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NoVemBer 2019

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November 2019 · B 1309 | € 8,00 Schweiz CHF 12,30 | Österreich € 8,90 | Be/Ne/Lux € 9,00

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Nicht nur was für Kinder GEMI

Holzspielzeug aus Schweden

Franz Radziwill: Magischer Realismus • Keramik des Art déco


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14.10.2019

13:58 Uhr

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03_Inhalt.qxp_SJ Inhalt 14.10.19 17:11 Seite 1

INHALT • NOVEMBER 2019

KUNSTMARKT Hongkong, Fotografie

FOTOKUNST Sutkus, Der Greif, Fiona Tan

18 26

Titelbild: Schwedisches Holzspielzeug, Kugelmännchen Micki, Ulf Hanses’ Spielzeugauto für Playsam, Propellermaschine von Brio

NICHT NUR WAS FÜR KINDER Holzspielzeug aus Schweden SAMMLER-SERVICE

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MAGAZIN

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MESSETERMINE

14

AUKTIONSTERMINE

38

INSERENTENVERZEICHNIS

43

AUKTIONSNOTIZEN

44

AUSSTELLUNGSTERMINE

64

AUSSTELLUNGEN

69

LITERATURTIPP

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AUKTIONSPREISE

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VORSCHAU | IMPRESSUM

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von Regina Voges

FRANZ RADZIWILL Magischer Realismus von Anja Iwa

KERAMIK DES ART DÉCO im Badischen Landesmuseum von Hans-Jürgen Flamm

30 58 76

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07_Hermann

14.10.2019

14:09 Uhr

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Europäische Malerei und Kunsthandwerk Freitag, 22. November, 15 Uhr & Samstag, 23. November, 11 Uhr Katalog online ab 7. November Vorbesichtigung: Sa. 16. und So. 17. Nov., 12-18 Uhr sowie Mo. 18. bis Do. 21. Nov., 10-18 Uhr Live bieten über lot-tissimo.com invaluable.com und liveauctioneers. com Napoleone Martinuzzi – Seltene, große Zierhenkelvase Entwurf für Zecchin Martinuzzi, um 1932

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MAGAZIN

kleinen Editionen und Zeichnungen über große Gemälde bis hin zu Urban Art sowie Skulpturen und Installationen, für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel ist bei diesem breiten Angebot der Messe das Passende dabei. Beim Teilnehmerfeld setzt die Discovery Art Fair Frankfurt erneut auf die Ausgewogenheit von internationaler Vielfalt und regionaler Verankerung. Neben renommierten Namen des Rhein-Main-Gebiets wie der Frankfurter Galerie Barbara von Stechow, Galerie Thomas Hühsam aus Offenbach oder Galerie Rother Winter aus Wiesbaden, ermöglicht Deutschlands führende Messe für aufstrebende Kunst vor allem auch jungen Galerien, wie Red Zone Arts aus dem Frankfurter Westend oder der temporären Initiative „Der Mixer Frankfurt” ihre frischen Programme einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Die deutsche Galerienszene vertreten Aussteller wie Galerie Klinger & Me aus Karlsruhe, Galerie Bengelsträter aus Düsseldorf, Galerie Z22 aus Berlin oder die auf Urban Art spezialisierte Art Avenue Gallery aus München. Gleichzeitig vermitteln unter anderem die Alma Gallery aus Athen, Folly and Muse aus London, Galerie Wilmsen aus der Schweitz, La galeria de guadalajara aus Spanien, die Nordcom Galerie aus Estland und Galerie Stephanie von den Philippinen einen lebendigen Eindruck von der Bandbreite des internationalen Kunstmarktes. Ein Viertel der Messefläche reservieren die Veranstalter traditionsgemäß für aufstrebende Einzelkünstler ohne GaleKosmo, Electric Cafe, 2019, Digitaldruck auf Alu Dibond, 60 x 80 © Atelier Galerie cm; Discovery Art Fair Frankfurt

sie sich langfristigen neuen und bereits bestehenden Beziehungen in der Kunstszene, die auch außerhalb der Messe Früchte tragen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Messeleitung und Galerien sowie regionaler Kunstinstitutionen ist das Erfolgsrezept der Art Düsseldorf. TELEFON | 0221/4203930 WEBSEITE | www.art-dus.de

Auf Entdeckungstour Disovery Art Fair Frankfurt Für die zweite Ausgabe der vom 31. Oktober bis 3. November 2019 stattfindenden Discovery Art Fair Frankfurt wurden 80 Aussteller aus 15 Ländern ausgewählt, die im Forum der Messe Frankfurt Werke von mehr als 400 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern präsentieren. Schon die Messe-Premiere im Vorjahr übertraf alle Erwartungen der Aussteller und Veranstalter. Mehr als 10.000 kunst- und kaufbegeisterte Besucher strömten in das Forum der Messe Frankfurt und bewiesen, dass die Mainmetropole durchaus ein idealer Standort für eine internationale Kunstmesse sein kann. Im lichtdurchfluteten Forum der Messe Frankfurt findet man nun am ersten November-Wochenende wieder einen einzigartigen Einblick in die aktuelle Kunstszene. Von

Joerg Strobel, Die Hummernixe, 2019, Öl auf Leinwand, 100 x 140; Discovery Art Fair Frankfurt Courtesy Joerg Strobel


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KUNSTMARKT

Fotografie der Nachkriegszeit Die Markttrends Der Markt für Fotografie ist ein noch junger Markt, verglichen mit den anderen Kategorien künstlerischen Schaffens. Erzielte Auktionssergebnisse sind eher niedrig, umso mehr, als die Tendenz zur Spekulation stark abgenommen hat. Die Ergebnisse könnten sich jedoch verbessern, wenn die Künstler von Heute und Morgen die kreative Nutzung der Fotografie neu gestalten. Der Markt für Fotografie ist sehr besonders – und das ist einzigartig auf dem Kunstmarkt –, weil er von lebenden Künstlern beherrscht wird. Interessanterweise sind die teuersten Fotografen weltweit nicht jene, deren Schaffen Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen hat – anders als im Bereich der Malerei und Bildhauerei –, sondern sie sind Zeitgenossen. Es ist also wahrscheinlich, dass sich die Stellung der Fotografie auf dem Kunstmarkt in naher Zukunft verändert, denn ihre außergewöhnliche Geschichte wird in der Gegenwart geschrieben. Heute ist der Marktanteil mit knapp zwei Prozent des Gesamtvolumens des Kunstmarkts relativ marginal. Rückgang für die Stars unter den Fotografen Die Fotografen, deren Bilder bei Versteigerungen regelmäßig die Millionen-Dollar-Grenze überschreiten, kann man an einer Hand abzählen: Es sind der Deutsche Andreas Gursky, der Amerikaner Richard Prince und seine Landsmännin Cindy Sherman sowie das britische Duo Gilbert & George. Diese zwischen 1940 und 1950 geborenen Künstler und Künstlerinnen werden von angesehene Galerien vertreten

wie zum Beispiel Gagosian, Skarstedt, Thaddaeus Ropac und White Cube, die sie fördern. Von 2013 bis 2014, als der Verkauf von Werken der Fotografie weltweit auf dem Höhepunkt war, vereinten die vier berühmten Galerien etwa 38 Prozent der Verkaufserlöse in diesem Segment auf sich. In den letzten vier Geschäftsjahren nahm ihre Leistung jedoch stark ab, ebenso wie der weltweite Verkauf von Arbeiten der Fotografie aus der Nachkriegszeit. Besonders stark sieht man dies am Beispiel von Andreas Gursky. Der Verkaufserlös von Gurskys Arbeiten bei Versteigerungen hat seit 2013 stark abgenommen. Nicht nur ein Rückgang des Verkaufs, sondern auch des Wertes seiner Werke ist zu beobachten. Von 2013 bis 2019 weist der Preisindex von Gursky ein Minus von 45 Prozent auf. Dies lässt sich an einigen konkreten Beispielen von Fotografien, die in den letzten Jahren bei Auktionen die Besitzer gewechselt haben, relativ gut veranschaulichen. So konnte das nummerierte Exemplar 3/5 von „Zurich Bankproject Nr. 5“ aus dem Jahr 1997, das im Februar 2013 in London für 200.000 Dollar verkauft worden war, im November 2017 bei Christie’s in New York nicht mehr versteigert werden, obwohl es dort erneut auf einen Wert zwischen 80.000 und 120.000 Dollar geschätzt worden war. Schließlich fand es im vergangenen März für 65.000 Dollar bei Phillips in London einen Käufer. Das Exemplar, das im Jahr 2013 gekauft worden war, als das Interesse für Andreas Gursky auf dem Höhepunkt war, verlor in den letzten sechs Jahren 67 Prozent seines Wertes. Dasselbe gilt generell auch für die Arbeiten von Cindy Sherman und von Richard Prince sowie für den gesamten Markt für Fotografie der Nachkriegszeit. Dieser hat sich deutlich verlangsamt und befindet sich heute nicht mehr in seiner besten Phase. Dennoch ist der Markt für Fotografie heute vier Mal so groß wie vor 20 Jahren. Zwar kommen Versteigerungen in Millionenhöhe nicht mehr so häufig vor, wie noch vor fünf Jahren, 2014, einige Künstler haben es seit dem Beginn dieses Jahres aber dennoch geschafft.

Andreas Gursky, Zürich Bankproject No. 5, 1997 (Phillips, New York, März 2019, Zuschlagspreis 46.257 Euro)

© VG-Bildkunst Bonn


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KUNSTMARKT

Neue Rekorde im Jahr 2019

Helena Almeida

Für rund 19 weitere Fotografen – ausgenommen Andreas Gursky, Richard Prince, Cindy Sherman sowie Gilbert & George – wurde in den letzten 20 Jahren zumindest ein Versteigerungsergebnis oberhalb der Millionen-Dollar-Grenze erzielt. Zu diesen Künstlern gehören Hiroshi Sigimoto (viermal), Jeff Wall (zweimal) und Piotr Urlanski (einmal).

Die Nachfrage für Arbeiten der portugiesischen Fotografin Helena Almeida – zwar in einer anderen Preiskategorie – nimmt ebenfalls rasch zu. Eine Retrospektive in Paris im Jahr 2016 und ihr Tod im vergangenen Herbst haben sehr wahrscheinlich zur Steigerung der Preise ihrer Arbeiten beigetragen. Am 20. Februar 2019 wurde für ihre Fotografie „Dentro de mim“ aus dem Jahr 2000 in Lissabon ein Verkaufspreis von 128.000 Dollar erreicht. Eine Ehrerweisung in memoriam für die Fotografin, die Portugal zwei Mal bei der Biennale von Venedig vertreten hat, 1982 und 1995. Es gibt wenig Zweifel, dass die nächsten offerierten Fotografien von Helena Almeida die Preissteigerung bestätigen werden wie zum Beispiel die Schwarzweißbilder der Serie „Pintura habitada“, die mittels einer Unterlegung mit azurblauen Acrylfarben noch besser zur Geltung kommen.

Helmut Newton In diesem Jahr, 2019, wurde auch für Werke des bekannten amerikanischen Modefotografen Helmut Newton zum ersten Mal diese symbolische Grenze erreicht. Die Beliebtheit von Helmut Newton, der im Jahr 2004 mit 83 Jahren starb, nimmt heute weiter zu. Von „Sie Kommen, Paris“ aus dem Jahr 1981, einem vierteiligen Werk in drei Exemplaren, wurde eines am 4. April 2019 bei Phillips in New York für 1,8 Millionen Dollar verkauft – das beste Ergebnis im ersten Halbjahr 2019. Der Verkauf stellt für Werke von Helmut Newton einen neuen Rekord dar und ist das höchste Auktionsergebnis im Bereich Fotografie im ersten Halbjahr 2019 weltweit.

Visual artists: Über die Fotografie hinaus Die neue Generation, die die Praxis der Fotografie neu gestaltet, zählt insbesondere auf die Werkzeuge der Informatik. Ermutigt durch den Erfolg ihrer Vorgänger auf dem

Richard Mosse, Nowhere to Run (Infra series), 2010 (Phillips, London, Mai 2019, Zuschlagspreis 34.346 Euro)

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KUNSTMARKT

Markt emanzipieren sich die jungen Fotografen zunehmend von der traditionellen Praxis in der Fotografie. In diesem Bereich ist der Beitrag des Deutschen Wolfgang Tillmans (Jahrgang 1968) besonders bemerkenswert. Sein Ansatz symbolisiert eine Fotografie, die sich von ihren Komplexen befreit hat, erfüllt ist von einer neuen Form der Poesie und es schafft, die Abstraktion als neue Dimension hinzuzufügen. Die Auktionsergebnisse für seine Arbeiten sind seit der großen Retrospektive, die von der Tate Modern und der Fondation Beyeler im Jahr 2017 organisiert wurde, spektakulär. Für seine Arbeiten wird gegenwärtig bei Auktionen die 400.000-Dollar-Grenze überschritten. Richard Mosse Die letzte Generation der Künstler, die sich auf dem Kunstmarkt durchsetzt, jene unter 50 Jahren, wendet sich noch radikaler den Techniken zu, die die Grenzen des Mediums in Frage stellen. Die Fotografie kann gegenwärtig andere Medien nutzen, insbesondere das Video oder in Installationen integriert werden. Der Begriff „visuelle Kunst“ wird zur Beschreibung der

Arbeiten zahlreicher zeitgenössischer Künstler wie etwa Anne Collier (Jahrgang 1970), Cory Arcangel (Jahrgang 1978) oder Tauba Auerbach (Jahrgang 1981) verwendet, die die Fotografie im Rahmen eines neuen konzeptuellen Ansatzes in ihre Arbeit integrieren. Interessanterweise bekommen angesichts der Emanzipation der Fotografie auch klassische Ansätze Aufwind, insbesondere der Fotojournalismus mit Künstlern wie Richard Mosse (Jahrgang 1980), der von den Galerien Jack Shainman und Cariler Gebauer vertreten wird. Mosse verwendet Militärtechnologien wie zum Beispiel Infrarotstrahlung, um die Wirklichkeit neu zu beleuchten. Gegenwärtig werden seine Arbeiten für Preise zwischen 10.000 und 50.000 Dollar versteigert, doch diese könnten rasch steigen. Nachdem sie bei der 55. Biennale von Venedig ausgestellt und mit dem Deutsche Börse Photography Prize 2014 und dem Prix Pictet 2017 ausgezeichnet worden war, wird die Arbeit von Richard Mosse im Oktober 2019 im MoMA von San Francisco ausgestellt. Das ist seine erste große Schau in den USA. QUELLE | artprice.com


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14.10.2019

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30_37_Holzspielzeug_SJ Redaktion 14.10.19 17:07 Seite 2

Holzspiel zeug aus Schweden Holzspielzeug aus Schweden Nicht nur etwas für Kinder – Sammler begeistert das schicke Design Von Regina Voges

Dank riesiger Wälder gab es in Schweden eigentlich immer schon Rohstoff in Hülle und Fülle. Trotzdem dauerte es in dem skandinavischen Land etwas länger als in Mitteleuropa, bis sich eine florierende Spielzeugindustrie etablieren konnte. Sie überzeugte schließlich Eltern und Kinder in aller Welt mit ihrem hohen Anspruch an pädagogische und ästhetische Werte.

Dennis Ingemansson, Kinderwagen, 2006. Foto: Playsam Die Steckfigur „Clown“, ca. 1954-58, genießt Kultstatus. Foto: Brio


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HOLZSPIELZEUG

Michel aus Lönneberga hat jede Menge Fans. Der Blondschopf mit der Zahnlücke taucht mit schöner Regelmäßigkeit im deutschen Fernsehen auf. Er ist ein Geschöpf der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren (19072002). Sie schildert mit Michel das Leben im ländlichen Schweden vor rund 100 Jahren. Der Junge hat es faustdick hinter den Ohren. Er bringt seine Eltern zur Verzweiflung, wenn er Hausschwein und Hahn betrunken macht, den geplagten Vater barfüßig in eine Schüssel mit lebenden Flusskrebsen treten lässt oder seinen Kopf so tief in einer Suppenschüssel versenkt, dass ein teurer Arztbesuch fällig wird. Jeder Streich endet damit, dass Michel in einen Schuppen gesperrt wird, in dem er nichts anderes tun kann, als kleine Figuren zu schnitzen. Seine Sammlung umfasst bald 100 Exemplare. Das mitteleuropäische Fernsehpublikum hat sich bestimmt schon oft den Kopf darüber zerbrochen, was es mit dieser seltsamen Erziehungsmethode auf sich hat. Hierzulande wurden kleinen Flegeln die Ohren lang gezogen, fortschrittlichere Eltern versuchten es auch mit Stubenarrest. Aber ausgerechnet Figurenschnitzen als Strafe? Astrid Lindgren hat sich das nicht willkürlich ausgedacht. Das südliche Schweden, wo sie Michels elterlichen Hof Katthult angesiedelt hat, war schon immer eine Hochburg der Holzverarbeitung. Es ist eine Region mit endlosen Wäldern, und gegen die Langeweile ebenso endloser dunkler Wintertage half am besten eine sinnvolle Beschäftigung. So saßen Michels Zeitgenossen des Abends in der Stube und fertigten Schüsseln und Schemel für den Haushalt, dekorative

Puppenhaus, H 95 cm, erste Hälfte 19. Jahrhundert Holzpferd mit Reiter, um 1900 (Zuschlag: 1.000 Kronen/93 Euro) Puppenmöbel von Berit Bergström, Nolbyn Värmländskt hantverk, zweite Hälfte 20. Jahrhundert, verkauft im November 2016 für 729 Euro Alle Fotos: Bukowskis Auktioner AB

Figuren und Kinderspielzeug an. Aus der traditionellen Heimarbeit hat sich mit der Zeit ein Industriezweig entwickelt, deren Spur sich bis heute verfolgen lässt. Firmen wie Brio, Micki oder das mit 35 Jahren noch junge Unternehmen Playsam sind aus dieser Tradition hervorgegangen. Ihre Namen stehen für perfekte handwerkliche Verarbeitung und hervorragendes skandinavisches Design. Obwohl die Voraussetzungen für eine florierende Spielzeugproduktion dank dem großen Holzreichtum des Landes eigentlich ideal waren, eroberten die Manufakturen im hohen Norden den Weltmarkt aber erst relativ spät. Während in Deutschland und Frankreich bereits im 18. Jahrhundert ein schwungvoller Handel mit allem blühte, was ein Kinderherz begehrte, trat die Konkurrenz aus Schweden erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf den Plan. Dann aber besetzte sie schnell eine führende Stellung auf den Exportmärkten. Vor allem auf dem Gebiet des pädagogischen Spielzeugs waren die Schweden im frühen 20. Jahrhundert ausländischen Herstellern ein paar Nasenlängen voraus. Denn mit den gesellschaftlichen Umbrüchen, die schließlich in die Etablierung des ersten Wohlfahrtsstaates in Europa mündeten, ging auch ein verändertes Familienbild einher. Die Reformpädagogin Ellen Key (1849-1926) rief im Jahr 1900 das „Jahrhundert des Kindes“ aus. Man widmete den Jüngsten

mehr Aufmerksamkeit, ging stärker auf ihre Bedürfnisse ein und versuchte, ihre Begabungen früher zu erkennen und besser zu fördern. Das richtige Spielzeug spielte bei diesem neuen pädagogischen Ansatz eine Hauptrolle.

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HOLZSPIELZEUG

„LEKSAKER“ Doch bis es so weit war, hatte das schwedische Holzspielzeug schon einen langen Weg hinter sich. In schriftlichen Zeugnissen taucht der Begriff „Leksaker“ (schwed. Spielsachen) erstmals zu Beginn des 18. Jahrhunderts in einer Abhandlung des berühmten Astronomen, Physikers und Mathematikers Anders Celsius (1701-1744) auf. Darüber, wie sich Kinder die Zeit vertrieben, machte man sich damals wohl kaum viele Gedanken. Und sehr viel Raum für eine unterhaltsame Beschäftigung blieb den meisten Kindern auch nicht, zumal in den ärmeren Familien. Sie wurden schon früh zum Arbeiten angehalten, mussten neben der Schule – die Schulpflicht wurde in Schweden 1842 eingeführt – große und kleine Aufgaben erfüllen. Selbstgebastelte Steinschleudern für die Jungen, primitive Puppen für Mädchen, simple Wagen, Schlitten, Yoyos, Reifen und Tierfiguren mussten für den Zeitvertreib herhalten. Besser hatte es in jeder Hinsicht der Nachwuchs der Oberschicht. Wohlhabende Eltern konnten ihre Söhne und Töchter mit Importware aus Deutschland beglücken, die schon in den 1730er-Jahren auf den Weihnachtsmärkten der größeren Städte angeboten wurden. 1672 ließ sich Tischlermeister und Vergolder Burchard Precht aus Bremen in Stockholm nieder. Er konnte schnell eine vornehme Kundschaft gewinnen und versorgte sogar die königlichen Residenzen mit feinen Möbeln und Innenausstattungen. Königin Ulrika Eleonora von Dänemark, Ehefrau von König Karl XI., bestellte 1686 bei ihm Spielzeug für ihren Sohn, den späteren König Karl XII. und für dessen Schwester Hedvig Sophia. Ihr Puppenhaus, das sogar ein Feuer im königlichen Palast überlebte, befindet sich heute in einer Privatsammlung. Es ist ein typisches Beispiel für die schwedischen Puppenhäuser

der Barockzeit: Ein reich verzierter Kabinettschrank mit gläsernen Türen ist aufgeteilt in verschiedene Stockwerke und liebevoll möblierte Wohnräume. Das Stockholmer Nordiska Museet bewahrt weitere Beispiele solcher Miniaturwelten auf, die aus wohlhabenden Familien stammen und es mit der Prachtentfaltung ihrer großen Vorbilder durchaus aufnehmen können. Kleinste Details wie Zierspiegel, winzige Ölgemälde und Delfter Teller gibt es zu bestaunen, Bankettsäle laden eine imaginäre Gesellschaft zum Tanz ein, während im Untergeschoss Köchin und Gesinde in einer perfekt ausgestatteten Küche für das leibliche Wohl sorgen.

KLEINE WELTEN Die eleganten Wohnszenarien waren vor allem zum Anschauen da, sie vermittelten Kindern ein Gefühl für einen repräsentativen Lebensstil. Zum Spielen waren sie weniger geeignet. Frühe Puppenhäuser waren in der Regel das Werk von Profis. Tischlermeister fertigten sie wahrscheinlich nebenher an, wobei sich vor allem ihr Nachwuchs in der Fertigung von Möbeln im Kleinstformat üben konnte. Dabei wurden oft Abfallmaterialien verwendet, die bei der Herstellung von Möbeln für Erwachsene anfielen. Doch auch Amateure erlagen schließlich der Faszination dieser kleinen Welten. Nicht zuletzt sie sorgten auch dafür, dass das Puppenhaus nicht den Kindern reicher Bürger vorbehalten war. Dieser Demokratisierungsprozess vollzog sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Forciert wurde er durch einen Boom des Märchensammelns. Gestalten wie Däumelinchen von Hans Christian Andersen weckten neue Phantasien und Wünsche. Die inzwischen etablierten Hersteller wie Brio und Gemla fluteten den Markt mit preiswerten Kleinsthäusern. Währenddessen schufen Amateure mit Begeisterung individuelle Häuschen

für ihre Kinder, Enkel, Nichten und Neffen. Alte Zucker- oder Zigarrenkisten dienten als Rohmaterial. Familienzeitschriften wie das Magazin „Allérs“ veröffentlichten Anleitungen. Bei Sammlern sind heute die Puppenhäuser und -möbel von Berit Bergström sehr gefragt. In Kunstauktionen – etwa beim führenden Unternehmen Bukowskis – erzielen die Miniaturen der 1974 verstorbenen Amateurin Spitzenpreise. Berit Bergströms Karriere gleicht einem bezaubernden Märchen. 1896 als Tochter eines Politikers geboren, wuchs sie mit vielen Geschwistern auf. Die Familie bewohnte in den Ferien den an einem See gelegenen Landsitz Bosjön in Värmland. Er wurde zu einem Sehnsuchtsort für Berit und ihre Geschwister. 1916 musste der Vater das Haus verkaufen – aber in den Herzen seiner Kinder hatte es weiterhin einen festen Platz. Für ihre Nichten und Neffen schuf Berit Bergström Jahre später ein genaues Abbild von Bosjön. Nach und nach wurde es um Nebengebäude erweitert, schließlich nahm auch das angrenzende Dorf Formen an. Die Kinder in ihrer Umgebung machten begeistert mit. Gemeinsam wurde die Szenerie um Geschichten und Anekdoten belebt. Berit schuf Puppen, die den Dorf-Originalen ihrer Jugendzeit nachempfunden waren. Das Miniaturdorf bekam schließlich den Namen „Nolbyn“ – zu Deutsch etwa „Norddorf“. Auch die Erwachsenen waren von dieser phantastischen Welt fasziniert und rieten der jungen Frau, die Konstruktion von Puppenhäusern zur Profession zu machen. Berit Bergström, die 1903 in den Wiener Werkstätten Textildesign studiert hatte, tat sich mit einem Tischlermeister zusammen, übernahm alle Detailarbeiten aber selbst. Sie polsterte die winzigen Stühle und Sofas, nähte Vorhänge und Gardinen, schuf Puppen zunächst aus Holz, später auch aus Plastik. Die anrührenden Domizile und ihre Ausstattung wurden unter dem


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HOLZSPIELZEUG

Namen „Nolbyn Värmländskt hantverk“ mit großem Erfolg vermarktet. Die Geschichte der schwedischen Spielzeugindustrie ist geprägt von erfindungsreichen und wagemutigen Persönlichkeiten, die keine Arbeit scheuten und sich von Rückschlägen nicht beeindrucken ließen. Die Firma Brio, die 2015 vom deutschen Spielzeughersteller Ravensburger gekauft wurde, gehört zu den umsatzstärksten und innovativsten Unternehmen. Ihre Produkte haben den Weltmarkt erobert und wurden zu einem Synonym für schwedisches Holzspielzeug. Begonnen hat ihre Geschichte allerdings als Großhandel für Haushaltswaren. Der ehrgeizige Gründer Ivar Bengtsson verdiente sein erstes Geld mit dem Verkauf von geflochtenen Körben. Die Angebotspalette der 1884 im südschwedischen Osby gegründeten Handelsfirma wuchs jedoch von Jahr zu Jahr. Zwei Söhne des Seniorchefs studierten den Markt in Deutschland, importierten von dort vor allem Spielzeug, das in Schweden um 1910 immer begehrter wurde. Seinen ersten großen Erfolg feierte das Handelshaus jedoch mit dem „Osby“-Pferd,

Von links oben nach unten: Holztraktor aus den 1950er-Jahren von Brio, das Firmenlogo mit der schwarzen Katze stand für Robustheit und Langlebigkeit der Produkte Nachzieh-Ente Anka wird seit 1963 von Kleinkindern geliebt. Über eine materielle Wertsteigerung dürfen sich die Kinder von damals freuen, wenn ihre Eltern die Originalverpackung aufgehoben haben Nichts für Eltern mit schwachen Nerven war dieser musikalische Clown, der – einmal in Bewegung – mächtig auf die Pauke haut. Das Firmenlogo verrät, dass er seine große Zeit in den 1960er-Jahren erlebte Wer an schwedisches Spielzeug denkt, denkt oft umgehend an die Holzeisenbahn Tuff-Tuff. Hier ein frühes Modell, das noch das Katzen-Logo aus den 1940er-Jahren ziert Hat einiges mitgemacht im Kinderzimmer: Propellermaschine aus den 1940er-Jahren Alle Fotos: Brio

das der Tischler Thomas Johannsson kreiert hatte: Ein Spielzeug auf Rädern, das in sieben unterschiedlichen Größen und Versionen – mit und ohne Anhänger – angeboten wurde. Es wurde bis in die 1970erJahre hergestellt und galt bis dahin als das am meisten verkaufte Spielzeug in Schweden. 1908 übernahmen die drei Söhne des Firmengründers das Unternehmen. Sie firmierten unter dem Namen „Bröderna Ivarson Osby“ (Gebrüder Iversson Osby), der schließlich als Abkürzung zum Markennamen wurde. Eine schwarze Katze vervollständigte das Logo. Das Tier, dem bekanntlich sieben Leben nachgesagt werden, sollte die Langlebigkeit und Robustheit der Produkte symbolisieren. BrioSpielzeug wurde ab 1934 gemarkt. Das Unternehmen gewann kleine Familienbetriebe als Zulieferer. Verträge wurden noch per Handschlag besiegelt. Doch ansonsten ging man mit der Zeit. Die Kataloge erreichten in den 1950er-Jahren eine Auflage von 400.000 Exemplaren. Wer sie durchblättert, kann heute den Wandel Schwedens in puncto Mobilität nachvollziehen: Beherrschten zunächst Pferde und Kutschen die Angebotspalette, so kamen in den 1940er-Jahren Züge, Autos, Traktoren, Schiffe und Fähren hinzu. Schnittige Flitzer wurden unverkennbar mit einem Holzvergaser angetrieben – so wie die großen Vorbilder in den Kriegs- und Nachkriegs-

jahren, in denen Benzin noch Mangelware war. In der Nachkriegszeit blühte die schwedische Spielzeugindustrie geradezu auf, denn der Import aus Deutschland lag am Boden.

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Brios Marktstellung wurde dominierend, was sich nicht zuletzt in der Ausstattung der Passagierschiffe und der Flugzeuge von SAS zeigte. Damit der Weg in die Ferien weniger langweilig ausfiel, wurde den kleinsten Passagieren Spielzeug des heimischen Herstellers offeriert. Auch in puncto Design-Ideen war diese Epoche für das südschwedische Unternehmen äußerst fruchtbar. Zum Exportschlager wurde das „Labyrinth“, ein kniffliges Geschicklichkeitsspiel, bei dem es darum geht, eine Kugel über einen Hindernisparcour auf einer beweglichen Basis ins Zielloch zu dirigieren. Große und kleine Spieler versuchen sich bis heute daran. Abgesehen vom Unterhaltungswert schult der Spieleklassiker die Feinmotorik. In England nutzte man die Holzbox sogar in Sanatorien bei der Rehabilitation von Kriegsversehrten. Das Labyrinth wurde ein Welterfolg – und eines der am häufigsten kopierten Spielzeuge aus Schweden. 1945 brachte Brio die erste Wackelfigur („Pushup“) auf den schwedischen Markt, den Hund Sampo. Das Unternehmen erwarb dazu die Rechte ihres Erfinders Walter Kourt Walss aus der Schweiz. Mit einem Daumendruck auf die Unterseite des Holzsockels lässt sich das Tier dank eines ausgeklügelten Mechanismus aus Federn und Schnüren in alle Richtungen bewegen. Es scheint, als werde Sampo regelrecht lebendig. Auch Sampo ist bis heute im Programm und hat inzwischen jede Menge Kollegen bekommen: Giraf-

fen, Zebras – und Mickey Mouse. Ähnlich zählebig ist „Dachsie“, der 1958 die Kinderherzen eroberte. Der Nachziehdackel bezaubert die Jüngsten. Er wackelt mit Kopf und Schwanz, rollt mit den Augen und ahmt den etwas watschelnden Gang seines Vorbilds nach, wenn man ihn hinter sich her zieht.

KUGELMÄNNCHEN Auch „Micki Leksaker“ gehört zu jenen schwedischen Manufakturen, die bis heute ihren Platz am Markt verteidigen konnten und ihn mit gefragten Spieleklassikern aus Holz versorgen. Gegründet wurde das Unternehmen während des Zweiten Weltkrieges von Georg Aronsson, einem Handelsreisenden. Er traf bei einem Restaurantbesuch mit einem Künstler zusammen, der ihm Idee und Zeichnungen für ein originelles Kugelmännchen lieferte. Für die damals beträchtliche Summe von 265 Kronen kaufte Aronsson den Entwurf und taufte es „Micki Kul“. Gemeinsam mit seinen fünf Geschwistern gründete Aronsson daraufhin 1944 die „Micki Leksaker AB“, die zu einem der erfolgreichsten schwedischen Spielzeugunternehmen werden sollte. Nicht zuletzt geschicktes Marketing ebnete den Weg nach oben. Die Aronsson-Geschwister gewannen die Kaufhauskette EPA als wichtigsten Abnehmer. Sie orderte gleich 10.000 Kugelmännchen und machte das lustige Geschöpf damit umgehend im ganzen Land populär. Dank diesem furiosen Start konnte die Produktion schnell

ausgeweitet werden. Weitere kugelige Geschöpfe wie Hunde, Clowns und Krokodile eroberten die Kinderzimmer. Unter dem Markennamen „Tumick“ wurden Segelboote und Baukästen ins Programm genommen. Heute ist „Micki“ in dritter Generation im Familienbesitz und ein Global Player. Längst hat auch Plastikspielzeug seinen Platz erobert, aber der traditionelle Werkstoff Holz besetzt noch immer einen beträchtlichen Teil der Produktpalette. Andere Firmen konnten sich dagegen nicht über die Jahrzehnte behaupten. Ihre Kreationen sind deshalb aber nicht weniger gefragt bei den Sammlern – im Gegenteil. Das Unternehmen „Gemla“, in den 1860er-Jahren von Alexis Westerdahl gegründet, gilt als die erste schwedische Spielzeugfabrik überhaupt. Über acht Jahrzehnte hinweg nahm sie einen führenden Platz auf dem Markt ein. Ihre Geschichte ist gekennzeichnet von großen Erfolgen aber auch zahlreichen Rückschlägen und Katastrophen. Gründer Alexis Westerdahl, Student einer der Kunstakademie in Stockholm angegliederten Technikschule, kam durch ein Weihnachtserlebnis auf die Idee, sich der Produktion von Spielzeug zu verschreiben. Als Gast einer Stockholmer Familie berührten ihn die strahlenden Augen der Kinder beim Auspacken ihrer Geschenke. Er bemerkte, dass die Waren fast alle aus dem Ausland stammten. Gleich nach dem Fest begann er, Miniaturmöbel anzufertigen. Seine ersten Werke stellte er in einem schicken Stockholmer Hotel aus – mit großem Erfolg. Besonders ein Klavier im Kleinstformat erwies sich als Verkaufsschlager. Dermaßen ermuntert, gewann Westerdahl prominente Stockholmer als Geldgeber. Er beantragte die Einrichtung einer „mecha-

Das Kugelmännchen „Micki“ begründete den Erfolg der gleichnamigen Spielzeugmanufaktur. Auf diesem Bild ist eine sehr frühe Version aus dem Jahr 1944 zu sehen. Micki beglückt auch heute noch Kinder in aller Welt mit Spielzeugen aus Holz und anderen Materialien Foto: © Micki leksaker AB, Gemla


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nischen Fabrik zur Produktion von Spielzeug und Kunstobjekten wie Puppenmöbel, Puppen, Puzzlespiele, Kutschen und Gebäude aus Holz und Papiermachée.“ Ein Stipendium ermöglichte es dem Jungunternehmer, zwei Monate lang die Produktion in Deutschland, Frankreich und der Schweiz zu studieren. Doch schon nach einem Jahr fiel das Unternehmen in sich zusammen. Die Investitionen rechneten sich nicht. Westerdahl ließ sich nicht entmutigen und unternahm einen Neuanfang in der kleinen Gemeinde Gemla in Smaland. Eine alte Papiermühle mit Eisenbahnanschluss wurde zum neuen Domizil. Die Besitzer wechselten mehrmals, Westerdahl blieb Geschäftsführer. Obwohl das Gemla-Spielzeug gefragt war, kam die Firma auf keinen grünen Zweig. Innerhalb weniger Jahre brannte die Produktionsstätte zwei Mal ab.

TEURE PARADEPFERDE Immerhin erschien 1886 erstmals ein Katalog, der 180 unterschiedliche Waren anpries. Gemla nahm deutsches Spielzeug zum Vorbild und verfeinerte die Ausführung. Das war möglich, weil Produktpiraterie seinerzeit noch nicht so vehement bekämpft wurde wie heute. Besonders mit seinem Schaukelpferd reüssierte das Unternehmen. Eltern konnten es in vier verschiedenen Größen kaufen – wenn sie es sich denn leisten konnten. Denn Gemlas Paradepferde überforderten den kleinen Geldbeutel. Im Katalog von 1903 kosteten sie zwischen 18,50 und 35 Kronen. Ein Arbeiter verdiente damals zwischen fünf und zehn Kronen pro Woche. Gemlas Spielzeuge waren sorgfältig gearbei-

tet. Die Herstellung der berühmten Schaukelpferde war aufwändig. Sie wurden aus zweierlei Holz gearbeitet, für Mähne und Schwanz fand sogar echtes Rosshaar Verwendung. Damit das Unternehmen rentabel arbeiten konnte, produzierte man zu Beginn des neuen Jahrhunderts auch Tennisund Tischtennisschläger. In den Zwanzigern kamen Radios und Grammophone hinzu. Damit besserte sich endlich die Situation. 1937 meldete die Firma, dass sie annähernd eine Million Spielzeuge habe produzieren und vermarkten können. Aber 1954 kam dann doch das Aus: Unstimmigkeiten mit einem der größten Abnehmer, der Kaufhauskette EPA, ließen den Umsatz rapide sinken – das Unternehmen musste seine Produktion aufgeben. Eine etwas glücklichere Hand bewies die Familie Kähr in Nybro. Ihre Spielzeugfirma entwickelte sich aus der Herstellung von Spinnrädern zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Als die Geräte dank der industriellen Revolution in der Textilindustrie immer weniger gefragt waren, stellte man auf Möbel, Haushaltswaren und Spielzeug um – ein echtes Familienunternehmen, in dem neben den Eltern alle sechs Kinder beschäftigt waren. Kähr machte sich einen Namen als Lieferant von Croquet-Schlägern und Kegeln. Die dritte Generation, die 1907 das Ruder übernahm, modernisierte den Betrieb, setzte auf die neue Kraft der Elektrizität und spe-

Je älter, desto lieber und teurer: Dalapferd, der Werkstatt von Stikå Erik Hansson zugeschrieben. Seine Beschriftung lautet „Upsala Distingmarknad den 3. febr. 1880.“ Das Objekt wurde auf 20.000 bis 25.000 Kronen (1.854-2.320 Euro) geschätzt, aber erst für 120.000 Kronen (11.126 Euro) zugeschlagen Luxus für den Nachwuchs: Schaukelpferd von Gemla, frühes 20. Jahrhundert, H 87 cm, L 120 cm Dalapferd aus dem 19. Jh., taxiert auf 1.200 bis 1.500 Kronen (111-140 Euro), verkauft für 2.600 Kronen (240 Euro) Dalapferd aus dem frühen 20. Jahrhundert, polychrom bemalt, mit leichten Schäden (Schätzpreis 2.000-2.500 Kronen /Zuschlag 6.000 Kronen oder 556 Euro) Dalapferd aus der Zeit um 1930/40, zugeschlagen für 1.400 Kronen (130 Euro) Alle Fotos: Bukowskis Auktioner AB


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zialisierte sich noch mehr auf Holzspielzeug. 1917 beschäftigte die Manufaktur 150 Arbeiter und setzte Waren für 700.000 Kronen um. 1919 wurde das Unternehmen zu einer Aktiengesellschaft, wobei die Familie die Aktienmehrheit hielt. Kähr agierte weitblickend. Um sich Rohstoffe zu sichern, wurden riesige Waldgebiete aufgekauft. Die Spielzeuge zeichneten sich durch gutes Design aus und zeigen Anklänge an den Funktionalismus. Die Form der Rennautos, Boote und Lastwagen sind auf das Wesentliche reduziert und lassen der kindlichen Phantasie viel Raum. Dabei waren die Produkte sehr viel preiswerter als etwa die Erzeugnisse von Gemla. Ein Schaukelpferd von Kähr war mit 7,5 Kronen auch für ärmere Familien erschwinglich. Es war weniger aufwändig gearbeitet als das fast fünffach teurere Modell der Konkurrenz. Aber das störte die schwedischen Jungreiter überhaupt nicht. Bis in die 1960er-Jahre blieben die Spielsachen im In- und Ausland gefragt. Schließlich verlegte sich das Unternehmen jedoch auf die Produktion von Wohnraumtüren und Holzböden. 1941 konnte es sich die Erfindung des Mehrschichtparketts patentieren lassen. Seither ist es auf diesem Gebiet führend in Europa.

DAS DALARNA-PFERD Die Volkskunst spielte bei der Entwicklung der schwedischen Spielzeugindustrie eine entscheidende Rolle. Sie zieht eine Spur von der Wikingerzeit bis in unser Jahrtausend. Nichts symbolisiert diese Tradition so sehr wie das Dalarna-Pferd. Das „Dala“ ist bis heute das beliebteste Souvenir aller Schweden-Touristen. Denn bis Ende des 19. Jahrhunderts war das Land vornehmlich ein AgrarStaat. Das Pferd war als Arbeitstier und Transportgehilfe unverzichtbar. Diesen hohen Stellenwert genoss es über Jahrtausende hinweg. Die Wikinger mystifizierten es und dichteten ihm magische Kräfte an. Einer Sage

nach ritt der nordische Gott Odin ein achtbeiniges Pferd namens Sleipnier, das angeblich schneller als der Wind galoppieren konnte. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Pferd zum beliebtesten Motiv in der Volkskunst wurde. Die älteste erhaltene Figur stammt nach einer wissenschaftlichen Untersuchung mit der Radiokarbonmethode aus dem Jahre 1560. War es ein Spielzeug oder ein Kultgegenstand? Die Forschung ist sich in diesem Punkt nicht schlüssig. Fest steht, dass alte Holzpferde eher Seltenheitswert haben. Es wird vermutet, dass die meisten Figuren als Feuerholz endeten, nachdem sie von mehreren Generationen bespielt worden waren. Ein Zentrum der Holzpferd-Produktion wurde Dalarna, eine idyllische Region, die länger von der Industrialisierung und ihren Auswüchsen verschont blieb als andere Gegenden Schwedens. Für die Bewohner der großen Städte wie Stockholm und Göteborg war dieses pittoreske Mini-Schweden ein beliebtes Ferienziel, das sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch bequem per Eisenbahn erreichen ließ. Die Maler Anders Zorn und Carl Larsson hatten sich hier niedergelassen. Wie die vielen Touristen bewunderten auch sie die Schnitzkunst der Bewohner. Ganze Familien hatten sich ihr verschrieben, für viele war sie die einzige Einkommensquelle. Es gab keine standardisierten Formen – jede Werkstatt entwickelte ihre eigene Handschrift. Viele dekorierten ihre vierbeinigen Geschöpfe mit Blumenmustern im „Kurbits“-Stil, einem regionalen Dekor, das sich auch auf Möbeln findet. Die kleine Gemeinde Mora entwickelte sich zu einem Zentrum der DalapferdSchnitzerei, und um die Jahrhundertwende schafften es die bunten Tierchen sogar ins Museum. Die Besinnung auf das kulturelle Erbe war gerade sehr in Mode, Vereine kümmerten sich um die Bewahrung des traditionellen Kunsthandwerks. 1939 machten die Besucher der Weltausstellung in New York Bekanntschaft

mit dem Dalarna-Pferd. Eine über zwei Meter hohe Version grüßte am Eingang des schwedischen Pavillons. Damit begann der Siegeszug des vierbeinigen Sympathieträgers rund um die Welt. Es wurde zum Symbol eines Landes mit großen natürlichen Ressourcen, einer bedeutenden Handwerkstradition, sozialem Fortschritt und einer modernen Einfachheit. Nach dem Gastspiel in Übersee nahm die Vermarktung richtig Fahrt auf: Fast anderthalb Tonnen der preiswerten Holzpferde wurden in die Vereinigen Staaten verschifft. Als Folge der plötzlich riesigen Nachfrage entwickelte sich auch eine industrielle Fertigung. In unserem Jahrtausend schließlich wurde das Dala-Pferd zum beliebten Deko-Artikel, nachdem es das Möbelhaus IKEA ins Programm nahm – nun aber im modernen Gewand, das ihm die Designerin Katarina Brieditis verpasste. Wie steht es heute um das schwedische Holzspielzeug? Kann man mit Nachziehdackeln, Steckmänchen und Holzeisenbahnen Kinder im Zeitalter der Elektronik überhaupt noch beeindrucken? Bei Brio und seiner Konkurrenz ist man davon überzeugt, dass Spielwelten aus dem natürlichen Werkstoff ihre Bedeutung behalten. Das Unternehmen beruft sich auf einen Beitrag des Wissenschaftlers David Whitebread aus Cambridge, den es 2013 für seinen Beitrag „The importance of Play“ (Die Bedeutung des Spielens) ausgezeichnet hat. Whitebread sieht ein Bedürfnis der Kinder, konzentriert und frei zu spielen, um als Persönlichkeit zu wachsen und sich zu entwickeln. Eine seiner Untersuchungen zeige, dass alle Arten des Spielens nützlich seien und die Kinder eine Vielfalt an spielerischen Aktivitäten benötigten. Dass Holzspielzeug dabei auch in unserem Zeitalter eine wertvolle Rolle spielen kann, beweist das noch relativ junge Unternehmen „Playsam“. Es wurde 1984 von Carl Zedig (Jg. 1941) gegründet. Zedigs Anliegen war es, Spielzeug herzustellen, dessen „Farbe, Form und Funktion zu-


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setzen, kam Playsam auch mit einem Schaukelpferd auf den Markt. Entworfen hat es wiederum Ulf Hanses, der seine moderne Version entschieden kleiner ausfallen ließ als die historischen Vorbilder. So ist es Kleinkindern problemlos möglich, sich ohne fremde Hilfe in den Sattel zu schwingen. Noch origineller und am Markt gefragter ist allerdings Playsams Schaukelhase, den Björn Dahlström 2007 in die Kinderzimmer brachte.

WENIG ERFORSCHT

sammen ein ästhetisch ansprechendes Ganzes bilden.“ Mit diesem hohen Anspruch wurden seine Produkte zwangsläufig auch zu begehrten Sammelobjekten. Wie viele der minimalistisch gestylten Rennautos, Raketen und Segelschiffe nicht im Kinderzimmer zu finden sind, sondern auf den Schreibtischen designbegeisterter Eltern, ist kaum nachzuvollziehen. Playsam-Spielzeug steht für die skandinavische Überzeugung, dass alle Teile der Gesellschaft ihren Nutzen aus gutem Design ziehen – natürlich – und erst recht! – Kinder. Dabei geht es Zedig immer auch um den pädagogischen Wert. Die reduzierten Formen können nach seiner Auffassung „die kindlichen Sinne stimulieren und dazu beitragen, dass das Kind die fehlenden Teile in seiner Phantasie dazulegt.“ Playsam-Spielzeug ist mit vielen Design-Preisen ausgezeichnet worden. Zedig konnte gleich zu Beginn seiner Karriere den Designer Ulf Hanses (Jg. 1949) gewinnen, einen Schüler des bekannten Industriedesigners Sigvard Bernadotte. Hanses entwarf 1984 den berühmten „Streamliner“, ein Rennauto, das sich durch einfache Formen und kräftige Farben auszeichnet. Die Streamliner-Familie wuchs in den folgenden Jahren um viele weitere erfolgreiche Modelle. Und um eine weitere schwedische Tradition fortzu-

Trotz ihrer großen Tradition ist die Geschichte der schwedischen Spielzeugindustrie im Vergleich zur deutschen und französischen wenig erforscht. Erst eine Ausstellung, die in den Jahren 2014 bis 2017 in Paris und New York zu sehen war, rückte sie in den Fokus von Sammlern und Designfreunden. Sie war vom New Yorker Bard Graduate Center konzipiert worden, das sich kulturhistorischen Forschungen verschrieben hat. Zu sehen waren zumeist Objekte aus der Sammlung des schwedischen Autors und Antiquitäten-Experten Peter Pluntky, der 1980 das Spielzeugmuseum in Stockholm gegründet hatte. Seit 1999 ist seine Sammlung Bestandteil der römischen Collezione di giocattoli antichi (Sammlung historischer Spielzeuge), die zu den weltgrößten ihrer Art zählt. Die Rakete aus dem Jahr 2012 beflügelt kindliche und erwachsene Phantasien – ein Entwurf von Christopher Robin Nordström Die Eleganz des Einfachen: Ulf Hanses entwarf 1984 das erste Spielzeugauto für das seinerzeit soeben gegründete Unternehmen Playsam. Der „Streamliner“ (H 7 cm, L 13,5 cm) bekam in den folgenden Jahren noch viele nette Verwandte Der Schaukelhase von Björn Dahlström wurde 2007 vorgestellt. Mit einer Höhe von 80 Zentimetern ist er um einiges niedriger als klassische Schaukelpferde. Mühelos können sich Kleinkinder in seinen Sattel schwingen Hurra, es ist ein Mädchen! Den Kinderwagen aus 2006 von Dennis Ingemansson gibt es aber auch in hellblau – oder in neutralem Weiß Alle Fotos: Playsam „Dachsie“ – hier in seiner jüngsten Version – bezaubert Kinder seit Ende der 1950er-Jahre Foto: Brio

Literatur: Amy F. Ogata, Susan Weber, Swedish Wooden Toys, 2014, in Deutschland zu beziehen über Frölich & Kaufmann oder über das Bard Graduate Center, in englischer Sprache

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Farbenreichtum Malerei Bastian / Aurenhammer, Hans (Hg.): Tizian und die Renaissance in Venedig, 272 Seiten, zahlreiche Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß, Prestel Verlag, München, London, New York, 2019, Preis: € 49,-. Von Albrecht Dürer ist bekannt, dass er sich vor der Rückkehr in die fränkischen Heimat ein wenig fürchtete. „Oh, wie wird mich nach der Sonne frieren!“, schrieb er in einem Brief, der an seinen Nürnberger Freund Willibald Pirckheimer adressiert war, und weiter: „Hier bin ich ein Herr,

wurden. In der einstigen Handelsmetropole etablierte sich sogar der Farbenhändler als ein eigener Berufstand. Aufgrund internationaler Kontakte konnte er die Maler mit den besten Pigmenten aus aller Welt versorgen. Einer der Ersten, der die Temperamalerei aufgab und im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts auf Ölfarben setzte, war Venedigs damalige Nr. 1, Giovanni Bellini. Er hat damit eine Entwicklung angestoßen, die Tizian vollenden sollte. Dieser und seine Zeitgenossen führten Venedig auf den Gipfel seiner künstlerischen Bedeutung. Die ganze Bandbreite der venezianischen Renaissancemalerei, die vorherrschenden Motive sowie die technischen Raffinessen betreffend, erschließt sich nicht zuletzt dank eines umfangreichen und ausführlich kommentierten Katalogteils. ISBN 978-3-7912-3

Feuer und Flamme Keramik Wagner, Matthias (Hg.): Lore Kramer – Ich konnte ohne Keramik nicht leben, 263 Seiten, zahlreiche Abbildungen in Farbe, avedition, Stuttgart, 2019, Preis: € 34,-.

daheim ein Schmarotzer“. Er meinte also gar nicht unbedingt diese körperliche Wärme in südlichen Gefilden, sondern spielte in diesem Schreiben darauf an, dass ihm in Venedig, eben ganz anders als zuhause, bereits der Glanz des Ruhms als Künstler beschieden worden war. Die Reise in die Lagunenstadt sollte für Dürer jedoch nicht nur eine soziale Rangerhöhung, vom malenden Handwerker zum genialen Maler bereithalten, sondern ihn außerdem in ganz anderer Hinsicht entscheidend beeinflussen: Dürer konnte in Italien seine Kenntnisse im Umgang mit der Farbe entscheidend verbessern. In der venezianischen Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts regierte die Farbe, sie basierte nicht wie im konkurrierenden Rom oder Florenz auf einer exakten Zeichnung. Colorito verso disegno, bereits Giorgio Vasari hat in seinen Lebensbeschreibungen diesen Topos aufgegriffen und selbstverständlich widmen sich ihm die AutorInnen dieser Publikation ebenfalls ausführlich. Einer der insgesamt drei Essays befasst sich so explizit mit den Maltechniken, wie sie speziell in Venedig erdacht und vervollkommnet

In diesem eher kleinformatigen, nahezu quadratischen Katalogbuch spielen die Objekte eindeutig die Hauptrolle. Ehe dem Leser auf Seite 205 zum ersten Mal Text, das Vorwort, begegnet, war er ausschließlich mit den schnörkellosen oder treffender „formvollendeten“ und „zeitlosen“ – wie


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Matthias Wagner sie bezeichnet – Schalen, Vasen, Bechern, Krügen, Tellern und Tassen dieser Keramikerin konfrontiert gewesen, eine Abbildung pro Doppelseite. Wie im richtigen Leben, jedenfalls wie im Leben der Lore Kramer, wäre zu konstatieren. Nach eigener Aussage, sie kommt hier kurz zu

GZSZ Film Mänz, Peter / Rother, Rainer / Wick, Klaudia (Hg.): Die Ufa – Geschichte einer Marke, 200 Seiten, 160 farbige und 80 s/w-Abbildungen, Kerber Verlag, 2017, Preis: € 36,-. Seit Mai 1992 läuft auf RTL von Montag bis Freitag die Fernsehserie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, bei Fans und Eingeweihten bekannt unter dem Kürzel „GZSZ“. Mehr als 6.750 Folgen dieser überaus erfolgreichen Daily Soap wurden bisher produziert und zwar, wer hätte es gedacht, von der Ufa Social Drama. Es gibt sie also noch, die UFA, diese bei älteren Semestern bestens bekannte, legendäre Produktionsfirma, bei deren Namensnennung man sofort an sogenannte deutsche Ufa-Stars denkt, wie Emil Jannings, Marlene Dietrich, Zarah Leander, Hans Albers oder Curd Jürgens, an längst vergangene Zeiten also. Tatsächlich konnte das Unternehmen im Jahr 2017 seinen 100. Geburtstag feiern,

Wort, fing sie vor fast 70 Jahren an, ihre Leidenschaft zu leben, in der Überzeugung: „Ich kann ohne Keramik nicht leben“. Entstanden ist ihr Oeuvre, bei dem es nie um spektakuläre Formgebung, aber stets um die perfekte Form ging, im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit an der ehemaligen Werkkunstschule und heutigen Hochschule für Gestaltung in Offenbach. ISBN 978-3-89986-302-4

und wie so oft wurde dieses runde Jubiläum zum Anlass genommen, die eigene, durchaus wechselvolle Geschichte Revue passieren zu lassen und sich an die Guten, wie die schlechten Zeiten zu erinnern. Bildmaterial für eine Ausstellung bzw. eine üppig illustrierte Begleitpublikation war erwartungsgemäß reichlich vorhanden. Dieser Katalogband bietet natürlich ein Wiedersehen mit den erwähnten Filmdiven und Leinwandhelden samt ihren mittlerweile zu den Klassikern zählenden Filmen, er widmet sich aber genauso jüngeren und zeitgenössischen Stars sowie den aktuellen Produktionen, die inzwischen nur noch selten für die große Kinoleinwand hergestellt werden. Mindestens genauso unverzichtbar und maßgeblich für die Geschichte und den Erfolg der „Universum-Film Aktiengesellschaft Berlin“, wie der vollständige Name der Ufa lautete, waren aber stets auch diejenigen, die von den Chefsesseln in den Büros aus Regie führten und die Ufa ins 21. Jahrhundert führten, mit ihnen macht man in diesem Buch ebenfalls Bekanntschaft. ISBN 978-3-7356-0421-7

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VORSCHAU/IMPRESSUM

VORSCHAU

SAMMLER JOURNAL

ISSN 1863-0332

AUFBRUCH IN DIE MODERNE Bronzen von 1900 bis in die 1930er-Jahre

HERAUSGEBER (verantwortlich f. d. Inhalt)

Gerd Reddersen

VERLAG

GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: www.gemiverlag.de E-Mail: info@gemiverlag.de

GESCHÄFTSFÜHRER

Gerd Reddersen Rudolf Neumeier

ASSISTENZ DER GESCHÄFTSFÜHRUNG

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GESAMTKOORDINATION

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REDAKTEURE

Nicola Fritzsch Heidrun Th. Grigoleit Helene Stümpfle-Wolf Anja Iwa Joscha Eberhardt

AUTOREN DIESER AUSGABE

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REDAKTIONSASSISTENZ

Heike Genz

TERMINE

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LITHOS, SATZ, HERSTELLUNG

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VERTRIEB

Gerd Reddersen

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SCHMUCK AUS DER ZEIT NAPOLEONS Luxus zum Bestaunen ANTHONIS VAN DYCK In ganz Europa gefeiert

Erscheinungstermin SJ 12/2019 Abonnentenversand: 20.11.19 Erstverkaufstag Handel: 26.11.19

Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/08 vom 01.11.2008 Bildnachweise links: August Gaul, zwei kleine Löwen, Bronze, um 1898, Foto: Lempertz; Kameentiara des schwedischen Königshauses, René Brus, Replik, 1989, Diamantmuseum Amsterdam


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Sammler Journal 11/2019  

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