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1.6 Transgene Tiere Katrin ist ein Morgenmuffel. Auch heute schaffte sie es nicht rechtzeitig aus dem Bett und musste sich beeilen, was Streit gab mit der Mutter. Im Tierversuchslabor wacht sie jedoch schlagartig auf, als die Forscherin zu erzählen beginnt: «Die innere Uhr, die den Tag-Nacht-Rhythmus einer Maus bestimmt, ist durch Gene gesteuert. Doch die Ausprägung dieser Gene ist nicht bei allen Tieren gleich, was zu unterschiedlichen Aktivitätsmustern führt.» Katrin grinst zufrieden: «Das ist die Erklärung. Die Gene sind schuld daran, dass ich morgens ausschlafen und abends lange in den Ausgang will!» Tierversuche Mit Hilfe von Zellkulturen und Computersimulationen gewinnt die biomedizinische Forschung wertvolle Hinweise. Ob dieses Wissen für die Medizin nützlich ist, zeigt sich allerdings oft erst am Gesamtorganismus. Deshalb setzt die Wissenschaft Versuchstiere ein. Bei jedem Medikament muss damit gerechnet werden, dass neben der beabsichtigten Wirkung auch unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Medikamente zu entwickeln und diese direkt am Menschen anzuwenden, ist daher ethisch nicht vertretbar. Aus Gründen der Patientensicherheit sind Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben. Aus ethischen Gründen unterstehen die Tierversuche strengen Regelungen. Die sogenannte 3R-Regel «replace, reduce, refine» fordert, Tierversuche wenn immer möglich durch tierfreie Methoden zu ersetzen, die Zahl der eingesetzten Tiere zu verringern und die

Tests tierfreundlich zu. Letzteres bedeutet beispielsweise, dass die Tiere für Eingriffe Schmerzmittel bekommen oder dass sie mit Artgenossen zusammenleben und ihnen im Käfig Spielmaterial zur Verfügung steht. Mit solchen Massnahmen wird der Würde des Tieres Rechnung getragen. Aus ethischer Sicht ist es entscheidend, dass nur unerlässliche Tierversuche durchgeführt werden. Dies bedingt eine sorgfältige Güterabwägung. Was wiegt mehr: das Leid der Tiere oder der Nutzen für den Menschen? Jeder Tierversuch muss in der Schweiz durch eine Kommission bewilligt werden, in der neben Forschenden auch Tierschützer und Tierschützerinnen vertreten sind. In den letzten Jahren ermöglichte der Einsatz transgener Tiere neue Forschungsarbeiten. Ein transgenes Tier trägt in all seinen Körperzellen ein verändertes Stück Erbinformation. Mit gentechnischen Methoden lassen sich bestimmte Gene, die beim Menschen eine Krankheit auslösen, in eine Maus einbringen. Diese entwickelt dann ein ähnliches Krankheitsbild wie der betroffene Mensch. Es ist auch möglich, ein bestimmtes Gen auszuschalten. Solche Mäuse nennt man Knock-out-Tiere. Die Untersuchung des Tieres lässt Rückschlüsse zu über die Funktionen des Gens. In der Krebsforschung oder in der Immunologie spielen transgene Tiere eine wichtige Rolle. Neben der Erforschung von Krankheiten und ihrer Bekämpfung liefern transgene Tiere auch Erkenntnisse über noch unbekannte Prozesse im gesunden Körper.

Basisbroschüre Gentechnik  

Basiswissen, Anwendungen und Diskussionen rund um die Gentechnik

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