Page 1


Projektbericht Evaluation von Prof. Ingelore Welpe Kommentar von Bogna Czałczyńska Forschungsbericht von Lucia Neigenfind Preview Gender Mobil II Reiseroute und Film

Impressum V.i.S.d.P.: Frau Jolanta Grenke Gender Werkstatt Ramin e.V. Dorfstr. 41 17321 Ramin E-Mail: gendermobil@gwrev.de www.gender-werkstatt.de/gendermobil www.facebook.com/GenderMobil


Sehr geehrte Damen und Herren, zwischen dem 21.09 und 30.09.2012 führte der Verein Gender Werkstatt Ramin e.V. zusammen mit dem polnischen Partner, der Stiftung Czas Dialogu (Szczecin) und unter Zusammenarbeit mit der Verein Create Future e.V. (Kiel) das Projekt "Gender Mobil – Gender und Leben im ländlichen Raum“ in der Grenzregion durch. An dem Projekt nahmen StudentInnen aus Polen und Deutschland teil, die sich in zwei Gruppen ("Soziologischen” und "Medialen") zehn Tage lang unter wachsamen Augen der Experten - Prof. Ingelore Welpe und Adam Barwinski - mit dem Themenbereich Gleichstellung, Diversität und Toleranz in ländlichen Gebieten der Grenzregion beschäftigten. Während der Projektlaufzeit fanden mehrere Begleitveranstaltungen statt, an denen die lokale Bevölkerung teilnehmen konnte, es wurden Interviews mit den BewohnerInnen der polnischen und deutsche Orte durchgeführt und Filmmaterial für eine Reportage erstellt – ein erstes Ergebnis halten Sie nun in den Händen. Das Projekt wird im nächsten Jahr fortgesetzt und die leitende Rolle bei der Projektorganisation übernimmt der polnische Partner, die Stiftung "Czas Dialogu" aus Szczecin. Wir möchten uns recht herzlich bei den Sponsoren des Projekts: der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, Deutsch-Polnisches Jugendwerk, Ministerium für Arbeit Gleichstellung und Soziales Mecklenburg-Vorpommern und der Gemeinde Police für ihr Vertrauen, Unterstützung und Hilfestellung bei der Projektdurchführung bedanken. Einen besonderen Dank verdient Nadine Grabow, und zwar für ihr Engagement und die Arbeit bei der Projektvorbereitung und – durchführung. Im Namen des Vereins Gender Werkstatt Ramin e.V. Geschäftsführerin Jolanta Grenke


Evaluation „Das Projekt Gendermobil ist das erste seiner Art in der deutschpolnischen Grenzregion und ein innovativer Ansatz, Bewohner/innen in einer ländlichen Region für die Chancengleichheit von Frauen und Männern zu sensibilisieren und den Unterstützungsbedarf festzustellen.“ Die Idee, Menschen in ausgewählten Dörfern links und rechts der deutsch-polnischen Grenze zu gender-relevanten Problemlagen zu befragen, konnte als studentisches Lehr- und Praxisprojekt mit einer Gendergruppe und eine Dokumentarfilmgruppe, die sich in einem Workshop gemeinsam auf ihre Teilaufgaben vorbereitete, erfolgreich realisiert werden. Die deutsch-polnische Gendergruppe interviewte mit einem selbst entwickelten Leitfaden insgesamt mehr als 150 Frauen und Männer, die über ihre Erfahrungen mit Gleichstellung, mit sozialer Diskriminierung und über die Qualität deutsch-polnischer nachbarschaftlicher Beziehungen berichteten und ihre Wünsche und den Bedarf für eine bessere Zukunft in der Grenzregion nannten. Die gut vorbereitete, hochmotivierte Gendergruppe wurde überall freundlich aufgenommen und fünf Tage lang wurden vor Ort gute und ergiebige Gespräche mit Bewohner/innen geführt. Die Dokumentarfilmgruppe bereitete sich technisch und kreativ darauf vor, das Zusammenleben von Frauen und Männern in Geschichten und Bildern einzufangen. Diesseits und jenseits der deutsch-polnischen Grenze fand die Filmgruppe Paare, die vor der Kamera über ihre Sicht von Chancengleichheit und das Zusammenleben im kulturellen Kontext lebendig berichteten. Schließlich konnte das Filmprojekt ebenso das Genderprojekt zum Abschluss nach 10 Tagen intensiver Arbeit bereits öffentlich im Gutshaus Ramin präsentiert werden. Der Endreport zu Film und Befragung steht als Kongressbeitrag für Stettin 2013 zur Verfügung. Das Gendermobil Projekt ist inhaltlich rundherum sehr gelungen. Das drei-sprachige binationale Lehr- und Praxisprojekt war ein voller persönlicher Erfolg für die teilneh-

menden Student/innen und alle beteiligten Akteure. Die Kooperation der Kernteammitglieder untereinander, mit den Organisatorinnen und den Projektleitungen war von außerordentlicher Motivation, unentwegtem Engagement und Freude an der Sache „Gendermobil“ getragen. Für alle am Projekt Beteiligten war es zudem eine persönliche interkulturelle Qualifikation. Für die Teilnehmer/innen aus den Dörfern der Grenzregion, durch die das Gendermobil fuhr und in der es filmte, war es ein Zeichen von Interesse und Wertschätzung. Das Gutshaus Ramin bot dem Projekt alles, was es zum Wohlbefinden und für ein stimulierendes Lernklima brauchte. Die Genderwerkstatt Ramin setzte zusammen mit den deutsch-polnischen Partnern und Sponsoren, die das Projekt unterstützten, ein bemerkenswertes Zeichen für mehr Chancengleichheit und, dass nachbarschaftliche Beziehungen in dieser ländliche Grenzregion sehr wohl gestärkt werden können.

Chancengleichheit

braucht einen langen Atem und nachhaltiges Engagement. Daher wird das Gendermobil fortgesetzt. Für das Gender Mobil II, das im Mai 2013 im Stettiner Haff für Chancengleichheit segeln wird, sind die Eckpunkte bereits gesetzt. Die deutsch-polnischen Student/innen sind dabei und die deutsch-polnischen Initiatorinnen ebenso. Die Sponsoren können sicher sein, dass aus diesem Pilotprojekt ein Markenzeichen in der Grenzregion werden kann. Prof. Dr. Ingelore Welpe Wissenschaftliche Begleitung des Pilotprojekts Gendermobil 2012


Kommentar Die angesetzten Projektziele wurden vollständig erreicht. An der Stelle sind die organisatorischen Fähigkeiten der Koordinatorinnen hervorzuheben. Das Programm war interessant und stimmte die Teilnehmer kreativ ein. Von großem Vorteil war die Planung der einzelnen Handlungen, die eine Anpassung auf die aktuellen Bedürfnisse zuließ. Dadurch konnten unnötige Standzeiten, Konflikte oder sog. fruchtlose Handlungen vermieden und der Effizienzeffekt erreicht werden.

Eine Anmerkung für die Zukunft: Da die Aufnahmen zum Projekt offen sind und die Teilnehmer erst vor Ort sich kennenlernen, sind zur Sicherstellung der Erreichung der Projektziele folgende Punkte zu berücksichtigen:

Es ist sicherzustellen, dass die Projektkoordinatoren und die Leiter der einzelnen Handlungen die Gender-Anforderungen erfüllen.

Das Projekt war eins der kreativsten und intern motiviertesten Projekte, an denen ich beteiligt war. Den Organisatorinnen und den Gastgebern ist es gelungen, die TeilnehmerInnen sehr wirksam zu motivieren. Das Projekt war dadurch sehr kreativ und effizient. Die Jugendlichen nahmen die ganze Zeit aktiv an der Aufgabenbewältigung und Diskussionen zu Projekthandlungen teil und zwar sowohl während der im Projekt vorgesehenen Arbeitszeit als auch in den Mittagspausen und bei informellen Begegnungen etc. Alle waren praktisch die ganze Zeit mit den Projektaufgaben beschäftigt.

Ein oder zwei Tage sollten für eine interne Einweisung der Projektteilnehmer verwendet werden. Dabei könnte man die früher zugeteilten Themen vorstellen. Erwünscht wäre eine frühere Vorbereitung auf Grundlage von Lektüre/Filmen zur Gender-Thematik. Im Rahmen der Einweisung könnte auch ein Vortrag, Workshop, Vorstellung von Forschungsergebnissen für die Region (Arbeitsmarkt, Bericht über die Vereinbarung von Familie und Beruf itc.) angeboten werden.

In der Filmgruppe sollten unbedingt Gender-Experten sein bzw. im Projektverlauf müsste eine Gender-Prüfabnahme des erstellten Filmes erfolgen. Eine große Herausforderung für die Filmgruppe wäre die Realisierung zusätzlicher, interessanter Themen, die bei der Materialerhebung entstehen können.

Es wäre sinnvoll, ein langfristiges Forschungsprojekt zum Thema Identität zu konzipieren, das an die Leader in der Region gerichtet wäre.

Hervorzuheben ist auch die Projektdisziplin. Die tägliche Zusammenfassung des Tagesgeschehens und die Aufgabenverteilung erfolgten sehr straff und bei positiver Einstellung. Es ist gelungen, sehr engagierte, umsichtige und kompetente Jugendliche zum Projekt einzuladen. Die soziologische Gruppe war fachlich vorbereitet und fähig, Forschungsumfragen und Interviews durchzuführen und sie im nach hinein auszuwerten. Dank dieser Fähigkeiten konnten kurzfristig und glaubhaft 160 Interviews mit BewohnerInnen in polnischen und deutschen Ortschaften durchgeführt werden. Die Film-Gruppe bereitete sich sehr professionell auf die Erstellung des Filmmaterials, Auswahl entsprechender Personen und interessanten Aufgabenstellungen vor. Die Projektteilnehmer achteten sehr aufmerksam darauf, ob Gender-Projektansätze realisiert werden.

Stiftung Czas Dialogu Bogna Czałczyńska


Forschungsbericht Das Forschungsprojekt Zu Beginn des Gendermobil Projekts wurde eine Forschungsgruppe aus fünf-sieben jungen Studenten gebildet, die Befragungen zu Toleranz und Chancengleichheit im deutschpolnischen Grenzgebiet unternehmen soll. Die Gruppe setzte sich aus einer deutsch sprachigen, drei polnisch sprachigen und einem Studenten, der beide Sprachen auf Muttersprachler Niveau beherrscht, zusammen. Das hatte den Vorteil, dass die Gruppe nicht nur auf Englisch kommunizieren konnte, sondern schwierigere Themen auch von dem zweisprachigen Studenten gedolmetscht wurden. Erfreulicherweise war der Männeranteil höher als der Frauenanteil, was in der Geschlechterforschung nicht unbedingt üblich ist. Das zeigt, dass die Problematik der Geschlechterungleichheit nicht mehr nur Frauensache ist, sondern auch für junge Männer zunehmend relevant wird. Am Anfang des Projekts wurde ein Fragebogen entwickelt, um die Bevölkerung zu Toleranz und Chancengleichheit zu befragen und „aufzuwecken“. Denn das vorrangige Ziel war die Konfrontation der Bevölkerung mit den Problemen von Vorurteilen und sozialer Ungleichheit. Die Polen wurden von den polnischen, die Deutschen von den deutschsprachigen Studenten und Unterstützern aus dem Projekt auf der Straße und an öffentlichen Plätzen befragt.

Präsentation der Ergebnisse Im Anschluss wurden die Fragebögen statistisch ausgewertet und mit den persönlichen Eindrücken, die die Studenten vor Ort gewannen, in Bezug gesetzt. So konnten die ersten Eindrücke auf der Präsentation im Gutshaus Ramin dem Publikum und den Sponsoren vorgestellt werden. Eine Vertiefung der Auswertung erfolgt nun an dieser Stelle. Der Anspruch an die Evaluation ist nicht rein wissenschaftlich, sondern soll die derzeitige Situation im Grenzgebiet skizzieren und somit eine Basis für politische Initiativen und Entscheidungen in der Region bereiten.

Es wurden 97 Polen und 53 Deutsche befragt, je zur Hälfte Männer und Frauen. Beide Gruppen setzen sich zur Mehrheit aus erwerbstätigen Erwachsenen, die in einer Beziehung mit Kindern leben und einem Viertel Rentner zusammen. Die Forschungsgruppe wurde überwiegend freundlich aufgenommen. Das Interesse an den Themen Toleranz und Chancengleichheit war bei den Älteren aber weniger stark ausgeprägt. Gründe hierfür können einerseits eine häufig geäußerte Resignation bezüglich ihres gesellschaftlichen Einflusses, sowie andererseits geringere Partizipationsmöglichkeiten sein. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen und Polen ist der Meinung, dass Männer und Frauen bei ihnen gleichberechtigt sind. Bei konkreter Nachfrage, was sie darunter verstehen, wird aber besonders in Polen und bei Älteren das Modell des männlichen Familienernährers und der weiblichen Hausfrau und Mutter als durchaus gleichberechtigt empfunden. Ebenfalls bestätigen die Erwachsenen, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Das traditionelle Geschlechtermodell findet besonders in Deutschland wenig Unterstützung. Allerdings sind die Meinungen der Deutschen geteilt, ob mehr Betreuungsangebote und soziale Unterstützungsnetzwerke die Gleichberechtigung fördern. Wohingegen solche Maßnahmen in Polen einen größeren Zuspruch finden. Über den Bedarf an finanziellen Zuwendungen, besonders für Alleinerziehende, ist man sich doch auf beiden Seiten der Grenze einig. Erfahrungen über persönliche Benachteiligung oder sogar Diskriminierung hat immerhin jeder Vierte auf deutscher und polnischer Seite gesammelt. Hauptsächlich fühlen sich Männer wirtschaftlich benachteiligt. Frauen äußern sich hingegen auffallend zögerlich zu Benachteiligungserfahrungen, obwohl sie gerne aus der Hausmutterrolle heraustreten möchten. Männer sind geteilter Meinung über den erwünschten Rollenwandel. Im Hinblick auf die nachbarschaftlichen Beziehungen verspürt die polnische Bevölke-


rung keine Probleme. Die Einschätzung von Maßnahmen zur Verbesserung der nachbarschaftlichen Beziehungen, wie zum Beispiel persönliche Kontakte oder gemeinsame Treffpunkte, sind dementsprechend sehr ambivalent. Die alltäglichen Probleme der Polen liegen eher im wirtschaftlichen und privaten Bereich, weniger im Rassismus bzw. Nationalismus. Allerdings scheint Sexismus ein Problem darzustellen. Im Gegensatz dazu sind die deutsch-polnischen Beziehungen aus Sicht der Deutschen angespannter. Jeder Vierte klagt über Probleme mit den polnischen Nachbarn, zum einen werden ihnen Kriminalität und zum anderen mangelnde Sprachkenntnisse und Integrationsbemühungen unterstellt. Für mehr Toleranz sollen die sozialen Kontakte zwischen den Nationalitäten verbessert werden. Im Widerspruch dazu beklagen weniger als die Hälfte der Befragten Probleme mit Nationalismus und Rassismus. Dem gegenüber stehen die

Entdeckung von rechtsextremem Propagandamaterial in der Region sowie ein aufklärendes Gespräch mit einem Kameradschaftsführer und gut informierten Personen von der Polizei und aus der regionalen Wirtschaft. Wenn es um die Unterstützung der lokalen Jugend geht, halten Polen sowie Deutsche einen Ausbau der Freizeitbeschäftigungsangebote und der wirtschaftlichen Infrastruktur für sinnvoller, als die Verbesserung der vorhandenen Bildungsangebote. ∙∙∙∙ Parallel zur Befragung an der Grenze wurden im Gutshaus Ramin elf Landfrauen aus der Region und neun Jugendliche aus Berlin in Gruppendiskussionen befragt. Für die Jugendlichen scheint Gleichberechtigung schon etwas Selbstverständliches zu sein. Es herrscht ein Bewusstsein für den Bedarf an politischen Handlungen und finanziellen Investitionen, um die regionale soziale Situation


zu verbessern. Fremdenfeindlichkeit wird nicht problematisiert, obwohl ein Großteil der Schüler einen Migrationshintergrund besitzt. Die Ergebnisse beziehen sich aber nur auf die Situation der Schüler in Berlin, da ihnen Hintergrundwissen zu Region fehlt. Fokus der Frauenbefragung waren Vorurteile und Stereotype. Die Ergebnisse unterscheiden sich nicht von den restlichen Deutschen. Auffallend ist einerseits, dass zwar ein Konsens über die Gleichberechtigung herrscht, aber nicht jeder weiß, was mit Chancengleichheit gemeint ist. Andererseits haben sich die meisten Frauen geweigert über persönliche Benachteiligungserfahrungen zu berichten, diese aber nicht negiert! Unterstützung für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden eher begrüßt, als Gleichstellungsbeauftragte. Das zeigt, dass kein Bewusstsein dafür herrscht, wie Politik funktioniert. Denn die Gleichstellungsbeauftragten sind für die Einleitung solcher Maßnahmen verantwortlich.

Fazit und Ausblick Das Forschungsteam hat erfolgreich die öffentliche Meinung zu Chancengleichheit und Toleranz in der deutsch-polnischen Grenzregion eingefangen und die Bevölkerung angeregt, sich mit der regionalen Situation auseinanderzusetzen. Die Forschungsergebnisse spiegeln Problemfelder für die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Nachbarschaftsbeziehungen wieder. So muss die Bevölkerung besser über die Problematik der Chancengleichheit und Gleichberechtigung aufgeklärt werden. Besonders im katholisch geprägten konservativen Polen sind Geschlechtervorurteile nicht nur weit verbreitet und das traditionelle Modell des männlichen Familienernährers und der weiblichen Hausfrau stark vertreten, sondern sie werden auch noch als gleichberechtigt empfunden. In diesem Zusammenhang tritt auch das Sexismus Problem auf. Obwohl die Deutschen sich in der Hinsicht „moder-

ner“ präsentieren, signalisiert die Zurückhaltung der Frauen zur Gleichstellungsfrage, dass die Selbstdarstellung nicht ganz der Realität entspricht. Problem der Deutschen ist vielmehr der versteckte und tabuisierte Rechtsextremismus. Leider wollten sich die Befragten nicht äußern, sodass das Problem nicht tiefer dargestellt werden kann. Die Gegenüberstellung der Ergebnisse mit der Schülergruppe bestätigt, dass Geschlechterungleichheit und Intoleranz typische Probleme für ländliche Regionen mit einer alternden Bevölkerung sind. Die Ergebnisse des Projekts sollen Politiker anregen über Toleranz und Chancengleichheit aufzuklären und Gleichstellungsbeauftragte mit konkreten Lösungen zu vertrauen. Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Infrastruktur ist wichtig, um die Abwanderung Jugendlicher und junger Erwachsener zu vermeiden und somit den fortschreitenden demografischen Wandel in der Grenzregion aufzuhalten. Zudem fallen immer mehr „verlassene“ und perspektivlose Jugendliche den rechten Kameradschaften zum Opfer, die diese mit der Bereitstellung der mangelnden Güter Beschäftigung und Gemeinschaft locken und vermeintliche Lebensperspektiven eröffnen. Weitere Forschungsprojekte können an den Schwachstellen des Projekts ansetzen und konkrete Informationen zu Fremdenfeindlichkeit und geschlechtlichen Rollenbildern sammeln. Wichtig ist hierfür, dass von der offenen und provokanten Fragetechnik abgesehen wird und mit subtilen, psychologisch fundierten Fragen „versteckte“ Meinungen aufgedeckt werden. Hierfür eignen sich weniger statistische, sondern mehr qualitative offene Befragungen, bei denen der Befragte zu vertieften Erzählungen angeregt wird und so die Ursachen von Intoleranz und Ungleichheit rekonstruiert werden können. Lucia Neigenfind, Soziologin (B.A.) Projektteilnehmerin Gender Mobil


Ausblick Gender Mobil II – September 2013 Stepnica – Nowe Warpno – Ueckermünde – Wolin – Kamień Pomorski Im nächsten Jahr, im September, zusammen mit unserm polnischen Partner Stiftung "Czas Dialogu" planen wir nächste Etappe des Projektes Gender Mobil II.

An der Kreuzfahrt nehmen sowohl die Studentinnen und Studenten aus Deutschland und Polen, als auch die Personen, die sich für die Gleichstellungspolitik einsetzen teil.

Dann wird Gender Mobil im Stettiner Haff fahren und die polnischen und deutschen Häfen besuchen.

Im Mai 2013 findet in Szczecin ein „Regionaler Frauen Kongress“ statt und dort wollen wir die Ergebnisse der Untersuchungen als auch den während des Projekts entstandenen Dokumentarfilm vorstellen.

Die geplanten Aktivitäten umfassen: „NichtGleichgestellt?“-Unterricht in Schulen für Schülerinnen und Schüler, Workshops für Lehreinnen und Lehrer, interkulturelle Projekte in Schulen, Toleranz-Unterricht, Wendo für Mädchen, viele kulturelle Veranstaltungen und die Fortsetzung der soziologischen Forschung, die wir 2012 begonnen haben.

Kontakt Gender Werkstatt Ramin e.V. Jolanta Grenke Tel.: 0049 39749 29600 Email: Jolanta.grenke@gwrev.de www.gender-werkstatt.de


Projektbericht [Gender Mobil]  

Der ausführliche Projektbericht inkl. Forschungsbericht, Kommentare der ReferentInnen und dem Preview auf Gender Mobil II