Page 1

U1_Titel_T_0118.qxp_TR Titel 07.12.17 11:33 Seite 1

Europas Sammlermagazin

01/2018 64419

• € 4,90

Schweiz CHF 8,50 | Österreich € 5,50

Neujahrskarten Porzellan


U2_Junge

07.12.2017

13:03 Uhr

Seite 1

www.junge-maerkte.com

www.owl-maerkte.de

www.owl-maerkte.de

www.marktcom.de


03_Inhalt

07.12.2017

13:04 Uhr

Seite 3

INHALT 3

TRÖDLER

ISSN 1863-0340

VERLAG

GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: http://www.gemiverlag.de eMail: info@gemiverlag.de

GESCHÄFTSFÜHRER

Gerd Reddersen Rudolf Neumeier

CHEFREDAKTEUR

Karl Ruisinger eMail: karl.ruisinger@gemiverlag.de

REDAKTION

Nicola Fritzsch, Joscha Eberhardt, Karin Probst, Helene Stümpfle-Wolf

■ Expertenauskünfte

6

MAGAZIN ■ Ausstellungen – Messen – Märkte

PORZELLAN

12

■ Meissen

AUKTIONEN

20

■ Berichte – Preise – Termine

AUTOREN DIESER AUSGABE

Reinhard Bogena, Hans-J. Flamm Heidrun Grigoleit, Peter Leuter

REDAKTIONSASSISTENZ

Heike Genz

TERMINE

Anette Wagner, Tel. 08441/4022-35 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34 eMail: termine@gemiverlag.de

■ Schwarzes Gold für Sammler

LITHOS, SATZ, HERSTELLUNG

Westner Medien GmbH (Anschrift siehe Verlag)

ONLINETIPP

ANZEIGEN

Markus Westner, Tel. 08441/4022-13 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34

KLEINANZEIGEN

Heike Genz, Tel. 08441/4022-18 Marlene Westner, Tel. 08441/4022-12

PAPIER

VERTRIEB

Gerd Reddersen

■ Neujahrswünsche

ZEITSCHRIFTENHANDEL

VU Verlagsunion KG

MARKTVERTRIEB

Jörg Kirschbaum Mobil 0172/4436638

ABOVERWALTUNG

Gemi Verlags GmbH Postfach 85291 Reichertshausen Tel: 08441/4022-0 Fax: 08441/71846 eMail: info@gemiverlag.de

DRUCK

4

LESERFORUM

30

SCHALLPLATTEN

33

■ Websites für Sammler

70 76

BLECHSPIELZEUG ■ CKO Rollo

86

DESIGN ■ HfG Ulm

westermann druck Gmbh

FUNDSTÜCKE

98

■ Flohmarktpreise

TERMINE UND ANZEIGEN ERSCHEINUNGSWEISE

monatlich

TITELFOTOS

Reinhard Bogena Peter Leuter

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM.

■ ANTIKMARKTTERMINE ■ SAMMLERBÖRSENTERMINE ■ AUSLANDSTERMINE ■ REGELMÄSSIGE TERMINE ■ FLOH- UND TRÖDELMARKTTERMINE ■ KLEINANZEIGEN IN DER SAMMLERBÖRSE

Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/11 (Preise gültig seit 01.08.2006)

01 / 18


04_05_Leserforum

07.12.2017

13:04 Uhr

Seite 2

LESERFORUM 4

EXPERTISEN

■ Gläsersortiment

?

Ich besitze ein ganzes Sortiment unterschiedlichster Gläser. Manche sind eingefärbt, andere geschliffen, das blaue Glas links hat als einziges einen sechseckigen Fuß, die anderen alle einen runden. Die Gläser sind in etwa 14 cm hoch. Können Sie mir sagen, wann und wo dieses Gläser hergestellt wurden und welchen Wert sie darstellen? Carolin Siemering, o.O.

!

Das ganz linke Glas mit blauem Überfang und Schälschliff wurde wohl von Baccarat hergestellt, Serie Genova. Das Stängelglas daneben mit breitem geätztem Goldrand könnte von Theresienthal hergestellt worden sein. Das Likörglas mit Schliffdekor daneben ist auf dem Foto kaum zu erkennen, vermutlich aber ein deutscher oder böhmischer Hersteller, um 1930. Auch bei den restlichen Gläsern mit farbiger Kuppa, Schliffdekor und wohl Glanzgold-Vergoldung, alle vermutlich Anfang 20. Jahrhundert, lässt sich der Hersteller wohl nicht ermitteln. Der Produktionszeitraum für das Konvolut ist mit 1900 bis 1950 anzusetzen. Ein Schätzpreis wäre 70 bis 90 Euro.

wurde vermutlich vor nicht allzu langer Zeit in China nach japanischem Vorbild hergestellt. Das Netsuke hat daher nur einen dekorativen Wert von unter 50 Euro. Klaus-Dieter Müller, Lüneburg

■ Stoffpudel

?

Bei diesem Pudel handelt es sich um ein älteres Stofftier, das leider keinerlei Hinweise mehr auf einen Hersteller aufweist. Seine Gliedmaßen sind beweglich. Können Sie erkennen, ob es sich um ein Produkt einer bekannteren Marke handelt? Claudia Heinrich, o. O.

!

Der Pudel „Snobby“ war im Jahr 1953 eine Neuheit und wurde in drei Farben – schwarz, weiß und grau – von der Firma Steiff hergestellt. Diesen Mode-Hund mit moderner Schur gab es jeweils in den Größen 10, 14, 22, 35 cm und 43 cm. Bei Ihrer Version handelt es sich offensichtlich um eine der größeren Nummern; leider fehlt bei Ihrer Beschreibung eine Größenangabe. Der graue „Snobby“ wurde ein Jahr nach der schwarzen und der weißen Version – also ab 1954 – produziert, wobei die unterschiedlichen Größen verschieden lang im Programm aufgeführt sind. Die genaue Produktionszeit für die Nummern in 22 cm und 35 cm ist 1954 bis 1974; die größte Nummer mit 43 cm wurde dagegen nur von 1955 bis 1968 hergestellt. Ihr „Snobby“ hat noch die ursprünglichen Glaseckaugen und stammt aus der Zeit

Klaus-Dieter Müller, Lüneburg

■ Netsuke

?

Gerne wüsste ich mehr über dieses Netsuke in Form einer Katze aus Buchsbaum. Es ist circa 4,5 cm lang, mit Löchern und Signatur auf dem Bauch. Ursula Simon, o.O.

!

Das Netsuke aus Nussbaum mit eingelegten Augen aus Glas und Intarsie aus Kunststoff mit dem Namenszug Shao (?)

■ In dieser Rubrik beantworten unsere Experten Ihre Fragen zu dem einen oder anderen guten Stück. Doch leider sehen wir uns außerstande, ganze Nachlässe oder sämtliche sich in Ihrem Haushalt befindlichen Trouvaillen bewerten und schätzen zu lassen. Auch bitten wir um Verständnis, wenn es mit der Bearbeitung länger dauert. Senden Sie uns also Ihre Anfrage nur zu einem zu bestimmenden Objekt – mit detaillierter Beschreibung und gutem Foto, auf dem das Objekt ganz abgebildet ist. Noch ein Hinweis zu den Preisen, die von Fall zu Fall von unseren Experten genannt werden: Hierbei handelt es sich um Richtwerte, die anhand von Fotos allein getroffen werden und je nach Zustand des Objekts nach oben oder nach unten korrigiert werden können. Ihre Anfrage schicken Sie bitte an: Gemi Verlags GmbH Redaktion Leserforum Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen

01 / 18


04_05_Leserforum

07.12.2017

13:04 Uhr

Seite 3

LESERFORUM 5

!

um 1960. Bei diesem Steiff-Tier handelt es sich um in großen Mengen produzierte Tiere, die im vorliegenden Erhaltungszustand ohne komplette Warenzeichen (Knopf, Fahne, Brustschild) vor allem ideellen Wert besitzen. Sie sind regelmäßig in OnlineAngeboten zu bekommen.

In den 1970er-Jahren waren die Preise für antike Gegenstände aus Zinn sehr hoch. In dieser Zeit wurden viele Reproduktionen hergestellt, dann jedoch aus sogenanntem Reinzinn mit einem Feinheitsgehalt von 95% Zinn. Alle Gegenstände mit dieser Prozentangabe sind also nach 1970 hergestellt worden. In diesem Fall von der noch heute existierenden Firma Giorgio Tabellini „La Bottega del Peltro“.

Daniel Hentschel, Rheine

■ Rosenthalteller

?

Seit langen Jahren lese ich mit groß em Interesse und großer Freude ihre Zeitschrift. Nun würde ich Sie bitten, auch für mich einmal eine Beurteilung vorzunehmen. Diesen Rosenthalteller habe ich auf dem Flohmarkt erstanden. Können Sie die Signatur entziffern und mir daraufhin nähe-

!

Wie die Bodenmarke verrät, wurde der schöne Porzellanteller von der Firma Rosenthal hergestellt. Laut Philipp Rosenthal entstand der Entwurf 1904 in Zusammenarbeit mit dem Künstler Reinstein und dem Modelleur Rott nach seiner Idee. Das Service war sehr erfolgreich und wurde über einen langen Zeitraum von 1905 bis 1925/1929 hergestellt. Offensichtlich wurde der Teller auch als Weißporzellan verkauft, denn eine Vielzahl unterschiedlichster Bemalungen findet sich weltweit. Der Teller in Ihrem Besitz ist in der Art des Jugendstils mit einer Reihe sich umschlingender schwarzer Linien dekoriert, dazwischen und am Rand echt vergoldet, die Flächen dazwischen teilweise rotbraun ausgemalt und zusätzlich findet sich noch

etwas Blumenmalerei. Die Signatur lese ich als „Prezisa“. Präzision im Pinselstrich oder in der Reinheit des Entwurfs kann ich hier nicht entdecken. Insgesamt ein dekorativer Teller, jedoch vermutlich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von einem unbekannten Porzellanmaler aufgewertet. Ein Schätzpreis wäre bei 40 bis 60 Euro anzusetzen. Klaus-Dieter Müller, Lüneburg

■ Zinndose

re Angaben dazu machen, z.B. wer für diesen Entwurf zuständig war? Mich würde auch interessieren, wie alt der Teller wohl sein mag und welchen Wert er heute hat?

Von dieser Deckeldose aus Zinn wollte ich schon immer gerne den Hersteller wissen und erfahren, welchen Wert sie hat. Gemarkt ist sie üppig. Ich hoffe, Sie können die Stempel erkennen und identifizieren. Ihr Durchmesser beträgt circa 20 cm.

Die meisten Punzen sind nur Phantasiepunzen ohne Bedeutung, sie sollen Alter und Werthaltigkeit vortäuschen. Vergleichbare Dosen werden heute für 80 Euro angeboten, der Wiederverkaufswert dürfte bei unter 20 Euro liegen. In den 1970er-Jahren waren die Preise für antike Zinngegenstände sehr hoch.

Vera Gres, Wien (A)

Helene Sager, o.O.

Klaus-Dieter Müller, Lüneburg

?

01 / 18


20_21_Auktionen.qxp_TR Redaktion 07.12.17 13:59 Seite 2

AUKTIONEN 20

VORBERICHTE n Allgäuer Auktionshaus, Kempten Vorrangig aus dem 19. Jahrhundert kommen die Gemälde, die bereits ab 2.200 Euro in der Winterauktion (11.-13. Januar) des Allgäuer Auktionshauses ersteigert werden können. Dem Chiemsee motivisch verfallen war der Münchner Maler Joseph Wopfner, dessen ansprechendes Seebild bei 2.800 Euro startet. Typisch für Josef Schmitzberger ist die Schilderung des „Lebens des Wildes in Wald und Feld“, wie er es selbst einst formulierte. Der Vertreter der Münchner Schule malte ein Hirschrudel auf einer Anhöhe vor einer Bergkulisse (2.200 Euro). Dazu passen die Tölzer und Irschenberger Bauernschränke aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die ab 200 bis 400 Euro angeboten werden. Bei mindestens 1.800 Euro liegt ein Nähtisch in Form eines Globus in Kirsch- und Nussbaumholz. Auch der Biedermeierschrank mit Vitrinenaufsatz ist in seiner Ausführung als Eckmöbel ansprechend (1.400 Euro). Der Ring aus Weißgold mit einem Brillanten (1,14 ct) und zwei Baguettediamanten

Biedermeier-Eckschrank mit Vitrinenaufsatz, Hartholz, 19. Jahrhundert (Limit 1.400 Euro). Allgäuer Auktionshaus, Kempten, 11.-13.01.2018

Josef Schmitzberger, Hirschrudel auf einer Anhöhe vor Bergkulisse, Öl auf Leinwand, 108 x 131 cm (Limit 2.200 Euro). Allgäuer Auktionshaus, Kempten, 11.-13.01.2018 (0,17 ct) liegt bei mindestens 6.000 Euro. Beim Weißen Gold immer begehrt sind Produktionen aus Meißen. Ein schönes Beispiel hierfür ist das Schäferpaar von J. C. Schönheit, das bei 500 Euro aufgerufen wird. Telefon: 0831/5642530 Internet: www.allgaeuer-auktionshaus.de

n Franke, Nürnberg Die erste große Auktion von Franke im neuen Jahr startet mit einem exzellenten Angebot von über 3.700 Positionen Antiquitäten und Sammelobjekten. So werden vom 11. bis 13. Januar in jeder Sparte wie etwa bei Möbeln, Design, Spielzeug, Porzellan, Grafik, Militaria, Skulpturen, Varia sowie Schmuck und Münzen spannende Objekte für Entdecker, Sammler und Kunstkenner angeboten. Zur Versteigerung steht eine große Auswahl an exklusiven Jugendstil- und Art-Déco-Objekten aus Glas, Metall und Porzellan. Besonders erwähnenswert ist eine silberne Aufsatzschale, die bei Georg Jensen um 1930 nach einem Entwurf von Johan Rohde hergestellt wurde. Ein Highlight ist eine Figurengruppe, die wohl in der Zeit um 1600 in Nürnberg gefertigt sein dürfte. Die Bronze war jahrelang als Leihgabe im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ausgestellt. Unter den Keramikobjekten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert befinden sich eine italienische Majolikaschale aus Urbino und diverse Fayencen aus Straßburg und anderen Regionen. Außerdem hat Franke ein Gemälde des Hamburger Malers Matthias Scheits, der im 17. Jahrhundert in Haarlem Schüler von Philipp Wouwermann war und

Georg Jensen, Aufsatzschale, Silber, um 1930, Entwurf von Johan Rohde. Franke, Nürnberg, 11.13.01.2018 Genreszenen, Landschaften, Porträts und Radierungen anfertigte. Telefon: 0911/5273720 Internet: www.auktionshaus-franke.de

n Seidel, Ladenburg Das Auktionshaus Seidel in Ladenburg, normalerweise vor allem auf historisches Sammlerspielzeug spezialisiert, widmet sich am 24. Februar ausschließlich alten Musikinstrumenten. Sie stammen aus der Sammlung Keil und umfassen rund 1.000 Objekte von 1720 bis 1930. Neben Flöten, Trompeten, Hörnern, Posaunen, Klarinetten, Fagotten und Oboen stehen auch Instrumente aus Asien, Afrika und Indien, darunter Schlaginstrumente, Streich-, Zupf und Blasinstrumente im Angebot. Telefon: 06203/13014 Internet: www.spielzeugauktion.de

NACHBERICHTE n Auktionshaus an der Ruhr, Mülheim Das Auktionshaus an der Ruhr versteigerte am 16. September neben Kunst, Antiquitäten und Schmuck auch eine ansehnliche Sammlung mit Dürer- und Rembrandt-Grafiken. Das wohl bemerkens-

Das Ladenburger Auktionshaus Seidel versteigert am 24. Februar historische und außereuropäische Musikinstrumente 01 / 18


20_21_Auktionen.qxp_TR Redaktion 07.12.17 13:59 Seite 3

AUKTIONEN 21

Das Ladenburger Auktionshaus Seidel versteigert am 24. Februar historische und außereuropäische Musikinstrumente werteste Blatt war Dürers Kupferstich „Ritter, Tod und Teufel“, der bei 17.000 Euro zugeschlagen wurde. Das Limit betrug 900 Euro. Die Grafik stammt aus einer Privatsammlung. Saal-, Telefon- und Livebieter aus der ganzen Welt interessierten sich dafür. Ein KPM-Speiseservice „Kurland“ in 137 Teilen wurde für 2.600 Euro weitergegeben. Auch Porzellane der Manufakturen Meißen, Herend oder Royal Copenhagen konnten gut versteigert werden. Von 350 auf 700 Euro wurde ein indischer Kard aus dem 19. Jahrhundert gehoben. Vor allem kamen auch Schachenthusiasten in Mülheim auf ihre Kosten: 14 einzigartige Schachspiele standen zur Auswahl wie ein Spiel aus Bernstein, das aus Russland kam und für 5.000 Euro an einen Bieter zugeschlagen wurde, der auch weitere sieben Exemplare für sich ersteigern konnte. Ein Märchenschach aus Holz wurde für 1.200 Euro an einen Telefonbieter aus Luxemburg verkauft. Telefon: 0208/3059081 Internet: www.auktionshausanderruhr.de

n Breker, Köln Von den etwa zwei Dutzend angebotenen Sammelgebieten war das Auction Team Breker im November mit seiner weltweit führenden Spezialauktion „Technische Antiquitäten“ am erfolgreichsten mit der Abteilung frühe Computer und Rechenmaschinen. Der Höchstpreis von 43.000 Euro wurde für den frühen Apple Personal Computer Lisa-1 von 1983 erzielt, dessen Markteinführung ursprünglich schwierig war. Aufgrund großer Probleme mit den speziell entwickelten Twiggy-Laufwerken musste Apple Lisa-1 wieder zurückziehen. Seinen Platz in der Computergeschichte hat der PC aber mit der Einführung der overlapping windows, der pull-downMenüs und des Papierkorbs bekommen. Vor dem Computerzeitalter wurden für die einfachsten Arbeiten komplizierte mechanische Rechenmaschinen eingesetzt. Breker hat einige außergewöhnliche Exemplare angeboten und Top-Ergebnisse erzielt: Von der „Saxonia“ mit aufwändigem Rolljalousie-Gehäuse von 1910 für 35.660 Euro über die formschöne Berliner

„Gauss“ von 1905 für 22.000 Euro bis zur seltenen „Adsumudi“ von 1907 für 10.500 Euro. Die Schätzpreise der seltenen Maschinen wurden meist verdoppelt bis vervierfacht. Großes internationales Interesse weckte auch eine Menagerie von äußerst seltenen, heute seltsam anmutenden Spiel- und Warenautomaten wie dem münzbetriebenen „Electric Sailor“ von 1910, der nach Münzeinwurf mit blinkenden Augen leichte Stromschläge versetzt. Für 4.550 Euro wurde dafür ein mutiger Käufer gefunden. Noch befremdender wirkt heute der französische Elektrisierautomat „Le Cochon Electriseur“ von 1908, der für 20.600 Euro den Besitzer wechselte. Einen feineren, märchenhaften Humor vermittelt dagegen der lebensgroße Schokoladenautomat „Storch“ von 1910 aus Dresden, der kleine Schokoladenfiguren in lithografierten Blecheiern liefert und für 39.300 Euro in eine große europäische Spezialsammlung übernommen wurde. Ebenso wie der frühe, gusseiserne französische Kraftmesser „Elephant Grip Test“ von 1895, der komplett mit Sänfte und zwei Sultanfiguren stolze 16.000 Euro forderte. Weiterhin sehr beliebt sind außergewöhn-

liche Grammofone wie das „Edison Opera“ von 1910, das 4.900 Euro brachte, sowie das sehr seltene Grammofon „Expert Junior“, das mit seinem überdimensionalen Trichter aus Papiermaché, der aus Buchseiten gefertigt wurde, für 5.400 Euro überzeugte. Die größte Überraschung des Tages für Breker waren die mechanischen Zylinder-Spieldosen. Für viele Jahre galten die sogenannten „Ouvertüre“-Musikboxen mit ihren komplexen Partituren und bis zu 300 gestimmten Stahlzähnen als der Rolls Royce der mechanischen Musik. Nun sind sie nicht mehr die Topseller, obwohl exzellente Geräte wie die Vier-Ouvertüren-Walzenspieldose „Paillard-Vauchere + Fils“ aus der Zeit um 1885 wahren Kennern 6.400 Euro und mehr wert waren. Aber generell wurden sie von jüngeren und lauteren Nachkommen überholt. Trommeln, Glocken, tanzende Puppen und nickende Chinesen kreieren einen eindrucksvollen audiovisuellen Effekt bei den Orchester-Walzenspieldosen. Lange Zeit zur zweiten Klasse gezählt, genießen sie jetzt eine echte Renaissance mit den Impulsen aus der neuen Sammlerszene. Besonders erwähnenswert ist ein veredeltes Instrument mit einem lebhaft arrangierten Part aus der Ouvertüre zum „Freischütz“ von Carl Maria von Weber, das für 13.000 Euro Einzug in ein ostasiatisches Museum fand. Zwei exzellent erhaltene „Schweizer Bahnhof-Musikautomaten“ wechselten für 24.600 und 27.000 Euro ebenfalls nach Asien. Das äußerst seltene und abenteuerlich anmutende Ein-MannOrchester „Kalliston-Panakon“ wurde bei 17.200 Euro auf das Dreifache des oberen Schätzpreises gehoben. Ähnlich verlief die Versteigerung der antiken Musikautomaten. Der 1910 von Bontemps in Paris hergestellte Singvogelautomat wurde für 11.000 Euro, das Fünffache des oberen Schätzpreises, zugeschlagen. Interessant zu beobachten, ob dies eine langfristige Entwicklung auf dem globalen Markt bedeutet, und ob eine neue junge Sammlergeneration die traditionelle Auktion neu beleben kann. Telefon: 02236/384340 Internet: www.breker.com

Grammofon „Expert Junior“ (Ergebnis 5.400 Euro). Auction Team Breker, Köln, November 2017

Grammofon „Edison Opera, 1910 (Ergebnis 4.900 Euro). Auction Team Breker, Köln, November 2017 01 / 18


30_31_Schallplatten

07.12.2017

13:05 Uhr

Seite 1

SCHALLPLATTEN 30

.. SCHWARZES GOLD FUR SCHALLPLATTEN-SAMMLER DEAD MUSIC HEROES 2017

€ 20-30 John Laird Abercrombie (*1944, † 22. 08.) „Timeless LP”, erschienen 1973 auf ECM, dem Münchener Label von Manfred Eicher. Amerikanischer „Jazz”-Gitarrist und Komponist, der in Boston an der Berklee School of Music studiert hat. Er spielte u.a. mit Larry Coryell dem „Godfather Of Fusion” zusammen, der am 19. Feb. starb

€ 50-70 The Allman Brothers Band „Same LP”, 1969 auf ATCO Records. Gregg Allman, geboren 1947 in Nashville, kam erst nach der Bandgründung durch seinen Bruder Duane als Sänger zur Band. Er war von 1975-1979 mit Cher verheiratet und verstarb im Alter von 69 Jahren

€ 70-100 Chuck Berry (*1926) „Berry Is On Top LP”, veröffentlicht 1959 in den USA. Der am 18. März verstorbene Sänger und Gitarrist zählt zu den Pionieren des Rock ‘n’ Roll. Er wurde in die „R’n’R- und die Singer/Songwriter Hall Of Fame” aufgenommen. Unvergessen sind seine Welthits wie „Johnny B. Goode”,„Roll Over Beethoven”, „Sweet Little Sixteen” etc.

€ 40-80 Gunter Gabriel (*1942) „Wenn Die Rosen Blühen In Georgia 7 Inch”, BRD 1968. Debüt-Single des deutschen „Country Pioniers”, der mit „Hey Boss” und „Komm Unter Meine Decke” bekannt wurde. Er verstarb am 22. Juni in Hannover € 50-60 The Chameleons „Script Of The Bridge LP”, Debütalbum von 1983. Die „Post Punk”-Band aus Middleton UK erregte bereits 1982 die Aufmerksamkeit des legendären „Radio 1”-DJs John Peel. Sie fällt durch ihren energetisch aufgeladenen Gitarrensound und die melancholischen Kompositionen auf, die bereits Anklänge des „Shoegazers” erahnen lassen. Am 13. März verstarb ihr Drummer John Lever, der dem Bandsound eine besondere Wucht verlieh. Lever spielte u.a. in weiteren Bands wie The Sun & The Moon € 30-50 Holger Czukay (*1938, † 05.09.17) Jaki Liebezeit (*1938, † 22. 01.17), J. Wobble (*1958) „Full Circle LP”, 1982 in der BRD. Czukay (Bass) und Liebezeit (Drums), beide ständige Miglieder der Kultband CAN, prägten die Musikwelt durch neue Produktions- und Spielweisen nachhaltig. Das vorliegende Album gehört wohl zu den ersten „Dub”-Alben Deutschlands

01 / 18

€ 70-100 Fats Domino (*1928) „Carry On Rockin LP”, BRD-Pressung von 1956. Ein weiterer Pionier des „R’n’R” verstarb am 24. Oktober. Der Pianist und Songwriter verkaufte über 65 Mio. Tonträger. Seine Version von „Blueberry Hill” wurde weltweit berühmt

€ 20-30 Pierre Henry (*1927, † 05.06.17) „Les Jerks...Messe LP”, Frankreich 1967. Französischer Komponist u. Mitbegründer d. Genres „Musique Concrète”, einem Bereich d. „Elektronischen Musik”, d. sich seit d. 40erJahren nicht an übliche Musikregeln hält


30_31_Schallplatten

07.12.2017

13:05 Uhr

Seite 2

SCHALLPLATTEN 31

€ 50-100 Al Jarreau (*1940) „Call Me LP”, USA, 1979. Mit dem Bill Withers Stück „Ain’t No Sunshine” hatte der „Jazz”-, „Pop”-, „R’n’B”-Sänger und Songwriter einen großen Hit. Er verstarb am 12. Feb.

€ 150-200 Joy Unlimited „Overground LP”, 1970 auf Polydor BRD. Die „Jazz”, „Blues” und „Schlager”-Sängerin Joy Fleming (*1944) hatte einen Stimmumfang von 5 Oktaven und startete ihre Karriere bereits mit 14 Jahren. Sie starb am 27. September

€ 250-400 Charles Manson (*1934) „Lie The Love & Terror Cult LP, 1970 Awareness. USA, No. „2144”. „Der Einsammler der aufgegebenen Kinder Amerikas”, Psychopath & Sektenführer der „Manson Family” wollte der Rächer und Henker in der „verkommenen Welt” sein. Wegen „Verabredung zum Mord” (7 Morde durch Anhänger der „Family”) verbüste er eine lebenslange Haftstrafe

€ 25-35 Tom Petty (*1950) & The Heartbreakers „Same LP”, Debütalbum der „US-Rockband” von 1976 auf Shelter Records. Seine Hitsingle „I Won’t Back Down” von 1989 spielte er im Video mit Jeff Lynne (ELO), Ringo Starr und George Harrison von den Beatles ein. Er wurde am Morgen des 2. Okt. bewusstlos zu Hause aufgefunden und verstarb am gleichen Abend im Krankenhaus

€ 20-30 Steely Dan „Can’t Buy A Thrill LP”, erschienen 1972. Erstes Album des Duos Donald Fagen und Walter Becker (1950-03.09.2017), welches durch den Megahit „Do It Again” eingeleitet wird

€ 40-50 Witthüser + Westrupp „Trips & Träume LP”, erschienen 1971 auf Ohr. „Folk” gepaart mit „Psychrock” bestimmen das erste Album des Duos aus Essen, die ihre Wurzeln in der Protestsong-Bewegung hatten. Bernd Witthüser starb am 4. August

€ 50-100 Soundgarden „Badmotorfinger LP”, 1991 auf A&M Records UK. Das dritte Album der „Grungerocker” überzeugt nicht nur mit dem Hit „Rusty Cage”, welchen Johnny Cash 1996 gecovert hat. Es wird mit einer Mischung aus Black Sabbath und Led Zepplin verglichen. Der Sänger Chris Cornell unterstützte u.a. vernachlässigte Kinder. Er nahm sich am 18. Mai nach einem Konzert in Detroit in einem Hotel das Leben € 10-15 Daliah Lavi „Willst Du Mit Mir Geh’n LP”, BRD 1972. Die 1942 in Palestina gebohrene Israelin war Sängerin, Schauspielerin und Modell. Sie hatte u.a. mit dem Titelstück und „Oh, Wann Kommst Du” in der BRD großen Erfolg und brachte über 20 Alben raus. Sie verstarb am 3. Mai

Alle angegebenen Schallplattenpreise verstehen sich als ungefähre Richtpreise, die bei Internet-Auktionen, Schallplattenbörsen, Sammler-Foren, Festpreislisten, Privatverkäufen etc. erzielt oder angeboten wurden. Die Preise gelten in der Regel für Mint/Mint- Exemplare (neuwertig bzw. minimale Gebrauchsspuren).

01 / 18


33_Onlinetipp.qxp_Onlinetipp.qxd 07.12.17 14:01 Seite 3

ONLINETIPP 33 n Kartenspiele aller Art werden gern gesammelt, besonders beliebt jedoch sind Quartettspiele. Das mag an der nahezu unendlichen Vielfalt der Motive, aber auch den oft sehr attraktiven Bildern und manchmal den lehrreichen Informationen liegen. Klassiker, bei denen vier gleiche Symbole gesammelt werden müssen, liegen als Sammelobjekte schon wegen der vielen sehr alten Ausgaben weit vorn; aber auch die seit 1952 erschienenen Quartettspiele mit technischen Angaben, z. B. Auto-, Flugzeug- oder Eisenbahnquartette sind begehrt. Mit ihnen kann ja nach den normalen Regeln, aber auch durch den Vergleich technischer Daten ein Sieger ermittelt werden.

QUARTETTSPIELE n Kultspielzeug Quartett Eine kurze und kurzweilige, auf jeden Fall lesenswerte, Übersicht zur Geschichte der Quartettspiele ist hier zu finden. www.spiegel.de/einestages/kultspielzeugquartett-a-949358.html

n Technische Quartettspiele Einige technische Quartettspiele aus den 1960er-Jahren werden mit Bildmaterial vorgestellt. Interessant sind die Erläuterungen zu den Spielmöglichkeiten wie sie, abseits der normalen Regeln, gern unter Schulbänken gespielt wurden. www.das-waren-noch-zeiten.de/quartett.htm

n Quartettspiele mit Pilzmotiven Der Reiz reiner Motivsammlungen lässt sich hier entdecken. Über 40 Quartettspiele mit Abbildungen von Pilzen werden vorgestellt, einige komplett, andere nur mit einzelnen Karten. www.mykothek.de/P_SK/sk_b.htm

n Quartettspiele im Museum Das Deutsche Historische Museum stellt in seiner Datenbank 67 Quartettspiele vor, darunter auch über 100 Jahre alte Exemplare. Die Spiele werden zwar nicht vollständig mit allen Karten abgebildet, aber es sind sehr exakte Informationen mit Hinweisen auf die Verlage, Größen, Materialien, Drucktechniken usw. vorhanden. www.dhm.de/datenbank/dhm.php?seite= 6&fld_3=Quartett&exakt_fld_6=3&suchen= Suchen

n Welt der Quartettspiele

n Quartett & Co.

Nach Herstellern sortiert stellt hier ein Quartettsammler zahlreiche Spiele mit reichhaltigem Bildmaterial und guten Informationen vor. Vorwiegend, aber nicht nur, handelt es sich um Autoquartette. Besonders interessant sind die technischen Quartette von ASS aus den Jahren 1952 bis 1967, die komplett mit allen Karten zu sehen sind. Bei vielen Spielen wird auch mit Erläuterungen und Bildern auf Varianten verwiesen und auch Tauschangebote sind vorhanden. Wer Quartette abzugeben hat oder tauschen möchte, sollte noch einen Blick in die Fehlliste werfen.

Die Europäische Spielesammler Gilde (ESG) bietet umfassende, kompetente

und reich bebilderte Informationen über Spiele aller Art. Quartettspiele werden auch präsentiert und die Übersichtsseite führt zu zahlreichen Bildergalerien und Fachartikeln. Lohnend ist auch in der Rubrik „Spiele Sammler“ und „Private Sammler“ ein Klick auf „Ernst Krumbein“ mit seinen fachkundigen Veröffentlichungen über Quartette. www.e-s-g.eu/sammelgebiete/themen/ familienkartenspiele

quartettsammler.de

n Quartettblog – Autoquartett Diese Präsentation zeichnet sich durch umfangreiches Bildmaterial und sehr ausführliche Informationen aus; nicht nur zu den Spielen selbst, sondern auch zu deren Herstellern, Erscheinungsjahren und der heutigen Seltenheit. Anhaltspunkte für preisliche Bewertungen sich vorhanden und wer selber Quartette sucht oder abgeben möchte, findet dazu Möglichkeiten in der Rubrik „Tausch“. quartettblog.wordpress.com 01 / 18


63_Antikstrasse

07.12.2017

13:08 Uhr

Seite 1

Die „ANTIEKSTRASSE“ erreichen Sie am besten über die Autobahn A3, Oberhausen - Arnheim.

Nostalgie & Decorations CASH & CARRY

Super Auswahl!

Sie finden hier in wenigen Kilometern Umkreis zahlreiche Geschäfte mit einer riesigen Auswahl an Deko-Artikeln, Antiquitäten und Trödel.

Wenn für Sie der Preis zählt!

DIRECT WORLDWIDE IMPORT

Dekoration & Möbel

Jede Woche Angebote!

Anzeigen auf dieser Seite können Sie buchen bei: Axel Rosenthal Tel. 08441/80 56 16 E-mail: axel.rosenthal@t-online.de

Slijkhuis Import v.o.f. • Riezenweg 14 • NL-7071 PV ULFT

Tel. 00 31 315 641200

5 km von Terborg!


70_75_Neujahr

07.12.2017

13:10 Uhr

Seite 2

PAPIER 70

NEUJAHRSWÜNSCHE PETER LEUTER

… aus vier Jahrhunderten

Stahlstich, koloriert, 1. Januar 1887, Verlag Wendler, Leipzig. An Mademoiselle Arrenberg. Der Spruch im Podest ist auf Seide gedruckt. – Radierung, grün, das obere Medaillon ist in Wedgwoodmanier gedruckt und geprägt, das untere Medaillon ist aufzuklappen, darunter auf roter Seide ein Spruch zum neuen Jahr, 1. Januar 1792. Dem Herrn von Reitzenstein wird Hochachtung und Freundschaft bezeugt, handschriftlich. – Holzschnitt, auf grünem Papier, um 1790, keine Verlagsangabe. Diese Blättchen wurden auf großen Bogen gedruckt und dann nach Bedarf geschnitten. – Farbige Kollage mit handschriftlichen Wünschen zum Jahreswechsel aus Darmstadt, 1822. Die Wünsche sind noch ergänzt, in dem Stein werden sie durch Drehen des Rädchens am rechten Rand sichtbar

Zeitrechnung Das neue Jahr beginnt mit dem 1. Januar – überall! Aber das war nicht immer so. Die antiken Länder und Städte hatten oftmals eine eigene Zeitrechnung, die dann aber durch den römischen Kalender beendet wurde. Er hatte eine Besonderheit, die Tage des Monats wurden rückwärts gezählt. Die Vorwärtszählart wurde erst im 6. Jahrhundert eingeführt. Der römische Kaiser Caesar reformierte das Kalenderwesen im Jahr 46 vor unserer Zeitrechnung, der auf dem Sonnenjahr beruhende Kalender – beginnend mit dem Januar zu 31 Tagen – mit zwölf Monaten und die Woche mit sieben Tagen wurden eingeführt. Auch von Rom unterworfene Völker wie Germanien übernahmen diese Zeitrechnung. Im 4. Jahrhundert verlegte man den Jahresanfang auf den Tag der Geburt Christi, auf den 25. Dezember, doch in dieser Zeit bestanden in verschiedenen Regionen andere Termine für den Jahresanfang, so im fränkischen und alemannischen Bereich der 1. März und in Westdeutschland bis in das 14. Jahrhundert war es Ostern. Da nun aber der gültige römische Kalen-

01 / 18

der im Lauf der Jahrhunderte eine Differenz von zehn Tagen zum Sonnenjahr aufwies, glich man diese 1582 aus, indem einmalig eben diese zehn Tage weggelassen wurden. Papst Gregor XII. führte den nach ihm benannten und noch heute gültigen Kalender ein, den er wohl zusammen mit seinen hochgebildeten Mönchen und Astronomen errechnet hatte. Er stieß damit aber in den protestantischen Ländern auf erheblichen Widerstand; dies hatte zur Folge, dass die neue Zeitrechnung recht unterschiedlich angenommen wurde. Katholische Staaten wie Italien, Spanien und Portugal übernahmen sie sofort. Deutschland, Dänemark und Holland 1700, England 1752 und Russland gar erst 1923, bis


70_75_Neujahr

07.12.2017

13:10 Uhr

Seite 3

PAPIER 71

Handkolorierte Radierung, ohne Druckangabe, 1. Januar 1795. Das Blumenmedaillon ist aufklappbar, darunter ein Spruch, der den Eindruck des Bildes noch erhärtet: Sie sind homosexuell, also keine Erscheinung unserer Zeit. – Farbige Radierung, wohl von Trowitzsch, Cüstrin, um 1830. Auf der Rückseite nur der Name C.L.D. Damm. Auch diese Bilder werden aus einem großen Bogen geschnitten. – Geprägtes Spitzenbild auf beigem Grund, die Spitze ist abklappbar, darunter ein Reim auf hellblauer Seide. Ein Gedenken zum 1. Januar 1811 ist handschriftlich auf der Rückseite zu finden. – Farbiges Litho um 1898, nicht gelaufen. Es war schon sehr drastisch, was da manchmal verschenkt wurde. – Wiener Billet mit Golddruck auf rosa Grund, um 1830, eine Kollage, wie sie zu dieser Zeit äußerst beliebt waren. Der Erfinder dieser Bildchen, Entletsberger, fand Nachahmer en masse dahin war dort der Julianische Kalender gültig. Es gab aber noch etwas zu regeln, wann denn nun das Jahr begann. Papst Innozenz XII. verfügte im 1691, dass alle bis dahin gültigen Tage – wie Ostern, 1. März, 25. Dezember – außer Kraft gesetzt wurden und der 1. Januar von nun an der Beginn des neuen Jahres wurde – mit Ausnahmen, wie oben erwähnt, aber sicher

nicht mit Billigung des Papstes. Es war trotzdem keine absolute Neuerung, denn vom 2. bis zum 4. Jahrhundert begann das Jahr ebenfalls mit dem 1. Januar. Auch Zar Peter von Russland verlegte in seinem Land den Jahresbeginn vom 1. September auf den 1. Januar.

„Zwischen den Jahren” Die „fehlende Zeit“, die durch die Umstellung entstand, 25. Dezember bis 1. Januar, hat sich im deutschsprachigen Raum als „zwischen den Jahren“ erhalten, eine Zeit, die mit allerlei Bräuchen und Aberglauben verbunden ist. Erwähnenswert sind die Zwölften, die Rauhnächte, sie beginnen und enden in den deutschen Ländern recht unterschiedlich, im Zeitraum vom 21. Dezember, dem Thomastag, bis zum 6. Januar, dem Dreikönigstag. Während dieser Zeit bestanden Arbeitsverbote (Waschen, Düngen, Spinnen, Backen…), bei Nichteinhaltung drohten üble Schicksalsschläge, ebenso wenn Tabus gebrochen wurden, die Namen von Wolf, Ratte, Fuchs und Maus durften nicht namentlich erwähnt werden. In den zwölf Nächten,

gleichgesetzt mit den kommenden zwölf Monaten, sind Träume ein Hinweis auf folgende Ereignisse in dieser Zeit, gute und schlechte.

01 / 18


70_75_Neujahr

07.12.2017

13:10 Uhr

Seite 4

PAPIER 72 Geprägtes und gestanztes Kärtchen mit Golddruck, farbigen Tauben mit Kranz und hellblauer Schleife. Laut Angabe auf der Rückseite verschenkt in Querfurt am 1. Januar 1880. Keine Verlagsangabe. – Gestanztes und geprägtes farbiges Kärtchen, 1. Januar 1865, mit aufgeklebter Herstellernummer 1099. Das Medaillon ist abzuklappen und mit einem Faden wird ein Pärchen vor einem Panorama aufgestellt. – Gestanztes Kärtchen mit Golddruck und montierter farbiger lithografierter Oblate. Hinter dieser befindet sich ein kleiner Amor mit Bogen. Rückseitig Glückwünsche zum Jahreswechsel 1889. – Farbiges und geprägtes Litho mit abklappbarem Medaillon, verschenkt am 2. Januar 1882, keine Druckangabe. Hinter der Schwalbe ist ein kleines Aufstellbild mit Kindern vor einer Landschaft zu sehen

Glückwünsche Seit Urzeiten wurde der Jahreswechsel, völlig gleich auf welchen Tag er fiel, gefeiert. Mit Essen, mit Trinken, mit Überreichen kleiner Geschenke, mit Glückwünschen, die der Familie und Freunden ausgesprochen wurden. Geschenkt wurde vor allem Süßes, in der Erwartung, dass das neue Jahr süß werde. Papst Eugen IV. veranlasste um diese Zeit, dass das Schenken von Neujahr auf Weihnachten verlegt wurde, da ja die Geburt Christi auch ein Geschenk war. Erstmals 1490 wird ein schriftlicher Neujahrswunsch übermittelt. Der Abt eines Klosters gab einen Neujahrsglückwunsch in Auftrag, auf dem Christus abgebildet ist, dazu der Text: „… en gout selig jor…”, womit dieses kleine Kunstwerk die älteste bekannte Neujahrsglückwunschkarte ist. Aus dem 15. Jahrhundert sind weitere Neujahrswünsche bekannt, auch mit Abbildungen, aber fast ausschließlich mit religiösen Texten. Dieser Brauch geriet mehr und mehr in Vergessenheit, erst im 18. Jahrhundert erinnerte man sich wieder dieser freundlichen Geste. So wurden um 1760 in Berlin Neujahrskarten mit Glückwünschen hergestellt, die

01 / 18

dann im Umschlag an Freunde und Familienmitglieder verschickt oder auch persönlich übergeben wurden. In Frankreich hatte schon zuvor der Adel begonnen,

sich Neujahrswünsche zu überreichen, handschriftlich vermerkt auf Visitenkarten oder auch auf geteilten Spielkarten, die somit mehrfach zur Gratulation verwendbar waren. Kurze Verse und dazu Abbildungen im Stil der Antike, die gerade in Mode war, ergänzten die Wünsche, später entstanden eigens für den Jahreswechsel vorgesehene Kärtchen. Das aufgeschlossene Bürgertum übernahm noch vor der Revolution von 1789 diesen Brauch. Von Frankreich aus überwand diese Mode die Grenze zum deutschsprachigen Raum, hier entstanden nun neben schlichten Freundschaftskärtchen auch Glückwunschkarten zum Jahreswechsel, als Holzschnitt, Kupferstich, Stahlstich oder als Rötel. Fast parallel dazu großformatige Radierungen, die per Hand koloriert wurden, aber meist ohne Text, so dass sie für unterschiedliche Anlässe Verwendung fanden, meist waren es Liebes- oder Freundschaftsbezeugungen. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war es Sitte, dass Kinder den Eltern, Paten und Großeltern Neujahrsbriefe überreichten, mit guten Wünschen für das neue Jahr und mit Dank für die bisher genossene Erziehung und Zuwendungen – alles in Schönschrift und ohne Fehler, wenn möglich noch mit einem gereimten Text selbst verfasst. Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1940erJahre lebte dieser Brauch noch einmal auf. Hergestellt wurden diese Bogen vor allem in Norddeutschland, u.a. bei Pingeling,


70_75_Neujahr

07.12.2017

13:10 Uhr

Seite 5

PAPIER 73

G.F. Wurzbach und D.M. Kaming, wohl aus Hamburg. Geschrieben wurden diese wichtigen Werke meist in der Schule unter der Aufsicht des Lehrers. Erste Briefe dieser Art sind von 1731 bekannt.

Luxuspapier Es wurden aber nicht nur familiär Wünsche übermittelt, auch Vorgesetzte und Untergebene wurden bedacht. Am 2. Januar 1783 erließ Friedrich der Große folgende Gratulation: „Ihre Majestät der König lassen allen guten Offiziers vielmals zum neuen Jahr gratulieren und wünschen, dass sich die übrigen so betragen, dass Sie (die Majestät) ihnen künftig auch gratulieren kann“ – da hatten wohl einige Kerls über die Stränge geschlagen. Im ausklingenden Empire waren aufwändige Präge- und Klappbilder in Wedgwoodmanier mit Sei-

tenauflage für Neujahrswünsche große Mode. In der Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen die Luxuspapierhersteller in Deutschland und in der k.u.k. Monarchie mit der Produktion von kleinen, kompliziert gestalteten Billets in Punktierstich, als Radierung oder Nadelstich, meist neutral gestaltet, somit zu jedem Anlass verwendbar und zu verschenken, der Aufdruck „Gratulation zum heutigen Tage“ belegt das. Das neue Angebot mit raffiniert ausgestanzten Klappen, unter denen auf unterzogener Seide Glückwünsche, eben auch zum neuen Jahr, aufgedruckt waren, vervollständigten das Angebot bis zum beginnenden Biedermeier. In dieser Zeit dominierten Billets mit Liebes- und Freundschaftsbekundungen, Neujahrswünsche waren handschriftlich vermerkt. Wien war das Zentrum dieser Luxuspapierartikel, in Deutschland waren die Standorte für Druckereien und Verleger Nürnberg, Berlin, Cüstrin und Augsburg.

Kulissenbild, farbig gestanzt, geprägt mit sechs Kulissen, keine Druckangabe, wie bei diesen Bildern üblich. Glückwunsch zum Jahreswechsel auf der Rückseite, 1. Januar 1898. – Farblitho, gelaufen 31.12.1924, aber vor 1900 gedruckt. Wer heute so eine Karte bekommt und den Absender kennt, würde sicher einen Rechtsanwalt einschalten. – Farblitho um 1890, anonyme Ausgabe. Der Empfänger der Karte hatte sicher seine Freude an der Abbildung und hat sich vielleicht beim Absender revanchiert. – Von dieser Karte gibt es Varianten, die wohl nur für Philatelisten interessant sind, aber in eine Jahreszahlsammlung gehört sie schon. – Farbiges Litho mit Verlagssignet und Nummer 7052. Diese Karte ist wegen des Textes interessant. Deutschlands kriegerische Auseinandersetzung mit Frankreich lag ja doch schon 28 Jahre zurück, und da ist so eine Aussage schon bemerkenswert!

01 / 18


70_75_Neujahr

07.12.2017

13:10 Uhr

Seite 6

PAPIER 74

Die Favoriten bei der noblen Kundschaft waren Zug- und Verwandlungskarten, Faltkarten, Papierfächer, Jahreszeitkarten, transparente und solche mit den Altersstufen. Neujahrswünsche wurden per Hand eingetragen oder sie waren auf Seide unter der Klappe eingedruckt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es vorwiegend Angehörige der Oberschichten, die vermögend und auch schreibkundig waren, die Neujahrswünsche austauschten. Eine Unsitte bereitete diesen Karten ein Ende. Dienstleistende aller Art – Postboten, Bäckerjungen, Kutscher oder Schornsteinfeger – pflegten vor Neujahr beim Buchhändler, im Kunsthandel oder auch bei einem Verleger kleine preiswerte Billets zu erwerben, auf denen sie schriftlich und eigentlich anonym zum neuen Jahr gratulierten. Mit diesen Karten suchten sie dann die herrschaftlichen Familien auf, um die Wünsche auf Papier zu überreichen; üblich war es dann, dem Bittsteller, denn das war er ja, ein kleines Geldpräsent zukommen zu lassen. Da aber diese Trinkgeldheischerei überhand nahm, sahen sich die Behörden gezwungen, zum Schutz der Bürger eine Enthebungskarte einzuführen, 01 / 18

die in der Kirche oder beim Bürgermeister erworben werden konnte. Diese Karte, an Fenster oder Tür angebracht, ließ jeden wissen, dass keine Spende zu erwarten war. Das eingenommene Geld kam dann der Armenfürsorge zu Gute. Bemerkenswert für diese Zeit ist noch, dass trotz der blutigen Schlachten in den Auseinandersetzungen mit Napoleon, noch nach dem verlustreichen Rückzug der Grande Armee aus Russland, auf Neujahrskarten der Wunsch nach Frieden schlicht nicht zu finden ist!

Industrialisierung Die bürgerliche Revolution von 1848 erbrachte nicht nur politische Veränderungen, auch in der Luxuspapierherstellung änderte sich vieles, da die aufkommende Industrialisierung in Deutschland neue Drucktechniken und verbessertes Papier erwarten ließ. Die kleinen Billets fielen weg und lithografische Erzeugnisse überschwemmten den Markt. Die Erfindung

Farblitho mit einem nicht erkennbaren Signet, gelaufen 31.1.1914. Hier macht sich bemerkbar, dass Deutschland einmal Kolonien besaß. – Farblitho mit Folienüberzug und Golddruck, gelaufen 31. 12.1909. Verlag Selmar Bayer, Berlin, Nr. 2205. – Farbiges Litho von Pauli Ebner, gelaufen 31.12. 1931. Verlag Munk, Wien, Nr. 1223. Die Künstlerin hatte ihre Kinderbilder gern im Biedermeier angesiedelt. – Mela Köhler, wer kennt sie nicht, wohl vor allem durch ihre Wiener-Werkstätte-Bilder, Farblitho, nicht gelaufen, Verlagssignet B.K.W.I. Nr. 3090-3. Sie malte immer sehr elegante Damen. – Hier wird wohl von dieser mondänen Dame der Katerspaziergang absolviert? Farblitho, entworfen 1919, aber den Künstler kann man nicht erkennen. Nicht gelaufen der Oblaten um 1855 ließ zu, dass bewegliche, mechanische Umschlagkarten hergestellt wurden und auf deren Rückseite dann handschriftlich Neujahrsgrüße und -wünsche eingetragen werden konnten, die aufgedruckten Texte waren, nach unserer heutigen Ansicht, so belanglos, trivial, dass sie praktisch für jedes Ereignis verwendbar waren – oder eben auch nicht! Hergestellt wurden die als Litho ge-


70_75_Neujahr

07.12.2017

13:11 Uhr

Seite 7

PAPIER 75 Feldpostkarte, gelaufen 17.12.1942. Wer kann sich nur so etwas ausdenken!. – Schwarzweiß-Druck, nicht gelaufen, entworfen von Dilschneider. Der Matrose weiß wohl, dass er die letzte Runde einläutet. Alle Menschen, egal welcher Nationalität, hoffen, dass der Wahnsinn zu Ende geht. – Farbdruck der DDR-Kinderzeitschrift FRÖSL, die auch herrliche Adventskalender entwickelte, gelaufen Dezember 1985. – Geprägtes Litho von Alfred Mailick, der einer der fleißigsten Maler für Neujahrskarten war. Verlag Wiechmann, München, gelaufen 31.12.1905

druckten Oblaten in Form von Kindern, Blumen, Tieren … sie wurden gestanzt, gefaltet und geleimt, dann auf klappbare und aufstellbare Unterlagen montiert. Sie waren als Panoramabilder für den Kamin oder das Vertiko sehr beliebt und verbreitet. Erstaunlich, dass die meisten davon als Neujahrskarte Verwendung fanden, obwohl die Szenerie nur selten diese Aussage hatte. Produziert wurden sie unter anderem von J. Miesler, Berlin, Hagelberg, Berlin, Meissner und Buch, Leipzig, Paul Finkenrath, E.A. Schwerdtfeger, beide Berlin. Neben diesen Aufstellkarten wurden kleine lithografische Neujahrskarten mit abklappbaren Oblaten hergestellt, unter denen die Glückwünsche aufgedruckt waren; auch Kärtchen mit einer Textilumrandung oder solche, bei denen mittels eines Fadens oder Bandzugs kleine Panoramen sichtbar wurden. Mitten in diese Luxuspapierphase fiel die Erfindung der Postkarte und kurz danach die gedultete, aber eigentlich noch nicht erlaubte Bildpostkarte.

Bildpostkarten Und damit entstand ein Medium zur Übermittlung von Neujahrsgrüßen für jedermann, also auch für ärmere und des Lesens zwar kundige, aber nicht geübte Kunden. Es bestand die Möglichkeit, mit ganz wenigen Worten oder auch nur bei vorgedruckten Texten mittels eines Kreuzes oder des Namens dem Adressaten einen Gruß zukommen zu lassen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts produzierte eine unüberschaubare Anzahl an Verlegern, Druckereien und Papierhandlungen eine ebenso nicht überschaubare Menge an Neujahrskarten, die anfangs mit derben, oftmals auch bösartigen Motiven gegen Schwiegermütter, Ehemänner, Casanovas, Trinker und Maulhelden gerichtet waren. Einer der ersten, die derartige Karten druckten, war wohl Ludwig Zrenner aus München. Sie fanden einen reißenden Absatz. Ab etwa 1895 wurden farbige, lithografierte Neujahrskarten mit Kindern, Blumen, Tauben, Instrumenten etc. angebo-

ten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte die Postkartenmanie in Deutschland, das weltweit führend in Herstellung und Qualität war, einen Höhepunkt. Die Verleger in Berlin, Leipzig, Frankfurt, Dresden, Nürnberg und München erfanden mit ihren Mitarbeitern immer wieder neue Möglichkeiten, dem Verbraucher Neujahrskarten anzubieten. So verpflichteten sie namhafte Künstler dieser Zeit, Motive zu diesem Thema zu entwerfen – und A. Mailick, Pauli Ebner, A. Thiele, R. Kirchner, G. Caspari … waren kreativ und fleißig und das Publikum dankte mit flottem Abkauf. Bräuche dieser Zeit fanden auf den Karten einen würdigen Platz, Tischfeuerwerk, Bleigießen, Neujahrssingen … wurden abgebildet. Die Deutsche Reichspost eröffnete das 20. Jahrhundert mit einer Sonderpostkarte zu fünf Pfennigen. Obwohl der erste offizielle Verkaufstag der 28.12. 1899 war, existieren schon gestempelte Karten mit einem früheren Datum – ja, und am offiziellen Ausgabetag waren die Karten meist schon nach einer Stunde ausverkauft. Zum runden Jahreswechsel, dem Millennium, war das Interesse an einem solchen Zeitdokument eher mäßig. Der Höhepunkt der Postkartensammelei war erreicht, Deutschland der größte Produzent und Exporteur, doch die Lage veränderte sich schlagartig mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Exporte brachen weg und es dominierte die Feldpostkarte, die natürlich auch als Neujahrskarte ausgegeben wurde. Eine davon zeigt eine gemütliche Runde im Schützengraben, ein Engel überreicht den Feldgrauen Post aus der Heimat! Auch aus der Zeit von 1939 bis 1945 existieren makabre

Machwerke, die es aber trotzdem wert sind, gezeigt zu werden. Von etwa 1890 bis praktisch in die Gegenwart wurden Neujahrskarten gedruckt, auf denen die Jahreszahl dominierte, geschmückt mit Blumen, Hufeisen, Kleeblatt oder Schweinen, auch den Attributen der jeweiligen Zeit. So mancher Sammler soll diese lange Reihe komplett besitzen. Nach 1945 weisen die übermittelten Neujahrsgrüße und Wünsche aus, dass sie ehrlich gemeint waren, keine Floskel wie sonst so oft, die Erleichterung, überlebt zu haben, ist zwischen den Zeilen zu finden. Im Osten Deutschlands waren die Wünsche für das neue Jahr oft mit der Politik gekoppelt, in der Bundesrepublik kamen die Erfolge des Wirtschafswunders mit auf das Papier und es wurde weniger geschrieben, denn das Telefon gehörte bald zu jedem Haushalt. Um einmal etwas Sammelwürdiges aus unserer Zeit zu besitzen, wäre es nötig, dass wir wieder mehr Neujahrsgrüße schreiben, denn gesimste und getwitterte passen in kein Album. Quellen: Ellen Alpsten: „Die Zarin“, Eichborn AG, Frankfurt/Main. – O.A. Erich u. Richard Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde, A. Kröner Verlag, Leipzig 1934. – Theo Herrlein: Das Weihnachtslexikon, Rowohlt Taschenbuchverlag, 2005

01 / 18


74_AP_1718

09.11.2017

12:53 Uhr

Seite 1

AUKTIONSPREISE aus 14 Ausgaben des Sammler Journals mit großem Stichwortverzeichnis

• Unser 25. Auktionspreiskatalog mit den besten Preisseiten aus 14 Ausgaben SAMMLER JOURNAL

Der 25. farbige Antiq uitäten-Preisführer mit großem Stichwo rtverzeichnis

AUKTIONSPREISE 17/1 aus 14 Ausgaben Sam

Glas Möbel Porzellan Metall Alte Technik Gemälde Militaria Spielzeug Autographen und mehr...

Über 2. 50 0 Sammelobjekte

• in gewohnter Spitzenqualität • Unentbehrlich für jeden Sammler und Händler

15,– (inkl. Porto + Verpackung)

Euro

B E S T E L L U N G

Gemi Verlags GmbH Postfach 85291 Reichertshausen

GEMI

VERLAGS GMB H

2. ausfüllen und 3. abschicken an:

erheften

Design

• Über 2.000 Objekte mit farbigen Abbildungen und aktuellen Preisen

1. ausschneiden,

784-9-8

mler Journal + Sond

18

• Erhältlich im Buchhandel und Bahnhofsbuchhandel und auf den Märkten zum Preis von € 14,90

Einfach Coupon

ISBN 978-3 -9813

€ 14,90 • SFr 28,50

Ich bestelle

Stck.

„Auktionspreise 2017/18“

Name, Vorname

Straße, Hausnummer

zum Preis von je 15,– Euro

(Inland: incl. Porto + Verpackung; EU: + 5,– Euro Versandkosten; sonstiges Ausland: + anfallende Versandkosten)

PLZ, Ort

Telefon, Telefax

Gesamtbetrag

Euro

Ich zahle (Zutreffendes bitte ankreuzen)

Ort, Datum, Unterschrift

Bankeinzug: IBAN

Vorkasse bar (liegt bei) BIC


98_Fundstuecke.qxp_Trödler Rubriken 07.12.17 14:07 Seite 2

FUNDSTÜCKE 98

FLOHMARKTPREISE n Spielzeug Modellauto „Grand Prix Lotus F1 No. 47“, Bodenbezeichnung Hersteller „Ingap, made in Italy“, um 1963, Länge circa 10,5 cm, Maßstab 1:40. Weinrotes Plastikgehäuse, graue Reifen, goldene Fahrerfigur, Fahrzeug komplett mit leichten Alterungsspuren. Bekannt aus dieser Grand Prix-Serie sind u.a. noch die Modelle Porsche F1, Ferrari F1, Cooper Climax und Ferguson F1. Die Firma I.N.G.A.P. (Industria Nazionale Giocattoli Automati Padova) wurde 1919 von Tullio Anselmi gegründet und hatte 1938 in ihrer Blütezeit über 600 Mitarbeiter beschäftigt. Sie fabrizierte Blechspielzeug, Zinnfiguren, Modellautos, Eisenbahnen, Plastikkuriositäten etc. und fusionierte 1972 im Zeitalter der SpielzeugHerstellerkrise mit Eurotoys. Da diese Grand Prix-Fahrzeugmodelle „nur aus Plastik“ gefertigt wurden, werden sie oftmals (je nach Zustand) für 20 bis 50 Euro angeboten. Flohmarktpreis: 20 Euro

n Technik Schallplattenspieler „Philitina 22GF420“, Hersteller Philips NV, Eindhoven, Niederlande, gefertigt 1966 bis 1969, Maße 28 x 11 x 21 cm, Gewicht circa 1,5 kg. Dieser formschöne und zugleich kompakte Plattenspieler mit Batterieantrieb (circa 40 Stunden mögliche Spieldauer) wurde damals für 49 Gulden im Handel angeboten. Die Holländer bezeichneten das tragbare und stromfreie Gerät als „Popgrammofoon/Jeugdgrammofoon“ für den „hippen Musikhörernachwuchs“. Abgespielt werden konnten Singles, LPs und Platten mit 78 RPM über den integrierten Lautsprecher „Philips AD 2070/Z8“. Erhältlich war das Gerät im roten, grünen oder blauen Plastikgehäuse. Im Zeitalter des boomenden Vinyl-Revivals sind tragbare Platten-

spieler mit Batteriebetrieb wieder sehr gefragt, besonders für Freiluftparties in den Sommermonaten. Da hier auch noch die seltene Original-Verpackung erhalten ist, das Gerät zudem funktionstüchtig und neuwertig ist, dürften sicher 100 Euro zu erzielen sein. Flohmarktpreis: 50 Euro

n Reklame Werbeschild „Fanta Trink Was Schmeckt Schutzmarke“, Deutschland, Mitte 1960erJahre, Durchmesser 40 cm. Runde Form, hergestellt aus Hartfaser, orangefarbenes „Fanta“-Signet, türkisblauer Schriftzug und Umrandungsring. „Fanta“ wurde 1940 als „Kriegs-Ersatzprodukt“ von dem deutschen Coca Cola-Chefchemiker Dr. Schetelig in Essen erfunden und bestand damals hauptsächlich aus Molke und Apfelfruchtfleisch. Unter den Mitarbeitern wurde ein Namenswettbewerb ausgerufen und man einigte sich auf den „fantastischen“ und „fantasievollen“ Namen „Fanta“. Ein italienischer Abfüller aus Neapel erfand dann 1955 „Fanta mit Orangengeschmack“, die 1959 auf den deutschen Markt als „Fanta klar“ kam. Die IndustrieIkone Raymond Loewy (1893 Paris-1986 Monaco) entwarf in den 1950er-Jahren dazu die markante Ringelflasche aus braunem Glas. Mit dem langlebigen Werbespruch „Weil’s Spass macht und schmeckt“ (1975-2000) positionierte sich die Marke erfolgreich in Deutschland. Schilder aus Hartfaser sind nicht so gesucht wie Emailschilder, die z.B. um 1967/ 68 von der Firma Austria Email hergestellt wurden. Neuwertig erhaltene HartfaserExemplare können 40 bis 80 Euro erzielen. Flohmarktpreis: 40 Euro

Erscheinungstermin Februar-Ausgabe: Abo-Versand 18.01.2018 Erstverkaufstag Handel 26.01.2018 01 / 18


U3_Melan_Hoefges

07.12.2017

13:03 Uhr

Seite 1

www.melan.de

www.online.melan.de

buchung.hoefges.com

buchung.hoefges.com


Termine im Januar

Kopp Veranstaltungs – GmbH & Co. KG Homburger Straße 22 50969 Köln-Zollstock Telefon: (0221) 36 47 03 Telefax: (0221) 360 56 67 www.kopp-maerkte.de

07 So Köln-Marsdorf

Globus, Max-Planck-Straße

07 So Köln-Porz-Eil

Real, Rudolf-Diesel-Straße

14 So Frechen

Selgros, Europaallee, überdacht

14 So Köln-Pesch

OBI, Im Gewerbegebiet Pesch

21 So Köln-Ossendorf

IKEA, Am Butzweilerhof

21 So Köln-Marsdorf

Roller, Max-Planck-Straße

Mo bis Do im Büro

28 So Köln-Godorf

IKEA, Godorfer Hauptstraße

28 So Köln-Poll

Handelshof, Rolshover Straße, überdacht

Globus Handelshof IKEA OBI Porta Real Roller SELGROS

Termine im Februar 04 So Köln-Marsdorf

Globus, Max-Planck-Straße

04 So Köln-Porz-Eil

Real, Rudolf-Diesel-Straße

Platzreservierung 10-16 Uhr 10-16 Uhr 10-16 Uhr 10-16 Uhr 10-16 Uhr 10-16 Uhr 10-16 Uhr 10-16 Uhr

Samstag vor Ort

18 So Köln-Ossendorf

IKEA, Am Butzweilerhof

18 So Köln-Marsdorf

Roller, Max-Planck-Straße

25 So Frechen

Selgros, Europaallee, überdacht

Globus Handelshof IKEA OBI Porta Real Roller SELGROS

25 So Köln-Godorf

IKEA, Godorfer Hauptstraße

Sonn- und Feiertag vor Ort

11 So Keine Märkte wegen Karneval

Preise pro Termin

Fahrzeuge am Stand

Grundgebühr pro Stand 10 € Trödel, je Meter 10 € Neuware, je Meter 20 € Mindeststandgröße 2 Meter.

Pkw Pkw mit Hänger Bus/Transporter Bus mit Hänger Lkw

01_Kopp_A4_Heftrueckseite_ohne.indd 1

ab 4 m Stand ab 6 m Stand ab 6 m Stand ab 8 m Stand ab 8 m Stand

Globus Handelshof IKEA OBI Porta Real Roller SELGROS

17 Uhr keine 17 Uhr 17 Uhr 17 Uhr 17 Uhr 17 Uhr 17 Uhr

ab 6 Uhr ab 6 Uhr ab 6 Uhr ab 6 Uhr ab 6 Uhr ab 6 Uhr ab 6 Uhr ab 6 Uhr 18.10.17 11:45

Troedler 0118  
Troedler 0118  
Advertisement