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Europas Sammlermagazin

06/2017 64419

• € 4,50

Schweiz CHF 8,50 | Österreich € 5,00

Kleinradios Musikplakate


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11.05.2017

14:20 Uhr

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INHALT 3

TRÖDLER

ISSN 1863-0340

VERLAG

GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: http://www.gemiverlag.de eMail: info@gemiverlag.de

GESCHÄFTSFÜHRER

Gerd Reddersen Rudolf Neumeier

CHEFREDAKTEUR

Karl Ruisinger eMail: karl.ruisinger@gemiverlag.de

REDAKTION

Nicola Fritzsch, Joscha Eberhardt, Karin Probst, Helene Stümpfle-Wolf

AUTOREN DIESER AUSGABE

Reinhard Bogena Heidrun Th. Grigoleit Ludger Spielberg

REDAKTIONSASSISTENZ

Heike Genz

TERMINE

Anette Wagner, Tel. 08441/4022-35 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34 eMail: termine@gemiverlag.de

LITHOS, SATZ, HERSTELLUNG

Westner Medien GmbH (Anschrift siehe Verlag)

ANZEIGEN

Markus Westner, Tel. 08441/4022-13 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34

KLEINANZEIGEN

Heike Genz, Tel. 08441/4022-18 Marlene Westner, Tel. 08441/4022-12

VERTRIEB

Gerd Reddersen

ZEITSCHRIFTENHANDEL

VU Verlagsunion KG

MARKTVERTRIEB

Jörg Kirschbaum Mobil 0172/4436638

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LESERFORUM ■ Expertenauskünfte

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MAGAZIN ■ Ausstellungen – Messen – Märkte

BILDERBÜCHER

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■ Frohe Fahrt!

AUKTIONEN

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■ Berichte – Preise – Termine

SCHALLPLATTEN

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■ Schwarzes Gold für Sammler

GRAFIKDESIGN

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■ Kieser Musikplakate

ABOVERWALTUNG

DRUCK

Gemi Verlags GmbH Postfach 85291 Reichertshausen Tel: 08441/4022-0 Fax: 08441/71846 eMail: info@gemiverlag.de

TECHNIK

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■ Kleinradios aus Japan

ONLINETIPP

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■ Websites für Sammler

ANSICHTSKARTEN

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■ Brandenburger Tor

BLECHSPIELZEUG

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■ Mäuse

westermann druck Gmbh

FUNDSTÜCKE

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■ Flohmarktpreise

TERMINE UND ANZEIGEN ERSCHEINUNGSWEISE

monatlich

■ ANTIKMARKTTERMINE

TITELFOTOS

Reinhard Bogena Bröhan-Museum, Berlin / © Günther Kieser für seine Werke

■ SAMMLERBÖRSENTERMINE

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM.

■ AUSLANDSTERMINE ■ REGELMÄSSIGE TERMINE ■ FLOH- UND TRÖDELMARKTTERMINE ■ KLEINANZEIGEN IN DER SAMMLERBÖRSE

Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/11 (Preise gültig seit 01.08.2006)

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LESERFORUM 4

EXPERTISEN

■ Aquarell

?

Könnten Sie bitte dieses kleine Bild, ich denke es handelt sich dabei um ein Aquarell, begutachten: Es ist auf sehr dickem, circa 5 mm starkem Karton gemalt und misst rund 28-30 cm, mit Rahmen sind es zwei Zentimeter mehr. Die Signatur kann ich leider nicht entziffern, nur die Jahreszahl 44, was wohl 1944 heißen soll. G. Baumann, o. O.

!

Es handelt sich hier nach Leserangabe um ein Aquarell auf starkem Karton in der Größe 28 cm mal 30 cm. Es ist gerahmt und scheint in gutem Zustand zu sein. Es ist links unten schwer lesbar handsigniert und nach Leserangabe wahrscheinlich mit „44“ (1944) datiert. Das sehr einfach gemalte Bild zeigt eine Seelandschaft mit

!

Ein Ammonit der Art Harpoceras falcifer aus dem Schwarzen Jura von Holzmaden (ca. 180 Million Jahre). Der sog. Posidonienschiefer (streng genommen kein Schiefergestein, sondern ein fein laminierter bituminöser Tonstein) aus der Gegend um Holzmaden in Baden-Württemberg ist aufgrund seiner spektakulären Fossilienfunde weltberühmt. Insbesondere die Fischsaurier, zum Teil mit Haut- und Weichteilerhaltung, haben diese Fossillagerstätte bekannt gemacht. Die häufig sehr gut erhaltenen Fossilien findet man heute in renommierten Sammlungen und Museen auf der ganzen Welt. Seinen Namen verdankt dieses Gestein der darin massenhaft vorkommenden Muschel Posidonia bronni. Gebildet wurde der Posi-

Bäumen. Ich lese die Signatur als „J. Kagel“, finde diesen Maler jedoch in keiner Liste. Es handelt sich hier sicher um einen Amateur, der in keiner Liste aufgeführt ist. Ich möchte eine Schätzung von 35 Euro vornehmen. Auctionata Experte

■ Ammonit

?

Können Sie mir vielleicht zu diesem Ammoniten etwas sagen? Die unregelmäßige Platte misst rund 58 cm x 50 cm, der Ammonit selbst ist ungefähr 20 cm x 25 cm groß. Was ist so etwas wert? M. Grossmann, o.O.

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donienschiefer vor etwa 180 Millionen Jahren im unteren Jura (Lias). Die Fossilien waren einst Bewohner des Ur-Ozeans Tethys. Sie versanken nach ihrem Tod im Schlick und blieben, in feine Sedimente eingebettet, liegen und versteinerten. Auch heute wird in den Brüchen im Gebiet von Holzmaden Stein für die Produktion von Bodenplatten und Tischen abgebaut, das Material dient aber auch zur Gewinnung von Fango (Heilschlamm). Die Platte zeigt zwei Ammoniten. Über etwa 350 Millionen Jahre lebten diese heute ausgestorbenen Kopffüßler in den Meeren der Erde. Sie sind entfernt verwandt mit den heutigen Tintenfischen. Der größere der beiden Ammoniten (Durchmesser etwa 25 cm) ist ein Harpoceras falcifer, das dane-

■ In dieser Rubrik beantworten unsere Experten Ihre Fragen zu dem einen oder anderen guten Stück. Doch leider sehen wir uns außerstande, ganze Nachlässe oder sämtliche sich in Ihrem Haushalt befindlichen Trouvaillen bewerten und schätzen zu lassen. Auch bitten wir um Verständnis, wenn es mit der Bearbeitung länger dauert. Senden Sie uns also Ihre Anfrage nur zu einem zu bestimmenden Objekt – mit detaillierter Beschreibung und gutem Foto, auf dem das Objekt ganz abgebildet ist. Noch ein Hinweis zu den Preisen, die von Fall zu Fall von unseren Experten genannt werden: Hierbei handelt es sich um Richtwerte, die anhand von Fotos allein getroffen werden und je nach Zustand des Objekts nach oben oder nach unten korrigiert werden können. Ihre Anfrage schicken Sie bitte an: Gemi Verlags GmbH Redaktion Leserforum Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen


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LESERFORUM 5 benliegende kleinere Exemplar dürfte ein Dactylioceras commune sein. Ihren goldenen Glanz verdanken diese Fossilien einer hauchdünnen Pyritschicht.

tionen nach Ägypten beauftragt, die dann in Kompendien ab 1809 veröffentlicht wurden. Vorliegende Darstellung wurde im Vol.1 als Darstellung (Pl.) 76 spätestens 1823 publiziert. Auf dem ursprünglichen (wohl jetzt zerschnittenen) Blatt waren vier Stiche vorhanden. Siehe auch: http://www. edition-originale.com/fr/voyages-horizons-lointains/afrique-monde-arabe/dutertre-basse-egypte-vues-de-trois-villages-1809-25364. Schätzpreis: 50 Euro.

Guido M. Berndt, Auctionata Experte

■ Silberschale

?

Diese Silberschale war angeblich einmal in Besitz eines feudalen Hotels. Sie hat einen Durchmesser von 26 cm und ist 11 cm hoch, mit hochgestelltem Henkel 23 cm. Wenn wir die Punzierung richtig lesen, dann stammt sie aus England. Können Sie uns vielleicht darüber hinaus sagen, wer genau sie hergestellt hat und eine Auskunft dazu geben, wie alt sie wohl sein mag? Schön wäre es außerdem, eine Wertangabe zu erhalten. S. und l. Mayr, o. O.

Dr. Martin Pracher, Auctionata Experte

■ Schmusekätzchen

?

Auf dem Flohmarkt konnte ich dieser reizenden Katzengruppe einfach nicht widerstehen. Sie ist ca. 8 cm hoch. Können Sie mir zum Hersteller Näheres sagen? Anne Schläfer, o.O.

!

Es handelt sich bei dieser Schale um sogenanntes Hotelsilber, fabrikmäßig hergestellte einfache Ware, die über einen Alpaccakern eine sehr dünne Hartversilberung trägt. Stücke dieser Art werden auf allen Flohmärkten für 5-10 Euro angeboten. Auctionata Experte

■ Kupferstich

französischen Kaisers entstanden und wer könnte der Künstler gewesen sein? Das Motiv des Kupferstichs misst 12 x 18 cm groß, das Passepartout, ob es Original ist, kann ich nicht sagen, misst 35 x 25 cm. R. Sagerer, o. O.

?

Der Antiquar, bei dem ich diesen Kupferstich vor vielen Jahren gekauft habe, hat mir mitgeteilt, dass es sich hierbei um eine Auftragsarbeit für Napoleon handelt. Er wollte angeblich eine Publikation über Ägypten herausgeben. Können Sie das bestätigen, gibt es ein solches Buch? Ist dieser Kupferstich wirklich im Auftrag des

!

André Dutertre (1753-1842), Zeichner und Robert Daudet (1737-1824), Stecher, Stich auf Papier, eine der drei Ansichten der „BASSE EGYPTE, Vues de trois villages situés sur la branche de Damiette“ (Unterägypten, Ansicht von drei Städten aus der Nähe von Damiette) aus dem ersten Band der „l’Edition Impériale' de la Description de l'Egypte ou Recueil des observations et recherches faites en Egypte pendant l'expédition française, publié par les ordres de Sa Majesté l'Empereur Napoléon le Grand.“ Ab 1802 wurden von Napoleon wissenschaftliche Expedi-

!

Die von Ihnen erworbene Katzengruppe ist eine dreidimensionale Interpretation der populären Kinderbuchfiguren Tabitha Twitchit und Miss Moppet aus den Kinderbüchern von Beatrix Potter. Im Auftrag des Porzellanherstellers Royal Albert modellierte David Lyttleton diese ansprechende Figurengruppe. Die Bücher von Beatrix Potter sind auch heute noch populär, Gleiches gilt für die Porzellanfiguren, die nach ihren Aquarellen entworfen wurden. Die von Ihnen erworbene Figurengruppe wurde von 1989 bis 1993 produziert und offenbar vielfach verkauft. Aktuell liegt der Verkaufspreis in Auktionen bei 25 Euro. Klaus-Dieter Müller, Auctionata Experte

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Børge Mogens en Børge Mogensen Regina Voges

Ein Sessel wie gemacht für die Schimanskis dieser Welt. Das „dänischste“ aller Sofas. Stühle als Paarmöbel. Funktionale Möbel für kleine Räume. Der dänische Designer Børge Mogensen schuf seit den 1940er-Jahren raffinerte Alternativen zu den üppig-miefigen Plüscheinrichtungen seiner Landsleute. Seine Vision: gutes Wohnen für alle Schichten.

Charles Catteau Charles Catteau

Der spanische Stuhl ist kein Möbel, er ist ein Statement. Wie ein Kampfstier in der Arena behauptet er im Wohnzimmer seinen Platz. Massives Eichenholz bildet den schnörkellosen Rahmen, bei dem der dänische Möbeldesigner Børge Mogensen auf alles Überflüssige verzichtete. Die Armlehnen sind so breit, dass auf ihnen mühelos eine Bierflasche Platz findet. Der Sessel scheint gemacht für die Schimanskis dieser Welt. Sitzfläche und Rückenlehne bestehen aus dickem, cognacfarbenem Kernleder. Ist die Bespannung mit der Zeit doch mal ein wenig durchgesessen, lässt sie sich nachspannen. Das geht so einfach wie mit einem Hosengürtel. An Rück- und Unterseite des Stuhls verjüngt sich das Leder auf die Breite eines Riemens. Verliert die Sitzfläche an Spannung, zieht man den Gürtel ins nächste Loch. Nicht zuletzt diese rückwärtig sichtbare Konstruktion macht das Sitzmöbel zu einem Hingucker. Man sitzt bequem darauf – und mit den Jahren wird der robuste Spanier immer schöner. Urwüchsig und trotz seiner Behäbigkeit elegant proportioniert löste Børge Mogensens „Spanish Chair“ („Spanischer Stuhl“) aus dem Jahr 1958 Begeisterung aus. Der Möbeldesigner befand sich um diese Zeit auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er hätte stolz darauf sein können, ein Möbel entworfen zu haben, in dem viele seiner Landsleute schon bald eine Ikone dänischer Möbelkunst sahen. Der Sessel war perfekt, hatte aber einen schwerwiegenden Fehler: Er war für die meisten Dänen unerschwinglich. Wie kaum ein anderer seiner zahlreichen Möbelentwürfe spiegelt der Spanische Stuhl Charakter und Anspruch seines Designers wider. Børge Mogensen war bodenständig, er liebte und verkörperte perfekte Handwerkskunst. Als Idealist glaubte er daran, dass ein besseres Wohnumfeld auch die Gesellschaft menschlicher machen könnte.

Adolf Erbs löh

Bettina Krogemann

Es waren nicht die Formen, die den Landschaftsmaler und Keramiker Charles Catteau zeitlebens faszinierten, es waren die Dekore, das Entwickeln von Motiven, das Gestalten glänzender oder matter Oberflächen.

Adolf Erbslöh

1880 in der nordfranzösischen Kleinstadt Douai geboren, besuchte Charles Catteau zunächst verschiedene Kurse an der Kunstakademie seiner Heimatstadt, um zu seinen Lieblingswerkstoffen, den keramischen Materialien zu finden. Schon in dieser Zeit zog es ihn in die nahegelegenen Keramikmanufakturen der Nachbarstadt Lille, wo sich viele Künstler und Gestalter der Art nouveau niedergelassen hatten. Sein Gesamtwerk zeigt ein tiefes Gespür für fein und raffiniert durchkonstruierte Dekorsysteme. Catteaus Ornamente konnten figürlich, dabei witzig oder anmutig, lyrisch und poetisch oder, vom aktuellen Kubismus in der Bildenden Kunst abgeleitet, abstrakt-ornamental sein. Besonderes Geschick bewies Charles Catteau bei der Wahl der Farbpaletten, aus denen er lebendige, kontrastreiche, jedoch in sich harmonische Kompositionen schuf. Bei seinen keramischen Werken handelt es sich nicht um Atelierschöpfungen „grand genre“ für den auserlesenen, finanzkräftigen Kunden, sondern um Objekte der angewandten Kunst, die in großen Serien geschaffen und oft über die seinerzeit populären und geschäftstüchtigen Pariser Kaufhäuser vertrieben wurden. Dies ist auch der Grund, warum die Preise für Keramiken von Charles Catteau bis zum heutigen Tag eher moderat sind. Typische Stücke kann der Sammler schon für 500 bis 1.000 Euro erwerben. Damit gehört die Catteau-Keramik als Sammelgebiet zu den Objekten für – salopp gesagt – jedermann, und genau dies steht im Zeichnen seines künstlerischen Selbstverständnisses: Seine Kunst sollte eine „Kunst für alle“ sein, eine soziale, gesellschaftsrelevante Kunst, nicht eine elitäre.

PORZELLANMALER IN SÈVRES Charles Catteau gelang es, als Lehrling an der Malschule der nationalen Porzellanmanufaktur Sèvres angenommen zu werden, wo er 1903 sein Diplom erhielt. Seine Lehrjahre fie-

ab 29.05. im Handel erhältlich Juni 2017 · B 1309 | € 6,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 7,00 | Be/Ne/Lux € 7,50

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

Heidrun Th. Grigoleit

Anlässlich des 70. Todestages von Adolf Erbslöh am 2. Mai 2017 widmen sich drei Ausstellungen dem Leben und Werk des Künstlers: Damit wird ein Maler gewürdigt, der durch seine charakteristische Formensprache ein nahezu unverwechselbares Werk geschaffen hat.

www.gemiverlag.de

Schätzungen Auktionen Ausstellungen Über 2.000 Termine

BØRGE MOGENSEN Dänischer Designer Echo der Antike Ewige Inspirationsquelle Keramik Charles Catteau


032_033_Schallplatten

11.05.2017

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SCHALLPLATTEN 32

.. SCHWARZES GOLD FUR SCHALLPLATTEN-SAMMLER

€ 70-100 Alex (Alexander Wiska (1950 2011) „Same LP” 1973 auf Pan Records Germany, Nr. „87305 IT”, Text-Inlet. Aufgenommen wurde die LP in den berühmten Inner Space Studios (Can), produziert von Holger Czukay und Jaki Liebzeit. Alex war schon in den 1960er-Jahren bei The Famous Four & den Playboys aktiv

€ 50-80 Bamboo „Same LP”, veröffentlicht 1979 auf WEA Germany, Nr. „58077”. Einmaliges Disco-Projekt des österreichischen Multi-Instrumentalisten, Songwriters und Produzenten Karl Johann Hauenstein (1949-2011), bekannt als Gründer und Inhaber des Musikprojekts Supermax

€ 50-80 The Boots „Beat With The Boots And The Sanford Alexander Beat LP”, 1967 auf Telefunken Deutschland, Nr. „SLE 14457-P”. Berliner „Beat-Cover”-Band aus dem Wedding, die auf dieser LP den Sänger wechselten (der Holländer Jacques Eckhard ersetzte Werner Krabbe) und eher orgellastigen „Soulpop” spielten

€ 700-1.000 Wolfgang Dauner (Pseudonym Iris, Inri, Pencil And Psalm) „Rischka’s Light Faces LP”, erschienen 1971 in Deutschland auf CTR Production, Nr. „CTR 34694T). Die Aufnahme in den Orange Recording Studios London entstand einen Tag nach dem „Et Cetera”Album. Eine alternative Version von „Mellodrama” findet sich hier auf Track 4. Beteiligt an diesem Projekt waren Eberhard Weber, Roland Wittich, Fred Braceful, Siegfried Schwab und Wolfgang Dauner € 100-150 Donald Fagen „Kamakiriad LP”, veröffentlicht 1993 auf Reprise Records Europe, No. „9362-45230-1”. Der Sänger und Keyboarder Donald Jay Fagen (geb. 1948 in Passaic/USA) gründete 1972 mit Walter Becker das erfolgreiche Duo Steely Dan, die 1977 für ihr Album „Aja” Platin erhielten. Die „Kamakiriad”-LP führte zu einer Reunion von Steely Dan, da Walter Becker auf Fagens Langspielplatte als Musiker und Produzent wieder mitwirkte

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€ 100-150 The Hand Of Doom „Poisonoise LP”, 1979 als Privatpressung (500 Copies) in der BRD auf Doom Records veröfffentlicht, Nr. „001”, mit Textblatt. Bad Hersfelder „Heavy”-Band, Namensgeber war ein Black Sabbath-Song

€ 200-300 George Michael (1963-2016) „Faith LP-Box”, erschienen 2011 auf Epic Sony No. „88697628372”. Die Erstpressung (2.000 Copies) beinhaltet Vinyl-LP, 2 CDs, DVD, Buch, Memorabilia-Envelope und eine handnummerierte Lithografie

€ 40-70 Pat & Paul (Renate & Paul Schweers) „Bleib Doch Nicht Allein Zu Haus 7 Inch“, 1969 auf Somerset BRD, Nr. „S 1005 D”. Das Ehepaar aus der Lüneburger Heide produziert noch heute volkstümliche Musik für andere Interpreten


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€ 150-200 The Pedards „Pet Arts DoLP”, 1971 Liberty BRD, Nr. „LBS 83481”. Die 1966 gegründete „Beat”- und „Psychedelic”-Band organisierte auch die beiden ersten Bad Herzberg-Festivals (1970/71)

€ 150-200 The Rogues „Wanted: Dead Or Alive/One Day 7 Inch”, erschienen um 1967 auf Ariola BRD, Nr. 19060AT”. Alternative Version mit geänderten Texten des Hendrix-Klassikers „Hey Joe”, der von Kim Fowley produziert wurde

€ 150-200 Tyrannosaurus Rex „Unicorn LP”, 1969 auf Regal Zonophone UK, No. „LRZ 1007”, Monopressung, GatefoldSleeve. Das kongeniale Duo Marc Bolan (aka Mark Feld 1947-1977) und Steve Peregrin Took (aka Stephen Ross Porter 1949-1980) wurde von dem Radio-DJ John Peel entdeckt. Die LP produzierte Tony Visconti und landete damals auf Platz 12 der UK-Album-Charts

€ 50-80 Vorkriegsphase „Scheiss Krieg 7 Inch EP”, veröffentlicht 1983 auf Rock-ORama Records BRD, Nr. „RRR 23”. Früher deutscher „HC Punk” aus Kaufbeuren, die sich vorab „Haarnsäure” und „Kalaschnikow” nannten und wie so viele PunkActs im legendären Dorf-Gasthof Zur Post in Ampermoching bei Dachau auftraten

€ 150-200 The Yardbirds. „Little Games LP”, 1967 Epic BRD, Nr. „BN 26313”. Das Album wurde von dem Amerikaner Micki Most produziert, der vorab großen Erfolg mit den Herman’s Hermits und Donovan hatte

€ 60-100 V. A. „Jazz Wien - Berlin 10 Inch”, erschienen 1956 auf Jazztone Records Germany, Nr. „J 1038”. Split-LP der „Cool Jazzer” um Antonio Hans Cyrill Koller (1921-2003 Wien) und Helmut Brandt (1931 Berlin-2001 Stuttgart)

€ 200-300 V. A. „Teenbeat 1 EP”, erschienen 1964 auf Ariola Deutschand, Nr. „S 41137 CT”. Seven Inch mit den Hamburger Star Club Nachwuchs-Bands The Rattles, The Four Randers (wohl auf dem Cover falschgeschrieben, richtig wäre The Four Renders!) und The Broom Town Band (Spaß-Band, damals berüchtigt für ihren abgedrehten „Forellen-Twist”) € 50-80 The Smiths „Same LP”, 1984 auf Rough Trade UK, No. „Rough 61”. Debütalbum der 1982 in Manchester gegründeten Band um Johnny Marr und Steven Patrick Morrissey, die damals zwar kaum Platten verkauften, aber heute einen gewissen 80ies-Kultstatus besitzen

Alle angegebenen Schallplattenpreise verstehen sich als ungefähre Richtpreise, die bei Internet-Auktionen, Schallplattenbörsen, Sammler-Foren, Festpreislisten, Privatverkäufen etc. erzielt oder angeboten wurden. Die Preise gelten in der Regel für Mint/Mint- Exemplare (neuwertig bzw. minimale Gebrauchsspuren).

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ONLINETIPP 99

n Etliche Kriminalromane werden als literarisch herausragend betrachtet, einige dienten als Vorlagen für erfolgreiche Fernseh- und Kinofilme und Detektive wie Sherlock Holmes, Miss Marple oder Hercule Poirot sind kaum weniger bekannt als Romanhelden wie James Bond oder Winnetou. Andere Krimis sind literarisch weniger anspruchvoll und werden als Groschenhefte und Schundliteratur bezeichnet, sind mit Figuren wie Jerry Cotton oder Kommissar X aber nicht weniger bekannt. Allen ist gemeinsam, dass sie gelesen und gesammelt werden und natürlich auch ihre Spuren im Internet hinterlassen haben.

KRIMINALROMANE n Das rororo Thriller-Archiv In der Reihe rororo-thriller des RowohltVerlages sind seit 1961 über 1000 Kriminalromane erschienen. Das Archiv eines Sammlers präsentiert die Ausgaben nach Nummern sortiert, mit Angabe des Titels, der ISBN und des Erscheinungsdatums. Dazu kommt ein alphabetisch geordnetes Autorenverzeichnis und als Bilder sind die Buchrücken in Regalen zu sehen. Außerdem sind Hinweise zu der Reihe und einige Kuriositäten vorhanden. www.bene-semper.de

n Krimi-Couch Hier wird zwar keine Sammlung vorgestellt, doch sind viele für Sammler interessante Informationen vorhanden. Nach vielen Kriterien, z. B. Autoren, Ländern, Schlagwörtern usw. und mit umfangreichen Suchfunktionen lässt sich in einer über 15.000 Bände umfassenden Bibliothek einschließlich vieler alter Ausgaben stöbern, deren Titel dann mit Inhaltsangaben, Bildern, Kurzbiografien der Autoren usw. präsentiert werden. Auch Hörbücher werden vorgestellt.

n Jerry Cotton-Archiv Schon seit Jahrzehnten ermittelt Jerry Cotton in der erfolgreichsten Serie deutschsprachiger Kriminalhefte und wurde zur bekanntesten Figur des BasteiVerlages, welcher ein Archiv mit den bisher erschienenen Heften und Hintergrundinformationen zu dem FBI-Agenten bietet. www.bastei.de/indices/index_allgemein_639. html

n Das Kriminalhaus Das Kriminalhaus enthält das Deutsche Krimi-Archiv mit über 30.000 Bänden und kann in Hillesheim besichtigt werden, einschließlich Lesemöglichkeiten. Die Homepage enthält Hinweise zu den Exponaten, Öffnungszeiten, Anfahrt usw. Neben den Büchern bietet das Haus auch reichlich Utensilien aus der Welt der Kriminalistik und eine umfangreiche Sammlung mit Krimi-Spielen. www.kriminalhaus.de

n Butler Parker Sehr ausführlich werden hier die Kriminalfälle des Amateurdetektivs Butler Parker mit viel Bildmaterial und noch mehr Informationen, darunter einer 64 Seiten umfassenden Titelliste als pdf-Datei, präsentiert. Auch Hinweise zu Autoren, Schauplätzen, Verlagen und Neuauflagen sind vorhanden. www.butler-parker.de

www.krimi-couch.de

n Krimisammlung Hier wird eine üppige Sammlung mit 5.500 Kriminalromanen vorgestellt, sortiert nach Verlagen und innerhalb dieser nach Nummern. Bei vielen Büchern sind neben der Titelangabe auch Hinweise zu den Erscheinungsjahren und Bilder vorhanden. Eine weitere Möglichkeit zur Suche nach bestimmten Titeln bietet das alphabetisch geordnete Autorenverzeichnis mit Angaben zu deren Werken bei verschiedenen Verlagen, etlichen Bildern und weiteren Kurzinformationen. Ein umfangreiches „Special" beschäftigt sich mit den Werken von Agatha Christie. www.volker-niermann.de/krimis 06 / 17


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BLECHSPIELZEUG 106

MÄUSE LUDGER SPIELBERG

Mit „Ein Spielzeug- und Scherzartikel seltener Güte" warb der bekannte Spielwarenhersteller Schreyer & Co. aus Nürnberg 1929 für ein auf den ersten Blick kleines und unscheinbares Blechspielzeug, und noch 25 Jahre später wurde es in einem Großhändlerkatalog als „Ein herrlicher Scherzartikel" vorgestellt. Einige skurril gestaltete Blechspielzeuge mit überraschenden Funktionen können durchaus auch als Scherzartikel betrachtet werden, doch in der Welt mechanischer Tiere gab es dafür nur einen Kandidaten: die Maus.

deutschen Blechspielzeugfabriken, von winzigen Marienkäfern und anderen Krabbeltieren über Schmetterlinge, Federvieh, Katzen, Hunde, Schweine und Pferde bis zu Elefanten und Walen. Der größte Teil der Tierproduktion bezog sich in Deutschland auf die heimische und damit den Kindern vertraute Fauna. Hin und wieder erschienen auch Pinguine, Affen oder Kängurus als Neuheiten, aber exotisches Getier wurde meistens so gestaltet, wie es den Menschen aus dem Zirkus bekannt war, also komisch bekleidet oder als Dressurnummer. Bären, Elefanten und Affen kamen vorwiegend als Zirkusversionen in die Kinderzimmer. Faultiere, Fledermäuse, Würmer oder Tintenfische sind als mechanische Spielzeuge noch nicht gesichtet worden. Blechspielzeug sollte fast immer so aussehen und funktionieren wie das große Vorbild. Das war bei Eisenbahnen, Automobilen, Schiffen, Dampfmaschinen, Karussells, Motorrädern usw. keine besondere Herausforderung, aber MenschenDie Uhrwerkmaus mit Gummiohren biegt nach einer kurzen Laufstrecke immer wieder automatisch rechts ab. Gekennzeichnet mit „Made in West Germany", um 1960 und später. Hersteller J. G. Schopper, Zirndorf. Länge ohne Gummischwanz 85 mm. 1961 betrug der Ladenpreis 1 DM. – Die detailliert gestaltete Maus mit Lederohren entstand um 1950 in Japan. Mit dem Schwungradantrieb bewegt sie sich in mäßigem Tempo nur etwa 30 cm vorwärts. Gekennzeichnet „Made in occupied Japan". Länge ohne Schwanz 90 mm. – Die „Mikifex" von Schuco mit Samtbezug. Details und Funktionsbeschreibung s. Katalogabbildung

Mechanische Tiere „Macht Zuck- und Sprungbewegungen wie eine richtige Maus, läuft, fällt um und steht wieder auf", hieß es in der vollständigen Beschreibung von Schreyer & Co. (Schuco) weiter. Echtes oder gespieltes Entsetzen mag es durchaus gegeben haben, wenn die von einem Kind in einer Zimmerecke oder unter einem Schrank gestartete Maus plötzlich über den Küchenboden raste und der erschrockenen Großmutter vor die Füße sprang. Über viele Jahrzehnte hinweg verließen unzählige mechanische Tiere aller Art die 06 / 17


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BLECHSPIELZEUG 107 zeug fertigen. Käfer waren für die Unterbringung von Uhrwerken und eine Handhabung durch Kinderhände zu klein und mussten größer dargestellt werden, die beliebten Haus- und Nutztiere waren erheblich zu verkleinern. So boten sich fast nur Frösche, spatzengroße Vögel und Schmetterlinge an, die auch in optisch

Die „Mikifex" von Schuco mit Schrumpflackierung. Details und Funktionsbeschreibung s. Katalogabbildung. – Mikifex und Wendemaus 1022 mit ausführlichen Beschreibungen im Schuco-Katalog. Um 1955. Die Verkaufspreise lagen zu dieser Zeit für die Mikifex mit Samtbezug bei 3 DM, für die Wendemaus bei 2,50 DM. Den Artikel 1022, die Wendemaus, gab es auch in weißer Ausführung. – Auf den ersten Blick eine graue Maus wie viele andere auch. Tatsächlich beherrscht die „Wendemaus 1022" von Schuco aber einen ganz besonderen Trick. Details und Funktionsbeschreibung s. Katalogabbildung. Der Ladenpreis war 1961 mit 3,50 DM recht hoch, denn dafür gab es z. B. aus Blech auch einen Omnibus von Kellermann, ein mechanisches Motorrad von Tipp & Co., einen zwitschernden Spatzen von Köhler, das SchucoAuto „Mirako-Car" (ebenfalls mit der Wendefunktion) oder drei Mäuse von J. G. Schopper figuren mit halbwegs natürlichen Bein-, Arm- und Kopfbewegungen zu konstruieren, gelang mit den einfachen Uhrwerkantrieben der Blechspielzeugindustrie nur eingeschränkt, und bei fast allen mechanischen Tieren mit einer großen Bewegungsvielfalt war dies schier unmöglich. Die Konstruktion einer unscheinbaren und langsam kriechenden Schnecke wäre sicher machbar, als äußerst langweiliges Spielzeug aber wohl kein Verkaufserfolg gewesen. Ein frei fliegender Blechvogel war eine Unmöglichkeit, ihn optisch attraktiv zu gestalten, mit beweglichen Flügeln, einer Hüpf- oder Pickfunktion auszustatten aber durchaus im Rahmen des Machbaren. Bemerkenswerte Exemplare dieser Art entstanden in den 1950er-Jahren bei der Nürnberger Spielwarenfabrik Georg Köhler, in deren Werbung es zu dieser Zeit hieß: „Wir machen der Natur durch Mannigfaltigkeit und Einfälle Konkurrenz". Ein bunter Singvogel, der zwitschern und dabei noch Schnabel, Kopf, Schwingen

und Schwanz bewegen konnte, zählte zu den funktionsreichsten Tieren der deutschen Blechspielzeugindustrie; ebenso wie ein Rabe, der laut krächzen, hüpfen, Schnabel, Kopf, Schwanz und Flügel durch ein Uhrwerk in Bewegung setzen konnte. Nur sehr wenige Tiere ließen sich in ihrer natürlichen Größe als Blechspiel-

sehr gefälligen Ausführungen erhältlich waren, aber die Bewegungsmöglichkeiten ihrer Vorbilder nur andeuten konnten.

Die Maus Eine Ausnahme gab es allerdings auch noch: die Maus. Die Größe ausgewachsener Hausmäuse mit Längen von ca. 7 cm bis 11 cm bot auch in Spielzeugform im Innern ausreichend Platz für ein Uhrwerk mit vielen beweglichen Teilen und die optische Gestaltung verlangte nicht viel mehr als einen grauen Körper mit Ohren, Augen und Schwanz. Es wirkt allerdings etwas erstaunlich, dass mehrere Hersteller viele Jahrzehnte fast naturgetreue Spielzeugmäuse produzierten, denn ihre Vorbilder konnten enorme Schäden anrichten, wa06 / 17


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ren zumindest im Haus äußerst unbeliebt und wurden lieber tot als lebendig gesehen. Die ersten blechernen Spielzeugmäuse dürften kleine, um 1910 entstandene Schiebetiere gewesen sein; fernab von jeder Verwechslungsgefahr mit lebenden Exemplaren. Die Miniaturisierung von Uhrwerken erlaubte deren Einbau auch in kleinere Spielwaren und im UniversalSpielwaren-Katalog von 1924 mit seiner recht umfassenden Übersicht über die damals erhältlichen Blechspielwaren sind mehrere Mäuse mit eigenem Antrieb enthalten. Als die Nürnberger Firma Schuco, für ihre oft mit mechanisch verblüffenden Effekten ausgestatteten Spielwaren bestens bekannt, die Mäuseproduktion aufnahm, wurde es turbulent im Kinderzimmer. Nun mussten sich auch die anderen Hersteller mehr einfallen lassen als nur langweilige und über den Boden rollende Nager. Die Roll-Maus von Schuco sah mit ihrem Samtbezug über dem Blechkörper nicht

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nur wesentlich natürlicher aus als die reinen Blechmäuse, sie verfügte auch über ein bis dahin nicht bekanntes Bewegungsrepertoire. Aus der Beschreibung von 1929: „Das eingebaute Schwungrad, der tief gelagerte Schwerpunkt sowie die besondere Rundung des Körpers lassen die Maus die Zuck- und Sprungbewegungen einer lebenden Maus täuschend ähnlich vollführen. Sie läuft im Zickzack, fällt um und steht wieder auf. Rädchen mit eingefügten Gummischeiben sorgen für geräuschlosen Lauf (...)." Auch später entwickelte Schuco-Mäuse führten verblüffende Bewegungsabläufe vor (s. Katalogabb.) und die nur 5 cm lange Trick-Maus mit einem grauen Samtüberzug erzielte auch ohne eigene Antriebsquelle überraschende Effekte. Aus der Beschreibung: „Ein feiner, kaum sichtbarer Faden, den man auswechseln kann und der unauffällig am Kopf der Maus angebracht ist, ist das Geheimnis des Tricks. Wird der Faden an einem Kleidungsknopf befestigt und die Maus auf eine Handfläche gesetzt, so hat es, wenn man die Hand wegzieht und an ihre Stelle die andere Handfläche treten läßt, den Anschein, als würde die Maus laufen. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn das Wegziehen der Hände abwechselnd schnell und langsam erfolgt. Ähnliche, verblüffend wirkende Täuschungen lassen sich noch mehr vollführen." Sogar Katzen reagieren, wenn auch meistens eher irritiert, auf die kleinen Meisterwerke von Schuco. Bis zur Insolvenz 1976 produzierte Schuco noch mechanische

Der Blechkörper dieser Maus mit Lederohren ist mit Samt überzogen. Der urspünglich schwarze Schwanz wurde hier durch ein rotes Gummiband ersetzt. Das aufgezogene Uhrwerk setzt sich erst beim Bodenkontakt in Gang und dann rast die Maus mit erheblichem Tempo los, wechselt ständig die Laufrichtung und überschlägt sich mehrmals seitlich. Gekennzeichnet „Made in Japan", Um 1960. Länge ohne Schwanz 95 mm. – Weiße Mäuse von Georg Köhler, Nürnberg, mit Filzohren, Glasaugen und Uhrwerkantrieb für die Geradeausfahrt. Gekennzeichnet „Germany". Länge ohne Schwanz 70 mm. – Die Maus bewegt sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Mit aufgezogenem Uhrwerk rollt sie auf zwei Rädern zunächst langsam vorwärts, beschleunigt dann rasant, wird langsamer, beschleunigt erneut usw. Gekennzeichnet mit „Made in US-Zone Germany", hergestellt von Hammerer & Kühlwein (HK), Nürnberg und Fürth. Länge ohne Gummischwanz 82 mm. 1957 erschienen bei HK als Neuheit Mäuse mit Schwungradantrieb. – Eine Neuheit in der mechanischen Tierwelt war dem „Wegweiser für Spielwaren" in der Ausgabe vom Juni 1935 ein redaktioneller Hinweis wert. Bei dem namentlich nicht genannten Hersteller handelt es sich wahrscheinlich um Hammerer & Kühlwein. – Unter den Neuheiten des Jahres 1950 präsentierten die Gebrüder Schmidt auch eine mechanische Blechmaus mit Filzüberzug und Schwungradantrieb. Anzeige aus der Fachzeitschrift „Das Spielzeug", Ausgabe Juli 1950 Mäuse und Anfang der 1980er-Jahre waren immer noch Exemplare im Handel erhältlich.


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BLECHSPIELZEUG 109 sierbaren Kletterfähigkeit versuchte sich auch kein Hersteller.

Katz und Maus

Wendemaus und Mikifex Zu dieser Zeit deckten sich Sammler gern mit den preiswerten Restbeständen der Spielwarengeschäfte ein, weshalb auch heute noch die „Wendemaus" und die „Mikifex" in neuwertigem Zustand mit der Originalverpackung oft zu finden sind. Noch viele Jahre länger war die Maus von J. G. Schopper (s. Abb.), das letzte Blechexemplar aus deutscher Produktion, im Handel. Nur wenige deutsche Blechspielzeughersteller führten natürlich wirkende Mäuse in ihrem Sortiment und wenn überhaupt, dann meistens nur ein Modell. Neben dem vielseitigen Schuco-Sortiment entstanden nur bei der bereits erwähnten Firma Köhler zwischen ca. 1938 und 1960 mehrere Uhrwerk- und Schwungradversionen, die, ganz anders als viele andere funktionsreiche Tiere des Unternehmens, lediglich Kurven- und Geradeausfahrten beherrschten. Sie unterschieden sich nur durch die geringe Größe und die weißen Körper mit den auffälligen roten Augen von den sonst auch eher simplen Mäusen der Konkurrenz. Technisch hatte Schuco wohl auch alle Möglichkeiten mechanischer Mäuse verwirklicht und an der nicht reali-

Die hier vorgenommene Beschränkung auf halbwegs realistisch gestaltete Mäuse in natürlicher Größe bedeutet nicht, dass es keine anderen Mausspielzeuge in der Blechspielzeugwelt gab. Im Gegenteil: Etliche Darstellungen zeigen Mäuse und Katzen miteinander, wobei beide Tiere natürlich erheblich zu verkleinern waren. Die Spielabläufe mit dem fliehenden Mäuschen und einer jagenden Katze ähnelten sich sehr, denn es gab nur eine Konstruktionsmöglichkeit. Maus und Katze mussten miteinander verbunden werden, meistens mit einer kurzen Blechstange zwischen dem Hinterteil der Maus und dem Maul oder den Tatzen der Katze. So führte die Jagd für die Katze mit dem Uhrwerkantrieb immer zum gleichen Misserfolg, denn niemals konnte sie die Beute erreichen. Auch Kombinationen von Mäusen und Käfigfallen wurden gefertigt.

Comic-Mäuse Wer auf Spielzeug- oder Trödelmärkten bunten Blechmäusen begegnet, hat meistens asiatische Exemplare vor sich. Sie kamen gegen Ende der 1960er-Jahre nach Deutschland und auch aktuell bietet der auf Nostalgieprodukte spezialisierte Handel mechanische Blechmäuse aus Fernost an; nicht als Kinderspielzeug, sondern als Sammlerartikel. Eine ganz andere Welt bieten die vielen Comic-Mäuse. Mit der berühmten und beliebten DisneyFigur hatten auch die Blechspielzeughersteller ein neues und umsatzträchtiges Motiv. Die Micky Maus war der Wegbereiter für eine Vielzahl anderer lustiger Mausdarstellungen, bei denen wiederum Schuco mit kreativen Ausführungen sehr erfolgreich war. Nun sorgten Karikatur-, Tanz-

Eine gemischte Mäuseschar mit verschiedenen Fähigkeiten; Zusammenstellung aus den Katalogen der Großhändler L. Bierer (1938) und Fritz Pfeiffer (1939), beide aus Fürth. Oben: Figuren fahrende Mäuse, Dutzendpreis links 5,50 RM, rechts (Hersteller Georg Köhler, Nürnberg) 3,45 RM je Dutzend. Zweite Reihe von oben mit Schuco-Mäusen: Links die schon seit 1929 produzierte Rollmaus, rechts die nicht vom Tisch fallende Wendemaus. Damalige Preise 6 RM bzw. 3,95 RM je Dutzend. Dritte Reihe von oben: Links eine kleine Laufmaus mit Chenilleschwanz und Gummimotor. Eine im Mauskörper befindliche und mit einem Gummiband befestigte Rolle sorgt dabei für den Antrieb. Durch Ziehen an der Schnur wickelt sich diese ab, dabei dreht sich die Rolle und verdrillt das Gummiband; anschließend dreht sich die Rolle zurück und setzt die Maus in Bewegung. In dieser Bauart stellte die Firma Hammerer & Kühlwein aus Fürth kleine Käfer her; es ist also denkbar, dass auch die Maus von diesem Produzenten stammt. Allerdings sind ähnliche Exemplare mit der Beschreibung „mit Gummi, selbstlaufend" auch schon in Katalogen aus der Zeit um 1910 nachweisbar. Rechts daneben eine Uhrwerkmaus für die Geradeausfahrt von J. Distler, Nürnberg. Die Maus mit dem Gummimotor kostete 0,60 RM je Dutzend, das Exemplar von Distler 2,25 RM für 12 Stück. Unten: Pennytoy-Maus ohne Antrieb der Gebrüder Einfalt/Technofix, Nürnberg. Preis je Dutzend 0,45 RM. – Gut zu erkennen sind hier unterschiedliche Herstellungsmethoden. Bei den beiden linken Mäusen bestehen die Oberkörper aus einem Stück Blech mit eingesetzten Ohren und Augen. Bei den rechten Exemplaren wurden die Details ganz oder teilweise auf die beiden zusammengefügten Körperhälfen gedruckt und Turnmäuse aus Nürnberg mit einer großen Bewegungsvielfalt für Heiterkeit im Kinderzimmer. Schon Mitte der 1930erJahre übertraf die Zahl der Comicdarstellungen die der schlichten grauen Nager deutlich, es entstanden reichlich fantasievolle Exemplare. Aus den grauen Mäusen wurden Wesen auf zwei Beinen, oft bunt bedruckt oder mit Filz bekleidet. Sie waren mit Fahrzeugen unterwegs, turnten, spielten mit Gegenständen, tanzten und musizierten. Aber hier führt der Weg schon in ein anderes Sammelgebiet. Fotos: Ludger Spielberg


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FUNDSTÜCKE 114

FLOHMARKTPREISE

■ Keramik Henkelvase, gemarkt Villeroy & Boch (V&B im Kreis sowie Buchstabe „S“ darunter), Schramberg, Stempelmarke 1887-1900, Maße circa 35 x 18 x 14 cm.1883 wurde die Steingut- und Majolikafabrik Uechtritz und Faist (1829 gegründet) an Villeroy & Boch verkauft. Schon 1912 trennte sich Villeroy & Boch wieder von der Keramikmanufaktur. Eigentümer wurden die Brüder Meyer, die 1938 von den Nationalsozialisten (durch die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens) gezwungen wurden, ihre Firma zu verkaufen. Nach der Emigration nach Großbritannien existierte die Schramberger Traditionsfirma wieder von 1949 bis zu ihrer Schließung 1989. Sehr schön erhaltene dekorative Keramik-Prunkvase aus der Frühphase der Villeroy & Boch-Produktion in Schramberg. Bei Sammlern dürfte dieses Objekt mit 150 bis 200 Euro zu bewerten sein. Flohmarktpreis: 75 Euro

■ Spielzeug „Police Partol PD No. 3”, gemarkt „T.N.” (in Raute), Hersteller Toys Nomura, 1950er-/ 60er-Jahre, made in Japan. Mechanisches Blechspielzeug mit Batterieantrieb, Motorhaube zum Öffnen (mit lithografiertem Motor und „echtem“ Plastik-Propeller), frontseitig Beleuchtung und Motorgeräusch im Betrieb. Offener Jeep mit zwei Polizei-Fahrerfiguren, lithografiertes Armaturenbrett, Lenkrad, im hinteren Fahrzeug-Teil großes Funkgerät mit Antenne, am Heck Benzinkanister und Ersatzrad. Die 1923 in Tokio gegründete Firma Toys Numura war in den 50er-/60er-Jahren einer der größten und erfolgreichsten Blechspielzeug-Hersteller Japans. Berühmt wurde die Firma durch den von Robert Kinoshita entworfenen „Robby The Robot“, der in dem Science Fiction-Klassiker „Forbidden Planet“ (1956) Berühmtheit erlangte. Dieses Fahrzeug ist die größte „Police Patrol“-Ausführung mit 35,5 cm Länge. Es existieren noch circa sieben weitere Versionen mit einer Länge von 26 cm, darunter ein Modell für den deutschen Markt mit der Aufschrift „Polizei“. Modelle mit leichten Gebrauchsspuren und fehlender Originalverpackung könnten wohl 100 bis 200 Euro erzielen.

Exemplaren und mehreren weiteren Auflagen rasch zum wichtigsten Dokument der literarischen Subkultur der späten 60erJahre. ACID, diese legendäre Sammlung US-amerikanischer Underground-Literatur, strotzte vor provokativen Texten (Charles Bukowski, William S. Burroughs, John Giorno, Michael McClure etc.) sowie anzüglichen Zeichnungen/Kollagen. Ein interessanter und zeitgenössischer Einblick in die damals noch so „junge BRD". Preislich (je nach Zustand) zwischen 50 bis 100 Euro anzusiedeln. Flohmarktpreis: 40 Euro

Flohmarktpreis: 85 Euro

■ Literatur Originalausgabe „ACID Neue amerikanische Szene", Rolf Dieter Brinkmann (19401975) und Ralf-Rainer Rygulla (Hrsg.), erschienen im März Verlag Frankfurt 1969, Paperback, 419 Seiten, 550 g., GitterSchutzumschlag. „Gute Literatur muss abgeschafft werden, das heißt, was wir immer so unter guter Literatur verstanden haben", sagte Jörg Schröder (März Verlag) 1969 und bekannte sich anschließend zu den jungen amerikanischen Autoren. Der März Verlag (gegründet im März 1969 in Frankfurt) mit dem markanten gelbrot-schwarzen Schutzumschlag war eine Institution literarischer Gegenkultur in Deutschland und damals einfach anders als der zeitgenössische Mainstream. ACID wurde mit einer Startauflage von 20.000 06 / 17

Erscheinungstermin Juli-Ausgabe: Abo-Versand 19.06.2017 Erstverkaufstag Handel 23.06.2017


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Termine im Juni 01 Do Essen-Bergeborbeck Autokino Essen, Sulterkamp

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04 So Köln-Marsdorf

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05 Mo Köln-Marsdorf

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07 Mi Köln-Porz-Eil

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08 Do Essen-Bergeborbeck Autokino Essen, Sulterkamp

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10 Sa Köln-Porz-Eil

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15 Do Essen-Bergeborbeck Autokino Essen, Sulterkamp (Feiertagsmarkt) Anton 15 Do Köln-Poll

Handelshof, Rolshover Straße, überdacht

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17 Sa Köln-Porz-Eil

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21 Mi Köln-Porz-Eil

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22 Do Essen-Bergeborbeck Autokino Essen, Sulterkamp

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24 Sa Köln-Porz-Eil

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25 So Köln-Godorf

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