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Generationen im

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Diese Zeitschrift wird in Zusammenarbeit mit dem Kreisseniorenrat Enzkreis Stadt Pforzheim e.V. und mit Unterstützung der Sparkasse Pforzheim Calw hergestellt.

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2011


Sprechen Sie mit uns…

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Erbprinzenstr. 20 • 75175 Pforzheim • Tel 0 72 31/93 02-0 • Fax 0 72 31/93 02-11 I n t e r n e t : w w w. p f o r z h e i m e r. d e • E m a i l : i n f o @ p f o r z h e i m e r. d e


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Editorial

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Inhalt Seite

Liebe Leserinnen und Leser,

gehen wir einmal davon aus, dass es sich aufgrund zahlreicher Aufforderungen, Presseberichte, Veranstaltungen und unzähliger nationaler und internationaler Aktivitäten herumgesprochen hat: Viele Menschen brauchen Hilfe, viele können Hilfe geben und viele Menschen bringen sich nicht ein. Die andere Seite der Medaille, auch die hat sich herumgesprochen: Ein wirksames Mittel, die ewige Jugend zu erhalten, wurde noch nicht erfunden. Aber eines weiß die Medizin: will der Mensch seine geistige und körperliche Beweglichkeit erhalten, so gibt es eine ganz einfache und logische Konsequenz: er muss körperlich und geistig in Bewegung bleiben. Die Trainingsmöglichkeiten des Körpers hierfür sind zahlreich und knüpfen an seit Generationen bekannte Hilfsmittel. Hierzu kommen die zusätzlichen Helfer von Hygiene und Medizin. Die Trainingsmöglichkeiten des Geistes haben weitaus mehr zu bieten, als sich jemals ahnen ließ. Am Puls der Zeit zu leben ist eine wichtige Voraussetzung. Die geistige „Teilhabe“ am Geschehen – ein merkwürdiges Wort in unserem neuen Vokabular, hier aber präzise – ist die wichtige Voraussetzung, um zu begreifen: Was interessiert mich, womit möchte ich mich befassen – und – wo tut es Not, dass ich mich einbringe? Wir werden älter, uns ist Zeit geschenkt. Wie sinnvoll nutzen wir sie? Erweitern wir unseren Horizont, sammeln wir neue Erfahrungen und wenden wir sie an? Und gehen wir auch auf Menschen zu, die neu in unserem Umfeld leben, deren Kultur deren Religion und deren Lebensform uns bisher fremd waren, die zu uns gekommen sind, um mit uns zu leben? Auch das ist ein „geistiges Training“, das dem Beharrungsvermögen des Denkens einen menschenwürdigen Impuls gibt. Und – bei all diesen zahlreichen „Fitnessübungen für Körper, Geist und Seele“ sollten wir die Fröhlichkeit nicht vergessen. Sie ist das Salz des Lebens, dem Überleben ein getreuer Wandergefährte und das Codewort zum Tresor des Herzens. Herzlichst Ihre Gerda Görnemann

IMPRESSUM:  Herausgeber: Gerda Görnemann Lisztstraße 31, 75179 Pforzheim Telefon: 0 72 31/15 53 44 Telefax: 0 72 31/15 53 43 E-mail: cucgg@t-online.de  Redaktion: verantwortl.: Gerda Görnemann  Anzeigen: Eva Hannemann

 Grafik + Satz: Simone Bok, Agentur für Mediengestaltung, Horb a.N., Daten an E-mail: sbok@kabelbw.de  Bildbearbeitung: Repro-Mayer, Birkenfeld  Druck: Mayer & Söhne, Druck- und Mediengruppe GmbH  Erhältlich beim Herausgeber, über die Geschäftsstellen der Sparkasse Pforzheim Calw und dem Kreisseniorenrat Enzkreis Stadt Pforzheim e.V. Ebersteinstraße 25, 75177 Pforzheim

Prof. Dr. Ernst Peter Fischer: Wissen und Wolken – Was man weiß, und was man wissen sollte

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Thomas Gesterkamp: „Wild sein mit Wolfi“

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Die Jugendmusikschule Pforzheim

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Sparkasse Pforzheim Calw: Social Angels – Aktivsein verändert und „Wer rastet, der rostet“ 10 – 11 Dr. med. Dr. phil Dieter Kissel: Die Demenzfrage aus der Sicht erweiterter Heilkunst

12 – 14

Mein schönstes Sommererlebnis

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Problematik Urlaubsvertretung

34 – 35

Die Arzneimittelallergie

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Der Kreisseniorenrat – Aktivitäten und Veranstaltungen

40 – 44

Rechtsanwältin Isabel Hutter: Richtig Schenken

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Prof. Dr. Ulrike Krenzlin: Wer war der Naumburger Meister? und Händelfestspiele: Rinaldo 46 – 49 Schmuckmuseum Pforzheim informiert: Hammer, Skizze und CAD – 90 Jahre Goldschmiedeschule 50 – 51 Schmuckwelten Pforzheim: Gläserne Manufaktur

52 – 53

Atelier Bunz: Traumstunden, eine sinnliche Begegnung

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Zeit im Schmuck: Josef Hoffmann

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Ein guter Start ins Leben – Initiative der Sparkasse Pforzheim Calw für Kinder und junge Leute

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Neues Energie- und Beratungszentrum eröffnet

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Bücher – Bücher – Bücher

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Die Löbliche Singergesellschaft

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Der Pforzheimer Hauptfriedhof: Der Garten der Ruhe

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Prolog zum Schmuck

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Sparkasse Veranstaltungskalender

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Titelfoto: Achatdruse von Schmuck-Designer Gregor Telgmann, Hintergrundbild shutterstock.com (djgis)

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Prof. Dr. Ernst Peter Fischer

Wissen und Wolken – Die Wissenschaft von der Natur bringt Weltbilder hervor, wodurch sie als zutiefst menschliches Abenteuer einen wesentlichen Beitrag zur Bildung liefert, nicht zu irgendeiner Weiter-, sondern zur Weltbildung, wenn man es deutlich sagen will. Das sollte man meiner Ansicht nach wissen, und alle, die dies nicht tun, sollten ab sofort ganz ruhig bleiben, wenn über Bildung gesprochen wird. Zu den frühen Weltbildern der Physik gehört die Darstellung des Universums, die Isaak Newton vor 1700 entworfen hat und die sich anschaulich als Newtonsches Uhrwerk bezeichnen lässt. In seiner Mechanik laufen zum einen die Planeten am Himmel auf berechenbaren Bahnen um ihre Zentralgestirne, und nach seinen Gesetzen bewegen sich zum zweiten die Gegenstände auf der Erde, wenn sie eine Kraft erfahren. Das lohnt sich deshalb zu wissen, weil sich nun einige Fragen besser erörtern lassen, deren Verständnis wesentlich für unsere Kultur ist. Eine Frage lautet, wo der Gott in solch einem kosmischen Uhrwerk bleibt, an den Newton fest glaubte, den er permanent am Werk sah und ohne den sein Uhrwerk (und damit unsere Welt) tatsächlich nicht auskommt, wie im Detail zu wissen seinen Reiz hat. Eine zweite Frage lautet, ob man mit Newtons Gesetzen wirklich verstanden hat, wieso zum Beispiel der berühmte Apfel und andere Objekte zur Erde fallen. „Natürlich wissen wir das“, würden jetzt grinsende Moderatoren in TV-Shows ausrufen, ohne ihren Blick von dem Teleprompter zu wenden. Von ihm lesen sie die Worte ab, „Das liegt an der Schwerkraft“, um sich danach anderen Themen zuzuwenden. Sie merken nicht, dass die Zuschauer spüren, wie sie ihr vorgetragenes Wissen nur vortäuschen und nicht einmal wissen wollen, dass niemand weiß, wie die Schwerkraft zustande kommt und was sie ist. Sie wissen auch nicht, dass große

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Wissenschaftler am Ende ihres Lebens zu der Ansicht gekommen sind, dass sie nur Fragen haben und die wesentlichen Dinge rätselhaft bleiben oder durch ihre Antworten noch geheimnisvoller geworden sind. Als Beispiel kann auf Albert Einstein verwiesen werden, der am Ende seines Lebens geschrieben hat, dass inzwischen zwar „jeder Lump“ zu wissen meine, was Licht ist, dass der sich aber sehr irre. Ihn selbst – Einstein – hätte jahrzehntelanges Nachdenken über die Natur des Lichts keine Klarheit gebracht. Vielleicht hätte er etwas mehr fernsehen sollen. In den dortigen Redaktionen weiß sicher jemand Bescheid. Übrigens – wer dieses Wissen vom Nichtwissen teilt, braucht nicht zu verzweifeln. Er kann zum Beispiel Rat bei Einstein finden, der wusste, was wir alle empfinden, dass nämlich das Schönste, was ein Mensch erleben kann, das Gefühl für das Geheimnisvolle ist. Es steht für Einstein an der

Wiege von Kunst und Wissenschaft, und es steht für unsere Zwecke am Beginn eines Gesprächs. Denn das kann doch ein sinnvoller Zweck des Wissens sein – mit dem, was man meint, verstanden und erfasst zu haben, ein Gespräch zu führen, um mit dem Gegenüber offene Frage zu erörtern, wie sie stets bleiben. Der jetzt mehrfach betonte Gedanke, dass Wissen stets erweitert und die Wissenschaft niemals abgeschlossen werden kann – davon leben die Universitäten und andere akademische Einrichtungen –, gehört nicht zur Epoche der Aufklärung, wie man meinen könnte. Er ist vielmehr in der Epoche der Romantik aufgekommen. Ihre Vertreter wollten die Natur im Modell der Kunst verstehen, was konkret heißt, dass sie die Natur durch die Form (ein Modell oder Bild) erfassten, die sie ihr gaben. Mir scheint, ein Großteil der modernen Forschung verläuft auch heute noch romantisch, nur dass dies niemand weiß oder einräumt, was schade ist und einen möglichen Weg zur Vermittlung von Wissen und Wissenschaft blockiert. Zurück zu den offenen Fragen. Es stellt sich nämlich eine weitere – dies wäre dann die dritte – zu Newtons Uhrwerk, und zwar deshalb, weil sein Weltbild keineswegs allein geblieben ist und ihm Partner an die Seite gestellt werden konnten unter anderem von dem genannten Einstein, der dabei dem ganzen Kosmos eine andere Geometrie übergestülpt hat. Die Frage lautet jetzt, ob Newtons Uhrwerk damit obsolet ist, und die überraschende Antwort heißt: „Auf keinen Fall, denn mit Newtons Gleichungen kann man nach wie vor zum Mond fliegen“. Weil das so ist, sollte man sich endlich wundern und aufhören, den Leuten zu glauben, die predigen, Einstein habe Newton überwunden. Einstein hat keine bessere, sondern eine andere Theorie vorgelegt, und beide Entwürfe sind „freie Erfindungen


was man weiß, was man wissen sollte des menschlichen Geistes“, wie er geschrieben hat, die in ihrem Rahmen funktionieren. So etwas kann doch denjenigen, die es wissen, nur Freude bereiten. Und deshalb sollte man das wissen. Solche Fragen können natürlich nicht Teil von Quizsendungen im TV sein, die früher, als ich noch ein kleiner Junge war, „Hätten Sie´s gewusst?“ hießen und bei denen man die Rubrik „Was man weiß, was man wissen sollte“ auswählen konnte. Da gab es Fragen, deren Antwort man damals kannte und die man auch heute noch unbedingt kennen sollte: Wie sieht in Deutschland die Gewaltenteilung aus? Was ist die Bundesversammlung? Wovon handelt Artikel Eins des Grundgesetzes? Wer wählt den Bundeskanzler? Da gab es aber auch Fragen, bei denen schon damals herum gestottert wurde und die heute erst recht wichtig sind, weil sie Dinge erfassen, die tagtäglich zu hören sind und unser Leben betreffen: Was ist der Treibhauseffekt? Was ist besonders am Licht eines Lasers? Was ist eine Kaltfront? Was ist ein Katalysator? Was macht ein Transistor? Das sind keine seltsamen Wunderdinge. Das ist vielmehr unsere Gegenwart mit Wetterbericht, Abgasen aus dem Auspuff und Trillionen von Schaltelementen, die in Computer und Handys eingebaut werden und die zweite Natur schaffen, in der wir leben. Solange wir nichts von ihr und ihrer Herkunft wissen, werden wir uns unbehaglich – wörtlich: unheimlich – in ihr fühlen, und das kann niemand wollen, wie man weiß. Doch welches Wissen gibt uns ein besseres Gefühl für die Gegenwart? Ganz sicher nicht die punktuellen und isoliert bleibenden Kenntnisse, die als austauschbare Fakten in den Quizsendungen abgefragt werden und sich überall nachschlagen lassen. Dies geht heute im Internet mit Hilfe von Google und Wikipedia viel be-

quemer als früher, als man sich noch von seinem Stuhl hochwuchten und zum Bücherschrank begeben musste, um etwa einen schweren Brockhausband in die Hand zu nehmen und dort das Gesuchte nachzuschlagen. Man muss nicht unbedingt wissen, was man in leicht zugänglichen Quellen finden und dann übernehmen kann. Das soll aber nicht heißen, dass man sein Gedächtnis zu schonen hat – da ist eher das Gegenteil angesagt und dringend zu raten, ihm möglichst viel Stoff anzuvertrauen, wobei ich Gedichte bevorzuge. Und es soll ebenso wenig heißen, dass es keinen Spaß bereiten kann, wenn man etwa die Lebensdaten von Einstein und Picasso parat hat und dabei merkt, dass die beiden Zeitgenossen waren – und nicht nur das, wie man anschließend, neugierig geworden, dann selbst erkundet. Sie haben ihre revolutionären künstlerischen und wissenschaftlichen Beiträge sogar zeitgleich zustande gebracht, was jetzt nach einer Erklärung verlangt. Um sie kann sich das bereits empfohlene Gespräch drehen, in dem das Wissen von zwei oder mehreren Personen zu dem Bild zusammenwächst, mit dem sich eine Zeit oder eine Epoche verstehen lässt. Wer mich fragt, was man wissen sollte, bekommt als Antwort: „Man sollte wissen, dass solche Gespräche möglich sind und sich lohnen.“ Wer sie führt, wird irgendwann versuchen, sich ein Bild von der Welt zu machen, das Einstein und seine Kollegen entworfen haben und das anders ist als das von Newton. Gibt es für die moderne Weltsicht auch einen so eleganten Begriff, wie es früher das Uhrwerk lieferte? Die Antwort heißt Ja, und wir verdanken ihn dem Philosophen Karl Popper, der nicht nur an Einstein, sondern an viele andere Entwicklungen der Physik dachte, die das 20. Jahrhundert mit sich gebracht hat, als der Mut zunahm, nicht nur einfache, son-

dern auch komplexe Systeme unter die Lupe der Wissenschaft zu nehmen. Dabei ist erkannt worden, dass selbst dann, wenn in einem Geschehen alles nach den Gesetzen der Physik abläuft, die Entwicklung nicht vorhersehbar ist. Mit anderen Worten, selbst wenn alles Geschehen durch Naturgesetze bestimmt wird, liegt nicht fest, was passiert, und Freiheit ist möglich. Das sollte man wissen, und Popper hat dies in dem anschaulichen Bild zusammengefasst, dass unsere Welt kein Uhrwerk ist, wie es Newton noch entwickelt hat. Unsere Welt ist eher wie eine Wolke, in deren Form neben den Gesetzen noch das Zufällige und Unerwartete einfließt, was das grazile Gebilde vermutlich erst recht attraktiv macht. Das Bild von der Wolke wird viele Zeitgenossen sofort an das neue Konzept der IT-Industrie denken lassen, in dem von „Cloud Computing“ die Rede ist, wobei diese Wolken eigene Rechenzentren überflüssig machen und eine neue Art von Speicher darstellen sollen. Wird damit das Wissen in Wolken stecken? Nein. In den Wolkenspeichern stecken Informationen und Daten, die einzelne Menschen zu ihrem Wissen machen können, um zu verstehen, dass sie erstens in einer Wolke – siehe oben – existieren und dass auch ihr Wissen solch ein schwebendes Gebilde ist. Denn wenn wir von der Natur sprechen, dann reden wir ja nicht über sie selbst, sondern über das Wissen, das wir von ihr haben. Nur darum geht es, nur darüber können Menschen sich verständigen. Wenn wir die Welt als Wolke fassen, wird dieses Gespräch leichter, denn dann ist auch unser Wissen eine Wolke. Einem Romantiker würde dies gefallen. Das Wissen hat jetzt eine Form, und zwar eine, die jeden Tag neu geschaffen wird, ohne jemals herunterzufallen. Die Wolke bleibt oben, und wir mit ihr. Will jemand wissen, wie sie das macht?

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Thomas Gesterkamp

»Wild sein mit Wolfi« Wie Erzieher

Thomas Gesterkamp, Journalist und Autor.

Wenn Zeitungen oder Fernsehsender über männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten berichten, geraten gut gemeinte Geschichten schnell zum Klischee. Die vorgestellten Erzieher sind Männer wie aus dem Märchenbuch: Alleskönner, außen hart und innen ganz weich, gute Kumpel und keine Basteltanten. Ganze Kerle eben. Christian Roy-Chowdhury ist „ein Mann wie ein Baum”. Ein Meter 90 ist er groß und „mehr als zwei Zentner schwer”. „Das dunkle schulterlange Haar” hat er „zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden”. Der 38-Jährige ist Erzieher in der integrativen Kindertagesstätte Dormagen-Stürzelberg im Kreis Neuss. „Auf Feten machen sich meine Freunde manchmal den Spaß, Leute meinen Beruf erraten zu lassen”, erzählt Roy-Chowdhury schmunzelnd der Rheinischen Post. Richtig getippt habe „bislang noch niemand”. Im Privatleben ist der Pädagoge „begeisterter Motorradfahrer”, und im beruflichen Alltag kommt er „ganz selbstverständlich” auf Ideen, die seinen Kolleginnen „eher fern” liegen: „Feuer machen, mit Wasser spritzen, Fußball spielen – da ist der Kindergärtner in seinem Element”. Wolfgang Pomierski weiß, „wie man Besenstiele in Pferde verwandelt. Er reißt Fahrkarten für Busse ab, die aus vier Holzstühlen bestehen.” Damit nicht genug: Der 50jährige Erzieher aus der Kita Fünfhandbank in Essen-Kray ist ein „phantastischer Geschichten-Erzähler” – und „ein Buden-Bauer, einer, mit dem man wild toben und auf Bäume klettern kann”. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung jubelt schon in der Überschrift: „Wild sein mit Wolfi”. So nennen ihn „zärtlich seine Fans, die „zwischen zwei und sechs Jahre alt sind”. Auch die Mütter sind angetan: Männliche Erzie-

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her, erzählt eine, „lassen den Kindern mehr Freiräume, trauen ihnen mehr zu und sind auch oft entspannter”. „Wolfi” bleibt auch bei riskanten Spielen ganz ruhig. „Die Kinder klettern an Seilen. Irgendwann sind die oben und man denkt, oh je, hoffentlich geht das gut. Wolfgang sagt: ‘Das geht schon’.” Dank energischer männlicher Initiative geht man in der Essener Kita „auch bei Regen raus” – oder zumindest in den Räumen der Tagesstätte auf „Fantasiereisen, bei denen die Kinder im Cockpit sitzen”. Fazit der Autorin: „Die brave Mal- und Bastelstube war gestern.” Michael Oehme war früher Gebäudereiniger und Maschinenführer in einer Kabelfabrik. Nach zwei Bandscheibenvorfällen wollte er „etwas Neues machen”. Der 43-jährige „Quereinsteiger” absolvierte eine reguläre Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher. Jetzt ist er Fachkraft in der Kita Franz-Wallraff-Straße in Aachen-Brand. Manchmal rasiert er sich tagelang nicht, weil „die Kinder das toll finden. Eine Frau mit Bart gibt es hier nicht.” Pädagogisch wertvolles Spielen mit Rasierschaum am lebenden Objekt: Die Kleinen aus der gelben Gruppe dürfen Oehmes Gesicht dick eincremen – „eine gute Übung für den Tastsinn”, loben die Aachener Nachrichten. Auch wenn sich die Pausengespräche in seiner weiblich geprägten Umgebung „um Brust-OPs drehen”, bleibt der „einzige Mann unter 15 Frauen” wunderbar gelas-

sen. Mit seiner „netten ruhigen Art” löst der männliche Außenseiter Konflikte einfach anders: „Er zickt nicht so rum wie manche Frauen”, sagt eine Kollegin. Das ist der Reporterin prompt die Schlagzeile wert. Einsatz im Sandkasten Drei Beispiele für die Berichterstattung über das Thema „Mehr Männer in Kitas”. Die Bundesregierung hat dazu ein Millionen Euro schweres Programm aufgelegt und an vielen Orten Modellprojekte gestartet (siehe Kasten). Seither porträtieren vor allem Regionalzeitungen das exotische männliche Personal. Die vorgestellten Erzieher sind meist jung, die Älteren haben vorher oft in einem „typisch männlichen” Beruf gearbeitet. Manche kommen gar, kaum zu glauben, von der Bundeswehr: Statt in der Kaserne oder auf Patrouille liegt ihr „Einsatz im Sandkasten”, titelt griffig die Financial Times Deutschland. Einsatz für Nick Erdmann, Kita Preußstraße, Berlin-Prenzlauer Berg. Er „war mal Koch und Soldat, aber beides langweilte ihn”. In der Bundeswehrfachschule ließ sich Erdmann zum Erzieher umschulen, inzwischen kann er sich „nichts Besseres mehr vorstellen”. Vom harten Militär zum sanften Fürsorger. Dabei misst Erdmann nicht mal zwei Meter, sondern ist laut Beschreibung der Berliner Tageszeitung „klein, kompakt” und „kahlköpfig” – aber immerhin „an den Oberarmen tätowiert”. Weniger als drei Prozent der Fachkräfte in Kindertagesstätten sind Männer. Die Bundesregierung will diesen Anteil mittelfristig auf zwanzig Prozent steigern. Die Vorreiter werden als Vorbilder gefeiert. Das funktioniert wie die berühmte Meldung „Mann beißt Hund” – das Gegenteil ist einfach keine Nachricht wert. Autoren dieser Berichte sind fast immer Frauen. Die Journalistin-


in den Medien porträtiert werden nen bemühen sich redlich, gegen Abwertungen wie „Weichei” und „Weiberkram” anzuschreiben – und tappen gerade deshalb in die Falle: Sie porträtieren männliche Erzieher als traumhafte Tausendsassas. Schränke mit Herz, Vorbilder fürs Grobe und dennoch fürsorglich: Willi Göbel, Sozialpädagoge und Leiter der städtischen Kita Hunoldstraße in Köln-Porz, war vor 37 Jahren „einer der ersten im Frauenberuf”. Der „Hüne” fand es damals „gewöhnungsbedürftig, auf Kinderstühlchen zu sitzen” und „in den Pausen zwischen all den strickenden Frauen Zeitung zu lesen”. Männer studieren im Aufenthaltsraum die mediale Weltlage, Frauen vergnügen sich derweil mit Handarbeit. Können und wollen die jungen Kolleginnen überhaupt noch stricken? „Willi Göbel ist keine Basteltante”, verkündet die Kölnische Rundschau. Der männliche Pädagoge hat durchgegriffen. Die „beziehungslosen Basteleien, zum Beispiel für Muttertag” hat er kurzerhand abgeschafft. Bartträger basteln nicht, sie bauen! Abwertung von Erzieherinnen Und die elektronischen Medien? In der Sendung „nano“ auf 3sat zeigt ein Erzieher, umringt von Kindern, wie die Maschine funktioniert. Im Länderreport von Deutschlandradio Kultur hat selbstredend die männliche Fachkraft für eine Kita in Brandenburg den technischen Baukasten angeschafft. „Zwei Zahnräder auf einem hölzernen Steckbrett. Johanna dreht am Schwungrad, ein hölzerner Zapfen springt von Zahn zu Zahn”. Den „Erfolg für die kleine Ingenieurin” darf Kevin Kühne für sich verbuchen. Der Erzieher ist auch zur Stelle, „wenn der Bobby-Car ein Rad verloren hat”. Männer in Kitas kennen sich mit Technik aus, sie toben und raufen, machen Schneeballschlachten und sind Fußfallfans. Festschreibungen

Mehr Männer in Kitas „Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten” heißt eine empirische Studie, die die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin gemeinsam mit dem Heidelberger Forschungsinstitut Sinus Sociovision 2010 vorgelegt hat. Die Expertise im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stellt unter anderem heraus, dass der Anteil der männlichen Erzieher am Fachpersonal in Kindertagesstätten bei gerade einmal 2,4 Prozent liegt. Die durchgeführten Befragungen kommen zu dem Ergebnis, dass Träger, pädagogische Fachkräfte und Eltern eine Steigerung des Männeranteils für wünschenswert halten. Die Studie benennt aber auch Vorbehalte und Barrieren, die einer stärkeren männlichen Präsenz in Kindertagesstätten im Wege stehen. Auf der Grundlage der Untersuchung startete die zuständige Ministerin Kristina Schröder das vom Europäischen Sozialfonds unterstützte Modellprogramm „Mehr Männer in Kitas”. Im Rahmen dieser Initiative, die von 2011 bis 2013 läuft, sollen Kindertageseinrichtungen mit innovativen Ideen dazu beitragen, dass sich mehr Männer für den Beruf des Erziehers entscheiden. Die Koordinationsstelle Männer in Kitas, angesiedelt bei der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin, bündelt die Bemühungen der Bundesregierung, den Anteil männlicher Fachkräfte zu erhöhen.

dieser Art finden sich vor allem dann, wenn Autorinnen mit besten Absichten darstellen wollen, was Männer im Umgang mit Kindern vielleicht anders machen. Das Ergebnis ist der „starke Mann im Kindergarten”, wie ihn die Neue Osnabrücker Zeitung nennt. Das Idealbild des weichen, aber zugleich risikobereiten und handwerklich versierten männlichen Alleskönners enthält eine Abwertung der weiblichen Pädagoginnen, die solche Vielfalt in ihrer Persönlichkeit angeblich nicht zu bieten haben. Es gibt auch Medien, die ohne die geschilderten Klischees auskommen. Vor allem pädagogische Fachzeitschriften, Fachforen im Netz und die Webseiten der Projektträger setzen sich differenzierter mit Geschlechterrollen auseinander. „Mehr Männer in Kitas” ist ein wünschenswertes politisches Ziel; gerade Jungen brauchen unbedingt mehr gleich-

geschlechtliche Vorbilder in ihrer unmittelbaren Umgebung. Der Anteil männlicher Bezugspersonen in der Frühpädagogik ist noch viel zu niedrig – was auch (aber nicht nur) mit der schlechten Bezahlung von Erzieherinnen zu tun hat. Ob junge Männer sich motivieren lassen, diesen Beruf zu wählen, wenn die dort schon tätigen Erzieher als pädagogische Superhelden präsentiert werden?

Der Autor Thomas Gesterkamp ist Journalist und Buchautor zu familien- und geschlechterpolitischen Themen, zuletzt „Die neuen Väter zwischen Kind und Karriere” (2010) und „Die Krise der Kerle” (2007). Für die Koordinationsstelle Männer in Kitas hat er analysiert, wie und wo die Medien das Projekt aufgreifen.

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Die Jugendmusikschule Pforzheim

Andreas Michel, Leiter der Jugendmusikschule.

Macht man sich in Pforzheim auf die Suche nach Goldquellen in dieser Stadt, so findet man eine davon ganz sicher in der Jugendmusikschule. Dort lebt und lehrt man die Vielseitigkeit der Töne und Instrumente, die Generationen als Lebenselixier und Quelle der Freude auf ihren Lebensweg begleiten. Und der Unterricht am Instrument wird gewürzt durch Veranstaltungen, – ob im Vorspielen als Solist oder im Zusammenspiel – die mit dem Stolz am Erfolg ein neuer Ansporn für die Mühe des Übens sind.

tarre und Keyboard. Es ist also ein weites Spektrum der Möglichkeiten. Es ist nie zu früh und nie zu spät für das aktive Musikleben. Das musikalische Feuerwerk Höhepunkt der Sommerveranstaltungen der Jugendmusikschule war „Das musikalische Feuerwerk“, eine internationale Weltpremiere, in der 60 junge Künstler aus elf Ländern musizierten. Hauptziele des Wettbewerbs waren die Entwicklung internationaler Kontakte für Zusammenarbeit und Kommunikation, Identifikation von jungen, talentierten und viel versprechenden Künstlern, die Möglichkeit des kreativen Ausdrucks und beruflicher Entwicklung, die Vertrautheit mit modernen Lehrmethoden und kulturellen Traditionen verschiedener Länder und Regionen. Die Akteure kamen u.a. aus den USA, Russland, den Niederlanden, Frankreich, Bulgarien und China. Diese Veranstaltung wurde auf Initiative des Verbandes „Musikalische

dass die Jugendmusikschule auch für Erwachsene und Senioren zuständig ist. Wie viele haben in ihrer Kindheit ein Instrument gelernt! Man sollte wieder einsteigen. Das Angebot der Musikschule umfasst sowohl alle Streichinstrumente, als auch Trompete, Horn, Gitarre, Klavier, Akkordeon, Schlagzeug, E-GiImmer wieder finden Veranstaltungen statt unter dem Thema „Musik zum Anfassen“, sozusagen ein „Schnupperkurs“ mit Instrumenten. Hier können die verschiedenen Instrumente unter Anleitung der Musiklehrer ausprobiert werden. Wichtig ist es, darauf hinzuweisen,

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Kultur Karlsruhe“, der Philharmonie Baden-Württemberg, des Oberbürgermeisters, des Kulturamtes sowie der musikalischen Öffentlichkeit der Stadt Pforzheim durchgeführt.


zeigte ihr musikalisches Feuerwerk Das Orchester der JMS Unter der Leitung von Oliver Scherke wurde von den Streicherlehrerinnen und -lehrern anlässlich des Einzugs der Jugendmusikschule in das neue Gebäude am Waisenhausplatz im Jahre 2002 aus der Taufe gehoben und feiert somit 2012 sein 10-jähriges Bestehen. Seinen ersten Auftritt hatte es beim Eröffnungskonzert am 17.11.2002 mit der Feuerwerksmusik von Händel. Schon bald zeigte sich, dass es besonders gewinnbringend ist, wenn auch Lehrer und Lehrerinnen

der Schule gemeinsam mit ihren Schülern in einem Orchester auftreten. Im Laufe der Jahre kamen auch musikbegeisterte Eltern sowie interessierte Erwachsenenschüler hinzu. In vielen Fällen sind es übrigens die Eltern selbst, welche an der Musikschule ihre Fähigkeiten am Musikinstrument weiter vertiefen. Mithilfe solch starker Vernetzung gelang es im Laufe der Jahre, auch große und bekannte Werke der sinfonischen Musikliteratur einzustudieren und aufzuführen, wie z.B. Schumanns Klavierkonzert mit Oliver Maiwald als Klaviersolist, Beethovens berühmte „Fünfte“ oder auch die dritte Sinfonie, die sogenannte „Rheinische Sinfonie“ von Schumann. Besonders reizvoll ist in diesem Zusammenhang die Arbeit mit begabten SchülerInnen der JMS, die durch den Auftritt als Solisten mit dem Orchester die Möglichkeit bekommen; ihre Fähigkeiten besonders

am Tag ungestört proben. So reiste das Orchester beispielsweise 2010 und 2009 in das schöne Rothenburg o.d. Tauber. Um diese Projekte in Zeiten knapper Kassen zu ermöglichen, konnte das Orchester mehrfach auf groß-

wirkungsvoll zu präsentieren wie jüngst am Musikschultag der JMS, am Samstag, dem 9.7.2011. Marie Odenthal,10 Jahre, 5. Unterrichtsjahr Geige in der Klasse von Oliver Scherke, Denil Usainov, 12 Jahre, 6. Unterrichtsjahr in der Klasse von Stefan Glöckler und Sarah Bopp, 13 Jahre, 7. Unterrichtsjahr in der Klasse von Shanhong Scherke führten gemeinsam das Violinkonzert a-moll op.3 Nr.6 von Antonio Vivaldi auf, wobei Marie den ersten Satz, Allegro, Denil den zweiten Satz, Largo und Sarah den dritten Satz, Presto, spielten. Im Anschluss wurde gemeinsam mit allen der erste Satz, Allegro, aus der Sinfonie D-Dur von Luigi Boccherini gespielt. Dieses Konzertprogramm wurde noch einmal anlässlich der „Italienischen Nacht“ am 22. Juli, in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Pforzheim, der Stadtbibliothek und dem Café Prosa, in den Räumen der Jugendmusikschule aufgeführt. Ein besonders attraktives Podium für das Orchester bilden die jährlich stattfindenden großen Jahreskonzerte, die meistens im CCP (CongressCentrumPforzheim) stattfinden. Um diese besonders gründlich vorzubereiten, fahren die SchülerInnen mit den Instrumentallehrern regelmäßig zu Orchesterfreizeiten und können dort bis zu sechs Stunden

zügige Spenden der Firma Dentaurum, Pforzheim, zurückgreifen. Auch der Richard Wagner-Verband Pforzheim spendete dankenswerterweise mehrfach Beträge, um die Arbeit des Orchesters zu unterstützen. Obwohl der Großteil der MitspielerInnen natürlich aus SchülerInnen der JMS besteht, sind SchülerInnen aus allen Schulen der Region mit vorhandener Eignung herzlich eingeladen mitzuspielen. Die wöchentlichen Proben der Streicher finden an Schultagen freitags um 17.30 Uhr im Gebäude der JMS statt. Die Bläser kommen später, je nach Programmauswahl, hinzu. Nachfragen werden gerne über die JMS, Telefon 393500 oder per Email: info@jugendmusik schule-pforzheim.de entgegengenommen.

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Die Sparkasse Pforzheim Calw informiert:

Aktivsein Senioren vor dem Wechsel in den Ruhestand waren die Ansprechpartner einer Veranstaltung, die unter dem Thema „Aktivsein verändert“ in Zusammenarbeit mit der Social Angels Stiftung und Vertretern gemeinnütziger örtlicher Organisationen in der Schalterhalle der Sparkasse stattfand und von Stephan Scholl, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse, eröffnet wurde.

Unter dem Thema „Social Angels als Mittler zwischen Wirtschaft und Sozialem“ stand das Podiumsgespräch zwischen Burkhard Thost, Präsident der IHK Nordschwarzwald, Karl Röckinger, Landrat des Enzkreises, Jürgen Röser, Vorsitzender der Social Angel Stiftung und Stephan Scholl, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse. Es wurde auf die Veränderung der Strukturen durch den demografischen Wandel hingewiesen. Die heutige Seniorengeneration bleibe länger jung und aktiv, und schon um diese Gegebenheiten zu erhalten, sei eine sinnvolle Einbringung von Hilfe und Mitarbeit an den interessanten und nützlichen Aufga-

Jürgen Röser, Vorstand Sicial-Angels-Stiftung; Karl Röckinger, Landrat des Enzkreises; Burghard Thost, Präsident IHK Nordschwarzwald; Stephan Scholl, stv. Vorsitzender des Vorstandes Sparkasse Pforzheim Calw.

Abb. rechts: Katrin Altpeter, Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren trägt sich in das Buch der Stadt Pforzheim ein.

„Aktiv und kreativ im Rentenalter“ Auf dieses spezielle Thema hat sich die Stiftung fokussiert, indem sie nicht nur den Kontakt zu den Aussteigern, sondern auch zu den Arbeitgebern als Verbindungsstelle

sucht, um durch sie rechtzeitig vor dem Ausscheiden die Betroffenen zu erfahren und mit ihnen Ideen für interessante neue ehrenamtliche Aktivitäten zu entwickeln.

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Die 2007 gegründete Stiftung ist eine Initiative des Unternehmers Jürgen Röser und wurde vom Bundesministerium mit dem „Leuchtturm“ ausgezeichnet. Gastrednerin Katrin Altpeter, Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren, bestätigte die Berechtigung dieser Auszeichnung.

ben unserer Zeit notwendig. Um den Einzelnen hierbei eine Vorbereitung zu ermöglichen, gibt es im Rahmen der Stiftung entsprechende Schulungsprogramme.


verändert Über bereits existierende „Lokale gemeinnützige Projekte und Anlaufstellen der Region“ und die Möglichkeit, sich bereits hier ehrenamtlich einzubringen, berichteten und informierten im Rahmen der Podiumsrunde die Sprecher folgender Einrichtungen: Freiwilligen Agentur Pforzheim-Enzkreis, Caritas Pforzheim, Kreisseniorenrat Enzkreis Stadt Pforzheim, Bund Nordschwarzwald, das Landratsamt Enzkreis, die Neustart GmbH, das Kulturhaus Osterfeld und das Bus & Bahn Team. Ina Gräfin von der Schulenburg (Abb. oben) führte als Moderatorin die Veranstaltung.

Jetzt kommt die Zeit der Ruhe, die man sich in all den Jahren der Schufterei redlich verdient hat. Und dann? Wir wissen, oft ist es eine tückische, hinterhältige Ruhe. Denn Körper und Geist fordern ihr Recht auf eine wirksamgemischte Tagesration an aktivem Erleben, Handeln und Mitwirken, das positive Feedback oder auch die liebenswerten Streicheleinheiten aus Leistung und Erfolg. Wissenschaft, Medizin, Altenheime und pflegende Familien wissen ein Lied davon zu singen. Fazit? WER RASTET, (DER) ROSTET! Der Goldschmied und Designer Gregor Telgmann hat diese sprichwörtliche Redensart in ein kunst-

volles Objekt umgesetzt. Das Unikat ist eine kostbare Interpretation dieser in unserer Zeit so aktuellen Thematik. Gregor Telgmann ist 1940 geboren und Goldschmied und Metallbildhauer aus Leidenschaft. 1969 eröffnete er sein eigenes Atelier in Kamen. Musik, Architektur und Naturerlebnisse inspirieren ihn zu außergewöhnlichen Schmuck-Unikaten und Kunstwerken. Seine Arbeiten wurden national und international ausgestellt und prämiert. „Für die Kunst, die ich entwerfe und fertige, wird mir sehr viel Freude und Begeisterung entgegengebracht. Diese Begeisterung für das Schöne mit anderen Menschen zu teilen erfüllt mich mit tiefer Freude.“

, t e t s a r r e „W der ros tet! “ Das Thema „Aktivsein musikalisch“ wurde überzeugend von dem Duo Matthias Hautsch und Ira Diehr umgesetzt. Nach der Veranstaltung hatte man die Möglichkeit, sich an den Ständen über weitere Einzelheiten der vorgestellten Projekte zu informieren. Die entscheidende Lebensphase zwischen Beruf und Berufung Im Fokus der Thematik stehen Menschen, die sich nach der Absolvierung ihrer gesetzlich vorgegebenen Berufsjahre dem Genuss von Rente und Freizeit hingeben können. Welch eine Erlösung. Endlich frei von Arbeit und Stress, Ärger und Pflichten.

Material: Sterling Silber 925/–, Gelbgold 750/–, Brillant 0,040 ct. Fancy, 1 Achatdruse

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Dr. med. Dr. phil. Dieter Kissel

„Lang ist die Zeit, es ereignet sich aber Die Demenzfrage Draußen auf dem Öschelbronner Hügel steht das Johanneshaus, ein Zentrum für Lebensgestaltung im Alter; dort wird in den nächsten Jahren ein Haus für demenzkranke Menschen gebaut, das vom Land gefördert wird und schließlich etwa 50 Bewohnern eine Lebensraum bieten soll. Das neue Haus soll den Namen: Ernst-ZimmerHaus tragen.* Die Initiativen am Eichhof (dazu gehören neben dem Johanneshaus die Klinik Öschelbronn und das Carus-Forschungsinstitut) arbeiten aus dem Impuls der Anthroposophie heraus. Welche Erkenntnisse können wir nun aus dieser besonderen Weltsicht der Anthroposophie für die Altersfrage, bzw. für die Demenzfrage der Gegenwart erwarten? Im Jahre 1925 veröffentlichten Dr. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie und die Ärztin Dr. Ita Wegmann ein Buch, dem sie den Namen: „Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“ gaben. Dort lesen wir in dem ersten Abschnitt folgende Ausführungen: „Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll an-erkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.

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Friedrich Hölderlin: aus dem Gedicht Mnemosyne Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser erweiterten Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten…. Die Erweiterung der Welt- und Menschenerkenntnis sehen wir in der von Rudolf Steiner begründeten Anthroposophie. Sie fügt zu der Erkenntnis über den physischen Menschen, die allein durch die naturwissenschaftlichen Methoden der Gegenwart gewonnen werden kann, diejenige vom geistigen Menschen.“ Im Folgenden führen Autoren nun aus, worin diese Unterschiede bzw. Ergänzungen liegen, und sie sehen dies in der Erkenntnis der Wesensglieder des Menschen. Im Blick auf die Biographie des Menschen lässt sich nun eine Vielzahl von Phänomenen auffinden, die einer erweiterten Erklärung bedürfen und die sie schließlich durch Erkenntnis des geistigen Menschen auch finden. Wie anders gestalten sich Krankheiten in der Kindheit und im Alter. So haben wir bis etwa zum siebten Lebensjahr hin hochfieberhafte, hochentzündliche, farbige Krankheitsbilder, die das Sprühende, Überlebendige des kindlichen Organismus geradezu vorstellen. In diesem Säftestrom „kocht“ das wässrig-lymphatische Kind seine Krankheiten so richtig aus, um jeweils verwandelter, reifer, daraus hervorzugehen.

Schon jenseits des siebenten Jahres sieht die Gestalt der Krankheit anders aus, sie wird um die Lebensmitte ausgeglichener, sanfter, wenn sie dort überhaupt stattfindet. Im Alter haben wir dann mehr kalte, so genannte degenerative, das heißt abbauende, zerstörende Krankheitsgestaltungen, was zum Beispiel an den Gelenken von Hüfte oder Knie oder an den arteriellen Blutgefäßen (dort als Ablagerungen) deutlich wird, ganz abgesehen von der gestaltzerstörenden Krebskrankheit, deren Domäne ja geradezu das höhere Lebensalter ist. Die durch Anthroposophie erweiterte Medizin versucht, diesen Phänomenen mit den Polaritäten von Entzündung und Sklerose beziehungsweise Entzündung und Karzinom Rechnung zu tragen. Die phänomenologische Betrachtung der Lebensalter Kindheit und Alter weist einen weiteren wichtigen Unterschied auf, wenn wir die Polarität von Wachen und Schlafen ins Auge fassen: hier der ständig schlafende Säugling, der nur zur Nahrungsaufnahme erwacht, dort der schlaflose Greis, der die nächtlichen Stunden zählt. Versuchen wir aus dem bisher Gesagten eine erste Synthese, so werden wir auf zwei Elemente gebracht, die neben dem physisch-materiellen Leib wirksam sind: den Bildekräfte- oder Ätherleib und den Empfindungs- oder Astralleib. Die Verschiedenartigkeit der Krankheitsbilder in Kindheit und Alter hat demnach eine Ursache in der Verschiedenartigkeit von Äther- und Astralleib in der jeweiligen Lebensperiode.

Die vorurteilslose Betrachtung der Pflanzenwelt, insbesondere von Pflanzen, die in unmittelbarer Nähe des wässrigen Elementes wachsen, führt, in anderer Weise auf die ungemein sprühenden Lebenskräfte hin, die sich hier offenbaren. Es sind wiederum die Bildekräfte des Ätherleibes, welche die Pflanze als höchstes Wesensglied hat, die im Menschen aber dann als das gesundheitsschaffende Element (die Selbstheilungskräfte?!) gleichermaßen vorhanden sind und die im Falle einer Krankheit unterstützt werden müssen. Schmerz ist das Symptom vieler Krankheiten. Während wir uns im Stadium der Gesundheit unseres physischen Leibes kaum bewusst sind, wird unser Bewusstsein jäh verschärft beim Eintreten eines Krankheitszustandes. Der Empfindungsoder Astralleib wird „geweckt“, er muss tiefer in die Körperlichkeit des Menschen eingreifen. So sind wir allein durch Anschauen auf Phänomene gestoßen, die in der Geisteswissenschaft mit den Wesensgliedern des Menschen gemeint sind, die neben dem physischen Leib die Ganzheit des Menschen als physischen und geistigen Menschen bedeuten: Es sind Ätherleib, Astralleib und Ichorganisation, die neben den physischen Leib erklärend und erfüllend treten müssen. Krankheit ist ein Zustand, der eine Verstärkung einer im gesunden Organismus nur loser vorhandenen Verbindung der Wesensglieder bedeutet, ja, mehr noch, in dem Seelen- und Ichbewusstsein des Menschen ist schon die Ursache der Krankheit zu suchen.


das Wahre.“ aus der Sicht einer erweiterten Heilkunst Wenn wir uns der Weisheit der Märchen bedienen, so können uns deren Erkenntnisse auch in der Klärung des Altersproblems weiterhelfen. Das kleine und kurze Märchen, das hier anschaulich die Problematik des Alters beschreibt, ist das Märchen mit dem Titel: Der alte Großvater und der Enkel Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floss ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen musste sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen, und er wurde noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch, und die Augen wurden ihm nass. Einmal auch konnten seine zitterigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte aber nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus musste er nun essen. So trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. „Was machst du da?“, fragte der Vater. „Ich mache ein Tröglein“, antwortete das Kind, „daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.“ Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an, fingen endlich an zu weinen, holten also fort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von

nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete. Wir entnehmen dem ersten Teil des Märchens, ja, fast schon dem ersten Satz, jene wesentlichen Einschränkungen, die das Altern mit sich bringt: Das Nachlassen der Sinnesfunktionen durch die Alterskrankheiten oder Altersbeschwerden am Auge wie z.B. die Linsentrübung, den grauen Star, oder die Durchblutungsstörungen der Netzhaut, welche das genaue Sehen erschweren, oft Trugbilder aus der Umwelt entstehen lassen, die wiederum seelische Ängste bis hin zu Wahnvorstellungen hervorrufen können. Ähnliches gilt auch für die Schwerhörigkeit, die den sozialen Kontakt zur Umwelt behindert, die einsam und seltsam macht, und wiederum Misstrauen in die Handlungen anderer hervorruft. Auch bei den Sinnestätigkeiten des Riechens oder Schmeckens entwickeln sich Verluste, der Tastsinn wird eingeschränkt, die Tiefensensibilität, die uns Wahrnehmungen über die Stellung des Körpers im Räume vermittelt, schwächt sich ab wie auch der Wärmeorganismus; der alte Mensch wird anfälliger gegenüber Umgebungseinflüssen, es zieht - bildlich gesprochenwahrhaft Winter in alle Organe ein. Auch die Motorik, der Bewegungsablauf, wird schwächer; das Märchen spricht mehrmals davon: Die Knie zittern, der Löffel ist kaum zu halten, Suppe fließt aus dem Mund, zitternde Hände können nichts mehr festhalten. Gerade das, was den Men-

schen auszumachen scheint, verändert sich und zwar in umgekehrter Weise wie in der Kindheit. Dort ergreift das Kind bis zum dritten Lebensjahr hin, stetig seine menschlichen Funktionen: es lernt Stehen, es lernt Gehen, es lernt Sprechen, das Denken erwacht. Im Alter nehmen diese Fähigkeiten wieder ab, das Gehen wird schwerer, der aufrechte Gang schmilzt dahin, das Sprechen nimmt ab und schließlich scheint sich, äußerlich betrachtet, auch das Denken abzuschwächen. Gerade die Spiegelung der Lebensalter ist es, worauf die anthroposophische Menschenkunde aufmerksam gemacht hat. Die sprühenden Lebenskräfte des ätherischen Leibes, jenes gesundheitsschaffenden Elements, nehmen zum Lebensende einfach ab. In Kindheit und Erwachsenenalter dienten sie auch dazu Krankheitsprozesse besser zu überwinden. Im Alter stehen sie dafür nicht mehr in dieser Intensität zur Verfügung, weil sie mehr und mehr zu Bewusstseinskräften, zu Denkkräften umgewandelt wurden. Der Erdentod tritt ein, wenn alle Bildekräfte in Bewusstseinskräfte verwandelt sind, wenn nicht besondere Organerkrankungen das Lebensende vorzeitig herbeigeführt haben. Hören wir dazu nochmals die Ausführungen aus dem Werk“ Grundlegendes…“: „Es ist von der allergrößten Bedeutung zu wissen, dass die gewöhnlichen Denkkräfte des Menschen die verfeinerten Gestaltungs- und Wachstumskräf-

te sind. Im Gestalten und Wachsen des menschlichen Organismus offenbart sich ein Geistiges. Dieses Geistige erscheint dann im Lebensverlauf als die geistige Denkkraft. Und diese Denkkraft ist nur ein Teil der im Ätherischen webenden menschlichen Gestaltungs- und Wachstumskraft.“ Wir haben bisher einiges gehört, das wir zur Betrachtung der Demenzkrankheit weiter benutzen und betrachten können. Die Pathologie im Ätheroder Bildekräfteleib, die bei der Demenz auftritt hat zwei Aspekte, die alle etwas mit dem Begriff oder Phänomen ZEIT zu tun haben. An anderer Stelle spricht die anthroposophische Menschenerkenntnis auch vom Äther- oder Zeitenleib. Der Zerfall des Tagesrhythmus und auch des Lebensrhythmus ist etwas, das wir in jeder Phase der Demenzkrankheit finden können. Der Mensch, könnte man sagen, nimmt Abschied vom Erdenrhythmus und gerät in den eigenen Schicksalsrhythmus, die Seele sucht neue Tore, neue freie Zeiten; das Vergessen ist vielleicht eine Gnade, die es ermöglicht ungelöste (Karma) Aufgaben zu bearbeiten. Schon im Bewusstsein des „normalen“ Menschen gibt uns die Zeit viele Rätsel auf. Wie verläuft beispielsweise die Zeit im Traumbewusstsein? Wie empfinden wir die Zeit in einer Prüfung oder die Zeit an einem Sonnentag in den Bergen? Wenn schon im Bewusstsein des normalen Menschen die Zeit zum Rätsel werden kann, was ist sie dann für den Demenzkranken? In welcher Zeit lebt er? Woher kommt der

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Dr. med. Dr. phil. Dieter Kissel · Fortsetzung

„Lang ist die Zeit, es ereignet sich aber das Wahre.“ Die Demenzfrage aus der Sicht einer erweiterten Heilkunst Wechsel des Tag-Nacht-Rhythmus? Warum muss die 85jährige alte Dame ihre Söhne, 10 und 12 von der Schule abholen? Oder warum will/muss die andere Dame gleichen Alters ihre kranken Eltern besuchen? Ist die Gegenwart nicht mehr wichtig? Oder sind Gegenwart und Vergangenheit zusammengeflossen? Wie bereits dargestellt, betreffen auffallende Abnutzungsvorgänge die Sinnesorgane, die immer weniger funktionstüchtig werden. Die Linse des Auges verliert ihre Anpassungsfähigkeit, und die Strukturen im Innenohr verhärten sich oder bilden sich zurück. Die Instrumente werden immer weniger brauchbar, mit denen sich der Mensch die Erfahrungen in der äußeren Welt innerlich deuten konnte. Die Abkehr vom Hier und Jetzt der Sinnenwelt wird leiblich-organisch manifest. Der Rückzug vom äußeren Leben ist aber die Voraussetzung für die Ausbildung eines reichen inneren Lebens. Bewusstseinsarbeit ist grundsätzlich erst möglich in der Distanz zur Welt. Man kann diese Erscheinungen als Defizit betrachten, sie sind aber auch ein Möglichkeit eine innere Bereicherung zu haben. Wie die Sinnesorgane und das Bewegungssystem verändert sich auch das physische Organ, mit dem sich der Mensch in Zeit und Raum orientiert. Es tritt ein Prozess ein, den man als dementielle Entwicklung bezeichnet. Hier hat sich die innere Bewusstseinstätigkeit – Vorstellungen, Bilder, Absichten, Denkprozesse, Deutungen usw. – in gewisser Weise verselbständigt. Es entsteht ein ab-

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getrennter, eigenständiger, in sich geschlossener Bewusstseinsraum, der in keinem oder zumindest nur in einem außerordentlich lockeren, nicht zu kontrollierenden Zusammenhang mit den Gegebenheiten der äußeren Situation steht. Die verwirrten alten Menschen finden sich nicht nur nicht mehr in ihrer Umgebung zurecht, sondern sie produzieren sich sozusagen eine ganz eigene, verrückte Umwelt, die für sie momentan subjektiv ganz real ist. Michael Brater und Günter Kaul führen in ihrem Buch: „Altenpflege“ dazu richtig aus: „Die Bewusstseinsinhalte, die im Falle der Altersverwirrtheit das Handeln lenken, beziehen sich also offenbar nicht mehr auf die aktuelle Situation, in der gehandelt wird, sondern sie stammen aus ganz anderen Bereichen.“ Ganz vom Phänomen her kann man vielleicht sagen: Die Umwandlung von Leben in Bewusstsein, von der zuvor die Rede war, ist hier in dem Sinne zu weit vorangeschritten, dass die Lebensprozesse das Bewusstsein zu weitgehend freigeben, dass zu viel inneres Leben - ohne Bezug zum äußeren - entsteht, das dann auch nicht mehr an der Erfahrungswelt orientiert oder geprüft werden kann…. Man muss versuchen, diese Bilder zu verstehen, die das Bewusstsein der alten Menschen »besetzen« (und die uns eben als »Verwirrtheit« erscheinen, weil wir sie zunächst nicht deuten können und weil sie keinen unmittelbar einsichtigen Bezug zur Situation haben): 1. Die erste Form von Bildern stammt aus bestimmten Abschnitten der Biographie.

Angeregt durch Namen, Gerüche oder Eindrücke schieben sie sich vor die Wahrnehmung der gegenwärtigen Welt und der Mensch taucht ein in eine eigene Wirklichkeit. 2. Die nächste Form der Bilder oder Bewusstseinszustände kommt aus der verfremdeten Wahrnehmung körperlicher Zustände. Die verwirrten Menschen fühlen sich bestohlen (= Verlust der körperlichen Kräfte), andere fürchten sich vor dem Ausziehen der Tageskleider. 3. Manchmal erlebt der demente Mensch in den verfremdeten Bewusstseinszuständen zerstörerische und selbstzerstörerische Impulse aus dem Unbewussten, Kräfte, die er früher unterdrücken konnte und die gewissermaßen das Gegenbild seiner Persönlichkeit darstellen und sich jetzt in Wut, herausforderndem Verhalten, Wahnvorstellungen oder unflätigen Beschimpfungen äußern. Diese unterschiedlichen Bilderwelten verlangen zweifellos auch ganz unterschiedliche Formen der Behandlung durch den Pflegenden. Schon hier ist eine erste grundlegende Aufgabe für diejenigen erkennbar, die mit verwirrten alten Menschen umgehen, nämlich die, zu lernen, diese Bilderwelten zu unterscheiden und immer besser zu verstehen. Immer wird hier das Nicht-Tagesbewusstsein des alten Menschen »Empfangsorgan« für nicht sinnliche, nicht physisch in Erscheinung tretende Realitäten sehr unterschiedlichen Ursprungs. Deshalb sind diese Bil-

der auch in jedem Fall als solche ernst zu nehmen und nicht als pure Verrücktheit abzutun – auch wenn Außenstehende sie nicht verstehen. »Krankhaft« sind all diese Zustände, weil sie heute von den Betroffenen eben in keiner Weise kontrollierbar oder herstellbar sind. Es wird für den Ansatz der Pflege dieser verwirrten alten Menschen u. a. darauf ankommen, ob man einen liebevollen, verständnisvollen Weg zum Kranken findet. Auch im Falle der Altersverwirrtheit ist damit jener oben ausführlich dargestellte Gedanke der Wandlung von Leben in Erleben, von Lebens- in Bewusstseinsprozesse leitend. Die eben dargelegten Ausführungen zeigen, wie wichtig die menschliche Biographie für das Verständnis des Demenzkranken ist. Deshalb ist es wichtig, über möglichst viele Seiten Hinweise über die Persönlichkeit und ihre Entwicklung zu erhalten. Daraus kann manche besondere Pathologie oder einfach nur Verhaltensweise klarer werden. Provokativ ist vielleicht eine andere Folgerung aus dem Dargelegten: Wir betrachten den anderen in seiner Demenz nicht primär aus seiner Pathologie, sondern als Mensch, der auf seinem Lebensweg unterwegs ist und uns sogar selber Hinweise zum Umgang geben kann: Der Demenzkranke ist unser Lehrer geworden. Literaturhinweise: Rudolf Steiner, Ita Wegmann: Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen. Dornach 1925. Michael Brater, Günter Kaul: Altenpflege. Stuttgart 1990. Dieter Kissel, Rumi Reitsma: Der alte Mensch. Pflege und Therapie. In: Anthroposophische Medizin. Ein Weg zum Patienten. Stuttgart 2004.


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DER REGION:

Zwei Häuser – eine Gemeinschaft Kommen Sie am zweiten Mittwoch des Monats in die Julius-Specht-Straße, so können Sie dort eine fröhliche Runde erleben, die sich bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen zusammen gefunden hat, um Neues, Gewichtiges, Problematisches oder Fröhliches miteinander zu besprechen, zu verplaudern oder zu erleben. Wir berichten hier von dem Leben der Bewohner in den Häusern Julius-Specht-Straße 7 und 9, jenen Häusern der Firma Tico, deren Leistungen im Rahmen des Themas „Betreutes Wohnen“ auf der nachfolgenden Seite ausführlich erläutert werden. Das Besondere an diesem Programm ist u.a. die Tatsache, dass die Bewohner vor ihrem Einzug genau bestimmen können, wie die Aufteilung der Wände ihres neuen Domizils auf das einzubringende Mobiliar abzustimmen sind. Alle Wohnungen sind also maßgeschneidert für die individuellen Bedürfnisse. Unser Besuch also fiel auf eben jenen beschriebenen Mittwoch. Wir waren etwas verspätet. Die Bewohnerrunde war fast vollzählig. In den 18 Wohneinheiten dieser beiden Häuser leben 26 Senioren, davon 18 Frauen und 6 Männer im Alter zwischen 60 – 91 Jahren. Nicht verwandt, nicht verschwägert und nicht bekannt miteinander lernten sie sich im Rahmen dieser 18 Wohneinheiten kennen. Gemeinsam entwickelten sie ein herzliches Miteinander. Eine Genannte aus der Runde ist Sprecherin für anstehende Probleme im Rahmen der Hausgemeinschaft, z.B. wenn der Lohn oder eine Zusatzleistung der für die Hausreinigung angestellten Hilfskraft zu klären ist. Auch finden Zusammenkünfte im Rahmen von Vorträgen oder Veranstaltungen statt. Sollte eine Wohnung für einen neuen Bewohner frei werden, so wird

die Nachfolge auch mit den verbliebenen Bewohnern besprochen. Und an jedem besagten Mittwoch gibt es einen Augenblick der Ruhe und Entspannung, einen musikali-

schen und einen poetischen Augenblick des Innehaltens. Es ist der Teil der Mittwochsrunde, in dem Greta Luhm, eine Bewohnerin, ihre Geige aus der Umhüllung holt. Sie hatte in der Musikhochschule studiert und war viele Jahre Mitglied im Orchester des Pforzheimer Stadttheaters. Ihren Mann, der dort ebenfalls spielte, und mit dem sie heute gemeinsam in der Anlage wohnt, hatte sie dort kennen gelernt. Nun, wie an jedem Mittwoch, lädt sie ein zu einem kleinen aber feinen Kon-

zert, und im Wechsel hierzu rezitiert sie lange wunderbare Gedichte. Dieser Moment der Besinnung, dieser Augenblick, sowohl der Konzentration, als auch der Entspannung, in dem die Musik und das Wort in ihrem reinen Ton den Raum erfüllen, ist für alle der Höhepunkt des zweiten Mittwochs in der Woche. Das Spielen auf der Geige hat sie bis heute nicht verlernt. Und die langen Gedichte, ohne Textvorlage, frei von ihr gesprochen? Sie werden in weiten und intensiven Wanderungen gelernt. Da wird nicht nur der

Körper, sondern mit ihm werden auch die Gehirnzellen in aufnahmefreudige Bewegung gebracht. Eines ist hierbei anzumerken: Dorothea Kuhlen, der „spiritus rector“ ihres Unternehmens, ist immer wieder vor Ort, hält den persönlichen Kontakt mit den Bewohnern, kümmert sich um persönliche Probleme, und nimmt sich Zeit – die bei den zahlreichen Aufgaben und Terminen sehr knapp bemessen ist – um sich zu kümmern und einfach da zu sein.

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2. Preis des Bundesfamilienministeriums für „Technikunterstütztes Wohnen – selbstbestimmt leben Zuhause“ an die Firma TICO GmbH & Co. KG vergeben Berlin 24.5.2011: Die Fa. TICO GmbH & Co. KG konnte mit Ihrem Projekt NIWO – naturnah in Würm – wohnen mit quartiersbezogenem betreuten Wohnen und direktem Pflegeanschluss als einziges Unternehmen aus Baden-Württemberg überzeugen. Rund 21 Millionen Menschen in Deutschland sind 60 Jahre oder älter, im Jahre 2030 werden voraussichtlich 28,5 Mio. Menschen – mehr als jeder Dritte – zu dieser Altersgruppe gehören. Mit dem Wettbewerb „Technikunterstützes Wohnen – selbstbestimmt leben Zuhause“ unterstützt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend selbstständiges Leben und Wohnen im Alter. Auch bei Hilfe und Pflegebedürftigkeit. „Technische

Innovationen und eine moderne Infrastruktur sind wichtige Voraussetzungen, um älteren Menschen ein selbstständiges und eigenverantwortliches Leben zu ermöglichen“, so der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Hermann Kues, bei der Preisverleihung. „Eine technische Ausstattung der Wohnung trägt viel dazu bei, dass ältere Menschen ihr Leben ohne fremde Hilfe führen können.“ Die prämierten Beiträge verbinden technische Innovationen mit sozialem Engagement. „Persönliche Wünsche und Anliegen der BewohnerInnen werden einbezogen. Deshalb kommen die technischen Hilfen bei den älteren Menschen an,“ so der Parlamentarische Staatssekretär. Der Wettbewerb wurde gemeinsam mit den beiden

großen Wohnungsverbänden, dem Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen und dem Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, sowie mit dem Deutschen Mieterbund durchgeführt. „Die von der Jury ausgewählten Unternehmen haben alle hochprofessionelle Konzepte als Gesamt-oder Partiallösungen entwickelt. Dafür gebührt ihnen große Anerkennung,“ hob BFW Präsident Walter Rasch bei der Preisverleihung hervor. Fa. TICO GmbH & Co. KG erhielt den 2. Preis für technische Gesamtlösungen. Unter der Berücksichtigung aller Anforderungen bietet NIWO in den elf Neubauwohnungen neben einem TVgestützten „Smart-Living Manager“ weitere vielseitige und kon-

krete technische Unterstützungen für den Alltag – so z.B. ein ClipSystem für Funk-Türschließung, mobile Audio-Video-Sprechanlagen. „Laut einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, die TNMS Emnid für unseren Verband Anfang des Jahres durchgeführt hat, stufen 84% der Deutschen, die älter als 50 Jahre sind, den Einbau von altersgerechter Technik – und Kommunikationsunterstützung, wie den Austausch mit Ärzten und Pflegern sowie einen modernen Hausnotruf als wichtig ein,“ erläutert BFW Präsident Walter Rasch. Die Bedeutung von technischen Innovationen und moderner Infrastruktur für ein selbstständiges und eigenverantwortliches Wohnen älterer Menschen steigt.


Gemeinsam. Kompetent. Zuverlässig:

Unternehmen Schauinsland und TICO

bewährte Kooperation Im Sozialen Netzwerk Schauinsland und bei der Firma TICO GmbH & Co. KG finden Sie maßgeschneidertes betreutes Wohnen und Pflegeangebote im familiären Ambiente für alle Bedürfnisse. Wohnen und sich wohlfühlen bedeutet für jeden etwas anderes, darum werden Privatsphäre und Individualität in beiden Unternehmen groß geschrieben. Die Angebote der Firma TICO GmbH & Co. KG sind auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Ihr neues Zuhause gestalten sie nach ihren persönlichen Vorstellungen und richten es mit den eigenen Möbeln ein. Von der Ein- bis zur DreizimmerWohnung, mit Balkon oder Terrasse, haben sie die Möglichkeit, nach Ihrem Geschmack

auszuwählen. Barrierefreiheit ist selbstverständlich, klare Grundrisse und helle Räume laden zum Wohlfühlen ein. Bereiten Sie sich Ihre Mahlzeiten in Ihrer eigenen Küche zu oder lassen sie sich verwöhnen vom Essensservice. Sicherheit und Schutz haben einen hohen Stellenwert in unseren Häusern und Wohnungen und geben Ihnen das Gefühl der Geborgenheit: Videokamera, Türüberwachung, Notrufsystem etc.. Der Hausaufzug ist großzügig dimensioniert, und der helle Hausflur erleichtert die Orientierung. Ihre Haustiere sind bei uns herzlich willkommen. Das Unternehmen Schauinsland bietet alles: von guter Küche, über interessante Veranstaltungen bis hin zu profes-

sioneller Betreuung und natürlich auch Pflege. Dabei steht im Mittelpunkt unseres Handelns immer der Mensch. Dessen Wohl und Sicherheit haben für uns oberste Priorität. Alle Wohnungen sind mit einem Notrufsystem ausgestattet. Kurze Wege garantieren zwischen der Firma TICO GmbH & Co. KG und dem Unternehmen Schauinsland kurze Reaktionszeiten. Qualifizierte Mitarbeiter kümmern sich einfühlsam um Sie, rund um die Uhr, das ganze Jahr. Sie wählen Ihre eigene Balance zwischen Privatsphäre und Gemeinschaft. Sie können sich jederzeit zurückziehen oder den Austausch in Gesellschaft suchen. Und bei Bedarf oder im Notfall sind wir für Sie da.

Das Soziale Netzwerk Schauinsland betreibt vier Seniorenheime und betreut ca. 500 Kunden in Pforzheim und dem Enzkreis. Die Firma TICO GmbH & Co. KG bietet an allen Standorten das maßgeschneiderte Service- oder Betreute Wohnen dazu. 20 Jahre Erfahrung stehen als Garant für gute Pflege und Betreuung. Die Firma TICO GmbH & Co. KG ist führend in der Konzeptionierung, Entwicklung und dem Bau des Service- und Betreuten Wohnens, ausgezeichnet vom Bundesministerium in Berlin. Kompetenzen, die stark machen. Gemeinsam bieten wir effiziente Lösungen und leistungsstarke Partnerschaften. Wohnen und Pflege auf höchstem Niveau.


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DER REGION:

Wohnen mit Service

in Pforzheims

Auf dem sanft geneigten Grundstück zwischen Kantstraße und Dennachstraße entstehen in „Rufweite“ des Seniorenzentrums August-Kayser-Stiftung 30 Eigentumswohnungen mit jeglichem Komfort. Ideal für alle, die einen perfekt geschnittenen Wohnsitz oder eine verlässliche Kapitalanlage suchen. Die drei organisch geformten Baukörper kontrastieren auf reizvolle Weise mit der Gründerzeit-Architektur des August-KayserGebäudes sowie mit dessen geradlinigem, modernem Anbau des OlympiastadionMünchen-Architekten Günter Behnisch.

Bild unten: Die Lage am Südstadthang Pforzheims eröffnet einen weiten Blick über das Enztal.

Prägendes Prinzip: barrierefrei wohnen mit Service-Plus Jede der Wohnungen (52 – 121 qm Wohnfläche) hat einen Balkon oder eine Terrasse und ist selbstverständlich per Aufzug erreichbar. Einige der Wohnungen sind behindertengerecht ausgebaut und für Rollstuhlfahrer geeignet. Die großzügig geschnittene Tiefgarage im Kellergeschoss ist von allen drei Baukörpern aus über die Aufzüge erreichbar. Ein wichtiger Aspekt: Die zukünftigen Bewohner profitieren je nach Bedarf von der Nachbarschaft mit der August-Kayser-Stiftung: Sei es beim Besuch der Cafeteria oder des Gartens, seien es die zahlreichen Dienstleistungen, die von der Un-

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terstützung im Alltag bis hin zur pflegerischen Betreuung reichen. So stehen beispielsweise Plätze für die Tagespflege zur Verfügung, „Essen auf Rädern“ kann geliefert, hauswirtschaftliche Dienste können geleistet werden. Alles kein „Muss“, sondern Angebote, die nach Wunsch gegen Berechnung in Anspruch genommen werden können. In jedem Fall beschert die gute Nachbarschaft zur August-Kayser-Stiftung ein Plus an Sicherheit und Geborgenheit. Verlässliche Partner Initiatoren des Projekts sind die August-Kayser-Stiftung und die Baugenossenschaft Arlinger. Arlinger hat bereits zusammen mit dem Paul-Ger-


AUGUST KAYSER STIFTUNG

bester Südstadtlage

1OO JAHRE

Selbstbestimmt leben im Alter Der Vorstand des Fördervereins begrüßt und unterstützt dieses innovative Projekt (v. l. n. r. Hans-Carl Gerstung, Jürgen Berges, Dr. Thomas Haug).

hardt-Seniorenzentrum ein ähnliches Projekt realisiert, das auf begeisterte Resonanz stieß. Schon im Frühsommer 2011 soll für das Projekt „ServiceWohnen August Kayser“ der erste Spatenstich erfolgen, im Herbst 2012 werden die Wohnungen bezugsfertig sein. Alle Grundrisse sind übrigens

noch variabel. Wer sich für das Projekt interessiert, kann eine ausführliche Projektbeschreibung samt Kaufpreisen anfordern. Ansprechpartner: Wolfgang Glatz von der Baugenossenschaft Arlinger, Telefon 0723194 62-11, E-Mail: w.glatz@ arlinger.de

Wir werden a l l e ä l t e r.

Wir bieten die persönliche Betreuung und umfassende Pflege nach individuellem Bedarf • Mahlzeitendienste • Tagespflege • Kurzzeitpflege • Stationäre Pflege Altenhilfeeinrichtung August-Kayser-Str.23 75175 Pforzheim Telefon 072 31/ 96 60 - 0 Fax 072 31/ 65 00 32 info@august-kayser-stiftung.de www.august-kayser-stiftung.de

„6000er-DSL für meinen Highspeed-Laptop – die Arlinger-Leute verstehen was von seniorengerechtem Wohnen.“

Aber unsere Ideen nicht.

A r l i n g e r B a u g e n o s s e n s c h a f t

w w w. a r l i n g e r. d e

Josef Straka, Arlinger-Mieter seit 1971


Mein schönstes Die Seniorenheime, -einrichtungen und Vereine sind stets eine Fundgrube für interessante, liebenswerte und spannende Geschichten aus vergangenen Tagen. Wir haben dies zum Anlass genommen, um von Bewohnern und Mitgliedern in jeder Ausgabe zu einem speziellen Thema Erlebnisse aus der Vergangenheit zu sammeln. Viel Interessantes und Vielfältiges gibt es da zu berichten aus einer Zeit, in der die Lebensform, die Gegebenheiten, die Gewohnheiten und damit die persönlichen Erlebnisse sich in Welten abspielen, die weit weg und häufig unvorstellbar sind für Kinder und Jugendliche unserer Tage. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen, und sie prägt in der ihr eigenen Individualität das Bild ihrer Tage. Interessant ist es aber hierbei zu beobachten, wie der Mensch sich in seiner Wandlungsfähigkeit umstellt, sich in die unterschiedlichen Lebensformen integriert und sich ihnen anpasst. ALTENPFLEGEHEIM ATRIUM: Nie mehr Urlaub Es ist das Jahr 1963. Ich bin 40 Jahre alt und es ist mein erster Urlaub. Es geht nach Längenfeld in Tirol und es ist Juni, eine Jahreszeit, in der man ein Wetter mit lieblichen Temperaturen erwartet. Nicht so in Längenfeld. Es liegen 20 cm Schnee und im Hotel empfängt uns ein nicht nur außerordentlich kleines sondern auch ungeheiztes, ungemütlich kaltes Zimmer. Mit umgehängten Bettdecken versuchen wir uns zu wärmen. Um wenigstens etwas mehr Platz zu haben, ziehen wir in ein größeres, für das wir 500 DM

draufzahlen müssen. Zwei mal am Tag nehmen wir ein heißes Bad, um uns aufzuwärmen. Das Essen ist geschmacklos, und die Fleischbeilage ist eigentlich mehr als Knochenbeilage zu bezeichnen. Beschwerden bleiben erfolglos. Bei den schwierigen Transportmöglichkeiten – das Heu muss mit dem Flugzeug zu den Schafen auf den Berg geflogen werden – fährt nur alle drei Wochen ein Bus. Das bedeutet, wir müssen 3 Wochen durchhalten, bevor wir endlich diesen Urlaub beenden können. Es war der erste und der letzte in meinem Leben. Josef Schönecker, 98 Jahre

Gayle Wind Unser Beiboot wird ins Wasser von Lords Point herabgelassen. Zwei Damen steigen in den Felsen unter den Docks herunter, um übergesetzt zu werden. „Little Lady of Grace“ (die kleine graziöse Dame) wird zur „Gayle Wind“ herüber gerudert. Sie geht an Bord, öffnet die Luke und entlädt alle wichtigen Ausrüstungsgüter. Der Kapitän fährt zurück zu den Docks, „Lady Albatross“ schafft es, sicher in das kleine Boot zu steigen. Sie beide rudern gemächlich zu der „Gayle Wind“. Wir sind alle an Bord versammelt, das Haupt- und Focksegel sind gehisst. Mit Motorkraft verlassen wir langsam den Kanal, müssen den von Menschenhand verursachten Hindernissen ausweichen und kommen in die Meerenge von Long Island. Ein sanfter Wind beginnt zu wehen, unser Motor ist abgestellt, die „Gayle Wind“ beginnt zu segeln, sacht mit 2 – 3 Knoten. Gleitend geraten wir in Verzückung, voll von Enthusiasmus, wir träumen von einem ungebundenen Leben in unserem gebunden Dasein. Unser Schiff hält Kurs auf Fishes Island. Der alte Leuchtturm, ein großer hölzerner Turm mit seinen Lichtsignalen, hat so manches Schiff auf seinem Kurs geleitet. Der große Atlantik stampft seine Wellen gegen das felsige Fundament, das manch einem Sturm standhielt. Der Lichtstrahl des Leuchtturms und das Blinken der Bojen im Wasser, beides erinnert an die Gefahren direkt hinter dem Strand. Hier sollte Lady Albatross’s Hafen sein, wo sie ihre letzten Tage verbringen sollte, ihren Träumen hingegeben.

„Ich muss wieder hinuntergehen zu dem Meer, zu dem lieblichen Meer und Himmel und alles, was ich erwünsche, ist ein großes Schiff, und ein Stern, der mich leitet.“ John Masefield


Sommererlebnis Unser mächtiges Fahrzeug segelt jetzt westwärts. Eine gemäßigte Brise des Atlantiks hält unser Segel steif, versieht unser Schiff mit mehr Kraft als Maschinen es könnten. Wir entdecken Romantik in unseren Träumen. Der Rumpf unseres Schiffes durchschneidet tiefes, dunkles Wasser. Unser braver Kapitän Heineken führt uns nach Osten. Ein paar blendend weiße Segel, das sind unsere Flügel, segeln uns entlang des Long Island Sounds. Wir sind jetzt geschützt, aber es gibt kein Entkommen vor der Kraft des Windes und der See. Little Lady of Grace sitzt unten in der Schiffsküche, flickt das eingerissene Hauptsegel. Sind dieses wirklich die einzigen Segel, die eingerissen und zerfetzt sind, durch Stürme, die mit mächtigen Schlägen peitschen? Gibt es nicht manche flinken Finger, die genäht und gewoben haben, um die Teilstücke in ihrer Ganzheit zurückzuführen? Zweifellos haben manche Stürme den Atlantik gepeitscht, doch „Gayle Wind“ hat sie alle überstanden. Unser flüssiger Seeproviant, der uns kühl hielt, scheint niemals aufgebraucht zu sein. Little Lady of Grace arbeitet sorgfältig in der Seekarte unseren Kurs aus, während der Kapitän das Boot steuert. Das Radio überträgt knarrend die Nachrichten von fern und nah. Hier ruft die Jacht „First Born“ (Erstgeborene) die „Gayle Wind“. „Gayle Wind“, ruft die First Born, Ende. „Bitte antworte auf Kanal 69“. Der gute alte Kapitän Stu möchte mit uns zusammentreffen an Napatree Point. Wir setzen unseren Kurs, sind ca. 5 Meilen entfernt, die alte rote Glocke und die Bojen sind nun unsere Bestimmungspunkte. Die weißen Wellenköpfe und die starke Gegenströmung verlangsamen unsere Fahrt auf 2 – 3 Knoten – wir sind furchtlos, als wir in den Atlantik segeln. Die „First Born“ nähert sich uns; als

sie nahe vorbeisegelt, fangen wir einen flüchtigen Blick von Kapitän Stu und seiner Mannschaft auf. Die „First Born“ segelt ihre Jungfernreise vom Mystic River nach Fort Weatherhill und kehrt nun heim, im Fluß zu an-

kern. Unsere Segel sind herabgelassen, als wir auf Stonington Harbor zusteuern. Hier werden die mächtigen Schiffe bewundert, die im Segelhafen ankern. Unsere flüssigen Rationen gehen zur Neige, als

In einer großzügig angelegten Parklandschaft am Ortsrand von Öschelbronn finden Sie unsere Einrichtung, die auf der Grundlage des anthroposophischen Menschenbildes geführt wird.

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Mein schönstes wir mit Motorkraft zu den Rolling Rocks tuckern. Links neben uns schwingen sich 3 Kormorane auf, verschwindend in einem rot-farbenen Wurf am Horizont entlang der gekräuselten Wasseroberfläche. Die Klippen entlang der Uferlinie sind im Laufe der Jahre verwittert von den winterlichen Nordost-Winden. Die Sandbänke und Felsen werden abgetragen, die Dünen driften fort, doch die Einwohner kämpfen dagegen. Sie bauten Stützmauern aus Beton und befestigen Grasnarbe auf den blanken Steinufern. Für jede abgerutschte Klippe, für jedes niedrige Stück Land, das versank, ist ein Sumpf entstanden, voll wilder Blumen, gleich einem Moor. Unser starker Kapitän wird von einer zwangvollen Anstrengung erlöst, als wir das Ufer von Lords Point erreichen. Die kleine Stadt Stonington ist angefüllt mit Relikten aus der Seefahrt; Schiffsglocken, die die Schiffszeit geläutet haben, Grabsteinen aus dem 17. Jahrhundert von Fischern, die auf See verschollen sind – hier leben diese Yankees, die so dauerhaft erscheinen wie diese Relikte. An dieser Küste des Landes, wo die Freiheit greifbar ist, wehen die wahren Farben, für alle zu sehen, wir wissen’s natürlich, die alte rote, weiße und blaue. All jene in unserer modernen Welt, die mehr an Wein denn an Salzwasser denken. Für euch gilt: geht nach Newport – h i e r werdet ihr enttäuscht sein. Die Zeit ist gekommen, in der dieses Küstenleben ein Platz ist für jene, die wirklich die Seeseite besuchen wollen, ein ungebundenes Leben statt des Gebundenseins, Romanzen entdeckend – sie werden hier nicht enttäuscht werden. „Wünschend, einen besseren Ausblick zu bekommen, als ich zuvor hat-

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te, auf den Ozean, von welchem uns gesagt wurde, er bedecke mehr als 2/3 der Weltkugel, aber von dem der Mann, der ein paar Meilen im Landesinnern lebt, vielleicht nie etwas sieht, keine Spur, mehr als auf einer anderen Welt, ich machte einen Besuch …“ Thoreau Obwohl ich schon oft zurückgekommen bin, weiß ich doch, dies ist des alten Albatrosses Nestplatz, genannt „Heimat“. AUGUST-KAYSER-STIFTUNG: Mein allererster Urlaub in den 50er Jahren zusammen mit meinem Ehemann. Unsere drei Kinder waren bereits erwachsen und unsere Reise führte uns zum Wandern für drei Wochen in den Vorarlberg nach „Bludenz“. Da mein Mann Schneider war, verfügten wir über eine gute Ausstattung an Wanderkleidung und waren für die Wanderungen gerüstet. Am allerersten Tag sind wir über eine Wiese gelaufen und prompt blieb ich mit dem Fuß in einem Loch stekken und brach mir das Wadenbein. Beim Arzt wurde mir ein Gipsverband angelegt und mein Mann kaufte mir einen Gehstock zur Unterstützung. Mein Mann und ich haben uns dann entschieden den Urlaub trotz der Verletzung fortzusetzen. In der Pension, wo wir während des Urlaubs lebten, lernten wir viele nette Menschen kennen. Mit einigen unternahm mein Mann Wanderungen. Das Wetter meinte es gut mit uns, so dass ich sehr oft im Liegestuhl lag mich sonnte und Bücher las. Zu der Zeit war nur Schriftverkehr möglich; es gab dort kein Telefon, um unsere Kinder zu verständigen. Wir schrieben in den drei Wochen daher sehr viele Ansichtskarten, die es dort reichlich gab.

Zu dieser Zeit waren die Preise für Unterkünfte sehr günstig. Wir haben diese Pension von Bekannten empfohlen bekommen. Dieses Ehepaar hatte dort ein besonderes Erlebnis mit einem Ziegenbock, der weithin bekannt war. Von überall sind die Menschen gekommen, um das Schauspiel zu sehen. Der Ziegenbock war nämlich sehr schlau. Wenn Gäste Bier getrunken haben, ist der Bock mit den Vorderpfoten auf den Tisch gesprungen, so dass die Bierflaschen umgekippt sind und er das Bier genüsslich vom Boden auflecken konnte. Wenn der Ziegenbock zu betrunken war, wurde er von seinen Besitzern eingesperrt. Er war eine imposante Erscheinung in Schwarz mit großen Hörnern. Mein Sohn war schon zweimal in der Gegend im Urlaub. Leider gibt es den Ziegenbock nicht mehr. Ich rede heute immer noch von dem Ziegenbock, und mein Sohn meint: „Mutter du weißt das immer noch?“ Aufgeschrieben von Frau H.B. SENIORENRESIDENZ BERGDORF: Unter fremden Sternen Heute möchte ich Sie in Gedanken auf eine interessante Flugreise mitnehmen und zwar nach Kamerun. Kamerun liegt im Herzen Afrikas und grenzt im Westen an den Atlantik. Es war ca. 70 Jahre lang bis 1916 deutsche Kolonie. Noch heute sind Gebäude anzutreffen, die damals von Deutschen erbaut worden waren. Zum Beispiel Schulen und Krankenstationen. Im Dezember 1984 besuchten mein Mann und ich unsere Tochter und unseren Schwiegersohn dort. Klaus war für einige Jahre als Entwicklungshelfer in diesem Land, und zwar in der Stadt Maroua im Norden Kameruns. Schon der über 7000 km lange Flug war ein unvergessliches Erlebnis. Wir flogen von Brüssel über Luxemburg, Genf, Nizza, Kano in


Sommererlebnis Nigeria nach der Hafenstadt Douala, die am Atlantischen Ozean liegt. Es war wunderschön, am Nachmittag aus der Luft Europa zu betrachten. Glitzernde Ströme, Seen und das Mittelmeer lagen tief unter uns. Besonders begeistert war ich vom Flug über die schneebedeckten, weiß leuchtenden Alpen. Gespenstisch dagegen wirkte der Flug über die Wüste Sahara, denn stundenlang grüßte kein Licht aus der Tiefe. Nach acht Stunden kamen wir in der Hafenstadt Douala im Süden Kameruns an. Als wir um 22.45 Uhr aus dem Flugzeug stiegen, schlug uns feuchtheiße Luft entgegen. Es war der 1. Dezember und das Thermometer zeigte 38 Grad Celsius an. Sofort waren wir patschnass geschwitzt, kamen wir doch aus dem winterlichen Europa mit Minusgraden! Mit dem ersten Schritt aus dem Flugzeug waren wir in einer anderen, für uns unvorstellbaren Welt. Junge Afrikaner, darunter auch Buben stürzten mit Geschrei auf uns zu, alle wollten das Gepäck der Ankommenden tragen, um ein paar Camerunfranken zu verdienen. Auch die Taxifahrer stritten laut um jeden Fahrgast. Unsere Reise war von unserer „Jugend“ vorbereitet worden, und wir sollten hier am Flughafen von einem Deutschen aus der Mission abgeholt werden und dort übernachten, da wir erst am nächsten Tag die letzten 1100 km nach Maroua zu unseren Kindern weiterfliegen konnten. Das Leben hat uns allerdings einen grausamen Streich gespielt. Der Vater des deutschen Missionars war drei Tage zuvor in Deutschland verstorben, er musste unvorhergesehen nach Deutschland fliegen, und unsere Ankunft wurde vergessen. Da standen wir nun nassgeschwitzt um Mitternacht 7.000 km von zu Hause entfernt in einer fremden, lärmenden afrikanischen Ha-

fenstadt, wo kein Mensch deutsch lauten, unvergesslichen Wochenverstand. Gott sei Dank konnte ich markt zählt ebenso dazu, wie drei meine englischen Sprachkenntnisse Tage Aufenthalt im afrikanischen zusammenbuchstabieren und mit ei- Busch, wo deutsche Entwicklungsner dort lebenden Amerikanerin helfer versuchten, das Leben der sprechen. Sie suchte einen Taxifah- Menschen zu erleichtern. Wir berer, der uns wohlbehalten in der deut- suchten die Entbindungsstation und schen Mission abliefern erfuhren, dass die Negerbabies mit sollte. Leider landeten heller Haut geboren werden und die wir in einer französischen Dunkelfärbung erst nach und nach Mission, wo wir mit un- einsetzt, beginnend an den Fingerseren mangelhaften fran- nägeln. Dann besuchten wir noch eizösischen Sprachkennt- nen Gottesdienst am Heiligen nissen nun ziemlich ratlos Abend. Dort wurden laute, lustige dastanden. Und dort war Sketche aufgeführt. Weihnachtslieauch kein Zimmer frei, so der wurden mit strahlenden Augen wurden wir in einer und Inbrunst gesungen. Wir lernten Notunterkunft neben in diesen Wochen freundliche Mendem Schwimmbad un- schen kennen, die trotz unsagbarer tergebracht. Die ganze Armut strahlen und lachen. Dies war Nacht umschwirrten uns die Moski- der unvergesslichste Urlaub, den ich Lore Denk tos, ich konnte kein Auge schließen, je erlebt habe. da ich damit beschäftigt war, die Plagegeister zu vertreiben. Auch diese lange Nacht ging vorüber. Nach einigen weiBei uns finden Senioren ein attraktives Zuhause voller Leben: teren Aufregungen und direkt an der Enz, im Herzen Pforzheims, mit guter Verkehrsmit vier Stunden Verspäanbindung. tung traten wir endlich den Flug nach Maruoa 63 großzügige Apartments an. In den nächsten vier Wochen hatten wir nun 104 Einzel- und Doppel-Pflegezimmer die Gelegenheit, das Legroße Dachterrasse mit Duftgarten ben und die Menschen in Kamerun kennen zu lerhauseigene Physiotherapie-Praxis nen. Besondere Erlebnisindividuelle Beratung und Betreuung, se waren ein Besuch im Aufnahme rund um die Uhr – Waza-Nationalpark, und engagiertes Fachpersonal dem größten und schönsten im ganzen französisch sprechenden AfriEinfühlsam betreut ka. Wir sahen große Elefanten- und Giraffenherden, hunderte von Antilopen, Affen, Zebras. Viele, viele Vogelarten hüpften und schwirrten herBissingerstraße 12 um, auch den Schnell75172 Pforzheim Telefon 0 72 31/91 04-0 läufer Vogel Strauß konnFax 0 72 31/91 04-66 ten wir beobachten. Ein www.residenz-ambiente.de Gang über den bunten,

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Sommererlebnis

SENIORENZENTRUM BETHESDA: Urlaub auf der Insel Ischia Ich wurde vor gar nicht langer Zeit gefragt, ob ich einmal ein Ferienerlebnis hatte, welches mir heute noch in Erinnerung ist. Zuerst habe ich ganz spontan nein gesagt, aber dann ließ mich die Frage doch nicht in Ruhe und ich versank in meinen Gedanken. Sie müssen wissen, ich lebe in einem Seniorenheim, habe da ein schönes Einzelzimmer und alles was ich brauche. Ich bin ein Mensch, der gut allein sein kann – bezeichne mich selbst als solitär. Ich lese viel, höre gute Musik und manchmal male ich auch. Mein Sohn lebt mit seiner Familie nicht weit entfernt und besucht mich sooft es seine Zeit erlaubt. Mir geht es gut – ich bin zufrieden. Vor gar nicht langer Zeit habe ich meinen 90. Geburtstag gefeiert, auch gesundheitlich geht es mir dem Alter entsprechend gut. Nun zurück zu meinen Gedanken. Ich habe mit meinem bereits verstorbenem Mann 62 Jahre eine wunderbare Ehe geführt. Wir hatten viele Gemeinsamkeiten, konnten gut miteinander sprechen und hatten die gleichen Werte und Ziele. Er war Fotojournalist und ich habe als Lehrerin für Englisch und Französisch gearbeitet. Gewohnt haben wir mit unseren beiden Kindern in Heidelberg. Mein Mann war während des Krieges in Russland und in Frankreich, aber er kam 1949 – unserem Gott sei Dank – wieder nach Hause. Leider hatte er eine Kriegsverletzung am Oberschenkel, die ihm sein ganzes Leben zu schaffen machte. Es hat ihm immer Probleme gemacht, er hatte Schmerzen und oft strahlten die Schmerzen in die Hüfte aus. Je älter er wurde, desto schlimmer wurde es. Es entwik-

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kelte sich eine schwere Arthrose und eine Bekannte riet uns, doch einmal Urlaub auf der Insel Ischia zu machen. Die „grüne Insel“ ist wegen ihres milden Klimas schon seit Jahrhunderten ein beliebtes Urlaubsziel. Es gibt zahlreiche Thermalbäder, die schon seit der Antike für therapeutische Anwendungen genutzt werden. Nun fuhren auch wir Anfang der 1970er Jahre dorthin. Mein Mann bekam viele Behandlungen, die ihm Linderung seiner Schmerzen bringen sollten. Ich hatte viel Zeit für mich und ging allein über die Insel. Es gab viel zu sehen auf den wunderschönen Höhen- und Küstenwegen, an den Meeresbuchten und dem azurblauen Meer, und wenn man Glück hatte, konnte man bis zur Insel Capri Ausschau halten. An einem besonders schönen Nachmittag kam ich bei meiner Wanderung an eine sehr kleine Kapelle. Sie befand sich auf einer Anhöhe am Ufer des Golfes von Neapel. Einige Bänke luden zum Verweilen ein und so setzte auch ich mich hin, um ein wenig die Seele baumeln zu lassen. Mein Blick ging direkt auf das Wasser – auf das Kommen und Gehen der Wellen. So etwas Schönes hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Fasziniert sah ich dem Schauspiel zu, konnte mich erfreuen und mein Innerstes kam auf sonderbare Weise zur Ruhe. Sehr ruhig und ausgeglichen holte ich meinen Mann von seiner Behandlung ab und am nächsten Tag zeigte ich ihm dieses schöne Plätzchen. Wir sind jeden Tag dort gewesen und haben es genossen, das Wellenspiel zu beobachten. Ob Sie es glauben oder nicht, das war ein wunderschönes und vor allem nachhaltiges Ferienerlebnis. Elfriede Liebig

SENIORENPFLEGEHEIM CASA REHA, OSTERFELD: Die Reise nach Berlin Ich erinnere mich an ein wunderschönes Sommererlebnis aus meiner frühen Kindheit. Eines Abends belauschte ich meine Eltern und hörte, wie sie sich über eine Reise unterhielten, bei der die Worte „Berlin“ und „Tante Hertha“ fielen. Da ich erst fünf Jahre alt war, konnte ich mir unter dem Wort „Berlin“ nichts vorstellen. Mein Bruder, der bereits zur Schule ging, erklärte mir, dass Berlin die Hauptstadt von Deutschland ist. Jetzt konnten wir es gar nicht erwarten, bis die Reise endlich losging. Als Mutter den Koffer packte, wussten wir, dass es nun soweit war. An einem Sonntag im Juni brachte uns der Vater zum Bahnhof von Greifenberg in Hinterpommern, wo wir seinerzeit wohnten. Als wir im Abteil waren, nahm mich Mutter sofort auf ihren Schoß, damit ich zum Fenster hinaus schauen konnte und der Schaffner nicht bemerkte, dass ich die Altersgrenze zum Zahlen der Fahrkarte schon überschritten hatte. Voller Ungeduld nervten wir die Mutter, bis der Zug endlich Berlin erreichte. Meine Tante holte uns am Bahnsteig ab und nahm uns mit zu sich nach Hause. In den nächsten Tagen machte sie mit uns eine Stadtbesichtigung, an der ich – als fünfjähriges Kind – natürlich überhaupt keinen Spaß hatte. Dann aber kam endlich der spannende Moment, als meine Mutter und meine Tante mitteilten: „Heute gehen wir mit euch in den Zoo“. Das war vielleicht eine große Freude für uns Kinder. Gemeinsam zogen wir los. Im Zoo erfreuten wir uns an den vielen großen, wilden und natürlich auch an den kleinen, heimischen Tieren, die es zu sehen gab. Als wir am Löwengehege vorbei kamen, sahen wir, dass die Löwenmutter zwei Babies hatte, die aber in einem separaten Gehege waren. Neugierig


Mein schönstes

Sommererlebnis

betrachteten wir ihr drolliges Spiel und waren total überrascht, als uns der Tierpfleger fragte, ob wir denn gerne mal die Löwenjungen halten möchten. Aufgeregt setzten wir uns auf eine Bank und der Pfleger legte uns die Kleinen in den Schoß. Mit einer Mischung aus Angst und Freude

streichelte ich das weiche und warme Fell der Löwenkinder. Nur für das Foto mussten wir für einen kurzen Moment still sitzen. Danach nahm der Pfleger die Kleinen wieder an sich, obwohl ich es am liebsten mit nach Hause genommen hätte. An dieses außergewöhnliche Erlebnis an einem schönen Sommertag im Berliner Zoo erinnere ich mich noch heute sehr gerne. Erzählt von Irmgard Werner, aufgeschrieben von Ursula Walter, Sozialer Dienst SENIORENRESIDENZ GOLDENE PFORTE: Zwei Seniorinnen berichten über ihre schönsten Sommererlebnisse Maria Kunzmann und Martha Krawutschke, saßen gemütlich beim Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel. Als wir auf das Thema Urlaubserlebnisse bzw. Erinnerungen kamen, wussten beide Bewohnerinnen viel zu erzählen.

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Das Wandern, egal ob mit Familie oder mit dem Stenografenverein, stand an erster Stelle. Gleich, ob es ins Gasthaus ging oder in der Natur gevespert wurde, die Natur und die Gemeinschaft war das Schönste. Die Strecke vom Seehaus Pforzheim ins Enztal, der Bodensee, die Dolomiten oder der Gardasee sind mit schönen Erinnerungen verbunden. Selbst in England sind beide Bewohnerinnen schon gewesen, und viele schöne Augenblicke sind in Fotoalben festgehalten. Verfasst von: Gabriele Pirke, Altenpflegerin Ingeborg Kleinheins, berichtet ihr Erlebnis: Das Seenachtsfest am Bodensee findet jedes Jahr im Sommer statt. Es ist das Ereignis rund um den Bodensee und ist immer ein riesiges Spektakel! Früher bin ich jedes Jahr dort gewesen. Es ist ein Fest, das über ein ganzes Wochenende lang stattfindet – es ist immer wieder schön. In Österreich, in der Schweiz und in Deutschland ist rund um den See immer richtig was los. Viele Besucher kommen sogar von sehr weit her, um mit dabei sein zu können, auch ist hier jede Altersgruppe vertreten. Es gibt unzählige Buden und Stände, die die unterschiedlichsten Waren v. a. jedoch Speisen und Getränke anbieten. An jeder Ecke gibt es was zum Gucken und überall sind kleine Bühnen aufgebaut, auf denen Künstler musizieren und Showeinlagen darbieten. Auf dem Bodensee tuckern tagsüber die Schiffe vorbei und wenn man möchte, kann man bis in die Schweiz oder nach Österreich mitfahren. Abends, wenn es dunkel wird, kann man wunderschön hell beleuchteten Boote und Schiffe beobachten, die fast lautlos durch das Wasser gleiten. Das Fest endet mit einem riesigen und spektakulären

Feuerwerk mitten über dem See. Abgefeuert wird es von allen drei Ländern gemeinsam. Das Seenachtsfest am Bodensee ist immer toll gewesen - und ist es sicherlich auch heute noch! Verfasst von: Adriana Visan, Ergotherapeutin JOHANNESHAUS ÖSCHELBRONN: Ferien mit Hindernissen Bochum, Frühsommer 1931: „Mutter, die Knöpfe am Kopfkissen drücken so“, jammerte die kleine Schwester. „Dann schneiden wir sie ab“, tröstete die Mutter. Nach einer kleinen Weile tönte es wieder: „Mutter, jetzt drücken die Knopflöcher!“ So geplagt war die arme Mutter mit dem an Masern erkrankten Kind. Und die Schulferien standen vor der Tür. Die „Große“ (also ich, 7 Jahre alt) wird sich hoffentlich nicht anstecken – dachte die Mutter – gerade jetzt, wo die Fahrkarten für die erste Ferienfahrt zur Großmutter nach Bruchsal schon gekauft sind! Natürlich steckte ich mich an, und die Fahrkarten mussten zurückgegeben werden, glücklicherweise ohne Verlust, denn nichts war so knapp wie das liebe Geld in der Zeit der großen Rezession. Nach meiner Genesung waren die Ferien vorbei, aber die Schulleitung gewährte mir vier Wochen Unterrichtsbefreiung. Wie angedeutet mussten wir sparen und das billigste Verkehrsmittel war der so genannte „beschleunigte Personenzug“, in den uns der Vater verfrachtete. Das Frühstück hatten wir vor lauter Ungeduld verweigert, aber noch keine halbe Stunde im Zug sitzend, verlangten wir von den mitgenommenen Butterbroten. Das war ja auch alles so ungeheuer aufregend. Wie oft wir die Züge haben wechseln müssen, ist mir nicht erinnerlich; aber die Strecke von Köln bis Heidelberg habe ich noch


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Mein schönstes deutlich vor mir. Mutter hatte den letzten Waggon gewählt, und wir verbrachten die meiste Zeit auf der äußeren Plattform, hatten dadurch die totale Sicht, wenn auch im Rückblick, zunächst auf den Kölner Dom, dann auf das Mittelrheintal mit all seinen Herrlichkeiten, den Strom, die Schiffe, das Siebengebirge und die Loreley, die Burgen bis hin zum Heidelberger Schloss. Dass wir rußgeschwärzt in Bruchsal ankamen, ist nicht verwunderlich, denn die Eisenbahn war noch nicht elektrifiziert, und so eine Dampflok lässt eine Menge schwarzer Flöckchen hinter sich. Mutter leistete sich und uns unterwegs eine sagenhafte Erfrischung: eisgekühlte Milch, die der Schaffner anbot. Dieses Geschmackserlebnis blieb mir unvergessen! Eisgekühlte Milch – wer hatte denn damals schon einen Kühlschrank?! Das seinerzeit ungenutzte, verwahrloste Bruchsaler Schloss mit seiner verblassten Lüftelmalerei und den geschlossenen Fensterläden, von denen die Farbe abbröckelte, übte eine magische Anziehungskraft auf uns aus, ein „verwunschenes Schloss“, von Geistern bewohnt! Gravitätisch schritten wir immer wieder die große Freitreppe hinab und die Mittelallee des Schlossparks entlang, wo sich die marmornen Statuen – der Hofstaat – vor uns, den Prinzessinnen, zu verneigen hatten! Dass es sich in Wahrheit um Allegorien der Jahreszeiten und anderes handelte, was kümmerte uns das schon! Wir sind hier die Prinzessinnen! Und waren wir das nicht auch? Wir durften spielen, während die andern Kinder schon längst wieder die Schulbank drückten! Erst viel später habe ich erfahren, dass ein Speyerer Fürstbischof dieses Schloss als Residenz hatte erbauen lassen. Prinzessinnen hat es

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dort also in Wirklichkeit nie gegeben. Aber unsere kindliche Fantasie hat für ein paar Sommerwochen das alte Schloss mit jungem Leben erfüllt. Nach seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg erstrahlt es heute in frischem Glanz und dient den Bewohnern als Museum (z. B. für mechanische Musikinstrumente), als Musiksaal und Begegnungsstätte. So konnte die kleine Schwester vor Jahren in dem Seitenflügel ein Familienfest arrangieren; Anlass war mein 70. Geburtstag. Neben vielen Augen-, Ohren- und Gaumenfreuden kam immer wieder die Frage auf: Und wisst ihr noch…? HAUS MAIHÄLDEN: Waldtraut Lundbeck, Bewohnerin unseres Hauses, erzählt von ihrer Vergangenheit und schließlich vom Sommer 2002, der ihrem Leben eine Wende gab. Ein bewegendes und für sie sehr bedeutendes Sommererlebnis, das von Vergebung und Umkehr erzählt. Vergangenheitsbewältigung Vorwort: Mich hat lange geschmerzt, dass wir den Krieg verloren hatten. Ich wurde oft gefragt: „Bist du befreit worden oder besiegt?“. Nach meiner Auffassung war ich besiegt worden. Für mich war die Zeit nach dem Krieg schlimm. Erst allmählich dämmerte es mir, dass wir, die Deutschen schuld waren, denn wir hatten den Krieg angefangen. Unser Elend war uns täglich vor Augen, aber dass wir auch unendliches Leid und Elend vor allem über die osteuropäischen Länder gebracht hatten, das kam mir erst langsam zu Bewusstsein. Im Mai 1946 wollte ich wieder einmal von Marburg aus zu meinen Eltern nach Potsdam fahren. Dabei bin ich an der grünen Grenze bei dem schwarzen Grenzübergang geschnappt worden. Durch. dieses Erlebnis hat sich bei mir eine Angst

vor und auch eine Wut auf die Russen ganz tief festgesetzt. Als wir später viele Reisen unternehmen konnten, war immer mein Gedanke: Überall hin, aber nie, nie, und hundertmal nicht nach Russland! Es ändert sich was: In einer Anzeige von der Missionsgesellschaft „Licht im Osten“ wurde für den Sommer 2002 eine Schiffsreise ins Baltikum angeboten. Da wollte ich gerne mitfahren, um die Heimat meiner Mutter und unserer Vorfahren kennen zu lernen. Nur war da ein Haken: der nördlichste Punkt, den wir ansteuern sollten war St. Petersburg, und das liegt in Russland! Ich beruhigte mich, dass dies ja eine mehr oder weniger europäische Stadt ist und machte also diese Reise mit. Eines Tages stand ich auf dem Schiff, und mir kam der Gedanke in den Sinn: „Mit diesen Vorbehalten gegen Russland und auch den Menschen, die heute dort leben will ich nicht in den Himmel kommen!“ Diesen Gedanken besprach ich mit dem Missionsdirektor und ahnte noch gar nicht, dass Gott noch ganz anders mit mir reden wollte. Etwas Neues beginnt: Im Sommer 2004 fuhr ich mit „Licht im Osten“ in die Ukraine. Wir flogen nach Kiew und bestiegen dort ein Schiff. Die Reise ging den Dnjepr abwärts bis ans Schwarze Meer und auf die Krim. Von der Hafenstadt Sewastopol fuhren wir mit dem Bus nach Jalta. Mir wurde etwas mulmig, wusste ich doch, dass im Februar 1945 die drei Staatsmänner Stalin, Churchill und Roosevelt hier jene Konferenz abgehalten hatten, die nach dem Krieg das Schicksal Europas gründlich verändern und bestimmen sollte. Rückblende: Zwischendurch muss ich erzählen, dass im Sommer 1945 in meiner Heimatstadt Potsdam eine ähnliche Konferenz stattgefunden hat und zwar im Schloss Cecilienhof. Ich war so wütend auf


Sommererlebnis die Sieger, dass ich die Gemächer im Innern dieses Schlosses und vor allem diesen runden Tisch mit den Fähnchen der drei Siegermächte niemals sehen wollte. Als später Freunde und bedingt dort hin wollten bin ich – wohl oder übel – mitgegangen. Jalta: Das alles stand wieder vor mir als wir nach Jalta kamen und den Liwadia -Palast besichtigten. Dort steht auch so ein runder Tisch, an dem viele Ländergrenzen neu gezogen und das Schicksal von vielen Millionen Menschen bestimmt worden war. Dort werden Bilder gezeigt von den Staatsmännern und sogar eine Originalausgabe der „Prawda“ von jenem historischen Februartag im Jahr 1945. Mir war die Freude an dem schönen Jalta verdorben.

Ein Anruf: Zwei Tage später machten wir einen Schiffsausflug ins Dnjepr-Delta auf eine Fischerinsel.

Wie schon manches Mal zuvor kam jener Missionsinspektor, und fragte wie es mir gehe. Da brach es aus mir heraus: „Ich bin wütend. Ich bin so wütend auf die Sieger!“ Er sagte: „Sie müssen vergeben!“ Ich war entsetzt. „Wie bitte, was soll ich? Ich soll diesen großen Staatsmännern vergeben? Das macht mein Gefühl nicht mit.“ „Ja“, sagte er,

„Sie müssen vergeben. Sie können ja gar kein Vaterunser beten!“ „Ich kann das nicht!“ „Doch, Sie müssen vergeben! Das Gefühl ist zunächst nicht so wichtig, das kommt erst allmählich, das kommt später. Aber Sie müssen vergeben!“ Pause – „Ja, dann muss ich das wohl irgendwann mal tun.“ „Nein“, sagte er, „jetzt!“ Und ich: „Jetzt und hier?“ – „Ja, jetzt und hier!“ Pause – Dann ich: „Also gut. Dann will ich das jetzt und hier tun.“ Alles um mich her versank vollständig, ich betete und sagte Amen. Er sah mich an und sagte: „Sie haben ja gar nicht gesagt ‘ich vergebe ihnen’.“ Und ich antwortete: „Wieso? Ich dachte, ich hätte alles richtig gesagt.“ „Nein, das haben Sie nicht!“, war seine Antwort. Hilfe! – Pause Dann kam ein tiefer Seufzer:


Mein schönstes „Dann muss ich wohl noch einmal von vorne anfangen.“ Und das tat ich auch. Ich betete und bat um Vergebung und sagte Amen. Da sagte auch er: „Amen – Jetzt kann ich auch Amen sagen, denn Sie haben wirklich vergeben.“ Nacharbeit: Die nächsten Tage waren nicht leicht, auch als ich nach Hause kam. Ich verstand noch nicht so recht, was mir eigentlich geschehen (geschenkt?) war. Dann fiel mir ein Wort aus dem Neuen Testament ein. In Hebräer 12, 15 steht das Wort von der bitteren Wurzel: „dass nicht eine bittere Wurzel aufwachse...“ Das war wie ein Schlüssel für all mein unruhiges Denken: Ich hatte durch fast 60 Jahre eine bittere Wurzel in meinem Herzen gehabt. Nun schickte mir Gott diesen Missionsinspektor als Seelsorger, der mir zur Freiheit verhalf. Tatsächlich fühlte ich mich von da an frei und sehr erleichtert. Ich kann nun über den Liwadia-Palast und das Schloss Cecilienhof in Potsdam anders denken, und wenn ich meine Dias zeige, auch anders davon reden. Gott hat an mir gehandelt, welch ein Herr! Ihn will ich loben. Waldtraut Lundbeck, Herbst 2004 SENIORENZENTRUM PAUL GERHARD: Die Bewohner unseres Hauses sind gerne bereit über schöne Sommererlebnisse zu berichten, besonders an einem so heißen Tag wie heute, es sind ca. 34 Grad. Ohnehin kann man nicht viel anderes unternehmen, als im Schatten zu sitzen und Geschichten zu erzählen. Herr K. z. B. ist 74 Jahre alt. Früher hat er mit seiner Partnerin in der Nordstadt gewohnt. Von Beruf war er Dachdecker und er nutzte seine Freizeit um in seinem Garten an der Redtenbacherstraße zu arbeiten und sich dort auch zu erholen. Die Strek-

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ke von seiner Wohnung zum Garten war gut mit dem Fahrrad zu bewältigen. Im kleinen Gartenhaus konnte auch übernachtet werden. Wasser wurde mit Kanistern geholt, Licht und Herdplatten mit Gasflaschen betrieben. Die Arbeit im Garten war nicht einfach. Wer den Weg nach Eutingen kennt, weiß, dass diese Gärten an einer steilen Hanglage liegen, die besonders beim Rasenmähen, auch mit einem Benzinmäher als Spaßbremse wirkte. Die Beete waren terrassenförmig angelegt und es gab Tomaten, Salat, Radieschen, Möhren, Kräuter aber auch Brombeeren und Apfel-, Birnen-, Kirschen-und Walnussbäume auf einem Grundstück von ca.50 m Breite am Weg und abwärts ca. 200 m. Den meisten Spaß hatte Herr K. darin, mit seiner Partnerin zu grillen, was sie abends und am Wochenende ausgiebig nutzten.

Frau R. ist 82 Jahre alt und hat in Pforzheim mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern gewohnt. Die ersten Jahre waren nicht immer ein Vergnügen. Der 1. Sohn war 1 Jahr und 6 Monate alt, als sie Zwillinge bekam und somit 3 Kinder unter 2 Jahren hatte. Mit der kompletten Familie fuhren sie öfters nach Kärnten in Österreich in den Urlaub am Klopeiner- und am Längssee. Diese Familienferien wurden von der Kirche organisiert und waren für Eltern mit mehreren Kindern vorgesehen, die aus Deutschland, Österreich und Italien kamen. Es gab ein kirchliches

Programm aber auch Wanderungen in den Bergen und Schwimmen im Klopeiner- und Längssee, Besichtigungen von Kirchen und extra ein Kinderprogramm, damit die Eltern auch ausspannen konnten. am schönsten aber war es für Fr. R. erst einige Jahre später, als sie mit nur 2 Kindern, die damals 12 und 15 Jahre alt waren, bei katholischen Schwestern in der Propstei mitten im Friedhof in St. Georg wohnte. Dort hatte sie viel Ruhe und Erholung und konnte wann sie wollte, mit anderen Müttern zusammen sein und sich auszutauschen. Sie vergleicht das mit den heutigen Mutter-KindKuren. Sehr erholsam fand sie auch die Temperatur. Es war immer wohlig warm. Die Blumen in dieser Gegend, es gab viele Glockenblumen und auch Enzian, haben sie begeistert. Für Frau Hammans waren die Besuche im Freibad auf dem Wartberg eine schöne Kindheits-SommerErinnerung. Ihr Vater war ein toller Schwimmer, der auch gerne vom höchsten Sprungturm gesprungen ist. Er war sehr sportlich, Mitglied im TV 34. Auch Ihre Mutter war eine gute Schwimmerin. Fr. Hammans hat am Wartberg gewohnt, manchmal verbrachte sie mit ihrer Familie ganze Tage im Schwimmbad, wobei sie auf Decken lagen und mittags mitgebrachte Brote verzehrten.

Frau Drollinger erinnert sich gern an eine Fahrt von Solingen nach Garmisch-Partenkirchen mit ihren Eltern


Sommererlebnis

Frau Wolf hatte eine Cousine, die in einem Haushalt in der Schweiz in Lautesbrunnen im Berner Oberland arbeitete. Es war früher üblich, dass Mädchen, bevor sie heirateten, Haushaltsfähigkeiten erlernten. Frau Wolf konnte sie für 4 Wochen besuchen, wobei sie mithalf, im Garten Unkraut zu jäten. Natürlich blieb noch genug Zeit für Ausflüge in der Nähe von Eiger, Mönch und Jungfrau. Bei einer Tour besichtigten sie eine Eishöhle, die sie sehr faszinierte, vor allem, weil man einen VW-Käfer aus Eis ansehen konnte. Obwohl es Sommer war, musste man gut angezogen sein, denn je höher man kam, umso kühler wurde es. Fr. W. hatte aber noch ein anderes Problem mit der Höhe: die Luft wurde dünner, sie bekam Kopfschmerzen, ihr wurde übel und sie mussten wieder ins Tal zurückkehren. Trotz allem war es für sie ein sehr beeindruckender Urlaub, an den sie auch heute noch gern zurückdenkt.

Jahr die gesamten 6 Wochen Sommerferien bei den Großeltern im Erzgebirge in Moldau/Deblitz. Die Großeltern besaßen dort eine Mühle und eine Bäckerei. Rund um das Haus hatten sie eine kleine Land-

wirtschaft zur Selbstversorgung angelegt. Im Laden sowie auf den Feldern durften wir Kinder mithelfen. Die Leidenschaft des Großvaters waren Forellen, daher hatte er einen Forellenbach gepachtet. Der hatte

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Dauerpflege · Kurzzeitpflege · Verhinderungspflege Wir verstehen Pflege und Betreuung in erster Linie ganzheitlich, als eine umfassende Betreuung von Körper, Geist und Seele. Das Atrium umfasst über 100 Plätze zur Dauerpflege und 23 zur Kurzzeit- und Verhinderungspflege. Wir legen Wert auf ein hotelähnliches, sehr gemütliches und dekoratives Wohnambiente, das sich deutlich von konventionellen Pflegeheimen unterscheidet. Der idyllische Innenhof mit Seerosenteich lädt besonders im Frühling und Sommer zum Entspannen ein.

SENIORENZENTRUM KELTERN: Was für eine schöne Zeit Frau Kraus kann sich nur zu gut an ihre Kindheit erinnern. Als ich sie nach ihren schönsten Ferien fragte, schmunzelte sie, versank kurz in Gedanken und lächelte. Dann begann sie zu erzählen: „Mit meinen drei Geschwistern und drei Cousins verbrachten wir jedes

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und ihrer Schwester. Sie saßen auf dem Rücksitz ihres brandneuen Opels und freuten sich auf 10 Tage Urlaub. Den ersten Halt machten sie in Würzburg, wo sie sich das Schloss mit seiner berühmten Treppe von Balthasar Neumann ansahen. In Garmisch angekommen, besichtigten sie die Stadt, kauften Andenken und wanderten in den Bergen um Garmisch und durch die Partnachklamm.


Mein schönstes so kristallklares Wasser, dass man es sogar trinken konnte. Eine kleine Pension schloss sich an, die meine Großeltern sommers wie winters an Gäste vermieteten. Vor dem Haus neben dem Bach war ein selbstgebautes Forellenbassin. Dort kamen die frisch gefangenen Forellen hinein, bevor sie gegessen wurden. Die Gäste konnten sich daher immer selbst aussuchen, welchen Fisch sie am Abend verzehren wollten. Dieser wurde dann von der Großmutter frisch zubereitet und in ihrer selbstgemachten Butter angebraten. Beim Gedanken hieran läuft mir noch heute das Wasser im Munde zusammen. Das Beste an der Geschichte aber war, wie sie die Fische gefangen haben; nicht wie sonst mit der Angel, denn das wäre ja Tierquälerei, sagte der Großvater. Nein, mit den Händen wurden die gefangen! Ja, Sie haben richtig gehört. Der Großvater hat die Forellen immer mit seinen eigenen Händen gefangen! Er band sich eine Schürze um, die aussah wie eine Tasche, legte sich am Bachrand auf den Bauch und lauerte auf die Fische. Wenn sie vorbeischwammen, tauchte er blitzschnell mit seinen Händen ins Wasser und warf die Fische jedes Mal genau in diese „Tasche“ hinein. Danach trug er sie sofort weiter ins Bassin. Das brauchte schon Übung und Geduld. Aber für meinen Großvater war das kein Problem. Natürlich wollten ich und mein Cousin Robert das auch probieren. Die Fische aber waren richtig schlau und hüpften immer wieder aus der Tasche heraus zurück; zuerst in den Sand am Bachrand und dann wieder in den Bach hinein! Da konnte man schon verzweifeln, aber Robert rannte ihnen blitzschnell hinterher und kniete im Sand nah beim Wasser. Dabei rief er dann immer zu mir: „Komm! Schnell! Beeil dich!“ Die Forellen aber waren einfach schnel-

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ler als wir. Überhaupt aber war das Ganze aufregend und lustig. Gut auch, dass Robert Kniebundhosen anhatte und sich weder seine Knie noch die Hosen an dem einen oder anderen Stein aufschrammte, der aus dem Sand hervorlugte. Da hätte er am Ende noch Ärger mit den Eltern bekommen. Ja, die Hosen von der Marke Klot, die hielten was aus! Zu Hause nach den Ferien angekommen, schrieb ich meinem Cousin gleich eine Karte: „Ich freue mich schon auf die nächsten Sommerferien, Du auch?“ Gedankenverloren beendet Fr. Kraus mit einem Seufzer ihre Erzählung: „Ich habe gerade geträumt, ich wäre noch einmal dort gewesen. Es war genau wie damals. Was für eine schöne Zeit!“ Geschichte von Emma Kraus; aufgezeichnet von Heidi Peichl Vertrauen Frau Beier trug heute ein besonders schönes Schmuckstück. Es war ein Anhänger, der auf einem rosafarbenen Untergrund eine Elfenbeinschnitzerei aufgeklebt hatte. Als ich sie darauf ansprach, erzählte sie mir folgende kleine Geschichte: Dieses Schmuckstück habe ich von meinem Mann bei einer unserer zahlreichen Urlaubsreisen geschenkt bekommen. Er war an diesem Tag allein unterwegs gewesen und hat am Abend dieses Geschenk für mich mitgebracht. Da ich davon so gerührt war, dass er auch an mich gedacht hatte, als er allein unterwegs war, trage ich es seit damals als sichtbaren Beweis dafür, dass ich ihm vertrauen und ihn auch mal allein Unternehmungen machen lassen kann. Denn in Gedanken scheint er immer bei mir zu sein, und wenn das Vertrauen fehlt, wäre die ganze Ehe umsonst. Geschichte von Margot Beier; aufgezeichnet von Katharina Starzmann

WOHNSTIFT BIRKENFELD: Edith Weihe: „Im Sommer 1946 hatte ich ein wunderbares Sommererlebnis. Mein Mann und ich waren mit unserem Mädel aus Dresden nach Birkenfeld gekommen. Gisela war gerade erst zwei Jahre alt geworden. Die ersten drei Jahre bewohnten wir nur ein möbliertes Zimmer und hatten wirklich nichts. Da bot mir meine liebe Nachbarin Frau Jäck an, die Johannisbeeren in ihrem Garten zu zupfen. War das eine Freude! Nach den Jahren der Entbehrung wollte ich so gerne mal wieder Marmelade essen, aber ich hatte keinen Zucker um die Marmelade zu kochen. Also habe ich die Träuble zunächst entsaftet und den Saft so lange verwahrt, bis es wieder eine Zukkerzuteilung gab. Dann konnte ich endlich das heißersehnte Johannisbeergelee kochen. Noch heute erinnere ich mich an den wunderbaren Geschmack. An meine liebe Nachbarin denke ich mit großer Dankbarkeit zurück. Erna Bossert: „Dies ist vielleicht nicht das schönste Sommererlebnis, aber jedes Mal wenn ich im Sommer ein Eis esse, erinnere ich mich daran: Es war im Sommer 1934, an einem heißen Sonntagnachmittag. Meine Eltern waren mit mir und meinem kleinen Bruder Kurt, damals 5 Jahre alt, auf der Pforzemer Mess. Mein Bruder quengelte die ganze Zeit, er wollte unbedingt ein Eis vom „Nagel“ haben. Das war der Stand mit dem besten Eis und es wurde in einer kleinen Tüte verkauft. Schließlich gaben meine Eltern nach und kauften ihm das heißersehnte Eis. Kaum hatte Kurt das Eis in der Hand, fiel es ihm auch schon in den Schmutz. Was hat er da geweint! Mein Vater hat das Problem aber ganz einfach gelöst: er hob das Eis auf und gab es Kurt wieder zurück, so wie es war, voller Staub und Stein-


Sommererlebnis chen. Aber meinem Bruder machte das gar nichts aus, er war selig mit seiner Eistüte. Mein Bruder ist heute 82 Jahre alt. Letztens hat er mich besucht und fragte: „Sag mal Erna, kannst du dich noch an die Geschichte mit meinem Eis auf der Mess erinnern?“ Natürlich konnte ich das, so ein Erlebnis vergisst man nicht. Sommerfest im ALTENPFLEGEHEIM SONNHALDE, Neuenbürg: Sommer, Sonne, Sonnhalde… Was haben wir in den vergangenen Jahren nicht alles zusammen erlebt… Mal entführte man uns in den Zirkus, mal auf die schwäbische Eisenbahn, oder gar nach Mexiko, um nur einige der vielen Themen zu nennen – jedes Sonnhalde-Sommerfest bürgte für ein tolles und aufregendes Erlebnis mit Spaß, guter Laune, viel Musik, Unterhaltung und Tombola – und nicht zuletzt auch mit gutem Essen und kühlen Getränken.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge feierten die Bewohner, Mitarbeiter und Gäste gemeinsam ein letztes großes Sommerfest in der Sonnhalde. Zwar bleibt das Altenpflegeheim Sonnhalde mit 35 bis 40 Plätzen erhalten, doch ein Großteil der Bewohner und Mitarbeiter werden zur Jahreswende in das neue Seniorenzentrum beim Krankenhaus Neuenbürg umziehen. Die Sonne hatte denn auch ein Einsehen und schien kräftig an diesem wunderschönen Tag. Neben den kulinarischen Köstlichkeiten gab es viel zu sehen, zu hören und zu staunen. Nach der Eröffnungsandacht von Diakon Alfred Waimer und einer Be-

grüßungsrede von Geschäftsführer Dr. Dietmar Köhrer, bedankte sich auch Manfred Krohmer von der Heimaufsicht des Landratsamts Enzkreis für die gute Zusammenarbeit mit Heimleiter Ludger Schmitt und seinen Mitarbeitern in der vergangenen zwanzig Jahren. Alleinunterhalter Martin Neumann und sein Sohn Marius, bekannt aus zahlreichen TV- Auftritten, heizten mit zum Teil selbst geschriebenen Liedern die Stimmung kräftig an. Reitpädagogin Stefanie Kuhl und ihr Team aus Neuenbürg boten allen Interessierten die Gelegenheit, die Welt auf dem Rücken der Pferde zu erleben. Nachdem die Kinder des Kindergartens „Am Ziegelrain“ mit Liedern und Tänzen die Zuschauer begeisterten, durften sie Stockbrot und Würstchen über dem Lagerfeuer grillen und sich in den Planschbecken abkühlen. Die Tanzgruppe „Azhar“ entführte die faszinierten Gäste ins Reich der 1001 Nacht. Ein besonderes Thema des Festes waren die Bienen. Wer wollte, hatte die Gelegenheit, selbst Honig zu schleudern, Waben zu entdeckeln, oder Kerzen aus Honigwaben herzustellen. Der Erste Vorstand des Bezirksimkervereins Neuenbürg, Erwin Rudolf und Imker Günter Obrecht hatten viel Interessantes und Wissens-

wertes über die Welt der Bienen zu berichten. Der allererste eigene Sonnhalde-Honig durfte verkostet werden, und jeder der Mitwirkenden bekam ein Gläschen dieses „Bienengoldes“ als kleine Aufmerksamkeit. (Zur Finanzierung des besonderen Sonnhalde-Tierkonzeptes kann der „Ori-

ginal Sonnhalde-Honig“, ebenso wie die frischen Eier der „glücklichen Sonnhalde-Hühner“ gekauft werden.) Erst bei eintretender Dunkelheit verließen die letzten Gäste das Fest. Dieser ereignisreiche Nachmittag wird allen sicherlich noch lange in guter Erinnerung bleiben. Bilder u. Text: Irmgard Behrendt HAUS SCHAUINSLAND Im Unternehmen Schauinsland trifft man sich montags zur „Aktuellen Stunde“. Neben den Diskussionen über das aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehen, entstehen von Seiten der Bewohner immer wieder Anregungen, wie man das Leben im Schauinsland gestalten könnte. So auch im letzten Monat. Verschmitzt erklärte eine Bewohnerin dem Heimleiter, dass man doch mal in die „Altweibermühle“ fahren könnte. Allen, denen diese Mühle kein Begriff ist, zur Information: Die 1929 gebaute Altweibermühle machte den Erlebnispark Tripsdrill zum ersten Erlebnispark Deutschlands. Sie soll laut Sage die Menschen „jungmahlen“. Der im ersten Moment nicht so ernste Vorschlag der Dame, wurde vom Heimleiter prompt aufgegriffen. So kam es, dass man in zwei Kleinbussen mit jeweils einem Heimleiter am Steuer und 16 Bewohnern aus den Schauinsland-Häusern Würm und Dillweißenstein nach Tripsdrill fuhr. Und wer glaubt, dass Senioren keinen Spaß in einem Erlebnispark haben können, der irrt: Höhepunkt des Ausflugs war die Fahrt mit dem „Donnerbalken“, der den Senioren und dem mitgereisten Betreuungsteam gleichermaßen Spaß bereitete. Auch wenn der Beweis um den Wahrheitsgrad der Sage über die „Altweibermühle“ nicht geführt werden konnte, so kamen die Besucher müde aber zufrieden nach einem wunderschönen Sommererlebnis in das Schauinsland zurück.

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Problematik Urlaubsvertretung: Wer einen geliebten Menschen pflegt und versorgt, der kann sich kaum vorstellen, diesen einmal für einen eigenen Urlaub ‚allein’ zu lassen. Dabei könnte diese Erholungszeit dafür sorgen, dass man danach wieder fit ist und besser die Versorgung fortsetzen kann. Aber oftmals traut man sich nicht. Vielleicht will man nicht so egoistisch sein und nur an sich denken, auch ist ja die Zeit, die man noch mit dem Angehörigen hat, begrenzt. Trotzdem: Nur wer sich ab und zu eine Auszeit gönnt, kann die Versorgung lange selbst übernehmen. Susanne Pletowski vom Pflegedienst SPPS.

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1. Urlaub planen! Die Pflegeversicherung hat dies von Beginn an gesehen und extra die Leistung der Verhinderungspflege (§ 39) dafür geschaffen. Diese Leistung ist nur dafür da, falls die Pflegeperson einmal nicht da ist. Und man sollte nicht erst so lange warten, bis eine Krankheit für eine Auszeit sorgt. Planen Sie für sich im Laufe des Jahres regelmäßige Auszeiten oder Urlaub ein! Und selbst, wenn die Verhinderungspflegeleistung verbraucht ist, steht für Notfälle immer noch die Kurzzeitpflegeleistung zur Verfügung. Mein Tipp: Ohne Zeit für Erholung kann man nicht dauerhaft durchhalten, das sehen wir immer wieder. Natürlich verstehen wir sehr gut, dass man sich kaum traut, einmal an sich selbst zu denken, wo es dem geliebten Menschen so schlecht geht. Aber was nutzt es diesem, wenn Sie selbst nicht mehr können? Urlaub und Erholungspausen können kurz oder lang sein, können stundenweise oder tagesweise Zeiten sein. Einmal im Monat in Ruhe zum Friseur gehen kann schon eine wichtige Erholungszeit sein oder ein Wochenende bei Verwandten, eine Woche im Ferienort. Planen Sie Ihre Erholungszeiten systematisch und warten Sie nicht darauf, dass Sie nicht mehr können. Wir vertreten Sie gern und kompetent, so dass Sie mit gutem Gewissen an sich denken können. Vielleicht fangen Sie erst einmal mit

kurzen Erholungspausen an, wie ein freier Nachmittag in der Woche oder ein Tag. Sprechen Sie uns an, wir planen das gemeinsam. 2. Leistungen auch im Urlaub möglich! Weg fahren, einmal oder noch einmal etwas anderes sehen, das ist Urlaub. Aber kann man mit einem Pflegebedürftigen Urlaub machen? Grundsätzlich ja, soweit es um die Unterstützung mit notwendigen Pflegeleistungen geht. Innerhalb Deutschlands können alle Leistungen der Pflegeversicherung, aber auch der Krankenversicherung auch am Urlaubsort in Anspruch genommen werden. Im Ausland ist das etwas komplizierter, aber möglich. Das Pflegegeld kann innerhalb der Europäischen Union (und der Schweiz) dauerhaft bezogen werden. Pflegesachleistungen und damit die Verhinderungspflege kann im Ausland nur dann erbracht und abgerechnet werden, wenn es vorübergehend für nicht länger als 6 Wochen ist und die Pflegekraft, die ansonsten die Pflegesachleistungen erbringt, ihn während des Auslandsaufenthaltes begleitet. Pflegesachleistungen beispielsweise durch einen Pflegedienst auf Mallorca können also nicht in Anspruch genommen werden. Mein Tipp: „Wenn einer eine Reise tut, dann hat er viel zu berichten“. Tapetenwechsel und Urlaub ist für

uns alle wichtig. Wenn Pflegebedürftige verreisen können, so ist dies zwar oft auch mit Anstrengungen verbunden, vor allem aber bleiben die Erlebnisse und neuen Eindrücke im Gedächtnis haften. Daher unterstützen und beraten wir Sie gerne, um zu überlegen, wie ein Urlaubsaufenthalt in Bezug auf die notwendige Pflege und Betreuung aussehen kann. Innerhalb Deutschlands ist dies sicherlich am Einfachsten zu organisieren, da sich auch in den Urlaubsregionen viele Pflegedienste finden. Wir können hier gern beratend und unterstützend tätig werden. Dazu gehören auch Fragen der Organisation der notwendigen Hilfsmittel, des Transports und schriftlichen Hinweisen für den Urlaubspflegedienst. Auch bei Auslandsaufenthalten beraten wir Sie gerne. 3. Kurzzeitpflege, wenn es Zuhause einfach nicht geht Manchmal kann die Pflege zu Hause kurzzeitig nicht sicher gestellt werden, beispielsweise wenn ein Urlaub ansteht und der Pflegebedürftige ständig eine Betreuung benötigt. Das lässt sich zwar auch mit einer persönlichen Betreuung zu Hause sicher stellen, alternativ kann die Kurzzeitpflege in einer speziellen stationären Einrichtung erfolgen. Kurzzeitpflegeplätze werden meist in normalen Pflegeheimen angeboten. Hier kann man dann für maximal 4 Wochen im Jahr kurzzeitig bleiben. Die Pflegeversicherung finanziert diese Leistung mit bis zu 1.510 € im Jahr. Dabei können damit nur die Pflegekosten bezahlt werden, die sogenannten Hotelkosten (Unterkunft, Verpflegung und sogenannte Investitionskosten) werden privat in Rechnung gestellt. In der Kurzzeitpflege wird wie im Pflegeheim die komplette Versorgung übernommen. Über Kurzzeitpflegeplätze in der Nähe informiert auch die eigene Pflegekasse.


der Pflegende fällt aus… Mein Tipp: Manchmal kann es hilfreich sein, für eine kurze Zeit das Zuhause zu verlassen und in der Kurzzeitpflege versorgt zu werden. Beispielsweise direkt nach einem Krankenhausaufenthalt, wenn noch etwas umgebaut werden muss. Manchmal ist es auch für die Angehörigen zu Hause sinnvoll, eine kurze Zeit ‚Ruhe’ zu haben, um danach mit neuer Energie die weitere Versorgung zu übernehmen. Problematisch ist es, wenn die Kurzzeitpflege als Vorbereitung für einen dauerhaften Heimaufenthalt genutzt wird, also das der Angehörige direkt nach dem Kurzzeitaufenthalt im Pflegeheim bleibt. Der Pflegebedürftige hat dann oft das Gefühl, er wäre abgeschoben worden, obwohl er nur für eine kurze Zeit da bleiben wollte. Das ist sicherlich kein guter Weg, um sich dauerhaft in einem Pflegeheim wohl zu fühlen. Nach der Kurzzeitpflege sollte immer noch einmal die Versorgung zu Hause erfolgen, selbst wenn nach kurzer Zeit dann der Umzug erfolgen soll. Einige unserer Kunden nutzen regelmäßig die Kurzzeitpflege. Alle genießen die Versorgung dort, freuen sich dann aber auch wieder auf ihr bisheriges Zuhause. 4. Verhinderungspflege §39 SGB XI Was ist Verhinderungspflege? Auch daran hat die Pflegeversicherung gedacht! Wenn Sie als Pflegeperson einmal verhindert sind, sei es, weil Sie krank sind, in den Urlaub fahren oder nur einmal in Ruhe einkaufen wollen - für alle diese Fälle gibt es die Verhinderungspflege nach §39 Pflegeversicherungsgesetz. Für diese Zeit steht ein zusätzliches Pflegebudget von bis zu EUR 1.510,00 pro Jahr zur Verfügung, ganz gleich wie hoch der Pflegebedürftige eingestuft ist. Verhinderungspflege ist ein wichtiges Instrument der Pflegeversiche-

rung, um auch Ihre Gesundheit als Pflegeperson möglichst lange zu erhalten. Nehmen Sie sich das Recht auf eine Auszeit oder den kleinen Urlaub; Ihre Arbeit ist schwer genug. Wir können sehr individuell die notwendige Betreuung sicherstellen, sei es einmal in der Woche für einige Stunden oder auch mal mehrere Tage am Stück, bis zu 24 Stunden. Sprechen Sie uns an – wir finden gemeinsam die passende Lösung! Wichtig: Die Pflegekasse wird rechtzeitig vor Beginn der Verhinderungspflege informiert. Das übernehmen wir gern für Sie. Folgende Leistungen bezahlt die Pflegekasse: Die Pflegekasse stellt zusätzlich ab Stufe 1 pro Kalenderjahr EUR 1.510,00 zur Verfügung. • Grundpflege und Hauswirtschaft • Betreuung und Begleitung • Beaufsichtigung Auch Leistungen außerhalb des eigenen Haushaltes wie z. B. im Urlaub, in einer Tagespflegeeinrichtung oder in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung sind zusätzlich (neben schon bestehenden Leistungen) abrechenbar. Diese Leistungen werden direkt mit der zuständigen Pflegekasse abgerechnet. Ein Anspruch auf diese Leistung haben Sie erstmalig nach 6-monatiger nachgewiesener Pflegebedürftigkeit. Unser Leistungsangebot: • Beschäftigung mit dem Pflege-bedürftigen, z.B. Spazierengehen, Spielen,.... • Training und Erhaltung der Alltagskompetenz, um die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu bewahren, wie Anziehtraining, Anleitung zum Essen, u.a.m...

• Übernahme der grundpflegerischen, sowie hauswirtschaftlichen Versorgung • Übernahme sonstiger anfallenden Hilfestellungen im alltäglichen Ablauf • Tages- und Nachtbetreuung • Beaufsichtigung und Betreuung des Pflegebedürftigen bei Abwesenheit der Pflegepersonen Wir stellen mit Ihnen einen individuellen Pflege- und Betreuungsplan zusammen. Sie erhalten einen Kostenvoranschlag. Die Leistungsinhalte richten sich nicht nur nach dem landesweit gültigen Modulkatalog, sondern der Plan umfasst alle bisher von der Pflegeperson erbrachten Tätigkeiten. Der pflegende Angehörige sollen schließlich entlastet werden. Susanne Pletowski, Geschäftsführerin SPPS Pforzheim GmbH


enioren Residenz „Bergdorf“ Büchenbronn

Im Obergeschoss des Walter-Rittmann-Hauses (Gemeinschaftshaus) unserer Seniorenresidenz ist ein neues Wohnprofil für zwei Wohngruppen entstanden – eine zukunftsweisende und bereits bewährte Wohnform. Je sieben Einzelzimmer, zum Teil mit Balkon, gruppieren sich um einen großen Gemeinschaftsraum mit einer Küche, einem kleinen Nebenraum für Spezialaktivitäten und einer Dachterrasse.

Warum diese neue Wohnform? Mediziner und Gerontologen predigen es seit Jahren in Vorträgen, Büchern, Fernsehsendungen, Zeitungen etc. Einsamkeit macht alt, krank, trübt den Geist, verdunkelt das Gemüt, verhärtet die Seele. Gerade die aktivierende Wirkung durch

Unsere Angebote im Überblick: • exponierte Lage • Kombination aus Pflegeheim und Betreutem Wohnen • vollstationäre Dauer- u. Kurzzeitpflege • qualifiziertes Fachpersonal • Tag- und Nacht-Präsenz • Großzügige Gemeinschaftsräume • Therapie- und Multifunktionsräume • Dachgarten/Wintergarten • Frischkost aus eigener Küche • Schonkost/Diabetikerkost/Vegetarisch • Fahrdienst/mobiler Hilfsdienst • Wäscherei im Haus • Wohlfühlklima und vieles mehr

Rufen Sie uns an, wir beraten Sie gern

Begegnungen mit anderen Menschen, durch gemeinsames Tun, durch den Gedankenaustausch erhält die Lebendigkeit und Elastizität, die mit zunehmendem Alter ihren wesentlichen Anteil zum Erhalt eines lebensbewussten Alterns beitragen. Wir wissen dies und haben als erste Seniorenresidenz in Pforzheim diese Möglichkeit integriert, die in anderen Ländern längst zu den bewährten und beliebten Wohnmodellen gehört. Oft hören wir bei der Besichtigung dieses Angebotes die ablehnende Bemerkung: „Ach nein, ich möchte lieber allein bleiben“. Hierbei wird offensichtlich vergessen, dass man ja mit seinem Einzelzimmer, das zu diesem Wohnprojekt gehört, stets die Möglichkeit hat, sich zu jeder Zeit zurück zu ziehen.

Die Statistik zeigt uns, dass wir heute im Schnitt 6 Jahre älter werden als unsere Eltern. Es ist ein Geschenk an unser Leben, das wir dankbar annehmen und sinnvoll gestalten sollten. Die Geselligkeit pflegen, sich mit anderen Menschen auszutauschen, sich gegenseitig zuzuhören, miteinander Freude zu haben, Freude zu schenken und anzunehmen, gehört zum Leben ebenso, wie das mit sich Leben und in sich Ruhen. All dies sind Gründe, die für uns wichtig waren, dieses neue Wohnmodell in unsere Senioren Residenz zu integrieren. Die vorliegenden Erfahrungswerte beweisen uns, dass hier eine Wohnform zur Verfügung steht, die richtungsweisend ist für ein lebendiges, anregendes und aktives Miteinander unter dem Dach einer altersgerechten Betreuung und Versorgung.

Wohngemeinschaft Walter-Rittmann-Haus Senioren-Residenz Bergdorf, Büchenbronn 1. Beispiel: 1-Zimmer-Appartement Kaltmiete Nebenkosten Verpflegung pro Tag € 8,55 Reinigung per m2 € 1,15 Hausnotruf Betreuungspauschale Gesamt 2. Beispiel: 1-Zimmer Appartement mit Südbalkon Kaltmiete Nebenkosten Verpflegung pro Tag € 8,55 Reinigung per m2 € 1,15 Hausnotruf Betreuungspauschale Gesamt

39,30 m2 €/Monat 360,00 140,00 260,00 45,00 20,00 70,00 895,00

52,00 m2 €/Monat 450,00 160,00 260,00 60,00 20,00 70,00 1.020,00

SR Senioren-Residenz GmbH · Siedlungstraße 48 · 75180 Pforzheim ·


enioren Residenz „Nagoldblick“ Huchenfeld

Im letzten Jahr wurde die neue Senioren-Residenz Haus Nagoldblick in Pforzheim-Huchenfeld ihrer Bestimmung übergeben. Die Akzeptanz unserer Einrichtung ist sehr groß und alle haben sich gut eingelebt. Dies motiviert uns in dem Wirken für unsere Bewohner. Das Pflegehaus bietet auf zwei Wohnbereichen, die unter dem Motto „bekannte Gebäude und Gegenden des Enzkreises“ und „Pforzheimer Schmuck“ stehen, 36 Pflegeplätze. Alle 30 Zimmer haben eine Nasszelle, von denen ein Teil als rollstuhlfahrergerecht ausgelegt ist. Das Erdgeschoss, über eine Terrasse mit dem Sinnesgarten verbunden, der nächstes Jahr die Bewohner erfreuen soll, wird auch für an Demenz erkrankte Bewohner geeignet sein. Die ersten Bewohner haben sich bereits gemüt-

lich eingerichtet. Die Visitenkarte des Gebäudes stellt die dem Pflegehaus vorgelagerte Eingangssituation mit freundlich gestaltetem Café, Verwaltung und Wartebereich dar. Im Wohlfühlbad mit Hubbadewanne, das im hinteren Teil des Eingangsgebäudes an das Café angrenzt, können die Bewohner die stimmungsvolle Gestaltung des Raumes genießen – Ruhe und Entspannung pur unterstützt durch wohltuende Badeessenzen. In Kooperation mit ortsansässigen Kirchenund Krankenpflegevereinen sowie Besuchen des Kindergartens und der Schule freuen wir uns darauf, allen Bewohnern eine angenehme Umgebung zu schaffen, in welcher der Lebensabend mit Freude und Würde gelebt werden kann. In einer Zeit schwindender Ressourcen und wachsender Umweltbelastung haben wir uns um intel-

Unser neues Vorhaben: Barrierefreies Wohnen im Ortskern von Bad Liebenzell

Gebäude erfolgt über einen neu angelegten Vorplatz entlang des neu gestalteten Mühlbaches. Durch die touristisch geprägte Infrastruktur eines Kur- und Badeortes haben Sie alle Möglichkeiten, das Leben ganz nach Ihren Bedürfnissen zu gestalten – die Lebensqualität beginnt hier schon vor der Haustüre. An das Gebäude schließt sich der ehemalige Kirchgarten als Grünfläche zur individuellen Nutzung der Hausbewohner an. In der reizvollen und unmittelbaren Nachbarschaft befindet sich alles was Sie zum täglichen Leben benötigen. Innerhalb des Hauses ist ein Sozialer Dienst vorgesehen, der mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Weiterhin sind Räume zur gemein-

In der kleinen und feinen Kurstadt im Nagoldtal, mit hohem Freizeitwert, in unmittelbarer Nähe zum Kurpark, planen wir die Errichtung von 25 attraktiven Wohnungen mit einer barrierefreien Ausstattung. Es handelt sich hierbei vorwiegend um 2-Zimmer-Wohnungen mit einer Wohnfläche von ca. 60 – 80 m². Das Gebäude zeichnet sich durch seine moderne energiesparende Bauweise und explosive Architektur aus. Helle lichtdurchflutete Räume, große Balkone, gehobene Ausstattung sowie flexible Grundrissaufteilung nach Käuferwunsch. Die vorgesehene Tiefgarage hat eine direkte Verbindung zum Treppenhaus und zum Aufzug. Der Zugang zum

ligente, komfortable aber auch preiswerte Energiekonzepte Gedanken gemacht. Wir müssen zukünftig unsere Energien regenerativ erzeugen. Dazu ist es aber zwingend erforderlich, den Energiebedarf zu senken. Das heißt, vor der Überlegung Heizung kommt die Überlegung Dämmung. Angesichts dessen bedarf es des Einsatzes gut durchdachter wärmedämmender Konstruktionen, um den Wärmeabfluss deutlich zu reduzieren. Eine ideale Ergänzung ist eine thermische Solaranlage. Sechs Monate im Jahr sorgt die Solaranlage vollständig für die Warmwasseraufbereitung und Heizungsunterstützung. Photovoltaik ist unbestritten die eleganteste Art, Sonnenenergie in Strom zu verwandeln. Die Photovoltaikanlage bringt neben dem wirtschaftlichen auch einen bedeutenden Gewinn für unsere Umwelt. Die Sonne ist eben unsere unerschöpfliche Energiequelle. Mit unseren neuen Konzepten möchten wir nicht nur ökologische und wirtschaftliche Akzente in Huchenfeld setzen. Gewinnen sollen vor allem die Senioren. Durch Funktionalität, ein entsprechendes Ambiente mit einer modernen Ausstattung, wozu auch die kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung zählt, sowie natürlich fachkundige Pflege mit Herz und Qualität wird ein optimales Zusammenwirken garantiert und alle Voraussetzungen für das persönliche Wohlempfinden geschaffen. schaftlichen Nutzung geplant sowie eine Praxis für Physiotherapie. Barrierefrei leben und wohnen – heißt soviel wie Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung und Senioren. Dies zu ermöglichen ist unser Ziel.

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Die Arzneimittel Ein Medikament soll unsere Beschwerden heilen oder zumindest lindern. Doch Arzneimittel können auch unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Zu den seltenen, aber potenziell gefährlichen Nebenwirkungen gehören die Arzneimittelallergien. In den meisten Fällen kommt es dabei zu Hautveränderungen in Form eines juckenden Ausschlages (Arzneimittelexanthem). Es können jedoch auch alle anderen Symptome einer Allergie auftreten, von Schnupfen über Asthmaanfälle bis hin zu einem lebensbedrohlichen allergischen Schock. Wer nach der Einnahme eines Medikamentes solche

Gerade bei Kindern kann es schwierig sein, ein Arzneimittelexanthem von einem Masern- oder anderem Virusexanthem zu unterscheiden. Unklare Hautausschläge sollten daher immer von einem Facharzt abgeklärt werden, sagt der Kinderarzt und Allergologe Dr. Wolfgang Rebien, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA).

Symptome an sich beobachtet, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Der dreijährige Phillip zum Beispiel stellte sich mit einem stark juckenden Ausschlag am ganzen Körper in der Notfallsprechstunde vor. Ursache war ein Antibiotikum, das er zur Behandlung einer fieberhaften Mittelohrentzündung drei Tage lang eingenommen hatte. Der Notfallarzt verschrieb ein neues Antibiotikum sowie einen juckreizstillenden Saft (Antihistaminikum) zu Behandlung der Allergie.

Mit Arzneimittelallergien zum Allergologen Bei Verdacht auf eine Arzneimittelallergie sollte frühestens zwei Wochen nach dem Rückgang der Beschwerden, jedoch möglichst innerhalb der nächsten sechs Monate, eine Allergietestung bei einem auf Allergien spezialisierten Arzt durchgeführt werden. In einigen Fällen ist es möglich, mit Hilfe verschiedener Haut- und Bluttests Hinweise auf die auslösende Substanz zu erhalten. Gewissheit bieten aber nur relativ

Bild rechts: Viele Arzneimittel können auch Allergien auslösen. Foto: © Rainer Sturm, PIXELIO

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aufwändige und nicht ganz ungefährliche Untersuchungen, bei denen der Patient das Medikament unter ärztlicher Überwachung noch einmal einnimmt, berichtet der Göttinger Allergologe und Dermatologe Professor Dr. Thomas Fuchs. Er kritisiert, dass für Deutschland auch von offizieller Seite keine Daten darüber verfügbar sind, wie hoch das Risiko für lebensbedrohlich verlaufende Arzneimittelallergien ist. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, so Fuchs. Der Allergietest bringt Klarheit Relativ häufig werden Arzneimittelallergien von Antibiotika, Epilepsiemedikamenten und Schmerzmitteln ausgelöst. Auch sanfte Naturheilmittel wie Echinacea oder Kamille können Allergien hervorrufen. Gelegentlich stellt sich bei der allergologischen Diagnostik heraus, dass der Betroffene nicht auf den Wirkstoff des Arzneimittels, sondern auf einen so genannten Hilfs- oder Zusatzstoff allergisch reagiert. Das kann ein Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoff sein. Die vermeintliche Penicillinallergie wird also unter Umständen gar nicht durch das Penicillin ausgelöst, sondern zum Beispiel durch einen Farbstoff in der Tablette. In diesem Fall ist die Allergie-Diagnostik von großer Bedeutung, denn der Betroffene kann dann sehr wohl Penicillin einnehmen. Es muss nur die Tablette eines anderen Herstellers sein, die diesen Farbstoff nicht enthält, erklärt Fuchs. Allergiepass mitführen Es ist bei Arzneimittelallergien daher sehr wichtig, das Ergebnis der Allergietestung in einen Allergiepass eintragen zu lassen und diesen bei Arztbesuchen immer vorzulegen. Dann ist jeder Arzt in der Lage, ein optimal wirksames und verträgliches Medikament heraus-


zusuchen. Sollten Sie Allergien gegen einen Hilfsstoff haben, so sollten sie auch unbedingt ihren Apotheker darauf aufmerksam machen, da diese zumeist in vielfältigen Arzneimittel eingesetzt werden. Die wirksamste Therapie der Arzneimittelallergie besteht darin, die auslösende Substanz konsequent zu meiden. Die Betroffenen sollten neue Medikamente nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt einnehmen. Menschen, die bereits einmal allergisch auf ein Arzneimittel reagiert haben, müssen auch bei allen anderen Medikamenten aufpassen. Sie besitzen ein zehnmal höheres Risiko, weitere Arzneimittelallergien zu entwickeln.

Aspirin kann Asthmatiker atemlos machen Nicht in jedem Fall steckt hinter den Symptomen einer Arzneimittelallergie aber eine echte allergische Reaktion. Es kann sich auch um eine so genannte Pseudoallergie handeln. Im Unterschied zur allergischen Reaktion, die gewöhnlich erst einige Tage nach der ersten Medikamenteneinnahme auftritt, kann es hier schon bei der ersten Einnahme zu Beschwerden wie Hautausschlag, Schnupfen oder Atemnot kommen. Ein Beispiel für eine Pseudoallergie ist ein durch das Schmerz- und Rheumamittel Acetylsalicylsäure (ASS) ausgelöstes Asthma bronchiale. In der Normalbevölkerung liegt das Risiko hierfür bei unter einem Prozent.

Foto: Thomas Zigann

allergie

Dagegen reagiert etwa jeder fünfte erwachsene Asthmatiker auf die Einnahme von ASS mit einem Asthmaanfall.

Wolfgang Reichert, Fachapotheker für Offizinpharmazie, ist seit 1980 selbstständiger Apotheker in Pforzheim.


Aktivitäten &

Gerda Görnemann 1. Vorsitzende

Herta La Delfa 2. Vorsitzende

Ruth König, Büroleitung

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Souverän am Steuer In Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht Pforzheim und Enzkreis e.V. fand am 28. Juni in der Geschäftsstelle des Kreisseniorenrats ein Vortrag über den aktuellen Stand der Verkehrsregeln und die neuen Systeme für Sicherheit im Auto statt. Ein Angebot für Seniorinnen und Senioren, ihr Wissen hierüber aufzufrischen und auf den neuesten Stand zu bringen. Nach dem Umbau der Geschäftsräume durch den Eigentümer, die Baugenossenschaft Bau und Grund, und die damit gegebenen neuen Nutzungsmöglichkeiten war es der erste Vortrag in der Geschäftsstelle, an dem ca. 40 Personen teilnehmen konnten. Es gab viele Fragen, Erklärungen und Antworten. Senioren schaffen Schönes Kreativität und Können, Freude am Schaffen und Liebe zum Detail sind pulsierende Antriebsfaktoren dieser Ausstellungsthematik. Das Thema hat Tradition in dem Veranstaltungskalender des Kreisseniorenrats und erfreut sich steigender Beliebtheit (siehe Bilderbogen auf den nächsten Seiten). Die diesjährige Ausstellung fand in der Zeit vom 2. – 7. Mai im Atrium 3 des Volksbankhauses unter der Schirmherrschaft des Pforzheimer Oberbürgermeisters Gert Hager statt. Zahlreiche Senioren und Heimbewohner zeigten ihre Arbeiten und stellten ihre Kreativität, ihre handwerkliche Fertigkeit und ihre themenreiche Vielseitigkeit unter Beweis. Das Spektrum reichte von Holz- und Textilarbeiten über Malerei, Papiergestaltung, Ton- und Glasarbeiten, Metall- und Buchgestaltung bis zur Herstellung von Schmuck, Liederblättern, Mosaikobjekten, Kerzen, Osterdeko und Vielseitiges aus Großmutters Rezeptbüchern. Über 2200 Besucher verzeichnete die Verkaufsausstellung, die ein viel-

seitiges Rahmenprogramm bot. Zur Eröffnung spielte das Streichquartett der Jugendmusikschule, weitere musikalische Unterhaltung boten der Folklorekreis Jugendmusikschule Neuenbürg, Leierspielerinnen Gerda Kröhn und Erika Müller, der Singchor Johanneshaus Öschelbronn, der Männerchor Freundschaft Tiefenbronn und der ökomenische Gitarrenkreis Bilfingen. Klassische Musikstücke brachten Karin und Friedrich Schöpfer, und die Seniorentheatergruppe zeigte ihre erste Aufführung „Eulenspiel“ (s. Seite 44). Da gab es die beliebten nachmittäglichen Kaffeestunden mit Kuchen und Torten, gemeinsames Malen und Basteln von Jung und Alt, eine Modenschau des Hauses Rudolf, ein Kinderballett, einen gemeinsamen Sitztanz und einen opulenten Brunch, ausgerichtet von der „Residenz Ambiente“, dessen Erlös an die Einrichtung „Herzenswünsche“ ging. In der Konferenz-Etage des Volksbankhauses wurden den Besuchern interessante Vorträge angeboten, u.a. von der Polizei: „Sicherheit im Alter“; von der Rechtsanwältin Isabel Hutter: „Erbrecht, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht“; von dem DRK: „Reisen für Senioren“; von der Center-Apotheke: “Apotheke, Wegweiser im Dschungel der Arzneimittel“; von der AOK: „Pflege und Pflegestützpunkte“; vom KSR /Kerstin Müller: „PC-Schnupperstunden für Senioren“; von Olaf Schulze, Historiker: „Das Leben der Alten in unserer Stadt“ und „Simultanschach“ mit dem internationalen Meister Ulrich Schulze. Die Tombola war mit 300 Gewinnspenden – dem Resultat einer 6-monatigen Spendensammlung – ein großer Erfolg. Der Erlös hieraus ging an die Einrichtung „Herzenswünsche e.V. “ – sie dient der Wunscherfül-

lung schwer- und todkranker Kinderund die Gustav-Heinemann-Schule. Die ersten Aussteller-Anmeldungen für 2012 sind bereits eingegangen. Senioren treten in die Pedale Es war ein mutiges Unterfangen – drei aktive Mitglieder des Kreisseniorenrats sattelten ihr Stahlross und entschieden sich für eine medaillenreife Freizeitgestaltung. 970 Kilometer waren zu absolvieren, und das bei jedem Wetter. Margarete Janssen war der Spielmacher, Ilse Kästner und Rita Baumann stimmten sich ein und machten mit. So saßen insgesamt ca. 200 Lebensjahre im Sattel und kamen nach 17 Tagen wohlbehalten in Esens an. Getreu dem Grundsatz: Dein Wunsch ist Dein Ziel! Ob ich es wohl schaffe? Ob ich mir nicht zu viel zugemutet habe? Ob dieser Entschluss richtig war? Wenn Dich Zweifel beschleichen wollen, ob Du den Schritt wirklich wagen sollst? Vertrau auf Dein Ziel und die Kraft Deiner Wünsche. Trau Dich – und Du wirst spüren, was in Dir steckt! Übrigens: Esens ist ein Nordseeheilbad in Ostfriesland. Übernachtet wurde in Jugendherbergen. Sehenswertes, das am Wege lag, wurde besichtigt. Und die besondere Zugabe: Die Fahrt war nicht nur „Fitness for fun“, sondern mit einer guten Tat verbunden: Es war eine Sammelreise für einen schwer kranken 16-jährigen Jungen, die von dem Verein Herzenswünsche betreut wird und dessen sehnlichster Wunsch es ist, einmal das Meer zu sehen. So sammelten sie vor und während und auch noch nach der Fahrt für diese Wunscherfüllung.


Veranstaltungen FRAG Pforzheim-Enzkreis Die Freiwilligen Agentur bietet nicht nur eine Fülle an Tätigkeiten innerhalb unterschiedlicher Sparten, wie Kultur und Bildung, Kinder und Jugendliche, Senioren, Natur und Tiere. Auch die zeitlichen Einsatzmöglichkeiten sind variabel. Und damit sind nicht nur die Stunden pro Woche oder pro Monat gemeint. Erfahrungsgemäß gibt es Seniorinnen und Senioren, die durchaus an einer ehrenamtlichen Tätigkeit interessiert sind, sich aber bei der Freiwilligen Agentur nicht melden, weil sie „im Sommer im Garten beschäftigt sind“ oder „ während der kalten Jahreszeit in den Süden gehen“. Sie denken, dies sei mit einem ehrenamtlichen Engagement nicht zu vereinbaren. Häufig wird ehrenamtliche Tätigkeit immer noch mit einem regelmäßigen Einsatz pro Woche in Verbindung gebracht. Weit gefehlt! Die Freiwilligen Agentur hat eine Menge Angebote, die sich auch für einen 2- oder 3-monatigen Einsatz eignen, oder Tätigkeiten, die von vornherein zeitlich befristet sind, z.B.

DIE WOHNBERATUNG – EINE WICHTIGE INSTITUTION FÜR ÄLTERE UND/ODER BEHINDERTE MENSCHEN In den eigenen Wänden zu leben, egal, in welcher Situation, das ist der Wunsch der Menschen. „Selbstbestimmt“ ist der Begriff, der umschreibt, was sich jeder Einzelne wünscht. Wann beginnt „das Alter“, in dem man sich Gedanken über die Wohnsituation machen sollte? Heute gibt es immer mehr ältere Menschen und auch Hochbetagte, die rüstig und fit im Leben stehen. Ob eine Wohnung altengerecht beziehungsweise behindertengerecht ausgestattet sein muss, das hängt von der Lebenssituation ab.

FÜR ALLE VERANSTALTUNGEN SIND RECHTZEITIGE ANMELDUNGEN ERFORDERLICH! Geschäftsstelle Kreisseniorenrat Pforzheim Enzkreis e.V. • Ebersteinstr. 25 (Ecke Salierstraße), 75177 Pforzheim • Tel. 0 72 31/3 27 98 oder Fax 0 72 31/35 77 08 • E-Mail: info@kreisseniorenrat-pf.de

Projektaufgaben. Es ist also kein Hinderungsgrund, wenn Interessenten für eine ehrenamtliche Tätigkeit nicht kontinuierlich zur Verfügung stehen. Falls Sie zur Gruppe der „befristeten“ Interessenten gehören, erhalten Sie gerne weitere Infos von Bärbel Grötzinger beim Kreisseniorenrat (Tel. 07231 – 32798) oder Renate Poignée und Katharina Krings bei der Volkshochschule (Tel. 07231 – 380016). Seniorenfreundlicher Service Zertifizierungs-Aktion Die Aktion erfolgt in Zusammenarbeit mit der IHK Nordschwarzwald, dem WSP Citymarketing, der Handwerkskammer Karlsruhe und der Altershilfe der Stadt Pforzheim. Ziel der Zertifizierung ist es, die Bedürfnisse älterer Menschen verstärkt zu berücksichtigen und seniorengerechte Lösungen, Produkte und Dienstleistungen zu aktivieren.

Bei Erfüllung der anhand einer Liste vorgegeben Kriterien erhalten die Geschäfte das Prädikat „Seniorenfreundlicher Service“, das für den Kunden sichtbar im Geschäft plaziert ist und allgemein werblich genutzt werden kann. Einige Beispiele der Kriterien: Erreichbarkeit des Geschäftes • Barrierefreie Eingänge • Innenraum begehbar für Rollstühle und Gehhilfen • Sitzmöglichkeiten • Fachkompetenz. Viele dieser Kriterien gelten gleichermaßen für junge Behinderte und Frauen mit Kindern. Bisher erhielten 50 Geschäfte in Pforzheim und im Enzkreis das Zertifikat mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Danach erfolgt eine erneute Überprüfung der Auflagen und gegebenenfalls Fortführung des Zertifikats. Der nächste Anwärter ist die Sparkasse Pforzheim mit der Hauptgeschäftsstelle und 20 Filialen. Die Überreichung der Zertifikate wird voraussichtlich Ende August stattfinden.

Bärbel Grötzinger Freiwilligen-Agentur

Ilse Kästner Seniorenfr. Service

Ob ich als Zwanzigjähriger einen Autounfall habe und monatelang im Rollstuhl sitze, oder mir als Vierzigjähriger den Knöchel gebrochen habe und Gehhilfen benötigt werden, – in beiden Situationen ermöglicht der barrierefreie Zugang zur Wohnung bzw. zum Haus und die ebenerdige Dusche Selbständigkeit. Somit wird es noch deutlicher: den Komfort des barrierefreien Lebens benötigen die Menschen nicht erst im Alter.

Anmeldungen hierzu sind erforderlich. Lassen Sie von dem kompetenten Fachteam ihre Pläne überprüfen und feststellen, ob oder durch welche Maßnahmen auch in Ihrem Zuhause der Komfort des barrierefreien Lebens möglich ist.

Andrea Überall-Schulze

Dieter Müller, Architekt

Neu im Angebotsspektrum des Kreisseniorenrats:

Kreisseniorenrat – Wohnberatung Enzkreis – Stadt Pforzheim e.V. Beratung und Informationszentrum für Senioren Ebersteinstr. 25, 75177 Pforzheim Tel. 0 72 31/35 77 14, Fax 35 77 08 wohnberatung@kreisseniorenrat-pf.de

Am ersten Freitag im Monat gibt es in der Zeit von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr eine Architekten-Sprechstunde.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 – 12 Uhr oder nach Terminvereinbarung


Senioren


schaffen Schönes – ein Bilderbogen


Aktivitäten & Veranstaltungen

Barbara Gerstenäcker Regisseurin „Eulenspiel“

Die Namen von links nach rechts: Ruth Mikkelsen, Katalin Erat, Ursula Berghald, Bianca Hausch, Rudolf Stolze, Dieter Hemminger, Hansjörg Hähnle, Edeltraud Linder, Claudia Lang, Heide Sommer.

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SENIOREN SPIELEN THEATER Die Idee, auch in Pforzheim eine Seniorentheatergruppe ins Leben zu rufen, entstand beim Kreisseniorenrat im Jahre 2009 anlässlich des „19. Europäische Seniorentheater Festivals“. Es war eine Veranstaltung des Bundes Deutscher Amateurtheater in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Amateurtheaterverbände und dem Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg. Ausrichter dieses Festivals war das Kulturhaus Osterfeld und der Amateurtheaterverein Pforzheim.

Aus der Idee ist in der Zwischenzeit eine aktive 10-köpfige Seniorentheatergruppe im Alter zwischen 61 und 83 Jahren geworden, die im Juni mit dem „EULENSPIEL“ ihre erste Arbeit der Öffentlichkeit präsentierte. Diese Spielerzahl findet sich auch in den 10 Buchstaben des Titels, den sie ihrem ersten Stück gegeben haben, und das sich thematisch interessant zusammensetzt. Die Eule, sagenumwoben, geheimnisvoll Symbol der Weisheit, der Dämonie, ist Namengeber der Gruppe- und hier auch des Spiels. 10 große Buchstabenwürfel stehen für 10 Themen des Lebens, die hier humorvoll, dramatisch, weise oder prag-

matisch abgehandelt werden. Die Premiere war ein großer Erfolg, und man kann auf die nächste Arbeit gespannt sein. Mit freundlicher Unterstützung von Ruth Witzenmann und der Otto und Ursula Meixner Stiftung. Die Regisseurin hat das Wort Vorsicht! Wer Theater probiert kann Heißhunger bekommen. Was die Mitwirkenden brauchen, ist Vertrauen und Durchhaltevermögen. Denn bis zur Premiere ist der Weg steinig und keinesfalls geradlinig. Zweifel gehören genauso dazu wie die sich aufdrängende Frage: Warum tue ich mir das eigentlich an? Aber das Premierenfieber lässt dann alles sehr schnell vergessen. Mein Job als Regisseurin ist, Vertrauen aufzubauen. Vertrauen nicht nur in die Regie, sondern vor allem in sich selbst und in die Mitspieler. Kann ich umsetzen, was ich für eine gute Darstellung brauche? Wie lerne ich laut und deutlich zu sprechen? Wie lerne ich Körperspannung. Warum brauche ich das überhaupt? Und wie lerne ich den Text? Wie kann ich mir merken, wie die Reihenfolge ist, welches Requisit ich mitnehmen muss? Was ist mein Stichwort? Dies alles zu fördern und zu fordern, den Mitwirkenden ihre Fähigkeiten zu entlocken optimal einzusetzen, um am Ende als „Gesamtbild“ auf der Bühne zu zeigen, ist meine Aufgabe. Die Seniorentheatergruppe habe ich im Oktober 2010 übernommen. Zuerst haben wir einen passenden Namen gesucht und uns für den Vogel der Weisheit entschieden. Faszinierend ist er, klug und sagenumwoben. Dieses erste Stück, das wir aufgeführt haben, ist eine Collage mit Texten und Bildern rund um die BuchDas Programmheft des „Eulenspiel“-Ensembles.

staben des Namens „Eulenspiel“. Verschiedene Möglichkeiten des darstellenden Spiels werden gezeigt. Kein klassisches Theaterstück ist die Herausforderung, sondern die unterschiedlichen Formen, die hier benutzt werden. Ein Rückblick auch auf das, was die Mitwirkenden sich seit Beginn ihrer Theaterkarriere erarbeitet haben. Und das ist eine beachtliche Menge. Die Probenarbeit vor der Premiere ist vor allem zeitintensiv. Da sind gute Nerven gefragt. Viele Stunden Konzentration sind notwendig. Abläufe müssen immer wiederholt werden. Routine muss sich einstellen, an der Darstellung muss gefeilt werden. Kostüm, Maske, Musik, Requisiten, alles muss parat sein, nichts duldet mehr Aufschub. Der Text muss sitzen… Und hinter der Bühne? Alle Dinge müssen geordnet und griffbereit sein. Ach du lieber Himmel: Man sieht ja nichts! Und auf der Bühne blenden die Scheinwerfer… Jeden Tag Probe! – Keine leichte Zeit, die Hauptprobezeit. Und völlig überraschend ist die Premiere schon da. Wer das schafft, wird auch erfolgreich sein. Und die EULEN schaffen das. Wer es nicht schafft, eine der beiden Aufführungen zu sehen, verpasst was.

Zu meiner Person: Ich bin 53 Jahre alt, wohne in Wiernsheim, bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Die Arbeit mit Senioren ist für mich die erste dieser Art. Ob es Unterschiede zu den Jugendlichen gibt? Sicher, die spielen aber für mich nicht wirklich eine Rolle. Am Ende macht es mir unheimlich Freude zu sehen, wie die Mitwirkenden eines Theaterprojekts mit Spielfreude und Engagement auf der Bühne das Erarbeitete der letzten Wochen und Monate zeigen. So ist es auch bei den EULEN. Und nach der erfolgreichen Premiere geht’s weiter. Neueinsteiger? Ja gerne!


Rechtsanwältin Isabel Hutter-Vortisch

Richtig Schenken Richtig Schenken, ist nicht nur ein Thema, das uns zur Weihnachtszeit beschäftigen sollte, weil die großen Geschenke meistens „zwischendurch“ erfolgen. Hier sind steuerliche Überlegungen anzustellen, jedoch gerade bei Geldgeschenken sollten auch noch andere Dinge beachtet werden. Bei größeren Schenkungen ist zu berücksichtigen, dass innerhalb der Familie „Verteilungsgerechtigkeit“ herrscht. Mit Verteilungsgerechtigkeit ist gemeint, dass nicht ein Pflichtteilsberechtigter ungewollt benachteiligt wird gegenüber den restlichen, und dass sich die Elternteile im Falle des Todes des ersten Ehegatten absichern, damit nicht trotz der Schenkung plötzlich zusätzlich zu dem Geschenk noch ein Pflichtteilsanspruch geltend gemacht wird. Insoweit sollten die Eltern auf jeden Fall bei der Schenkung schriftlich mit dem Kind vereinbaren, dass es sich dieses Geschenk auf einen etwaigen Pflichtteilsanspruch anrechnen lassen muss. Sollten die Eltern das versäumen, kann diese Vereinbarung nur unter Schwierigkeiten rechtsgültig nachgeholt werden. Nun zur Verteilungsgerechtigkeit: Beispiel: Eltern mit drei Kindern. Zwei Kinder erhalten jeweils 50.000 EUR. Das dritte Kind erhält nichts. Nunmehr sterben beide Eltern. Wird das Erbe ohne Berücksichtigung der bereits an die Kinder 1 und 2 gegangenen Schenkungen verteilt, erhält jedes der Kinder 1/3 des Erbes. Rechnet man das, was jedes Kind von den Eltern erhalten hat, zusammen, haben Kind 1 und 2 durch die vorangegangenen Schenkungen jeweils 50.000 EUR „Vorsprung“ vor Kind 3. Diese gegenüber Kind 3 ungerechte Situation hätten die Eltern vermeiden kön-

nen, indem sie bereits bei der Schenkung mit den Kindern besprochen hätten, dass die Schenkung der 50.000 EUR im Erbfall auszugleichen ist. Verfügen die Eltern das erst in ihrem Testament, ist es zu spät. Weiterhin ist aber auch wichtig zu bedenken, wofür die Geldbeträge eingesetzt werden sollen. Beispiel: Kind 1 und 2 erhalten wieder jeweils 50.000 EUR, Kind 3 erhält 100.00 EUR als Hilfe zur Existenzgründung. Die Eltern haben nichts für den Erbfall vereinbart. Auch in diesem Fall, der zunächst so aussieht, als ob Kind 3 im Vorteil gegenüber den Geschwistern ist, die vorab weniger erhalten haben, ist Kind 3 benachteiligt. Kind 3 hat die 100.000 EUR als sog. „Ausstattung“ erhalten, nämlich zu seiner Existenzgründung. Hierfür ist im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt, dass die Ausstattung auch ohne Vereinbarung zwischen Eltern und Kind im Erbfall auszugleichen ist. Versterben die Eltern, haben Kind 1 und 2 je 50.000 EUR erhalten, ohne, dass diese Beträge auf das Erbe anzurechnen sind, da keine Vereinbarung darüber getroffen

wurde, bei Kind 3 sind die 100.000 EUR kraft Gesetzes auszugleichen, weil es sich um eine Ausstattung handelte. Diese Folge hätten die Eltern vermeiden können, wenn sie auch bei den anderen Kindern von vornherein geklärt hätten, dass das Geld anzurechnen sein wird, oder aber, indem sie bei Kind 3 ausdrücklich festgehalten hätten, dass es sich, zumindest in Höhe von 50.000 EUR, um eine Schenkung handelt und nicht um eine Ausstattung. Die versäumte Regelung zur Ausgleichung im Erbfall kann im Gegensatz zu der Anrechnung auf den Pflichtteil in einigen Fällen im Testament nachgeholt werden. Ansonsten können die Eltern versuchen, mit den begünstigten Kindern nachträglich einen Vertrag abzuschließen, in dem die Kinder einer Ausgleichung im Erbfall nachträglich zustimmen, bzw. insoweit auf ihr Erbe oder auf den Pflichtteil verzichten. Ein solcher Verzicht müsste dann allerdings notariell beurkundet werden.

Rechtsanwältin Isabel Hutter-Vortisch

Aus dem hier Geschilderten ergibt sich, dass es sinnvoll ist, sich vor größeren Schenkungen nicht nur von seinem Steuerberater, sondern auch von einem Anwalt beraten zu lassen, damit die Schenkung keine unerwünschten Folgen hat.

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Prof. Dr. Ulrike Krenzlin

Wer war der „Naum

Prof. Dr. Ulrike Krenzlin

Landesausstellungen sind heute Events, die mit Überraschungen aufwarten. Sachsen-Anhalt steht mit derartigen interdisziplinären Projekten ganz vorn. Bei der Jubiläumsausstellung zum Magdeburger Dom „Aufbruch in die Gotik“ von 2009 kam es zum Skandal. Die Landesregierung in Magdeburg fand es nicht pietätlos, die im Dom in einem Bleisarg entdeckten Gebeine Edithas, Gemahlin Kaiser Ottos I., auf ihre Echtheit hin untersuchen zu lassen. Die Knochen der Königin wurden nach England geliehen, wo – weltweit einmalig – Labore kriminaltechnische Untersuchungen auch für jahrhundertealte Fälle ausführen können. Die königlichen Gebeine erwiesen sich tatsächlich als echt. Dass die Landesausstellung 2011 „Der Naumburger Meister – Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen“ keine geringere Angelegenheit verhandelt, lässt sich allein aus den beiden hochkarätigen Schirmherren vermuten: für Frankreich haben Staatspräsident Monsieur Nicolas Sarkozy, für Deutschland Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel die Schirmherrschaft übernommen. Die brisante Frage des großen Naumburger Ausstellungsprojekts lautet: War der Naumburger Meister tatsächlich ein Deutscher? Hat er mit den Stifterfiguren Ekkehard und Uta von Ballenstedt und den anderen zehn Stiftern im Westchor des Naumburger Domes deutsche Wesensart in ihrem Kern getroffen wie kein anderer Künstler dieser Zeit? So jedenfalls haben wir den Naumburger Meister kennengelernt. So hat ihn die deutsche Kunstgeschichtsschreibung seit dem Ersten Weltkrieg interpretiert.

Abb.1: Naumburg. Weichbild der Stadt mit vier Türmen des Domes St. Peter und St. Paul von Südosten. Ungefähr dieses Weichbild vom Dom könnte sich dem „Naumburger Meister“ geboten haben, als er sich um 1240 mit den Männern seiner Hütte der Bischofsstadt näherte, um seinen großen Auftrag zu einem Memorialbau zu beginnen.

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Das im mittelalterlichen Reich einflussreiche Thüringer Geschlecht der Ekkehardiger, dem die Markgrafenschaft Meißen verliehen wird, legt um 1021 die Neue Burg (Naumburg) mit Stiftskirche an. Schon 1030 erwirken die Markgrafen vom Papst die Erhebung Naumburgs zum Bischofssitz mit eigenem Dombezirk, vom Kaiser für die an der Via Regia gelegene civitas das Handelsrecht. Die Einzigartigkeit des Domes – einer der qualitätvollsten spätromanischen und frühgotischen Sakralbauten Europas – beweist, welche gewaltige Aufgabe der Bischofsstadt zukam bei der Befriedung von den Ungarneinfällen und für eine erfolgreiche Christianisierung bis an die Elbe bei Magdeburg, der Ostgrenze des „Heiligen Römischen Reichs“. Um für diese Ziele Zeichen zu setzen und Wunder zu bewirken, ist einer der größten Bauhüttenmeister des 13. Jahrhunderts, der Naumburger Meister, zugleich Konzeptionist, Architekt und Bildhauer, in die Bischofsstadt berufen worden.


burger Meister“? Wer war der Naumburger Meister? Woher kam er? Er lebte um 1220 in Frankreich. Unter König Ludwig dem Frommen wird die Hochzeit scholastischer Theologie herausgeformt, damals die prägende Weltanschauung auch für die frühgotische Kathedralkunst und alle beteiligten Künste. Theoretisch und künstlerisch qualifiziert, verließ der Künstler, der an den Hütten der Kathedralen von Reims und Noyon, in der Ile-deFrance und in der Picardie gewirkt hatte, Frankreich. Er überschritt die Grenze ins Heilige Römische Reich, wo ihn Aufträge erwarteten, zunächst am Mainzer Dom, dessen Patrozinium dem Hl. Martin gewidmet ist. Danach ging er nach Naumburg. In Meißen fand seine Tätigkeit Höhepunkt und Abschluß. Das Mittelalter kennt den Begriff der Individualität im neuzeitlichen Sinne nicht. Folglich sind kaum Namen überliefert. Die Kunstgeschichte hat für dieses Problem „Notnamen“ eingeführt, in unserem Fall den Naumburger Meister. Der Naumburger Meister. Werke Die Mantelteilung wird heute als das bedeutendste Relief des 13. Jahrhunderts angesehen. Weshalb? Es stammt aus dem Mainzer Dom. Erst

Abb. 3: Blattkapitel mit Weintrauben an der Blendarchitektur des Westlettners.

im 18. Jahrhundert ist es nach Bassenheim versetzt worden. Kühn versetzt der Bildhauer die aus der Legenda Aurea damals jedem bekannte Geschichte in die Gegenwart. Martin erscheint nach der neuesten Mode, die am Hof Hermans I. von Thüringen auf der Wartburg

Abb. 2: Die Mantelteilung des Heiligen Martin. Relief. Standstein. vor 1239. Bassenheim. Kathol. Pfarrkirche St.Martin. In Naumburg eine Gipsabformung Das Relief berichtet die aufregende Erweckungsgeschichte des Hl. Martin (336 – 97). Im Winter von 338/39 trifft er vor dem Stadttor Amiens einen unbekleideten Bettler. Der römische Soldat Martin zerteilt seinen Mantel mit dem Schwert. Dem Bettler schenkt er die eine Hälfte. Bettler hatten nach römischem Recht Stadtverbot. Im Traum erscheint ihm Christus, von dem Martin erfährt, dass er sich mit seiner Barmherzigkeit für den neuen Glauben entschieden habe. Martin lässt sich taufen. Später wird er Bischof von Tours.

Die Burg Coucy wird im Ersten Weltkrieg vernichtet Seit dem die deutsche Heeresleitung im Ersten Weltkrieg den Befehl zur Sprengung der königlichen Burg Coucy im Pays de Laon gegeben hat, gibt es keine kunstwissenschaftlichem Verbindungen mehr zwischen Frankreich und Deutschland. Die Burg war die größte mittelalterliche Verteidigungsanlage in Frankreich. Die Sprengung des 60 Meter hohen Wohnturms (Donjon) mit 31 Metern Durchmesser wurde 1917 von deutscher Seite gefilmt. In Naumburg läuft dieser Dokumentarfilm. Emile Mâle hatte 1917 geschrieben: „Es reichten wenige Augenblicke aus, um diese Vergangenheit in Gänze auszulöschen… Sie (die Deutschen) haben uns arm gemacht…“. In Naumburg wird außerdem eine deutsche Rekonstruktion in Holz des Turmes von Coucy gezeigt. Das Musée des Monuments français in Paris gibt 2011 erstmals Leihgaben zum Thema nach Deutschland: Zu den Leihgaben gehören auch die Großfigur von Königs Childebert aus Saint-Germain-des-Près sowie Reste der Burg Coucy. Eine noble Geste der Franzosen. Das Ringen um Versöhnung mit einem der schwierigsten Kapitel deutschfranzösischer Geschichte findet hier im Kunstbereich seinen Ausdruck. Von nicht transportablen architekturgebundenem Kathedralschmuck sind Abgüsse von der Berliner Gipsformerei vorgenommen worden. Diese vollwertigen Rekonstruktionen bleiben bei den Franzosen. Das Ausstellungsprojekt stellt auch eine Geste deutscher Wiedergutmachung an Frankreich dar, dient damit der Idee eines geeinten Europa. Die erstmalige Zusammenarbeit zwischen französischen und deutschen Historikern, Kunst historikern und Theologen hat zu großartigen Forschungsergebnissen geführt.

getragen wurde. Das Pferd, ein Zelter, bewegt sich im Tölt, einer für den Reiter sehr bequemen Gangart. Mit ihr kann er langsam reiten und Aktionen ausführen. In unserem Fall ist er in der Lage, mit seinem verdrehten Arm das Schwert nach oben zu schwingen, um seinen langen Mantel vom Sattel aus durchzuschneiden. Der Bettler muss ihm dennoch geschwind nachlaufen. Diese Naturbeobachtungen sind frappant. Dennoch geht es um die Mission, die ritterlichen Tugenden nach den Geboten der Franziskanischen Armutsbewegung auszurichten wie Elisabeth von Thüringen es getan hat. Das Relief bringt das franziskanische Barmherzigkeitsideal künstlerisch zum Ausdruck wie nie zuvor und danach nicht wieder.

Abb. 4: Markgraf Herman und seine Gemahlin Reglindis.

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Prof. Dr. Ulrike Krenzlin · Fortsetzung

Wer war der „Naumburger Meister“? Abb 5. Stifterfiguren und Westchor. Gesamtansicht

Abbildungen 1 – 7 zeigen Innen- und Außenansichten vom Dom St. Peter und St. Paul in Naumburg sowie Werke vom Naumburger Meister, der Architektur und Plastik des Westchors mit den Stifterfiguren in den Jahren 1243 bis 1249 geschaffen hat. © Bildarchiv der Vereinigten Domstifter, Fotos: M. Rutkowski, F. Boxler.

Stifterfiguren und der Westchor. Die Erinnerung 1249 erging vom Domstift in Naumburg ein Aufruf an adlige Stifter, Gelder zur Vollendung des Domes zu stiften. Es war eine besondere Idee, den Westen mit einem zweiten Chor abzuschließen, der die Funktion eines Memorialbaus hätte. Mit seiner Ausstattung sollte der primi fundatores gedacht werden. Das waren jene Stifter, die um 1030 mit

Abb. 6 Der Gekreuzigte mit Maria am Portal des Westlettners.

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Abb. 7 Uta von Ballenstedt. Markgräfin, Detail.

ihrem Einsatz die Gründung des Naumburger Bistums erwirkt haben. Das gelang jedoch nur, indem Zeitz seine Rechte an Naumburg abtreten musste. Die Stifter gehörten zum thüringischen Hochadel: Graf Konrad, Markgraf Herman I., unter dem die höfische Kunst auf der Wartburg erblühte. Es folgen die Markgräfin Reglindis, Gräfinnen Gerburg und Berchta und die Grafen Dietmar, darunter der überernste Syzzo, Wilhelm, Thimo und Dietrich sowie die schöne Markgräfin Uta mit ihr Gatte Ekkehard II. Von ihren bewegten Biografien sind quellenkundlich Nachrichten überliefert. Zum verpflichtenden Gedenken (Memoria) an die Verdienste der Förderer gehört die immer die Erinnerung an die Gründer, die die Lebenden ihnen erbringen mussten, um ihr eigenes Seelenheil zu erlangen. Zum mittelalterlichen Totengedächtnis gehören Messen, Spenden, Almosen, Gaben und Bußfertigkeit. Allein die Pflege dieser Tugenden wird am Tag des Jüngsten Gerichts für jeden Ein-

zelnen entscheiden, ob er für den Himmel oder für einen langen Aufenthalt im Fegefeuer bestimmt ist. Diese Vorstellung davon, wie der Tag des Jüngsten Gerichts bestanden werden kann, gehört zu bevorzugten Themen der Hochscholastik. Jede Kathedrale zeigt an ihren Portalen alle Varianten auf, die das Leben in der Ewigkeit bereit hält. Der Naumburger Meister hat seine Vision von diesen Geschehnissen im Lettner und Westchor so gestaltet, dass die christliche Welt erstaunte. Das Staunen hält bis heute an. Ausstellung: Der Naumburger Meister – Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen. Landesausstellung Sachsen-Anhalt 2011. Naumburg/Saale. Vom 29.6. – 2.11.2011. Katalog: Der Naumburger Meister. Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen. Michael Imhof Verlag, Petersberg. 2 Bände, 1.100 S., 800 Abb., 68 Euro, www.naumburger meister.eu


Rinaldo –

Höhepunkt der Händel-Festspiele 2011 in Halle a.d. Saale

Gottfried von Bouillon, General des Kreuzritterheeres, sein Zeltlager vor dem belagerten Jerusalem, der tapfere Held Rinaldo, ein feuerspeiender Drachen, Wasserfluten mit Schaumkronen, auf denen Schiffe hin und her schaukeln, Armidas Zauberschloss und allerhand Zauberwesen, kurzum die Personage des Ersten Kreuzzugs vom Jahr 1097 in den herrlichsten Kostümen bringt die Compagnia Marionettistica Carlo Colla e Figli für Händels Oper Rinaldo auf die Bühne. Mit Schlitteneinzug werden alle Sondereffekte in die barocke Gassenbühne hineingefahren. Im Schnürboden sind fünf Brücken aufgezogen, aus denen 14 Spieler die dreiviertellebensgroßen Marionetten führen.

Künstlerisch wie musikalisch ist das Szenario über das Maß. Heinrich von Kleists Aufsatz „Über das Marionettentheater“ hat uns den tieferen Sinn des Marionettenspiels erschlossen. Rinaldo hatte im GoetheTheater Bad Lauchstädt am 4. Juni Premiere. Als eines der ganz wenigen erhaltenen historischen Theater verfügt das von Heinrich Gentz nach Goethes Vorschlägen errichtete Theater heute noch über diese Bühnentechnik des 18. Jahrhunderts. Das artifizielle Marionettentheater aus Mailand nutzt das Thea-

ter für eine Eigeninszenierung in der Regie von Eugenio Monti Colla und Wolfgang Katschner als musikalischem Leiter. Mit seiner „Lautten Compagney Berlin“, einem Ensemble aus dreizehn Instrumentalisten, Spezialisten für alte Musik, die auf historischen Instrumenten oder deren Nachbauten musizieren, gemeinsam mit acht jungen Sängern haben Katschner und das italienische Marionettentheater sich mit dieser konzertanten Aufführung zusammengetan. Katschners Dirigat von Händels Orchesterwerk,

die jungen Countertenöre und Sängerinnen auf den Emporen überzeugen. Marionettenfiguren werden gestisch nach den Regeln der Affektenlehre geführt. Die Mailänder Compagnia, ein Familienunternehmen mit 200 Jahren Tradition, spielt sonst nahe der Mailänder Scala dieselben Opern wie die Scala, führt sie aber auch in aller Welt auf. Mit Rinaldo ist ein Spektakel, eine musical comedy entstanden, die zeigt wie ungebrochen Libretto und Händels Musik in die Gegenwart passen. Es geht um Torquato Tassos „La Gerusalemme liberata“ („Das Befreite Jerusalem“), ein Werk aus der Shakespeare Zeit. Bis um 1800 lieferte dieses Versepos die schönsten Liebesgeschichten der Weltliteratur. Rinaldo war die erste Oper, die Händel für das Londoner Publikum komponiert hatte. Die Premiere vom 24. November 1711 fiel damals schon sensationell aus. Denn mit Rinaldo konnte Händel die ernste italienische Oper, das Dramma per musica, in England etablieren. In der opera seria werden Lebensdramen, die jedermann angehen, im historischen Kontext versteckt. In unserem Fall bildet der Erste Kreuzzug das Versteck.

Abb. oben: Rinaldo der Titelheld. Abb. links: Schlusschor vor dem eroberten Jerusalem. Fotos: © Ida Zenna

Abb. oben: Almirena, Tochter des Generals des christlichen Heeres. Foto: © Piero Corbella

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Das Schmuckmuseum Pforzheim informiert:

Hammer, Skizze und 90 Jahre Berufsfachschule für Zur Geschichte der Goldschmiedeschule Pforzheim:

Weltkrieg setzte dieser Entwicklung ein abruptes Ende.

Die Anfänge Die Anfänge der Goldschmiedeschule lassen sich bis ins Jahr 1768 zurückverfolgen: Bereits kurz nach der Gründung der Pforzheimer Traditionsindustrien wurde ein Zeichenlehrer angestellt, um die Ausbildung in der Manufaktur schulisch zu begleiten. Diese Kombination betrieblicher und schulischer Ausbildung gilt als erster Berufsschulunterricht weltweit und wird im dualen Ausbildungssystem auch heute noch sehr erfolgreich umgesetzt.

Der Beginn der zweijährigen Berufsfachschule Im Schuljahr 1920/21 wurde zum ersten Mal eine Vollzeitklasse für Goldschmiede eingerichtet. Am 19. April 1920 begannen zehn Schüler ohne Lehrverhältnis mit dem Unterricht. Der Stundenplan umfasste 43 Wochenstunden. Nach der zweijährigen Schulzeit waren die Schüler von jeder weiteren Schulpflicht befreit. Damit war der Anfang der zweijährigen Berufsfachschule geschaffen.

Eine praktische Lehre wurde durch den Besuch der Vollzeitschule nicht ersetzt. Diese sollte sich anschließend jedoch kürzer, leichter und fruchtbarer gestalten lassen. Der Unterricht war stark praxisorientiert und umfasste im gestalterischen Bereich beispielsweise das Modellieren, die Projektionslehre, Körperzeichnen, Ornamentik und Fachzeichnen. Im Praxisbereich wurde entsprechend Wert gelegt auf eine breite Ausbildung in den verschiedenen Goldschmiedetechniken und

Ringe Silber, selbst geschliffene Steine Greg Minkwitz, 2010. Foto: Jörg Hammer

Zweiteilige Brosche Silber, Alabastergips, Aluminium, Lack Winfried Krüger, 1988. Schmuckmuseum Pforzheim Foto: Günther Meyer

Durch einen enormen Aufschwung in der Schmuckindustrie Pforzheims wurde es im 19. Jahrhundert notwendig, verstärkt qualifizierten Nachwuchs auszubilden. In Pforzheim geschah dies zunächst innerhalb der »Gewerbeschule«, ab 1905 gab es die Goldschmiedeschule als eigenständige Schule. Erster Direktor wurde Rudolf Rücklin, der als Kenner der Schmuckgeschichte und als erfolgreicher Entwerfer von Schmuck zuvor an der Kunstgewerbeschule gelehrt hatte. Die Schülerzahlen stiegen kontinuierlich: 1912 waren nahezu 2300 Schüler zu verzeichnen. Der erste

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Die damalige »Abteilung für Vollschüler« (Tagesschüler) bildete Goldschmiede, Edelsteinfasser und Graveure aus. Aufgenommen wurden junge Leute im Alter ab 14 Jahren, die entweder einen Volksschulabschluss oder die Mittlere Reife vorweisen konnten. Der erfolgreiche Besuch der zweijährigen Berufsfachschule berechtigte zum Übergang an die Kunstgewerbeschule.

»Von der Fläche in den Raum« SägeBiege-Arbeit in Messing Fabio Wolf, Michelle Ponzer, Helen Otto (von oben nach unten) 2011. Foto: Jörg Hammer

Arbeitsverfahren, wie Montieren, Treiben, Ziselieren, Gravieren, Galvanotechnik und Edelsteinfassen. Der Theorieunterricht nahm dagegen mit nur sechs Wochenstunden wenig zeitlichen Raum ein, berücksichtigte dennoch zentrale Inhalte wie Rechnen, Werkstofflehre, Deutsch, Staatskunde und Religion. Auffällig ist, dass Fächer wie Edelsteinkunde und Wirtschaftskunde noch gar nicht im Plan aufgeführt waren. Nachkriegszeit und Neuanfang Durch die totale Zerstörung Pforzheims im Februar 1945 fand der


CAD Goldschmiede Pforzheim · 10. Juli bis 30. Oktober 2011 Schulbetrieb zunächst ein Ende und wurde in den Folgejahren, da auch das Schulgebäude einem Luftangriff zum Opfer gefallen war, an unterschiedlichen Orten wieder aufgenommen. Das Erreichen einer Gesamtschülerzahl von 1.900 führte dazu, dass der Gemeinderat 1957 den Beschluss fasste, an der SanktGeorgen-Steige auf dem Gelände des Gesellschen Parks eine neue Goldschmiedeschule zu bauen. Hier wurde für die Präsentation der Schülerarbeiten von vornherein eine Ausstellungshalle mit angelegt. Die feierliche Eröffnung fand am 20. Mai 1960 statt.

und Design gefördert. Außerdem hielt schrittweise eine andere Auffassung von Unterricht Einzug. In Projekten wurden und werden die Schülerinnen und Schüler mit Aufgabenstellungen konfrontiert, die sie individuell zu bearbeiten haben: Die gelernten Techniken, ob Säge-, Biegeoder Lötarbeit, Laserschweißen, CAD oder Rapid Prototyping, sind hierbei schlüssig in die selbst entworfenen Schmuckarbeiten einzubinden. Die entstandenen Stücke werden inzwischen mindestens einmal während

schmiede an der Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Pforzheim zeigt das Schmuckmuseum Werke von Absolventen vornehmlich der vergangenen drei Jahrzehnte sowie von Ehemaligen, die ihre Ausbildung in den 1950er Jahren abgeschlossen haben. Insgesamt haben weit mehr als 6.000 Schülerinnen und Schüler die Berufsfachschule besucht. In der Ausstellung sind Arbeiten von rund 80 ehemaligen Berufsfachschülern zu sehen. Sie stammen zum einen aus ihrer Lehrzeit, zum anderen spiegeln sie ihr heutiges Schaffen wider. Unter den Ausstellern finden

Brosche Silber, Stahl, Kunststoff, Leuchtfarbe Manfred Bischoff, 1982. Schmuckmuseum Pforzheim Foto: Rüdiger Flöter

CAD-Entwurf eines Rings Marie Krischock 2010.

Ring Gold, Silber, Stahl, Koralle Manfred Bischoff, 1988. Schmuckmuseum Pforzheim Foto: Rüdiger Flöter

Veränderungen im Unterricht der 1960er Jahre bis heute Mit dem Umzug in das neue Gebäude machte sich auch ein Wandel in der Ausbildung bemerkbar. Im praktischen Bereich begann neben der Technik auch die Gestaltung stärker in den Vordergrund zu treten. Dies wurde durch die in den 1960er Jahren entstehende Schmuck-Avantgarde und durch Einflüsse aus Kunst

der Ausbildung einem breiteren Publikum öffentlich präsentiert, wobei Ausstellungskonzeption und -umsetzung ebenfalls in die Hand der Schülerinnen und Schüler gelegt werden. Derzeit findet der Unterricht in der Berufsfachschule für Goldschmiede in zwei Parallelklassen je Jahrgang statt – der Wunsch, sich zum Goldschmied ausbilden zu lassen, ist ungebrochen. Hammer, Skizze und CAD 90 Jahre Berufsfachschule für Goldschmiede Pforzheim Anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Berufsfachschule für Gold-

sich auch Namen von Absolventen, die zu erfolgreichen Schmuckkünstlern geworden sind, wie Manfred Bischoff und Georg Dobler, Ute Eitzenhöfer und Karl Fritsch oder Winfried Krüger. Zudem sind einige Übungsstücke zu sehen, die veranschaulichen, wie die unerlässlichen technischen Grundlagen erlernt werden. Die Schau ist vom 10. Juli bis zum 30. Oktober 2011 im Schmuckmuseum Pforzheim zu sehen.

Öffnungszeiten: Di – So und feiertags 10 – 17 Uhr • Eintritt in die Dauerausstellung 3,00 €, ermäßigt 1,50 € • Gruppenführungen auf Anfrage • Öffentliche Führung durch die Dauerausstellung sonntags 15 Uhr, 5 €, ermäßigt 3,50 €

Weitere Informationen unter: www.schmuckmuseum.de

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Gläserne Manufaktur in den SCHMUCKWELTEN

Tradition – Faszination Gold, Schmuck und Uhren erleben – so lautet das Motto der Schmuckwelten Pforzheim.

schritte und lassen die Besucher am Herstellungsprozess des Schmuckstücks teilhaben. Wer selbst kreativ werden möchte kann täglich am historischen Goldschmiedetisch sägen und feilen, eingerahmt von historischen Bildern und Produktionsmaschinen. 25 Workshops bieten einen tieferen Einblick in die spannende Arbeit eines Goldschmieds Folgende Stationen zeigen anschaulich die unterschiedlichen Techniken: • Kugelpresse mit Anhängerprägung • Kettenmaschinen für Anker- und Panzerketten • Galvanische Station zur Vergoldung mit 24 Karat Gelbgold • Gusstechnik anhand von Wachsmodellen Das europaweit einzigartige Konzept wurde seit dem Start am 17. Juni 2005 in Anlehnung an eine Vielzahl an Kundenanregungen stets weiterentwickelt und interaktiver sowie emotionaler gestaltet. So fanden schon wenige Monate nach der Eröffnung die ersten Kindergeburtstage und Workshops zur kreativen Schmuckgestaltung statt. In enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis „Schmuck verbindet“ wurden in der Folgezeit historische Maschinen und weiteres Equipment gesammelt und temporär bei Events eingesetzt. Das Konzept „Schmuckhistorie erleben“ wird nun im neuen Bereich der Schmuckwelten, der „Gläsernen Manufaktur“, konzentriert, erweitert und ganzjährig angeboten.

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Wie funktioniert eine Kettenmaschine, was passiert beim Vergolden? Die Mischung aus historischen Maschinen und moderner Technik lässt Tradition und Zukunft verschmelzen und begeistert alle Altersgruppen. Fragen sind willkommen, gerne erklären die Mitarbeiter die Arbeits-

• In über 100 Arbeitsstunden restaurierte Blechwalze zur Umformung von Blechen Unter Anleitung von Goldschmieden lernen Besucher aller Altersgruppen die unterschiedlichen Möglichkeiten der Oberflächenbearbeitung an Sil-


Pforzheim

Handwerk – Kreativität berringen. Dies stellt eine perfekte Ergänzung zum Technischen Museum dar, in dem die Schmuckfertigung vertieft zu erleben ist. „Wir bieten ein authentisches und emotionales Erlebnis, das es weltweit nur in der Goldstadt gibt, ei-

nen Einblick in die spannende Schmuckfertigung und die Möglichkeit sein Traumstück selbst herzustellen und mitzunehmen. Hierbei

erleben wir täglich eine hohe Identifikation der Bevölkerung mit Ihrer „Goldstadt“. Viele Besucher erzählen uns selbst erlebte oder überlieferte Geschichten rund um das Traditionshandwerk und seine Bedeutung für diese Stadt“, so der Geschäftsführer Michael Buck. Die stetige Weiterentwicklung der Konzeption wurde nun belohnt. Die Schmuckwelten sind als Mitglied des ERIH-Netzwerks (European Route of Industrial Heritage, touristisches Netzwerk zur Erhaltung und Pflege des Industrieerbes in Europa) zertifiziert und zugelassen worden. „Wir spielen damit in der bundesweiten touristischen Top-Liga mit Zielen wie der Zeche Zollverein in Essen oder dem Gasometer Oberhausen“, so Michael Buck.

WORKSHOP FÜR SENIOREN: Elegante Kurzkette Mo. 26.9.2011 und Mo. 17.10.2011, jeweils von 14.00 – 15.30 Uhr.

Sie fertigen eine edle Kurzkette mit Edelstahldraht und einem Silberverschluss, kombiniert mit bunten Glasperlen und Splitterkristallen. Werden Sie zum Schmuckdesigner und gestalten Sie Ihr eigenes Schmuckstück – auch eine schöne Geschenkidee! Arbeiten Sie wie ein Profi an einem historischen Goldschmiedebrett. Kursleitung: Liane Giesinger, Juwelengoldschmiedin; Kosten: 28,– €


TRAUMSTUNDEN EINE SINNLICHE BEGEGNUNG

COLLIER Rosé-Gold 18 ct, Amethyst in außergewöhnlicher Größe und von besonderer Reinheit, 5 Fancy-Brillanten von je 0,20 ct, 1 Fancy-Brillant hellbraun 0,80 ct.


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Zeit im

Schmuck

Ein Pforzheimer kommt nach Wien. Er ist gelernter Zeichner und Graveur, und seine Fähigkeiten sind außergewöhnlich. Man schreibt das Jahr 1904. Das künstlerische Ambiente dieser Stadt um diese Zeit ist geprägt vom klingenden Namen wie Hans Markert, Franz Matsch, Gustav Klimt. Abb. rechts oben: Der Kuss von Gustav Klimt, Wien, 1907 – 1908, Öl auf Leinwand, Herkunft/Fotograf: The Yorck Project, 10.000 Meisterwerke der Malerei. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH, Wikipedia

Josef Hoffmann. Foto: Wikipedia

Brosche oben, 1910, Entwurf: Josef Hoffmann, Ausführung: Wiener Werkstätte/ Karl Ponocny, Gold, Perlmutt, Mondstein, Opal, Lapislazuli, Turmalin, Granat, Chrysopras, Privatbesitz, Foto: Decorative Arts Consult Brosche unten, 1905, Entwurf: Josef Hoffmann Ausführung: Wiener Werkstätte/ Karl Ponocny, Silber, Gold, Privatbesitz, Foto: Decorative Arts Consult Wiener Werkstätte Museum bei der Firma Backhausen in Wien. Foto: Gryffindor/ Wikipedia

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Die „Sezession“, eine Vereinigung dieser und anderer junger und revolutionärer österreichischer Künstler veranstaltet nationale und internationale Ausstellungen, die außergewöhnliche Beachtung findet. 1906 spaltet sich die „Sezession“ und es entsteht der österreichische Künstlerbund. Die erste Ausstellung dieser abgespalteten Gruppe findet in einem hierfür nach den Entwürfen von Josef Hoffmann errichteten Gebäude statt. Sein Hauptportal trägt die Inschrift, die ursprünglich das Gebäudeportal der „Sezession“ krönte:

„Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.“ Kokoschka ist erstmalig an dieser Ausstellung beteiligt, und „Der Kuss“ von Klimt wird als das beste Gemälde der Ausstellung von der österreichischen Staatsgalerie angekauft. Dieser Zeitgeist prägt auch Phillip Türk, unseren Pforzheimer Zeichner und Graveur. Kurze Zeit darauf gründet Egon Schiele die „Neukunstgruppe“ und weist mit seinen eigenen Arbeiten, von seinen Zeitgenossen verurteilt, bereits stärker auf eine entblößende Expres-

sivität, und seine Darstellungen als einen Zeitgenossen Siegfried Freuds. 1913 wird er durch Klimt in den Bund österreichischer Künstler aufgenommen. Philipp Türk kommt so unmittelbar in Berührung mit dem Geschehen dieser großen Zeit und dem künstlerischen Aufbruch mit all seinen Erregungen, Differenzen, Spannungen, öffentlichen und internen Kämpfen, und auch mit den Interpreten wie Klimt und Schiele. So ist es nicht erstaunlich, dass auch er sich mit den Möglichkeiten einer zeitnahen Umsetzung auseinandersetzt. 1906 eröffnet er eine eigene Prägeanstalt. Die „Goldperiode“ der Malerei – Klimt malt 1903 erstmalig auf einer Reise nach Ravenna Gemälde mit Goldoberfläche – war sicher ein zusätzlicher Impulsgeber, Teile originaler Bildmotive oder in Anlehnung daran in Schmuck umzuwandeln. Die Schmuckmodelle dieser berühmten Vorlagen wurden von ihm sorgfältig gesammelt und konnten über zwei Weltkriege hinweg gerettet werden.


Ein guter Start ins Leben Initiativen der Sparkasse Pforzheim Calw für Kinder und junge Leute Kinder sind unsere Zukunft. Damit dieser Satz tatsächlich mit Leben erfüllt wird und kein Lippenbekenntnis bleibt, bedarf es vieler Aktivitäten. In diesem Zusammenhang macht auch die Sparkasse Pforzheim Calw von sich reden, denn sie übernimmt für die junge Generation Verantwortung und unterstützt Kinder und junge Menschen auf vielfältige Weise. Hier einige Beispiele: Das neue Bildungssparen: Diese Bildungsinitiative ist deutschlandweit in dieser Form einmalig und dokumentiert den hohen Stellenwert, den das Thema Bildung bei der Sparkasse genießt. Denn noch immer ist die beste Vorsorge für die Zukunft unserer Kinder und Enkel deren gute Ausbildung, die optimale Startchancen ins Leben eröffnet. Ob Schullandheim, ein Musikinstrument, Sport-Ausrüstung oder ein Auslandsjahr: immer wieder gibt es gute Gründe, für Kinder und Jugendliche ein finanzielles Polster anzulegen. Dazu hat die Sparkasse Pforzheim Calw kürzlich das neue „red young Bildungssparen“ ins Leben gerufen, einen flexiblen Sparvertrag mit vielen Extras. Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten, Paten und alle, die ihrem Schützling etwas Gutes tun wollen, können darauf monatliche Raten oder jederzeit einmalige Geldbeträge einzahlen. Eltern können für kurzfristige Investitionen auch jederzeit Teilbeträge bis 2000 Euro wieder entnehmen. Und das Beste: Zusätzlich zu Top-Zinsen bekommt das Kind am Ende der Laufzeit einen dicken Zinsbonus und bis zu 150 Euro Bildungsprämie. Diese Prämie schenkt die Sparkasse Pforzheim Calw ihren jungen Kunden in Anerkennung besonderer Leistungen, z. B. für (sehr) gute Noten, Schulpreise, Sportabzeichen, gewonnene Wettbewerbe oder soziales Engagement. Zusätzlich gibt es Geld für den Produktabschluss, zum Kindergarten- bzw. Schuleintritt, Ausbildungs- bzw. Stu-

dienbeginn und -abschluss. Diese Prämien sammelt der Sparer in seinem Bonusheft und sobald die 150 EuroMarke erreicht ist, wird der Betrag im Sparbuch gutgeschrieben. Leistung lohnt sich also auf jeden Fall! Red young – das junge Konto: mit diesem neuen Konto-Modell lernen Kinder und Jugendliche spielend den Umgang mit Geld. Das Konto ist kostenlos und es gibt Zinsen wie auf dem Sparkassenbuch. Je nach Alter und Bedürfnissen wachsen auch die Möglichkeiten dieses Kontos: vom flexiblen Spar- und Taschengeldkonto wird es zum vollwertigen Girokonto auf Guthabenbasis. Überziehungen sind generell nicht möglich. Freuen darf sich Ihr Kind oder Enkel außerdem auf die Teilnahme am „red young Fun- und Actionprogramm“ mit vielen tollen Veranstaltungen und die Möglichkeiten des ebenfalls neuen plus card Bonusprogramms. Plus Card: Exklusiv für alle jungen Kunden, die ein „red young Konto“ haben, hat die Sparkasse Pforzheim Calw ein Bonusprogramm geschaffen, das jede Menge Rabatte und Extras bietet. Ob Kino, Schwimmbäder, Spiel- und Freizeitparks oder Events: Sobald Ihr Kind die plus card zückt, gibt es bei vielen Partnern in der Region attraktive Vorteile. Die plus card gibt es in jeder Sparkassen-Geschäftsstelle – kostenlos, versteht sich! Ausbildung: Jederzeit herzlich willkommen beim führenden Finanzinstitut und größten Ausbildungsunternehmen in der Region sind kluge Köpfe und junge Talente, die schon gleich zu Beginn ihres Berufslebens die obersten Sprossen der Karriereleiter im Blick haben. Zum Einstieg in den Aufstieg gibt es viele Möglichkeiten, z.B. Ausbildung für Bankkaufleute und Finanzassistenten, den Studiengang Bank an der Berufsakademie oder Praktika für Schüler und Studenten. Individuell angestimmte Weiterbildung öffnet weitere Türen für verantwortungsvolle Po-

sitionen. Derzeit lernen und arbeiten 122 junge Menschen bei der Sparkasse – eine beeindruckende Zahl! Studenten: Studenten liegen der Sparkasse am Herzen. Deshalb ist sie nicht nur Kooperationspartner der örtlichen Hochschule, sondern insbesondere auch kompetenter Ansprechpartner für die Studenten. Eigene Studentenberater vor Ort kennen die speziellen Belange der jungen Leute und kümmern sich um ihre Finanzen. Ein spezielles IQ-Leistungspaket für die Leistungsträger von morgen bietet ein kostenloses Girokonto und eine kostenlose VisaCard, einen flexiblen Bildungskredit zu supergünstigen Zinsen, ein günstiges Wertpapier-Depot für Börseneinsteiger, das jeweilige Angebot des Semesters und das überaus beliebte red chilly Lifestyle- und Eventprogramm. Stiftung Jugendförderung: Sie unterstützt besondere Leistungen und Initiativen im Bereich Jugendarbeit. So wurden z. B. Streitschlichter-Projekte, die Anschaffung von Musikinstrumenten und Sportgeräten für Vereine und Schulen oder Theater-Projekte finanziert. Bisher wurden schon 330.000 Euro Preisgelder ausgeschüttet. Auch überregional Beachtung fand der 2009 erstmals durchgeführte Wettbewerb für Grundschulchöre, der die Wichtigkeit musischer Betätigung deutlich machte. Spenden: Manchen Landschulheimaufenthalt, manches Schulprojekt und so manche Anschaffung hätte es nicht gegeben, wäre die Sparkasse Pforzheim Calw nicht mit einer großzügigen Spende eingesprungen. Ein umfangreicher Schulservice, regelmäßige Spenden an Kindergärten oder Vereine: immer, wenn es im sportlichen oder sozialen Bereich finanziell klemmt, ist die Sparkasse zur Stelle. Denn sie weiß ganz genau, dass Investitionen in Bildung die Zukunft von Generationen sichert.

Weitere Infos unter: www.sparkasse-pforzheim-calw.de

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Neues Energie- und Bauberatungszentrum eröffnet – jetzt noch heller – größer – moderner! Mit einem „Tag der offenen Tür“ öffnete am 14. Mai das hiesige Energie- und Bauberatungszentrum nach knapp sechsmonatiger Bauzeit seine Pforten. Im Erdgeschoss des Neubaus am Mühlkanal 16 präsentiert das Beratungszentrum eine rund 300 qm große Ausstellung, welche in dieser Konstellation und Größe zumindest in Baden-Württemberg wohl einmalig sein dürfte. Rund 100 geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung konnten sich dann ein Bild von diesem regionalen Beratungszentrum und dessen Arbeit machen. Bis zuletzt haben die Mitgliedsbetriebe der lokalen Fachinnungen unter Anleitung der Architektin Edeltraut Konrad-Sommer an der neuen Ausstellung gearbeitet. Was dabei herauskam, kann sich durchaus sehen lassen. Die Ausstellung, welche sich in erster Linie mit dem energetischen

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Sanieren und Bauen beschäftigt, präsentiert alles, was heutzutage zum Stand der Technik gehört. Ob Neubau oder Sanierung im Bestand – das lokale Fachhandwerk zeigt, was Hausbesitzer und Bauherren wissen sollten, wenn es um die eigenen vier Wände geht. Angefangen von einer modernen Heizungsanlage, über die richtige Dämmung von Wand und Dach oder Energiesparfenstern der neusten Generation – die Ausstellung lässt so gut wie keine Fragen offen. Für das richtige Ambiente und die Wohnlichkeit sorgen das Raumausstatter- und das Malerhandwerk mit verschiedenen Boden-, Decken- und Wandbelägen, sowie die Ofenbauer mit einem gasbetriebenen Kachelofen, der optisch sowie technisch ein Highlight dieser Ausstellung darstellt. Das Schreinerhandwerk zeigt attraktive Parkettböden und nützliche Wohnungseinbauten. Was moderne Haustechnik (Smart Home) heutzutage so alles kann, das demonstriert die Elektro-Innung mit ihrer aufwendig gestalteten Hausinstallation, zu der neben einer kontrollierten Wohnraumbelüftung u. a. auch eine Zutrittskontrollanlage, sowie eine Wärmepumpe in Funktion gehören. Dass der Baustoff Metall nicht zu kurz kommt, hierfür sorgt die Metall-Innung mit diversen Installationen und einem Original-Wintergarten. Über eine eigens installierte Wendeltreppe kann der Besucher quasi hinter die Kulissen schauen und einen Blick

auf die elektrischen Deckeninstallationen werfen. Stolz sind die beiden EBZ-Geschäftsführer Mathias Morlock (Kreishandwerkerschaft) und Christian Schneider (Stadtwerke Pforzheim) vor allem auch darüber, dass künftig das Thema „Moderne Motorentechnik und Antriebsformen“ in diesem Beratungszentrum eine Rolle spielen wird. Die Kfz-Innung hat hierfür einen eigenen Informationsbereich, wo man mit moderner Medientechnik auf die Entwicklung des Automobils eingehen und einen Ausblick in dessen Zukunft geben will. Ob Hybrid- oder Elektromotor oder auch konventioneller Verbrennungsmotor – der Verbraucher kann sich hier herstellerunabhängige Informationen holen und ein Bild darüber machen, wo die Motorentechnik derzeit steht. Eine Entscheidungshilfe, die beim nächsten Autokauf durchaus behilflich sein kann. Zudem bietet das neue EBZ einen separaten Schulungsraum für bis zu 80 Personen, welcher mit modernster Medientechnik ausgestattet ist und künftig auch als Vortragsraum bei den diversen Aktionstagen genutzt werden kann. Das neue Energie- und Bauberatungszentrum am Mühlkanal 16 ist jeweils donnerstags von 15 – 18 Uhr für individuelle Beratungen geöffnet. Einen persönlichen Beratungstermin vor Ort können Sie mit dem Energieberater Manfred Volz vereinbaren – Tel. 0700 3290 3290.


• Bücher • Bücher • Bücher • Bücher Martin Walser „Muttersohn“ Verlag: rowolt „Muttersohn“ ist ein Abenteuer, ein wilder, ein mit allen Daseinsfarben auftrumpfender Roman. Ein Roman darüber, was die Liebe vermag, was die Sprache vermag. Wovon handelt dieser Roman? Es ist leichter zu sagen, wovon er nicht handelt. Er handelt von 1937 bis 2008, kommt nicht aus ohne Augustin, Seuse, Jacob Böhme und Swedenborg, handelt aber vor allem von Anton Percy Schlugen. Seine Mutter Josefine, Fini genannt, ist Schneiderin. Sie lebt, auch als sie mit einem Mann zusammenlebt, allein. Jahrelang schreibt sie Briefe an Ewald Kainz, der auf den Stufen des neuen Schlosses in Stuttgart eine politische Rede hielt. Die Briefe schickt sie nicht ab, sie liest sie ihrem Sohn vor und vermittelt ihm so, dass zu seiner Zeugung kein Mann nötig gewesen sei. In diesem Glauben lebt Percy. Er wird Krankenpfleger im psychiatrischen Landeskrankenhaus Scherblingen, wird gefördert von Professor Augustin Feinlein und eines Tages mit einem Fall betraut, an dem die Ärzteschaft fast verzweifelt. Es geht um einen Suizidpatienten einen Motorradlehrer, der sich allen Therapieversuchen stumm widersetzt. Dieser Patient heißt Ewald Kainz. Percy ist inzwischen berühmt, weil er keiner Weltvernunft zuliebe verzichtet auf die von der Mutter in ihn eingegangene Botschaft vom Kind ohne leiblichen Vater, berühmt auch durch seine prinzipiell unvorbereiteten Reden. Das ist sein Thema: Ich sage nicht, was ich weiß, ich sage was ich will.

Heribert Schwan „Die Frau an seiner Seite“ Verlag: Heyne 10 Jahre nach ihrem Tod beschreibt Hermann Schwan, wie Hannelore Kohl lebte und wie sie starb. Er erlebte aus der Nähe das ganze Drama ihrer Krankheit. Herbert Schwan, promovierter Historiker, war Redakteur beim Deutschlandfunk und bei WDR-Fernsehen, u.a. verantwortlich für die Kulturfeatures im ARD-Programm. Für seine Dokumentationen erhielt er zahlreiche nationale und internationale Preise. Er ist Autor zahlreicher Bücher, von denen einige zu Bestsellern wurden. Wolfgang Burger „Der fünfte Mörder“ Verlag: Piper Das malerische Heidelberg ist in Wolfgang Burgers siebten Alexander-Gerlach-Fall Schauplatz eines mörderischen Bandenkrieges. Ein Wagen fliegt vor einer Bank in die Luft, ein italienisches Restaurant in Händen bulgarischer Einwanderer wird Zielscheibe von Molotowcocktails, und Kripochef Gerlach bekommt es direkt mit mehreren Wasserleichen zu tun. Die vielen Toten machen aber aus „Der fünfte Mörder“ aber noch lange keinen Actionthriller – vielmehr steht die alltägliche Arbeit der Ermittler der Heidelberger Polizei im Vordergrund, wenngleich rasante Verfolgungsjagden zum Finale

nicht ausbleiben. „Der fünfte Mörder“ ist somit ein klug konstruierter Kriminalroman.bei dem nicht die Stadt Heidelberg die Hauptrolle übernimmt, sondern die Kripo um Alleinerzieher Gerlach, der sich zu allem Überfluss auch noch mit seinen pubertierenden Zwillingstöchtern herumschlagen muss. Asta Scheib „Das Schönste, was ich sah“ Verlag: dtv Giovanni Segantini und Luigia Bugatti: Er malte sie, als sie noch ein Kind war. Er liebte sie, solange er lebte. Als Giovanni Segantini sich 1875 mit siebzehn Jahren an der Akademie Brera einschreibt, hat er eine alptraumhafte Kindheit und Jugend hinter sich. Später landet er in einer Besserungsanstalt, wo ein Geistlicher sein zeichnerisches Talent entdeckt. Auf der Akademie freundet es sich mit Carlo Bugatti an, einem reichen Mailänder Bürgersohn, der schon einen Namen als Möbelbauer hat. Carlos schöne verwöhnte Schwester Luigia verliebt sich in den scheuen Giovanni, der zum Erstaunen aller in der Akademie einen Preis nach dem anderen bekommt. Der Maler und das Mädchen werden ein Paar und bekommen vier Kinder. Es ist ein turbulentes Leben, aber Luigias Hingabe und Verständnis für Giovannis unkonventionelle Lebensweise und seine unerschütterliche Liebe u ihr wappnen sie gegen die Widrigkeiten. Asta Scheib, geboren am 27. Juli 1939, arbeitete als Redakteurin bei verschiedenen Zeitschriften. In den Achtzigerjahren veröffentlichte sie ihre ersten Romane und gehört heute zu den bekanntesten deutschen Schriftstellerinnen. Sie lebt mit ihrer Familie in München.

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• Bücher • Bücher • Bücher • Bücher Martin Suter: „Allmen und der rosa Diamant“ Verlag: Diogenes Es wird ernst. Der erste große Fall für „Allmen International Inquiries“: Es gilt, einen seltenen Diamanten aufzuspüren, viele Millionen wert. Ein Fall, indem nichts ist wie es scheint. Noch dazu ein Fall von globalem Interesse. Das Duo muss unter Beweis stellen, wie sehr es die Kunst des Hoch- und Tiefstapelns beherrscht – unter Profi-Bedingungen. Mein Bruder, Dr. Daniel Suter-Chatelnat, hat mich über den Nochfrequenzhandel aufgeklärt, der Programmierer und IT-Experte Ivan Melnychuk hat mir Tipps gegeben, wie man an der Börse in sehr kurzer Zeit sehr viel Geld verlieren kann, meine Lektorin, Ursula Baumhauer, und meine Frau, Margrith Nay Suter, sind mir wie immer mit sehr konstruktiver Kritik beigestanden, und meine kleine Tochter Ana hat am Bildschirm versehentlich eine Passage gelöscht, die sich im Nachhinein als überflüssig herausstellte. Euch allen herzlichen Dank. Martin Suter. Wladimir Odojewski: „Ein Sommer in Venedig“ Aus dem Polnischen von Barbara Schaefer Verlag: dtv Mark träumt davon, in den Ferien nach Venedig zu fahren. Das hatte seine Mutter ihm versprochen. Obwohl er erst 9 Jahre alt ist, weiß er alles über die Stadt. Doch der Sommer 1939 hält anderer Überraschungen für ihn bereit: Er muss in Polen bleiben und wird zu seiner Tante Weronika aufs Land

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geschickt, die dort in einer Jugendstilvilla inmitten eines verwunschenen Gartens lebte. Eines Tages entdeckt Marek im Keller eine Pfütze, die sich rasch ausbreitet. Kein Zweifel, eine Thermalquelle. Seine Lieblingstante Barbara greift diese Idee begeistert auf. Während draußen vom strahlend blauen Himmel die ersten Bomben fallen, taucht Marek ein in eine Phantasiewelt, ohne zu ahnen, dass sie das Ende seiner Kindheit bedeutet. Wlodzimierz Odojewski, geboren 1930 in Posen, studierte Wirtschaft und Soziologie. Er ist Autor zahlreicher Romane, Erzählungen und Hörspiele. !971 emigrierte er zunächst nach Paris und siedelte dann nach München über, wo er neben seiner schriftstellerischen Arbeit als Radiojournalist für „Radio Free Europa“ tätig war. 1989 kehrte er erstmals wieder nach Polen zurück. Heute lebt er in Warschau und in München. Carmen Rohrbach: „Auf der Insel der Gletscher und Geysire“ Meine Zeit in Island Verlag: Malik Dieses Buch ist noch nicht im Handel. Es erscheint voraussichtlich im September 2011. An der Grenze der bewohnten Welt. Island hautnah. Ein halbes Jahr lang durchstreift die beliebte Reiseautorin Carmen Rohrbach die aufregendste Nordmeerinsel Europas. Eine Reiseerzählung von überwältigender Intensität und Viel-

falt. Was macht Island so unwiderstehlich, die Insel, die mehr Besucher im Jahr zählt als Bewohner? Carmen Rohrbach durchstreift sechs Monate lang die junge Vulkaninsel am Rande des Polarkreises. Im Tal des Markarfljót zeltet sie unter der gewaltigen Eruptionswolke des berühmtberüchtigten Vulkans Eyjafjallajökull. Sie begleitet den jährlichen Schafabtrieb nahe einer Farm im Nordwesten der Insel. Auf einsamen Wanderungen im Hochland beobachtet sie die wilde Tierwelt, steigt hinauf zum geheimnisvollen Krater Askja und auf den Gipfel der Heroubreio, der Königin der Berge. Sie erkundet die Hauptstadt Reykjavik und taucht ein in das bunte Leben einer Künstlerkolonie am südlichsten Zipfel Islands. Daniel de Roulet: „Fukushima mon amour“ Brief an eine japanische Freundin Verlag: Hoffmann und Campe Die literarische Antwort auf Fukushima: „Wir sind in die Falle gegangen, haben an einem System mitgewirkt, von dem wir wussten, dass es einen grausamen Tod bringen wird. Ein Schweizer Schriftsteller und früherer AKW-Mitarbeiter schreibt einen bewegenden Brief der Anteilnahme an seine japanische Freundin, die er vor genau einem Jahr zum Kirschblütenfest in Tokio besucht hat. Sein Text ist ein kluges, aufrüttelndes Dokument des Entsetzens über die Katastrophe im Kernkraftwerk von Fukushima. Ergänzt wird der Brief durch eine Chronologie der jüngsten Ereignisse in der Havarie am 11. März 2011.


19. Pforzheimer

Büchermarkt

r Büche Markt

11 bis Do | 15. September 20 11 Sa | 17. September 20 Sa. von 9–19 Uhr) (Do. + Fr. von 9–20 Uhr, lung vor unserer Buchhand

Veranstaltungshighlights Herbst Winter 2011/2012

Bücher gewinnen Asta Scheib: Das Schönste, was ich sah dtv

Di | 4. Oktober 2011 | 20.15 Uhr

Wolfgang Burger: Der fünfte Mörder

Wilhelm Genazino „Wenn wir Tiere wären“

Piper

in unserer Buchhandlung Einritt € 6,Martin Suter: Allmen und der rosa Diamant Diogenes

Carmen Rohrbach:

Mi | 2. November 2011 | 20.15 Uhr

Auf der Insel der Gletscher und Geysire

„Spieleabend bei Thalia“ Spielen Sie mit uns die neuesten Spiele! im Café Thalia in unserer Buchhandlung Einritt € 4,- (wird beim Kauf eines der vorgestellten Spiele verrechnet)

Malik

Fr | 18. November 2011 | 20.15 Uhr

Coupon ausfüllen und bis zum 15. Oktobter 2011 einsenden: Contact + Communication, Gerda Görnemann Lisztstraße 31, 76179 Pforzheim

6. Pforzheimer Kriminacht mit Rainer Würth, Wolfram Fleischhauer, Wolfgang Burger

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in unserer Buchhandlung Einritt € 14,- (inkl. eines mörderischen Cocktails)

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Do | 26. Januar 2012 | 20.15 Uhr

Straße PLZ, Ort _________________________________________________________ Telefonnummer

Thalia-Buchhandlung Westliche 27-29 75172 Pforzheim Tel.: 0 72 31 / 13 42-0 Fax: 0 72 31 / 13 42-15 thalia.pforzheim@thalia.de

Es entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Thalia-Mitarbeiter und deren Angehörige dürfen nicht teilnehmen.

© Wolfgang Georgsdorf

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Eva Mattes „Wir können nicht alle wie Berta sein“ im VolksbankHaus Einritt € 12,-


Die Löbliche Singergesellschaft

der Humanismus,

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510 Jahre Löbliche Singer. Am 1. Oktober, um 14.00 Uhr, beginnen die Festlichkeiten anlässlich des 150-jährigen Bestehens.

nen ziehen Musikanten aus zahlreichen Musikvereinen, Marketenderinnen, Schützen und „viel Volk“ durch die Pforzheimer Innenstadt. • Startpunkt dieses mittelalterlichen Umzugs ist der Katharinentaler Hof, Ziel der Waisenhausplatz. Alle Pforzheimer Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen und aufgefordert, im „mittelalterlichen Outfit“ zu erscheinen. • Gegen 16.00 Uhr wird der „Kaufmannszug“ mit Musik und Böllerschüssen empfangen. • Rund um die Schlosskirche und auf dem Waisenhausplatz wird den Besuchern in Vor- und Darstellungen das Thema „Humanismus“ vermittelt. Um das Stadttheater und an wechselnden Spielorten werden Jugendliche aus Pforzheimer Schulen ihre Auseinandersetzung mit humanistischen Idealen demonstrieren. Mitspieler dieser Demonstration sind Johannes Reuchlin, Philipp Melanchthon, Markgräfin Ottilie und Markgraf Karl Friedrich von Baden.

Das Programm: • Die Zeitreise in des Mittelalter beginnt mit dem traditionellen Reuchlin-Ritt mit den Reitern aus den Vereinen Hohberg, vom WartbergHof und vom Bechtle-Hof. Mit ih-

• Es gibt Führungen im Reuchlinmuseum, in der Schlosskirche, der Gruft des Hauses Baden, dem Archivturm und dem Kabinett des Markgrafen, der Landschaftsstube.


Johannes Reuchlin und die Juden • Und für das leibliche Wohl ist vielseitig gesorgt. DIE GESCHICHTE DER LÖBLICHEN SINGERGESELLSCHAFT Folgt man der Gründungsgeschichte der Vereinigung, so bildete sich die Löbliche Singergesellschaft 1501 als Bruderschaft frommer Pforzheimer, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die zahlreichen Toten einer Pestwelle jener Tage christlich zu begraben. Der Name „Singergesellschaft“ ist auf den Gesang von Totenliedern und Psalmen zurückzuführen, mit dem sie die Begräbnisse begleiteten. Trotz zwangsweiser Auflösung der katholisch geprägten Bruderschaft im Zuge der Reformation hat sich diese Vereinigung bis auf den heutigen Tag gehalten. Heute sieht die Gesellschaft ihre Aufgaben vorrangig in der freien Wohlfahrts- und Heimatpflege und ist konfessionell sowie politisch unabhängig. HUMANISTISCHES WERTESYSTEM Sprechen wir von Reuchlin, dem hochgelobten Sohn der Stadt Pforzheim, feiern wir die Löbliche Singergesellschaft, so wandern die Erinnerungen in die Zeit einer geistigen Bewegung, die in immer neuen Bemühungen die altgriechische und römische Kulturwelt zu erschließen sucht und zugleich den Weg für die Bildung des Menschen fruchtbar machen will. Humanismus bedeutet ein Weltbild und Wirken, in dessen Zentrum der Mensch mit seiner individuellen und sozialen Doppelnatur die dazu erforderlichen Freiräume, Rechte und Pflichten demokratisch entwickelt. Das Humanistische Wertesystem ermöglicht die persönliche Entfaltung durch individuelle freie Schwerpunkte. In ergänzender Definition hierzu sollten wir Emanuel Kant mit seinem sittlichen Grundgesetz stellen: „Handle so, dass die Maxime

deines Willens jederzeit zugleich als das Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kann.“ Humanismus: bisher lediglich als schulische Bildungsrichtung und als Geschichtsepoche der Aufklärung verstanden, kann uns heute als eine übergeordnete Orientierung dienen. Hier einige Schwerpunkte des Humanistischen Wertesystems unter Berücksichtigung der vorstehenden Anwendung: Menschlichkeit: Höchster Wert einer gemeinsamen Lebensform. Verbundenheit: Die Fähigkeit zur Verbundenheit ist die wichtigste Voraussetzung, um sich sinnvoll hilfreich mit einbringen zu können. Aufklärung: Voraussetzung für die Urteilsfähigkeit der Menschheit. Frieden: Mit sich selbst in Frieden zu leben, ist die Voraussetzung für ein friedliches Miteinander und sinnvolle Veränderungen. Mündigkeit: Erst die Mündigkeit gibt dem Menschen ein Mitspracherecht. Gerechtigkeit: Neutralität und geistiger Überblick sind die Voraussetzungen für gerechtes Beurteilen und Handeln. Demokratie: Eine gelebte Vollkommenheit von Staat und Volk ist die Erfüllung eines Gesetzes, nach dem der Mensch auf Erden angetreten ist. JOHANNES REUCHLIN – Sohn und Lichtgestalt der Stadt Pforzheim Ihm gilt noch heute das ehrende Gedenken – das „Reuchlinhaus“, das 2008 eröffnete „Reuchlinmuseum“, die „Freimaurerloge Reuchlin“, der Reuchlin-Preis, der seit 1955 alle zwei Jahre für Arbeiten im Sinne des Humanismus und zur Förderung der Geisteswissenschaften verliehen wird, und das Reuchlin-Gymnasium. Johannes Reuchlin wurde am 22. Februar 1455 in Pforzheim geboren. Im Alter von 15 Jahren begann er sein Jura-Studium in Freiburg und Paris, 1474 in Basel und machte

Denkmal von Johannes Reuchlin vor der Alten Einnehmerei in Pforzheim. Zweitguss einer Einzelfigur aus dem Luther-Denkmal in Worms von Ernst Rietschel und Adolf Donndorf. Das Denkmal wurde durch eine Spende der Otto Wild GmbH im Jahr des Stadtjubiläums 1995 errichtet.

dort 1477 seinen Magister. Als Philologe und Jurist war Reuchlin ein weltmännischer Diplomat. Der Umgang mit byzantinischen Gelehrten in Paris u. Basel erschloss ihm das Griechische, der mit gelehrten Juden seit 1482 auch das Hebräische. 1484 erfolgte die Promotion zum „Doktor des kaiserlichen Rechts“. Reuchlin studierte die Kabbala und durch sein grammatikalisch-lexikalisches Werk »Rudimenta linguae hebraicae«, das 1506 in Pforzheim erschien, wurde er zum Gründer der christlichen Hebraistik. Er war der erste bekannte Deutsche Hebraist. Im Jahr 1510 wurde er vom Mainzer Erzbischof Uriel beauftragt, den Einfluss der jüdischen Bücher, die sämtlich beschlagnahmt werden sollten, auf den christlichen Glauben zu beurteilen, denn es war hierüber ein heftiger Streit entstanden. Es gelang ihm, wenn auch für kurze Zeit, die Beschlagnahme zu verhindern. Johannes Reuchlin 1522: „Wir legen die Fundamente der Zukunft. Die Wahrheit wird über der Welt aufgehen, das Dunkel verschwinden, das Licht wird leuchten.“

Der Abguss des Reuchlin-Epitaph im Stadtmuseum in der ehemaligen Pfarrscheune im Pforzheimer Stadtteil Brötzingen.

Quellenangabe: Biografisch-Bibliografisches Kirchenlexikon Wikipedia.

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Der Pforzheimer

Der Garten der Ruhe Wir leben heute in einer Zeit des Umbruchs, wie es sich in der Intensität der Erneuerungen und Veränderungen in den früheren Generationen kaum gezeigt hat. Neue Lebens gestaltungen und -bedürfnisse erfordern Anpassungen der Angebote. Aus diesem Wandel der Lebensformen und Erlebenswünsche ergeben sich gleichermaßen neue Vorstellungen der Ruhestätten, die uns über den Tod hinaus schützende Herberge sind.

Mit dem neuen gärtnergepflegten Grabfeld 8 des Pforzheimer Hauptfriedhofs hat eine neue Vorstellung Gestalt angenommen. Die Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner hat in Abstimmung mit der Friedhofsverwaltung der Stadt Pforzheim im östlichen Teil des Hauptfriedhofs ein Landschaftsgräberfeld gestaltet. Harmonisch schwingen sich die Wege um die bepflanzten Beete. Um

hier ein harmonisch in sich geschlossenes Landschaftsbild zu erhalten, verzichtet das in Pforzheim erstmals in dieser Form gestaltete Feld auf die Grabeinfassungen. Urnen finden ihren Platz unter einer großen Buche. Außerhalb des Wurzelraumes der Bäume sind auch Sargbestattungen in dieser von den Gärtnern betreuten Anlage vorgesehen.

Thilo Meier, Pforzheimer Bestattungshaus GmbH.

Das Landschaftsbild ist durchwirkt mit Stelen und aus dem Enzland stammenden Felsen, auf denen die Namen der Verstorbenen angebracht werden können. Und zum Verweilen gibt es überdachte Sitzgelegenheiten. Zur Beantwortung Ihrer Fragen zu dem Thema „Bestattungsvorsorge“ steht Ihnen das Pforzheimer Bestattungsbüro jederzeit kostenlos zur Verfügung.

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< Hauptfriedhof  BLUMEN-VOLLMER Sommerweg 21 75177 Pforzheim Tel. 0 72 31/31 47 68

 BLUMEN-KIEHNLE Hachelallee 3 75179 Pforzheim Tel. 0 72 31/31 34 55

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 FRIEDHOFSGÄRTNEREI HILLIGARDT Wolfsbergallee 53 75177 Pforzheim Tel. 0 72 31/10 69 18  GESTALTUNG IN STEIN ANDREAS MISSENHARDT STEINBILDHAUERMEISTER Ispringer Straße 40 75177 Pforzheim Tel. 0 72 31/31 38 78

 H. + W. ALBERT STEINBILDHAUERMEISTER Höhenstraße 58 – 60 75179 Pforzheim Tel. 0 72 31/44 16 64  STEINMETZ UND STEINBILDHAUERARBEITEN EUGEN MARTIN Inh. T. Schreiber · Bernhardstr.36 75177 Pforzheim Tel. 0 72 31/31 32 58  PFORZHEIMER BESTATTUNGSHAUS GMBH Ispringer Straße 42 75177 Pforzheim Tel. 0 72 31/1 54 23 00

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Prolog zum Schmuck Ich bin der Prolog, der sich selbst in Szene setzt, ehe die Stars ihn in den Schatten stellen. Bin eine lustige Person, die alle Wahrheiten sagen darf, weil sie das Publikum für Tollheiten hält. Dabei schöpfe ich nur mit meiner Muschel aus dem unendlichen Wissen, das sich über unseren Häuptern in alle Unendlichkeit des Weltalls ausdehnt, während dieser und jener sich in dieser kleinen Narrenwelt um Kaisers Bart streiten. Ich erzähle Euch ein Märchen. Ei freilich! Denn worüber ich reden will, lässt sich auf zweierlei Weise bewältigen; wie sich das Weltbild über Jahrtausende überlieferte, oder in den modernen Zaubersprüchen mathematischer Formeln, einer Geheimsprache, die erzählt, was die Welt im Innersten zusammenhält. Da ich aber eine lustige Person bin, bitte ich Euch, Ihr Damen und auch Euch, Ihr Herren, um der Liebe willen, die Ihr zu ihnen tragt, mich lieber bei den Märchen zu belassen. Darauf verstehe ich mich besser, und es macht sich auch hübscher. In letzter Zeit haben sich zwei abenteuerlichen Edelsteinreisen herauskristallisiert. Ich werde sie ein bisschen durchsortieren. Dazu komme ich jetzt als Marktbudenschreier: Schöne Farben, feine Düfte, Töne aller Arten. „Hört, hört!“, sagt Ihr zu mir, „was soll das alles bei deinem Schmuck, lustige Person?“ Da frage ich zurück: „Was ist denn Schmuck? Ein teures Ding am Bandel? Spreu oder Weizen? … Ein Sensor, ein Regulator für die Person, jene, die durch die Maske der äußeren Erscheinung spricht? Person, durchtönen, sich eine Stimme geben, eine Stimmung haben, mit sich übereinstimmen? Schmuck wird ihr zum persönlichen Gesetzgeber. Und hier noch ein paar Schleifen vom

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Bandelkramer, kommt und hört nur her: „Sich putzen“, „sich schmücken“ und „anordnen“ ist im Altgriechischen dasselbe Verb. Schmuck heißt auch Anstand, heißt auch Ordnung, Kosmos. Ein allumfassendes kosmisches Gefüge. Ein allumfassendes feststehendes Gefüge, in dem ein Ding, ein Sinn, sich auf den anderen bezieht!“ In den frühen, stark hierarchisch aufgebauten Gesellschaften war Schmuck ein Rangabzeichen, Emblem des Sakralen, Zeichen des Königtums. Alle Lebensäußerungen konnten in Symbolen ausgedrückt werden, genauso wie alle irdischen und überirdischen Phänomene. Ein System von Farbzuweisungen und heiligen Zahlen umfasste die bekannte Welt und den Himmel über ihr in einem lückenlosen Ordnungsprinzip. Lustig, nicht wahr? Selbst die totale Datenerfassung war schon erfunden. Um uns, in uns ist alles Gesetz, Zahl, Schwingung, Welle Vibration, Ton, Musik. So sind selbst die Farben eingefangene Lichtwellen, klingen wie Posaunen, wie Geigen, wie Orgelpfeifen. Hören wir auf Kandinskys Farbenlehre des Geistes. Diese wunderschöne antike Idee von der Sphären-Harmonie! Aufgestellt

wurde sie u.a. von Archytas von Tarent, einem der Pythagoreer, die dieses ätherische Konzert in ein Denkmodell (dem Urgesetz von unveränderlichen zahlenmäßigen Beziehungen unter den Bestandteilen der Welt) einbauten, das Kepler bezauberte, der die Planetenbahnen als Ellipsen erkannte. Auch er lässt die Himmelskörper singen, weil jede bewegte Masse Töne erzeugt. Dass Wellen auch ohne Luft oder Wasser als Trägerelement sich im Äther fortbewegen, ohne dass unsere Sinne es wahrnehmen oder unsere Instrumente es messen könnten, ist eine Tatsache. Was werft Ihr da ein, doch keine Tomaten?... Gut, gut, hier kommt etwas Leichteres, Zündendes. Ich mache Euch einen Feuerzauber, ein Wortspiel, wild jongliert. Ruach heißt auf Hebräisch Geist. Allez hop: Alle Vokale wechselt euch, jetzt heißt es Rauch, Weihrauch. Weihrauch, in dem Gesänge und Gebete von den Altären zum Göttlichen aufsteigen. Lateinisch: per fumum. Rauchzeichen, Botschaftsträger. Voilà Parfum, diese Duftsäule zwischen Erde und Himmel! Sagt man nicht auch Essenz dazu, das sich von Sein ableitet? Das gewisse Etwas, das das Wesentliche an einem Wesen ausmacht, und ausdrückt. „Ihr seid nicht zufrieden …weil ich euch ein Märchen versprochen habe! Aber – ist das nicht alles wunderbar, märchenhaft – der Umfang der Sterne, die Abfolge von Tag und Nacht, das Uhrwerk der Natur. Denn all unsere technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften sind erkannte und genutzte Naturgesetze. Dieser Zwerg Mensch in einem Riesenraum, den er mit seinem Geist und seinem Verstand auszuleuchten beginnt und dabei über den Wahrheitsgehalt, die geniale Ahnung voller Mythen staunen darf … Pst, still, jetzt beginnt das kosmische Schauspiel.“


Congress Centrum Pforzheim 13.09.2011 Orchesterkonzert in Pforzheim 20.09.2011 Olaf Schubert 01.10.2011 Subergs Ü30 Party 28.10.2011 Cindy aus Marzahn 11.11.2011 Horst Lichter 24.11.2011 Die Prinzen 02.12.2011 Alpenländische Weihnacht präsentiert von Marianne & Michael 08.12.2011 Dieter Nuhr 12.01.2012 Giora Feidman

€ 19,80 – € 28,10 € 13,00 € 30,00 € 32,10 – € 33,30 – € 44,10 –

35,20

39,00 44,30 55,50

€ 27,70 – 32,20 € 30,00 – 41,00

Kulturhaus Osterfeld Pforzheim 29.09.2011 Helge Thun 30.09.2011 Ingolf Lück 30.09.2011 Luise Schill 02.10.2011 Palastperlen – Premiere 12.10.2011 Rolf Miller 20.10.2011 Gerd Dudenhöfer 27.10.2011 Florian Schröder 19.11.2011 SWR 2 Studio Brettl XXL 24.11.2011 Backblech 04.12.2011 Django Asül 10.12.2011 Chaostheater Oropax

€ 16,50 € 21,00 € 15,30 € 16,50 € 18,70 € 24,90 – 30,50 € 19,80 € 14,00 + 16,50 € 21,00 € 16,50 € 18,70

Schleyerhalle Stuttgart 12.10.2011 George Michael 17.10.2011 Roxette 23.10.2011 Die große Schlagerparade 16. – 20.11.2011 27. Internationales Reitturnier 27.11.2011 Motörhead 03.12.2011 Bülent Ceylan 07.12.2011 AIDA Night of the Proms 2011 17.12.2011 Kaya Yanar 22.12.2011 Die Fantastischen Vier 28.12.2011 Frei.Wild 06.01.2012 Andrea Berg

€ 59,50 – 105,00 € 62,05 – 73,55 € 36,00 – 66,00 € 6,00 – 40,00 € 40,95 € 31,50 € 52,35 – 72,60 € 30,90 € 61,55 – 65,55 € 33,99 € 27,90 – 60,90

Liederhalle Stuttgart 24.09.2011 Wise Guys 02.11.2011 Nigel Kennedy 18.11.2011 Marillion & Saga 24.11.2011 Kastelruther Spatzen 26.11.2011 Jan Rouven 27.11.2011 Howard Carpendale 30.11.2011 YES 11.12.2011 Milos

€ 25,55 € 47,60 – 90,80 € 45,50 + 51,20 € 37,60 – 57,70 € 34,80 – 67,80 € 45,00 – 100,20 € 52,50 – 59,30 € 30,80 – 45,10

Musicals Bis 14.09.2011: Mi. bis So.: Di. bis So.: Ab 17.12.2011: Di. bis So.

Tanz der Vampire

€ 49,89 – 143,04

Ich war noch niemals in New York Rebecca

€ 49,89 – 143,04 € 49,89 – 143,04

Porsche Arena 21. – 25.09.2011 Cirque du Soleil: Alegria 24.11.2011 Söhne Mannheims 13.01.2012 Dieter Nuhr

€ 55,20 – 94,55 € 56,60 – 60,05 € 32,20 – 36,60

Theaterhaus Stuttgart 23.09.2011 Cassandra Steen 12.10.2011 Pasadena Roof Orchestra 18.10.2011 Oliver Pocher 23.10.2011 The Irish Folk Festival 25.10.2011 ASP 26.10.2011 Wirtschaftswunder

€ € € € € €

LKA Stuttgart 16.09.2011 21.09.2011 11.10.2011

Common + Band Kitty, Daisy & Lewis Paul Young

€ 35,95 € 27,90 € 36,75

Karlsruhe 01.11.2011 04.11.2011 10.11.2011 11.11.2011 19.11.2011 23.11.2011 24.11.2011

Status Quo + The Hooters, Europahalle Marek Fis, Neureut, Badnerlandhalle Bruno Ganz, Konzerthaus Mario Barth, Europahalle BAP, Europahalle Lord of the Dance, Schwarzwaldhalle Dr. E. v. Hirschhausen, Schwarzw.halle

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30,90 33,80 – 44,80 30,60 27,90 – 35,70 29,70 25,30 – 31,90

52,90 – 25,90 34,50 – 27,70 – 40,65 – 63,15 – 32,60 –

59,90 49,90 30,90 45,05 80,40 42,80

Baden-Baden Festspielhaus 03.09.2011 Grand Prix-Ball 2011, Kurhaus 23.11.2011 Dr. Eckart v. Hirschhausen 25.01.2012 Udo Jürgens

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12.12.2011 19.12.2011

30 Seconds To Mars, SAP Arena Sunrise Avenue, Maimarkt Club Cirque du Soleil: Alegria, SAP Arena Aida Night of the Proms 2011 SAP-Arena Bülent Ceylan „Wilde Kreatürken“ SAP Arena Howard Carpendale, Rosengarten

€ € € €

39,45 + 42,45 35,00 55,50 – 94,90 53,15 – 73,15

€ 30,90 € 59,40 – 100,80

Preise incl. Gebühren und ges. Mwst. Angaben ohne Gewähr.

In Ihrem KartenBüro der Sparkasse Pforzheim Calw erhalten Sie Tickets für alle Stücke aus dem Repertoire des Stadttheaters Pforzheim. Ebenso für alle Veranstaltungen des Kulturhauses Osterfeld, die Abo- Konzerte des Südwestdeutschen Kammerorchesters, des Oratorienchors Pforzheim, für Veranstaltungen des Figurentheaters von Raphael Mürle in Brötzingen, der Volkshochschule Mühlacker, des Tollhauses Karlsruhe und viele, viele mehr !!! Hier bieten wir Ihnen einen nur kleinen Auszug unseres Angebotes:


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Generationen im Dialog Ausgabe 2-2011  

Zeitschrift für Jung & Alt, Generationen, Familie, Eltern, Großeltern, Kinder, Enkel, wissenschaft, kultur, kunst, bauen, wohnen, seniorenhe...

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