Sammler Journal 12/2021

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DEZEMBER 2021

Dezember 2021 · B 1309 | € 8,00 Schweiz CHF 12,30 | Österreich € 8,90 | Be/Ne/Lux € 9,00

SAMMLER JOURNAL

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

KUNSTMARKT AUKTIONEN PREISE

Theo Vos GEMI

Fotokunst Spezial

Emil Nolde


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www.peege.de


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SAMMLER-SERVICE

Bekannter Bildhauer Jugendstil-Spiegel von Peter Winter-Heidingsfeld

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Als langjährige Leserin Ihres Journals weiß ich, dass Sie schon vielen Lesern geholfen haben bei der Erklärung von Kunstwerken, insbesondere beim Finden von Signaturen. In der Anlage überreiche ich ein Foto eines von einem Jüngling gehaltenen Spiegels (achteckig) sowie ein Foto der Signatur des Künstlers. Der Spiegel hat eine Höhe von insgesamt 77,5 cm, der Standfuß 25 cm. Das Ganze ist aus Bronze, schätzungsweise um 1900? Ich freue mich schon jetzt, etwas von Ihnen hören zu dürfen. Carla Allegrini, Wiesbaden

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Der Jugendstil-Spiegel wurde von Peter Winter-Heidingsfeld (Heidingsfeld 1871 - 1920 Allach) geschaffen. Winter-Heidingsfeld studierte Bildhauerei ab Oktober 1895 an der Münchner Akademie bei Wilhelm von Rümann. Er beteiligte sich von 1902 bis 1913 an den Ausstellungen der Münchner Secession, wo er auch seine Frau, die Malerin Flory Winter-Heidingsfeld, kennenlernte. Einige Skulpturen von Peter Winter-Heidingsfeld befinden sich im öffentlichen Raum in München, Hannover und Magdeburg. Das Grabmal von Peter und Flory Winter-Heidingsfeld befindet sich auf dem Friedhof in München-Untermenzing. Die Peter-Winter-Straße in Allach-Untermenzing erinnert an den Künstler. Den dekorativen Spiegel bewerte ich mit 800 bis 1.200 Euro. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Jagdschloss Göhrde

Küste bei Mondschein Gemälde von Johann Jungbluth

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Auch ich möchte einmal Fotos von einem Ölbild Ihren Experten vorlegen und einfach mehr über dieses Bild erfahren, wofür ich mich im Voraus bedanken möchte. Horst Günter Ewald, Völklingen

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Das Gemälde zeigt eine nächtliche Küstenszene bei Mondschein und ist „J. Sander“ signiert. Die Qualität der Ausführung ist etwas schwächer als sonst üblich für diesen Maler. Dennoch kann man das Ölbild ziemlich sicher dem Düsseldorfer Maler Johann Jungbluth (1860-1912) zuordnen, der seine Gemälde auch mit verschiedenen Pseudonymen, u. a. J. Sander, signierte. Jungbluth war wohl Autodidakt, eine Akademie-Ausbildung ist nicht bekannt. In sei-


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nen sehr zahlreichen Ölbildern kombinierte er virtuos die Einflüsse der niederländischen Malerei mit einem impressionistischen Duktus. Aktuell würde ich das Bild (40 x 50 cm?) im prunkvollen Rahmen mit 600 bis 900 Euro bewerten. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Jagdschloss Göhrde

Art déco für die breite Masse Tintenfass mit Pinguinen

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Das Pinguinobjekt habe ich vor circa zehn Jahren bei einem Händler in Potsdam gekauft. Es wurde dort als Art-déco-Objekt angeboten. Die Grundfläche ist aus schwarz lackiertem Metall und hat die Maße von circa 16 mal 16 cm, die Höhe inklusive der Pinguine ist 7 cm. Ist das ein Schreibtischset und tatsächlich aus der Art-déco-Zeit? Und hat es einen Wert? Dietmar Hübner, o. O.

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Das schöne doppelte Tintenfass wurde tatsächlich in der Zeit des Art déco hergestellt. In den Goldenen Zwanzigern wurden für die an der Börse reich gewordenen „nouveau riche“ luxuriöse Gegenstände aus exquisiten und kostbaren Materialien hergestellt, zum Beispiel mit Lack aufwändig gestaltete Möbel oder Accessoires. Dergleichen haben wir hier nicht vor uns, eher eine Nachahmung in der gleichen Formensprache. Der hier gezeigte zeitlos schöne Entwurf zeichnet sich durch die Verwendung einfacher „Ersatz“-Materialien aus, also lackiertes Blech statt China-Lack oder Marmor, Chrom statt Silber. Derselbe Hersteller produzierte auch Varianten dieses Tintenfasses, mit anderen Vogeldarstellungen, mit Kalender oder ohne. Einige dieser Objekte tragen den Stempel „Made in Germany“. Leider war nicht zu ermitteln, welcher (Bürogeräte)-Hersteller (in Berlin) hier am Werke war. Aktuell würde ich für dieses „Art déco für den schmalen Geldbeutel“-Schätzchen einen Wert von etwa 150 Euro ansetzen, ein Pinguin-Enthusiast mag auch mehr bewilligen. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Jagdschloss Göhrde

www.schloss-ahlden.de


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MAGAZIN

Futuristisches Flugobjekt Global Art Festival im Germanischen Nationalmuseum Erstmals findet das Global Art Festival in diesem Winter im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg statt. Ab Freitag, 19. November 2021 präsentieren zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler acht Wochen lang ihre Werke im Kontext der historischen Sammlung. Kunstobjekte, Video- und Klanginstallationen werden temporär in den Dauerausstellungsräumen aufgebaut und treten dort in einen spannungsvollen, mitunter auch provokativen Dialog mit den Exponaten. Performances und interaktive Angebote runden das Programm ab. Beteiligt sind regionale, nationale und internationale Kunstschaffende, die mit ihren Arbeiten auf Werke aus den Museumsbeständen und den Ort Nürnberg reagieren. Dabei sind unter anderen die israelische Künstlerin Yael Bartana, deren Videoinstallationen sich den Erfahrungen von Genoziden und ethnischen Verfolgungen zuwenden, und die in London geborene Feministin und Aktivistin Natasha A. Kelly, die sich kritisch mit dem weißen, männlichen Blick auf die Schwarze Frau in der Kunst auseinandersetzt. Der Berliner Viron Erol Vert installiert ausgehend vom antiken Mythos des fliegenden Teppichs ein futuristisches,

Konture, Blickfang Düsseldorf

Foto: Blickfang

mehrdimensionales „Flugobjekt“ in der Dauerausstellung und zieht damit eine Verbindung von der Vergangenheit in die Gegenwart und von Orient zu Okzident, während Jan St. Werner, Mitbegründer des international bekannten Elektro-Musik-Duos „Mouse on Mars“, an 19 verschiedenen Stellen des Museums rhythmische „Toques“ abspielt, mit denen er daran erinnert, dass auch Klänge Teil unseres kulturellen Gedächtnisses sind. Begleitend zeigt Henrike Naumann in einer Einzelpräsentation Objekte und Fundstücke zu einschneidenden Ereignissen der jüngeren Nürnberger Geschichte. Das Global Art Festival ist eine Kooperation zwischen dem Global Art Nürnberg e. V. und dem Germanischen Nationalmuseum, dem Geschäftsbereich der 2. Bürgermeisterin, dem Amt für Kultur und Freizeit mit Unterstützung des Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrums der Museen in Nürnberg. (19. November bis 9. Januar) TELEFON | 0911 1331103 WEBSEITE | www.gnm.de

Möbel, Mode, mehr Blickfang Düsseldorf

Virol Eron Vert, Abraham 1, 2014; Global Art Festival im GermaFoto: Virol Eron Vert nischen Nationalmuseum Nürnberg

Das Erfolgskonzept „Blickfang” feiert seine Premiere in Düsseldorf. Am 28. und 29. November lädt die internationale Designmesse ins Areal Böhler und feiert gemeinsam mit dem Food Event Eat&Style ein Wochenende lang guten Geschmack in allen Facetten. Jährlich besuchen rund 70.000 Interessierte einen der sechs Standorte in Europa. Über 120 unabhängigen Labels aus der Designszene gilt es dort zu entdecken. Unabhängig bedeutet: Die Labels designen und produzieren selbst und können daher genaue Auskunft über


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www.auktionshaus-citynord.de

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Assembli; Blickfang Düsseldorf

Foto: Blickfang

den Entwurfsprozess und die Produktion geben. Eine Fachjury wählt aus allen Einreichungen rund ein Drittel als Ausstellerinnen und Aussteller aus. In Düsseldorf präsentieren und verkaufen 120 ausgewählte Labels ihre Produkte aus den Bereichen Möbel, Mode und Schmuck. Was alle gemeinsam haben? Die Designerinnen und Designer sind persönlich vor Ort und lassen die Besucher an ihren Produktionsgeschichten teilhaben.

ren Seite auf, kommt eine kleine Henne mit Rubinaugen und emailliertem Gefieder zum Vorschein. In ihrem Innern verbirgt sich eine mit Diamanten und Perlen besetzte Krone. Auch diese ist aufklappbar und gibt einen Fingerring mit einem großen, von kleineren Edelsteinen umrahmten Diamanten frei. Auf der Unterseite der Krone ist ein Siegelstein eingelassen, der ein Schiff in stürmischer See zeigt. Darüber ist in französischer Schrift zu lesen „CONSTANT MALGRE L’ORAGE“ („Standhaft trotz des Sturms“). Auf der anderen, schmal zulaufenden Seite des Eis befindet sich ein weiterer Schraubverschluss. Öffnet man diesen, so erscheint unter einem halbrunden Deckel eine Tülle, auf die vermutlich ein parfümierter Schwamm aufgesteckt war. Im Goldenen Ei verbinden sich materielle Kostbarkeit, hohe Kunstfertigkeit, symbolträchtige Aussage und Innovationsfreude. Es gehörte im 19. Jahrhundert zu den berühmtesten Stücken der Sammlung und hinterließ großen Eindruck etwa bei dem jungen Peter Carl Fabergé, der Anfang der 1860er-Jahre in Dresden war. Zweifellos diente es ihm als Inspirationsquelle für das erste seiner Ostereier für den russischen Zaren. Nur zwei in Aufbau und Machart vergleichbare Stücke aus dem 18. Jahrhundert haben sich bis heute erhalten: Eines davon bewahrt die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums Wien, das andere befindet sich in der Königlich Dänischen Sammlung auf Schloss Amalienborg in Kopenhagen. Zukünftig wird das Goldene Ei im Neuen Grünen Gewölbe des Dresdner Residenzschlosses ausgestellt sein. Dort wird es zusammen mit den frühen Pretiosen Augusts des Starken präsentiert werden. Um dem kostbaren Objekt einen gebührenden Empfang zu bereiten, startet dank der großzügigen Unterstützung des Vereins der Freunde des Grünen Gewölbes ein Restaurierungsprojekt, in dessen Rahmen zunächst fünf Objekte restauriert werden. TELEFON | 0351 49142643 WEBSEITE | www.skd.museum

TELEFON | 0711 9909390 WEBSEITE | www.blickfang.com

Überraschungsei Das Goldene Ei zurück in Dresden Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) erwerben mithilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung (EvS) das legendäre Goldene Ei aus dem ehemaligen Bestand des Grünen Gewölbes. Bei dem Ei handelt es sich um eine Pretiose, die einst in der Schatzkammer Augusts des Starken einen besonderen Rang einnahm. 1705 erwarb er das Objekt auf der Leipziger Ostermesse. Im Rahmen der Fürstenabfindung gelangte das Ei 1924 an das Haus Wettin. Nun konnte die Rarität dank der Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung als Dauerleihgabe für das Grüne Gewölbe zurückgewonnen werden. Das knapp fünf Zentimeter große Ei offenbart mehrere Überraschungsmomente: Dreht man es auf seiner breite-

Das sogenannte Goldene Ei; Grünes Gewölbe Dresden Foto: Michael Wagner


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Antikes & Kurioses - Auktion Mittwoch 01. Dezember 2021 Antik-Kunst-Varia-Schmuck - Auktion Donnerstag 09. Dezember 2021

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Hiroshige, Tsukuda aus der Fuji-Serie (1858), Schätzpreis 600/900 EUR

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Japanische Kunst und Nachlass Marianne Lienau Vorbesichtigung und Auktion: Riehler Str. 77, 50668 Köln, Germany Tel. +49 (0)221 16899440 oder +49 (0)221 16898431 weissenberg-deville@signens.com • www.signens.com


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MAGAZIN

Ein Fest für die Sinne Antik & Ambiente im Januar in Sindelfingen Die Vorbereitungen für die Messe laufen auf Hochtouren. Ein glanzvolles, atemberaubendes Rendezvous der Epochen soll die Besucher erwarten, wenn die schillernde Antik & Ambiente im Januar ihr Comeback feiert. Die Tafel ist mal wieder reich gedeckt: Uhren aus der Belle Époque für magische, einzigartige Momente im heutigen Hier und Jetzt, kostbare Original-Schmuckstücke von Art-déco- und Jugendstildesignern, Möbel aus Zeiten von Friedrich dem Großen oder Kaiserin Sisi, Midcentury-Silber für ein stilvolles 60er-Jahre-Flashback, dazu ein aufregender Schuss modernes, exquisites Wohndesign. Vom 13. bis zum 16. Januar können Kunst- und Antiquitätenliebhaber wieder in der Messe Sindelfingen stilvoll durch die Jahrhunderte flanieren und in elegant-ästhetischer Atmosphäre ihre ganz persönlichen Lieblingsstücke auswählen.

Alex Katz, 2020 – Ada X 2, signiert und nummeriert, Auflage: 150, ̈sentiert auf der Antik & Methode: Archival pigment inks – pra Ambiente von Coloneum Antik

Als versierte Galeristin setzt Birgit Strehler nur auf hochwertige Exponate. Mit sicherem Kunstmarkt-Instinkt und einer kompromisslos auf Qualität setzenden Besetzungspolitik hat sie die Antik & Ambiente wie auch deren Vorgänger-Format Antik & Kunst zu einem der am hellsten leuchtenden Sterne im süddeutschen Kunst- und Antiquitätenmessen-Himmel gemacht. Auch auf der kommenden Antik & Ambiente können die Besucher sich auf eine berauschende Fülle an hochwertigen Kunstobjekten aus den verschiedensten Epochen freuen – von Gemälden über Grafik, Zeichnung und Skulptur bis hin zum Kupferstich. Highlights von weltberühmten Künstlern wie Maria Sibylla Merian, Emil Nolde oder Max Liebermann bekommen in der Messe Sindelfingen einen festlich-blauen Teppich ausgerollt, ebenso wie der berühmte Maler Alex Katz, dem auf der Antik & Ambiente eine beeindruckende Sonderschau gewidmet wird. Katz wurde im Jahr 1927 in Brooklyn, New York, geboren und gilt als der letzte große Pop-Art-Künstler. Großformatige Gemälde, in der Regel Landschaften und Porträts, kennzeichnen sein international gefragtes Werk. Präsentiert wird die Sonderschau von Alwin und David Homeier aus Regensburg, wo ihr „Coloneum Antik“ bereits seit 32 Jahren elegantes Mobiliar mit Schwerpunkt Biedermeier und Art déco offeriert. Mit einem gekonnt ausbalancierten Spannungsbogen zwischen Biedermeier, Art déco und Design-Möbel in Kombination mit Pop Art begeistern Vater und Sohn dort ihr Publikum. Wer in Kunst und Luxuslust investiert, braucht Sicherheit. Das Angebot der Antik & Ambiente ist wie gewohnt von einem renommierten unabhängigen Expertenteam juriert. Diese bieten ihre Expertise übrigens auch vor Ort während der Messe an. Von Freitag bis Sonntag können die Messebesucher – gegen eine maßvoll kalkulierte Gebühr – sowohl eigene mitgebrachte Erb- oder Sammlerstücke als auch die ausgestellten Exponate in Hinsicht auf Echtheit, Entstehungszeit und Erhaltungszustand bewerten und schätzen lassen. Maria Sibylla Merian, „Orange", altkolorierter Kupferstich aus ̈sentiert Metamorphosis Surinamensium 1705 Amsterdam, pra auf der Antik & Ambiente vom Kunstkabinett Strehler

TELEFON | 07031 7910 WEBSEITE | www.antik-ambiente-messe.de


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