, an der jährlich drei Millionen Menschen sterben. Hier liefert die Sequenzierung des Erbgutes des Erregers die Grundlage für neue Wirkstoffziele. Nicht zuletzt dank Gentechnik kann heute auch effizienter auf neue Erreger wie Sars oder (Vogel-)Grippe-Viren reagiert werden. Ein neuer Ansatz erprobt, DNA-Stücke des Erregers als Impfstoff zu verwenden. DNA-Vakzine haben den Vorteil, dass sie nur einmal verabreicht werden müssen und einfacher lagerbar sind. Für die Länder des Südens wäre dies von grosser Bedeutung. Impfen gegen Krebs Impfungen kennen wir vor allem gegen Kinderkrankheiten und als Schutzmassnahme bei Auslandreisen. Doch die Forschung arbeitet auch an Impfungen gegen Krebs, Diabetes oder Alzheimer, um nur einige zu nennen. Seit kurzem ist eine Immunisierung gegen Gebärmutterhalskrebs möglich. Dies ist die zweithäufigste Krebsart bei Frauen, im Schnitt erkrankt in der Schweiz täglich eine Frau. Das Spezielle an diesem Krebs: Er wird grösstenteils vom Papilloma-Virus (HPV) ausgelöst. Der gentechnisch hergestellte Impfstoff schützt gegen vier Virentypen und verhindert rund 70 % der Krebsfälle. Allerdings wirkt die Impfung nur bei Frauen, die noch nicht mit dem Virus in Kontakt gekommen sind, so dass eine Immunisierung vor dem ersten Geschlechtsverkehr stattfinden sollte.

Basisbroschüre Gentechnik  

Basiswissen, Anwendungen und Diskussionen rund um die Gentechnik

Advertisement